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Look/Book 2008

Everything is Design. Everything!

Creative Vienna


AUDIOVISION / AUDIO- VISION

E S S AY / E S S AY Bert Rebhandl Metamorphosen der Audiovision – Das Filmland Österreich öffnet sich der Zukunft / Metamorphoses of the audiovisual —Austrian movies conquer the future (258)

PROJEKTE / PROJECTS cmotion Focus the out of focus / Focus the out of focus (263) DAYvid smart producin p g The old school is the new school / The old school is the new school (267) FreibeuterFilm (271) Witcraft Szenario (271) Filmladen (272)

ARCHIV / ARCHIVE ARGE INDEX (273) AUTLOOK Filmsales (273) Future Cinema (273) Kaczek’s Visuals Trading (273)


Look/Book 2008

In dieser Publikation wird aufgrund der besseren Lesbarkeit auf sämtliche geschlechtsspeziďŹ sche Endungen verzichtet.


*Zitat von Paul Rand In: Michael Kroeger, „Paul Rand: Conversations with Students“ Princeton Architectural Press 2008


Look/Book 2008

Everything is Design. Everything!*

Verlag f端r moderne Kunst N端rnberg


Zahlen

ZAHLEN FIGUR ES

4 Maßgeschneiderte Förderprogramme für die Wiener Creative Industries / tailor-made funding programs for the Viennese creative industries

23 Förderprogramme seit August 2004 / funding programs since August 2004

619 eingereichte Projekte / submitted projects

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figures

142 geförderte Projekte / funded projects

10,7 Millionen Euro Gesamtfördersumme / million euros of total funding

42,8 Millionen Euro privates Invest wurde durch die departure Förderungen ausgelöst / million euros of private investments were triggered by departure funding

769 Arbeitsplätze konnten so entweder gesichert oder neu geschaffen werden / jobs were secured or created

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Vorwort Michael Häupl

Michael Häupl

PIONIERGEIST PIONEER ING SPIR IT

(d) Wien ist die lebenswerteste Stadt in der Europäischen Union, diese hohe Auszeichnung hat auch heuer die internationale Consulting-Firma Mercer der Donaumetropole zuerkannt. Diese ausgesprochene Lebensqualität hat viele Komponenten, hohe Sicherheit und ein hervorragendes Gesundheitswesen tragen dazu ebenso bei wie die besondere Umweltqualität, die angenehme Wohnsituation und vor allem der soziale Friede. Warum das an dieser Stelle überhaupt erwähnt wird? Weil die besten Lebensumstände auch immer eine Gefahr bergen: jene Gefahr, ausschließlich bewahrend zu agieren. Obwohl die Stadt Wien sehr behutsam mit ihrer großen Vergangenheit umgeht, ist uns bewusst, dass Visionen und Fortschritt unser Lebenselixier sind. Hier setzt departure an: eine Agentur, die Unternehmern mit zukunftsträchtigen Ideen hilft, diese auch umzusetzen und den Markt zu erobern. Eine unverzichtbare Tätigkeit.

zu entwickeln, zu vernetzen und zu verändern gibt. Der Pioniergeist unter Wiens Kreativen vermittelt eine wunderbare, eine ansteckende Dynamik – Wien braucht und fördert solch visionäre Persönlichkeiten.

what keeps a city full of life. This is where departure comes in, an agency that helps companies with promising ideas to implement these ideas and capture the market—something we cannot do without.

Das departure Look/Book macht auch heuer wieder deutlich, dass die Donaumetropole und ihre Kreativen im globalen Wettbewerb nicht nur mit dabei sind, sondern ganz an der Spitze stehen.

The departure Look/Book presents a large number of creative ideas. An enormous economic potential can be released by the interaction of economy and culture. The projects presented show us that there is always something to think about, to develop, to link up and to change. The pioneering spirit among Vienna’s creative professionals is a wonderfully contagious dynamic force. Vienna needs and lends a hand to these visionary persons.

(e) Within the European Union, Vienna offers the highest quality of living. Once again this year, the international consulting firm Mercer has awarded this top rank to the city on the Danube. The exceptional quality of living is made up of many aspects: a high degree of personal safety and an excellent public health care system are key elements, as well as the special environmental quality, the satisfactory housing situation and above all social peace. Why do I point this out here? Because there is a danger involved even in the Im departure Look/Book sind unzählige kreative Ideen most favorable living condipräsentiert. Das Zusammen- tions—the danger of acting only in order to preserve the wirken von Wirtschaft und current status. Kultur birgt enormes ökoThe City of Vienna treats its nomisches Potenzial und great past with considerable die vorgestellten Projekte care; we realize, however, führen uns vor Augen, dass that visions and progress are es immer etwas zu denken, 6

This departure Look/Book once again illustrates that the city on the Danube and its creative minds not only take part in the global competition but have made it to the very top. Michael Häupl Bürgermeister der Stadt Wien / Mayor of the City of Vienna


preface Renate Brauner

Renate Brauner

AM PULS DER ZEIT UP WITH THE LATEST TR ENDS

(d) Das Wechselspiel zwischen Kultur und Wirtschaft, Kunst und Kreativität bildet die wertvolle Basis, die Wien zu einer dynamischen, modernen Metropole macht und den Weg in die Zukunft weist. In den letzten Jahren ist im öffentlichen Diskurs immer öfter von kreativen Eigenschaften der Städte die Rede: „Creative City“, „Cultural Industries“, „Culturepreneurs“, „Creative Economy“, „Creative Class“ oder „Creative Industries“ sind in aller Munde. Kreativität und urbane Lebensform sind die Hoffnungsträger der städtischen Ökonomie. Der Begriff Kreativwirtschaft bezeichnet eine neue Verbindung von Kultur und Ökonomie und ist Wachstumsmotor sowie Garant städtischer Wettbewerbsfähigkeit. Wien hat das Potenzial der Kreativwirtschaft als Triebkraft wirtschaftlichen Wachstums früh wahrgenommen, kann schon auf fünf Jahre erfolgreiche Fördertätigkeit in diesem Bereich zurückblicken und somit heuer im bereits vierten departure Look/Book neue und spannende Projekte vorstellen. Durch diese Publikation bekommen abstrakte Begriffe wie die oben genannten ein Gesicht. Es wird veranschaulicht, welche Ideen in Wien geboren

und verwirklicht werden. departure hat aktuelle Themen wie die Veränderung der Kommunikation im neuen konvergenten Medienzeitalter besetzt und Wiener Unternehmen dabei unterstützt, die Möglichkeiten des Phänomens Web 2.0 in erfolgreiche Geschäftsmodelle zu verwandeln. Die Ergebnisse dieser Schwerpunktsetzung zeigt das Look/Book 2008 ebenso wie einen Überblick über die Wiener Kreativ-Szene. Ausführliche Interviews und Kommentare bieten aufschlussreiche Einblicke in aktuelle Trends, individuelle Erfolgsgeschichten und spannende Charaktere. Das Look/Book ist ebenso wie departure inzwischen zu einer Institution geworden. Doch es bleibt am Puls der Zeit. Erscheinungsbild und Inhalt verändern sich und spiegeln die Dynamik der kreativen Szene Wiens wider. (e) The interplay of culture and economy, of art and creativity has proved valuable for rendering Vienna a dynamic, modern city and points the way into the future. In recent years the idea of cities having creative characteristics has featured more and more in public discussions: words such as

“creative city”, “cultural industries”, “culturepreneurs”, “creative economy”, “creative class” or “creative industries” are on everyone’s lips. Creativity and urban lifestyle carry the hopes of urban economies. The term “creative economy” describes a new combination of culture and economy; it is the driving force that guarantees a city’s competitiveness. The City of Vienna was quick to realize the potential of the creative economy as a promoter of economic growth and can look back on five years of successful funding in this area. This year’s departure Look/Book is already the forth of its kind to present exiting projects. It serves to illustrate such abstract terms as the ones mentioned above. You can take a look at the ideas born and implemented in Vienna. departure deals with upto-date topics such as the changes in communication in the new age of convergent media and supports Viennese companies when it comes to turning the possibilities of the Web 2.0 phenomenon into successful business models. The Look/Book 2008 presents the results of setting these priorities and also gives an outline of Vienna’s creative scene. Detailed interviews

and comments offer revealing insights into current trends, stories of individual success and interesting personalities. Just like departure itself the Look/Book has become an institution. And yet it stays dynamic and keeps up with the latest trends. Its look and content vary, reflecting the dynamic development of Vienna’s creative professionals. Renate Brauner Vizebürgermeisterin der Stadt Wien, Finanz- und Wirtschaftsstadträtin / Vice Mayor of the City of Vienna, City Councilor for Finance and Economic Affairs

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Vorwort / preface Brigitte Jank

Brigitte Jank

AU F KO OPE R AT ION E N SETZEN FOCUS ON COOPER ATION

(d) Kreativität nimmt in der Wirtschaft einen immer bedeutenderen Stellenwert ein. Auch am Wirtschaftsstandort Wien gilt Kreativität neben Innovationskraft und Qualität als essenzieller Standortfaktor der Zukunft, der maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung und auf das Wachstum der Wiener Wirtschaft hat. Die Wirtschaftskammer Wien sieht daher eine ihrer Kernaufgaben darin, junge Kreative und Wiener Unternehmer zu ermutigen, gemeinsam Ideen wahr werden zu lassen, neue Produkte höchster Qualität auf den Markt zu bringen sowie erfolgversprechende, zukunftsweisende Projekte umzusetzen. Unsere Netzwerkplattform www.creativespace.at bietet Kreativen, deren außergewöhnliche Kenntnisse und Fähigkeiten leider oftmals unterschätzt werden, kostenlose Präsentationsmöglichkeiten und Unternehmen Zugang zu innovativen Leistungen. Am Ende steht die Kooperation etablierter Betriebe mit jungen Ideenspendern. Denn kreativ zu sein allein genügt nicht. Will Wien von dem Potenzial seiner kreativen Köpfe nachhaltig und langfristig profitieren, muss neben dem Ausbau der Fördermöglichkeiten vor allem die Kommunikation zwischen 8

Unternehmern und Kreativen initiiert und gepflegt werden. Netzwerke lassen sich darüber hinaus auch anders schaffen: Auf Initiative der Wirtschaftskammer Wien präsentierten zehn von einer international besetzten Jury ausgewählte Wiener Designer ihre Produkte und Entwürfe auf der ICFF 2008 in New York, der wichtigsten Möbel- und Designmesse Nordamerikas. Daneben unterstützen wir beispielsweise im Rahmen des 8 festival for fashion & photography das Konzept des „Guerilla Stores“. Dabei kommen junge Modeschöpfer erstmals mit Kunden und dem Markt in direkten Kontakt. Diese – erweiterten – Ansätze des Förderns werden wir beibehalten und gezielt ausbauen. Das departure Look/Book bietet dem vielfältigen und reichen Schaffen Wiener Kreativer eine unverzichtbare Bühne. Es ist eine Talenteshow im besten Sinne. Gemeinsam wollen wir erreichen, dass ihre Ideen und Projekte langfristig wirtschaftlich reüssieren. (e) Creativity is becoming more and more important for the economy. That also applies to Vienna, where, in

addition to innovative power and quality, creativity is an essential asset to enhance the city’s future appeal as a business location and has a decisive impact on the development and growth of Vienna’s economy. The Vienna Chamber of Commerce and Industry therefore considers encouraging young creative minds and Viennese companies to cooperate in carrying out their ideas, in launching new top-quality products as well as in implementing promising projects as one of its main tasks. Via our network platform www.creativespace.at creative professionals, whose exceptional knowledge and abilities unfortunately are often underestimated, can present themselves for free and companies gain access to innovative services. The final goal is to make established companies cooperate with young creative minds. For being creative is not enough. If Vienna is to profit from the potential of its creative minds in the long run, it is not only necessary to increase funding but above all to establish and maintain communication between entrepreneurs and creative minds. Furthermore, networks can also be established by other means: at the initia-

tive of the Vienna Chamber of Commerce and Industry ten Vienna-based designers were chosen by an international panel of judges to present their products and designs at the ICFF 2008 in New York, North America’s most important furniture and design fair. Apart from that we support the concept of “guerilla stores”, e. g. during the 8 festival for fashion & photography, where young fashion designers get in touch with customers and the market for the first time. We will retain and specifically expand this extended approach to supporting creativity. The departure Look/Book offers an indispensable stage for Vienna’s prolific creative professionals to present their many-faceted activities. It is a talent show in the best sense of the word. Our common goal is to guarantee lasting economic success for their ideas and projects. Brigitte Jank Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien / President of the Vienna Chamber of Commerce and Industry


© WTV / HERTHA HURNAUS

„In Wien kann man zu hervorragender und sehr vielfältiger Musik wunderbar tanzen und sich hemmungslos vergnügen.“ Susanne Kirchmayr, Wiener Weltklasse-DJ „Electric Indigo“

WIEN-HOTELS & INFO, Tel. 01–24 555, www.wien.info


Inhalt

I N H A C O N T E EINLEITUNG PREFACE Zahlen / Figures (4) Michael Häupl p Pioniergeist / Pioneering spirit (6) Renate Brauner Am Puls der Zeit / Up with the latest trends (7) Brigitte JJank Auf Kooperationen setzen / Focus on cooperation (8) Inhalt / contents (10) Beitragende / contributors (14) Christoph p Thun-Hohenstein Der Kunst ihre Freiheit, der Freiheit ihre Kreativität / For art its freedom, for freedom its creativity (64) Impressum p / (288) imprint p

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P R O D U C T

P L A C E M E N T

PRODUCT PLACEMENT Florian Ladstätter (20) _ fabrics interseason (22) INDEX DVD Edition (24) Mühlbauer (26) Gina Drewes (28) Lomography p y (30) Ute Ploier (32) Petar Petrov (34) Walking-Chair (36) Anna Aichinger (38) Nina Peter (40)

rosa mosa (42) Veronika Persché (44) Brandmair (46) Wendy&Jim (48) Lucy.D (50) Kabiljo Inc. (52) ´ (54) RADIC/MORGER Lobmeyr (56) And_I (58) Wilfried Mayer (60) Zero Inch (62)


contents

L T N T S

MODE FA S H I O N E S S AY / E S S AY

ARCHIV / ARCHIVE

Brigitte Felderer Public Privacy. Mode in Wien / Public Privacy. Fashion in Vienna (94)

AMRA OT COUTURE (122) AND _ i (122) (122) art point p Brandmair (122) elfenkleid (123) _ fabrics interseason (123) Florian Ladstätter (123) Keen (123) Mühlbauer (124) Petar Petrov (124) rosa mosa (124) Saba Song (124) Schella Kann (125) Ute Ploier (125) Wendy&Jim y J (125)

PROJEKTE / PROJECTS

ARCHITEKTUR A R C H I T E C T U R E E S S AY / E S S AY Wojciech j Czaja j Der Ausverkauf der Räume / The sellout of space (74) PROJEKTE / PROJECTS nextroom Raum lassen / Leaving room for imagination (79)

Nofrontiere Design Wasserspiele mit Umzugskarton / Water games and packing cases (84)

Anna Aichinger Liebeszeichen für Alphafrauen / Love signs for alpha women (100) Nina Peter Fast wie eine Couture-Arbeit / Almost like doing couture (107) Wilfried Mayer y Sich selbst Anlass sein / An occasion in itself (112) Gina Drewes (118) Elena Grasmik (118) sixxa (119) Ina Kent (119) RADIC´ / MORGER (120) Mayi y (120) p gabei (121) pa Veronika Persché (121)

cabs (89) OFROOM (89) Easybalkon (90) Paul PeyrerHeimstätt (90) Michael Wallraff (91)

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Inhalt

L I T ER AT U R , M EDI EN, V E R L AG S W E S E N LITER ATURE , MEDIA, PUBLISHING E S S AY / E S S AY

D E S I G N D

E

S

I

G

N

E S S AY / E S S AY Paola Antonelli Auseinandersetzung mit dem Leben / Dealing with life (128) PROJEKTE / PROJECTS ARGE LIGHTGLASS Der Computer im Glas / Computer in a glass panel (136) hei solar light Volles Rohr / The entire tube (140) Liquifer q Systems y Group p Loblied auf den Büroschlaf / Praise the office nap! (144)

Martina Kröll (149) Paul Kogelnig (149) Motmot Design (150) sha. (150) Totti Design (150) Upbuildin p g (151) Spirit p Design (152)

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M U S I K PROJEKTE / PROJECTS Buch Wien Neue Inszenierung für Bücher / A new platform for books (171) Biber (176) Facultas (176) ARCHIV / ARCHIVE

ARCHIV / ARCHIVE Adam WehselyySwiczinskyy & Andreas Neubauer (153) AIRMICI (153) All Austrian Arts (154) bkm (154) bkm on tour (154) Congenial (155) convoi-id (155) DANKLHAMPEL DESIGN (155) Designbüro René Chavanne (156) Designstudio LUCY.D (156) Desktop p Design (156) Electric Babes (156) Florian Gsottbauer (157) FreeWings (157) Future Skin (157) guggenbichlerr design … (157)

Gerhard Ruiss Buchstadt Wien / Vienna—a city of books (166)

(158) JJohann Spitzauer p JJULAND Barcelona Vienna (158) J ge Typen Jun yp , (158) j ges Layout jun y Kabiljo j Inc. (159) Kai Stania (159) Kohlmaier (159) Lobmeyr y (159) Lomograph p y (160) mCubed Information Technology & 24H Product Design (160) miramondo (160) Najj aj ar & Najj aj ar (161) Siddhartha Sailingyyachts (161) URBAN TOOL (161) Walking-Chair & UNVERKAEUFLICH (162) Wubet (162)

Mandelbaum Verlag (177) Volltext Verlag (177)

M

U

S

I

C

E S S AY / E S S AY Tim Renner Nischen nutzen: Die Freiheit der kleinen Märkte / Profiting from niches: the liberty of small markets (180) ARCHIV / ARCHIVE Acoustic Medicine (184) Couch Records & Officer (184) Couch Music Publishing (184) crack shop p (185) Daniel Hantigk (185) J gen Bauer (185) Jür Kairos (185) Karate Joe J (186) Klein Records, Universal Music & MIOOOW (186) Ludwig Doblinger (186) Mario Rossori (187) material records (187) MoodDesigner (187) Musiktank (188) ORDIS (188) soulseduction (188) TRUST (189)


contents

M U L T I M E D I A M

U

L

T

I

M

E

D

I

A

D E PA R T U R E FA S H I O N N I G H T 8 FESTIVAL

E S S AY / E S S AY

(276)

Christoph p Sattler The Land of „For Free!“ / The land of “for free!” (192) PROJEKTE / PROJECTS 7 Million Weg von Gewalt / No more violence (196) Fancity Begeisterung teilen können / Enabling fans to share their enthusiasm (200) filmtiki Der Überschmäh aus Übersee / The Tiki Trick (204) FragEgg Titel müssen her / We need champions (208) Grassfish Dynamische Daten / Dynamic data (212) Greentube An der lila Bande scharf rechts rein / Make a sharp right at the purple banner (215) ovos realtime 3D Wozu Schwerkraft, wenn man fliegen kann / No need for gravity if you can fly (219) p platogo g Kater sucht Katze / Tomcat seeks she-cat (223)

PLAY.FM Am Tümpel im Jahr der Ratte stand ein ratloser Chinese / At a puddle in the year of the rat there was a Chinese completely at a loss (227) VMS Machen Räume lebendig / They liven up rooms (232) WriteFlow Sammeln, speichern, wiederfinden / Collect, store, retrieve (236) Xendex Einen Knopfdruck weg vom Fun / Fun at the push of a button (240) yasssu Der Tod ist ein Handy auf einem Pferd / Death is a mobile phone on a horse (244) And Yet It Moves (248) ZONE (248) Webducation (249) La Gentz (249)

ARCHIV / ARCHIVE Conceptual p Art Technologies (250) Cross-Cultural (250) Information System y FOX & p pooool (250) (251) Image Eye-Luetke y Men on the Moon, NOUS Wissensmanagement & NOUS Trade (251) Mozartradio (252) Papermint p 3D Society (252)

Screenmaster (252) Spendenfl p uss.at (253) Sproin p g Interactive Media (253) Tag Your City (253) Tupalo p (253) Virtual Photo (254) VMS (254) uma information technology (254) Graf Moser (255) Rochus Park (255)

W E WOR K SHOPS W E W O R KS H O P S (284)

AU DIOV ISION AUDIO -VISION E S S AY / E S S AY Bert Rebhandl Metamorphosen der Audiovision – Das Filmland Österreich öffnet sich der Zukunft / Metamorphoses of the audiovisual —Austrian movies conquer the future (258)

A N H A N G APPENDIX geförderte Unternehmen / (3) funded companies p Statistik / statistics (6)

PROJEKTE / PROJECTS

Programme / p ograms (7) pro

cmotion Focus the out of focus / Focus the out of focus (263) DAYvid smart producin p g The old school is the new school / The old school is the new school (267)

J y glieder / Jurymit j y members (10) jury Das Team / The team (17) Über departure p / (18) about departure p

FreibeuterFilm (271) Witcraft Szenario (271) Filmladen (272) ARCHIV / ARCHIVE ARGE INDEX (273) AUTLOOK Filmsales (273) Future Cinema (273) Kaczek’s Visuals Trading (273)

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Beitragende

BEI T R AGEN DE CONTR IBUTORS

WOJCIECH CZAJA (d) Wojciech Czaja wurde 1978 ´la in Ruda S ˛ska, Polen, geboren. Seit 1981 wohnhaft in Wien. Architekturstudium an der TU Wien. Arbeitet als freischaffender Architekturjournalist für Tagespresse und Fachmagazine, seit 2005 tätig für „Der Standard“. Mitkonzeption der Zeitschrift „91° More than Architecture“. Seit 2007 Beirat in der Jury „Kunst im öffentlichen Raum“ der NÖ Landesregierung. Zuletzt erschienen „Wir spielen Architektur“, Sonderzahl Verlag und „periscope architecture. gerner°gerner plus“, Holzhausen Verlag.

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BRIGITTE FELDERER (e) Wojciech Czaja was born ´la in 1978 in Ruda S ˛ska, Poland, and moved to Vienna in 1981. He studied architecture at the Vienna University of Technology and works as a freelance architecture journalist for various daily newspapers and magazines, since 2005 for “Der Standard“. Co-founder of the magazine “91° More than Architecture“. Since 2007 advisor to the “Art in public space” jury of the provincial government of Lower Austria. Among his latest publications are “Wir spielen Architektur” [We play architecture], Sonderzahl Verlag and “periscope architecture. gerner°gerner plus”, Holzhausen Verlag.

(d) Brigitte Felderer, Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin, lehrt an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ausstellungen u. a.: „Wunschmaschine Welterfindung. Eine Geschichte der Technikvisionen seit dem 18. Jahrhundert“, Kunsthalle Wien 1996; „Rudi Gernreich. Fashion will go out of fashion”, Steirischer Herbst 2000 / Institute of Contemporary Art Philadelphia 2001; „Phonorama. Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium“, ZKM Karlsruhe 2004/05; „Thinking without brain, speaking without lips. Die Automaten und Maschinen des Wolfgang von Kempelen“, Humboldt Universität Berlin 2005 (mit E. Strouhal); „Rare Künste. Zauberkunst in Zauberbüchern“, WienBibliothek 2006; „Sound of Art“, Museum der Moderne Salzburg 2008 (mit E. Louis); „Zauberkünste“, Kulturhauptstadt Linz 2009.

(e) Brigitte Felderer, curator and cultural scholar, teaches at the University of Applied Arts Vienna. Exhibitions i. a.: “Wunschmaschine Welterfindung. A History of Techno-Visions since the 18 th Century”, Kunsthalle Wien 1996; “Rudi Gernreich. Fashion will go out of fashion”, Steirischer Herbst 2000 / Institute of Contemporary Art Philadelphia 2001; “Phonorama. A Cultural History of the Voice as a Medium”, ZKM Karlsruhe 2004/05; “Thinking without brain, speaking without lips. The Automatons and Machines of Wolfgang von Kempelen”, Humboldt University Berlin 2005 (with E. Strouhal); “Rare Arts. Conjuring Arts in Conjuring Books”, Vienna City Library 2006; “Sound of Art”, Museum der Moderne Salzburg 2008 (with E. Louis); “Doing Magic”, European Capital of Culture Linz 2009.


contributors

ANDREA HURTON (d) Andrea Hurton studierte Germanistik und Romanistik in Wien. War u. a. Redakteurin bei der Wiener Stadtzeitung „Falter“, beim Kulturmagazin „Bühne“ sowie beim Frankfurter „Pflasterstrand“. Autorin mehrerer Sachbücher u. a. „Die Erotik des Parfums“; „Man benimmt sich wieder“; „1000 Tage bis zur Zukunft. Moden und Trends am Vorabend der Jahrtausendwende“, erschienen im Eichborn und Econ Verlag. Jüngste Buchveröffentlichungen: Beiträge in „Austrian Fashion Now! and then? Strategies and Networks of Austrian Fashion Design“, hrsg. v. Unit F, büro für mode, 2006 sowie in „Kulturverführer Wien“, Helmut Metz-Verlag, Hamburg 2007. Arbeitet als Journalistin und PR-Beraterin in Wien.

TIM RENNER (e) Andrea Hurton studied German and Roman language and literature in Vienna. She worked i. a. as editor for the Viennese weekly journal “Falter”, the culture magazine “Bühne”, and the Frankfurt-based journal “Pflasterstrand”. She is the author of several specialized books: “Die Erotik des Parfums” [The Eroticism of Perfume]; “Man benimmt sich wieder” [Good Behaviour is Back in Demand]; or “1000 Tage bis zur Zukunft. Moden und Trends am Vorabend der Jahrtausendwende” [1000 Days to the Future. Fashions and Trends on the Eve of the New Millennium], published by Eichborn and Econ Verlag, respectively. Recent publications include contributions to “Austrian Fashion Now! and then? Strategies and Networks of Austrian Fashion Design”, published by Unit F, büro für mode, 2006, and “Kulturverführer Wien”, Helmut Metz-Verlag, Hamburg 2007. She works as journalist and PR consultant in Vienna.

KATRIN SEILER (d) Katrin Seiler studierte Modejournalismus und Medienkommunikation in München bevor sie 2004 nach Wien zu Unit F büro für mode ging. Dort ist sie seitdem mit den Themen Modeförderung, Modetheorie und digitale Datenbanken betraut. An der Akademie der bildenden Künste Wien hat sie seit Wintersemester 2007/08 einen Lehrauftrag am Institut für Künstlerisches Lehramt/Moden und Styles inne.

(e) Katrin Seiler studied fashion journalism and media communication in Munich. In 2004 she joined Unit F büro für mode in Vienna. Since then she has been responsible at Unit F for fashion support, theory of fashion and digital data bases. Since the winter semester of 2007/08 she gives lectures on fashions and styles at the Institute for Education in the Arts at the Academy of Fine Arts Vienna.

(d) Tim Renner stieg 1986 bei Polydor ein, wo er 1989 die neu gegründete Abteilung Progressive Music übernahm, die 1994 zu einer eigenständigen Plattenfirma avancierte. 1999 übernahm Renner die Leitung der Universal Music Deutschland. Nach seinem Ausscheiden bei Universal veröffentlichte Renner 2004 das Buch „Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm: Über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie“ und gründete Motor Entertainment, ein Medienunternehmen, zu dem das Label Motor Music, die Radiostation Motor FM und das TV-Angebot Motor TV gehören.

(e) Tim Renner joined Polydor in 1986; as of 1989 he was responsible for the new department of Progressive Music which became an independent record label in 1994. In 1999 Tim Renner took over management of Universal Music Germany. After leaving Universal in 2004 he published the book “Death Is Not So Bad: The Future of the Music Industry” and founded Motor Entertainment, a media company including the label Motor Music, the radio station Motor FM and the TV channel Motor TV.

KARIN POLLACK (d) Karin Pollack, geboren und aufgewachsen in Salzburg, übersiedelte 1987 in die Bundeshauptstadt. Sie hat hier Vergleichende Literaturwissenschaften, Russisch und Italienisch studiert und danach in verschiedenen Internet-Firmen gearbeitet. 1999 begann sie als Journalistin bei „profil“, 2005 wechselte sie zur Tageszeitung „Der Standard“, wo sie die Medizinbeilage betreut. Sie hätte gerne mehr Zeit zum Lesen dicker Romane, würde gerne Hebräisch weiterlernen oder einen Winter am Meer verbringen. Das alles wird kommen. Einstweilen lebt sie sehr zufrieden mit ihrem Mann, dem 14-jährigen Sohn Konstantin und zwei übergewichtigen Katzen in Wien.

(e) Karin Pollack was born and raised in Salzburg. In 1987 she moved to Vienna, where she studied comparative literature, Russian and Italian. Subsequently, she worked for several Internet companies. In 1999 she started her career as journalist with the magazine “profil”, in 2005 she joined the daily paper “Der Standard”, where she is in charge of the newspaper’s supplement on medicine. She’d love to have more time for reading thick novels and continuing her studies of Hebrew, and spend a winter by the sea. There surely will be time for that someday. In the meantime she lives a contented live together with her husband, her 14-year old son Konstantin and two overweight cats.

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Beitragende

GERHARD RUISS (d) Gerhard Ruiss, geboren am 29.5.1951 in Ziersdorf/ NÖ, 1958 Übersiedlung nach Wien, Lehrberuf Schriftsetzer, ab 1978 selbstständiger Autor, Musiker, Schauspieler, Regisseur, Lehrbeauftragter und Sprecher bzw. Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, der Berufsvertretung österreichischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Verfasser zahlreicher Hand- und Sachbücher zur Literatur u. a. „Handbuch für Autoren und Journalisten“ mit bisher zwei und „Literarisches Leben in Österreich“ mit bisher fünf Ausgaben. Andere kulturpublizistische Veröffentlichungen: „Schwarz.Buch. Kulturpolitische Protokolle, 1999; „Das Chefbuch. Schlagzeilen“, 2001. Bisher erschienene Gedichtbände: „Single Swingers“, 1987; „Indikationen“, 2000; „Sänger im Bad“, 2001; „2 nd Happy Shop“, 2003; „ah da oh“, 2003; „Single Swingers – gerettete Texte“, 2003; „dichter schreiben keine romane“, 2004; „Kanzlergedichte“, 2006; „Und wenn ich nun noch länger schwieg’. Nachdichtungen der Lieder Oswalds von Wolkenstein I“, 2007; „Herz, dein Verlangen. Nachdichtungen der Lieder Oswalds von Wolkenstein II“, 2008.

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CHRISTOPH SATTLER (e) Gerhard Ruiss, born May 29, 1951, at Ziersdorf/Lower Austria, moved to Vienna in 1958 and was trained as a typographer. As of 1978 he has been working as a free-lance writer, musician, actor, director, lecturer and spokesman, and president of IG Autorinnen Autoren, the professional representation of Austrian writers. He is the author of many guides to and non-fiction books on literature, i. a. “Handbuch für Autoren und Journalisten” [Guide for Writers and Journalists] with two editions and “Literarisches Leben in Österreich” [Literary Life in Austria] with five editions up to now, respectively. Other publications on cultural issues are: “Schwarz.Buch. Kulturpolitische Protokolle” [Black. Book, Protocols of Cultural Policy], 1999; “Das Chefbuch. Schlagzeilen” [The Boss’s Book, Headlines], 2001. Poetry books published so far: “Single Swingers”, 1987; “Indikationen” [Indications], 2000; “Sänger im Bad” [Singer at the Bath], 2001; “2 nd Happy Shop”, 2003; “ah da oh”, 2003; “Single Swingers—gerettete Texte” [Single Swingers—Texts Saved], 2003; “dichter schreiben keine romane” [Poets Don’t Write Novels], 2004; “Kanzlergedichte” [Chancellor Poems], 2006; “Und wenn ich nun noch länger schwieg’. Nachdichtungen der Lieder Oswalds von Wolkenstein I” [And If I Was Silent Even for a Longer Time. Adaptations of the Songs of Oswald of Wolkenstein I], 2007; “Herz, dein Verlangen. Nachdichtungen der Lieder Oswalds von Wolkenstein II” [Heart, Your Desire, Adaptations of the Songs of Oswald of Wolkenstein II], 2008.

(d) Christoph Sattler (geb. 12.06.1969) ist seit 1995 als freiberuflicher Autor, Redakteur und Producer tätig und entwickelt Formate und Kommunikationskonzepte für TV, Internet, Mobile Media, kleine Kinder, alte Dickköpfe, englische Friseure und jeden anderen, der die Welt zu einem besseren Platz zum Leben machen möchte. Zu seinen Kunden zählen unter anderem ARD, ZDF, ProSieben, Kabel1, RTL und der Wiener Stadtsender PulsTV. Seit 2004 lebt Christoph Sattler in Wien. Er hat zwei Katzen, einen Plattenspieler und geht zwischendurch gerne Vögel beobachten. Im Rahmen des departure focus-Programms 2007 gestaltet Sattler ein Blog zum Thema „Lifestyle Advertising“ (blog.departure.at).

(e) Christoph Sattler (born June 12, 1969) has worked as a freelance writer, editor and producer since 1995 and has developed formats and communication concepts for television, Internet, mobile media, little children, old pigheads, English hairdressers and everybody else trying to make the world a better place to live in. Among his clients are the broadcast stations ARD, ZDF, ProSieben, Kabel1, RTL and the Vienna-based station PulsTV. Christoph Sattler has been living in Vienna since 2004. He is the owner of two cats, one record player and likes to observe birds every now and then. He created the blog (blog. departure.at) on the subject of lifestyle advertising under the departure focus program 2007.

AMELIE ZNIDARIC (d) Amelie Znidaric ist Designund Lifestylejournalistin und arbeitet als stellvertretende Chefredakteurin des „Schaufenster“, der Freitagsbeilage der Tageszeitung „Die Presse“. Dort ist sie auch genau am richtigen Platz, denn sich den ganzen Tag mit schönen Dingen beschäftigen zu dürfen, empfindet sie als großen Luxus. Sie ist 1971 geboren, hat Handelswissenschaften studiert, in diversen PR-Agenturen gearbeitet, beim Magazin „Wienerin“ und bei der NGO Care Österreich, bevor sie 2005 zur „Presse“ wechselte. Amelie Znidaric lebt in Wien in einer etwas renovierungsbedürftigen, dafür sehr charmanten Atelierwohnung, in die es auch durch das geschlossene Fenster hereinregnet.

(e) Amelie Znidaric works as a design and lifestyle journalist and is deputy editor of “Schaufenster”, the Friday supplement to the newspaper “Die Presse”. And there she is in exactly the right place, for she considers being allowed to think of beautiful things all day long a great luxury. She was born in 1971, studied international business administration, worked in various PR agencies as well as for the magazine “Wienerin” and for the NGO Care Austria, until she moved on to “Die Presse” in 2005. Amelie Znidaric lives in Vienna. Her apartment is somewhat in need of refurbishing, but nevertheless charming—though the rain comes in even with the windows closed.


contributors

MARTIN STÖBICH

KLAUS VYHNALEK (d) Klaus Vyhnalek, geboren 1968 in Eggenburg (NÖ), maturiert 1986 am Gymnasium Horn, wo auch das erste Interesse an der Fotografie entsteht. Im Anschluss assistiert und arbeitet er für viele Jahre bei Erich Lessing. Viele Reisen und Praktika bei renommierten Bildagenturen (Magnum Photos, Art Resource …) prägen seine Sicht der Fotografie. Hauptsächliche Tätigkeitsfelder sind Reportage-lastige Aufträge, Dokumentationen sowie Porträts und Architektur. Zu Vyhnaleks Kunden zählen nationale und internationale Medien, Kulturorganisationen, Firmen sowie Werbe- und Designagenturen. Diverse Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen erweitern das Spektrum in Richtung künstlerische Fotografie. Klaus Vyhnalek lebt in Wien, ist glücklich verheiratet und hat einen Sohn.

(e) Klaus Vyhnalek was born 1968 in Eggenburg (Lower Austria). It was at school already that his interest in photography was awakened. He completed secondary education in 1986 in Horn, Lower Austria, and subsequently worked for many years as assistant to Erich Lessing. Numerous journeys and internships at renowned photography agencies (Magnum Photos, Art Resource, etc.) decisively influenced his view of photography. His main fields of activity are reportage and documentary photography, headshots and architecture. Among Klaus Vyhnalek’s clients are national and international media, cultural organizations, companies as well as advertising and design agencies. His work as an artistic photographer has been presented in various exhibitions. Klaus Vyhnalek lives in Vienna; he is happily married and father of a son.

(d) Martin Stöbich wurde 1976 in Linz an der Donau geboren und freut sich mehrmals täglich darüber, die perfekte Berufswahl getroffen zu haben: Fotograf. Fotografiert er nicht gerade in Beirut, Buenos Aires oder Peking, verbringt er seine Zeit in Wien, wo er lebt und arbeitet. Seit mittlerweile acht Jahren zählen sowohl diverse internationale und nationale Werbekunden wie Puma, Telekom Austria, Casinos Austria, FM4, Wienerberger, Metropolitan Opera New York u. a. als auch Magazine wie Neon, Rondo, Glamour, Blond und viele mehr zu seinen Kunden. Künstler wie Hot Chip, Art Brut, Attwenger, Louie Austen, The Cardigans, The Darkness, Franz Ferdinand, Wolfgang Schlögl, Sportfreunde Stiller, Blixa Bargeld, Klaus Wowereit oder Erwin Wurm wurden von ihm porträtiert. Er ist immer noch unverheiratet, kinderlos und zwiespältiger Besitzer eines im Moment fahruntüchtigen Plymouth Caravelle Sedan.

(e) Martin Stöbich was born in Linz on the Danube in 1976. Several times a day he experiences a feeling of joy for having chosen the perfect profession: photographer. If he isn’t shooting photos in Beirut, Buenos Aires or Beijing, he spends his time in Vienna, where he lives and works. For eight years he has been working for Austrian and international companies such as Puma, Telekom Austria, Casinos Austria, FM4, Wienerberger, Metropolitan Opera New York etc., and magazines like Neon, Rondo, Glamour, Blond and many more. Artists like Hot Chip, Art Brut, Attwenger, Louie Austen, The Cardigans, The Darkness, Franz Ferdinand, Wolfgang Schlögl, Sportfreunde Stiller, Blixa Bargeld, Klaus Wowereit and Erwin Wurm had their portraits taken by Martin Stöbich. He is still unmarried, childless and the ambivalent owner of a—currently not roadworthy— Plymouth Caravelle Sedan.

THANK YOU Unser Dank gilt all jenen, die zur Realisierung dieses Buches beigetragen haben. Im Besonderen: We wish to thank all those who contributed to the making of this book, especially:

BERT REBHANDL (d) Bert Rebhandl, Jahrgang 1964, Studium der Germanistik, Philosophie und Kath. Theologie in Wien und Berlin. Lebt als freier Journalist, Autor und Übersetzer in Berlin. Schreibt über Film und Kultur für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Der Standard“ sowie zahlreiche internationale Zeitschriften („Frieze“, „Texte zur Kunst“, „Spike“ … ). Lehraufträge am Seminar für Filmwissenschaft der FU Berlin. Buchveröffentlichungen: „Orson Welles. Genie im Labyrinth“, Wien 2005; „Western. Genre und Geschichte“, Hg., Wien 2007.

(e) Bert Rebhandl, born in 1964, studied German language, philosophy and catholic theology in Vienna and Berlin. He lives in Berlin and works as a freelance journalist, writer and translator. He writes about films and cultural issues for the “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, “Der Standard” and many international magazines (“Frieze”, “Texte zur Kunst”, “Spike” … ). He gives lectures at the Seminar for Film Studies at the FU Berlin. Books published: “Orson Welles. Genie im Labyrinth” [Orson Welles. Genius inside a Labyrinth], Vienna 2005; “Western. Genre und Geschichte” [Western. Genre and History], editor, Vienna 2007.

Michaela Alex-Eibensteiner, Paola Antonelli, Andreas Böhm, Wojciech Czaja, Raphael Drechsel, Susanne Eder, Brigitte Felderer, Daniel Hammer, Ralf Herms, Sabine Hofmann, Eva Holliber, Manuela Hötzl, Andrea Hurton, Silvia Jaklitsch, Norbert Kettner, Kerstin Knesewicz, Julia Knogler, Lisa Köstl, Marlene Leichtfried, Ulrike Marinoff, Barbara Matthews, Elisabeth Noever-Ginthör, Kristina Pacholet, Karin Pollack, Bert Rebhandl, Tim Renner, Gerhard Ruiss, Christoph Sattler, Katrin Seiler, Gian Paolo Spadola, Martin Stöbich, Oliver Stribl, Christoph ThunHohenstein, Magdalena Vukovic, Klaus Vyhnalek, Konstanze Wagenhofer, Brigitte Widler, Claudia Wiegele, Waltraud Wolf, Karina Zehetner, Amelie Znidaric, den präsentierten Projekten, unseren Kooperationspartnern Stadt Wien, WienTourismus, Wiener Wirtschaftskammer und Diesel Austria. / the presented projects, our cooperation partners City of Vienna, Vienna Tourist Board, Vienna Chamber of Commerce and Industry and Diesel Austria. Dorothea Köb und / and Heinz Wolf – die Redaktion / editors

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Product Placement

FLORIAN L A DSTÄT T ER

UTE PLOIER

The Golden Age

BLUEPRINT Spring/Summer Collection 2009

(20 )

( 32 )

_FA B R I C S INTERSEASON

PE TA R PE T ROV

manifesta7, european biennial for contemporary art 2008, trentino/alto adige

Spring/Summer Collection 2009 ( 34 )

(22 )

I N DE X DV D EDITION NOTES ON MARIE MENKEN – Martina Kudlácˇek (24 )

M Ü H L BAU E R Spring/Summer 2009 (26 )

P R O P L A C WA L K I N G CHAIR PET LIGHT 33 ( 36 )

GINA DR EW ES Heartbreak Hotel (28 )

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ANNA A ICHINGER SONIC SUMMER OF YOUTH ( 38 )

LOMOGR APHY

N I NA P E T E R

Lomography Diana F+

HAUTNAH Autumn/Winter 2008

( 30 )

( 40 )


product placement

ROSA MOSA IN THE WOODS Autumn/Winter Collection 2008/09 ( 42 )

K A BILJO INC. PRETTYPRETTY ( 52 )

V ERONIK A PERSCHÉ

´/ R A DIC MORGER

( 44 )

( 54 )

D U C T E M E N T

LOBMEYR Modell No. 6725/36/OR „Met-Luster“, Hans Harald Rath, 1966 ( 56 )

BR A NDM A IR

AND_I

Fall/Winter Collection 2008/09

SHADE Fall/Winter Collection 2008/09

( 46 )

( 58 )

W E N DY& J I M Spring/Summer Collection 2008 ( 48 )

WILFRIED M AY E R NEO EON ONE Spring/Summer Collection 2009 (60 )

L U C Y. D

ZERO INCH

Talking Heads

(62 )

( 50 )

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FLORIAN LADSTĂ„TTER The Golden Age Fotograf /photographer: Doris Erben www.beatica.com


_ FABRICS INTERSEASON manifesta7, european biennial for contemporary art 2008, trentino/alto adige “dominantes design: wanderer, kommst du nach sparta … “ “dominant design: go tell the spartans, thou who passest by … ” installation, dimensions variable, 2008 various materials: asphalt, ceramic tiles, aluminium, pvc, steel, rubber, bamboo, wood, various fabrics, raffia, reed, acrylics, tape, etc. conceived for the courtyard of manifattura tabacchi / rovereto, their monumental installation is based upon a playful interaction of remnants of modernist codes and references that reveal a contemplative auratic “mediterranean atmosphere”. a canopy of diverse semi-transparent fabrics, suggesting an alternative to ethnic exoticism and the lure of the global, an asphalt surface, as a stage-like platform, recalling both the post-industrial agora and the place of repose—such is _fabrics interseason (quasi-nomadic) spartan theatrics, featuring modern fragments of “dominant design”, an eclectic pseudo-archaeological site of public discourse and private well-being. surrounded by ruins of architectural and industrial order, the artists critically exercise the rituals of social and cultural folding and disassembling thus generating a brechtian alienation effect, a defamiliarized landscape where time, space and cultural memory conspire in order to produce a credible sense of collective history, beyond any singular or regional dimensions. (adam budak, principle hope) Foto /photo: _fabrics interseason www.fabrics.at


INDEX DVD EDITION NOTES ON MARIE MENKEN – Martina Kudlácˇek www.index-dvd.at


MÜHLBAUER Spring/Summer 2009 Fotograf /photographer: Gregor Zivic ´, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Galerie Martin Janda, Vienna / Gregor Zivic ´, courtesy Galerie Martin Janda, Vienna. www.muehlbauer.at


GINA DREWES Heartbreak Hotel Fotograf /photographer: Bernhard Wolff www.ginadrewes.com


LOMOGRAPHY Lomography Diana F+ Foto /photo: Lomography www.lomography.com


UTE PLOIER Spring/Summer Collection 2009 BLUEPRINT Fotograf /photographer: Klaus Vyhnalek www.uteploier.com


PETAR PETROV Spring/Summer Collection 2009 Fotograf /photographer: Christoph Pirnbacher www.petarpetrov.com


WALKING-CHAIR PET LIGHT 33 Foto /photo: Walking-Chair www.walking-chair.com www.walking-things.com


NINA PETER HAUTNAH Autumn/Winter 2008 Foto /photo: Nina Peter www.ninapeter.com


ROSA MOSA IN THE WOODS Autumn/Winter Collection 2008/09 Fotograf /photographer: Martin Stรถbich www.rosamosa.com


VERONIKA PERSCHÉ Fotograf /photographer: Jens Lindworsky www.persche.com


BRANDMAIR Fall/Winter Collection 2008/09 Fotograf /photographer: Irina Gavrich www.brandmair.net


LUCY.D Talking Heads Fotograf /photographer: Georg Schnellnberger www.lucyd.com


KABILJO INC. PRETTYPRETTY Fotograf /photographer: Christian Maricic www.kabiljo.com


LOBMEYR Modell No. 6725/36/OR „Met-Luster“, Hans Harald Rath, 1966 Fotograf /photographer: Michael Rathmayer www.lobmeyr.at


AND_I Andreas Eberharter Jewelry SHADE Fall/Winter Collection 2008/09 Fotograf /photographer: ElďŹ e Semotan (l.), Robert Marksteiner (r.) www.and-i.net


WILFRIED MAYER NEO EON ONE Spring/Summer Collection 2009 Fotograf /photographer: Christian Sturm www.wilfriedmayer.net


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Christoph Thun-Hohenstein

Christoph Thun-Hohenstein

DE R K U NS T I H R E F R E I H E I T, DE R F R E I H E I T I H R E K R E AT I V I TÄT

(d) „Jeder Mensch ist ein einmaliger Mensch und tatsächlich, für sich gesehen, das größte Kunstwerk aller Zeiten,“ schrieb Thomas Bernhard vor einem Vierteljahrhundert. „Wir müssen kein Genie sein, um einmalig zu sein und das auch erkennen zu können.“

Das Bekenntnis zu Individualität entwickelt sich zunehmend zum Megatrend, der den Übergang vom unreflektierten Konsum„Lifestyle“ zum bewussteren, auf sorgfältiger Auswahl beruhenden Erleben markiert. Einige Phänomene sind schon seit geraumer Zeit beobachtbar: Der jährliche sommerliche PauIndividualität ist gelebte schal- oder Masse-Urlaub Demokratie (und war daher wird durch mehrere, aufs immer schon das Feindbild totalitärer Systeme). Demo- Jahr verteilte, ganz auf perkratie gewährleistet Freiheit, sönliche Vorlieben zugeschnittene „Maßurlaube“ Freiheit schafft persönliche ersetzt; das Web 2.0 ist ein Gestaltungsmöglichkeiten. unbarmherziger Ort des InJe größer der individuelle formations- und ErfahrungsHandlungsspielraum eines Menschen, umso größer die austauschs, der höchst individuelle Bewertungen von Herausforderung, diesem Gesamtkunstwerk des eige- Waren und Events an ganze nen Lebens Form und Inhalt Communitys weitergibt und damit auch den Produzenten zu verleihen. bzw. Veranstaltern wertvolle Hinweise liefert; der Selten stand Individualität so hoch im Kurs wie heute. „Long Tail“ (also die Mög64

lichkeit, über das Internet die ausgefallensten Nischen weltweit bedienen zu können) erlaubt bisher ungekannte Verfeinerungen des persönlichen Geschmacks in Sachen Musik, Kunst, Literatur, Film oder auch in viel banaleren Angelegenheiten. Was künftig zählt, ist die Symbiose von Individualität und Design. Niemand kommt heute am Stellenwert von Design – sei es Industrie-, Produkt-, Grafik-, Mode-, Prozess- oder sonstiges Design – für die Gesellschaft wie auch für die wirtschaftliche Positionierung vorbei. Insofern ist Paul Rand, einem der einflussreichsten grafischen Designer des 20. Jahrhunderts, Recht zu geben: DESIGN IS EVERYTHING. EVERYTHING!

Der aus Wien stammende Victor Papanek hat dies schon vor vielen Jahrzehnten aus anderem Blickwinkel auf den Punkt gebracht: „Alles was wir tun ist fast immer Design, denn Design – Gestaltung – ist eine Uraktivität des Menschen … Jeder Versuch, Design losgelöst und für sich zu betrachten, läuft der Tatsache zuwider, dass Gestaltung die primäre, dem Leben zugrunde liegende Matrix ist.“ Erst wenn wir die allumfassende Bedeutung von Design in einer extrem visuell / audiovisuell ausgerichteten Welt begreifen und bewusst reflektieren, können wir Design gezielt als Instrument einsetzen – das gilt für die Verwirklichung der Einzelperson in ihrem gesellschaftlichen Umfeld genauso wie für


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die längerfristige Positionierung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit jedes Unternehmens. In Österreich jedoch wird Design noch vielfach ignoriert oder als bloße Behübschung wahrgenommen. Dies hat dazu geführt, dass zahlreiche Traditionsunternehmen trotz ihrer unbestrittenen Qualität von der Bildfläche verschwunden sind, und bringt auch jene designignoranten Firmen, die bisher überlebt haben, zunehmend in Schwierigkeiten: Denn für die heutige Internet-verwöhnte und Computer-Games-besessene Gesellschaft wird exzellentes Design zunehmend zur Selbstverständlichkeit, und wer diese Tatsache nicht wahrhaben will, wird an den Rand gedrängt. Der globale Vormarsch von Design erfordert freilich mündige Menschen, die mit Design umgehen können. Wir würden uns nichts Gutes tun, wollten wir uns das Leben pauschal durch Design diktieren lassen oder uns vom Design-Überfluss erdrücken lassen. (Wohin die Entwicklung führen kann, wenn Design bloß als Schein verwendet wird und die Welt des Scheins dem Menschen entgleitet, hat „The Matrix“ – für mich der wichtigste Film des ausgehenden 20. Jahrhunderts – ernüchternd gezeigt.) Wir müssen unseren Lebensstil selbst finden, das am Markt angebotene Design sollte uns dies nicht abnehmen, sondern Gestaltungspotenzial für Verbesserungen liefern. Dementsprechend sind wir aufgefordert, Designansätze nicht als bloßes Styling zu verniedlichen, sondern aktiv nach individuellen Bedürfnissen und Präferenzen auszuwählen und zu verknüpfen. Es geht also mehr denn je darum, mithilfe von Design das Leben 66

des einzelnen Menschen lebenswerter zu machen, mit anderen Worten: soziale Kompetenz durch kongenialen Dienst am einzelnen Menschen zu beweisen. Diese Verbindung von sozialer Verantwortung mit dem Anspruch auf Individualität der Einzelperson – egal ob sich diese in der realen oder einer virtuellen Welt bewegt – ist eine der großen Herausforderungen für die Gesellschaft unseres neuen Jahrhunderts. Design ist ein Tool zur Vermittlung vielschichtiger Inhalte und Konstellationen. Vermittlung ist in diesem Zusammenhang ein Schlüsselwort: Sozial engagiertes Design bedeutet daher auch, möglichst weiten Teilen der Gesellschaft besseren Zugang („easy access“) zu Lebensqualität zu verschaffen, indem sie sich nicht nur effizienter bewegen oder leichter miteinander kommunizieren oder besser an kulturellen Angeboten teilhaben können, sondern insbesondere auch ihre eigene Kreativität entdecken und einsetzen lernen. In einer Zeit, in der Wissen jederzeit und in Sekundenschnelle aus dem Internet abgerufen werden kann, zählt ja nicht allein das Verständnis, sondern der kreative Umgang mit gespeichertem Wissen. Sozial engagiertes Design wird damit zur Triebfeder für jene menschliche Eigenschaft, die der schönste Ausdruck menschlicher Individualität ist: Kreativität! Design zur Förderung von Kreativität („design for creativity“) in Kindergarten und Vorschule bis ins hohe Alter wird damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Darin ist gerade Europa gefordert, das der Brillanz der Vermittlung, wie sie in der amerikanischen Tradi-

tion des Story-Telling gepflegt wird, bisher wenig entgegenzusetzen hatte. Design bietet für Europa die Möglichkeit, Geschichte und Tradition mit zeitgenössischen Sichtweisen zu verknüpfen und auf der Höhe unserer Zeit neu zu interpretieren. Damit wird Design auch ein wesentliches Werkzeug in europäischen Schulsystemen, um spielerischen Umgang mit Lerninhalten und individuelle Kreativität im Bewusstsein um die kulturelle Vielfalt Europas zu fördern. Die Symbiose von Design und Individualität ist zugleich der Schlüssel für wirtschaftliches Handeln im 21. Jahrhundert. Wer im Überfluss des Konsumangebots auffallen will, muss sich von den Mitanbietern durch Individualität unterscheiden. Das Erfolgsrezept, um wirtschaftliche Rahmenbedingungen (wie z. B. serielle Produktion) mit dem Anspruch, Individualität zu ermöglichen, in Einklang zu bringen, ist Kreativität. Daher kommt der sogenannten Kreativwirtschaft eine steigende, in ihrer „TheWinner-Takes-It-All“-Tendenz sogar überproportionale Bedeutung zu. Auf globaler Ebene wird diese Entwicklung zu noch mehr Individualität auf die Spitze getrieben: Künstler sind die neuen Designer, könnte, übertrieben formuliert, eine der jüngsten Trendprognosen lauten, die durch das vermehrte Heranziehen von Künstlern insbesondere für Möbel- oder Modedesign belegt wird (z. B. zuletzt Richard Prince für Louis Vuitton). Was darin zum Ausdruck kommt, ist der Wunsch der betreffenden Unternehmen, sich der unkonventionellsten Inputs, nämlich künstlerischer, zu bedienen, um durch möglichst hohen Individualitäts-

gehalt aufzufallen. Auf der anderen Seite verstehen es die bekanntesten Designer (und vor allem deren Galeristen!), durch geschickte Verknappung in Form von limitierten Editionen Designarbeiten bzw -skizzen mit dem Anspruch von Kunstwerken zu versehen oder sich zumindest der Marktmechanismen von Kunstwerken zu bedienen (gleiches gilt für Architekten wie Zaha Hadid). Ging es früher in Kreativbereichen wie Design, Musik, Literatur darum, Spitzenprodukte zu möglichst niedrigen Kosten herzustellen und in möglichst hohen Stückzahlen abzusetzen, so ist heute die künstliche Verknappung eine treibende Marktkraft geworden, die sich geschickt der medialen Lust am Luxus bedient. Umgekehrt – und das erscheint hier besonders bedeutsam – erhöhen die Künstler die Reichweite ihrer Produkte durch gezielten Einsatz in Sparten außerhalb des Kunstbetriebs (z. B. im Sportbereich) und werden so ihrerseits zu einem Lifestyle-Phänomen mit entsprechender Breitenwirkung. Wenn die Begriffstrias DESIGN – KREATIVITÄT – INDIVIDUALITÄT im skizzierten Sinn tatsächlich die Angelpunkte einer mündigen Gesellschaft der Zukunft beschreibt, kann Wien eine verstärkte Bedeutung als Impulsgeber zukommen, ist es doch in vielfacher Hinsicht eine Stadt der Vermittlung: Neben der viel zitierten sogenannten Brückenfunktion Wiens zwischen Westeuropa einerseits und Mittel-, Ost- und Südosteuropa andererseits ist Wien auch ein Ort der Begegnung zwischen dem eher protestantisch geprägten Norden und dem mediterranen Süden Europas


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und damit eine „quintessential European city“, die den neuen Aufschwung Europas eindrucksvoll verkörpert. Da ist ferner als Dauerthema das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne, das dieser Stadt immer wieder beachtliche Dynamik verleiht (eines der bekanntesten historischen Beispiele ist Gustav Mahlers Ausspruch Tradition sei Schlamperei: „Was ihr Theaterleute eure Tradition nennt“, meinte Mahler wörtlich, „das ist nichts anderes als eure Bequemlichkeit und Schlamperei“ und nahm dies zum Anlass für grundlegende Reformen auf der Opernbühne, bei denen Design einschließlich Lichtdesign eine zentrale Rolle spielte). Ebenso bemerkenswert ist die Multikulturalität Wiens, die sich gerade im kulturellen Schaffen bereichernd auswirkt. Obwohl Wien – schon aus sprachlichen Gründen – nicht die Anziehungskraft der beiden globalen Kreativzentren New York und London hat (und sich damit in exzellenter Gesellschaft mit anderen Weltstädten wie Paris befindet), weist es somit eine Reihe von Voraussetzungen auf, die es für eine zentrale kreative Rolle in unserem neuen Jahrhundert prädestinieren. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang, dass Wien weltweit beachtete Akzente in Bereichen gesetzt hat, die den einzelnen Menschen essenziell betreffen wie etwa Wohnen. Welche Stadt wäre berufener als Wien, das sich im sozialen Wohnbau auch international einen hervorragenden Ruf geschaffen hat, Themenführerschaft für sozial engagiertes Design aufzubauen? Von umweltschonendem und nachhaltige Entwicklung im Interesse nachfolgender Generatio-

nen fördernden Design über Design für erhöhte Mobilität insbesondere älterer Menschen und Design zur dynamischen Vermittlung komplexen Wissens wie auch kultureller Leistungen, letzteres insbesondere auch für jüngere Generationen, bis hin zu Design zur Überwindung der mehrfachen „generation gaps“ (Vermittlung in diesem anderen Sinn – als Verständigung zwischen Generationen – wird gerade in Europa eine Hauptaufgabe von Design werden …). Ambitionierte Visualisierungen und audiovisuelle Konzepte können hier ebenso eine Rolle spielen wie technologische Avantgarde mit innovativen Nischenprodukten, die über den „Long Tail“ weltweit vermarktet werden. Dieses Potenzial zu nützen setzt allerdings voraus, dass einige Hausaufgaben gemacht werden. Das beginnt insofern bei den Kreativen selbst, als bei vielen in den vergangenen Jahrzehnten angesichts der Omnipräsenz von „Wien um 1900“ ein Ausblenden dieser kulturellen Leistungen aus dem eigenen Wahrnehmungsspektrum erfolgte, was insofern zu bedauern ist, als gerade aus der Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe bzw. dessen Überwindung spannende kreative Leistungen entstehen können. Erst in jüngerer Zeit ist diese Tendenz einem gelasseneren Umgang mit der eigenen kulturellen Vergangenheit gewichen, der auch durch das stetig wachsende Interesse zeitgenössischer Künstler, Architekten und anderer Kreativer aus aller Welt an den Leistungen aus Wien um 1900 bestärkt wird. Da die Wiener Szene von internationalem Austausch immer stark profitiert, sollten zusätzliche

Stadt die nötige Innovation aufweisen, um weltweit zu reüssieren, wird sich zeigen. Darin offenbart sich eben Von den führenden Museen, der diskrete Charme von Kreativität: Die potenziellen Festivals und anderen Ingredienzien sind zumeist Kulturveranstaltern müsste bekannt, den vollendeten ein Mehr an – auch für die Kreativwirtschaft relevanter – Zusammenklang hingegen bestimmt die individuelle Themenführerschaft ausgeInspiration. Auch insofern hen, speziell was das Herausarbeiten von Wechselbe- ist der Mensch tatsächlich das größte Kunstwerk aller zügen zwischen kulturellen Zeiten. Leistungen der Vergangenheit und zeitgenössischen Im Zusammenwirken mit Strömungen betrifft. Bei Kultur sind die Creative genauerer Betrachtung hat Industries für Wien der Wien nämlich viele PhänoSchlüssel, eine der bedeumene, die heute und in den tenden Städte des 21. Jahrkommenden Jahren an der Schnittstelle Kultur/Creative hunderts zu bleiben. Niemand kann sich auf den Industries eine spannende Lorbeeren der VergangenRolle spielen, schon vor heit ausruhen, das hat Wien hundert Jahren salonfähig gemacht, wie etwa das The- klar erkannt, und neue Stadtentwicklungsgebiete ma Gesamtkunstwerk und Aufhebung der Grenzen zwi- bieten zusätzliche Chancen schen Kreativbereichen, die zu realisieren, was andersVerbindung von Kunst und wo bisher nicht möglich Mode, die Annäherung von war. Und manche Dinge Design und Architektur oder sind noch kaum angedacht, die Verknüpfung eines obwohl sie eigentlich auf hohen Designanspruchs der Hand liegen: Zum Beimit herausragender handspiel das Kunstlied mit Viwerklicher Qualität, um nur sualierungen zur packenden einige zu nennen. Darüber Minioper zu erheben und hinaus gab es in der Person damit insbesondere jüngevon Adolf Loos auch die ren Generationen zugänggroße, trotz ihrer Widerlich zu machen. Oder – über sprüchlichkeit beeindrusprachliche Grenzen hinckende Denkerfigur, die das weg – das Internet zum Spannungsfeld zwischen Ausgangspunkt für ein ReArchitektur (einschließlich design der Wiener Kaffeesozialer Wohnbau!), Kunst haus-Literaturtradition zu und Design brillant themanützen („Café 2.1“). Dafür tisierte. Die Themen, um benötigt werden, neben die es ging, sind heute wieMut und Ehrgeiz, jedenfalls der brandaktuell, wie man auch Design, Kreativität insbesondere am Beispiel und Individualität! der (damals zwischen Loos und Josef Hoffmann entzündeten) Diskussion um den Wert des Ornaments sehen kann. Möglichkeiten für „creative residencies“ angedacht werden.

Wien ist jedenfalls reif für eine neue Ära des Designs, und departure möchte mit einem speziellen Designfokus 2009/10 dazu einen nachhaltigen Beitrag leisten. Welche Inputs aus dieser 67


Christoph Thun-Hohenstein

Christoph Thun-Hohenstein

F OR A R T I T S F R E E D OM , F OR F R E E D OM I T S C R E AT I V I T Y for totalitarian regimes). Democracy guarantees freedom, freedom creates opportunities for personal development. The more room to maneuver a person has, the bigger is the challenge to provide form and content for the integral work of art that is his life.

departure Geschäftsführer Christoph Thun-Hohenstein managing director of departure Christoph Thun-Hohenstein

(e) “Each human being is entirely unique, and each is the greatest work of art ever created,” Thomas Bernhard wrote 25 years ago; he also wrote that you don’t have to be a genius to be unique and be able to realize that. Individuality is a living expression of democracy (and has therefore always been something to fight against

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Rarely was individuality as highly thought of as nowadays. Being committed to individuality is becoming more and more of a megatrend that marks the turning away from a lifestyle of unconsidered consumption towards a life of awareness and choosing carefully. A number of phenomena have been with us for some time now: the annual package tour in summer among masses of people makes way for a number of holidays spread throughout the year and tailored to individual tastes; the Web 2.0 is a place where information and experience are exchanged mercilessly, where highly individual opinions of goods and events are made available to whole communities, thus giving important feedback to producers and organizers as well; the “Long Tail” (i.e. the possibility to cater to the most outlandish niches all over the world via Internet) enables

individual persons to refine their tastes in music, art, literature, film or much more trivial matters to a degree previously unthought-of. What will count in the future is the symbiosis of individuality and design. Today no one is able to ignore the significance of design—whether it is industrial, product, graphic, fashion, process or any other design—for our society or for economic positioning. In that you have to agree with Paul Rand, one of the most influential graphic designers of the 20 th century: DESIGN IS EVERYTHING. EVERYTHING! Victor Papanek, who originally came from Vienna, expressed that from another point of view many decades ago: “Everything we do, almost all the time, is design, for design is basic to all human activity … Any attempt to separate design, to make it a thing per se, runs counter to the fact that design is the primary underlying matrix of life.” Only if we recognize the allencompassing significance of design in our extremely visual and audiovisual world and consciously think about it, we can use design purposefully as a tool—that


Christoph Thun-Hohenstein

applies to the individual’s self-fulfillment in his social environment as well as to any company’s long-term economic positioning and securing of competitiveness. In Austria, however, design is often ignored or considered purely decorative. As a result many traditional companies have vanished despite the undisputed quality of their products, and other companies that pay no attention to design are more and more in trouble, even though they have managed to survive so far: because for our modern society, spoiled by the Internet and crazy for computer games, excellent design is increasingly becoming a matter of course. Those who try to ignore this fact will be marginalized. The global advance of design requires mature citizens able to cope with design. We would not do ourselves any good by letting our lives be dictated by design or allow an excess of design to smother us. (What might happen if design is more appearance than reality and if this world of appearances gets out of human control, is illustrated in a sobering way by the film “The Matrix”—for me the most important film of the late 20 th century.) We have to find a lifestyle of our own, design available in the marketplace should not take that away from us but offer potential for improvement. Consequently we are called upon not to trivialize design proposals as pure styling but to actively select and combine them according to our individual needs and preferences. More than ever what matters is to make life more worth living for every human being by means of design, in other words: demonstrate social competence by serving every human being in an ingenious way. Combining social responsibility and

the right of every person to express his individuality— no matter if he moves in the real or the virtual world—is one of the great challenges our society faces in the new century. Design is a tool for communicating complex matters and constellations. Communication is a keyword in this context. Socially responsible design also means providing easy access to a higher quality of living for as many people as possible, by enabling them not only to move around more efficiently, to communicate more easily or to take part in cultural activities to a greater extent, but also to explore and learn to make use of their own creativity. At a time when knowledge is accessible anytime and within seconds on the Internet, understanding alone is not enough, stored knowledge also has to be handled creatively. Socially responsible design thus becomes the driving force for the human activity giving the most beautiful expression to individuality—creativity! Promoting “design for creativity” from kindergarten and preschool to old age is therefore becoming an important social task. That is a challenge especially for Europe, which up to now has had little to match the brilliance of communicating things established by the American tradition of storytelling. Design enables Europe to link history and tradition with current perspectives and re-interpret them in the spirit of our age. Design is therefore also turning into an essential tool in European school systems, employed to promote individual creativity and a playful approach to subject matters, while keeping Europe’s cultural diversity in mind.

A symbiosis of design and individuality is also the key to economic activities in the 21 st century. Those who want to attract attention in the abundance of consumer goods offered have to distinguish themselves from their competitors by means of individuality. Creativity is the secret of success when it comes to reconciling economic prerogatives (e. g. serial production) with the desire to make room for individuality. Thus the socalled “creative economy” is gaining in importance, even disproportionally so because of the tendency of the winner to take it all. This development towards even more individuality is carried to extremes on a global level. To put it in slightly exaggerated terms: one of the latest trends might be that artists are today’s designers, as illustrated by the growing number of artists called upon to design in particular furniture and fashion (e. g. most recently Richard Prince for Louis Vuitton). In doing so, companies express a wish to make use of the most unconventional input, namely artistic input, to stick out by means of the greatest possible individuality. On the other hand the most famous designers (and above all their galleries!) skillfully manage to make their works and sketches rare by way of limited editions or at least by making use of the market mechanisms that apply to works of art (this is also true for architects such as Zaha Hadid). Whereas the aim in creative areas such as design, music or literature used to be to create top products at minimum costs and sell a maximum number of items, today an artificial scarceness has become a driving force on the market that cleverly takes advantage of the media’s desire for luxury. Vice

versa—and that seems especially significant—artists spread their products more widely by getting involved in fields other than the art business (e. g. sports), thus becoming a lifestyle phenomenon with a correspondingly widespread impact. If the three terms DESIGN— CREATIVITY—INDIVIDUALITY in the sense described above will really become the pivotal points of a mature society, Vienna’s importance as an innovation generator may well increase, as it is a city of mediation in more than one aspect: apart from its often mentioned bridgebuilding function between Western Europe on the one hand and Central, Eastern and South Eastern Europe on the other hand, Vienna is also a place where the North, influenced to a greater degree by Protestantism, and the Mediterranean South meet, making it a “quintessential European city” that impressively embodies Europe’s new boom. Beyond that, the conflicting demands of the traditional and the modern have again and again resulted in considerably boosting the city’s vitality. (One of the most renowned historical examples of that is Gustav Mahler’s dictum “Tradition is sloppiness”: “What you theater people call your tradition,” Mahler said, “is nothing but your inertia and your sloppiness.” As a consequence he implemented fundamental reforms on the opera stage, of which design, including lighting design, was an essential part.) Vienna’s multiculturalism is just as remarkable, it adds to cultural activities in particular. Although Vienna—for language reasons alone—does not attract as many people as New York and London, the two global centers of creativity, (a position Vienna 69


Christoph Thun-Hohenstein

shares with other outstanding world cities such as Paris), it nevertheless offers a number of prerequisites that make it ideally suited for playing a major creative role in our new century. Another essential aspect is that Vienna established benchmarks that are respected worldwide in areas that crucially affect individual persons, such as housing. What other city could be more qualified to become a leader in the field of socially responsible design if not Vienna, which has established an excellent international reputation for its social housing schemes? Socially responsible design encompasses, i. a., design that preserves the environment and supports sustainable development on behalf of future generations, design that improves mobility in particular for the elderly and design that conveys complex knowledge and cultural accomplishments in a dynamic way especially to young people as well as design that bridges the many “generation gaps”. (Mediation in the sense of communication between the generations is one of the main tasks designers will have to fulfill particularly in Europe.) This may be achieved by means of ambitious visualizations and audiovisual concepts as well as by means of technologically avant-garde, innovative niche products, which can be distributed worldwide via the Long Tail.

it is especially by exploring one’s own cultural heritage or transcending it that exiting creative feats may be achieved. Only recently this tendency has been replaced by a more relaxed approach, which is also encouraged by the growing interest of contemporary artists, architects and other creative professionals from all over the world in the achievements made in Vienna during that period. As Vienna’s creative scene has always profited to a great degree from international exchange, additional opportunities for “creative residencies” should be taken into consideration.

(then sparked by Loos and Josef Hoffmann). At any rate Vienna is ready for a new era of design. We at departure would like to make a sustainable contribution by introducing a special focus on design in 2009/2010. It remains to be seen which inputs from our city possess the necessary innovative qualities for worldwide success. That is the way the discreet charm of creativity manifests itself: potential ingredients are mostly common knowledge, but an individual’s inspiration gives rise to the ideal result. That is one more indication that man is actually the greatest work of art.

Leading museums, festivals and other organizers of cultural events ought to assume For Vienna the interaction of creative industries and a more active role in focusculture is the key to remaining on matters relevant for ing one of the major cities the creative economy, esof the 21 st century. No one pecially when it comes to pointing out the interrelation can rest on past laurels, Viof past cultural accomplishenna is fully aware of that, ments and contemporary and new urban developtrends. On closer inspection ment areas offer additional it turns out that many pheopportunities for implenomena playing an interestmenting projects that have ing role at the interface of been impossible to carry culture/creative industries— out so far. And some ideas today and in years to come— have hardly been taken into were made acceptable in consideration, though they Vienna as long as 100 years seem perfectly obvious: you ago, such as the concept of could, for example, use vithe Gesamtkunstwerk (“tosualizations to turn lieder tal art work”) and the re(art songs) into thrilling mini moval of the boundaries beoperas and thus make them tween various creative fields, more interesting for young the fusion of art and fashion, people, or you might use the convergence of design the Internet as a starting and architecture or the com- point—across the language bination of high design stan- barrier—for a redesign of the dards and excellent craftsViennese tradition of coffee manship, to name but a few. house literature (“Café 2.1”). If we are to tap this potential, In addition, a great thinker, Apart from courage and amimpressive though controwe have to do our homebition, design, creativity and versial, brilliantly made the work, however. That is first individuality are certainly retension between architecof all also true for our crequired to put such ideas into ture (including social housative minds, many of whom practice! ing), art and design an have decided to ignore the issue: Adolf Loos. The subcultural accomplishments of the Vienna of the late 19 th jects concerned are once and early 20 th century in the more highly topical, as can be seen by the discussion face of the omnipresence on the value of ornaments of that era. That is a pity, as 70

Christoph Thun-Hohenstein departure Geschäftsführer / managing director of departure


Foto: Wien-Tourismus/Ulli Koscher

Wien – wo Kultur allgegenwärtig ist Nirgendwo lässt sich’s neben Hochkultur so gut entspannen wie im Museumsquartier: Kunsthalle Wien, Dschungel Wien, Tanzquartier, ZOOM Kindermuseum, Architekturzentrum Wien, Halle E, Leopold Museum, MUMOK. So viel und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kulturangebot Wiens. Mehr dazu unter www.wien.at oder bei der Wiener Stadtinformation unter 525 50 (Mo.– Fr. 8.00 – 18.00 Uhr, Sa., So., Fei. 8.00 –16.00 Uhr).


ARCHITEKTUR A R C H I T E C T U R E


ARCHITEK TUR / ARCHITECTURE

E S S AY / E S S AY Wojciech j Czaja j Der Ausverkauf der R채ume / The sellout of space (74)

PROJEKTE / PROJECTS nextroom Raum lassen / Leaving room for imagination (79) Nofrontiere Design Wasserspiele mit Umzugskarton / Water games and packing cases (84) cabs (89) OFROOM (89) (90) Easybalkon y Paul Peyrer y rHeimst채tt (90) Michael Wallraff (91)


Architektur Wojciech Czaja

Wojciech Czaja

DE R AUS V E R K AU F DE R R ÄU M E (d) Konsum wurde in Wien noch nie groß geschrieben. Das ist zwar gut für die Moral, hat aber spürbare Auswirkungen auf die Kreativwirtschaft. In keiner anderen Großstadt ist innovative Retail-Architektur so sehr zum Scheitern verurteilt wie hier. Wojciech Czaja über die Ambivalenz zwischen Kommerz und Kultur. „Nein, eine Stadt des großen Brandens war Wien noch nie“, sagt der Wiener Stadthistoriker Siegfried Mattl, „denn anders als in vielen anderen Großstädten, hat man sich in Wien immer schon auf den kleinen Maßstab und auf das eigene Grätzl konzentriert.“ Die Struktur des Wiener Handels und des Konsumentenverhaltens entspreche einfach nicht der einer Metropole, beklagt Mattl, „in anderen europäischen Städten hat man die enge Bindung zwischen Kunde und Geschäft schon früher aufgegeben.“ Selbst die wenigen Wiener Kaufhäuser der Jahrhundertwende – baulicher Stolz eines neuen Konsumsystems – gingen langfristig betrachtet zu Grunde. Früher oder später fielen sie dem Krieg zum Opfer, wurden umgebaut, verändert, unwiederbringlich zerstört. Ein einziges Versatzstück der großen, aber kurzen Warenhaus-Ära blieb bis heute erhalten: In der Stiftgasse in Wien Neubau steht Maximilian Katschers Bau, den er 1898 für seinen Auftraggeber August Herzmansky fertig stellte. Große Glasflächen zwischen schmalen Pfeilern sind die fernen Boten international florierender Department-Stores und vermitteln einen Hauch von London und New York. Bis heute hat sich dieser Umstand nicht geändert. Die Retail-Architektur in Wien ist – ganz gleich, ob im großen oder im kleinen Maßstab – alles andere als aufregend. „Ich sehe wenig Möglichkeiten, dass sich das jemals ändern wird“, beklagt Mattl, „Wien ist einfach kein Hot Spot für neue Trends, für Konsum und Kommerz.“ Den Beweis liefert die überaus coole und schnittige Gil-Boutique von propeller z auf der Mariahilfer Straße, die 2000 ihre Pforten öffnete. Nach acht Jahren war der Ofen aus. Das Geschäft wurde baulich adaptiert (man weiß, was sich hinter diesem unscheinbaren Terminus verbirgt) und dient heute als Verkaufsfläche für Skaterwear. Für das Architekturbüro propeller z, dessen Werk zum Millennium noch in diversen Gazetten zwischen Ost und West veröffentlicht wurde, war das Zusperren der Modeboutique in den letzten Jahren bereits absehbar. „Wien ist eine Stadt des Mittelmaßes, das macht es ja auch so lebenswert”, erklärt Kabru, „das bedeutet aber auch, dass exklusive Boutiquen es hier sehr schwer haben.” Eine po74

tente Käuferschicht wie in diversen europäischen Großstädten fehle noch in Wien, langfristig betrachtet führe dies zu einer gewissen Stagnation im Konsumentenverhalten. „Eine zeitgenössische und innovative Retail-Architektur scheint bei den Wienern noch Schwellenängste hervorzurufen, während sie in anderen Städten ein Renner ist. Hier wird Wien in Zukunft sicher noch über sich hinauswachsen.” Auch die A1-Lounge von EOOS, ebenfalls auf der Mariahilfer Straße gelegen, kämpft mit dem Umstand, ein allzu gut gemeinter Fremdkörper inmitten eines gefälligen und unaufregenden Umfeldes zu sein. Nebel in der zweischaligen Glasfassade? Ein leuchtender Fußboden? Einkaufen mittels Mikrochip? Und das alles in absolutem Weiß? Wien rümpft die Nase und gibt sich zutiefst skeptisch. „Die A1-Lounge bietet ein neuartiges Shopping-Erlebnis“, erklärte Designer Harald Gründl vor einigen Jahren in einem Vortrag, „wir haben das bisherige Konsumentenverhalten hinterfragt und analysiert und haben den Prozess des Einkaufens revolutioniert.“ Allein, das Publikum ist ausgeblieben. Der erste Umbau ließ nicht lange auf sich warten. Während von Tokio bis New York alles Neue und noch nie Dagewesene Scharen von potenziellen Käufern anlockt, kann man sich in Wien schon glücklich schätzen, wenn das rotzige Retro-Design des Modelabels Diesel mit Fassung getragen wird. Mehr Thrill als im Diesel-Flagship-Store auf dem Kohlmarkt wird nur noch in der Sex-Boutique Tiberius geboten. Und ja, das liegt auch der Architektursprache von BEHF. Bei den Mai-Revolten in Paris 1968 veröffentlichten französische Studenten antikommerzielle Manifeste und sprühten Slogans an die Wände: „Nieder mit dem Spektakel und der Konsumkultur!“ Vergeblich. „In der Zwischenzeit hat die moderne Medienkultur Metastasen gebildet“, schreibt der Kanadier Kalle Lasn in seinem Buch „Culture Jamming“, „der Konsumkapitalismus hat triumphiert. Wir sind im Spektakel, das Spektakel ist in uns.“ Auch wenn Lasn felsenfest behauptet, der Konsumismus sei zur Religion der ersten Welt geworden, so trifft auf Österreich und auf Wien im Speziellen wieder einmal die These des Mittelmaßes zu: Streng gläubig sind wir nur auf dem Papier. Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist dies die höchste Qualität, die Wien zu bieten hat. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das eine Kapitulation – und der Beweis dafür, dass zukunftsweisende Architektur hinter anderen Portalen besser aufgehoben ist.


architecture Wojciech Czaja

„Architektur dient dem Kunden“ Die Avenue des Champs-Élysées ist um eine Attraktion reicher. Im September 2007 eröffnete mitten auf der Pariser Prachtstraße der „Espace Citroën“. Architektin Manuelle Gautrand über den neuen Flagship-Store und über ihre Beziehung zu Wirtschaft und Branding.

Foto / photo: Mathieu Cécil

Laut eines internationalen Rankings nehmen Sie unter den weltbesten Architekten Platz 96 ein. Was macht Sie so gut? Nur Platz 96? Das ist doch gar nicht so gut! Ich hätte mich schon gerne unter den Top Ten gesehen, aber die sind ja schon seit Langem vergeben. Nein, ganz ehrlich: Ich halte nicht viel von diesen Rankings. Das sind sehr abstrakte Messgrößen und es ist für einen Außenstehenden gar nicht nachvollziehbar, welche Argumente solchen Entscheidungen zu Grunde liegen.

kennungsmerkmal und das Ausdrucksmittel einer Marke. Wenn Sie so wollen: Es ist die Verkörperung einer großen Idee. Und damit ist es gelungen, einen Showroom in der Tradition des alten Citroën-Hauses zu bauen. Was bedeutet das Ornament für Sie? Kontext, Funktion und Raumprogramm, wovon die meisten Architekten immer sprechen, sind zwar zweifelsohne die wichtigsten Kenngrößen eines Projekts, aber nicht die einzigen. Wichtig sind auch Materialität, Farbigkeit und – eben – Ornamentik. Ich brauche das Ornament, um mich auszudrücken. Auf diese Weise kann ich meine Gefühle vermitteln. Aber ich muss betonen, dass ich das Ornament nie ohne Sinn einsetze. Es übernimmt immer eine Funktion – entweder ist es eine Kommunikationsform nach außen, eine bauphysikalische Maßnahme oder ein statisches Element. Was ich damit sagen will: Es ist nie so intuitiv wie es nach außen scheinen mag.

Welche Argumente wären denn Ist Ornament etwas Feminines? wichtig? Es gibt eine Gruppe von Ich bin eine Frau. Architekten in Frankreich, die derzeit am Aufsteigen sind. Adolf Loos sagte einmal, OrnaSie zeichnen sich durch Neugier ment sei Verbrechen. Was würde und durch Experiment aus. Sie er wohl von Ihnen halten? Loos betreten mit jedem Projekt Neuwürde mich hassen. In seinen Auland. Abhängig vom Projekt, vom Architektin Manuelle Gautrand gen wäre ich eine Kriminelle. Standort und vom jeweiligen Bau- architect Manuelle Gautrand herrn definieren sie bestimmte Was passiert, wenn Citroën eines Tages ausziehen müsste, Parameter für die Architektur. Zu dieser Gruppe von etwa weil das Image eine andere Adresse verlangte oder sich Architektinnen zähle ich mich. das Haus als zu klein herausstellte? Das wird nicht passieren. Avenue des Champs-Élysées Nummer 42 ist die beste Welche Erfahrung haben Sie mit kommerziellen Bauherren? Niederlassung, die der Konzern zu bieten hat. Aber um auf In den meisten Fällen eine sehr gute. Sie hängen sich in Ihre Frage zu antworten: Sollte Citroën eines Tages den Ort die Arbeit rein und sind sehr faire und gesprächsbereite aufgeben, dann muss das Gebäude ohne jeden Zweifel zerPartner. Der große Vorteil ist, dass sie dem Projekt meist näher stehen als öffentliche Auftraggeber und sich deshalb stört werden. auch besser damit identifizieren können. Das wäre bedauerlich. Das wäre nur fair. Ich bin davon überzeugt, dass Retail- und Branding-Architektur auf ihren Das bekannteste und renommierteste Projekt Ihrer bishejeweiligen Nutzer zugeschnitten sein muss – und zwar ganz rigen Arbeit ist der „Espace Citroën“ auf der Avenue des Champs-Élysées. Citroën ist schon seit langer Zeit in Besitz gleich, ob es sich dabei um einen Shop, einen FlagshipStore, eine Konzernniederlassung oder ein Headquarter dieses Grundstücks. Von Anfang an war es das Aushängehandelt. schild des Konzerns und verkörperte die Modernität der Marke. 2002 wurde ein Wettbewerb für den Entwurf eines Sie sprechen sehr nüchtern von einer Architektur als Dienstneuen Showrooms ausgeschrieben. Ich habe ihn gewonnen. leistung und Service. Ist das Bauen denn nur ein Handlanger Das Wichtigste an diesem Haus ist die Repräsentanz nach für die Wirtschaft? Architektur ist sowohl Kunst und Freiheit außen und somit die Fassade zur Avenue des Champs-Élysées. Ich wollte ganz bewusst vermeiden, irgendwo auf das als auch Service und Dienstleistung. Es ist von Beidem etwas. Natürlich darf man das künstlerische Ziel nicht außer Haus das Wort Citroën zu schreiben. Ich wollte, dass sich Acht lassen, aber es lügt sich jeder Architekt in die eigene die Funktion und die Bedeutung des Gebäudes aus der ArTasche, wenn er die Komponente der Dienstleistung hinten chitektur ableiten. anstellt. Auch eine Zaha Hadid, ein Jean Nouvel und ein Rem Koolhaas sind viel größere Dienstleister als sie nach außen Und zwar wie? Eine wichtige Rolle im „Espace Citroën“ suggerieren. Fakt ist: Architektur dient dem Kunden. Und spielt das Ornament. Der Doppel-Chevron, den jeder vom dieser Aspekt muss ernst und wichtig genommen werden. Kühler eines Citroën kennt, ist in die Fassade integriert und macht jede zusätzliche Information in Form von Schrift Sie brechen eine Lanze für die Wirtschaft? Ich lade die überflüssig. Der Doppel-Chevron ist hier also kein OrnaArchitekten dazu ein, nicht zu vergessen, von wem die ment, sondern ein Kommunikationsmittel, ein Wiederer75


Architektur Wojciech Czaja

großen Aufträge kommen. Die meisten Projekte werden heutzutage aus privater Hand finanziert. Dabei profitiert nicht nur die Wirtschaft von der Architektur, sondern auch die Architektur von der Wirtschaft. Das ist ein gegenseitiger Befruchtungsprozess. Ohne Investoren wäre ein Großteil der Architekten arbeitslos. Vor allem wären die meisten berühmten Architekten heute höchstwahrscheinlich unbekannt.

Die aber nicht immer ausgezeichnete Arbeit machen! Kein Mensch ist perfekt. Und auch ein Rem und eine Zaha greifen manchmal daneben und machen Fehler. Das schließt aber trotzdem nicht aus, dass sie ausgezeichnete Architekten sind. Ob die Investoren diese Architekten einfach nur missbrauchen? Nein, das tun sie nicht. Sie wollen einfach die Garantie haben, etwas Gutes zu bekommen. Das ist legitim.

Vielen Privatinvestoren geht es nicht um die Qualität eines Projekts, sondern um die Bekanntheit eines bestimmten Namens. Das Ziel ist Imagepolitur und Umsatzsteigerung. Ist das nicht ein Missbrauch an der Architektur? Das ist eine Gratwanderung. Natürlich ist es wahr, dass die großen Investoren auf ebenso große Namen setzen. Aber diese großen Namen sind eben auch ausgezeichnete Architekten.

Haben Sie das Gefühl, dass die Marke Manuelle Gautrand derzeit in ist? Ich habe mein Büro im Jahr 1991 eröffnet. Es gibt viele Architekten, die es in dieser Zeit zu größerem Ruhm geschafft haben als ich. Aber ich denke, dass die Marke Manuelle Gautrand derzeit sehr stark im Kommen ist.

Wojciech Czaja

THE SELLOUT OF S PA C E

“No, Vienna has never been a city of major brand-building activities,” says the Viennese urban historian Siegfried Mattl. “Unlike in many other large cities the people in Vienna have always acted on a smaller scale and concentrated on their immediate neighborhood.” Mattl deplores that the structure of Viennese commerce and consumerism just doesn’t match that of a metropolis. “In other European cities the close ties between customers and stores have become undone much earlier.” The few Viennese department stores from the turn of the 20 th century—architectural showpieces of a new kind of consumerism—have almost all gone out of business since. They fell victim to the war, were converted, refurbished, irretrievably destroyed. One single 76

relic of the great but short department store era has been preserved: in Stiftgasse in Vienna’s seventh district stands the building commissioned by August Herzmansky and completed by Maximilian Katscher in 1898. Large glass panels fixed between narrow pillars herald the international boom in department stores and convey a touch of London and New York. Things have not changed. Retail architecture in Vienna, both on a small and large scale, is anything but exciting. “I don’t see many possibilities for change,” deplores Mattl. “Vienna just isn’t a hotspot for new trends, for consuming and commerce”. Proof of his words is the quite cool and stylish Gil boutique on Mariahilfer Strasse, one of Vienna’s main shopping streets. The boutique was designed by the architects of propeller z and opened in 2000. It had to close down eight years later. The building underwent refurbishment (we know what this apparently neutral expression means) and today it accommodates a store for skater wear.

Foto / photo: Wojciech Czaja

(e) Consumption has never been a top priority in Vienna. While this is good for morale, it does have noticeable consequences for the creative industries. In no other major city is innovative retail architecture as doomed to failure as it is in Vienna. Wojciech Czaja talks on the ambivalence between commerce and culture.


architecture Wojciech Czaja

The company propeller z, whose works were written about in various magazines from east to west around the millennium, has seen the closing down of the fashion boutique coming for a number of years. “Vienna is a city of moderation, which is what makes it so pleasant to live in,” says Kabru of propeller z. “But this also means that fashion boutiques in the top market segment are having a hard time here.” Vienna doesn’t have the well-funded class of customers that other major European cities have. In the long term, this will result in a certain degree of stagnation in consumption. “Modern and innovative retail architecture seems to cause fear of the unknown in the Viennese while it is all the rage in other cities. Vienna will certainly make substantial progress in this respect in the future.” The A1 lounge by EOOS, also to be found on Mariahilfer Strasse, is another store that struggles with the fact that it is too well-meant and looks completely out of place in these pleasing and unexciting surroundings. Fog contained in the double-shelled glass facade? A glowing floor? Shopping by microchip? And all that in a brilliant white? Vienna disapproves and is deeply skeptical. “The A1 lounge is a unique shopping experience,” explained designer Harald Gründl in a presentation a few years ago. “We have questioned and analyzed current consumer behavior and revolutionized the process of shopping.” However, the customers failed to appear. The first conversion didn’t take long to come. While from Tokyo to New York anything that’s new and unprecedented draws in masses of potential buyers, Vienna is different. Here you can count yourself lucky if the cocky retro design of the Diesel fashion label is taken calmly. The only store that’s more thrilling than the Diesel flagship store on Vienna’s Kohlmarkt is the Tiberius sex boutique. And yes, this is also because of the architectural language of the BEHF architects. During the revolts of Paris in May 1968, French students published anti-commercial manifestos and sprayed slogans on walls. “Down with the spectacle and the consumer culture!” To no avail. “In the meantime, modern media culture has metastasized”, writes the Canadian Kalle Lasn in his book “Culture Jamming”, “Consumer capitalism has triumphed. We are in the spectacle, the spectacle is in us”.

Foto / photo: Philippe Ruault

Even though Lasn is adamant that consumerism has become the religion of the first world, once again the proposition of moderation applies to Austria and to Vienna in particular. Only on paper are we strict believers. From a socio-political viewpoint this is the biggest advantage Vienna has to offer. From an economic viewpoint this is equal to surrender—and proof that trend-setting architecture might be in better hands elsewhere.

Ornament ersetzt Schrift: „Espace Citroën“, ChampsÉlysées, Paris Ornament replaces type: „Espace Citroën“, Champs-Élysées, Paris

“Architecture serves the customer” The Avenue des Champs-Élysées has acquired another attraction. In September 2007, the “Espace Citroën” was opened on this Parisian boulevard. Manuelle Gautrand, architect, talks about the new flagship store and on her relationship to economy and branding. According to an international ranking you take position 96 among the world’s best architects. What makes you so good? Only 96? That is not good at all! I would have liked to find myself among the top ten but these ranks have been taken by others for years. But honestly: I don’t think much of such rankings. They represent very abstract indicators and outsiders cannot comprehend the reasons behind such decisions. Which reasons would be important? There is a group of up-and-coming architects in France. They excel with their curiosity and their experiments. They have a new approach to everything and break new ground with every one of their projects. They define certain architectural parameters depending on the project, the location and the client. I count myself among this group. What are your experiences with commercial clients? Good ones, in most cases. These clients get really involved and are very fair partners who are open to discussions. The big advantage is that they are usually closer to the projects than public-sector clients and identify themselves more with the projects. Your best-known and most renowned project so far has been the “Espace Citroën” on Avenue des Champs-Élysées. That property has long been in the ownership of Citroën. It has 77


Architektur Wojciech Czaja

always been the hallmark of the whole corporate group and epitomizes the modernity of the brand. In 2002, a design competition for a new showroom was held and I won it. The most important aspect of this building is its representative outward function, i.e. the facade facing the Avenue des Champs-Élysées. I made a conscious decision against putting the name Citroën anywhere on the building. I wanted the function and importance of the building to be inferred from its architecture. In what way? Ornaments play a vital part in the “Espace Citroën”. The double chevron everybody knows from the radiator grille has been integrated into the facade and renders all additional written information superfluous. Here, the double chevron is not an ornament but a medium of communication, a symbol of recognition and the representation of a brand. You could also call it the materialization of a big idea. We succeeded in creating a showroom in the old Citroën tradition.

That would be a shame. It would only be fair. I am convinced that retail and branding architecture has to be tailored to its users—regardless of whether it’s a simple store, a flagship store, a branch office of a corporate group or corporate headquarters. You speak very matter-of-factly about architecture as a service. Does the construction of buildings have no other purpose than serving the economic system? Architecture is both an expression of art and freedom as well as a service. It comprises all these aspects. Of course the artistic purpose must not be neglected but architects are fooling themselves if they deny the fact that they also provide a service. Even people like Zaha Hadid, Jean Nouvel and Rem Koolhaas are service providers and on a larger scale than they would like us to believe. The fact is that architecture serves the client. This aspect has to be respected and taken seriously. Are you speaking in favor of business clients? I encourage architects not to forget who the large commissions come from. Today, most projects are privately financed. Not only does business benefit from architecture but architecture also benefits from business. This is a process of mutual enrichment. Without investors the majority of architects would be out of work. And most of the famous architects today would probably be unheard of.

What does ornamentation mean to you? Context, function and spatial design, terms used by most architects, are doubtlessly the most important parameters of a project but not the only ones. Other significant concepts are materiality, the use of colors and—as mentioned before—ornamentation. To me, ornaments are a necessary means of expressing myself. That way I can express my emoMany private investors are not tions. But I have to stress that so much interested in the qualShowroom im „Espace Citroën“ Showroom in the “Espace Citroën” I never use ornaments without ity of a project but in the popua purpose. They always have a larity of certain names. Their function—they either communicate with the outside world or aim is to polish up their image and increase sales. Is that not they serve structural or statics purposes. What I want to say an abuse of architecture? It is a balancing act. Of course it is this: the use of an ornament is never as intuitive as it may is true that the big investors go for the big names but behind seem from the outside. these big names you will find excellent architects.

Adolf Loos once said that ornamentation is a crime. What would he think of you? Loos would hate me. In his eyes I would be a criminal. What would happen if Citroën would one day have to move out of the building, perhaps because the company’s image may require a different address or because the building turns out to be too small? This will never happen. 42, Avenue des Champs-Élysées is the best branch office the corporate group has to offer. But to answer your question: If Citroën one day has to give up the location, the building will of course have to be torn down.

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Who do not always do excellent jobs! Nobody is perfect. And even people like Rem and Zaha sometimes go wrong and make mistakes. That does not mean that they are not excellent architects. You want to know if investors merely exploit these architects? No, they don’t. They simply want to make absolutely sure that they get good work. That is perfectly legitimate. Do you have the impression that Manuelle Gautrand is a trendy brand? I opened my office in 1991. There are many architects who have achieved bigger success than I have during that period. But I do think that the Manuelle Gautrand brand is becoming very popular.

Foto / photo: Philippe Ruault

Are ornaments feminine? I am a woman.


architecture nextroom

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NE X TROOM Raum lassen Leaving room for imagination von/by: Dorothea Köb

(d) Genau so stellt man sich ein Gemeinschaftsbüro für kreative Köpfe in Wien vor: ein Hinterhof im siebten Bezirk, hohe Fenster, zahlreiche Schreibtische, Computer und noch mehr Bücher. Es herrscht trotz sommerlicher Hitze geschäftige Arbeitsatmosphäre. Juerg Meister, der Gründer der Online-Datenbank für Architektur, nextroom, wartet neben einem Beamer. An der Wand ist die Website „archtour“,

ein neues Onlinetool für den Architekturführer im Netz, zu sehen. Der Espresso wird in schönen Tassen auf einem ebensolchen Tablett serviert. Sind Sie ein Sammler? Was sammeln Sie außer Architektur im Netz über nextroom? Nein, ich bin nicht grundsätzlich Sammler, aber ich habe eine Anlage dazu, Dinge zusammenzutragen und miteinander in Verbindung zu setzen.

Was gab den Ausschlag, nextroom zu gründen? Das war Mitte der 90er-Jahre als das Netz noch ganz neu war, vor allem die Bildebene des Netzes. Es gab zu der Zeit in Wien ziemlich viele künstlerische Aktivitäten, an denen wir auch damals mitgearbeitet haben und aus diesem Umfeld heraus ist auch die Idee entstanden, einen Platz für Architektur an diesem neuen Ort einzurichten und den eben nicht nur mit Text, sondern auch

mit Plan- und Bildmaterial zu befüllen. Wir haben dann ein System für eine möglichst objektive Bauwerksauswahl entwickelt, das sich nach wie vor sehr gut eignet. Es gibt ja Institutionen, die mit Architektur zu tun haben und mit denen arbeiten wir als eine Art Redaktion zusammen. Der erste Partner war das AzW (Architekturzentrum Wien. Das österreichische Architekturmuseum). Nach und nach sind immer mehr dazu79


Architektur nextroom

gekommen. Zuletzt der Architektenverein aus Kroatien und der Architekturraum Burgenland. Nun ist Österreich komplett und auch im umliegenden Ausland gibt es immer mehr Partner, die das Netzwerk weiterknüpfen. Warum sind Sie von der Schweiz nach Wien gekommen? Wegen der Architektur. Ist die nicht in der Schweiz besser? Das war vor 25 Jahren und ich wollte einfach weg nach dem Studium. Zu der Zeit war die ganze Aufmerksamkeit auf Wien gerichtet. Nach Hollein und Peichl kamen plötzlich andere: Czech, Krischanitz, Blau, Tesar und so weiter. Also Leute, die sehr viel publiziert wurden, auch in der Schweiz. Das hat mir gefallen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass in den zwei Ländern ja eigentlich eine permanente Gleichgültigkeit gegenüber der jeweils 80

anderen Architekturszene herrschte. Ich habe dann eben in Wien angeklopft und war sieben Jahre im Büro Krischanitz als Architekt tätig. Das war der Grund, hierher zu kommen und wenn man sich keine Limits setzt, dann bleibt man. War nextroom als kommerzielles Projekt geplant? Nein, das war es nicht. Es muss sich natürlich tragen und ist über öffentliche Gelder finanziert. Seit 1999/2000 erhalten wir Mittel aus der Kunstförderung. Ohne diese Unterstützung ginge es nicht. Das ermöglicht es uns auch, den Kern von nextroom, die Architekturdatenbank, nichtkommerziell zu halten. Das ist besonders wichtig für unsere zahlreichen Kooperationen mit Fotografen, Verlagen, Zeitschriften etc. Nur so bekommen wir die Bilder und Artikel auch kostenlos zu Verfügung gestellt. Und nur so konnte

sich nextroom zu einer der wichtigsten Adressen für Architektur im Netz entwickeln. Mittlerweile ist diese Plattform aber auch zum Fundament für kommerzielle Applikationen wie archtour geworden. So können wir unser Know-how verwerten und gleichzeitig die Architekturdatenbank mit immer neuen Inhalten anreichern. Vor 25 Jahren war die Wiener Architekturszene ein Grund für Sie nach Wien zu kommen. Wie beurteilen Sie diese heute? Heute gibt es viele Gründe zu bleiben (lacht). Darunter auch Architektur? Auf jeden Fall. Finden Sie noch Zeit für eigene Architekturprojekte? Wenig. Also momentan ist das ziemlich zurückgeschraubt. Bis vor drei, vier Jahren war es fast gleichgewichtig. Die Planungsar-

beit ist aber zu Gunsten von nextroom inzwischen in den Hintergrund getreten. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge? Nein, das hat sich einfach so ergeben, dass nextroom wächst und wir jetzt auch diese zweite Ebene – zu der eben auch archtour gehört – verstärkt betreiben. Dieser Bereich wird einfach größer und die Arbeit mehr. nextroom ist eine kuratierte Plattform. Was sind Ihre persönlichen Kriterien für gute Architektur? Es muss eine Auseinandersetzung mit dem Ort geben und mit dem Nutzer. Es gibt immer jemanden der sich etwas vorstellt, es aber nicht sagen kann. Darauf zu kommen ist genauso Forschungsarbeit wie auch das Agieren in einem bestehenden Haus, wo es gilt, dem Haus auf die Spur zu kommen. Das sind für mich wichtige Kriterien, um ein interessantes Resultat zu


architecture nextroom 1 Auch auf nextroom zu finden: Blindgänger – Kunst im öffentlichen Raum, Durchgang und Zaun, Hof / Leithaberge (A), Architekturbüro „the next ENTERprise“, 2000 Also on nextroom: the “Blindgänger” art project in the public space , passageway and fence in one, Hof / Leithaberge (A) architecture firm “the next ENTERprise, 2000” 2 Juerg Meister, Gründer von nextroom (2. v. r.) mit seinem Team (v. l. n. r.): Regine KothAfzelius, Helga Kusolitsch, Stephan F. Haupt, Karl Seiringer. Juerg Meister, founder of nextroom (2 nd f. r.) and his team (f. l. t. r.): Regine Koth-Afzelius, Helga Kusolitsch, Stephan F. Haupt, Karl Seiringer.

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erreichen. Architektur muss auch Raum lassen für Vorstellungen. Das ist momentan nicht ganz so aktuell. Die Oberfläche hat einen irrsinnigen Stellenwert bekommen. Diese Tendenz liefert zum Teil sehr interessante Resultate. In der Schweiz wird sehr viel mit Materialien und Schichtungen probiert. Die Form wird meiner Meinung nach jedoch sehr strapaziert, weil durch Computer gestützte Generierung in der Planung sehr viel möglich ist, aber dann in der Realisierung sieht man sehr oft, dass es nicht ganz so einfach ist.

Würden Sie sich gerne Ihr eigenes Haus bauen? Wieso nicht? Wenn ich Zeit hätte.

Wohnen Sie privat in moderner Architektur? Nein, in einem alten Haus da im sechsten Bezirk. Ein normales Gründerzeithaus.

Woher kommt die vorherrschende Angst vor moderner Architektur? Kann nextroom zur Architektur verführen bzw. Menschen an Architektur

Gibt es Leidenschaften neben der Architektur, oder auch Ausgleichstätigkeiten? Die Musik ist etwas, das mich sehr interessiert. Ich sehe die beiden Dinge auch sehr nahe beieinander und komme immer mehr darauf, dass sie sehr viel gemeinsam haben. Ich glaube auch, dass sehr viele Problematiken dieselben sind. Vor allem auch in der Vermittlung. Aber ich brauche keinen Ausgleich. Ich wüsste nicht wofür.

heranführen? Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben es mit einem Medium ohne Schwelle zu tun. Jeder hat heutzutage irgendwie die Möglichkeit, einen Netzzugang zu haben. Ich glaube also, dass es ein ideales Instrument ist, um beiläufig oder zufällig mit dem aktuellen Bauschaffen konfrontiert zu werden, oder Bilder sehen zu können. Wir bekommen auch sehr viele Anfragen von bauinteressierten Laien, die leiten wir dann an die Architekten weiter. Also ich bin überzeugt, dass zwar nicht jeden Tag hundert bekehrt werden, aber dass da auch jemand hängen bleiben kann.

nextroom hat mit über zwei Millionen Pageimpressions im Monat seinen Platz als feste Größe in der Architekturszene gefunden. Das von departure geförderte Projekt archtour ist ein auf dem Datenbestand von nextroom basierender OnlineFührer für Architektur, der Tourismusanbietern die einfache Erstellung und Umsetzung von Web-Architekturführern erlaubt. Das Einsatzgebiet von archtour ist vor allem der Städte- bzw. Regionaltourismus. Tourenvorschläge, OnlineKarten zur Routenplanung und detaillierte Serviceinformationen dienen als praktische Begleitung für architekturinteressierte Reisende. Die flexible Online-Lösung bietet Mehrsprachigkeit für Lizenznehmer und macht auch die Einrichtung individueller oder regionaler Instanzen möglich. With over two millions of page impressions per month nextroom has successfully established itself in the architecture scene. The departure funded project archtour is an online guide for architecture based on nextroom’s data stock, allowing tourism providers the easy production of architecture guides in the web. archtour is above all intended for city tourism or regional tourism. Recommended tours, online maps to facilitate routing and detailed service information are practical services for tourists interested in architecture. The flexible online solution is offered to licensees in several languages and provides the opportunity to install individual or regional filters.

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Architektur nextroom

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(e) It’s exactly what you’d imagine the joint office of creative minds in Vienna to look like: a backyard in the city’s seventh district, tall windows, numerous desks, computers and lots of books. Despite the summer heat everyone is busy. Juerg Meister, the founder of nextroom, an online data base for architects, is waiting next to a data projector. On the wall you can see the website archtour, a new online tool for the architecture guide on the Net. Espresso in beautiful cups is served on an equally beautiful tray. Are you a collector? In addition to architecture on the Net via nextroom, what else do you collect? No, basically I’m not a collector, but I like to compile things and put them in relation to each other. What made you establish nextroom? In the mid-90s 82

the Internet was something completely new, above all the presentation of images on the Net. At that time there were quite a number of artistic activities going on in Vienna in which we, too, participated. It was in this environment that I had the idea to create some space for architecture in this newlyestablished place; however, we wanted to provide not only texts but also plans and images. We then developed a system for selecting buildings as objectively as possible, which is still very well suited. There are some institutions that deal with architecture, and we cooperate with them, we act as a sort of editorial office. Our first partner was AzW (Architekturzentrum Wien. The Austrian Museum of Architecture), and then others followed, most recently an architects association from Croatia and Architekturraum Burgenland. Now we

3 Gemeinschaftsbüro für kreative Köpfe in Wien Neubau The joined office of creative minds in Vienna

have partners from all over Austria and more and more partners from neighboring countries, who continue enlarging the network. Why did you leave Switzerland to come to Vienna? Because of the architecture. Isn’t there better architecture in Switzerland? That was 25 years ago and I just wanted to leave after I had

completed my studies. At that time Vienna was the focus of attention. In the wake of Hollein and Peichl there were suddenly others like Czech, Krischanitz, Blau, Tesar and so on, architects that published a lot, also in Switzerland. I liked that, particularly in view of the fact that in both countries there was a permanent indifference towards the architecture scene of the other


architecture nextroom

country. Well, then I came to Vienna and worked at the office of Adolf Krischanitz as architect for seven years. That was the reason why I came here, and if you don’t set a limit, you just stay.

Do you have mixed feelings about that? No, that’s simply how things went: nextroom is growing and we are now taking it to a new level. Part of these activities is archtour. This area is getting more and more important and more work is involved.

Was nextroom developed as a commercial project? No, it was not. Of course money nextroom is a curated platis needed; nextroom is fiform. What are your pernanced with the help of public sonal criteria for good armeans. Since 1999/2000 chitecture? You have to deal we have received funding both with the location and under the Arts Grants Act, the user. There is always without that it would be imsomeone who has an idea possible. And it allows us to but cannot express it. To operate the core element of find that out is as much renextroom, the architecture search work as dealing with data base, on a non-coman existing building, explormercial basis. This is particing it. For me these are the ularly important for our vast most important criteria for cooperation with photograobtaining interesting results. phers, publishing companies, Architecture also has to magazines etc. Only this leave room for imagination. way images and articles are That’s not really popular at put at our disposal for free. the moment. The surface And only this way nextroom has become so important. was able to become one of This trend brings some very the most important sites intriguing results. In Switzerfor architects on the Net. land they are trying out lots Meanwhile this platform has of different materials and become the foundation for strata. In my opinion form is commercial applications like sometimes stretched to the archtour. Thus we can use limits, as computer aided our know-how and constant- designing opens up numerly add new contents to the ous opportunities. But when architecture data base. you actually build something, you see that it’s not 25 years ago Vienna’s archithat easy. tecture scene was a reason for you to come here. What Do you live in a modern do you think of it today? building? No, I live in an There are many reasons to old house in Vienna’s sixth stay (laughs). district, a typical Viennese building from the 19 th cenAnd architecture is one of tury. them? Absolutely. Would you like to build a Do you have time for your house for yourself? Why own architecture projects? not? If I had the time. Not much. I have quite reduced that. Until three or Do you have any passions four years ago there still besides architecture, any was a certain balance beactivities to get away from it tween the two activities. In all? I am very much interestthe meantime my work as ed in music. For me these an architect has taken the two things are closely relatback seat in favor of nexted, I increasingly think that room. they have indeed a lot in common. I also believe that

you encounter the same problems in both fields, particularly when it comes to getting it across to others. But I don’t need any getting away from it all. For what? Why are people so afraid of modern architecture? Is nextroom an appropriate means to bring people in touch with architecture, to get them enthused about it? Yes, I am convinced of that. It’s a medium without barrier. Nowadays everybody can gain access to the Internet. I think that it is the perfect tool to confront people casually or by chance with what is currently being built, or let them look at the images. We receive numerous inquiries by non-experts who are interested in architecture, which we forward to the architects. Sure we won’t be able to convince a hundred persons a day, but one or the other might get hooked.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Juerg Meister, nextroom – architektur im netz Projekt / project: archtour, Erstellung eines Vertriebskonzeptes und Erweiterung des Angebotes / archtour, development of a sales concept and enlargement of the offer Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 58.867 EUR Lindengasse 56/2/20 1070 Wien office@nextroom.at www.nextroom.at

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Architektur Nofrontiere Design

NOFRONTIERE DESIGN Wasserspiele mit Umzugskarton Water games and packing cases von/by: Manuela Hötzl

(d) Der Designer Alexander Szadeczky und der Architekt Patric Arlanch über ihre Zusammenarbeit aus Nachbar-, Freundund Leidenschaft. Das Gute liegt so nah: Was ist nötig um zu den einfachsten, besten Lösungen zu kommen? Wie so oft: sehr viel Wissen, Leidenschaft und die Offenheit über seine eigene Disziplin hinaus zu denken. Alexander Szadeczky vom Designbüro Nofrontiere bringt dafür schon die besten Eigenschaften mit. Ausgebildet in Maschinenbau und Produktdesign steckt sein Büro ein breites Arbeitsgebiet in Brand-, Produktund Ausstellungsdesign ab. Der Umtriebige, der von sich selbst sagt, dass er für sein Leben gerne baut, hat sich für ein spezielles Projekt einen Spezialisten in Sachen Bauen und Planen gesucht: den Architekten Patric Arlanch. Immer wieder kommen die beiden zusammen, als Nachbarn, Freunde oder eben als Projektpartner. Und da sie neben der Liebe zum Bau84

en auch die Leidenschaft für Wasser verband, war es nicht weit zur Idee des Hausboots H2OME_MINIBUNGALOW. Boot oder Haus? Diese Frage haben sich die beiden oft gestellt, doch die Definition findet sich eher im System: mobile Architektur, die nicht viel kostet – eben für Wasserliebhaber. Was heißt für euch interdisziplinäres Arbeiten? Szadeczky: Bei uns treffen sich zwei Welten. Ich komme aus dem inszenierenden Bereich, dem Grafik- und Produktdesign. Mit Nofrontiere gehen wir zwar auch immer mehr einen architektonischeren Weg und entwickeln klassischere Architekturprojekte – aber eigentlich war ich erst aus der Freundschaft mit Patric Arlanch der Architektur und ihren Möglichkeiten gegenüber richtig aufgeschlossen. Und ganz abgesehen davon baue ich für mein Leben gerne. Arlanch: Freundschaftliche Gespräche bilden die Grundlage für unsere Zusammenarbeit – und die professionelle Basis. Mit diesen Grundvoraussetzungen kann viel entstehen. Und

das „Hausboot“ ist ja nicht unser erstes gemeinsames Projekt. Angefangen hat alles beim Designforum. Wein und Wasser: Die Initiatoren des „Hausboots“? Szadeczky: Ich denke schon lange über ein Leben auf dem Wasser nach. Wir sind in Österreich schließlich reich an Flüssen und Seen. Und mitten in Wien fließt der Donaukanal. Ursprünglich wollten wir beide nur herausfinden, ob ein Leben auf dem Wasser in Österreich überhaupt möglich ist, rechtlich. Und über diese erste Recherche stellte sich heraus, dass dahingehend ein Leerraum in jeder Hinsicht existiert. Arlanch: Als Architekt ist man bei den verschiedensten Ausschreibungen immer vor die Frage gestellt: Geht man auf Nummer sicher oder hinterfragt man die Grundbedingungen, denkt man das „Unsichtbare“. Selten hat man die Möglichkeit die Anforderungen an ein „Produkt“ selbst zu definieren. In diesem Fall ist es insgesamt ein „Neuland“ auf dem Wasser. Alex hat da einen guten Instinkt für Trends.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Nofrontiere Design GmbH Projekt / project: H2OME_MINIBUNGALOW Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 159.236 EUR Zinckgasse 20-22, 1150 Wien ask@nofrontiere.com www.nofrontiere.com


architecture Nofrontiere Design

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Architektur Nofrontiere Design

1 1 Alexander Szadeczky, Geschäftsführer von Nofrontiere Design, mit Patric Arlanch beim Planen moderner Minihausboote Alexander Szadeczky, managing director of Nofrontiere Design, and Patric Arlanch planning trendy small houseboats

Habt ihr eine spezielle Zielgruppe vor Augen? Szadeczky: Zielgruppen würde ich nicht sagen. Aber der Neusiedlersee als erste „Zielregion“ ist schon symptomatisch für das Leben am Wasser in Österreich. Dort gibt es nur eine Intention: am Wasser wohnen. Aber was bedeutet das dort? In sechster und siebenter Reihe im Schilf zu hausen – das ist nicht mehr nachvollziehbar, wenn man die großen freien Wasserflächen vor Augen hat. Deswegen haben wir beim Grundbesitzer nachgefragt, was es für Grundvoraussetzungen für die Boote am Neusiedlersee gibt. Und auch dort sind wir auf viele undefinierte Freiräume gestoßen. Was ist ein Hausboot eigentlich? Szadeczky: Nun: Wir haben Nächte mit dieser Frage verbracht: Sind 86

wir Haus oder Boot? Ich beschäftige mich seit Jahren mit Hausbooten, und man kann sich kaum vorstellen, was es da gibt. Aber die Essenz: Den Spagat zwischen Haus und Boot schafft kaum einer. Dort ist unsere Lücke. Unter anderem. Arlanch: Die formale Sprache unseres Hausboots ist deswegen auch bewusst nicht schiffartig. Natürlich gibt es Bereiche, die der Strömungstechnik unterworfen sind. Aber der Rest soll eine andere Sprache sprechen – von den Farben, den Materialien, den Formen. Zusammengefasst: Was kann euer Hausboot? Szadeczky: Wir gehen von einem Fertigteilhaus am Wasser aus, das in sechs Wochen Produktionszeit vor Ort steht. Die Kosten sollen dabei nicht mehr als 80.000 bis 120.000 Euro

ausmachen, wobei das sehr stark von der Motorisierung abhängt. Man ist autonom. Wir denken auch Varianten mit Solar an. Und: Wir sind schnell und mobil. Auf der Straße, beim Transport und auf dem Wasser. Arlanch: Wir haben ein bewegliches Haus auf dem Wasser entwickelt, das einzigartig ist. Mit einer Wohnfläche von ca. 25 m2 plus Dach, mit großen Glasflächen – wo man sich also nicht einmal bücken muss. Eben formal ein richtiges Haus! Die nächsten Schritte? Szadeczky: Zuerst testen wir den Prototypen und verbessern ihn. Wir haben schon über ein Jahr entwickelt. Im Oktober zeigt sich das Ergebnis. Wir sind ja keine Bootsbauer – das war auch sehr gut in der Entwicklungsphase, da

wir viel freier im Denken waren – eben auch formal. Aber ohne Experten wäre es auch hier nicht gegangen. Eine Marketingstrategie? Szadeczky: Das läuft von selbst. In diesem Segment und mit diesen Preisen denken wir, dass wir nach dem ersten Jahr schon mind. 15 Einheiten und im zweiten Jahr ca. 50 Einheiten verkaufen können.


architecture Nofrontiere Design

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(e) Designer Alexander Szadeczky and architect Patric Arlanch on their cooperation born out of vicinity, friendship and passion. Good things lie very close at hand: What is necessary to achieve the best, easiest solutions? As it is often the case, a lot of knowhow, passion and enough open-mindedness to think beyond one’s field are required. Alexander Szadeczky of the Nofrontiere design agency is equipped with the best prerogatives. He studied mechanical engineering and product design, his office is active in the wide areas of brand design, product design and exhibition design. A very busy person, who says about himself that he is excessively fond of building, he

has found an expert for building and planning for a special project: the architect Patric Arlanch. The two of them keep getting together, as neighbors, friends or as project partners. Apart from a love of building they also share a passion for water, thus it was just a small step until they came up with the idea of the houseboat H2OME_MINIBUNGALOW. Boat or house, they often asked themselves, but the issue is determined within the system: it is mobile architecture at a low cost, for water aficionados. What does interdisciplinary work mean for you? Szadeczky: With us, two worlds meet. My background is the field of presentation, namely graphic and product design. With Nofrontiere we are moving more and more

towards architecture, developing classical architectural projects. But actually I only became truly interested in architecture and its possibilities through my friendship with Patric Arlanch. Beyond that I simply love building. Arlanch: Friendly talks provide the basis—even the professional basis—for our cooperation. A lot of things can grow on this foundation. Houseboat isn’t our first joint project, after all. It all started with designforum. Did wine and water initiate houseboat? Szadeczky: I’ve been thinking about living on the water for a long time. After all Austria has many rivers and lakes. And right in the center of Vienna is the Danube canal. Originally we just wanted to find out if it is at all possible to live directly on the water in Austria, legally speaking. This prelimi-

Nofrontiere ist eine renommierte Designagentur mit Schwerpunkten in den klassischen Bereichen Grafikdesign, Onlinekommunikation, Ausstellungsdesign, Events und Innenarchitektur. Seit 2 Jahren beschäftigt sich das Team zunehmend mit Randbereichen der Architektur wie z. B. Hausbooten. In Österreich gibt es zahlreiche Flüsse und Seen, die sich als mögliche Hausbootplätze hervorragend eignen, außerdem besteht keine gesetzliche Beschränkung bezüglich der Größe und motorischen Bestückung von Booten mit Kajütenaufbauten. Im Rahmen des von departure geförderten Projekts H2OME _MINIBUNGALOW entwickelt Nofrontiere Minihausboote. Nofrontiere is a renowned design agency focusing on the classic fields of graphic design, online communication, exhibition design, events and interior design. In the past two years the team has also been dealing with peripheral areas of architecture such as for example houseboats. In Austria there are numerous rivers and lakes perfectly suited for houseboats, and there are no legal restrictions as to the size and motor capacity of boats with cabins. Under the departure-fundedproject H2OME _MINIBUNGALOW Nofrontiere is developing small houseboats.

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Architektur Nofrontiere Design 2 Patric Arlanch, Architekt Patric Arlanch, architect 3 Alexander Szadeczky, Geschäftsführer von Nofrontiere Design Alexander Szadeczky, managing director of Nofrontiere Design

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nary inquiry showed that there is a lot of maneuvering room in this area in all respects. Arlanch: As an architect you always face the same question when you take part in a tender: do I play it safe or do I question the basic principles, do I dare to think of the “invisible”? Rarely do you have the opportunity to define the requirements of a “product” all by yourself. In this case we are establishing “new ground” on the water. Alex has a very good instinct for spotting trends. Do you have a specific target group in mind? Szadeczky: I wouldn’t say target group, but perhaps Lake Neusiedl is our first “target region”, as it is the epitome for life on the water in Austria. People there have only one intention: living near the water. But what does that amount to there? It means living in the reed, in the sixth or seventh row, 88

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and has nothing to do anymore with a view of a vast expanse of water. We therefore asked the landowner about the basic prerequisites for boats on Lake Neusiedl. We found few legal restrictions there and much scope for development. What exactly is a houseboat? Szadeczky: Well, we spent whole nights on the question whether we are building a house or a boat. I’ve been thinking about houseboats for several years, you can hardly imagine how many things there are to be found out. But the essence is: hardly anyone manages to cover the span between house and boat. This is our niche, among other things. Arlanch: That’s why we deliberately chose not to give our houseboat the form of a boat. Of course there are parts that are subject to hydrodynamics, but we want the rest to look different—in color, material and form.

In a nutshell: what is your houseboat capable of? Szadeczky: What we have in mind is a prefabricated house on the water, to be finished on site within six weeks. Costs should not amount to more than 80,000 to 120,000 euros, depending very much on the kind of engine used. H2OME makes you independent. We are also considering models using solar energy. And it is fast and mobile: on the street, when it is transported, as well as on water. Arlanch: We have developed a unique “house on water”. We managed to create approximately 25 m2 of living space, where you don’t have to duck your head, with large panes of glass, plus roof. In form it is a real house! What will be your next steps? Szadeczky: First of all we will test and improve the prototype. We have been developing it for more than a year. In October we’ll see

the results. After all, we are no boat builders—which was a great asset in the developing stage, as we were much freer in our thinking, also as far as form is concerned. But we could not have done without the help of experts. What is your marketing strategy? Szadeczky: It will sell itself. In this particular segment and at our prices we think we will be able to sell at least 15 units within the first year and some 50 units within the second year.


architecture cabs, OFROOM

EXPERTS

PIONEER

cabs

OFROOM

Projektentwicklung ökologisch sozialer Baugruppen / Ecological and social construction (d) Das Unternehmen cabs_architektur & produktdesign der Architektinnen Sabine Bartscherer und Ana Paula Cachola hat sich auf das Thema „Ökologisches Bauen“ spezialisiert. Ziel des durch departure geförderten Experteneinsatzes ist sowohl die weitere Schärfung des Unternehmensprofils in dem Bereich Nachhaltigkeit: ökologisches und gemeinschaftliches Bauen in der Stadt sowie die Geschäftsfelderweiterung in die Projektentwicklung (Beratungsleistungen für selbstbestimmtes Wohnen in der Stadt). (e) The company cabs_architektur & produktdesign, which was founded by architects Sabine Bartscherer and Ana Paula Cachola, has specialized in “ecological construction”. departure-funded expert consulting focuses on sharpening the company’s profile in the field of sustainability (ecological and collective construction in urban areas) and on extending the core business to include project development (consulting services for selfdetermined living in the city).

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Bartscherer und Cachola OEG, cabs_architektur und produktdesign Projekt / project: Projektentwicklung ökologisch sozialer Baugruppen / Ecological and social construction Beratungsbereich / field of consulting: Finanzierungsberatung sowie Marketing- und PRBeratung / finance, marketing and PR Programm / program: E/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Stollgasse 8/5 1070 Wien cabs@cabs.at www.cabs.at

(d) OFROOM ist eine Architekturgalerie mit praxisbezogenem Schwerpunkt. Die Betreiberinnen, Redakteurin Manuela Hötzl und Kuratorin Christine Bärnthaler, konzipieren Ausstellungen zu innovativen Materialien, Architektur und Design. Neben dem Galerienbetrieb fungiert OFROOM auch als Netzwerkplattform und leistet Vermittlungsarbeit zwischen Bauindustrie und Architekturschaffenden. Durch eine umfassende Materialbibliothek sowie regelmäßige Präsentationen dient die Galerie als Kompetenzzentrum für Innovation in Architektur und Bau. (e) OFROOM is an architecture gallery with practice-related focus. The founders, editor Manuela Hötzl and curator Christine Bärnthaler, organize exhibitions on innovative materials, architecture and design. In addition to its function as a gallery OFROOM also serves as a network platform and is an important interface between construction industry and architects. Based on a comprehensive material library and regular presentations the gallery is a competence center for innovation in architecture and construction.

OFBOOK Sonderedition zu den Architekturtagen 2008: 100 österreichische Häuser ist eine Lobeshymne an die Qualität österreichischer Architekturproduktion – und eine direkte Empfehlung an zukünftige Bauherren, mit Architekten zu planen. Erhältlich im guten Fachhandel und unter post@ofroom.at. The OFBOOK special edition on the Architekturtage 2008: 100 österreichische Häuser praises the quality of Austrian architecture and incourages future builders to involve architects in the planning process. Available from selected stores and post@ofroom.at.

1 Architekturgalerie OFROOM im 2. Bezirk in Wien architecture gallery OFROOM in Vienna’s second district

FAC T S FIGURES

Foto / photo: OFROOM

Projekteinreicher / project applicant: OFROOM Bärnthaler Hötzl GmbH Programm / program: P/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Taborstraße 18/12 1020 Wien info@ofroom.at www.ofroom.at 1

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Architektur Easybalkon, Paul Peyrer-Heimstätt

PIONEER

Easybalkon Freiraum für Städter / Space for city dwellers (d) Der Architekt Clemens Mayer und der Rechtsanwalt Lukas Aigner bringen mit dem Unternehmen Easybalkon ein neuartiges, patentiertes Hängebalkonsystem auf den Markt. Planung, Einreichung inklusive aller nötigen Behördengänge

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Easybalkon GmbH Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Heinrichgasse 4 1010 Wien office@easybalkon.at www.easybalkon.at

und Montage sowie die Durchführung als Generalunternehmer werden in einem Full-Service-Paket angeboten. Das Leistungsspektrum von Easybalkon reicht dabei vom nachträglich angebrachten Einzelbalkon am Altbauobjekt bis hin zu Großprojekten mit vollständiger Fassadenausrüstung bei einem Neubau. (e) With Easybalkon architect Clemens Mayer and lawyer Lukas Aigner launch a novel and patented system for suspended balconies on the market. The full service package comprises submission to the authorities including all necessary administrative issues, installation and the services of a general contractor. Easybalkon offers subsequently installed single balconies as well as large projects with complete facades for newly constructed buildings.

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PIONEER

Paul Peyrer-Heimstätt

Was bedeutet dontDOTat? „dontDOTat“, „don‘t do t(h)at“ oder auch „dont.at“ bedeutet übersetzt „mach das nicht“! Sie haben bei Zaha Hadid studiert und später in London gearbeitet. Was konnten Sie aus dieser Zeit mitnehmen? Eine gebundene Ausgabe von El Croquis über Zaha Hadid. Fördern oder behindern die Möglichkeiten moderner Renderingsoftware die Fantasie des Architekten? Renderingsoftware, oder vielleicht eher

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3D-Modellierungssoftware, hat einen starken Einfluss auf den kreativen Prozess des Entwerfenden. Genauso aber beeinflusst beispielsweise auch das Kurvenlineal den Architekten beim selben Vorhaben. Der jeweilige Architekt wird für sich selbst entscheiden müssen, auf welche Art und Weise er zu seinem Resultat kommt und welche Mittel er dafür benötigt. (e) Paul Peyrer-Heimstätt offers individual 3D solutions for specific architectural designs tailored to the requirements of the customers. What does dontDOTat mean? “dontDOTat” or “dont.at” simply means “don’t do t(h)at”!

You studied under Zaha Hadid and worked in London. Is there anything you have retained from this time? An issue of El Croquis on Zaha Hadid. Do the possibilities of modern rendering software promote or restrict the imagination of architects? Rendering software, or rather 3D modeling software, has a strong influence on the creative process of the designer. But a French curve also influences the work of the architect. Each architect has to decide how he wants to obtain results and which means he needs for this purpose.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Paul Peyrer-Heimstätt, dontDOTat Programm / program: P/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Zedlitzgasse 11 1010 Wien paul.peyrer@gmail.com

Rendering: Wallraff/Isochrom (1), Illustration: Easybalkon

(d) Paul Peyrer-Heimstätt bietet individuelle, auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene 3DLösungen für spezifische architektonische Entwurfsaufgaben.


architecture Michael Wallraff

FAC T S FIGURES

EXPERTS

Michael Wallraff

2 (d) Michael Wallraff arbeitet seit 1997 selbstständig in Wien, München und Los Angeles. Das Wiener Architekturbüro wurde 2004 gegründet und ist in unterschiedlichsten Bereichen von Stadtplanung über Adaptierungen, Umnutzungen, Zu- und Neubauten, Bühnenräumen, Ausstellungen, Möbeln bis hin zur Gestaltung von Objekten der Alltagskultur aktiv.

Projekteinreicher / project applicant: Michael Wallraff Projekt / project: Steuerung Strukturen und Planungsteams / control of structures and planning teams Beratungsbereich / field of consulting: Rechts- und Steuerberatung / legal and tax consultancy Programm / program: E/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Schottenfeldgasse 72/2/6 1070 Wien office@wallraff.at www.wallraff.at

(e) Since 1997 Michael Wallraff has worked as a freelancer in Vienna, Munich and Los Angeles. The architecture office in Vienna—which was established in 2004—is active in various fields including urban planning, adaptations, conversions, annexes and new buildings, stage design, exhibitions, furniture and the designing of every-day objects.

1 Visualisierung des Landesberufschulzentrum in Graz St. Peter Visualization of the Landesberufschulzentrum in Graz St. Peter 2 MAK Design Shop, Wien MAK Design Shop, Vienna

Fotos / photos: Werner Feiersinger

3 Lofts in Wien: Ateliers und Wohnungen für Künstler Lofts in Vienna: studios and apartments for artists

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MODE F A S H I O N


MODE / FASHION

E S S AY / E S S AY Brigitte Felderer Public Privacy. Mode in Wien / Public Privacy. Fashion in Vienna (94)

PROJEKTE / PROJECTS Anna Aichinger Liebeszeichen für Alphafrauen / Love signs for alpha women (100) Nina Peter Fast wie eine Couture-Arbeit / Almost like doing couture (107) Wilfried Mayer y Sich selbst Anlass sein / An occasion in itself (112) Gina Drewes (118) Elena Grasmik (118) sixxa (119) Ina Kent (119) RADIC´ / MORGER (120) Mayi y (120) p gabei (121) pa Veronika Persché (121)

ARCHIV / ARCHIVE AMRA OT COUTURE (122) AND _ i (122) (122) art point p Brandmair (122) elfenkleid (123) __ fabrics interseason (123) Florian Ladstätter (123) Keen (123) Mühlbauer (124) Petar Petrov (124) rosa mosa (124) Saba Song (124) Schella Kann (125) Ute Ploier (125) Wendy&Jim y J (125)


Mode Brigitte Felderer

Brigitte Felderer

P U B L I C P R I VA C Y. MODE IN WIEN

(d) Wenn aus der Welt der Mode berichtet wird, liest man mit knapp kalkulierten Bedingungen, klingenden Namen über London, liest man selbstverständlich über Paris und und schönen Oberflächen hartes Geld machen. Diese Mailand. Herrenmodisches ist in Florenz ein Thema, das Orte stehen auch allen offen, die bereit sind, sich beinhardie Welt interessiert. In New York wird High Fashion geter Konkurrenz und grenzenlosem Arbeitsdruck auszusetzeigt, gekauft und getragen, zen – internationaler Erfolg Berliner Subkulturen inspiist dabei noch nicht garanrieren internationale Trendtiert. Weltweite Netzwerke Scouts und auf Städte wie und Professionalisierung Stockholm oder Kopenhasind jedoch unerlässliche gen richtet sich heute die Voraussetzungen für einen modische Aufmerksamkeit. Modeberuf, mag nun eine Antwerpen ist seit langem Karriere da oder dort einnicht nur für die, die sich geschlagen werden. Österauskennen, ein gutes Beireichische Modedesigner spiel dafür, wie auch eine bringen diese Erfahrung nicht allzu große Stadt zu längst mit oder sind geraeinem international bede dabei, den Anschluss achteten Zentrum werden an das größere und große kann. Über Tokio wissen Business kompetent herzuwir, dass viele europäistellen, leben und arbeiten Edle Auslagen in der Wiener Innenstadt: Exklusive Designermode sche Avantgarde-Labels in Wien oder setzen ihre bei Mühlbauer in der Seilergasse 5 vor allem von japanischen Elegant Anstrengungen außerhalb shop windows in Vienna’s city center: exclusive fashion victims angezoÖsterreichs fort. Wer den designerfashion at Mühlbauer, Seilergasse 5 gen werden. Metropolen Modebetrieb kennt, weiß, wie Peking, Moskau oder São Paolo orientieren sich längst dass die großen und die kleinen Netzwerke so wichtig sind, nicht mehr nur nach außen, sondern drehen selbst am um Mode nicht nur zu entwerfen, sondern auch herzustelModebusiness mit. In all diesen Städten finden wichtige len, zu bewerben und zu vertreiben. Modeschauen und Präsentationen bedeutender Modeschulen statt, treffen die Fashion Editors einander und beDoch als ein Ort der Mode gilt ja eine Stadt vor allem dann, gegnen Modemachern und Designern. Vor allem schalten wenn dort Modisches nicht nur entworfen, sondern auch dort jene Personen, die in das Business investieren und erworben und getragen wird. Die Konsumentinnen und 94


Fotos / photos: Hertha Hurnaus

fashion Brigitte Felderer

Gelegenheiten oder halböffentlichen Ereignissen wie einer Käufer sind es, die ein Stadtbild prägen, einen Eindruck Vernissage zu sehen ist. Der öffentliche Raum ist nach wie hinterlassen. Wenn also nach mehr Mode in der Stadt vervor in erster Linie von unauffälliger Bekleidung geprägt. langt wird, dann ist bei dieser – nicht nur in Wien – berechModisches steht einfach unter dem Verdacht „demonstratigten Forderung vieles mitgemeint: Erst unterschiedliche tiven Konsums“, wer sich schön anzieht, hat offensichtlich Dresscodes erzeugen ein verdichtetes urbanes Setting, in auch das Geld dafür – und soviel oder sowenig möchte man dem Kleider als ein wesentlicher Ausdruck von Individualiin Wien nicht über sich verraten. tät zu verstehen sind. Mode erzeugt immer ein kurzes urbanes Spektakel, das im Aneinander vorbeigehen zur AufSymptomatisch für diesen Umgang mit guten Kleidern mag führung gelangt. Doch sich modisch bekleidet durch die auch sein, dass man zum Beispiel Geschäfte für High FaWiener Innenstadt zu begeben bedeutet immer noch, sich shion in Wien kaum mehr an zentralen Orten findet. Man an ein Publikum auszuliefern, das vermeint, hier ein Urteil weiß um ihre Adresse, sucht sie wie eine Galerie auf, um treffen zu können. Nur, in der Mode, spielt das Publikum die neue Kollektion zu begutimmer mit. In Wien entsteht achten und das eine oder anjedoch manchmal der Eindere Stück diskret zu erwerdruck, als ob Mode immer ben und „szene-spezifisch“ nur etwas für die anderen zu tragen. Mode hat in Wien wäre. Mode findet sich in einfach keinen alltäglichen den edlen Auslagen der InKontext, sondern stellt einen nenstadt, unleistbar, und ästhetischen Diskurs dar, der wird bestenfalls in irgendwelaber nicht auf den anonymen chen Society-Magazinen wieStadtraum reagiert, sondern dererkannt, mit alltäglicher überschaubare Zirkel adresBekleidung haben solche siert. Selbst Künstler oder Luxusgegenstände jedoch Intellektuelle, die Kleider als nichts zu tun. Dann gibt es ein Praxisfeld von Individunoch die Mode, die von den alismus und der Auseinangroßen Diskontern angebodersetzung mit sich und der ten wird, billig, denn, wenn Welt richtigerweise erkannnt schon etwas Modisches, soll haben, liefern sich an eine es nicht viel kosten, weil allÖffentlichkeit aus, die meint, zu Modisches ist eben nicht in den sorgfältig gewählten viel wert. Modisches ist verKleidern einen Angriffspunkt gänglich und deswegen keifür Kritik finden zu müssen. ne Anschaffung, die man sich leisten möchte. Sich für Doch sollen urbane Dress gute Kleider zu interessieren Codes ja keine Verletzlichgilt vielmehr als persönlikeit dokumentieren, man ches Hobby, nicht jedoch als will darin ja nicht demonsein wichtiges Massenmeditrieren, leicht ansprechbar um, das jede Kommunikation zu sein oder für unverlangbefördert. In Wien gelingt es te Kommentare jeder Art zur schnell, mit Kleidern aufzuVerfügung zu stehen – ganz fallen. Mode wird noch viel im Gegenteil. Kleider in zu sehr mit bekannten Labels gleichgesetzt und folgt Mühlbauers großzügige Verkaufsfläche im Untergeschoss der Stadt, die überlegt und kaum einer persönlichen, in- Mühlbauer’s spacious basement area durchdacht sind, auf die dividuellen GeschmacksbilPerson und nicht die Mode dung. Mode ist in Wien nicht selten gleichbedeutend mit allein ausgerichtet, bedeuten eine zweite Haut, bedeuten Konvention und Angemessenheit. Gute Kleider sind tradi„Public Privacy“, sind eine textile Rüstung in den städtionell einem handwerklichen Ethos verpflichtet, nicht jetischen Verdichtungen und Oberflächen. Mode und der doch einem sich ständigen und innovativen Absetzen vom souveräne Umgang mit ihr löst auch ein grundlegendes Gewohnten. Paradox auf: In Mode mag man zwar immer verkleidet sein, doch so oder so kommt man selbst wie auch alle Selbstverständlich ist auch in Wien Mode zu sehen, zu beanderen der eigenen Persönlichkeit näher. Als professiosonderen Anlässen, in einem gewissen Rahmen, am ehesnelle Flaneure geht es uns auch darum, aus dem unüberten im Foyer eines Museums, im Verkaufsraum einer Galeschaubaren Angebot an Kleidern, Schuhen und so weiter, rie, doch schon sehr viel seltener im Theater oder gar beim die der Weltmarkt produziert, jene einzelnen Objekte ausSpaziergang durch die Stadt. Mode wird zwar gesucht, zuwählen, die nun zum Ausdruck von Individualität werausgewählt und gekauft, für den Anlass, jedoch nicht dazu, den sollen – ein Widerspruch in sich: Massenware fürs Ich. eine Situation, einen Ort und vor allem sich selbst in Szene zu setzen. Um es noch zuzuspitzen: Es ließe sich durchaus behaupten, dass Mode in Wien eigentlich nur bei privaten 95


Mode Brigitte Felderer

Es gibt kein Entkommen aus der Mode und ihrer Bedeutung. Unweigerlich identifizieren wir jede Person über ihre stoffliche Oberfläche, über die Führung einer Naht, über Farben und Silhouetten. Gemessen wird die jeweilige Erscheinung gar nicht so sehr an den Trends, die tagtäglich in die Welt geschickt werden – wer weiß auch schon wirklich, was gerade in Mode ist und sein wird. Unsere Kleider entscheiden vielmehr darüber, wie und wo wir uns in dieser sozialen Welt unterbringen, welche Werte wir vertreten und wozu wir Distanz einnehmen.

weil es Beruf und Nachfrage erfordern, braucht Oberflächen, die Selbstbewusstsein dokumentieren. Das feine und exklusive, deswegen nicht unbedingt luxuriöse modische Angebot, das heute schon in Wien erhältlich ist, grenzt sich ab von Massenmoden. Doch Wien ist nur dann Modestadt, wenn dieses Angebot auch genutzt wird. Man würde sich wünschen, dass bei Nachfragen zur Ballgarderobe prominenter Wiener Damen nicht auf die bewährte Hausschneiderin oder den gediegenen Couture-Salon ausgewichen, sondern neues Terrain beschritten würde. Während Pionier-Geschäfte wie die Boutique Etoile in Wien sich seinerzeit selbstverständlich an eine modeinteressierte Klientel jeder Generation wandten, wird mittlerweile neue Mode in Wien schnell mit junger Mode gleichgesetzt, mit jugendlichen Szenen. Doch modisches Verhalten bleibt nicht auf eine Generation beschränkt, ist immer ein Ergebnis von Neugierde und Wissen, von Selbstsicherheit und Mut jeden Alters. Deswegen ist die Vermittlung von Mode ein zentrales Thema.

Foto / photo: Park

Die große Aufmerksamkeit für die bunte Presse, für Seitenblicke und voyeuristische Nahaufnahmen ist immer auch ein Indiz dafür, welche Bedeutung wir Kleidern und dem Sich Herrichten beimessen. Doch wäre es unendlich schade, wenn wir darüber die demokratische Power von Mode vergessen. Mode ist längst keine luxuriöse Unterscheidung zwischen ganz oben und allem, was drunter liegt in einer Gesellschaft. Gute Kleider sind leicht zugänglich, doch dürfen wir uns nicht vor der Aufmerksamkeit scheuen, die wir daMode muss sichtbar sein, sie mit auf uns ziehen. Soziamuss als ein wesentliches le Angepasstheit ist heute Massenmedium unserer Gelängst keine Garantie mehr sellschaft verstanden werden, fürs existenzielle Durchkom- Abgrenzung von Massenmode z. B. bei Park in Wien Neubau, 20 sie ist ein Instrument notmen – sicher nicht. Doch nur Mondscheingasse Separation from mass-produced trends e. g. at Park in Vienna’s wendiger Selbstdarstellung, ein authentischer Individu7 th district, Mondscheingasse 20 wir müssen laufend über sie alismus hält uns gegenüber erfahren und sie soll die gesellschaftliche Wertschätzung dem alltäglichen Konsumdruck aufrecht. Der Mode kommt für sich in Anspruch nehmen, die ihr gebührt. Mode zu kaudabei eine entscheidende Rolle zu, eine viel größere als fen und zu tragen ist längst nicht nur dazu da, Reich von jeder Einbauküche, die doch eigentlich als nachhaltige InArm zu unterscheiden, sondern mit Mode deklarieren wir vestition gilt. unser jeweiliges und individuelles Selbstbewusstsein. Und selbstbewusst ist, wer sich über das gängige KonsumanIn diesem Sinne gilt mein Plädoyer nicht so sehr den gebot hinwegzusetzen weiß, wer nicht nur großen und beDesignern und Modemachern, die zur Zeit in Wien leben und aus Wien in die Welt gehen. Ihre Talente und ihren kannten Marken nachrennt, wer nicht nur Trends gläubig Ehrgeiz zu fördern, bedeutet längst nicht allein kulturpoexekutiert. In diesem Sinne wäre Wien kein so schlechtes litische Verantwortung. Die „Modeszene“ einer Stadt wie Pflaster fürs modische Überleben. Wien, auch wenn sie keine Metropole sein mag, liefert das notwendige Repertoire, das uns in diesen flexiblen Zeiten durchkommen lässt. Wer sich ständig neu erfinden muss,

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fashion Brigitte Felderer

Brigitte Felderer

Foto / photo: Song

P U B L I C P R I VA C Y . FA S H I O N I N V I E N N A (e) In reports from the world of fashion you read about Fashion always gives rise to a short-lived urban spectacle; the performance takes place in passing. Going to Vienna’s London, of course also about Paris and Milan. In Florence center in fashionable clothes, however, still means exposing men’s fashion is an issue all the world is interested in. In yourself to an audience that believes it is entitled to deliver New York high fashion is presented, bought and worn. Bera judgment. Yet with fashion the audience is always part of lin subcultures inspire international coolhunters and cities such as Stockholm or Copenhagen today attract attention in the performance. In Vienna you sometimes get the impression that fashion is only for “the others”. Fashion is presentthe world of fashion. Antwerp is an example of how even a ed in the elegant shop windows of the city center, unaffordsmallish town can become an internationally acknowledged able, to be recognized at most in some society magazines; hotspot, and it is no longer just those who are familiar with it consists of luxuries that have nothing to do with everyday the world of fashion who realize that. As far as Tokyo is conclothes. Then there is the kind of fashionable clothes ofcerned, we know that a lot of European avant-garde labels fered by big discounters, cheap, for if something fashionable appeal mostly to Japanese fashion victims—and vice versa. has to be bought, it should not be too expensive, because Big cities like Beijing, Moscow or São Paolo no longer excluthings that are too fashionable are of little value. Fashion is sively turn to outside sources, but actively take part in the fashion business. In all these cities important fashion shows short-lived; therefore people are not willing to spend a lot and presentations of major fashion schools take place, fash- of money on it. Being interested in good clothes is in fact considered a personal fancy, not a mass medium to comion editors meet each other, meet creators of fashion and municate anything you want. In Vienna it is easy to stand designers. It is there that most of those people operate who out from the crowd by means of clothes. Fashion is still asinvest in the business and make hard cash with narrow marsociated to an excessive degree with well-known labels, it gins, big names and beautiful appearances. These cities are is hardly regarded as the consequence of developing your also open to anybody who is ready to face fierce competiown, personal taste. In Vienna fashion often means convention and unlimited working pressure—still no guarantee for tions and appropriateness. international success, howTraditionally good clothes are ever. Worldwide networks pieces of excellent craftsmanand professionalization are ship, but not committed to a the necessary prerogatives continuous, innovative breakfor a career in fashion, no ing away from the familiar. matter where you choose to Of course fashion is also viswork. Austrian fashion deible in Vienna—for special ocsigners have been aware of casions, in a certain setting, that for a long time, or are most likely in a museum foyer, about to establish connecin an art gallery’s showroom, tions with larger companies much less frequently in a theand big business in a profesater or even far less often sional way. Some of them live when you take a stroll through and work in Vienna, others the city. People do choose continue their efforts abroad. If you know the fashion busi- High Fashion im Song in der Praterstraße 11 – 13, Wien Leopoldstadt and buy fashionable clothes, but for the occasion, not for ness, you know just how im- High fashion at Song, Praterstraße 11—13, Vienna’s 2 nd district putting a situation, a place or portant these large and small themselves in the spotlight. To put it more bluntly, you might networks are not only for designing fashion but also for proeven maintain that in Vienna fashion is to be found only on ducing, advertising and distributing it. private occasions or during semi-public events such as a However, a city is considered a place for fashion primarvernissage. Public space is still largely dominated by unobily if fashion is not only designed but also bought and worn trusive clothing. Fashion raises suspicions of “conspicuous there. Consumers and buyers are what determine a city’s consumption”; those who dress well also obviously have got face, they leave an impression. The demand for more fashion inside a city, which is a legitimate one not only in Vienna, the money to do so—and in Vienna you do not want to give encompasses many things: it is only the diverse dress codes away so much or so little about yourself. that establish an intense urban setting, where clothes are to be considered an essential expression of individuality. 97


Nowadays social conformity no longer guarantees making The fact that e. g. hardly any stores for high fashion can be a living, in no way. Only authentic individuality will enable found in Vienna’s central areas any more might be charus to stand tall in the face of the daily pressure to consume. acteristic of this attitude towards good clothes. Their adFashion plays a decisive role in this context, it is much more dresses are known, you visit them like an art gallery to look influential than any built-in kitchen, which is regarded as a at the latest collection and discreetly purchase one or the sustainable investment in Austria. other piece, to be worn in a specific context. Fashion has Therefore my plea is not so much for designers and creators just no everyday connotation in Vienna; it is rather an esof fashion, who live in Vienna now or are on their way into thetic statement that does not react to the anonymous pubthe world. Supporting their abililic space but addresses limited ties and ambitions is not only circles. Even artists and intellecthe responsibility of cultural poltuals, who correctly see clothicy. In a city like Vienna, though ing as a means of practicing init may not be a metropolis, the dividualism and exploring their “fashion scene” provides us with own personalities and the world, the necessary stock-in-trade place themselves at the mercy of to get us through these times a public that believes that there of flexibility. Those who have is reason for criticism in careto keep reinventing themselves, fully chosen clothes. because job and demand reUrban dress codes are not supquire doing so, need surfaces posed to convey vulnerability, that reflect their self-confidence. though; you wouldn’t want to The fashion offered in Vienna togive the impression that you are day is superb and elegant, but easy to approach or available not necessarily luxurious; it is for unsolicited commentaries set apart from fashion for the of all kinds—quite the contrary. masses. Clothes in the city that have But Vienna can only be a city of carefully been considered and fashion if people accept these chosen, that aim at the person offers. When it is time to order a and not solely at being fashionnew ball gown, I wish famous able, represent a second skin, Viennese ladies would not turn offer “public privacy” and constito their reliable personal tailor tute a textile amour in the city’s or to well-established couture concentration and superficialsalons, but explore new ground. ity. Fashion and handling it confiWhereas pioneering shops such dently also resolves a fundamenas the Vienna-based boutique tal paradox: although fashion is Etoile used to address customalways a kind of masquerade, it ers of all generations interested helps you and others to better in fashion as a matter of course, get to know your personality. As Kleider als ein Praxisfeld von Individualismus in today’s Vienna new fashion is professional flaneurs we also try Clothing as a means of practicing individualism quickly associated with young to select those individual objects from the superabundance of clothes, shoes etc. produced fashion, with various youth scenes. But interest in fashion is for the world market that are supposed to become the exnot restricted to one generation; it always results from curipressions of individuality—a contradiction in terms: mass osity and knowledge, from self-confidence and courage—at products for the ego. any age. Therefore communicating fashion is a central issue. There is no escape from fashion and its impact. We cannot Fashion has to be visible, it has to be understood as an esbut identify each person by means of what he or she wears sential mass medium in our society, it is a tool for our necon the surface, by the way a seam is placed, by colors and essary self-expression, we continually have to find out about silhouettes. One’s appearance is not so much judged by the it, fashion should assert the claim to society’s esteem it is trends sent out into the world every single day—for who reentitled to. Buying and wearing fashion is no longer just a ally knows what is fashionable right now and will be fashion- means of distinguishing the rich from the poor; fashion is able in the future?—but it is rather that our clothes determine a declaration of individual self-confidence. Those who are how and where we place ourselves in our social world, self-confident are the people who know how to defy the usuwhich values we stand for and what we distance ourselves from. al range of clothing, who do not only hunt big, well-known The large amount of attention paid to tabloids, society maga- brands, and who not only stick to trends as true believzines and voyeuristic close-ups indicates the importance ers. From this point of view Vienna might not be such a bad we attach to clothes and dressing up. It would really be a place for surviving in a fashionable way after all. shame if that were to blind us to the democratic power of fashion. It is long since fashion was a luxury that served to distinguish the very rich from the rest of society. Good clothes are easily available, though we must not back away 1 Urbane Dress Codes from the attention we are going to attract wearing them. Urban dress codes 98

Foto / photo: Song

Mode Brigitte Felderer


Fotos / photos: www.to-vie.com

fashion Brigitte Felderer

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PATRIZIA 31.03 – Wien / Vienna, VII. – 19° www.to-vie.com

AMELIE 09.07. – Wien / Vienna, V. – 27° www.to-vie.com

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MICHAEL 26.07. – Wien / Vienna, VII. – 31° www.to-vie.com

ANONYM 14.07. – Wien / Vienna, VII. – 27° www.to-vie.com

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Mode Anna Aichinger

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ANNA AICHINGER Liebeszeichen f端r Alphafrauen Love signs for alpha women von/by: Katrin Seiler

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fashion Anna Aichinger

(d) Anna Aichinger raucht Lucky Strikes, in Silber, sammelt Bücher, Parfumfälschungen, Schuhe und arabesk geformte Aschenbecher aus Glas. Sie zeigt seit sechs Saisonen in Paris und verkauft am besten in London, wo ein Ladenbesitzer bereits eine kleine Anna-AichingerSammlung hat. Atelier und Wohnung sind bei dir nahezu verschmolzen. Was siehst du, wenn du aus dem Fenster schaust? Eine Kirchenwand. Ist das inspirierend? Es ist ruhig. Man hat keine Nachbarn gegenüber. Inspirationstechnisch ist es mir aber relativ egal, was sich vor meinem Fenster abspielt.

1 Atelier und Wohnung: Anna Aichingers Lebensraum Studio and apartment: Anna Aichinger’s living space

Das heißt, du hast auch noch nicht in Erwägung gezogen, deinen Arbeitsmittelpunkt zu verlegen? In eine andere Stadt? Im Moment fühl’ ich mich in Wien sehr wohl. Man hat viel mehr Zeit, sich in Themen zu vertiefen und Themen besser aufzuarbeiten, als in den großen Modemetropolen, wenn man ständig irgendwo irgendetwas aufblitzen sieht. Ich mag es lieber, dass man sich wirklich in ein Thema eingraben kann und konzentriert daran arbeitet. Irgendwann wäre es natürlich nett, auch ein Standbein in Paris zu haben, aber Wien würde ich deshalb nie aufgeben. Paris deshalb, weil dort deine Mode gut ankommt? Und weil es meine absolute Lieblingsstadt ist. Ich glaube, da passe ich auch am besten hin. Ein Traum von mir wäre es, eines Tages eine Show am Ufer der Seine zu haben. Dort, wo die Birken wachsen, in die tausende von Liebeserklärungen eingeritzt sind. Diesen Ort finde ich ganz beson-

ders. Ich weiß gar nicht, wie lange diese Liebeszeichen da bereits sind. Da müssen manche bestimmt schon 50 bis 60 Jahre alt sein.

Ziele verfolgen und an dem, was sie erreichen möchten arbeiten und es auch bekommen.

Hat für dich Weiblichkeit etDu sagst, du kannst dich was mit Erotik und Sexualihier in Wien ganz konzenttät zu tun? Das gehört zum riert mit einem Thema beweiblichen Körper genauso schäftigen. Was sind deiwie zum männlichen Körper. ne Themen? Es ist gerade, wenn man wie ich DamenDu hast bei Jean-Charles de mode macht, immer wieder Castelbajac, Paolo Piva, eine Beschäftigung mit der Viktor & Rolf und Raf Simons Weiblichkeit, mit dem, was studiert. Wer von diesen man ausdrückt und als aller war für deine Design-Karerstes drückt man sich über riere am prägendsten? Auf die optische Erscheinung jeden Fall Raf Simons. Einaus. Mit dem, was man anfach, weil mit ihm die Arzieht, kann man schon eine beit an Kollektionen im Unigewisse Wirkung erzielen, kontext begonnen hat. Ich ein gewisses Statement ab- wollte von Anfang an Mode geben. Es geht mir immer machen und ich wollte Kolum ein starkes Frauenbild lektionen machen. Er ist und auch das Frauenbild, nicht über alles mit seiner das sich in den letzten 50 Ästhetik drübergefahren Jahren sehr gewandelt hat. und hat nicht gesagt, so finMit Beginn der Gleichbede ich das gut und so finde rechtigung hat sich für die ich es nicht gut. Sondern: Frau doch sehr viel geändert. „Mir persönlich gefällt es nicht“ oder „Warum arbeiWas ist für dich bei diesem test du nicht in diese RichWandel am augenscheintung weiter?“ lichsten? In den 80er-Jahren waren gerade die KarriereEr war also für dich eine Art frauen sehr vermännlicht. Mentor, der die richtigen In Power-Suits mit breiten Fragen gestellt hat. Ja, der Schultern wie bei Herrenan- Schwachpunkte bemerkt zügen, die sehr breit, kastig hat. Und einen Anstoß gab, und massiv gewirkt haben. an diesen zu arbeiten. Mittlerweile schätzen immer mehr Unternehmen tyGibt es in deiner jetzigen pisch weibliche Vorzüge wie Phase eine Person, die dieIntuition, Einfühlungsvermö- se Funktion einnimmt bzw. gen, Teamgeist in ihren Füh- die in deinem kreativen rungsetagen. Position und Prozess wichtig ist? Es gibt Macht müssen sich nicht gewisse Leute, mit denen unbedingt durch breite Kas- ich über die Kollektion rede, tenschultern und ein mögum einen Blick von außen lichst asexuelles Kostüm zu bekommen. Das wäre ausdrücken, sondern die zum Beispiel Eric, einer können sich durchaus in meiner besten Freunde und weichen, fließenden Stoffen ebenfalls Designer. Er hat und weiblichen Formen wimodetechnisch ein besonderspiegeln. ders analytisches Denken und kann sehr gut KollektiDu sprichst dabei oft von onen im Ganzen beurteilen Alphafrauen. Wie definierst und sagt dann: „Erkläre mir du diese? Das sind Fraumal in welchem Zusamen, die durch Talent, Engamenhang das mit dem Rest gement und Ausstrahlung steht?“ ihren Weg gehen und ihre 101


Mode Anna Aichinger

Mit Eric Rainer hast du ganz zu Beginn, 2005, das Label RVSA über eine Saison geführt. Das war sozusagen unser Praktikum (lacht). Es war eine gute Erfahrung, all die Produktionsabläufe schon einmal durchgemacht zu haben, bevor man die erste eigene Kollektion präsentiert. Es war damals eine Männerkollektion. Warum hast du dich mit deinem eigenen Label wieder von den Männern abgewandt, den Frauen gewidmet, so wie du es auch über deine ganze Ausbildung hinweg gemacht hast? Es war ein Experiment. Ein interessantes. Man lernt durchaus auch Sachen, weil in der Männermode vieles reduziert ist. Einzelne Teile kommen da gar nicht vor. Man schaut dann viel mehr auf die Verarbeitung und lernt, auf kleinere Details zu achten. Und zurück zu den Frauen einfach deshalb, weil sie mir mehr liegen. Weil ich selbst eine Frau bin. Du machst bereits Accessoires wie Taschen, Gürtel und Buttons. Aber keine Schuhe. Noch nicht. Das heißt, es wird sie bald geben? Wenn ich sie mache, müssen die natürlich perfekt sein. Und es ist schwierig, da dann wirklich eine gute Produktionsfirma zu finden, die das dann genau so macht, wie man es sich vorstellt. Meine hätten natürlich einen hohen Absatz, ich würde sicherlich keine Ballerinas machen. Die sollen dann so perfekt sein, dass du sie am liebsten ablecken möchtest. Und das hebe ich mir einfach noch auf. Da muss der Zeitpunkt reif sein, dass man sagt: So, jetzt mach’ ich den perfekten Schuh!

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Bei deinen Kollektionen sowie deinen Accessoires arbeitest du mit Uniformdetails oder Versatzstücken davon. Würdest du deine Mode eher als Uniformierung oder als Individualisierung bezeichnen? Es ist so ein Mittelding. Man könnte vielleicht sagen es ist eine personalisierte Uniform. Was ja dann auch wieder ein Stil ist. Wenn man seinen Stil gefunden hat, dann ist man immer in eine gewisse Richtung angezogen. Und dadurch wird es zu einer gewissen Art von eigener Uniform. Farblich hältst du dich auch ziemlich uni und gedeckt. Für mich ist Schwarz einfach die ultimative Farbe. Die demokratischste Farbe. Sie steht allen, sie steht jeder Hautfarbe, jeder Haarfarbe, auch jeder Figur und es ist einfach die reduzierteste Farbe und gleichzeitig die eleganteste. Es ist sehr viel, was Schwarz ausdrückt und man kann sich einfach gut auf die Form des Kleidungsstücks, den Schnitt, die kleinen Details konzentrieren. Wie das Teil fällt und was es besonders macht. Weiß, Grau und Nude gehören ebenfalls immer zu meinen Basic Colors. Und gibt es eine Stoffqualität, die deine Mode am besten transportiert? Diese Weiblichkeit? Seide und fließender Jersey. Materialien, die nicht einengen, in denen man atmen kann, die nicht zwicken und beißen. Die man spürt, wenn der Körper sich bewegt. Du sprichst von der Wechselwirkung, die der Körper mit dem Material eingeht, welche besteht zwischen deiner Mode und ihrer Übersetzung in Bilder? Mode kommuniziert mehr

über Bilder, denn über Texte. Die Leute fühlen sich sehr von den Images meiner Kollektionen angesprochen. Weil sie nicht die übliche Sprache aufgreifen: leicht gelangweilt vor einer Wand stehend. Seit meiner ersten Kollektion arbeite ich mit der Fotografin Irina Gavrich zusammen. Wir versuchen immer, eine gewisse lebendige Atmosphäre zu schaffen. Ich glaube dieser Realitätsbezug kommt gut an. Die Mode wird nicht in einen virtuellen überstylten Raum gebracht, sondern dorthin, wo sie hin soll – in die Realität. Die Grafik der Kataloge mache ich immer selber. Ich würde es auf keinen Fall aus der Hand geben, dem Ganzen sozusagen den letzten Schliff zu verleihen. Wo siehst du dich in zehn Jahren? Wo sehe ich mich in zehn Jahren? Immer noch glücklich in der Mode arbeitend – Kollektion 2019. Eventuell schon ein paar Angestellte mehr. Eventuell schon ein Büro in Paris, Shows in Paris. Es wäre schön zu denken, dass es dann irgendwann ein Traditionsunternehmen wird. Anna Aichinger – seit 2006.

PRO FILE Anna Aichinger, 1978 in Wien geboren, diplomierte 2003 mit dem besten Diplom des Jahres an der Universität für angewandte Kunst Wien und hat mit ihrem gleichnamigen Label bereits einige Erfolge erzielt. Sie hat ihre Kollektionen mehrfach in renommierten Showrooms international präsentiert und erhielt 2006 den Modepreis der Stadt Wien. Ihre geradlinigen Entwürfe verfolgen konsequent einen eigenen, unverkennbaren Stil. Das Label ist nicht auf schnell wechselnde Trends ausgelegt. Anna Aichinger produziert jährlich eine Winter- und eine Sommerkollektion, präsentiert auf Messen und liefert an internationale Shops aus. Anna Aichinger, born 1978 in Vienna, graduated in 2003 from the University of Applied Arts Vienna as best student of the year and has already been quite successful with her label of the same name. She has presented her collections in renowned international showrooms on numerous occasions and has received the Fashion Award of the City of Vienna in 2006. With her straight-lined designs she has created an individual and very distinctive style. Anna Aichinger has absolutely no intention to follow quickly changing trends; she creates a winter and a summer collection each year, is represented at fashion fairs and supplies international shops.


fashion Anna Aichinger

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Mode Anna Aichinger

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Anna Aichinger projekt / project: PR & Marketing, Internationalisierung und Positionierung des Labels im Prêt-à-Porter-Segment / PR & marketing, internationalization and positioning of the label on the prêt-à-porter market Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 159.440 EUR Weihburggasse 16/3 1010 Wien contact@annaaichinger.com www.annaaichinger.com

(e) Anna Aichinger smokes centrate on it. Of course changed over the past 50 and sexuality? This is true it would be nice to work in years. When gender equalfor both the female and the Lucky Strikes Silver, colity became an issue, things male body. lects books, fake perfumes, Paris some day but I would never give up Vienna. started to change for women. shoes and glass ashtrays You studied under Jeanin arabesque shape. She Paris, because your fashHow does this change maniCharles de Castelbajac, has been represented in ion is well received there? fest itself? In the 80s career Paolo Piva, Viktor & Rolf and Paris for six seasons, her And because it’s my favorite women adopted male charRaf Simons. Who was most fashion sells best in Lonacteristics. They wore power important for your design don where there is a shop- city. I think that’s the best place for me. I’d really like suits with broad shoulders career? Raf Simons without keeper who already has a to make a fashion show on like men’s suits. Broad and any doubt. Simply because small Anna Aichinger colthe banks of the Seine. The massive. Meanwhile typical we worked on collections lection. place where the birch trees female characteristics like already at university. I wantare with those thousands of intuition, empathy and team ed to make fashion from Your studio and apartment declarations of love carved spirit are very much apprethe very beginning, and I are almost one. What do into them. That’s a very speciated by companies at the wanted to make collections. you see when you look out cial place for me. I don’t managerial level. Position He didn’t force us to adopt of the window? The wall of a know for how long these and power are no longer exhis notion of esthetics. He church. love signs have been there. pressed by broad shoulders would never say that someSome of them must be 50 to and asexual suits. Soft and thing was good or bad but Is that inspiring? It’s calm. 60 years old. flowing fabrics, female cuts, rather: “I, personally, don’t There are no neighbors opall of this is possible today. like it“ or “Why don’t you posite. What’s going on outpursue this idea.” side my window does not re- You say that here in Vienna In this context you often talk ally influence my inspiration. you can perfectly concentrate on a subject. What are about alpha women. How So he was somehow your your subjects? If you make would you define them? mentor who asked the right So you’ve never considered fashion for women you’re These are women who are questions. Yes, who spotted working somewhere else. In our weak points and encouranother city? At the moment constantly dealing with femi- successful because they ninity, with what you express, are talented, committed and aged us to work on that. I feel very comfortable in and the first impression is charismatic. They pursue Vienna. Here you have a lot a visual one. You achieve a their careers, reach their tar- Is there currently someone of time to delve into a subwho plays this role or who ject, to deal with it in greater certain effect with the things gets, they work hard to get you wear, you make a statewhat they want, and they fiis important for your credetail—compared with the ment. What’s important nally get it. ative production? I discuss hustle and bustle of the for me is a strong image of my collections with specific large fashion metropolises. women, and the new image Do you think that femininity persons to see things from I really prefer to immerse of women which has greatly has to do with eroticism a different angle. Eric is one myself in a subject, to con104


fashion Anna Aichinger

of them. He is one of my best friends and a designer, too. As far as fashion is concerned he thinks very analytically and is able to evaluate the collection as a whole; he asks questions like: “Tell me, how is this related to the rest.”

women now because that’s more my thing. Because I’m a woman myself. You make accessories like bags, belts and buttons. But no shoes. Not yet.

So there will be shoes soon? When I make shoes they When you started in 2005 have to be perfect. And it is you had a label—RVSA—tonot so easy to find a good gether with Eric Rainer for manufacturer who makes it one season. That was our just the way you want it to first professional experience. be. I would certainly design (laughs) And it was really high heels, definitely no balhelpful to have gone through let flats. They have to be so all the stages of production perfect that you’d like to lick before presenting ones first them. I’ll do that when the collection. time is ripe, when I think: “Okay, let’s make the perfect It was a collection for men. shoe.” Why did you abandon men’s wear to concentrate on For your collections and acwomen with your own label cessories you use uniform like you already did during or uniform-like details. What your education? It was an does your fashion stand for: experiment. An interesting uniformity or individuality? experiment. You learn from It’s something in between. it, because men’s fashion You could probably call it a is somehow more reduced. personalized uniform. And There are several things you that, too, is a style. Once don’t need in men’s wear. you’ve found your style So you attach more imporyou wear a specific kind tance to workmanship. You of things. Which makes it learn to pay attention to a certain type of individual details. I make fashion for uniform.

You prefer monochrome and muted colors. For me black is the ultimate color. It is the most democratic color. Everybody can wear it. It fits all skin and hair colors, all figure types; it’s the most reduced and yet the most elegant of all colors. Black expresses a lot of things, and with black you can concentrate on the shape of the garment, the cut, the details, the characteristics of the fabric and what it is that makes it special. My basic colors also include white, gray and nude. Is there a fabric that is best suited for your fashion? To convey the femininity? Silk and flowing jersey. Non-restricting materials, which allow you to breathe, that don’t itch and pinch. Materials you can feel when you move your body. You talk about the interaction between the body and the material, what is the interaction between your fashion and its translation into images? Fashion rather communicates through images than texts. The images of my

collections appeal to people because they do not communicate by using a conventional language: standing slightly bored in front of a wall. Since my very first collection I have been working together with photographer Irina Gavrich. We always try to create a lively atmosphere. This reference to reality is well received. We don’t put fashion into a virtual, overstyled space but simply where it belongs: into reality. And I do the graphic design of the catalogues myself. I wouldn’t let that do someone else. I add the finishing touch. Where do you want to be in ten years’ time? Where do I want to be in ten years’ time? Still happily working in the fashion business—the 2019 collection. Perhaps some more employees, an office in Paris, shows in Paris. Becoming a traditional company sometime in the future, that’s a nice thought. Anna Aichinger—established in 2006.

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Mode Anna Aichinger

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2 Spring/Summer 07: Vive la RĂŠvolution Romantique!

5 Autumn/Winter 2007/08: Ministry of Foreign Fashion Affairs

3 Spring/Summer 08: The Alphagirls

Bilder der aktuellen Kollektion Spring/Summer 09 auf Seite 38/39 Fotos of the current Spring/Summer collection on page 38/39

4 Autumn/Winter 2008/09: The Black Sweater Brigades

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Fotos / photos: Irina Gavrich

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fashion Nina Peter

(d) Nina Peter und Gregor Pirouzi machen Handschuhe. Tragen bei 30°C Außentemperatur selbst keine und verwenden keine artgeschützten Problemfälle als Material. Nur feinstes Leder eben, so fein, dass es sich wie eine zweite Haut anfühltEntsprechend haben sie ihr Label Hautnah tituliert.

NINA P E T E R Fast wie eine Couture-Arbeit Almost like doing couture von/by: Katrin Seiler

Ihr arbeitet seit 2003 gemeinsam am Label Hautnah, das auf Handschuhe spezialisiert ist. Wie habt ihr zueinander gefunden? Und wie gestaltet sich im Sinne der Aufgabenteilung der Arbeitsprozess? Peter: Ich hab diese Idee geboren. Hab aber meine Fähigkeiten im Designbereich begrenzt gesehen. Weil ich selbst aus dem Marketing, der Werbung und Kommunikation komme. Ich habe den Gregor angesprochen, ob er mitmacht. Die Aufgabenteilung ist ganz klar; Gregor ist die Kreativ-Direktion, für Kollektion und Lookbook zuständig und ich bin mehr für den Vertrieb, die Produktion und Kommunikation, für Presse und das ganze Administrative verantwortlich. Pirouzi: Das Desgin-Produkt von Nina Peter – Hautnah war zu Beginn eigentlich kein Handschuh, sondern ein eigenes Accessoire. Wir haben eigentlich neue Accessoires gemacht und gingen in die Stulpenvariante. Kein Handschuh also, der funktional dienlich ist, sondern ein Produkt, das im Handgelenksbereich funktionieren kann. Und eine coole Variante zum Ausgehen ist, am besten gleich mit einem Gürtel, wo man es dranhängen kann. Und das war der Beginn. Das klingt cool, das klingt lässig. Dann haben wir fünf, sechs Designs gemacht. Und so hat sich das entwickelt. Das ist es, wo wir herkommen und es ist der Kern dessen, was unser Design ausmacht. Wofür wir auch bekannt sind. Dann haben wir eben noch die Finger hinzugegeben. Mittlerweile haben wir 26 HandschuhModelle. Die dann in unterschiedlichen Materialien. Mal vier oder so. Sicher 100 Variationen mit dem Leder gesehen. In vier verschiedenen Größen: 6,5 bis 8. Ist sicherlich ein Entwicklungsprozess. Anfangs nur Spaß, mittlerweile mit kommerziellem Hintergedanken. Nina, du kommst selbst aus einem alteingesessenen Handschuh-Unternehmen. Was ist bei eurem Label Tradition, was Abkehr davon? Peter: Bei uns ist gar nichts Tradition, außer, dass wir 107


Mode Nina Peter 1 Nina Peter Lookbook Autumn/ Winter 2008/09 Nina Peter Lookbook Autumn/Winter 2008/09

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Und in der Art der Produktion? Hilft hier das traditionelle handwerkliche Wissen des Vaters? Peter: Es hat natürlich anfangs geholfen. Nachdem wir beide keine gelernten Handschuhmacher sind, hilft es sowieso, sich mit Leuten zu unterhalten, die gelernte Handschuhmacher sind. Das heißt in der Produktion in Ungarn, wo wir jetzt sind, die nichts mit der meines Vaters zu tun hat und die auch für viele andere Unternehmen produziert, ist es irrsinnig interessant für uns, mit den Handschuhmachern zu reden. Pirouzi: Ich komme ja auch nicht vom Handschuh-Business. Ich habe zwar alles Mögliche schon designt in meinem Leben, Handschuhe aber noch nicht. In jedem Accessoire, in jedem Produkt gibt es eigene Techniken,

die man kennen muss. Und die lernt man schon in der Kommunikation z. B. mit den Produzenten. Man entwickelt sich ja weiter. Wenn es etwa um Nähte geht. Das habe ich zu Beginn nicht gewusst. Jede Kollektion hat wieder neue Techniken, die interessant sind. Man entwickelt sich forthin weiter. Am Anfang war es in erster Linie ein Designobjekt. Mittlerweile sind technische Raffinessen dabei. Nähte, die wir früher nicht gekannt haben, aber gang und gäbe sind im Handschuhbusiness, wie etwa die Rundnaht. Durch Studieren und Gespräche kommt man immer wieder auf neue Sachen und das macht dann eigentlich das Design aus. Und dann gibt es schon auch Dinge, die man teils von der Familie, teils von der Produktion mit-

bekommt. Wobei wir uns schon sehr selbstständig entwickelt haben. Peter: Die Archive sind toll. Wir haben anfangs sehr viele Handschuhe in den Archiven vom Vater angeschaut. Nähte angeschaut … Pirouzi: … von ganz klassischen Rehlederhandschuhen zum Beispiel. Wenn man einen Handschuh anhat, schaut man normalerweise nicht darauf, wie diese Naht da drinnen ist. Und dann kommt man drauf, dass es fünf verschiedene Varianten gibt, wie man diesen Handschuh zusammennäht. Das ist schon spannend. Ist der Produktionsprozess beim Handschuhmachen ein ungleich aufwändigerer als bei Bekleidung? Pirouzi: Ich denke es mir immer wieder. Bin immer wieder begeistert

Fotos / photos: Nina Peter

ein traditionelles Produkt aufgenommen haben, um es neu zu entwickeln. Ich war ewig nicht mit dem Unternehmen meines Vaters verbunden. Ich war in Japan 2003 und habe gesehen, dass dort alle Handschuhe tragen. Und eben auch nur einen oder abgeschnittene und da wurde auf einmal der alte Handschuh, der mich bis dahin überhaupt nicht interessiert hat, hot und trendy und so bin ich zu einer eigenen Handschuh-Kollektion inspiriert worden. Ich möchte eine Neuinterpretation des Handschuhs. Mit meinem, mit unserem Geschmack, mit unserem Zeitgeist, mit unserem Feeling. So ist das entstanden. Die Inspiration vom Unternehmen meines Vaters habe ich eigentlich nie gehabt.


fashion Nina Peter

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Nina Peter OG Projekt / project: Nina Peter Hautnah ‚SPEZIAL‘, Entwicklung einer eigenen Linie von Lederhandschuhen und Lederaccessoires unter dem Namen „Nina Peter Hautnah ‚SPEZIAL‘“ und deren internationale Positionierung als einziges Jung-Label im HandschuhLuxussegment / Nina Peter Hautnah ‘SPEZIAL’, development of the product line Nina Peter Hautnah ‘SPEZIAL’ consisting of leather gloves and leather accessories as well as its positioning on the international market as the sole young label offering luxury gloves Programm / program: C/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 117.019 EUR Lange Gasse 3/33 1080 Wien office@ninapeter.com www.ninapeter.com

von der tollen Arbeit der Taschen- und Handschuhmacher, diesen „Lederkünstlern“. Weiß aber nicht, ob der Aufwand mehr ist. Schade ist sicherlich, dass es kaum noch gute Handschuhmanufakturen gibt. Eine Sache, die auch einen Grund hat; weil es einfach nicht mehr rentabel ist. Auch weil die Masse an sich nicht mehr da ist. Macht ihr Handschuhe für andere Designhäuser? Peter: Wir haben für Agent Provocateur einen Handschuh entwickelt. Gregor hat designt und wir produziert. Wir haben immer wieder Kooperationen, u. a. mit Superfine, für das Gold Label von Vivienne Westwood, für Spijkers en Spijkers. Marios Schwab hat angefragt.

Denkt ihr beim Entwurf das passende Kleidungsstück mit? Pirouzi: Nein. Das ist heutzutage nicht mehr die Art und Weise, wie man Design macht. Man macht Design unabhängig von dem, was ein Gesamtoutfit ausmacht. Leider Gottes, ich find es nach wie vor sehr schick, wie man es früher gemacht hat, dass eine Dame zum Kleid die passende Tasche und Handschuhe getragen hat. Ich denke beim Entwurf nur an das Produkt. An das Leder, das Spiel mit Farben, mit den Händen, den Effekten. Braucht für euer Empfinden das Handschuh-Tragen einen Anlass? Pirouzi: Eigentlich nicht. Ich glaub auch, dass Nina Peter – Hautnah den Handschuh eigentlich dazu generiert hat, dass

auch ein Spaßfaktor dabei ist und man nicht unbedingt einen Anlass braucht. Dass es ein Styling-Accessoire ist. Eigentlich wiederum wie es früher war. Früher war es ein Styling. Jetzt soll es durch uns wieder ein Must werden. Genauso wie es ein Must ist, dass man eine schicke Tasche hat. Gregor, du blickst zurück auf eine lange Karriere im Modegeschäft – Vivienne Westwood, Helmut Lang, Versace und Agent Provocateur, um nur einige Stationen zu nennen. Was ist für dich das Reizvolle am Handschuh-Design? Gibt es Parallelen zur Lingerie – was ja auch unmittelbar auf der Haut getragen wird? Pirouzi: Beides hat eine sehr erotische Grundhaltung. Beides ist sehr hautbezogen. Ich

finde unsere Handschuhe irrsinnig sexy. Rock’n’Roll. Vom Design ist es für mich sehr spannend, mit Händen und Fingern umzugehen. Die Symbolik, die da drinnen steckt. Es ist eine sehr schöne Art, Design zu machen. Welche Symboliken finden sich in euren Handschuhen? Pirouzi: Wir haben den Stinke-Finger-Handschuh, wir haben den Victory-Handschuh. Aber auch viel, was nicht nur von der Symbolik her, sondern von der Machbarkeit unglaublich ist. Dass diese Handschuhmanufakturen Möglichkeiten haben, relativ unkompliziert – mit Patchwork, Nahtänderung und Aufteilung der Finger – irrsinnige tolle Effekte zu erzielen. Das ist fast wie eine Couture-Arbeit 109


Mode Nina Peter

3 Modell aus der Autumn/ Winter-Kollektion 2008/09 Gloves from the Autumn/Winter collection 2008/09

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PRO FILE Nina Peter und Gregor Pirouzi designen und produzieren Lederaccessoires für: Agent Provocateur, Superfine, Spijkers & Spijkers, Mishiko Koshino u. a. und verwandeln gewöhnliche Handschuhe in einzigartige Accessoires. Ausgangsmaterial ist vorwiegend feinstes Handschuhleder aus Frankreich. Jeder Handschuh soll das Gefühl einer zweiten Haut vermitteln. „Nina Peter Hautnah“ heißt das Label, unter dem die Kreationen international verkauft werden. Nina Peter and Gregor Pirouzi design and produce leather accessories for Agent Provocateur, Superfine, Spijkers & Spijkers, Mishiko Koshino, and others and turn conventional gloves into unique accessories. They predominantly use finest glove leather from France. Each glove shall feel like a second skin. The creations will be internationally marketed under the label Nina Peter Hautnah.

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damals bei Versace. Man kann hier wirklich mit recht kommerziellen Mitteln, wo der Preis der Produktion relativ günstig ist, eine handgearbeitete, Couture-ähnliche Designarbeit leisten. Für welche Hand würdet ihr gern einen Handschuh designen? Peter: Carine Roitfeld. Weil sie ein tolles Styling hat … Pirouzi: … und unser Design zum Teil einen französischen Touch in sich trägt. Unsere schwarzen Nietengeschichten zum Beispiel. Ich persönlich würde eigentlich gern die Vivienne (Vivienne Westwood, Anmerkung der Redaktion) mit einem Handschuh von Nina Peter sehen.

You have been working together on the Hautnah label, which specializes in gloves, since 2003. How did the two of you get together? And how do you share the responsibilities in the production process? Peter: I created the initial idea. Coming from the marketing, advertising and communications sectors I realized that there was a limit to my design expertise. I approached Gregor and asked him if he wanted to join me. Our responsibilities are clearly split: Gregor is the Creative Director and responsible for the collection and for the lookbook. I am responsible for sales, production and communications, the press and the whole administration. Pirouzi: The Nina Peter— Hautnah design product didn’t start off as a glove but as an accessory. We were actually making new accessories in the form of cuffs. So, not functional gloves but a product worn on the wrist. Cool for going out, best combined with a belt they can be attached to. That was the beginning. That sounds cool, that sounds laid-back. We did five or six designs. Things developed from there. So this is where we come from. It’s the quintessence of our design. What we are known for. Eventually, we just added the fingers. Currently we have 26 models of gloves in a variety of materials. Times

4 or so. Sure I saw 100 variations in that leather. In four different sizes: 6 1⁄ 2 to 8. It sure is a development process. In the beginning just for fun, now with commercial success in mind. Nina, you come from an oldestablished glove-making business. What about your label is tradition and where do you depart from tradition? Peter: Nothing about our label is tradition except that we took up a traditional product to redesign it into something new. I have not been involved in my father’s business for ages. In 2003, I was in Japan and saw that everybody there was wearing gloves. Sometimes only one glove, sometimes cutoff gloves. Suddenly, the old glove, which I had had no interest in until then, was hot and trendy. This inspired me to create my own glove collection. I want gloves to be reinterpreted reflecting my taste, our taste, our zeitgeist, our feeling. That’s how everything came about. I have never actually been inspired by my father’s company. What about the production process? Is the traditional crafts knowledge of your father of any help here? Peter: Of course it was helpful in the beginning. As we are both not trained glove makers it is always helpful to talk to trained glove makers. At the manufacturing site in Hungary where we are now (and which has nothing to do with my father’s; they also produce for lots of other companies) it is extremely interesting for us to talk to the glove makers. Pirouzi: I don’t come from the glove-making business myself. I have designed all sorts of things throughout my life but never before gloves. Every accessory, every product requires its own techniques, which you have

Foto / photo: Nina Peter

(e) Nina Peter and Gregor Pirouzi make gloves. At an outside temperature of 30°C they don’t wear any themselves and they don’t use any material from animals under protection. Only the finest leather. So fine in fact that their products feel like a second skin. Which is why they called their label Hautnah (German for “close to the skin”).


fashion Nina Peter

to know about. And you learn them by communicating. With the manufacturers, for instance. You keep learning, developing. Talking about seams, for example. I wasn’t aware of that in the beginning. Every collection shows new, interesting techniques. You continue to develop. In the beginning, it was primarily a design object. Now the production process also involves very unusual techniques. For example seams we didn’t previously know about but which are commonly used in the glove-making business, such as the circumferential seam. Studying and talking to people always brings up new ideas. And that’s basically what makes a particular design. And then there are aspects which you learn partly from the family, partly from the production people. But we have taken a very independent direction. Peter: The archives are great. In the early stages we looked at lots of gloves in my father’s archives. Looked at seams … Pirouzi: … in the classical deerskin glove for example. When you are wearing a glove you don’t normally look at that seam in there. And then you find out that there are five different ways of sewing together that particular glove. This is really fascinating. Is the production process of gloves much more elaborate than that of clothes? Pirouzi: I keep thinking about this. I’m always thrilled by the great work done by bag and glove makers, these “leather artists”. But I don’t know if more time and effort are needed. It’s a shame that there are hardly any good glove manufacturers left. And there is a reason for this: it simply isn’t profitable any more. There just aren’t enough customers.

Do you create gloves for other designers? Peter: We created a glove for Agent Provocateur. Gregor made the design and we produced it. We often work with others, for example with Superfine, Vivienne Westwood’s Gold Label and Spijkers en Spijkers. Marios Schwab also contacted us. Do you have a suitable garment in mind when you design a glove? Pirouzi: No. That is no longer how we design nowadays. We design independently from what a complete outfit would look like. Regrettably so. I still think it’s stylish, the way it used to be done. That a lady wore a dress along with matching bag and gloves. When designing I only think of the product. Of the leather, of playing with the colors, of the hands and the effects. Do you believe that wearing gloves needs a special occasion? Pirouzi: Not really. I think that Nina Peter—Hautnah has added a fun factor to the glove, that it requires no special occasion to be worn. And that it is a styling accessory. Just like it used to be, actually. It used to be a styling item. Now we want to make it a “must” again. Just like it is a must to have a stylish bag. Gregor, you are looking back on a long career in the fashion business—Vivienne Westwood, Helmut Lang, Versace and Agent Provocateur are just some of your milestones. What is it about designing gloves that appeals to you? Do you see any parallels between gloves and lingerie—both are worn directly on the skin? Pirouzi: They both have an erotic undertone. Both are in touch with the skin. I find our gloves incredibly sexy. Rock’n’roll. I find it fascinating to design for hands and

4 4 Hautnah-Designer Gregor Pirouzi Hautnah designer Gregor Pirouzi

fingers. There is a certain symbolism in doing that. It is a very pleasurable way of designing. Which symbols can be found in your gloves? Pirouzi: We have the raised-middle-finger-glove, we have the victory glove. And lots of others which are not only amazing because of their symbolism but because you wouldn’t think they could actually be made. Glove-making opens up possibilities of achieving fantastic effects by relatively uncomplicated means, for example by using patchwork, different seams and by how fingers are divided. This is almost like doing couture for Versace back then. You can create handmade couturelike designer pieces by us-

ing quite commercial means at relatively low production costs. Whose hands would you like to design a glove for? Peter: Carine Roitfeld. Because of her great styling … Pirouzi: … and because our design occasionally has a French touch to it. Our black riveted pieces, for example. Personally, I would like to see Vivienne (Vivienne Westwood, editor’s note) wear a Nina Peter glove.

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Mode Wilfried Mayer

WILFRIED M A Y E R Sich selbst Anlass sein An occasion in itself

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1 Designer Wilfried Mayer in seinem Atelier Designer Wilfried Mayer in his studio


fashion Wilfried Mayer

(d) Für sein Empfinden ist es ein Paradoxon, was er da betreibt; obgleich er sich die Möglichkeit zu mehr Reflexion wünscht, muss er sich dem schnell drehenden Getriebe des Modebetriebs unterordnen, um aktiv daran teilzunehmen. Wärst du gern in einer anderen Zeit geboren? Nein. Es ist immer besser, wenn man die Möglichkeit zur Rückschau hat. Je mehr man betrachten kann, desto besser. Andererseits bin ich auch nicht so optimistisch, dass ich unbedingt noch weiter in der Zukunft geboren sein möchte. Will aber den Blick auf die Vergangenheit nicht missen und den könnte ich nicht haben, wenn ich in der Vergangenheit leben würde, insofern ist es mir recht, im Jetzt zu leben. Ich frage deshalb, weil du dich in deiner Kleidung mit einem Männerbild beschäftigst, das bereits hinter uns liegt. Mit Fragen der Etikette und Versatzstücken historischer Män-

nerkleidung. Aber auch in philosophische Richtung weit zurückgehst, etwa mit dem Begriff der „Cura Sui“ aus der Antike arbeitest. So sehe ich das eigentlich nicht, dass es hinter uns liegt, weil, was mich daran interessiert sind gewisse Inhalte, die vielleicht dann an der Form aufgemacht werden können und das sehe ich nicht so an die Vergangenheit gebunden. Ich glaube auch, dass Etikette keiner Zeit unterliegt.

mitzudrehen und deswegen diese Art von Reflexion und Distanziertheit nicht mehr ausgeübt werden kann.

Was wären das für Werte und Ideen, die du gern ins Jetzt transportieren würdest bzw. die du überhaupt nicht überholt siehst? Würde, Selbstreflexion, die Möglichkeit zum Müßiggang, zum Produktiven, wären so Dinge, die mir ganz sympathisch sind.

Und du brauchst, um diese ausüben zu können, den Rechercheweg über die Historie und Vergangenheit, um diese dann wiederum ins Jetzt zu transportieren und um kreativ zu sein? Nein, eigentlich nicht. Ich mache ihn auch sehr wenig. Gut, Herrenmode ist in ihren formalen Elementen relativ stark in vergangenen Zeiten verankert, weil sich bei gewissen Dingen schon lang nichts mehr grundlegend verändert hat und diese Dinge immer noch tragend sind auch für die gegenwärtige Formensprache und den Formenkanon in der Herrenmode.

Und die siehst du im Jetzt nicht mehr gegeben? Die sehe ich im Jetzt für meinen Geschmack zu wenig, weil ich eher so den Eindruck habe, dass es den Zwang gibt, sich den Erfordernissen einer Tretmühle unterzuordnen und sich in dem schnellen Getriebe

Braucht deine Mode einen Anlass? Nein. Sagen wir mal so, es reizt mich der Gedanke, dass Kleidung im Kontext von Anlässen gesehen wird und dafür gebraucht wird, um einen Anlass zu unterstreichen bzw. die Wirkung herzustellen. Aber es interessiert mich

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Wilfried Mayer Projekt / project: Beschleunigung I, Ausweitung des Produktsortiments, Entwicklung einer gezielten Kommunikations- und PR-Strategie, internationale Etablierung des Labels Wilfried Mayer im hochpreisigen AvantgardeSegment und im klassischkonservativ orientierten Luxussegment / Acceleration I, enlargement of the product range, development of a targeted communication and PR strategy as well as the international establishment of the Wilfried Mayer label in the high-priced avantgarde segment and in the classic-conservative luxury segment Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 153.152 EUR Erdbergstraße 51/27 1030 Wien office@wilfriedmayer.net www.wilfriedmayer.net

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Mode Wilfried Mayer

mehr die Auseinandersetzung damit und das Wissen darüber, aber nicht zu sehr der Zwang, dass Kleidung nur im Kontext des Anlasses funktioniert und gebraucht werden sollte. Nachdem diese Auseinandersetzung stattgefunden hat, sollte sich das Resultat dessen von dem Ausgangspunkt der Auseinandersetzung lösen können und sich selbst dann Anlass sein. Obgleich du dich in deiner Arbeit von einem rein thematischen Zugang, von sogenannten „Themenkollektionen“ distanzierst, stellst du über deine Kollektionen zumeist Titel, die wiederum sehr thematisch sind; etwa „Ars Moriendi“ oder „Plasticfactoryfallout“. Wie geht das zusammen? Es muss nicht immer so sein, dass man in der Kollektion das Thema unmittelbar erkennt. Es kann auch subtiler sein. Etwa so, dass die Kollektion von Saison zu Saison nicht ein bestimmtes Thema bearbeitet, sondern dass das Thema vielleicht etwas weitläufiger und übergeordneter verstanden werden kann. Es eine Kontinuität gibt und eine permanente Auseinandersetzung mit mehreren oder nur einem Thema als „Inspiration“. Und diese Auseinandersetzung führt dann zu einer bestimmten Formensprache, die aber nicht auf eine Kollektion oder Saison beschränkt ist, sondern sich im Idealfall permanent weiterentwickelt. Also wenn eine gewisse Auseinandersetzung sich fortsetzt, dann sollte sich auch das Resultat, die Ästhetik und Arbeit, die damit in Verbindung stehen, fortsetzen. Du machst Mode für den Mann, willst aber nun auch deine Modelle für Frauen erschließbar machen, indem du sie in Damen114

größen anbietest. Wobei sich formal nichts ändert. Besteht insofern für dich kein Unterschied zwischen Damen- und Männermode? Doch, doch. Aber das schließt ja nicht aus, dass Mode, die vom Anspruch eher in der Herrenecke verankert ist, auch für Damen funktioniert. Wobei dieses „Herren“ eher thematisch begriffen wird und weniger etwas Ausschließendes hat insofern als es eine Zielgruppe definiert. Ich finde es auch für Damen interessant, sich mit diesem traditionellen Kanon zu beschäftigen, ihn sich anzueignen und zu verwerten. Du zeigst seit 2006 in Paris, hattest eine kurze Episode in Mailand. Ja, aber nur arbeitender Weise für jemand anderen, nämlich Bally. Siehst du dann deine Mode am stärksten in Paris verstanden? Eigentlich nicht. Ich habe keine gute Meinung von Paris und ich denke, dass es irgendwie auch nicht unbedingt angemessen ist für mich, dort zu sein. Es herrscht dort mittlerweile eine auf die Spitze getriebene Situation, wo es darum geht, in einem übersättigten Markt, der sich in einem sehr auffallenden Ungleichgewicht befindet, völlig irrationale Beweggründe von den Mitspielenden zu befriedigen und irgendwelchen medialen Aufmerksamkeits-Mechanismen gerecht zu werden. Und abgesehen davon aber gar nichts mehr passiert. Aber du denkst dann auch nicht daran, diesen perpetuierenden Halbjahreszyklus zu durchbrechen und mit deiner Kleidung ein saisonunabhängiges Produkt zu machen? Doch. doch. Das wäre irgendwie das Idealszenario, das zu erreichen wäre.

Du hast an der Modeklasse der Angewandten bei Raf Simons studiert, bei Carol Christian Poell, Miguel Adrover und Bally gearbeitet. Haben dich diese Stationen nachhaltig beeinflusst, was deinen Zugang zur Männermode angeht? Carol Christian Poell hatte sicher einen gewissen Einfluss. Ich habe für sein Produkt eine große Wertschätzung und die Art und Weise, wie er seine Tätigkeit in dem Modebereich ausübt, also für die Art von Sonderstellung, die er sich da erarbeitet hat. Sonderstellung? Inwiefern? Insofern als er sich relativ weit von diesen saisonalen Zwängen ausnehmen kann – also etwa nicht zu vorher festgesetzten Zeitpunkten, sprich Fashion Weeks, seine Musterkollektion ausstellt, sondern dann, wenn sie fertig ist – und es trotzdem irgendwie schafft, einen nicht unwesentlichen Teil von Leuten anzusprechen. Auch was im engeren Sinne das Produkt betrifft, finde ich die Herangehensweise spannend, wo es um eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit Verarbeitung und mit Material geht und wo man wirklich den Eindruck hat, dass Dinge nicht von Saison zu Saison weiterentwickelt werden, sondern so, wie es den Dingen entspricht. Das Thema Magie, also mit unsichtbaren Mitteln Wirkung zu erzeugen, spielt in deiner Arbeit immer wieder eine Rolle. Was ist magisch an deiner Mode-Arbeit? Das schließt jetzt eigentlich thematisch ganz gut den Kreis. Als es anfangs darum ging, ob man mit einem gewissen Thema arbeitet und dann vielleicht ein Papier verfasst für die Journalisten, wo das alles erklärt wird etc. Der gegenteilige Zugang wäre eben der, der

von mir eigentlich favorisiert wird, wo es darum geht, dass man den Betrachter mit etwas konfrontiert, das im Idealfall eine bestimmte Wirkung erzielt. Es geht um Spannungsgeladenheit auf mehreren Ebenen, in meinem Fall eben auf eine visuelle, haptische Ebene übertragen werden kann. Das ist eigentlich alles, was dieser Begriff Magie im Grunde genommen bezeichnet. Und insofern sollte jede Mode Magie sein. Für mich schon.

PRO FILE Nach seinem Abschluss in Modedesign an der Universität für angewandte Kunst Wien, arbeitete Wilfried Mayer als Schuhdesigner für Bally in Mailand. Im Frühjahr 2005 war er mit seiner Kollektion Ars Moriendi Finalist beim renommierten Hyères- Festival. Der Modedesigner hat durch seine konsequente Linie bereits internationale Presse-Aufmerksamkeit erhalten. After graduating in fashion design from the University of Applied Arts Vienna Wilfried Mayer worked for Bally in Milan as a shoe designer. In spring 2005 he figured among the finalists at the renowned Hyères Festival with his collection Ars Moriendi. The fashion designer and his typical style have already been mentioned in international magazines.


fashion Wilfried Mayer

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2 Mode soll Magie sein. Schuhe aus der Autumn/Winter-Kollektion 2008/09 Fashion should be magic. Shoes from the Autumn/Winter collection 2008/09

(e) He feels his way of working is a paradox: Even though he wishes to have more scope for reflection he has to submit to the fast spinning whirl of the fashion business so as to take on an active role in it.

Fotos / photos: Stefan Zeisler

Would you like to have been born in a different age? No. It is always better to be able to look back on something. The more you can reflect on things the better. But I am also not optimistic enough to want to be born further ahead in time. I want to be able to look back on the past and I could not do that if I lived in the past. So I am content with living in the present. I asked you this question because in your fashion you are looking at a male image from the past, at matters of etiquette and clichés of historical men’s wear. You also go far back in philoso-

phy, for example by using the expression “Cura Sui” from Antiquity. That’s not the way I see it, that all this lies behind us. What I find interesting about it are certain concepts which can be expressed in form and style and which I don’t see as limited to the past. I also think that etiquette is not bound to a certain period. Which values and ideas do you not regard as being obsolete and would you like to bring forward into the present? Dignity, self-reflection, the opportunity of leisure of the productive kind. Those are concepts I find quite appealing. And which you no longer see in today’s world? I, for my part, don’t see enough of them in today’s world. I have the impression that there is a certain pressure to submit to the demands of a treadmill and to join in

the spinning whirl. Reflection and reserve are no longer possible. So you need to research history and the past to be able to practice this reflection and reserve, to bring it forward into the present and to be creative? No, not really. I don’t do a lot of research. It’s true that the formal elements of men’s fashion are strongly anchored in the past. Certain aspects haven’t fundamentally changed in a long time and they are still important in the modern stylistic vocabulary and canon of designs in men’s fashion.

ing. But I am more interested in working with it and learning about it and not so much in the postulate that clothing only works and should be used in the context of a special occasion. Once this process is completed, its result should detach itself from the starting point and should serve as an occasion in itself.

Although in your work you distance yourself from a purely thematic approach, from the so-called “themed collections”, you usually put your collections under titles which are very thematic, such as “Ars Moriendi” or “Plasticfactoryfallout”. How Does wearing your fashion does that go together? The require an occasion? No. Let theme isn’t necessarily alme put it this way: I find the ways immediately obvious notion that an item of clothin a collection. It can be ing is seen in the context more subtle. The collecof special occasions and tion may, for example, not is used to accentuate such deal with a certain theme an occasion or to achieve a from season to season but certain effect very appealthe theme may be under115


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Fotos / photos: Stefan Zeisler

Mode Wilfried Mayer


fashion Wilfried Mayer 4 Autumn/Winter Kollektion 2008/09 Autumn/Winter collection 2008/09

stood in a somewhat more long-term and wider context. There may be some continuity and a permanent dealing with one or more issues which are taken as an inspiration. This process will eventually lead to a certain stylistic vocabulary which is then not restricted to one collection or season but ideally undergoes continuous development. If a certain process continues, the result, the esthetics and the work related to it should also continue. You design men’s wear and now want to open up your fashion to women by making it available in women’s sizes while the style will remain the same. Do you not see a difference between fashion for men and fashion for women? Of course I do. But that doesn’t mean that fashion designed for men won’t also work for women. Here, “men” can be interpreted as a theme and does not merely define a target group with the exclusion of all others. I also find it in-

teresting for women to look at this traditional canon, to adopt and apply it. You have been showing in Paris since 2006 and had a short episode in Milan. Yes, but only working for someone else, namely Bally. So do you feel that your fashion is most appreciated in Paris? Not really. I don’t have a high opinion of Paris and I think that it is somehow not appropriate for me to be present there. The situation there has been carried to an extreme. Everything is about satisfying totally irrational motives of other players and submitting to the attention-gaining mechanisms of the media in an oversaturated and very imbalanced market. Apart from all this nothing else happens. But you are not thinking of breaking through this perpetuating half-year cycle and making fashion that is independent from the seasons? Oh yes, I do. That’s

the ideal scenario I would like to create. You studied in the fashion department of the University of Applied Arts in Vienna with Raf Simons and worked with Carol Christian Poell, Miguel Adrover and Bally. Have these experiences had a long-term effect on your approach to men’s fashion? Carol Christian Poell has certainly had an influence on me. I greatly appreciate his product and the way he works in the fashion business, i.e. the special status he has achieved for himself. Special status? In what way? He almost never submits to these seasonal constraints— for example he does not present his sample collection at predetermined times such as Fashion Weeks but when it is ready. And still he manages to appeal to a fairly important number of people. I find his approach to the product itself also very fascinating, taking a profound look at workmanship and materials. You really get

the impression that things are not developed further from season to season but at appropriate steps. The subject of magic and of creating effects by invisible means comes up in your work again and again. What is magical about your fashion? This subject almost brings us back to where we started off when we talked about working with a particular theme and then maybe writing an explanation of it for the press, etc. I favor the opposite approach where the observer is confronted with something which will ideally produce a certain effect. We are talking about a kind of suspense on several levels which can and will be transferred on a visual, a haptic level and which may have developed in the person who originally created this medium, this product. This is basically all that the term “magic” stands for. And fashion should always be magic in this respect. In my opinion, yes. 117


Mode Gina Drewes, Elena Grasmik

PIONEER

Gina Drewes (d) 2003 schloss Gina Drewes die Modeschule Hetzendorf als Jahrgangsbeste ab und hat seither ihre Entwürfe bereits mehrmals erfolgreich präsentiert. Ihr Label steht für feminine, im Alltag tragbare Mode mit einfachen, gut durchdachten Schnitten. Inspiriert von den dramatischen Liebesgeschichten der 50er- und 60er-Jahre wie „Belle de Jour“, „Le Mépris“, „La dolce Vita“, „Vertigo“ oder „Casablanca“, entstand die aktuelle Kollektion Heartbreak Hotel. (e) Gina Drewes graduated from Hetzendorf fashion school in 2003 as best student of the year and has meanwhile successfully presented her designs on numerous occasions. Her label consists of feminine and wearable fashion with simple and well thought-out cuts. Inspired by the dramatic love stories of the 1950s and 60s— “Belle de Jour”, “Le Mépris”, “La Dolce Vita”, “Vertigo” or “Casablanca”—she created her latest collection Heartbreak Hotel.

Projekteinreicher / project applicant: Gina Drewes Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Esterhazygasse32 / Top 1 1060 Wien office@ginadrewes.com www.ginadrewes.com

PIONEER

Elena Grasmik (d) Die russische Designerin Elena Hrdina bietet mit ihrem Label Elena Grasmik funktionelle Streetwear-Kollektionen und maßgeschneiderte Einzelstücke. Einfache Schnitte und raffinierte Details prägen ihren Stil. Erhältlich bei artup, Bauernmarkt 8, 1010 Wien oder gegen Voranmeldung im Atelier. (e) With her label Elena Grasmik Russian designer Elena Hrdina offers functional street wear collections and tailormade single pieces. Her style is characterized by simple cuts and extravagant details. Available at artup, Bauernmarkt 8, 1010 Vienna or—by prior appointment—in her studio.

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FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Elena Hrdina, Elena Grasmik e.U. Programm / program: P/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Vogtgasse 28 1140 Wien elena@grasmik.com www.grasmik.com

Fotos / photos: sixxa (sixxa) / Marco Pauer (Ina Kent) / Asdrid Knie (Elena Grasmik) / Bernhard Wolff (Gina Drewes)

FAC T S FIGURES


fashion sixxa, Ina Kent

FAC T S FIGURES

PIONEER

sixxa (d) Katharina Macheiner ist sixxa und macht Streetwear für Mädchen. Was 2004 als Nebenprojekt mit selbst bedruckten T-Shirts begann, ist heute eine komplette Streetwear-Kollektion. Zu kaufen gibt’s das Ganze im sixxa dinghy store vienna und im Board-Sport-Shop des Vertrauens.

Projekteinreicher / project applicant: Katharina Macheiner, sixxa Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Mollardgasse 85a/3/124 1060 Wien wien@sixxa.com www.sixxa.com

(e) sixxa—that’s Katharina Macheiner and her streetwear for girls. What started in 2004 as a side project consisting of self-printed T-shirts has developed to a complete streetwear collection available at sixxa dinghy store vienna and at your favorite Board-Sport shop.

sixxa dinghy store vienna Kirchengasse 40 1070 Wien

PIONEER

Ina Kent FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Ina Kent / Ina Kent Wien Projekt / project: Ledernes: Design & Manufaktur / leather wear: design & manufacture Programm / program: P/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Lindengasse 46 1070 Wien contact@inakent.at www.inakent.at

(d) Das Label Ina Kent steht für hochwertige Lederaccessoires für Damen, Herren und Kinder. Die Kleinserien sind geprägt durch qualitätvolle und auf Details bedachte Verarbeitung bester Materialien, schlichtes Design sowie die Kombina-

tion von natürlich-pflanzlich gegerbtem Leder mit Lack oder metallisch glänzenden Elementen. Ein Modulsystem für Innentaschen ermöglicht die individuelle Gestaltung der Accessoires durch den Träger.

(e) The Ina Kent label stands for first-class leather accessories for men, women and children. Top quality workmanship, finest materials and devotion to detail, simple designs and the combination of naturally vegetable tanned leather and

patent leather or elements with a metallic shine—these are the characteristics of Ina Kent’s small series. A module system for inside pockets allows the wearer to individually arrange the accessories.

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PIONEER

´ / MORGER RADIC

(d) „Wir wollen einen eigenständigen Stil entwickeln, der für lässigen Chic in Kombination mit einer Art rauer Eleganz stehen soll, aufgelockert durch funktionelle Details. Accessoires sind auch Teil der Kleidung; Schuhe sind nicht nur sexy, sondern auch bequem. Unser großer Wunsch einen charakteristischen persönlichen Stil von internationalem Ruf zu entwickeln, führte zu dem Entschluss, ein Studio

zu mieten und unsere eigene Modemarke zu lancieren.” Priska Morger, ehemalige erste Assistentin von Raf Simons, und Danijel Radic´, FreelanceDesigner bei Mühlbauer, machen gemeinsame Sache unter ´ / MORGER. dem Label RADIC Eine Preview zur ersten Kollektion gab es bereits bei der departure Fashion Night 2008 im Rahmen des 8 festival for fashion & photography.

(e) “We want to develop a unique style which stands for effortless chic, combined with a certain rough elegance and interspersed with functional details. Accessories also serve as garments; shoes are not only sexy, but also comfortable. Our strong desire to develop an idiosyncratic and personal style of international reputation eventually led to our renting a studio and starting our own fashion brand.” Priska Morger, former first assistant to Raf Simons, and Danijel Radic´, freelance designer at Mühlbauer, have joined forces and established the label RADIC´ / MORGER. A preview of their first collection was held during the departure Fashion Night 2008 as part of the 8 festival for fashion & photography.

PIONEER

MAYI (d) Das Label MAYI steht für Nachhaltigkeit, Innovation, Umweltfreundlichkeit, soziales Engagement, Kunst und Design, wurde 2007 mit dem „ECO Design Award“ ausgezeichnet und hat bereits einen Zweijahresvertrag mit der renommierten Modemesse Premium Berlin. Die Kollektionen werden ausschließlich in Europa gefertigt. Auch bei der Stoffproduktion garantiert die Designerin Maye Riess die Einhaltung der GOTS (Global Organic Textile Standards), das bedeutet chemiefreier Anbau und soziale Arbeitsbedingungen. (e) The label MAYI stands for sustainability, innovation, eco-friendliness, social commitment, art and design. In 2007 the label received the “ECO Design Award” and has signed a two-years contract with the renowned fashion fair Premium Berlin. The collections are exclusively produced in Europe. Designer Maye Riess

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guarantees that all fabrics are produced in accordance with the Global Organic Textile Standards (GOTS), which means chemical-free cultivation and social working conditions.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Maye Riess, MAYI e.U. Programm / program: P/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Panikengasse 26/7 1160 Wien maye.riess@chello.at www.mayi.at

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FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: ´ / MORGER GesbR RADIC Programm / program: P/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Palffygasse 10 / Top 6 1170 Wien info@radic-morger.com www.radic-morger.com

Foto / photo: Studio Wurm (1, 2) / RADIC´ / MORGER (links)

Mode ´ / MORGER, MAYI RADIC


fashion pagabei, Veronika Persché

PIONEER

pagabei (d) Die für Unternehmen wie Vossen und Ergee tätige Designerin Eszter Szabolcs startet mit dem Label pagabei nun ihre eigene Produktion für innovative Baby- und Kleinkinderbekleidung von null bis sechs Jahren. Mit höchster

Qualität und Liebe zum Detail will sich Szabolcs am Markt etablieren. (e) Designer Eszter Szabolcs, who has worked for companies like Vossen or Ergee, has now established her own label

pagabei and produces innovative clothing for babies and children from zero to six years of age. Top quality and an eye for detail are her ingredients for market success.

PIONEER

Veronika Persché (d) „Meine Arbeitsweise hat zwei Pole: erstens die Konstruktion – streng, perfekt und regelmäßig strukturiert, der Gegenpol ist das Material – organisch, oft unperfekt oder unregelmäßig, also gut für Überraschungen, Zufälle und Unfälle.“, erklärt Veronika Persché. Inspirierende Strukturen

findet sie u. a. in der Architektur des Bauhaus, der Wiener Gemeindebauten und des italienischen Faschismus, im russischen Konstruktivismus und in M. C. Eschers Graphiken. Bei der Verarbeitung orientiert sie sich an den großen Vorbildern der Wiener Werkstätte und traditioneller Handarbeit.

(e) “My working method is somewhat bipolar: first there’s the construction—strict, perfect and regularly textured, the opposite pole is the material— this is organic and often imperfect or irregular, making it a good source of surprises, coincidences and accidents,” explains Veronika Persché. She discovers inspiring textures in the architecture of the Bauhaus movement, of Viennese public housing and of Italian fascism, as well as in Russian Constructivism and M. C. Escher’s drawings. In processing these, she orients herself on the great role models provided by the Wiener Werkstätte and numerous traditional arts and crafts.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Eszter Szabolcs / pagabei e.U. Programm / program: P/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Lange Gasse 14/6 1080 Wien office@pagabei.at www.pagabei.at

2 Strickstoffe für Skulpturen von Erwin Wurm, in Zusammenarbeit mit Kerstin Bennier und Daniela Hirsch Knitted material for sculptures of Erwin Wurm, in cooperation with Kerstin Bennier und Daniela Hirsch

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Veronika Persché Programm / program: P/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Theresiengasse 26/14 1180 Wien veronika@persche.com www.persche.com

1 „mind bubbles“ – Kooperation mit Erwin Wurm: Strickstoffe für Skulpturen von Erwin Wurm, in Zusammenarbeit mit Daniela Hirsch “mind bubbles”—cooperation with Erwin Wurm: knitting material for sculptures of Erwin Wurm, in cooperation with Daniela Hirsch 2 „Der Künstler, der die Welt verschluckt hat, als sie noch eine Scheibe war“ – Kooperation mit Erwin Wurm “The artist who swallowed the world when it was still a disk”—cooperation with Erwin Wurm

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Mode Archiv

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AMRA OT COUTURE (1) Projekteinreicher / project applicant: Amra Bergman / AMRA OT COUTURE Projekt / project: Online Trade Couture Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Walfischgasse 9/2/7 1010 Wien amra@amra.at www.amra.at

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AND_i (2)

art point (3)

Brandmair (4)

Projekteinreicher / project applicant: Andreas Eberharter, AND_i e.U. Projekt / project: Etablierung der Marke AND_i / International establishment of the brand AND_i Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 165.324 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Elena Zvereva / art point Vienna Projekt / project: art point international Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Claudia Brandmair Projekt / project: Brandmair Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 78.538

Schönbrunner Straße 62/3 1050 Wien office@and-i.net www.and-i.net

Westbahnstr. 3 1070 Wien kontakt@artpoint.ru www.artpoint.ru

Ramperstorfergasse 30/8 1050 Wien claudia.brandmair@chello.at www.brandmair.net


fashion archive

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Foto / photo: Roland Ferrigato (1, 3, 5, 6, 7, 8)

elfenkleid (5) Projekteinreicher / project applicant: Elfenkleid Thaler & Prechtl OEG Projekt / project: Vom Wiener Modelabel zur internationalen Fashionmarke und zurück / From Viennese fashion label to international fashion brand and back Programm / program: F/0503 Gesamtfördersumme / total funding: 77.962 EUR Margaretenstr. 39/3-4 1040 Wien email@elfenkleid.com www.elfenkleid.com

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__fabrics interseason (6) Projekteinreicher / project applicant: fabrics interseason Salner/ Schweiger OEG Projekt / project: fabrics interseason Kick-Off Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 99.530 EUR Haymerlegasse 6/1 1160 Wien office@fabrics.at www.fabrics.at

Florian Ladstätter (7) Projekteinreicher / project applicant: Florian Ladstätter Projekt / project: BEATICA – things to make happy Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Wipplingerstraße 23 1010 Wien info@beatica.com www.beatica.com

Keen (8) Projekteinreicher / project applicant: Roland Kühne / Keen Projekt / project: Entwicklung, Messeauftritt, int. Markteinführung Keen / Development, participation in trade fairs, international market introduction of Keen Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 58.344 EUR Neubaugasse 51 1070 Wien office@keenfashion.com www.keenfashion.com

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Mode Archiv

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Mühlbauer (9)

Petar Petrov (10) rosa mosa (11)

Saba Song (12)

Projekteinreicher / project applicant: Mühlbauer Hut und Mode GmbH & Co KG Projekt / project: Neupositionierung & Wachstum / Repositioning & growth Programm / program: F/0502 Gesamtfördersumme / total funding: 73.470 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Petar Petrov Projekt / project: Petar Petrov Menswear Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: SABA SONG GmbH Projekt / project: Soup&Fish Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 41.447 EUR

Franz-Josefs-Kai 15 1010 Wien office@muehlbauer.at www.muehlbauer.at

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Grabnergasse 16/12 1060 Wien mail@petarpetrov.com www.petarpetrov.com

Projekteinreicher / project applicant: Simone Springer / rosa mosa Projekt / project: Internationalisierung rosa mosa / internationalization of rosa mosa Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 84.000 EUR Ziegelofengasse 17/R2 1050 Wien info@rosamosa.com www.rosamosa.com

Praterstraße 11-13 1020 Wien info@song.at www.soupandfish.com


fashion archive

Foto / photo: Roland Ferrigato (9, 10, 13) / Katia Rahlwes (15)

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Schella Kann (13) Ute Ploier (14)

Wendy&Jim (15)

Projekteinreicher / project applicant: Schellakann TextilwarenerzeugungsGmbH Projekt / project: Internationale Markenpositionierung und Vertriebsaufbau / international brand positioning and development of a distribution network Programm / program: F/0502 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Wendy & Jim Fankhauser / Schania GesnbR Projekt / project: Wendy & Jim vom Label zum Brand! / Wendy & Jim from label to brand! Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Singerstr. 14/2 1010 Wien office@schellakann.at www.schellakann.at

Projekteinreicher / project applicant: Ute Ploier Projekt / project: ute ploier menswear Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Rüdigergasse 8/3 1050 Wien office@uteploier.com www.uteploier.com

Zieglergasse 68/1+2 1070 Wien wuj@gmx.at www.wujsympathisant.com

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DESIGN D E S I G N


DESIGN / DESIGN

E S S AY / E S S AY Paola Antonelli Auseinandersetzung mit dem Leben / Dealing with life (128)

PROJEKTE / PROJECTS ARGE LIGHTGLASS Der Computer im Glas / Computer in a glass panel (136) hei solar light Volles Rohr / The entire tube (140) Liquifer q Systems y Group p Loblied auf den Büroschlaf / Praise the office nap! (144)

Martina Kröll (149) Paul Kogelnig (149) Motmot Design (150) sha. (150) Totti Design (150) Upbuildin p g (151) Spirit p Design (152)

ARCHIV / ARCHIVE Adam Wehselyy Swiczinskyy & Andreas Neubauer (153) AIRMICI (153) All Austrian Arts (154) bkm (154) bkm on tour (154) Congenial (155) convoi-id (155) DANKLHAMPEL DESIGN (155) Designbüro René Chavanne (156) Designstudio LUCY.D (156) Desktop p Design (156) Electric Babes (156) Florian Gsottbauer (157) FreeWings (157) Future Skin (157) guggenbichlerdesign … (157)

(158) J Johann Spitzauer p JJULAND Barcelona Vienna (158) J ge Typen Jun yp , (158) j ges Layout jun y Kabiljo j Inc. (159) Kai Stania (159) Kohlmaier (159) Lobmeyr y (159) Lomograph p y (160) mCubed Information Technology & 24H Product Design (160) miramondo (160) Najj aj ar & Najj aj ar (161) Siddhartha Sailingyyachts (161) URBAN TOOL (161) Walking-Chair & UNVERKAEUFLICH (162) Wubet (162)


Design Paola Antonelli

Paola Antonelli

AU S E I N A N D E R S E T Z U N G MIT DEM LEBEN IM INTERVIEW MIT DOROTHEA KÖB UND HEINZ WOLF

(d) Paola Antonelli, Chefkuratorin der Abteilung Architektur und Design am MoMA (Museum of Modern Art New York), eröffnet eine wundersame Welt des Designs: Unendlich viele, fleißige „Ameisen“ machen uns das Leben leichter und übersetzen Innovationen in alltägliche Gebrauchsgegenstände. Diesen Ameisen Gehör und Publikum zu verschaffen ist Antonellis Aufgabe, und dieser geht sie mit umfassendem Wissen, ansteckender Energie und der Verführungskraft einer Meerjungfrau nach.

Wie lautet Ihre persönliche Definition von gutem Design? In einem Wandtext zur Ausstellung „Just in“, die in unsere ständige Sammlung aufgenommen wurde, habe ich meine ganz persönliche Definition von Design formuliert (siehe MoMA Kriterien). Was sind die idealen Voraussetzungen für die Entstehung und Entwicklung von gutem Design? Das hängt davon ab, was unter Design verstanden wird. Die materielle Kultur und Industrie, die man in einer Stadt vorfindet, haben sicherlich einen Einfluss. New York beispielsweise ist nicht gerade führend im Bereich Industriedesign einfach, weil es dort an der entsprechenden Infrastruktur mangelt und die Immobilienpreise zu hoch sind, setzt aber im Multimediadesign Maßstäbe. In Kalifornien gibt es durch das Militär und die Luftfahrtindustrie eine große Technologietradition, so dass dort viele Industriedesigner ansässig sind. Hollywood bietet außerdem ein großes Potenzial an handwerklichem Können und besonders Fachleute für Innenraumgestaltung – Fertigkei128

Wenn wir schon bei Umweltbewusstsein und bei Nachhaltigkeit sind: Welche Designtrends gibt es Ihrer Meinung nach derzeit und in Zukunft? Worin liegen die großen Herausforderungen für Designer? Ich kümmere mich nie wirklich um Trends, weil ich sie mit Luxus- und Modezeitschriften verbinde. Also gefällt mir der zweite Teil Ihrer Frage besser, der zu den Herausforderungen. Davon gibt es viele, und sie alle beziehen sich auf die Hauptaufgabe von Designern, nämlich sich mit dem Leben auseinanderzusetzen. Wenn das geschieht, erleichtern Designer es jedem einzelnen, sich den verschiedensten Dingen im täglichen Leben zu widmen, beispielsweise eben unser Umgang mit der Umwelt – das kann ganz simpel durch die Entwicklung eines besseren Mülltrennsystems für Zuhause sein, bis hin zum Bau von Gebäuden mit entsprechenden energiebewussten Standards; das geht also von der Mikro- zur Makroebene. Zahlreiche Designer arbeiten wie wunderbar fleißige Ameisen, um unser Leben besser und lebenswerter zu machen. Was die Politik angeht, können sie uns helfen, unsere Meinung kundzutun. Zahlreiche

Foto / photo: Andrea Ciotti

ten, die gerade dort gefragt sind. Italien dagegen bietet großartiges Möbeldesign, weil es dort eine Tradition von mittelständischen Familienunternehmen wie Cappellini, Magis usw. gibt, vor allem um Mailand und im Friaul. Das sind einflussreiche Unternehmen, die gewillt sind, auch mal Risiken einzugehen und Prototypen zu bauen. Nicht ohne Grund behauptet sich Mailand weiterhin als Standort der wichtigsten Möbelmesse der Welt. In Wien wird besonders die Handwerkstradition groß geschrieben, gleichzeitig lässt sich seit langem ein sehr interessanter Aufschwung des avantgardistischen Designs beobachten – sicherWie sind Sie zum Design gekommen? Ich lich nicht leicht zu vermarkten –, aber sehr hatte nie geplant, mich mit Design zu bewichtig für die weltweite Weiterentwickschäftigen oder Kuratorin zu werden. Es lung im Designbereich. Letztendlich geht ist einfach passiert! Nach meinem WirtPaola Antonelli, Chefkuratorin für schaftsstudium habe ich Architektur stuArchitektur und Design am MoMA, es um den Kontext. Es ist interessant, die geografische Verteilung von Design zu undiert. Von dort kam ich zum Journalismus New York tersuchen. und zum Kuratieren. Bei domus als freie Paola Antonelli, Senior Curator of Architecture and Design of MoMA, Bei der Neuplanung einer Stadt kann man Kuratorin, begann ich bald an der UCLA auch die entstehende Designkultur beein(University of California) in Los Angeles zu New York flussen. Ich bin gespannt auf die Entwickunterrichten. Kurz gesagt: Als ich in einer lung mancher Städte in China, die als „grüne Städte“, umZeitschrift auf die Annonce für meine jetzige Stellung am weltbewusste Städte, konzipiert sind. Welche materielle MoMA gestoßen bin, antwortete ich ganz spontan und beKultur wird sich an diesen Orten etablieren können? kam den Job – das war vor 14 Jahren.


design Paola Antonelli

Websites geben uns die Gelegenheit, unserer Meinung über meine Ausstellung und wissen nicht, worum es eiAusdruck zu verleihen. Hinter jeder steht ein Designer, gentlich geht, aber auf einmal verführe ich sie wie eine der es einem leichter und angenehmer macht, seine Stim- Meerjungfrau. Ich singe mein Lied, und sie bleiben da und me zu erheben. Designer sind lernen etwas über Design. also immer dann da, wenn etM O M A K R I T E R I E N Zum Thema Kunst kontra Design: was Wichtiges formuliert werden soll. Zumindest sollten sie Die Grenzen zwischen diesen Wie wählen die Kuratoren des MoMA Werke für die Archidas sein. In „Design and the tektur- und Designsammlung aus? Wie stellen sie diese beiden Bereichen gehen ja häufig Elastic Mind“ habe ich es einineinander über. Künstler desigin den größeren Kontext der Aufgaben des Museum of mal so gesagt, Designer selbst Modern Art? Es gibt keine strengen Regeln, dafür einige nen Gebäude und Möbel, DesigKriterien, die bei der Betrachtung ins Spiel kommen. verändern die Welt zwar nicht, ner wie Peter Saville oder Modebereiten jedoch den Boden designer wie Helmut Lang wagen Form und Inhalt. Mit Sicherheit ein wichtiges Kriterium für neue revolutionäre Ideen, den Schritt in die Welt der Kunst. in einem Kunstmuseum, jedoch ein schwer zu fassendes die Teil von unser aller Leben und subjektives – Schönheit ist heute an Inhalt geknüpft. Werden Design, Architektur und werden. Sie sind als ÜberbrinKunst in Zukunft eins werden? Dinge müssen Werte vermitteln, die weit über ihre ger der Botschaft, als VermittForm und Funktion hinausreichen, ausgehend von den Zuallererst: Es geht mir nie um ler, extrem wichtig. Ich plädiere Ideen und Zielen des Designers. Die besten Objekte sind Kunst kontra Design. Meine Bedeshalb dafür, dass das alle er- diejenigen, die diese Konzepte transparent zum Ausdruck trachtung ist eine andere. In diebringen. kennen und den Designern in alser so oft angesprochenen Frage len Kulturen eine entsprechenbeziehe ich mich auf ein Buch Funktion und Inhalt. Wie auch die Form unterlag die de Stellung zukommt, damit sie Funktion in den letzten Jahrzehnten einem dramatischen über Alfred Barr, den GründungsWandel. Das Design mancher Objekte soll bestimmte ihre Aufgabe erfüllen können. direktor des MoMA, das ich geraEmotionen und Gefühle wecken, inspirierend wirken. de wieder einmal lese. Das MuDiese Aspekte werden auch als Teil ihrer funktionalen Als Kuratorin im MoMA haben seum wurde 1929 gegründet, als Aufmachung gesehen. Sie sehr viel Macht. Wie entAlfred Barr 27 Jahre alt war. Er scheiden Sie, wen bzw. was Sie Innovation. Gute Designer verwandeln wissenschaftliche war zuvor nach Deutschland gein Ihrem Programm berückund technische Umwälzungen in Objekte, die alle nutzen reist, hatte das Bauhaus gesehen können. Kuratoren gefallen immer die Stücke, die neue und sich intensiv mit mittelaltersichtigen? Verfolgen Sie eine Probleme lösen (oder alte Probleme auf neue Art), sowie licher Architektur und Kunst bebestimmte Philosophie als KuObjekte, die neuartige, vielversprechende Formen, Materatorin? Zunächst möchte ich schäftigt. Er glaubte, dass Kunst, rialien oder Konstruktionen aufweisen. betonen, dass ich selbst mich Architektur und Design Teile einicht als mächtig empfinde, obner gemeinsamen Vision seien, Kultureller Einfluss. Das MoMA hat immer Objekte bewohl ich natürlich als Kuratorin vorzugt, die – egal ob sie für die breite Masse hergestellt wobei Design den Menschen die in einer gewissen Machtposition oder in einer Designwerkstatt experimentell entwickelt Möglichkeit bietet, Kunst in ihr werden – die größtmögliche Zahl an Menschen beeinflus- Leben zu integrieren. Seiner Meibin. Ich sehe das so: sen und ansprechen können. Sie zeigen entweder sofort Meine Macht besteht darin, nung nach ist der formalistische Wirkung, in der Sekunde, in der sie gekauft und Teil des (1.) den Menschen ein Verständ- Lebens der Menschen werden, oder üben im Laufe der Ansatz, das Beurteilen jedes einnis für Design als eine bedeuzelnen Objektes gemäß seiner Zeit durch die Inspiration, die sie für andere Designer darstellen, stärkeren Einfluss aus. tende Kraft zu vermitteln, die Form und Fertigung, der richtige. sich lohnt, bewusst wahrgenomDieser Denkansatz war sehr einmen, betrachtet und hinterfragt Verfahren. Kuratoren – und andere Menschen – nehmen flussreich und ist es im WesentObjekte nicht mehr einfach hin. Ihr Design und ihre zu werden. Schließlich sind es lichen bis heute geblieben. Nach Bauart, ihre Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung, im die Menschen – und deren KriVertrieb und im Gebrauch, wie sie sich dem Komplexen Poststrukturalismus und Postmotik –, auf die die Designer hören widmen indem sie das Einfache zelebrieren, respektvol- derne allerdings kann man heute ler und ehrlicher Einsatz von Werkstoffen – der gesamte ein Objekt nicht länger losgelöst und reagieren. Produktlebenszyklus wird sorgfältig geprüft. (2.) großartige Designer zu entvon seinem Kontext betrachten. decken, diese einem internatiDer formalistische Ansatz funkBedarf. Dies ist die ultimative Nagelprobe: Wenn dieses onalen Publikum vorzustellen Ding nie entworfen oder hergestellt worden wäre, wäre tioniert nicht mehr, weil sich die und dadurch in der Öffentlichdann der Welt etwas entgangen, und sei es nur eine Klei- Kultur verändert hat. Wenn mich keit bekannter zu machen, in nigkeit? So harmlos diese Frage klingt, sie funktioniert. Leute zu Kunst und Design befraProbieren Sie es zu Hause aus! der Hoffnung, dass sie in Zugen, sage ich ihnen ganz ehrlich: kunft weiterhin gute Arbeit leisIch weiß nicht, was Kunst ist. Ich ten können. kann sagen, was Design ist, aber Von Paola Antonelli, Kuratorin, und Christian Larsen, (3.) Fragen aufzuwerfen, die ich ich weiß nicht, was Kunst ist. Da kuratorischer Assistent, Forschung und Sammlung, für wichtig halte, damit die Menstoße ich an meine Grenzen. Das Abteilung Architektur & Design schen sich auch damit beschäfEinzige, was ich sagen kann, ist, tigen und darüber nachdenken dass ein Künstler entscheiden können. In gewisser Weise ist es auch Macht, mich laut kann, ob er anderen Menschen gegenüber verantwortlich äußern zu können und gehört zu werden. Und das ist etagiert oder nicht, ein Designer dies im Gegensatz dazu was wirklich wichtiges, das mir das MoMa ermöglicht. Die aber per definitionem tun muss. Ich sage immer, Designer Leute kommen ins MoMA, um sich ihre „Dosis“ Picasso müssen im Grunde wie die Ärzte einen hippokratischen Eid und Matisse zu holen, nicht wahr? Und dann stolpern sie leisten. Sie verpflichten sich, Verantwortung zu überneh129


Design Paola Antonelli

gann Karim: mit harter und mühsamer Arbeit. Nicht anders war es bei Philippe und Jonathan Ive. Muss man am Markt bereits erfolgreich gewesen sein, um im MoMA ausgestellt zu werden? Meistens ist es gerade umgekehrt. Ich gehe zu den Leuten, wenn sie noch unbekannt sind, und helfe ihnen, Fuß zu fassen. Ich denke immer an einen Mehrwert für unsere Kultur, nicht an den Markt. Der Markt spielt in meinen Überlegungen nur eine Rolle, wenn es um den Massenmarkt geht; der ist auch für meine Arbeit ein spannender Indikator.

Sie haben schon erwähnt, dass Design heute ein sehr weit gefasster Begriff ist. In einem Ihrer Texte schreiben Sie, dass sich das Bild des Designers wandelt – vom einfachen Formgeber zum Vermittler unserer komplexen Wirklichkeit. Sind Designer die neuen Philosophen oder gar Priester? Ist Design die neue Religion? Ich glaube nicht, dass Design eine Religion ist, denn bei Design geht es immer in hohem Maße darum, alles bisher Dagewesene zu hinterfragen. In gewisser Weise ist Design also das Gegenteil einer Religion. Design ist Werden so berühmte Desehr analytisch. Wer ein signer wie Philippe Starck guter Designer ist, denkt oder Karim Rashid von in dem Moment, in dem den Museen oder eher er einen neuen Stuhl zu von den Medien bzw. entwerfen beginnt, nicht dem Markt zu Stars gean den Stuhl als etwas, macht? Nun ja, Philippe das es schon gibt. Der hat sich nie für künstleri- Ausstellung „Design and the Elastic Mind“ im MoMA, New York Stuhl ist nichts Heiliges, sches Design interessiert. “Design and the Elastic Mind” exhibition at MoMA, New York das man anbetet, sonWas immer man von seidern etwas, das es zu ner Arbeit halten mag, Philippe ist ein Designer. Zum Thehinterfragen gilt. Man fängt von ganz vorne an; das finde ma Stardesigner: Ich meine, dass es davon sogar mehrere ich besonders interessant und reizvoll. geben sollte, denn manchmal können Dinge nur in Verbindung oder aufgrund dieses Starkults realisiert werden. In Eine Ihrer Ausstellungen hieß „Workspheres“. Wie sieht Ihr dieser Hinsicht wünschte ich mir, dass viel mehr Designer eigenes Büro aus? Wie arbeiten Sie? Mein Büro … Ich habe zu Stars gekürt würden. Dass Philippe so viel dazu beigein den vergangenen Jahren in verschiedenen Büros geartragen hat, den Leuten Design verständlich zu machen, ist beitet. Als das MoMA umgebaut wurde, sind wir vorübergrundsätzlich ja etwas sehr Positives. Ich bin froh, dass Ka- gehend nach Queens umgezogen. Interessanterweise habe rim Rashid den Leuten ein Begriff ist, dass auch Jonathan ich in Queens in einem Großraumbüro gearbeitet, in ManIve und Stefan Sagmeister der Öffentlichkeit bekannt sind. hattan dagegen hatte ich mein eigenes Büro … Jetzt habe Mein Wunsch wäre eine ebenso große Aufmerksamkeit für ich wieder ein Büro für mich allein. Ich musste mich also noch viele andere Designer. in den letzten Jahren an unterschiedliche Arbeitssituationen gewöhnen. Interessant ist, dass ich dadurch erkannt Wie lässt sich das erreichen? Man braucht ein bisschen habe, wie anpassungsfähig wir sind. Wegen der Art meiner Glück, so wie ich es hatte. Aber im Fall der vier gerade anTätigkeit ist es für mich natürlich schon wichtig, einen eigegesprochenen Designer steckt sehr viel harte Arbeit hinter nen Raum zu haben. Es kommt eben jeweils auf die zu erleden Karrieren. Ich erinnere mich daran, wie Karim nach digende Arbeit an. In meinem Büro ist es immer ziemlich New York kam. Ich weiß noch, wie er in seiner Wohnung chaotisch. An einer Wand ist eine schalldichte Täfelung anarbeitete und mir eine Liste mit 64 Firmen zeigte. Er saggebracht, die auch im Katalog von „Workspheres“ war. Ich te: „Weißt du was? Diese Firmen sind wirklich gut, aber sie schaue auf die 54th Street und habe einen Haufen Bücher, haben ein altmodisches Sortiment. Ich werde sie alle anru- die ich aus Zeitmangel noch nicht durchgegangen bin. Es fen und versuchen, sie davon zu überzeugen, etwas Neues ist sehr angenehm; es ist eben mein Büro! in ihr Sortiment aufzunehmen.“ Und das hat er auch getan. Er nahm den Hörer und rief alle an, und von diesen 64 reagierten zwei, eine war Nambé, die andere Umbra – so be130

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men. Nun schaffen Designer manchmal sehr teure Objekte, die nur für Kunstsammler gedacht sind und im eigentlichen Sinne nicht mehr zum Design zu zählen sind. Na gut, sollen sie. Ich freue mich, wenn sie damit Geld verdienen, solange sie ihre Arbeit für alle anderen Menschen fortsetzen. Eigentlich interessiere ich mich nicht so besonders für Künstler, die etwas designen. Das ist nicht mein Ding. Wenn etwas Gutes dabei entsteht, würdige ich das natürlich entsprechend und berücksichtige es auch in meiner Museumsarbeit. Der Künstler Martin Puryear beispielsweise hat einige schöne Designobjekte im Rahmen seiner MoMA-Ausstellung geschaffen, darunter einen Griff für eine Teekanne, der verhindert, dass man sich an der heißen Kanne verbrennt, oder eine spezielle Bürste zum Reinigen von Töpfen. Das ist toll! Es gibt aber einige andere Künstler – über die ich hier nicht sprechen werde –, die glauben, sie können von der hehren Kunst zum Design „heruntersteigen“, um einfach so ein paar Gebrauchsgegenstände wie Lampen oder Stühle zu machen. Es tut mir leid, aber das macht sie nicht zu Designern. Das entspricht nicht meinen Vorstellungen von Design.


design Paola Antonelli

Der Arbeitsplatz als ein „Brutkasten für kreative Ideen“ ist hier ein aktuelles Thema. Wie sieht Ihre Vorstellung eines kreativen Arbeitsumfeldes aus? Das ist jetzt sehr interessant, denn erst vor ein paar Tagen habe ich ein Interview über Clive Wilkinson gegeben. Er ist berühmt für seine Arbeitsräume, die er entworfen hat. Er hat die Büros von Google gemacht, die Londoner Zentrale von Mother Advertising, schließlich einer der interesantestem Zugänge zu diesem Thema! In den späten Neunzigern, während des Dot-com-Booms, gab es meiner Meinung nach viele ähnlich spannende Experimente – aber eben auch Fehlschläge. Die Chiat/Day-Büros in Manhattan wurden von Gaetano Pesce entworfen. Sie galten damals als Avantgarde – letztendlich ein kompletter Misserfolg –, dennoch waren sie als Lehrstück für Designer interessant. Der Erkenntnisgewinn daraus war, dass jeder, der in einem Büro arbeitet, vor allem eines braucht – und das ist Platz! Das gilt für alle Bereiche gleichermaßen. Die Räume als solche können offen oder geschlossen sein, wichtig ist aber, dass jeder seinen eigenen Platz hat. Das gilt besonders seit wir verstärkt in Teams arbeiten. Was wir also brauchen ist die Möglichkeit, unsere Arbeitszeit in Zeit für uns allein und in Gruppenzeit einzuteilen. Übertragen finden wir eine solche Wahlmöglichkeit auch in unserem Gebrauch des Internets. Die besten Arbeitsplätze sind für mich die, die sowohl fixe Rückzugsorte für den Einzelnen als auch, wenn nötig, Platz für gemeinsames Arbeiten bieten. Glauben Sie, dass Städte diese Prozesse von oben verordnen können? Ich denke, diese Entscheidung sollte von beiden Seiten, den Städten und Firmen gleichermaßen, ausgehen. Die Städte sind in der Verantwortung, die Grundlagen für eine freie Entfaltung ihrer Bürger, in unserem Fall entsprechende Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen, zu schaffen. Konkret können das bestimmte Auflagen bzw. Gesetze sein, beispielsweise Parkplätze oder Fahrradwege. Wichtig ist es, Notwendigkeiten der Arbeitswelt zu erkennen und entsprechend zu handeln. Im Grunde geht es nicht um strenge Verordnungen von oben herab, sondern vielmehr um Aufmerksamkeit und Sensibilität für die Bedürfnisse der Bürger. San Francisco erfüllt in dieser Hinsicht meine Erwartungen (obwohl ich dort nicht leben möchte), was Recycling oder den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes angeht, das eine gute Anbindung an Silicon Valley bietet. Es gibt also Städte, die diesbezüglich großen Vorbildcharakter haben. Ich halte die Bürgermeister für entscheidend. Bürgermeister legen die Richtung fest, sie müssen den Charakter einer Stadt verstehen, nicht dagegen ankämpfen, sondern dementsprechend reagieren und handeln. Darauf kommt es an! Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an Design in Österreich denken? (Lacht) Naja, ich habe über „Coop Himmelb(l)au“ meine Dissertation geschrieben. Deswegen fallen mir, wie Sie sich sicher vorstellen können, zuerst Wolf Prix, Günther Domenig, Peter Noever, Katharina Noever und das MAK ein. Es gibt sehr viele hochintelligente und hochinteressante Ansätze in Architektur und Design. Beim Stichwort „Secession”, denke ich mit Freude an dieses sublime Unterlaufen der habsburgischen Ordnungsmacht von vielen Wiener Architekten und Designer, im Grunde eine Rebellion! Mir fällt die Einzigartigkeit eines

Stefan Sagmeister ein, der auch hier die Designlandschaft prägt, nicht zuletzt auch deshalb, weil er aus Österreich kommt und stolz auf seine Heimat ist. Spielt also die nationale Identität in unserer globalisierten Designwelt doch noch eine Rolle? Ich meine, sie ist wichtiger denn je, denn durch sie kann man erst zur globalen Szene beitragen. Gerade der Austausch persönlicher oder materieller Kulturerfahrungen macht das internationale Design heute so spannend. Um auf „Design and the Elastic Mind“ zurückzukommen: Ich war verblüfft, wie viele israelische Designer in dieser Ausstellung vertreten waren. Das hat sich einfach so ergeben. Sie leben auf der ganzen Welt. Einige kamen aus Australien, einige aus den USA. Aber aus irgendeinem merkwürdigen Grund haben Israelis einen äußerst technischen und gleichzeitig poetischen und lyrischen Ansatz. Sie sind zwar gleich nach der Schule ausgewandert, aber etwas „Charakteristisches“ ist ihnen dennoch geblieben, so wie man in Sekundenschnelle erkennt, ob jemand Italiener ist, wenn man in New York spazieren geht. Es gibt also diese merkwürdigen, aber äußerst wichtigen nationalen oder regionalen Eigenheiten, die die Welt so spannend machen. Wie meine Mutter schon zu sagen pflegte: „Die Welt ist schön, weil sie so vielfältig ist.“

MoMA-Ankauf 2006: Ralph Borland, „Suited for Subversion“, 2002 für die Ausstellung „SAFE: Design Takes on Risk“ MoMA 2006 acquisition: Ralph Borland, “Suited for Subversion”, 2002 for the “SAFE: Design Takes on Risk” exhibition

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Design Paola Antonelli

PAOLA ANTONELLI – CHEFKURATORIN DER ABTEILUNG ARCHITEKTUR & DESIGN, MUSEUM OF MODERN ART (d) Paola Antonelli ist seit Dezember 2007 Chefkuratorin der Abteilung Architektur & Design am MoMA. 1994 kam sie als Mitarbeiterin des Kuratorenteams ans MoMA, seit 2000 hat sie den Rang einer Kuratorin inne.

1991 bis 1993 hielt sie Lehrveranstaltungen an der University of California in Los Angeles ab; in den letzten Jahren unterrichtete sie auch Geschichte und Theorie des Designs an der Harvard Graduate School of Design und im Rahmen des Master-of-FineArts (MFA)-Programms der School of Visual Arts in New York.

Antonelli hat eine Reihe wichtiger und erfolgreicher Ausstellungen am MoMA organisiert, darunter Mutant Materials in Contemporary Design (1995), Thresholds: Contemporary Design from the Netherlands (1996), Achille Castiglioni: Design! (1997 – 98), Projects 66: Campana/Ingo Maurer (1998), Open Ends and Matter (September 2000 – Februar 2001), Workspheres (2001), Humble Masterpieces (2004), SAFE: Design Takes On Risk (2006), Digitally Mastered: Recent Acquisitions from the Museum’s Collection (in Zusammenarbeit mit Christian Larsen, kuratorischer Assistent, Abteilung Architektur & Design, Museum of Modern Art, 2006 – 07), Just In: Recent Acquisitions from the Collection (ebenfalls mit Christian Larsen, 2007 – 08) und Design and the Elastic Mind (2008). Derzeit arbeitet sie an einer Ausstellung über das Werk Ron Arads, die von 2. August bis 19. Oktober 2009 zu sehen sein wird.

Antonelli schloss 1990 ein Architektur-Masterstudium am Polytechnikum Mailand ab und ist Senior Fellow am Londoner Royal College of Art; ihr wurde im Fach Design ein Ehrendoktorat der Londoner Kingston University verliehen. Im Oktober 2006 wurde sie mit dem nationalen Designpreis der Smithsonian Institution ausgezeichnet, 2007 wurde sie vom Time Magazine unter die 25 bedeutendsten Visionäre im Bereich Design gereiht.

Antonelli hat weltweit Vorträge gehalten, bei Kongressen vor Kollegen bis hin zu interdisziplinären Tagungen wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos; sie war mehrmals Mitglied international besetzter Jurys im Architektur- und Designbereich.

Antonelli ist Autorin zahlreicher Ausstellungskataloge, u. a. des Katalogs zu Design and the Elastic Mind (2008), sowie von Objects of Design (2003), einem Buch, das sich Designobjekten aus der Sammlung des Museums widmet, und der Publikation Humble Masterpieces: Everyday Marvels of Design (2005), die herausstreicht, wie gutes Design unseren Alltag erleichtert und bereichert. Sie arbeitet auch an Design Bites, einem Buch über Speisen aus aller Welt, die als Beispiele gelungenen Designs gelten. Es soll 2008 herauskommen.

Paola Antonelli

DEALING WITH LIFE INTERVIEW BY DOROTHEA KÖB AND HEINZ WOLF

(e) Paola Antonelli, Senior Curator of the Department of Architecture and Design at MoMA (Museum of Modern Art New York), leads the way into a wonderful world of design: wonderfully ingenious ants make life easier for us and translate innovation into everyday items. Making these ants heard and providing them with an audience is Antonelli’s task, one she fulfills with encyclopedic knowledge, infectious energy and the allure of a mermaid. How did you get into design? I never thought of getting into design or becoming a curator in a museum. It just happened. I studied architecture after studying economics, and I floated from architecture into journalism and curating. I was working at domus as a freelance curator and then I also started teaching at UCLA in Los Angeles. To make a long story short: once I saw an ad in a magazine advertising my position at MoMA. I answered and I got the job. And that was fourteen years ago.

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Do you have a personal definition of good design? I kind of exposed my personal definition in a wall text for an exhibition that is now in our collection galleries and is called “Just In” (see MoMA criteria, page 134). What is the substrate on which good design can grow? What are the perfect surroundings for good design to develop? It depends on the kind of design. It always has to do with the material culture and with the industry that surrounds the city. For instance New York is not very strong in industrial design, because there are not too many industries here and the real estate is too expensive. But New York has multimedia design. California has a very strong tradition in technology because of the military and the aerospace industry, so you will find a lot of industrial designers. Moreover, because of Hollywood, you will also find a lot of craftsmanship and the capability to do really good interior design fast and well. In Italy you have great furniture design, because of the tradition of familybased mid-size companies that are concentrated near Milan


design Paola Antonelli

Foto / photo: MoMA

and in the Friuli region. In those particular regions you have great companies like Cappellini, like Magis etc. that are willing to take risks and build prototypes. And the most important furniture fair in the world is still in Milan. In Vienna you have an amazing tradition of craftsmanship and at the same time also a very interesting rebellious streak that has been going on for a long time. So in Vienna you often find avant-garde design—not easy to market maybe—but very important for the evolution of design in the rest of the world. Ultimately it is really about context. The geography of design is very interesting to me. Certainly one can try to build a new culture of design in a brand-new city. I am interested in seeing some cities that are developing in China as green cities, as eco-responsible cities. I want to see what kind of material culture they can initiate.

The way I see it, it is the power to: (1.) make people understand slowly but surely that design is an important force and that they need to be aware and educated and literate about design, because ultimately people are the voices and the critics that designers listen to. (2.) I have the power to identify really great designers that are doing good work and show them to the world so that they hopefully become better known and even more able to do good work. (3.) I have the power to put forward issues that I think are important, so that people actually can look at them and take them into consideration. In a way the power I have is the power to speak out loud and be heard. And that is something really important that MoMA gives me. People come to MoMA to take their vitamins of Picasso and Matisse, right? And then they stumble upon my show and they don’t know what it is about, but all of a sudden I allure them like a mermaid. I sing the song and they stay there and learn about design.

Talking about green cities, about sustainability, what are in your opinion the current and future trends in design? What are the big challenges for designers? I never really look at trends because I associate Talking about art versus detrends with luxury or fashsign: the disciplines are mergion magazines. So more than ing. Artists design buildings Installation bei der Ausstellung „SAFE: Design Takes on Risk”, trends I like the second part of 2006, MoMA, New York and furniture, and designers your question, which is about Installation at the ”SAFE: Design Takes on Risk“ exhibition, like Peter Saville or fashion challenges or issues. There are 2006, MoMA, New York designers like Helmut Lang many and they all relate to the venture out into the art world. one main task designers have, which is to deal with life. When Will design, architecture and art become one? First of all it you look at life, the issues for designers are already there. A is never art versus design. I never think about it that way. designer makes your environmental concerns actually easier Because this question comes up so often I am currently reto address in your everyday life—from something as simple as reading a book on Alfred Barr, who was the founding director building a better recycling center for your home, all the way of MoMA. This museum was founded in 1929 and Alfred Barr to the idea of building objects that will last longer and will was 27 years old. He had gone to Germany, he had seen the be used in a better way. It goes from the micro to the macro Bauhaus; he had studied medieval architecture and art. His and there are different kinds of designers that labor like wonidea was that art, architecture and design are all part of one derfully ingenious ants to make your life better and more livvision. And if anything, design is the occasion for people to able. When it comes to politics, they can help you to make have art in their lives. In his opinion, the formalist approach, your opinions known. You have all these different websites, the judging of each object separately according to its charwhere you can express your opinion. There is a designer beacteristics of form and process, was the way to go. It was a hind them who makes it easier and seamless for you to speak very powerful idea and an idea that has continued until toyour voice. So designers are always present, when there is day but it also has changed. Today after poststructuralism something important that needs to be expressed. Or at least and postmodernism you cannot detach an object from its should be. And there is one thing I said in “Design and the context. The formalist approach does not work anymore, beElastic Mind” that designers themselves do not change the cause of the way culture has changed. When people ask me world. But they are the substrate for any new idea and revolu- about art and design, I tell them something really honestly: tion to become part of everybody’s life. So they are extremely I don’t know what art is. I can tell you what design is, but I important as the carriers of the message, as the interpreters. don’t know what art is: it is my ignorance, it is my limitaAll I am advocating is for the whole world to realize this and tion. All I can say is that an artist can choose whether to be give designers a position in everybody’s culture so that they responsible towards other human beings or not and in concan do their job better. trast a designer has to be by definition. What I always say to people is that designers almost have to take a Hippocratic As a curator at MoMA you are very powerful. How do you deOath like a doctor. They have to be responsible towards the cide who to include in your contributions, what is your curatworld. Now sometimes designers make objects that are very ing philosophy? First of all I never really think of myself as beexpensive and meant only for art collectors and are not reing powerful. But the truth is that I am and it is a great power ally design. Ok, so be it. I am glad if they make some money, to have. as long as they can continue their work to advance the rest 133


Design Paola Antonelli

of mankind. Moreover, I don’t really care about artists doing people when they are still unknown and help them establish design. It is not my realm: if they want to do it, I consider it themselves. I always think of culture, not of the market. The if it is good. For instance the artist market does not really enter my Martin Puryear did some beautiful considerations, unless it is about M O M A C R I T E R I A design objects during his exhibithe mass market, which is always tion at MoMA. One was a speinteresting. How do MoMA curators propose and select works for the cial handle for a tea kettle so you Architecture & Design Collection and frame them within the would not get burned. Another wider mission of The Museum of Modern Art? There are no You already mentioned that the one was a special brush to clean hard and fast rules, but there are several criteria that come definition of design is so vast into play in the discussion: pots. Now that is great! But there these days. In one of your texts are some other artists—who I will you wrote that the figure of the Form and meaning. Certainly an important criterion in an art not talk about here—who think designer is changing from a simmuseum, and yet an elusive and subjective one, beauty is they can descend, take some today tied to meaning. Objects have to communicate values ple form giver to an interpreter of steps down from art to design and that go well beyond their formal—and functional—presence, our complex reality. Are designers starting from the designer’s idea and intention. The best do some functional objects like the new philosophers or priests? objects embody these concepts in a transparent way. lamps and chairs. I am sorry, but Is design the new religion? I don’t as designers they suck. That is think that design is a religion, Function and meaning. Just like form, function has also not design. changed dramatically in the last few decades. Some objects because it is always very much about questioning everything that are designed to provide certain emotions, feelings, and Is it the museums that promote inspiration, and these aspects are also considered part of has existed before. So in a way it their functional makeup. designers to make them stars and is the opposite of a religion. It is become as well known as Philippe very analytical. If you are a really Innovation. Good designers take scientific and technological Starck or Karim Rashid or rather good designer, the moment you revolutions and transform them into objects that anybody the media or the market? Well, can use. Curators are constantly for objects that solve new start to design a new chair, you Philippe was never into art deproblems or address old ones in a new way, as well as for don’t look at the chair as somesign. Philippe, whatever you think objects that introduce new and promising forms, materials, thing that already exists. The chair or structures. about his design, is a designer. As is not a saint that you adore, but to star designers, I think it is not rather it is something to question. Cultural impact. MoMA has always privileged objects that, happening enough, since one of You start from scratch, which whether mass-marketed or developed experimentally in a the only ways to realize somedesigner’s workshop, have the power to influence and touch I find an interesting issue. thing is sometimes to have systhe greatest number of people. Their impact can be either tems based on stardom. So I wish direct, effective the minute they get purchased and brought One of your exhibitions was called into people’s lives, or building up in time through the inspira- “Workspheres”. What does your ofthat designers were even more tion they give to other designers. treated as stars. I am so glad that fice look like? How do you work? Philippe did so much to make peo- Process. Curators—and people—do not take objects at face My office … I have worked in difple understand design. I am so ferent offices in the past years bevalue, anymore. The way they are designed and built, the glad that people know about Kar- economy of means evident in their production, distribution, cause MoMA was under construcand use, the way they address complexity by celebrating im Rashid. I am so glad they know tion and we moved to Queens. simplicity, respect and honesty in use of materials—the about Jonathan Ive, I am so glad Interestingly I have gone from a entire life cycle of the product is taken into consideration. they know about Stefan Sagmeisseparate office in Manhattan to ter. You know, I wish there were Necessity. Here comes the ultimate litmus test: if this object open space in Queens. Now more true designers that become I have my own room. I got used to had never been designed and manufactured, would the known to people. world miss out, even just a bit? As disarming as this ques- different situations and I realized tion might seem, it really works. Try it at home. how well we can adapt to things. How can one reach this level? It Of course for me, because of the By Paola Antonelli, Curator, and Christian Larsen, Curatorial takes a little luck, like I had. But type of work I do, having a sepaAssistant, Research and Collection, The Department of in the case of these four people it rate room is important. So it really Architecture & Design was also so much hard work. I redepends. But my office is quite member when Karim came to New messy; there is a soundproof panYork. I came to New York at the same time, and I remember el, actually the soundproof panel that was in the catalogue of when he was working out of his apartment and showed me a “Workspheres”, on one wall. I overlook 54 th Street and I have list of 64 companies. He said, “You know what? These compa- piles of books that I have not been able to go through. It is nies are really good but they have an old-fashioned catalogue. very nice; it is very much my office. I am going to call them all up and I will try to convince them to have new things in their catalogues.” And he did. He picked Workspheres are an issue here, like incubators for creative up the phone and he called everybody, and out of these 64 minds or working groups. What are your favorite concepts for companies two were responsive. One was Nambé and one creative workspheres? This is very interesting because just was Umbra, and that is how Karim started—hard work. It was a few days ago I was giving an interview about Clive Wilkinthe same with Philippe, the same with Jonathan Ive. son. He is very famous when it comes to worksphere design. He did the Google offices, he did the London headquarters So you need to succeed on the market first and then you of Mother Advertising, so he did one of the most interesting will feature at the MoMA? It is usually the opposite. I go to workspheres we know. I think during the late nineties, during 134


design Paola Antonelli

the dot-com boom, there were so many interesting experiments and failures. The Chiat/Day offices in Manhattan were designed by Gaetano Pesce. They were the avant-garde and they were a total failure, but an interesting failure, because they made designers realize that workers of all kinds and creative people need their own space. It can be open, it can be closed, but it needs to be their own space. They cannot itinerate and float. It was very interesting to notice that. More and more we work in groups. So we need to have the ability to modulate our personal time and our group time pretty much in the same way that we do it on the Internet. I think the best workspaces are the ones that are able to accommodate both fixed spaces providing personal nests or harbors and also room for working together when necessary. Do you think cities can manage those processes top-down? It has to be both ways. Cities have to prepare good ground for people to be able to really flourish. Cities have to provide the background for companies to be able to work. For instance they need to be able to establish regulations, even if it is only parking regulations or bike passes. It is very important for cities to be responsive. I don’t see it as a top-down approach, but rather as listening to what is necessary. I very much admire what San Francisco is doing (even though I would not like to live there), in terms of recycling, in terms of setting a network of public transportation that helps people to be in good contact with Silicon Valley. So there are cities that are more exemplary in that way. I think that one person who is really important is the mayor. You know mayors really set the tone and they have to understand the character of a city, the personality of a city and not go against it, but rather work with it.

If you think of Austria and design, what comes to your mind first? (Laughs) Well, I did my thesis on Coop Himmelb(l)au. So, as you can imagine, the first names that come to my mind are Wolf Prix, Günther Domenig, Peter Noever, Katharina Noever and the MAK. There are all these really intelligent and interesting ways to approach architecture and design. Of course if I go back to the Secession, I think of this rebellious streak, I think of how beautiful it is to see the Habsburgs order countered by this rebellious streak that so many Viennese architects and designers have. I think of Stefan Sagmeister and his uniqueness also in the panorama here, because he comes from Austria, and how proud he is of that particular background. So national identity still plays a role in our globalized design world? I think it is more important than ever, because it enables you to contribute to the global scene. It is the exchange of personal or material cultural experience that makes international design so interesting today. If we go back to “Design and the Elastic Mind”, I was amazed how many Israeli designers there were in that exhibition. It just happened. They were all over the world. Some were in Australia, some in the States. But for some weird reason Israelis have a background that is extremely technical and at the same time poetical and lyrical. It was very interesting to see the amount of Israelis in the exhibition. So that tells you something. Lots of them emigrated right after high school, but something remained in them, just like you can recognize an Italian within a second when you walk down the street in NY. So there are these silly but extremely important national or regional characteristics that are what makes the world so interesting. As my mum used to say, “The world is beautiful because it is so diverse.”

PAOLA ANTONELLI— SENIOR CURATOR, DEPARTMENT OF ARCHITECTURE AND DESIGN, THE MUSEUM OF MODERN ART (e) Paola Antonelli has been Senior Curator in MoMA’s Department of Architecture and Design since December 2007. She joined the Museum as Associate Curator in 1994, and had held the position of Curator since 2000. Ms. Antonelli has organized a number of important and wellreceived exhibitions at MoMA, including Mutant Materials in Contemporary Design (1995), Thresholds: Contemporary Design from the Netherlands (1996), Achille Castiglioni: Design! (1997—98), Projects 66: Campana/Ingo Maurer (1998), Open Ends and Matter (September 2000—February 2001), Workspheres (2001), Humble Masterpieces (2004), SAFE: Design Takes On Risk (2006), Digitally Mastered: Recent Acquisitions from the Museum‘s Collection (coorganized with Christian Larsen, Curatorial Assistant, Department of Architecture and Design, The Museum of Modern Art, 2006—07), Just In: Recent Acquisitions from the Collection (also co-organized with Christian Larsen, 2007—08) and Design and the Elastic Mind (2008). She is currently working on an exhibition of the work of Ron Arad, which will be on view at MoMA August 2 to October 19, 2009. Ms. Antonelli has lectured worldwide in settings ranging from peer conferences to global interdisciplinary gatherings such as the

World Economic Forum in Davos, and she has served on several international architecture and design juries. From 1991 to 1993, she was a Lecturer at the University of California, Los Angeles, and has in the past few years also taught design history and theory at the Harvard Graduate School of Design and at the MFA program of the School of Visual Arts in New York. The recipient of a Master’s degree in Architecture from the Polytechnic of Milan in 1990, Ms. Antonelli is a Senior Fellow of the Royal College of Art, London, and has received an Honorary Doctorate in Design from Kingston University, London. She also earned the Smithsonian Institution’s National Design Award in October 2006, and in 2007, she was named one of the 25 most incisive design visionaries by Time magazine. Ms. Antonelli is the author of many exhibition catalogues, including the one for Design and the Elastic Mind (2008), as well as Objects of Design (2003), a book dedicated to design objects in the Museum’s collection, and the publication Humble Masterpieces: Everyday Marvels of Design (2005), which highlights how good design facilitates and enriches our daily life. She is also working on Design Bites, a book on foods from all over the world appreciated as great examples of design, to be published in 2008.

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Design ARGE LIGHTGLASS

A R G E LIGHTGLASS Der Computer im Glas Computer in a glass panel von/by: Amelie Znidaric

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1 Peter Dรถllmann (1.v.l.) und Linda Czapka (3.v.l.) mit ihrem Team (v.l.n.r.): Annette Kรถnig, Elisabeth Wildling, Sinin Asadollah Zadeh, Johannes Paul Schwarz Peter Dรถllmann (1 st.f.l.) and Linda Czapka (3 rd.f.l.) with their team (f.l.t.r.): Annette Kรถnig, Elisabeth Wildling, Sinin Asadollah Zadeh, Johannes Paul Schwarz


design ARGE LIGHTGLASS

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(d) Der Grundgedanke ist bestechend einfach: Man nehme Verbundglas und setze zwischen die beiden Scheiben akkurat gelaserte Acrylglasplatten. Bevorzugt verwende man bunte Farben und lege damit dekorative Mosaike. Doch dann hatten Bühnenbildnerin Linda Czapka und Architekt Peter Döllmann die Idee, aus den schönen Glasscheiben intelligente Displays zu machen. Das hat ja etwas richtig Daniel-Düsentrieb-artiges. Wem ist das eingefallen? Meine Partnerin Linda Czapka ist ja Künstlerin, sie hat die Idee mit dem Acrylmosaik schon vor etwa vier Jahren entwickelt. Ich habe das länger von außen be-

obachtet, und gemeinsam haben wir dann beschlossen, dass es sinnvoll ist, sich aus dem rein gestalterischen Eck herauszubewegen, das Ganze weiter aufzurüsten und mit neuen Funktionen zu versehen. Und worin besteht jetzt die Weiterentwicklung? Eine Funktion, die bei Prototypen schon jetzt weitestgehend funktioniert, ist Licht. Was bei diesem Muster hier das rote Acrylglas ist, fängt dann aktiv an zu leuchten. Der nächste Schritt wird sein, dass wir Sensoren integrieren, Schaltungssensoren, mit denen man das Licht auch an- und ausschalten kann. Da gibt es dann noch Sensoren, die das Licht allein regeln kön-

nen, also angehen, wenn es draußen dunkel ist, und aus, wenn es wieder hell wird. In einem dritten Schritt wollen wir dann auch noch kleine Bildschirme mit bestimmten Displayelementen einbauen. Unser Idealszenario wäre so etwas Ähnliches wie ein Computer, die Vollintegration vom Rechner in der Glasscheibe. Natürlich nicht im Sinne eines leistungsfähigen Rechners, aber im Sinne eines Info-Displays. Wo würde man das dann einsetzen? Wir haben zum Beispiel schon mit Liftherstellern gesprochen, da ist alles denkbar, vom dekorativen Muster bis zu richtigen Bauteilen. Es spricht nichts dagegen, ganze Liftkabinen so herzustellen, mit

Licht, Informationsdarstellung und auch Bedienung. Das könnte dann etwa ein ganz klassisches Element mit Knöpfen vom Erdgeschoss bis zum obersten Stock sein, man könnte es aber auch so regeln, dass die ganze Kabine zum Bedienungselement wird und im Laufe der Fahrt mittels Lichtsäulen immer heller wird. Ein anderes Beispiel wäre etwa die Infotafel bei der Bushaltestelle, wo man dann sieht, wann der nächste Bus kommt und so. Aber wie gesagt: Das System so weit aufzurüsten, ist, lakonisch gesprochen, nicht unkomplex. Wir sind schon ein Stück weit, aber wir müssen schnell sein, die anderen schlafen nicht.

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Design ARGE LIGHTGLASS

PRO FILE Linda Czapka und Peter Döllmann haben mit ARGE LIGHTGLASS products ein Unternehmen gegründet, das eine völlig neuartige Technologie zur Erzeugung von frei gestaltbarem, farbigem Flachglas vertreibt. LIGHTGLASS entwickelt Trennwandsysteme, Raumteiler sowie Module für Innenräume von Aufzügen und für Fassadensysteme bzw. Fassadenverglasungen. With ARGE LIGHTGLASS products Linda Czapka and Peter Döllmann have established a company that offers a completely novel technology for the production of individually designable colored flat glass. LIGTHGLASS develops dividing wall systems, partitions, guidance systems and modules for the interior of elevators and for facade systems or facade glazing.

Das erinnert mich an diese Zukunftsszenarien mit den denkenden Büros, die sich intelligent an den jeweiligen Nutzer anpassen können … Sicher, genau in diesem Trend bewegen wir uns. Grundsätzlich kann man bei Glas ganz stark feststellen, dass es immer mehr Funktionen erfüllt, bei der Gebäudeverglasung zum Beispiel. Als Architekt oder Gestalter kann man das jetzt finden wie man will, aber oft ist die Architektur ja nur noch ein einfacher Kubus, während die ganze Kunst und Gestaltung in der Fassade steckt. Das Glas ist nicht einfach nur banales Glas, sondern regelt den Sonnenschutz, die Beleuchtung, die Lichtlenkung und so weiter. Wollen Sie Lightglass selbst herstellen? Nein, wir haben nicht vor, eigene Werke zu gründen. Lisa ist Künstlerin, ich bin Gestalter. Der Fokus wird immer auf der Entwicklung liegen. Das ist das Schöne für uns, wir haben uns da eine Spielwiese geschaffen: auf der einen Seite die funktionale technische Entwicklung, auf der anderen das Design, wo man sagt, was kann ich da jetzt machen damit? Wer sind dann Ihre Kunden? Glashersteller zum Beispiel oder Kunststoffspezialisten, die ohnehin schon so ein Produktportfolio haben. Oder wie schon erwähnt Lifthersteller. Auch Architekten? Ja klar, auch. Ich bin ja selber eigentlich einer. Das Schöne an dem Produkt ist, dass man nicht seriengebunden ist. Sonst hat man das Problem, dass man immer die

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gleichen Elemente benutzen muss oder es zu teuer wird oder es gar nicht geht. Aber unser System ist darauf konzipiert, dass Gestalter damit umgehen, wie sie dies selbst wollen. Auf fünf Metern Länge ist alles möglich, das ist natürlich ein großer Freiraum. Das heißt, es gibt gar keine fixen Layouts von Ihnen? Doch, eine Basisgestaltung und Grundelemente wird es schon geben. Wir arbeiten gerade an Katalogen, an Farb- und Mustervorschlägen. Aber die sind eben als Vorschläge zu verstehen, jeder ist eingeladen, das Produkt weiterzugestalten. Gibt es für das Produkt ein großes Fernziel? Natürlich ist es ein Fernziel, später ganze Häuser oder Fassaden mit diesem System zu bespielen. Es ist denkbar, die Steuerung sehr frei zu gestalten, zum Beispiel Farben und Muster durchlaufen zu lassen oder ganze Bilder. Und zwar nicht nur entlang der Scheibenränder, wie das ja jetzt schon gemacht wird, sondern eben auf der ganzen Scheibe. Wir sind davon zwar noch ein bisschen entfernt, aber technisch ist es machbar, und wir werden das entwickeln. Kann man dann auch auf der Fassade fernsehen? Naja, Fernsehen trifft es nicht ganz. Aber wenn wir die ganze Fassade mit unseren Scheiben sozusagen wie einen Bildschirm mit Pixel aufbauen, die entsprechend ihre Farbe wechseln, dann wäre das im Grunde machbar.

(e) The basic idea is deceptively simple: take laminated glass and put precisely lasered plexiglass between the two panels, preferably colored plexiglass, and make decorative mosaics. But then stage designer Linda Czapka and architect Peter Döllmann came up with the idea of making intelligent displays out of these beautiful glass panels. Sounds like Gyro Gearloose. Who had the idea? My partner Linda Czapka is an artist, she developed the idea of plexiglass mosaics four years ago. I’ve been observing this from the outside for some time, and together we decided that it makes sense not only to deal with it from a designer’s view but to further develop it and provide it with some new functions. Which new functions? One thing that already works quite satisfactorily with the prototypes is light. Take a look at this specimen: the parts with the red plexiglass start to shine actively. In a next step we will integrate sensors, control sensors, to switch the light on and off. And then there are also sensors that control the light automatically, i.e. the light is switched on when it gets dark outside, and is switched off again when it gets light. The third step focuses on the installation of small screens with specific display elements. We think of something like a computer completely integrated into a glass panel. Of course not a high-performance computer but rather an information display. Where would you use it? We’ve already been talking with elevator manufacturers. Practically everything is feasible from decorative element to construction component. It’s even possible


design ARGE LIGHTGLASS 2 Fensterscheibe aus farbigem Flachglas von ARGE LIGHTGLASS Window pane made of colored flat glass by ARGE LIGHTGLASS

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Foto / photo: ARGE LIGHTGLASS

to produce entire elevator cabs like that, with light, information display and control element. This could be a conventional element with buttons from ground floor to top floor. Another possible solution is that the entire elevator cab is turned into a control element, by means of light columns that get brighter during the ride. Another example is the information provided at bus stops where you can see the arrival time of the next bus etc. But honestly, to update the system correspondingly is a quite complex task. We have already made quite some progress, but we have to be fast, competitors are not sitting idle. That makes me think of these future scenarios with intelligent offices able to adapt to the individual users … Yes, that’s exactly the direction in which we are heading. There is a strong trend noticeable with glass: it is fulfilling an increasing number of functions, e.g. in the field of building glazing. As an architect or designer you may consider this good or bad but very often the architecture consists of a simple cube while the entire art and design are in the facade. Glass is not just

simple glass but controls sunscreen, lighting, light distribution and so on.

ters everything is possible, that leaves much room for creativity.

Do you intend to produce Lightglass yourselves? No, we have no intention to establish our own production plant. Lisa is an artist, I am a designer, our focus will always be on the development. What’s nice for us is that we have created a sort of playground: the functional technical development on the one hand and design on the other hand, where you have the opportunity to think about what to do with it.

Which means that you don’t have any fixed layouts? Well, there will be a basic design, a basic element. We are currently producing catalogues, color and design samples. But these are just suggestions. Everyone is invited to further design the product.

Who are your customers? Glass producers for instance or experts in synthetic materials who already have this sort of product portfolio, or as I mentioned earlier, elevator manufacturers. Architects, too? Yes, of course. Actually, I’m an architect myself. What’s so nice about this product is that you are not bound to serial production. Otherwise you always have the problem that you have to use the same elements again and again or else it is too expensive or not feasible. Our system, however, provides designers with much freedom. On a length of five me-

Do you have a long-term objective for this product? A long-term objective is to apply this system on entire buildings or facades, which can be controlled arbitrarily, with moving colors, patterns, even entire images. And not only along the edge of the glass panel which is already being done but over the entire panel. There is still a long way to go but technically it’s feasible, and we will develop it.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: ARGE LIGHTGLASS products Projekt / project: ARGE LIGHTGLASS products, Entwicklung konkreter lizenzierbarer Produkte / ARGE LIGHTGLASS products, development of concrete, licensable product Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 155.335 EUR Köllnerhofgasse 6/13 1010 Wien busy@lightglass.net www.lightglass.net

Will it be possible to watch TV on a facade? Not exactly TV. But a facade composed of our glass panels like a screen that is made up of pixels changing their color, well, that’s basically feasible.

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Design hei solar light

HEI SOLAR LIGHT Volles Rohr The entire tube von/by: Amelie Znidaric 1

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design hei solar light

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: HEIc Hornbachner Energie Innovation Consulting GmbH Projekt / project: PV-Design-Leuchten, nationale und internationale Promotion einer Produktfamilie von autarken umweltfreundlichen Photovoltaik-DesignAußenleuchten / PV design lights, national and international promotion of a product family of independent environmentally-friendly photovoltaic outdoor design lights Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 120.936 EUR Ameisgasse 65 1140 Wien office@hei.at www.hei-solarlight.com

(d) Photovoltaik – das klingt erst einmal trocken und sehr technisch. Aber wenn man, so wie Dieter Hornbachner, darüber nachdenkt, dass Solarkollektoren nicht unbedingt flach sein müssen, sondern auch gebogen sein können wie ein Rohr, dann hat Technik auf einmal ganz schön viel mit Design zu tun. Mit Leuchtendesign nämlich. Solarenergie, Klimaschutz, das sind jetzt nicht so die Begriffe, die man gemeinhin mit der Kreativindustrie verbindet. Hornbachner: Kreativität und Technik müssen sich ja nicht von vornherein ausschließen. Und unser Zugang war schon länger, ökologisch wertvolle Pro-

dukte in einer sehr anspruchsvollen Form zu präsentieren. Diese Idee haben wir auch bei den Solarleuchten verfolgt, die wir jetzt entwickelt haben. Ein Produkt, das funktionell ist, aber einfach nur technisch aussieht, wird sich am Markt nicht durchsetzen. Worin unterscheidet sich Ihre Technologie von anderen, auch was das Gestalterische anbelangt? Bislang meinte man oder hatte technisch die Möglichkeit, photovoltaische Elemente nur in Plattenform zu produzieren. Und dann hat man das Problem, dass man so eine Platte irgendwie mit einer Leuchte kombinieren muss. Das passt nicht so recht zusammen, diese ganzen anderen Solarleuchten, die es am Markt gibt, kämpfen damit, wie sie die Platte ins Leuchtendesign integrieren. Ein Rohr dagegen lässt sich auf viel schönere Weise mit einer Leuchte kombinieren. Weil da in der Regel das Rohr von vornherein ein Gestaltungselement ist. Dadurch lässt sich das schön umsetzen. Das heißt, das ganze Rohr sammelt Licht? Das ganze Rohr. Das hat vor allem im Winter Vorteile, weil eine Solarleuchte ja auch, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger sind, gut funktionieren muss, speziell in Mitteleuropa. Im Sommer, bei direkter Sonnenstrahlung funktioniert jede Solarleuchte. Aber wenn es bewölkt oder nebelig ist, kommt das Licht ja nicht nur aus einer Richtung, sondern aus allen, und da ist das Modul sehr effizient, weil Licht auf allen Seiten gesammelt wird. Sie haben vorhin gesagt, dass Technik und Technologie mehr können müssen als funktionieren. Was

muss denn Design mehr können als schön sein? Gutes Design muss gutes Ökodesign sein. Das Produkt soll eine lange Lebensdauer haben, der Material- und Ressourceneinsatz bei der Erzeugung gering sein. Bei der Leuchte ist uns das gut gelungen: Der Ressourceneinsatz für die Produktion ist gering, für den Betrieb ist er sowieso minimal, weil es ein autarkes System ist. Und am Ende der Lebensdauer sollte das Produkt auch wieder optimal recycelbar sein. Dadurch ist es nicht nur ästhetisch ein schönes Produkt, sondern auch ökologisch. In Ihren Leuchten ist nichts Giftiges drinnen? Nein. Wir haben zwar Batterien eingebaut, die die untertags gesammelte Energie speichern, haben dabei aber einen Akkutyp verwendet, der exzellent recycelt werden kann. Insgesamt haben wir darauf geachtet, dass das ganze Produkt nach seiner Lebensdauer gut wiederverwertet werden kann. Sind die Solarleuchten nur für den öffentlichen Bereich gedacht oder auch für den privaten? Wir werden das Produkt in unterschiedlichen Designvarianten und für unterschiedliche Verwendungszwecke auf den Markt bringen. Starten werden wir mit einer Ausführung, die für den öffentlichen oder halböffentlichen Raum gedacht ist, aber in Zukunft soll es natürlich auch etwas für den privaten Bereich geben. Ich frage deshalb, weil da natürlich andere Kaufkriterien relevant sind als im öffentlichen Raum. Und es gibt Designer, die sagen: „Wie kann man nur darüber nachdenken, wie man ein Produkt entsorgt, das ist wie wenn man am Anfang 141


Design hei solar light

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2 Autoklav für den Laminationsprozess der Modulrohre Autoclave for laminating module tubes 3 Elegant und effizient, das modulare Photovoltaiksystem von hei solar light im Einsatz Elegant and efficient, the modular photovoltaic system of hei solar light in use 4 Lötarbeiten in der Fertigungshalle Soldering in the production hall

einer Liebesbeziehung darüber nachdenkt, wie man bei der Trennung die Möbel aufteilen wird.“ Ich denke, dass da eine gewisse Bequemlichkeit mitspielt. Denn wenn man sich mit Materialtechnologie beschäftigt, merkt man, dass es kaum Materialien ohne gleichwertige ökologische Alternative gibt. Man muss nur eine gewisse Motivation mitbringen. Wenn man die nicht hat, klar, dann tut einem jede Stunde leid, die man in die Recherche investiert. 142

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Wo sehen Sie denn Ihr Produkt in der Zukunft? So in zehn oder zwanzig Jahren? Das Spannende an der ganzen Geschichte ist, dass man noch so viel machen kann, was noch nicht gemacht wurde. Da kann man so viele Dinge andenken, was wir auch tun. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Photovoltaik in einer Vielzahl von Alltagsgegenständen ganz selbstverständlich integriert sein. Das Potenzial reicht vom Gebäude über Leuchten bis hin zu mobilen Anwendungen. Gebäude sowieso, weil Gebäude künftig Kraftwerke sein werden, die ihre Fassaden zur Energieproduktion nutzen. Und was heißt mobile Anwendung? Damit meine ich Fahrzeuge: die Integration der Photovoltaik in eine Autokarosserie. Das setzt natürlich andere Autos voraus, als die, die wir jetzt haben, nicht so ineffiziente Dinger. Damit hätte sich das Erdölproblem gelöst. Na gut, rein mit Photovoltaik wird es nicht funktionieren, zumindest wenn man diesel-

ben Ansprüche an ein Auto hat wie heute, vor allem was Leistung und dergleichen betrifft. Die Chance beim Auto liegt darin, dass es extrem ineffizient ist bei der Ausbeutung der Energie. Im Grunde ist es bei der Leuchte auch nicht anders, würde man sie mit einer Glühbirne bauen, wäre der Energiebedarf mit Photovoltaik nie und nimmer zu decken. Und das was die Birne früher für die Leuchte war, ist heute ein normaler Otto-Motor im Auto. Die „Glühbirne“ im Auto muss man durch eine moderne Antriebstechnologie ersetzen und dann funktioniert auch die Kombination mit Photovoltaik. Und dann hätten die Autos am Dach Sonnenkollektoren? Aber nein. Wir bauen ja jetzt schon dreidimensionale Module, also um genau zu sein: zweidimensionale mit einer Krümmung. Aber der nächste Schritt wird sein, dass wir komplexere Modulformen bauen, mit dreidimensionalen Strukturen. Dann ist alles möglich.

(e) Photovoltaics—sounds like a rather dry and technical subject. But then Dieter Hornbachner came up with the idea that solar collectors do not necessarily have to be flat but could be shaped like a tube. That’s where design comes in, light design, to be precise. Solar energy, climate protection—that doesn’t immediately come to mind if you think of the creative industries. Creativity and technology do not necessarily exclude each other. We have long been interested in presenting sophisticated ecological products in a sophisticated way. And we followed this principle in the development of our solar lights. A product that is functional but looks simply technical won’t be able to compete on the market. What is the difference between your technology and others, also in terms of design? So far it has been common practice or technically feasible to produce flat-plate photovoltaic ele-

Foto / photo: hei solar light

1 Dieter Hornbachner, Geschäftsführer von hei solar light Dieter Hornbachner, CEO of hei solar light


design hei solar light

PRO FILE

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ments. But the difficulty is to combine plate and light. They don’t really fit together. The problem with the solar lights available on the market is how to integrate the plate into the lighting design. That’s quite the contrary with a tube, as the tube itself is a design element. It’s easier to put that into practice. So, the entire tube collects light? The entire tube. This is advantageous above all in winter, as such a solar light also has to function efficiently when days are short and nights are long, particularly in Central Europe. In summer when there is direct sunlight each solar light functions appropriately. But if there are cloudy or foggy weather conditions the light doesn’t come from only one direction, but from all directions. And in this case our module is very effective as light is collected on all sides. You previously mentioned that technology has to be more than just functional. So what must design be other than beautiful? Good design has to be good ecodesign. The product should have a long product life with a minimum of material and resources used in the production process. With our lights we have achieved this: the resources required for production are kept low, those needed for the opera-

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tion are low anyway as it is a self-sufficient system. At the end of its life the product has to be optimally recyclable. If all these conditions are fulfilled it’s not only a beautiful but also an ecological product. There are no toxic substances in your lights? No. We include batteries which store the energy that is collected during the day, but we use rechargeable batteries which are excellently recyclable. We have taken care to develop a product that can be well recycled at the end of its life. Are these solar lights solely intended for the public space or also for private use? This product will be available on the market in different designs and for various purposes. The first product that we launch is one for the public or semipublic space but in the future there will also be products for use in private areas. The reason I ask is that different purchase criteria apply for private and public areas. And there are designers who say: “How can you think about the recycling of a product? It’s like thinking about how to divide the furniture after a separation when a love affair has just begun.” Well, I think it also has to do with a certain indolence. Once you start

dealing with material technology you realize that there is hardly any material for which there is no equivalent ecological alternative available. You just have to be motivated. If you’re not motivated, well, then of course you don’t like to “waste” your time on research. What future plans do you have for your product? Let’s say in 10 or 20 years? What is so exciting is that there are still so many things to be done, things that have not been done up to now. We have so many ideas. In 10 to 20 years it will be completely natural that photovoltaic elements are integrated in a large number of everyday objects: from buildings to lights and mobile applications. Buildings, naturally, because in the future they will be power plants that use their facades for energy production. What do you mean by mobile applications? I am talking about vehicles: the integration of photovoltaics into car bodies. We will need other cars for this purpose than those available today, something more efficient. A solution to the oil problem? Well, photovoltaics alone won’t be a sufficient remedy. At least if the requirements to cars remain unchanged, particularly as regards performance etc.

Das 2001 gegründete Unternehmen HEIc beschäftigte sich ursprünglich mit Produkt- und Technologieentwicklungen im Bereich erneuerbare Energien und hat sich inzwischen erfolgreich auf Design und Entwicklung von autarken Photovoltaik-Außenleuchten für hochwertige architektonische Anwendungen spezialisiert. The company HEIc, which was founded in 2001, was originally active in the field of product and technology development for renewable energies. Today it is successful in the field of design and development of independent photovoltaic outdoor lights for sophisticated architectural environments.

But cars are extremely inefficient in the utilization of energy, that’s a chance. With lights it’s basically the same: if the lights would function with electric bulbs it would be impossible to cover the energy demand by means of photovoltaics. The conventional electric light bulb can be compared with a conventional Otto engine. Once the “electric bulb” of the car is replaced by a modern drive technology, the combination with photovoltaics works. And the cars will have solar collectors on the roof? Why, no. We are already building three-dimensional modules, or to be precise: two-dimensional ones that are curved. The next step will be more complex module forms with three-dimensional structures. Then everything will be possible. 143


Design Liquifer Systems Group

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(d) Das Büro ist ein Auslaufmodell. Bis es soweit ist, haben wir immerhin die Möglichkeit, uns dort auch mal auszuruhen. Waltraut Hoheneder und Barbara Imhof, eigentlich auf Weltraumarchitektur spezialisiert, haben das Möbelstück dazu entworfen. Inwieweit ist das Leben auf einer Raumstation ähnlich dem in einem Büro? Imhof: Wir haben uns verschiedene Arbeitswelten angeschaut. Besonders in den Bereichen, in denen jenseits der Nine-to-five-Zeiten gearbeitet wird, ist das Büroleben mit dem Leben auf einer Raumstation vergleichbar. Die Projektarbeit 144

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entspricht den einzelnen Experimenten auf einer Raumstation. Jedenfalls geht es darum, eine bestimmte Performance zu halten und um die Frage, was für eine Umgebung ich brauche, um diese Performance zu gewährleisten. Hoheneder: Und dann gibt es noch den Aspekt der Flächeneffizienz. Auch bei Büros gibt es den Trend, teure Mietflächen durch Desksharing einzusparen. Wenig Raum, viele Menschen – ist Ihr faltbares Möbelstück dafür gedacht, dass man sich da auch einmal abgrenzen kann? Hoheneder: Ja, schon. Es gibt Studien, die sagen, dass man alle elf Minuten

unterbrochen wird, durch E-Mail, Telefon … Das hat vehement zugenommen in den letzten Jahren, und da hat man natürlich das Bedürfnis, sich mal kurz zurückzuziehen. Der andere Aspekt ist, sich einen Kreativitätsraum zu schaffen. Kreatives Denken „passiert“ eben nicht in den üblichen linearen Arbeitsprozessen, sondern eher in Situationen, in denen man wegdriftet, durch eine automatische Tätigkeit wie Gehen oder Schwimmen oder im Übergang vom Wachsein zum Schlafen. Imhof: Es gibt eine NASAStudie über Powernaps. Und das war eigentlich unser Ausgangspunkt, an dem wir uns überlegt haben:

Aha, was gibt’s da eigentlich für Synergien? Denn von den Anforderungen her ist der Mensch da wie dort der gleiche, in der Raumstation wie im Büro. Prinzipiell geht es darum, in einem semi-öffentlichen Raum eine gewisse Privatsphäre zu ermöglichen. Ist das wirklich realistisch? Man liest immer wieder davon, aber, ganz ehrlich, wenn ich mich eine halbe Stunde hinter den Schreibtisch legte, würde mich meine Chefin fragen, ob es mir noch gut geht. Imhof: Für uns ist das schon realistisch. Eine unserer Partnerinnen ist Inderin, und dort geht man völlig anders mit dem Thema um als bei uns.


design Liquifer Systems Group

LIQUIFER SYSTEMS GROUP Loblied auf den Büroschlaf Praise the office nap! von/by: Amelie Znidaric

1 „Transformers“ als Inspirationsquelle für das Design von Büromöbeln Office furniture design inspired by “Transformers”

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Da ist es ganz normal, dass man den Kopf auf den Tisch legt und sagt, man schläft jetzt eine Runde. Und wir machen das auch manchmal ganz bewusst um unsere Idee zu „testen“. Hoheneder: Wir haben zum Beispiel eine Hängematte am Balkon. Früher war der Mittagsschlaf ja viel verbreiteter, und manche Kulturen haben heute noch drei Stunden Mittagspause. Was dazukommt: Die Arbeitswelt entwickelt sich weg von der abgesessenen Zeit im Büro, die man bezahlt bekommt, hin zu Zielvereinbarungen. Diese Leistung muss erbracht werden, wie viele Stunden der Mensch dafür braucht, ist völlig irrelevant. Es kann sich also auch

keiner darüber beschweren, dass sich jemand eine halbe Stunde hinlegt. Man steigert dabei nämlich seine Effizienz. Imhof: In Japan ist das ja auch üblich und anerkannt. Das ist Teil der Kultur, deshalb haben die Japaner auch in der Powernap-Forschung die Nase vorn. Und es gibt Studien, die sagen, dass man, wenn man alle drei, vier Stunden einen Kurzzeitschlaf hält, seine Performance besser halten kann. Hoheneder: Die Japaner gehen auch mit Druck und Dichte ganz anders um als wir. Und jetzt, wo in unserer Arbeitswelt der Druck ebenso steigt, kann man sich ein gutes Vorbild nehmen und schauen, wie sich andere

Kulturen in der Vergangenheit in dieser Situation verhalten haben. Wie werden wir in der Zukunft arbeiten? Und was bedeutet das für Architekten wie Sie? Imhof: Wie gesagt: eine Tendenz in Richtung Projektarbeit. Die Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwimmt immer mehr: Stichwort Desksharing, Teleworking. Hoheneder: Natürlich wird es andere Möbel geben. Dieses übliche Setting mit Schreibtisch und Bürosessel, der jetzt gerade ergonomisch besonders viel Beachtung findet, weil die Leute ab 40 in der Reha landen, nachdem sie den ganzen Tag an ihren Schreibti-

schen sitzen, dieses Setting wird sich schnell überholen. Über kurz oder lang werden wir keine Tastatur mehr haben, sondern nur noch Touch-Screens und Worterkennung, und dann werden wir gar nicht mehr an Geräten sitzen, sondern uns frei bewegen und unsere Gedanken einfach formulieren, und sie werden irgendwie strukturiert aufgezeichnet. Also die Technologie überholt uns sowieso, die Büromöbel, diese alten Strukturen, genauso wie die Bürogebäude selber, sind ja viel langsamer in ihrer Weiterentwicklung als die Technologie. Dadurch müssen wir ohnehin neue Sachen erfinden.

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Design Liquifer Systems Group

PRO FILE

Faltbares Rückzugsmöbel für den Bürobereich Foldable retreat object for office use

Imhof: Man sieht es ja jetzt schon überall auf Flughäfen: Leute, die mit ihren Blackberrys und iPhones ständig über E-Mail erreichbar sind. Man hat das Gefühl, die sind immer auch gleichzeitig in ihrem Büro. Das Szenario kann man bis zur Auflösung des Büros weiterdenken. Hoheneder: In 20 Jahren wird es völlig absurd scheinen, dass man Menschen einmal für die an einem Ort verbrachten Stunden bezahlt hat. Und das Büro als sozialer Lebensraum? Imhof: Ja, ich glaube, darum wird es dann eher gehen: Wo gibt es neue soziale Lebensräume? Vielleicht wird der öffentliche Raum struktu146

rierter und gliedert sich in verschiedene Ebenen, semiöffentlich, semi-semiöffentlich und so weiter. Orte, wo man sich trifft und Infos austauscht oder miteinander arbeitet. Hoheneder: Das gab es ja früher auch schon, als die wahren Entscheidungen in den Golfclubs getroffen wurden, und das war ja gar nicht so schlecht. Der Körper ist auf Bewegung ausgerichtet. Die Mönche sind im Kreis gegangen, während sie diskutiert haben. Diese Teammeetings, wo alle um einen Tisch sitzen, wieder mal in dieser typischen Haltung, die sind eigentlich absurd.

The architects and operators of LiquiferSystems Group Waltraud Hoheneder and Barbara Imhof have specialized in exhibition architecture, furniture design and outer space architecture. In addition to terrestrial projects they have prepared studies on life in space ships and space stations. Barbara Imhof studied architecture in Vienna, London and Los Angeles and has obtained a master’s degree in space studies at the International Space University of Strasbourg. Waltraud Hoheneder studied commercial sciences at the Vienna University of Economics and Business Administration, and product design (ceramic design) under Matteo Thun and architecture under Wolfgang D. Prix at the University of Applied Arts Vienna.

Rendering: Liquifer Systems Group

Die Architektinnen und Betreiberinnen von Liquifer Systems Group, Waltraut Hoheneder und Barbara Imhof, haben sich auf die Bereiche Ausstellungsarchitektur, Möbeldesign und Weltraumarchitektur spezialisiert und neben irdischen Projekten auch Studien für das Leben in Raumschiffen und auf Raumstationen erarbeitet. Imhof studierte in Wien, London und Los Angeles Architektur und ließ sich an der International Space University in Straßburg zum „Master of Space Studies“ ausbilden. Hoheneder hat Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien abgeschlossen und studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Meisterklasse für Produktgestaltung – Keramik, bei Matteo Thun sowie Architektur in der Meisterklasse Wolf D. Prix.


design Liquifer Systems Group 2 Aussicht aus dem Büro der Liquifer Systems Group auf die Wiener Innenstadt View of Vienna’s city center from the office of the Liquifer Systems Group

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(e) The office is an outdated model. But as long as it still exists we may profit from the opportunity to take a rest there occasionally. Waltraut Hoheneder and Barbara Imhof who have actually specialized in space architecture, have designed the appropriate piece of furniture. To what extent is life in a space station similar to that in an office? Imhof: We took a look at different work environments. And I can say that in the areas where people spend really much time working—not the “conventional” nine-to-five jobs—the situation might be comparable with life in a space station. The different experiments made in space stations, you could call that project work as well. As you have to render a certain performance the question is which environment you need to render this performance. Hoheneder: And then there is the aspect of using surfaces efficiently; there is a

trend to reduce expensive office space through desk sharing. Little room, many people— is your deployable piece of furniture intended to shield oneself? Hoheneder: Yes, absolutely. According to studies the flow of work is interrupted every eleven minutes through e-mail, phone etc. This has dramatically increased over the past years. So it’s quite natural that you want to retreat for a short while. And there is another aspect: to create a creative space. Because creative thinking does not happen in the conventional linear working processes, but in situations where you drift away triggered through automatic activities such as walking or swimming or in a transitional phase between wake and sleep. Imhof: There is a NASA study on power naps. Actually that’s where we started from. Our question was: are there any synergies? As to the requirements, people are the same no matter if

they are in a space station or in an office. The thing is to allow a certain privacy in a semi-public space. Is that truly realistic for an office? I’ve read about it, yes, but honestly, if I lie down behind my desk for half an hour, I doubt that my boss would appreciate that. Imhof: Oh yes, that is absolutely realistic. One of our partners is from India where people deal with this in a completely different way. It is absolutely normal to put your head on the desk and to sleep a bit. And sometimes we do that deliberately. You can’t develop something just by observing. Hoheneder: For example there is a hammock on our balcony. In earlier times it was customary to take an afternoon nap, and in some cultures a lunch break of three hours is not unusual. And what is more: there is a trend away from being paid just for being there and towards target agreements. A certain task has to be accomplished, and it is

irrelevant how many hours that takes, so nobody can complain if someone takes a 30 minutes rest. It rather increases efficiency. Imhof: This is also common in Japan. It’s part of their culture and that’s why they are leading in power nap research. And there are studies saying that a short nap every three or four hours helps to maintain the performance. Hoheneder: They have a completely different way of dealing with pressure and density. As pressure is increasing here in our work environment as well, you have the opportunity to take a look at other cultures and how they coped with this situation in the past. How will we be working in the future? And what does that mean for architects like you? Imhof: As I said: there is a trend towards project work. The separation between private life and work is about to disappear: the keywords are desk sharing, teleworking. 147


Design Liquifer Systems Group

5 5 Waltraud Hoheneder und Barbara Imhof Waltraud Hoheneder and Barbara Imhof

FAC T S FIGURES Hoheneder: Of course there will be different furniture. The setting with desk and office chair—whose ergonomics are given particular attention today as people working at their desk the whole day long need medical treatment at the age of 40—well, this setting will soon be outdated. Sooner or later keyboards will be replaced by touch screens and word recognition, and we will no longer be sitting at desks, but move freely and formulate our thoughts which are then recorded in a structured manner. Technology is advancing so rapidly; office furniture, those old structures, the office buildings, all of this 148

is much more persistent in its development than technology. That’s why we have to invent new things anyway. Imhof: You can see it everywhere on airports: people with blackberries and iPhones, steadily reachable via e-mail. You get the impression that they are in the office at the same time. If you take this scenario a bit further, it is even imaginable that in the future there will be no more offices. Hoheneder: In 20 years’ time we will consider it absurd that people were paid for spending a certain amount of time at a specific place.

And the office as a social environment? Imhof: Yes, I think that will be an issue: where are the new social environments? The public space will probably be restructured, divided into different levels, semi-public, semi-semi-public and so on, where you meet and exchange information or work together. Hoheneder: That’s nothing new. Important decisions were taken in the golf club, and it was not that bad. The body is designed for movement. Monks walk in circles while discussing. Those team meetings where everyone sits at a table, again in this typical posture, they are absurd.

Projekteinreicher / project applicant: Liquifer Systems Group Hoheneder Imhof GesbR Projekt / project: DEPLOYABLE GETAWAY – OFFICE, Entwicklung eines Prototyps für ein faltbares Rückzugsmöbel im Bürobereich / DEPLOYABLE GETAWAY— OFFICE, development of the prototype of a deployable retreat object as furniture for offices Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 52.488 EUR Obere Donaustraße 97-99/1/62 1020 Wien office@liquifer.at www.liquifer.at


design Martina Kröll, Paul Kogelnig

FAC T S FIGURES

PIONEER

Martina Kröll (d) Die Designerin Martina Kröll hat sich auf den vielfältigen Baustoff Eternit spezialisiert und eine patentgeschützte Lasurtechnik entwickelt, die dem Material unterschiedliche Texturen und Farbigkeit verleihen kann. Eternit.Arte eignet sich sowohl zur Möbelherstellung als auch zur Fassadengestaltung und soll als Trendmaterial im Bereich der Naturfaser etabliert werden.

(e) Designer Martina Kröll has specialized in cement asbestos, a versatile construction material, and has developed a patented glazing technique which gives the material different textures and colors. Eternit.Arte may be used for the production of furniture but also for facade design, and shall be established as a trendy natural fiber.

Projekteinreicher / project applicant: Martina Kröll Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Schottenfeldgasse 41-43/33 1070 Wien martina.kroll@gmx.at

PIONEER

Paul Kogelnig FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Institut für Visionen & Co KG Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR

(e) Designer Paul Kogelnig offers his own product and furniture design as well as commissioned works. For his clients he designs and plans individual objects as well as holistic solutions and complex interiors. His flexible approach, wide technical knowledge of materials and production methods as well as his innovative ideas form the basis for individual and tailor-made design solutions. Furthermore already existing objects shall be developed to production readiness and marketed.

Fotos / photos: Institut für Visionen & Co KG (Paul Kogelnig), Martina Kröll (Martina Kröll)

Mariahilferstraße 45/4/Top 86 1060 Wien paul@paulkogelnig.com www.paulkogelnig.com

(d) Der Designer Paul Kogelnig bietet eigenständiges Produkt- und Möbeldesign sowie Auftragsarbeit an. Für Kunden gestaltet und plant Kogelnig sowohl einzelne Objekte als auch ganzheitliche Lösungen und komplexe Interiors. Flexible Herangehensweise an die Aufgabenstellung, breit gefächertes technisches Wissen über Materialien und Herstellungsverfahren und innovative Ideen bilden die Basis für individuelle, maßgeschneiderte Designlösungen. Daneben werden die bereits realisierten Objekte zur Serienreife gebracht und entsprechend vermarktet.

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Design Motmot Design, sha., Totti Design

EXPERTS

FAC T S FIGURES

Motmot Design (d) Bester Grafiker aller Zeiten? Breitenberger: Milton Glaser und sein in alle Welt verkauftes, adaptiertes, kopiertes T-Shirt „I heart NY“. Reeder: Barney Bubbles. Welches Piktogramm möchten Sie nicht missen? Breitenberger: Das Peace-Zeichen, welches sich von den Buchstaben N und D (Nuclear Disarmament) des Winkeralphabets ableitet. Reeder: Das Batman-Logo. Ihre Inspirationsquellen? Breitenberger: Alltagskulturen im Vergleich. Reeder: Musik – von Punk bis zu äthiopischem Funk.

Wieso der Name „Motmot“? Breitenberger: Der Name „Motmot“ klingt witzig und man kann diesen in den unterschiedlichsten Sprachen leicht aussprechen. Ein Motmot ist zudem ein tropischer Vogel aus Mittel- und Südamerika. Reeder: Die Alternative wäre dodo gewesen. (e) Best graphic designer of all times? Breitenberger: Milton Glaser and his T-shirt „I heart NY“ sold, adapted and copied all over the world. Reeder: Barney Bubbles. Which pictogram wouldn’t you want to miss? Breitenberger: The peace symbol which derives from the letters N and

D (nuclear disarmament) of the semaphore alphabet. Reeder: The Batman logo. Your source of inspiration? Breitenberger: Everyday cultures in comparison. Reeder: Music from punk to Ethiopian funk. Why the name motmot? Breitenberger: Motmot sounds funny, and it’s easy to pronounce in all languages. A Motmot is also a tropical bird resident in Central and South America. Reeder: It was either motmot or dodo. Anna Breitenberger und / and Stephen Reeder, Motmot-Team

Projekteinreicher / project applicant: Anna Breitenberger/ Motmot Projekt / project: Motmot T-Shirt Point Programm / program: E/0701 Beratungsbereich / field of consulting: Marketing und Vertrieb / marketing and distribution Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Kirchengasse 36/8 1070 Wien info@motmotdesign.com www.motmotdesign.com

EXPERTS

sha. PIONEER

Totti Design

FAC T S FIGURES

Entspannungsliege wird Therapiecouch From relaxation lounger to therapy couch (d) Die vom Wiener Wahrnehmungsforscher sha. entwickelte AlphaLiege dient durch das Zusammenwirken von Form, Farbe, Licht, Klang, Vibration und Wärme dem Stressabbau sowie der Tiefenentspannung. Das im Wellness- und SpaBereich bereits erfolgreich positionierte Produkt soll mit Hilfe von departure experts nun auch in einem neuen Marktsegment positioniert werden. Sowohl in der psychotherapeutischen Praxis als auch im gesundheitsmedizinischen Bereich liegt hohes

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Potenzial für die AlphaLiege. (e) Through the interaction of form, color, light, sound, vibration and heat the AlphaLounger developed by the Viennese perceptionist sha. helps to reduce stress and bring deep relaxation. The product, which is successful in the wellness and spa market, shall now be positioned in a new market segment. The AlphaLounger is perfectly suited for both psychotherapy and health medicine.

Projekteinreicher / project applicant: sha. Vertrieb GmbH Projekt / project: Entspannungsliege wird Therapiecouch / from relaxation lounger to therapy couch Programm / program: E/0701 Beratungsbereich / field of consulting: Produktanalyse und Entwicklung / product analysis and development Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Kleeblattgasse 11/Tür 11 1010 Wien office@sha-art.com www.sha-art.com

(d) Warum der Name Totti Design? Die weitaus meisten Bootsfirmen haben italienisch klingende Namen. Totti ist einprägsam und kurz und verleiht der Firma ein wenig vom Glanz der Boating-Szene. Boote in einem Binnenland bauen – eine Herausforderung? Totti ist eine Designfirma, die auf einem im wahrsten Sinne des Wortes globalen Markt arbeitet. Wir können von überall her Aufträge bekommen und Konstruktionspläne an alle Werften der Welt versenden. Wir haben auch Kontakte zu ansässigen Bootsherstellern geknüpft, die jahrelange Erfahrung mit dem Bau von Süßwasserbooten für österreichische Kunden haben. Was brachte Sie nach Wien? Ursprünglich nahmen wir beide Stellungen als Designer bei einem österreichischen Bootsbauer an, seither leben wir aus vielen Gründen sehr gerne hier. Wann haben Sie beschlossen Unternehmer zu werden? Das zuversichtliche Gefühl, wir

Fotos / photos: sha. Vertrieb GmbH (sha.), Fleetwood, Europa, Magneto The Monaco range 2008 from Totti Design. (Totti Design), upbuilding. C. Leonhardi (Upbuilding)

Die AlphaLiege The AlphaLounger


design Upbuilding

PIONEER

(d) Das Unternehmen upbuilding vernetzt die Bereiche Design, Architektur und Ökologie. upbuilding versteht sich als ein Entwurfs- und Fertigungslabor im Sinne einer Manufaktur. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Einzelobjekten und Kleinserien mit dem Ziel des „upcycling“ zur Verlängerung des Verwendungszyklusses der eingesetzten Materialien. Carsten Leonhardi experimentiert mit gefundenen Materialien (found footage, vintage und anderen) und setzt diese in einen neuen Kontext im Architektur- und Designbereich.

Upbuilding

Experimente mit gefundenen Materialien, Modelle „Polizeibank“ und „Lamella“ Experiments with found footage, models “Polizeibank” and “Lamella”

könnten etwas Neues machen und im Bereich Bootsdesign viel bewirken, veranlasste uns, unsere eigene Designfirma zu gründen, die frischen Schwung und Eigeninitiative bietet. Das Wissen, dass wir unsere einzigartige Idee von einer Bootsdesignfirma noch vor der Konkurrenz zu Geld machen mussten, trieb uns ziemlich an. Wir haben uns das Unternehmertum nicht ausgesucht, es hat sich uns ausgesucht! Wann sind Sie das letzte Mal mit einem Boot gefahren? Ich war diesen Sommer auf einem Boot auf einem Südtiroler See. Für uns ist jede Bootsfahrt aufregend und wir raten allen, es zu versuchen! Why the name Totti Design? A large majority of boat companies have Italian sounding

names and Totti is memorable, short and gives the company a share in the glamorous boating scene. (e) Building boats in a landlocked county—a challenge? Totti is a design company operating in a truly global market. We can get a commission from any place and send construction drawings to any boatyard in the world. We have established contacts with local boat builders who have many years of experience in building lake boats for Austrian clients. What made you come to Vienna? Originally we both accepted design jobs at a boat manufacturer in Austria and have loved living here ever since for many reasons.

(e) The company called upbuilding networks the fields of design, architecture and ecology. upbuilding is a design and production laboratory in the style of a manufactory focusing on individual objects and small series. The main objective is upcycling, i.e. to extending the

When did you decide to become entrepreneurs? The increasing sense that we could do something different and make a large impact on the boat design industry made us create our own design company offering a fresh, automotive approach. The knowledge that we had to capitalize on our unique vision for a boat design company before the competition pushed us hard. We didn’t choose to be entrepreneurs, it chose us! When was your last boat trip? I was on a lake boat in South Tyrol this summer; every boat trip is exciting for us and we encourage everyone to try it!

utilization cycle of materials used. Carsten Leonhardi experiments with materials (found footage, vintage and others) and places them in a new context in the field of architecture and design.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Carsten Leonhardi, Upbuilding Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Siebenbrunnenfeldgasse 26-30/19/R1 1050 Wien cl@upbuilding.at www.upbuilding.at

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Totti Design LTD Vienna Programm / program: P/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Puchsbaumgasse 53/10 1100 Wien info@tottidesign.com www.tottidesign.com

Motorboot-Modelle: „Fleetwood 30“, „Europa“ und „Magneto“ Motorboats: “Fleetwood 30”, “Europa” und “Magneto”

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Design Spirit Design

EXPERTS

Spirit Design

(e) A favorite brand? The brands we endow with spirit. Or: BMW. They know how to do it.

Die wichtigste Regel das Brandings? Die Werte der Marke müssen in einem durchgängigen Gesamtauftritt in jeder Anwendung erlebbar sein.

The most important rule of branding? The overall appearance of a brand has to be consistent so that you are able to experience the values of the brand in each and every application.

Wofür steht Spirit Design? Spirit Design steht für Innovation und Branding, die Schöpfung neuer, aufregender Markenprodukte.

What does Spirit Design stand for? Spirit Design stands for innovation and branding, the creation of new and exciting brands.

Wie definieren Sie Kreativität? Kreativität entsteht am besten in der Verbindung von klarer Strategie, gestalterischer Genialität und konsequenter Umsetzung, belebt durch einen Schuss Inspiration.

How would you define creativity? The best source of creativity is the combination of a clear strategy, brilliant design and consistent implementation with a shot of inspiration.

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FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: SPIRIT DESIGN Consulting & Services GmbH Projekt / project: Vermarktung Patent Headset / marketing patent headset Programm / program: E/0701 Beratungsbereich / field of consulting: Recht / legal issues Gesamtfördersumme / total funding: 7.500 EUR Silbergasse 8 1190 Wien spirit@spiritdesign.at www.spiritdesign.at

Die Firmen Rosenbauer, Siemens, City Air Terminal (CAT) gehören zu den Kunden von Spirit Design The companies Rosenbauer, Siemens, City Air Terminal (CAT) are among the clients of Spirit Design

Fotos / photos: SPIRIT DESIGN Consulting & Services GmbH

(d) Eine Lieblingsmarke? Die Marken, denen wir einen Spirit geben. Oder: BMW. Weil die machen es allen vor, wie es geht.


design Archiv / archive

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Foto / photo: Roland Ferrigato (1)

Adam WehselySwiczinsky & Andreas Neubauer (1) Projekteinreicher / project applicant: Adam Wehsely-Swiczinsky / aws design Projektpartner / project partner: Andreas Neubauer Projekt / project: MADA – semiakustische Gitarre / MADA—semi-acoustic guitar Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 47.540 EUR

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Adam Wehsely-Swiczinsky / aws design Hollandstr. 9/7 1020 Wien office@awsdesign.cc www.awsdesign.cc Andreas Neubauer Ernst-Bergmann-Gasse 17 1140 Wien info@neubauerguitars.com www.neubauerguitars.com

AIRMICI (2) Projekteinreicher / project applicant: AIRMICI Designprodukte Handels GmbH Projekt / project: Internationalisierung der Marke airmici vienna / internationalization of the brand airmici vienna Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 48.833 EUR Wallgasse 21 1060 Wien office@airmici.com www.airmici.com

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Design Archiv

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All Austrian Arts (3) Projekteinreicher / project applicant: LUKAS & BLUM OEG Projekt / project: A-A-A All Austrian Arts – Dekoration von Sanitärwaren / A-A-A All Austrian Arts— decoration of sanitary ware Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 49.013 EUR Operngasse 22/14 1040 Wien bb@a-a-a-.tv www.a-a-a.tv

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bkm (4)

bkm on tour (5)

Projekteinreicher / project applicant: bkm design working group GnbR Projekt / project: Vom preisgekrönten Prototyp zum Produkt / From award winning prototype to product Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 20.851 EUR

Projekteinreicher / project applicant: bkm design working group GnbR Projekt / project: bkm on tour Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 65.340 EUR

Diefenbachgasse 42/1/6 1150 Wien info@bkm-format.com www.bkm-format.com

Diefenbachgasse 42/1/6 1150 Wien info@bkm-format.com www.bkm-format.com


design archive

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Fotos / photos: Roland Ferrigato (4, 6, 7)

Congenial (6) Projekteinreicher / project applicant: Norbert Spanninger / Congenial Möbeldesign – Innenarchitektur – Tischlerei Projektpartner / project partner: Herbert Ernst / Genussmarketing Projekt / project: Line for Wine, Möbel für Winzer / Line for Wine, furniture items for winegrowers Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 41.758 EUR

Norbert Spanninger / Congenial Möbeldesign – Innenarchitektur – Tischlerei Haslingergasse 68/3 1170 Wien office@congenial.cc www.congenial.cc Herbert Ernst / Genussmarketing Frankenberggasse 2-4/17 1040 Wien office@genussmarketing.at www.genussmarketing.at

convoi-id (7) Projekteinreicher / project applicant: CONVOIDESIGN Stanek KEG Projekt / project: TENOR Wellnessliegen / TENOR wellness loungers Programm / program: F/0503 Gesamtfördersumme / total funding: 46.858 EUR Otto Bauer Gasse 24/27 1060 Wien design@convoi-id.com www.convoi-id.com

DANKLHAMPEL DESIGN (8) Projekteinreicher / project applicant: DANKLHAMPELDESIGN [DHD] ARGE Projekt / project: Design für 60+ / Design for 60+ Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 75.743 EUR Kaiserstraße 51-53/17 1070 Wien office@danklhampel.com www.danklhampel.com

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Design Archiv

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Designbüro René Chavanne (9) Projekteinreicher / project applicant: Designbüro René Chavanne Projekt / project: Mobile Bar – Serienreife und Vermarktungskonzept / Mobile Bar—serial production readiness and marketing concept Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 90.600 EUR Mollardgasse 85a/2/59 1060 Wien office@renechavanne.com www.renechavanne.com

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Designstudio LUCY.D (10)

Desktop Design (11)

Electric Babes (12)

Projekteinreicher / project applicant: Ambrosz & Stiglmair OG Projekt / project: Designstudio LUCY.D Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 55.027 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Stefan Fiedler Imaging GmbH Projekt / project: Desktop Design – Frische Tische / Desktop Design—New Tables Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: design4sound Vertriebs GmbH Projekt / project: Jeder Mensch ist Designer / everyone’s a designer Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 83.147 EUR

Schönbrunnerstraße 213-215/ im Hof/EG 1120 Wien info@desktop-design.at www.desktop-design.at

Mooslackengasse 17 1190 Wien office@electric-babes.com www.electric-babes.com

Kranzgasse 18 1150 Wien office@lucyd.com www.lucyd.com


design archive

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Fotos / photos: Roland Ferrigato (9, 10, 13, 16)

Florian Gsottbauer (13) Projekteinreicher / project applicant: Florian Gsottbauer Projekt / project: Motorrollersystem „ROLL“ / motor scooter system “ROLL” Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Judengasse 4/14 1010 Wien flo@gsotti.com www.gsotti.com

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FreeWings (14)

Future Skin (15)

Projekteinreicher / project applicant: Georg Zwisler Projekt / project: FreeWings, Multifunktionsgerät / FreeWings, multifunctional device Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 88.402 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Otto Bock Healthcare Products GmbH Projekt / project: Future Skin Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Guneschgasse 3/20 1190 Wien free@freewings.net www.freewings.net

Kaiserstraße 39 1070 Wien info.austria@ottobock.com www.ottobock.at

guggenbichlerdesign … (16) Projekteinreicher / project applicant: Harald Guggenbichler / guggenbichlerdesign Projekt / project: Ergonomische Leichtmetallmöbel / ergonomic light metal furniture Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 50.073 EUR Schellhammergasse 3/1 1170 Vienna design@guggenbichler.at www.guggenbichler.at

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Design Archiv

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Johann Spitzauer (17) Projekteinreicher / project applicant: Johann Spitzauer Projekt / project: championship 24 Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Obkirchergasse 42/8 1190 Wien

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JULAND Barcelona Vienna (18)

Junge Typen, junges Layout

Projekteinreicher / project applicant: JULAND Fredes&CoKEG Projekt / project: PureAustrianDesign-cr/oss/ea/ tivity* Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Gabriele Lenz / Büro für visuelle Gestaltung Projekt / project: Junge Typen, junges Layout / Young Types, Young Layout Projektpartner / project partner: Andreas Kaltenbrunner / Kaltenbrunner Medienberatung Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 61.120 EUR

Bergsteiggasse 14-16/2/5 1170 Wien vienna@julandscape.com www.julandscape.com

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Gabriele Lenz / Büro für visuelle Gestaltung Turmburggasse 11 1060 Wien office@gabrielelenz.at www.gabrielelenz.at Daniela Kraus / Medienhaus Wien Alserstraße 22 1090 Wien office@medienhaus-wien.at www.medienhaus-wien.at Andreas Kaltenbrunner / Kaltenbrunner Medienberatung Alserstraße 22 1090 Wien andy.kaltenbrunner@eunet.at www.publizistik.net/kmb/


design archive

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Fotos / photos: Roland Ferrigato (18,21, 22, 23)

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Kabiljo Inc. (20)

Kai Stania (21)

Kohlmaier (22)

Lobmeyr (23)

Projekteinreicher / project applicant: Kai Stania Projekt / project: Sportbrille / sports glasses Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 30.837 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Kohlmaier GmbH Projekt / project: Mit Wiener Design zum Möbellabel / Viennese design for a furniture label Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 82.674 EUR

Projekteinreicher / project applicant: J. & L. Lobmeyr Gesellschaft m.b.H. Projekt / project: Markenrelaunch Lobmeyr / Lobmeyr brand relaunch Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Dejana Kabiljo / Kabiljo Inc. Projekt / project: KABILJO Inc. Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Gonzagagasse 5 1010 Wien dejana@kabiljo.com www.kabiljo.com

Hühnersteigstraße 71 1140 Wien office@kaistania.com www.kaistania.com

Neubaugasse 32 1070 Wien box@kohlmaier.at www.kohlmaier.at

Kärntnerstraße 26 1010 Wien office@lobmeyr.at www.lobmeyr.at

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Design Archiv

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Lomography (24) mCubed Information Projekteinreicher / project applicant: Technology & Lomographische AG Projekt / project: 24H Product Neupositionierung Lomography / repositioning of lomography Design (25) Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Hollergasse 41 1150 Wien contact@lomography.com www.lomography.com

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Projekteinreicher / project applicant: mCubed Information Technology GmbH Projektpartner / project partner: Rainer Scharf / 24H Product Design Projekt / project: HFX Media Produktpalette / HFX media product range Programm / program: dSign Up!

Gesamtfördersumme / total funding: 78.602 EUR

miramondo (26)

mCubed Information Technology GmbH Mollardgasse 85a/3/136 1060 Wien office@mcubed-tech.com www.mcubed-tech.com

Projekteinreicher / project applicant: miramondo public design GmbH Projekt / project: Innovative Produkte im Außenbereich / innovative outdoor products Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 90.000 EUR

Rainer Scharf / 24H Product Design Mollardgasse 85a/3/137 1060 Wien vienna@twentyfourhours design.com www.twentyfourhours design.com

Paracelsusgasse 8/1/9 1030 Wien office@miramondo.com www.miramondo.com


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Fotos / photos: Roland Ferrigato (25, 26)

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Najjar & Najjar (27)

Siddhartha URBAN Sailingyachts (28) TOOL (29)

Projekteinreicher / project applicant: Ocean Design Corporation GmbH Projekt / project: Devotion 80 Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 69.987 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Kerstin Hamata / Siddhartha Sailingyachts Projekt / project: Siddhartha 45M – Selbstenergetisch / Siddhartha 45M—self-energetic Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 53.221 EUR

Projekteinreicher / project applicant: URBAN TOOL Design und Handels GmbH Projekt / project: Profilausformung + Positionierung / profile shaping + positioning Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 81.910 EUR

Joseph-Pommer-Gasse 23-2 1030 Wien siddharthayachts@aon.at www.siddharthasailingyachts.at

Reindorfgasse 36 1150 Wien info@urbantool.com www.urbantool.com

Seidlgasse 41/5a 1030 Wien office@najjar-najjar.com www.najjar-najjar.com

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Design Archiv

Walking-Chair & UNVERKAEUFLICH (30) Projekteinreicher / project applicant: Walking-Chair Designstudio GmbH Projektpartner / project partner: UNVERKAEUFLICH handels GmbH Projekt / project: walking design Vienna Programm / program: dSign Up! Gesamtfördersumme / total funding: 158.852 EUR

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Walking-Chair Designstudio GmbH Rasumofskygasse 10 1030 Wien contact@walking-chair.com www.walking-chair.com UNVERKAEUFLICH handels GmbH Breite Gasse 11/1/1 1070 Wien office@unverkaeuflich.at www.unsaleable.com

Wubet (31) Projekteinreicher / project applicant: Wubet e.U. Projekt / project: Wubet Programm / program: re:Design Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Schottenfeldgasse 41-43/28A 1070 Wien info@wubet.com www.wubet.com

Foto / photo: Roland Ferrigato (30)

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E S S AY / E S S AY Gerhard Ruiss Buchstadt Wien / Vienna—a city of books (166)

PROJEKTE / PROJECTS Buch Wien Neue Inszenierung für Bücher / A new platform for books (171) Biber (176) Facultas (176)

ARCHIV / ARCHIVE Mandelbaum Verlag (177) Volltext Verlag (177)


Literatur, Medien, Verlagswesen Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss

BUCHSTADT WIEN WIEN ALS VERLAGSSITZ

(d) Kreativität muss man Verlagen, die mit drei- bis vierstelligen Auflagen in einem Markt der sechs- bis siebenstelligen Auflagen bestehen wollen, nicht erst ans Herz legen. Ohne den Erfindungs- und Einfallsreichtum ihrer Initiatoren und Betreiber würde keiner dieser Verlage je entstanden sein oder noch existieren. Es gibt plausible Gründe, die für Wien als internationale Drehscheibe sprechen, auf Wiener Verlage treffen sie nicht zu. Weder ist es Wiener Verlagen möglich, ihre Bücher über den deutschen Sprachraum hinaus zu verbreiten noch sind sie von sich aus in der Lage, etwas an den wirtschaftlichen Größenverhältnissen und am Zusammenspiel von Größenordnungen zu ihren Gunsten zu verändern. 80 Prozent der in Österreich verkauften Bücher kommen aus Deutschland, darunter die gut verkäuflichen Bücher der meisten österreichischen Autoren. Umgekehrt ist den kapitalarmen österreichischen Verlagen der Zugang zum an Kapitaleinsätze gewöhnten deutschen Buchmarkt – außer in Form von Schwächeanfällen für das eine oder andere Buch – fest verschlossen geblieben. Die Produktion von Taschenbüchern, der Betrieb von Buchgemeinschaften oder Veröffentlichungen von Übersetzungen haben über weite Strecken ohne österreichische Beteiligungen stattgefunden. Und schließlich ist man sogar in österreichischen Medien der Überzeugung, die wichtigsten Bücher österreichischer Autoren würden in deutschen Verlagen erscheinen. Wien war nie ein Zentrum des deutschsprachigen Verlagsgeschehens, und der einzige deklarierte Versuch, einen österreichischen Bestsellerverlag aufzubauen, hat den betreffenden Verlag, trotz nachweislich verlegter Bestseller, innerhalb kürzester Zeit ruiniert. Diese Startnachteile haben die in Österreich ab Mitte der 1970er-Jahre gegründeten privatwirtschaftlichen Kunst-, Kultur- und Literaturverlage zu ihren Tugenden gemacht. Anstatt das Große im Kleinen nachzubilden, haben sie auf das Neue und Unbekannte gesetzt, nach dem Vergessenen gesucht, das schwer Verkaufbare riskiert und sich in den Bereichen, in denen die Großverlage aufgrund ihrer nicht erfüllten Verkaufserwartungen den Schlussstrich gezogen haben, ihr Terrain gesichert. Es wäre naiv zu glauben, kleinere Verlage kämen auf Grund der ihnen fehlenden Kapazitäten ohne Spekulationen aus und würden lieber keine Bestseller aus ihren Büchern machen. Sie sind genauso wie andere Verlage auf gut verkäufliche Titel angewiesen, die jedoch verglichen mit den 166

Verbreitungsmöglichkeiten gut verkäuflicher Bücher aus großen Verlagen nur in relativ bescheidenen Auflagenhöhen möglich sind. Um so eher lassen sich dafür in solchen Verlagen Besonderheiten finden, nach denen man bei größeren Verlagen schon lange nicht mehr auf die Suche gehen wird, darunter Bücher österreichischer Autoren, deren Werke längst zum Standardrepertoire großer deutscher Verlage zählen, aber eben auch von Wiener oder anderen österreichischen Verlagen veröffentlicht werden und beispielsweise von Ilse Aichinger (Edition Korrespondenzen) stammen, von Elias Canetti, Franz Kafka (Mandelbaum Verlag), von Karl Kraus (Metroverlag) oder von Leo Perutz (Zsolnay Verlag). Eine zweite starke Seite besteht in ihrer Entdecker- und Entwicklerfunktion. Die ersten Bücher von Daniel Kehlmann oder Christoph Ransmayr vor ihren Karrieren als Bestsellerautoren wurden in den Wiener Verlagen Deuticke und Brandstätter verlegt. Der einzige Wermutstropfen solcher und ähnlicher Verlagsleistungen ist: Nur wenige der genauso in Deutschland wie in Österreich bekannten Autoren wie Franz Schuh oder Karl-Markus Gauß bleiben ihren Wiener bzw. österreichischen Verlagen erhalten. 1974, als beim Wiener kommunalen Verlag Jugend und Volk zum ersten Mal ein Nachschlagewerk über literarische Einrichtungen, Organisationen und österreichische Schriftsteller erschien, kam dem Autorenregister und in Österreich vergebenen Preisen und Stipendien breitester Raum zu. Auf einen ebenfalls größeren Umfang brachte es die Auflistung von Autorenverbänden. Den geringsten Platz mit rund eineinhalb der 253 Seiten des „Österreichischen Literaturhandbuchs“ von Hans F. Prokop nahmen die insgesamt 14 dort verzeichneten Verlage ein, neun Buchverlage – davon vier aus Wien – drei Theaterverlage, ein Verlag mit von seinen Autoren selbst finanzierten Büchern, und ein Verlag zur Herstellung von Buchgemeinschaftsausgaben. Um nur allein schon den 1.200 österreichischen Autoren, die das Handbuch zur selben Zeit ermittelt hatte, ein einigermaßen ernstzunehmender Ansprechpartner sein zu können, hätte sich jeder dieser Verlage um bis zu 130 Autoren kümmern müssen. Wie sehr sich die Verhältnisse von 1970 bis heute geändert haben, zeigt ein einfacher Vergleich, rund 4.000 österreichischen Autoren stehen ca. 200 österreichische Kunst-, Kultur- und Literaturverlage gegenüber, d. h. maxi-


literature, media, publishing Gerhard Ruiss

Foto / photo: Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren

mal 20 österreichische Autoren entfallen durchschnittlich zur Betreuung auf jeden österreichischen Verlag. Daraus resultiert, es ist viel einfacher geworden zu publizieren und, es ist sehr viel schwerer geworden, damit in Erscheinung zu treten. Diese Voraussetzungen sind weder für die rund hundert Wiener, noch für die hundert aus den anderen österreichischen Bundesländern stammenden, noch für irgendeinen der kleineren und mittleren nicht-österreichischen Verlage oder für einen nicht bestsellerverdächtigen Titel anders. Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit hat sich selbst für diejenigen, die sie haben, so verschärft, dass sie nach dem Bemerktwerden genauso gleich wieder in Vergessenheit geraten, wie diejenigen, die nicht einmal bemerkt worden sind.

1974, sowie die der konkreten Poesie gewidmeten „edition neue texte“ von Heimrad Bäcker, 1976, in Linz liefen der Bedeutung Wiens für die österreichische Literatur, ausgenommen die 1975 gegründete Wiener Alte Schmiede und einige kleinere neue Wiener Literaturverlage, als zweitwichtigstem Schauplatz nach den großen deutschen Verlagsstädten Frankfurt, Hamburg oder München, den Rang ab. Diese Rolle von Wien als zentralem Schauplatz des österreichischen Verlagsgeschehens hat sich längst wieder gefestigt, nicht zuletzt deshalb, weil die gegen Ende der 1970er- und zu Beginn der 1980er-Jahre massiv einsetzenden Verlagsneugründungen vorwiegend in Wien stattgefunden haben. Die wenigen, oft mit der Beendigung der Tätigkeit eines Herausgebers verbundenen Einstellungen einer Zeitschrift wie der in Wien erscheinenden „Protokolle“ (1966 – 1992) oder der – allerdings immer schon vom Salzburger Otto Müller Verlag verlegten – Abwanderung der ebenfalls 1966 gegründeten Zeitschrift „Literatur und Kritik“ durch einen Redakteurswechsel 1991 von Wien nach Salzburg, fiel bei der Zahl und Vielfalt der inzwischen gegründeten Verlage und Zeitschriften kaum noch ins Gewicht. Die 1969 gegründete Zeitschrift „Wespennest“ konnte sich 1997 sogar eine für beide Seiten erfolgreiche Teilung in eine Kulturzeitschrift „Wespennest“ und in eine Literaturzeitschrift „Kolik“ leisten und die Neugründungsphase von Wiener Literaturverlagen ist, wie das Beispiel des eben erst gegründeten Klever Verlags zeigt, noch immer nicht abgeschlossen.

Keiner der im „Österreichischen Literaturhandbuch“ 1974 registrierten vier Wiener Verlage, zu denen einige weitere ehemals wichtige Wiener Verlage der 1970er- und 1980erJahre zu zählen sind, existiert heute noch in seiner damaligen Form. Sie bestehen entweder überhaupt nicht mehr (Jugend und Volk, Edition S der österreichischen Staatsdruckerei) oder sind durch Eigentümerwechsel nach Deutschland abgewandert (Europa Verlag) und haben nur in einem Fall eine Wiener Niederlassung behalten (Zsolnay und Deuticke als Ableger von Hanser). Zuletzt wurde auch noch das staatliche Konsortium Residenz Verlag, Deuticke Verlag, Brandstätter Verlag und Österreichischer Bundesverlag aufgelöst. Der Residenz Verlag, der über viele Jahre in Wien und Salzburg angesiedelt gewesen war, ist in die niederZusätzlich zu den Kultur- und Literaösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten übersiedelt. Das bis zu turzeitschriften sind BuchhandelsBeginn des Jahres 2000 bestimzeitschriften und sonstige Fachzeitmende staatliche, kommunale und schriften wie die „Buchkultur“, 1989, körperschaftliche Verlagswesen ist entstanden und ist Literaturmagazizur Gänze von der Bildfläche vernen wie „Volltext“ und Internetausschwunden, und die ab den 1970ergaben wie „Eurozine“, der Wiener Plakat der IG Autorinnen Autoren zur Jahren gegründeten Privatverlage Gemeinschaftszeitschrift von rund Präsentation österreichischer Literatur, 2007 sind an die Stelle dieser hauptsäch- Poster of the IG Autorinnen Autoren on the 70 europäischen Kulturzeitschriften, lich in Nebenlinien für die Literatur presentation of Austrian literature, 2007 sowie Servicediensten und Plattfortätigen Verlage getreten, deren primen wie der des Netz-Popkulturmamärer Verlagszweck die Herstellung von Schulbüchern, von gazins „Evolver“ die Ausweitung der zuvor eng gesteckten Kinder- und Jugendliteratur und/oder der für ihre EigentüGrenzen für Verlagsaktivitäten und die mehr als nur punkmer notwendigen Publizistik gewesen ist. tuelle Verbreitung über die österreichischen Landesgrenzen hinaus gelungen. Zum Aderlass, nach dem ein solcher tiefer Einschnitt klingt, ist es nie gekommen. Für einige Zeit haben die StandorDamit ist aber noch lange nichts über die sowohl in einer te der wichtigsten österreichischen Verlage Salzburg, Graz langen Tradition in Wien tätigen Wissenschaftsverlage wie und Linz statt Wien geheißen und sind die Entwicklungen in Braumüller (gegründet 1783), über zwischenzeitlich entden Landeshauptstädten und in den Regionen in den Vorstandene wie den Böhlau Verlag (1987), neu hinzugekomdergrund gerückt. Die Veranstaltungen des Forum Stadtmene wie Facultas oder Fachverlage wie den Maudrich park und beim Steirischen Herbst, dem 1968 gegründeten Verlag für Medizin oder gemischt wissenschaftlich und liersten europäischen Festival für neue Kunst, die 1972 in terarisch tätige Verlage wie den Passagen Verlag oder TuSalzburg entstandenen Rauriser Literaturtage, die Grünria + Kant gesagt. Wer nach Zeitgeschichte sucht (Böhlau, dung der Grazer Avantgardeliteraturzeitschrift „Manuskrip- Picus, Czernin, Mandelbaum, Löcker) und/oder nach aktute“, 1960, und des experimentellen Grazer Droschl Verlags, ellen Reportagen und Gesellschaftspolitik (Promedia), nach 167


Literatur, Medien, Verlagswesen Gerhard Ruiss

Philosophie, Literaturwissenschaft (Sonderzahl, Passagen, Turia + Kant), nach Bildbänden (Brandstätter Verlag), internationaler Literatur (Folio Verlag), nach Austriaca, Viennensia (Amalthea, Molden, Metroverlag), Lyrik, Literaturminiaturen (Lehner, Podium, Edition Korrespondenzen, Edition Splitter), Literatur von Migranten und Minderheiten (Edition Exil), nach feministischer Literatur (Milena Verlag) oder Lesebüchern (Edition Aramo) wird bei zahlreichen Verlagen mit Wiener Verlagssitz fündig werden. Und wer sich nicht nur in Verlagskatalogen und Informationsdiensten über die Angebote und Schwerpunkte der in Wien tätigen Verlage informieren will, hat bei einer Vielzahl von zum Nulltarif besuchbaren Literaturveranstaltungen und Verlagspräsentationen die Gelegenheit dazu, selbst im Sommer, in dem bis vor einigen Jahren noch niemand in Wien auf die Idee gekommen wäre, ganze Veranstaltungsreihen mit aktuellen Themen und Autoren durchzuführen. Inzwischen gibt es seit mehreren Jahren die „O-Töne“ der Zeitschrift „Volltext“ im Wiener Museumsquartier und die jedes Jahr einem anderen Thema gewidmete Podium-Sommerlesereihe der gleichnamigen Zeitschrift und Buchreihe im Cafe Prückel. Kaum ist der Sommer vorbei, beginnen nicht nur die Leseprogramme der ständigen Wiener Literaturveranstalter Alte Schmiede, Literaturhaus, Gesellschaft für Literatur und der Hauptbücherei Wien wieder, sondern findet auch das heuer

bereits zum 17. Mal durchgeführte 24-Stunden-Literaturfestival „Rund um die Burg“ statt und folgt allein im Literaturveranstaltungskalender der Verlage, Buchhandlungen und Büchereien ein Termin auf den nächsten wie u. a. beim jährlichen Bibliotheksfestival „Österreich liest“ im Oktober, beim „Lesofantenfest“ im November, den Veranstaltungen zum „Andersentag“ und am „Welttag des Buches“ im April und so weiter. Ein einziges Defizit hat den Verlagsstandort Wien über viele Jahre hinweg begleitet. Zwar fand seit der Übersiedlung der „Österreichischen Buchwoche“ ins Wiener Rathaus Ende der 1980er Jahre auch in Wien eine über Weihnachtsbuchausstellungen hinausgehende jährliche Buchwoche statt, zu einer Buchmesse hat sie es aber nie gebracht. Das soll sich ab heuer ändern. Nach 60 Buchwochenjahren in unterschiedlichen Dimensionen wird im November 2008 zum ersten Mal eine internationale Buchmesse samt Lesefestwoche in Wien durchgeführt. Endlich bietet sich dadurch auch für Wien die Möglichkeit einer einmal jährlichen Bühne für Verlage, Bücher, Autoren und Leser wie in den großen deutschsprachigen Buchstädten Frankfurt und Leipzig. Der Grundstein dazu wurde mit den mehr als zweihundert österreichischen Verlagsgründungen in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten gelegt.

Gerhard Ruiss

VIENNA—A CITY OF BOOKS V IENNA AS A LOCATION FOR P U B L I S H I N G C O M PA N I E S (e) Publishing companies which want to exist with three to four-figure circulations in a market of six to seven-figure circulations don’t need to be encouraged to be creative. Without the inventiveness and ingenuity of their initiators and managers none of these publishing houses would have been established in the first place nor would they still be in existence. There are good reasons speaking in favor of Vienna as an international platform but they don’t apply to Viennese publishing houses. They cannot sell their books outside the German-speaking area and they are not in a position to change the economic relations and correlations in their favor. On the one hand, 80 percent of all books sold in Austria come from Germany, among them the more popular books of most Austrian authors. On the other hand, the low-capital Austrian publishing houses have had no access to the high-capital German book market—except for the occasional spell of popularity for a certain book. The production of paperbacks, the run168

ning of book clubs or the publication of translations have largely taken place without Austrian participation. Even the Austrian media are convinced that the most important books of Austrian authors are published by German publishing houses. Vienna has never been a center of German-language publishing activities, and the only declared attempt at establishing an Austrian publishing company for best-sellers drove these publishers to ruin in practically no time—despite the fact that it had actually published best-selling books. The private-sector fine arts, cultural and literary publishers established in Austria in the mid-1970s have turned these initial handicaps to their advantage. Instead of trying to recreate the large on a small scale they concentrated on the new and unknown, searched for the forgotten, risked the slow-selling and secured their territory in those areas in which large publishing houses have remained behind their expected sales figures.


literature, media, publishing Gerhard Ruiss

It would be naive to think that smaller publishing houses can manage without speculations because of their lack of capacity and that they would rather not turn their books into bestsellers. Like all other publishing companies they depend on books that sell well. However, they can only afford relatively small editions compared with the options of distributing high-selling books that are open to big publishing houses.

Foto / photo: Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren

Readers may find rarities at small publishers that they have given up looking for at bigger publishing companies. Among them are books by Austrian authors whose works have long become part of the standard repertoire of big German publishing houses but who are also published by Viennese or other Austrian publishers. Among them are Ilse Aichinger (published by Edition Korrespondenzen), Elias Canetti, Franz Kafka (published by Mandelbaum Verlag), Karl Kraus (published by Metroverlag) and Leo Perutz (published by Zsolnay Verlag). The second important function of small publishers is that of discovering and developing new talent. The first books by Daniel Kehlmann or Christoph Ransmayr put on the market before they became best-selling authors were published by Deuticke and Brandstätter, both of them Viennese publishing companies.

Looking at these figures we see that is has become much easier to publish and it has become so much harder to stand out from the crowd. These conditions are the same for the approx. 100 Viennese publishers, the 100 publishers from the other parts of Austria, for all the small and medium nonAustrian publishers and the possible best-selling books. The competition for attention has increased so much, even for those who have already managed to achieve it, that once noticed they return to oblivion just like those who were never noticed to start with.

None of the four Viennese publishing companies listed in the “Österreichisches Literaturhandbuch” in 1974, together with a number of other, formerly important Viennese publishers from the 1970s and 1980s exist today in the same form. They either don’t exist anymore at all (Jugend und Volk, Edition S der österreichischen Staatsdruckerei) or they have changed ownership and are now based in Germany (Europa Verlag). Only one of them has kept a branch office in Vienna (Zsolnay und Deuticke as a branch of Hanser Publishers). Eventually even the state-run consortium of Residenz Verlag, Deuticke Verlag, Brandstätter Verlag and Österreichischer Bundesverlag was dissolved. The Residenz Verlag publishing house, which had been based in Vienna and Salzburg for many The only downside to these and years, moved to the Lower Austrian other publishing activities is that capital of St. Pölten. State-run, muonly few of the authors known nicipal and corporate publishing both in Germany and Austria such companies, which used to domias Franz Schuh or Karl-Markus nate the market, have completely Gauß will actually stay with their disappeared. The private publishViennese or Austrian publishers. ing companies established since the 1970s have taken the places of In 1974, the Viennese municipal these publishing houses for which Jugend und Volk publishing house IG Autorinnen Autoren präsentiert sich, Plakat 2003 Presenting IG Autorinnen Autoren, poster 2003 literature had only been a side line. brought out the first reference Their primary business was the book on literary institutions, orgaproduction of schoolbooks, of books for children and young nizations and Austrian authors. The index of authors and people and/or publications for their owners’ purposes. the list of prizes and grants awarded in Austria took up a lot of space in this publication. The list of writers’ associaThe collapse, which might have been expected from such tions was also quite comprehensive whereas only one and far-reaching changes, has never happened. For some time a half of the 253 pages of the “Österreichisches Literathe major Austrian publishing companies were located in turhandbuch” by Hans F. Prokop were needed to list the 14 publishing houses: nine book publishers (four of which Salzburg, Graz and Linz instead of Vienna and the developwere located in Vienna), three theater publishers, one pub- ments seen in the provincial capitals and in various Austrian lishing initiative self-funded by the authors and one pubregions have caught general attention. The events organized lishing company for book club editions. In order to act as a as part of the Forum Stadtpark group and the Steirischer reasonably efficient partner to the 1,200 Austrian authors Herbst festival, established in 1968 as the first European identified by the handbook back then, each of these pubfestival of new art, the Rauriser Literaturtage literature festilishers would have had to attend to about 130 writers. val established in Salzburg in 1972, the establishment of the “Manuskripte” avantgarde literature journal in Graz in 1960, A simple comparison demonstrates how much the ratios of the experimental Droschl Verlag publishing house in Graz have changed between 1970 and today. Now there are about in 1974 as well as that of the “edition neue texte” publishing 4,000 Austrian authors and approx. 200 Austrian fine arts, house (dedicated to concrete poetry) by Heimrad Bäcker in cultural and literary publishers, which amounts to a maxiLinz in 1976 lessened the importance Vienna had for Austrimum of 20 Austrian authors per Austrian publishing company. an literature as second most-important venue following the 169


Literatur, Medien, Verlagswesen Gerhard Ruiss

Vienna’s role as a central location for Austrian publishing activities has long since been reestablished, partly because the many publishing companies newly founded in the late 1970s and early 1980s were usually located in Vienna. The few occasions when journals were discontinued (often because their editors resigned from their positions), such as “Protokolle” published in Vienna (1966—1992), or the migration of the “Literatur und Kritik” journal (also established in 1966) from Vienna to Salzburg in 1991 due to a change in editorship (the journal had, however, always been published by Otto Müller Verlag in Salzburg) were hardly noticed because of the number and variety of newly-established publishing companies and journals. In 1997, the “Wespennest” journal, established in 1969, was successfully split into the “Wespennest” cultural journal and the “Kolik” literary journal. And the period of newly-established literary publishers in Vienna has not yet come to an end, as was demonstrated by the recently established Klever Verlag publishing company.

written by migrants and minorities (Edition Exil), for feminist literature (Milena Verlag) or anthologies (Edition Aramo) can choose from the many publishing companies based in Vienna. All those who want to go beyond publishers’ catalogues and information services to learn about what the Viennabased publishing companies offer and focus on will be given that opportunity at numerous free literary events and publishers’ presentations, even in summer. Until a few years ago, nobody in Vienna would have thought of organizing whole series of events on current issues and authors during that season. And yet, “Volltext” journal has been organizing the “O-Töne” festival in Vienna’s Museumsquartier for several years and the Podium journal and book series are organizing summer readings of the same title at Vienna’s Café Prückel on a different subject every year.

2002 protestiert die IG Autorinnen Autoren auf

As soon as summer is over, not only the readings programs of the Alte Schmiede, a permanent Viennese literary venue, the Literaturhaus, the Gesellschaft für Literatur and the Main City Library Vienna will take place, but also the “Rund um die Burg” 24-hour literary festival will open its doors (for the 17 th time this year). In the calendar of literary events of publishers, bookstores and libraries one event follows the next, for example the annual library festival “Österreich liest” [Austria reads] in October, the “Lesofantenfest” in November, the “Andersentag” children’s events, the “World Day of Books” events in April and so on.

ihrem Buchmesse-Plakat gegen die Absetzung In addition to cultural and literder ORF-Sendung „Kunststücke“. ary journals, book trade journals In 2002 the IG Autorinnen Autoren protested on and other specialist journals such their book fair poster against determination of as “Buchkultur” (1989) were estab- the “Kunststücke” series on Austrian television lished. Literary journals (e.g. “VollThere is only one shortcoming that text”) and online editions (e.g. “Eurozine”, the Viennese has stuck with Vienna as a location for publishing companies combined journal of approx. 70 European cultural journals) over many years. Since the “Österreichische Buchwoche” as well as service providers and platforms such as that of was moved to Vienna City Hall in the late 1980s, Vienna does the online pop culture journal “Evolver” have managed to have its annual book week (in addition to many Christmas go beyond the narrow limits of publishing activities and to book exhibitions) but it still doesn’t have its own book fair— reach out farther beyond the Austrian borders. a fact that will change as of this year. After 60 years of book weeks of various dimensions, November 2008 will see the Nothing has yet been said about academic publishers tradifirst international book fair combined with a “Lesefestwoche” tionally located in Vienna such as Braumüller (established in (i.e. a week-long reading festival) in Vienna. This is an annual 1783), fairly recently established ones such as Böhlau Veropportunity for Vienna to act as a stage for publishing comlag (1987), newly established ones such as Facultas or spepanies, books, authors and readers just like in the major Gercialist publishers such as Maudrich Verlag for medicine or man-speaking “book cities” of Frankfurt and Leipzig and was publishing companies for both academic and literary texts made possible by the fact that more than 200 Austrian pubsuch as Passagen Verlag or Turia + Kant. Readers looking lishing companies were newly established over the past two for contemporary history (Böhlau, Picus, Czernin, Mandelor three decades. baum, Löcker) and/or topical reports and socio-political texts (Promedia), for philosophy, literary studies (Sonderzahl, Passagen, Turia + Kant), for photo books (Brandstätter Verlag), international literature (Folio Verlag), for books focusing on Austrian and Viennese subject matters (Amalthea, Molden, Metroverlag), verse, literary miniatures (Lehner, Podium, Edition Korrespondenzen, Edition Splitter), literature

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Foto / photo: Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren

big German publishing locations of Frankfurt, Hamburg and Munich. Exceptions to this process are the Alte Schmiede venue established in Vienna in 1975 and a number of new small Viennese literary publishers.


literature, media, publishing Buch Wien

BUCH WIEN Neue Inszenierung f端r B端cher A new platform for books von/by: Andrea Hurton

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Literatur, Medien, Verlagswesen Buch Wien

1 1 Glanzvolles Ambiente im Hauptverband des Österreichischen Buchhandels Glamorous ambience in the association of the Austrian book trade 2 Geschäftsführerin Inge Kralupper in der Bibliothek des Hauptverbandes Managing director Inge Kralupper in the library of the association 2

(d) Mit der 2008 erstmals stattfindenden Buch Wien realisiert Inge Kralupper als Geschäftsführerin der Literatur- und Contentmarketing GmbH einen Leseevent neuen Typs und eine publikumsorientierte Buchmesse mit starker internationaler Ausrichtung. Wie sieht das Konzept der Buch Wien aus? Welches Markenprofil wollen Sie der Veranstaltung geben? Die Buch Wien ist eine Weiterentwicklung der „Buchwoche“, die bisher im Rathaus stattgefunden hat. Erstmals findet sie von 20. bis 23. November mit Unterstützung des international erfolgreichen Messeveranstal172

ters Reed Exhibitions auf der Messe Wien statt, welche ja seit heuer durch die neue U2 in 10 Minuten vom Stadtzentrum erreichbar ist. Bereits ab dem 17. November starten wir zudem an zahlreichen Orten der Stadt mit der „Lesefestwoche“; dieses Lesefest wird Teil der Buch Wien sein. Neben der Ortsveränderung wird der große Schritt vor allem die Internationalisierung der Veranstaltung sein. Der Schwerpunkt des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms wird nicht mehr ausschließlich auf der österreichischen Verlagsproduktion liegen, sondern der gesamte deutschsprachige und der ost-, südost-

europäische Raum stehen im Zentrum des Interesses. Die Buch Wien ist eine Publikumsmesse. Wir sprechen mit unserer Veranstaltung das Millionenpublikum im Großraum Wien an, wenden uns aber auch an Bücherfans in ganz Österreich und erstmals an jene in den grenznahen Regionen Tschechiens, der Slowakei und Ungarns. Naturgemäß erwarten wir auch Fachbesucher, also Buchhändler, Bibliothekare, Übersetzer; die Buchbranche ist eine Kommunikationsbranche und ich bin mir sicher, dass sie diese Plattform zum Austausch nutzen wird. Aber die Konzeption der Buchmesse macht klar, dass wir

Bücher an Menschen aller Altersstufen vermitteln wollen: Bücher gibt es für jedes Interesse, jeden Geschmack. Deshalb werden die Aussteller auch nach Themenschwerpunkten gruppiert: Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, wissenschaftliches Fachbuch, Sachbuch – wobei hier die Palette vom Kochbuch über Ratgeberliteratur, Viennensia, Regionalia und Bildbänden reichen wird. Die themenorientierten Schwerpunkte werden durch Veranstaltungen auf Messebühnen ergänzt. Ein reichhaltiges Programm mit Signierstunden, Diskussionsforen und Lesungen erwartet die Besucher. Die


literature, media, publishing Buch Wien

derierte Autorengespräche in Verknüpfung mit Musik, bildender Kunst und Fotografie. Bei Themenabenden werden mehrere Bücher, die aktuelle Fragestellungen beleuchten, diskutiert. Und wir werden uns mit bestehenden Veranstaltungspartnern vernetzen: Das Technische Museum, das Riesenrad, das Naturhistorische Museum, das Mozarthaus, das Globenmuseum der Nationalbibliothek, die brut-Spielstätten – um nur einige wenige zu nennen – werden den Büchern eine zusätzliche Bühne bieten. Auf dem Twin-City-Liner nach Bratislava wird die Literatur unserer östlichen Nachbarn gefeiert. Mit der „Artweek“, die in derselben Woche wie die Buch Wien stattfindet, sind wir eine Kooperation eingegangen. Der „Artbook Award“, der im Liechtenstein Museum vergeben wird, ist eines der großen Preisverleihungsevents der Buch Wien.

Bücher – im Mittelpunkt stehen die Neuerscheinungen dieses Jahres, die auf der Messe gezeigt werden, können in einer 400 m2 großen Buchhandlung gleich gekauft werden. Wir werden aber auch die digitale Gegenwart des Buchverlagsgeschäfts thematisieren: Wie sehen die neuen E-Reader aus und welche Möglichkeiten gibt es heute, digitale Inhalte zu erwerben? Das Markenprofil der Buch Wien würde ich so skizzieren: Österreichs größtes Buchevent, das die ganze Stadt Wien einbindet und neue Präsentationsformen für das „Buch“ bietet. Wir setzen nicht auf klassische Lesungen, sondern auf mo-

Werden auch international renommierte Verlage dabei sein? In der Ausstellungshalle B auf der Messe Wien werden rund 200 Verlage – also so viele wie noch nie davor – in Wien präsent sein, aber auch Institutionen, die ein Naheverhältnis zum Buch haben, etwa das Wissenschaftsministerium, das BM für Unterricht, Kunst und Kultur und die Nationalbibliothek. Viele renommierte deutschsprachige Verlage werden mit Messeständen vertreten sein und natürlich die gesamte Palette der österreichischen Verlage. An prominenten Autoren und Autorinnen haben sich bisher beispielsweise Ilja Trojanow, Donna Leon, Michael Köhlmeier, Peter Esterházy, Franz Schuh, Ruth Klüger, Ismail Kadaré, Konrad Paul Liessmann oder Nicholas

Sparks angesagt. Der ost-, südosteuropäische Raum wird mit rund 50 Verlagen vertreten sein; Gemeinschaftsschauen aus Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Ungarn werden präsentiert. Traditionell haben österreichische Verlage bei der Vermittlung der Kultur aus Ost- und Südosteuropa eine Vorreiterrolle gespielt. Unsere Verbindung zu diesen Kulturen soll sichtbar gemacht, neue Verbindungen sollen aufgebaut werden. Welche Aufgaben hat die Literatur- und Contentmarketing GmbH? Sie ist eine Tochterfirma des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels und für die Organisation der Messe und für die „Lesefestwochen“ zuständig. In meiner Funktion als Geschäftsführerin zeichne ich mit meinem kleinen engagierten Team für die Akquisition von Verlagen, das Marketing und natürlich für die Finanzierung dieses Riesenprojekts verantwortlich. Aus der Literatur- und Contentmarketing GmbH entsteht aber auch das Programm der „Lesefestwoche“. Es ist uns gelungen, Gabriele Madeja, die langjährige ORF- und 3sat-Kulturjournalistin als Programmchefin zu gewinnen. Wie sehen Sie das Verhältnis von Jugendlichen zum Medium Buch? Sind hier tatsächlich diese Bruchstellen in der Mediennutzung zu erkennen, wie immer wieder behauptet wird? Junge Leute wachsen mit elektronischen Medien auf; der Alltag ist davon geprägt. Multimediales Erleben ist gefragt. Aber Texte sind ja doch ein wichtiger Teil multimedialer Produktion, Fotos, Illustrationen – also Bilder – spielen im Buchbereich ebenso wie in der digitalen Welt eine große

Rolle. Diese Welten gehören zusammen. Auf der Buch Wien bieten wir daher Hörbuchworkshops, in denen ausprobiert werden kann, wie aus einem Text ein Hörbuch entsteht. Aber auch das Zusammenwirken von Buch und Film wird ein Thema sein. Insgesamt werden wir mit rund 50 Veranstaltungen Kinder und Jugendliche ansprechen – dies auch stark über unsere Kooperationen mit Schulen –, um sie für Buchinhalte zu begeistern. Wir werden daher beim Marketing auch die Jugendszene stark berücksichtigen. Das Publikum braucht zeitgemäße Präsentationsformen für das „Buch“. Mit der Buch Wien wollen wir den Auftritt für Bücher neu inszenieren, um ihnen zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Literatur- und Contentmarketing GesmbH Projekt / project: Buch Wien – Konzept & Marketing, Aufbau der Literatur- und Contentmarketing GmbH / Buch Wien—concept & marketing, establishment of Literatur- und Contentmarketing GmbH Programm / program: C/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 147.897 EUR Grünangergasse 4 1010 Wien sekretariat@hvb.at www.buecher.at

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Literatur, Medien, Verlagswesen Buch Wien

(e) Inge Kralupper, Managing Director of Literaturund Contentmarketing GmbH organizes the first Buch Wien in 2008. This is a new type of reading event and a book fair with a strong international orientation, mainly addressing readers. What is the concept of BUCH WIEN? Which brand profile do you want to attach to this event? The Buch Wien takes the “Buchwoche” [book week], which has until now been held at Vienna City Hall, one step further. It will be held at the Messe Wien trade fair venue on November 20—23 for the first time and is organized in cooperation with Reed Exhibitions, who are internationally renowned exhibition organizers. It only takes 10 minutes to get from the city center to the new venue by taking the recently extended Viennese U2 subway line. On November 17 we will start the “Lesefestwoche” a book event at several venues in the city. This festival of reading will be part of the Buch Wien. Another big step in addition to the new location will be the internationalization of the event. The exhibition and event programs will no longer focus exclusively on Austrian publications but they will take in the entire German-speaking and the eastern and south-eastern European regions. The Buch Wien is in the first place an exhibition for readers. This event addresses more than one million people from the Vienna region but we also target book fans in all of Austria and for the first time also those in the border regions of the Czech Republic, Slovakia and Hungary. We do of course also expect trade visitors such as booksellers, librarians and translators. The book 174

industry is a communications business and I am sure that they will use this event as a platform for exchange. The concept of the book fair, however, makes it clear that we want to bring books to people of all ages. There are books for all interests and for every taste which is why the exhibitors will be grouped according to thematic focus: fiction, books for children and young people, academic textbooks, specialized books—covering a whole range of subjects from cooking to handbooks, books on Viennese and regional topics and photo books. The thematic focuses will be supplemented by various events on the stages. Visitors can expect a rich program of book signing sessions, discussion forums and readings. The books shown at the fair—with a focus on those published this year—will be available for sale in a bookshop covering 400 m2 of floor space. The digital aspects of modern book publishing will also be addressed: what do the new e-readers look like and what are the current possibilities for buying digital content? I would describe the Buch Wien brand profile like this: Austria’s largest book event, which involves all of Vienna and which offers new forms of presenting books. We don’t concentrate on traditional readings but on moderated discussions with the authors combined with music, the fine arts and photography. On themed evenings several books covering topical issues will be looked into and discussed. We will also network with existing event partners here in Vienna who will provide a stage for books: the Technisches Museum Wien [Vienna’s museum of technology], the Giant Ferris Wheel, the Natural History Museum Vienna, the

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Mozarthaus, the Globenmuseum [museum of globes] at the National Library and the brut theater venues, to name but a few. The literature of Austria’s eastern neighbor countries will be celebrated on the Twin City Liner catamaran shuttle service to Bratislava (Slovakia). We have established a cooperation with Vienna Art Week, which will be held during the same week as the Buch Wien. The “Artbook Award” will be presented at the Liechtenstein Museum in one of the major award ceremonies of the Buch Wien.

Will any internationally renowned publishing houses participate? About 200 publishing companies—as many as never before—will be present in exhibition hall B at the Messe Wien venue but also institutions connected in any way to books, e.g. the Ministry of Science, the Federal Ministry for Education, the Arts and Culture and the National Library. Many well-known Germanlanguage publishing companies will be represented at the trade fair as well as all Austrian publishing houses. Among the renowned authors participating are Ilja Trojanow, Donna Leon, Michael Köhlmeier, Peter Es-


literature, media, publishing Buch Wien 3 Alte Bestände in der Bibliothek des Hauptverbandes Old invertory at the library of the association 4 Noble Adresse in der Wiener Innenstadt Noble location in Vienna’s city center

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PRO FILE Inge Kralupper, Geschäftsführerin des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, ist seit 10 Jahren in dieser Funktion und hat somit einen guten Einblick in die gesamte Buchbranche. Sie wird als Geschäftsführerin der Literatur- und Contentmarketing GmbH ihr umfangreiches Know-how in Form von Beratungsleistung und Unterstützung bei der Ausstellerakquise einbringen. Inge Kralupper has been Managing Director of Hauptverband des Österreichischen Buchhandels [association of the Austrian book trade] for 10 years and thus has extensive experience in the book trade. As Managing Director of Literatur- und Contentmarketing GmbH she will contribute her profound know-how by offering consulting and support in winning exhibitors.

5 5 Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels im denkmalgeschützten Palais Fürstenberg in der Grünangergasse 4 The association of the Austrian book trade in the landmarked city palace Fürstenberg at Grünangergasse 4

terhazy, Franz Schuh, Ruth What are the responsibiliKlüger, Ismail Kadaré, Konrad ties of Literatur- und ConPaul Liessmann and Nicholas tentmarketing GmbH? It is a Sparks. subsidiary of the HauptverAbout 50 publishing houses band des Österreichischen from Eastern and SouthBuchhandels [association of Eastern Europe will also be the Austrian book trade] and present. Communal exhibiorganizes the trade fair and tions of the Czech Republic, the “Lesefestwoche reading Slovakia, Romania and Hunfestival”. As Managing Direcgary will be held. Austrian tor I and my small and dedipublishing houses have alcated team are responsible ways pioneered in dissemifor sourcing publishing housnating information on the es, for carrying out marketcultural aspects of Eastern ing activities and of course and South-Eastern Europe. for financing this huge projWe want to demonstrate ect. The Literatur- und Conour country’s connection to tentmarketing GmbH also these cultures and establish sets up the program for the new connections. “Lesefestwoche reading festival”. We managed to bring aboard as Head of Program

Gabriele Madeja, long-serving cultural journalist with the ORF Austrian broadcasting service and the 3sat TV station. What is your opinion on the relationship between young people and books as a medium? Do you really see that often-claimed shift in how young people use media? Young people grow up using electronic media. These are everywhere in their lives. Multimedia-based experiences are very popular and texts are an important part of multimedia productions. Photos and illustrations play a major role in books as well as in the digital world. These two worlds

belong together. At the BUCH WIEN we offer workshops on audiobooks where participants can try their hands at turning a text into an audiobook. The interaction of book and film will also be a subject to be looked into. We will address children and young people with a total of about 50 events—many of them organized in cooperation with schools—to raise their interest in books. Our marketing activities will also focus on the young scene. The audience needs modern forms of presenting books. The Buch Wien is our contribution to providing books with a new platform to help them attract more attention. 175


Literatur, Medien, Verlagswesen Biber, Facultas

EXPERTS

Biber

das multikulturelle Stadtmagazin / the multicultural city magazine EXPERTS

Facultas (d) Wie lange wird es noch Bücher geben? Sehr lange. Lesen Sie die Zeitung lieber online oder lieber als PrintProdukt? Print. Die wichtigste Aufgabe eines Verlages? Bereitstellung und Aufbereitung von Inhalten. Das meistgelesene FacultasProdukt? Grohmann-Steiger u. a.: „Einführung in die Buchhaltung im Selbststudium“. (e) How long will there be books? For a very long time. Do you like reading the newspapers online or do you prefer the printed version? The printed one. The most important task of a publishing company? Provision and preparation of contents.

(e) Biber, Vienna’s city magazine for migrants of the second and third generation, is published six times a year and distributed for free. Biber reports directly from the multiethnic community thus presenting new and exciting facets of Vienna. Biber reflects a new generation’s attitude towards life and deals with issues that are important to them.

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FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Biber Verlagsgesellschaft GmbH Projekt / project: Biber – das multikulturelle Stadtmagazin / Biber—the multicultural city magazine Programm / program: E/0702 Beratungsbereich / field of consulting: Marketing, Finanzwesen und Recht / marketing, financing and legal issues Gesamtfördersumme / total funding: 10.750 EUR Siebensterngasse 23 1070 Wien redaktion@dasbiber.at www.dasbiber.at

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Facultas Verlags- und Buchhandels AG Projekt / project: Wissen kommunizieren / communication of knowledge Programm / program: E/0702 Beratungsbereich / field of consulting: PR Gesamtfördersumme / total funding: 10.080 EUR Berggasse 5 1090 Wien office@facultas.at www.facultas.at

Fotos / photos: Biber Juni, Coverstory by Daniel Shaked (Biber Verlagsgesellschaft GmbH)

(d) Biber, das Wiener Stadtmagazin für Migranten der zweiten und dritten Generation, erscheint jährlich sechs Mal und wird kostenlos verteilt. Biber berichtet direkt aus der multiethnischen Community heraus – und zeigt damit, die spannende Bandbreite der vielfältigen Facetten Wiens auf. Biber reflektiert das Lebensgefühl einer neuen Generation und thematisiert, was diese bewegt.

The most widely read Facultas product? Grohmann-Steiger i. a.: “Einführung in die Buchhaltung im Selbststudium” [Introduction to bookkeeping through self-study].


literature, media, publishing Archiv / archive

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2

Mandelbaum Verlag (1)

Volltext Verlag (2)

Projekteinreicher / project applicant: Michael Baiculescu / Mandelbaum Verlag Projekt / project: Reisen zum jüdischen Europa / journeys to Jewish Europe Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 33.967 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Volltext Verlag GmbH Projekt / project: Autoren-Portal volltext.net / volltext.net author’s portal Programm / program: C/0603 Gesamtfördersumme / total funding: 84.162 EUR

Wipplingerstraße 23 1010 Wien office@mandelbaum.at www.mandelbaum.at

Lothringerstraße 3 1010 Wien redaktion@volltext.net www.volltext.net

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MUSIK M U S I C


MUSIK / MUSIC

E S S AY / E S S AY Tim Renner Nischen nutzen: Die Freiheit der kleinen Märkte / Profiting from niches: the liberty of small markets (180)

ARCHIV / ARCHIVE Acoustic Medicine (184) Couch Records & Officer (184) Couch Music Publishing (184) crack shop p (185) Daniel Hantigk (185) J gen Bauer (185) Jür Kairos (185) Karate Joe J (186) Klein Records, Universal Music & MIOOOW (186) Ludwig Doblinger (186) Mario Rossori (187) material records (187) MoodDesigner (187) Musiktank (188) ORDIS (188) soulseduction (188) TRUST (189)


Musik Tim Renner

Tim Renner

NISCHEN NUTZEN DIE FREIHEIT DER KLEINEN M ÄRKTE (d) Ich wette, die Herren Haydn, Schubert, Mozart und Liszt hätten Shawn Fanning (1) gemocht. Ihre Musik brauchte noch lange zum Reisen. Entweder mussten sie sich selbst auf den Weg machen, um ihr eine Plattform außerhalb der Heimat zu verschaffen, oder sich außerordentlich gedulden, bis sie von selbst den Weg in die verschiedenen Ecken dieser Welt gefunden hatte. In der Regel hieß das, bis über den eigenen Tod hinaus auf den globalen Erfolg zu warten. Eine weltweite Präsenz auf Napster als MP3 direkt nachdem der letzte Ton auf dem Piano verklungen ist, ein unmittelbarer Siegeszug des eigenen Liedes oder der eigenen Symphonie direkt nach der Komposition – ein Traum! Dass kaum einer dafür zahlt, wäre ihnen ziemlich egal gewesen. Eine Verletzung der Copyrights kann nur beklagen, wer das System als solches überhaupt kennt. Darum machte man sich in einer Welt der Auftragskomposition, sei es für die Kirche, den Hof oder einen Mäzen, noch keine Gedanken. Auf diese Idee kam erst die Strauß WalzerDynastie, während sie die Musik aus den Konzerthäusern in die Cafés und Tanzsäle holte. Erstmals musste man pro Aufführung zahlen. Das „Pay per Play“ wurde Gesetz und die junge Musikwirtschaft entstand. Mit Emil Berliner und der Erfindung des Grammophons wurde es dann Anfang des 20. Jahrhunderts ein ernstzunehmendes Geschäft. Normale Wohnzimmer wurden durch „des Spießers Wunderhorn“ plötzlich zu Aufführungsorten großer Werke und die Musikindustrie mächtiger und größer als die fast zeitgleich entstandene Filmwirtschaft. Der richtige Boom kam aber erst nach dem zweiten Weltkrieg mit der Erfindung des Wiener Dr. Peter Goldmark. Sein HiFi System ließ es erstmals zu Hause auch so gut wie im Konzertsaal klingen. Es war eine gewaltige Demokratisierung des Musikgenusses. Selbst Arbeiterwohnungen wurden so zu veritablen Opernhäusern. Musik für Jedermann war aber nur durch Industrialisierung möglich. Kompositionen wurden nicht mehr per Post von Musiker zu Musiker verschickt, sondern in Tonstudios aufgenommen, in Mastersuites in Folien geschnitten und dann in Fabriken als Schallplatte gepresst. Das bindet nicht nur bedeutend mehr Kapital als das Beschriften eines Blattes Papier, sondern bedarf auch einer teuren Infrastruktur aus Vertrieben, Logistikzentren, Kommunikations- und Marketingabteilungen. Paradoxerweise war das auch das einstweilige Ende des Musiklandes Österreich in der internationalen Wahrnehmung. In dem Moment, als Musik in einem revolutionären Prozess zu einem industriellen Gut wurde, war Schluss mit Lustig, Egalité und Fraternité. Es war nicht mehr egal, woher die Musik kam, denn kleinere Länder waren automatisch klar im Nachteil. Die Skalierbarkeit der Wertschöp180

fung liegt bei industrieller Produktion in der Masse. Die erreichbare Masse und somit die Menge des Produzierten ist in einem kleineren Land aber endlich. Zumal, wenn die Landessprache keine echte Weltsprache ist. Natürlich gründeten sich auch in Österreich lokale Plattenfirmen, aber sie verkauften naturgemäß mehr Produkte ihrer internationalen, großen Partner, statt diesen ihr eigenes Repertoire für den Weltmarkt lizenzieren zu können. Machten sie einen guten Job, wurden sie als lokales Outlet eines multinationalen Konzerns irgendwann einfach aufgekauft. Große Plattenfirmen entstehen auf Basis großer Binnenmärkte – und somit war der damit einhergehende Prozess ein Kampf, den die ehemalige Musikhauptstadt Wien gar nicht gewinnen konnte. Die Musik spielte von da an in London, New York und Los Angeles, denn hier sitzen auch die Zentralen der großen, globalen Plattenfirmen. Gesungen wird in der Sprache, die man dort versteht: Englisch. Die fremde Sprache hatte auch etwas mit dem Bedarf des Radios zu tun. Mit zunehmendem privaten Wettbewerb brauchten die Rundfunksender Musik, die nicht weiter stört. Weder durch Texte, an denen man sich stoßen könnte, noch durch ungewöhnliche Klänge und Kompositionen. Quote macht man am besten durch im Ausland bereits bewährte Hits. Nur so entsteht eine Klangtapete, die keinen ab- oder umschalten lässt. Später muss dann der Hörer nur den Sendernamen für die Umfrage behalten haben. Das ist die Basis, auf der man im Radio Geld verdient. Denn die Werbung zahlt für Stundenreichweite, also pro „nachgewiesenem“ Hörer in der Stunde. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wollte trotz Gebühren was den scheinbar messbaren Erfolg angeht, nicht schlechter dastehen als die private Konkurrenz. Die österreichische Musik verlor dadurch sukzessive ab Mitte der Achtzigerjahre ihre letzte Bastion, nämlich die Kommunikation auf den lokalen Stationen. In der Electric Avenue des Museumsquartiers fand der Austropop dann sein letztes Reservat. Ungespielt vom Radio, übersehen vom Fernsehen und wehmütig erinnert durch die Presse lagern in der Nachbarschaft der Minishops von Designern und Künstlern über 3.000 Songs österreichischer Herkunft. Dieses kollektive Gedächtnis der Kreativität befindet sich nicht nur auf Platten und Bändern, sondern liegt auch digital auf Festplatte vor. Dadurch ist es möglich, dass sich ein Jedermann eine CD von längst nicht mehr im Handel erhältlichen Perlen brennen kann. Ausgerechnet das, was der Musikindustrie andernorts den Hahn abzudrehen droht, hilft ihr hier, gefördert von departure, beim Überleben. Die Digitalisierung senkt Kosten, vereinfacht Prozesse und lässt dadurch vor allem die Nischen leben. Medien- und Wirtschaftswissenschaftler sprechen


music Tim Renner

vom „Long Tail“-Effekt: Kommuniziert wird eine Vielzahl an kleineren Produkten und dadurch entsteht eine Masse an großem, digitalem Geschäft. Die Entkopplung von großen, globalen Konzernen dadurch, dass der Konsument mit gebrannten CDs, mobilen MP3 Files oder mit selbst aufgenommener Musik die Sache persönlich in die Hand nimmt, ist eine große Chance für zuvor benachteiligte, kleine Märkte. Felix Austria: Das erste Mal seit den Zeiten von Haydn, Schubert, Mozart und Liszt entsteht wieder etwas wie musikalische Chancengleichheit. Das realisierten Mitte der Neunziger bereits Kruder und Dorfmeister. Sie waren die ersten Österreicher, die seit dem seligen Falco international als Popstars reüssieren konnten. Kein Wunder, die Musik der beiden und ihrer weltweit beachteten Nachfolgeprojekte wie „Tosca“, „Voom:Voom“, „Peace Orchestra“ und „Richard Dorfmeister con Madrid de los Austrias“ ist elektronisch und somit auch digital. Egal ob Trip Hop oder Downbeat, ob mit der Unterstützung von Rupert Huber oder Fauna Flash, bei der Aufnahme bedient man sich primär moderner Technologie und ist deshalb weitgehend von großen Studios mit ihren teuren Gerätebatterien unabhängig. Im Gegenteil, moderne Musiker arbeiten heutzutage primär daheim. Wenn überhaupt, zieht es einen lediglich zur Aufnahme von akustischen Instrumenten (meist Schlagzeug und Gesang) und zum Mix samt eigener Pro Tools ins professionelle Tonstudio. Kleine, hoch spezialisierte Aufnahmeeinheiten können mit dieser Entwicklung umgehen, große Studios gehen Pleite. Kleine Länder waren kleine Produktionsbudgets und Improvisation gewöhnt. Plötzlich sind sie im Vorteil. Strenggenommen reicht heutzutage ein handelsüblicher PC mit einer Musikbearbeitungs-Software als Heimstudio völlig aus. Wer also 1.500 bis 2.000 Euro investiert, kann bereits mitspielen. Egal ob er oder sie in Feldkirchen, Hieflau, Wien oder Manhattan sitzt. Auf die Finanzspritze durch die wenigen Verträge, die internationale Plattenfirmen in Ländern wie Österreich abschließen, braucht keiner mehr zu warten. Die durch Digitalisierung reduzierten Kosten führen zu einer neuen Unabhängigkeit des Kreativen. Das gilt sowohl für die Produktion als auch die Kommunikation. DJs haben das zuerst erkannt. Sie bereiteten sich gegenseitig den Weg, indem sie immer wieder Versatzstücke existenter Tracks anderen DJs mit Hilfe von Computertechnologie separierten und abends in ihre eigenen Sets in den Clubs einfließen ließen. Spätestens seit der nahezu globalen Techno-Welle Anfang der Neunziger erzeugten sie eine Kommunikation, die seitens der etablierten Medien des Rundfunks für Neues nicht mehr stattfand. Den DJs ist als Collagekünstlern egal, woher ihr Material stammt, bei welchem Label es erschien – hauptsache es passt in ihr Programm. Plötzlich kamen die Stars der Danceszene auch aus Ländern wie Belgien, Finnland, Dänemark und Deutschland, die angloamerikanische Dominanz war gebrochen. Das war auch eine der Voraussetzungen des globalen Siegeszugs von Kruder und Dorfmeister. Damit es nicht bei löblichen, österreichischen Ausnahmen bleibt, die im Ursprung auch schon wieder mehr als ein Jahrzehnt her sind, braucht es neben der sich erst in Clubs,

(1)

dann in Internetradios und Blogs verselbstständigenden Kommunikation auch eine stimmige, globale Distribution lokaler Musik. Früher behalf sich die Szene mit Weißmustern, Vinylplatten ohne Label, die in Fachgeschäften für DJs gehandelt wurden. Durch die hohe Spezialisierung auf eine Klientel und die wenigen zu bedienenden Outlets klappte die internationale Verteilung. Profitieren konnte davon jedoch nur eine kleine Nische der Musikszene. Im Internet steht diese Tür aber plötzlich allen offen. Auch die freie Musik, zum Beispiel der Jazz von Anbietern wie Material Records kann durch digitale Netzwerke und Angebote leichter den Weg auf den Weltmarkt finden. Noch viel einfacher wird es natürlich dort, wo es gar nicht mehr darum geht, physische Produkte wie CDs oder Vinylplatten zu bewegen. Mit dem digitalen Download wird die Welt wirklich grenzenlos. Wenn der digitale Vertrieb Soulseduction.com aus Wien die Musik seiner Labels und Künstler im Internet feilbietet, ist das automatisch ein internationales Angebot. Die ökonomisch kritische Beschränkung auf den Markt Österreich fällt weg. Sogenannte Aggregatoren wie Ordis sorgen zudem dafür, dass auch Downloadshops rund um die Welt von Anfang an österreichisches Repertoire im Angebot führen. Anders als früher die Schallplattenläden haben iTunes, Napster und Co kein Bestandsrisiko mehr. Bündelt ihnen also jemand die Aufnahmen der vielen, kleinen Anbieter und erleichtert ihnen somit die Administration, wird man sich schnell handelseinig und die Songs aus aller Herren Länder werden Bestandteil des Programms. Wer sich spezialisiert, kann zudem selbst zum internationalen Shopanbieter werden. Zero Inch vertreibt von Wien aus Tracks, die man in dieser hohen Datenauflösung und der damit verbundenen Qualität kaum woanders bekommen kann. Hier ist eine Nische für DJs neben den großen Anbietern entstanden, die aus Österreich bedient wird. All diese Vertriebswege stellen neue Chancen dar, alle wurden sie auch von departure unterstützt. Die Digitalisierung hat in der Musik zu einer Marginalisierung der Kernmärkte geführt. Sowohl was die Herkunft als auch was die Form (den Vertrieb auf Tonträgern) angeht. Dieser Abwärtstrend ist jedoch die Freiheit der kleineren Märkte. Einnahmequellen wie das internationale Lizenzgeschäft, das die Firma Couch unabhängig und die Kooperation Klein/Miooow/Universal als Verbund aus Indie und Major Company betreiben, die Vergabe an Synchronisationsrechten an Filme und Werbung wie sie sync-rights.com steuert, die funktionale Nutzung als stimmungsbegleitende Hintergrundmusik wie sie die Mooddesigner oder audioidentity anbieten oder gar ihr medizinischer, heilender Einsatz den Sanoson forcieren will, all das gehört im Sinne des lokalen Musikers global genutzt. Auch und gerade von Österreich und Wien aus. Haydn, Schubert, Mozart und Liszt haben es heute leichter denn je. Weltweit kann man bereits Noten über www.music2print.at ausdrucken, also lasst uns die Chance der digitalen Renaissance nutzen, statt vor den Umbrüchen der Musikwirtschaft Angst zu haben.

Shawn Fanning entwickelte 1998 Napster, die erste populäre Peer-to-Peer-Filesharing-Plattform.

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Musik Tim Renner

Tim Renner

PROFITING FROM NICHES

(e) I bet the Messieurs Haydn, Schubert, Mozart turned into an industrial commodity in a revolutionary process, it was the end of fun, egaand Liszt would have liked Shawn Fanning (1). lité and fraternité. It started to matter where Traveling still took a long time for their muthe music came from, as smaller countries sic. They either had to set off themselves to were automatically clearly at a disadvantage. establish platforms for their music outside Mass is what determines the scale of addtheir homes or be extraordinarily patient until ed value in industrial production. In a small their music reached the various corners of the country the mass and therefore the number world. In general that meant waiting for global of products is limited, especially if the nationsuccess until after your own death. Worldwide al language is not a real world language. availability on Napster in MP3 format immeOf course local record labels were founded diately after the last tone from the piano has Tim Renner, „Kinder, der Tod in Austria as well, but naturally they rather faded away, instantaneous triumphs for their ist gar nicht so schlimm!“ Campus Verlag, 2004 sold products by their big international partsongs or symphonies—a perfect dream! Ausschnitt aus dem Cover ners than they were able to license their own They would not have cared much that hardly Tim Renner, “Kinder, der Tod repertoire for the world market. If they did anyone pays. Only those who know about ist gar nicht so schlimm!”, publisher: Campus, 2004 a good job they were at some point simply the system can deplore a violation of copybought as the local outlet of a multinational rights. Nobody had thought about that yet in Part of the cover company. Large record companies grow in the world of commissioned works for church, large domestic markets—therefore it was a fight Vienna, the court or a patron. It was only the Strauss dynasty with their former capital of music, could not win. waltzes that came up with such an idea, taking music out of the concert halls and into cafés and dancehalls. For the first From then on London, New York and Los Angeles were where music was happening, as they also house the headtime you had to pay per performance. “Pay per play” bequarters of the large global record companies. The songs came law and the young music business emerged. are sung in the language spoken there: English. The foreign When Emil Berliner invented the phonograph in the early language also had to do with the requirements of the radio. 20 th century, music seriously became a business. The “BabWhen private competition grew, radio stations needed mubitt’s magic horn” suddenly turned ordinary living rooms sic that did not annoy people, neither by lyrics that might be into places where great works were performed, the music industry became bigger and more influential than the film in- resented nor by unorthodox sounds or pieces of music. Listeners are best gained by hits that have already proved sucdustry, which had emerged almost simultaneously. The real cessful abroad. That’s the only way to create a background boom was to come only after World War II with an invention sound that makes nobody turn off or change channel. The by Peter Goldmark from Vienna: with his hi-fi system music listener only has to remember the station’s name if he takes at home for the first time sounded as good as in the concert hall. Musical enjoyment was enormously democratized; part in a survey later on. That’s how you make money on the radio, for the advertising industry pays for reach per hour, even workers’ homes became veritable opera houses. i.e. per “verified” listener per hour. In spite of license fees Music for everyone was only possible because of industrialpublic broadcasting didn’t want to be in a worse position ization. Compositions were no longer sent by mail from one musician to the other, but recorded in recording studios, cut than private stations as far as seemingly measurable success is concerned. That’s why ever since the mid-1980s into master discs and the records pressed in factories. Not only does this procedure tie up much more capital than writ- Austrian music has gradually been losing its last bastion, i.e. being played on local stations. The Electric Avenue ing music on a sheet of paper, it also requires an expensive of the Museumsquartier in Vienna is the last reserve of infrastructure made up of distributors, logistics centers and Austropop. Neither played on the radio nor shown on TV, communications and marketing departments. Ironically that wistfully remembered by the press, 3,000 songs written in also put an end to Austria being internationally regarded Austria are stored near the small shops of designers and as a country of music for the time being. As soon as music 182

Foto / photo: Campus Verlag; Aufl age: 1 (September 2004)

THE LIBERTY OF SMALL MARKETS


music Tim Renner

If these examples of Austrian success, which by the way artists. This collective memorial to creativity is not only have originated more than ten years ago, are not to remain stored on records and tapes but also digitally on hard disk. the laudable exception, an adequate global distribution of Thus everybody can have a CD burnt of gems long since local music is necessary, apart from the communication unavailable in stores. Ironically the trend that threatens to that takes on a life of its own first in clubs, then on Internet pull the plug on the music industry elsewhere helps music radio stations and in blogs. In the past DJs managed with survive here, funded by departure. Digitalizing saves money, white labels, vinyl records without a label, that were sold in makes procedures more simple and therefore most of all special stores for DJs. International distribution worked well promotes niches. Media scholars and economists call this because of the high degree of specialization on a clientele the “Long Tail”: a lot of little things are communicated, reand the small number of outlets to attend, but only a small sulting in a great deal of big digital business. niche in the music scene was able to profit from that. On Music is decoupled from big global companies by consumthe Internet this door is suddenly open to everyone. Indeers taking things into their own hands with burnt CDs, mopendent music, e.g. the kind of jazz offered by labels such bile MP3 files or music they record themselves—a great as Material Records, can find its way to the world market chance for small markets, which had previously been at a disadvantage. Felix Austria: for the first time since the age of more easily through digital networks and offers. It gets even Haydn, Schubert, Mozart and Liszt something like equal mu- simpler if it’s no longer about moving physical objects such as CDs or vinyl records. Digital download truly creates a sical opportunities are arising. In the mid-1990s Kruder und world without limits. When the digital distributor SoulseducDorfmeister already became aware of that. They were the tion.com from Vienna offers his labels’ and artists’ music on first Austrians after the late Falco to be internationally sucthe Internet, the offer is automatically an international one. cessful as pop stars. No wonder, their music is electronic The economic risk of limiting oneself to the Austrian market and therefore digital, as is the music of their follow-up projdisappears. Moreover so-called aggregators such as Ordis ects successful all over the world like Tosca, Voom:Voom, make sure that download shops from all over the world can Peace Orchestra and Richard Dorfmeister con Madrid de offer Austrian music right from the start. Other than record los Austrias. No matter if it is trip hop or downbeat, if supstores in the past iTunes, Napster etc. have no inventory risk port comes from Rupert Huber or Fauna Flash, recordings any more. If someone collects the recordings of many small are primarily made with the help of modern technologies, providers and thus makes administration easier for the big rendering artists independent of big studios with their arplatforms, an agreement will quickly be reached and songs ray of expensive equipment. On the contrary present-day from all over the world will become part of their repertoire. musicians mostly work at home. If anything at all is done Those who specialize can moreover establish an internationin a professional studio, it is only the recording of acoustic al shop of their own. Vienna-based Zero Inch provides tracks instruments (mostly percussion and voice) and the mixing at a high resolution and a correspondingly high quality that with your own Pro Tools tracks. Small, highly specialized reare hardly to be found elsewhere. In this field a niche for cording studios can cope with this development, big studios DJs, which is catered to from Austria, came into existence go bankrupt. Small countries were used to small producbeside the big providers. All these new distribution channels tion budgets and the need to improvise. Suddenly that has represent new chances, and all of them were supported by turned into an advantage. departure. Strictly speaking any customary PC with software for editDigitalization has led to a marginalization of the core maring music is sufficient as a home studio nowadays. If you kets in the field of music, both as far as origin and as far are ready to spend 1,500 to 2,000 euros, you are with it, no as form (distribution on storage media) is concerned. This matter if you live in a small town, in a village, in Vienna or in Manhattan. No one has to wait any more for financial support downswing however has liberated small markets. Sources of income such as international music licensing, which the by the few contracts signed by international record labels in countries such as Austria. The cost reduction achieved company Couch goes about independently, while the coopthrough digitalization results in a new independence for creeration Klein/Miooow/Universal does so combining an inative minds. That is true for production as well as communidie and a major company, licensing of synchronization rights cation. DJs were the first to realize that. They paved each oth- for films and advertisements as carried out by sync-rights. er’s ways, as they kept separating parts of other DJs’ existing com, using music as a functional background to enhance tracks by means of computer technology and incorporated people’s moods as offered by Mooddesigner or audio-identhem into their own sets in the clubs in the evenings. Since tity or even using music in a medical context, for healing, the almost global techno wave of the early 1990s at the latest, as promoted by Sanoson, all that needs to be utilized on a they have been establishing a means of communicating new global scale for the benefit of local musicians—not only but developments that no longer takes place in the established in particular with Austria or Vienna as the point of origin. Tobroadcasting media. DJs as collage artists do not care where day it is easier than ever for Haydn, Schubert, Mozart and their material comes from, which label it was published by— Liszt. On www.music2print.at people from all over the world the main thing is that it fits into their program. All of a sudden can print scores, so let us take advantage of the digital rethe stars of the dance scene also came from countries like naissance and not be afraid of the revolutions in the music Belgium, Finland, Denmark and Germany, the Anglo-Ameribusiness! can dominance was over. That was one of the prerequisites for the global triumph of Kruder und Dorfmeister. (1)

In 1998 Shawn Fanning developed Napster, the first popular peer-to-peer filesharing platform.

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Musik Archiv

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Acoustic Medicine (1)

Couch Records & Officer (2)

Projekteinreicher / project applicant: Sanoson GmbH Projekt / project: Acoustic Medicine Programm / program: C/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 178.664 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Couch Records Music Production GmbH Projektpartner / project partner: OFFICER Business Software Solutions GmbH Projekt / project: Verkürzung der Exportwege von Tonträgern / shortening the export routes of sound storage media Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 177.903 EUR

Währinger Straße 115/19 1180 Wien kontakt@sanoson.at www.sanoson.at

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Couch Records Music Production GmbH Lindengasse 25/16 1070 Wien office@couchrecords.com www.couchrecords.com OFFICER Business Software Solutions GmbH Lindengasse 25/16 1070 Wien rudi@officer.de www.officer.de

Couch Music Publishing (3) Projekteinreicher / project applicant: Couch Music Publishing GmbH Projekt / project: Aktive Musik-WerkeVermarktung / active marketing of musical works Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 44.242 EUR Lindengasse 25 1070 Wien office@couchrecords.com www.couchmusicpublishing.com

Fotos / photos: Roland Ferrigato (2, 4, 5, 6, 7)

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music archive

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crack shop (4) Projekteinreicher / project applicant: cracked anegg records keg Projekt / project: crack shop Programm / program: F/0502 Gesamtfördersumme / total funding: 22.606 EUR Landgutgasse 37/19 1100 Wien office@crackedanegg.com www.crackshop.at

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Daniel Hantigk (5)

Jürgen Bauer (6)

Projekteinreicher / project applicant: Daniel Hantigk / Chatchapeau Projekt / project: N.T.O. – neue Vertriebswege für Musik / N.T.O.—new distribution channels for music Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 19.716 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Jürgen Bauer KEG Projekt / project: audio-identity Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 34.331 EUR

Porzellangasse 48/14 1090 Wien info@chatchapeau.com www.chatchapeau.com

Sprengersteig 21 1160 Wien office@audio-identity.at www.audio-identity.at

Kairos (7) Projekteinreicher / project applicant: Kairos Musikproduktions GmbH Projekt / project: Produktion, Vermittlung neuer Musik / production, promotion of new music Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 37.500 EUR Feldgasse 21 1080 Wien kairos@kairos-music.com www.kairos-music.com

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Musik Archiv

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Karate Joe (8) Projekteinreicher / project applicant: Robert Pinzolits Projekt / project: Allocat Offices Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 25.640 EUR Zieglergasse 68/ Top 8 1070 Wien info@kjrec.com www.karate-joe.com

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Klein Records, Universal Music & MIOOOW (9) Projekteinreicher / project applicant: Christian Dvorak GmbH & Co KEG Partner / partner: Universal Music Austria GmbH, Wolfgang Mitter – MIOOOW Projekt / project: Internationale Exportinitiative für den Musikstandort Wien / international export initiative for the music location Vienna Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 201.384 EUR

Christian Dvorak GmbH & Co KEG Siebensterngasse 19/1/3 1070 Wien info@kleinrecords.com www.kleinrecords.com Universal Music Austria GmbH Schwarzenbergplatz 2 1010 Wien kontakt@umusic.com www.universalmusic.at Wolfgang Mitter – MIOOOW Spittelauer Lände 7/8 1090 Wien booking@miooow.com www.miooow.com

Ludwig Doblinger (10) Projekteinreicher / project applicant: Ludwig Doblinger (Bernhard Herzmansky) KG Projekt / project: music2print.at Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Dorotheergasse 10 1010 Wien music@doblinger.at www.doblinger.at

Fotos / photos: Roland Ferrigato (8, 9, 10, 11, 12, 13)

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Mario Rossori (11)

material records (12)

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Projekteinreicher / project applicant: Rossori Music & Event GmbH Projekt / project: Sync-rights.com Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Wolfgang Muthspiel / material records Projekt / project: Maßnahmen zur Internationalisierung / internationalization measures Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 83.997 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Mooddesigner KG Projekt / project: MoodDesigner Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 45.885 EUR

Lainzerstr. 11/12 1130 Wien office@poppate.com www.poppate.com

Am Hundsturm 7/10 1050 Wien office@mooddesigner.com www.mooddesigner.com

Kleine Neugasse 4/6 1040 Wien office@materialrecords.com www.materialrecords.com

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Musik Archiv

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Projekteinreicher / project applicant: Monkey Music, Gröbchen & Partner OEG Partner / partner: Exozet Neue Medien Produktion Wien GmbH, SR-Archiv österreichischer Popularmusik Projekt / project: musiktank.at Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 64.130 EUR Monkey Music, Gröbchen & Partner OEG Hermanngasse 18/3 1070 Wien office@monkeybusiness.at www.monkeybusiness.at

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Exozet Neue Medien Produktion Wien GmbH Hermanngasse 18/3 1070 Wien wien@exozet.com www.exozet.com SR-Archiv Museumsplatz 1/5 1070 Wien office@sra.at www.sra.at

ORDIS (15) Projekteinreicher / project applicant: ORDIS GnbR Projekt / project: ORDIS Online Music Retail Distribution Service Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Goldeggasse 1-3/10 1040 Wien office@dorfmeister.at www.dorfmeister.at

soulseduction (16) Projekteinreicher / project applicant: soulseduction.com GmbH Projekt / project: Erweiterung von soulseduction.com um einen Downloadshop / expansion of soulseduction.com by download shop Programm / program: music to sell Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Zur Spinnerin 19 1010 Wien bizdev@soulseduction.com www.soulseduction.com

Fotos / photos: Roland Ferrigato (14, 15, 16, 17)

Musiktank (14)


music archive

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TRUST (17) Projekteinreicher / project applicant: Georg Lauteren / TRUST Projekt / project: ZERO INCH Programm / program: F/0501 Gesamtfรถrdersumme / total funding: 16.667 EUR Franzensgasse 6 1050 Wien trust@trust.at www.trust.at

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M U LT I M E D I A M U L T I M E D I A


MULTIMEDIA / M U LT I M E D I A

E S S AY / E S S AY Christoph p Sattler The Land of „For Free!“ / The land of “for free!” (192)

PROJEKTE / PROJECTS 7 Million Weg von Gewalt / No more violence (196) Fancity Begeisterung teilen können / Enabling fans to share their enthusiasm (200) filmtiki Der Überschmäh aus Übersee / The Tiki Trick (204) FragEgg Titel müssen her / We need champions (208) Grassfish Dynamische Daten / Dynamic data (212) Greentube An der lila Bande scharf rechts rein / Make a sharp right at the purple banner (215) ovos realtime 3D Wozu Schwerkraft, wenn man fliegen kann / No need for gravity if you can fly (219) p plato go Kater sucht Katze / Tomcat seeks she-cat (223)

PLAY.FM Am Tümpel im Jahr der Ratte stand ein ratloser Chinese / At a puddle in the year of the rat there was a Chinese completely at a loss (227) VMS Machen Räume lebendig / They liven up rooms (232) WriteFlow Sammeln, speichern, wiederfinden / Collect, store, retrieve (236) Xendex Einen Knopfdruck weg vom Fun / Fun at the push of a button (240) yasssu Der Tod ist ein Handy auf einem Pferd / Death is a mobile phone on a horse (244) And Yet It Moves (248) ZONE (248) Webducation (249) La Gentz (249)

ARCHIV / ARCHIVE Conceptual p Art Technologies (250) Cross-Cultural (250) Information System y FOX & p pooool (250) (251) Image Eye-Luetke y Men on the Moon, NOUS Wissensmanagement & NOUS Trade (251) Mozartradio (252) Papermint p 3D Society (252)

Screenmaster (252) Spendenfl p uss.at (253) Sproin p g Interactive Media (253) Tag Your City (253) Tupalo p (253) Virtual Photo (254) VMS (254) uma information technology (254) Graf Moser (255) Rochus Park (255)


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Christoph Sattler

THE LAND OF „FOR FREE!“ … O D E R WA R U M F Ü R A L L E S WA S G R A T I S I S T, I R G E N DW E R E I N E N P R E I S B E Z A H L T.

(d) Unruhe macht sich breit im digitalen Dorf, dessen rasante Denn wenn nichts von all dem, was zur Auswahl steht, etwas kostet, worin liegt dann der spezifische Wert Erfolgsstory auf zwei fundamentalen Prinzipien beruht, die dessen, für das man sich entscheidet? längst auch das Regelwerk traditioneller Märkte auf den Mit Geld lässt sich dieser Wert jedenfalls nicht mehr beKopf stellen: Überfluss. For Free! messen. Vielmehr wird „For Free“ in den Augen der KonWas wie das Paradies auf Erden klingt, sorgt bei Anbiesumenten zur Selbstverständlichkeit und Voraussetzung tern wie Konsumenten zunehmend für Katerstimmung. dafür, trotz wachsender UnsiDenn „Überfluss. For Free!“ löst cherheit dennoch nach etwas zu das allseits bekannte Prinzip der ÜBER FLUSS greifen, um es gegebenenfalls Knappheit keineswegs auf. Im schneller als sonst in den digitaGegenteil, es verschiebt sich nur: „Bits co-mingle effortlessly“, schrieb der amerikanische len Mülleimer zu befördern. von den Unternehmen auf die Informatiker und Mitbegründer der „One Laptop per Konsumenten. Das heißt vom Child“-Initiative Nicholas Negroponte 1995 in seinem Gratis ist am Vormarsch Angebot auf die Nachfrage. Bestseller „Being Digital“. Für Anbieter sind die verkürzTechnologisch gesehen gibt es keinen Unterschied in der Verarbeitung eines Rock-Songs, eines Telefonanrufs, ten Product-Life-Cycles, die sich Die neue Knappheit eines Buches, eines TV-Programmes, einer Grafik oder aus „Überfluss. For Free!“ ergeImmer mehr Konsumenten reaeiner Einkaufsliste. Alles kann digitalisiert werden. Und ben allerdings das kleinste Prolisieren, dass sie nur noch einen alles, was digitalisiert werden kann, kann auf jeder blem. Schwerer wiegt, dass sie Bruchteil der zur Verfügung stedigitalen Schnittstelle präsentiert und über dasselbe sich vom Direct-Charge-Modell henden Medien, Services, Inhalte Netzwerk oder in ein anderes übertragen werden. und Produkte überhaupt wahrAuf Handys spielen ist genauso wenig ein Problem, wie pro verkaufter Einheit, dessen mit einer Gamekonsole einen Business Call zu machen. Effizienz ein Grundpfeiler der Old nehmen, und selbst davon nur Ob sich Handys daher gegenüber Gamekonsolen durch- Economy war, verabschieden einen marginalen Prozentsatz setzen werden, bleibt ebenso offen, wie die Frage, ob müssen. nutzen können. wir in Zukunft auf dümmeren Computern oder klügeren Im Web-Publishing ist dieser Dadurch entsteht Unsicherheit, Fernsehern Mickey Maus ansehen. was in welchem Moment für wen Das Resultat bleibt dasselbe: ein quantitatives Wachstum Prozess beinahe zur Gänze volldas Beste ist. In Einzelfällen führt inhaltlich immer unterschiedlicherer digitaler Medien, zogen. Rein webbasierte NewsProdukte und Services. Durch ihre Ausbreitung und Services wie The Huffington der Entscheidungsdruck, etwas Bestimmtes aus allem Möglichen ihre Allgegenwart, die sich beispielsweise mit WiFi- und Post und Blogs wie Boing Boing Mobilfunklösungen ergeben, entsteht die Möglichkeit, auswählen zu „müssen“, sogar Medien, Produkte und Services überall, zu jeder Zeit und gaben den Trend vor. E-Papers und online Versionen von Magadazu, dass sie im Endeffekt zunehmend parallel oder in Verbindung miteinander zu nichts auswählen, oder in der nutzen, zu archivieren, zu kommentieren, zu rekombinie- zinen und Zeitungen folgen dem ren und wieder in Umlauf zu bringen – ohne dabei selbst Druck und sind inzwischen fast Summe weniger als früher. irgendetwas von dem, was man hat, weggeben zu müssen. gänzlich werbefinanziert. Der „Auswahl-Paralyse“ nennt der Preis dafür? Zukünftig geht es amerikanische Psychologe Barry Denn Bits werden nicht schlecht. bei der Auswahl der Storys poSchwartz diesen Extremfall eiEs werden nur mehr. tenziell nicht nur um relevante nes Phänomens, bei dem Kunden Mit jedem Click. Information aus Sicht der Leser, angesichts des Überflusses an Ablaufdatum: Unbegrenzt. die Aufklärung erwarten. Da sie Alternativen sich nicht darüber dafür nichts mehr bezahlen, tritt freuen, was sie ausgewählt hain den Redaktionen die Loyalität zu den Werbern in den ben, sondern dem nachhängen, was sie dafür nicht haben Mittelpunkt. Diese erwarten, dieselben Leser mit positikönnen, weil die Zeit fehlt, es auch noch zu nutzen. ven Botschaften in einem idealen Medienumfeld optimal Es mag ironisch klingen oder nicht: Das Prinzip „For Free“ erreichen zu können. Was sich dadurch verändert, bleibt löst diesen Konflikt nur selten auf. Gratis gibt dem zu beobachten. „Consumer´s Dilemma“ vielmehr eine zusätzliche Note: 192


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immer schwieriger zu verstehen, warum die digitale Welt Im Musik -, Games- und Software-Bereich läuft der Übergang ebenfalls auf Hochtouren. Permanente Hinweise auf „For Free“ ist, die reale aber nicht – nicht zuletzt deshalb, weil sich nicht wenige unter Urheberrechtsverletzungen 30-Jährige von der digitalen inklusive der digitalen PlanFOR FR EE! Welt inzwischen besser verquadrate, mit denen Konsustanden fühlen, als von der menten zwischendurch ver„Everything digital technology touches starts down the realen. schreckt werden, werden die path to gratis.“ – Das ist die zentrale Aussage von „Long Und was spricht schon daEntwicklung nicht aufhalten, Tail“-Autor Chris Anderson in der Titelstory der März-08gegen, das Hühnerfilet „For sondern nur verzögern. Über Ausgabe des amerikanischen Magazins „Wired“. Free“ über die Supermarktkurz oder lang wird minDenn so wie Moore’s Law diktiert, dass jede Prozessorkasse gehen zu lassen, wenn destens die Basis-Version Einheit alle 18 Monate nur noch die Hälfte ihres ursprünglichen Preises kostet, gilt: Der Preis für Bandbreiman dazu nicht den Seeleneines Albums, eines Spiels te und Speicherplatz sinkt noch schneller. Damit weisen tröster aus Hernals, sondern oder eines Programms „For alle Kosten für die Verarbeitung und Reproduktion, nicht den Cabernet Sauvignon mit Free“ sein. Wichtiger denn je aber für die Kreation, Idee und Entwicklung, von digitaGoldmedaille auf das Förderwird deshalb sein, dass das len Produkten in dieselbe Richtung: gegen null. band legt? Geld, das viele KonsumenOder haben sie noch keine Website oder wenigstens einen Email-Account mit unlimitiertem Speicherplatz? ten trotzdem dafür bezahlen, Beides gibt es. Und beides ist inzwischen gratis. Wenn gratis ist, was sie auch tatsächlich in den TaDas ist der Grund, warum sich in der Digital Economy biswollen, werden sie gratis schen der jeweiligen Artists lang alles um Skalierbarkeit dreht. Skalierbarkeit heißt: kriegen. und Produzenten landet, und Wie bringe ich Konsumenten dazu, auf zentrale RessourLetztlich ist es Zeit, sich auf nicht anderswo. cen zuzugreifen, um die Kosten der Investition auf ein ein Naturgesetz aller Märkte größeres Publikum zu verteilen, während die Ressourcen selbst kontinuierlich an Wert verlieren? zu besinnen – jenes, das immer Bedrohlich sieht es für TelFor Free heißt: Es geht nicht länger darum, was Equipstärker sein wird als „Übercos aus. Zwar hat jeder ment kostet, sondern darum, was man damit tun kann. fluss. For Free!“. Es lautet: zweite Mensch auf der Welt Was die Konsumenten wollen, ein Handy, für das er zahlt. For Free heißt aber auch: werden sie am Ende auch Allerdings werden die User Für alles, was es gratis gibt, bekommen. Und wenn es immer aufmerksamer darauf, wird irgendjemand einen Preis bezahlen. gratis ist, was sie haben hinter welchem Billig-Angewollen, werden sie gratis bot versteckte Gebühren kriegen. Früher oder später. stecken. Hinzu kommt: In WER WIRD DAFÜR Anbietern und Produzenten dem Maß, in dem sich alvon Services und Produkten ternative NetzwerktechBEZAHLEN? aller Art wird gar nichts annologien wie offene WiFis, deres übrig bleiben, als sich Applikationen wie Skype Werbeagenturen und Sponsoren – mit großem Potenzial zunehmend nach anderen oder Googles Gratistelenach oben, bedenkt man, dass 50 % aller Kunden von einem neuen Produkt online zuerst erfahren, aber nur 10 % Revenue-Quellen umzusehen. fonauskunft GOOG-114 aller Werbebudgets in Onlinewerbung fließen. Das Direct-Charge-Modell durchsetzen und weiter Die Anbieter selbst – weil sie durch die User, die ihr Grawird damit nicht untergehen, entwickelt werden, geht tisprodukt nutzen, ihre Bezahlservices aufwerten. aber es wird eines von vielen die Reise auch im MobilDie Nutzer von Gratisprodukten, die auf die Premiumwerden. Die First Mover, funk unaufhaltsam ins Version umsteigen wollen. Die Nutzer von Gratisprodukten – über den Kauf zusätzlidie das als erstes begreifen – „Land of ‚For Free‘ “! Mittelcher Produkte, die mit dem Gratisprodukt nichts unmitauch das zeigen Marktanalyfristig stellt dies die aktuell telbar zu tun haben – z.B. Games am Handy, Collectorssen – werden dabei einen entbereits eng kalkulierten TaItems als DVD oder Musik-LP, Getränke und Sitzplatzwahl scheidenden Wettbewerbsrifsysteme der Telcos und im Gratisflug. vorteil haben, v.a. wenn ihr somit das zentrale Busiund neues Label „For Free“ heißen ness-Modell der Branche In einem von 100 Fällen – die Nutzer von Gratisprodukten für das Gratisprodukt selbst, damit es überhaupt da ist, wird. in Frage. oder damit 99 andere es ebenfalls nutzen können, weil Vorraussetzung für den Erfolg es dadurch besser wird. (1) ist allerdings, dass KonsuÄhnliche Irritationen lassen sich am E-Commercementen das, was sie anbieDie Alternative: Man stellt etwas „For Free“ zur VerfüSektor beobachten, über ten, nutzen. Diese Herausforgung, ohne auf Revenue zu hoffen, da es tatsächlich noch den „Überfluss. For Free!“ derung bleibt groß genug: größere Werte als Geld gibt. – Bsp.: Wikipedia nach und nach auch in urAllein im Web 2.0 ist 2008 sprünglich physisch, und nicht einmal eines von 100 damit vom Direct-Charge-Modell dominierte Produkt- und neuen Services kommerziell erfolgreich … obwohl sie alle Retail-Märkte eindringt. Für die neuen Konsumenten, die gratis sind. online genauso aufgewachsen sind wie offline, wird es

(1)

z.B.: ein Musikserver

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Christoph Sattler

THE LAND OF “FOR FREE!” … O R W H Y S O M E O N E H A S T O PA Y FOR THE THINGS W E GET FOR FR EE.

(e) Uneasiness is spreading in the digital village whose mewhat they don’t have, and feel miserable because they don’t have the time to use that, too. teoric success story is based on two fundamental principles It may sound ironic or not: the “for free” principle has rarely that turn the rules and standards of traditional markets upsolved this conflict; it rather adds to the consumer’s dilemma: side down: Abundance. For free! if nothing of the things you may choose from costs anything, What sounds like heaven on earth is increasingly worrywhat is the specific value of the things you actually choose? ing both providers and consumers. Because “Abundance. This value, however, canFor free!“ does by no means not be measured in terms of resolve the generally known A B U N D A N C E money. “For free!” is taken principle of shortage. On the for granted by the consumcontrary, it just shifts: from “Bits co-mingle effortlessly”, wrote American computer scientist and ers and it is a precondition the entrepreneur to the concofounder of the “One Laptop per Child” initiative Nicholas Negrofor just taking something desumer, which means from ofponte in 1995 in his bestseller “Being Digital”. spite growing uncertainty to fer to demand. From a technological point of view there is no difference in the processing of rock songs, phone calls, books, TV programs, charts quickly put it into the digital or shopping lists. You can digitalize everything. And anything that’s garbage can if necessary. The new shortage An increasing number of con- available in digital format can be presented on any digital interface, it can be transmitted via the same network or to another one. sumers realize that they noPlaying games on cell phones? Making business calls with game con- For free is spreading tice only a fraction of all availsoles? No problem! It remains to be seen whether cell phones will For providers the reduced able media, services, contents prevail over game consoles, or if in the future we will be watching product life cycles resulting Mickey Mouse on less clever computers or more intelligent TV sets. from “Abundance. For free!” and products, and that they can utilize only a marginal per- The result remains the same: a quantitative growth of digital media, are only a minor problem. products and services with increasingly different contents. Their What is more serious is the centage of it. spreading and omnipresence e.g. through WiFi and solutions for Uncertainty is the consecell phones makes it possible to use, archive, comment, recombine fact that they will have to say quence. What is best for whom and recirculate media, products and services anywhere at any time goodbye to the direct charge and when? In some cases this and—increasingly—in parallel, without, however, giving away anything model per entity sold whose of their own. efficiency used to be one of pressure to decide what to the pillars of the old economy. choose from the offer leads to Because bits don’t perish. In web publishing this procthe fact that finally, nothing is They just multiply. With each click. ess has almost entirely been chosen at all, or at least less Expiration date: unlimited. completed. Strictly webthan in the past. based news services like “Choice paralysis“, this is what American psychologist Barry Schwartz calls this extreme case The Huffington Post and blogs like Boing Boing have set the trend. E-papers and online versions of magazines and newsof a phenomenon where due to an abundance of alternatives papers give in to the pressure; today they are nearly comcustomers are not happy with what they chose, they long for 194


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Similar confusion reigns in the e-commerce sector through pletely financed through advertising. The price for it? The which “Abundance. For free!“ is by and by entering the origidecision which stories to publish will not mainly be based nally physical product and reon the information providtail markets dominated by the ed to the readers who want FOR FR EE! direct charge model. facts. As they don’t pay anyFor the new consumers who more for this information edi“Everything digital technology touches starts down the path to grew up both online and offtors owe their loyalty to the gratis.“—That’s the central statement of “Long Tail” author Chris line it is increasingly hard to advertisers who expect to optimally reach exactly these Anderson in the cover story of the March 08 issue of the American understand why the digital magazine “Wired”. Just as Moore’s law dictates that each processor readers with their positive unit costs only half of its original price every 18 months the following world is for free, and the real one isn’t—not least because messages in an ideal media is true: the prices for bandwidth and storage capacity are going environment. We will have to down even faster. The costs for processing and production—but not many of those under 30 are for creation, idea and development—follow the same trend: towards more at home in the digital see which changes this will zero. You don’t have a website yet? Or at least an e-mail account with world than in the real one. entail. unlimited storage capacity? You can have both. And today you can In the fields of music, games even have it for free. And for this reason the digital economy focuses There is no reason why the and software this process is on scalability. Scalability means: how do I make consumers use in full swing, too. Permanent central resources in order to distribute the investment costs among a chicken fillet shouldn’t be larger public while the resources themselves are constantly losing in available for free in the superwarnings regarding copyright infringements including value? For free means: the question no longer is what the equipment market when you buy a Gold costs but what you can do with it. Medal awarded Cabernet Sautargeted digital searches to vignon with it instead of some identify such infringements— But for free also means: low-priced product. and thus regularly terrifying someone will have to pay for all consumers—will not stop this that’s available for free. If for free is what they development but just slow it want, for free is what they down. W H O W I L L PA Y get. Sooner or later at least the Finally, it’s time to recollect a basic version of an album, FOR THIS? natural law of all markets—one game or program will be available for free. It will thus Advertising agencies and sponsors—with a large upward potential if that will always be stronger be more important than ever you consider that 50 percent of all customers first learn about a new than “Abundance. For free!”: product online while only 10 percent of all advertising budgets are the consumers will finally get that the individual artist and used for online advertising; what they want. And if for free producer—and nobody else— The providers themselves—because they upgrade their payment is what they want, for free is actually receives the money services through the users of their free products; what they get. Sooner or later. that many consumers will The users of free products who want to switch to a premium version; nonetheless have to pay. The users of free products—by purchasing additional products that Providers and producers of services and products of evare not directly connected with the free product—e.g. cell phone Things don’t look so good for games, collector’s items in the form of DVD or vinyl, drinks and seat ery description won’t have selection for a flight that is for free any choice than look for other telcos. True, every second and revenue sources. The direct inhabitant of this world owns In one of 100 cases—the users of free products actually pay for these charge model will not disapa cell phone and pays for it, free products to make them available or to allow 99 others to use pear but it will just be one of but the users are increasingly them, too, and thus to improve their quality. (1) many. According to market attentive regarding bargain The alternative: you provide something for free without any hope of analyses those who react first offers and possible hidden revenue, because there actually are things that have a greater value to this development will have fees. And: the more alternathan money.—Example: Wikipedia a decisive competitive advantive network technologies tage, above all if their new lalike open WiFis, or applicabel is called “for free”. tions like Skype or Google’s A key condition for their success is, however, that the confree directory enquiry service GOOG-114 gain acceptance sumers use what they offer, and that’s quite a challenge: the more the cellular business is heading towards the “land not even one of 100 new Web 2.0 services was commerof ‘for free’ ” as well. In the medium term this calls the tightly calculated tariff systems of the telcos in question and thus cially successful in 2008 … although they are all available for free. the core business model of this branch of industry.

(1)

e.g.: a music server

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Multimedia 7Million

7MILLION Weg von Gewalt No more violence von/by: Karin Pollack

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(d) Zwei Firmen tun sich zusammen und entwickeln gemeinsam ein Online-Spiel. Auf der einen Seite die Mannschaft des Team Vienna, das sind der technische Leiter Markus Hajek (34), der Designer Kaweh Kazemi (36) und der Art-Director Peter Pisarik (35), auf der anderen Seite der Mann, der die Projektleitung und die Kommunikation nach außen übernimmt: Michael Paeck (30) von Cliffhanger Productions. Zusammen firmieren sie unter Project L&G Productions. Ihr gemeinsames Projekt heißt 7Million.

Ihr seid nur Männer. Arbeiten in der Gaming-Szene keine Frauen? Kazemi: Wir sind alle seit langer Zeit in der Spiele-Entwicklung tätig, über die Jahre in verschiedenen Firmen. Wir von Team Vienna haben früher bei Rockstar Games gearbeitet, ich kenne Michael Paeck von einem Projekt bei Neo Software. Wir kennen so ziemlich die ganze Szene und können sagen: In unserer Branche sind leider noch immer zu wenig Frauen aktiv. Hajek: Und wenn es sie gäbe, hätten wir sie wahrscheinlich auch engagiert. Dabei gibt es immer mehr Mädchen und Frauen, die


multimedia 7Million

spielen. Wir haben uns deshalb auch ganz dezidiert das Ziel gesetzt, für Userinnen zu entwickeln. Wir beraten uns jetzt schon mit Plattformen wie Womansgamer.com oder bitten unsere Freundinnen, Dinge für uns zu testen. Spielen Frauen anders als Männer? Kazemi: Definitiv, sie kooperieren mehr miteinander, sind effizienter im Aufbau von Netzwerken, haben Lebenswelten gerne, die es in der Kombination in der Realität nicht gibt. Hajek: Und Gewalt als Spielmechanismus interessiert sie wesentlich weniger als Männer.

Gibt es Gewalt in eurem Spiel? Hajek: Nein, wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, weil wir lange genug gewalttätige Spiele bei Rockstar Games entwickelt haben. Wir wollten weg von der Gewalt. Kazemi: Keine Gewalt, aber maximales Entertainment ist unsere Devise. Ganz zu Beginn unserer Arbeit im Herbst 2007 war uns der Film „Ocean’s Eleven“ eine Inspiration, denn die Idee funktioniert auch beim Spiel gut: Eine Gruppe von coolen Typen plant Einbrüche und muss zahlreiche Hürden überwinden. Auch der Film „Der Clou“ mit Paul Newman und Robert

Redford war ein Vorbild. Es gibt Lifestyle, Humor, sogar Glamour. In so einer Szenerie ist 7Million angesiedelt. Hajek: 7Million übernimmt die positiven Aspekte von Casual Games. Was ist ein Casual Game? Hajek: Das sind einfache, gewaltfreie Spiele, die oft online gespielt werden, und die jeder schnell versteht. Die bekanntesten sind „Tetris“ oder „Bejewelled“. Pisarik: Im Vergleich zu Konsolen- oder PC-Spielen sind solche Games auch nicht so hyperrealistisch. Im Gegenteil: 7Million trägt leicht comichafte Züge. Es soll vor allem lustig sein.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Project L&C Production GmbH & Co OG Projekt / project: 7Million, Entwickelung des weltweit ersten Casual Massive Multiplayer Games und der dafür nötigen Technologieplattform / 7Million, development of the first casual massive multiplayer game worldwide and the necessary technology platform Programm / program: C/0703 Gesamtfördersumme / total funding: 200.000 EUR Margaretenstraße 137/12-13 1050 Wien office@teamvienna.at www.teamvienna.at

1 Virtuelle Welten von 7Million, einem Multilplayer-Game. Die Filme „Ocean’s 11“ und „Der Clou“ standen Pate für das Konzept. Virtual worlds from 7Million, a multi-player game. The concept was modeled on the films “Ocean’s 11” and “The Sting” 1

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Multimedia 7Million

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Unsere Helden sind knuffig, könnte man sagen. Kazemi: Aber nicht kindisch. Paeck: Wir lassen uns unter anderem auch von den „Sopranos“ inspirieren. Schwarzer Humor, ein bisschen zynisch. Hajek: Und manchmal sind sogar unsere Programmierer witzig und haben gute Ideen. Paeck: Auf alle Fälle soll 7Million unterhaltsam sein. Wir wissen zum Beispiel aus Untersuchungen zu OnlineSpielen, dass viele in der Mittagspause zur Entspannung eine halbe Stunde spielen. Wir wollen 18- bis 35-Jährige ansprechen. Und zu virtuellen Einbrechern machen? Paeck: Genau. In Südkorea, zum Beispiel, sind Online-Games eine Unterhaltung für die ganze Familie. Da gehen alle sonntags ins Cybercafé und spielen gemeinsam im Internet. Wie verdient man damit Geld? Paeck: Das Spiel ist prinzipiell gratis. Jeder kann spielen. Wer allerdings bestimmte Privilegien will, wird kleine Beträge zahlen müssen.

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Hajek: Dafür gibt es eine Vertiefung des Spielerlebnisses. Kleine Summen für mehr Spaß. Kazemi: Es wird aber auch die Möglichkeit geben, ein monatliches Abonnement zu nehmen, mit dem man sich ein Privilegien-Paket sichert. Eine andere wichtige Einnahmequelle sollen die Product Placements innerhalb des Spiels sein. In der Spiele-Industrie heißen sie In-Game-Advertisement. Und wann geht das Spiel online? Hajek: Angepeilt ist Ende des Jahres. Unser Ziel ist es, dass tausende User gleichzeitig online sein können. Das geht natürlich nur in Phasen. Im Herbst soll die Betaversion fertig sein und eine größere Gruppe soll alles ausprobieren. Es wird spannnend für uns sein, wie die User mit den Möglichkeiten, die wir ihnen bieten, umgehen. Je nachdem werden wir dann unser Spiel adaptieren. Paeck: In dem Moment, in dem wir wirklich online gehen, fängt die Arbeit auch erst richtig an. Wir werden unsere Community aufbauen, uns laufend um sie kümmern, ihnen stetig neue Features anbieten.

2 2 Peter Pisarek, Michael Paeck, Kaweh Kazemi, Markus Hajek (v.l.n.r.) Peter Pisarek, Michael Paeck, Kaweh Kazemi, Markus Hajek (f.l.t.r.)

Seid ihr selbst Gamer? Hajek: Klar. Ich spiele Strategie-Spiele, am liebsten immer noch „Civilization“. Paeck: „Guitar Hero“, eine Art Karaoke-Show. Warum sind Online-Spiele gut? Hajek: Es ist aktives Entertainment für mittlerweile viele Spielerinnen und Spieler. Es fördert die Kommunikation, bringt gemeinsame Erlebnisse, man lernt Englisch, wenn man will, und es ist mittlerweile eine sehr soziale Sache geworden. Kazemi: Manchmal ist es doch super, wenn man in eine andere Rolle schlüpfen kann. Es ist wie Theater spielen. Paeck: Und man lernt, Entscheidungen zu treffen. Je interessanter die Entscheidungen, umso komplexer das Spiel. So soll auch 7Million sein.

PRO FILE Die Project L&C Production GmbH & Co OG, ein gemeinsames Unternehmen der erfahrenen Software-Entwickler und Produzenten Team Vienna und Cliffhanger, beschäftigt sich mit der Entwicklung von innovativen Computerspielen für neue Zielgruppen. Das Spiel 7Million spricht besonders Erwachsene und weibliche Spieler an und fördert kooperatives Teamplay. Project L&C Production GmbH & Co OG, a joint enterprise of the experienced software developers and producers Team Vienna and Cliffhanger, deals with development of innovative computer games for new target groups. The game 7Million addresses above all grown-ups and female players and promotes cooperative team play.


multimedia 7Million

Sting“ with Paul Newman and Robert Redford. There is lifestyle, humor, even glamour. That’s the setting of 7Million. Hajek: 7Million unites all the positive aspects of casual games.

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(e) Two companies join forces to develop an online game: Team Vienna on the one hand consisting of technical manager Markus Hajek (34), designer Kaweh Kazemi (36) and art director Peter Pisarik (35), and on the other hand project and communication manager Michael Paeck (30) of Cliffhanger Productions. Together they operate under the name of Project L&C Productions. Their project is called 7Million. You are a group of men. Are there no women working in the gaming scene? Kazemi: We have been active in game development for many years and in various companies over the years. The Team Vienna staff once worked for Rockstar Games; I have met Michael Paeck during a project by Neo Software. So we basically all know each other and it’s a fact that there are too few women working in our branch of industry, unfortunately. Hajek: And if there were any, I’m sure they’d be working with us. But it’s also a fact that an increasing number of girls and women play

online games. One of our targets therefore is to develop games for female users. We are consulting with platforms such as Womansgamer.com and ask our girlfriends to test things for us. Is there a difference in the way women and men play? Kazemi: There certainly is. Women are more cooperative, and more efficient in building networks, they like social worlds that do not exist in real life. Hajek: And they are less interested in violence as a playing feature. Is there any violence in your games? Hajek: No, we expressly refrained from integrating violence in our games. We have long enough developed violent games with Rockstar Games. So, no more violence. Kazemi: No violence but maximum entertainment, that’s our motto. When we started working in fall 2007 we were much inspired by the movie “Ocean’s Eleven”. The idea also works for games: a group of cool guys is planning burglaries and has to overcome numerous hurdles. Another source of inspiration is the film “The

What is a casual game? Hajek: That’s a simple game without violence, often played online and easy to understand. The most wellknown are “Tetris“ or “Bejewelled“. Pisarik: And they are not as hyper-realistic as console or PC games. On the contrary: 7Million has rather comic-like characteristics. Above all we wanted it to be funny. You could say that our heroes are quite cuddly. Kazemi: But not childish. Paeck: We are also inspired by “The Sopranos“. Black humor, and a little cynical. Hajek: And sometimes even our programmers are funny and come up with some good ideas. Paeck: We want 7Million to be entertainment. Studies on online games have revealed that there are a lot of people who play 30 minutes in their lunch break to relax. Our target group is 18 to 35 years old.

package”. Another important source of income will be product placement, or in-game advertising as it is called in the games industry. As of when will the game be available online? Hajek: At the end of this year, that’s our intention. The idea is that thousands of users can be online at the same time. The beta versions should be ready in fall and subsequently be tested by a larger group of people. We are excited to know how the users will deal with the opportunities we offer them. Based on these tests we will modify our game. Paeck: The moment we go online, work really starts. We will build up our community, support it and continuously offer new features. Are you gamers yourselves? Hajek: Of course. I like strategy games, my favorite one still is “Civilization”. Paeck: “Guitar Hero”, a sort of karaoke show.

What’s so good about online games? Hajek: They are active entertainment for a great number of gamers. They promote communication, allow to experience things together, to And you turn them into virlearn English—if you want to. tual burglars? Paeck: Exactly, It has meanwhile become a in South Korea, for example, very social thing. online games are entertainKazemi: Sometimes it is rement for the whole family. ally cool to play different On Sundays they go to a cyroles. It’s like theater. ber café and play together Paeck: And you learn to on the Internet. make decisions. The more interesting the decision, the How do you earn money more complex the game. with that? Paeck: It’s a free That’s what we want game. Everybody can play it. 7Million to be. But who want to have some privileges will have to pay a small fee. Hajek: For a more intensive gaming experience. More fun for a little bit of money. Kazemi: But we will also offer a monthly subscription including a “privilege 199


Multimedia Fancity

FAN C IT Y Begeisterung teilen können Enabling fans to share their enthusiasm von/by: Karin Pollack

(d) Norbert Kathriner (40) ist ein alter Hase im Multimedia-Business. Seit 15 Jahren arbeitet er mit digitalen Medien, heute sei er ein Dinosaurier in diesem Geschäft, sagt er. Jung ist allerdings das 12-köpfige Team, das in der Agentur DMC 01 an der Web-Plattform Fancity arbeitet. All seine Mitarbeiter denken vernetzt, stellen eigene Inhalte ins Netz, tauschen und kommunizieren via Internet – die Generation Web 2.0 eben, sagt er. Als Projektleiter hält Kathriner nur die Fäden zusammen und schaut, dass das Projekt auf Schiene läuft. Was können ihre Mitarbeiter besser als sie selbst? Kathriner: Sie fühlen sich in Social Networks zu Hause, egal ob sie Designer, Grafiker, Programmierer oder Konzepter sind. Ich bin im Internet der ersten Generation, also dem Web 1.0, groß geworden. FaceBook, MySpace oder StudiVZ – das ist die neue Generation. Von wem kam die Idee für Fancity? Kathriner: Von Rudi Klausnitzer, der vor zwei Jahren in einem Brainstorming in der DMC meinte, dass Fans ganz generell im Internet einfach nicht auf ihre Rechnung kommen würden. Fans investieren 200

sehr viel Zeit in ihre Leidenschaft. Es fehlen aber Online-Angebote, die Fans brauchen würden, um zum Beispiel Communitys aufzubauen. Aber warum? Es gibt doch tausende Fan-Sites im Netz? Kathriner: Schon, aber sie alle sind keineswegs miteinander vernetzt. Zudem sind die meisten selbst gebastelt, vielleicht auch schon ein paar Jahre alt, werden manchmal auch nicht mehr gewartet. Und Social Websites wie Facebook, MySpace oder StudiVZ sind nicht für die Darstellung von Fan-Communitys geeignet. Was wird besser sein? Kathriner: Am besten erklärt sich Fancity immer über ein Beispiel. Stellen wir uns vor, ich bin Ronaldinho-Fan. Das bin ich übrigens auch wirklich. Ich will alles über diesen Fußballer wissen, alle Fakten zusammentragen. Ich will Fotos, Filme, Zitate. Will wissen, in welchen Matches er gespielt hat, wie viele Tore er wo und wie geschossen hat, wie seine Freundin heißt. Auf einer offiziellen Ronaldinho-Seite finde ich möglicherweise nicht alles, zudem würde ich gerne mit anderen Fans meine Begeisterung teilen, möchte mir Fotos, Bilder, Videos –

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auch mir unbekannte – von ihm anschauen. Das finde ich aber nirgendwo in dieser Zusammenstellung. Auf Fancity soll all das gesammelt werden. Für alle Fans dieser Welt? Kathriner: Im Grunde genommen schon. Egal, ob einer Fan von Ronaldinho, Britney Spears oder Reinhold Messner ist, die Bedürfnisse sind immer ähnlich und auf Fancity gibt es Werkzeuge, um nicht nur Inhalte schön aufzubereiten, sondern sich auch untereinander vernetzen zu können. Wir haben dafür eine eigene Plattform entwickelt, wollen der Provider der Fans werden. Und wer kümmert sich um die Inhalte? Kathriner: Na eben die Fans selbst. Es

kann auch auf Fancity viele unterschiedliche ParisHilton-Fanclubs geben, sie sind dort nur vernetzt. Welche Eigenschaften haben denn Fans gemeinsam? Kathriner: Das haben wir lange recherchiert. Prinzipiell sind Fans sozial höchst aktiv, auch kreativ, wollen ihre Begeisterung teilen. Interaktion in Fankulturen ist meist nur innerhalb kleinerer Gruppen Gleichgesinnter möglich. Deshalb sind Fans davon abhängig, mit jedem Mitglied ihrer Fangruppe enge Verbindungen einzugehen und sich intensiv untereinander austauschen zu können. Und wie soll mit dieser Plattform Geld verdient werden? Kathriner: Über Werbung, die Zielgruppen


multimedia Fancity

2 1 Norbert Kathriner, Projektleiter bei DMC Norbert Kathriner, DMC project manager 2 DMC-Büro mit Blick auf den Wiener Naschmarkt DMC office with a view of the Naschmarkt market Vienna

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spezifischer als auf anderen Websites platziert werden kann. Wir wissen aus Studien, dass User mit emotionaler Bindung zu InternetInhalten auch die Werbung doppelt so gut wie auf anderen Websites erfassen. In einer zweiten Ausbaustufe können dann andere Websites mit eingebunden werden – etwa Ticket-Verkauf vor Konzerten, Download von Musik oder Handel mit Devotionalien. Fans lassen sich ihre Leidenschaft immer auch einiges kosten. Warum entsteht Fancity gerade in einer Werbe-Agentur? Kathriner: Wir haben hier – allein schon handwerklich betrachtet – unheimlich viel Know-how. Im Alltag haben wir aber ungeheuren Druck, weil wir das Tagesgeschäft für unsere

Kunden erledigen müssen. Da bleibt für eigene Projekte wirklich wenig Zeit, zumal wenn sie so komplex wie Fancity sind. Die Förderung schafft uns den nötigen Spielraum. Und wie wird man als Ronaldinho-Fan in Burkina Faso auf Fancity aufmerksam? Kathriner: Mundpropaganda ist die beste Werbung, gerade unter Fans und gerade auch unter der Web-2.0-Generation, die viel kommunikativer ist, als man das als Internet-User der alten Schule vermuten würde. Wann geht Fancity online? Kathriner: Im Herbst sind wir soweit. Wir werden erst einmal eine Beta-Version ins Netz stellen und beobachten, welche Features

dort genutzt werden. Von FaceBook, der Website, auf der sich jeder nach Lust und Laune selbst darstellen kann, wissen wir, dass die User nur acht Prozent der Möglichkeiten auch aktiv nutzen. Insofern wird ab Herbst auch eine Art Work-in-progress zusammen mit den Usern beginnen. Das wird eine Entwicklung sein nach dem Motto: Sie wünschen, wir spielen. Die technische Plattform jedenfalls steht, die haben wir schon in einem Projekt erfolgreich ausprobieren können.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: DMC Design for Media and Communication GmbH Projekt / project: Fancity, Aufbau einer neuartigen, interaktiven und stark User-getriebenen Social-Network-Plattform / Fancity, development of a novel, interactive and strongly user-driven social network platform Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 108.025 EUR Linke Wienzeile 4/2 1060 Vienna office@dmc.at www.dmc.at

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Multimedia Fancity

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PRO FILE Die renommierte Fullservice-Design-Agentur DMC Design for Media and Communication GmbH schafft mit Fancity eine Webplattform für Fan Communitys. Fancity bietet die Möglichkeit, sich selbst und auch sein jeweiliges Idol anderen zu präsentieren und multimedial darzustellen. With Fancity the renowned full service design agency DMC Design for Media and Communication GmbH creates a web platform for fan communities. Fancity offers users the opportunity for a multimedia presentation of themselves and their idols.

(e) Norbert Kathriner (40) is an old stager in the multimedia business. He has been working with digital media for 15 years, now he is one of the dinosaurs in this field, as he says. However, he has a team of twelve young people working on the Web platform Fancity within the agency DMC 01. His whole staff are used to thinking in terms of networks, posting contents of their own on the Net, file sharing and communicating via Internet—they are after all part of the Web 2.0 generation, as he says. As project manager Kathriner merely coordinates the project and makes sure that it stays on track. What is it that your staff is better at than you? Kathriner: They are at home in social networks, no matter whether they are designers, graphic artists, programmers or concept developers. I thrived on the first version

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of the Internet, Web 1.0. FaceBook, MySpace or StudiVZ—that is a whole new generation. Whose idea was Fancity? Kathriner: It was Rudi Klausnitzer’s idea. Two years ago, during a brainstorming session at DMC, he mentioned that the Internet simply does not cater to fans in general. Fans tend to spend a lot of time on their passion. There is, however, a lack of online offers fans could well use e.g. to establish communities. Why do you say so? There are thousands of fan sites on the Web! Kathriner: There are, but they are not at all interlinked. In addition, most of them are self-made, perhaps some years old and maybe no longer updated. And social websites such as Facebook, MySpace or StudiVZ aren’t suitable for the presentation of fan communities.

What will improve with Fancity? Kathriner: Fancity is best explained by an example. Let’s say I am a fan of Ronaldinho (which, incidentally, I really am). I want to know everything about this soccer player, compile all the facts. I want photos, films, quotations. I want to know which matches he played in, how many goals he scored when and how, I want to know the name of his girlfriend. An official Ronaldinho site might not provide all this information; moreover, I would like to share my enthusiasm with other fans, would like to look at photos, pictures, videos of him—and also find new ones. This particular compilation is nowhere to be found. Fancity is designed to collect all this information. For all the fans in this world? Kathriner: Basically yes. Fans have similar needs, no matter if they are fans of Ronaldinho, Britney Spears


multimedia Fancity

5 5 Referenzkunde 4 Ronaldinho-Fan der DMC: Norbert Kathriner ARD – das Erste bei einem SpazierDeutsche gang über den Fernsehen Naschmarkt DMC reference Ronaldinho-fan client: the german Norbert Kathriner ARD television taking a walk network through the Naschmarkt

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or the mountaineer Reinhold Messner. Fancity will provide tools not only for presenting contents in an agreeable way, but also for establishing networks among fans. We have developed a special platform for this purpose, we want to become the fans’ provider. And who provides the contents? Kathriner: The fans themselves will do that. Fancity may well end up hosting many different Paris Hilton fan clubs, the difference being that here they are interlinked. What characteristics do fans share? Kathriner: We have put a lot of research into that. Generally fans are very active socially, they are also creative and want to share their enthusiasm. In fan cultures interaction is usually only possible within small groups of like-minded people. Fans therefore depend on being able to establish close connections with

every member of their fan group and communicate extensively with each other. How is this platform to earn money? Kathriner: By means of advertising, which can be placed to match the target group more closely than on other websites. Studies show that users take twice as much notice of advertisements if they are emotionally involved in the content of a website. Other websites may be included in a second stage of the project, such as sites selling tickets for concerts, offering music downloads or trading in fan articles. Fans are always prepared to spend quite a bit of money on their passion. Why is Fancity created at an advertising agency, of all places? Kathriner: We simply have a lot of know-how— just consider the tools of the trade. We are under a lot of pressure in our everyday business lives, as we have

to conduct day-to-day business for our clients. There is little time for projects of our own, especially if they are as complex as Fancity. The funding gives us additional scope we wouldn’t have without it. And how is a fan of Ronaldinho from Burkina Faso to find out about Fancity? Kathriner: Word of mouth is the best kind of advertising, especially among fans and among the Web 2.0 generation, whose members are much more communicative than an Internet user of the old school might think.

kind of work-in-progress in cooperation with our users is to start, a development process true to the motto: you name it, we play it. At any rate, the platform has been established technically. We have been able to test it successfully in the course of another project.

When will Fancity go online? Kathriner: We’ll be ready in fall. At first we’ll make a beta version available on the Net and observe which features are utilized. From the website FaceBook, where everybody can present himself as he wishes, we know that users actively employ only 8 percent of the features offered. Therefore a 203


Multimedia filmtiki

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F I L M T I K I Der Überschmäh aus Übersee The Tiki Trick von/by: Christoph Sattler

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multimedia filmtiki 1 Iris Lamprecht im Wiener Burgkino Iris Lamprecht at Vienna’s Wiener Burgkino movie theater

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: onetiki new media company GmbH Projekt / project: filmtiki, Entwicklung des Produkts, Vermarktung von filmtiki durch online ViralMarketing-Kampagnen, PR- und Marketing-Tours auf relevanten Filmfestivals / filmtiki, development of the product, marketing of filmtiki.com through online viral marketing campaigns as well as PR and marketing tours on relevant film festivals Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 200.000 EUR Mariahilferstraße 1D/13 1060 Wien info@onetiki.com www.onetiki.com

(d) Stell dir vor, du sitzt in einem Kino am Ende der Welt, siehst einen phänomenalen Film und willst dass ihn alle anderen auch sehen können, weil das Ding so verdammt gut ist. Allerdings fehlt dir sowohl das Geld als auch die Idee, wie du das machen sollst. So oder so ähnlich ging es Iris Lamprecht, als sie in Neuseeland das Konzept für die OnlinePlattform filmtiki erfand. Damit war die Idee geboren. Und das Geld, das den meisten Filmemachern immer noch fehlt, spielt plötzlich keine Rolle mehr.

Warum ist die Idee zu filmtiki ausgerechnet in Neuseeland entstanden? Ich war dort früher Regieassistentin und habe bei großen Filmen wie „10.000 BC“ oder „King Kong“ aber auch bei Short-Films mitgearbeitet. So kam ich zum Wellington Fringe Film Festival, das ich dann auch geleitet habe. Da zeigten wir nur Kurzfilme, meist von aufstrebenden jungen Filmemachern. Klar, da gibt’s auch immer grottenschlechte Filme. Aber es gibt auch Schätze, die sonst niemand sieht, obwohl sie das Potenzial für ein großes Publikum haben.

pertise fehlt, wo und über welche Kanäle sie ihr Publikum erreichen können. Da dachte ich, es wäre nützlich, wenn ihnen das jemand sagen kann. Zudem fand ich, dass sich besonders die Online-Medien eignen, Filme zu vertreiben. Um eine Karriere über YouTube zu lancieren, braucht man keine umfassende Beratung. Man stellt den Film online … und realisiert nicht, dass der Zug damit abgefahren ist. Denn die meisten Festivals und Verleiher wollen nicht, dass man online geht oder eigene Promotion macht.

In Neuseeland entdeckt zu werden ist also besonders schwierig. Nicht schwieriger als anderswo. Das wirkliche Problem ist, dass weltweit vielen Filmemachern das Geld, aber vor allem die Ex-

Warum? Weil Festivals und Verleiher eine Premiere wollen. Und für die ist eine Premiere auf You Tube eine Premiere. Das ist Bullshit, aber so funktioniert die Welt. Doch sie verändert sich gerade.

Was verändert sich? Das System bröckelt. Aus der alten Wertschöpfungskette, erst Kino, dann DVD, dann Pay-TV, dann Free-TV lässt sich nicht mehr dasselbe herausholen wie früher. Die cleveren Festivals und Verleiher beginnen, darauf zu reagieren. Die sagen: Wir akzeptieren, dass mehr als 50 % aller Kinobesucher von einem neuen Film zuerst online erfahren. Deshalb wollen wir, dass unsere Filmemacher alle Mittel nutzen, um Exposure zu haben, und nicht nur die, die wir ihnen bieten können. Wir wollen, dass sie bekannt werden, dass die Leute „keen“ sind, und dass sie ins Kino gehen, um die Filme zu sehen. Wer will das nicht. Genau. Was wir deshalb machen, ist, diese Veränderung auf internationalem 205


Multimedia filmtiki

Level aufzufassen und zu kategorisieren. Das ist im Prinzip Marktforschung für Filmemacher. Große Studios haben das Geld, um das selbst zu machen, aber der Hugo Mayer aus Amstetten nicht. Der kann bei FilmTiki nun billig auf dieselbe Expertise zugreifen, und zwar individuell abgestimmt auf Parameter wie: Was ist dein Genre, deine Sprache, dein kultureller Hintergrund und was ergeben sich daraus für Möglichkeiten? Ich glaube ja, dass jeder Film ein Publikum hat. Man muss es nur finden. Das ist eigentlich der Überschmäh.

thematisch affine Netzwerke, die sich im Kampf gegen Human Trafficking engagieren. Der Response war, dass die Leute dort sagten: Der Film ist so wichtig, können wir ihn weiterschicken? Dürfen das auch andere Leute screenen? „The Jammed“ hat so eine katholische NonnenAudience – trotz der Vergewaltigungsszenen –, von der die Macher dachten, dass sich genau diese Leute das nie ansehen würden. Der Film bekam danach einen nationalen Release und hat sein Geld fast zurückverdient.

Überschmäh? Ja. Bisher stellten alle nur die Frage, wo ist die 16 bis 29-jährige männliche weiße Zielgruppe? Wir dagegen fragen ausgehend vom Thema des Films: Wo sind die real existierenden Netzwerke, die dasselbe Thema haben? Das wird durch Foren wie MySpace oder Facebook inzwischen weltweit bestimmbar und lässt sich nach Regionen und Nischen herunterbrechen. Aber offline gibt es das genauso.

Fast? Ja. Mit der DVD kommt die Produktion ins Plus. DVDs make the money. Nicht das Kino. Das hat sich in den letzten 15 Jahren geändert.

Ein Beispiel bitte. Wir haben eine Case-Study über „The Jammed“ gemacht. Das ist ein australischer Film über Human Trafficking. Den Machern fehlte ursprünglich das Geld um Werbung fürs Kino zu machen. Deshalb gingen sie zu Amnesty International, World Vision und zur Caritas. Das sind

Da frisst die digitale Revolution ihre Kinder. Kino war mal ein soziales Event, bei dem Leute zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu erleben. Ähnlich wie bei Konzerten. Ja, reale Netzwerke fallen weg. Get-Togethers gibt’s inzwischen fast nur noch bei Festivals. Aber die boomen! Gleichzeitig kommen aber neue virtuelle Netzwerke hinzu, in denen die Leute bessere Kanäle haben als früher, ihre Meinung und ihre Präferenzen auszudrücken, worauf Filmemacher, aber auch Verleiher besser reagieren können als je zuvor. Damit kann ich gut leben.

(e) Imagine you’re sitting in a movie theater in the middle of nowhere and watching a fantastic movie, and you want everybody else to see this movie because it is so damn good. But you lack both money and ideas how to do that. That’s about how Iris Lamprecht was feeling when she devised the concept for the online platform filmtiki in New Zealand. Once the idea was born money was suddenly irrelevant—money that most filmmakers still don’t have. Why was it in New Zealand that you had the idea to create filmtiki? I worked there as an assistant director and participated in the making of major movies like “10,000 BC” or “King Kong” but also short films. That’s how I got involved in the Wellington Fringe Film Festival, which I also managed later on. We were showing exclusively short films, most of them by ambitious young filmmakers. Of course there were also extremely bad films. But there were also some real treasures nobody else sees even if they have the potential for a large audience. So it’s particularly hard to be discovered in New Zealand. Not harder than anywhere else. The real problem is that numerous filmmakers all over the world lack both the money and above all the expertise where and how to reach their audience. So I thought it might be helpful if someone told them. And I also thought that online media are particularly suited for film distribution. You don’t need any in-depth consulting to launch your career via You Tube. You just put the movie online … and at the same time you don’t realize that you’ve missed

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the boat. Since most festivals and film distributors don’t like it if you go online or do your own promotion. Why? Because festivals and distributors want premieres. And they consider the first presentation of a movie on You Tube a premiere. That’s bullshit but that’s the way it works. However, things are already changing. What is changing? The system is slowly crumbling. The traditional value chain— starting with the movie theaters, then DVD, then pay TV, then free TV—does no longer yield the desired profits. Clever festivals and distributors respond to this development saying: okay, we accept that for more than 50 percent of all moviegoers the first source of information on a new movie is the Internet. And therefore we want that our filmmakers use all means available to be present, and not just the means we can offer them. We want them to become known, we want people to be keen, that they go to the movies to see a film. Who wouldn’t want that? Exactly. And that’s why we are dealing with this change on an international level, we categorize it. Basically, that’s market research for filmmakers. Major studios have the money to do that themselves, but small studios just don’t. With filmtiki they, too, have access to this expertise according to individual parameters, e.g. what is your genre, your language, your cultural background and what opportunities do arise out of it? I believe that there is an audience for each and every single movie. You just have to find it. That’s the trick. That’s it? Yes. So far the question was: where is the


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2 Iris Lamprechts Leidenschaft: Der unabhängige Film. Iris Lamprecht’s passion: the independent film

PRO FILE

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male white target group aged 16 to 29? Our questions focus on the topic of the movies: where are the networks with the same topics? Today you can find that out by means of worldwide forums such as MySpace or Facebook and break it down into regions or niches. But it also works offline. Could you give me an example? We’ve made a case study on “The Jammed”, an Australian movie on human trafficking. The makers of the movie didn’t have the money to advertise it. So they contacted Amnesty International, World Vision, Caritas, organizations that deal with this topic, too, that are committed to the fight against human trafficking. And the people there said: this movie is so important, can we send it on to others? Are other people allowed to screen it? And that’s how “The Jammed” was even seen by Catholic nuns although there are some rape scenes and the makers of the movie would have never

imagined that this kind of audience would see it. Subsequently, the movie was nationally released and almost earned back the entire production costs. Almost? Yes. DVDs yield the profit, they make the money. Not the movie theaters. That has changed over the past 15 years. So the digital revolution eats up its children. Going to the movies used to be a social event bringing people together, an occasion to experience things together. Like a concert. Yes, there are no real networks anymore. Festivals are almost the only occasions for getting together. But such festivals are booming. At the same time new virtual networks arise providing them with even better platforms to communicate their opinions and preferences. To which filmmakers and distributors can react better than ever before. I can perfectly live with that.

Die Kommunikationswissenschaftlerin, PRBeraterin und Koordinatorin des Fringe Film Festivals, Iris Lamprecht, schafft mit filmtiki eine Onlineberatungs- und Vernetzungsplattform für die unabhängige Filmszene. filmtiki ist in drei Teile gegliedert. Eine allgemein zugängliche Datenbank bietet umfassende Infos über die Möglichkeiten von Onlinevermarktung und -distribution. Eine Vielzahl von Web-2.0-Applikationen sowie traditionelle Promotion- und Distributionszirkel werden zugänglich gemacht. Des Weiteren können User, die sich kostenlos anmelden, Leitfäden zur Definition von Kommunikationszielen für ihr jeweiliges Produkt erstellen, an Onlinediskussionen teilnehmen und Wiki-Funktionen nützen. Das Kernangebot bildet ein Diagnose-Tool zur Bestimmung der passenden Onlinevermarktungs- und Distributionsstrategie für das jeweilige Produkt des Filmschaffenden. Im kostenpflichtigen Bereich können die User damit in einfachen Schritten die passenden Social-Media-Kanäle ermitteln und finden detaillierte Hilfestellung beim Festlegen ihrer Kommunikationsziele. Iris Lamprecht, communication scientist, PR consultant and coordinator of the Fringe Film Festival has created filmtiki, an online consulting and networking platform for the independent film industry. filmtiki consists of three parts. A generally accessible data base offers comprehensive information on the opportunities of online marketing and distribution. Numerous Web 2.0 applications as well as traditional promotion and distribution channels are made accessible. Users may register free of charge, create guidelines for the definition of communication targets for their individual products, participate in online discussions and use wiki functions. The core element is a specific tool for determining the suitable online marketing and distribution strategy for individual products of filmmakers. For a fee users have the opportunity to easily identify the suitable social media channels and are given detailed assistance in defining their communication targets.

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Multimedia FragEgg

FR AGEGG Titel müssen her We need champions von/by: Christoph Sattler

(d) Sollte Uli Hoeneß auf die Idee kommen, seinen Job beim FC Bayern an den Nagel zu hängen, müsste er sich nicht als Wurstwarenfabrikant zurückziehen, sondern könnte übergangslos in die E-SportSzene einsteigen. Diesen Eindruck bekommt man im Gespräch mit Sander van de Rijdt und Christian Gruber über E-Sports 2008 und ihre Gamer-Plattform FragEgg. Warum kommt ihr, wenn ihr über FragEgg redet, immer wieder auf Fußball? Van de Rijdt: Weil E-Sport nach ähnlichen Prinzipien funktioniert. So wie es im Fußball den FC Barcelona, Manchester United oder Nationalmannschaften gibt, gibt es das auch im Gaming. Dazu gibt es Ligen, Weltmeisterschaften. Und es gibt Stars, die sogenannten Pro-Gamer, die ihren Lebensunterhalt mit Computerspielen verdienen. Gruber: Parallel dazu gibt 208

es aber auch hunderttausend Casual Gamer, die ein Mal die Woche den Computer aufdrehen oder auch jeden Tag spielen, aber nie so gut werden wie die Pros, sich aber dennoch für das, was die machen interessieren. Das ist dann wieder wie im Fußball, wo Millionen sagen: Ich spiele selbst auch, deshalb schaue ich mir an, was die Stars machen. Im Prinzip baut ihr bei FragEgg also auf ein Starsystem. Van de Rijdt: Genau. Man bringt zunächst die Teams und Spieler auf die Plattform, die eine Vorbildwirkung in der Szene haben, damit die Casual Gamer folgen. Das klappt. Den Austausch könnte man auch über bestehende Social Communities organisieren. Van de Rijdt: Im ESport gibt es das Bedürfnis nach ganz anderen Kommunikationsformen. Was ganz stark ist, ist Competition. Deshalb haben wir Features,

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multimedia FragEgg

die genau darauf abzielen, dass sich Gamer untereinander vergleichen und matchen können. Gruber: Gamer können da auch selbst Erfolge eintragen, die sie auf LAN-Parties erlebt haben, oder sie können Videos ihres letzten Matches online stellen, die kommentiert und diskutiert werden. All das macht ja das Profil eines Gamers aus. Wie heißt du als E-Sportler? Gruber: Als Pro-Gamer habe ich mehrere Namen gehabt. Aber ich verrate keinen. Van de Rijdt: Den Christian kennen sie schon. Aber im Ernst. Das ist eine sehr stark vernetzte Community mit vielen Hot Spots. Da gibt’s denselben Gossip, den du vom Boulevard kennst. Da passt man dann auf. Gruber: Es ist aber internationaler. Als Österreicher spielt man eigentlich zu 90 % mit Deutschen, Engländern und Franzosen. Und genauso wie wir alle Amerikaner kennen, kennen alle Amerikaner uns, weil das einfach eine andere Community ist, weil es einfach Internet ist. Wie finanziert ihr FragEgg? Van de Rijdt: Durch Advertising, aber hauptsächlich durch den Verkauf von Virtual Goods. Virtual Goods? Van de Rijdt: Kennst du Super Mario Cart? Da kann man seine Carts pimpen. Nach demselben Prinzip werden wir Premium-Services anbieten, mit denen Gamer ihr Profil wirklich besonders machen können.

Das ist dann die Analogie zum Trikotverkauf. Gruber: Im Gegensatz zu andern Sparten spielt Status im E-Sport eine wirklich große Rolle. Kein Wunder, weil manche Gamer ihr halbes Leben im Internet verbringen, sich damit identifizieren, und identifiziert werden wollen. Das bringt uns zurück zu den Stars. Ein Starsystem lebt vom Hervorheben des Einzelnen. Gibt es denn ein Reputationssystem? Gruber: Ja. Wie beliebt ist ein Spieler? Wie viele Fans hat er? Wie viele Freunde? Wie beliebt sind seine Videos? Alles da. Mit einem Image als harter Hund hat man also automatisch weniger Starpotenzial? Van de Rijdt: Das kann man so nicht sagen. Marco Materazzi kennt auch jeder, weil er Zidane zur Strecke gebracht hat. Gruber: Wichtig ist vor allem, wie erfolgreich man ist. Titel. Achievements. Scores. Darum geht es. Ich weiß das noch aus meiner Zeit als Pro-Gamer. O.k., es geht nicht nur um Erfolg, sondern auch Erfolgsdruck? Gruber: Klar. Wir haben uns große Ziele gesetzt und da wurde der Erfolgsdruck, den wir uns selbst aufgebaut haben, sehr hoch! Beispiel: Ich war vor vier Jahren in einem Team mit fünf Leuten. Wir haben 40 Matches in Folge gewonnen. Das 41. Match haben wir verloren und danach haben wir die Gilde aufgelöst. Weil wir gesagt haben: Das hat alles keinen Sinn mehr.

1 Das Team von fenw GmbH: Sander van de Rijdt, Christian Gruber, Ibrahim Imam, Felix Gründorfer (v.l.o. im Uhrzeigersinn) The fenw GmbH team: Sander van de Rijdt, Christian Gruber, Ibrahim Imam, Felix Gründorfer (clockwise from top left)

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Multimedia FragEgg

PRO FILE departure fördert mit FragEgg eine Web 2.0 Plattform für die Erstellung, Verteilung und Präsentation von User-generated-Video-Content. Im Gegensatz zu vergleichbaren und bereits etablierten VideoPortalen konzentriert sich FragEgg auf den GamingBereich und spricht damit die junge, technisch versierte und konstant wachsende Online-GamingCommunity an. Hier prägt vor allem das Phänomen des E-Sports, dem wettbewerbsmäßigen Spielen von Computer- und Videospielen über das Internet, das Geschehen. Die weltweite Verbreitung des ESports in den letzten Jahren sowie die dynamische Entwicklung von Online-Diensten und OnlineInhalten bilden die viel versprechenden Rahmenbedingungen für das Video- und TV-Portal FragEgg. Innovative Features rund um die Online-Plattform machen Lust auf Interaktion und animieren die User selbst kreativ zu werden. Durch den Usergenerated-Content erneuern und erweitern sich die Inhalte der Plattform stetig und entsprechen so den wechselnden Anforderungen der Nutzer. With FragEgg departure is funding a Web 2.0 platform for the generation, distribution and presentation of user-generated video content. Contrary to comparable and established video portals FragEgg focuses on the field of gaming thus adressing the young, technically versed and constantly growing online gaming community. Here the focus is on e-sports, i.e. playing computer and video games on a competitive basis on the Internet. The worldwide increasing popularity of esports in the past years and the dynamic development of online services and online contents provide the promising basis for the video and TV portal FragEgg. Innovative features related to the online platform incite users to be creative and to interact. User-generated contents constantly enlarge the offer of the platform and thus meet the changing demands of the users.

Van de Rijdt: Dabei war das ein Europafinale. Das ist ein bisschen extrem. Gruber: Nein. Konsequent. Man muss sich entscheiden und das Problem ist ja auch, dass man ab 25 abbaut! Die beste Zeit eines Pro-Gamers ist zwischen 18 und 22. Danach wirst du schlechter. Und das merkst du. Wie kamst du in das Profigeschäft überhaupt rein? Gruber: Bei den Menschen ist das so: Alles was sie gut machen, machen sie gerne. Und wenn jemand Gaming gut kann, bleibt man da hängen, weil man dort seine Bestätigung bekommt. Van de Rijdt: Die interes210

santere Frage ist also, wie kommt man da wieder raus? Gruber: Stimmt. Ich habe zunächst zwanghaft und mühsam versucht, das was ich im Gaming gekonnt habe, also den Einsatz, den ich mit 12 bis 16 Stunden am Stück Spielen gezeigt habe, auch auf die Arbeit umzulegen. Das war kein leichter Weg. Aber jetzt wo ich merke, dass der Erfolg kommt, funktioniert das. Inzwischen ist das, was ich jetzt mache, so gut wie das Spielen früher.

(e) Should Uli Hoeness ever consider quitting his job with FC Bayern he wouldn’t have to earn his living as a sausage producer, but could easily join the e-sports scene. That’s the impression you get from a conversation with Sander van de Rijdt and Christian Gruber on e-sports 2008 and their gamer platform FragEgg. How come that any conversation on FragEgg finally ends up with soccer? Van de Rijdt: Because e-sports works along the same principles. In soccer you have teams like FC Barcelona, Manchester United or national teams, and with gam-

ing that’s the same. There are leagues, world championships. And there are stars the so-called pro gamers who earn their living with playing computer games. Gruber: And at the same time there are a hundred thousand casual gamers who turn on the computer once a week, or even play every day, but who are not as good as the professionals, but who are interested in what they do. That’s like soccer where millions of spectators say: I play soccer myself and therefore I want to see the stars play. So FragEgg is based on a star system. Van de Rijdt: Exactly. First you bring the


multimedia FragEgg 2 Pause auf dem Gemeinschaftsdach in der Mooslackengasse 17 Break on the communal roof at Mooslackengasse 17

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: fenw GmbH Projekt / project: FragEgg Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 148.441 EUR Mooslackengasse 17 1190 Wien contact@fragegg.com www.fragegg.com

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teams and players on the platform who are role models, then the casual gamers will follow. It works. But you could also use existing social communities for this exchange. Van de Rijdt: In e-sports completely different forms of communication are required. Competition is very important. Therefore we have features that allow gamers to compare with others and to compete. Gruber: Gamers have the opportunity to enter the successes they had at LAN parties themselves or they can put a video of their latest match online, which is then commented on and discussed. That’s what makes the profile of the gamer.

Gruber: But it’s much more international. As Austrians 90 percent of your opponents are German, English or French. And just as we know all Americans, all Americans know us. Simply because it’s a different community, because it’s the Internet. How is FragEgg financed? Van de Rijdt: Through advertising, mainly through the sales of virtual goods. Virtual Goods? Van de Rijdt: Do you know Super Mario Cart? There you can tune up your car. We will also offer premium services with which gamers may optimize their profile.

Analogous to the sales of shirts. Gruber: Contrary to What is your gaming name? other categories prestige is Gruber: As pro gamer I had very important in e-sports. several names. But I won’t That’s not surprising if you tell you any of them. know that some gamers Van de Rijdt: Christian is respend half of their lives in the ally well-known. But honestly, Internet; they identify with it this is a strongly networked and they want to be known. community with many hot spots. And there is the usuWhich brings us back to the al gossip. You have to be stars. Outstanding individucareful. als, that’s what the star sys-

tem is all about. Is there a reputation system? Gruber: Yes. How popular is a gamer? How many fans does he have? How many friends? How popular are his videos? It’s all there. So being known as a tough guy reduces one’s star potential? Van de Rijdt: I wouldn’t put it that way. Marco Materazzi is known for having eliminated Zidane. Gruber: It is above all important how successful you are. Champions. Achievements. Scores. That’s what it is all about. I know that from my time as a pro gamer.

That’s somehow irrational. Gruber: No. Consistent. You have to take a decision, and the problem is that with 25 you start going downhill. The best age of a pro gamer is between 18 and 22. After that your performance gets worse. And you are aware of it.

How did you become a professional gamer? Gruber: That’s the way it is: if you’re good at something you like to do it. And if you’re a good gamer you continue gaming because it gives you the opportunity to assert yourself. Van de Rijdt: The more interesting question is: how do Okay, it’s about success, but you get out again? isn’t there a lot of pressure to Gruber: Right. Initially I succeed? Gruber: Sure. We tried very hard and almost aimed high and we put ourobsessively to work in the selves under pressure. same way as I was gaming, Example: four years ago I with the same commitment, was in a team with five others. when I played 12 to 16 hours We won 40 matches in a row. without interruption. That We lost the 41 th match and was not easy. But now that I see that I am successful, it then the group dissolved beworks. Meanwhile I like what cause we thought: it makes I am doing now as much as I no sense anymore. Van de Rijdt: It was the Euro- liked gaming. pean final, though.

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Multimedia Grassfish

GRASSFISH Dynamische Daten Dynamic data von/by: Karin Pollack

(d) Die Grassfish Marketing Technologies GmbH öffnet mit dem Projekt Corporate TV Content Base den boomenden „Digital Signage“-Markt für KMUs. Herr Grassberger, ihr Unternehmen ist führend im Bereich „Digital Signage“. Was versteht man unter dieser innovativen Kommunikationsform? „Digital Signage“ ist eine Marketing- und Kommunikationsform, die in Werbe- und Informationsbildschirmen angewandt wird. Wörtlich übersetzt heißt „Digital Signage“ nichts anderes als „digitale Beschilderung“. Solche digitalen Plakate und Screens kann man etwa im Handel sehen, aber auch beispielsweise bei Anzeigensystemen auf Bahnhöfen oder Flughäfen. International gibt es „Digital Signage“ seit Ende der 1980er-Jahre. Seit vier oder fünf Jahren wird es auch bei uns eingesetzt. Die Infoscreen-Bildschirme etwa sind eine bekannte Anwendung davon.

1 1 Roland Grassberger und Peter-Thomas Fischer von Grassfish mit Hund Franz Roland Grassberger and Peter-Thomas Fischer of Grassfish with dog Franz

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Wie funktioniert das Ganze technisch? Es werden Bildschirme, meistens Flachbildschirme, installiert, die über PC gesteuert werden. Der Großteil der Inhalte – Videos, Bilder, Animationen etc. – wird dynamisch erzeugt und über ein Contentmanagementsystem eingespielt. Parallel zur Entwicklung des Internets, das sich von einem statischen mehr und mehr zu einem


multimedia Grassfish

dynamischen Medium entwickelt, wird auch „Digital Signage“ immer stärker zu einem dynamischen Medium. Dabei ist es vor allem auch die regionale Aktualität, die den Nutzen des Mediums zeigt. Ein Beispiel dafür wäre ein Materialwirtschaftssystem, das die Artikel, deren Ablaufdatum kurz bevorsteht, automatisch verstärkt bewirbt. Was das Design betrifft, so können die Bildschirme auch im Hochformat eingesetzt werden – dann entsprechen sie viel mehr einem digitalen Plakat als einem Fernseher. Man kann den Bildschirm auch in ein Möbel oder direkt in die Wand einbauen, man kann ihn hinter eine Glaswand stellen – damit wird das Ganze auch zu einem architektonischen Objekt. Was macht den USP von Grassfish aus? Wir betrachten „Digital Signage“ nicht ausschließlich vom technischen Standpunkt, sondern für uns geht es vor allem darum, wie das Medium verwendet wird. Wir liefern auch den Content mit und entwickeln ein Konzept, wie ein Unternehmen das Medium für seine Kommunikationsstrategie einsetzen kann. Bei contentorientierten Projekten arbeiten wir mit unserem Partner, Fischer Enterprises, einem Crossmediaunternehmen, zusammen. Wird „Digital Signage“ auch für die interne Unternehmenskommunikation verwendet? Einer unserer Schwerpunkte liegt bei Mitarbeiterinformationssystemen, wo aktuelle Unternehmensnachrichten über z. B. im Coffee Corner aufgehängte Bildschirme kommuniziert werden. Großunternehmen wie Mayr-Melnhof und Canon verwenden dieses interne Kommunikationsmedium.

Wer sind derzeit Ihre wichtigsten Kunden? Großprojekte haben wir u. a. realisiert mit: Porsche Austria, den Österreichischen Lotterien, Mediaprint, Lufthansa, Mayr-Melnhof, den Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, den Deutschen Sparkassen, Bayer. Unser Start auf dem englischen Markt steht unmittelbar bevor. Den Vertrieb wickeln wir dann über Partner auf dem jeweiligen lokalen Markt ab. Worum geht es bei dem Projekt Corporate TV Content Base? Bisher wurde „Digital Signage“ vor allem für Großprojekte in der Größenordnung von 50 bis mehreren tausend Bildschirmen eingesetzt. Es besteht aber großer Bedarf bei KMUs: Nehmen Sie etwa ein Hotel, das seine Gäste über aktuelle Angebote, Ausflüge etc. informieren möchte, oder denken Sie an einen Kosmetiksalon, der ein flexibles Medium sucht, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen zu bewerben. Wir möchten mit unserem Projekt Corporate TV Content Base den „Digital Signage“Markt für KMUs öffnen. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um eine Webplattform, die über den Grassfish-Server läuft und über die man die Bildschirme steuern kann. Es ist ein Medienpool verfügbar, der nach einer Art Baukastensystem funktioniert und aus dem sich die Kunden Vorlagen zusammenstellen (Bilder etc.), die sie dann mit ihren Informationen füllen. So kann der Kosmetiksalon beispielsweise auch Prominews und Biowetter bringen, also einen eigenen Infokanal für eine spezielle Zielgruppe anbieten. Wir kaufen Content für die Plattform ein. In Zukunft soll sie auch zusätzlich Ni-

scheninfo, also beispielsweise Spezialinfos für die Boarder-Community und sonstige Special-InterestZielgruppen anbieten. Das Projekt Corporate TV Content Base soll im Herbst 2008 an den Start gehen. Wie schätzen Sie das Marktpotenzial dafür ein? Das ist eine Frage des Pakets, das man schnürt: Es muss preisgünstig und einfach sein. Insgesamt aber kann man sagen, dass sich der Werbe-Out- und IndoorBereich stark verändern wird, so wie sich der Nachrichtensektor durch das Internet schon gewandelt hat: Dynamischem Datenmanagement gehört die Zukunft. Mit „Digital Signage“ kann man in der Werbung, unabhängig von der Unternehmensgröße, viel zielgruppenorientierter vorgehen als dies bisher der Fall war.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Grassfish Marketing Technologies GmbH Projekt / project: Corporate TV Content Base, Angebot speziell auf KMUs und Einzelhändler zugeschnittener benutzerfreundlicher Software und Inhalte / Corporate TV Content Base, offer of user-friendly software and contents specially designed for the requirements of SMEs and retailers Programm / program: C/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 119.102 EUR Schottenfeldgasse 60 1070 Wien touch@grassfish.tv www.grassfish.tv

2 2 Public-Display-System im Einsatz für Lufthansa Public display system used by Lufthansa

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Multimedia Grassfish 3 Testen eines Corporate-TVSystems Testing a Corporate-TVSystem

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(e) With their project Corporate TV Content Base Grassfish Marketing Technologies GmbH is opening the booming digital signage market to SMEs.

from a static to a dynamic medium, digital signage, too, is developing into a dynamic medium. Above all it’s regional topicality that shows the utility of this medium. A good example is a material management system that Your company is leading in automatically intensifies the field of digital signage. promotion of those articles What is this innovative form that will soon expire. As to of communication? Digital the design, screens can also signage is a form of marbe used in upright format— keting and communication which makes them look which is used for advertising and information screens. more like a poster than a TV You can find such digital bill- set. It is even possible to boards and screens in shops, integrate the screen into a piece of furniture or a wall, railway stations or airports. On an international level dig- you could put it behind a glass wall thus making it an ital signage has been used architectural object. since the end of the 1980s; and in the past four or five What is Grassfish’s USP? We years it has been applied don’t see digital signage exhere, too. Just think of the clusively from the technical info screens. point of view. What’s above all important for us is how And how does it work technically? Screens—usually flat the medium is used. We also screens—are installed, which provide the content, we devise a concept for compaare controlled via PC. The nies showing them how to majority of the contents— use the medium for their videos, images, animations communication strategy. etc. is produced dynamiWhen dealing with contentcally and made available via oriented projects we coopa content management syserate with Fischer Enterpristem. Just like the Internet es, a cross-media company. that is steadily developing 214

Is digital signage also used for company-internal communication? One of our focuses is on personel information systems where topical company news are communicated via screens installed, e.g. at the coffee corner. Large enterprises like Mayr-Melnhof or Canon are using this internal communication medium. Who are your most important clients right now? We have implemented major projects with: Porsche Austria, Österreichische Lotterien, Mediaprint, Lufthansa, Mayr-Melnhof, Deutsche Volks- und Raiffeisenbanken, Deutsche Sparkassen, Bayer. We are just about to enter the English market with local sales partners. What is the project Corporate TV Content Base all about? So far digital signage has been used for large projects with 50 to several thousands of screens. But there is great demand with SMEs: take for example a hotel that wants to inform its guests about offers, tours etc. Or think of a beauty parlor searching for a flexible medium to advertise its own products and services. With our product Corporate TV Content Base we want to open the digital signage market to SMEs. It is basically a web platform available via the Grassfish server and via which the screens are controlled. We offer a media pool, a sort of modular system from which the clients may select templates (images etc.) which they then fill with their own information. The beauty parlor may for instance present celeb news or bioweather news, which means that there is specific information for a specific target group. We buy content for the platform. In the future the platform will also provide addi-

tional niche information, e.g. special information for the boarder community and other special interest groups. We intend to launch the Corporate TV Content Base project in fall 2008. And what is its market potential in your opinion? That depends on what you offer. It has to be reasonably priced and simple. What’s certain is that indoor and outdoor advertising will considerably change, just like the news industry that has already changed due to the Internet: dynamic data management—that’s the future! With digital signage it’s easier to reach your target groups through advertising independent of the company’s size.

PRO FILE Grassfish entwickelt Software und Content zur dynamischen Steuerung von Informations- und Werbe-Bildschirmen bzw. elektronischen Plakaten „Digital Signage”. Das junge Unternehmen wurde bereits im ersten Geschäftsjahr 2006 österreichischer Marktführer im Bereich Digital Signage und zählt heute zu den Top drei Anbietern im deutschsprachigen Raum. Grassfish develops software and content for the dynamic control of information and advertising screens as well as of electronic posters “digital signage”. Already in its first business year 2006 the company became the Austrian market leader in the field of digital signage and now figures among the top three suppliers in German speaking countries.


multimedia Greentube

G R E E NT U B E An der lila Bande scharf rechts rein! Make a sharp right at the purple banner! von/by: Christoph Sattler

(d) In-Game-Advertising ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Das meint zumindest Eberhard Dürrschmid und stellt damit die Welt der 3DSpieleindustrie nachhaltig auf den Kopf. Herr Dürrschmid, Sie wollen uns nicht ernsthaft erklären, dass ein mit Werbung voll gepflastertes Game beim User für mehr Spielgenuss sorgt? Doch. Der wichtigste Grund ist, dass Werbung die Spiele wirklich realistisch macht. 215


Multimedia Greentube

Eine gewagte These. Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade im letzten Level eines Fantasy-Games und Sie schlagen sich mit einem Zauberer aus einer anderen Sphäre herum – plötzlich kommen Sie an einem Cola-Automaten vorbei … Das würde mich ziemlich herunterholen. Deshalb verwenden wir auch ganz bewusst Sportspiele. Da hat Werbung genau den umgekehrten Effekt. Das müssen Sie uns erklären. Gerne. Nehmen Sie das Flagship in unserem Portfolio: die Ski-Challenge. In dem Spiel kann man die berühmtesten Abfahrten der Welt realistisch in 3D nachspielen und mit anderen zum Beispiel auf der Streif in Kitzbühel um die Wette fahren. Bei der Entwicklung fiel uns schon recht früh auf, dass das Game zunächst nackt wirkte. Nackt? Ja. Als Österreicher sind wir ja seit dem Kindergarten durch Schiübertragungen im Fernsehen geschult, dass die Läufer links und rechts überall an Werbebanden und Logos vorbeiflitzen. Wenn ich Schifahren auf dem Monitor immer schon so wahrgenommen habe, geht mir die Werbung in einem 3D-Spiel, das diese Situation 1:1 nachstellt, schlicht und einfach ab. Als Spieler denkst du dann: Da stimmt was nicht. Es fehlt 216

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der Realismus und somit die Glaubwürdigkeit. Da war es nahe liegend mit In-GameAdvertising zu beginnen. Wie funktioniert das genau? Wie in der Realität auch. Beispielsweise können Sponsoren für eine Saison eine Logoplatzierung auf der Kitzbüheler Haupttribüne buchen, dazu drei aufblasbare Objekte neben der Strecke und 15 Banden in guten Kurven. Klingt wie das Prinzip um Second Life, wo renommierte Unternehmen viel Geld in virtuelle Markenauftritte investiert haben, nur um zu merken, dass keiner hingeht. Bei uns ist das anders. Das Game ist nicht so weitläufig, sondern spielt sich in einem vorgegebenen Rennkanal ab, den die Spieler zweckgerichtet nutzen. Dadurch können wir sehr differenziert sagen, wo genau man welche Werbemittel platzieren kann und welche Wirkung sie erzeugen. Und die Werbekunden kaufen Ihnen das ab? Ja. Aber auch hier ist die Glaubwürdigkeit das Wichtigste. Konkret geht es um die Frage: Wie mache ich Werbung in Spielen zählbar? Im Fernsehen ist das leicht. Da zählt man an einer Stelle mit, wie viel tatsächlich gesehen wird. Bei einem interaktiven, digitalen Format geht das nicht. Jeder Spieler bewegt und ver-

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hält sich darin anders. Wenn ich auf der Streif nach dem Start das fünfte Tor nicht erwische und ausscheide, dann erlebe ich während des Spiels eine andere Anzahl und Intensität von Werbekontakten, als wenn ich bis ins Ziel komme, abschwinge und dabei noch im Gefühl des Sieges diese prächtigen 3D-Objekte mit den Sponsorenlogos sehe. Deshalb müssen wir für jeden Client einen gesonderten Strom an Daten erfassen, aus dem hervorgeht: Was hat der jetzt eigentlich wirklich gesehen? Dafür haben wir eine eigene Softwarestruktur entwickelt. Geht das so weit, dass einzelne Spieler je nach Interesse andere Werbung zu sehen bekommen? Das ist für uns im Moment zu weit gedacht. Allerdings können wir in Zukunft sagen: Heute ist das Ziel, zehn Millionen von diesem Banner zu verbrauchen, das aber bitte nur an 18-jährige Männer gehen soll, oder nur an Frauen aus Deutschland. Wie nehmen die Spieler diese Bannerschlacht auf? Sehr positiv. Anders als im Fernsehen unterbricht die Werbung ja nicht den Flow des Spiels. Das Spiel wirkt damit nicht nur realistischer, sondern Werbung wird sogar zum nützlichen Orientierungspunkt. In Userforen findet man in-

zwischen eine Unmenge von Tipps wie: Wenn du bei der Bande des Spaghettiherstellers schärfer rechts rüberziehst, kannst du die nächste Kurve voll durchfahren und gewinnst damit eine Sekunde. So entstehen durch die Nennung von Marken positive Kommunikationsketten. Außer ein Italiener rät das einer Deutschen, die daraufhin geradeaus in den Wald prescht, weil an der Stelle statt des Nudelfabrikanten ein deutscher Schokoladenproduzent wirbt. Das trägt nicht gerade zur Völkerverständigung bei. Da haben wir kaum negative Erfahrungen. Die Leute checken vielmehr, dass die Marken, die bei uns werben, es überhaupt erst ermöglichen, ein derart hochwertiges Game gratis spielen zu können. So ein duales System hat der Spiele-Welt unserer Meinung nach gefehlt: Neben Box Games, die 60 bis 70 Euro kosten, gibt es mit dem wie wir es machen nun auch das Angebot, wirklich gute Spiele „for free” zu nutzen. Klingt nach einer schönen Theorie. Und die Praxis? Die funktioniert ganz gut: Allein letztes Jahr wurden bei der Ski-Challenge 300 Millionen Abfahrten gefahren und das hat 40 Milliarden Ad-Impressions produziert.

Screenshots: Greentube I.E.S. AG

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multimedia Greentube 1 Screenshots aus dem erfolgreichen OnlineGame „Ski Challenge“ und der neuen „Mountainbike Challenge“ Screenshots from the successful online game “Ski Challenge” and from the new “Mountainbike Challenge” 2 Software-Entwicklung bei Greentube Software development at Greentube

PRO FILE Die Greentube I.E.S. AG ist führender Entwickler und Anbieter von Geschicklichkeitsspielen („Skill Games“) im 2D- und 3D-Bereich für Internet, iTV, Terminals und mobile Applikationen. Zu den erfolgreichsten Entwicklungen von Greentube zählt das virtuelle Skirennen „Ski Challenge“. Im 3D-Bereich stellt Greentube die Spiele kostenlos für den User zum Download zur Verfügung. Diese werden durch In Game Advertising (IGA) finanziert und in Zusammenarbeit mit großen Medienhäusern vermarktet. Greentube I.E.S. AG is the leading developer and provider of 2D and 3D skill games for the Internet, iTV, terminals and mobile applications. One of the most successful developments of Greentube is the virtual ski race “Ski Challenge“. Greentube offers 3D games for download free of charge. These games are financed through in-game advertising (IGA) and marketed by large media agencies.

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(e) In-game advertising is a question of credibility. At least, this is how Eberhard Dürrschmid sees it, turning the world of the 3D gaming industry upside down. Mister Dürrschmid, you are not seriously trying to tell us that a game plastered with advertisements will increase the player’s gaming pleasure? Of course, because advertising actually makes the game more realistic. That’s a bold theory. Imagine you are on the last level of a fantasy game, struggling with a wizard from another sphere—and suddenly you come across a Coke vending machine …

I would find that totally irritating. That’s why we only work with sports games. There, advertising has exactly the opposite effect. I think you’ll have to explain that. Certainly. Take our portfolio’s flagship, for example: a game called “Ski Challenge”. In that game the player can realistically ski down the world’s most famous runs in 3D and, for example, race others on the Streif downhill run in the Austrian ski resort of Kitzbühel. We noticed early on in the development process that the game initially looked somewhat bare. Bare? Yes. As Austrians we practically grow up watch-

ing ski races on television. We are used to seeing skiers speed past banner ads and company logos left and right. If that’s the way players have always perceived skiing on screen, they will simply miss the advertisements in a 3D game that claims to be a 1:1 recreation of the real-life situation. As a player you will think: There is something not quite right here. Realism and hence credibility are missing. So it seemed only natural to start using in-game advertising. How exactly does it work? Just like in reality. Sponsors can, for example, book a logo placement for the grandstand at Kitzbühel for one season combined 217


Multimedia Greentube

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Greentube I.E.S. AG Projekt / project: Hochlastfestes IGA Reporting / high-performance IGA Reporting Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 47.928 EUR Mariahilfer Straße 47/1/102 1060 Wien office@greentube.com www.greentube.com

3 Geschäftsführer von Greentube: Eberhard Dürrschmid Greentube CEO: Eberhard Dürrschmid

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with three inflatable objects along the track and 15 banners in strategic curves. That sounds like the principle used in Second Life where well-known companies invested a lot of money in virtual brand retailing only to realize that nobody was interested. In our case it is different. The scope of the game is not as wide as Second Life; it is limited to a preset track in which the players move. That way we can determine exactly which type of advertising can be placed where and which effect it will have. And your clients actually buy that? Yes, but here the most important issue is again credibility. We are looking at the concrete question of how advertising in games can be made countable. With television it’s easy. You count how many times something is actually seen at one particular spot. In an interactive, digital format this is not possible. Every player in it moves and behaves differently. 218

For example, if I miss the fifth gate after the start on the Streif downhill track and I drop out, I will have a different degree and intensity of contacts with advertising throughout the game than if I made it to the finish, did one final turn, came to a halt and, while still feeling like a winner, looked at those superb 3D objects bearing the sponsors’ logos. For every client we need to record a separate stream of data, which will show us what was actually seen. For this purpose we have developed a new software structure. Will this go as far as exposing individual players to ads selected according to their interests? For the time being that would be taking it too far. But in future we can say: today 10 million instances of this banner should be shown but only to 18-year-old men or to women from Germany. How do the players react to this battle of the banners? Very positively. Compared to television our advertis-

ing does not interrupt the flow of the game. The game will not only seem more realistic but ads will become useful points of orientation. User forums are now full of tips such as: if you swing more sharply to the right at the banner of the spaghetti company, you can pass right through the next curve and gain a second. In such instances naming the brands creates a positive communication chain. Except if an Italian player gives that advice to a German who will then run straight into the trees because a German chocolate producer has placed his ad there instead of an Italian pasta company. That does not exactly contribute to a better understanding between nations. We’ve had practically no negative experiences in this regard. In fact, people realize that the brands advertising here are the ones that enable them to play such a first-class game for free. We believe that such a dual system has long been miss-

ing from the gaming world. Instead of games that have to be bought for 60 or 70 euros we offer the opportunity to play really good games for free. This sounds like a wonderful theory. How does it work in practice? Quite well. Last year alone 300 million downhill runs were done in “Ski Challenge”, producing 40 billion ad impressions.


multimedia ovos realtime 3d

OVOS R E A LT I M E 3D Wozu Schwerkraft, wenn man fliegen kann n No need for gravity if you can fly von/by: Karin Pollack

(d) In der Waaggasse im vierten Wiener Gemeindebezirk sind Bäume rar. Dafür gibt es alte Häuser, in denen früher einmal Gewerbebetriebe untergebracht waren. Von der Gasse ins Büro des jungen Unternehmens ovos ist es nur eine Stufe weit. Auf grasgrünem Boden stehen in einem einstmaligen Fabrikraum zwei Reihen Schreibtische, an denen Menschen vor Bildschirmen sitzen. Die Türen stehen offen, es ist kühl und man hört nur das leise Klimpern von Tastaturen. Jörg Hofstätter (32) und Jochen Kranzer (32) haben ovos gegründet und gehen ins Besprechungszimmer, der dritte im Bunde, Hannes Amon (30), ist unterwegs.

Wofür steht eigentlich die Abkürzung ovos? Hofstätter: Unser Firmenname hat weder mit Ovomaltine noch mit Eiern zu tun, wie viele vermuten. Bitter an der Frage ist die Tatsache, dass es keine Antwort gibt. Denn warum wir so heißen, ist unser Firmengeheimnis. Nur soviel: Es ist etwas, das uns seit Beginn unseres Bestehens motiviert. Seit wann gibt es das Unternehmen? Kranzer: Seit 2004. Wir kennen uns aber schon viel länger, weil wir in Hallstatt gemeinsam die HTL für Möbelbau besucht haben. Dann sind wir nach Wien gegangen und haben Architektur studiert. Ich an der TU, Jörg an der Hochschule für angewandte Kunst. Und getrennt voneinander haben wir uns beide

für die digitalen Technologien begeistert. Architektur ohne Software ist heute gar nicht mehr denkbar. Gebäude entstehen zuerst im digitalen Raum und dann in der Realität. Was ist digitaler Raum? Hofstätter: Ein dreidimensionaler Raum am Computer simuliert. Die meisten digitalen Räume, die wir kennen, sind Nachbauten der Realität und werden auch an ihrer Realitätsnähe gemessen. Wir wollen digitale Räume mit einer eigenen Ästhetik erschaffen. Kranzer: Denn in digitalen Räumen herrschen ganz andere Regeln als in der Realität. Denken Sie an die Online-Welt von Second Life, wo sich Menschen Häuser mit Treppen bauen. Wozu Schwerkraft in digitalen

Räumen, wenn man dort fliegen kann! Das ist unser Grundgedanke und deshalb braucht niemand dort Treppen. Als Architekten digitaler Räume können wir die Gesetze der Statik getrost vergessen. Hofstätter: Die Statik im digitalen Raum ist der Programmiercode, den es in virtuellen Welten perfekt zu beherrschen gilt. Das technische Grundgerüst hat sich für unsere Arbeit einfach verlagert. Es ist Programmierung geworden. Wer braucht digitale Räume? Hofstätter: Am besten lässt sich das immer mit Beispielen erklären. Die NASA hat ein Teleskop, das genauso gut wie das Hubble-Teleskop, aber viel weniger bekannt ist. Unser Auftrag war es, für dieses sogenannte 219


Multimedia ovos realtime 3d

Spitzer-Teleskop einen virtuellen Raum zu erschaffen, der es erlebbar macht. Aus diesem Projekt ist eine Art Museum geworden, in dem Besucher durchs Weltall fliegen. Kranzer: Ein anderes Beispiel ist „Leo“, ein Computerspiel für Vorschulkinder, die dort eine Lernumgebung vorfinden. Neben Lesen, lernen sie auch die Geschichte Niederösterreichs von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Neben digitalen Räumen soll es aber auch Fernseh-Sendungen geben? Hofstätter: Zwischen Fernsehen und Computern gibt es eine jahrzehntelange Konkurrenz, die unserer Meinung nach nicht sein müsste. Wir wollen die beiden Rivalen verheiraten, indem wir das Beste beider Welten zusammenführen. Wir glauben, dass es viele unentdeckte Synergien gibt, die man nutzen könnte. Wir nennen es Augmented Virtuality TV, kurz AV-TV. Was kann Augmented Reality TV? Hofstätter: Fernsehen ist tendenziell ein passives

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: ovos realtime 3D gmbh Projekt / project: Augmented TV Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 92.875 EUR Waaggasse 2a 1040 Wien office@ovos.at www.ovos.at

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Medium, das Internet ein aktives. Eine Sendung soll ihren virtuellen Raum im Internet haben, der auch dann geöffnet ist, wenn die Sendung nicht läuft. In einer 3D-Bühnenumgebung können sich die User dort bewegen – zum Beispiel als Avatar. Die Idee ist, dass diese Avatare auch live in die Fernsehsendung kommen können. Daraus ergibt sich oft eine ganz neue Art der Interaktivität. Ein relativ einfaches Denkmodell ist die „Millionenshow“, in der auch Avatare, die sich im Internet ihre Lorbeeren verdient haben, auftreten könnten. Und was ist die Schwierigkeit daran? Kranzer: Die technische Plattform, die stabil sein muss, in Echtzeit läuft und auch dann nicht zusammenbricht, wenn viele User online sind. Bamzooki ist ein Kinderkanal auf BBC, der uns ein Vorbild war. Kinder bauen online einen Roboter, der dann in der Fernsehsendung präsentiert wird. Das Ziel? Kranzer: Ist sicherlich nicht der Hyperrealismus, den man heute auf Videokonsolen erleben kann, sondern vielmehr ein Format, das offen für unterschiedliche Medien ist. Wir werden das Fernsehen natürlich nicht revolutionieren, in bestimmten Nischen werden sich aber viele neue Wege auftun. Hofstätter: Vor allem soll es Spaß machen. Das ist uns ganz wichtig. Es wäre sehr schön, wenn wir in zehn Jahren sagen könnten, dass wir aus eigenen Ideen zehn Produkte in digitalen Räumen zur Marktreife gebracht haben.

1 Skizzen von Avataren für Augmented TV Sketches of avatars for Augmented TV

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2 Jochen Kranzer und Jörg Hofstätter in ihrem Büro in Wien Wieden Jochen Kranzer and Jörg Hofstätter at their office in Vienna’s 4 th district

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(e) Trees are scarce in Waaggasse in Vienna’s fourth district. But there are plenty of old buildings where formerly small factories and crafts workshops were located. It’s only one step from the street into the office of the young enterprise ovos. The former factory hall now has a grass green floor and there are two rows of desks with people working on computer screens. The doors are open, it’s cool and all you can hear is the gentle tapping of fingers on keyboards. Jörg Hofstätter (32) and Jochen Kranzer (32) are the founders of ovos. They go to the meeting room. Hannes Amon (30), who is out on business, completes the trio. What does the abbreviation ovos stand for? Hofstätter: The name of our company has neither to do with

Ovomaltine nor with eggs, as many assume. The bad thing about this question is that we cannot offer any answers. Why we chose this name is a corporate secret. All I can say is that it has been motivating us from the very beginning. Since when does your company exist? Kranzer: Since 2004. But we have known each other for quite a long time. We were both students at a secondary technical college for furniture construction in Hallstatt. After that we went to Vienna to study architecture. I was at the Vienna University of Technology and Jörg at the Academy of Applied Arts Vienna. But we have both been enthusiastic about digital technologies. Architecture without software is unthinkable today. Buildings are first created in the digital space and then in reality.


multimedia ovos realtime 3d

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Multimedia ovos realtime 3d

PRO FILE ovos realtime 3D gmbh entwickelt interaktive 3D-Anwendungen wie die Visualisierung von Produkten, die Simulationen oder Planung von modularen Systemen, die Aufbereitung wissenschaftlicher Daten sowie Informationsvisualisierungen mit Hilfe der Software Quest3D. Das von departure geförderte Projekt AugmentedTV zielt auf die Verbindung von Fernsehen und Internet ab. ovos realtime 3D gmbh develops interactive 3D applications such as the visualization of products, the simulation or design of modular systems, the preparation of scientific data as well as the visualization of information with the help of the Quest3D software. The departurefunded project Augmented TV focuses on the connection of TV and Internet.

What is the digital space? Hofstätter: A three-dimensional space which is simulated on the computer. Most digital spaces we know are copies of the real world and they are rated according to how realistic they appear. We want to create digital spaces that have their own esthetics. Kranzer: The digital space is governed by different rules. Just think about the online world of Second Life where people build houses with stairs. There is no need for gravity in digital spaces if you can fly! That’s our basic idea and therefore stairs are obsolete. The rules of structural engineering do not apply for architects of digital spaces. Hofstätter: The supporting structure of digital space is the programming code. In the virtual worlds that’s what you have to be proficient in. The basis for our work has simply shifted to programming. Who needs digital spaces? Hofstätter: I think that’s best explained by an example: NASA has a telescope of the same quality as the Hubble telescope but less known. It was our task to create a virtual space for the Spitzer telescope, as it is called, where it can be explored. This project has turned into a sort of museum in which visitors fly through space. Kranzer: Another example is “Leo”, a computer game creating a learning environment for children of preschool age. In addition to learning how to read they also learn about the history of the province of Lower Austria from the Stone Age to the Middle Ages. Besides these digital spaces there will also be TV programs? Hofstätter: For decades television and computer have competed but in

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our opinion that’s absolutely not necessary. We want to bring the two rivals together by combining the best elements of both worlds. We believe that there are numerous hitherto undiscovered synergies which can be used. We call it Augmented Virtuality TV, or AV-TV in short. What are the assets of Augmented Reality TV? Hofstätter: Television is a rather passive medium, while the Internet is an active one. A TV program should have its own virtual space on the Internet, which is always accessible even if the show is not on air. Users can move in a 3D stage environment, e.g. as avatars. The idea, however, is that these avatars can also be seen live on TV. This offers a completely new kind of interactivity. A quite simple model is the show ”Who Wants to Be a Millionaire?“ where avatars who earned their spurs in the Internet can then appear on TV.

And what’s the challenge? Kranzer: The technical platform has to be stable, it is in real time and it’s important that it doesn’t break down even if a considerable number of users are online at the same time. Bamzooki is a children’s channel on BBC, which inspired us: children build a robot online which is then presented on TV. The objective? Kranzer: Certainly not the hyperrealism that is offered by video consoles, but rather a format open to different media. Of course we will not revolutionize television but there will be plenty of new opportunities in certain niches. Hofstätter: Above all it should be fun. That is very important for us. It would be great if let’s say in ten years, we can say that we were successful in launching ten digital space products on the market developed out of our ideas.


multimedia platogo

PL ATOGO Kater sucht Katze Tomcat seeks she-cat von/by: Karin Pollack

(d) Florian Landerl (27) und Jakob Sommerhuber (27) kennen sich, seit sie zehn Jahre alt sind. Das merkt man, weil der eine immer schon weiß, was der andere in der nächsten Sekunde sagen wird. Früher in Sierning in Oberösterreich sind sie gemeinsam in ihren Kinderzimmern gesessen und haben Spiele für ihre Schulkameraden entworfen. 15 Jahre später machen sie das im Grunde genommen immer noch. Statt dem Kinderzimmer arbeiten die beiden als Zwei-Mann-Team namens Nullstars in einem kleinen Büro und basteln an platogo, eine Internet-Plattform für Online-Games, auf der Spiele-Entwickler Geld verdienen können sollen. Seid ihr eigentlich Computer-Nerds? Landerl: Naja, wir spielen seit fast 20 Jahren am Computer, insofern sind wir schon lange dabei. Ich habe mit sechs Jahren auf einem Commodore 64 zu spielen begonnen. Den Computer nannten wir damals noch „den Brotkas-

ten“, weil er so ausgesehen hat. Ich hab mit ganz einfachen Spielen begonnen. Mit „Last Ninja“ zum Beispiel. Gerade unlängst haben wir einen Retro-Spiele-Abend gemacht und all diese Games wieder gespielt. Ist schon ein Wahnsinn im Vergleich zu den Spielen, die es heute gibt. Sommerhuber: Mein erstes Lieblingsspiel war „Alley Cat“, das habe ich auf einem IBM-286-Computer meines Vaters gespielt. Es ging darum, dass ein Kater eine Katze erobern sollte und sich dabei vor den gefährlichen Hunden in Acht nehmen musste, denn die wollten den Kater fressen. Das ganze Spiel hatte nur vier Farben: hellblau, lila, grün und schwarz. Aber seid ihr süchtig? Sommerhuber: Nein, aber wir kennen Leute, die total in das Computerspielen reingekippt sind und Tag und Nacht nur noch spielen und alles andere vergessen. Meistens sind es aber HardCore-Games, nach denen die Leute süchtig werden. Das ist nicht unsere Domä-

ne. Wir machen Spiele für Zwischendurch, wir nennen sie Casual Games. Und mich interessiert mittlerweile einfach mehr, wie diese Spiele gemacht sind, als sie selbst zu spielen. Landerl: Wir sind nicht süchtig, und das beste Zeichen dafür, ist, dass wir beide eine Freundin haben! Nein, aber im Ernst. Man muss Computerspiele immer in Relation zum Rest des Lebens sehen. Ich spiele gerne mit Freunden, vor allem online. Für mich ist Spielen keine Sucht, keine Flucht vor der Realität. Sommerhuber: Wir sprechen mit den Spielen, die wir selbst anbieten werden, auch mehr Gelegenheitsspieler an. Also Menschen, die einfach so zwischendurch mal kurz abschalten wollen, um ein, zwei Partien zu spielen. Es gibt Studien, die belegen, dass diese Art des kurzweiligen Zeitvertreibs am Computer die Produktivität sogar steigern soll. Das ist eine gute Sache.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Nullstars OG Projekt / project: platogo – play together online Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 66.109 EUR Westbahnstraße 19 1070 Wien office@nullstars.com www.nullstars.com

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Multimedia platogo 1 Jakob Sommerhuber und Florian Landerl bei einer Runde „Space Invaders“ im „Subotron“Store im Quartier21, MuseumsQuartier Wien Jakob Sommerhuber and Florian Landerl playing “Space Invaders” at the “Subotron”Store in Quartier21, MuseumsQuartier Wien

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Welche Art von Spielen wird es auf platogo geben? Landerl: Flash-Spiele. Wenn wir im Herbst online gehen, sollen 20 oder 30 Spiele drauf sein. Aus meiner bisherigen beruflichen Laufbahn – ich habe im Ars Electronica Center gearbeitet und danach als Freelancer bei Agenturen – kenne ich viele Flash-Entwickler. Wir haben sogar eine eigene User-Group gegründet, treffen uns von Zeit zu Zeit und besprechen Probleme, an denen wir gerade arbeiten. Sie alle sollen die Möglichkeit haben, auf unserer Plattform ihre Spiele zu präsentieren. Langfristig wollen wir international arbeiten. Warum sollten die SpieleEntwickler gerade eure Plattform nutzen? Sommerhuber: Weil wir super Konditionen bieten, die es sonst nirgends gibt. Wer bei uns seine Spiele präsentiert, verdient daran. Je frequentierter die Seite ist, umso mehr wird es sich für jeden einzelnen auszahlen, weil die Spiele-Entwickler dann an den Werbeeinnahmen umsatzbeteiligt sein werden. 224

Landerl: Denn für die Besucher der Seite ist das Downloaden gratis. Wir wollen die User sogar animieren, die Spiele weiterzuentwickeln. Bei einem Autorennspiel soll sich jeder, der will, eine eigene Rennstrecke bauen können. Insofern soll sich eine interaktive Szene rund um die Flash-Spiele entwickeln, ein virtueller Treffpunkt quasi mit Eigendynamik. Und was macht ihr dabei? Sommerhuber: Ich habe Informatik studiert und bin für die Programmierung der Website verantwortlich, also dafür, dass das alles auch tatsächlich läuft. Nach meinem Studium habe ich ein Jahr bei einem Finanzdienstleister in London gearbeitet. Voriges Jahr war dann klar, dass ich mich mit Florian selbstständig machen will. Anfang des Jahres haben wir unsere Firma Nullstars (sprich: Nallstars) gegründet und im Herbst starten wir. Landerl: Ich werde für den kreativen Bereich verantwortlich sein. Nach der Schule haben sich nämlich unsere Wege vorübergehend getrennt. Ich habe an der

Fachhochschule in Hagenberg Medientechnik studiert. Wir hatten immer Kontakt, aber die Idee zu einer gemeinsamen Firma ist noch ziemlich jung. Sommerhuber: So jung aber dann auch wieder nicht. Wir haben schon in der Schule Spiele für unsere Klassenkollegen gemacht, haben sie auf Disketten gespeichert, ein Pickerl draufgeklebt und sie um 20, später um 50 Schilling pro Stück verkauft. Meine Schwester hat eine Zeit lang den Vertrieb übernommen. Und oft hatten wir Lieferschwierigkeiten. Da haben wir uns dann am Abend starken Kaffee gekocht, haben Prodigy gehört, weil uns das wach gehalten hat, und haben produziert. Wo seht ihr euch in zehn Jahren? Landerl: Wir wollen sagen können, dass wir eine Social Community im Bereich Flash-Spiele aufgebaut haben, die so gut ist, dass alle immer wieder auf platogo zurückkommen, weil es keinen besseren Ort für diesen Bereich im Internet gibt.

Das Gründerteam des jungen Unternehmens Nullstars besteht aus zwei Spezialisten in den Bereichen MultimediaProgrammierung und Softwareentwicklung. Florian Landerl hat den Studiengang Medientechnik und -design an der FH Hagenberg absolviert, Jakob Sommerhuber studierte Informatik an der TU Wien und schloss das Bakkalaureat Software Engineering sowie das Magisterstudium Wirtschaftsingenieurwesen Informatik ab. Nullstars entwickelt und betreibt platogo (Akronym für PLAy TOGether Online) ein Online-Portal für kostenlose Casual Games, das Nutzern nicht nur erlaubt Spiele zu spielen, sondern diese auch selbst mitzugestalten. The founding team of the young company Nullstars consists of two experts in the fields of multimedia programming and software development. Florian Landerl is a graduate in media technology and design from the University of Applied Sciences in Hagenberg, and Jakob Sommerhuber studied informatics and software engineering at the Vienna University of Technology. Nullstars develops and operates platogo (acronym for PLAy TOGether Online), an online portal for free casual games, which allows the users not only to play games, but to actively participate.


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1 Die platogo-Entwickler in ihrem Büro in Wien Neubau The developers of platogo in their office in Vienna’s seventh district

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(e) Florian Landerl (27) and Jakob Sommerhuber (27) have known each other since they were ten years old. You can see that, for each of them always knows in advance what the other is about to say. In the old times they used to sit in their children’s rooms in Sierning (Upper Austria) designing games for their classmates. 15 years later they basically still do just that. The two of them have teamed up to form Nullstars and have exchanged children’s rooms for a small office, where they are developing platogo, an Internet portal for online games that aims at enabling game developers to make money.

Would you say you are computer nerds? Landerl: Well, we have been playing computer games for almost 20 years; we’ve been at it for a long time. I started gaming with a Commodore 64 when I was six. We used to call it “the breadbox”, because that was what it looked like. I started with very simple games, “Last Ninja” for example. Only recently we organized a retro gaming night and played all those old games once more. It’s amazing, you cannot compare them to the games available nowadays. Sommerhuber: My first favorite game was “Alley Cat”; I used to play that on my father’s IBM 286. A tomcat had to win a she-cat, while

at the same time avoiding dangerous dogs that wanted to eat him. There were only four colors in the whole game: light blue, magenta, green and black. Are you addicts? Sommerhuber: No, but we know some people who have completely lost themselves in computer games. They play all day and all night long, forgetting everything else. Mostly, however, people get hooked on hard core games. That’s not in our line of business. We create games to be played in between jobs, we call them casual games. And as for me: I have become more interested in the way these games are structured than in playing them.

Landerl: We are no addicts, as can easily be deduced from the fact that we both have a girlfriend! But, no kidding, you always have to see computer games in relation to the rest of your life. I like playing with friends, especially online. For me gaming is no addiction, no escape from reality. Sommerhuber: The games we are going to offer are more likely to appeal to casual gamers, that is people who now and again want to relax for a while and play a game or two. Studies support that such short spells of amusement on your computer even increase productivity. And that’s a good thing.

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Multimedia platogo

What kind of games will be available at platogo? Landerl: Flash games. We plan to offer 20 to 30 games when we go online in fall. In my career—I used to work for the Ars Electronica Center and later as a freelancer for various agencies—I have met a lot of flash developers. We have even established a user group of our own; we meet occasionally and talk about the problems we are working on. All of them will have the opportunity to present their games at our portal. In the long run we want to operate internationally. Why should game developers use your portal? Sommerhuber: ‘Cause we offer great conditions not to be found anywhere else. Those who present their games at our portal will make money. The more people visit the site, the more every single developer will profit, for they will receive a proportionate share of the turnover that is generated by advertisements.

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Landerl: Downloads are free for the visitors to the site. We also want to encourage users to help advance our games. In a race game, we want them to have the opportunity to build their own racetracks if they want to. We hope that an interactive community will emerge around these flash games, a virtual meeting point with its own momentum. And what is your contribution? Sommerhuber: I studied informatics and am responsible for programming the website, for its actual functioning. After graduating I worked with a financial services provider in London. Last year Florian and I decided to set up a business. We founded Nullstars in early 2008 and will start operating in fall. Landerl: I will take care of the creative aspects. After finishing school we both went our separate ways— temporarily. I graduated in media technology from the University of Applied Sciences in Hagenberg. Though we always stayed in contact the idea of starting a business together is still quite new. Sommerhuber: But not that new. When we were at

school, we used to develop computer games for our classmates, store them on floppy disks, put a label on them and sell them for 20 and later on 50 schillings a piece. My sister organized distribution for a while. We often had delivery problems. In that case we brewed strong coffee in the evening, listened to Prodigy, ‘cause they kept us awake, and churned out disks. Where do you plan to be in ten years’ time? Landerl: We want to be able to say that we have established a social community in the field of flash games, one that functions so well that everyone returns to platogo again and again, because there is no better place of its kind on the Internet.


multimedia PLAY.FM

PL AY. FM Am T端mpel im Jahr der Ratte stand ein ratloser Chinese At a puddle in the year of the rat there was a Chinese completely at a loss von/by: Christoph Sattler

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Multimedia PLAY.FM

(d) Fest steht, dass mit Musik auch im digitalen Zeitalter gut verdient wird. MySpace, Facebook und Apple sind die besten Beispiele. Alle drei Unternehmen generieren den meisten Umsatz über ihre jeweiligen Musikfeatures. Doch genau da beginnt das Problem: Das Geld, das im Umlauf ist, landet immer seltener in den Taschen derer, die direkt mit Musik zu tun haben. Warum? Hitzenberger: Das hat verschiedene Gründe. Bei PLAY.FM ist es der, dass wir bislang ein Verein waren und gar nicht kommerziell tätig werden durften. Wie habt ihr euch dann in den letzten vier Jahren finanziert? Der Großteil der Arbeit, von der Pflege der Website, über die Aufnahmen in Clubs bis zu den Studiodiensten am Abend, wurde von ehrenamtlichen Mitarbeitern erledigt. Trotzdem gab es Fixkosten wie die Miete für die PLAY.FMLounge im Wiener MQ. Aber das ging: Denn die DJs, die hier auflegen und Live-Sendungen machen, zahlen zwar nichts dafür, dass wir ihnen die Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die Getränke zahlen sie aber schon. Bei 75 Sendungen und 100 bis 150 DJs im Monat plus Gästen kommt da ein bisschen was zusammen. So haben wir uns über Wasser gehalten. Das Prinzip der Gift Economy funktioniert also. Nur gibt es da Grenzen. Inzwischen haben wir so viele Anfragen von DJs, die ihre Sets hochladen wollen, dass wir das nicht mehr bewältigen können. Deshalb wollen wir die Website mit Web2.0-Funktionen auf ein neues Niveau heben. Eine der wichtigsten Funktionalitäten 228

wird sein, dass DJs ihre Sets selbst hochladen können. Um das zu finanzieren, müssen wir allerdings Geld verdienen. Deshalb haben wir den Verein in ein Unternehmen umgewandelt. DJs müssen für ihren Upload auf PLAY.FM in Zukunft aber nicht bezahlen? Natürlich nicht! Unsere Ideen drehen sich mehr um Werbung und den Aufbau einer Metasuchmaschine, über die man elektronische Musik im Internet suchen kann. Das klingt wie Discogs. Uns geht’s mehr um einen Preisvergleich von Tracks in verschiedenen Shops, also vergleichbar mit geizhals.at, eben für aktuelle elektronische Musik. Dabei heißt es, dass für elektronische Musik keiner mehr was zahlt. Doch. Doch. DJs auf jeden Fall. Und laut unserer Umfrage sind von den 60.000 Hörern, die PLAY.FM im Monat hat, 40 % DJs. Da ist also Potenzial. Im Endeffekt sagst du damit, dass jene, die die Musik machen, auch am meisten dafür ausgeben. Weil sie die Musik brauchen, da die meisten DJs ihr Geld durch das Auflegen in den Clubs verdienen. Mit dem eigenen Release verdient man nichts mehr? Wenn Leute an der Spitze, wie Ellen Alien mal 8.000 Mix-CDs verkaufen, ist das der Hit. Aber Releases sind in den meisten Fällen dazu da, um sich zu promoten. Denn wenn du einen Track hast, den jeder kennt, dann wirst du öfter gebucht. Egal ob du ihn verschenkt oder Geld damit verdient hast. Labels können sich in dem System verabschieden. Nein. Die meisten bekannten Musikproduzenten haben ein

Label. Es ist ja ein Renommee, wenn du auf einem bestimmten Label bist. Dafür nehmen die auch relativ viel Geld von einem Track. Andererseits finanzieren sie damit die PR. Das ist ein zwiespältiges Verhältnis. Ein Label ohne gute Artists ist nichts. Und ein guter Artist ohne ein gutes Label hat es schwer, an die Spitze zu kommen. Es gibt inzwischen eine solche Unmenge an Releases, da muss es einen Filtermechanismus geben. Im Gegensatz dazu seid ihr ja Blinde. Wie bitte? Im positiven Sinn. Bei PLAY. FM kann jeder sein Set hochladen und ihr bewertet nicht vorab, ob es gut ist oder nicht. Stimmt. Bei uns entscheiden am Ende die Zuhörerminuten. Es ist auch leicht, einen neuen DJ oder sein Set jemand anderem zu empfehlen. Das verändert schon was, weil im besten Fall der Club voll ist, obwohl der DJ vorher noch keine PR hatte. Leider ist es aber trotzdem eine traurige Tatsache, dass kein DJ von einem Erfolg auf PLAY.FM finanziell direkt profitiert. Was heißt das jetzt? Das heißt, dass sich die Verwertungsgesellschaften, an die wir natürlich auch Geld abführen müssen, nicht den Aufwand antun, den Erfolg eines Artists auf PLAY.FM abzurechnen. Ausgewertet wird nur, was in den großen Frequenzradios am meisten gespielt wird. Von dem Geld, das wir in den Topf zahlen, wird also letztlich Rainhard Fendrich bedient. Und was macht man da? Da macht man so was wie Last.fm und beteiligt die Artists an den Werbeeinnahmen. Das ist langfristig das Ziel. Deshalb ist Werbung für uns so wichtig.

Damit kommt das GooglePrinzip, bei dem der Einzelne ein paar Cent mit Ads im eigenen Blog verdient, der Provider aber von allen ein bisschen was und somit recht viel, auch in der Musik an. Die Frage ist doch: Was ist fairer? Als Artist garantiert kein Geld zu sehen, oder es so lange im Topf zu sammeln, bis ein Minimalbetrag erreicht ist, der auszahlbar ist. Das macht mich ratlos. Gibt es denn keine andere Variante als DJ Geld zu verdienen? Doch. Hauptberuflich irgendetwas anderes machen, um sich den Nebenberuf als DJ leisten zu können. So machen es die meisten.

1 Georg Hitzenberger, Geschäftsführer von PLAY.FM Georg Hitzenberger, CEO of PLAY.FM 2 Club-Atmosphäre, Radiomachen live und DJ Lines: PLAY.FM Lounge im Wiener MuseumsQuartier Club atmosphere, live radio and DJ line-ups: PLAY.FM Lounge in the MuseumsQuartier Wien


multimedia PLAY.FM

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(e) It’s a fact that even in the digital era you can make good money with music. My Space, Facebook and Apple are the best examples. All three companies generate most of their turnover with their music features. And there’s the problem: those who have to do with music rarely receive any of the money that is circulating. Why is that so? Hitzenberger: There are different reasons. With PLAY. FM the problem is that so far we were an association that was not allowed to operate on a commercial basis. How did you finance you work over the past four years? The major part of our work—the maintenance of the website, recordings in clubs and studio services in the evening—was done by volunteer staff. Nevertheless we had fixed expenses

like the rent for the PLAY.FM lounge in Vienna’s MQ. But somehow we managed that: the DJs who play the music and do their live broadcasts here don’t pay for the infrastructure that we provide. But they pay for their drinks. With 75 broadcasts and 100 to 150 DJs per month plus guests we earn a little bit. So we managed to keep our heads above water. So the gift economy principle works. Of course there are certain limits. Meanwhile we have so many enquiries by DJs who want to upload their sets, it’s too much. Therefore we want to upgrade the website with Web 2.0 features. One of the most important features will be the opportunity for DJs to upload their sets themselves. But we have to earn money to finance it. That’s why we have turned the association into a company.

But DJs won’t have to pay for their upload on PLAY.FM in the future? Of course not! Our ideas rather focus on advertising and on the development of a meta search engine for searching electronic music in the Internet. Sounds like discogs. What we have in mind is the price comparison of tracks in different shops, a sort of ”price spider“ for current electronic music. They say that there’s little interest in paying for electronic music. No, no. DJs do. And according to our survey 40 percent of the 60,000 monthly listeners of PLAY.FM are DJs. So there actually is potential.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: PLAY.FM GmbH Projekt / project: PLAY.FM 2.0 Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 173.901 EUR Museumsquartier, quartier 21 Museumsplatz 1 1070 Wien office@play.fm www.play-fm.net

But what you say is that those who make the music spend the most for it. Because they need the music, most DJs earn money by playing music in clubs. 229


Multimedia PLAY.FM 3 Quartier21: Eines der von PLAY.FM vergebenen Studios für „Artists in Residence“ Quartier21: One of the studios allocated by PLAY.FM to Artists in Residence

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You don’t earn anything anymore with your own releases? If people on top like Ellen Alien sell 8,000 mix CDs, well, that’s a hit. But above all you need releases for promotion purposes. If you have a track that everybody knows you’re hired more often. No matter whether you gave it away for free or earned money with it. A system that needs no labels. No. Most of the wellknown music producers do have a label. A label, that’s a question of prestige. A large part of the money earned with a track goes to the label. On the other hand it’s them who do the promotion. It’s ambivalent. A label without good artists is worth nothing. And for a good artist it’s hard to get on top without a good label. Today there is really a vast quantity of releases, there has to be a certain filter mechanism. Compared to that you are all blind. I beg your pardon? 230

In a positive sense. With PLAY.FM everybody may upload his set. You don’t rate in advance whether it is good or not. That’s right. What’s decisive in the end are listener minutes. And it’s easy to recommend a DJ or his set. Thus you can change things, at best the club will be filled although there was no promotion. What’s not so positive is that even DJs who are successful on PLAY.FM don’t directly profit from that financially. What does this mean? It means that the reproduction rights organizations to which of course we have to pay money actually don’t trouble themselves to transfer any money to the artists on PLAY. FM. They only look at what is played by the large radio stations. So finally, it’s the superstars who get the money. And what can you do? You create something like Last. fm and give the artists a share of the advertising rev-

enues. That’s the long-term target. That’s why advertising is so important for us. So the Google principle also applies to the music business: everyone may earn a few cents with ads placed in his own blogs, and the provider gets a little bit from everybody which in total is quite a lot. The question is: what’s more fair? To definitely receive no money at all or to collect it until there is a minimum amount which is then paid to the artist. I’m at a loss. Is there no other way for DJs to earn money? Sure. To earn his living with something else and moonlight as a DJ. That’s what most of them do.

Das Web-Radio PLAY.FM ist mit über 8.000 DJ-Sets und Konzert-Mitschnitten bereits jetzt die umfangreichste Audio Datenbank für DJ- und Club-Kultur im Internet. Aufgezeichnete Events aus bekannten Clubs wie Flex (Wien), Fabric (London) oder Womb (Tokio) können neben Radiosendungen und StudioSets aus der ganzen Welt kostenlos und on-demand gehört werden. Monatlich nutzen mehr als 60.000 Menschen die stark wachsende Plattform, auf der sowohl Aufnahmen von internationalen Stars wie Coldcut, DJ Hell, Sven Väth, Laurent Garnier, Tiefschwarz, Ed Rush oder Jazzanova als auch lokaler Talente begeistern. PLAY.FM 2.0 kombiniert diverse Partizipationsmöglichkeiten für eine klar definierte Community in einem umfassenden, interessanten und interaktiven Angebot und besetzt damit eine wertvolle Marktnische. With over 8,000 DJ sets and concert recordings the web radio PLAY.FM is one of the most comprehensive audio data bases for the DJ and club culture on the Internet. In addition to radio broadcasts or studio sets from all over the world, events recorded in well-known clubs such as Flex (Vienna), Fabric (London) or Womb (Tokyo) may be listened to on demand and free of charge. Every month more than 60,000 persons use the fast growing platform which offers recordings of international stars such as Coldcut, DJ Hell, Sven Väth, Laurent Garnier, Tiefschwarz, Ed Rush or Jazzanova as well as of local talents. By combining various opportunities of participation for a clearly defined community PLAY.FM 2.0 provides a comprehensive, interesting and interactive offer and thus occupies an important market niche.


I promise that the soul that will venerate this image will not perish.

Rosebud, Inc. Brand Publishing www.rosebud-inc.com


Multimedia VMS

VMS Machen R채ume lebendig They liven up rooms von/by: Karin Pollack

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multimedia VMS

(d) Diskotheken- und Clubbesucher wissen, wie eine gute Lichtshow die Stimmung am Dance-Floor aufheizen kann. Wenn einander Blitze und Finsternis zu lauter Musik abwechseln, Lichtkugeln durch den Raum fetzen und bewegte Bilder an die Wände projiziert werden, dann reizt das so ziemlich alle Sinne und lässt die Menschen den Alltag vergessen. Und genau das ist das Ziel. Udo Kapeller (44) und Thomas Kühne (46) inszenieren Lichtshows. Sie montieren bewegliche Spiegel auf Projektoren und bewegen Videobilder durch den Raum. Rund um diese Grundidee hat ihr Unternehmen VMS eigenes Equipment und Technologie entwickelt und in den vergangenen vier Jahren eine weltweite Vermarktung für Konzerte, Ausstellungen und Live Acts aufgebaut. Der Firmensitz: die ehemalige Alpenmilchzentrale im vierten Wiener Gemeindebezirk. Das Unternehmen VMS (Video Moving System) gibt es seit vier Jahren. Wann haben Sie zum ersten Mal gemeinsam gearbeitet? Kapeller: Unser erstes gemeinsames Projekt war 2003 „Space Cowboys“, ein Festival, für das wir Bilder in einen Steinbruch projiziert haben. Wir kannten uns aber schon viel länger, weil wir bei diversen Veranstaltungen immer wieder miteinander zu tun hatten. Als Lichtplaner habe ich viele Shows und Festivals organisiert. Kühne: Ich komme aus dem Film, habe lange Zeit in der Werbung gearbeitet und für Großveranstaltungen Live Visuals gemacht. So sind wir zusammengekommen und haben dann begonnen, gemeinsam mit Licht und Video zu experimentieren.

Was sind Live Visuals? Kühne: Live Visuals sind die optische Ergänzung zum akustischen Musik-Erlebnis. Real-Bilder, Muster oder Animationen werden live zusammengemischt und zu einer Rauminstallation verdichtet. Gute Diskotheken leisten sich heute nicht nur einen DJ, der für die Musik sorgt, sondern auch einen VJ, der für die bewegten Bilder im Laufe eines Abends zuständig ist. Live Visuals haben sich mittlerweile als eigenständige Kunstform etabliert. Kapeller: Es gibt viele Anlässe für Live Visuals. Wenn die Rolling Stones oder die Red Hot Chili Peppers auftreten, dann ist der Einsatz von Video immer ein ganz wesentlicher Teil des Konzerterlebnisses. Aber man braucht längst kein RollingStones-Budget mehr, um unglaubliche Effekte zu erzielen. Wir bieten Lösungen für Diskotheken, Festivals und Ausstellungen. Was genau haben Sie entwickelt? Kühne: Wir haben ein Equipment entwickelt, das Videoprojektion aus dem Fernsehformat befreit und den gesamten Raum zur Projektionsfläche macht. Über steuerbare Spiegel vor dem Projektor können wir Videobilder in jede Ecke lenken. Zur Bewegung im Videoclip kommt also noch die Bewegung der Projektion im Raum. Kapeller: Wir sind eine Symbiose aus Technik und Kreativität. Mein Part liegt mehr auf der technischen Seite, Thomas konzentriert sich auf Video-Content. Unsere Technologie dafür ist weltweit einzigartig. VMS läuft in vielen europäischen Ländern, aber auch in Asien und Amerika in Clubs und Diskotheken, außerdem auf Festivals – etwa in Wiesen oder unlängst in Barcelona auf der Musikmesse „So-

PRO FILE Der Film- und Videospezialist Thomas Kühne und der Lichtdesigner Udo Kapeller haben mit dem VMS die Lichttechnik revolutioniert, indem sie Video- und Lichtquelle zusammenführen. Nach der erfolgreichen internationalen Etablierung der Marke VMS bringt das Unternehmen nun die neue Produktlinie „Content on Board“ (CooB) auf den Markt. Die zukunftweisende Idee hinter dem Produkt ist Videos in die Hardware zu integrieren. With their VMS film and video specialist Thomas Kühne and light designer Udo Kapeller have revolutionized light technology by using video projections as light sources. After the successful establishment of the label VMS on the international market the company is now launching the new product line “Content on Board” (CooB). The trend-setting idea behind the project is to integrate video systems into the hardware.

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Multimedia VMS

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2 1 Film- und Video-Spezialist Thomas Kühne und Lichtdesigner Udo Kapeller Film and video expert Thomas Kühne and light designer Udo Kapeller

nar“. Unsere Videos laufen auf Wänden, aber auch über Ecken und Kanten und machen Räume lebendig. Und wer macht die Visuals? Kühne: Wir arbeiten mit heimischen und internationalen Videokünstlern zusammen. Wir produzieren auch DVDs mit fertig gemischten Videoclips, die wir dann im Paket mit unserem Equipment anbieten. Auf diese Weise können auch dort Visuals projiziert werden, wo kein VJ vor Ort ist. VideoProjektionen sind heute Standard in professionellen Shows. Kapeller: In den letzten zehn Jahren ist auf diesem Gebiet unheimlich viel passiert. Noch vor ein paar Jahren waren Videoprojektoren extrem teuer, vor allem wirklich gute Qualität konnte sich kaum jemand leisten. Heute gibt es Geräte, die nicht mehr viel kosten, aber erstklassige Bilder liefern. Dementsprechend 234

2 2 Produktionsstätte für das Video Moving System in der Alpenmilchzentrale in Wien Wieden Production location of the Video Moving System in the Alpenmilchzentrale in Vienna’s fourth district

wächst die Bereitschaft, Videoprojektionen einzusetzen. Kühne: Star-DJs wie etwa Sven Väth, Michael Mayer oder Peter Kruder liefern heute längst nicht mehr nur Musik, sondern auch eine eindrucksvolle Licht- und Videoshow. Wir machen aus Videos Licht – das ist vielleicht die einfachste Erklärung für das, was wir machen. Beschränkt sich der Einsatz Ihrer Systeme aufs MusikBusiness? Kapeller: Nein, überhaupt nicht, auch in Theatern und Museen. Die Anwendung in der Architektur wird zunehmend Thema. Wofür wird die Förderung verwendet? Kapeller: Für eine technische Applikation namens Content on board (CooB). Mit dieser Erweiterung wird es möglich sein, nicht nur Spiegelbewegungen, sondern auch Videos auswählen und über das Lichtpult steuern zu können.

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Damit kann jeder Lichttechniker auch Videosysteme bedienen, und zwar mit einer Steuerungseinheit, die er gewöhnt ist. Damit das funktioniert, mussten wir Videos und Hardware miteinander verbinden. Jeder Lichttechniker soll mit CooB Videos projizieren und steuern können. Kühne: Viele Lichtleute haben Scheu vor dem Einsatz von Videos. Wir denken, dass sie nur die richtigen Werkzeuge brauchen. Was wollen Sie in zehn Jahren erreicht haben? Kühne: Das Schönste wäre, wenn wir nicht mehr erklären müssten, was wir eigentlich machen, weil es jedem klar ist. Momentan leisten wir viel Aufklärungsarbeit. Das bewegte Bild ist ein spannendes Medium. Auf diesem Sektor tut sich viel. Die Entwicklung ist rasant, sowohl technisch als auch künstlerisch.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: VMS – Kühne & Kapeller GesnbR Projekt / project: CooB Entwicklung und Vermarktung / CooB development and marketing Programm / program: C/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 123.340 EUR Viktorgasse 22/18 1040 Wien office@vms-at.com www.vms-at.com


multimedia VMS

(e) Disco and club-goers know it: good light shows heat up the dance floor. Loud music, bright flashes permeate the darkness, balls of light dash through the room, moving images are projected onto walls— all senses are stimulated and everyday life is forgotten. And that’s exactly how it should be. Udo Kapeller (44) and Thomas Kühne (46) produce light shows. They put movable mirrors onto projectors and move video images around the room. Their company VMS has devised special equipment and technologies and has successfully organized the worldwide marketing for concerts, exhibitions and live acts over the past four years. VMS is located in Vienna’s fourth district in the former premises of Alpenmilchzentrale.

Foto / photo: VMS – Kühne & Kapeller GesnbR

The company Video Moving System (VMS) was established four years ago. When did you first work together? Kapeller: Our first common project was “Space Cowboys” in 2003, a festival where we projected images in a quarry. But we had already known each other for a long time as we frequently worked at the same events. As a light designer I have organized a great number of shows and events. Kühne: I originally worked in the film industry, I did advertising for a long time and made live visuals for large events. That’s how we met, and then we decided to experiment on light and video together. What are live visuals? Kühne: Live visuals complement the acoustic music experience. It’s an installation, a live combination of real images, patterns or animations. Good discos do not only hire DJs for the music but also VJs for the

moving images. Live visuals have meanwhile become a recognized art form. Kapeller: There are numerous occasions for live visuals. Videos have become part and parcel of the shows of the Rolling Stones or the Red Hot Chili Peppers. But today you no longer need a Rolling Stones-like budget to achieve astonishing effects. We offer solutions for discos, festivals and exhibitions. What exactly did you develop? Kühne: We developed equipment that allows using an entire room as a projection screen, thus video projections are no longer limited to TV format. Via controllable mirrors in front of the projector video images can be shown in every corner of the room. In addition to the movements in the video clip there are also moving projections. Kapeller: We are a symbiosis of technology and creativity. I am responsible for the technical part while Thomas focuses on the video content. The technology we use is worldwide unique. VMS is used in numerous European countries, but also in Asia or America, in clubs and discos or on festivals like the one in Wiesen or only recently at the “Sonar“ music fair in Barcelona. Our videos are displayed on walls, corners, edges, they liven up rooms. Who makes the visuals? Kühne: We cooperate with Austrian and international video artist. We also produce DVDs with complete video clips which we offer in combination with our equipment. Thus it is possible to project videos even if there is no VJ. Video projections have become a standard feature of professional shows. Kapeller: There has been an enormous progress in this field over the past years.

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3 Video Moving System: Über einen beweglichen Spiegel werden Videobilder projeziert Video Moving System: Videos are projected via a movable mirror

Only a few years ago video projectors were extremely expensive, good quality was hardly affordable. The equipment available today is far less expensive but provides top quality images. Thus there is increasing interest in using video projections. Kühne: Star DJs like e.g. Sven Väth, Michael Mayer or Peter Kruder do not only provide music but impressive light and video shows. We make light out of videos— that’s probably the simplest explanation of what we do. Is your system exclusively used in the music business? Kapeller: No, not at all, it’s also used in theaters and museums, and increasingly in the field of architecture. What will you use the granted funding for? Kapeller: For a technical application named Content on board (CooB). With the help of CooB we will be able to select mirror movements and videos and control them via the light mixer. Thus every light engineer can operate video systems with a control

unit he is familiar with. We had to combine videos with hardware to make this work. Every light engineer shall be able to project and operate videos with CooB. Kühne: There are quite a number of light engineers who don’t like to use videos. We think that they just need the appropriate equipment. What would you like to have achieved in ten years’ time? Kühne: It would be marvelous if we didn’t have to explain anymore what it is that we are doing, because everybody is familiar with it. We are still doing a lot of explanatory work. The moving image is a very exciting medium. There is much going on in this field and both technical and artistic developments are fast.

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Multimedia WriteFlow

WRITEFLOW Sammeln, speichern, wiederfinden Collect, store, retrieve von/by: Karin Pollack

(d) Schreibende, allen voran Studierende, sind hinsichtlich ihrer Bedürfnisse im Computerzeitalter nicht optimal ausgerüstet, sagen Georg Maißer (30) und Herwig Czech (33). Die beiden Geisteswissenschaftler – Maißer ist Philosoph, Czech Historiker – verlassen den Elfenbeinturm der hehren Gedanken und entwickeln eine Software, mit der man einfach alles, was man jemals am Computer geschrieben, gelesen oder als digitales File abgespeichert hat, wieder finden können soll. Und zwar automatisch. Eine schöne Vorstellung. Was ist das Schöne am wissenschaftlichen Arbeiten? Czech: Die Autonomie, die Selbstbestimmung, das Produzieren von nachhaltigem Wissen. Maißer: Für mich ist es die lange profunde Auseinandersetzung mit einem Thema. Ich arbeite gerade an meiner Dissertation „Terrorismus. Zur Wahrnehmung und Rechtfertigung von Gewalt.“ Dafür lese ich seit Jahren, schreibe Zitate 236

aus Büchern heraus, finde Dokumente im Internet und speichere sie, fasse Bücher zusammen. Erst wenn man eine Materie beherrscht, wird das Schreiben selbst zu einem flüssigen Prozess. Czech: Der aber oft nur dadurch gestört ist, weil man irgendetwas sucht, ein Zitat zum Beispiel, und es partout nicht findet.

Es soll ein System sein, das für all diese unterschiedlichen Informationen ein Reservoir ist. Und wenn man etwas suchen will, hat man verschiedene Möglichkeiten. Man kann nach Stichworten, nach Datum, nach Autoren, nach Datei-Formaten suchen – und befördert schließlich das gesuchte Objekt ans Tageslicht.

Gibt es denn gar keine Software, die Wissenschaftlerunterstützt? Czech: Klar gibt es die. Es gibt Datenbanken, in die wir unsere Zitate eintragen können. Die meisten schreiben in WordDokumenten und müssen erst lernen, mit den vielen Features umzugehen. Dabei vergehen Stunden. Und natürlich sammelt man auch Informationen aus allen möglichen Quellen und speichert sie ab. Maißer: Und genau das ist das Problem. Man sammelt und speichert und sammelt und speichert und am Ende – nach ein paar Monaten – weiß man gar nicht mehr, wo jetzt eigentlich was ist. Sammeln, speichern und wieder finden ist die Idee hinter WriteFlow.

Sind Sie selbst systematische Menschen? Czech: Sehr systematisch. Oft ist es deshalb schwer, ein Ende zu finden. Man unterschätzt aber die Möglichkeiten der Software. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich über die Jahre richtige Datenfriedhöfe produziert habe. Im Rahmen von WriteFlow habe ich die Funktion, das kritische Gewissen zu sein. Ich kenne die Anforderungen, teste Usability und Design. Maißer: Ich bin eher ein unsystematischer Mensch, deshalb würde ich mir eine unterstützende Software wie WriteFlow auch so sehr wünschen. Es gibt Menschen, die immer alles ordnen. Ich bin nicht so. In unserem System muss

man aber auch gar nichts ordnen und wenn man was sucht, dann erledigt die Software die Recherche. Man kann sich ja gar nicht vorstellen, wie viel Zeit mit Software-Problemen verloren geht. Anstatt Texte zu produzieren, kämpft man mit Datensätzen. Das heißt, die Idee ist aus eigenem Frust entstanden? Maißer: Nein, so krass war es nicht. Aber ich habe schon während des Studiums viel über Bibliographien, Daten, Verschlagwortung, Fußnoten und alle anderen Regeln, die wissenschaftliche Texte erfüllen müssen, nachgedacht. Teilweise habe ich anderen geholfen, die mit ihren WordDokumenten am Rande der Verzweiflung waren. Man darf ja nicht vergessen, dass, wenn man in diesen riesigen Dokumenten, deren hunderte Seiten in sich aufeinander verweisen, etwas ändert, dann muss das System das automatisch erkennen. Czech: Es geht um wissenschaftliches Schreiben unter besseren Voraussetzungen.


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(e) In the age of computers, the needs of people who write, above all students, are not met ideally, as Georg Maißer (30) and Herwig Czech (33) say. The two humanists—Maißer is a philosopher, Czech a historian—are leaving the ivory tower of lofty considerations and developing software designed to retrieve everything you have ever written or read on your computer or saved as a digital file—automatically. What a beautiful idea!

Maißer: Und als ich für ein halbes Jahr in London war, um meine Dissertation fertig zu schreiben, hat mich die Geschäftigkeit dort inspiriert. Fast jeder dort denkt nach, wie er Geld verdienen könnte, welche Geschäftsideen gerade die richtigen wären – da habe ich mich entschieden, den Vorstoß zu wagen. Und woher kennt ihr euch? Maißer: Wir waren 2006 gemeinsam am Institut für die Wissenschaften vom Menschen Junior Fellows. Was sind eure nächsten Schritte? Czech: Wir wollen die Programmierung der Plattform auf stabile Beine stellen und vor allem die Möglichkeit schaffen, dass User von WriteFlow auch Daten austauschen können. Es geht um eine Peer-toPeer-Lösung. 238

Maißer: Wenn zum Beispiel jemand anderer so wie ich über den Terrorismus forscht und in unserem System Wissen aus unterschiedlichen Quellen sammelt, dann wäre es toll, wenn ich mit diesem anderen Wissenschaftler Daten austauschen könnte. Das würde meine Arbeit massiv erweitern und umgekehrt. Die Vernetzung wäre auch zum Austausch und Kommentieren der Arbeit des anderen eine gute Sache. Was wollt ihr idealerweise erreichen? Maißer: Schön wäre, wenn es uns gelingt, WriteFlow als Tool bei Studierenden zu etablieren. Czech: Im Grunde genommen ist es aber ein sinnvolles Werkzeug für alle Menschen, die viel schreiben. Das müssen nicht einmal Wissenschaftler sein. Selbst jemand, der nur Ta-

gebuch führt und seinen Aufzeichnungen Fotos oder Weblinks hinzufügt, könnte schon davon profitieren. Weil er findet, was er sucht. Die wenigsten kennen ihre Festplatten auswendig und erinnern sich, wo was abgespeichert ist. Wann soll es fertig sein? Maißer: Diesen Sommer habe ich meine Dissertation abgeschlossen, WriteFlow Version 1.0 soll dann im Oktober fertig sein.

What is so attractive about academic work? Czech: Autonomy, self-determination, producing sustainable knowledge. Maißer: For me it is the opportunity to study a subject in depth for a long time. I am working on my thesis entitled “Terrorismus. Zur Wahrnehmung und Rechtfertigung von Gewalt” [“Terrorism. On the Perception and Justification of Violence”]. For years I have been reading for this project, writing down quotations from books, finding documents on the Internet and saving them, summarizing books. Only when you have a good grasp of a subject, writing becomes a fluent process. Czech: … which is often interrupted just because you look for something, for example a quotation, and are unable to find it. Isn’t there any software to help academics? Czech: Oh yes, there is. There are data bases into which we can enter quotations. Most of us work with Word document files and have to learn how to use its great many features. This may take many hours. And naturally you collect data from all kinds of sources and store them. Maißer: That’s the problem. You collect and store, collect and store, and in the


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end—after a few months— you no longer know where to find what you have stored. Collect, store and retrieve, that is what WriteFlow is all about. It is designed to provide a reservoir for all these various pieces of information. It offers a number of possible ways for searching: You can search by keyword, date, author or file format, thus unearthing what you are looking for. Would you characterize yourselves as systematic persons? Czech: Very systematic. It is often hard for me to know when to stop. You tend to underestimate the possibilities offered by software. I realized, for example, that I had created data graveyards over the years. As far as WriteFlow is concerned, my task is to act as the critical conscience. I know what is needed and test its usability and design. Maißer: I am not the systematic type, that’s why I am longing for software like WriteFlow to support my work. Some people always put everything in order. I am not like that. Our system does not require users to arrange anything in proper order, and when they look for something, it is the software that conducts the search. You cannot imagine how much time is lost because of software problems. Instead of writing texts you struggle with data sets.

that the system has to be able to automatically spot any changes made in these giant files with hundreds of pages full of cross-references. Czech: It is about creating better conditions for academic writing. Maißer: I was also inspired by the bustle in London, where I spent half a year in order to complete my thesis. Almost everybody there thinks about the right way to earn money, the right business ideas—that’s when I decided to take the chance. And where did you two meet? Maißer: In 2006 we were both junior fellows at the Institute for Human Sciences. What are your next steps? Czech: We want to provide a sound basis for the platform’s programming and above all enable users of WriteFlow to exchange data. We aim at a peer-to-peer solution. Maißer: If, for example, somebody else conducts research into terrorism, as I do, and collects knowl-

edge from various sources with our system, it would be great if I could exchange data with this other scholar. That would greatly expand my work and vice versa. Such a network would also be a good thing for exchanging opinions and commenting on one another’s work. Ideally, what do you wish to achieve? Maißer: It would be nice if WriteFlow was to become an established tool among students. Czech: Basically it is a useful tool for all people who write a lot, not only for scholars. Even someone who simply writes a diary and adds photos or web links to his notes may profit from WriteFlow. ‘Cause this person will find what he or she is looking for. Hardly anyone knows his hard disk by heart and remembers what he filed where. When is it supposed to be available? Maißer: I’ve finished my thesis this summer. WriteFlow Version 1.0 is supposed to be available in October.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Georg Maißer Projekt / project: WriteFlow.net Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 78.787 EUR Untere Augartenstraße 28/24 1020 Wien www.writeflow.net

1 Georg Maißer und Herwig Czech in der Bibliothek des Instituts für die Wissenschaft am Menschen Georg Maißer and Herwig Czech in the library of the Institute for Human Sciences

Do you mean the idea grew out of your own frustration? Maißer: No, it wasn’t that bad. However, even when I was still a student, I did think a lot about bibliographies, data, attributing keywords, footnotes and all the other rules that have to be met by academic texts. Sometimes I helped others that were on the brink of desperation with their Word files. You must bear in mind 239


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XENDEX Einen Knopfdruck weg vom Fun Fun at the push of a button von/by: Christoph Sattler

(d) 2007 wurden mit dem Verkauf von Handyspielen weltweit 2,4 Milliarden Dollar verdient. 2008 wird der Gesamtumsatz 4,5 Milliarden betragen und spätestens 2012 wird die Branche die 10-Milliarden-Marke knacken. Das klingt nach viel. Oder auch nicht. Michael Haberl erklärt, warum. Der Mobile-Games-Markt boomt. Trotzdem orten Sie Fehler im System. Die Zahlen, auf die Sie anspielen, sind ja nur der eine Wert. Der andere Wert ist, dass heute 3,3 Milliarden Menschen ein Handy haben, also jeder zweite auf der Welt. 99 % dieser Handys sind spielefähig. Bislang kaufen aber nur 5 % der Handybesitzer Mobile Games, während 50 % aller User Handy-Games spielen. Vermutlich sind das die Spiele, die bereits vorinstalliert sind. Genau. Die meisten Marktforschungsunternehmen glauben, dass sich die Schere schließen wird. Aber es gibt jede Menge Gründe, die dagegen sprechen, dass das wirklich so schnell passiert. Welche? Ein Mobile-Game zu kaufen, ist für sich schon ein Abenteuerspiel. Die meisten Handy-User wissen nicht mal: Wie kann ich ein Game kaufen? Wo muss ich 240

mich hinwenden? Was tippe ich da ein? Oder gibt’s eine Taste, die mich direkt verbindet? Spiele kaufen ist also zu komplex? Auf ein mobiles Portal zu gelangen, ist schon komplex. Und selbst, wenn ich das schaffe, sind viele weitere Schritte erforderlich, um das passende Spiel zu kaufen. Es gibt eine Studie, die besagt, dass mit jedem Link, der auf einer mobilen Seite aufgerufen werden muss, 20 % des Traffics verloren geht. Wenn also 100 die Startseite eines Portals überhaupt mal finden, und der erste Link auf die Spieleseite führt, wird der von 20 schon nicht mehr genutzt. Den nächsten Click auf das Spiel der Woche machen von den 80 Verbliebenen nur mehr 64 und so weiter und so weiter. Amazon hat dieses Problem mit der 1-Click-Option schon längst gelöst. Über Amazon lassen sich MobileGames aber nicht vertreiben, denn 85 % aller User kaufen Spiele direkt über ihr Handy, also nicht im Web oder wegen Fernsehwerbung. Damit werden die Netzbetreiber zum Gatekeeper. Sie haben den Vorteil, dass sie jeweils ein paar Millionen User haben, die nur über ihr vorinstalliertes Portal ins Internet kommen und damit natürlich zuerst


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PRO FILE Xendex zählt zu den Top Anbietern von Handyspielen weltweit und bietet neben der Eigenentwicklung verschiedene Game-Services an. Insgesamt hat Xendex bis dato über 65 Handy-, Casino- und Werbespiele selbst produziert. Weitere Services von Xendex umfassen Content Aggregation, maßgeschneiderte Testing-Services sowie komplette Lifecycle Management Services für mobile Content Portfolios. Über 500 lizenzierte und getestete Spiele von mehr als 60 international tätigen Firmen stehen Xendex hierfür zur Verfügung. 10 bis 15 Titel kommen pro Woche dazu. Das von departure geförderte Projekt bietet erstmals die Möglichkeit, Entwickler und Publisher von mobile Games mit Anbietern von mobile ContentServices besonders einfach direkt zusammenzubringen. Damit wird Content-Partnern flexibel und kostengünstig Zugang zu einer wachsenden und stark involvierten Zielgruppe angeboten. departure unterstützt durch die Etablierung der Plattform die Schaffung eines dynamischen Online-Marktplatzes, der die Transaktionskosten aller Beteiligten reduziert. Firmen, die Spiele für Ihre Plattform verwenden möchten, können ohne langwierige Marktrecherchen oder Content-Tests aus dem umfangreichen Pool von Xendex auswählen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, sowohl großen, als auch kleinen und mittleren Unternehmen ein eigenes, individuell „gebrandetes“ Mobile Games-Portfolio zu Marketingzwecken anzubieten. Zusätzlich können Game Studios über Xendex bereits entwickelte Spiele weiteren Distributionskanälen direkt zuführen. Xendex figures among the top providers of cell phone games worldwide and offers both own developments and several game content services. So far Xendex has produced more than 65 cell phone, casino and advertising games. Further services offered by Xendex include content aggregation, tailor-made testing services as well as complete lifecycle management services for mobile content portfolios. Over 500 licensed and tested games of more than 60 internationally active companies are available to Xendex for this purpose. 10 to 15 titles are added each week. For the first time the departure-funded project offers developers and publishers of mobile games the opportunity to easily establish contact with providers of mobile content services. Thus content partners are offered a flexible and cost effective access to a growing and strongly involved target group. Through the creation of the platform departure supports the development of a dynamic online market place, which allows to considerably reduce transaction costs of all parties involved. Companies that want to use games for their platforms may choose from the vast pool of Xendex without tedious market research or content tests. Thus they have the opportunity to offer both large and small or medium-seized companies an individual, “branded” mobile games portfolio for marketing purposes. Via Xendex games studios can also directly use additional distribution channels for already developed games.

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auf ihrem eigenen ContentPortal landen. Mobilfunkanbieter brauchen damit nur einen Bruchteil des Marketingbudgets anderer Anbieter, um auf sich aufmerksam zu machen. Mit der verstärkten Nutzung von Mobile-Internet, wird sich das verändern. Ja, nur kostet im Mobile-Internet jeder Click zusätzlich Geld. Ich zahle also schon für jede Seite, die ich abrufe, um zu einem Spiel zu kommen. Das Spiel kostet dann vielleicht noch 5 Euro. Damit habe ich aber lediglich das Recht erhalten, es herunterzuladen. Wenn ich keinen günstigen Tarif habe, zahle ich den Download extra und merke am Ende des Monats, dass das Game nicht 5 Euro gekostet hat, sondern in Wahrheit noch zusätzlich Daten-Downloadgebühren. Es geht also um eine Strategieentscheidung. Verdiene ich Geld mit Traffic oder über den Vertrieb von zusätzlichen Produkten, die ich anbiete? Ron Sommer – damals CEO der Deutschen Telekom – hat vor ein paar Jahren gesagt: Wir sind ein MultimediaUnternehmen. Es hat sich herausgestellt, das die Deutsche Telekom kein Multimedia-Unternehmen ist, sondern ein Carrier, also eine digitale Form der Post. Sich auf dieses Kerngeschäft zurückzubesinnen, fällt vielen schwer. Deshalb versuchen Telcos weiter Multimediabetreiber zu sein und das geht meistens schief. Selbst bei renommierten Netzbetreibern kam es vor, dass wenn ich ein Top-10-Game haben wollte, da viele Clicks später stand: tut uns leid. Dieses Spiel wird für ihr Handset nicht unterstützt. Das ist für den User frustrierend und der macht das dann garantiert nicht noch einmal. 242

Trotzdem wächst bei HandyUsern das Bedürfnis nach Entertainment exponentiell. Ich vermute, das hat etwas mit dem sozialen Wandel in der westlichen Welt zu tun. Die Leute arbeiten mehr und haben weniger Freizeit, oder beides verschwimmt. In dem Klima will man immer mehr und andere Formen von Unterhaltung finden. Und das schneller denn je, weil man alles in dieser Atmosphäre bald für relativ abgedroschen hält. Deshalb suchen die Leute nach Instant-Entertainment in kleinen Portiönchen: jetzt sofort, weil ich es so will. Früher war Entertainment was, da fuhr ich mit der Familie ein Wochenende lang in einen Funpark. Das klappt für viele schon wegen der fehlenden Familie nicht mehr. In Städten ist heute mehr als jeder zweite Single. Ja. Und durch diese Individualisierung unserer Gesellschaft, die schrittweise sogar mit einer Vereinsamung einzelner Individuen einhergeht, wird das Handy zum idealen Medium, trotzdem mit meinen Freunden in Verbindung zu sein – zumindest potenziell. Und das, was mir sonst fehlt, kann ich über mein Handy 24/7 auf Knopfdruck einschalten: Ich kann mich sofort unterhalten. Ich kann sofort was organisieren. Und ich kann sofort etwas abspannen: Dazu sind Mobile-Games ideal – vorausgesetzt man gibt den Usern die Chance, da vernünftig ranzukommen.

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(e) In 2007, 2.4 billion dollars worth of cell phone games were sold worldwide. In 2008, total sales will be 4.5 billion and by 2012 that figure will have reached the 10 billion mark. This sounds a lot. Or maybe not. Michael Haberl explains why. The mobile games market is booming. And yet you see flaws in the system. The figures you are referring to are only one aspect. The other one is that today, 3.3 billion people, i.e. half the world’s population, own a mobile phone. 99 percent of these mobile phones are gamingready but so far only 5 percent of cell phone owners buy mobile games whereas 50 percent of all users play them. These are probably pre-installed games. Exactly. Most market researchers believe that this gap will close. But this is not going to happen so soon for lots of reasons.

Which ones? Buying a mobile game is a bit like an adventure game in itself. Most cell phone users don’t even know the basics. How can I buy a game? Where do I get it? What do I have to type in? Or is there a key that will connect me directly? So, the process of buying games is too complex? Connecting to a mobile portal is complex already. And even if I manage that, many more steps are needed to actually buy a suitable game. A survey has found that with every link that has to be accessed on a mobile site, 20 percent of the traffic is lost. When, for example, 100 users manage to find the start page of a portal and the first link directs them to the games page, 20 users will not follow that link. The next click on the Game of the Week is only done by 64 of the remaining 80 users and so on and so forth. Amazon has long solved this problem with its 1-click


multimedia Xendex 1 Mobiltelefone zum Testen der Handy-Games Mobil phones used for testing mobile games 2 Michael Haberl, Geschäftsführer von Xendex Michael Haberl, CEO of Xendex

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / Project applicant: Xendex Holding GmbH Projekt / project: Lifestyle Advertising Platform Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Mariahilfer Straße 116/3 1070 Wien office@xendex.com www.xendex.com

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option. But mobile games cannot be sold via Amazon because 85 percent of all users buy games directly via their cell phones and not on the web or because of TV commercials. This makes network providers also the gatekeepers. They benefit from having a few million users who can only access the Internet via their preinstalled portals and are, of course, first directed to their providers’ own content portals. Cell phone service providers only need to spend a fraction of what other providers have to spend on marketing in order to draw attention to their services. The increased use of mobile Internet is going to change that. Yes, but every click in the mobile Internet costs money. So I’m paying for every page I have to access until I get a game. The game itself may then cost an extra 5 euros but that will only buy me the right to download it. If I don’t have a cheap call rate, I will have to pay extra

for the download and at the end of the month I will realize that the game didn’t just cost me 5 euros but also all the additional data download charges. So this is all about deciding on a strategy: do I earn money from data traffic or from offering and selling add-on products? Ron Sommer—then CEO of Deutsche Telekom in Germany—said a few years ago: we are a multimedia business. It turned out that Deutsche Telekom is not a multimedia business but a carrier, a digital version of the mail service. Lots of companies find it hard to return to that core business. That’s why telecommunications businesses keep trying to act as multimedia providers and things often go wrong. Even with some of the better-known network providers it sometimes happened that, clicking your way through to a top 10 game, you eventually ended up at the following screen: “We are sorry. This game is

not supported by your handset.” This is frustrating for the user who will certainly not go there again. And still we see exponential growth in cell phone users’ demand for entertainment. In my opinion, this phenomenon is related to the social changes happening in the Western world. People work more and have less leisure time or it is unclear where one ends and the other begins. Under such circumstances we keep looking for more and different forms of entertainment at a fasterthan-ever rate because in the current atmosphere everything soon seems banal. So people are looking for instant entertainment in small portions: right now and right away because that’s what I want. Entertainment used to be going to a fun park with your family for the weekend.

and with this individualization of our society, which often goes hand in hand with social isolation, the cell phone becomes the ideal medium for keeping in touch with friends. At least it has the potential to become that. At the push of a button I can get what is missing from my life via my cell phone on a 24/7 basis: I can communicate straight away. I can organize something straight away. And I can relax straight away. Mobile games are ideal for that—provided users are given the chance to access them easily.

Nowadays, many of us don’t have the families to do that. In the cities, more than half the people are single. Yes, 243


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Y A S S S U Der Tod ist ein Handy auf einem Pferd Death is a mobile phone on a horse von/by: Christoph Sattler

(d) Das Mobiltelefon, die universale Wunschmaschine im Hand- und Hosentaschenformat, ist längst zum liebsten Freund des westlichen Erdenbürgers geworden – noch vor Hunden, Katzen, Kindern und dem jeweiligen Lebensabschnittspartner. Jeder hat eines. Jeder fünfte betrügt es mit einem Zweitgerät. Und acht von zehn haben es nie weiter als ein Meter von sich entfernt. Kein Wunder, dass sämtliche Entertainmentanbieter dieser Welt mit von der Partie sein wollen. Blickt man auf die Displays der neuesten Geräte, bekommt man den Eindruck, man müsste sie in Kürze wegen Überfüllung wieder schließen. Roland Müller glaubt mit seinem Portal yasssu trotzdem an den Erfolg, gibt aber gleichzeitig zu, dass dahinter auch ein Gratismonster lauert, von dem selbst er sich wünscht, dass es nie losgelassen wird. Was macht Sie so optimistisch, dass sie den HandyPodcast-Markt erobern werden? Weil wir mit yasssu aus jedem Telefon, egal wie alt es ist, einen interaktiven MP3-Player machen. Darüber kannst du dann, egal 244

wo du bist, die aktuellsten Nachrichten und Informationen aus den Medien, die du vorher individuell in deinem Portfolio zusammengestellt hast, zu jeder Zeit abhören. Im Endeffekt ist Ihr Service eine Alternative zum Radio. Absolut, nur dass du dein eigener Programmchef bist. Wir erleben gerade, wie sich das Handy vom simplen Kommunikationsinstrument zum Informationsund Unterhaltungsmedium wandelt. Der ganze Markt geht in die Richtung. Der Markt vielleicht. Aber auch die User? Das wird sich zeigen. Die Nutzung von Podcasts, Hörbüchern und Audiobibliotheken nimmt jedenfalls kontinuierlich zu. Beim Handyfernsehen sieht die Realität trotz aller Anstrengungen anders aus. Handy-Kommunikation heißt im wesentlichen noch Audio. Ich glaube aber schon, dass sich das bewegen wird. Was wir in der Zwischenzeit tun, ist: Wir sammeln Profile und finden heraus, was die User sehen und hören, um sagen zu können, was sie später einmal sehen wollen. Technologisch gesehen ist der Step, yasssu auf Videotechnologie auszuweiten, ja kein Problem.

Die Probleme liegen woanders. Ich stelle mir gerade ein volles Café vor, in dem die Leute mit ihren Handys sitzen, sich Nachrichten und Clips reinziehen, und vergessen, miteinander zu reden. In den USA nennt man das ABC – Alone But Connected. Die Menschen werden immer reden. Klar, es gibt charakterliche, aber auch kulturelle Unterschiede. Aber im Wesentlichen reden die Menschen. Das wird sich nicht ändern. Deshalb geht es vor allem um die Frage der Qualität. Unter Qualität versteht jeder etwas anderes. Ja. Und ich wünsche mir, dass wir diese Meinungspluralität wieder bekommen. So wird der Austausch über gewisse Themen wertvoller und interessanter. Aktuell haben wir das Problem, dass die meisten nach fünf Minuten Reden über ein Thema aussteigen. Nicht weil es an Konzentration mangelt, sondern an der Informationsversorgung. Deshalb bin ich ein Feind von Gießkannenkommunikation und Verkürzungen. Die machen die Menschen nur deppert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und Sie glauben, das ist allein durch einen Übergang von Push- zu Pullmedien zu erreichen? Nein, denn ein

Service wie yasssu ändert ja nichts daran, dass wir in jeder Sekunde von 100 anderen Kommunikationsreizen zugeballert werden. Da muss der Mensch vorher lernen, zu dieser lauten Welt nein zu sagen. Erst in dem Moment entsteht die Frage: Was will ich? Und wenn ich das beantworten kann, beginne ich zu selektieren. Ab dann bin ich mit einem Abo bei yasssu gut aufgehoben. Denn bei uns liegt die Wahl, welche Inhalte er wann bezieht, allein beim Benutzer. Fragt sich nur, ob er für dieses „Privileg“ auch bezahlen will. Vielleicht müssen wir ein Gratismodell machen … … das dann sicher werbefinanziert ist, womit wir erst recht wieder bei einem Push-System sind. Aber das ist eigentlich ein Wahnsinn! Denn in unserem System wissen wir theoretisch genau, wer anruft, wann er


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FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: yasssu GmbH Projekt / project: yasssu mobile news Programm / program: Lifestyle Advertising Gesamtfördersumme / total funding: 200.000 EUR

1 Roland Müller, Geschäftsführer von yasssu in seinem Büro auf dem Wiener Kahlenberg Roland Müller, CEO of yasssu at his office on Vienna’s Kahlenberg

Kahlenberg Josefsdorf 3 / Top 409 1190 Wien info@yasssu.com www.yasssu.com

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anruft, wen er anruft, von wo er anruft und was er wie oft hört. Da werden wir für einen 35-jährigen Mann, der in der Früh seine Nachrichten hört, keine Bindenwerbung schalten. Im Radio gibt es das, woanders auch. Bei uns gäbe es diesen Streuverlust nicht. Die Werber würden da jedenfalls Schlange stehen. Gut möglich. Denn wenn du zwischen zwei Podcasts Werbung hörst, und drückst danach die Taste 0, wirst du ohne Medienbruch gleich mit dem Callcenter des jeweiligen Anbieters verbunden. Du hörst also das Angebot, hast eine Interaktion und bist im nächsten Moment genau da, wo deine Entscheidung ist. Das ist natürlich für Werber der größte Sex, den es gibt. 246

Für die User auch? Für den, der das Werbeangebot hört und nutzt, ist es super. Aber ehrlich: Im Wesentlichen wollen wir Content verkaufen und nicht Werbung. Nur wo wollen Sie da die Grenze ziehen? Das wird der Konsument entscheiden. Und ich denke, die Schere wird da auseinander gehen. Es wird Leute geben, die lassen sich von Informationen genauso berieseln, wie von Werbung und es wird jene geben, die sagen: nein.

(e) The mobile phone, this universal hand-held and trouser-pocket sized wishing machine, has long become a westerner’s best friend—ranking ahead of dogs, cats, children and the current partner. Everybody has one. Every fifth person has even got two. And 8 out of 10 people never keep it more than one meter away from them. So it’s no wonder that every single entertainment service provider on this planet wants to join the game. If you look at the displays of the latest phones, you get the impression that they will soon have to be closed due to overcrowding. Nevertheless, Roland Müller believes in the success of his yasssu portal but at the same time admits that

behind all this lurks a freeof-charge monster, which even he hopes will never be released. Why are you so optimistic about conquering the mobile phone podcast market? Because with yasssu we turn any mobile phone, no matter how old it is, into an interactive MP3 player. In addition, you can listen to the latest news and information from those media you have previously defined in your portfolio, anytime and anywhere. So, actually your service is an alternative to radio. Absolutely, but with yasssu you are your own program director. We are currently watching the mobile phone develop from a simple communications device into an


multimedia yasssu

information and entertainment medium. The whole market moves in this direction. The market maybe, but will the users join? We shall have to see. What we do know is that the use of podcasts, audio books and audio libraries is constantly increasing.

and abbreviations. They only make people dumb. And you think that the situation can be changed simply by moving from push to pull media? No, because a service like yasssu does not change the fact that we are constantly subjected to a communications overload. People will have to learn to say “no” in this noisy world. Only then will the question arise: what do I want? And if I can answer that question, I will begin to make choices. From that point on a subscription to yasssu will be just what you need. With yasssu, the choice of which content you receive when lies entirely with you, the user.

Despite all efforts, for mobile television the reality looks different. Mobile phone communication basically still means audio but I do believe that this will change. What we do in the meantime is collect profiles and find out what the users watch and listen to so that we can predict what they will want to watch in the future. From a technological point of view The question is if users will the step towards video tech- be willing to pay for that “privilege”. Maybe we will nology is no problem for have to set up a service that yasssu. is free of charge … The problems lie elsewhere. … which will then be fiI am imagining a crowded nanced through advertiscafé with people checking ing which takes us right out news and video clips back to a push system. But and completely forgetting that’s just crazy! In theory, to talk to each other. In the our system will enable us to USA this is called ABC— know exactly who is calling, Alone But Connected. Peowhen they are calling, who ple will always talk. Sure, they are calling, from where there are differences in they are calling and how ofcharacter as well as in culten they listen to what. We ture, but basically people will not, for example, air a talk. That will not change. The main issue here is quality. commercial for sanitary napkins to a 35-year-old man who is listening to the But we all have our own news in the morning. The ideas of quality.Yes, and I radio does just that, and so wish we would return to this do others. We wouldn’t have diversity of opinion. This makes an exchange of ideas that advertising wastage. on certain issues much It sounds like advertisers more worthwhile and interwill be queuing up for this esting. Our current probservice. That may well haplem is that most people will pen because if you listen to abandon a topic after five commercials between two minutes of discussion, not podcasts and then press 0, because they can’t concenyou will be directly connecttrate longer but because ed to the call center of your they run out of information. provider without having to This is why I am totally switch to another device. So against indiscriminate, you will hear the offer, have piecemeal communication

PRO FILE Mit Hilfe von yasssu können User durch ein mobiles Endgerät, von ihnen ausgewählte oder für sie bestimmte Inhalte abhören. Die Audio-Dienstleistungen von yasssu bauen auf dem Trend zu individuell zusammengestellten Inhalten auf, bedienen sich laufend weiter entwickelter Text-to-Speech Technologie und ermöglichen eine neue mediale Nutzungsform von „user compiled content“. yasssu bietet also die crossmediale, von bestehenden Medienformaten entbündelte, zeit- und ortsunabhängige und personalisierte Nutzung von Content. Eine Navigation durch die laufend aktualisierten Inhalte ist einfach über die Telefontastatur möglich. Die Nutzer gestalten ihr Userprofil und damit das Contentangebot selbst und sind durch yasssu nicht mehr an einzelne Anbieter gebunden. Dabei werden die Beschränkungen bestehender Angebote, insbesondere Podcasts, RSS Feeds und Hörbücher, überwunden. Das Angebot eignet sich vor allem für die Verbreitung von Inhalten in geschlossenen Personenkreisen, etwa innerhalb von Unternehmen oder Organisationen. The services of yasssu allow users to listen to contents selected by them or addressed to them with any mobile end device. The audio services offered by yasssu are based on the trend of individually compiled contents; they use a fully developed text-to-speech technology and allow a completely new form of using “user compiled media content“. yasssu provides for the personalized cross-media utilization of contents independent of existing media formats, of time or location. Navigation through the constantly updated contents is easy via the phone keyboard. The users themselves design their user profile and thus the content offer; by using yasssu they are not bound to any provider. Thus limitations in the existing offer, in particular podcasts, RSS feeds and audio books are overcome. The offer is particularly suited for the distribution of contents among specific groups of people, e.g. within companies or organizations.

an interaction and the next second you will be exactly where your decision is. For advertisers this is the sexiest thing around. For the users as well? For those who hear and make use of the commercials it will be great. But actually we want to focus on selling content, not advertisements.

Where do you want to draw the line? That decision will be up to the consumers and I think that they will fall into two categories: one that will expose themselves to information just like they do with commercials and the other one that will say “no”.

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Multimedia And Yet it Moves, ZONE

EXPERTS

And Yet it Moves (d) Die Medieninformatikstudenten Peter Vorlaufer, Christoph Binder, Felix Bohatsch und Jan Hackl haben sich zu einem Unternehmen zusammengeschlossen, sie designen Videospiele und arbeiten derzeit an der Weiterentwicklung des erfolgreichen Prototyps And Yet It Moves. And Yet It Moves fand bereits in der internationalen Fachpresse Beachtung, war beim Independent Game Festival 2007 in der Kategorie Student Showcase unter den besten 10 Spielen und wurde auch für den „EUROPRIX Top Talent Award“ nominiert.

And Yet It Moves has already been mentioned in international specialized magazines, it figured among the top 10 games at the Independent Game Festival 2007 in the Student Showcase category and was nominated for the “EUROPRIX Top Talent Award”.

(e) Peter Vorlaufer, Christoph Binder, Felix Bohatsch and Jan Hackl, four students of media informatics have joined to establish their own company. Together they design video games and work on the further development of the successful prototype And Yet It Moves.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Peter Vorlaufer Projekt / project: And Yet it Moves Programm / program: E/0702 Beratungsbereich / fields of consulting: Recht, Steuern, Marketing, PR und Vertrieb / legal issues, taxes, marketing, PR and distribution Gesamtfördersumme / total funding: 7.500 EUR Johann Strauß Gasse 20/8 1040 Wien contact@andyetitmoves.at www.andyetitmoves.at

EXPERTS

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: ZONE Media GmbH Projekt / project: ZONE change 08 Programm / program: E/0801 Beratungsbereich / fields of consulting: Recht, Unternehmensberatung und Finanzen / legal issues, management consulting and finances Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Neubaugasse 40/5a 1070 Wien office@zone.at www.zone.co.at

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(d) Als Videoproduktionsfirma mit Sitz in Wien hat sich ZONE im Kunst- und Kulturbereich etabliert. Seit vierzehn Jahren konzipiert und realisiert ZONE Medienprojekte und audiovisuelle Lösungen für den Kunst und Kulturbereich. Nach der erfolgreichen Positionierung am Markt und der Vergrößerung des Teams setzt ZONE den nächsten wesentlichen Wachstumsschritt und plant Dienstleistungs- und Hardwareerweiterungen, einen wichtigen Technologiesprung sowie strukturelle Veränderungen. (e) The Vienna-based video production company ZONE is active in the field of culture and art. For fourteen years ZONE has devised and implemented media projects and audiovisual solutions in the field of culture and art. After the successful positioning on the market and the expansion of the team, ZONE intends to enhance the growth of the company including the enlargement of its service and hardware offer, an important leap in technology as well as structural changes.

Fotos / photos: Klaus Pichler, www.kpic.at (La Gentz), ZONE Media GmbH (ZONE), Peter Vorlaufer (And Yet it Moves)

ZONE


multimedia Webducation, La Gentz

EXPERTS

Webducation FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Webducation Software Planungs- und Entwicklungsgmbh Projekt / project: Vorwärts im Vertrieb! / Promote sales & distribution! Programm / program: E/0701 Beratungsbereich / fields of consulting: Management- und Vertriebsberatung / management and sales consulting Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Praterstraße 48/9 1020 Wien office@webducation.cc www.webducation.cc

Vorwärts im Vertrieb! Promote sales & distribution! (d) Das E-Learning Unternehmen Webducation bietet innovative und interaktive Wissensvermittlung in multimedialer Form. Seit 2001 erfolgreich in Österreich und Deutschland tätig, erhielt das Unternehmen 2006 die „Comenius Medaille“ für didaktische MultimediaProdukte der Gesellschaft für Pädagogik und Information. (e) The e-learning company Webducation offers innovative and interactive knowledge transfer in multimedia form. The company, which has been successfully active in Austria and Germany since 2001, was awarded the “Comenius Medal“ for didactic multimedia products by the Society for Pedagogy and Information in 2006.

S E R V I C E S F Ü R / F O R C R E AT I V E I N D U S T R I E S FAC T S FIGURES

EXPERTS

La Gentz (d) Der Physiker Florian Dorfbauer und der Informatiker Gregor Dorfbauer bieten mit dem Unternehmen La Gentz innovative Services für Unternehmen der Creative Industries im Bereich des integrierten Datenmanagements an. Das von La Gentz entwickelte Server-Softwarepaket ermöglicht Unternehmen der Kreativwirtschaft professionelle Verwaltung großer Datenmengen auch ohne Einsatz eines eigenen Systemadministrators. Mit einer Google-ähnlichen Suchfunktion findet man schnell die wichtigsten Projektdaten. Benutzerfreundliche und übersichtliche Web 2.0 Interfaces erleichtern die Integration von Adressen, Daten und Terminen.

Projekteinreicher / project applicant: La Gentz KG Projekt / project: La Gentz Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Gentzgasse 72/13-14 1180 Wien contact@lagentz.at www.lagentz.at (e) La Gentz, the company of physicist Florian Dorfbauer and IT specialist Gregor Dorfbauer, offers integrated data management services to creative industries enterprises. The server software package developed by La Gentz allows companies of the creative economy to professionally

administer large data volumes. A search function similar to Google helps to quickly find important project data. Userfriendly and convenient Web 2.0 interfaces facilitate the integration of addresses, data and appointments – a system administrator is not required.

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Multimedia Archiv

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project applicant: Conceptual Art Technologies c:a:t Prix & Schiebeck OEG Projekt / project: Public Display Control Engine Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Schmelzgasse 9/2/2 1020 Wien office@cat-x.at www.cat-x.at

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Projekteinreicher / project applicant: Diamond Age Information Technology Consulting GmbH Projekt / project: Cross-Cultural Information System (CCIS) Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 94.782 EUR Stubenring 14/Tür 14 1010 Wien office@diamond-age.at www.diamond-age.at

FOX & pooool (3) Projekteinreicher / project applicant: FOX Werbegrafik Rathmanner KEG Projektpartner / project partner: pooool – Verein zur Förderung visueller Kunst und Kultur Projekt / project: Vienna Visual Media Hub – VVMH Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 81.251 EUR

FOX Werbegrafik Rathmanner KEG Halbgasse 7 1070 Wien office@fox.co.at www.fox.co.at pooool – Verein zur Förderung visueller Kunst und Kultur Museumsplatz 1, Quartier21 1070 Wien info@pooool.net www.pooool.net

Fotos / photos: Roland Ferrigato (3, 4, 5)

Conceptual Art Cross-Cultural Technologies (1) Information System (2) Projekteinreicher /


multimedia archive

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Image Eye-Luetke (4) Projekteinreicher / project applicant: Joachim Luetke / Image Eye-Luetke Prod. Vienna Projekt / project: Referenz-DVD-AudioProduktion / Reference DVD-audio production Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 49.625 EUR Metternichgasse 7/4A 1030 Wien luetke@chello.at www.luetke.com

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Men on the Moon, NOUS Wissensmanagement & NOUS Trade (5) Projekteinreicher / project applicant: Men on the Moon Werbemedien GmbH Projektpartner / project partner: NOUS Wissensmanagement GmbH Projektpartner / project partner: NOUS Consulting & Trade

Projekt / project: Markteinführung NOUS Suite / Market launch of NOUS Suite Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 118.956 EUR

NOUS Consulting & Trade Neubaugasse 69 1070 Wien info@nousguide.com www.nousguide.com

Men on the Moon Werbemedien GmbH Neubaugasse 36/1/2/6 1070 Wien info@menonthemoon.com www.menonthemoon.com NOUS Wissensmanagement GmbH Neubaugasse 69 1070 Wien info@nousguide.com www.nousguide.com

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Multimedia Archiv

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Projekteinreicher / Project applicant: Martin Zimper Projekt / project: Mozartradio Programm / program: F/0401 Gesamtfördersumme / total funding: 52.974 EUR Pfauengasse 8/33 1060 Wien martin@zimper.at

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Papermint 3D Society (7)

Screenmaster (8)

Projekteinreicher / project applicant: Avaloop IT Solutions GmbH Projekt / project: PaperMint 3D Society Programm / program: F/0601 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Projekteinreicher / project applicant: ZONE – Media GmbH Projektpartner / project partner: Althaler & Oblasser Neue Medien Entwicklungs- u. Beratungs-OEG Projekt / project: Screenmaster Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 48.043 EUR

Hütteldorferstraße 253 1140 Wien office@avaloop.com www.avaloop.com

ZONE – Media GmbH Neubaugasse 40/5A 1070 Wien office@zone.co.at zone.co.at Althaler & Oblasser Neue Medien Entwicklungs- u. Beratungs-OEG Straußengasse 13 1050 Wien i@aoeg.net www.aoeg.net Foto / photo: Roland Ferrigato (6)

Mozartradio (6)


multimedia archive

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Spendenfluss.at (9) Projekteinreicher / project applicant: Mayr-Geister KEG Projekt / project: Spendenfluss.at Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 77.147 EUR Burggasse 86/1 1070 Wien info@medienring.at www.medienring.at

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Sproing Interactive Media (10) Projekteinreicher / Project applicant: Sproing Interactive Media GmbH Projekt / project: Spiel-Entwicklung für Nintendo DS / Game development for Nintendo DS Programm / program: C/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 138.943 EUR Fernkorngasse 10 1100 Wien office@sproing.at www.sproing.at

Tag Your City (11)

TUPALO (12)

Projekteinreicher / project applicant: m-otion communications GmbH Projekt / project: „Tag Your City“ Mobile Tagging Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 51.897 EUR

Projekteinreicher / project applicant: TUPALO.COM OG Projekt / project: Tupalo Erweiterung & Expansion / Tupalo enlargement and expansion Programm / program: C/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 77.057 EUR

Favoritenstraße 4/13 1040 Wien office@m-otion.com www.m-otion.com

Friedmanngasse 5/6 1160 Wien tupalo@tupalo.com www.tupalo.com

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Multimedia Archiv

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Virtual Photo (13) VMS (14) Projekteinreicher / project applicant: LAUBlab_KG Projekt / project: Virtual Photo Programm / program: C/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 161.235 EUR

Projekteinreicher / project applicant: VMS, Kühne & Kapeller GesnbR Projekt / project: VMS-VideoMovingSystem Programm / program: F/0502 Gesamtfördersumme / total funding: 76.659 EUR

Favoritenstraße 38/21/2a 1040 Wien office@laublab.com www.laublab.com

Viktorgasse 22/18 1040 Wien office@vms-at.com www.vms-at.com

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uma information technology (15) Projekteinreicher / project applicant: uma information technology GmbH Projekt / project: VICOgoesTV Programm / program: F/0402 Gesamtfördersumme / total funding: 76.183 EUR Amerlingstr. 1/8 1060 Wien info@uma.at www.uma.at

Fotos / photos: Roland Ferrigato (14, 15, 16)

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multimedia archive

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SERVICES FÜR / FOR CREATIVE INDUSTRIES

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Graf Moser (16)

Rochus Park (17)

Projekteinreicher / project applicant: Graf Moser Management GmbH Projekt / project: CIplanner Programm / program: F/0501 Gesamtfördersumme / total funding: 51.524 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Konnex – Leitner-Sidl & Pöll OEG Projekt / project: Rochus Park Programm / program: C/0602 Gesamtfördersumme / total funding: 57.203 EUR

Krugerstraße 17/2 1010 Wien office@grafmoser.com www.grafmoser.com

Lilienbrunngasse 18 1020 Wien office@konnex.cc www.konnex.cc

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AUDIOVISION A U D I O - V I S I O N


AUDIOVISION / AUDIO- VISION

E S S AY / E S S AY Bert Rebhandl Metamorphosen der Audiovision – Das Filmland Österreich öffnet sich der Zukunft / Metamorphoses of the audio-visual —Austrian movies conquer the future (258)

PROJEKTE / PROJECTS cmotion Focus the out of focus / Focus the out of focus (263) DAYvid smart producin p g The old school is the new school / The old school is the new school (267) FreibeuterFilm (271) Witcraft Szenario (271) Filmladen (272)

ARCHIV / ARCHIVE ARGE INDEX (273) AUTLOOK Filmsales (273) Future Cinema (273) Kaczek’s Visuals Trading (273)


Audiovision Bert Rebhandl

Bert Rebhandl

METAMORPHOSEN D E R AU D I O V I S I O N DA S F I L M L A N D ÖST ER R EICH ÖF F N E T SICH DER ZUKUNFT

(d) Dreizehn Jahre hat das Kino seinen 100. Geburtstag inzwischen überlebt, und damit auch die zahlreichen Todesanzeigen, die damals geschrieben wurden. Mitte der 90er-Jahre sah es tatsächlich so aus, als könnte das Medium, das auf einer der großen Ingenieursleistungen des analogen Zeitalters beruht, in der digitalen Welt einfach verschwinden. Inzwischen hat sich erwiesen, dass der zentrale Inhalt des Kinos – das Audiovisuelle – auch in der globalisierten Informationsordnung und im sogenannten Cyberspace noch an Bedeutung dazugewinnt, während die historische Konstellation des Kinos – viele Betrachter in einem dunklen, sozialen Raum – zahlreichen Wandlungen unterliegt. Das Filmische ist stärker auf die Seite des Privaten gewandert, gleichzeitig zeugt der Boom der Film- und Videofestivals davon, dass verstärkt nach neuen Formen der gemeinschaftlichen Wahrnehmung gefragt wird. Wer heutzutage die Gelegenheit hat, auf internationalen Filmfestivals der unterschiedlichsten Art Beobachtungen anzustellen, wird immer wieder überrascht sein, wie sehr sich neueste Technologien mit herkömmlichen Ästhetiken verbinden lassen, und mit welcher Beständigkeit längst überkommen geglaubte Konzepte weiterhin Geltung haben. Eines dieser Konzepte ist der Nationalstaat. Noch immer werden Filme (vom Monumentalschinken bis zum experimentellen Clip) nach nationaler Zugehörigkeit geordnet. Österreich bildet in diesem Zusammenhang ein besonders gutes Beispiel, weil es kaum ein anderes Land gibt, dessen internationale Präsenz auf so extrem differenzierten Leistungen beruht wie die der österreichischen Film- und Medienproduktion. Man kann gelegentlich fast von einem Hype sprechen: An den Umschlagplätzen audiovisueller Kulturgüter und Waren hat Österreich einen sehr guten Namen. Die Gründe dafür zu hinterfragen, ist eine lohnende Aufgabe – möglicherweise erweist sich, dass dieses kleine, reiche Land in Mitteleuropa eine günstige Verbindung von kommerziellen und künstlerischen Impulsen, von Infrastruk258

tur und Ausbildungsstätten, von Förderbedingungen und Rezeptionsorten aufweist, die dazu führen, dass auf allen Ebenen des Audiovisuellen – vom Spiel- über den Dokumentarfilm bis zu Kunstvideos und Found-Footage-Montagefilmen – die Herkunftsbezeichnung Österreich wie ein gut eingeführtes Label wirkt. Es war zum Beispiel immer schon ein Klischee mit einem großen Kern Wahrheit, dass der Avantgarde- und Experimentalfilm hierzulande ein wichtiges Zentrum hat. Das geht sicher auf persönliche Kontinuitäten zurück, aber auch auf ein differenziertes Förderungssystem, das es jungen Leuten ermöglicht, sich in die Tradition etablierter Könner wie Peter Kubelka, Kurt Kren, Peter Tscherkassky, Martin Arnold, Dietmar Brehm oder Lisl Ponger einzuschreiben. Dabei waren die Werke der Pioniere häufig schwer zu erreichen gewesen. Man musste schon einen der Termine erwischen, zu denen der 1998 verstorbene Kurt Kren seine häufig nur wenige Minuten langen Wahrnehmungsstudien oder seine künstlerischen Dokumentationen wichtiger Aktionen des Wiener Aktionismus selber präsentierte, um sich einen Überblick über dieses hochinteressante Werk zu verschaffen. Inzwischen hat sich die DVD als Medium auch für den Experimentalfilm weitgehend durchgesetzt. Das Zelluloid-Gebot gilt nicht mehr dogmatisch, vielmehr erkennen die meisten Beteiligten an, dass man auch Filme, die bis hin zum Einzelbild auf dem Streifen genau ge- und bearbeitet sind, als Datenträger in den Verkehr bringen kann. Die INDEX-DVD-Edition, ein Gemeinschaftsprojekt von sixpackfilm und Medienwerkstatt, hat innerhalb weniger Jahre eine beeindruckende Vielzahl von Ausgaben herausgebracht. Kurt Kren bildet dabei mit drei DVDs einen kleinen Schwerpunkt, daneben sind aber nahezu alle Größen des österreichischen Avantgardefilmfeldes vertreten, und auch die Medienkunst ist breit repräsentiert. Selbst für Kenner erscheint das Programm immer wieder erstaunlich, denn


audio-vision Bert Rebhandl

Foto / photo: Maya Deren, Still, Navigator Film (AUTLOOK Filmsales)

es macht deutlich, wie vielfältig die entsprechenden Szenen immer schon ausdifferenziert waren: Zwischen der feministischen Körperkonzeptkunst von Valie Export und den Queer-Home-Movies von Pürrer/Scheirl, zwischen den Reisereflexionen von Lisl Ponger und den Materialstudien von Gustav Deutsch gibt es zahlreiche Bezüge, die nicht unbedingt auf gemeinsame Strategien oder Themen verweisen, sondern auf ein dichtes Feld an audiovisueller Arbeit mit Identität, Materialität und den vielen Facetten dazwischen. Die INDEX-DVD-Edition hat ihr Programm inzwischen auf internationale Verbindungen hin geöffnet, aber auch hier weist die Auswahl zum Beispiel des Zagrebers Ivan Ladislas Galeta oder des Polen Józef Robakowski eher auf eine intensivere Erschließung gemeinsamer Horizonte hin, als auf wohlfeile Anreicherung der Sammlung mit etablierten Namen. Die INDEX-DVD-Edition ist ein Beispiel dafür, wie sich in einem hochspezialisierten Feld der audiovisuellen Produktion die Zugänglichkeit zur Filmgeschichte unter technischen Entwicklungen geändert hat.

industrien durchlaufen Drehbücher zahlreiche Phasen der Bearbeitung, bevor es grünes Licht für die Produktion gibt). So hat sich unter dem Titel FreibeuterFilm eine Gruppe junger Filmschaffender (der Produzent Oliver Neumann, die Dokumentarfilmerin Sudabeh Mortezai, der Regisseur Sebastian Meise sowie die Filmwissenschafterin und Aufnahmeleiterin Irina Ivanonic) zusammengeschlossen, um dem ohnehin schon regen dokumentarischen Schaffen in Österreich weiteren Aufschwung zu verleihen. So haben die drei Produktionsfirmen Amour Fou, Navigator Film und Nikolaus Geyrhalter Film inzwischen auch eine gemeinsame Agentur, die unter dem Titel AUTLOOK Filmsales die internationalen Märkte bearbeitet und dabei versucht, einem Film wie „In the Mirror of Maya Deren“ von Martina Kudlacek ein Publikum zu schaffen.

Ein anderer Film der Regisseurin, „Notes on Mary Menken“, ist in der INDEXDVD-Edition erhältlich – hier verbinden sich klassische Verwertung und technische Lösungen und sorgen für eine erhöhte Präsenz der Produkte im nationalen wie im internationalen Feld. In der In vergleichbarer Weise audiovisuellen Industrie müssen derzeit alle Behat sich mittlerweile der reiche, die mit Film und Begriff Verwertungskette Medien zu tun haben, der durchgesetzt. Er bezeichTatsache der enorm genet das ganze „Leben“ eistiegenen Zugangsmögnes Produkts, von der erslichkeiten zu Informatiten Auswertung, die nicht on Rechnung tragen. Das mehr notwendigerweise betrifft Filmverleiher und AUTLOOK Filmsales erschließt internationale Märkte AUTLOOK Filmsales taps into international markets im Kino erfolgen muss, bis Kinobetreiber genauso zu der dritten, vierten oder wie die Filmschaffenden fünften Stufe des Publikumkontakts, die inzwischen in der selbst, seien es nun Regisseure oder Drehbuchautoren, Regel im Internet ihren Ort hat. Früher brachte ein typischer und schließlich die Vermittler, die auf Festivals im In- und Programmkinobetreiber in Österreich von einem internatioAusland, zunehmend jedoch auch im virtuellen Raum, die nalen Festival die Rechte an ein, zwei oder mehr Filmen mit, Vertriebswege für audiovisuelle Güter erschließen. In dem Bereich, der herkömmlicherweise mit dem Kino assoziiert irgendwann kam dann eine Kopie nach, ein Termin für den wird, hatte Österreich in den letzten Jahren wichtige ErfolKinostart wurde gesucht, für die Bundesländer wurden weige vorzuweisen: Sowohl im Spielfilm wie im Dokumentartere Kopien angefertigt, und nach der Laufzeit des Films kam film sind viele interessante Arbeiten entstanden. Dahinter allenfalls noch ein Verkauf an den ORF für eine Ausstrahlung steht nicht zuletzt eine zunehmende Verschiebung innerim Nachtprogramm in Frage. halb der Produzentenlandschaft. Zahlreiche junge Kreative haben sich auch unternehmerisch selbstständig gemacht, Inzwischen haben die Arthaus-Firmen in Österreich ihre eineue Firmen sind entstanden, die internationalen Verbingenen Labels, sie verkaufen DVDs aus den Beständen ihres dungen wurden ausgebaut, und jährlich sind neue Aspekte Kataloges, und schaffen für die Filme damit eine längere der Professionalisierung wahrzunehmen. „Lebenszeit“. Der Filmladen, einer der großen Verleiher im mittleren Sektor der österreichischen Kinolandschaft, beSo haben die Dramaturgin und Autorin Ursula Wolschlager treibt inzwischen neben dem seit Jahrzehnten eingeführten und der Kurator und Script Consultant Robert Buchschwen- Votivkino unweit der Universität Wien ein virtuelles Kino in ter ihre Erfahrungen bei der Entwicklung von Drehbüchern Form eines Downloadportals. Damit entfällt der Zwischengebündelt und unter dem Titel Witcraft Szenario OG ein schnitt einer DVD-Produktion, vielmehr können sich die Projekt gestartet, das sich als Anlaufstelle in allen Stadien Kunden den gewünschten Film selbst laden und nach eider Script-Optimierung versteht (in den klassischen Filmgenen Bedürfnissen auf eine Disc brennen. Die Copyright259


Audiovision Bert Rebhandl

Probleme, die dabei zu lösen sind, sind komplex und haben zu einigen unpraktischen Industriestandards geführt. Der Filmladen setzt dagegen auf eine offene Struktur, in der allerdings ein individueller „Fingerabdruck“ dafür sorgt, dass digitale Kopien eine Art Herkunftshinweis in sich tragen und auf diese Weise vor massenhafter Weiterverbreitung geschützt werden sollten. Die sukzessive Erweiterung der Tätigkeitsfelder, worin die klassischen Filmverleiher ihre Chance erblickten, bildet auch für die Kinobetreiber eine Aufgabe. Dabei haben die großen Entertainment-Center der Filmindustrie, die von der Hollywood-Ware und dem dazugehörigen Merchandise abhängig sind, weniger Möglichkeiten zu einer flexiblen Gestaltung des Geschäftsfelds, als die kleineren Nischenprojekte, die das Feld zwischen Blockbuster-Auswertung und Internetpiraterie zu bestellen versuchen. Das Schikanederkino in Wien trat in den 90er-Jahren als Fortführung eines typischen Studentenkinos an und stützte seine Filmreihen durch Gastronomie. Inzwischen hat sich aber auch der Anspruch erweitert. Unter dem Begriff „Future Cinema“ will der Betreiber in seinem Haus eine Plattform für den kommunikativen Austausch zwischen der herkömmlichen „Filmszene“ und neueren Medienkünsten schaffen. Das Kino wird, zumal ohnehin in den großen Häusern zunehmend digital projiziert wird, immer mehr zu einem Multimediazentrum. Ein Ort wie das Schikaneder kann dabei

die Wege zwischen Produktion und Auswertung ganz kurz halten. Schon in den 70er-Jahren, als mit dem Aufkommen von Video die großen Demokratisierungshoffnungen an das Medium geknüpft wurden, hatte es zahlreiche Initiativen in diese Richtung gegeben – aber erst heute kann man wirklich davon sprechen, dass die Zukunft des Kinos zugleich eine Sache der technologischen Entwicklung wie der individuellen Kreativität ist. Das Projekt der Wiener Firma cmotion, die unter dem Titel metamorphosis ein modulares Funkfernsteuerungssystem für Kameras aller Größen und Standards entwickelt, ist dafür signifikant. Bisher war es so gewesen, dass die individuellen Anwender immer wieder an logistische Grenzen stießen. Bestimmte Manöver waren mit einer einfachen Kamera aus dem Handgelenk nicht zu machen. Nun wird es mit metamorphosis möglich, die Bewegungen von Kamera und Objektiv exakt zu steuern – ein Spezialeffekt der besonderen Art, eine Ingenieursleistung, die nichtsdestoweniger die künstlerischen Möglichkeiten erweitert. Dieser Doppelcharakter des Kinos als Medium, das an Technologie gekoppelt ist, schafft erst die vielfältigen Möglichkeiten, von denen die unterschiedlichsten Initiativen in Österreich aufregenden Gebrauch machen und auf diese Weise wesentlich dazu beitragen, dass das Audiovisuelle nicht einfach zu einem Konsumprodukt wird, sondern im Gegenteil die individuellen Freiheiten erweitert.

Bert Rebhandl

M ETA MOR PHOSES OF T H E AU DIOV I S UA L AUS T R I A N MOV I E S C ONQ U E R T H E F U T U R E

(e) The movies have survived their 100 th birthday by thirteen years now as well as the many death notices that were written on the occasion. In the mid-90s it seemed likely that the medium which was based on an outstanding engineering achievement of the analogue era would simply disappear. Meanwhile it has turned out, however, that the central content of the movies—the audiovisual part—is even gaining significance in the globalized information order and in the so-called cyber space while the historic constellation of the movies—many viewers in a dark, social room—is subject to quite some changes. Movies are increasingly watched in 260

private places and at the same time we witness a boom of movie and video festivals which demonstrate that new forms of collective perception are demanded. Those who have the opportunity to attend the various international movie festivals will be surprised about how the latest technologies are combined with conventional esthetics and how persistent some concepts are that had already been declared outdated. One such concept is the nation state. Movies (from Hollywood spectacular to experimental clip) are listed according to nationality. In this context Austria is a particularly


Foto / photo: Ana ñ Aktion Brus, Kurt Kren (INDEX-DVD-Edition)

audio-vision Bert Rebhandl

teriality and the many facets in between. INDEX DVD Edition good example as there is hardly any other country whose has meanwhile enlarged its program by international artists, international presence is based on such sophisticated accomplishments as that of the Austrian movie and media pro- but the selection of e.g. Ivan Ladislas Galeta from Zagreb or Józef Robakowski from Poland rather indicates an intense duction. You could even call it a hype, occasionally: Austria discovery of common horizons than a simple enlargement of has a good reputation at the market places of audiovisual the collection with established names. INDEX DVD Edition cultural goods. It is well worth trying to find out why this is is an example that shows how the access to film history has so—it might reveal that in this rich, small Central European changed in a highly specialized field in the face of technocountry there is a favorable combination of commercial and cultural stimuli, of infrastructure and educational institutions, logical developments. of funding conditions and places of performance, thanks to All fields connected with film and media have to take into which “made in Austria” seems to be a well established label in all audiovisual fields—from feature films and documen- account the fact that the access to information has dramatically increased. This affects film distributors and movie thetaries to art videos and found footage films. ater operators, but also filmmakers including directors and screenwriters and, finally, agents who open up the distribuIt has always been a cliché that holds a good deal of truth tion channels for audiovisual goods on national and internathat Austria is an important center of avant-garde and extional festivals, but also and increasingly in the virtual space. perimental movies. This is without any doubt based on personal continuity and on a discriminate funding system which In the field usually associated with cinema Austria has had important successes in the past years: interesting feature allows young people to follow the tradition of established films and documentaries have been produced. This is not masters like Peter Kubelka, Kurt Kren, Peter Tscherkassky, least due to an inMartin Arnold, Dietmar creasing shifting withBrehm or Lisl Ponger. in the movie producAlthough it was someer scene. Numerous times difficult to get young creative profesaccess to the works sionals have ventured of these pioneers. into entrepreneurship, Scarce were the occanew companies have sions which allowed been established, into see the perception ternational connecstudies—many of them tions have been furhad a length of only ther developed, each some minutes—or aryear new aspects of tistic documentations of important actions professionalization are of Viennese Actionism noticeable. by Kurt Kren which the artist, who passed Dramatic advisor away in 1998, presentand author Ursula ed himself, and thus Wolschlager and curato get an overview of tor and script consultthis highly interestant Robert BuchschGrößen des österreichischen Avangardefilmfeldes in der INDEX-DVD-Edition ing work. Meanwhile The greats of Austrian avant-garde film in the INDEX-DVD edition wenter have bundled DVDs have become their experiences in an established medium for experimental movies. The celluthe development of scripts, and have launched a project unloid dogma is no longer valid, in fact most persons involved der the title of Witcraft Szenario OG, which is intended as a recognize that even movies, of which every single frame is service center in all stages of script optimization (in the clasexactly processed, are adequate data mediums to be placed sical movie industry scripts undergo various phases of reviinto circulation. sion, before production starts). Under the title of FreibeuterFilm a group of young filmmakers (producer Oliver Neumann, Within only a few years the INDEX DVD Edition, a joint projdocumentarist Sudabeh Mortezai, director Sebastian Meise ect by sixpackfilm and Medienwerkstatt, has published an as well as filmologist and production manager Irina Ivanonimpressive variety of issues. There is a certain focus on Kurt ic) have joined forces to further stimulate the already lively Kren with three DVDs, but almost all important representscene of documentaries production in Austria. And the three atives of both Austrian avant-garde film and media art are production companies Amour Fou, Navigator Film and Nikorepresented. Even experts are amazed about the program laus Geyrhalter Film have established an agency, AUTLOOK as it reveals how highly differentiated the individual scenes Filmsales, that markets Austrian movies on the international have been: between the feminist body concept art of Valie markets and tries to create an audience for movies like “In Export and the queer home movies by Pürrer/Scheirl, bethe Mirror of Maya Deren“ by Martina Kudlacek. tween the travel reflections of Lisl Ponger and the material studies by Gustav Deutsch there are numerous references Another movie by the same director, “Notes on Mary Menwhich are not based on common strategies or topics but on ken”, is available in the INDEX DVD Edition. Thus classic a dense array of audiovisual works dealing with identity, ma- utilization combines with technical solutions and provides 261


trying to occupy the market segment between blockbustfor the increased presence of the products both nationally er commercialization and Internet piracy. In the 1990s the and internationally. The term commercialization chain has Schikaneder movie theater in Vienna further developed the already become established in the audiovisual industry. It concept of a typical student cinema and promoted its movie describes the entire “life” of a product, from the first phase program with a of commercial utiligastronomic offer. zation, which does In the meantime, not necessarily however, demands have to take place have increased. in a movie theater— With “Future Cinto the third, fourth, ema” the operafifth phase of contor of the movie tact with the auditheater intends to ence, which usually create a platform is in the Internet. for the communiIn the past a typicative exchange cal operator of an between the tradiAustrian repertory tional movie induscinema would purtry and new mechase at internadia arts. Thus the tional festivals the movie theater is rights for one, two increasingly turned or several movies. into a multimedia Sometime later a center, the more copy of the movie so as in the large would be sent, a Zugang zur Filmgeschichte durch technische Entwicklung erleichtert The access to film history is facilitated through technological developments movie theaters the release date defilms are increastermined, further ingly projected digitally. For a place like the Schikaneder, the copies for the other Austrian provinces produced, and after interval between production and utilization can thus be conbeing shown in the movies it would probably be sold to the siderably shortened. In the 1970s already when the “birth” Austrian broadcast corporation ORF to be shown in the late of video was connected with the hope of democratization, night program. there have been numerous initiatives in this direction but The Arthaus companies have their own labels in Austria, they only today we can really say that the future of cinema is at the same time a question of technological development and indisell DVDs from the stock of their catalogue, thus creating a vidual creativity. longer lifetime for the movies. Filmladen, one of the large distributors in the medium range of the Austrian movie landA representative project of this development is “metamorscape, operates the traditional Votivkino movie theater lophosis” by the Viennese company cmotion: a modular radio cated in the vicinity of the University of Vienna, and a virtual movie theater: a download portal. Which means that there is remote control system for cameras of all sizes and standards. So far the individual user has time and again reached no DVD produced, customers may download the movie and burn it on CD according to their requirements. The copyright the logistic limits. Some camera manoeuvres could not be made with a simple handheld camera. “metamorphosis” alproblems arising are complex and have entailed some impractical industry standards. Filmladen chose an open struc- lows to exactly control the movement of both camera and lens—a superb special effect, an engineering achievement ture; an individual “fingerprint” makes sure that digital copthat expands the artistic opportunities. It is this double charies have a proof of origin thus preventing mass distribution. acter of cinema as a medium linked with technology that creates the manifold opportunities of which the most differThe gradual enlargement of the fields of activity, which was ent initiatives in Austria will excitingly avail themselves. Thus considered a great opportunity for the classic film distribthey contribute to preventing the audiovisual from becomutors, is a challenge for the operators of movie theaters. ing a mere consumer product, but instead make it an instruLarge entertainment centers of the movie industry which ment to increase individual freedom. depend on Hollywood movies and the associated merchandising have less room to move than smaller niche projects

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Foto / photo: Outer Space, Peter Tscherkassky (INDEX-DVD-Edition)

Audiovision Bert Rebhandl


audio-vision cmotion

1 1 Martin Waitz und Christian Tschida, Geschäftsführer von cmotion Martin Waitz and Christian Tschida, CEOs of cmotion

CMOTION Focus the out of focus von/by: Christoph Sattler

(d) Die Kunst, etwas oder jemanden scharf zu machen, beschäftigt viele. Der Wiener Martin Waitz hat daraus sogar einen Beruf gemacht. Mit seinem Partner Christian Tschida entwickelt er Schärfensysteme für Filmkameras und hat damit weltweiten Erfolg. Dass sich Waitz ausgerechnet für die Einführung der Unschärfe in die digitale Filmwelt begeistert, klingt daher zunächst paradox.

Was soll an einem unscharfen Bild eigentlich gut sein? Nichts. Andererseits wird Schärfe erst dann zur Qualität, wenn sie fehlt oder gefährdet ist. In der digitalen Videoaufnahme gab es diese Differenz bis vor kurzem nicht. Da war vom Prinzip her erst mal alles scharf. Wunderbar. Ein Problem weniger, mit dem man sich herumschlagen muss. Ein Hobby-User denkt vielleicht so. Ein professioneller Filmemacher nicht. Der will in jedem

Bild bestimmte Vorgänge oder Emotionen herausholen. Schärfe wird dabei aber erst dann zum Ausdrucksmittel, wenn im Vergleich dazu irgendwas anderes unscharf ist. Dieses universelle Prinzip, das so überzeugend ist, weil es wie das menschliche Auge funktioniert, konnte man lange nur mit analogen Filmkameras herstellen. Doch seit ungefähr einem Jahr drängen digitale Kameras in den Markt, die aufgrund größerer Chips das nun ebenfalls leisten. 263


Audiovision cmotion

PRO FILE Die Firma cmotion entwickelt und fertigt technisches Zubehör für die Filmindustrie und wurde für ihre erfolgreichen Produkte bereits mit dem „Cinec – Award“ 2004 in München und dem „Technical Achievement Award“ 2007 der Academy for Motion Pictures Arts and Sciences (AMPAS) in Los Angeles ausgezeichnet. Durch technologische Veränderungen besteht derzeit erhöhte Nachfrage an Filmmaterial für Home-Cinema, Web- oder Handy-TV. Zur Herstellung von Filmen werden immer häufiger günstige digitale Kameras verwendet. Im Bereich des Kamerazubehörs bietet nun cmotion ein neues Produkt an, das eine kontinuierliche Anpassung der Einstellungen an Objektiv und Kamera via Funkfernsteuerung ermöglicht und auch für diese neuen günstigen Kameras geeignet ist. The company cmotion develops and produces technical accessories for the film industry. For their successful products they have received the “Cinec Award” 2004 in Munich and the “Technical Achievement Award” 2007 of the Academy for Motion Pictures Arts and Sciences (AMPAS) in Los Angeles. Technological changes have led to a greater demand in film material for home cinemas, web TV or cell phone TV. Films are increasingly produced with low-priced digital cameras. cmotion now offers a completely new camera accessory for the continuous adjustment of lens and camera settings via radio remote control, which is also compatible with the new low-priced cameras.

Dass eine Digitalkamera endlich etwas kann, was im Analogen immer schon ging, ist kein überzeugendes Argument für den Umstieg. Der Preis, den man dafür bezahlt aber schon. Eine analoge High-Tech Kamera kostet mit Zubehör zwischen drei- und vierhunderttausend Euro. Im Vergleich dazu gibt es jetzt digitale Systeme, die voll ausgerüstet für unter 20.000 Euro zu haben sind. Kein Wunder also, dass immer mehr digital drehen wollen. Aber das ist ja nur der Anfang. Der Anfang wovon? Letztlich wird diese Entwicklung die gesamte Filmindustrie verändern. Jetzt geht man ja noch vom Analogen aus. Das heißt: Gedreht wird auf Film, den man dann kostenaufwendig scannt, um ihn digital nachzubearbeiten. In der Postproduktion haben sich die Vorteile des digitalen Schnitts und Compositing nämlich längst durchgesetzt. Paradox ist, dass das digitale Endergebnis danach immer noch auf Filmrollen kopiert wird, um dann wieder analog ins Kino zu kommen. Und das, obwohl digitale Projektion technisch kein Problem mehr darstellt. Zugegeben. Wenn es im Hintergrund nicht so viele Copyright-Problematiken gäbe, wäre sicher schon mehr digital. Auf Dauer ist das System dennoch nicht zu halten, zumal die Alleinstellungsmerkmale analoger Verfahren immer weniger werden. Und billiger ist ein 100% digitaler Workflow so und so. Ich nehme an, dadurch werden sich Filme auch inhaltlich verändern? Am Bildschnitt merkt man das am meisten. Ein Film aus 2008 ist einfach schneller

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geschnitten als einer aus den 50ern. Das hat nicht nur damit zu tun, dass andere Geschichten erzählt werden, sondern genauso damit, dass Cutter mit digitaler Schnittsoftware wesentlich einfacher viel mehr ausprobieren können, ohne dabei analoge Filmstreifen bis zur Unkenntlichkeit zu perforieren. Durch die Einführung digitaler Kameratechnik, bei der das teure Filmmaterial ebenfalls wegfällt, und mit preiswerten modularen Schärfen- und Funksteuerungssystemen, die prinzipiell alles Erdenkliche zulassen, wird auf der Aufnahmeebene in Zukunft ein ähnlicher Trend entstehen. Da ist viel möglich. Fragt sich nur, ob sich das wer ansehen will? Eher stellt sich die Frage, wo sich das jemand ansehen will. Digitale Filmtechnik heißt ja auch, dass du das, was es jetzt gibt, problemloser denn je auf einem HD-Fernseher oder einem Beamer mit einem Surround-SoundSystem daheim am Sofa ansehen kannst und dabei Kinofeeling aufkommt. Damit das Kino weiterbesteht, wird es also Neues bieten müssen. Hast du eine Idee, was dieses „Neue“ sein kann? Ich sehe da zwei Entwicklungslinien. Im Mainstream geht der Trend zum Spektakel. Nicht nur im Film selbst, sondern auch im Kinosaal. Im Wiener Prater gibt es beispielsweise ein 5D-Kino, wo du nicht nur eine 3D-Brille aufhast, sondern im Sessel synchron zum Film noch mitgeschaukelt und mit Düften einparfümiert wirst, während dir eine Soundanlage, die du garantiert nicht zu Hause einbauen kannst, den Rest besorgt.

Kino als Hochschaubahn. Na servus! In Wahrheit ist das nur eine Verstärkung des Blockbuster-Prinzips, mit dem ich persönlich nur bedingt etwas anfangen kann. Wenn ich ins Kino gehe, will ich gute Geschichten sehen. Dafür sehe ich aber in Zukunft auch bessere Chancen. Denn die Digitalisierung und die damit verbundene Kostenreduktion in der Produktion heißt ja auch, dass mehr Filmemacher gute Geschichten drehen können, die zudem nicht mehr alle für die breite Masse gemacht sein müssen, um sich zurückzufinanzieren. Dafür gibt es Publikum. Daher glaube ich, dass es das Votivkino (Wiener Programmkino) in seiner Form noch wesentlich länger geben wird als die Kinobunker in den Vororten. Die wirken zwar jetzt noch sehr modern, aber wenn etwas wie 5D oder etwas anderes noch moderner wird, werden sie schnell sehr alt aussehen.

2 Preisgekrönte cmotionProdukte: Auszeichnung bei „Cinec-Award“ 2004 in München und „TechnikOscar“ 2007 in Los Angeles cmotion products won the “Cinec-Award” 2004 in Munich and the “Technical Achievement Award” 2007 in Los Angeles


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(e) Many people deal with the art of keeping things and people focused. Martin Waitz from Vienna even makes a living from doing so. With his partner Christian Tschida he is developing focusing systems for movie cameras, which are successful all over the world. Thus it sounds paradoxical at first that he is keen on introducing the out of focus into the world of digital movie making. What is so intriguing about a picture that is out of focus? Nothing. On the other hand, focus only becomes a sign of quality if it is absent or jeopardized. Until recently this problem didn’t even exist in digital video recording. Basically everything was in focus.

Wonderful! One less problem to struggle with. That’s what a hobby user might say, but not a professional movie maker. Professionals want every picture to communicate certain events and emotions. Focus only turns into a means of expression if something else is out of focus by comparison. For a long time this universal principle, which is so convincing because the human eye functions along the same lines, could only be achieved with analog cameras. About a year ago, however, digital cameras that had more powerful chips and could therefore achieve the same effect started pushing their way into the market. The fact that a digital camera is finally capable of some-

thing that analog cameras could always do is not a convincing argument for an upgrade. But the price is. An analog high-tech camera plus accessories costs 300,000 to 400,000 euros. By way of comparison: you can buy fully equipped digital systems for less than 20,000 euros. No wonder more and more people want to make digital movies. But that is just the beginning. The beginning of what? Ultimately this development is going to change the whole film industry. Now everything starts with analog technologies. That means: scenes are recorded on film that is later scanned in an expensive process so that it can be digitally edited. For post-production the advan-

tages of digital editing and compositing have already become widely accepted. It’s paradoxical, but the digital result is then still copied onto film and is brought to movie theaters in analog copies. And all that takes place even though digital projection is no longer technically a problem. Let’s face it: if it weren’t for the numerous problems with copyright behind the scenes, many more films would be produced digitally. In the long run the system will not be able to go on like that, however, especially since the unique selling propositions of analog procedures are getting fewer. And a purely digital workflow is cheaper anyway.

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Audiovision cmotion

3 Christian Tschida und Martin Waitz in ihrer Werkstatt in Wien Penzing Christian Tschida and Martin Waitz in their studio in Vienna’s 14 th district 3

I guess, in that case films will also change in content? That is most visible in the way the editor makes his cuts. In a film from 2008 cuts just come at a greater pace than in films from the 50s. That’s not only because different stories are told, but also because digital editing software simply enables editors to try out much more—and much more easily—without cutting up the analog film beyond recognition. By introducing digital camera technology, which also does away with expensive film material, and using inexpensive modular focusing and wireless camera control systems, which basically make a lot of things possible, a similar trend is to be expected in the future for the shooting stage. This may result in many new developments.

But I think there is also a better chance of that in the future, for digitalization and the reduction in production costs it entails also mean that more movie makers will be able to make films telling good stories. These movies no longer need to cater to the tastes of the mass market to finance themselves. Have you got any idea what There is an audience for that. this “something new” might Therefore I believe that the be? I can see two possible Votivkino [an arthouse movie lines of development: in theater in the center of Vimainstream cinemas the trend are spectacular events, enna] will by far outlast the movieplex cinemas in the not only on the screen but suburbs. They may look very also inside the theater. In smart now, but as soon as the Vienna Prater there is something like 5D or anyfor example a 5D cinema, thing else turns out to be where you not only get to even more state-of-the-art, wear 3D glasses—your seat also moves according to the they will very soon end up looking antiquated. action on the screen and you are subjected to various odors, while a sound system you sure cannot install at home finishes you off.

I just wonder if anybody will want to see those movies. It is more a question of where people will want to see them. Digital filmmaking also means that you can watch films more easily than

The cinema as a roller coaster— oh my God! Actually this just takes blockbusters a bit further, a sort of films that I am personally not very fond of anyway. If I go to the cinema, I want to see a good story.

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ever at home on your sofa, with an HDTV set or a projector featuring a surround sound system making you feel like you’re at the movies. Therefore, movie theaters will have to think of something new if they want to survive.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: cmotion Mechatronikentwicklungsund HandelsgmbH Projekt / project: System cmotion-metamorphosis / system cmotionmetamorphosis Programm / program: C/0801 Gesamtfördersumme / total funding: 172.394 EUR Schanzstraße 41/1 1140 Wien eu-office@cmotion.eu www.cmotion.eu


audio-vision DAYvid smart producing

(d) Mit seiner Software DAYvid macht ein Wiener Unternehmen aus den „alten Medien“ den „Neuen“ vor, wie die Zukunft sozialer Software aussehen kann. Peter Lindenhofer sieht darin weniger eine Revolution, sondern eine Antwort auf die ökonomischen Notwendigkeiten einer Branche, deren Player Fortschritt traditionell skeptisch gegenüber stehen. Herr Lindenhofer, Hand aufs Herz: Seit wann haben Sie ein Facebook-Account? Face-WAS? Ok, dann archivieren und tauschen Sie doch wenigstens ihre Fotos über Flickr? Keine Spur. Web 2.0 ist Ihnen aber schon ein Begriff? Natürlich. Nur gehöre ich nicht zu denen, die das wirklich nutzen.

DAYVID SMART PRODUCING The old school is the new school von/by: Christoph Sattler

Auf der anderen Seite basiert DAYvid auf dem Zusammenspiel von sozialen Features, die einem bislang fast nur im Web 2.0 begegneten. Kann sein. Wir haben uns bei der Entwicklung von DAYvid aber nicht daran orientiert, was es anderswo gibt, sondern was in der Werbefilmbranche konkret fehlt. Das soziale Element fehlt sicher nicht. Filmemachen basiert seit jeher darauf, dass ein Team von unterschiedlich gestrickten Spezialisten effizient zusammenarbeitet. Da muss man nichts neu erfinden, sondern dafür sorgen, 267


Audiovision DAYvid smart producing

dass diese bestehende Kultur unter den neuen Produktionsvoraussetzungen besser funktioniert. Hat sich denn in den letzten Jahren so viel verändert? Ja. Aufgrund der Globalisierung sind immer mehr internationale Projekte gefragt und beträchtlich weniger nationale. Die Folge ist, dass global operierende Auftraggeber für ihre Spots nur noch die weltweit Besten auswählen. Klingt nach Konkurrenz ohne Ende. Nicht unbedingt. Eher findet eine Verlagerung statt: weg von der lokalen Kompetenz hin zur thematischen Spezialisierung auf globalem Level. Wer es schafft, in einer Nische top zu sein, der hat nicht mit mehr Konkurrenz zu rechnen als früher, sondern mit anderer, nämlich internationaler. Da bringt ein Vielfliegerprogramm vielleicht mehr als eine neue Software. Im Gegenteil. Denn ein Produzent kann nicht überall zugleich sein. Auf was es also wirklich ankommt ist, welche Kontaktnetzwerke, welche Erfahrungen und welche Ressourcen er weltweit hat, und wie effizient und schnell er darauf zugreifen kann, um sie für das nächste Projekt zu nutzen – und zwar egal wo er zuhause ist.

für Produzenten gilt, gilt für alle anderen auch. Es ist keine Ausnahme mehr, dass ein Produktionshaus aus Wien mit einem Regisseur aus Schweden, einem Kameramann aus England und einem Darsteller aus Russland ein Projekt in einer Location in Südafrika für einen Auftraggeber aus Deutschland abwickelt. Ist das wirklich produktiv? So eine logistische Herausforderung nimmt doch viel Zeit in Anspruch. Zeit, die man nicht hat. Aufgrund der Marktlage müssen Werbefilme schneller angeboten und fertig gestellt werden als je zuvor. Deshalb bündeln wir mit DAYvid den gesamten Workflow in einer Applikation, die jedes Teammitglied, aber auch die Agentur und Kunden überall auf der Welt nutzen können. Da wird nicht länger Papier produziert, das man hundertmal umschreiben muss, damit es auch Aufnahmeleiter, Kostüm-

DAYvid ist also zunächst ein digitales Gedächtnis, das mit jeder neuen Information, die eingespeist wird, klüger wird. Genau. Durch die Pflege seiner Daten in DAYvid steigert ein Produzent kontinuierlich die Qualität seiner Spezialisierung und sichert sich so seinen Wettbewerbsvorteil. Face-to-Face-Kontakte werden damit weniger wichtig? Notgedrungen. Denn was 268

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bildner oder Set-Designer nutzen können. Über DAYvid kann jeder seine aktuelle Arbeit dem Nächsten direkt zur Verfügung stellen, der sie dann über sein Login automatisch genau so aufbereitet vorfindet, um damit nahtlos weiterarbeiten zu können. Weil das zu jeder Zeit in jede Richtung geht und für jedes Projekt individuell anders gemacht werden kann, ist das keine starre Fließbandarbeit, sondern ein individuell auf die jeweilige Produktion und die beteiligten Personen abgestimmter Wertschöpfungsprozess. Der Autor David Weinberger schrieb in seinem letzten Buch „To take full advantage of the digital opportunity—we have to get rid of the idea that there’s a best way of organizing the world“. Sie scheinen einer der Pioniere zu sein, die das einlösen. Als Pioniere betrachten wir uns tatsächlich, weil es sowas einfach

im Werbefilm noch nicht gibt. Im Verkauf bringt das aber durchaus erhöhten Erklärungsbedarf mit sich. In diesem Interview auch. Es gibt kaum eine andere Branche, die so verliebt in Dinge ist, die jahrelang schon irgendwie gemacht werden, ohne zu wissen, ob das gut ist oder es etwas Besseres gibt. Das liegt daran, dass unheimlich viele Individualisten unterwegs sind, von denen keiner in ein universelles Schema gepresst werden will – Auftraggeber mit eingeschlossen. Insofern hatte unser Zugang nichts mit Fortschrittsglauben zu tun, sondern entstand aus der Notwendigkeit, dass jeder DAYvid nutzen kann, ohne dabei seine bisherigen Praktiken aufgeben zu müssen. Anders wäre das gar nicht gegangen. Vielleicht ist es das, was man sich bei uns abschauen kann.


audio-vision DAYvid smart producing

PRO FILE

2 1 Peter Lindenhofer ist Unternehmensberater und Geschäftsführer von DAYvid smart producing Peter Lindenhofer is a managment consultant and CEO of DAYvid smart producing 2 Die Software DAYvid soll Filmproduzenten das Leben erleichtern DAYvid’s software—making life easier for film producers

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(e) With its DAYvid software a Viennese “old media” company provides the “new” ones with a glimpse of the future of social software. For Peter Lindenhofer this is not so much a revolution but an answer to the economic necessity of a business sector whose players are traditionally sceptical of progress. Mister Lindenhofer, tell us the truth: how long have you had a Facebook account? A Face-WHAT? Ok, but at least you archive and exchange your photos via Flickr, don’t you? Actually, I don’t. But you have heard of Web 2.0? Of course I have but I don’t really use it. And yet, DAYvid is based on the interplay of social features which have so far only been known from Web 2.0. That may well be true but when developing DAYvid

we did not look at what was already there but at what was specifically missing in the advertising commercials business. The social element is definitely not missing. Filmmaking has always been based on efficient teamwork of a diverse range of experts. Rather than reinventing things we have to make sure that the existing culture works better under the new production conditions. Has so much actually changed over the past years? Yes. Due to increasing globalization, international projects are much more sought after than national ones. As a consequence, clients operating on a global scale only choose the best filmmakers worldwide for their commercials. This sounds like an awful lot of competition. Not necessarily. We see more of a shift away from local competence towards thematic specializa-

tion at a global level. If you make it to the top in your own niche, you will not face more competition than before but a different kind of competition, namely an international one. Maybe a frequent flyer program would be more useful here than new software. On the contrary. A producer cannot be everywhere at the same time. What really matters is their network of contacts, which experience and which worldwide resources they have and how effectively and quickly these resources can be accessed in order to make use of them in the next project—regardless of where the producer is based. So DAYvid is first of all a digital memory which learns from every piece of information that is entered. Exactly. By updating the information contained in DAYvid producers will continuously increase the degree of their

DAYvid the producer ist eine plattformunabhängige Softwarelösung für Filmproduktionen, dient zur Optimierung des Arbeitsablaufes und ermöglicht effizienteres Agieren am internationalen Markt. Michael Bindlechner und Peter Lindenhofer sind die Köpfe hinter DAYvid. Bindlechner ist seit 1980 in der Filmbranche tätig und seit 15 Jahren Inhaber der Frames Filmproduktion GmbH. Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer wurden seine Arbeiten als Regisseur vielfach ausgezeichnet. Peter Lindenhofer war nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums 13 Jahre erfolgreich bei internationalen Unternehmen tätig und ist seit 2000 selbstständiger Unternehmensberater und Trainer. DAYvid the producer is a platform independent software solution for film productions. It focuses on workflow optimization and allows to act both quickly and efficiently on the international market. Michael Bindlechner and Peter Lindenhofer are the masterminds of DAYvid. Michael Bindlechner has worked in the film industry since 1980 and has been the owner of Frames Filmproduktion GmbH for 15 years. He has not only been successful as an entrepreneur but has also won numerous awards for his work as a film director. After graduating in economics Peter Lindenhofer worked for international companies for 13 years; since 2000 he has been active as a self-employed management consultant and trainer.

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Audiovision DAYvid smart producing

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: DAYvid smart producing GmbH Projekt / project: DAYvid smart producing GmbH, Weiterentwicklung und internationale Vermarktung / DAYvid smart producing GmbH, further development and international marketing Programm / program: C/0702 Gesamtfördersumme / total funding: 121.980 EUR Sterngasse 3 1010 Wien more@dayvid-smartproducing.com www.dayvid-smartproducing.com

specialization and at the same time secure an advantage over their competitors. Will face-to-face contacts then become less important? Inevitably so. What applies to producers applies to all others as well. It is no longer the exception that a production company from Vienna works with a director from Sweden, a cameraman from England and an actor from Russia to carry out a project in South Africa, which is commissioned by a client in Germany. Is that really beneficial to productivity? A logistical challenge of that order requires a lot of time. Time which nobody has. Because of the current market situ270

ation, commercials have to be offered and produced faster than ever. With DAYvid we bundle the complete workflow into one application which can be accessed by every team member as well as by the agency and by clients all over the world. No more papers need to be prepared that have to be rewritten endlessly so that the set director, costume designer or set designer can also work from them. Via DAYvid everybody can make their current work directly available to the next person who can then log in to continue their work on the project without interruption. As this can be done individually for any project at any time in any direction the result is not uniform mass produc-

tion but a value-creating process custom-tailored to each production and to the people involved. In his last book the author David Weinberger wrote, “To take full advantage of the digital opportunity—we have to get rid of the idea that there’s a best way of organizing the world”. You seem to be one of the pioneers putting this concept into practice. We really do regard ourselves as pioneers because something like this has not until now existed for commercials. This also means that in our sales talks we have a lot of explaining to do. The same goes for this interview. There is hardly another

business sector that has such a love for doing things any old way, year in year out, without knowing whether that is good or whether there might be a better solution. This is because there are an incredible number of individualists about, who do not want to be forced into a universal pattern—and neither do their clients. So our approach had nothing to do with a belief in progress but originated from the requirement that everyone should be able to use DAYvid without having to give up their previous ways of working. It would not have been possible otherwise. Maybe this is what others can learn from us.


audio-vision FreibeuterFilm, Witcraft Szenario

PIONEER

FreibeuterFilm (d) Das Team hinter FreibeuterFilm – der Produzent Oliver Neumann, die Regisseurin Sudabeh Mortezai, der Regisseur Sebastian Meise sowie die Filmwissenschaftlerin und Aufnahmeleiterin Irina Ivanovic – hat sich in der österreichischen Filmszene bereits einen Namen gemacht. FreibeuterFilm soll Raum für unabhängige Spielund Dokumentarfilme in Österreich schaffen und produziert diese für den internationalen Kino- und Fernsehmarkt. Das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens besteht in der Einbeziehung der breiten Möglichkeiten der Postproduktion bereits in der Konzeptionsphase der Projekte.

Fotos / photos: Standbilder aus / from „Im Bazar der Geschlechter“ von / of Sudabeh Mortezai (FreibeuterFilm KG)

(e) The team behind FreibeuterFilm—i.e. producer Oliver Neumann, directors Sudabeh Mortezai and Sebastian Meise as well as filmologist and production manager Irina Ivanovic—has already made its mark in the Austrian film scene. FreibeuterFilm focuses on the production of independent movies and documentaries in Austria for the international movie and TV market. What distinguishes this company is that they integrate the vast possibilities of post-production already in the project planning phase.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: FreibeuterFilm KG Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Burggasse 43-45/12 1070 Wien welcome@freibeuterfilm.at www.freibeuterfilm.com

Standbilder aus der aktuellen FreibeuterProduktion „Im Bazar der Geschlechter“ von Sudabeh Mortezai Stills of the recent Freibeuter production “Im Bazar der Geschlechter” by Sudabeh Mortezai

PIONEER

Witcraft Szenario (d) Die Dramaturgin und Autorin Ursula Wolschlager und der Script Consultant, Filmwissenschaftler und Kurator Robert Buchschwenter bieten Projektentwicklung und dramaturgische Dienstleistungen für die österreichische Filmbranche an. Was zeichnet ein gutes Drehbuch aus? Ein gutes Drehbuch gestaltet sich wie eine Fuge, bei der ein prägnantes Thema vielstimmig und beziehungsreich verarbeitet wird. In einer solchen Komposition ist die kleinste Nebensache nicht nebensächlich, sondern ein maßgeblicher Teil eines Gesamten und das Gesamte nicht die Summe der einzelnen Teile, sondern der Resonanzkörper, der sie im Ensemble zum Klingen bringt. Ein gutes Drehbuch packt einen unmittelbar, wirkt lange nach und wird irgendwann zum Teil der eigenen Lebenserfahrung. Top 3 Cameo-Auftritte im Film? — Martin Scorsese in „Taxi Driver“ (als geistig verwirrter Passagier, der sich in Mordphantasien ergeht) — Roman Polanski in „Chinatown“ (als Mann mit dem Messer, der dem von Jack Nicholson gespielten Protagonisten den Nasenflügel aufschlitzt) — Thomas Pynchon in „Die Simpsons“ (der legendäre Schriftsteller, der völlig von der Öffentlichkeit abgeschot-

tet lebt, spricht in drei Simpsons-Folgen die PynchonFigur, die nur mit einer Papiertüte auf dem Kopf zu sehen ist) Meistunterschätzte Produktion aus Österreich? „Revanche“ von Götz Spielmann ist das jüngste Beispiel und exemplarisch für die tendenziell allgemein zu geringe Wertschätzung, die dem österreichischen Film entgegengebracht wird. (e) Dramatic advisor and author Ursula Wolschlager and script consultant, filmologist and curator Robert Buchschwenter offer project development and dramaturgical services for the Austrian film industry. What makes a good script? A good script is like a fugue with a distinctive theme, multifaceted and polyphonic. The smallest detail of such a composition is in fact not a minor element but an essential part of the whole, and the whole composition is not the sum of individual parts but a resounding ensemble, a formidable unity. A good script captures you immediately, has a lasting effect and eventually becomes part of your own life experience. The top 3 cameo appearances in a movie? — Martin Scorsese in “Taxi Driver” (as a deranged passenger, dwelling on murder fantasies) — Roman Polanski in “China town”

(as the man with a knife with which he slits the nose of the protagonist played by Jack Nicholson) — Thomas Pynchon in “The Simpsons” (the legendary writer who lives a very secluded life, provides the voice of the Pynchon cartoon character with a paper bag on his head in three episodes of “The Simpsons”) The most underestimated Austrian production? “Revanche” by Götz Spielmann is the latest example of the low esteem Austrian movies generally suffer from.

FAC T S FIGURES Projekteinreicher / project applicant: Witcraft Szenario OG Programm / program: P/0701 Gesamtfördersumme / total funding: 15.000 EUR Lindengasse 25/10 1070 Wien office@witcraft.at www.witcraft.at

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Audiovision Filmladen

EXPERTS

Filmladen (d) Die Filmladen GmbH ist der Arthaus-Filmverleih für österreichische Kinos und Betreiber des Votivkinos in Wien. Mit dem Projekt Filmladen Downloadportal soll nun sowohl Publikum als auch Produzenten ein niederschwelliges System zur legalen ArthausContentverbreitung angeboten werden. Im Gegensatz zu großen Downloadportalen mit restriktivem Kopierschutz, setzt Filmladen auf ein offenes System, das den Download und die Herstellung von Privatkopien problemlos ermöglicht und mit einem individuellen Fingerprintverfahren die Filme trotzdem optimal schützt.

(e) Filmladen GmbH is the Arthaus film distribution organization for Austrian movie theaters and furthermore operates the Votivkino movie theater in Vienna. The Filmladen download portal project offers both audience and producers a lowthreshold system for the legal Arthaus content distribution. Contrary to large download portals with restrictive copy protection Filmladen focuses on an open system which allows to download and produce private copies and at the same time perfectly protects the films through an individual fingerprint system.

Alternativ zum guten, alten Kino und zur DVD-Edition: das Filmladen Downloadportal As an alternative to the classic movie theatre experience and the DVD edition: the Filmladen Download-portal

Projekteinreicher / project applicant: Filmladen GmbH Projekt / project: Filmladen Downloadportal / Filmladen download portal Beratungsbereich / fields of consulting: Urheber- und Verwertungsrecht / copyright and usage right Programm / Program: E/0801 Gesamtfördersumme / Total funding: 3.750 EUR Mariahilferstraße 58/7 1070 Wien office@filmladen.at shop.filmladen.at

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Fotos / photos: Filmladen GmbH

FAC T S FIGURES


audio-vision Archiv / archive

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Fotos / photos: Roland Ferrigato (1, 2, 3, 4)

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ARGE INDEX (1)

AUTLOOK Filmsales (2)

Future Cinema (3)

Projekteinreicher / project applicant: ARGE INDEX Medienwerkstatt Wien und sixpackfilm Projekt / project: INDEX DVD-Edition / Film Distribution Programm / program: F/0503 Gesamtfördersumme / total funding: 24.853 EUR

Projekteinreicher / project applicant: AUTLOOK Filmsales GbR Projekt / project: Filmsales in englischsprachigen Territorien / Film sales in English speaking territories Programm / program: F/0502 Gesamtfördersumme / total funding: 85.417 EUR

Projekteinreicher / project applicant: Wegenstein Veranstaltungs KEG Projekt / project: Future Cinema Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR

Neubaugasse 45/13 1070 Wien office@index-dvd.at www.index-dvd.at

Zieglergasse 75/1 1070 Wien welcome@autlookfilms.com www.autlookfilms.com

Schleifmühlgasse 8/14 1040 Wien office@schikaneder.at www.schikaneder.at

Kaczek’s Visuals Trading (4) Projekteinreicher / project applicant: Kaczek’s Visuals Trading GmbH Projekt / project: UBECAM – Kamera Support System / UBECAM—camera support system Programm / program: F/0504 Gesamtfördersumme / total funding: 100.000 EUR Penzinger Str. 35/6/21 1140 Wien office@kaczeksvisuals.com www.kaczekvisuals.com

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D E PA R T U R E FA S H IO N N IGH T 8 FESTI VAL


(d) Im Rahmen des 8 festival for fashion & photography des Unit F büro für mode, ging am 4. Juni 2008 die departure fashion night im Wiener Semperdepot über die Bühne. Der Fotograf Klaus Vhynalek hat die präsentierten Labels ´/ Anna Aichinger, _fabrics interseason, Nina Peter, RADIC MORGER und Wilfried Mayer auf und hinter den Catwalk begleitet. (e) On June 4, 2008 the departure fashion night took place in the scope of the 8 festival for fashion & photography by Unit F büro für mode. Photographer Klaus Vhynalek and his camera accompanied the presented fashion labels Anna Aichinger, _fabrics interseason, Nina Peter, RADIC´/ MORGER and Wilfried Mayer on the catwalk and backstage. Weiterführende Informationen zum 8 festival for fashion & photography unter www.unit-f.at Further information on the 8 festival for fashion & photography at www.unit-f.at


© WTV / HERTHA HURNAUS

„Vienna offers fertile ground for creative people and designers.“ Helga Schania & Hermann Fankhauser („Wendy & Jim“)

WIEN-HOTELS & INFO, Tel. +43–1–24 555, www.vienna.info


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Fotos / photos: Julia Knogler

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Fotos / photos: Julia Knogler

we 08 – workshops for entrepreneurs


we 08 – workshops for entrepreneurs

(d) „Am Beginn jedes Erfolges steht die Idee.“ Unter diesem Motto ging Anfang April das von departure gemeinsam mit der aws ins Leben gerufene WorkshopProgramm „we – workshops for entrepreneurs“ zum zweiten Mal über die Bühne. Das für Unternehmensgründer und Jungunternehmer der Creative Industries gegründete Ausbildungsprogramm mit Schwerpunkt auf den Branchen Mode, Musik, Multimedia, Design und Architektur, wurde von über 60 Teilnehmern dazu genutzt, Business-Know-how zu erwerben oder aufzufrischen. An zwei aufeinander folgenden Wochenenden vertieften die Teilnehmer ihr Wissen in Sachen Geschäftsplanung, Praxiserfahrung, Patente, rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Förderungen. Außerdem stellten sich geladene Szenekenner, wie etwa der in Paris lebende österreichische Designer Robert Stadler oder Carlo Baumschlager vom Architekturbüro Baumschlager Eberle den Fragen der Teilnehmer und berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen im Aufbau eines Unternehmens.

1 Tim Renner, Motor Entertainment GmbH 2 Robert Stadler, Robert Stadler Design 3 Helga Schania, Wendy&Jim

Neben all den notwendigen unternehmerischen Fertigkeiten betonten alle Vortragenden einhellig die Bedeutung der Werte künstlerischer Vision, Eigenständigkeit und Leidenschaft. „Man muss Regeln auch mal vergessen und einfach seinem Gefühl folgen“, sagte beispielsweise Helga Schania vom Modelabel Wendy&Jim und Fidel Peugeot von Walking-Chair brachte es auf den Punkt: „Kopf und Herz – das ist das Wichtigste!“ Zu den zwei Seiten der Selbstständigkeitsmedaille bemerkte Eberhard Dürrschmid (Greentube) dann trocken: „Selbstständig sein, heißt eben auf sich selbst gestellt zu sein und zwar ständig. Das muss man mögen, aber dann ist es das Beste, was einem passieren kann.“ Infos und kommende Termine unter: www.we-workshops.at www.departure.at

4 Thomas Bene, Bene AG 5 Oliver Holle, 3united mobile solutions 6 Eberhard Dürrschmid, Greentube I.E.S. AG

(e) “A good idea is the first step to success” This was the motto of the workshop program “we— workshops for entrepreneurs“— initiated by departure and aws—which was held for the second time in early April. The training program for company founders and young entrepreneurs of the creative industries focuses on fashion, music, multimedia, design and architecture. More than 60 participants used the opportunity to acquire business know-how or freshen it up. On two consecutive weekends participants extended their knowledge in the fields of business planning, practical experience, patents, legal conditions and funding opportunities. Invited experts like Parisbased Austrian designer Robert Stadler or Carlo Baumschlager of the architecture office Baumschlager Eberle answered the questions of the participants and talked about their personal experiences in the establishment of a company.

Besides the required entrepreneurial skills the lecturers unanimously emphasized the importance of artistic vision, originality and passion. “Sometimes it is necessary to forget rules and regulations and just follow your instinct”, said Helga Schania of the fashion label Wendy & Jim, or as Fidel Peugeot of Walking-Chair put it: “Heart and brains—that’s the essential thing!” And Eberhard Dürrschmid’s (Greentube) dry comment on the two sides of the entrepreneurial coin was: “Being self-employed means that you alone are responsible for everything at any time. That’s not everyone’s cup of tea, but if you really want it, it’s the best thing that can happen to you.“ Further information and dates at: www.we-workshops.at www.departure.at

7 Susi Hasenauer, BEHF Architekten

10 Norbert Tillmann, Premium Exhibitions GmbH

12 Patrick Wagner, Louisville Records

8 Christian Horner, soda designers

11 Carlo Baumschlager, Baumschlager & Eberle Architekten

13 Carl Frech, NEXT AT business community

9 Nada Nasrallah, soda designers

14 Stephan Dorfmeister, G-Stone Recordings

15 Klaus Mühlbauer, Mühlbauer Headwear 16 Peter Holzer, BIG (Bundesimmobiliengesellschaft)

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Impressum / imprint

IMPRESSUM I M PR I NT

Herausgeber / editor: departure wirtschaft, kunst und kultur gmbh Hörlgasse 12 1090 Wien T +43-1-4000-87100 F +43-1-4000-87109 office@departure.at www.departure.at Eine Initiative der Stadt Wien. Ein Unternehmen des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds / An Initiative of the City of Vienna. An enterprise of the Vienna Business Agency

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben / All photos, except otherwise indicated: Martin Stöbich Lithographie / reprographics: Julia Knogler Druck / print: Gugler GmbH, Melk/Donau Papier / paper: Munken Lynx, 240 g /m2 Munken Print White 15, 115 g /m2 Auflage / edition: 2.500 Exemplare / copies

Redaktion / editing: Dorothea Köb, Heinz Wolf Beitragende / contributors: Wojciech Czaja, Brigitte Felderer, Manuela Hötzl, Andrea Hurton, Karin Pollack, Bert Rebhandl, Tim Renner, Gerhard Ruiss, Christoph Sattler, Katrin Seiler, Christoph ThunHohenstein, Klaus Vyhnalek, Amelie Znidaric Art Direktion und Design / graphic design: Rosebud, Inc. Lektorat / proof-reading: Michaela Alex-Eibensteiner, Silvia Jaklitsch Übersetzung / translation: Michaela Alex-Eibensteiner, Susanne Eder, Brigitte Widler

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Das Look / Book erscheint als Dokumentation jener Projekte, die im Rahmen der Förderprogramme von departure wirtschaft, kunst und kultur gmbh Wirtschaftsförderung erhielten. The Look / Book is a documentation of all projects funded under the funding programs of departure wirtschaft, kunst und kultur gmbh. © Nürnberg 2008, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, departure und die Autoren / and the authors Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved Printed in Austria ISBN: 978-3-940748-94-2

BIBLIOGRAFISCHE INFORMATION DER DEUTSCHEN BIBLIOTHEK Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. BIBLIOGRAPHIC INFORMATION PUBLISHED BY DIE DEUTSCHE BIBLIOTHEK Die Deutsche Bibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic data is available on the Internet at http://dnb.ddb.de. DISTRIBUTED IN THE UNITED KINGDOM Cornerhouse Publications 70 Oxford Street, Manchester M1 5 NH, UK phone +44-161-200 15 03, fax +44-161-200 15 04 DISTRIBUTED OUTSIDE EUROPE D.A.P. Distributed Art Publishers, Inc. 155 Sixth Avenue, 2nd Floor, New York, NY 10013, USA phone +1-212-627 19 99, fax +1-212-627 94 84 In dieser Publikation wird aufgrund der besseren Lesbarkeit auf sämtliche geschlechtsspezifische Endungen verzichtet.


www.departure.at


Eine Entdeckungsreise durch das kreative Wien. Detailreiche Portraits stellen Wiens Szene in den Bereichen Architektur, Mode, Design, Verlagswesen, Multimedia, Musik und Audiovision vor. Pointierte Texte und Interviews von Paola Antonelli, Wojciech Czaja, Brigitte Felderer, Bert Rebhandl, Tim Renner, Gerhard Ruiss, Christoph Sattler u. a. bieten einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen in den Creative Industries. A discovery trip through creative Vienna. Detailed portraits present Vienna’s scene in the fields of architecture, fashion, design, publishing, multimedia, music and audio-vision. Topic-specific texts and interviews by Paola Antonelli, Wojciech Czaja, Brigitte Felderer, Bert Rebhandl, Tim Renner, Gerhard Ruiss, Christoph Sattler a. o. offer a tour d’horizon of current developments in the creative industries.

Verlag für moderne Kunst Nürnberg


ANHANG APPENDIX

Look/Book 2008


Anhang / appendix Geförderte Unternehmen / funded companies

GEFORDERTE UNTERNEHMEN F U N D E D C O M PA N I E S

A

B

D

Adam Wehsely-Swiczinsky / aws design (Seite / page 153) Airmici Designprodukte Handels Gmbh (Seite / page 153) Althaler & Oblasser Neue Medien Entwicklungs und Beratungs OEG (Seite / page 252) Ambroz & Stiglmaier OG / Designstudio LUCY.D (Seite / page 156) Amra Bergman / AMRA – OT COUTURE (Seite / page 122) Andreas Eberharter / AND_i e. U. (Seite / page 122) Andreas Kaltenbrunner / Kaltenbrunner Medienberatung (Seite / page 158) Andreas Neubauer (Seite / page 153) Anna Aichinger (Seite / page 100) Anna Breitenberger / Motmot (Seite / page 150) ARGE INDEX Medienwerkstatt Wien und sixpackfilm (Seite / page 273) ARGE LIGHTGLASS products (Seite / page 136) AUTLOOK FILMSALES GbR (Seite / page 273) Avaloop IT Solutions GmbH (Seite / page 252)

Biber Verlagsgesellschaft mbH (Seite / page 176) bkm design working group GnbR (Seite / page 154)

Daniel Hantigk / Chatchapeau (Seite / page 185) Daniela Kraus / Medienhaus Wien (Seite / page 158) DANKLHAMPELDESIGN [DHD] ARGE (Seite / page 155) DAYvid smart producing GmbH (Seite / page 267) Dejana Kabiljo / Kabiljo Inc. (Seite / page 159) design4sound Vertriebs GmbH (Seite / page 156) Designbüro René Chavanne (Seite / page 156) Diamond Age Information Technology Consulting GmbH (Seite / page 250) DMC Design for Media and Communication GmbH (Seite / page 200)

C cabs_architektur und produktdesign / Bartscherer und Cachola OEG (Seite / page 89) Carsten Leonhardi / Upbuilding (Seite / page 151) Christian Dvorak GmbH & Co KEG (Seite / page 186) Claudia Brandmair (Seite / page 122) cmotion Mechatronikentwicklungs- und HandelsgmbH (Seite / page 263) Conceptual Art Technologies c:a:t Prix & Schiebek OEG (Seite / page 250) CONVOIDESIGN Stanek KEG (Seite / page 155) Couch Music Publishing GmbH (Seite / page 184) Couch Records Musicproduction GmbH (Seite / page 184) cracked anegg records keg (Seite / page 185)

E Easybalkon GmbH (Seite / page 90) Elena Hrdina / Elena Grasmik e. U. (Seite / page 118) Elena Zvereva / Artpoint Vienna (Seite / page 122) Elfenkleid Thaler & Prechtl OEG (Seite / page 123)

3


Anhang Geförderte Unternehmen

Eszter Szabolcs / pagabei e. U. (Seite / page 121) Exozet Neue Medien Produktion Wien GmbH (Seite / page 188)

F Fabrics Interseason Salner / Schweiger OEG (Seite / page 123) Facultas Verlags- und Buchhandels AG (Seite / page 176) fenw GmbH (Seite / page 208) Filmladen Gmbh (Seite / page 272) Florian Gsottbauer (Seite / page 157) Florian Ladstätter (Seite / page 123) Fox Werbegrafik Rathmanner KEG (Seite / page 250) FreibeuterFilm KG (Seite / page 271)

G Gabriele Lenz / Büro für visuelle Gestaltung (Seite / page 158) Georg Lauteren / TRUST (Seite / page 189) Georg Maißer (Seite / page 236) Georg Zwisler (Seite / page 157) Gina Drewes (Seite / page 118) Graf Moser Management GmbH (Seite / page 255) Grassfish Marketing Technologies GmbH (Seite / page 212) Greentube I. E. S. AG (Seite / page 215)

H Harald Guggenbichler / guggenbichlerdesign (Seite / page 157) HEIc Hornbachner Energie Innovation Consulting GmbH (Seite / page 140) Herbert Ernst / Genussmarketing (Seite / page 155)

I Ina Kent / Ina Kent Wien (Seite / page 119) Institut für Visionen & Co KG (Seite / page 149)

4

J J. & L. Lobmeyr Gesellschaft m.b.H. (Seite / page 159) Joachim Luetke / Image Eye – Luetke Prod. Vienna (Seite / page 251) Johann Spitzauer (Seite / page 158) Juerg Meister / nextroom – architektur im netz (Seite / page 79) JULAND Fredes&CoKEG (Seite / page 158) Jürgen Bauer KEG (Seite / page 185)

K Kaczek’s Visuals Trading GmbH (Seite / page 273) Kai Stania (Seite / page 159) Kairos Musikproduktions GmbH (Seite / page 185) Katharina Macheiner / sixxa (Seite / page 119) Kerstin Hamata / Siddhartha Sailingyachts (Seite / page 161) Kohlmaier GmbH (Seite / page 159) Konnex – Leitner-Sidl & Pöll OEG (Seite / page 255)

L La Gentz KG (Seite / page 249) LAUBLab_KG (Seite / page 254) Liquifer Systems Group Hoheneder Imhof GesbR (Seite / page 144) Literatur- und Contentmarketing GesmbH (Seite / page 171) Lomographische AG (Seite / page 160) Ludwig Doblinger (Bernhad Herzmansky) KG (Seite / page 186) Lukas & Blum OEG (Seite / page 154)

M Manfred Pignitter / NOUS Consulting & Trade (Seite/page 251) Martin Zimper (Seite / page 252) Martina Kröll (Seite / page 149) Maye Riess / Mayi e. U. (Seite / page 120)

Mayr-Geister KEG (Seite / page 253) mCubed Information Technology GmbH (Seite / page 160) Men on the Moon Werbemedien GmbH (Seite / page 251) Michael Baiculescu / Mandelbaum Verlag (Seite / page 177) Michael Wallraff (Seite / page 91) miramondo public design GmbH (Seite / page 160) Monkey Music, Gröbchen & Partner OEG (Seite / page 188) Mooddesigner KG (Seite / page 187) m-otion communications GmbH (Seite / page 253) Mühlbauer Hut und Mode GmbH & Co KG (Seite / page 124)

N Nina Peter OG (Seite / page 107) Nofrontiere Design GmbH (Seite / page 84) Norbert Spaninger / Congenial Möbeldesign – Innenarchitektur – Tischlerei (Seite / page 155) NOUS Wissensmanagement GmbH (Seite / page 251) Nullstars OG (Seite / page 223)

O Ocean Design Corporation GmbH (Seite / page 161) OFFICER Business Software Solutions GmbH (Seite / page 184) OFROOM – Bärnthaler Hötzl GmbH (Seite / page 89) onetiki new media company GmbH (Seite / page 205) ORDIS GnbR (Seite / page 188) Otto Bock Healthcare Products GmbH (Seite / page 157) ovos realtime 3D gmbH (Seite / page 219)

P Paul Peyrer-Heimstätt / dontDOTat (Seite / page 90) Petar Petrov (Seite / page 124)


appendix funded companies

Peter Vorlaufer (Seite / page 248) PLAY.FM GmbH (Seite / page 227) pooool – Verein zur Förderung visueller Kunst und Kultur (Seite / page 250) Project L & C Production GmbH & Co OG (Seite / page 196)

R RADIC´ / MORGER GsbR (Seite / page 120) Rainer Scharf / 24H – Product Design (Seite / page 160) Robert Pinzolits (Seite / page 186) Roland Kühne / „Keen“ (Seite / page 123) Rossori Music & Event GmbH (Seite / page 187)

S SABA SONG GmbH (Seite / page 124) Sanoson GmbH (Seite / page 184) Schellakann Textilwarenerzeugungsgesellschaft m.b.H. (Seite / page 125) sha. Vertrieb GmbH (Seite / page 150) Simone Springer / rosa mosa (Seite / page 124) soulseduction.com GmbH (Seite / page 188) SPIRIT DESIGN Consulting & Services GmbH (Seite / page 152) Sproing Interactive Media GmbH (Seite / page 253) SR Archiv österreichischer Popularmusik (Seite / page 188) Stefan Fiedler Imaging GmbH (Seite / page 156)

T Totti Design Ltd. Vienna (Seite / page 151) TUPALO.COM OG (Seite / page 253)

U

UNVERKAEUFLICH handels GmbH (Seite / page 162) URBAN TOOL Design und Handels GmbH (Seite / page 161) Ute Ploier (Seite / page 125)

V Veronika Persché (Seite / page 121) VMS-Kühne & Kapeller GesnbR (Seite / page 232, 254) Volltext Verlag GmbH (Seite / page 177)

W Walking-Chair Designstudio GmbH (Seite / page 162) Webducation Software Planungsund Entwicklungsgmbh (Seite / page 249) Wegenstein Veranstaltungs KEG (Seite / page 273) Wendy&Jim Fankhauser / Schania GesnbR (Seite / page 125) Wilfried Mayer (Seite / page 112) Witcraft Szenario OG (Seite / page 271) Wolfgang Mitter / Miooow (Seite / page 186) Wolfgang Muthspiel / material records (Seite / page 187) Wubet e. U. (Seite / page 162)

X Xendex Holding GmbH (Seite / page 240)

Y yasssu GmbH (Seite / page 244)

Z Zone Media GmbH (Seite / page 248, 252)

uma information technology GmbH (Seite / page 254) Universal Music GmbH (Seite / page 186)

5


Anhang Statistik / statistics

STATISTI K STAT IST IC S

Wirtschaftsfaktor Creative Industries. Die Gesamtergebnisse von vier Jahren departure-Fördertätigkeit veranschaulichen die Bedeutung für das Wiener Wirtschaftsleben. / Creative industries—an economic factor. The results of four years of funding activity demonstrate the importance for Vienna’s economic life.

Programme / programs: C.0801, P.0801, E.0801, C.0703, P.0702, E.0702, Lifestyle Advertising, P.0701, E.0701, C.0702, C.0701, C.0603, re:Design, C.0602, dSign Up!, music to sell, F.0601, F.0504, F.0503, F.0502, F.0501, F.0402, F.0401

eingereichte Projekte / submitted projects

geförderte Projekte / funded projects

Architektur / architecture Audiovision / audio-vision Design (inkl. Grafik) / design (incl. graphic design) Diverse / miscellaneous Kunstmarkt / art market Literatur, Medien, Verlagswesen / literature, media, publishing Mode / fashion Multimedia / multimedia Musik / music Services / services

18 19 140 72 7 16 74 187 78 8

6 5 43 6 0 5 26 31 18 2

Gesamt / total

619

142

gesicherte und neu geschaffene Arbeitsplätze / secured and created jobs

769

Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding

10.719.072 EUR

dadurch ausgelöstes privates Invest / effected private investments

42.876.288 EUR

*

davon wurden 8 in „dSign Up!“ 2005 und 8 in „re:Design“ 2006 gefördert 8 programs were funded under “dSign Up!” 2005, another 8 under “re:Design” 2006

**

davon wurden 7 in „music to sell“ 2004 gefördert 7 projects were funded under “music to sell” 2004

***

3 Filmverwertung, 1 Services für Creative Industries, 1 Audiovision, 1 Literatur, Medien, Verlagswesen 3 film distribution, 1 services for creative industries, 1 audio-vision, 1 literature, media, publishing

****

CI-Bereiche seit neuer Richtlinie vom 01. Juli 2006 creative industries fields since the new funding guidelines of July 1, 2006

***** davon wurden 7 in „Lifestyle Advertising“ 2007 gefördert of which 7 were funded under “Lifestyle Advertising” 2007

6

**** **** * *** **** **** ***** ** ****


appendix Programme / programs

PROGR AMME PROGR A MS C.0801

P.0702

E.0701

Start / start: 07.01.2008 Ende / end: 22.04.2008 Jury / jury: Carl Frech, Sven Gächter, Tassilo Pellegrini, Karoline Simonitsch, Brigitte Winkler eingereichte Projekte / submitted projects: 40 geförderte Projekte / funded projects: 6 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 583.589 EUR

Start / start: 08.10.2007 Ende / end: 14.12.2007 eingereichte Projekte / submitted projects: 15 geförderte Projekte / funded projects: 4 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 60.000 EUR

Start / start: 21.06.2007 Ende / end: 01.10.2007 eingereichte Projekte / submitted projects: 9 geförderte Projekte / funded projects: 5 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 60.000 EUR

E.0702

C.0702

Start / start: 08.10.2007 Ende / end: 14.12.2007 eingereichte Projekte / submitted projects: 4 geförderte Projekte / funded projects: 3 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 28.330 EUR

Start / start: 02.05.2007 Ende / end: 03.09.2007 Jury / jury: Marika Demner, Achim Heine, Wilfried Kühn, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 24 geförderte Projekte / funded projects: 5 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 629.338 EUR

P.0801 Start / start: 07.01.2008 Ende / end: 31.03.2008 eingereichte Projekte / submitted projects: 12 geförderte Projekte / funded projects: 5 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 75.000 EUR

E.0801 Start / start: 07.01.2008 Ende / end: 31.03.2008 eingereichte Projekte / submitted projects: 5 geförderte Projekte / funded projects: 3 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 33.750 EUR

Lifestyle Advertising Start / start: 20.08.2007 Ende / end: 29.10.2007 Jury / jury: Carl Frech, Regine Haschka-Helmer, Harald Katzmair, Tassilo Pellegrini, Karoline Simonitsch, Martin Weber eingereichte Projekte / submitted projects: 46 geförderte Projekte / funded projects: 7 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 978.295 EUR

C.0703 Start / start: 10.09.2007 Ende / end: 17.12.2007 Jury / jury: Marika Demner, Carl Frech, Sven Gächter, Wilfried Kühn, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 30 geförderte Projekte / funded projects: 6 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 886.030 EUR

C.0701 Start / start: 08.01.2007 Ende / end: 23.04.2007 Jury / jury: Edek Bartz, Marika Demner, Sonja Hammerschmid, Achim Heine, Harald Katzmair, Jan Lauth, Bogdan Roscic, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 37 geförderte Projekte / funded projects: 5 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 728.310 EUR

P.0701 Start / start: 21.06.2007 Ende / end: 01.10.2007 eingereichte Projekte / submitted projects: 18 geförderte Projekte / funded projects: 9 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 135.000 EUR

7


Anhang Programme

C.0603

F.0601

F.0503

Start / start: 27.09.2006 Ende / end: 18.12.2006 Jury / jury: Edek Bartz, Marika Demner, Sonja Hammerschmid, Achim Heine, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 29 geförderte Projekte / funded projects: 6 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 457.060 EUR

Start / start: 02.01.2006 Ende / end: 27.03.2006 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Sonja Hammerschmid, Lilli Hollein, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 50 geförderte Projekte / funded projects: 12 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 967.545 EUR

Start / start: 04.07.2005 Ende / end: 26.09.2005 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Sonja Hammerschmid, Lilli Hollein, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 11 geförderte Projekte / funded projects: 3 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 149.673 EUR

dSign Up!

F.0502

Start / start: 01.09.2005 Ende / end: 17.10.2005 Jury / jury: Volker Albus, Robert Bauer, Matthias Dietz, Lilli Hollein, Christophe Marchand, Winfried Scheuer, Robert Stadler eingereichte Projekte / submitted projects: 25 geförderte Projekte / funded projects: 8 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 712.695 EUR

Start / start: 21.03.2005 Ende / end: 27.06.2005 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Sonja Hammerschmid, Lilli Hollein, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 36 geförderte Projekte / funded projects: 5 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 358.153 EUR

re:Design Start / start: 31.08.2006 Ende / end: 30.10.2006 Jury / jury: Volker Albus, Robert Bauer, Matthias Dietz, Lilli Hollein, Christophe Marchand, Christian Schwamkrug eingereichte Projekte / submitted projects: 29 geförderte Projekte / funded projects: 8 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 684.113 EUR

C.0602 Start / start: 21.07.2006 Ende / end: 25.09.2006 Jury / jury: Edek Bartz, Marika Demner, Nikolaus Franke, Achim Heine, Jan Lauth, Sabine Pümpel, Karoline Simonitsch, Thomas Zierhofer-Kin eingereichte Projekte / submitted projects: 22 geförderte Projekte / funded projects: 7 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 462.533 EUR

8

F.0504 Start / start: 03.10.2005 Ende / end: 12.12.2005 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Sonja Hammerschmid, Lilli Hollein, Wilfried Kühn, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 19 geförderte Projekte / funded projects: 6 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 514.914 EUR

F.0501 Start / start: 05.01.2005 Ende / end: 15.03.2005 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Sonja Hammerschmid, Lilli Hollein, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 32 geförderte Projekte / funded projects: 8 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 445.558 EUR


appendix programs

F.0402 Start / start: 27.09.2004 Ende / end: 17.12.2004 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Jan Lauth, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 44 geförderte Projekte / funded projects: 8 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 518.966 EUR

music to sell Start / start: 27.09.2004 Ende / end: 15.10.2004 Jury / jury: Edek Bartz, Monika Eigensperger, Peter F. James, Stefanie Marcus, Stefan Possert eingereichte Projekte / submitted projects: 36 geförderte Projekte / funded projects: 7 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 719.712 EUR

F.0401 Start / start: 01.08.2004 Ende / end: 17.09.2004 Jury / jury: Marika Demner, Monika Eigensperger, Wilfried Kühn, Herbert Lachmayer, Karoline Simonitsch eingereichte Projekte / submitted projects: 46 geförderte Projekte / funded projects: 6 Gesamtfördersumme der geförderten Projekte / total project funding: 530.508 EUR

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Anhang Jurymitglieder

J U RY M ITGL I EDER JURY MEMBERS

VOLKER ALBUS Volker Albus ist seit 1994 Professor für Produktdesign an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Der ausgebildete Architekt zählt zu den wichtigsten Protagonisten des Neuen Deutschen Designs. Als deren intellektuelles Sprachrohr kuratiert er Ausstellungen und publiziert regelmäßig in der Zeitschrift „form“ und anderen Fachmedien. Volker Albus has been professor of product design at the National Academy of Design in Karlsruhe since 1994. As a trained architect he is amongst the most significant protagonists of New German Design and as their spokesman he curates exhibitions and publishes regularly in the “form” magazine and other specialist media.

EDEK BARTZ Edek Bartz, derzeit Direktor der Wiener Kunstmesse „Viennafair“, führt seit langem verschiedenste Projekte durch: Er konzipierte mit Joachim Lieben das Programm der Reihe „Stimmen der Welt“, er sorgte für die Inszenierung und bühnentechnische Detailplanung der Tourneen Frank Zappas, der Rolling Stones oder von Queen. Bartz übernahm die Regie und Logistik bei einer Reihe von Open-Air-Festivals in Europa, Japan und den USA sowie von Jazz-Festivals in Österreich. Seit 1977 ist er regelmäßig für die Wiener Festwochen tätig. Gemeinsam mit Wolfgang Kos begründete er die im Zweijahresrhythmus abgehaltene Musikausstellung „Töne-Gegentöne“. Edek Bartz, currently exhibition director of the viennese art fair “Viennafair”, has already organized the most diverse projects. Together with Joachim Lieben he developed the program of the “Stimmen der Welt” series [Voices of the World] and was responsible

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for staging and scenic planning of the tours of Frank Zappa, the Rolling Stones and Queen. He was in charge of the direction and logistics of a number of open-air festivals in Europe, Japan, the US, and of Jazz festivals in Austria. Since 1977 he has repeatedly worked for Wiener Festwochen (Vienna Festival). Together with Wolfgang Kos he initiated the music exhibition “Töne-Gegentöne”, which is held every two years.

Marika Demner studied art history in Florence and gained her first professional experience in her father’s wholesale textile company. In 1984 she relocated to Vienna to provide continuous support for Palmers in the areas of purchasing, collections and trend advice. In addition to this she took over the representation of well-known Italian companies. Since 1998 she has worked as consultant in the areas of trend advice, purchasing and collection design.

ROBERT BAUER MATTHIAS DIETZ Robert Bauer ist Universitätsprofessor am Institut für Unternehmensführung der JohannesKepler-Universität in Linz und hält seit 2004 eine Gastprofessur an der renommierten Rotman School of Management, University of Toronto, der führenden kanadischen Wirtschaftsuniversität, die mit ihrem Ausbildungsansatz „Businessdesign“ international Aufsehen erregt hat. Robert Bauer is a university professor at the Institute of Management of the Johannes Kepler University in Linz and has been visiting professor at the famous Rotman School of Management, University of Toronto, the leading Canadian Economics University which caused an international sensation with its “Businessdesign” approach to education.

MARIKA DEMNER Marika Demner studierte Kunstgeschichte in Florenz und erlangte erste Berufserfahrungen im väterlichen Textilgroßhandel. 1984 übersiedelte sie nach Wien, um Palmers in den Bereichen Einkauf, Kollektions- und Trendberatung laufend zu unterstützen. Darüber hinaus übernahm sie die Repräsentanz namhafter italienischer Firmen. Seit 1998 ist sie als Konsulentin in den Bereichen Trendberatung, Einkauf und Kollektionsgestaltung tätig.

Matthias Dietz, Industrie-Designer, geschäftsführender Gesellschafter bei Schindler Parent Identity, Berlin. Die Corporate Branding Agentur arbeitet für das Gottlieb Duttweiler Institut, Daimler Chrysler, Mitsubishi-Fuso und das Magazin „manufactum“. Publikation von Designbüchern („Wabi-sabi“ und „SED – Schönes Einheits Design“) und Organisation von Designaustellungen („Berliner Schubladen“ etc.). Matthias Dietz, industrial designer, is managing partner at Schindler Parent Identity, Berlin. The corporate branding agency works for the Gottlieb Duttweiler Institute, Daimler Chrysler, Mitsubishi-Fuso and the “manufactum” magazine. He is responsible for the publication of design books (“Wabisabi” and “SED—Schönes Einheits Design”) and the organization of design exhibitions (“Berliner Schubladen”, etc.).

MONIKA EIGENSPERGER Monika Eigensperger begann 1980 als freie Mitarbeiterin beim ORF-Radio, war Musikprogrammgestalterin und Reporterin bei Ö3 („Zick Zack“, „Radiothek“), 1992 wurde sie Ressortleiterin bei Ö3 und 1994 stellvertretende Ö3Chefin. Seit 1996 ist sie Leiterin des Jugendkultursenders FM4. Unter ihrer Leitung avancierte


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FM4 zum Kultprogramm, der Sender bot kreativen Spielraum zur Umsetzung von Erfolgsproduktionen („Stermann & Grissemann“ und „Projekt X“). Im November 1999 wurde Monika Eigensperger zur Senderchefin der 4. ORFKette FM4 bestellt. Monika Eigensperger, started out in 1980 as a freelancer at ORF radio where she worked as music program designer and reporter for Ö3 (“Zick Zack”, “Radiothek”). In 1992 she became departmental manager at Ö3 as well as permanent deputy chief of Ö3 (1994). Since 1996 she has been director of the youth culture station FM4. Under her direction FM4 has become a cult program; the station offered creative latitude for the realization of successful productions (“Stermann & Grissemann” and “Project X”). In November 1999 Monika Eigensperger was appointed station chief of the 4th ORF chain FM4.

NIKOLAUS FRANKE Nikolaus Franke ist seit 2001 Universitätsprofessor und Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien. Als Direktor der Entrepreneurship Academy der TU und WU Wien orientiert er sich an den führenden Businessschools weltweit und hat als wissenschaftlicher Leiter der Benchmarking-Studie „Top 100 – der Innovative Mittelstand“ erstmals die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen gemessen und einhundert der innovativsten Teilnehmer identifiziert. 2005 wurde er mit dem „Best Paper Award“ der American Marketing Association ausgezeichnet. Nikolaus Franke has been university professor since 2001 and head of the Institute of Entrepreneurship and Innovation at the Vienna University of Economics and Business Administration. In his function as director of the Entrepreneurship Academy of the Vienna University of Technology and the Vienna University of Economics and Business Administration he is in line with the leading business schools worldwide, and as scientific head of the benchmark study “Top 100—der innovative Mittelstand” [Top 100 the innovative medium-sized enterprises] he has for the first time quantified the innovative power of medium-sized enterprises and has identified the hundred most

innovative participants. In 2005 he was awarded the “Best Paper Award“ by the American Marketing Association.

CARL FRECH Carl Frech studierte Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit bis Anfang 2002 war er maßgeblich am Unternehmensaufbau der MetaDesign AG beteiligt. Seine Verantwortung umfasste dort die Bereiche Informationsdesign, Interfacedesign, Markenentwicklung, strategische Kommunikation, Softwareentwicklung, Implementierung, Industrial Design, Online-Strategie und mobile Technologien. Frech ist heute als Berater für Industrie und Unternehmen der Branchen Design, Kommunikation und Medientechnologie tätig. Seit Oktober 2005 unterrichtet Carl Frech als Professor an der Fachhochschule Würzburg, Fakultät Gestaltung, im Bereich Design, Konzeption und Entwurf. Carl Frech studied visual communication at the Berlin University of Arts. In his position as member of the executive board of Meta Design AG, which he assumed until 2002, he played a decisive role in the establishment of the company. He was responsible for the fields of information design, interface design, brand development, strategic communication, software development, implementation, industrial design, online strategies and mobile technologies. Carl Frech is currently working as a consultant for the industry as well as for companies active in the fields of design, communication and media technology. Since October 2005 he is professor at Fachhochschule Würzburg / Faculty of Design and holds lectures in design and concept development.

SVEN GÄCHTER Geboren 1962 in Altstätten (Schweiz). 1983 –1989 Studium der Germanistik und Linguistik in Zürich Kulturjournalist in Zürich und München („Die Weltwoche”, „Wiener”). Seit 1994 Redakteur beim österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“ in Wien.1995 – 2002 Ressortleiter Kultur. Seit 2002 Chefredakteur des „profil“. Nebenbei betätigt er sich als DJ (House / Minimal) und

Clubhost. Gemeinsam mit dem DJ und Produzenten Jeremiah betreibt er seit 2001 das Label „laudon recordings“. Born 1962 in Altstätten (Switzerland). 1983—1989 studied linguistics and German language and literature in Zurich; works as culture journalist in Zurich and Munich (“Die Weltwoche”, “Wiener”). Since 1994 editor of the Austrian news magazine “profil” in Vienna. 1995—2002 head of the culture department. Since 2002 editor in chief of “profil”. He also works as DJ (House / Minimal) and club host. In 2001 he has established the label “laudon recordings” together with DJ and producer Jeremiah.

SONJA HAMMERSCHMID Sonja Hammerschmid (Jurymitglied ohne Stimmrecht) ist promovierte Molekularbiologin. Nach ihrer Tätigkeit als Salesund Produktmanagerin bei Margaritella-Biotrade übernahm sie im Mai 1999 die Leitung des Impulsprogramms Biotechnologie (Vorgänger von Life Science Austria) in der Innovationsagentur. Nach Fusionierung der Innovationsagentur mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH im August 2003 wurde sie stellvertretende Leiterin, im März 2005 Leiterin der Abteilung Technologie und Innovation. Zusätzlich übernahm Sonja Hammerschmid 2002 die Position der Geschäftsführerin in der ARGE LISA Vienna Region und im Jahr 2004 die Geschäftsführung des iP ImpulsProgramms creativwirtschaft. Sonja Hammerschmid (jury member without voting right) graduated with a doctor’s degree in molecular biology. After gathering commercial experience as sales and product manager at MargaritellaBiotrade, she took over management of the biotechnology incentive program (predecessor of Life Science Austria) at the Innovation Agency in May 1999. Following the merger of the Innovation Agency with Austria Wirtschaftsservice GmbH she became deputy manager of the technology and innovation department in August 2003, and manager of this department in March 2005. In addition to this Sonja Hammerschmid took over the position of managing director in the LISA Vienna Region joint venture in 2002, and the management of the iP ImpulsProgramm creativwirtschaft in 2004.

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Anhang Jurymitglieder

REGINE HASCHKA-HELMER Regine Haschka-Helmer, CEO, I-D Media AG, gehört zu den I-D Media-Mitarbeitern der ersten Stunde. Als das Unternehmen 1988 als klassische Werbeagentur gegründet wurde, arbeitete die gelernte Werbekauffrau und Studentin der Betriebswirtschaftslehre dort als Freelancerin. Haschka-Helmer zählt zu den kreativen Köpfen des Unternehmens. Sie war eine der treibenden Kräfte bei der Spezialisierung auf neue interaktive Medien. 1997 wurde Regine HaschkaHelmer als Verantwortliche für die strategische und kreative Beratung großer Markenunternehmen in die Geschäftsführung berufen. Seit 1999 zeichnet Regine Haschka-Helmer im Vorstand der I-D Media AG für den Bereich Marketing und Dienstleistungen verantwortlich, seit August 2005 ist sie Vorstandsvorsitzende. Regine Haschka-Helmer, CEO, I-D Media AG. She was among the first staff members of the company, which when it was founded in 1988, was a classic advertising agency. At that time Regine Haschka-Helmer, a trained advertising expert and student of business administration, worked as freelancer for the company. She figures among the creative minds of I-D Media AG and was one of the driving forces in its specialization on new interactive media. In 1997 she was appointed member of the executive board and responsible for strategic and creative consulting to brand name companies. Since 1999 she has been responsible for marketing and services, since August 2005 she has chaired the board of I-D Media AG.

ACHIM HEINE Achim Heine betreibt sein Designbüro in Berlin und hat Produkte u. a. für Unternehmen in Italien, der Schweiz und Deutschland entworfen. Viele seiner Arbeiten wurden in Ausstellungen in Amsterdam, London, Paris, Mailand, Tokio und Los Angeles gezeigt. Neben seiner Tätigkeit als Produktdesigner ist Achim Heine Mitgründer und Partner des Büros für Visuelle Kommunikation Heine / Lenz / Zizka in Frankfurt am Main und Berlin. Achim Heine ist Präsidiumsmitglied des Rats für Formgebung und lehrt als Professor für experimentellen

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Entwurf an der Universität der Künste Berlin. Achim Heine has his own design office in Berlin and has designed products for companies in Italy, Switzerland and Germany, among others. Many of his works have been presented in exhibitions in Amsterdam, London, Milan, Tokyo and Los Angeles. In addition to his job as product designer Achim Heine is co-founder and partner of Büros für Visuelle Kommunikation Heine / Lenz / Zizka in Frankfurt on Main and Berlin. Achim Heine is member of the Presiding Committee of the German Design Council and professor for experimental design at the Universität der Künste Berlin.

zone of the Looshaus and “Memphis—21 Jahre nach der Designrevolution” [Memphis—21 Years After the Design Revolution] at Kunsthalle Krems (2002) as well as “AustriArchitektur— sieben Debüts aus Österreich” [AustriArchitektur—Seven Debuts from Austria] at Aedes East Gallery, Berlin (June 2005), and at Zumtobel Lichtforum Wien (2006). Together with Tulga Beyerle and Thomas Geisler Lilli Hollein is also responsible for the conference “D06—Zeitzonen” [D06—Time Zones] and “D07—Die Mitte” [D07 —The Center] (October 8—9, 2007) at the University of Applied Arts Vienna as well as for “Passionswege—Designtage Wien” [Design Days Vienna] 2006, and VIENNA DESIGN WEEK 2007 and 2008.

LILLI HOLLEIN PETER F. JAMES Lilli Hollein, studierte Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien und arbeitet seit 1996 vorwiegend als Journalistin und Kuratorin. Sie war Kommissärin für den österreichischen Beitrag bei der 7. Architektur-Biennale Sao Paulo 2007. Als Kuratorin hat sie Ausstellungen aus den Themenbereichen Architektur und Design konzipiert, darunter 2002 „Memphis-Kunst / Kitsch / Kult“, Designzone Looshaus und „Memphis – 21 Jahre nach der Designrevolution“, Kunsthalle Krems, 2005 in der Galerie Aedes East, Berlin und 2006 im Zumtobel Lichtforum Wien „AustriArchitektur – sieben Debüts aus Österreich“. Zudem ist Lilli Hollein (gemeinsam mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler als „Neigungsgruppe Design“) für die Konferenz „D06 – Zeitzonen“ und „D07 – Die Mitte“ (8. und 9. Oktober 2007) an der Universität für angewandte Kunst Wien und die „Passionswege – Designtage Wien“, 2006 und die VIENNA DESIGN WEEK 2007 und 2008 verantwortlich. Lilli Hollein studied industrial design at the University of Applied Arts in Vienna and has worked as a freelance journalist and curator since 1996. She was the responsible commissioner for the Austrian contribution to the 7th Architecture Biennale Sao Paolo 2007. Lilli Hollein has curated architecture and design exhibitions, e. g. “Memphis-Kunst / Kitsch / Kult. Eine Designbewegung verändert die Welt” [Memphis—Culture / Kitsch / Cult. A Design Movement Changes the World] at the design

Peter F. James studierte Rechtsund Wirtschaftswissenschaften. 1992 übernahm er die Geschäftsführung von RockCity Hamburg e. V. und kümmerte sich bis 1998 im Auftrag der Hamburger Kulturbehörde um die musikalische Nachwuchsförderung. Als Gründer (1993) und Präsident (2002) des Verbandes unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikproduzenten und Musikverlage e. V. (VUT) engagiert sich James seit Jahren für die Belange der Musikschaffenden und deren Umfeld. 2003 initiierte und gründete er GermanSounds AG – Das Deutsche Musikexportbüro, dessen Gesamtleitung er auch innehat. Peter F. James studied law and economic sciences. In 1992 he took over the management of RockCity Hamburg e. V. and was in charge of the promotion of young music talents on behalf of the Cultural Department of the City of Hamburg. As founder (1993) and chairman (2002) of the VUT (German Association of Independent Record Companies) he has committed himself to the concerns of musicians and their environment. In 2003 he initiated the establishment of GermanSounds AG—Das Deutsche Musikexportbüro, and also acts as its general manager.

HARALD KATZMAIR Harald Katzmair studierte Soziologie und Philosophie an der Universität Wien. Seit 1992 Lehrtätigkeiten an diversen


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Universitäten. Gründer, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der FAS.research GmbH, einem Institut für Netzwerkanalyse und Komplexitätsforschung, das die Lücke zwischen Grundlagenforschung und marktwirtschaftlicher Anwendung von Netzwerkanalyse schließt, soziale, technologische und biologische Netzwerke visualisiert und analysiert, strategische Simulations-Software sowie Implementierungs-Tools für Key Account Management und Network Building entwickelt. Harald Katzmair studied sociology and philosophy at the University of Vienna. He has been teaching at several universities. He is founder, business manager and scientific director of FAS research GmbH, an institute for network analysis and complexity research, which closes the gap between basic research and market economic application of network analysis, visualizes and analyses social, technological and biological networks, and develops strategic simulation software as well as tools for the implementation of key account management and network building.

WILFRIED KÜHN Wilfried Kühn, 1967 in Hamburg geboren, studierte Architektur in Mailand und Lissabon. 2001 Mitbegründer der Architektenpartnerschaft Kühn Malvezzi, Berlin. Seit dem Umbau der BindingBrauerei für die Documenta 11 in Kassel (2002), der Erweiterung des Museums für Gegenwart im Hamburger Bahnhof für die F. C. Flick Collection (2004) und dem Umbau einer Fabrikanlage in Düsseldorf für die Sammlung Stoschek (2007) zählen Kühn Malvezzi zu den führenden Architekten im Bereich musealer Gestaltung und Ausstellungsdesign für Gegenwartskunst. Daneben planen sie öffentliche Gebäude wie die 2004 in Wien realisierte Lauder Business School sowie zahlreiche Privathäuser im In- und Ausland. Wilfried Kühn ist Professor für Ausstellungsdesign und kuratorische Praxis an der HfG Karlsruhe seit 2006. Wilfried Kühn, born in 1967 in Hamburg, studied architecture in Milan and Lisbon. Co-founder of the architectural partnership of Kühn Malvezzi, Berlin. Since the reconstruction of the Binding

brewery for the Documenta 11 in Kassel (2002), the extension of the Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof for the F.C. Flick collection (2004) and the reconstruction of a factory in Düsseldorf for the Stoschek collection (2007) Kühn Malvezzi count among the leading architects in museum and exhibition design for contemporary art. In addition they design public buildings such as the Lauder Business School in Vienna (2004) as well as numerous private houses at home and abroad. Since 2006 Wilfried Kühn has been professor for exhibition design and curatorial practice at National Academy of Design in Karlsruhe.

HERBERT LACHMAYER Herbert Lachmayer studierte Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte in Wien, Frankfurt und Berlin. Neben Lehrtätigkeiten in Berlin, London und Wien ist Lachmayer seit 1991 Professor an der Kunstuniversität Linz und leitete die Meisterklasse „Experimentelle Gestaltung“. Im Jahre 2000 gründete er das Da Ponte Institut für Librettologie, Don Juan-Forschung und Sammlungsgeschichte. Neben zahlreichen Publikationen „Über die Schwelle“, 2003; „Vom experimentellen Exzess“, 1999; „Hüben und Drüben“, 1992 etc. gestaltete er Ausstellungen wie zum Beispiel „Lorenzo da Ponte in Wien, I–III“ (Staatsoper, Mahlersaal), „Alles Schmuck“ (Museum für Gestaltung, Zürich), „HIC SAXA LOQVVUNTUR“ (Architekturbiennale Venedig) oder „WORK & CULTURE. Büro Inszenierung von Arbeit“ (Landesmuseum, Linz) und „Salieri sulle tracce di Mozart“ (Palazzo Reale, Mailand). Herbert Lachmayer studied philosophy, sociology and art history in Vienna, Frankfurt and Berlin. Alongside teaching posts in Berlin, London and Vienna, he has been professor at the Linz University of Art and head of the (former) master class “Experimental Design” since 1991. In 2000 he founded the Da Ponte Institute for Librettology, Don Juan Research and Anthology History. In addition to numerous publications “Über die Schwelle” [Over the Threshold], 2003; “Vom experimentellen Exzess” [On Experimental Excess], 1999; “Hüben und Drüben”, [On This Side and That] 1992, etc. Herbert Lachmayer has designed exhibitions such as “Lorenzo da Ponte in Vienna, I—III” (State Opera,

Mahler Hall), “Alles Schmuck” [Everything Jewelry] (Museum for Design Zurich); “HIC SAXA LOQVVUNTUR” (Architecture Biennial Venice) or “WORK & CULTURE. Büro Inszenierung von Arbeit” [WORK & CULTURE. The Production of Office Work] (Landesmuseum, Linz) and “Salieri sulle tracce di Mozart” (Palazzo Reale, Milan).

JAN LAUTH Jan Lauth studierte bis 1992 an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Es folgten zahlreiche Lehrtätigkeiten wie etwa am SAE Technology College / Wien (seit 1994), an der Werbeakademie Wien (1998 – 2000), der Donauuniversität Krems (1998 – 2001) oder an der Universität für angewandte Kunst in Wien (seit 2000). 1996 gründete er die Visualisten-Gruppe eyeM und 2002 initiierte er den Aufbau des Netzwerkes pooool. 1995 wurde sein Musikvideo „So große Augen“ mit dem Kurzfilmpreis des österreichischen Filmfestivals Diagonale 95 ausgezeichnet und 2000 folgte die Auszeichnung des Spots „eyeM.poor/ eyeM.rich“. Jan Lauth studied at the University of Applied Arts in Vienna until 1992, followed by numerous teaching jobs such as at the SAE Technology College / Vienna (from 1994), the Vienna Advertising Academy (1998—2000), the Danube University in Krems (1998—2001) and the University of Applied Arts in Vienna (since 2000). In 1996 he founded the visualist group eyeM, and in 2002 he initiated setting up of the pooool network. In 1995 his music video “So grosse Augen” [Such big eyes] was awarded a film prize by the Austrian film festival Diagonale 95 and in 2000 this was followed by a commendation of the spot “eyeM.poor / eyeM.rich”.

CHRISTOPHE MARCHAND Christophe Marchand, Designer aus Zürich, studierte nach einer Ausbildung zum Tischler Industriedesign an der Fachhochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Anschließend eröffnete er ein Atelier für Product Development. Zu seinen Auftraggebern zählen unter anderem Alias, Classicon, Eternit, Thonet, Wogg, Ycami und Zanotta. Seine Produkte sind durch zahlreiche internationale Preise ausgezeichnet worden.

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Anhang Jurymitglieder

Christophe Marchand, designer from Zurich. After training as a carpenter he studied industrial design at the Technical University of Art and Design in Zurich. Following this he opened a design studio for product development. His clients include Alias, Classicon, Eternit, Thonet, Wogg, Ycami and Zanotta. His products have been awarded numerous international prizes.

joined Prognos AG, the European Center for Economic Research and Strategy Consulting in Basel. He is member of the founder’s consortium of the Semantic Web School—Zentrum für Wissenstransfer, which he has been managing since 2006. Pellegrini is assistant professor for media management at Fachhochschule St. Pölten and regularly publishes on semantic technology, new media technology, media economy and media policy.

STEFANIE MARCUS Stefanie Marcus studierte Gitarre an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. 1983 übersiedelte sie nach Berlin, um dort in verschiedenen Band-Projekten als Bassistin zu spielen. Des Weiteren arbeitete sie für die Berliner Hansa Tonstudios. 1989 gründete sie gemeinsam mit dem Produzenten Wolfgang Loos das Unternehmen Traumton, Studio, Musikproduktion, Label und Verlag. Stefanie Marcus studied guitar at the Hanover Academy of Music. In 1983 she moved to Berlin, where she participated in several band projects as bassist. She also worked for the Hansa Tonstudio (sound studio) in Berlin. Together with Wolfgang Loos she founded the company Traumton, Studio, Musikproduktion, Label und Verlag in 1989.

TASSILO PELLEGRINI Tassilo Pellegrini studierte Handelswissenschaften, Kommunikationswissenschaft und Politologie. Er begann seine berufliche Laufbahn in der Abteilung für Medienökonomie der Universität Salzburg. Im Jahr 2002 wechselte er zur Prognos AG, dem Europäischen Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung in Basel. Er ist Mitglied des Gründungskonsortiums der Semantic Web School – Zentrum für Wissenstransfer, das er seit 2006 leitet. Pellegrini ist Dozent im Fachbereich Medienmanagement der Fachhochschule St. Pölten und publiziert regelmäßig zu den Themen Semantische Technologien, Neue Medientechnologien, Medienökonomie und -politik. Tassilo Pellegrini studied commercial science, communication and political science. He started his professional career at the Department of Media Economy at the University of Salzburg. In 2002 he

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STEFAN POSSERT Stefan Possert ist seit 1994 für die Entertainment- und Technologie-Branche als Konzepter, Informations-Architekt und Designer tätig. Als Gründungsmitglied von „farmersmanual“ beschäftigte er sich intensiv mit experimenteller Datenverarbeitung für Musik, Grafik und Video. Seit 1996 wohnhaft in Deutschland, führt er Performances in Europa und Übersee auf Festivals wie Sonar (Barcelona), Discom Pompidou (Paris), FCMM (Montreal), Biennale (Venedig) oder Ars Electronica (Linz) durch. Nach Projekten für NewMedia-Agenturen wie Büro-X, Razorfish, Fork Unstable Media oder Meta Design leitete er von 2001 bis 2004 die Abteilung für digitale Medien bei Universal Music in Berlin und baute den nonphysischen Vertriebskanal des Unternehmens auf. Seit 2005 ist er für seine Digital-Media-Solutions-Firma „subsequent GmbH“ als Geschäftsführer tätig. Stefan Possert has been active in the entertainment and technology sector as developer, information architect and designer since 1994. Being one of the founders of “farmersmanual” he intensively dealt with experimental data processing for music, graphics and video. Since 1996 he has lived in Germany and makes performances in Europe and overseas in the scope of festivals such as Sonar (Barcelona), Discom Pompidou (Paris), FCMM (Montreal), Biennial (Venice) or Ars Electronica (Linz). After several projects for new media agencies such as Büro-X, Razorfish, Fork Unstable Media or Meta Design he was the head of the department for digital media at Universal Music from 2001 to 2004 and built up the non-physical sales channels of the company. Since 2005 he has been executive manager of his digital media solutions company “subsequent GmbH”.

BOGDAN ROSCIC Bogdan Roscic wurde1964 in Belgrad geboren. 1974 Emigration der Familie nach Österreich. Studium der Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien. 1989 Promotion zum Dr. phil. 1989 Arbeit als freier Mitarbeiter im Kulturressort der Tageszeitung „Die Presse“, ab 1990 dort für Medien, Medienpolitik und Pop zuständig. 1991 wurde Roscic Ressortchef für Medien, Medienpolitik und Pop beim „Kurier“. 1993 Wechsel zu Ö3 als Musikchef. 1996 folgte der Aufstieg zum Senderchef von Ö3. 2002 wechselte Roscic als Managing Director zu Universal Music Austria. 2003 wurde er künstlerischer Leiter der Deutsche Grammophon Gesellschaft, Hamburg (ein Unternehmen der Universal Music Group). Seit Mai 2006 ist Roscic Managing Director der Decca Music Group, London (ein Unternehmen der Universal Music Group). Bogdan Roscic was born in Belgrade in 1964. In 1974 the family emigrated to Austria. He studied philosophy and musicology at the University of Vienna. Bogdan Roscic completed his studies in 1989 and holds a doctor’s degree. In the same year he started to work as a freelancer at the cultural department of the daily newspaper “Die Presse”, where he was responsible for the fields of media, media policy and pop as of 1990. In 1991 he joined the daily newspaper “Kurier” as head of the media, media policy and pop department. In 1993 he started to work for the radio station Ö3 as departmental manager, and was appointed chief of the radio station in 1996. In 2002 Bogdan Roscic joined Universal Music Austria as managing director and from 2003 he was artistic director of Deutsche Grammophon Gesellschaft, Hamburg (a company of the Universal Music Group). Since May 2006 he has been managing director of Decca Music Group, London (a company of the Universal Music Group).

WINFRIED SCHEUER Winfried Scheuer, Professor für Industrial Design an der Akademie der bildenden Künste Stuttgart, stammt aus Calw, studierte Produktgestaltung und erwarb sein Master Degree am Royal College of Art in London. Scheuer arbeitete vor seiner Professur als


appendix jury members

selbstständiger Designer in San Francisco und London. Winfried Scheuer, professor of industrial design at the Academy of Creative Arts in Stuttgart, originates from Calw, studied product design and received his master’s degree from the Royal College of Art, London. Prior to his professorship, Scheuer worked as a freelance designer in San Francisco and London.

CHRISTIAN SCHWAMKRUG Christian Schwamkrug, seit 1987 bei Porsche Design Studio tätig, ist seit 2004 Design Director und stellvertretender Geschäftsführer des Porsche Design Studios in Zell am See. Vor seinem Engagement im Porsche Design Studio studierte er Industrial Design an der Bergischen Universität Wuppertal und arbeitete anschließend als Freelancer für diverse Design Studios. Christian Schwamkrug has been working for the Porsche Design Studio since 1987, and since 2004 he has been deputy business manager of the Porsche Design Studio in Zell am See. Before joining the Porsche Design Studio he studied industrial design at the University of Wuppertal and worked as freelancer for various design studios.

KAROLINE SIMONITSCH Karoline Simonitsch studierte an der KF-Uni Graz, der WU-Wien und der University of California, Berkeley, USA. Von April 2000 bis März 2007 arbeitete sie bei PricewaterhouseCoopers in Wien bzw. Düsseldorf in der Funktion als Managerin mit Prokura. Seit April 2007 ist sie als selbständige Unternehmensberaterin tätig – vorwiegend in Deutschland und Wien. Schwerpunkte ihrer beratenden Tätigkeit sind: sich verändernde Geschäftsmodelle, Unternehmensprozesse und Implikationen für Unternehmensstrategien mit Fokus auf Technologie-, Medien- und Telekommunikationsmärkte. Sie ist Autorin und Vortragende zu Trends in diesen Märkten und seit 2004 Jurymitglied bei departure. Karoline Simonitsch studied at the Karl-Franzens University in Graz, the Vienna University of Economics and Business Administration and at the University of California, Berkeley, USA. From April 2000 till

March 2007 she has been working with PricewaterhouseCoopers in Vienna and Düsseldorf as manager with full commercial authority. In April 2007 she started her career as freelance management consultant specializing in changing business models, business processes and implications on company strategies with a focus on technology, media and telecommunication markets. Karoline Simonitsch also works as an author and holds lectures on the trends in these markets. She has been a departure jury member since 2004.

ROBERT STADLER Robert Stadler, Designer, wurde in Wien geboren, studierte in Mailand und Paris. Er ist Gründungsmitglied der Gruppe RADI DESIGNERS, die viele internationale Auszeichnungen empfangen hat. Seit 4 Jahren arbeitet er parallel zu seiner Tätigkeit in der Gruppe auch solo. Die Gruppe ist heute vorwiegend im Produktdesign tätig, kürzlich wurde für die Marke Moulinex eine Serie von elektrischen Haushaltsgeräten fertig gestellt. Alleine realisiert Stadler freiere Arbeiten, die in Galerien und Museen in Paris, New York und Rio de Janeiro ausgestellt sind. Stadler lebt und arbeitet in Paris und Rio de Janeiro. Robert Stadler, designer. He was born in Vienna and studied in Milan and Paris. Robert Stadler is one of the founders of RADI DESIGNERS, a group that has already received numerous international awards. In addition to his work within the group he has also been working solo in the past 4 years. The activities of the group mainly focus on product design: a series of electrical household appliances has only recently been made for Moulinex. His rather independent solo works are being exhibited in galleries and museums in Paris, New York and Rio de Janeiro. Robert Stadler lives and works in Paris and Rio de Janeiro.

seiner vorherigen Tätigkeit war er bei der Netlife AG, einem auf Online-Banking und Wertpapiergeschäft spezialisierten Softwareunternehmen, als CFO tätig. Zuvor arbeitete Weber fünf Jahre als Investment-Manager bei einer der der Bayerischen Kapitalbeteiligungs GmbH, dem Venture Capital Unternehmen der Bayerischen Landesbank. Martin Weber, general partner and managing director of Holtzbrinck Ventures GmbH has been in the venture capital business for over 12 years in which he has been involved in more than 40 acquisitions of interest and numerous exits. Previously, he was CFO of Netlife AG a software company specializing in the securities market and online banking. Before that he worked as investment manager for five years with Bayerische Kapitalbeteiligungs GmbH, the venture capital company of Bayerischer Landesbank.

BRIGITTE R. WINKLER Brigitte R. Winkler ist Moderedakteurin der Österreichischen Tagszeitung „Kurier“. Seit 26 Jahren besucht sie alle wichtigen Modeveranstaltungen in Paris, Mailand, New York, Berlin, Antwerpen und London. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit hält sie Vorträge über Mode, die kommenden Trends und das internationale Modebusiness. Ihr Buch, „Weltmeister der Mode“, bietet einen informativen und vergnüglichen Blick hinter die Kulissen des Modezirkus. Brigitte R. Winkler is fashion editor of the Austrian daily newspaper “Kurier”. In the past 26 years she has visited the most important fashion events in Paris, Milan, New York, Berlin, Antwerp, and London. In addition to her work as a journalist she holds lectures on fashion, new trends and the international fashion business. Her book “Weltmeister der Mode” provides an informative and amusing peep behind the scenes of the world of fashion.

MARTIN WEBER THOMAS ZIERHOFER-KIN Martin Weber, General Partner und Managing Director der Holtzbrinck Ventures GmbH, ist seit über zwölf Jahren im Venture Capital Geschäft und war in dieser Zeit in die Akquisition von mehr als 40 Beteiligungen und zahlreiche Exits involviert. In

Thomas Zierhofer-Kin ist seit 2005 künstlerischer Leiter des Donaufestivals und hauptverantwortlich für dessen inhaltliche Neupositionierung. Er studierte Philosophie, Musikwissenschaft, Komposition, Gesang und kultu-

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Anhang Jurymitglieder / jury members

relles Management an den Universitäten und Musikhochschulen Salzburg und Wien, war künstlerischer Leiter des Zeitfluss Festivals in Salzburg und Kurator für die Wiener Festwochen, die Szene Salzburg, Kontra.com (gemeinsam mit Max Hollein) und Berater der Münchner Kulturstadträtin Lydia Hartl sowie Performance-Scout Österreich für das Impulse Festival NRW. Since 2005 Thomas Zierhofer-Kin has been artistic director of the “Donaufestival” and responsible for its reorientation. He

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studied philosophy, musicology, composition, voice and cultural management at the universities and music academies in Salzburg and Vienna. He also was artistic director of the “Zeitfluss” festival in Salzburg and worked as curator for the Vienna Festival, for Szene Salzburg, Kontra.com (together with Max Hollein) and as consultant for Lydia Hartl, City Councilor for Cultural Affairs in Munich and furthermore works as performance scout Austria for the Impulse Festival NRW.


appendix Das Team / the team

DA S T EAM THE TEAM

CHRISTOPH THUN-HOHENSTEIN Geschäftsführer / Managing Director

IRMGARD HABENICHT (in Karenz / currently on maternity leave) Programmmanagement Förderungen / Funding office@departure.at

ELISABETH NOEVER-GINTHÖR Konzeption, Projektmanagement / Concept, Project Management noever-ginthoer@departure.at

CLAUDIA WIEGELE SABINE HOFMANN Programmmanagement Förderungen / Funding hofmann@departure.at

Prokuristin, Leiterin Förderungen / Authorized Signatory, Head of Funding Department wiegele@departure.at

EVA HOLLIBER

HEINZ WOLF

Assistenz der Geschäftsführung / Assistant to the Executive Board holliber@departure.at

Konzeption, Projektmanagement, Art Direktion / Concept, Project Management, Art Direction wolf@departure.at

KERSTIN KNESEWICZ Assistentin Förderungen / Assistant to the Funding Department knesewicz@departure.at

KARINA ZEHETNER Programmmanagement Förderungen / Funding zehetner@departure.at

DOROTHEA KÖB PR & Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations koeb@departure.at

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Anhang Über departure

U B E R D E PA R T U R E A B O U T D E PA R T U R E (d) Das richtige Projekt zum richtigen Zeitpunkt zu fördern, ist eine der wesentlichen Leitlinien von departure. Ende 2003 als Österreichs erste eigenständige Wirtschaftsförderungs- und Servicestelle für Unternehmen der Creative Industries gegründet, gilt departure inzwischen europaweit als erfolgreiches Modell der Innovationsförderung auf Wettbewerbsbasis. departure als Unternehmensförderer ist eine Tochtergesellschaft des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds und Teil des Wirtschaftsressorts der Stadt Wien. Die Stadt hat mit der Gründung von departure rechtzeitig erkannt, welches Potenzial in den kreativen Unternehmern Wiens steckt. Diese sind nicht nur ein Lifestyle-, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

departure expertenpool Unternehmerische Erfahrung und Know-how aus dem Feld der Creative Industries wird den von departure geförderten Unternehmen zugänglich gemacht. Erstmals in Österreich wurde zu diesem Zweck der departure expertenpool ins Leben gerufen. Die beiden Förderprogramme departure pioneer und departure experts sollen die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen unterstützen. Gezielter unternehmerischer Wissenstransfer unter dem Motto „von den Besten lernen“ steht bei beiden Programmen im Vordergrund. departure stellt also „smart money“ zur Verfügung: Mittel, die mit spezifischer, erfolgsorientierter Begleitung einhergehen. Unternehmensexperten aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Marketing, Public Relations, Werbung etc. wurden in den Pool aufgenommen. Erfahrene, erfolgreiche Persönlichkeiten aus Mode, Musik, Audiovision, Multimedia, Design, Literatur, Medien, Verlagswesen, Kunstmarkt und Architektur sind als Mentoren ein wesentlicher Teil des departure expertenpools. Über eine eigene Webpage expertenpool.departure.at können derzeit rund 90 Experten

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online nach Branchen und Schwerpunkten gefiltert oder über eine Volltextsuche ausgewählt werden.

Maßgeschneiderte Förderungen: die vier departure-Programme Inhaltliches Ziel der Aktivitäten von departure ist die Integration von kulturellem Schaffen in das Wirtschaftsgeschehen Wiens und Österreichs, indem die Zahl nachhaltiger Unternehmensgründungen im Bereich Creative Industries erhöht und kleineren und mittleren Unternehmen durch gezielte Fördermaßnahmen Wachstum und Expansion ermöglicht wird. Dazu stehen den Wiener Kreativunternehmen insgesamt vier Förderprogramme zur Verfügung: departure classic departure focus departure pioneer departure experts Alle vier Programme beruhen auf der De-minimis-Verordnung der Europäischen Union, die vorschreibt, dass ein Unternehmen für die Dauer von drei Jahren mit einer Maximalsumme von 200.000 Euro gefördert werden darf.

departure classic und departure focus departure classic und departure focus sind als klassische Projektförderungen konzipiert und richten sich gleichermaßen an bereits etablierte Unternehmen und Unternehmensgründer. Die Förderzusagen erfolgen auf Basis der Beurteilung einer unabhängigen Fachjury. Die Kriterien für die Juryentscheidungen sind der Innovationsgrad und die Neuheit des eingereichten Projekts, der künstlerischkreative Gehalt, die wirtschaftliche Nachhaltigkeit bei adäquater Projektplanung und Synergien für beteiligte Unternehmen und den Standort Wien. Die Maximal-

förderung beträgt 200.000 Euro. Die Einreichung zu departure classic ist das ganze Jahr über, die Einreichung zu departure focus in der Regel einmal jährlich möglich. Durch themenspezifische Calls wie „music to sell“, „dSign Up!“, „re:Design“, „Lifestyle Advertising“ und „focus: Architektur“ geht departure auf aktuelle Bedürfnisse ein und unterstützt gegenwärtige Tendenzen in den Creative Industries.

departure pioneer Zielgruppe von departure pioneer sind junge Talente, die eine kreative Geschäftsidee zur Basis ihres Unternehmertums machen möchten. Dafür steht eine Maximalförderung von 15.000 Euro zur Verfügung. Die Förderempfehlung trifft departure unter Heranziehung externer Experten. Mindestens 30 Prozent der Fördersumme müssen für Experten-Knowhow, das in Zusammenhang mit der Unternehmensgründung steht, verwendet werden. Ziel von departure pioneer ist die Erhöhung der Zahl nachhaltiger Unternehmensgründungen im Kreativbereich in Wien.

departure experts departure experts ist für schon bestehende Unternehmen konzipiert und hat zum Ziel, Wachstum in Mikro- und Kleinunternehmen mit qualifiziertem ExpertenKnow-how zu unterstützen. Mit departure experts kann klassisches Unternehmenswachstum, aber z.B. auch die Erschließung neuer Märkte oder eine Neuorientierung des Unternehmens gefördert werden. Auch hier beträgt die Maximalförderung 15.000 Euro, die Förderempfehlung trifft wiederum departure gemeinsam mit externen Experten. Alle Rechtsgrundlagen, Richtlinien, Termine und Einreichmodalitäten sind online unter www.departure.at abrufbar.


appendix about departure

(e) For departure, funding the right project at the right time is one of its major goals. When departure was founded in late 2003 it was Austria’s first independent business development and service center for entrepreneurs of the creative industries. Today it is a successful example for innovation funding in Europe. In its function as business promoter departure is a subsidiary of the Vienna Business Agency and part of the economic affairs department of the City of Vienna. By establishing departure the City of Vienna has realized in time what an enormous potential the city’s creative companies possess, and that they are not only an important lifestyle element, but a significant economic factor.

departure expertpool Entrepreneurial experience and know-how in the field of the creative industries are made available for the companies funded by departure. For this purpose the departure expert pool has been established in Austria. The funding programs departure pioneer and departure experts support the utilization of consulting services. Under the motto “to learn from the best” targeted entrepreneurial knowledge transfer is a central issue of both programs. departure thus provides “smart money”: financial support combined with specific success-oriented assistance. Experts from the fields of economy, law, marketing, public relations, advertising etc. were admitted to the pool. Experienced, successful personalities from the fields of fashion, music, audio-vision, multimedia, design, literature, media, publishing, art market and architecture act as mentors and are an essential part of the departure expertpool. On the website expertenpool.departure.at around 90 experts are available, who can be retrieved online by branches of industry or specialization, or found by full text search.

Tailor-made funding: the four departure programs departure’s activities center on the integration of cultural output into the Viennese and Austrian economy by increasing the number of sustainable business set-ups in the field of the creative

industries and by enabling growth and expansion for SMEs through targeted funding measures. Four funding programs are available for companies of the creative industries: departure classic departure focus departure pioneer departure experts All four programs are based on the De-minimis-ordinance of the European Union limiting the funding a company is entitled to receive over a period of three years to a maximum of 200,000 euros.

departure experts departure experts was initiated for existing companies and aims at supporting the growth of micro and small enterprises by means of qualified expert/coach knowhow. departure experts provides assistance in the fields of classic company growth but also for opening up new markets or for the reorientation of the company. Maximum funding also amounts to 15,000 euros. The projects to be funded are selected by departure together with external experts. The legal bases, guidelines, deadlines and submission details can be found at www.departure.at

departure classic and departure focus departure classic and departure focus are classic project funding programs addressing established entrepreneurs or founders of enterprises. Funds are awarded on the basis of evaluations performed by a jury of experts. Criteria for the decisions of the jury are the degree of innovation and the novelty of the project, the artistically creative content, the economic sustainability and adequacy of project planning as well as synergies for participating companies and for the business location Vienna. Maximum funding amounts to 200,000 euros. Projects for departure classic may be submitted all year round, projects for departure focus can be submitted once a year. With topic specific calls such as “music to sell”, “dSign Up!”, “re:Design” Lifestyle Advertising“ and „focus: Architecture“ departure responds to up-to-date requirements and supports current trends in the creative industries.

departure pioneer The target group of departure pioneer are young talents with a creative idea as a basis for their enterprise. In this case maximum funding of 15,000 euros is available. The projects to be funded are selected by departure supported by external experts. At least 30 percent of the funding have to be used for expert knowhow in connection with the business set-up. departure poineer aims at increasing the number of sustainable company set-ups in the field of the creative industries in Vienna.

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www.departure.at

departure Look/Book 2008: „Everything is Design. Everything!”  

Seit 2005 ist das departure Look/Book ein ideales Medium, um den geförderten Projekten entsprechende öffentliche Wirkung zu verschaffen. Bet...