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unclesally*s magazine

Oktober 2010 / Ausgabe 160

www.sallys.net

„Mein Wissen über Ägypten ist nicht sehr ausgeprägt.“ (Greg Graffin/Bad Religion)

KINGS OF LEON Selig / Jimmy Eat World / Tricky / Linkin Park Young Guns / Jingo De Lunch / Crocodiles Chief / Black Mountain / Im Test: Bad Religion

Kino

BANKSY Oh Solo Mio:

BRANDON, CARL, FRAN & PAUL

Noch was: KINO / COMIX / COMPUTERSPIELE / DIE BESTEN PLATTEN / HÖRSPIELE / BÜCHER / DVDs


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Oktober 2010 / Ausgabe 160

SELIG Kings Of Leon / Jimmy Eat World / Linkin Park Young Guns / Jingo De Lunch / Crocodiles Chief / Black Mountain / Im Test: Bad Religion

/. „Ich

www.sallys.net

verliere nicht gerne Geld, ich gewinne lieber.“ (Brandon Flowers)

Kino

BANKSY Oh Solo Mio:

BRANDON, CARL, FRAN & PAUL

Noch was: KINO / COMIX / COMPUTERSPIELE / DIE BESTEN PLATTEN / HÖRSPIELE / BÜCHER / DVDs


unclesally*s magazine

INHALT

No. 160 – Oktober 2010

INHALT/EDITORIAL

Seite 1

EDITORIAl Neulich...

...sagt einer von Meteosat:

Foto: Sebastian Gabsch

„Ihnen folgt mal wieder die Wettervorhersage für Morgen, Dienstag, den 12. April, was ihnen schön den Tag verhageln dürfte. Sollten Sie den lästigen Stalker nicht los werden, melden sie sich bitte telefonisch bei der Post, dem Amt oder in einem unserer Aufnahmestudios in Zürich. Guten Abend.“

Foto: Erik Weiss

Musik: Seite 12

Musik: Seite 14

TRIP FONTAINE

DOCH LIEBER SOLO

Nach diesem viel zu kurzen Sommer und geplagt von einer unstillbaren Sehnsucht nach Sonne, Strand und halbnackten Leibern, reisten wir gemeinsam mit den lustigen Gesellen von Trip Fontaine ins Spaß-Spa Tropical Islands. Zwischen Rutschen und Lambada blieb noch Zeit für Frühstück und andere Sauereien. Kommt mal vorbei!

Fünf gestandene Männer sind in diesem Monat die Protagonisten unseres Spezials, das sich einzig und allein dem Schicksal kreativ unausgelasteter Frontmänner widmet: Fran Healy, Paul Smith, Brandon Flowers, Carl Barât und ein bisschen auch Tricky haben Bock auf Alleinsein und kompromissfreies arbeiten. Kann man verstehen.

02-06 Starter

43 Was hören eigentlich: Jingo de Lunch

02 Good Charlotte/ Glen Matlock 04 Diego/ Valient Thorr 06 Bonaparte/ My Chemical Romance

08-11 Musik Stories I 08 09 10 11

Linkin Park One Fine Day Jimmy Eat World Crocodiles

20 Titel: Kings Of Leon

Die Löwen sind los! Caleb Followill und seine Brüder plus Cousin haben mit „Come Around Sundown“ endlich den Nachfolger zu „Only By The Night“ im Foto:Kasten Ben Wolf und freuen sich schon wieder auf große Konzerte in gigantischen Arenen. Wir uns geht so.

24-31 Platten

So ist das im Herbst: Gute Bands veröffentlichen gute Platten oder umgekehrt. So spannend kann‘s zugehen!

32 Titel: Selig

Unser Kumpel Fabian Soethof traf nach erfolgreich verlaufenen Gehaltsverhandlungen entspannt und mit gefülltem Ranzen auf die IndieIkonen von Selig, um mit ihnen im Münzsalon nach Gold zu schürfen. Das kam dabei heraus.

36-42: Musik Stories II

36 Scanners/ Peter Pan Speedrock/ Chief 37 Young Guns 40 KORT/ Blonde Redhead 41 The Hundreds In The Hands 42 Operator Please

38 Im Test: Greg Graffin

Der früh aufstehende Doktor der Evolutionsbiologie verbeißt sich in unserem kleinen Religionskurs ganz schön an den Details. Sollte öfter mal Fernglotzen, der Schlaumi.

Die Kult-Combo um Frontfrau Yvonne Ducksworth kennt sich aus mit Hardcore. Und mit Punk, Disco und natürlich in Wacken!

44 Kurz reingehalten: Das Speeddating

44 Justus Parker/ Erdmöbel/ Attack! Attack! 44 Jenny&Johnny/ The Creepshow/ Carpark North

45 Reiseführer: Black Mountain

Wir glauben, in Vancouver gibt’s gar keine schwarzen Berge, aber mit ein bisschen Glück findet man hier schwarze Afghanen.

46-49 Auf Tour

Mit Vollgas geht die Live-Sause in die nächste Runde. Wir haben mal zusammengefasst, was in eurer Gegend so ansteht.

So war das in den sexuell befreiten Sechzigern, als der Name Blaupunkt noch über Fabriken und nicht irgendwelchen Fixerstuben prangte, und man auch als geborener Kuhlenkampff den Kriegsdienst verweigern durfte. Auch sonst war die Welt völlig in Ordnung: Juri Gagarin war keine Band, sondern total unmusikalisch. Holland scheiterte trotz Agent Orange in der WMQualifikation und hätte die DDR die Berliner Mauer um Hamburg gezogen, wäre der Michel auch nicht in der Elbe versunken. Die Sechziger waren aber vor allem genial, weil diese fleischgewordene, H&M plündernde Pest aus gleichgeschalteten Kids von Che Guevara noch keine T-Shirts bekommen hätte, sondern höchstens schön was auf die Fresse. Tja, und was geht 2010? Die Kings Of Leon bauen ihr Haus am Arsch von Tennessee, Brandon Flowers vögelt den Koreaner So Lo und die Bundesregierung hat die Laufzeit von Selig auf unbestimmte Zeit verlängert. Wie aufregend. Aber keine Sorge, es gibt trotz des nahenden Winters natürlich auch Erfreuliches zu vermelden. Zum Beispiel das hier: Toll, oder? Und nun zu den Highlights der Ausgabe, die sich wie immer hinter den Kulissen abspielten: Trip Fontaine stellten den Wecker auf sechs, durften mit Christine aber trotzdem nur Lambada tanzen. Greg Graffin kocht Tee für seine Alte, Carl Barât bezeichnet LibertinesFans als Kleptomanen und der Typ von den Crocodiles knallt die eine von den Dum Dum Girls. Für die Statistiker unter euch: Die durchschnittliche Rastzeit von Jingo De Lunch beträgt 13 Minuten, das Foto von KORT entstand nicht unweit der Farm von Caleb Followill und Selig waschen ihre Sachen im Münzsalon. Wisst ihr Bescheid jetzt. (Smoke) Flo

52-59 Kino

52 Goethe 53 Banksy/ Shahada 54 3 Fragen an 55 Gainsbourg 56 Piranha 3d/ Die etwas anderen Cops/ Twelve 57 Shortcuts 58 Kino DVDs

60-62 Games

“Halo”, “Spiderman” und alles andere, was auf den Konsolen so läuft. Außerdem: Die GameOne-Kolumne der MTV-Kollegen

63-66 Der Rest

63 Kreuzworträtsel 64 Bücher/ Hörspiele 66 Impressum/ Vorschau/ Screenshot

Foto: Sebastian Gabsch


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Neuigkeiten Heute auf: Ungarisch

halottak es sebesültek

tagcserék

OU EST LE SWIMMING POOL

DARK FUNERAL

(Tote und Verletzte)

Nach dem Auftritt auf dem belgischen Pukkelpop Festival stürzte sich Charles Haddon, 22-jähriger Frontmann der britischen Band Ou Est Le Swimming Pool, von einem Pfeiler auf dem Backstage-Parkplatz in den Tod. Über die Motive Haddons ist nichts bekannt. Nach Absprachen der beiden verbliebenen Bandmitglieder mit der Familie des Verstorbenen soll das Debütalbum trotzdem im Oktober veröffentlicht werden. Der Titel wird allerdings von „Christ Died For Our Synths“ in „The Golden Year“ geändert.

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

Mit Michael Been hat das Pukkelpop ein zweites Todesopfer in diesem Jahr zu vermelden. Der Frontmann der Band „The Call“ und Vater von BRMC-Bassist Robert Levon Been war in seiner Funktion als Tontechniker von BRMC auf dem Festival, als er an einem Herzinfarkt starb.

THE SWELL SEASON

Während einer Open Air-Show in der Mountain Winery in Saratoga, Kalifornien, stürzte sich ein Mann vom Bühnendach und prallte wenige Meter neben Frontmann Glen Hansard auf die Bühne. Wiederbelebungsversuche durch Ärzte aus dem Publikum schlugen fehl.

(Mitgliederwechsel) Welche Farbe hat ein schwarzer Tag für eine Black Metal-Band? Bunt? Frontmann Masse Broberg und Bassist B-Force verließen die Band Dark Funeral, um einen bunten Tag bei den Fans zu hinterlassen.

DREAM THEATER

Direkt nach der silbernen Hochzeit hängt Schlagzeuger Mike Portnoy die Sticks an die Wand. Nach 25 gemeinsamen Jahren wendet er der Band Dream Theater den Rücken zu. Andere Projekte brächten ihm mehr Freude und bessere menschliche Beziehungen, heißt es.

KETTCAR

Frank Tirado-Rosales übergibt nach zehn Jahren bei Kettcar die Trommel an Christian Hake, der bei Home Of The Lame und Olli Schulz seine Stöcke schwang.

új tervek és újraegyesitések (Neue Projekte und Wiedervereinigungen) A PERFECT CIRCLE

Seit zwei Jahren über die Gerüchteküche an-

Good Charlotte

Foto: Ville Akseli Juurikkala

Good Charlotte haben ihr fünftes Studioalbum eingespielt. Hattet ihr sie noch auf dem Schirm? Die Pop-Punk-Kapelle um die Madden-Zwillinge Joel und Benjii, die nicht nur gerne mit reichen Töchtern um die Häuser ziehen, sondern diese – wie im Fall Nicole Richie – sogar heiraten? Komisch. Vor Jahren machten sie sich in ihrer Hitsingle „Lifestyles Of The Rich & Famous“ noch über solche Leute lustig. Und brachten ein Album später mit „I Just Wanna Live“ auch Menschen ohne Abziehtattoos zum Tanzen. Jetzt kommt also die neue Platte, die auf den medizinischen Titel „Cardiology“ hören und am 29. Oktober erscheinen wird. Live seht ihr die Herren an diesen Tagen im neuen Jahr. AUF TOUR

die geschichte hinter dem song

Heute mit: Glen Matlock (SEX PISTOLS)

23.1.Stuttgart – Longhorn *** 24.1.München - Backstage Werk *** 25.1.Saarbrücken – Garage *** 26.1.Berlin – Huxley‘s *** 28.1.Hamburg - Grosse Freiheit 36 *** 29.1.Düsseldorf - Stahlwerk gekündigt, wurde es nun in die Tat umgesetzt: Maynard James Keenan und Billy Howerdel refomieren A Perfect Circle, gemeinsam mit James Iha (Ex-Smashing Pumpkins) und Josh Freese. Dazu touren sie durch vorerst fünf Städte in den USA, wo an jeweils drei Abenden je eines der drei Alben „Mer De Noms“, „Thirteenth Step“ und „eMOTIVe“ in voller Länge dargeboten wird.

FURTHER SEEMS FOREVER

BLINK 182

GLASSJAW

Im Anschluss an die aktuelle Tour soll es wieder ein Album von Blink 182 geben, das erste Werk seit 2003.

CARIBOU VIBRATION ENSEMBLE

Gemeinsam mit Four Tet und Musikern von Sun Ra Arkestra, Born Ruffians, Enon und den Junior Boys spielte Caribou einige Shows unter dem Namen Caribou Vibration Ensemble in Nordamerika. Daraus wurde eine Live-LP produziert, die es nur auf der kommenden Caribou-Tour im November und Dezember zu erwerben gibt. Insgesamt 15 Personen sind bei dem Projekt des promovierten Mathematikers Smith zu hören.

THE DISMEMBERMENT PLAN Der Song: „Pretty Vacant“

Die Idee zu „Pretty Vacant“ kam mir, als unser Manager Malcolm McLaren aus New York zurückkam. Er hatt die Taschen voller Flyer von New Yorker Bands, unter anderem Television, die einen Song namens „Blank Generation“ im Programm hatten - eigentlich eine Nummer von Ex-Television-Mitglied Richard Hell und den Voidoids. Richard Hell sagte später, dass er mit dem Song eine nach allen Seiten offene Generation meinte - im Sinne von „wir können machen was wir wollen“. Auf Grund der tristen Lage in England damals gab ich meinem Text eine andere, weniger hoffnungsvolle Aussage. Außerdem ist ein winzig kleines Stück vom Abba-Song „SOS“ darin, was aber niemandem aufgefallen wäre. hHätte ich nicht meinen großen Mund aufgerissen. Ich habe Abbas Riff zwar nicht geklaut, aber sie haben mich auf das Riff von „Pretty Vacant“ gebracht. Heimat: myspace.com/glenmatlockandthephilisti Auch gut: „Born Running“ - das neue Album von Glen Matlock & The Philistines

Acht Jahre nach ihrer Auflösung spielen The Dismemberment Plan eine Reihe an Konzerten in den USA. Anlass ist die Wiederveröffentlichung ihres 1999er Albums „Emergency & I“.

THE DRESDEN DOLLS

In einer skurrilen Laientheater-Videobotschaft auf YouTube geben die Dresden Dolls ihre Wiedervereinigung bekannt. 2008 hatten sich die beiden Musiker Amanda Palmer und Brian Viglione getrennt. Die Reunionsshow findet zu Halloween, am 31. Oktober in New York statt, dem zehnten Geburtstag der Dresden Dolls.

ESCAPADO

Das Hardcore-Quartett aus Flensburg veröffentlicht am 22. Oktober das neue Werk „Montgomery Mundtot“. Den Titeltrack gibt es bereits auf der MySpace-Seite der Kollegen zu hören, die Record Release Party steigt am Tag der Veröffentlichung im Flensburger Volxbad. Im Anschluss folgt die Tour.

Further Seems Forever gehen vier Jahre nach ihrer Auflösung wieder gemeinsame Wege. Einschließlich Frontmann Chris Carrabba, der die Gruppe nach dem Debütalbum verließ, um sich seinem Projekt Dashboard Confessional zu widmen. Im kommenden Jahr sollen Arbeitsergebnisse veröffentlicht werden. Nach einer längeren Auszeit und fünfjähriger Veröffentlichungspause planen Glassjaw den Release eines neues Albums. Jedoch nicht auf einen Schlag, die Songs sollen regelmäßig Stück für Stück erscheinen.

GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR

Godspeed You! Black Emperor sind bekannt als Väter des Post-Rock und lösten sich im Jahr 2003 auf. Vor kurzem tauchte im Internet die kryptische Nachricht auf, dass die Kanadier wieder auf Tour gehen würden, sonst aber nichts von ihnen zu erwarten sei. Nun stehen die Termine fest, im Januar führt es die Band nach Brüssel, Amsterdam, Berlin und Wien. Ob es sich um eine Reunion handelt und vielleicht sogar neues Material erarbeitet wird, ist unklar.

LCD SOUNDSYSTEM

Das aktuelle Album sollte den Schlusspunkt unter das Thema LCD Soundsystem setzen, so Mastermind James Murphy im Vorfeld der Veröffentlichung von „This Is Happening“. Nun klingen differenziertere Töne an. Ein Interview mit dem Onlinemagazin „The Quietus“ bringt die Information zutage, dass neues Material durchaus möglich sei. So wolle Murphy weiter Singles veröffentlichen und sich eventuell sogar ein Album vornehmen. Ausgeschlossen sei lediglich das berufsmäßige Touren nach dem Abschluss der laufenden Verpflichtungen.

PENNYWISE

Ex-Frontmann Jim Lindberg, derweil durch Ignite-Kollege Zoli Téglás ersetzt, ist mit neuer Band The Black Pacific und selbstbetiteltem Debütalbum am Start.


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RAZORLIGHT

Razorlight-Frontmann Johnny Borrell tourt solo durch Großbritannien, um Einnahmen für die Bekämpfung von Armut zu erspielen. Seit dem Album „Slipway Fires“ und dem Ausstieg von Schlagzeuger Andy Burrows zu Beginn des vergangenen Jahres war nicht viel neues von Razorlight zu vernehmen, angeblich befindet sich ein Album in Vorbereitung.

lemezek (Platten)

HELDEN & DIEBE

FEIST

Heute mit: Valient Himself (VALIENT THORR)

Während das Album „The Reminder“ seinen dritten Geburtstag feiert, arbeitet die Kanadierin Leslie Feist an ihrem nächsten großen Werk.

FILTER

„The Trouble With Angels“ ist im Anmarsch, Frontmann Richard Patrick spricht von einer deutlich härteren, elektronischeren und industrielleren Platte als ihr Vorgänger „Anthems For The Damned“.

FUNERAL FOR A FRIEND

AND SO I WATCH YOU FROM AFAR

Die Aufnahmen des neuen Albums sind fast durch, verkündeten And So I Watch You From Afar auf 140 Zeichen über Twitter.

ANTHRAX

Anfang des kommenden Jahres wird ein neues Giftpaket der Sorte Anthrax erscheinen. Die Trash-Metal-Formation veröffentlicht möglicherweise primär ältere Songs, aufgenommen mit ihrem früheren Sänger Dan Nelson. Nelson wurde durch Joey Belladonna ersetzt, ein weiteres früheres Mitglied der Band.

BIFFY CLYRO

Über die demnächst anstehenden Festtage wollen sich Biffy Clyro einer neuen Platte widmen. 2011 bringt vielleicht schon die Ergebnisse.

CRYSTAL STILTS

Das Debütalbum „Alight The Night“ nahm vor zwei Jahren seinen Weg durch die Medien, Clubs und Wohnzimmer. Für den Beginn des kommenden Jahres darf der noch unbetitelte Nachfolger erwartet werden.

ENVY

„Recitation“ kommt aus der japanischen Produktionsstube von Envy zu uns herüber. Zuletzt gab es im Jahr 2006 auf „Insomniac Doze“ Hardcore aus dem Land der aufgehenden Sonne zu hören.

Ob der Nachfolger zu „Memory And Humanity“ pünktlich zur November-Tour in den Läden stehen wird, ist noch nicht bekannt. Auf jeden Fall sind Funeral For A Friend mit der Studioarbeit beschäftigt.

IRON AND WINE

Nach dem 2007er Album „The Sheperd’s Dog“ wurde es recht still um Sam Beams Iron And Wine, Anfang 2011 soll mit „Kiss Each Other Clean“ ein neues Meisterwerk für Furore sorgen.

THE MACCABEES

Im Winter nehmen die Londoner Maccabees ein neues Album auf.

MATT & KIM

„Sidewalks“ lassen sich Ende des Monats akustisch beschreiten, wenn Matt und Kim ihren Indie-Pop auf Album Nummer Drei präsentieren.

NOAH AND THE WHALE

Ein neues Werk steht im kommenden Jahr bevor.

RISE AGAINST

Im Studio arbeiten die vier Herren aus Chicago am Nachfolger des 2008er Werks „Appeal To Reason“.

Es gibt viele Menschen, die ich bewundere und viele, die mich beeinflusst haben. Zum Beispiel der Sänger von Devo, Mark Mothersbaugh. Er macht Musik, arbeitet im Fernsehen und wirkt an Soundtracks mit. Ich finde sehr bewundernswert, dass er sich täglich die Zeit nimmt, künstlerisch tätig zu sein. Als Frontmann bin ich definitiv von Bon Scott beeinflusst worden und von Leuten wie Jim Morrison. Das erste Album, das ich mir mit meiner eigenen Kohle gekauft habe, war eine Kassette. Die könnte von Primus gewesen sein. Vielleicht war’s auch eine von Helmet – oder so was in der Richtung. Heimat: valientthorr.com Auch gut: „Stranger“ - das neue Valient Thorr-Album

THE TALLEST MAN ON EARTH

„Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird“, meint der größte Mann auf der Erde. Seiner EP kann im November zugehört werden.

THE TING TINGS

„Kunst“ nennt sich das neue Album der Briten. Die Inspiration zum Titel erfolgte in Berlin.

DAS GUTE GESCHÄFT IN DIESEM MONAT ist:

TRAVIS

Dieser Tage erscheint das Solo-Debüt von Travis-Sänger Fran Healy, das er unter anderem mit Paul McCartney und Neko Case eingespielt hat.

WEAKERTHANS

„Provincial Road 222“ ist die zweite EP aus einer Serie über die Straßen seiner Heimatstadt Winnipeg, an der Weakerthans-Frontmann John K. Samson arbeitet. Das famose Stück erscheint nur auf Vinyl und ist europaweit auf 500 Exemplare limitiert.

a maradék (Der Rest) DONOTS

Ende des Monats beginnt der zweite Teil der Donots-Tour zum Kracher „The Long Way Home“. Hingehen!

KETTCAR

Mit neuem Drummer ausgestattet (siehe oben), suchen Kettcar eine Supportband für die Ende November stattfindenden drei Konzerte in Österreich. Bis zum 15. Oktober dürfen Bewerbungen auf der Plattform redda.restorm.com eingereicht werden.

MASSIVE ATTACK

Vorgestellt von: DIEGO

Sowas wünscht sich wahrscheinlich jeder: einen Kumpel als Barkeeper im Lieblingsclub. Die melancholische Indie-Pop-Fraktion von Diego hat das Glück, einen ihrer Kollegen hinter dem Tresen zu haben. Den Rest dürft ihr euch denken… Club Le Carambolage Kaiserstr. 21 76131 Karlsruhe

Das Carambo ist sovwas wie ein zweites Wohnzimmer, voll mit skurriler Deko und interessanten Gestalten. Und weil einer von uns gelegentlich dort hinter der Theke steht, werden wir auch nie rausgeworfen. Außerdem finden da jetzt auch wieder Konzerte statt.

Heimat: diego-music.com

film és tévézés (Film und Fernsehen)

Aus ungenannten Gründen cancelten Massive Attack ihre Deutschland-Termine, die auch nicht nachgeholt werden.

JOSÉ GONZÁLEZ

MUSE

Der 74-minütige Dokumentarfilm „The Extraordinary Ordinary Life Of José González“ zeigt das Musikerleben des schwedischen Singer/ Songwriters mit argentinischen Eltern. Mikel Cee Karisson und Frederik Egerstrand begleiteten González drei Jahre lang in allen möglichen Situationen und entwickelten ein intimes Video-Porträt, das eine Perspektive auf dessen Leben und Arbeit verschafft. Begonnen bei den Aufnahmen zum 2007er Album „In Our Nature“, über private, reflektive Momente bis hin zu Konzertreisen um den Globus. Wann der Film außerhalb von Filmfestivals zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt.

Muse wollen entsprechend kommender deutlich persönlicherer Songs in Zukunft kleinere und intimere Shows spielen, anstatt wie derzeit in Riesenarenen aufzutreten, heißt es aus der Gerüchteküche.

THERAPY?

Die mittlerweile eher ältlichen Herren feiern ihr 20-jähriges Jubiläum und schenken sich und den Fans eine Tour, auf der das legendäre 1994er Album „Troublegum“ in Gänze gespielt wird. Im November sind sie damit in Deutschland unterwegs, das könnte schnell ausverkauft sein!

Hier die Termine für drei Stunden Rock/Punk/Alternative Radio im UNCLESALLY*S NIGHTFLIGHT mit Flo im Oktober, jeweils ab 0.00 Uhr (natürlich LIVE auf allen Frequenzen von Fritz und auf fritz.de, dort auch im Anschluss 24/7 als Loopstream!): Vom 30.9. auf 1.10., 14. auf 15.10. & 28. auf 29.10. - um Mitternacht!


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The Drums

The Drums touren derzeit durch die USA. Doch schlechte Nachrichten wehen von jenseits des Atlantiks zu uns herüber. Johnny, Jacob und Connor verkünden ganz unerwartet den Ausstieg ihres Gitarristen Adam Kessler. Derzeit touren sie mit einem Ersatzgitarristen. Auch über die Gründe der Trennung muss momentan noch jeder selbst spekulieren. Die übrigen Bandmitglieder seien über den Ausstieg des Freundes am Boden zerstört.

A Perfect Circle

Nach mehrjähriger Pause hat sich die Rock-Band aus den USA wieder zusammengefunden. Den Bass von Jeordie White übernimmt in Zukunft Matt McJunkins, ansonsten bleibt die alte Konstellation erhalten.

Faith No More

Die Gruppe um Mike Patton wird am 5. Dezember ihr letztes Konzert in Chile spielen und danach wieder getrennte Wege gehen. Erst letztes Jahr hatte man sich nach über zehn Jahren Trennung wiedervereint.

Fleet Foxes

Marilyn Manson

Der Schockrocker wollte einen Film über Lewis Carroll drehen, dem Autoren von „Alice im Wunderland“. Das Projekt wurde nun von Universal Pictures beendet, da der Trailer zu verstörend und schockierend gewesen sei.

The XX

Schlechte Nachrichten für alle Fans von The XX. Kurz nach dem Gewinn des Mercury-Preises mit einer Prämie von 20.000 Pfund gab die Band bekannt, kein zweites Album veröffentlichen zu wollen. Man werde aber weiterhin Musik machen und aufnehmen, hieß es.

Metallica

„Six Feet Down Under“ heißt die Live-EP von Metallica, die mit acht Konzertaufnahmen aus den Jahren 1989 bis 2004 glänzt. Alle Lieder wurden auf Touren in Australien aufgenommen.

PJ Harvey

Das neue Album von PJ Harvey soll im Februar 2011 erscheinen. Das verriet Mick Harvey von den Bad Seeds, der an den Aufnahmen beteiligt war.

Eigentlich sollte das zweite Album der Fleet Foxes bereits im letzten Jahr erscheinen, doch nun sind die Aufnahmen endlich abgeschlossen. Ende des Jahres kann mit der neuen Platte gerechnet werden, deren Arbeitstitel „Deepwater Horizon“ lautet.

Queens Of The Stone Age

Hurts

Roman Fischer

Joaquin Phoenix

IN EIGENER SACHE

Ihre Konzerte im Oktober sind ausverkauft, doch bereits im März wird die angesagte Band wieder nach Deutschland kommen und sechs Konzerte spielen. Der Schauspieler hatte 2008 angekündigt, fortan als Rapper Musik zu machen. Sein musikalisches Talent stellte er ja bereits als Johnny Cash in „Walk The Line“ unter Beweis. Jetzt kam heraus, dass alles nur ein Bluff war und er einen Dokumentarfilm drehte mit dem Titel „I’m Still Here“. Er handelt von seinem Weg ins Musikbusiness.

60 SEKUNDEN mit:

BONAPARTE

Das Debütalbum der Gruppe wird am 26. November neu veröffentlicht. Allerdings nur als farbiges Vinyl mit drei weiteren Songs, die es damals nicht auf das Album geschafft haben. Der Augsburger geht im Oktober mit der britischen Band Hurts auf Tournee, die ihn persönlich darum bat. Aber auch solo wird er ab dem 1. Oktober unterwegs sein. Wir möchten uns nochmal ganz herzlich und ausdrücklich bei den Fotografen bedanken, die uns im letzten Heft mit den schönen Bildern zum Roskilde Festival versorgt haben. Eine Entschuldigung für die späte Nennung und ein dickes Dankeschön gehen an: Thee Attacks, Simon Frithjof Schierbeck, Sebastian Molbech Hansen,Laurids Hvid und Helena Lundquist.

Tobias Jundt ist nicht nur Frontmann bei Bonaparte, sondern auch ein schneller Denker. Anders hätte er in 60 Sekunden wohl kaum spontan so viele (nicht vorhandene) Kindheitserlebnisse aus der Mottenkiste kramen können, die kleine pelzige Turboschildkröte. Das letzte Mal im Zirkus war ich... Ich muss zugeben, ich erinnere mich nicht, überhaupt mal in einem Zirkus gewesen zu sein! Das ist krass, oder?! Wenn ich in den Spiegel schaue, denke ich... ...wie lange wird es mein Umfeld noch ertragen, dass ich mich nicht rasiert habe? Das geht mittlerweile vier Wochen schon so, und die Haare sprießen aus allen Ecken – auch da, wo eigentlich keine sein sollten. Das dümmste Smalltalk-Thema ist... ...das Wetter – der Klassiker. Ich werde allerdings auch in 80% der Fälle über die Band ausgefragt. Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich... Als Kind und Jugendlicher habe ich immer gesagt, dass ich gern eine Schildkröte wäre, weil ich zu dieser Zeit eine als Haustier hatte. Aber mittlerweile weiß ich nicht, ob ich wirklich eine bin. Vielleicht, wenn es um den Rückzugsmechanismus geht. Aber sonst bin ich ja schon eher der Bühnenwolf. Im Grunde bin ich wohl eher ein ganzer Kleinzoo. Wenn ich einen Tag lang Gedankenlesen könnte, würde ich folgende Personen meiden... ...wahrscheinlich Politiker. Das wäre zwar sehr spannend, aber was die meisten von denen wirklich denken, will man sicher lieber nicht wissen.

My Chemical Romance Bereits für das Frühjahr angekündigt, erscheint das neue My Chemical Romance-Album nun am 19. November. Familienvater und Frontmann Gerard Way und seine Gang gaben dem mit „Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys“ betitelten Nachfolger der „Black Parade“ den letzten Schliff, bevor es sie nach unzähligen tourabstinenten Monaten und erfolgreich vollzogenen Line-Up-Wechseln nun erneut auf die Straße zieht. Nach einem ersten Warm-Up-Gig im schottischen Edinburgh kommen My Chemical Romance im November auch nach Deutschland! Wir besuchten die Band vorab in Los Angeles, um alles Wissenswerte für euch in Erfahrung zu bringen. Alles weitere zum neuen Album in den November- und Dezemberausgaben.

Mit dieser Person – tot oder lebendig – würde ich gern mal eine Bühne teilen... Ich würde gern ein Trio gründen mit „Django“ Reinhardt an der Gitarre, mir am Bass und Humphrey Bogart am Mikrofon. Als Kind habe ich mich beim Fasching verkleidet als... Das ist schon wieder wie mit dem Zirkus. Man denkt, ich mache da Vergangenheitsbewältigung. Ich war auch nicht oft beim Karneval. Ich war einmal in Bern, bei der „Fasnacht“, so heißt das dort. Dafür hatte mich mein Vater stundenlang geschminkt, das ganze Gesicht. Er hat so Acrylfarben im Kochtopf geschmolzen und dann auf meinem Gesicht ein Kunstwerk gemalt. Dann war ich so eine Art – ja – Clown.

Auf Tour

Ich wäre selbst gern mit mir befreundet, weil... ...ich denke, wenn die Scheiße am dampfen ist, bin ich jemand, der jederzeit da und unkompliziert ist.

3.11. Berlin - Kesselhaus *** 4.11. Hamburg - Grünspan *** 5.11. Dortmund - FZW

Heimat: myspace.com/bonaparte Auch gut: Bonaparte auf Tour – Daten auf Seite 47


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MUSIK STORIES

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LINKIN PARK

Für sie scheint öfter mal die Sonne: Linkin Park aus Los Angeles.

Die Band ist tot. Es lebe die Band! Linkin Park-Liebhaber und -Hasser aller Länder vereinigt euch: Mit ‘A Thousand Suns‘ dringen die sechs Alternativrocker aus dem Sonnenstaat in eine neue Sound-Dimension vor. Endlich. Mal ganz ehrlich: Wer braucht ein neues Linkin Park-Album? Seit ‘Hybrid Theory‘ vor mittlerweile zehn Jahren haben sich die einstigen Nu-MetalProfiteure innovationstechnisch schließlich eher im Weinbergschneckentempo voran bewegt. Klar, immer fetter wurden die Konzerte und immer mehr Platten gingen über die Theke, doch nur allzu oft ist ja gerade das Beleg dafür, dass eine Band im anspruchslosen Mainstream angekommen ist und dort auch auf den nächsten zehn Alben überwintern wird. Überraschung Nummer Eins: ‘A Thousand Suns‘ ist ein Hammer. Überraschung Nummer Zwei: Im Interview erweisen sich Bassmann David ‘Phoenix‘ Farrell und Rap-Mastermind Mike Shinoda als zwei unglaublich dufte Typen, die – im Gegensatz zu einigen ihrer Bandkollegen – obendrein die hohe Kunst der Konversation beherrschen. „Uns ist absolut klar, dass du uns hier und jetzt ein ‘Jungs, netter Versuch, aber das Album ist scheiße’ an den Kopf schmettern könntest“, macht Shinoda schon mal sämtliche Flanken für ein Kritik-Feuergefecht frei. „Das wäre eine zulässige Meinung. Wir wollten aber auf keinen Fall die sichere Karte spielen und uns daran orientieren, was für ein Album die

Leute von uns erwarten. Stattdessen wollten wir superkreativ sein und uns nicht darum scheren, was Linkin Park angeblich für eine Band sein soll, was das Radio haben will und wie die kommerziellen Aspekte aussehen. Wenn das alles funktioniert – gut. Wenn nicht – egal.“ Das klingt natürlich erst mal hehr, kann letzten Endes aber nur aus dem Mund eines Künstlers kommen, der seine Hammel mit einer Batzillion verkaufter Platten bereits ins Trockene gebracht hat. Was natürlich nichts daran ändert, dass man sich freuen darf, dass Linkin Park endlich ihrem engen Sound-Mieder entstiegen sind und den Motor noch mal neu gestartet haben. Eine künstlerische Wiedergeburt, die sie im Booklet des Albums dann so beschreiben: „Monatelang hatten wir unsere Band zerstört und wieder aufgebaut. Die zwei Jahre, die wir an ‘A Thousand Suns’ gearbeitet haben, waren unsere berauschende, surrealistische und oftmals herausfordernde Reise ins kreative Ungewisse. Amorphe Echos, kakophonische Samples und handgemachtes Stakkato verschmolzen zu flüchtiger Melodie. Jeder Track fühlte sich an wie eine Halluzination.“ Zerstört und wieder aufgebaut – das klingt ja fast so, als hätte der Fortbestand der Band während dieses Prozesses

tatsächlich mal zur Disposition gestanden. „Äh, nein“, wiegelt Shinoda lachend ab. „Wäre für dich jetzt natürlich eine super Story: ‘Linkin Park hatten sich aufgelöst, in meinem Interview reden sie zum ersten Mal darüber!’ Aber sorry, so war es nicht. Damit ist gemeint, dass wir uns zu sechst entschlossen haben, ein Album zu erschaffen, das keine Grenzen mehr hat. Ich habe damals die Fort Minor-Solo-Geschichte gemacht, weil ich dachte, dass diese Songs nicht in die Definition dessen passen, was Linkin Park ist. Heute ist das anders: Mit ‘A Thousand Suns’ haben wir unseren eigenen Kosmos so weit ausgedehnt, dass wir jede auch noch so ungewöhnliche Idee problemlos in unseren Sound integrieren können.“ Das Ergebnis gibt den sechs kalifornischen Grünanlagenmusikanten Recht und wird sie sowohl künstlerisch als auch kommerziell auf ein neues Level torpedieren. Wenn’s nicht so schmierig klänge, könnte man sagen: „Linkin Park sind endlich erwachsen geworden.“ Ach, was soll’s, ein wenig Schmiere hat noch nie geschadet: Linkin Park sind endlich erwachsen geworden. Heureka! Text: Ben Foitzik Heimat: linkinpark.de


One Fine Day Stillstand stinkt

Innovation hin oder her - dass zu viele Optionen den Karriereweg nicht einfacher gestalten, haben One Fine Day in den letzten Jahren selbst erlebt. Mit ihrem neuen Album ’The Element Rebellion’ ist die Marschroute wieder klar definiert. Gitarrist Roman Rossbach verlässt die Band zu Beginn des Jahres, um allein weiterzumachen und stellt somit die Weichen für Veränderung. „Davor war es schwer, die Einflüsse und treibenden Kräfte innerhalb der Band unter einen Hut zu bringen“, erinnert sich One Fine Day-Sänger Marten Pulmer heute. Das Ergebnis: Weniger Gezeter, neue Dynamik und mit ’The Element Rebellion’ ein Manifest von Album, auf dem die Hamburger weniger garstig klingen, als der Titel vermuten lässt. Temporeiche und Punk-infizierte Songs bedeuten zwar Dringlichkeit, schmiegen sich aber an Alternative-Brecher und balladeske SlowmotionKracher gleichermaßen. ’New Horizons’ erinnert gar an ’A Small Demand’ aus der Feder von Schwedens Vorzeige-Sozialisten The (International) Noise Conspiracy. Von ihrem breit angelegten ’Call To Arms’ ist bei One Fine Day nur wenig zu hören, politisiert wird hier - Albumtitel hin oder her - nur im Kleinen. Auch sonst sind noch einige Stufen für die Jungs zu erklimmen. Den arbeitsbedingten Auslandseinsatz können sie allerdings als absolviert betrachten, denn mit Pelle Gunnerfeldt hat nicht nur ein internationaler Produzent die aktuellen Aufnahmen überwacht, sondern das auch in seinem Stockholmer Studio getan. „Wir haben noch nie einen Schritt zurück gemacht“, bekräftigt Marten, „aber nach oben hin ist ja auch noch eine Menge Luft“. Das mag sein, doch One Fine Day haben mit „The Element Rebellion“ einen weiteren Schritt in die richtige Richtung getan. Text: Katja Taft Heimat: onefineday.de What’s up, beach?! One Fine Day aus Hamburg.


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MUSIK STORIES

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Jimmy Eat World

Alles normal: Jimmy Eat World um Sänger Jim Adkins (vorne).

...machen Musik

American Idyll: Im Hintergrund rappelt die Sesamstraße durchs Wohnzimmer, ein zweijähriges Kind knallt wiederholt den Pianodeckel auf die Klaviatur während Daddy am Küchentisch Interviews über das neue Album seiner Band gibt. Mal wieder voll Rock’n’Roll-Hölle bei Jimmy Eat Worlds. Sie sind der Alptraum der internationalen RockJournaille: Jimmy Eat World treiben mit freundlicher Rationalität und Biedermann-Auftreten seit Jahren Schreiberlinge von nah und fern in den Wahnsinn. Wes’ Professur es ist, Kunst-schaffenden Pipi-Saufgeschichten und Tier-Sex-Anekdoten aus den benebelten Hirnen zu pressen, beißt sich an Jim Adkins, Zach Lind, Rick Bruch und Tom Linton die vom Paparazzi-Stress erodierten Zähne aus. Mit ‘Invented‘ veröffentlichen Jimmy Eat World, die beliebte Narkoleptiker-Band aus Mesa, Arizona, ihr siebtes, allen internationalen Qualitäts-Standards entsprechendes Album – und auch nach der diesjährigen Tour werden die vier Herren ihren Kindern wieder nicht erklären können, wie das noch mal geht mit dem Rockstar-Sein. Das muss man sich mal vorstellen: Paps spielt in einer Band, die es mittlerweile seit 17 Jahren gibt, deren Alben platinveredelt im Hobbykeller einlagern, die jede Mehrzweck-Halle des Planeten ausverkauft hat, deren kultisch verehrte Emo-Bibel ’Clarity’ im letzten Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat und trotzdem geistert so viel RockSpirit durch deine Bude wie durch die Eingangshalle des Einwohnermeldeamts. Auch wenn Jim Adkins’ Nachwuchs von diesem Alter noch weit entfernt ist – die große Pubertätskrise ist da doch

vorbestimmt. „Aber wahrscheinlich ist das der Grund, warum es uns schon so lange gibt. Wir setzen uns kleine, realistische Ziele und verfallen weder in Größenwahn noch in totalen Selbsthass. Am Anfang war es für uns eine völlig abgehobene Idee, einen Song auf 7’’ zu veröffentlichen. Das haben wir dann aber irgendwann geschafft. Die Ziele sind heute natürlich anders, aber wir beherrschen immer noch die Politik der kleinen Schritte“, sinniert Adkins. Alles schön und gut, aber Papa, wie macht man eigentlich einen Heroin-Entzug? Eine Prise Exzentrik oder ein Kasten Bier mehr hätte Jimmy Eat World möglicherweise nicht geschadet, um mit ‘Invented‘ nicht nur das nächste grundsolide Album zu veröffentlichen, sondern an Meilensteine des emotionalen Rock wie das bereits erwähnte ’Clarity’ oder dessen Nachfolger, das mittlerweile in ’Jimmy Eat World’ umbenannte ’Bleed American’ anzuknüpfen. Immerhin führt ’Invented’ die Talente der Band und ihres Über-Produzenten Mark Trombino nach langer Zeit wieder zusammen. Doch der Atkins’sche Stoizismus siegt selbst über hochgeschraubte Erwartungshaltungen: „Wir sind eine Band, die sich eher subtil verändert. Wenn wir eine Dance-Platte veröffentlichen würden, nur um mal etwas anderes zu machen, wäre das ziemlich albern.“ Hm ja, wäre es bestimmt.

„Für uns stehen die Songs im Mittelpunkt, nicht wir als Person. Das mag dich jetzt überraschen, aber wir sind - wenn es um unsere Musik geht - sehr experimentierfreudig. Wenn es das Lied besser macht, kloppe ich auch mal wie bescheuert mit einem großen Stock auf dem Studioboden rum.“ Jimmy Eat World sind ein Alptraum für jeden, der sich weniger für die Musik, als für die dazugehörigen Künstler interessiert. Aber wer Musik mag, sollte diese Band lieben. Text: Timo Richard Heimat: jimmyeatworld.com

Zehn Jahre „Clarity“ Jimmy Eat World unterbrachen die Arbeit an „Invented“, um das Jubiläum ihres Opus Magnum gebührend zu feiern. Auf der „Clarityx10“Tour spielten Jim Adkins und seine Kollegen bei zehn ausverkauften Shows in zehn verschiedenen Staaten ausschließlich das Überalbum des Neunziger-Emo. Bei einer dieser Shows traf man auch Drive Like Jehu-Drummer Mark Trombino wieder, der in den kommerziellen Erfolgszeiten des Emo-Rock Bands wie Midtown, Finch oder eben Jimmy Eat World sein genreprägendes Audiobranding verpasste. Auch wenn „Clarity“ kein Instant-Chart-Hit war, wird das Album mittlerweile als Meilenstein in der Entwicklung emotionaler Rock-Musik angesehen.


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MUSIK STORIES

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CROCODILES

Schönheit und Gewalt „Die blutigste Schlägerei meines Lebens hatte ich mit Charles Rowell“, erzählt Brandon Welchez. Rowell ist sein bester Freund und zweites Mitglied der Band Crocodiles aus San Diego. Eigentlich passt diese Geschichte ganz gut zum Rest. Wenn man sich in einer Stadt, in der es laut Welchez vor „Motorradgangs, Homophoben und Neonazis“ nur so wimmelt, auf einer Antifaschismus-Demo kennenlernt und dort beschließt, zusammen eine Punk-Band zu gründen, muss eine Freundschaft einiges aushalten können. Und das hat sie bisher auch. Auftritte mit der Vorgängerband The Plot To Blow The Eiffel Tower zum Beispiel, während der Welchez, Rowell und Konsorten in antifaschistischer Absicht rote Armbinden trugen, die auf provokative Weise an die NS-Zeit erinnern sollten. Der Kampf gegen das Böse schweißt zusammen – auch wenn es manchmal nicht leicht ist, seine Waffen richtig zu deuten. Was Welchez und Rowell auch aushalten mussten, war der Tod ihres früheren The Plot-Bassisten Willy Graves im Jahr 2008. „Das ist eher unbewusst passiert“, antwortet Welchez auf die Frage, warum es so viel Tod gibt auf dem zweiten Album der Crocodiles. Immerhin zeigt das Cover ein ausgehobenes Grab, lautet der Titel des Garage-Rock-Psychedelic-Punk-Albums ‘Sleep Forever‘ und beinhalten

Können was am Glas: Crocodiles aus San Diego.

mindestens drei Songs das Wort Sterben. „Vermutlich liegt es daran, dass Willy nicht mehr hier ist.“ Ein weiterer Grund könnte die angestrebte Vermischung von Schönheit und Gewalt sein. „Wir wollen beides zusammenbringen“, sagt Welchez, „und versuchen das unter anderem durch die Kombination von düsteren Texten mit poppigen Songstrukturen.“ Die Crocodiles lassen sich nicht gerne festlegen. Vintage-Rock’n’Roll, Psychedelic, Jesus And Mary Chain, Art-Punk? „Ich glaube nicht, dass irgendjemand durch die Straßen läuft und sagt: ’Hey, wie geht’s? Ich bin übrigens der Art-Punk’“, nörgelt Wel-

chez über das ewige Schubladendenken. „Ich bin Punk, und ich habe keinen Schimmer, was das ’Art’ davor bedeuten soll. Ich fasse es aber einfach mal als Kompliment auf.“ Wie seine Musik – ‘Sleep Forever‘ ist tanzbarer, poppiger und ein bisschen gelassener als der Vorgänger ‘Summer Of Hate‘ – scheint auch Brandon Welchez etwas ruhiger geworden zu sein. Seine derzeit größte Sünde: „Ich liebe Schokobananen.“ Text: Silvia Weber Heimat: myspace.com/crocodilescrocodilescrocodiles


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AUF ACHSE

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auf achse...

S den TROPICAL ISLAND in NE AI NT Fo IP TR IT M

Text: Christine Stiller Fotos: Sebastian Gabsch Heimat: tripfontaine.de; tropical-islands.de Auch gut: „Lambada“ – das neue Album von Trip Fontaine

So sieht Erholung aus. Um nach der anstrengenden Produktionsphase der neuen Platte wieder fit zu werden, haben die Jungs von Trip Fontaine ihren ganz persönlichen Guru (rechts im Bild) einfliegen lassen. Dieser (angeblich) junge brasilianische Lambada-Tänzer hat sie - auch angeblich - zum Titel ihrer neuen Platte inspiriert und bringt die Band immer wieder in mentale Bestform. Da er allerdings unter 25 Grad Aussentemperatur nicht arbeitet, wurde er in den Tropical Islands bei Berlin einquartiert, wo wir ihn gemeinsam mit den Trip Fontaine-Jungs Alex und Basti besucht haben.

Rückbl

ic k :

Anfang September holen die zwei ihren Guru am Flughafen ab. Nass, kalt, grau - die entsetzliche Wetterlage schlägt den sonnenverwöhnten Mann beinahe in die Flucht. Doch Alex hat eine Idee: Es gibt einen Ort nahe Berlin, da ist jeden Tag Sommer!

Mittlerweile wohnt der Guru schon seit mehreren Wochen in den Tropical Islands und kennt die Schleichwege durch den Dschungel.


Wie bei jedem Treffen bittet er die Jungs zunächst zur Meditation. Vor sonniger Südseekulisse findet sich die innere Ruhe so viel leichter.

Danach folgt sein allmorgendlicher Sprung ins tropisch warme Wasser. Doch kaum ist er abgetaucht...

...macht er sich heimlich aus dem Staub. wenig später findet er sich jedoch wieder an. Wo sollte der LambadaGuru auch anders stecken...

Danach lädt er die beiden erst einmal zum ausgiebigen Frühstück ein, denn wie er weiss...

...rutscht es sich mit vollem Magen schneller...

...als auf der Bühne, um Badegästen den richtigen Hüftschwung zu zeigen.

Sieben (diskret nicht fotografisch dokumentierte) Saunagänge später blicken die drei erholt und ausgeglichen in den Sonnenuntergang.

Dank an: Theresa und die Tropical Islands-Crew

...sehr viel schneller.


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O SOLO MIO

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O SOLO MIO! Alleine ist es manchmal eben doch am schönsten – in jedem Fall aber am unkompliziertesten. Daran werden die folgenden Herren wenigstens einmal erleichtert seufzend gedacht haben, als sie die Platten einspielten, um welche es sich vorrangig in unserem Spezial zum Thema „neugeborene“ Solokünstler drehen soll. Sie haben die ersten prägenden Erfahrungen fürs Showbusiness in mehr (Paul Smith/Maxïmo Park, Fran Healy/Travis) oder weniger funktionalen Bandgefügen (Carl Barât/The Libertines) gesammelt, sich von ihrer spontanen Spielwut zum Alleingang hinreißen lassen (Brandon Flowers/ The Killers), um jetzt zu beweisen, dass sie auch solo ganz ernstzunehmende und talentierte Typen sind.

Fran Healy Single-Dasein!

Fran Healy macht Urlaub vom TravisUniversum und beweist mit seinem ersten Soloalbum „Wreckorder“ wieder einmal ein Händchen für bezaubernde Melodien und anmutige Texte. Wir sprachen mit ihm über das Älterwerden, die apokalyptischen Reiter und Paul McCartney. Absolut triviale Frage, aber ich weiß mir sonst nicht zu helfen: Was genau ist denn ein „Wreckorder“? Als kleines Kind hatte ich einen von diesen alten Kassettenrekordern, bei denen man in ein Mikro sprechen, zurückspulen und seine eigene Stimme hören konnte – das war quasi der Auftakt meiner Schaffensphase. Da aber jede Form von Produktivität auch mit Zerstörung einhergeht, musste ich „wreck-“ daraus machen. Was ist der Unterschied zwischen dem Mann, der „Why Does It Always Rain On Me“, und dem, der „As It Comes“ geschrieben hat? Wahrscheinlich meine Kinder. Seit es sie gibt, frage ich mich noch mehr: „Wer bin ich eigentlich?“ Songs zu schreiben, hilft mir, das herauszufinden. Kinder zu haben, hilft mir, dem näher zu kommen. Im Grunde ist es aber derselbe Typ, der noch immer auf der Suche ist. Du bist nicht der einzige Frontmann auf Solopfaden - Kele Okereke, Brandon Flowers

und Paul Smith tun es dir gleich. Den einen gelingt es besser, den anderen schlechter. Hattest du Angst, zu sehr nach Travis zu klingen? Nicht wirklich. Wenn ich einen Song schreibe, tue ich das einfach, ohne mir darüber Gedanken zu machen, was andere davon halten werden. So gerissen bin ich nicht. Aber es stimmt, auf einmal kommen wir alle mit unserem eigenen Kram daher. Als würde irgendwo ein Vulkan aufgehen und die vier apokalyptischen Reiter strömen heraus...! Für „As It Comes“ konntest du Paul McCartney am Bass verpflichten. Was musstest du dafür tun? (lacht) Ihm eine Mail mit dem Song im Anhang

schicken, dann geduldig abwarten und zum Dank Vegetarier werden. Aber ich wollte nun einmal nur McCartney, weil ich glaube, dass er der momentan beste Bassist ist. Ich meine, James Jamerson, der Größte aller Zeiten, ist tot und ansonsten fällt mir nur Sting ein, der da noch mithalten könnte. Was kommt für Fran Healy als nächstes? Dieses Soloalbum hat mich ermutigt, meine Seifenblase zu verlassen und Neues auszuprobieren. Je älter man wird, desto mehr realisiert man, dass da nicht unendlich viel Zeit ist. Vielleicht studiere ich noch einmal Film, vielleicht aber auch nicht.Wir werden sehen. Text: Stephanie Johne

Heimat: franhealy.com


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Paul Smith

O SOLO MIO

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Hinterm Horizont geht’s weiter. Paul Smith.

Herr Schmidt möchte allein sein Als fordere sie jemand heraus, veröffentlichen plötzlich die Sänger diverser Indie-Kapellen Soloalben am Stück: Nach Fran Healy ist nun Maxïmo Parks Paul Smith an der Reihe und will mit ‘Margins’ nicht die Welt verändern, ein wenig stänkern aber schon. Es hat sich einiges getan im Leben von Paul Smith, im Großen wie im Kleinen: Zum einen beantragte der hauptberufliche Maxïmo Park-Frontmann Urlaub bei seinen Bandkollegen und realisierte sein lang geplantes Soloalbum ‘Margins’ - und anderseits scheint der schlaksige Sänger den Herrenausstatter gewechselt zu haben. Beim Interview in Berlin Kreuzberg empfängt er die Journalisten mit Hosentaschen an der maßgeschneiderten Baumwolljeans und bricht mit seiner sonst üblichen Tradition, diese schon bei der Herstellung zunähen zulassen. „Reiner Zufall“, meint Smith mit einem Glas Orangensaft in der Hand. Heute Morgen hätte er gar nicht darüber nachgedacht, sondern irgendeine Hose aus dem Koffer geschnappt und sich schnell auf dem Weg gemacht. Beeilen muss sich der Maxïmo Park-Chef aktuell mehr, als ihm lieb ist: Nach dem letztjährigen Bandalbum ‘Quicken The Heart’ soll nun endlich das Solodebüt unters Volk gebracht werden - und zwischen all den Terminen

avancierten die Aufnahmen zu einem unfreiwilligen Schnellschuss: „An den Songs arbeitete ich bereits mehrere Jahre, doch wenn dir deine Band nur ein paar Monate Zeit für die Sessions einräumt, solltest du dich ranhalten.“ Natürlich ist sein Soloausflug nichts komplett Neues: ‘Margins’ bietet vielmehr den gewohnt diametralen Indie-Pop, experimentierfreudigen Gitarren-Rock und hält trotzdem erstaunlich viele, Maxïmo Park-untypische Akustiknummern bereit. „Ich kann die ganzen großspurigen Pop-Sachen im Radio nicht mehr hören“, erklärt Smith und verschluckt sich fast dabei. „Meistens geht der eigentliche Song im Soundbrei völlig verloren und deshalb wollte ich mit ‘Margins’ einen Gang zurückschalten, den Dingen bewusst ihren natürlichen Lauf lassen.“ Während er das sagt, spürt man, wie wichtig ihm die Platte ist: Keine Kompromisse musste Smith dafür eingehen, er war auf sich allein gestellt und mosert

trotzdem noch am Gesamtergebnis herum: „Zweifel stellen sich bei mir stets ein, wenn eine Platte fertig ist. Ich kann nur schwer loslassen, leider.“ Apropos loslassen: Müssen wir uns jetzt Sorgen um das Fortbestehen von Maxïmo Park machen? Ist ‘Margins’ ein Neubeginn für Paul Smith? „Nein, es gibt keinen Anlass zur Beunruhigung. Unser Gitarrist Duncan Lloyd wollte mir sogar unter die Arme greifen, aber ich vertröstete ihn auf die kommenden Maxïmo Park-Sessions.“ Kein zweites Soloalbum also? „Sag niemals nie, aber zunächst geht es wieder mit den Jungs ins Studio. Das habe ich fest geplant.“ Sehr lange werden ihm seine Kollegen wohl auch kaum frei geben, denn ‘Margins’ ist nicht nur ein kraftvolles Statement von Paul Smith geworden, sondern lässt Großes von der anstehenden Bandplatte erwarten. Hier ist jemand mit sich selbst im Reinen und hat die Zukunft fest im Blick. Text: Marcus Willfroth, Foto: Erik Weiss Heimat: myspace.com/paulsmithmusic


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Brandon Flowers Herzbube sticht

Als wären seine Songs mit den Killers nicht schon größenwahnsinnig genug, strebt Brandon Flowers jetzt die ultimative Rockstar-Dekadenz an: das Soloalbum zum Karrierehöhepunkt. Ein passendes Thema dafür hat der 29–Jährige auch schon gefunden. Las Vegas mit all seinem Glanz und Elend ist schon immer der irritierende Schlusspunkt des Amerikanischen Traums gewesen, dem mit herkömmlicher Poesie und übertriebenen Musikvideos bisher nicht zu Leibe gerückt werden könnte. Bei Brandon Flowers ist die Sache noch ein bisschen anders, denn als Sohn der Stadt fühlt er sich berufen, den ramponierten Ruf mit nur zehn Songs wiederherzustellen. „Ich liebe Las Vegas. Es ist nicht perfekt, aber ich mag die einfachen Dinge daran. Ich mag die Wüste, die Menschen, die Lichter.“ Die Schattenseiten sind ihm natürlich auch vertraut, denn anders als die enthemmten Touristen sieht Brandon die Stadt regelmäßig bei Tageslicht und in nüchternem Zustand. Hier kam ihm auch die Idee, dass Las Vegas durchaus als Allegorie für das Leben an sich herhalten könnte. „Es sind so viele Parallelen zwischen Glücksspiel und dem echten Leben, das gereicht mir als Eingeborenem jetzt zum Vorteil“, sagt er. „Las Vegas ist jetzt nicht gerade eine pulsierende Metropole. Aber bloß raus ins Leben zu gehen und etwas erleben zu wollen, ist schon ein Risiko. In diesem Sinne spielen wir jeden Tag um unser Leben.“

‘Flamingo‘, das Solodebüt des Sängers, ist dann auch voll von Glücksspiel-Metaphern, die das Dasein als schicksalhaftes Abenteuer beschreiben. Brandon sagt, bis zu einem gewissen Grade spreche er da aus Erfahrung. „Natürlich war ich schon mal im Casino. Ich habe auch die ganzen Sachen mal mitgemacht - Roulette, Blackjack, Craps. Es ist ein Adrenalinrausch, sehr aufregend, aber wenn man verliert, tut es richtig weh. Und ich verliere nicht gerne Geld, ich gewinne lieber. Aber ich verstehe das Prinzip. Ich denke, ich habe auch eine Tendenz, mich da durchaus gehen zu lassen. Ich hoffe nur, ich kann mich da raushalten.“ Flowers sagt, dass ihn die romantischen Seiten des Glücksspiels schon früh fasziniert haben. „Mein Vater hat sich früher mit mir immer Westernfilme angesehen“, sagt er. „Darin haben die Pokerspieler immer diese Armreifen getragen, die das Hemd schon am Oberarm aufrollten. Es sollte zeigen, dass sie keine Karten im Ärmel aufbewahrten. Und diese Mythologie ist immer noch sehr attraktiv für mich.“

Seinen Bandmitgliedern hat er das Album inzwischen auch schon vorgespielt, ohne Neidgefühle beobachtet zu haben. „Die meisten Songs sind ohnehin ziemlich neu, zur Zeit des letzten Killers-Albums gab es sie noch nicht. Sie sind überhaupt nur zustande gekommen, als sich zwei meiner Bandkollegen Urlaub genommen und nicht gesagt haben, wann sie wiederkommen. Komisch - vorher gab es für mich immer nur Killers-Songs, ab jetzt muss ich mich jedes Mal entscheiden.“ Ganz so schwer dürfte das nicht werden, glaubt Flowers. „Killers-Songs haben schließlich eine bestimmte Qualität. Sie sind immer ein bisschen bombastisch und explosiv.“ ‘Flamingo‘ ist am Ende nicht ganz so bombastisch geworden, auch wenn sein Optimismus durchaus Killers-Format hat. Aber auch das ist Brandon eigentlich klar: „Ich war noch nie pessimistisch, bei mir gibt es immer den Silberstreif am Horizont.“ Text: Michael Haacken Foto: Lucy Hamblin Heimat: brandonflowersmusic.com


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MIT: AUF DER COUCH

?! CARL BARÂT Carl Barât feierte zwar kürzlich die finanziell stattlich gepolsterte LiveReunion seiner Band The Libertines, mit seinen Gedanken ist der 32-Jährige aber definitiv ganz bei sich: Nach erfolgreich absolvierter Pflicht – der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums – erwartet den sprachlich nur schwer dechiffrierbaren likely Lad im Dezember die Kür: die Geburt seines Sohnes. Wir trafen den entspannten Barât auf einen Kaffee und hakten mal nach, wie das so ist, als frisch gebackener Solokünstler.

mand, der auch mal zurücksteckt? Ich glaube, ich habe ein gesundes Ego entwickelt, das mich davor beschützt, abgezogen zu werden. Aber ich bin generell auch ein ziemlich fauler Typ, der gerne den anderen die Arbeit und das Schlachtfeld überlässt - dafür aber auch mal den Kürzeren zieht.

Carl, in wie weit hat das Musikerleben deinen Charakter geprägt? Schwer zu sagen, ich habe ja nur dieses eine Leben und deshalb keine Möglichkeit, mich mit einem bandlosen Carl Barât zu vergleichen. Aber ich denke schon, dass die Erfahrungen als Bandmitglied meinen Charakter geformt haben. Ich glaube, einige soziale und zwischenmenschliche Extremsituationen wären mir im „normalen“ Leben zwar erspart geblieben, aber missen möchte ich sie trotzdem nicht. Schließlich konnte ich daraus lernen.

Was sind die Vor- und die Nachteile als Solokünstler? Ein Nachteil und Vorteil zugleich ist, dass man sich nicht mehr hinter den anderen verstecken kann, sondern sich alleine der Verantwortung stellen muss. Freiheit bedeutet also auch immer alleinige Verantwortung. Ein definitiver Vorteil des Sololebens besteht darin, dass man sich nicht mehr mit den Egos und Charakterschwächen der anderen auseinandersetzen muss. Man kann sein Ding so durchziehen, wie man möchte – ohne Kompromisse.

Was wären denn deine berufliche Alternativen zum Musikerdasein gewesen? Ich wollte eigentlich immer Schauspieler werden, aber dazu fehlte mir das Selbstvertrauen. Ich habe einige Zeit als Buchhalter bei der BBC gearbeitet, und das war schlimmer als meine härteste Zeit in den Libertines. Professioneller Drogendealer wäre auch eine Option gewesen. Meine Mutter war ein Hippie und hatte entsprechend viel Gras im Haus. Das machte mich mit 14 zum King auf dem Schulhof.

Was für Kompromisse sind das? Wenn du vier Songwriter in der Band hast, dann ist das Konzept der Demokratie komplett ausgehebelt. Es geht dann nur noch um die eigenen Egos. Schlimmer als aus der Kontrolle geratene Egoisten ist nur noch die Debatte um Tantiemen oder Songwriting-Credits. Gefeilsche ums Geld zerstört jede Freundschaft, auch die von Bandmitgliedern.

Welche deiner Charaktereigenschaften wünschst du deinem Sohn? Ich habe ein ambivalentes Gefühl in Bezug auf die Geburt meines Sohnes. Einerseits möchte ich ihn nicht von meinem Berufs-, also Musikerleben abkoppeln, auf der anderen Seite hoffe ich, vermeiden zu können, dass er mit einem Haufen Leute konfrontiert wird, die ihren Kopf in einem Eimer Koks vergraben. Ich denke, ich werde versuchen, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen und ihn zu einer eigenständigen, denkenden und seine Meinung äußernden Person zu erziehen. Mit ein bisschen Glück wird er so nicht zu dem Acid klinkenden Freak, wie sein Vater einer war.

Was für ein Typ bist du dabei: Einer, der sein Ego und seinen Anspruch durchsetzt oder je-

Text: Flo Hayler, Foto: Erik Weiss Heimat: myspace.com/carlbarat Auch gut: “Carl Barât” – das neue Album von Carl Barât


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Tricky

FAZIT

Pilze pflücken verboten Totgesagt, aber nicht gestorben: Tricky meldet sich nach Jahren der öffentlichen Verweigerungshaltung mit seinem neuen Album ‘Mixed Race’ zurück - und gibt sich überraschend geläutert. Die äußerste Ecke der Couch habe er sich ausgesucht, und ob das okay sei, fragt Tricky zur Begrüßung freundlich, bietet Kaffee an und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden seines Gegenübers. Ein unverschämt höflicher Gesamteindruck, denn wer das Treiben des ehemaligen Massive Attack-Mitglieds in den vergangenen Jahren verfolgt hat, weiß, dass Tricky kein Freund von Interviews und der Öffentlichkeit im Allgemeinen ist. Eher harsch präsentierte sich der musikalische Tausendsassa und winkte meist ignorierend ab, sobald jemand es wagte, seine musikalischen Leistungen in Frage zu stellen. All das scheint nun vergessen und Schnee von gestern – mit ‘Mixed Race’ kehrt Tricky als Meister aller Klassen auf die Bildfläche zurück und vermengt störrischen Elektro mit Reggae, IndieRock und leichtem Dancehall. „Meine zehn Jahre in den USA haben viele Probleme hervorgerufen. Ich versank zeitweise vollkommen im Drogensumpf und habe viele meiner Alben unter Einfluss von Pilzen aufgenommen.“ Natürlich meint er nicht die nahrhaften Champignons, die manch Sonntagsmahl veredeln, sondern die fiese Sorte, die das Hirn auf Reisen schickt.

„Vor zweieinhalb Jahren bin ich nach England zurückgekehrt, habe mehr Zeit mit meiner Familie verbracht und mich verstärkt auf die Musik konzentriert.“ Dabei sei ihm bewusst geworden, wie leicht es sein kann, neue Songs aufzunehmen: „Für viele ist ‘Mixed Race’ zu kurz geraten. Ich finde aber, dass 30 gute Minuten besser als eine durchwachsene Dreiviertelstunde sind“, rechtfertig er den Mut zur Lücke und dreht sich eine Zigarette - das einzige Laster aus alten Tagen. Selbst mit seinen ehemaligen Kollegen von Massive Attack geht Tricky aktuell wieder auf Tuchfühlung. „Da ist was dran“, gibt der nimmermüde Soundtüftler zögernd zu. „Zu viel verraten möchte ich aber nicht. Es gab erste Treffen, und wenn die nächsten Zusammenkünfte ebenfalls reibungslos ablaufen, steht einer erneuten Kollaboration nichts im Wege.“ Ein möglicher Schlussstrich für die Solokarriere? „Wie gesagt, alles noch Zukunftsmusik. Aber wir haben eine Basis.“ Fast wünscht man sich, dass Tricky vorerst alleine weitermacht: So progressiv und locker wie dieser Tage klang er seit seinem #95er Debüt ‘Maxinquaye‘ nicht mehr. Text: Marcus Willfroth, Foto: Erik Weiss Heimat: myspace.com/trickola

Merke: Ob aus Narzissmus, Langeweile, Schaffens-Zwang oder weil keiner mit ihnen spielen will - die Liste derer, die sich der Konsens-Kreativität ihrer Band zeitweise entzogen haben, ist lang. Nicht immer sind die Selbstverwirklichungen von Erfolg gekrönt, fast immer gilt hingegen: Ist das Ego erst mal freigelassen, gestaltet sich die Wiedereingliederung ins Kollektiv nicht ganz unproblematisch. Das erfahren derzeit auch The Strokes, die bis auf Gitarrist Nick Valensi allesamt allein oder in neuen Formationen agiert haben und sich nun gemeinsam an Album Nummer Vier versuchen. Wer, wann, wie und warum welche Band verließ und wer zwangsweise auf den Solopfad ausweichen musste - hier ein paar Beispiele: ROBBIE WILLIAMS Am 17.Juli 1995 muss Robbie Williams Take That verlassen. Die Band löst sich kurze Zeit später zwar komplett auf, allerdings soll Williams vertraglich verpflichtet sein, mit der Veröffentlichung seines Solodebüts „Life Thru A Lens“ zu warten, bis Ex-Kollege Gary Barlow sein Einzelwerk veröffentlicht hat. Williams’ Erfolg schadet das jedoch nicht.

INTERPOL Seit über zehn Jahren schreibt Sänger Paul Banks unter dem Namen Julian Plenti. Doch er veröffentlicht erst drei Alben mit seiner Band Interpol, bis er sich 2009 mit „Julian Plenti ... Is Skyscraper“ allein aufs Parkett wagt. Nicht er, sondern Bassist Carlos D verlässt nach einem weiteren Interpol-Album die Band, um sein Glück woanders zu suchen.

LAGWAGON Fast 20 Jahre und einige Umwege über diverse Nebenprojekte hat Lagwagon-Sänger Joey Cape für sein Solodebüt benötigt. Auf „Bridge“ mimt der hauptberufliche Punkrocker 2008 den zerbrechlichen Singer/Songwriter und klimpert sich glücklich. Gern auch im Akustik-Doppel mit No Use For A Name-Sänger Tony Sly.

DIE ÄRZTE Farin Urlaub, Bela B. und Rod gelten allesamt als notorische Band-Flüchtlinge. So schön Soloalben und -Touren aber auch sind, Die Ärzte kehren immer wieder zueinander zurück.

PETER FOX Mit „Stadtaffe“ verwirklicht Seeed-Sänger Pierre 2008 einen Traum: Er lässt das Babelsberger Filmorchester seine Solo-Reime vertonen. Der Erfolg des Albums stellt die bisherigen Errungenschaften seiner Band in den Schatten, doch längst hat er das Affenkostüm wieder abgestreift und arbeitet mit Seeed am Nachfolger ihres 2005er Albums „Next!“

RICHARD ASHCROFT Eigentlich waren „New York“, „C’Mon People“ und „A Song For The Lovers“ für das The Verve-Album „Urband Hymns“ bestimmt. Doch die Band trennte sich zwei Jahre nach der Veröffentlichung zum zweiten und nicht letzten Mal in ihrer Karriere. Die drei Songs aber verwendete Sänger Richard Ashcroft auf seinem Solodebüt „Alone With Everybody“, das 2000 erschien.

BLOC PARTY Lichter aus bei Bloc Party und Vorhang auf für Kele Okereke. „The Boxer“ nennt sich der elektronische Pausenfüller, mit dem sich der Sänger wieder als Rookie fühlen darf. Der LaptopProduktion sei Dank.

MILLENCOLIN Weder seine Band Millencolin noch seine Freundin bereiten ihm Ärger, dennoch veröffentlicht Nikola Sarcevic 2004 mit „LockSport-Krock“ seinen ersten Folk-Rock-Versuch inklusive der Herzschmerz-Single „Lovetrap“. Es folgen zwei weitere MillencolinAlben sowie zwei Eigenkompositionen, darunter auch „Nikola & Fattiglapparna“ - sein erstes schwedischsprachiges Werk.


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TITEL

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Zurückhaltend und intimer geben sich die Kings Of Leon auf ihrem fünften Album ’Come Around Sundown’. Ist ja auch ein bisschen der Katermorgen nach dem weltweiten Stadion-Rausch von ’Only By The Night’. Die großen Songs sind zwar geblieben, doch der Gestus bescheidener und hausgemachter. Mit Sänger Caleb und Bassist Jared Followill sprachen wir über kreative Kurs-Korrekturen, Erdungs-Bedürfnisse, Ausverkauf-Vorwürfe und jene Massen-Anziehungskraft, die selbst vor gefiederten Freunden nicht halt zu machen scheint. Zurückhaltend und intimer geben sich die Kings Of Leon auf ihrem fünften Album ’Come Around Sundown’. Ist ja auch ein bisschen der Katermorgen nach dem weltweiten Stadion-Rausch von ’Only By The Night’. Die großen Songs sind zwar geblieben, doch der Gestus bescheidener und hausgemachter. Mit Sänger Caleb und Bassist Jared Followill sprachen wir über kreative KursKorrekturen, Erdungs-Bedürfnisse, AusverkaufVorwürfe und jene Massen-Anziehungskraft, die selbst vor gefiederten Freunden nicht halt zu machen scheint. Was bis hierher geschah: Wir schreiben den September 2003 und der Nachfolger zu ’Is This It’ von den Strokes steht einen Monat vor seiner Veröffentlichung, als die Musik-Fachpresse unter üblicher britischer Federführung schon den nächsten Heureka-Hype ausruft: ’Youth & Young Manhood’, das Debüt der Kings Of Leon. Genau das ist es, das nächste große Ding, die Strokes aus den Südstaaten. Statt Television zitiert man die Allman Brothers herbei, freut sich über bodenständig bärtige Blues-Burschies, die enge Familien-Bande der aus drei Brüdern und einem Cousin bestehenden Band (die alle den Nachnamen Followill tragen) und stilisiert das Vagabundentum, das die Söhne eines Wanderpredigers in ihrer Jugend genossen haben, verklärend zum prägenden Abziehbild uramerikanischer Freiheitsmythologie. Mit rustikal-ruppigem, aber immer schön tanzbar-eingängigem GaragenRock sickert der Sound der Sippschaft sogar bis tief ins Trendbewusstsein jener urbanen Szenegänger, die Southern-Rock ansonsten nicht mit der Kneifzange angepackt hätten und Black Oak Arkansas wohl bis heute für eine amerikanische Möbelpolitur halten. Auch das zweite Album der neuen Archetypen aus Tennessee, ’Aha Shake Heartbreak’, erfreut noch die Underground-Herzen, wohingegen der experimentelle, düstere 2007er Nachfolger ’Because Of The Times’ die zunehmende Abkehr vom unbefangenen Scheunen-Rock der Anfangstage signalisiert - und dennoch die englischen Charts dominiert. Die gemeinsame Tour mit U2 zuvor wird noch deutlicher Spuren hinterlassen, so scheint es schon damals. 2009 erfolgt mit ’Only By The Night’ der eklatante Beweis dieser These. Die Garage ist den Followills längst zu

klein geworden, die darauf befindlichen Songs brauchen einfach den nötigen Stadion-RockStauraum. Nicht nur, um die nunmehr übergroßen hymnischen Refrains in all ihrem klanglichen Bombast, sondern auch um die immer größere Anhängerschaft der Kings Of Leon ebenso angemessen zu beherbergen. Die Kings Of Leon sind, auch wenn die bisherige Band-Historie ja eigentlich das Gegenteil näher legt, mit ’Only By The Night’ über Nacht zu globalen Superstars avanciert und explosionsartig im Mainstream angekommen. Nicht nur im UK, sondern weltweit belegt jenes Album Spitzenplätze in den oberen Chart-Regionen. Über sechs Millionen verkaufte Einheiten und zwei mit insgesamt vier Grammys ausgezeichnete Single-Hits, ’Sex On Fire’ und ’Use Somebody’, sieht sich die umtriebige Band dann 2010 im Londoner Hyde Park mit knapp 65.000 Zuschauern ihrem bislang größtem Publikum gegenüber. Puh. Kurz durchgeatmet und wieder über den großen Teich ins Studio, denn ein Nachfolger steht an.

Zurück in London, es ist August 2010. Caleb und Jared Followill haben es sich in einer FünfSterne-Luxus-Herberge bequem gemacht, um über die Früchte ihrer jüngsten Album-Anstrengung ’Come Around Sundown’ zu plaudern. Dabei trifft das Wort Anstrengung den Sachverhalt nur im Kontext des immensen Erfolgsdrucks, der auf den Schultern der Band zu lasten schien. Das tatsächliche Ergebnis klingt nämlich ehrlich gesagt und ganz im Gegenteil, ziemlich entspannt. Vom Bruce Springsteen evozierenden Opener ’The End’ über den Roots-Rock mit dezent amerikanisierten U2-light-Tendenzen der ersten Single ’Radioactive’ über den Reggae-Bass-Beat von ’The Immortals’ bis hin zum perlenden Strand-Slide-Twang von ’Beach Side’ ist ’Come Around Sundown’ ein lässig zurückgelehntes bezauberndes Werk, das ganz allein auf die strahlende Kraft seiner durchweg wunderbaren Songs baut. Diese sind weiterhin hintergründig hymnisch, kommen aber völlig ballastfrei unbeschwert, offen und abgespeckt daher. Vom in

vorherigen Interviews angekündigten CountryAlbum-Touch ist bis auf das programmatische ’Back Down South’ indes nicht allzu viel übrig geblieben. „Ja, das stimmt schon. Die anderen wollten meine Country-Nummern nicht auf der Platte haben“, offenbart Caleb. „Dabei hatte ich ein paar echt schöne, klassisch angehauchte Herzensbrecher in petto. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir in New York aufgenommen haben und wir alle so unterschiedliche Ideen im Kopf hatten, wie die Platte klingen soll. Der Rest der Band wollte eher einen jungen und frischen Song-Ansatz verfolgen. Aber ihr werdet diese Country-Stücke garantiert irgendwann zu hören bekommen, das verspreche ich. Allerspätestens auf meinem ersten Soloalbum.“ Erste Erfolgsrisse im brüderlichen Gefüge? Keineswegs, nur kreatives Gerangel um die Vorherrschaft der künstlerischen Vision. Kommt ja in den besten Familien vor. „Es war diesmal ein kreatives Geben und Nehmen, ein ziemliches Hin und Her“, erläutert Jared. „Es ging nicht nur darum, ob die Songs diesmal direkter oder groß angelegt klingen sollten, sondern vielmehr auch darum, ob man sie vorsätzlich in eine schrägere, unrunde Richtung lenkt - nur allein damit sie nicht mehr so hymnisch klingen. Das schwierigste war, Caleb nahe zu bringen, dass das Songwriting für dieses Album wirklich stimmig und gut sein müsse, und dass das alles ist, was zählt: gute Songs. Er hätte nämlich lieber bewusster dagegen gesteuert.“ Eine vorübergehende künstlerische TrotzHaltung des Frontmanns, die mit dem explosionsartigen Erfolg einhergeht. „Nachdem die letzte Platte so eingeschlagen ist, steckte ich tatsächlich auch in dieser Krisen-Phase, die Kurt Cobain und viele andere durchgemacht haben“, gibt Caleb unumwunden zu. „Wenn dir der ganze Ruhm und Rummel plötzlich zu groß wird, kann das schon sehr erschreckend sein. Man fängt an sich zu fragen, ob man für den Rest seines Lebens nur noch durch ein bestimmtes Album oder einen bestimmten Song definiert wird. Das war wohl auch der Grund, warum ich eine künstlerische Kehrtwende gemacht habe und mit etwas völlig anderem als diesen Country-Songs um die Ecke gekommen bin.“


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Auch für sie scheint oft die Sonne: Die Followills aus Franklin, Tennessee.

Wenn musikalisch auch mehr ruhige AmericanaElemente in Kombination mit harmoniebeseelter Hemdsärmeligkeit das neue Album dominieren, so zieht sich zumindest lyrisch ein essenzieller Topos des Country-Genres durch die Platte: Heimatverbundenheit – hier im Sinne einer Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden. „Als wir ’Aha Shake Heartbreak’ aufgenommen haben, saßen wir ja mehr oder weniger zu Hause und alle Songs drehten sich um die entfernten und spannenden Dinge, die da draußen lagen. Mittlerweile ist es genau andersherum. Wir hatten als Familie ja nie ein richtiges Zuhause und sind dann direkt in diesen Musiker-Lebensstil gestolpert, wo man auch ständig auf Achse ist und nicht zur Ruhe kommt“, so Caleb. „Ein richtiges Zuhause ist etwas, das für mich schon immer etwas Ungreifbares, Mysteriöses an sich hatte, aber worüber zu schreiben mir total leicht fällt. Ich habe nun mal romantisierte

Songs über das Familienleben mit Kindern, einen schönen Vorgarten und solche Dinge geschrieben. Wahrscheinlich drehe ich mich, sobald ich das mal am eigenen Leib erfahre, sofort auf dem Absatz um und suche die nächste Ausfahrt“, lacht Caleb, der nunmehr glücklich liiert - in der Tat momentan im Begriff ist, seinen Tara-Traum vom südstaatlichen Eigenheim-Anwesen auf einem Farmgrundstück in seinem Geburtsort Mt. Juliet, Tennessee, zu realisieren.

kein Haus besitzen kann, dann werde ich eben mein Leben lang Vagabund sein. Allerdings hat mich dieser Gedanke auch sehr traurig gemacht. Mittlerweile sehe ich die Sache gelassener. Ich baue derzeit ein neues Haus, das zwar noch lange nicht fertig ist, das ich aber komplett alleine konzipiert und gestaltet habe. Es ist meine Vision vom perfekten Heim. Und wer weiß: Vielleicht checke ich irgendwann für eine Nacht im Hotel ein, nur damit ich mal wieder in den Schrank pinkeln kann… (lacht)

Caleb, auf dem neuen Album finden sich trotz allen Glücks auch Songs wie “The End”, der eben jenes in Frage stellt. Bist du so ein Typ, der sich so viele Sorgen macht, dass er sein Glück nie wirklich genießen kann? Caleb: Ich weiß nicht so genau. “The End” habe ich auf Tour geschrieben, zu einer Zeit, als ich gar kein Zuhause hatte – und das als durchaus angenehm empfand. Ich hatte mein Haus verkauft, nachdem ein paar Typen darin eingebrochen waren und einige meiner persönlichen Sachen geklaut hatten – die wussten, dass ich da wohne. Also überlegte ich: Was soll’s. Wenn ich auf Grund meines Ruhms schon

Hast du immer noch diese Farm da draußen in Mt. Juliet? Caleb: Habe ich. Ich habe das alte Bauernhaus abgerissen und errichte neues Anwesen darauf. Die Landschaft um Mt. Juliet ist echt schön. Meine Farm liegt ein paar Meilen außerhalb der Stadt und ich habe diese ewig lange Zufahrt zum Grundstück, wo man seinen Blick einfach nur schweifen lassen kann… Ich freue mich darauf, wenn alles fertig ist. Hört sich an, als würde dein Traum vom Landleben endlich Gestalt annehmen. Caleb: Absolut. Das Tolle ist, dass ich bei meinen


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Reisen so viele großartige Dinge sehe, die ich in das Haus mit einbringen kann. Wann immer mir etwas gefällt, mache ich ein Foto davon und schicke es zu meinem Cousin, der für den Bau verantwortlich ist. Er integriert meine Ideen und Wünsche in seine Planungen. Das klingt, als würdest du später ein Traumhaus voll individuellerer Themenräume besitzen… Caleb: Das könnte passieren, wobei sie nicht nur verschiedene Themen, sondern auch andere Namen haben: die „Bibliothek“, das „Lernzimmer“… Also im Grunde einfach ein paar Räume, in denen ich selbst am meisten Spaß haben kann (lacht). Mag Calebs Vision vom Eigenheim noch in der Planungsphase stecken, so ist es für ihn nicht zuletzt die heimatliche Erdung, die auch seine bereits geäußerten Bedenken dahingehend zerstreuten, dass die Kings Of Leon mittlerweile als Massenphänomen gelten – die damit einhergehenden Gefahren inklusive: „Ich habe mich nach den Eskapaden der letzten Tour wieder gefangen und realisiert, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, mir Sorgen über unseren Erfolg zu machen. Es gibt da draußen einen Haufen Leute, die das, was wir machen, lieben. Und letztlich ist das doch auch der Grund, warum man überhaupt damit anfängt, Musik zu machen. Keine Band will auf ewig in der Indie-Nische stehen bleiben. Jeder Mensch möchte doch mit dem, was er macht, erfolgreich sein“, führt Caleb seine Erkenntnisse aus. „Wir haben unserem Empfinden

nach auf der letzten Platte nichts anderes gemacht als zuvor. Es hat eben nur viel mehr Menschen angesprochen. Das haben wir nicht mit vorsätzlicher Absicht so gemacht, weshalb wir jetzt auch das alles in vollen Zügen genießen sollten. Wer weiß, vielleicht spielen wir übermorgen ja schon wieder in kleinen Clubs.“

Der ausgelutschten Ausverkaufs-Argumentation jener ewigen Nörgler, die sich persönlich auf den Schlips getreten fühlen, wenn sie keine exklusiven Entdeckungs- und Besitzansprüche mehr auf eine Band anmelden können, da sie mittlerweile von mehr als zwei weiteren Eingeweihten gehört wird, hat Caleb dann auch nur noch eines zu entgegnen: „Scheiß darauf! Was bedeutet denn Ausverkauf überhaupt? Wenn du ein guter Koch bist, deine Familie das, was du zubereitest, liebt, und du dann irgendwann ein Restaurant eröffnest, hast du dich dann auch ausverkauft?“ Apropos drauf geschissen. Das schlägt die Brücke zu einem weiteren delikaten Thema nämlich ganz gut: Bei einem Konzert in einer AmphitheaterMassenveranstaltungsarena in St. Louis zogen die Kings Of Leon unlängst nicht nur den Zorn erboster Indie-Fans der ersten Stunde auf Grund neu gewonnener Popularität auf sich, sondern auch die

Herzlichen Glückwunsch, Caleb Followill! Mit deinem auserwählten Lebensmittelpunkt bist du Bewohner der größten Gemeinde des Wilson County, einem Goldplatzund Spa-gefluteten Fleckchen Erde nur 27 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Nashville!

Aber ruhig Blut: Das nächste Multiplex befindet sich im nur lumpige 19 Kilometer entfernten Lebanon – einem mehrheitlich von Christen bewohnten Ort, den Quentin Tarantino zum Schauplatz seines Thrillers „Death Proof“ auserkor und auf dessen städtischen Parkplatz Kurt Russell die Mauken von Rosario Dawson kraulte. Das aber nur zur Info, falls ihr mal einen 1969 Dodge Charger am Wegesrand rumlungern seht.

Hier in Mt. Juliet möchte man als Normalsterblicher zwar nicht tot überm Zaun hängen, aber eine Nacht in einem der drei städtischen Hotels würden wir uns gönnen. Nur das mit dem abendlichen Kinobesuch gestaltet sich in Mt. Juliet schwierig, denn es gibt kein Kino.

Auf bald in Mt. Juliet, Caleb! Wir kommen dich sicher mal besuchen!

Mount Juliet Nashville

TITEL

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Aufmerksamkeit von haufenweise Tauben, die die Band wortwörtlich mit ihren Exkrementen bombardierte. „Das war echt eine wahre Tauben-Pest dort“, erinnert sich Caleb. „Zunächst haben sie die Vorbands zugekotet und dann gingen wir auf die Bühne und Jared hat direkt beim ersten Song eine volle Ladung ins Gesicht bekommen. Wir hatten noch 20 Stücke vor uns und er hätte sicher noch mal dieselbe Anzahl an Breitseiten abbekommen“, kichert Caleb mit subtiler Schadensfreude. „Beim zweiten und dritten Song haben sie mich am Arm erwischt und unser Manager gab uns ein Zeichen zum Abbrechen“, führt der be- und getroffene Jared fort. „Taubenscheiße ist ein hoch infektiöser Keimherd, ich hätte echt ernsthaft krank davon werden können und wir wollten wegen diesem Dreck einfach nicht die restlichen Shows gefährden. Also sind wir runter von der Bühne und haben das Konzert beendet.“ Caleb setzt lachend noch einen drauf: „Wir spielen dort erst wieder, wenn die Tauben-Saison vorbei ist.“ Club-Konzerte haben eben manchmal auch ihre Vorteile. Interview: Marcel Anders, Text: Frank Thiessies; Fotos: Dan Winters Heimat: kingsofleon.com

TOURDATEN AUF DEN SEITEN 46 ff.

Tauben (biol. „Columbidae“) sind eine äußerst artenreiche Familie der Vogelwelt. Dennoch werden hiesige Stadttauben von den meisten Menschen eher als lästig, dreckig oder infektiös angesehen. Tatsache ist, dass diese Tauben durchaus Krankheiten übertragen können (Bsp. Ornithose, Toxoplasmose, Tauben-Dermatitis etc.), aber das können auch „Dackel Waldi“ oder die „süße“ Katze von nebenan... Und längst nicht alle Tauben sind nutzlose Virenschleudern. In der griechischen Mythologie galt die Taube sogar als besonders rein. Auch sonst gibt es ganz sympathische Vertreter ihrer Zunft. Denkt nur mal an die niedlichen Freunde, die Aschenputtel beim Auslesen der Linsen halfen. Oder Brieftauben. Oder die Friedenstaube – da hat sich auch niemand für den Spatz entschieden. Obwohl Tauben in ihrem Sozialverhalten als aggressive Tiere gelten, wurden sie mit der Zeit zum Symbol des Friedens. In der biblischen Sintflut-Erzählung kündigt die Taube, die von Noah ausgesandt wird und mit einem frischen Ölbaumzweig im Schnabel zurückkehrt, den göttlichen Frieden an. Pablo Picasso entwarf 1949 eine Friedenstaube für das Plakat zum Pariser Weltfriedenskongress, wofür er 1955 den Weltfriedenspreis erhielt. Seither ist diese Taube zu einem internationalen Symbol für die Friedensbewegung geworden. Ihr seht also, die „Ratten der Lüfte“ taugen doch was.


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PLATTEN/10 GEBOTE

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DIE 10 GEBOTE

Bad Religion The Dissent Of Man

(Epitaph/Indigo) 30-jähriges Bandjubiläum, Album Nummer 15, das erste Mal in der Bad ReligionGeschichte keine Line-Up-Veränderung auf vier aufeinanderfolgenden Platten - eigentlich gäbe es für Greg Graffin und Co. genügend Gründe zu feiern. Statt sich auf Lorbeeren und Legendenstatus auszuruhen, wird weiter angeprangert, kommentiert, analysiert - auch „The Dissent Of Man“ enthält wieder 15 Punkrock-Brecher mit Herz und Verstand. Spötter werden sagen: Es sind wieder dieselben Riffs, dieselben Refrains, dieselben Chöre, dieselben Breaks. Stimmt. „The Day That The Earth Stalled“ ist der typische High-Speed-Opener, „Won’t Somebody“ die Midtempo-MelancholieHymne, „Where The Fun Is“ zitiert das „American-Jesus“-Riff. Vorhersehbar ist das von der ersten bis zur letzten Minute - vielleicht mit Ausnahme des extrem poppig-schunkelnden „I Won’t Say Anything“. Aber Bad Religion schätzt man nicht auf Grund ihrer Wandlungsfähigkeit, sondern wegen ihrer Qualität. Text: Tito Wiesner

Maximum Balloon Maximum Balloon

(Interscope/Universal) Freunde des ungeschickten Hüftschwungs, der stolpernden Ausfallschritte und der absoluten Unfähigkeit, sich im Rhythmus zu bewegen - ihr könnt aufatmen! Mit dem selbstbetitelten Debüt von Maximum Balloon ist nun ein Album im Elektro-Pop-Zirkus, das selbst den untalentiertesten Tänzer dazu zwingt, selbstvergessen die Arme in die Luft zu reißen und lautstark „Hurra!! Tanzen!“ zu brüllen. TV On The RadioKopf Dave Sitek ist es gelungen, zehn verschiedene Sänger in zehn Songs zu packen und das Ganze noch unglaublich harmonisch klingen zu lassen. So ist unter anderem die großartige Karen O in „Communion“ zu hören, Rapper Theophilus London im Kracher „Groove Me“ und Katrina Ford im fantastischen Song „Young Love“. Definitiv eines der tanzbarsten und lässigsten Alben des Jahres! Man muss fast sagen: saucool. Text: Sarah Näher

Ben Folds & Nick Hornby Lonely Avenue

Deerhunter Halycon Digest

Selig Von Ewigkeit Zu Ewigkeit

Tricky Mixed Race

(Warner) Schön, wenn mal alles bis ins kleinste Detail passt: Ben Folds vertont Texte von Nick Hornby und lässt sie genau so klingen, wie sie sich lesen. Ironisch-traurig, tragisch-lustig und jederzeit wunderschön. Da wabert stets das Piano im Hintergrund, sorgt für die nötige Gefühlslage, bestimmt, ob nun traurig oder fröhlich und immer wieder diese wunderschöne, klare Stimme. Wie die beiden nun auf jene Kollaboration kamen, das ist ja eigentlich auch völlig egal. Was zählt, ist, dass sie ihre Idee grandios, übersympathisch und vorbildlich umsetzten. Ob das nun während der Single „From Above“ oder dem tollen „Claire’s Ninth“ geschieht - „Lonely Avenue“ ist großes, erzählerisches und musikalisches Kino. Vielleicht sogar besser als ein Buch. Text: Steffen Sydow

(Vertigo/Universal) Menschen sind Gewohnheitstiere, diese Tatsache könnte dem neuen Selig-Album zugutekommen! Jan Plewka und seine vier Mitstreiter besinnen sich auf ihre Wurzeln und lassen damit die Neunzigerjahre musikalisch wieder aufblühen. Kaum ist die erste Hälfte „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“ an einem vorbeigerauscht, fühlt man sich wie vor zehn Jahren und erinnert sich an all die Momente, die die ersten Selig-Platten damals mit sich brachten. Nostalgie pur! Die Band selbst nennt dieses Stück Musik das seligste ihrer bisher veröffentlichten Platten, besser kann man es kaum umschreiben. Schön, wenn es bei all dem Überangebot an „Hauptsache Indie“-Alben endlich auch mal wieder handfeste Musik auf die Ohren gibt. Text: Sarah Gulinski

(4AD/Beggars/Indigo) Bradford Cox’ Wege sind unergründlich. Mit seiner Band Deerhunter versucht sich der spindeldürre Frontmann seit Jahren an der Dekonstruktion des Independent und verwirrt regelmäßig mit einem Output, der inhaltlich so wuchtig wie musikalisch verschachtelt ist. Wobei ihr letztes, 2008 veröffentlichtes Album „Microcastle“ verdammt viel Pop präsentierte und der neue Longplayer „Halycon Digest“ dem in nichts nach steht - sich im Opener gar an Folk-Elementen versucht und trotzdem einen Überbau besitzt, der dem Ruf der Combo als Querköpfe alle Ehre macht: Laut Homepage der Band geht es um eine verkannte Modedesignern namens Dima und wie sie ihren Weg in der Gesellschaft auf allerhand Umwegen zu meistern versucht. Klingt erstmal anstrengend, ist jedoch dank herrlich arrangierter Pop-Songs abgrundtief schön. Text: Marcus Willfroth

(Domino/GoodToGo/Indigo) Ja, Mensch, wer soll sich denn noch wirklich für ein Tricky-Album begeistern - jetzt, da die jahrelang erhoffte Rückkehr zu Massive Attack so gut wie beschlossene Sache ist? Immerhin zeigt der gute Adrian Thaws alias Tricky mit „Mixed Race“ noch einmal, dass er sich als Solokünstler einen Ruf erarbeitet hat, den es zu wahren gilt, dass also der Flirt mit der großen Vergangenheit gegebenenfalls nicht ganz unriskant ist. Die zehn neuen Tracks, die es zusammen auf nicht einmal eine halbe Stunde Spielzeit bringen, strotzen nur so vor konzentrierter Kraft und lässig hingeworfenen Ideen und finden ganz nebenbei noch Platz für Features von unter anderem Bobby Gillespie (Primal Scream) und Hakim Hamadouche. Der durfte freilich auch seine Mandolaute mitbringen und macht „Hakim“ somit zum Highlight einer Platte, die jede Aufmerksamkeit verdient hat. Text: Friedrich Reip

Kings Of Leon Come Around Sundown

(Sony) Eine verlassene Insel, zwei Palmen, die scheidende, alles orange färbende Sonne blendet den Betrachter angenehm. „This could be the end/ this could be the end“, seufzt Caleb Followill, schließt beim lang gezogenen „eeeend“ sicherlich die Augen. Von der Ferne haucht ein Klavier die letzten Töne aus. „Sex On Fire“ gibt es auf „Come Around Sundown“ nicht mehr - Gott sei Dank! Die Kings besinnen sich ihrer alten Tugenden, tauschen Feten-Hits-Schunkler gegen schmachtenden Blues. So schön wie in „Mary“ haben sie ihn lang nicht mehr gespielt. Zurück in den Süden Amerikas - „Back Down South“ geht die lange Reise, und über ihnen prangt nur das Sternenzelt, das über sie wacht. „Go on take my hand/I’m going back down south now“, fordern sie den Rezipienten auf. „Only By The Night“ ist da schon vergessen. Auf in den Süden! Text: Frédéric Schwilden

Trip Fontaine Lambada

(Staatsakt/Rough Trade) Wie soll man eine Band eigentlich NICHT lieben, die ein Lied auf ihrem Album „Mario Basler“ nennt? Und überhaupt: Trip Fontaine haben auf „Lambada“ alles, was deine neue Lieblingsband braucht. Sie bringen tatsächlich das Kunststück zustande, popkulturelle Widersprüche wie Handclaps, Noise, Mosh-Mörtel, Zuckerwatte-Backgroundchöre und Pop-Melodien auf einem Album, in einem Song, in einer Minute unterzubringen, dabei aber komplett harmonisch zu klingen. Die Band verweigert sich den Gesetzen von cool und uncool und macht damit alles richtig. Ob „Uuhs“ und „Aahs“, Pfeifen oder kehlkopfverätzendes Geschrei: dieses Album hat alles, was die musikalische Farbpalette bereithält. „Lambada“ ist Fahrstuhl-Musik für den Fahrstuhl zum Schafott und Lounge-Musik für das Jahrestreffen der manisch-depressiven Boxervereinigung. Text: Timo Richard

Mark Ronson And The Business Intl Record Collection

(Sony) Ach komm, Mark, weißt du eigentlich, wie sich ein Griff ins Klo anfühlt? Während diese Erfahrung für Millionen von Menschen zum stinknormalen Alltag gehört, macht Mark was? Nun, wenn er nicht mit Amy Winehouse aus Coverversionen Bestseller-Singles zusammenschraubt und bei eBay alte Synthesizer schießt, nimmt er Spitzentracks wie „Bang Bang Bang“ mit Q-Tip und der tollen New Yorker Sängerin MNDR auf. Doch neben der langen Liste an Kollaborationspartnern, die ihn auf „Record Collection“ unterstützt haben, kommt der Erfolgsproduzent diesmal sogar selbst zu Wort und singt im „Song Lose It (In The End)“ an der Seite von Ghostface Killah. Mit Retro-Synthies, Pop und HipHop konstruiert sich Ronson sein eigenes Wunderland, das im Vergleich zum Vorgänger „Version“ eine ganze Ecke cooler, saxophonfrei und tanzbarer geworden ist. Und Marks Hände? Die bleiben natürlich mal wieder trocken. Text: Christine Stiller

The Walkmen Lisbon

(Bella Union/Cooperative) Wo sich der Pop von The Walkmen beim 2008 veröffentlichten Überalbum „You And Me“ smart bis redlich an dem Attribut „sophisticated“ abarbeitete, will ihr neues Studiowerk „Lisbon“ diese Herangehensweise auf die Spitze treiben: Im fünften Song „Stranded“ erklingen massenhaft Trompeten, die nicht kitschig, sondern absolut fulminant wirken. Generell verliert sich der Sound von The Walkmen in weit flächigeren Gefilden und lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei der stets unterschätzten Band um einen der derzeit versiertesten Indie-Acts überhaupt handelt. „Victory, right beside me“, singt Hamilton Leithauser im Mittelteil der Platte und wie Recht er hat, dürfte nach „Lisbon“ wohl jedem klar sein solch faszinierende Balladen gelingen momentan nur The Walkmen. Ein Album, perfekt bis ins Detail. Text: Marcus Willfroth


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PLATTEN/OFFENBARUNG

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DIE OFFENBARUNG Carl Barât CARL BARÂT (Arcady/PIAS)

Wird es ein neues, drittes Libertines-Album geben? Die Frage ist ungefähr so egal wie spekulativ, denn: Sänger Carl Barât legt nach dem Libertines-Ende, seinem zwei Alben umspannenden Intermezzo mit Dirty Pretty Things und vollzogener Live-Reunion mit seinem Jetzt-wieder-Sidekick Pete Doherty sein Solodebüt vor. Wie eine verstaubte Spieluhr leiert das Album mit dem Opener „The Magus“ los und versprüht sogleich jenen viktorianischen Romantizismus aus verstaubten Samtvorhängen, behüteten Kreaturen und britischen Idealen, der Barât seit jeher fasziniert und beeinflusst hat. Trotz gele-

gentlichen Ausflügen in an The Jam gemahnende Territorien und flirrenden Indie ist das hier das Gegenteil vom Libertine’schen Kontrollverlust und Wahnsinn. „Carl Barât“ besticht durch wohlformulierte und behutsam aufgebaute Storylines, stets sorgsam arrangiert und instrumentiert. In beschaulichen Momenten kommt Barâts erzählerische Stärke vollends zum Tragen: „Carve My Name“ und „The Fall“ sind so prächtig und Musical-haft wie nichts zuvor in Barâts Schaffen - und beindruckender Beweis dafür, dass Carl es auch allein kann. Text: Britta Arent

1 hoffnungslos ** 2 üben ** 3 bemüht ** 4 egal ** 5 kann man machen ** 6 vorn dabei ** 7 gut ** 8 wichtig ** 9 grandios ** 10 Klassiker Antony & The Johnsons Swanlights

(Beggars/Indigo) Vom polarisierenden Szenehero mit den wichtigen Freunden zum KonsensDarling der Feuilletons. Schon „The Crying Light“ nährte den Eindruck, dass die wundersame Annektierung des Mr. Hegarty durch den Mainsteam, inklusive aller Begleitumstände (Mercury Prize, unzählige mehr [Hercules & Love Affair] oder weniger [Grönemeyer] notwendige Kollabos) seiner Kreativität nicht zuträglich waren. Während sich die großartigen ersten beiden Alben noch die fragile Intimität von Cat Power zum Vorbild nahmen, offenbarte schon das letztjährige Werk erste Abnutzungserscheinungen und die Erkenntnis, dass diese Wahnsinnsstimme alleine eben doch nicht jeden Song über Wasser halten kann. Leider bestätigt der Nachfolger „Swanlights“ dieses ungute Gefühl. Die verkrampft ambitionierten Orchesterkompositionen und der Mut zum Experiment vertragen sich nicht mit dem repetitiven, leicht uninspiriert wirkenden Charakter der Lyrics. „Swanlights“ ist sicher noch immer ein einzigartiges Stück Musik, aber die überwältigende Magie und emotionale Dringlichkeit der Frühwerke des Kitsch-Alchemisten ist wohl vorerst verloren, da hilft auch das obligatorische Björk-Duett nichts. 6 Text: Thomas Müller

Ash A-Z Vol. 2

(Atomic Heart/Alive) Zum Format war ja eigentlich alles gesagt, mit N-Z steht nun also der zweite Schwung der AlphabetSingle-Reihe von Ash in den Regalen - und schreit förmlich danach, von einem schmucken Box-Set verdrängt zu werden. Dort dürften die nun auf dieser Platte enthaltenen drei Bonus-Tracks dann durch nochmals neue, sozusagen ultra-exklusive Songs ersetzt werden, sind doch Ash seit einigen Jahren ausgemachte Profis in der Kunst der Splittung ihres Oeuvres auf möglichst viele Formate, an denen für die verbliebene Hand voll ungebrochen treuer Fans freilich kein Weg vorbei führt. Doch wir schweifen ab. Auch „Volume 2“ bietet genau das, was das Herz all derer begehrt, die wie der ewig bübische Tim Wheeler einfach nicht alt werden wollen: Perfekt polierten Pop als Jungbrunnen. Prost! 6 Text: Friedrich Reip

Attack! Attack! The Latest Fashion

(Hassle/Soulfood) Die neueste Mode im PopRock treffen die Waliser von Attack! Attack! mit ihrem zweiten Album sicher. Aber wie das mit Mode so ist - eigentlich als Distinktionsmerkmal gedacht, reiht sie den Träger oft in die Armee der Namenlosen ein, wenn sie von der Stange kommt. Attack! Attack! unternehmen auf „The Latest Fashion“ kaum einen spürbaren Versuch, sich von anderen Bands gleicher Bauart zu unterscheiden. Stattdessen lässt man sich von Produzent Romesh Dodangoda den ewig gleichen Matsch-Sound der walisisch-britischen Mallternative zuschneiden, bastelt sinnlos Refrain an Refrain und bolzt sich durch ein Album, dessen stetig vor sich hin rumorende Dynamik nur für eine Handydisplay-Beleuchtungs-Ballade unterbrochen wird. Für die Zielgruppe wird es wohl reichen, für ein längeres Überleben der Band wahrscheinlich nicht. 5 Text: Timo Richard

Belle And Sebastian Writa About Love

(Beggars/Indigo) Welcome back in La-LaLand! Die Speerspitze des Indie-Easy Listenings aus Glasgow ist zurück und schafft es, auch im 14. Jahr ihres Bestehens, so melancholisch-retrospektiv-niedlich zu klingen wie eh und je. Konsequenz: Dem einen rasselt eine Platte wie „Write About Love“ relativ geräuschlos durch den Ecken- und Kanten-Filter, der andere möchte sich damit in seinem Zimmer vor der schlechten Welt da draußen verschanzen - getreu der beiden Songtitel „I Want The World To Stop“ und „I’m Not Living In The Real World“. Aber man muss es dem adretten Septett aus Glasgow lassen: So süßlich, fast schlageresk sie auch zuweilen durch die Lautsprecher plätschern, schaffen sie es doch stets, mit dem einen oder anderen Ohrwurm, Arrangement und - selbstverständlich! - Text die Kurve vor der Belanglosigkeit zu kriegen. 6 Text: Nina Töllner

Black Mountain Wilderness Heart

(Jajaguwar/Cargo) Hallo Frühherbst, darf ich vorstellen: Dein Soundtrack. Melancholisch und kraftvoll, verträumt und bodenständig. „Wilderness Heart“ kann das alles. Ein klassisches Retro-Album:

die ironisch nach oben geschwungene Augenbraue ist in diesem Fall unangebracht, denn hier werden die Rock- und Folk lastigen Siebziger geliebt, nicht die quietschfarbenen Achtziger. Das macht den Tonträger sicherlich nicht zu einer Liebe auf den ersten Hörgang, aber hier lohnt sich das Dranbleiben, das Hineinversetzen in die verschiedenen Stimmungen, die so unterschiedliche Songs wie das fast schon angepunkte „Lets Spirit Ride“ oder die zauberhafte Duett-Ballade „Buried By The Blues“ transportieren. Macht glücklich. 7 Text: Tanja Marquardt

Blonde Redhead Penny Sparkle

(4AD/Beggars/Indigo) Nein, es ist nicht der Oberflächlichkeit des Hörers geschuldet, wenn er diese Platte für sich als „Hintergrundmusik“ klassifiziert. Auch beim x-ten Durchlauf bleibt sie kühl und kilometerweit distanziert. Außer den OpenerTracks „Here Sometimes“, „Not Getting There“ und dem fast erfrischenden „Will There Be Stars“ gibt es keine Songs, die sich klanglich von der einlullenden, so gleichförmig gehaltenen Schwermütigkeit absetzen würden. Das ist nichts grundlegend Negatives. Es muss ja nicht jede Minute Party sein und ein niedriger Puls hat auch was für sich. Lediglich beim letzten Song „Spain“ sollte niemand versuchen, einen Faden in ein schmales Nadelöhr zu fädeln. Bei Geduldsproben dieser Art könnten sich die sterilen Arrangements und Kazu Makinos glockenhelle Stimme plötzlich ungewollt vom Hinter- in den Vordergrund schieben und Schweißhände verursachen. 5 Text: Christine Stiller

Carpark North Lost

(Sony) So sehr man sich bemüht diese Band wirklich zu mögen, es will nicht so recht funktionieren. Das Unheil nimmt bereits beim Artwork von „Lost“ seinen Lauf, die Ratten der Lüfte fliegen um einen Astronauten, Jungs - Tauben findet doch niemand wirklich gut! Schnöde Vergleiche mit anderen Bands sollten eigentlich unterlassen werden, aber an dieser Stelle muss dringend erwähnt werden, dass sie wie Snow Patrol auf Achtzigerjahre getrimmt inklusive Synthie-Beats

klingen. Das Ganze soll nicht falsch verstanden werden, die Carparker haben vereinzelt gute Songs und wissen sowohl qualitativ als auch musikalisch absolut was sie tun, immerhin räumen sie in ihrer Heimat Dänemark Lob und Platin ab. Dieses Trio tut ja auch niemandem weh, es ist nur offensichtlich ein Paradebeispiel dafür, dass Geschmäcker eben verschieden sein können. 4 Text: Sarah Gulinski

Chief Modern Rituals

(Domino/Indigo) Die Versuchung ist groß. Man könnte schreiben: Coldplay/Travis + Fleet Foxes = Chief. Das würde es mit dem schönen falschen Schein naturwissenschaftlicher Exaktheit beschreiben und die meisten wären auf einem Schlag im Bilde. Aber gerecht wäre das nicht. Denn diese junge neue Band kann wirklich Songs schreiben. Gute Songs. „Night & Day“, „Breaking Walls“ oder „The Minute I Saw It“ etwa. Hits, richtige Hits öffnen sofort den Weg durchs Ohr ins Herz. Und so eine junge Band soll nicht auf branchenübliche Referenzobjekte beschränkt werden, auch wenn sie (noch?) in diesem Rahmen operiert. Eine junge Band, die schon solch strahlende Perlen in ihrer Debüt-Vitrine ausstellen kann, der sollen sich weiterhin die Türen, Ohren und Herzen öffnen. 7 Text: Gordon Gernand

Clinic Bubblegum

( D o m i n o / G o o d To G o / Indigo) Man hatte es sich recht bequem eingerichtet mit Clinic über die Jahre: die Musik war verortet, zu verhandeln waren allenfalls Nuancen stilistischer Verschiebung. Der wild schillernde Grusel, unverkennbares Markenzeichen der Band aus Liverpool, war zur Routine geworden. Das neue Album jedoch ist eine echte Überraschung. Das auf schräge Weise lieb gewonnene Orgelspiel und die panische Haltlosigkeit seines Vortrags haben die Bühne geräumt für ein kleines bisschen Zärtlichkeit zwischen Geigen und fluffigen Wah Wah-Klängen, für die man kaum einen schöneren Albumtitel als „Bubblegum“ hätte finden können. Statt aufgekratzter Paranoia jetzt also Kuscheln unter der Lava-Lampe, gestört allenfalls für kurze Momente - aber doch ein ums andere Mal, etwa vom morbiden Xylophon-Outro von „Evelyn“. Man hüte sich: Unter all der zuckerwattigen Gemütlichkeit pocht das verräterische Herz von Clinic wie eh und je. 7 Text: Friedrich Reip


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PLATTEN

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Creepshow They All Fall Down

(People Like You/EMI) Glatte Punktlandung. Der Herbst zieht ein, bis Halloween ist es auch nicht mehr weit. Es empfiehlt sich also, rechtzeitig schon mal für Nachschub in der Horrror-Punk-Jukebox zu sorgen. Da kommt die Creepshow gerade recht. „They All Fall Down“ fällt insgesamt souveräner aus als die beiden Vorgängeralben, und das könnte wohl auch an dem ausgiebigen Drang zum Livespielen und den mittlerweile gesammelten Tourerfahrungen der Band liegen. So richtig gruselig ist es bei Sarah Blackwood und ihren Mannen auf der dritten Platte zwar nicht, sie liefern aber ein sehr unterhaltsames Punk-a-BillyAlbum ab, mit allem, was dazugehört: Slapbass, Chöre, eine dezent eingesetzte Orgel und natürlich die Stimme von Sarah, die auch mal von Bassist Sean abgelöst wird. Mit „Sleep Tight“ gibt es obendrauf eine kitschig-schöne Rock’n’Roll-Ballade, wie sie die originalen Tollenträger in den Fifties auch nicht besser hinbekommen hätten. 6 Text: Tim Kegler

Crocodiles Sleep Forever

(Fat Possum/Soulfood) Im Jahre 2008 machten Brandon Welchez und Charles Roswell Nägel mit Köpfen. Nach diversen gemeinsamen Bandprojekten und der vereinenden Vorliebe für Girl-Groups und Punk, entschlossen sie sich zur Gründung der Crocodiles. Bereits ihr Debüt „Summer Of Hate“ konnte in Garage-Punk-Kreisen überzeugen, und auch James Ford - Produzent der Arctic Monkeys zeigte sich dermaßen beeindruckt, dass er die zwei für das Nachfolgewerk unter seine Fittiche nahm. Mit „Sleep Forever“ ist ein morbides, sphärisches und verzerrtes Synthie-Punk-Album entstanden, fernab von Melodie- oder Rhythmuszwängen. Die beiden Protagonisten schaffen es spielerisch, mit ihrem Sound eine fast schon hypnotisierende

Stimmung zu erzeugen, die man gerne neben Black Rebel Motorcycle Club, The Jesus & Mary Chain oder auch Primal Scream parkt. 35 Minuten hymnenhafter und vertrackter Art-Punk, der auch nach mehreren Durchläufen nichts von seiner Intensität verliert. 7 Text: Kai Butterweck

Devil’s Brigade Devil’s Brigade

(Hellcat/Epitaph/Indigo) Devil’s Brigade ist das Seitenprojekt von RancidBassist Matt Freeman, der – frisch krebsgenesen und voller Tatendrang – in die zwölf Songs dieses Debüts eintauchte. Ursprünglich geplant als Konzept-Musical(!) über die von der Brücke gefallenen Arbeiter der Golden Gate Bridge, entwickelte sich das Devil’s Brigade-Projekt zu einem eigenständigen Biest mit Freemans Trademark-Bassläufen und plärrenden Street-Punk-Vocals. Produziert und musikalisch unterstützt von Sidekick und Rancid-Kollege Tim Armstrong ist „Devil’s Brigade“ ein weiterer, hörenswerter Mosaikstein im Klangimperium der Rancid-Jungs. 7 Text: Flo Hayler

plötzlich steckt man mit Diego im Fahrstuhl der Musik-Geschichte fest, irgendwo verhakt zwischen Joy Division und den Editors. 7 Text: Marc Philipps

Dirk Darmstaedter & Bernd Begemann So Geht Das Jede Nacht

(Tapete/Indigo) Dirk Darmstaedter und Bernd Begemann haben von Berufswegen einen weitreichenden bis skurrilen Musikgeschmack. Auf ihrer gemeinsamen Platte haben sie sich vergessene, deutsche Singles und B-Seiten aus den Fünfzigerjahren vorgeknöpft die Zeit des Rock’n’Roll. Der Titeltrack „So Geht Das Jede Nacht“ stammt von Freddy Quinn, „Susi Sagt Es Gabi“ ist ein tanzbarer, twistiger Hit, der im Original von Peter Kraus gesungen wurde. Den Songs wird durch die hörbare Spielfreude von Darmstaedter und Begemann neues Leben eingehaucht. Wer aber kein Fan der beiden Musiker oder des deutschen Schlager’n’Roll ist, wird es auch mit dieser Platte nicht werden. 5 Text: Maleen Mohr

Disturbed Asylum

Diego Gold

(Unter Schafen/Alive) Ziemlich zeitnah mit der Rückkehr des brasilianischen Fußballers Diego in die Bundesliga erwartet uns das neue Album von Diego. Aber warum wird hier dieser Vergleich angeführt? Weil es Fußballer wie auch Band absolut draufhaben. Nach EP und Debütalbum folgt mit „Gold“ nun die zweite Platte des Quintetts aus Karlsruhe. Die Songs bewegen sich im Dickicht und Nebel düsterer Atmosphäre. Mal steht das Schlagzeug, mal die Gitarre im Vordergrund - immer schön in Moll. Diego bestechen durch intelligentes Songwriting und viel Sinn für Pathos, Schmerz und Entfremdung. Und

(Warner) Blöde Idee, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ nachzuspielen - U2Cover gehen meist in die Hose, und die Neuinterpretation von Disturbed stellt da keine Ausnahme dar. Zum Glück gibt es das Machwerk erst ganz am Ende von „Asylum“ zu hören - bleibt also vorher genug Zeit, sich von der Qualität des fünften Disturbed-Albums zu überzeugen - und die ist gewohnt hoch: Der Titeltrack „Another Way To Die“ oder „Warrior“ etwa sind neues Futter für die Alternative-Metal-Großraumdisco. Die Trademarks - der Stottergesang, die heftigen Riffs, die wulstig-fette Produktion - sind altbekannt, das Händchen für Stadion-taugliche Hits allerdings auch. Nichts Neues also in Nu-Metal-Land - die US-Charts und die zahlreichen Fans werden es dankend zur Kenntnis nehmen. Trotz U2. 7 Text: Tito Wiesner

Edwyn Collins Losing Sleep

Die Antwoord $O$ (Universal)

PRO

Gute Satire ist, wenn sie in erster Instanz ernst genommen wird. Sie soll aufregen, wütend machen, nach einem Prozess der Reflektion den Geist kathartisch öffnen. Die Antwoord - so der Name des Trios aus Kapstadt - spielen meisterhaft auf jener Possen-Partitur, derer sich einst schon Sasha Baron Cohen bemächtigte. Auf Afrikaans (eine auf dem Niederländischen basierende Sprache Südafrikas), mitunter aber auch auf Englisch, machen sich Die Antwoord einen Jux daraus, Hinterwäldler, Möchtegern-OGs und White-Trash-Proleten in Reimform zu verballhornen. Stumpfe, austauschbare Beats, Nintendo-Geräusche, Standard-Gangsta, ein bisschen Eurodance, und Gossen-Lyrik zwischen Bitches, Bucks und Big Fat Spliffs erfreuen nicht nur Trash-Verehrer. „Dagga dagga puff, dagga dagga puff puff“, erklingt ein Loblied auf das Kiffen! Noch Fragen?! Text: Frédéric Schwilden

CONTRA

Welche Frage muss man eigentlich stellen, um Die Antwoord zu bekommen? In Indie-Kreisen baut man die eigene Verspanntheit gerne ab, indem man sich durchironisiertem Freizeitvergnügen hingibt. War voll geil bei Scooter gestern! So landen plötzlich auch Haddaway und die Glücksbärchis in der „kultig“-Hirnschublade, auch wenn der Besitzer der Denkmurmel vordergründig geistig gesund scheint. Jetzt steht also Südafrikas Antwoord auf all den HyperTrash-Freak-Show-Hype bereit – und alle so yeah! Man soll Bands nicht an ihren Fans messen, das ist im Falle von Die Antwoord auch gar nicht nötig, um sich leicht zu gruseln. Voll witzige Billigbeats treffen auf Ich-über-mich-Texte, die ihren Humorfaktor aus der Tatsache beziehen, dass das Publikum den Interpreten nicht ernst nimmt. Wer ein Eurodance-trifft-Proll-Rap-Revival herbeisehnt, hat den Schrecken dieser Musik nie am eigenen Leib erfahren. Text: Richard Solms

(Heavenly/Cooperative/ Universal) Wer in der Musikszene drei Dekaden durchhält, hat Respekt verdient. Wer dann auch noch zwei Schlaganfälle auskuriert und nach langer Regeneration erneut zu Mikro und Gitarre greift, dem gebührt tosender Applaus. „Losing Sleep“ ist die erste Platte von Edwyn Collins nach eben erwähntem Schicksalsschlag, und stimmlich ist der tapfere Schotte auf der Höhe des Geschehens. Allerdings helfen ihm die Kooperationen mit unter anderem The Drums, The Cribs oder Franz Ferdinand nur bedingt weiter. „Losing Sleep“ beherbergt zu viel überbordenden GitarrenRock und schwülen Akustik-Pop. Erst wenn Collins ohne fremde Hilfe seinen unwiderstehlichen Soul entfacht, gelingen die Songs. Er ist längst fit genug, alleine weiterzumachen, nur Mut. 5 Text: Marcus Willfroth

Elf Power Elf Power

(Orange Twin/Cargo) Es geschah in der Nacht zum Weihnachtsmorgen 2009. Im amerikanischen Athens, Georgia, nahm sich Songwriter Vic Chesnutt mit einer Überdosis an diversen Schmerzmitteln das Leben und hinterließ eine Reihe vollkommen verwirrter Bands: R.E.M. bedauerten den Verlust zutiefst, Wilco fanden schwer die passenden Worte und Elf Power widmen ihm ihr neues, gleichnamiges Album, das leider nicht zu ihren besten gehört. Oft in der eigenen Gleichförmigkeit verloren, präsentiert das Fünfergespann

um Sänger Andrew Rieger zwar tolle Geschichten über Ideologien und Missverständnisse, doch so sehr die süßen Arrangements versuchen, die dunklen Textpassagen auszugleichen, scheitern sie meist am viel zu verspielten Indie-Pop der Band. Chesnutt hätte wohl trotzdem seinen Spaß gehabt, egal was andere denken. 5 Text: Marcus Willfroth

Erdmöbel Krokus

(Content/Edel) Vor drei Jahren veröffentlichten Erdmöbel ihr letztes Album „No. 1 Hits“ und feierten mit deutschsprachigen Covern internationaler Hits erste Charterfolge. Der neue Titel „Krokus“ könnte sinnbildlich für die Herren verstanden werden. Ausdauernd, krautig und kälteresistent sind sie allemal. Der Spagat zwischen Easy Listening und ernstem Pop gelingt durch vertrackte harmonische Melodien und pfiffige Texte. Mit „Arbeiten“ zeichnen sie ein emotionales, kühles Portrait der heutigen Leistungsgesellschaft. In „Fremdes“ fordern sie die Generation frech heraus und liefern zugleich das raueste Stück ab. Extrem groovt „Ausstellung Über Das Glück“, vor allem im Zusammenspiel mit Kuhglocke, Flöte und Trompete. Leicht und malerisch geben sich Erdmöbel auf ihrem achten Studiowerk und überzeugen damit auf ganzer Linie. 6 Text: Samuel Stein

Fake Problems Real Ghosts Caught On Tape

(Floating World/Soulfood) Einst gehandelt als trittbrettfahrende Folk-Punks, haben sich Fake Problems aus Naples, Florida, mit ihrem dritten Album endgültig emanzipiert. Nach dem polternden Debüt und dem experimentellen Nachfolger „It‘s Great To Be Alive“ kristallisieren sich nun die in der Zwischenzeit entwickelten Trademarks der Band heraus: Mit ihrem gut kickenden Sound aus Vampire Weekend, Gogol Bordello und Bright Eyes haben sich der kleine Frontmann Chris Farren und seine Rotwein liebenden Jungs eine eigene Indie-Nische gebaut, die sie selbst als zukünftige Referenzband etablieren dürfte. Watch out! 6 Text: Flo Hayler

Filter The Trouble With Angels

(Nuclear Blast/Warner) Richard Patrick, was ist los? Man sieht das Cover, das ein bisschen an „Short Bus“ gemahnt, hat für eine viertel Sekunde Hoffnung und dann? Nichts. Deine Band klingt noch etwas böser und härter als auf „Anthems For The Damned“, du schreist und brüllst bis die Stimmbänder kochen, aber wozu? Alles klingt noch immer so austauschbar wie seit so vielen Jahren. „Short Bus“ bleibt ein Denkmal, und Denkmäler stehen nun mal allein in der Landschaft herum. Richard Patrick, wie lange soll das so gehen? Alle Jubeljahre ein Album rausbringen, wo die besten drei bis vier Songs wie durchschnittlich gute (Nu-)Rock-Soße klingen, und der große Rest wie unterdurchschnittliche (Nu-)Rock-Soße? Richard Patrick, reichen ein paar schöne Refrains zum Glücklichwerden? 5 Text: Gordon Gernand

Fran Healy Wreckorder

(Wrekord/ADA/Warner) Wieder und wieder wollte man die letzte Travis-Platte „Ode To J Smith“ hören, so unverhofft tief griffen die Schotten plötzlich in die Trickkiste und verzauberten mit harschen RockSongs und hallenden Männerchören selbst ärgste Kritiker. Nun gönnt sich Sänger Fran Healy eine Auszeit, mehr Gelassenheit, und so wirkt er auf seinem ersten Soloalbum „Wreckorder“ erstaun-


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lich aufgeräumt. Es sind die kleinen SongwriterMomente, die den Reiz der Stücke ausmachen, sowie die vielen Akustiknummern, die weit mehr als nur Stimme und Klampfe bieten. Vor allem aber begeistert Healys glasklarer Gesang, der zuletzt im Kreise seiner Band ein wenig unterging. Mit dem finalem „Moonshine“ gelingt ihm gar eines seiner besten Stücke. Und wenn Paul McCartney bei „As It Comes“ noch den Bass schwingt, gibt es wirklich nichts mehr zu meckern. 7 Text: Marcus Willfroth

Freebass It’s A Beautiful Lie

(Hacienda/Alive) Es ist nicht unbedingt von Vorteil, wenn sich eine Supergroup aus drei weltweit bekannten Bassisten und einem weniger bekannten Sänger zusammensetzt. Die All-Star-Formation Freebass - bestehend aus New Order-Bassist Peter Hook, Stone Roses-Bassist Gary Mounfield, The Smiths-Bassist Andy Rourke und Strays-Sänger Gary Briggs - ist Beweis genug. Wer bei der eben erfolgten Aufzählung das Gefühl hatte, ein Wort wieder und wieder zu lesen, sollte erst mal ihrem gemeinsamen Debüt „It’s A Beautiful Lie“ lauschen: Hier kämpfen die Bässe aller Mitglieder um Bedeutung. Meist drängelt sich allein Peter Hook ganz nach vorne, weil er aus seiner New OrderZeit mehr Selbstvertrauen besitzt als der Rest der namhaften Kollegen. Pop trifft auf Wave und doch sind es die Bässe, die einzig dröhnen. Zu wenig. 4 Text: Marcus Willfroth

Glasser Ring

(Matador/Beggars/Indigo) „Ring“ ist Cameron Mesirows Debütalbum und es ist ganz zauberhaft geworden. Kein Song sticht wirklich hervor, vielmehr fügt sich alles zu einer hypnotischen Synth-PopEinheit zusammen. Die Sängerin selbst hält sich dabei vornehm zurück, trotzdem bleibt sie die dynamische Kraft in ihrer synthetischen, mit Percussion-Elementen ausgepolsterten Elektrowelt. Damit kreiert sie einen surrealen TranceTrip irgendwo zwischen Traum und beschwippstem Wachzustand, der nur im ersten Moment abgeklärt und kühl, bei näherem Auseinandersetzung aber warm wie ein Urlaub auf Sci-FiTahiti wirkt. Bei der einen oder anderen Passage der Platte spielt Cameron Mesirow allerdings ein bisschen zu viel Cyber-Stammes-Prinzessin. 8 Text: Christine Stiller

Glen Matlock & The Philistines Born Running

(Floating World/Soulfood) Sieh mal einer an: SO versenkt der gute Glen Matlock seinen Anteil an den regelmäßig stattfindenen Sex Pistols-Revival-Gigs: im tiefen Pub-RockBrunnen, aus dem er regelmäßig ein paar Eimer Alte-Schule-Rock-Riffs fischt. Mit „Born Running“ startet Matlock den nächsten erfolglosen Versuch, sein eigenes Geschichtsbuch umzuschreiben: Weg vom Image des profillosen und einst böse gechassten Punk-Bassisten, hin zum eigenen Eintrag in die Rock-Enzyklopädie unter den Schlagworten „Songwriter“ und „Papa Schlumpf des Pub-Rock“. Letzteres dürfte ihm mit diesem Album tatsächlich gelingen. 5 Text: Flo Hayler

Helmet Seeing Eye Dog

(Work Song/Alive) Helmet waren einst eine Klasse für sich, eine Hardcore-Band mit völlig eigenem Stil, die mit „Meantime“ einen Jahrhundertklassiker ablieferte. Das machte sie während der Neunziger zum Vorbild von vielen, aber bald verloren sich Chef Page Hamilton und Konsorten in den diffusen Sümpfen des Post-Rock. Die letzten Alben konnte man getrost als langweilig beschreiben. Auf Album Nummer Sieben haben Hamilton und seine inzwischen komplett ausgewechselte Mannschaft wieder etwas die Qualitätsschraube angezogen, aber der große Wurf ist „Seeing Eye Dog“ nicht. Es fehlt der berühmte knallharte Klang, eben der typische Helmet-Sound. Stattdessen klingen einige der Riffs verdächtig bekannt. Völlig deplatziert wirkt gar das Beatles-Cover „And Your Bird Can Sing“. Als Alternative-Rock mag das Teil durchgehen, aber ansonsten fehlen hier der Biss und die Härte, die man von Helmet erwartet. 5 Text: Hans Vortisch

The The The The

Hundred In Hands Hundred In Hands

(Warp/Rough Trade) Pop-Musik muss nicht aufdringlich sein. Sie darf sogar ein paar kleine Dornen haben. Wer bei diesem Debüt aufmerksam die Ohren spitzt, hört vielleicht schon, wie die Hypemaschine unterschwellig klingelt: „In zwei Monaten ganz groß!“ Könnte stimmen. Mit ihren psychedelischen Pop-Konstruktionen bastelt

sich das Brooklyn-Duo seine eigene Disco-Welt zusammen, in der niemand peinlich mit dem Hintern wackelt, sondern stilvoll am Longdrink nippt – ganz New-Wave nur mit schwarzem Schirmchen, versteht sich. Zurückhaltende PopMelodien treffen auf kühle Schwermütigkeit. Würden wir übers Wetter reden, würden wir sagen: Passend zur Herbstdepression. Das machen wir aber nicht. 7 Text: Christine Stiller

Jenny And Johnny I’M Having Fun Now

(Warner) Alle Feministinnen müssen das hier einfach mögen. Alle hoffnungslosen Romantiker, die nur im Mann-Frau-Gefüge existieren wollen, ebenfalls. Jenny And Johnny sind auf „I’M Having Fun Now“ die attraktiven Helden eines Roadtrip-Films entlang der Pazifikküste. Nebenbei musizieren sie entspannt herum, die Sonne im Herzen, die große Liebe auf dem Autositz nebenan. So klingt es jedenfalls: Ein bisschen Indie-Pop, ein bisschen Country - die beiden harmonieren nicht nur als Paar, sondern auch als Arbeitskollegen. Dabei behält die Rilo Kiley-Frontfrau Jenny Lewis mit ihrer natürlichen Präsenz jedoch immer die Oberhand. Ihr Freund Jonathan Rice wird zum Nebendarsteller der Platte und selbst im Song „Animal“ (ganz nebenbei gesagt, der wahrscheinlich nervigste Track der Platte - vorspulen!), bei dem er den Hauptgesangsteil übernimmt, bleibt Jenny ungewollt der Star des Ganzen - ganz nett. 6 Text: Christine Stiller

Jimmy Eat World Invented

(Universal) Wenn in Rezensionen der Satz „die Band ist erwachsen geworden“ verwendet wird, will man damit meist umschreiben, dass die Musiker Biss verloren haben und ruhiger vorgehen. Für Jimmy Eat World trifft die Floskel aber nur bedingt zu - die Band ist nicht erwachsen geworden. Sie ist alt geworden. Die erste Single „My Best Theory“ oder das Euphoriegetränkte „Coffee And Cigarettes“ mögen nach ein paar Hördurchgängen noch an frühere Indie-EmoGlanzzeiten denken lassen, der große Rest von „Invented“ versumpft aber in unspektakulär-seichten Mainstream-Gewässern. Songs wie das aufgesetzt traurige „Cut“ oder das Synthie-Geplätscher „Higher Devotion“ sind weder Herzblut noch große Hymne - sondern nur noch Ü40-Disco. Schade. 5 Text: Tito Wiesner

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Jingo De Lunch Land Of The Free-ks

(Noisolution/Indigo) Nach ihrer zwischenzeitlichen Reunion in Originalbesetzung hat sich das einstige Punk/HardcoreQuintett um Frontfrau Yvonne Ducksworth zum Quartett gesund geschrumpft. Verstärkt durch Gitarrist Gary Schmalzl haben sich Jingo de Lunch auf „Land Of The Free-ks“ an ihre bewährten Trademarks gehalten und nach 16-jähriger Studioabstinenz ein Album auf Rille gezimmert, das auch rund 20 Jahre nach dem Peak der Band Maßstäbe setzen kann. Mit einem ausgewogenen Laut/Leise-Anteil, drückendem Bass, filigran gesetzten Soli und der kraftvollen Stimme von Mrs. Ducksworth gießen sich Jingo De Lunch das Fundament für eine hoffentlich gesunde und lang anhaltende gemeinsame Zukunft. 6 Text: Malte Denk

John K. Samson Provincial Road 222

(Grand Hotel Van Cleef/ Indigo) Ein betrunkenes Gespräch mit Thees Uhlmann endete einmal mit der völligen Übereinkunft, dass man Menschen nur noch danach beurteilen solle, wie sie zum Werk des Weakerthans-Kopfes John K. Samson stehen. Aber eigentlich ist es auch völlig egal, was andere sagen, denn das, was Samson mit jedem neuen Output schafft, ist Kunst, die für sich steht. Sei es mit Band oder, wie in diesem Fall, als akustisches Soloprojekt. Es sind kleine Geschichten, beinahe zerbrechlich, einfühlsam, in fragilem, reduziertem musikalischen Gewand. Sie fassen die Absurdität zwischen dem Ruf des Menschen und dem Schweigen der Welt zusammen, füllen die Lücke der großen Gefühle mit kleinen Details, die letztlich alles erklären und einen mit der Welt versöhnen. Sei es der Ruf danach, den Kindheitsstar endlich in die Hockey Hall of Fame aufzunehmen oder das Vermögen, eine Beziehung mit der simplen Konjunktion „&“ zusammenzufassen. 7 Text: Aiko Kempen

Kurt Wagner & Cortney Tidwell present KORT Invariable Heartache

(City Slang/Universal) „Kurt & Cortney“ - dem hier implizierten Verblüffungseffekt sind Wagner und Tidwell sicher nicht ganz unbewusst aus dem Weg gegangen, als sie ihr gemeinsames Projekt stattdessen lieber KORT tauften. Denn natürlich klingt hier nichts


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nach dem verblichenen King of Grunge und dessen strudelnder Witwe. Auch mit den anderen beiden vermeintlich nahe liegenden Assoziationen Mark & Isobel bzw. Lee & Nancy sowie deren Inszenierung des „knurrigen Wolfes“ im Kontrast zum „süßen Mädchen, das aber letztendlich die Hosen anhat“, hat das hier wenig gemein. Vielmehr nehmen sich der Lambchop-Mann und die Solo-Frau als schlicht und ergreifend fantastisch harmonierendes Gesangsdoppel (mit der nahezu kompletten Lambchop-Instrumental-Mannschaft an Bord) zwölf obskurer Country-Singles aus ihrer gemeinsamen Heimat Nashville an, darunter auch eine, die im Original von Cortneys früh verstorbener Mutter stammt. Schöne Platte! 7 Text: Torsten Hempelt

La Dispute Somewhere At The Bottom Of The River Between Vega And Altair

(No Sleep/Trustkill/Cargo) Touche Amorè, Pianos Become The Teeth und La Dispute - die Welle an guten und frischen Post-Hardcore-Bands reißt nicht ab. Letztere sind mit ihrem ersten FullLenght-Album derzeit das Thema der Stunde und begeistern mit einer emotionalen Wucht und Härte, wie es zurzeit nur wenigen gelingt. „I think I saw you in my sleep, darling...“ Der Auftakt zu einer 51-minütigen Achterbahnfahrt der Gefühle. Jordan Dreyer spricht, singt und schreit sich herzzerreißend durch die fantastisch metaphorischen Texte, die einen sprachlos zurücklassen. Nehmt eine Prise MewithoutYou, die Verzweiflung vom Modern Life Is War-Album „Witness“, die Spielfreude von At The Drive-In und ihr habt ansatz-

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weise eine Vorstellung davon, was die Jungs hier abliefern. „My hands still catch the light the right way, and our hearts still beat the same.“ 7 Text: Alexander Grigutsch

Les Savy Fav Root For Ruin

(Wichita/Cooperative/ Universal) Les Savy Fav-Sänger Tim Harrington muss in Wirklichkeit Bonnie „Prince“ Billy sein und sollte sich endlich outen. Anders ist die optische Ähnlichkeit der beiden nicht zu erklären. Wobei es musikalisch Unterschiede wie Tag und Nacht gibt: Mit dem neuen, fünften Album „Root For Ruin“ präsentieren sich Les Savy Fav kompakter denn je, rutschen oft in die Art Rock-Ecke ab und bedienen sich immer wieder beim Post-Hardcore-Genre. Obschon Tim Harringtons Combo überlegter zur Sache geht als noch vor gut 15 Jahren, spielen beim Jubiläum ausgerechnet Sex und Leidenschaft eine große Rolle. Warum das so ist und ob wir je erfahren, warum Harrington und Billy wie aus einem Ei gepellt wirken, bleibt wohl das Geheimnis der Les Savy Fav. Eine tolle Platte ist ihnen auch so gelungen. 7 Text: Marcus Willfroth

Linkin Park A Thousand Suns

adtipps n lo ow

(Warner) Oh, schwächelt die Marke Linkin Park etwa? Kein viertes Album nach Schema F? Vielleicht im nächsten Schritt also auch keine Demo/Mash-Up/Remix/ Live-Platte, mit der man den jungen Fans das Taschengeld einmal mehr aus der Tasche ziehen kann? Man könnte fast den offiziellen Worten glauben: Krise in der Band, Probleme bei der Fertigstellung der Platte, dramaturgische Schwierigkeiten und alles Pi-Pa-Po. Das Ergebnis: Ein düsteres, ziemlich verwobenes Album, ohne eindeutig erkennbaren Hit und einer anfänglichen Unzugänglichkeit. Zu komplex wirkt „A Thousand Suns“, zu schwermütig. Der übliche Linkin Park-Fan wird Probleme damit haben, alle Hater sind dabei freudig überrascht. „A Thousand Suns“ ist definitiv das, was man als „erwachsen“ betitelt, ohne es

Mixtape Oktober 2010 zum Download unter zaoza.de/sallys Interpol - Barricade Selig – Von Ewigkeit zu Ewigkeit Eels - Spectacular Girl Tired Pony – Dead American Writers Brandon Flowers - Crossfire Minus The Bear – Secret Country The Magic Numbers – A Start With No Ending Robyn – Hang With Me Jimmy Eat World - Work Junip – Always Volbeat – Thanks Philip Selway – By Some Miracle Soundgarden - Telephantasm Aloe Blacc – I Need Dollar Musik, Videos und Games so viel Du willst. Sicher Dir jetzt Deinen Zugang und teste ZAOZA einen Monat kostenlos.

böse zu meinen. Im Gegenteil. Man kann Linkin Park endlich mal attestieren, dass sie seit ihrem Debüt mal etwas im ersten Schritt richtig gemacht haben. Dass das noch immer unter bloßen Kalkül und mit einer gewissen Unhörbarkeit geschieht, lassen wir dabei mal außer Acht. 4 Text: Steffen Sydow

Mt Desolation Mt Desolation

(V2/Cooperative/Universal) Man nehme viel Whiskey, ein prasselndes Kaminfeuer, eine Prise Lonesome Rider und schon hat man eine Ahnung, was Tim Rice-Oxley und Jesse Quin dazu bewog, diese Platte zu machen. Ist der schlimmste Kater verdaut, muss man zugeben: Die Herren aus Dublin haben echt was drauf. Kein Wunder, bei DER hochkarätigen Unterstützung - gaben doch u.a. Mitglieder von Mumford & Sons, Noah And The Whale und The Killers ihren musikalischen Senf dazu. Entstanden ist ein zartes Country-Album, das teilweise tatsächlich begeistert. So geschehen bei Titeln wie „State Of Our Affairs“ oder „Bitter Pill“. Der Rest verschwimmt - so schade es ist - zu einer relativ gleich klingenden Masse, die man fix vergisst. Was bleibt, sind zwei drei wirklich gute Songs, die Potenzial haben, den nächsten Whiskeygenuss zu überdauern. 5 Text: Sarah Näher

No Age Everything In Between

(Sub Pop/Cargo) Der Titel des neuen Albums von No Age ist Programm. Denn irgendwo in dieser ohrwärts losgetretenen Geräuschlawine steckt immer eine unbeirrte (Dis-) Harmonie, die selbst rockaversen Mitmenschen den großen Zeh führt. An Takt- und Melodiefront Dekonstruktives. Kaum hat man sich auf den Rhythmus eines Stückes eingestellt, folgen auch schon Bruch und Doppelbruch, und die gesangsunterrichtsbefreiten Stimmen von Dean Spunt und Randy Randall kommen mal wie nervige Mückenstiche, mal wie das dazugehörige Insektengift daher - je nachdem, was instrumental gerade so angestellt wird. „Everything In Between“ ist eine Hommage an die längst überwunden geglaubte übersteuerte Gitarre, ein Geräuschgulasch mit besonderer Note, in dem unmöglich nur vier Hände gerührt haben können. 7 Text: Ralph Krüger

Of Montreal False Priest

(Polyvinyl/Cargo) Als „accessible“ würde der Angelsachse das mittlerweile zehnte Album von Of Montreal aus Athens, Georgia, bezeichnen - zugänglich. Aber ob die Leute genau diesen Zugang wollen, der da durch locker-flockige Disco-Nummern suggeriert wird? Oder ist das Ganze nur ein parodistischer Kommentar zu den Assoziationen mit Phoenix, die die Kritik bei den letzten Alben schon öfters herstellte? Besonders „bodenständige“ Nummern wie „Coquet Coquette“ oder „Famine Affair“ werden Freunde des Bisherigen irritieren. Obwohl man das hier nicht einfallslos nennen kann: „Sex Karma“ (featuring BeyoncéSchwester Solange Knowles!) strotzt vor Dynamik, „Our Riotous Defects“ hat Witz. Wenn das Albumcover nur nicht so anstrengend wäre. 5 Text: Philipp Kohl

One Fine Day The Element Rebellion

(Ferryhouse/Warner) Nach den kommerziell erfolgreichen beiden Vorgängern der vier Hamburger, war die Erwartungshaltung bei Fans und Freunden der PopPunkrocker groß. Sich dessen bewusst, holten sich One Fine Day Top-Produzent Pelle Gunnerfeldt (The Hives, Refused) für ihr neues Werk mit ins Boot. Das Ergebnis sind zwölf Songs, die zweifelsohne rocken, aber dennoch nichts

Nachhaltiges hinterlassen. Rebellion textlich und musikalisch so einzufangen, dass es Spuren hinterlässt, gelingt den Wenigsten. One Fine Day versuchen genau das, scheitern unterm Strich aber an sich selbst. Zu glatt und zu unreif wirkt ihr Versuch der Hamburger, sich aus dem Schatten von Bands wie den Donots zu befreien. Durchschnitt ist immer ärgerlich, und „The Element Rebellion“ unterm Strich leider ein Album, das zwar im Plattenregal seinen Platz findet, aber mit geringer Option auf Wiederverwendung. 5 Text: Kai Butterweck

Operator Please Gloves

(Brille/Alive) Mit ihrer zweiten Platte knüpfen die fünf Youngster aus Australien zwar an ihre rotzfreche Spaß- und Entertainment-Attitüde an, haben aber auch verstanden, dass man damit alleine kein Album füllen kann. Eingängiger PopPunk mit groß angelegten Melodie-Flächen ist die neue Devise. Dazu eine Prise Elektro-Beats, mehr Vocals und weniger von der Teenage-Hysterie ihres Debüts „Yes Yes Vindictive“. Obendrein schüttelt Songschreiberin Amandah Wilkinson so perfekt arrangierte Songs aus dem Ärmel, dass es einem fast Angst und Bange wird. „Logic“, „Back And Forth“ oder der schöne Abschluss „Like Magic“ sind solch versierte Stücke. Und „magiclike“ ist irgendwie auch die Erscheinung dieser Band, die sich damit sicher nicht das letzte Mal zu Wort gemeldet hat. 7 Text: Stephanie Johne

Panteón Rococó Ejercito De Paz

(Unter Schafen/Alive) Panteón Rococó durften sich dieses Jahr endlich die 15. Kerze auf den Kuchen stecken. Kürzlich wurde ihnen sogar die Ehre zuteil, bei einem weiteren Geburtstagskind die Lichter auszublasen. Zum 100. Jubiläum des FC St. Pauli teilten sich die neun Ska-Punker mit Acts wie Bela B., Fettes Brot oder Slime die Bühne und sorgten für ein rauschendes Fest. Dass die Jungs aus Mexiko gut und gerne feiern, dürfte den meisten somit schon aufgefallen sein. Sie darauf zu reduzieren, ist jedoch ein großer Fehler. Schon seit ihrer Gründung haben sich die Musiker den Protest gegen Ungerechtigkeit und Gewalt fett auf die Fahne gemalt. Auch ihr aktuelles Album „Ejercito De Paz“ hält mit Kritik am heimischen Politik-System nicht hinterm Baum. Thematisch tiefgründig, musikalisch hochwertig und massentauglich - eine Mischung, die sie nicht ohne Grund zum Sprachrohr einer ganzen Generation macht. Nicht nur in Mexiko. 7 Text: Natascha Siegert

Patrick Watson Just Another Ordinary Day

(Secret Day/Rough Trade) Wie stellt man sich einen stinknormalen Tag im Hause des exzentrischen Pop-Künstlers aus Montreal vor? Vielleicht so: Patrick Watson kriecht aus dem Himmelbett und hockt sich unrasiert und bemützt an seinen Flügel, während vorm Fenster der Morgennebel über die Wiesen zieht. Tagträumerisch verliert er sich in einer elegischen Piano-Suite und lässt das Falsett flattern. Irgendwann schneit seine Band herein und bringt mit ihrem Rock-Instrumentarium Unruhe ins Geschehen. Watson dreht an diversen Knöpfen und murmelt schließlich: „Let’s play some Jazz!“ Da klingelt’s aber auch schon und das Kammermusik-Orchester steht vor der Tür. Gemeinsam schwelgt man in höheren musikalischen Sphären bis der Mond aufgeht. Und was bleibt am Ende des Tages übrig? Watsons soeben wiederveröffentlichtes Debüt von 2003. 7 Text: Nina Töllner


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Paul Smith Margins

(Billingham/Cooperative) Paul Smith wird nicht müde zu betonen, dass er ein eigenes Album gemacht hat - kein Soloalbum. Dabei wären Songs wie der Opener „North Atlantic Drift“ und die Midtempo-Stücke „Strange Fiction“, „I Drew You Sleeping“ oder „Our Lady Of Lourdes“ auch auf dem letzten Maxïmo Park-Werk „Quicken The Heart“ gut aufgehoben gewesen. Allerdings kommt man, insbesondere bei den ruhigeren Stücken, nicht umhin, Paul als Sänger ohne Band zu erkennen. Die spartanische Produktion, die ruhigen Songs, die er scheinbar in den leeren Raum hinein singt und die an den kahlen Wänden widerhallen bis sie schließlich im Echo vergehen das alles wirkt so skizzenhaft und roh, dass man es schon mal vermisst, mit Maxïmo Park durch die Refrains zu brettern. Zwiespältig. 6 Text: Britta Arent

PEER Wir Sind Peer

(Sitzer/Broken Silence) Peer - das sind fünf Musiker aus Berlin, alle bereits bekannt durch Bands wie Hund am Strand, Le Mobilé, Sumo, The Grand Coulee und Ampl:tude. Gemeinsam sinnieren die Jungs über die Merkwürdigkeiten der menschlichen Existenz und fragen sich zum Beispiel: „Wenn man sich im Hotel ins Badezimmer legt/ wird man dann auch ausgetauscht?“ Der passende Song „900 Umdrehungen“ bleibt, wie die anderen Stücke des Albums auch, eine Antwort schuldig. Zu den chiffrierten Metaphern gesellt sich stets der herrlich dilettantische Gesang von Daniel von Fromberg, und selbst die cheesigen Synthies können den Proberaum-Charme des Albums nicht verscheuchen. „Wir Sind Peer“ ist kein Meisterwerk, doch Peer haben es verdient auch außerhalb Berlins gehört zu werden. 6 Text: Maleen Mohr

Peter Pan Speedrock We Want Blood

(People Like You/EMI) Besonders subtil ging es bei dem Trio aus Eindhoven noch nie zu, und das bleibt auch beim neuen Album der Geschwindigkeitsfanatiker so. „We Want Blood“ unterscheidet sich nicht großartig von den Vorgängern: Peter Pan Speedrock drücken wie gewohnt das Gaspedal durch, bis der

Tank mit der soliden Mischung aus Dicke-EierPunkrock und Dicker-Eier-Seventies-Rock endgültig leer ist. Es scheint, als hätten es die Holländer bei den schnellen Songs sogar geschafft, noch eine Schippe draufzulegen, sodass doch glatt Erinnerungen an Speedcore-Helden wie Gang Green geweckt werden. 6 Text: Tim Kegler

The Posies Blood/Candy

(Ryokdisc/Warner) 1993 haben The Posies aus Seattle mit „Frosting On The Beater“ ihr drittes Album und gleichzeitig ein Meisterwerk geschaffen. Keines, das irgendwann mal für sechs Euro zwischen der „Nevermind“ von Nirvana und einer Hit-Collection von The Smiths bei Mediamarkt auf dem Aktionsstapel liegen wird, aber eins, das bei allen, die es besitzen, zwischen den Pixies, Teenage Fanclub und den Wannadies im Fach der CDs ’Für immer und Ewig’ steht - und irgendwann mit einem ins Grab gehen wird. Warum es trotz gelegentlicher Veröffentlichungen 17 Jahre gedauert hat, um mit „Blood/Candy“, endlich wieder nicht nur erwähnenswertes, sondern gar Wunderbares Album zu produzieren, bleibt ein Rätsel. Schöne und kluge Kompositionen zwischen Elliott Smith und den Beatles, zwischen Alternative-Rock und Gitarren-Pop und voller hinreißender Melodien. 7 Text: Yessica Yeti

The Riot Before Rebellion

(Gunner/Broken Silence) Ich kann mich nur wiederholen: 2010 ist ein gutes Jahr für Punkrock. Regelmäßig erreichen uns neue Nachrichten von der nächsten „großartigen“ Band, die man keinesfalls verpassen dürfte. Und im Falle von Riot Before hat sich diese Empfehlung genauso bewahrheitet wie zuvor bei Combos wie The Menzingers, Landmines, Nothington oder Dirty Tactis! Mit ihrem Fäuste schwingenden Sound aus Hot Water Music, Leatherface und whiskey- und liebestrunkenen Texten sind The Riot Before neues Öl auf die lichterloh lodernden Flammen der nicht versiegenden wollenden Quelle der „Rebellen“. Viel Glück euch. 6 Text: Flo Hayler

Scanners Submarine

(Unter Schafen/Dim Mak/Alive) Die Marschroute für das zweite Album der Londoner Scanners ist offensichtlich: more Yeah Yeah

Yeahs, less Sonic Youth. Die Band um das CharismaBündel Sarah Daly hat den New Wave-Anteil ihrer Musik im Vergleich zum Vorgänger „Violence Is Golden“ noch mal deutlich nach oben geschraubt. ’Submarine’ ist ein nachdenklicheres Album geworden, ein Album, auf dem das Tempo auch mal gedrosselt wird. Geblieben ist der Hang zum hymnenhaften Refrain und das Gespür für die notwendige Portion Pop, die auch den Erstling des Vierers zu einer äußerst schicken Angelegenheit gemacht haben. Diese Qualitäten bescheren „Submarine“ mit „Sick Love“, „Salvation“ und dem majestätischen „Strangelovehate“ echte Höhepunkte, insgesamt hat dieses Song-Paket aber mehr Qualitätsschwankungen als sein Vorgänger. Trotzdem spitze.7 Text: Timo Richard

Soundgarden Telephantasm

(Universal) Unglaublich groß war die Freude unter SoundgardenFans, als die Band nicht nur ihre Reunion, sondern mit „Telephantsam“ auch ihr erste Veröffentlichung seit 1996 ankündigte. Fast noch größer war dann allerdings auch die Enttäuschung, als die Tracklist bekannt wurde - nicht die versprochene Raritäten-Kollektion mit lauter ausgegrabenen und bisher unbekannten Schätzen, sondern eine Zusammenstellung alter und größtenteils bekannter Hits wird hier geboten. Einzig das unbekannte „Black Rain“, das aus den Aufnahmen zum 91er Album „Badmotorfinger“ stammt, stellt eine Überraschung dar - reißt aber auch nur begrenzt vom Hocker. Einfallsreich ist nur die Veröffentlichungspolitik: Einzel-CD, Doppel-CD + DVD, Deluxe 3-LP Vinyl Edition sowie eine einzeln nummerierte Super Deluxe Sammleredition - Fans können hier viel Geld loswerden. Vernünftiger ist es allerdings bis 2011 zu warten - dann soll nämlich tatsächlich ein neues Studioalbum kommen. 5 Text: Tito Wiesner

Stone Sour Audio Secrecy

(Roadrunner/Warner) Den Status des Nebenprojektes haben Stone Sour schon lange abgelegt - spätestens mit dem erfolgreichen „Come What(ever) May“ machte Slipknot-Mitglied Corey Taylor deutlich, dass Stone Sour und die vermeintliche Hauptband fast schon in einer Liga spielen. Nicht

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stilistisch, wohlgemerkt: Stone Sour haben in den letzten Jahren immer mehr weg vom Metal, hin zum Rock und Radiotauglichkeit bewegt. „Audio Secrecy“ führt diesen Weg fort - und zwar so massiv, dass Taylor und Co. teils nur haarscharf an der Bedeutungslosigkeit vorbeischrammen. „Dying“ zitiert Nickelback, „Hesitate“ versinkt im Schmalz, „Miracles“ schreit nach gereckten Feuerzeugen. Da fällt es satten Brechern wie „Mission Statement“ oder „Unfinished“ gar nicht leicht, noch gegenzusteuern. Dem Erfolg dürfte diese Entwicklung zuträglich sein - qualitativ bleibt man aber hinter dem Vorgänger zurück. 6 Text: Tito Wiesner

Sufjan Stevens The Age Of Adz

(Asthmatic Kitty/Soulfood) Album Nummer Zehn! Für solch eine besondere Platte kann man sich auch gerne mal von einem schizophrenen Künstler namens Royal Robertson inspirieren lassen, dachte sich wohl der Herr Stevens. Nach Stücken wie „Too Much“ oder „Get Real, Get Right“ meint man auch sofort nachvollziehen zu können, wo da die Parallelen zu finden sind. Experimentell ist schön und gut, was „The Age Of Adz“ da allerdings auspackt, weckt Walt Disney-Peter Pan Assoziationen. Ob das gut ist? Wenn man auf elektronisches Gefummel und Pew-Pew-Töne in Songs steht, auf jeden Fall! Gepaart ist dieses Folk-Elektro-Konstrukt mit teilweise pompöser Orchestrierung und Elfenchören. Nicht zu vergessen das Übermaß an Effekten, das selbstverständlich mit von der Partie ist. Da bleibt nur eines zu sagen: Herzlich Willkommen bei Sufjan im Wunderland! 5 Text: Sarah Gulinski

Suicidal Tendencies No Mercy Fool!/ The Suicidal Family

(Suicidal) Das Wiederaufnehmen von alten Liedern ist eigentlich eine Unsitte. Das machen nur Bands, denen nichts Neues mehr einfällt, und meist ist das Original einfach besser. Album Numer Elf im Jahr 28 der Suicidal Tendencies ist trotzdem richtig klasse. Zwar stammt die Hälfte der Lieder aus dem Jahre 1987, aber das Material des „Join The Army“-Albums ist einfach zu genial, um es in der Versenkung darben zu lassen. Die aktuelle Besetzung holt teilweise tatsächlich mehr aus den Kompositionen raus, und die fette Produktion hat erheblich mehr Druck. Der Rest ist zwar


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theoretisch auch altes Zeug, wurde es doch sogar noch für No Mercy, die Vorgänger-Band von Suicidal Tendencies, geschrieben. Die Aufnahmen von damals wurden aber nie veröffentlicht und sind somit praktisch doch neu. Fazit: Auch wenn es sich die Jungs sehr einfach gemacht haben, die Platte killt. 7 Text: Hans Vortisch

Superchunk Majesty Shredding

(One Four Seven/Soulfood) Ja: Superchunk sind die Indie-Urväter und Erfinder eines Sounds, für den heute jede zweite Gitarrenband Tantiemen zahlen müsste. Spätestens seit „Here’s Where The Strings Come In“ dürfen Männer jenseits der 40 offiziell Turnschuh tragen, ihre Frau „Girl“ nennen und nebenbei Arcade Fire für das gemeinsame Label signen. Eine Comeback-LP nach fast zehn Jahren Pause ist da immer willkommen. Und nein: Superchunk werden trotzdem nie als Bilderstürmer gelten, im Vertrauen klingt ihre neue Platte trotz begrüßenswerten Lautstärkepegels ziemlich gleichförmig, glatt produziert und leider irgendwie irrelevant. Sowas gab’s noch nicht im Katalog der Obersympathen, so was müssen Fans abkönnen lernen. Egal. Erstmal „Digging For Something“ hören, das ist die Single, die ist prima, die ist ein Klassiker. 6 Text: Michael Haacken

Sweatmaster Dig Up The Knife

(Rookie/Fullsteam/Cargo) Wenn Musik aus Finnland kommt, dann klingt sie meist so wie das neue Album „Dig Up The Knife“ von Sweatmaster. Harter, schneller Garagen-Rock, dazwischen aber durchaus auch mal einige langsamere Töne, die

aber eher als störend empfunden werden. Denn wirklich gut sind vor allem die treibenden Songs wie „One Hand Stand“, bei dem man sofort seine wilde Mähne durchschütteln möchte - sofern diese vorhanden ist. Alle anderen bleiben dann wohl beim stumpfen Headbangen, aber das kann bekanntlich auch Spaß machen. Textlich bewegt man sich vor allem auf der wütenden, zerstörenden und verstörenden Schiene, die durch die laute, aber leidenschaftliche Stimme von Sänger Sasu bestens transportiert wird. 5 Text: Ben Wolf

Two Chix & A Beer Friends Of Dolores

(Butterama/Rough Trade) Der erste Eindruck: ein Schmunzeln. Dem Bandnamen sei Dank. Two Chix & A Beer, das hat schon was. Otto von Bismarck stöbert unter diesem Namen, unterstützt von Daniel Nentwig und Sebastian Maschat von The Whitest Boy Alive, im Musikfundus der Sechziger- und Siebzigerjahre. Der damalige Sound wird von den vier Musikern modern interpretiert, und fast fühlt man sich wie Marty McFly in seinem zur Zeitmaschine ungebauten De Lorean. Zynische und trockene, sogleich aber auch warme Melodien finden auf dem Erstling der seit sieben Jahren bestehenden Berliner Band ihren Platz. Rock’n’Roll, Blues aber auch Elemente aus House, Jazz und Folk sorgen für eine abwechslungsreiche Zeit in der modernen Vergangenheit. So viel zum zweiten Eindruck. Fragt sich nur, ob man Zurück in die Vergangenheit reisen möchte. 5 Text: Kati Weilhammer

Weezer Hurley

(Epitaph/Indigo) Eines muss man Rivers Cuomo lassen: Er hätte einen passablen Singer/Songwriter abgegeben. Einen wie Jonah Matranga, Chris Carrabba oder

Ben Kweller. Davon zeugen viele kleine Momente auf „Hurley“, dem achten Album seiner in den Neunzigern so großartigen College-Rock-Band Weezer. Dafür ist es jetzt, nach all dem Nerdquatsch und den egalen Platten der letzten neun Jahre, aber zu spät. „Hurley“, benannt nach einem sympathischen Charakter aus der TV-Serie „Lost“, dessen Schauspieler Jorge Garcia auch vom Cover des Albums grinst, ist einmal mehr ach so ironischer PowerPop von der Stange. Cuomo besingt Zeitreisen, „Smart Girls“ und covert auf der Deluxe-Edition Coldplay. Im Opener „Memories“ singen die Jungs von „Jackass“ den Background. Aber deren beste Zeit liegt ja auch schon ein Weilchen zurück. 5 Text: Fabian Soethof

Wino Adrift

(Exile On Mainstream/ Soulfood) Scott „Wino“ Weinrich kennt man als Mann der Stromgitarre, als König des Riffs. Jahrzehnte mit Bands wie The Obsessed, Saint Vitus, The Hidden Hand oder Shrinebuilder haben ihm einen Ruf wie Donnerhall eingebracht. Mit „Adrift“ macht er das, was viele erfolgreiche Rocker irgendwann machen - er greift zur akustischen Gitarre und legt ein Soloalbum vor. Und was für eins! Wie mit dem Skalpell legt Wino geniale Kompositionen und fragile Gitarrenarbeit frei - ein musikalisches Skelett, das es ohne Probleme mit dem muskelstrotzenden Rock einer vollständigen Band aufnehmen kann. In nachdenklichen Texten, aber mit erhobenem Haupt blickt Wino auf lange Jahre im Musikgeschäft zurück, auf persönliche Niederlagen und neue Freunde. Abgerundet wird das Ganze mit feinen, dann doch elektronisch verstärkten Gitarrensoli und einem genialen Cover des MotörheadKlassikers „Iron Horse/Born To Lose“. 7 Text: Hans Vortisch

Women Public Strain

ElektroNISCHES Eigentlich sind Namen natürlich Schall und Rauch, aber manchmal treffen sie den Nagel eben doch auf den Kopf. Bon Homme etwa beweist mit seinem gleichnamigen Debütalbum (Motor/Rough Trade), dass er in der Tat ein Guter ist. Überraschen sollte das allerdings nicht, denn hinter dem Pseudonym steckt der Däne Tomas Hoffing, seines Zeichens Sänger und Bassist von WhoMadeWho. Deren Indie-Rock-Flavor hat er hier außen vor gelassen und, zumindest für einige Tracks, das Tempo gedrosselt. Stattdessen ist echter Disco-Pop angesagt - und der ist bei Bon Homme so überzeugend, dass er wie momentan kaum ein Mann in einer Liga mit Robyn und Co. spielen darf. Ebenfalls Programm ist der Name bei den Friendly Fires, deren loderndem Feuer man ja schon seit einiger Zeit freundlich gesonnen ist. Ihre Vorliebe für elektronische Clubmusik treiben die drei Rocker auf „Bugged Out! presents Suck My Deck“ (!K7/Alive) noch einen Schritt weiter als auf ihren Studioalben. Für dieses DJ-Set mischen sie fröhlich House, Synth-Pop oder Rock-Hymnen von Kollegen wie BDI, Lindstrom & Christabelle oder George Kranz und steuern zusammen mit Azari & III auch einen brandneuen Track bei. Friendly, indeed! Und wo wir gerade bei sprechenden Namen sind: ein Duo, das sich selbst und sein Album „We Love“ (BPitch Control) nennt, und dann auf den modernisierten Spuren von Italo-Disco tatsächlich Elektro-Pop abliefert, den man einfach lieben muss, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Mitunter können Namen übrigens auch kurz verwirren: Fritz Kalkbrenner ist jedenfalls nicht Paul Kalkbrenner. Sondern dessen kleiner Bruder, mit dem er gemeinsam auch „Sky & Sand“ schrieb und produzierte. Der Hit ist auf seinem Album „Here Today Gone Tomorrow“ (Suol/Rough Trade) natürlich nicht mit drauf, weil veraltet. Aber wer auf atmosphärische Techno-Klänger - und Fritz’ Stimmer - steht, kommt trotzdem größtenteils auf seine Kosten. Bevor gleich wieder Schluss ist mit den Namensspielereien noch eine unbedingte Empfehlung: das Album „We Can’t Fly“ (Eskimo/Rough Trade) von Aeroplane ist zum abheben gut. Mittlerweile zum Solo-Act geschrumpft begeistert Vito De Luca (koproduziert von Bertrand Burgalat und stimmlich unterstützt von Au Revoir Simone, Poni Hoax u.a.) mit einer ziemlich wilden, aber gerade in der Buntheit stimmigen Elektro-Mischung, in der Eighties-Pop und psychedelische Klänge à la Pink Floyd genauso Platz haben wie an Air oder Daft Punk erinnerndes Disco-Gedudel. Die Landsmänner und Kollegen von Goose beziehen sich auf „Synrise“ (!K7/Alive) auf ähnliche Einflüsse. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass ihre Party ein klein bisschen weniger Spaß macht. Was mit dem Namen übrigens nichts zu tun hat! Text: Patrick Heidmann

(Jagjaguwar/Cargo) Fantastisch war das Debütalbum der vier Kanadier vor zwei Jahren: Es kehrte die dunkle Seite der Beach Boys-Vocals hervor, die so gerne imitiert werden, lieferte nicht nur Songs, sondern Noise-Intermezzi und Strukturverweigerung zum Finale. Auf „Public Strain“ läuft es andersherum: Die erste Hälfte hadert mit Formproblemen, die zweite gibt fast schon überprägnant gemachte Songs frei: „Locust Valley“ und „Eyesore“ sind die herausragenden Früchte aus dem Ideenpool des letzten Albums. Dazwischen gibt es sogar balladeske Anwandlungen wie „Venice Lockjaw“. Zu deren süßlichem Geklimper sichern die Vocals immer das Gegengewicht - finster, verstrahlt, verstimmt. 8 Text: Philipp Kohl

Young Guns All Our Kings Are Dead

(Live Forever/Pias/Rough Trade) Ihr seid unter 18? Mögt Paradiesblumen und/oder Hello Kitty – gern auch in Knallfarben auf die dünnen Unterarme tätowiert. Tragt definitiv nicht eure Originalhaarfarbe? Dafür Piercings. Habt Freude an Bands wie Lostprophets und You Me At Six? Oder mögt einfach Mädels, die diese Kriterien erfüllen? Dann sind das hier eure neuen Freunde. Young Guns machen (recht harmlosen) Alternative-Rock – das soll heißen: weniger Irgendwas-Core als melodischen Mitgröl-Pop-Punk mit sporadisch dumpfen Gitarren und Böse-Welt-Attitüde. Ihr Debütalbum klingt nicht richtig wie ein Erstlingswerk, sondern sauber poliert bis in die letzte Kunststofffaser. Und es wird sicher viele junge Menschen glücklich machen. Mein Pop-Punk-Zenit war mit der Volljährigkeit leider überschritten, deshalb (nur) 5 Punkte. Text: Henrike Soltau

WER HÖREN WILL MUSS SEHEN Slipknot (Sic)nesses

(Roadrunner/Warner) Slipknots bisher letzter von zahlreichen Triumphzügen startete Mitte 2008 mit dem Einstieg des Albums „All Hope Is Gone“ auf Platz #1 der US Billboard Charts und fand seinen vorläufigen Höhepunkt am 13. Juni 2009, als die Band vor 80.000 Leuten auf dem britischen Reading Fesival headlinen durfte. Die Show wurde von 30 Kameras gefilmt, die kein Detail der sämtliche Hits umfassenden Setlist ausließen. Auch das gewohnt heftig ausrastende Publikum wurde gekonnt eingefangen. Natürlich gab es schon Live-DVDs von Slipknot, trotzdem ist auch „(Sic)nesses“ (Roadrunner/Warner) nicht nur für Fans interessant - wegen der WahnsinnsProduktion, wegen der gelungenen Extras. wegen der 45-minütigen behind the ScenesDoku. Und auf Grund der traurigen Tatsache, dass die DVD einen der letzten Auftritte des kurz danach verstorbenen Bassisten Paul Gray einfängt. Text: Tito Wiesner

SUCK

Während die Film- und Fernsehwelt derzeit auf der Vampir-Welle für Zahnspangenträger reitet, ist dieses UntotenWerk eine wahre Wohltat. Bereits Anne Rice wusste, dass scharfe Eckbeißer und Rock’n’Roll wie füreinander bestimmt sind. In Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Rob Stefaniuks-Streifen „Suck“ (Splendid Entertainment/WVG) wird die erfolglose GaragenBand The Winners nach und nach vom VampirVirus ergriffen und erreicht als hypnotische Blutsauger-Band schließlich den ersehnten Erfolg – aber für welchen Preis? Stargastauftritte von Alice Cooper, Iggy Pop, Moby(!) und Henry Rollins runden diese charmant trashige, kanadische Musikfilm-Perle mit künftigem Kult-Potenzial ab. Blu-Ray und DVD kommen mit einem erhellend-ausführlichen Making Of, aber ohne sonstige Extras daher. Text: Frank Thießies

INXS Live At Rockpalast

(Eagle) In der Tragik liegt manchmal eine besondere Faszination und natürlich eine ganz besondere Nostalgie. Am 21. Juni 1997, fünf Monate vor des Sängers Michael Hutchence Suizid spielten INXS dieses Konzert auf dem deutschen Loreley-Festival, das für die WDRFernsehserie „Rockpalast” mitgefilmt wurde. Da die Australier ohnehin von jeher als fantastische und dynamische Live-Band gegolten haben, ist dieser Auftritt, 20 Jahre nach Gründung der Band keine DVD-Wundertüte. Alle Hits werden mitberücksichtigt und die DVD mit dem Bonusmaterial noch um sechs Songs vom ersten Rockpalast-Auftritt der Band – am 8. Mai 1984 in der Hamburger Markthalle – erweitert. Eine Huldigung für eine große Band, ein Muss für Fans und Sammler!

Mehr Platten und DVD-Besprechungen gibt´s auf sallys.net


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DEMODESASTER

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DEMODESASTER GIMMICKS FÜR ALLE

Um auf dem unüberschaubaren Comic-Markt der Siebziger noch Aufsehen erregen zu können, brauchte es schon etwas Besonderes. Yps war so ein Comic. Deren bescheuerte Beilagen wie die Gasdruckrakete, der Solarzeppelin, die mexikanischen Springbohnen und natürlich die Urzeitkrebse treiben selbst heute noch manch hartgesottenem Mittdreißiger den Glanz in die Augen. Im Andenken an das traurige YpsEnde vor zehn Jahren haben wir dessen Archiv durchstöbert und vergeben in diesem Monat die kultigsten Gimmicks an die zur Debatte stehenden Bands. CONEXIÓN MUSICAL AUS DEM TOTEN WINKEL

Die Wut rumort noch immer in ihren Eingeweiden, weswegen der Rap von Conexión Musical auch weiterhin schön politisch ausfällt. Im Gegensatz zum letzten Album „Windstille“ drängt der Zorn diesmal nicht mehr so ungebrochen nach draußen, sondern ist textlich wie musikalisch reflektierter. Mächtig viel läuft schief, das steht für Conexión Musical nach wie vor fest. Doch wie kann man dies gegenüber sich selbst und einer Blingbling-verfallenen Umwelt thematisieren, ohne langfristig von Frust und Selbstzweifeln zerrieben zu werden? Das ist die Frage, die „Aus Dem Toten Winkel“ zu einer enorm spannenden Platte macht. Yps-Gimmick: Eine rot gemaserte Wünschelroute Heimat: conexionmusical.de Live: 29.10. Magdeburg - Libertäres Zentrum *** 30.10. Detmold - Alte Pauline

DANIJEL ZAMBO OF DARKNESS, LIGHT AND LOVE BEHIND

Das Imperium schlägt zurück. Darth Vader hat nach herben Rückschlägen Danijel Zambo aus dem Helm gezaubert, um zumindest musikalisch seine Credibility zu wahren. Zambo hat sich der angestaubt-muffigen JediKutte entledigt und ist bereit, alle Ohren dieser Welt mit elektronisch Feinstem neu zu versorgen. Was wie der imperialistische Jedi-Marsch beginnt, wächst und mutiert zu einem genreübergreifenden Instrumentalalbum erster Sahne. Gitarrenriffs verschmelzen mit TripHop, Klassik mit Elektro. Das lässt uns schon mal an die Dust Brothers denken. Wenn auch nur bedingt tanzbar, ist „Of Darkness, Light And Love behind“ der wohl passendste Soundtrack für jeden Science Fiction-Film. Yps-Gimmick: Ein Laserschwert mit Mini-Turntables Heimat: zambolino.com Live: 29.10. Augsburg - Ballonfabrik

EHRENMORD ...SCHEITERN AM ALPHABETH

Dass es für ausgemachten Krach im Grunde nur ein Schlagzeug und eine Gitarre braucht, haben schon Formationen wie Lightning Bolt, Dÿse und die White Stripes bewiesen. Die zwei groben Frankfurter von Ehrenmord finden das toll, denn auch sie hauen mit metallischem Stoner und Post-Hardcore tüchtig in die Lärmkerbe. Dabei pressen sie zwölf Tracks in nur 16 Minuten, so dass für lange Soli schlicht kein Platz ist. Stattdessen gibt es scheppernde Grooves und viel Geschrei, vergnüglich aufgelockert mit lustigem Quietsch-Gesang. Auf diese Weise liefern sie eine Platte ohne Punkt und Komma ab, die trotz des Verzichts auf unnötigen Ballast ordentlich Gewicht auf die Waage bringt. Yps-Gimmick: Buchstabensuppe mit Kunstblut Heimat: myspace.com/ehrenmord

KINGS & KILLERS MEN AT WORK

Wer sein Album schon „Men At Work“ nennt, spielt bereits gezielt mit dem Bild schweißtreibender Musik, in der viel Arbeit steckt; eben mit dem Klischee von drei Typen, die sich die Seele aus dem Leib rocken und den Arsch abrackern, um zu überzeugen. Ähnlich wie schon bei ihrer selbstbetitelten EP ist auch der Longplayer von Kings & Killers wieder gespickt mit jeder Menge Bums, der unseren Boxen alles abverlangt. In guter Tradition von Neunziger-Größen wie Soundgarden oder Alice In Chains wird dem Alternative-Rock und Post-Grunge treu geblieben. Anders als damals wissen die Jungs nun auf Albumlänge aber komplett zu überzeugen. Kings & Killers entpuppen sich als Turniermannschaft, die erst auf Langstrecke all ihre Kräfte mobilisieren. Yps-Gimmick: Ein Nietenarmband aus Flanell Heimat: kingsandkillers.com

ROTTEN APPLES SPAZIERGÄNGE

Rotten Apples, das klingt nicht gut. Der so betitelte Song von den Smashing Pumpkins ist jedenfalls alles andere als fröhlich, und auch das gleichnamige Duo aus Berlin ist von gärender Gemütslage. Zu ambienthaften Klangcollagen, zuweilen aufgebrochen von klagenden Flöten, verzerrten Gitarren und digitalem Störgeräusch, wird schwer depressive Lyrik rezitiert, die die in den eigenen Gedankenlabyrinthen wohnende Angst erforscht und anfacht. Gruselig ist das, und so ist es fast ein Segen, dass der Stimme von Sprecher Attila die Düsternis fehlt. Sonst würde uns unser Spaziergang wohl gleich vom nächsten Häuserdach führen. Yps-Gimmick: Eine lächelnde Obstfliegenfalle Heimat: myspace.com/rottenapplesberlin

SELECTAMOOD TELL YOUR FRIENDS

Viele Bands scheuen das Risiko und orientieren sich an erfolgreichen Mainstream-Bands, verkommen dadurch aber allzu oft zum reinen Abguss ihrer Vorbilder. Selectamood jedoch bieten an experimentell Vertracktem so ziemlich alles, was geht. Das ist nicht eingängig, das ist nicht massentauglich. Uns gefällt’s dennoch. Denn mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Elektronik, Jazz, Punk, Funk und Pop stehen sie dabei stark in der unangepassten Tradition von Bands wie Mr. Bungle oder Naked City. Das ist nicht unbedingt jedermanns Sache, zeugt jedoch von Mut und einer ungeheuren Spielfertigkeit, die sämtliche Genregrenzen ausreizt. So basteln die Bochumer aus einem reichhaltigen Musikfundus ein Repertoire zusammen, das jede Menge Respekt verdient. Yps-Gimmick:  Eine noisige Alarmanlage Heimat: myspace.com/selectamood Live: 7.10. Duisburg – Djäzz *** 10.10. Dortmund - FZW

SKIN DIARY SKIN DIARY

Die recht umtriebigen Skin Diary haben wir zugegebenermaßen bislang ignoriert. Zu halbgar erschien uns der schrille Mix aus Blondie und Guano Apes. Doch entweder hatten wir bislang Bohnen in den Ohren oder es hat sich was getan in Skin Diary-Land. Die neue Platte der vier Berliner bringt zwar die Welt noch immer nicht zum Einsturz, aber ihr Sound aus Psychedelic-Funk, Nu-Metal und Wave-Rock hat durchaus Pepp. Sängerin Jessica singt hoch und tief, gellend und grummelnd. Die Band begleitet sie spielfreudig und -witzig. Keine Frage, dass Skin Diary dabei knietief in den Neunzigern feststecken. Immerhin haben sie aber genug krude Ideen auf Lager, so dass uns nicht langweilig wird. Yps-Gimmick: Selbstklebende Dinosaurierschuppen Heimat: skindiary.com Live: 2.10. Berlin – Supamolly *** 9.10. Salzwedel – Hanseat *** 15.10. Dresden - Selektor Evolution *** 16.10. Bad Muskau – Turmvilla *** 23.10. Greifswald - Kiste

DIE WALLERTS RAUBKOPIERT

Mit ihrem Akkordeon sind die Jungs aus Berlin verruchter als The BossHoss und frönen in aller Konsequenz der Party-Musik. In alter J.B.O.-Manier werden auf „Raubkopiert“ allerlei Hits und Schnulzen zu feinsten Spaßtexten umgedichtet und ähnlich wie eben bei The BossHoss oder Richard Cheese im hauseigenen Genre – in diesem Fall dem finnischen Foxtrott - präsentiert. Ob Trude Herr, die Beach Boys oder Reel 2 Real - nichts scheint zu abwegig für die Berliner, um nicht anekdotenhaft verwurstet zu werden. Wenn sie auch manchmal recht rudimentär zugange ist, der Offbeat-Polka-Maschine kann man sich letztlich nicht entziehen. Yps-Gimmick: saunafester Berlin-Stadtplan Heimat: diewallerts.de Text: Roy Fabian, Maik Werther

UNSIGNED-DEMO DES MONATS GRETEL Etwas stimmt nicht an diesem Bild. Es sieht aus wie im Märchen: Da ist der dunkle Wald, schön unheilvoll, wie die Gebrüder Grimm es mochten, und darüber schimmert in schwarz der Name Gretel. Zwischen den Ästen ragt ein Mädchen hervor. Oder besser, eine Frau. Genauer: Eine toughe, dunkelhäutige Dame mit Peitsche. Gretel – wer sonst! Es gibt kaum besseres, um Klischeedenken zu entlarven, als das Spiel mit den Erwartungen. Die Berlinerin Grace oder Gretel verdoppelt sogar den Einsatz: Sie gibt sich einen Namen, wie er deutschtümelnder kaum sein könnte, und weiß, dass jeder bei ihrem Anblick stutzen wird. Und wer dann erwartet, die Backgroundsängerin von Seeed oder Peter Fox würde in ihrem Soloprojekt Roots anbieten, hat sich nochmal geschnitten. Gemeinsam mit dem Produzententeam von Miss Platnum, The Krauts, hat Gretel eine fordernde Mischung aus harten Gitarren, clubbigen Rock-Beats und Soul-Stimme geschmiedet, die so in Berlin einzigartig ist. Im Sommer soll es richtig losgehen mit Gretel. Derzeit bastelt sie an einer Band und bereitet sich darauf vor, ihre Demotracks in Showcases vorzustellen. Das Umfeld ist so professionell, und ihr Stil derzeit so selten, dass es verwunderlich wäre, wenn sich im dunklen Wald der Pop-Musik für sie keine Lichtung mit Hexenhäuschen finden würde. Heimat: myspace.com/grtl, fritz.de Text: Christoph Schrag Foto: York Wegerhoff


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Ein Bein im Grunge, das andere in neuer deutscher Pop-Musik: Selig galten als hoffnungsvollste deutschsprachige Band der Neunzigerjahre – bis ihnen der Erfolg und ihre Egos über den Kopf wuchsen. Seit ihrem letztjährigen Comeback beeilen sich die fünf geläuterten Hamburger trotzdem nicht, keine Zeit zu verlieren. Schließlich „wird Rockmusik auch in 100 Jahren noch da sein“, sagt Sänger Jan Plewka. Eine Bestandsaufnahme. Christian Neander sitzt auf der Couch und wartet auf seine neuen alten Freunde. Die Haare und Lederjacke offen, das Gesicht glattrasiert. Mit seinem Smartphone sucht er W-Lan und ist ansonsten die Ruhe selbst. Im fürstlichen Kaminzimmer des Münzsalons in Berlin-Mitte residierte der Gitarrist und Songschreiber mit seiner Band Selig schon öfter für Interviews, auch weil es „schön ruhig hier“ ist. In der Selbstbeschreibung des Salons fallen Sätze wie „Modernes Interieur trifft auf nostalgische Substanz“ oder „Funktionales Design integriert sich reibungsfrei in antike Pracht“. Sie könnten auch Selig damit meinen. Das Ambiente passt zur Band, wie sich in der nächsten Gesprächsstunde herausstellen wird: bedacht, erhaben, ein bisschen von gestern, ein bisschen im Heute, in der Mitte angekommen. Elf Jahre nach ihrer einstigen Trennung, geht es um das fünfte Album von Selig, ‘Von Ewigkeit Zu Ewigkeit‘, ihr zweites nach dem letztjährigen Comeback. Es ist mit Ausnahme des heute verhinderten Bassisten Leo Schmitthals „das erste Interview mit der ganzen Band seit Ewigkeiten“, wie die Enddreißiger Jan Plewka (Gesang, Gitarre), Malte Neumann (Keyboards), Stephan ‘Stoppel‘ Eggert (Schlagzeug) feststellen, als sie sich zu Neander setzen. Für andere Bands sind Gesprächskonstellationen nur eine Zeit- und Prioritätenfrage. Für Selig, mit ihren Alben ‘Selig‘ (1994), ‘Hier‘ (1995) und ‘Blender‘ (1997) eine der national erfolgreichsten deutschsprachigen Rock-Bands der Neunzigerjahre, vor allem eine Frage der Egos. Im deutschen Roadmovie ‘Knocking On Heaven’s Door‘ gibt es diese eine sentimentale Szene, in der Jan Josef Liefers als krebskranker Rudi Wurlitzer seinen letzten Wunsch beschreibt: „Ich möchte einmal das Meer sehen“. Im gleichen Moment schlagen Selig aus dem Off die Akkorde von Bob Dylans ‘Knocking On Heaven‘s Door‘ an. Das war 1997. Als Selig den Soundtrack zu diesem wie für sie gemachten Film ablieferten, hatten sie den Höhepunkt ihres damaligen Schaffens rückblickend schon hinter sich. Die Singles ‘Ist Es Wichtig?‘ und ‘Wenn Ich Wollte‘ rotierten im Radio, auf MTV und landeten auf so verschiedenen Samplern wie ‘Bravo Hits‘ oder ‘Crossing All Over‘, ihre Touren waren ausverkauft. Der Trubel war von Selig nicht anders angestrebt. „Wir wollten mit deutschen Texten international klingen. Das war unser großer Anspruch“, erinnert sich Plewka heute daran und hat eine Erklärung für den Erfolg: „Dass im Radio die Red Hot Chili Peppers liefen und danach Selig, zeigt, wonach sich die Ju-

gend gesehnt hat. Nach emotionalen Rock-Bands, die nicht Die Toten Hosen oder Die Ärzte hießen.“

sehr spürbaren Wert auf ihre neu gefundene Balance.

Dieser jeden Moment bevorstehende absolute Durchbruch, der nie eintrat, stieg Selig zu Kopf. Man muss sich nur mal Videos alter Auftritte angucken, zum Beispiel vom Bizarre-Festival 1996, auf dem sie neben anderen deutschen Bands wie Such A Surge, Tocotronic, den Toten Hosen, Rammstein oder Mr. Ed Jumps The Gun auftraten. Mit langen Mähnen und offenen Hemden posen Selig dort, als wären sie die Chili Peppers höchstpersönlich. Plewka, der einzige mit kahlgeschorenem Kopf, kann seine genugtuende Freude kaum verbergen, als er die HerzschmerzTrennungs-Ballade ‘Ohne Dich‘, ihren bis heute größten Hit, anstimmt, und rund 20.000 Zuschauer an seinen Lippen hängen. Von dort an stand fest: Das hier ist was Großes. Und etwas Gefährliches.

Jan, über die Zeit vor eurer Trennung sagtest du einmal: „Wenn Christian ins Zimmer kam, hatte ich körperliche Schmerzen“. Was denkst du heute über diese Runde? Plewka: Ich bin positiv überrascht. Die Zeit hat uns gut getan. In den vergangenen zehn Jahren haben wir uns selbst gefunden und finden müssen - und dabei alle den Traum der Musik über das 27. Lebensjahr hinaus gerettet. Sonst würden wir heute nicht wieder hier sitzen. Am Ende von Selig waren wir nicht wir selbst. Wenn wir heute aus dem Kreis der Band heraustreten, ist jeder Privatperson. Das wussten wir damals nicht besser, weil wir etwas wollten, das wir im Endeffekt auch erreicht haben. Aber die Zeit war abgelaufen.

„Vielleicht merkst Du es: Das sind schon große Egos, die ihren Platz brauchen“, erklärt ein entspannter Jan Plewka mit freundlichem Hamburger Dialekt die damalige und heutige Bandsituation, während er sich seine übergroße Reggae-Strickmütze gerade rückt. „Diesen Platz haben wir uns damals gegenseitig nicht mehr eingeräumt. Ich dachte, ich könnte die anderen Typen in der Band alle verändern. Heute respektieren wir uns. Wenn Malte einen Alltag braucht, sage ich nicht mehr, dass er spinnt und ‘doch Künstler sein‘ müsse. Und Malte stört es nicht mehr, dass ich Alltag fürchterlich finde.“ Einen Mindestalltag ohne Selig haben alle fünf Musiker in der Zwischenzeit gefunden und finden müssen. Plewka und Eggert gründeten erst Tempeau, später Zinoba, Neumann tüftelte, Neander schrieb Songs für Echt, Niels Frevert, Cinema Bizarre oder Heinz Rudolf Kunze. Er gründete die Band Kung-Fu und sein eigenes Studio in Berlin. Familien gründeten sie alle. Die Reunion war neun Jahre so ausgeschlossen wie die Trennung im Rückblick unausweichlich. „Jeder hatte sein eigenes Kraftfeld entwickelt“, sagt Plewka. „Und wenn diese Felder zusammenkamen: Boom.“ Bis, irgendwann im Jahre 2007, Plewka und Eggert bei Neander, Neumann und Schmitthals anriefen, waren alle mit ihrer neuen Welt zufrieden. Sie trafen sich, redeten fast ein Jahr lang über eine Reunion. „Erst als wir wieder gemeinsam im Proberaum standen, spürte ich, was mir gefehlt hat“, sagt Neander. Und alle legen sie heute einen

Euer Best-Of-Album hieß „Für Immer Und Selig“, das Comeback „Und Endlich Unendlich“, jetzt titelt Ihr „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“. Welches Verhältnis haben Selig zurzeit? Neander: Wir wollen unsere Lebenszeit möglichst bewusst mit Musik und unseren Familien wahrnehmen. Beim Comeback schwang natürlich auch die Ansage „jetzt machen wir für immer Musik“ mit. Das Schöne am Musikmachen ist, dass man sich entfernt und in einer Unendlichkeit bewegt. Bei Liveauftritten löst sich manchmal alles auf. Das ist für mich ein Glücksgefühl. Man beruft sich damit auch auf Ewigkeit. Gibt es zeitlose Musik? Plewka: Auf jeden Fall. Songs von den Stones, den Beatles, ja, die sind zeitlos. Im Grundgedanken von Rock-Musik steckt auch ein sehr spiritueller Wert. Sie kommt vom Blues, der aus der Erde heraus entstand und Urbedürfnisse des Menschen weckt. Akkorde, um weiterzukommen. Ob nun wegen einer Nähe zu Gott, um Mut zu machen oder eine Erlösungsfantasie frei zu legen. All das ist so bei Rock-Musik. Deshalb wird sie auch in 100 Jahren noch da sein. Neander: Es gibt einen gemeinsamen Nenner, der immer wieder auftaucht. Das unabwendbare Bedürfnis zu beschreiben, wer man ist oder was man ändern will. Diese Urkraft hat Bestand. Grunge war eine Spielart des Rock. Euer Debüt wurde als deutsche Antwort darauf wahrgenommen. Neander: Lustig, in welche Kategorien man damals so gesteckt wurde. Wenn Selig irgendwo zuzuordnen sind, dann zu den Siebzigern.


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Together forever: Selig um Frontmann Jan Plewka (links).

Plewka: Die Seattle-Jungs hatten damals einen ähnlichen Anspruch wie wir. Sie beherrschten ihre Instrumente, liebten Blues und Jimi Hendrix, haben den Big Muff vor den Verstärker gespannt und die Blues-Akkorde auf ihre Art und Weise übertragen. Von Grunge wussten wir aber nichts. Nirvana spielte damals in der Hamburger Markthalle, als wir im Studio waren - und wir sind nicht hingegangen. Unser Produzent kam zu uns und sagte: „Alter, ich habe da Hippies gesehen, ein Wahnsinnskonzert! Lange Haare, zerrissene Hosen!“ Und wir nur: „Aha“, und haben weiter unsere Schlaghosen getragen und wollten aussehen wie Deep Purple!

‘Von Ewigkeit zu Ewigkeit‘ wurde im Februar dieses Jahres geschrieben und aufgenommen. Es ist lauter und noch spielfreudiger als sein Vorgänger und schlägt wieder die Brücke zwischen den zwei größten Talenten von Selig: bedachtem Songwriting und muckertypischen Jam-Sessions. Es geht ums „Du“, ums „Früher“, um abgehobene Überheblichkeiten und somit immer auch um sich selbst. Der Titeltrack ist die erste Single und am ehesten das, was als Ballade durchgehen könnte. „Die unzähligen Auftritte im letzten Jahr gaben uns eine sichere Gewissheit, dass wir gut sind und unsere Reunion richtig war“, erklärt Neander noch die zügige Entstehung der Platte und die eigene Souveränität. Die wird

sich auch im Oktober zeigen: Selig treten bei Stefan Raabs Bundesvisionsongcontest für ihre Heimat Hamburg auf. „Die Macher sind alte Schulfreunde von uns“, sagt Eggert und freut sich ein bisschen. „Bisher haben wir immer abgelehnt, aber schließlich sind wir ja keine Angsthasen. Für andere größere Bands ist das eine Statusfrage. Was nicht der Sieg ist, bedeutet abgeschmiert.“ Und wenn Selig, die Geläuterten, nicht den Titel holen? „Wird es trotzdem ein Spaß gewesen sein. Wir machen so oder so nur einmal mit!“ Text: Fabian Soethof Heimat: selig.eu

”Knockin’ on Heaven’s Door“ Für einige von euch lag das Jahr 1997 in einer Zeit, als ihr euch noch nicht aktiv mit den Massenmedien auseinandersetzen konntet. Dann wisst ihr unter Umständen auch nicht, dass Selig in diesem Jahr mit dem Soundtrack zum Roadmovie „Knockin’ on Heaven’s Door“ ihre Popularität untermauerten und dass Til Schweiger nicht immer nur romantische Komödien mit Kuscheltier-Accessoires gedreht hat. Für „Knockin’ on Heaven’s Door“, einen Film über zwei todgeweihte Krankenhausausreißer, schrieb er gemeinsam mit Regisseur Thomas Jahn das Drehbuch und spielte darin eine der männlichen Hauptrollen.


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MUSIK STORIES

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Scanners Junges Glück

Mathew Mole und Sarah Daly sind ein Paar, über das man eine Fernsehserie drehen sollte. Nicht nur, dass die beiden optisch ein tolles Gespann abgeben, ihre Geschichte, und damit auch die der Scanners, ist eine, der man gerne folgt. Die Rahmenhandlung könnte etwa so gehen: In ihrer Wohnung mit Ausblick auf South Camden lassen die beiden sympathischen Musiker die Geschichte der Scanners Revue passieren. In der Pilotfolge treffen sich die beiden, entdecken, dass sie in jeder Hinsicht super zusammenpassen und arbeiten fortan an Songs, die sie zuerst nur mit Gitarre, Bass und Drumcomputer aufführen. Als Verstärkung schwebt ihnen ein Keyboarder vor, doch als ihnen auf einer Party Amina Bates vorgestellt wird, haben sie mehr als das: eine Keyboarderin, die auch an der Gitarre versiert ist und obskure Folk-Instrumente sammelt. Drummer Tom Hutt stößt noch in derselben Folge dazu. Die Aufnahme des ersten Album ‘Violence Is Golden’, der Plattendeal mit Steve Aokis DimMak-Label, Touren in den USA – das könnte je eine Episode füllen.

Mit der Zeit bekommen auch die Nebencharaktere Tom und Amina tragende Rollen, was bei der Arbeit am zweiten Scanners-Album ‘Submarine’ deutlich wird. „Wir haben unseren Sound als Band gefunden und kennen unsere Stärken“, erklärt Mathew. Und während sich der Kontinent bereit macht, das homogenere und poppigere neue Werk zu empfangen, muss das Bandgefüge einen Bruch verkraften: Drummer Tom folgt dem Ruf des Geldes und tauscht den Schlagzeug- gegen den Bürostuhl ein. Doch natürlich ist damit nicht alles aus: „Unser neuer Drummer ist nett, und wir freuen uns sehr, mit ihm auf Tour zu gehen.“ Na also: Fortsetzung folgt! Text: Robert Goldbach Heimat: myspace.com/scanners

Peter Pan SPEEDROCK Immer schön den Blinker links

Nicht nur das Fahrverhalten holländischer Urlauber mit ihren Wohnmobilen gehört zu den weit verbreiteten Klischees über die Niederlande. Backenbärtigen Punkrockern dürfte zu dem Nachbarn im Westen wohl eher das schnellste Trio zwischen Amsterdam und Eindhoven einfallen: Peter Pan Speedrock! „Same procedure as every record“ – so lautet die unveränderte Erfolgsformel von PPSR-Gitarrist Bart, nach der auch das neue Album ‘We Want Blood‘ entstanden ist. Der kreative Output der Eindhovener ist selbst für Die-Hard-Fans fast unüberschaubar: Acht Alben, dazu unzählige Split-Singles und SamplerBeiträge – muss da nicht zwangsläufig eine gewisse Entwicklung stattgefunden haben? „Wir sind wohl im Laufe der Zeit etwas härter geworden und auch besser, was das Songwriting angeht, aber es gibt eigentlich keine Veränderungen im Sound.“ Neu ist allerdings die Tatsache, dass ‘We Want Blood‘ komplett im eigenen Studio aufgenommen wurde. „Das fängt noch mehr die Energie ein, die wir live haben, als auf den vorherigen Platten.“ Konzerte zu spielen ist ohnehin

die Lieblingsbeschäftigung des Trios, was man auch daran sieht, dass im Juli der 1.500. Gig absolviert wurde und die drei es fast nicht gemerkt hätten. „Kuchen gab’s leider nicht, dafür aber anständig Champagner.“ Mit ‘Crank Up The Everything‘ wurde ein ziemlich spektakuläres Video gedreht. Abgesehen von der Monster-Racer-Optik des Clips fällt auf, dass sich der Song stark an den Deep Purple-Klassiker ‘Highway Star‘ anlehnt. „Stimmt, aber das haben wir erst gemerkt, als das Video fertig war.“ Besser spät als nie. Text: Tim Kegler Foto: Alexandra Lie Heimat: peterpanspeedrock.com

Chief

Der Bart als Kunstform

Scheint, als hätten Newcomer nichts Interessantes zu erzählen. Die Jungs von Chief kraulen sich lieber die eigenen Bärte, als allzu viele Worte über ihr Debüt ‘Modern Rituals’ zu verlieren. Es ist einer der letzten Sommertage und die Mitglieder von Chief finden es etwas unangenehm, im klimatisierten Raum ihrer Plattenfirma zu hocken. „Du bist wegen unserem Album hier?“, fragt Frontmann Evan Koga und richtig, es soll jetzt um ‘Modern Rituals’ gehen, das nicht nur das erste Lebenszeichen seiner amerikanischen Folk-Formation ist, sondern aktuell als eines der besten Debüts des Jahres 2010 gehandelt wird: Verspielter Akustik, Tom Petty-Attitüden und ein Priese Crosby, Stills And Nash treffen auf durch und durch selbstbewusste Folk-Songs. Doch bevor man es schafft, dieses Quartett aus dem weit entfernten New York City zu fragen, weswegen

es gerade die alteingesessenen Musikgrößen sind, die ihre Songs beeinflussen, hält Koga inne: „Wir haben gestern in Berlin gespielt und ein Freund von mir meinte, dass die deutschen Frauen extrem auf Bärte stehen – stimmt das?“ Keine Ahnung, doch wenn dies der Wahrheit entspricht, sind die Chiefs die neuen Robert Pattinsons des Indie: So viel Slackertum aus verschlissenem Shirt, langer Gesichtsbehaarung und leicht bekifftem Laissez Faire liegt offenbar bei einigen Mädels im Trend. „Wir achten auf unser Auftreten mehr als die meisten Leute denken.“ Text: Marcus Willfroth Foto: Andrew Tonkery Heimat: myspace.com/chieftheband


Schießen schneller als ihr Schatten: Young Guns aus High Wycombe, Buckinghamshire.

Young Guns Die Alternative?

Das hübsche aber leider unübersetzbare Wort ’Mallternative’ beschreibt treffend, was sich zurzeit erfolgreich im britischen Kinderzimmer-Rock tummelt. Die neueste Download-Shopping-Alternative für Leute, die genau so anders sein wollen, wie alle anderen, sind Young Guns aus High Wycombe. Aber irgendwie sind sie auch mehr. Natürlich kann man sich darüber aufregen, wenn sich fünf wie Hafennutten aufgestylte junge Männer breitbeinig auf eine Bühne stellen, zur Erbauung eines überwiegend minderjährigen Publikums austauschbares Testosteron-Liedgut durch die Boxen drücken und dazu Bewegungen von der BravoTanzschritt-Schablone kopieren. Man darf so was richtig doof finden! Man kann politisch dagegen argumentieren – von wegen wohlfrisiertes Opium fürs Volk. Man kann auch kulturell was dagegen haben – anglo-amerikanischer Mainstream-Rock ist in den seltensten Fällen die Wiege musikalischer Innovation. Oder man könnte sich von Gustav Woods Euphorie über die eigene Band einfach anstecken lassen. „Ich habe meine Unikarriere voll versaut. Diese Band ist meine einzige Alternative. Es läuft toll!“ Der überaus freundliche und eloquente Young Guns-Frontmann ist vom Erfolg seiner Band ehrlich überrascht. Ohne großes Label im Rücken hat sie es mit dem selbst produzierten Debüt ’All Our Kings Are Dead’ in die britischen Charts und aufs Cover des Kerrang!-Magazins geschafft. „Verrückt oder?! Ich fühle mich immer noch wie ein Betrüger, wenn ich Autogramme geben soll. Die meisten Musiker betonen ja gerne, wie wichtig es ihnen ist, authentisch zu sein, aber mir kommt es immer noch so vor, als gäbe es mich doppelt. Als gäbe es den privaten Gustav und den Band-Gustav. Viele Si-

tuationen sind mir einfach fremd. So wie letztens, als ich mit meiner Mutter einkaufen war und mich ein paar Kids auf dem Parkplatz erkannt haben...“ Kids, denen es wahrscheinlich herzlich egal ist, ob die Young Guns das musikalische Rad neu erfinden oder nicht. Gustav Woods Band ist zum Aushängeschild einer Szene gemacht worden, die sich für den Beobachter bisher vorwiegend darüber definierte, dass die in ihr zusammengefassten Combos als alternative Boygroups durchgehen könnten. Mit einem eigenen Label sind die Young Guns im Rennen mit den Konkurrenten um das Taschengeld frustrierter Teenager gut aufgestellt. Und auch musikalisch sieht Gustav entscheidende Unterschiede: „Viele dieser Pop-Rock-Bands opfern für eine gute Hookline doch alles, was einen Song sonst ausmachen könnte. Ich glaube aber, dass emotionale Tiefe Musik erst interessant macht. Ich habe mich beim Texten sehr bewusst dafür entschieden, kein seichtes Album zu machen.“ Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Young Guns auf dem europäischen Festland, wo es nicht dem Kerrang! überlassen bleibt, Bands in Schubladen zu stecken, mit Danko Jones auf Tour gehen. Warum sollte man sie kampflos dem britischen Teenie-Mob überlassen? Text: Timo Richard Foto: Ashley Maile Heimat: myspace.com/youngguns


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TEST

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TEST

BAD RELIGION

Im großen Religionstest

Wir sind immer noch ganz erschöpft vom vielen um-die-Ecke-Denken. Doch die Mission war erfolgreich und Dr. Greg Graffin, Sänger von Bad Religion und promovierter Evolutionsbiologe, hat sich ganz anständig geschlagen in unserem – äh – Religionstest. Als spirituelle Unterstützung gaben wir ihm einen Telefon– und 50/50-Joker mit auf den Weg.

FRAGE 1 Welcher dieser Herren trug bei einem Besuch der Klagemauer in Jerusalem ein Bad Religion-Shirt?

A Fat Mike (NOFX) B Henry Rollins C Karl Alvarez (Descendents, All) D Jello Biafra (Dead Kennedys) Greg: (lacht) Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Fat Mike war! Ich habe so einige von diesen Fuse TV- Shows gesehen, aber ich glaube nicht die, wo er in Jerusalem war.

Korrekte Antwort: A

FRAGE 2

Greg: Ich nehme an, dass er niemanden im Central Park gesteinigt hat. Das scheint mir nicht viel mit der Aussage zu tun zu haben, die er treffen wollte. Ich habe von dem Buch gehört, es aber nicht gelesen.

Korrekte Antwort: D

FRAGE 3 Scientology-Mitglied Tom Cruise wollte die Wiederausstrahlungen einer South Park-Episode (Folge 12/Staffel 9) verbieten lassen. In dieser Folge wird nicht nur über die Scientology Sekte gespottet, sondern es werden auch Anspielungen auf die Gerüchte um Tom Cruises angebliche Homosexualität gemacht. Wie?

A Tom flirtet mit einem katholischen

In seinem Buch „Die Bibel und ich: Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen“ schildert der Autor A.J. Jacobs sein Experiment, ein Jahr lang nach den moralischen Regeln der Bibel zu leben. Welche biblische Regel hat er allerdings nicht befolgt?

A Er trug stets einen Klappstuhl bei sich,

Greg: So wie ich das Buch von A.J. Jacobs nicht gelesen habe, habe ich auch diese South Park-Folge nicht gesehen. Alle Optionen sind möglich. Wie ich das Ganze allerdings verstehe, haben sie sich bei South Park über Scientology lustig gemacht, und Cruise wollte eher die Würde seiner Religion als seine sexuelle Neigung verteidigen. Ich rate einfach: Antwort A.

um sich nicht auf einen Stuhl oder eine Bank setzen zu müssen, auf der zuvor eine menstruierende, sprich unsaubere Frau gesessen haben könnte B Er ließ seine Gesichtsbehaarung kontinuierlich wachsen C Er steinigte Ehebrecher im Central Park mit Kieseln D Er spielte jeden Sonntagmorgen die Laute

Priester, während dieser gerade seinen Hund Gassi führt B Tom isst eine vermeintlich heilige Banane C Tom versteckt sich im Wandschrank D Tom trägt ein durchsichtiges rosa Nachthemd

Korrekte Antwort: C

FRAGE 4 Der Daruma ist einer der beliebtesten japanischen Glücksbringer. Diese kleine runde Puppe stellt den buddhistischen Mönch und ZenPatriarchen Bodhidharma dar. Laut Legende hat sie aus welchem Grund weder Arme noch Beine?

A Sie sind dem Mönch nach neun Jahren

kontinuierlicher Meditation abgefallen

B Er wurde mit einem anderen Mönch im

Bett erwischt und zur Strafe sieben Monate lang gefesselt C Er stürzte von einem Berg, doch überlebte mit gebrochenen Armen und Beinen D Er kroch über eine schmale Brücke aus glutheißen Steinen, um einen verletzten Kranich am anderen Flussufer zu retten Greg: Ich glaube, ich habe diese Puppen schon in japanischen Restaurants gesehen. Außerdem war ich schon oft in Japan und habe dort diese Geschichte gehört, doch nie selbst so eine Puppe gekauft. Darumas gehören aber zu den bekanntesten Souvenirs (lacht). Wenn ich mich recht erinnere, sind dem Mönch Arme und Beine abgefallen, weil er so lange meditiert hat.

Korrekte Antwort: A

FRAGE 5 Welcher dieser Rapper traute den Schauspieler Corey Feldman?


A Snoop Dogg B Dr. Dre C MC Hammer D Method Man

C Er ließ seine Soldaten Katzen an ihren

Greg: (lacht) Ist Corey Feldman nicht vor Kurzem gestorben? Das ist wirklich eine interessante Frage. Ich sehe mir leider keine Boulevardmagazine an. Doch weil die anderen drei so berühmt sind, ist es wahrscheinlich Method Man (lacht).

Greg: Geiselnahme erscheint mir eher wie eine moderne Taktik der Kriegsführung. Ich nehme C.

Schilden befestigen, so dass die Ägypter sich nicht trauten, anzugreifen D Er nahm 1.000 Katzen als Geiseln

Korrekte Antwort: C

Korrekte Antwort: C

FRAGE 9

FRAGE 6

Odin ist der Hauptgott in der nordischen Mythologie. Welches Wort wurde von seinem Namen abgeleitet?

In der griechischen Mythologie war Charon der Fährmann, der die Verstorbenen über den Totenfluss ins Reich des Totengottes Hades brachte. Wie wurde er für diesen Job entlohnt?

A Ein weibliches Familienmitglied des

Verstorbenen musste ihm ein Gericht kochen, von dem er sich sieben Tage lang ernähren konnte B Eine Münze wurde für ihn auf oder in den Mund des Toten gelegt C Man schenkte ihm zwei doppelgeschlechtliche Ziegen D Er bekam alles, was der Tote in seiner Sterbeminute mit sich trug Greg: Ihr wärmt hier echt die Klassiker auf. Ich weiß, dass es bei der Legende irgendwie um Münzen ging. Also nehme ich Antwort B.

A Walhall B Weltanschauung C Wednesday D Wunderkind Greg: Ich kann mir nicht vorstellen, dass „Weltanschauung“ irgendwas mit Odin zu tun hat. Auch „Wunderkind“ – wieso sollte das was mit Odin zu tun haben? Zwei der Möglichkeiten gehen also offensichtlich auf die germanische Sprache zurück. Walhall ist der Ruheort nordischer Kämpfer, also nehme ich den „Wednesday“.

Korrekte Antwort: C

Anm.: „Odin“ heißt im Südgermanischen „Wodan“ und der niederländische „Wodanstag“ wurde im Englischen zum „Wednesday“

Korrekte Antwort: B

FRAGE 7 Welches ist kein Titel einer Slayer-Platte?

A „God Hates Us All“ B „Hell Awaits“ C „North Of Heaven“ D „Christ Illusion“ Greg: Jesus, ich kenne die komplette Banddiskografie von Slayer nicht. Aber „North Of Heaven“ klingt seltsam, also wähle ich C. Wenn sie nicht zufällig eine gegensätzliche B-Seite gemacht haben, müsste es richtig „South Of Heaven“ heißen.

Korrekte Antwort: C

FRAGE 8 Im Alten Ägypten wurden Katzen als heilige Tiere verehrt. Mit welcher List hielt sich Perserkönig Kambyses II. (525 v. Chr.) bei der Belagerung Pelusiums angeblich die Ägypter vom Hals?

A Er drohte, 1.000 Ratten mit vergiftetem

Fell freizulassen, um die Katzen der Stadt zu töten B Er drohte, eine eigene Hundearmee auf die Katzen loszulassen, wenn sie nicht abrücken würden C Er ließ seine Soldaten Katzen an ihren Schilden befestigen, so dass die Ägypter sich nicht trauten, anzugreifen D Er nahm 1.000 Katzen als Geiseln Greg: Dafür möchte ich meinen 50/50-Joker einsetzen. Mein Wissen über das Alte Ägypten ist nicht besonders ausgeprägt.

FRAGE 10 2004 wollte Diana Duyser aus Florida einen Gegenstand auf eBay versteigern, auf dem angeblich das Gesicht der Jungfrau Maria abgebildet war. Worum handelte es sich?

A Einen Tintenfleck

auf einem alten Liebesbrief

auf einem Stück Teppich

Versehen in die Mikrowelle gestellt hatte

B Ein altes Stück Käsetoast C Einen Fleck Hundepisse

D Einen Silberteller, den die Dame aus

Greg: Das war eine große Meldung in Amerika. Natürlich handelt es sich hierbei um das berühmte Käse-Sandwich.

Korrekte Antwort: B

FAZIT Bad Religion oder bad at Religion? Nicht doch. Bei sieben korrekten Antworten „drücken wir noch mal ein Auge zu“ (um hier mal den Lehrerslang zu imitieren) und geben noch eine 2-. Zugegeben, unsere Fragen waren vielleicht etwas zu trivial für den promovierten Evolutionsbiologen. Doch was predigen wir euch immer: Wer keine Klatschspalten liest, ist selber Schuld. Text: Christine Stiller Heimat: badreligion.com Auch gut: „The Dissent Of Man“ das neue Album von Bad Religion


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MUSIK STORIES

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zurück erklärt die Motivation hinter dem Projekt der beiden namens KORT: Vor mehr als 40 Jahren versuchte sich Cortney Tidwells Mama Connie Eaton mit einer Reihe von Songs beim damals in Amerika namhaften Folk-Label ‘Chart Records‘ und erreichte trotz Anstrengungen keinen kommerziellen Erfolg – ihr Werk geriet in Vergessenheit und erlebt erst jetzt, im Jahre 2010, eine Art Renaissance. „Sie hatte sehr viel Talent, und als Kurt an meiner vorletzten Soloplatte ‘Don’t Let The Stars Keep Us Tangled Up’ mitarbeitete, spielte ich ihm einige ihrer Songs sowie Beiträge anderer Künstler vom Label vor“, berichtet Tidwell und fährt fort: „Obwohl mir die Sache emotional sehr nahe ging, wollte ich die Stücke musikalisch in die Jetztzeit befördern.“ Kurt Wagner zeigte sich von der Idee begeistert und kurz darauf formierten sich die beiden unter dem Namen KORT – und ‘Invariable Heartache’ war wenig später im Kasten.

Kurt Wagner & Cortney Tidwell Aus dem Weg, hier kommt KORT

Sie konnten nicht mehr ohne einander, sagen Lambchop-Sänger Kurt Wagner und Folk-Sirene Cortney Tidwell. Mit ihrem gemeinsamen Debüt ‘Invariable Heartache’ vollbringen sie eine Vergangenheitsbewältigung der ungewöhnlichen Art. „Cortneys verstorbene Mutter verantwortet mehr oder weniger unsere Zusammenarbeit“, erklärt Kurt Wag-

ner und krempelt die Ärmel seines Baumwollhemdes hoch. So mysteriös dies klingen mag, ein Blick

„Wir versuchten die Originalität der Songs zu wahren und sie nicht zu sehr zu verfremden“, sagt Wagner. Cortney geht indes noch einen Schritt weiter: „Es war ein Wiedersehen mit meiner Mutter, so viel Spaß bereiteten die Aufnahmen.“ Wohl wahr, die unbändige Spielfreude ist dem Projekt KORT zweifelsohne anzuhören. Wer glaubt, dass der gemeinsame Erstling ‘Invariable Heartache’ ein Einzelfall bleiben könnte, hat seine Rechnung ohne die beiden gemacht. Sowohl Kurt Wagner als auch Cortney Tidwell können sich eine Fortsetzung vorstellen. Jedoch erst dann, wenn die anstehenden Konzerte zur Platte absolviert sind und ihr Terminkalender es zulässt. Den teilen sich die beiden nämlich nicht. Text: Marcus Willfroth Heimat: kort.cd

Foto: Eli McFadden

Blonde Redhead ... erzählen einen vom Pferd

Raus aus Indiehausen: Blonde Redhead streben den Pop-Himmel an. Mit ‘Penny Sparkle’ legt die New Yorker Indie-Institution im 18. Jahr ihres Bestehens ein sphärisches, mitunter fast schwebendes Pop-Album vor, das auf fluffigen Synthie-Teppichen wandelt und sich in weiten Hallräumen verliert. Dem ruppigen, noisigen Gitarren-Rock ihrer Anfangstage wurden sämtliche Ecken und Kanten abgeschliffen, und auf dissonante Gitarrenattacken dürften Fans der frühen Stunde lange warten. Die neuen Stücke kommen größtenteils sogar ohne echtes Schlagzeug aus. „Ich bin nervös, wie die Leute auf die Platte reagieren“, gibt die aus Japan stammende Sängerin Kazu Makino zu. „Dieses Mal noch mehr als sonst. Ich aber finde es gut so.“ Einen Weg zurück gebe es nun ohnehin nicht mehr, und die Geburt war auch keine leichte. „Obwohl wir mittlerweile sehr routiniert im Studio sind, war die Stimmung oftmals angespannt. Ich glaube, wir haben selten mehr über Soundfragen diskutiert.“ Dass ausgerechnet Star-Produzent Alan Moulder für ‘Penny Sparkle’ am Mischpult saß, könnte man als weiteres Indiz für eine schwere Überdosis Bombast werten. Was nicht so ist, wie Gitarrist und Sänger Amadeo Pace, mit seinem Zwillingsbruder Simone die Italian Connection der Band, versichert: „Wir haben die Songs komplett alleine entwickelt und schon sechs Monate an den Demos gearbeitet, bevor wir ins Studio gingen. Dabei hat sich dieser opulente Charakter immer mehr so herauskristallisiert.“ Für die end-

Grenzen verschwimmen: Blonde Redhead aus New York.

gültigen Aufnahmen fuhr das Gespann nach Stockholm, um mit dem Produzentenduo Van Rivers & The Subliminal Kid inmitten des schwedischen Winters den Stücken den letzten Schliff zu geben – und sie zu polieren wie einen glänzenden Goldklumpen. Diese Interpretation des Albumtitels tut Kazu allerdings lachend ab: „‘Penny Sparkle‘ ist ein Pferd aus meinem Reitstall. Der Song dazu ist aus ihrer Perspektive ge-

schrieben.“ Trotz des schweren Reitunfalls 2003, bei dem ihr Kiefer zertrümmert wurde, hat Kazu das Reiten als Hobby nicht aufgegeben. „Im Gegenteil: ich habe jetzt sogar ein eigenes Pferd. Mädchenträume gibt man einfach nicht so schnell auf.“ Text: Robert Goldbach Foto: Pier Nicola D’Amico Heimat: blonde-redhead.com


Häuptlinge der Indianer: Eleanore & Jason.

The Hundred In The Hands Die unbekleidete Geschichte

Vier Hände machen Musik für viele Füße: Das Indie-Duo The Hundred In The Hands aus Brooklyn transportiert amerikanische Mythen auf die Tanzfläche. Jason Friedman sieht nicht aus, als sei er für staatstragende Statements zu haben. Und trotzdem hat er etwas zu sagen, was über die Tanzfläche hinaus geht. Nicht umsonst hat er sein Duo The Hundred In The Hands nach einem historischen Ereignis benannt: Er geht zurück auf eine Schlacht zwischen Indianerstämmen und US-Armee im Jahr 1866, das ’Fetterman Massacre’. Ein Schamane soll mit einem Orakelspruch den Sieg der Indianer prophezeit und damit das Schicksal der Einheit von Fetterman besiegelt haben. Fast hundert US-Soldaten fielen. „Es geht uns auch um die eigene Geschichte“, sagt Friedman. „Im amerikanischen Alltag gibt es einfach kein Gemahnen daran, dass die Nation auf einem Genozid gegründet wurde“. Mythentransfer also, so nah wie möglich an die Konsumenten des Albums heran. In einem „früheren Leben“ hat der New Yorker Philosophie studiert, bis er 2001 die Indie-Band The Boggs gründete. Auf Fragen, die sein Schaffen in ein vermeintliches Schema zwängen sollen, antwortet er Sätze wie: „Nein, in diese kartesianische Falle tappe ich nicht.“ Ein früheres Leben hatte auch Sängerin Eleanore Everdell, die Operngesang studiert hat. „Aber ich war einfach schrecklich mittelmäßig darin“, kommentiert sie. Zu hören ist davon in ihrer schnörkellosen Stimme nichts. Deren Klarheit kann gefährlich sein, sagt Eleanore selbstkritisch: „Alles, was ich singe, klingt nach Ballade, auch wenn der Song gar keine ist!“ Genug Gelegenheit zur Übung hat sie bei tanzbaren Indie-Nummern wie ‘Commotion‘ oder ‘Dressed In Dresden‘. Dresden, wieder läuten die Glocken. Wieder spricht Jason davon, Geschichte in den Alltag zu transportieren. Ob das aussichtsreich ist, sei dahingestellt. Schließlich scheint sich der Remix des Songs von Produzent Jacques Renault auf einen anderen Aspekt zu konzentrieren, denn er heißt ‘Undressed In Dresden‘. Statt des Editors-ähnlichen Sounds des Originals gibt es hier stoische Beats mit Dub-Anleihen. Sie hätten diese Version live viel lieber gespielt, gesteht Eleanore. Für die nächste Europa-Tour sei allerdings wieder die bekleidete Variante im Programm. Text: Philipp Kohl Heimat: thehundredinthehands.com


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MUSIK STORIES

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Operator Please Souverän und kampflustig

„Wir haben die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht...“, so Amandah Wilkinson auf die Frage, wo sie mit ihrer Musik eigentlich noch hin wollen. Gerade erst flügge geworden, haben Amandah, Taylor, Tim, Chris und Ashley große Pläne. Das zweite Album ‘Gloves’ gewährt bereits einen verheißungsvollen Eindruck. Mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren reihen sich die Mitglieder von Operator Please perfekt in die dynamische DIY-Jugend. Ihre ‘Anführerin’ Amandah Wilkinson ist im Gespräch mit rotzfrech, (un-)realistisch idealistisch und siegessicher wie immer. Dabei hat alles so „unschuldig“ angefangen. Mit einem Bandwettbewerb und ein paar selbst gemachten Demo-Tapes, die „irgendwie einen riesigen Schneeballeffekt losgetreten haben“. Was sich nach einem echten Glücksgriff anhört, war dennoch harte Arbeit: „Manche Leute denken, der Erfolg wäre uns einfach so zugeflogen - das macht mich echt sauer!“

fangen müsst. Für mich spielt Alter keine Rolle. Kreativität ist doch nicht altersabhängig.“ Austeilen kann sie also. Anpacken aber mittlerweile auch.

Klar, immerhin waren Operator Please mit ihrem Debüt über 18 Monate auf Tour, einmal rund um den Globus. Und das mit knapp 20! Wobei, auch das hört die quirlige Australierin nicht so gerne: „Warum ihr Journalisten immer wieder damit an-

Beim zweiten Album haben Amandah und ihre Bandkollegen selbst Hand angelegt: „Wir hatten so klare Vorstellungen, dass wir es einfach gleich produziert haben.“ Ganz DIY-like! Obwohl, ein ganz kleines bisschen haben sie ihren Erfolg doch auch der anfäng-

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Alles 3D heute: Operator Please aus Australien.

lichen Popularität im Internet zu verdanken, oder? „Bullshit, das Internet ist nur eine Plattform, den Inhalt haben wir geliefert.“ Scheint, als habe der trotzige Sprössling seine kämpferische Großtuerei behalten, auch wenn sie musikalisch ruhigere Wege ein- und auf dem neuen Album einfühlsamere Töne anschlagen. Text: Stephanie Johne Heimat: operatorpleaseband.com

20.09.2010 19:15:32


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MIXTAPE

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WAS HÖRT EIGENTLICH... (JINGO DE LUNCH)? Yvonne DuckswoRth Als wieder vereinigte Punk/ Hardcore-Legende lebt es sich relativ entspannt: Man verplaudert die Reisezeit zwischen den Konzerten mit alten Anekdoten, zappt durch die mit sämtlichen Klassikern bestückte Bus-Jukebox und schreibt zwischen Dayjob und Touren neue Hymnen, damit man die Setlist mit zukünftigen Klassikern spicken kann. Wir plauderten mit Jingo De LunchIkone Yvonne Ducksworth über ihre Jugend prägende Lieder und andere Hymnen. Keine Frage: Diese Dame ist definitiv oldschool. Welche Bands und welche Songs haben deine Jugend geprägt? Zuhause hatte meine Mutter in der Küche immer das Radio an, so ein kleines weißes. Sie war ziemlich jung damals und stand auf Bands wie Sweet oder Thin Lizzy, die ich natürlich mit meiner Kindheit verbinde. „Fox On The Run” oder „The Boys Are Back In Town“ sind definitiv Songs, die mich daran erinnern. Später habe ich viel Doors gehört. Die Songtexte von „Peacefrog“ oder „People Are Strange“ haben mich genauso geprägt wie Discharge mit „I Won‘t Subscribe“ oder Ace Frehley von KISS mit „Snow Blind“. Und die Jungs in deiner Band? Was lief in deren Kinderzimmer? Unser Schlagzeuger Steve steht total auf „Problemchild“ von AC/DC. Henning,

der Bassist, hörte 24/7 „Motörhead“ von Motörhead und unser neuer Gitarrist Gary Schmalzl mag „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix. Da wird wohl deutlich, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind… Welche neuen, zeitgemäßen Songs magst du? Ich finde die Queens Of The Stone Age sehr gut, weil ihre Songs überraschen. Sie sind schön unangenehm, schlagen Haken und sind nicht zum nebenbei Konsumieren geeignet. Das ist gut. Euer neues Album heißt „Land Of The Free-ks“. Bekanntlich gab es auch die eine oder andere Band, die ausschließlich aus Freaks bestand. Welche Kapelle würde als Prototyp der „Freak-Combo“ durchgehen? Dee Snyder, der Frontmann von Twisted Sister, DAS ist ein Freak! Der hat

in Amerika eine Radioshow, die immer am Samstag läuft. Darin spielt er ausschließlich Musik von diesen Hair-Metal-Bands, und das ist echt lustig. Gene Simmons von KISS ist auch ein Freak. In einem New Yorker Restaurant saß ich gemeinsam mit meiner Mutter mal neben David Lee Roth. Das war höchst peinlich, denn meine Mutter wollte ständig zu ihm an den Tisch gehen und sagen: Hey, meine Tochter ist auch Sänger! Ich konnte sie gerade noch davon abhalten. Ihr heißt zwar Jingo de Lunch, aber was hörst du zum Frühstück? Das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Im Winter Ska – Madness und so was. Im Sommer muss man die Bad Brains hören, das macht wach. Welchen Song hättest du gerne selbst geschrieben? „Search & Destroy“ von den Stooges.

Der Song bringt alles auf den Punkt. Und wenn ich „Summertime“ von George Gershwin geschrieben hätte, dann hätten die besten Sänger der Welt mein Lied gesungen und ich hätte ausgesorgt. Text: Flo Hayler Heimat: myspace.com/jingodelunch

DAS MIXTAPE Thin Lizzy - „The Boys Are Back In Town“ Doors - „People Are Strange“ Ace Frehley – „Snow Blind“ Discharge - „I Won‘t Subscribe“ Queens Of The Stone Age – “Leg Of Lamb” Twisted Sister – “We’re Not Gonna Take It” David Lee Roth – “Just A Gigolo” Bad Brains – “Banned In D.C.” Stooges – “Search And Destroy”


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SPEED DATING

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SPEED DATING

Foto: Linus Lohoff

Justus Parker Suchen: Mädchen, die besser zuhören als reden können. Der erste Eindruck: Hingepunkter deutscher Nörgel-Indie mit medizinischen Referenzen zum Thema seelisches Wohlbefinden, Gesundheit, Herzrasen und so. Darin bin ich eigen: Dieser Kandidat wünscht sich zwar OFFIZIELL eine Partnerin mit Profil, die Wahrheit sieht aber anders aus: Hier sind alle kleinen, zierlichen Mädchen mit wenig Temperament und grundsolider Normalopersönlichkeit gefragt, die gerne freundlich lächelnd an der

Hand hinterher gezogen werden, während der „Alte“ mal wieder alles Negative der letzten fünf Minuten totanalysiert. Hochzeit oder kurze Affäre: Da erwählte Kandidatin ja über alle oben genannten Attribute verfügt, sollte sie die grüblerische Tiefgründigkeit ihres Schatzes auch nach der Eheschließung schweigend genießen können, auch wenn die Socken mal wieder im Brotschrank liegen. Heimat: myspace.com/justusparker Aktuelles Album: „Exil Oder Disko“

ganz schön ins Schwitzen bringen. Oder um es weniger galant auszudrücken: Penisbruch vorprogrammiert – ugh! Das werden die Schwiegereltern sagen: Die Tätowierte heiratest du nicht! Hochzeit oder kurze Affäre: Sängerin Sarah Sin ist jemand zum Pferdestehlen. Endlich! Jahre- und unzählige Herrengespräche lang schien es unmöglich, einen perfekten Hybriden zwischen Kumpeltyp und heißer Sahneschnitte zu finden und dann steht sie plötzlich mitten in der Datingzentrale und wartet auf euch, mit ungeduldig The Creepshow rollenden Augen natürlich. Nur Suchen: Phlegmatiker – gern für poly- eure Eltern, die werden der Traugames Unterfangen – denn diese Braut ung wohl nicht beiwohnen (siehe treibt Menschen mit einem Blutdruck Punkt 2). über Null in den Wahnsinn. Der erste Eindruck: Dieses Psycho- Heimat: myspace.com/thecreepshow billy-Temperamentbündel wird euch Aktuelles Album: "They All Fall Down"

Attack! Attack! Suchen: Groupies über 18, untätowiert, ohne Emo-Punk-Look – kleiner Scherz, das Unmögliche können auch wir nicht möglich machen. Der erste Eindruck: Alternative mit ein bisschen Emo und Pop-Punk. Dieser junge Mann ist nicht ausgefallen oder abgedreht: aber wie wir alle wissen, sind die, die auf den ersten Blick recht solide wirken, die schärfsten in den Laken. Darin bin ich eigen: Mit wem waren diese Waliser eigentlich noch nicht in der Kiste? Kids In Glass Houses, Lostprophets, You Me At Six, um nur einige zu nennen. Und allen haben sie sich etwas abgeguckt. Hochzeit oder kurze Affäre: Habt ihr euren Pass dabei? Wenn ihr uns beweisen könnt, dass ihr (wahrscheinlich im Gegensatz zu den mei-

sten Fans der Band) schon volljährig seid, schleusen wir euch direkt in den Backstage Bereich, so dass ihr erst mal vorehelich knabbern könnt. Heimat: myspace.com/attackattackband Aktuelles Album: „The Latest Fashion“

Carpark North suchen: Wenn es nach dem Titel ihrer neuen Platte „Lost“ geht; offenbar erst einmal wichtigere Dinge als die große Liebe. Der erste Eindruck: Doch; jetzt haben sie extra all ihre Synthesizer mitgebracht. Da wollen sie euch mit ein paar Knöpfchen spielen lassen. OkAY, die sind ein wenig slick – danach einfach Finger waschen. Das geht schon. Darin bin ich eigen: Dieser Lebenspartner wird in Etappen immer alles artig aufessen, was auf den Tisch kommt - beziehungsweise es sich am nächsten Tag einfach noch mal aufwärmen. Warum wir das wissen? Simple Alltagspsychologie: Ihre Erfolgssingle „Human“ (2005) wurde schließlich für die neue Platte auch als „Just Hu-

man“ recycelt. Hochzeit oder kurze Affäre: Wer eine ganze Runde Platte hören ohne rosa Schaum vorm Mund durchhält, sollte wirklich zugreifen: Tolle robuste Gene warten auf eure Kinder. Heimat: carparknorth.dk Aktuelles Album: „Lost“

Erdmöbel Suchen: Jemanden zum HardcoreBuchstabieren. Der erste Eindruck: Hier zählt mehr das Wort als die Musik, beziehungsweise, hier IST das Wort Musik – und Poesie. Und das bei der knorrigen deutschen Sprache. Ihr seid erst mal beeindruckt. Darin bin ich eigen: Vorsicht, dieser Kandidat dreht euch die Worte im Mund um, bis sie ihm passend und lyrisch genug erscheinen. Dabei wolltet ihr doch einfach nur „Klappe halten!“ sagen und meintet es auch so. Hochzeit oder kurze Affäre: Klug, eloquent, in den besten Jahren. Ja,

Jenny & Johnny

wieso nicht, aber wieso auch nicht für die Kohle eine Reise nach Japan machen, da versteht ihr kein Wort und trotzdem ist es lustig. Heimat: erdmoebel.de Aktuelles Album: „Krokus“

Suchen: Ein bisschen Indie, ein bisschen Country, ein bisschen Pop und verarschen euch dabei nach Strich und Faden. Der erste Eindruck: Fühlt euch hintergangen! Diese beiden attraktiven Menschen tragen ihre Namensschilder hier zu Unrecht. So singen doch nur zwei, die in Wirklichkeit ein Pärchen sind... Darin bin ich eigen: ...und zwar eines, bei dem eindeutig die Frau die Hosen an hat. Jenny Lewis von Rilo

Kiley ist mit ihrer glasklaren Schönmädchen-Stimme und FrontfrauPräsenz die Sonne, die Boyfriend Jonathan Rice artig umkreist – auch dann noch, wenn er selbst mal die Hauptrolle singt. Hochzeit oder kurze Affäre: Hier stimmt die Chemie leider ganz eindeutig – zwischen den anderen. Also heißt es, hinten anstellen, abwarten und Tee oder besser etwas Hochprozentiges trinken und nebenbei die nächste Kontaktanzeige aufgeben. Heimat: jennyandjohnnymusic.com Aktuelles Album: „I'm Having Fun Now“


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REISEFÜHRER

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FÜHRER ROCK'N'ROLL REISE H VANCOUVER IN NAC Mit BLACK MOUNTA

Es verschlägt uns für einen einzigen Tag in den südwestlichen Zipfel Kanadas. Was tun? Matt Camirand, Bassist der Vancouveraner Black Mountain, weiß, welche Orte wir uns nicht entgehen lassen sollten – und welche man besser meidet - schließlich arbeiten er und weitere Bandmitglieder doch als Sozialarbeiter im Drogen-Brennpunkt der Stadt. Fast ironisch, wenn man bedenkt, wie heftig vernebelt der Siebziger-Rock des Quintetts daher kommt... Welche Sehenswürdigkeit sollte ich an meinem einzigen Tag in Vancouver nicht verpassen? Matt: Leihe dir ein Fahrrad und fahre am „Seawall“ entlang. Es ist ein durchgängiger Pfad um die gesamte Stadt. Er führt um das Stadtzentrum herum, durch Stanley Park, raus bis zur Universität… Ihn abzuradeln ist eine meiner Lieblingsaktivitäten an einem Sommertag. Danach möchte ich ein wenig shoppen gehen. Welchen Laden empfiehlst du? Matt: „Pulpfiction Books“ (2422 Main St.), eine der besten Buchhandlungen Kanadas. Sie ist sehr klein, weshalb es dort nur das Beste vom Besten gibt. Das Personal ist sehr versiert und total cool. Sie lieben mich, weil ich alle sechs Monate meine Büchersammlung ausmiste und zu ihnen trage. Im Anschluss brauche ich etwas Entspannung. Wo finde ich die? Matt: Meine Freunde und ich gehen immer zum „Third Beach“ in Stanley Park. Es ist der Strand,

der am weitesten von der Stadt entfernt ist. Deshalb geht es dort auch etwas relaxter zu. Man kann Alkohol trinken, ohne Angst vor der Polizei oder Parkaufsehern haben zu müssen. Zeit fürs Abendessen! Welches Restaurant schlägst du vor? Matt: In Vancouver bekommt man richtig gutes Essen. Es gibt ein cooles indisches Restaurant namens „Vij’s“ (1488 West 11th Ave.). Der Betreiber ist extrem freundlich, das Essen nicht übermäßig teuer, aber sehr, sehr gut. Eines der gängigsten Dinge in Vancouver ist außerdem Sushi. Mindestens zweimal die Woche findest du mich im „Sushiyama“ (315 Broadway E). Dort bekommt man das wohl beste Sushi der Stadt. Kommen wir zur Abendunterhaltung. Wo gibt es gute Musik zu hören? Matt: Wenn du tanzen willst und auf Ärger aus bist, dann bist du in der Granville Street richtig. Dort stolperst du über Besoffene und gerätst am

Ende des Abends vermutlich in eine Schlägerei und wirst festgenommen. In Sachen Live-Musik sieht es zurzeit leider ziemlich mau aus. Der „Commodore Ballroom” (868 Granville St.) ist eine größere Venue mit einer langen Geschichte, einer Hammer-Lichtshow und einer der besten Anlagen der Stadt. The Clash spielten dort ihr erstes Nordamerika-Konzert und die Pixies haben sich dort aufgelöst. Zum krönenden Abschluss würde ich gerne ein wenig ausflippen. Wo kann ich die dafür geeigneten Substanzen erwerben? Matt: Wenn du Drogen suchst, gehe zur Hastings Street. Dort findest du wahrscheinlich alles, was du willst. Allerdings garantiere ich nicht dafür, dass es sonderlich gut ist. Text: Nina Töllner Heimat: blackmountainarmy.com Auch gut: „Wilderness Heart“ – das neue Album von Black Mountain

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Seite 46

PRÄSENTIERT

unclesally*s magazine

Präsentiert TOUR DES MONATS.

Dendemann

Viele Leute sind einfach zu kritisch, wenn es um ihr Haupthaar geht. Dendemann ganz offensichtlich nicht. Das heißt, der Anblick des Künstlers wird eine kathartische Wirkung auf alle haben, die dachten, um ihre Frisur sei es übel bestellt. Und auch für jene, die sich gerne mal einen Pornobalken stehen lassen wollten. „Stumpf ist Trumpf“, das wisst ihr ja. Neben seinem beneidenswerten Aussehen hat der Dendemann natürlich auch musikalische Qualitäten zu bieten und rappt sich auf seinem aktuellen Album „Vom Vintage Verweht“ mit ordentlich Schmackes und hochgradig eloquent durch seine Alltagsgeschichten. Dass dicke Bässe live noch sehr viel besser zünden als auf Platte, muss euch niemand sagen. Wer bis zur Arthrose abtanzen will, sollte an den folgenden Tagen mindestens einen Konzertbesuch einplanen.

Dendemann 5.10. Hamburg - Fabrik *** 6.10. Bielefeld - Ringlokschuppen *** 7.10. Köln - Live Music Hall *** 8.10. Krefeld - KuFa *** 9.10. Berlin - Astra *** 12.10. Frankfurt - Batschkapp *** 13.10. München - Backstage *** 14.10. Stuttgart - LKA Longhorn *** 15.10. Augsburg - Kantine *** 16.10. Kaiserslautern - Kammgarn *** 19.10. Erlangen - E-Werk *** 21.10. Dortmund - FZW *** 22.10. Marburg - Asta *** 23.10. Dresden - Reithalle *** 26.10. Oldenburg - Kulturetage *** 27.10. Kiel Pumpe *** 28.10. Hannover - Faust *** 29.10. Erfurt - Centrum *** 30.10. Karlsruhe - Substage

Mit einer E-Mail an verlosung@sallys.net habt ihr die Möglichkeit, für sämtliche von uns präsentierten Shows den ein oder anderen Gästelistenplatz zu ergattern. Bitte schreibt den Namen eurer Wunschkonzert-Combo in den „Betreff“ und gebt eure Adresse an!

5Bugs (+3 Feet Smaller)

07.10. Hamburg - Logo 08.10. Eschwege - E-Werk 09.10. Köln - Underground 11.10. Hannover - Bei Chez Heinz 12.10. Frankfurt - Nachtleben 13.10. Bremen - Tower 14.10. Oberhausen - Zentrum Altenberg 15.10. Stuttgart - Beat-Club 16.10. Karlsruhe - Stadtmitte 04.11. München - Backstage 05.11. Kanzach - Go In 06.11. Potsdam - Lindenpark

Airbourne

06.11. Bochum - Ruhr Congress 16.11. Berlin - C-Halle 17.11. Ludwigsburg - Arena 18.11. Dresden - Alter Schlachthof 22.11. München - Zenith

10.03. Erfurt - Thüringenhalle 12.03. Ludwigsburg - Arena 14.03. Münster - MCC Halle Münsterland 15.03. Bremen - Halle 7 16.03. Hannover - AWD Hall 18.03. Bamberg - Jako Arena 19.03. Dortmund - Westfalenhalle 1 22.03. Hamburg - Sporthalle 24.03. München - Olympiahalle 25.03. Leipzig - Arena 26.03. Bielefeld - Seidenstickerhalle 11.06. Berlin - Kindl-Bühne Wuhlheide

Black Rebel Motorcycle Club 22.11. Frankfurt - Batschkapp 23.11. Frankfurt - Batschkapp 24.11. Stuttgart - LKA Longhorn

Blood Red Shoes

14.11. Düsseldorf - Zakk 15.11. Hannover - Bei Chez Heinz 16.11. Rostock - Mau Club 17.11. Bremen - Lagerhaus 18.11. Leipzig - Conne Island 25.11. Augsburg - Ostwerk 26.11. Heidelberg - Karlstorbahnhof 30.11. Nürnberg - Hirsch 01.12. Frankfurt - Batschkapp 02.12. Saarbrücken - Garage 03.12. Bielefeld - Kamp

Panteón Rococó

14.11. München - Backstage Werk 16.11. Münster - Gleis 22 17.11. Köln - Kulturkirche 18.11. Hamburg - Uebel & Gefährlich 19.11. Berlin - Astra

Was ist denn so toll an denen? Diese mexikanische Spaßtruppe bringt die Menschen zusammen. Zum Ska-Beat tanzt es sich leicht, und Körperkontakt mit dem Nebenmann ist schnell mal rein aus Versehen hergestellt. Geht da außer mir noch wer hin? Natürlich! Und die gute Nachricht ist, ihr werdet hier auch mal Personen über die Schuhspitzen laufen, die ihr sonst nicht bei den Konzerten trefft, die ihr nach eurer eingefahrenen Präferenz-Liste bucht. So wird’s enden: Mit fiesem Muskelkater in den Beinen und der Mundhöhle. „Ohoho“ und so.

Band Of Skulls

Panteón Rococó

Angus & Julia Stone

25.09. Hamburg - Grünspan 26.09. Dresden - Beatpol 27.09. Stuttgart - Schocken 29.09. Frankfurt - Nachtleben 30.09. Düsseldorf - Zakk 01.10. Nürnberg - MUZ Club

Beatsteaks

02.03. Saarbrücken - E-Werk 09.03. Frankfurt - Jahrhunderthalle

Blumentopf

03.10. Dresden - Reithalle 04.10. Leipzig - Werk 2 05.10. Berlin - Astra 06.10. Bremen - Modernes 07.10. Bielefeld - Stereo 08.10. Wiesbaden - Schlachthof 09.10. Lindau - Club Vaudeville

4.11. Heidelberg - Halle 02 *** 5.11. Bielefeld - Kamp *** 7.11. Bremen Schlachthof *** 8.11. Göttingen - Musa *** 9.11. Hamburg - Fabrik *** 13.11. Dresden - Beatpol *** 14.11. Lübeck - Treibsand *** 16.11. Leipzig - Conne Island *** 21.11. Kassel - Musiktheater *** 27.11. München - Muffathalle *** 28.11. Schweinfurt - Alter Stattbahnhof *** 29.11. Nürnberg - Hirsch *** 30.11. Osnabrück - Lagerhalle *** 1.12. Hannover - Faust *** 2.12. Köln - Live Music Hall *** 3.12. Lindau - Club Vaudeville *** 4.12. Stuttgart - Zapata *** 5.12. Freiburg - Jazzhaus *** 7.12. Essen - Zeche Carl *** 8.12. Kiel - Pumpe *** 11.12. Berlin - SO36


unclesally*s magazine

12.10. Köln - E-Werk 13.10. Erlangen - E-Werk 14.10. München - Muffathalle 19.10. Freiburg - Alter Güterbahnhof 20.10. Stuttgart - Zapata 25.10. Dortmund - FZW 26.10. Hamburg - Docks 27.10. Flensburg - Max 28.10. Bremen - Modernes 29.10. Münster - Skaters Place

Bonaparte

08.10. Leipzig - Centraltheater 09.10. Dresden - Beatpol 10.10. Erlangen - E-Werk 11.10. Regensburg - Kulturspeicher 12.10. München - Backstage Werk 17.10. Würzburg - Posthalle 19.10. Heidelberg - Karlstorbahnhof 20.10. Freiburg - Mensabar 25.10. Stuttgart - Wagenhalle 28.10. Köln - Stollwerk 29.10. Bremen - Spedition 30.10. Hannover - Faust 03.11. Dortmund - FZW 04.11. Hamburg - Uebel & Gefährlich 05.11. Kiel - Pumpe 06.11. Berlin - Astra

Emil Bulls

13.10. Berlin - Lido 15.10. Cham - LA 16.10. Erfurt - Unikum 18.10. Schwäbisch Hall - NCO-Club 19.10. Nürnberg - Hirsch 21.10. Kleve - Radhaus 22.10. Osnabrück - Rosenhof 23.10. Wilhelmshaven - Pumpwerk 24.10. Dresden - Groove Station 26.10. Rostock - Mau-Club 27.10. Papenburg - JUZ 28.10. Göttingen - Musa 29.10. Lindau - Club Vaudeville 02.11. Hamburg - Uebel & Gefährlich 04.11. Aschaffenburg - Colos-Saal 05.11. Nordhorn - Scheune 12.11. Dortmund - FZW 13.11. Tübingen - Sudhaus 18.11. Ingolstadt - Ohrakel 19.11. Karlsruhe - Substage 04.12. Lichtenfels - Stadthalle 18.12. München - Backstage Werk

Clueso & Band

29.01. Flensburg - Deutsches Haus 31.01. Rostock - Mau Club 01.02. Erlangen - E-Werk 04.02. Krefeld - Kufa 09.02. Erfurt - Messehalle 11.02. Dresden - Alter Schlachthof 12.02 Berlin - C-Halle 13.02. Bremen - Pier 2 16.02. Hannover - Capitol 17.02. Hamburg - Sporthalle 19.02. Kassel - Kongress Palais 20.02. Freiburg - Rothaus Arena 21.02. Saarbrücken - E-Werk 24.02. München - Tonhalle 25.02. Würzburg - Posthallen 26.02. Mannheim - Rosengarten Mozartsaal wird fortgesetzt

Dead To Me

27.09. München - Sunny Red 02.10. Regensburg - W1 05.10. Hamburg - Hafenklang 06.10. Erfurt - Stadtgarten 07.10. Chemnitz - AJZ 08.10. Berlin - Clash 09.10. Essen - Cafe Nova

Disco Ensemble

01.10. Berlin - Postbahnhof 02.10. Schweinfurt - Alter Stattbahnhof 03.10. Stuttgart - Die Röhre 04.10. München - 59to1 05.10. Hannover - Musikzentrum 06.10. Hamburg - Logo

Foto: Erik Weiss

Fettes Brot

30.11. Fürth - Stadthalle 01.12. Leipzig - Haus Auensee 03.12. Lingen - Emslandhallen 04.12. Hannover - AWD Hall 05.12. Berlin - C-Halle 06.12. Offenbach - Stadthalle 07.12. Münster - MCC Halle Münsterland 09.12. Kiel - Sparkassen-Arena 10.12. Hamburg - O2 World 14.12. Kempten - BigBox 16.12. Dortmund - Westfalenhalle 2

Frank Turner

25.09. Hamburg - Große Freiheit 36 26.09. Gießen - MuK 28.09. Trier - Ex-Haus 29.09. Karlsruhe - JUBEZ 30.09. Schweinfurt - Stattbahnhof 01.10. Erfurt - Unikum 02.10. Berlin - Roter Salon

Was ist denn so toll an denen? Die Tätowierungen an Toberts und Rotzes Hälsen und Armen, die in Songtexte gegossenen Thrillerfantasien von Gitarrist Marten, der Beat von Peters Snare und natürlich die Kommandostimme vom Jan. Geht da außer mir noch wer hin? Aber hallo. Mittlerweile muss man sein T-Shirt sogar schon VOR dem Konzert kaufen, weil man später vor leeren Kartons steht. Trotz all der Leute sind Turbostaat-Konzerte aber auch immer noch Familientreffen. So wird’s enden: Mit dem neuen Shirt am Leib im Maisfeld.

AUF TOUR: 7.10. Hamburg - Knust *** 9.10. Oberhausen - Druckluft *** 10.10. Frankfurt - Nachtleben *** 12.10. Karlsruhe - Substage *** 15.10. Reutlingen - Frank K *** 16.10. Köln - Gebäude 9 *** 12.11. Bielefeld - Kamp *** 13.11. Potsdam - Waschhaus *** 14.11. Chemnitz - AJZ *** 15.11. Marburg - KFZ *** 16.11. Würzburg - Postclub *** 18.11. Braunschweig - B58 *** 19.11. Münster - Sputnikhalle *** 20.11. Hannover - Faust *** 26.11. Flensburg - Volxbad *** 27.11. Flensburg Volxbad *** 10.12. Bremen - Lagerhaus *** 11.12. Jena - Kassablanca *** 12.12. Regensburg - Alte Mälzerei *** 13.12. Göttingen - Musa *** 15.12. Augsburg - Musikkantine *** 18.12. München - Feierwerk

Frittenbude

11.11.10 Ingolstadt - Ohakel 12.11.10 Reutlingen - Franz K 13.11.10 Augsburg - Ostwerk 16.11.10 Trier - Ex-Haus 17.11.10 Aachen - Musikbunker 18.11.10 Darmstadt - 603qm 19.11.10 Würzburg - Posthalle 20.11.10 Fulda - Kreuz 23.11.10 Köln - Gebäude 9 24.11.10 Kiel - Pumpe 25.11.10 Flensburg - Volxbad 26.11.10 Neubrandenburg - Mixtape 27.11.10 Oldenburg - Amadeus 28.11.10 Hannover - Glocksee 07.12.10 Innsbruck - Weekender 16.12.10 Hamburg - Uebel & Gefährlich 17.12.10 Berlin - Astra 18.12.10 Leipzig - Felsenkeller

Good Charlotte

23.01. Stuttgart - LKA Longhorn 24.01. München - Backstage Werk 25.01. Saarbrücken - Garage 26.01. Berlin – Huxley‘s 28.01. Hamburg - Grosse Freiheit 36 29.01. Düsseldorf - Stahlwerk

Imperial State Electric 03.11. Hamburg - Grünspan 04.11. Berlin - Magnet 05.11. München - 59to1 06.11. Stuttgart - 1210 08.11. Köln - Luxor 09.11. Münster - Sputnikhalle

05.12. Köln - Luxor 07.12. Frankfurt - Mousonturm 08.12. Bochum - Zeche 09.12. Berlin - Postbahnhof 10.12. Hamburg - Uebel & Gefährlich

Klaxons

26.11. Berlin - Astra

Magic Kids

07.10. Hamburg - Molotow 13.10. Berlin - Comet Club 14.10. Köln - Werkstatt 15.10. München - Atomic Café

Is Tropical

08.10. Berlin - Comet Club 09.10. Hamburg - Molotow

Jingo de Lunch Dukes Of Windsor

08.10. Hamburg - Indra Mondial 09.10. Bremen - Tower 13.10. München - 59to1 14.10. Frankfurt - Ponyhof 15.10. Freiburg - Kamikaze 16.10. Konstanz - Kulturladen 17.10. Regensburg - Heimat 19.10. Aachen - Musikbunker 20.10. Osnabrück - Haus der Jugend 21.10. Krefeld - Kulturfabrik 22.10. Halle - Drushba Tanzklub 23.10. Jena - Rosenkeller 29.10. Berlin - Lido

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Turbostaat

Chief

08.11. Hamburg - Molotow 09.11. Köln - Studio 672 10.11. Berlin - Comet Club 11.11. München - The Atomic Cafe

PRÄSENTIERT

Gogol Bordello

30.11. München - Tonhalle 01.12. Dortmund - FZW 09.12. Berlin - C-Halle 10.12. Stuttgart - LKA Longhorn 11.12. Köln - Live Music Hall

24.09. Bremen - MS Treue 25.09. Jüchen - Red Hot im Polodrom 15.10. Weinheim - Cafe Central 16.10. Freiburg - Walfisch 22.10. Halle - Ludwigstr. 37 23.10. Hannover - Bei Chez Heinz 03.11. Köln - Sonic Ballroom 05.11. Rüdenheim am Rhein - Hajo‘s Irish Pub 18.11. Hamburg - Knust 25.11. Berlin - Lido

Kashmir

02.12. Stuttgart - Röhre 03.12. Dresden - Beatpol 04.12. München - Backstage Halle

Mikroboy

24.10. Regensburg - Heimat 25.10. Stuttgart - Kellerclub 26.10. Wiesbaden - Schlachthof 27.10. Köln - MTC 29.10. Berlin - Magnet 30.10. Hamburg - Logo


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PRÄSENTIERT

Montreal

08.10. Hamburg - Headcrash 09.10. Hamburg - Headcrash 15.10. Kronach - Struwwelpeter 16.10. Magdeburg - Sackfabrik 22.10. Würzburg - B-Hof 23.10. Bad Wörishofen - JUZE 26.10. Bremen - Messehalle 7 28.10. Freiburg - Crash 29.10. Leipzig - Werk 2 30.10. Nordhorn - Scheune 05.11. Stuttgart - 1210 06.11. Konstanz - Kulturladen 13.11. Weyhe - Aufmucken gegen Rechts 26.11. Köln - Werkstatt 27.11. Hannover - Bei Chez Heinz 01.12. Erlangen - E-Werk 10.12. Amberg - Klärwerk 11.12. München - Backstage 16.12. Berlin - SO36 29.12. Kiel - Schaubude

Ohrbooten

21.12. Bremen - Lagerhaus 22.12. Hamburg - Fabrik 23.12. Berlin - Astra

Robyn

10.10. Hamburg - Grosse Freiheit 36

unclesally*s magazine

The Wombats

14.10. Berlin - Lido 15.10. Hamburg - Molotow 10.02. Hamburg - Docks 11.02. München - Tonhalle 12.02. Köln - Live Music Hall 20.02. Offenbach - Capitol

Trash Talk

Trip Fontaine

06.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich 07.10. Berlin - Cassiopeia

Smoke Blow

02.10. Magdeburg - Sackfabrik 15.10. Stuttgart - Röhre 16.10. Kassel - K19 13.11. Hannover - Bei Chez Heinz 27.12. Kiel - MAX

Swinging Utters

06.11. Köln - MTC 12.11. Saarbrücken - Garage 13.11. München - Orangehouse 14.11. Lindau - Club Vaudeville 20.11. Dresden - Groovestation 22.11. Cottbus - Gladhouse 23.11. Hannover - Bei Chez Heinz 25.11. Hamburg - Hafenklang 26.11. Berlin - Clash

25.09. Berlin - Bang Bang Club 01.10. München - Kafe Kult 02.10. Wiesbaden - Schlachthof 04.10. Bonn - Bla 07.10. Marburg - Bettenhaus 08.10. Tübigen - Epplehaus 09.10. Nürnberg - Endzeitfestival 10.10. Dresden - AZ Conni 11.10. Koblenz - SK2 12.10. Köln - Underground 14.10. Hamburg - Molotow 15.10. Hannover - Bei Chez Heinz 16.10. Rendsburg - T-Stube

21.10. Weinheim - Cafe Central 22.10. Stuttgart - 1210 30.10. Wangen - UMD 08.11. Osnabrück - Bastard Club 11.11. Dresden - Groovestation 13.11. Töging - Silo 1 16.11. Chemnitz - AJZ 17.11. Hannover - Bei Chez Heinz 18.11. Hamburg - Hafenklang 19.11. Berlin - Clash 20.11. Nürnberg - Z-Bau

Welche Kompromisse in Sachen Musik müsst ihr im Tourbus eingehen? Keine! Welche Platte lief bisher am häufigsten in eurem Bus? Das wird wohl die Live-DVD von Nine Inch Nails gewesen sein.

Volbeat

Was ist das Übelste, mit dem dir deine Bandkollegen im Bus auf die Nerven fallen? Schnarchen und stinkende Füße sind das Schlimmste.

02.11. Düsseldorf - Philipshalle 03.11. Ludwigsburg - Arena 04.11. München - Zenith 13.11. Chemnitz - Arena 14.11. Berlin - C-Halle 15.11. Hamburg - Sporthalle

EVENTS

The Turbo AC’s

Seid ihr auf Tour je mit dem Gesetz in Konflikt geraten? Robert und Leah haben Ärger bekommen, als sie in Berlin eine Wand mit Farbe besprühen wollten, weil Leah zu betrunken war, um nach Polizisten Ausschau zu halten.

Wer würde euch in eurem heimlichen Tramper-Traum mitnehmen? Hunter S. Thompson in einem Sattelzug, und zwar von Mexiko über Montana nach Rhode Island. Das wäre ein dreimonatiges Abenteuer.

18.11. Berlin - C-Halle 20.11. München - Tonhalle 21.11. Düsseldorf - Stahlwerk

02.11. Köln - Gebäude 9 03.11. Schorndorf - Manufaktur 07.11. München - Atomic Cafe 08.11. Berlin - Comet Club 20.11. Dresden - Starclub 21.11. Hamburg - Molotow

04.10. Frankfurt - Batschkapp 05.10. Leipzig - Conne Island 06.10. Hamburg - Markthalle 07.10. Bochum - Matrix 08.10. Berlin - C-Club

Solltet ihr zu den glücklichen Trampern gehören, die vom Black Rebel Motorcycle Club mal am Straßenrand eingesammelt werden, verwöhnen euch die drei mit Schokolade und Chili-Sauce zum Frühstück. Die Käsefüße gibt es im Wohlfühlpaket mit dazu, wie uns Sänger und Gitarrist Peter Hayes berichtet. Ein kulinarischer Traum-Trip also – solange die drei Bandmitglieder nur nicht selbst das Steuer übernehmen.

Vampire Weekend

You Say Party

The Dillinger Escape Plan

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

25.09. Hamburg - Indra 27.10. Dresden - Ostpol 28.10. Erfurt - Museumskeller 29.10. München - 59to1 30.10. Köln - Sonic Ballroom 31.10. Freiburg - Swamp 04.11. Oberhausen - Druckluft 06.11. Berlin - Bang Bang Club

09.11.10 Wiesbaden - Schlachthof 10.11.10 Köln - MTC 11.11.10 Saarbrücken - Garage Club 12.11.10 Bielefeld - Falkendom

Sage Francis

Im Tourbus mit:

Thee Attacks

Telekom Extreme Playgrounds Berlin 2010

World Cup Skateboarding Event & Internationaler BMX Contest (Street/Vert) Panic! At The Disco + zwei Livebands 05. Dezember, Berlin, Velodrom

Rock’n’Roll Wrestling Bash 08.10. Berlin - SO36 06.11. München - Backstage Werk 13.11. Münster - Skaters Place 04.12. Köln - Live Music Hall

Vans Off the Wall Music Night

Anti-Flag & The Swellers & Pulled Apart By Horses & Red Lights Flash 23.10. Berlin - C-Club 24.10. Münster - Skaters Palace

Wie schaffst du dir während der Fahrt ein bisschen freie Zeit nur für dich alleine? Da gibt es keine Chance, überall sind Menschen, nirgendwo kann man sich verstecken! Wie wirkt ihr Langeweile entgegen? Wir schlafen, spielen Karten, nehmen wahllos ein paar Tramper mit und bespaßen uns natürlich mit kleinen, willkürlichen Kidnapping-Manövern. Wo habt ihr den abgefahrensten Drink eurer Tourlaufbahn getrunken? Was war es? Auf australischen Flughäfen gibt es vegetarische Saftbars mit leckeren Getränken. Was muss immer bei euch im Bus-Kühlschrank sein? Es gibt auf jeden Fall immer Schokolade und scharfe Sriracha-Sauce. Wer von euch wäre der schlechteste Ersatzbusfahrer und warum? Wir wären alle übel, allerdings aus verschiedenen Gründen: Robert guckt nicht wirklich auf die Straße, weil er SMS schreibt, Leah schläft zu gerne und ich fahre viel zu schnell. Heimat: blackrebelmotorcycleclub.com

AUF TOUR 22.11. Frankfurt - Batschkapp *** 23.11. Frankfurt - Batschkapp *** 24.11. Stuttgart - LKA Longhorn


unclesally*s magazine

so war’s

SO WAR’S

Seite 49

Foto: Axel Mosch

Mit ‘Fullsteam‘ in Finnland

„Der Finne gibt lieber 60 Euro für einen tüchtigen Vollrausch aus als zwölf Euro für ein gutes Konzert“, sagt der Junge neben mir. Es ist Spätsommer in Turku, auf dem Programm stehen fünf verschiedene Bands aus dem Gestüt des geschmackssicheren ‘Fullsteam‘-Labels, und der Club namens „Klubi“ füllt sich langsam. Vor der Bar bilden sich lange Schlangen, trotz Preisen, wie sie sonst nur auf dem Eiffelturm verlangt werden. In Finnland, so heißt es, gebe es vom Prinzip her nur Metal und „andere Musik“. ‘Fullsteam‘ hat sich auf „andere Musik“ spezialisiert, das dann aber ohne Scheuklappen. Das Label betreut mehr als zwei Dutzend Bands unterschiedlichster Spielarten und fungiert nebenbei noch als Booking-Agentur, Konzertveranstalter und Clubbesitzer. Der 360°-Ansatz, wie es so schön heißt: Die Plattenfirma als Partner in allen Band- und Lebensfragen. Das sei nötig geworden, um in Krisenzeiten wie diesen überlebensfähig zu bleiben, am Polarkreis genauso wie sonst überall auf der Welt. Und trotzdem ist ‘Fullsteam‘ eine Erfolgsgeschichte: Bands wie Lap-

ko oder Disco Ensemble sind mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Außerdem ist der Enthusiasmus der Firma ansteckend. Am nächsten Abend in Helsinki ist das Venue dann auch proppenvoll, die Frauenquote erreicht locker Depeche Mode-Verhältnisse und der Lakritz-Vodka klopft am Stammhirn an. Man kann sich leicht vorstellen, wie es hier im Winter sein muss, wenn das Klima draußen langsam unwirtlich wird und die Konzerthalle zum modernen Kaminzimmer.

das durch einen trockenen Sinn für Humor und ein erfrischendes Maß an Bescheidenheit ergänzt wird. „Im Vergleich zu den Schweden sind wir eher die Trolle“, sagt der Junge von vorhin, der inzwischen den dezibelstarken Prog von Callisto goutiert. Er erzählt von Elch- und Bärenfleisch, das man hier in Konservenbüchsen kaufen kann und das man als Tourist praktisch aufgedrängt kriegt. Das Rentierfleisch kommt übrigens von der Marke Santa Claus – da wäre er dann wieder, der finnische Humor.

Die finnische Jugend existiert dabei die ganze Zeit auf einem hohen Level modischen Bewusstseins,

Text: Michael Haacken Heimat: fullsteamrecords.com

KONZERTFOTOS OF DEATH Ihr geht doch alle auf Konzerte. Und macht dabei - Fotos? Die wollen wir sehen. Und prämieren. Denn an dieser Stelle küren wir die „Konzertfotos Of Death“ - egal, ob mit Handy oder der Digitalen geschossen. Schickt uns euer Konzertfoto inklusive Namen der geknipsten Band/Person, Ort, Datum und zwei Sätzen dazu, wie’s so war, auf dem Konzert. Entweder per Mail an sallys@sallys.net oder aber ihr ladet euer Foto ganz einfach auf sallys.net hoch. Da könnt ihr dann auch die Fotos der anderen bestaunen und euren Senf dazugeben. Die besten, schrägsten und lustigsten aus den letzten Wochen zeigen wir euch hier:

3OH!3 23.8. Hamburg - Uebel & Gefährlich Geknipst von: Sunché

All Time Low 24.8. Hamburg - TrabArena Geknipst von: Sunché

The Futureheads 17.7. Gräfenhainichen - Melt! Festival Geknipst von: Miffymiff

Die Toten Hosen 18.8. Dresden - Eventwerk Geknipst von: Janiii

Darwin Deez 7.9. Hamburg - Molotow Geknipst von: Deez

Geiler explosiver Auftritt von den hochsympathischen, nordostenglischen Futureheads zur später Stunde beim Melt!. Was für eine Band.

Antitainment 15.7. Hamburg - Hafenklang Geknipst von: Sassee

Synchrontanzen, Ausziehen, Camcorder aus den Händen der Fans reißen – bei einer 3OH!3-Show weiß man nie, was passiert. Und leider auch nie, wie lange man dieses Mal auf die Band warten muss.

Das einzige Clubkonzert der Hosen in Deutschland dieses Jahr - der Wahnsinn!

The Gaslight Anthem 20.8. Großpösna - Highfield Festival Geknipst von: Nappi

Herrlich, wie viel Freude diese Band beim Spielen hat und das auf das Publikum übertrug! Posiert für die Kamera wurde auch...

Götz Widmann 13.8. Eschwege - Open Flair Festival Geknipst von: Glasmensch

Wer regelmäßig auf All Time Low-Konzerte geht, kann Jack-Barakat-Begrabbeln schon fast als Extremsportart treiben, denn Gelegenheiten gibt es genug – wenn man denn am richtigen Platz steht.

Schon alleine für die crazy Tanzeinlagen sollte man Darwin Deez live nicht verpassen.

Senore Matze Rossi 17.7. Schweinfurt - Honky Tonk Festival Geknipst von: Mrs. Neerg Wunderschönes Konzert, wenn auch ohne Band.


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Apfelernte

Anti Flag

Alles neu macht der Herbst Mit dem iPod eroberte Apple nicht nur Unmengen Ohren und Herzen von Menschen, die bis dato mit der ApfelGemeinde nicht viel am Hut hatten, sondern sorgte mit iTunes im Musikgeschäft endlich für ein ernstzunehmendes - weil funktionierendes - Verkaufsmodell im Netz. Ein Siegeszug begann, der mit der Weiterentwicklung von iTunes und der Erweiterung um das iPhone seinesgleichen sucht. Immerhin wanderten schon 275 Millionen iPods über die Ladentische der Welt, die auf 160 Millionen iTunes Accounts mit bisher 11,7 Milliarden verkauften Songs bestückt werden. Der Trend geht zum Zw-iPod, was auch daran liegt, dass die Geräte jährlich neu erfunden werden. So auch in diesem Herbst: iPod shuffle

Der neue iPod Shuffle hat seine Tasten wieder, zwei Gigabyte Speicher, eine Akkulaufzeit von 15 Stunden und VoiceOver. Er kostet 49 Euro und ist in fünf verschiedenen Farben erhältlich. iPod nano

Der iPod Nano ist nur noch halb so groß wie sein Vorgänger, weil man komplett auf das Clickwheel verzichtet hat und ihn stattdessen über ein Multitouch-Display bedient. Nichts für dicke Finger, flinke dagegen können das Display in alle Richtungen drehen. Die Akkulaufzeit ist mit 24 Stunden mehr als ordentlich. Es gibt ihn in sieben verschiedenen Farben für 159 Euro (8GB) oder 189 Euro (16GB). Auf sallys.net gibt es für einen von Euch ein solches Teil in knallerot zu gewinnen. iPod Touch

Der iPod Touch ist für die einen ein iPhone, mit dem man nicht telefonieren kann, für die anderen eins ohne lästige Vertragsbindung. Alles eine Frage der Perspektive, wie auch die Meldung beweist, dass er inzwischen die meistverkaufte mobile Spielkonsole ist. Die neue Version ist noch mal deutlich dünner geworden und kommt mit einem hochauflösenden Retina-Display daher. Neu auch der A4 Chip und zwei Kameras für jetzt auch auf dem iPod laufenden Face-Time-Videochat. Die neue Generation des iPod Touch kostet 229 Euro (8GB), 299 Euro (32GB) und satte 399 Euro (64GB). iTunes 10 goes Ping

Auch bei iTunes hat sich etwas getan. In der neuen Version ist nicht nur die CD aus dem Logo verschwunden, wenn man mehr als fünf Songs von einem Album zusammen hat, kann man das Cover des schöneren Anblicks zuliebe jetzt auch in die Liste einblenden lassen. Nett. Spannender dürfte es allerdings sein, ob sich „Ping“ als „soziales Netzwerk für Musik“ durchsetzen wird. Facebook und Twitter treffen sich im iTunes Store und das meiste worüber so geredet werden soll, kann man sofort kaufen. apple.com

Vans Off The Wall Music Night Was für die Füße und fürs Herz

Vans und Musik – das passt ja immer gut zusammen. So spielen die Punkrocker von Anti-Flag gerne den Headliner, wenn die Vans Off The Wall Music Night am 23. Oktober in Berlin und am 24. Oktober in Münster gastiert. Mit dabei sind außerdem die Bands The Swellers, Pulled Apart By Horses sowie Red Lights Flash. Allesamt schnell, laut und mit ordentlich Punk zwischen den Kiemen. Außerdem habt ihr die Chance, im Vorfeld der Shows im Vans Butchers Block (Alte Schönhauser Straße 48, Berlin) tolle Preise klar zu machen. Testet das neue „Guitar Hero®: Warriors of Rock“, fotografiert euch dabei und ladet das Bild unter facebook.com/vanseurope hoch. Außerdem wartet eine – echte – Epiphone CoronetGitarre auf den Punktbesten, dazu Vans-Produke und vieles mehr. Foto: Erik Weiss

Vans Off The Wall Music Night Live: Anti-Flag & The Swellers & Pulled Apart By Horses & Red Lights Flash 23.10. Berlin - C-Club 24.10. Münster - Skaters Palace

Auf sallys.net verlosen wir zwei schicke VansPaare: einmal „Authentic“ black in Größe 42 und „Old Skool“ black ebenfalls in Größe 42.

Durch die Nacht mit Juliette Lewis

Der Fernsehsender ARTE strahlt in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober eine neue Folge der „Durch die Nacht mit...“-Reihe aus. In Prag trifft die Schauspielerin und Rocksängerin Juliette Lewis vor ihrem Konzert auf den Schauspieler Crispin Glover, mit dem sie 1992 bei den Dreharbeiten zu „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ zusammen arbeitete. Bekannt wurde Glover vor allem durch seine Rolle als George McFly im Film „Zurück in die Zukunft“. Es begegnen sich zwei extrovertierte Künstler, die sich und ihrer speziellen Persönlichkeit einerseits treu bleiben, sich andererseits aber auch immer wieder neu erfinden wollen. Nach der Erstausstrahlung um 23.55 Uhr kann man sich das Ganze noch sieben Tage lang auf arte.tv ansehen. arte.tv


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Beck’s Music Experience

Phoenix, The Ting Tings und Paul Smith spielen im Finale Das wird ein tolles Fest, wenn die Beck’s Music Experience am 6. November in der „Station“ Berlin ihr großes Finale zelebriert. Die Gästeliste zieren berühmte Namen: So werden an diesem Abend die GrammyGewinner Phoenix als Moderatoren und musikalische Headliner zugegen sein. Zuvor haben sie sich bereits für Beck‘s als Etikettendesigner versucht und beim Band Contest als Jurymitglieder den besten Kandidaten mitbestimmt, der an diesem Tag als „European Newcomer“ vor 3.000 Menschen seinen ersten großen Auftritt absolvieren wird. Außerdem sind The Ting Tings für einen Gig geladen und werden diesen Rahmen auch nutzen, um einen Ausblick auf ihr neues, Anfang 2011 erscheinendes Album zu bieten. Desweiteren hat Maxïmo Park-Frontmann Paul Smith sein Kommen angekündigt, der am 15. Oktober sein Solodebüt „Margins“ veröffentlicht.

Ihr seht also, das muss einfach eine tolle Party werden, für die ihr jetzt unter becks.de Tickets gewinnen könnt. Natürlich könnt ihr auch bei uns euer Glück versuchen und euch auf sallys.net für 3x2 davon bewerben.

„Jeder Tag ist Kinotag“ Wie Schokolade Preisvorteile schafft

Wenn das Wetter jetzt wieder gefühlte neun Monate kalt, grau, nass und ungemütlich wird, zieht es die Menschen verstärkt in die Kinos. Mit den Gutscheinen, die ihr nun auf den Aktionspackungen, beispielsweise von Kinderschokolade, Duplo, Hanuta oder Yogurette findet, könnt ihr die Vorstellungen in allen CineStars und weiteren teilnehmenden Kinos jederzeit zum ermäßigten Kinotag-Preis besuchen. Manche Dinge sind einfach doppelt gut. Alle weiteren Infos gibt es unter ferrero-kinotag.de. Und damit nicht genug. Der ganz große Knüller erwartet euch dieser Tage auf sallys.net. Hier verlosen wir gemeinsam mit Ferrero eine exklusive „Jeder Tag ist Kinotag“-Box im Wert von 700 Euro. Diese ist nicht nur randvoll mit tollen schokoladigen Köstlichkeiten, sondern enthält auch ein iPad von Apple (16GB MB292), einen iTunes-Gutschein für aktuelle Filmhits und zwei CineSt ar-Gutscheine. ferrero-kinotag.de

Beck‘s Music Experience – DAS Finale 6.11. Berlin – Station Live: Phoenix, The Ting Tings, Paul Smith Tickets unter becks.de


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hat, während Goethe irgendwo mit seinem Spazierstock unterwegs war und Weisheiten von sich gegeben hat. Dabei war eher das Gegenteil der Fall – und man muss letztlich nur den „Werther“ lesen, um das zu erkennen. Goethe hat gesucht, empfunden, sich ins Leben gestürzt. Natürlich ist unser Goethe nur eine Filmfigur. Aber ich denke schon, dass es da einige Gemeinsamkeiten mit der echten Person gibt. Deswegen war ich von dieser Figur auch gleich so begeistert, in all ihrer Verletzlichkeit und Offenheit. Ich wusste sofort, dass ich das machen will. Wie steht es mit einem Bezug zur eigenen Persönlichkeit? Hast du für die Rolle darüber nachgedacht, wie stürmisch du vielleicht selbst mit Anfang 20 warst? Ich glaube schon, dass man nichts spielen kann, ohne etwas von sich selbst in die Rolle zu übertragen. So wie ich jetzt hier vor dir sitze, bin ich es schließlich auch, der da vor der Kamera steht. Auch wenn da dann natürlich noch einiges hinzukommt, was hier im Moment jetzt fehlt. Etwas zu spielen, das man so gar nicht kennt oder erlebt hat? Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Damit meine ich aber nicht, dass ich über mein eigenes Leben mit Anfang 20 nachgedacht habe, denn das finde ich völlig uninteressant. Wichtig fand ich eher, wie groß zum Beispiel eine Sehnsucht sein kann und wie sie sich ausdrückt. Bei Goethe, aber eben auch bei mir – und wo es da vielleicht eine Schnittmenge gibt. Danach suche ich, denn ich finde Authentizität entsteht nicht durch belegbare Fakten, sondern dadurch, dass man beim Spielen nicht lügt und wirklich glaubt, was man da sagt und tut.

Kennen wir aus der Schule: Goethe (Alexander Fehling).

Alexander Fehling

Shooting Star spielt Universalgenie Gleich mit seinem ersten Film „Am Ende kommen Touristen“ sorgte Alexander Fehling vor drei Jahren in Cineastenkreisen für Aufsehen. Anschließend folgte eine Reihe von Nebenrollen, die kaum weniger hochkarätig waren: in den „Buddenbrooks“ und Hans-Christian Schmids „Sturm“, in der Studentenkomödie „13 Semester“ und natürlich in Tarantinos „Inglourious Basterds“. Jetzt spielt der Freund von Nora Tschirner in „Goethe!“ seine erste große Kino-Hauptrolle – und nimmt sich dafür niemand Geringeres vor als Deutschlands berühmtesten Universalgelehrten. Wir trafen den aufstrebenden Berliner zum Interview. Alexander, Johann Wolfgang von Goethe ist einer jener wenigen Deutschen, dessen Name vermutlich jeder kennt. Welchen Bezug hattest du vor dem Film zu ihm? Natürlich kenne ich einige Werke von ihm, ein paar Theaterstücke und Gedichte, aber wirklich nur einen Bruchteil seines umfassenden Werks. Das kommt fast alles noch aus der Schulzeit, danach kam ich mit Goethe eigentlich kaum noch in Kontakt. Auch an der Schauspielschule habe ich nichts von ihm gespielt, nur Schiller. Deswegen hatte ich kein anderes Bild von ihm als das, was vermutlich die meisten

haben: gelehrt, weise und irgendwie weit weg. Durch den Film hat sich das nun ziemlich verändert, die Angst vor dem erhobenen Zeigefinger ist genauso weg wie der Staub, der für mich auf dem Thema lag. Die Idee, ihn als romantischen Helden zu inszenieren, erscheint trotzdem überraschend. Wie war deine erste Reaktion auf diesen Ansatz? Wenn man sich mit Goethes Biografie beschäftigt, ist das eigentlich überhaupt nicht mehr überraschend. Man denkt immer, Schiller sei der große Draufgänger gewesen, der sich auf alle Abenteuer eingelassen

Das klingt aber nach einem nicht gerade leicht zu erreichenden Ziel, von dem man doch sicher nicht schon bei der Drehbuchlektüre weiß, ob man es wirklich erreichen kann... Das weiß man nie! Natürlich hat man einen Instinkt, ob man das könnte, oder zumindest das große Interesse, es auszuprobieren. Aber mehr auch nicht. Es gibt sicherlich Arbeiten, wo alles läuft wie im Flug, aber wenn man sie dann später sieht, wundert man sich. Man hatte sich so gut gefühlt, aber vielleicht war gerade das der Fehler, weil man sich seiner Sache zu sicher war. Im Gegenzug gibt es auch Rollen, mit denen man erst einmal gar nicht zurande kommt und richtig frustriert ist – und plötzlich ist das Ergebnis wirklich gut, ganz anders als man erwartet hatte. Ich habe zwar immer eine Vorstellung von dem, was ich will, aber ich habe kein festes Bild, das ich dann nachmache. Das Bild entsteht von Sekunde zu Sekunde, von Tag zu Tag, und endet eigentlich im Auge des Zuschauers. Aber was, wenn der Instinkt trügt, und man erst beim Drehen merkt, dass der Film doch ein ganz anderer wird, als man gedacht hat, oder man mit dem Regisseur vielleicht doch nicht so gut kann? Das kommt natürlich auch vor, wie bei allem im Leben. Einen Film zu drehen ist eine Begegnung zwischen ganz vielen Menschen. Manche lernt man dabei kennen und andere überhaupt nicht. Bei manchen ist es gut, sie kennen zu lernen, und bei anderen ist das gar nicht nötig. Selbst wenn ich bei der Arbeit merke, dass es richtig schwer ist und ich nicht weiß, ob ich überhaupt an der Wasseroberfläche bleibe oder doch völlig untergehe, versuche ich immer weiterzumachen und den Mut, sich etwas zu trauen, nicht zu verlieren. Das Ding in Sicherheit zu Ende zu schaukeln ist jedenfalls nicht die Lösung. Für mich ist im Leben generell nicht nur wichtig, was mir wirklich gelingt, sondern auch, was ich aus vollstem Herzen zumindest versucht habe. Interview: Patrick Heidmann Kinostart: 14. Oktober


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sy zu Beginn. Damit meint er Thierry Guetta, einen Filmnerd aus Frankreich, dessen Cousin sich als Street Artist „Space Invader“ entpuppt. Als Kameramann rutscht der faszinierte Guetta Ende der Neunziger in die noch junge Szene, die die größte Gegenbewegung seit Punk werden sollte. In Los Angeles trifft er den Sprayer Shepard Fairey, hört von Banksy und will den Star dieser Subkultur vor die Kamera bekommen.

Art is not a crime: Banksy in seinem Atelier.

Banksy – Exit Through the Gift Shop Die Kinder fressen ihre Revolution

Der britische Street-Artist Banksy ist kontroverser und gefeierter Künstler in Personalunion. Jetzt könnte dem Graffiti-Phantom der größtmögliche Hoax der popmodernen Kunstgeschichte gelungen sein: die vermeintliche Dokumentation „Banksy – Exit Through The Gift Shop“. Das Werk von Banksy ist wichtiger als der Künstler selbst, aber das nur, weil eben jener Künstler die Öffentlichkeit meidet - und sich dadurch zu einem Popstar stilisiert, wie es Popstars seit Jahren nicht mehr gibt: Er inszeniert größtmögliche Unnahbarkeit. Banksy ist mit seinen Scherenschnitt-Graffitis – von Ratten bis zu knutschenden Polizisten, von Los Angeles bis Palästina

– längst selbst eine Marke geworden. Er weiß das natürlich ebenfalls, und so wirft auch der neueste Streich des Phantoms mehr Fragen als Antworten auf. „Das hier ist eine Dokumentation über einen, der versucht, über mich eine Dokumentation zu drehen“, erklärt ein im Dunkel sitzender und vermummter Bank-

Ihm gelingt das Unwahrscheinliche, er dreht einen Film, Banksy findet ihn schrottig und schickt Guetta mit ein paar warmen Worten weg. Mit fatalen Folgen: Von Banksy motiviert macht sich Thierry Guetta als „Mr. Brainwash“ auf, der Größte zu werden. Er vermischt fortan Kunst und Kommerz, wie es vor ihm keiner tat. Er kopiert die ohnehin schon als Kopien angelegten Werke seiner Vorbilder, „er macht sie wirklich bedeutungslos“ (Banksy über Guetta). Guetta will sich selbst ein Denkmal zimmern - und hämmert so den Sargnagel in jene Szene, die ihn einst inspirierte. Street Art wird bei Sothebys und Co. gehandelt. Die Subkultur ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und im gleichen Moment tot. Plötzlich kommt man nur noch durch den Souvenirladen raus. Ob Grunge-Musik, Skateboarding oder Street Art: „Exit Through The Gift Shop“ ist eine Parabel auf alle Bewegungen, die in Nischen heranwuchsen und vom Mainstream vereinnahmt wurden. Und deshalb ist es egal, ob das, was diese Dokumentation zeigt - der Aufstieg und Fall der Street Art und des Thierry Guetta - der Wahrheit entspricht oder nicht: Ein unterhaltsamer „Behind The Scenes“-Kommentar von Banksy zur Lage der Nation und ein Paradebeispiel viralen Marketings ist es allemal. Und falls Guetta selbst tatsächlich eine Erfindung von Banksy sein sollte, wäre er mehr als nur ein Popstar. Er wäre ein anonymes Genie. Text: Fabian Soethof Kinostart: 21. Oktober

Shahada

Mosaik des Islams Der Titel des Films von Burhan Qurbani, der als Diplom-Abschlussfilm in diesem Februar in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen wurde, bezieht sich auf ein Glaubensbekenntnis des Islam. Einen Film über die Religion hatte der Sohn afghanischer Eltern trotzdem nicht im Sinn, wie er im Interview betont: „Ein allgemeines Statement nach dem Motto: ‘So ist es, so muss es sein’ war das letzte, was wir wollten. Stattdessen ging es darum, kleine und möglichst allgemeingültige Geschichten über Foto: Ville Akseli Juurikkala Menschen zu erzählen, die immer wieder an ihre Grenzen getrieben werden.“ Die drei Menschen, die er dabei meint, ringen in „Shahada“ mit sehr unterschiedlichen Problemen, aber eben doch auch alle mit ihrer Religion. Der türkischstämmige Polizist Ismail (Carlo Ljubek) begegnet einer Kroatin wieder, die vor einigen Jahren von einem Querschläger aus seiner Waffe lebensgefährlich verletzt wurde und ihr Baby verlor. Die lebenslustige Maryam (Maryam Zaree) treibt ihr ungewolltes Kind ab und sucht in ihren Selbstvorwürfen danach plötzlich Halt im Glauben. Und der junge Samir (Jeremias Acheampong) aus Nigeria kann nicht mehr länger leugnen, dass er für seinen Kollegen und Kumpel Daniel vielleicht doch etwas mehr empfindet als bloß Freundschaft. Als roter Fa-

Tanz den Mussolini: Burhan Qurbanis „Shahada“.

den durch diese Berliner Episoden dient Maryams Vater (Vedat Erincin), der als Imam besonnen und aufgeklärt eine kleine Moschee in Kreuzberg leitet. Der plötzlichen Fundamentalisierung seiner Tochter steht er fast hilflos gegenüber – und ist als positive Leitfigur (und damit gebrochenes Klischee) eine der Stärken des Films. Gleiches gilt für den Facettenreichtum, den er mit seinem sehr unterschiedlichen Personal aufmacht, um so schließlich doch einen Querschnitt durch verschiedene Aspekte des Islam in Deutschland abzuliefern. Darstellerisch, aber auch dramaturgisch hat „Shahada“ immer wieder Schwächen; gerade in der Maryam-Episode hätte man sich hier und da etwas mehr von Qurbanis anderswo durchaus vorhandener Sub-

tilität gewünscht. Gleichzeitig entwickelt der Film allerdings Stärken, wo man sie vielleicht bei einer solchen Thematik gar nicht erwartet hätte. Die Kameraarbeit von Yoshi Heimrath ist in einer Art und Weise durchstilisiert, wie man sie im hiesigen Kino selten so beeindruckend sieht; Schnitt und Musik stehen dem nur wenig nach. Die visuellen und technischen Aspekte des Filmemachens derart in den Vordergrund zu rücken und bisweilen direkt mit der Geschichte in Reibung treten zu lassen, ist mutig. Man darf jetzt schon gespannt sein, was dieser Regisseur sich erst traut, wenn er noch an Erfahrung und Souveränität hinzugewonnen hat. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 30. September


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3 Fragen an

... Carey Mulligan, die mit der Tragikomödie „An Education“ vor gut einem Jahr über Nacht zum Star wurde und seither die gesamte Filmbranche verzaubert. Nun ist sie in Oliver Stones lange erwarteter Fortsetzung „Wall Street – Geld schläft nicht“ an der Seite von Michael Douglas und Shia LaBeouf zu sehen, mit dem die Britin seit dem Dreh auch privat liiert ist. Carey, kanntest du den ersten „Wall Street“-Film? Klar, wobei ich leider nicht behaupten kann, dass ich ihn gesehen habe, als er in die Kinos kam. Das war nämlich im gleichen Jahr, in dem ich geboren wurde. Ich finde ihn großartig und finde natürlich Michael Douglas, aber auch Charlie Sheen darin einfach fantastisch. Aber ich bin auch überzeugt davon, dass unser Film nicht weniger Durchschlagskraft hat! Was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn plötzlich Oliver Stone anklopft? Ich drehte gerade die Romanverfilmung „Never Let Me Go“, als mein Agent mich anrief und mich warnte, dass Oliver sich melden würde. Er selbst wollte dann nur sagen, dass er mich gerne für eine Rolle hätte, es aber noch kein Drehbuch gibt. Einen

Monat später traf ich ihn endlich auch persönlich und war natürlich furchtbar aufgeregt. Er ist nun einmal Oliver Stone! Musstest du denn gar nicht vorsprechen? Nein, zum ersten Mal in meiner Karriere nicht. Wir trafen uns nur zum gemeinsamen Lesen des Drehbuchs mit Michael und Shia. Die Hälfte des Skripts las ich mit meinem amerikanischen Akzent, aber der war damals noch so schlecht, dass ich nach der Hälfte aufgab und einfach Britisch weiter sprach. Als ich danach mitbekam, dass sie das ganze aufgezeichnet hatten, dachte ich wirklich, ich sei geliefert. Interview: Elaine Lipworth * Wall Street – Geld schläft nicht, Kinostart: 21. Oktober

... Christian Ulmen, der sich längst vom Ex-TV-Moderator zu einem der meistbeschäftigten Stars des deutschen Kinos gemausert hat. Nach „Maria, ihm schmeckt’s nicht“, „Männerherzen“ und „Jerry Cotton“ spielt er nun in „Hochzeitspolka“ einen unsouveränen ExRocker, bei dessen Hochzeit in Polen plötzlich die alten Kumpel vor der Tür stehen. Christian, was für einen Typ Mann ist dieser Frieder, den du in „Hochzeitspolka“ spielst? Frider ist ein Traumtänzer, der sich vorstellt, wie ein Geschäftsführer wohl ist. Diesen Job macht er ja nicht, weil er ihm Spaß macht, sondern weil er Spaß an all den Annehmlichkeiten hat. Er hat sich irgendwann vorgestellt, dass ein Geschäftsführer ein großes Auto fährt, einen Anzug trägt und eine Villa hat. Darum geht es ihm. Er ist aber nicht mutig genug, dazu zu stehen, weil er früher eben dieser Punkrock-Typ war. Ein bisschen schlaff ist das schon... Vor allem ist er, wie die meisten deiner Rollen, ziemlich normal. Fühlst du dich manchmal in eine Schublade gesteckt? Ja, aber auch das ist ja völlig normal. Das finde ich

nicht schlimm. Aus jeder Schublade kann man schließlich auch wieder herauskriechen. Im Fernsehen, bei „Mein neuer Freund“ oder meinen Sachen im Internet, da schlage ich wiederum eine ganz andere Richtung ein. Das ist auch ein Ausgleich, den ich brauche. Wird es dir nicht langweilig, im Kino plötzlich immer den gleichen Typ Mann zu spielen? Nö, gar nicht. Es stimmt schon: Die Figuren, die ich in Kinofilmen spiele, haben immer denselben Nenner. Aber der Zähler ist jedes Mal ein anderer. Wenn ich das Gefühl hätte, immer denselben zu spielen, dann würde ich es nicht mehr machen. Interview: Patrick Heidmann * Hochzeitspolka Kinostart: 30. September

... Zac Efron, der dieser Tage 23 Jahre alt wird und nach den „High School Musical“-Filmen allmählich versucht, auch als Schauspieler ernst genommen zu werden. Nachdem er kürzlich in„Ich & Orson Welles“ überzeugte, gibt er nun in „Wie durch ein Wunder“ seine Träume auf, nachdem sein kleiner Bruder bei einem Unfall stirbt. Zac, bist du sehr darum bemüht, endlich das Image des Teenie-Idols hinter dir zu lassen? Darüber habe ich mir bei dieser Rolle gar nicht so viele Gedanken gemacht. Aber ich habe schon darauf gewartet, dass mal eine ernsthafte Rolle meinen Weg kreuzt. Früher haben mich Dramen nicht besonders interessiert. Aber der Geschmack verändert sich ja mit der Zeit, und zuletzt haben mich vor allem anspruchsvolle Filme wie das Pianistenporträt „Shine“ von Scott Hicks begeistert, mit dem ich demnächst drehen werde. Deine Filmfigur träumt anfangs von einem UniStudium. Hattest du das jemals im Sinn? Meine ganze Schullaufbahn steuerte darauf zu. In den USA dreht sich ja ab der ersten Klasse alles ums College. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Spannendste am College eigentlich das Leben auf dem Campus und

in den Wohnheimen. Der Rest ist nur Ausbildung – und die habe ich, was meinen Job angeht, im Laufe der Zeit viel unmittelbarer von den Menschen mitbekommen, mit denen ich beim Film zusammenarbeite. Von Tom Cruise hast du auch etwas gelernt, nicht wahr? Wir wurden uns bei einer Party vorgestellt und er fragte mich, ob ich Motorrad fahren würde. Ich hatte noch nie auf einem gesessen, also trafen wir uns und er brachte mir einen Tag lang alles über Motorräder bei. Er ist eines meiner großen Idole und ich konnte gar nicht fassen, dass er tatsächlich so offen, interessiert und einfach nett ist. Das war definitiv eines der coolsten Erlebnisse meines Lebens. Interview: Patrick Heidmann * Wie durch ein Wunder Kinostart: 7. Oktober


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Gainsbourg

Der Komponist und seine Fresse Sex und Drogen, Skandale und Welthits – das Leben von Serge Gainsbourg ist wie gemacht für einen Film. Wer allerdings erwartet, „Gainsbourg“ käme als klassisches Biopic à la „Ray“ oder „Walk the Line“ daher, dürfte überrascht sein. „Diese Filme waren doch furchtbar uninteressant“, meint zumindest „Gainsbourg“Regisseur Joann Sfar beim Interview in Paris.: „Solche braven Biopics sind mir scheißegal. Aber auf Musicals stehe ich!“ In ein Musical hat er die Biografie von Frankreichs vielleicht berühmtesten und definitiv provokantesten Chansonnier dennoch nicht verwandelt – und überhaupt tut man sich angesichts seines Debütfilms nicht ganz leicht, die passende Schublade dafür zu finden. Sfar verzichtet darauf, als sorgfältiger Chronist den Werdegang Gainsbourgs (Éric Elmosnino) vom Sohn jüdisch-russischer Immigranten aus Pariser Armenviertel über das Malereistudium und erste Pianisten-Auftritten in Schwulenclubs bis hin zum ganz großen Durchbruch mit seinen Kompositionen für France Gall, Brigitte Bardot (Laetitia Casta) oder natürlich seiner langjährigen Lebensgefährtin Jane Birkin (Lucy Gordon) und den spätern Jahren als Kette rauchender, dauerbetrunkener NachtclubMacho „Gainsbarre“ nachzuzeichnen. Stattdessen vermengt all diese Stationen eines legendären Lebens recht sprunghaft mit gezeichneten Sequenzen, surrealen Einlagen und „der Fresse“, Gainsbourgs eifersüchtigem Alter Ego in Puppenform (gebaut vom Tricktechnik-Team von Guillermo Del Toro), das je nach Situation den Künstler in Himmel hebt oder in den Abgrund reißt. Dass der Regisseur sich so ungemein lässig über sämtliche Genre-Konventionen und Erwartungen hinwegzusetzen vermag, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass er eigentlich fachfremd ist. Der 39-jährige Franzose kommt aus der Comicszene, wo er mit Titeln wie „Merlin“ oder „Die Katze des Rabbiners“ zum Star wurde. Hinter die Kamera zog ihn nun gar nicht große

Liebe zum Kino („die kann ich auch in meinen Zeichnungen ausleben“), sondern eher die Tatsache, dass er seinen Atelier-Kollegen und engen Freunden Marjane Satrapi („Persepolis“) und Riad Sattouf („Jungs bleiben Jungs“) nicht länger nachstehen wollte. Ob sein Herz nun für Film schlägt oder nicht, „Gainsbourg“ wirkt dennoch so, als habe Sfar mehr Leidenschaft für dieses Medium als sehr viele andere sehr viel erfahrenere Regisseure. Die Kreativität der Bilder, die Sorgfalt der Kostüm- und Maskendetails, die Raffinesse im Aufbau der Erzählung sind so überbordend, dass man sich mitunter fast wünscht, er hätte den einen oder anderen Einfall für seinen nächsten Film aufgehoben. Weil psychologische Erklärungen und biografische Details hier eine untergeordnete Rolle spielen, macht es „Gainsbourg“ all jenen Zuschauern schwer, die von der Songschreiber-Ikone nicht mehr kennen als „Je t’aime“. Als atmosphärische Hommage an ein kreatives Genie, der es mehr um das Einfangen eines Geistes als um Wissensvermittlung geht, gelingt Sfar und seinem exzellenten, vom Theater kommenden Hauptdar-

Nichts für seine Kinder: Gainsbourg (Eric Elmosnino).

steller Elmosnino allerdings Beeindruckendes. Dass für den Film übrigens keine Originalaufnahmen der Songs verwendet wurden, hat übrigens nur mit Sfars Abneigung gegen Authentizitätskonventionen zu tun, nicht mit Fragen der Rechte. Im Gegenteil: Gainsbourgs Erben überließen ihm als erstem Filmemacher überhaupt Zugriff auf sämtliche Musik und Archive. „Sie wollten mir helfen, den Film zu realisieren, weil mein Ansatz Serge sehr glücklich gemacht hätte“, berichtet Sfar, der ursprünglich sogar vor hatte, Gainsbourg von seiner Tochter Charlotte spielen zu lassen. „Sie dachte anfangs, so könne sie vielleicht endlich alles verarbeiten. Aber die Auseinandersetzung war für sie die Hölle, also musste ich eine Alternative finden.“ Bis heute hat Charlotte Gainsbourg den Film genauso wenig gesehen wie ihre Geschwister oder Jane Birkin. Man kann ihren Schmerz diesbezüglich natürlich verstehen. Aber ihnen entgeht großes Kino. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 14. Oktober 2010


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Die etwas anderen Cops Team-up wie Batgirl und Robin

Es gibt sie überall, die Leute aus der zweiten bis dritten Reihe. In der Schule, im Büro und demnach auch bei der New Yorker Polizei. Für seine Buddy-Action-Komödie findet sie Regisseur Adam McKay in Form von Will Ferrell und Mark Wahlberg. Danson (Dwayne „The Rock“ Johnson) und Highsmith (Samuel L. Jackson) sind zwei Superbullen des NYPD. Cool und schießwütig, mit einer Verhaftungsquote so hoch wie die Kosten der dabei verursachten Kollateralschäden. Im Revier begegnet man ihnen mit Respekt und Verehrung. Gamble (Ferrel) und Hoitz (Wahlberg) sind das Gegenteil. Ihre bisherigen Karrieren verliefen unauffällig bis unglücklich. Für die Kollegen sind sie eine Lachnummer und auch das Miteinander könnte besser sein. Als die beiden Superbullen von der Bildfläche verschwinden, bietet sich für Gamble und Hoitz die Chance, selbst ins Rampenlicht zu treten.

ker Will Ferrell und Regisseur Adam McKay erneut zusammengetan und dieses Projekt sehr prominent besetzen können. Mark Wahlberg kommt in seiner ersten großen komischen Rolle gut zurecht. Sein fassungsloses Gesicht und das bemühte Draufgängertum sind ein passender Kontrast zum strebsamen und nerdigen Ferrell. Die Gags sind zahllos und viele davon richtig gut, wie etwa die heimliche Schlägerei auf einer Beerdigung. Leider wird dem mindestens gleichstarken Duo aus The Rock und Jackson viel zu wenig Platz eingeräumt. Und so sehr das Timing bei den Dialogen auch stimmt, die überfrachtete und wenig überzeugende Story verliert etwas zu früh ihren Drive.

Nach gemeinsamen Erfolgen mit „Anchorman“, „Ricky Bobby“ oder „Stiefbrüder“ haben sich Komi-

Text: Christian Stein Kinostart: 14. Oktober

Piranha 3D

Das große Knabbern

Lange Zeit war von den gefräßigen Killerfischen wenig zu sehen, doch die neue 3D-Technik lässt sie wieder auferstehen. Für dieses lockere Remake von Joe Dantes „Piranha“ aus dem Jahr 1978 wurde mit Alexandre Aja ein Genre-Profi als Regisseur verpflichtet, der weiß, dass es Horror-Fans gerne etwas deftiger mögen. Und sie kommen nun nach einem etwas zahmen Einstieg durchaus auf ihre Kosten. Genau das wollen auch die amerikanischen Studenten, die jedes Frühjahr den Lake Victoria in einen Ausnahmezustand versetzen. In diesem Jahr allerdings hat ein Erdbeben den Zugang zu einer über Millionen Jahre verschlossenen Unterwasserhöhle freigelegt hat und die darin lebenden prähistorischen Piranhas könen entweichen. Sie vermehren sich blitzartig und finden in den sich im Wasser amüsierenden Studenten auch ordentlich was zu beißen. Zu seiner fischlastigen Schlachteplatte serviert Alexandre Aja viel nackte Haut, was in einem absurden erotischen Unterwasserballett seinen trashigen Höhepunkt findet. Die dritte Dimension wurde erst nachträglich

am Computer hinzugefügt, was sich als Fehler erweist. Da das milchig-trübe Wasser ohnehin schon über wenig räumliche Tiefe verfügt, wird gleich der erste Angriff der Raubfische zu einer durch einen Rotfilter bebilderten Schnittorgie, bei der man eher ahnt als sieht was passiert. Insgesamt gibt es nur wenige Momente, in denen sich die detailverliebt animierten Kiemenmonster in schönster Dreidimensionalität zeigen können. So sind es vielmehr die ganz normalen, gerne auch mal blutigen und durchaus originellen Schockeffekte, die die Qualität dieser Genre-Arbeit ausmachen. Text: Dirk Lüneberg Kinostart: 14. Oktober

Twelve

Ein Wochenende im Exzess

Dass es sich bei diesem Teenie-Drama um die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Nick McDonnel handelt, der stark an Bret Easton Ellis’ „Unter Null“ erinnert, ist kaum zu überhören. Immer wieder werden Teile des Buchs aus dem Off verlesen, um den Gemütszustand vor allem der Hauptfigur zu charakterisieren. Das zeugt nicht grade vom Einfallsreichtum des Regie-Routeniers Joel Schumacher, der die skizzenhafte Struktur der Vorlage übernommen und die einzelnen Erzählstränge immerhin geschickt zu einem runden Ganzen verwoben hat. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Dealer White Mike (Chace Crawford), der die reichen Kids von New York mit Partydrogen versorgt. Der Einzelgänger rührt jedoch weder Drogen noch Alkohol, ja noch nicht einmal Zigaretten an. Als ihm sein Großdealer Lionel (Curtis „50 Cent“ Jackson) eine neue synthetische Droge namens Twelve anbietet, lehnt White Mike ab, solch harten Stoff zu verticken. Trotzdem wird die-

se schicke Mischung aus Koks und Ecstasy in seinem Kunden- und Freundeskreis bald die Runde machen und für unangenehme Nebenwirkungen sorgen. Hollywoods Nachwuchsstars machen eine gute Figur in diesem Teenies-auf-Drogen-Drama, in dem die Eltern nur in Form einer möglichst belastbaren Kreditkarte existieren. Zwischen den Bildern erzählt der Film von der Sehnsucht der Jugendlichen nach ein wenig Aufmerksamkeit. Diesen Ausflug zur dunklen Seite von TV-Serien wie „Gossip Girl“ hat Joel Schumacher zwar rastlos inszeniert, trotzdem wird man den Verdacht nicht los, diese Partyexzesse des New Yorker Society-Nachwuchses schon ein paar Mal so oder so ähnlich gelesen, gesehen oder geträumt zu haben. Text: Dirk Lüneberg Kinostart: 14. Oktober


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Adèle und das Der letzte Exorzismus Ich – Einfach Geheimnis des Pharaos Cotton Marcus ist Sohn einer Predigerfamilie und unverbesserlich Schön, smart, sexy und dabei noch unglaublich witzig: das ist Louise Bourgoin – die Neuentdeckung von Kultregisseur Luc Besson und Protagonistin in „Adèle und das Geheimnis des Pharaos“ (ab 30.9.). Mit dem Charme einer „fabelhaften Amelie“ und der Chuzpe eines Indiana Jones stürzt sie sich als gewiefte Reporterin Adéle Blanc-Sec im Frankreich des beginnenden 20. Jahrhunderts von einem Abenteuer ins nächste. Ein ägyptisches Pharaonengrab plündern, einen mysteriösen Flugsaurier überlisten und mit einer alten Mumie die kranke Schwester heilen? Was reichlich krude klingt, ist für Adéle ein Kinderspiel. Und dass der Story nach einer Weile der Schwung fehlt und es recht albern zugeht, ist dank der zauberhaften Hauptdarstellerin nur halb so schlimm. Nach den zweifelhaften „Arthur und die Minimoys“-Filmen inszeniert Besson nun familienfreundliches Abenteuer-Kino. Ein zweites „Fünftes Element“ gelang ihm dabei leider nicht – unterhaltsam ist es jedoch allemal.

Berufsexorzist. Er glaubt nicht an Dämonen, aber verdient sein Geld mit Menschen, die das tun. Austreibungen inszeniert er anhand von Geräuschen aus dem iPod, Rauschschwaden aus dem Plastikkreuz und anderen Gimmicks. Für seinen letzten Exorzismus will Marcus (Patrick Fabian) die Show enttarnen: Mit Kamerateam fährt er nach New Orleans, wo eine 16-Jährige alleine mit Bruder und Vater auf einer Farm wohnt, nachts Tiere ermordet und morgens nichts mehr davon weiß. Aber „Der letzte Exorzismus“ (ab 30.9.) hieße nicht so, wenn sein Glaube nicht gehörig auf die Probe gestellt würde. In Anlehnung an GenreVorbilder wie „Der Exorzismus der Emily Rose“ gelingt dem deutschen Regisseur Daniel Stamm und Produzent Eli Roth („Hostel“) eine unterhaltsame und vergleichsweise unblutige Mockumentary, die ihr Mini-Budget allein in den USA in der ersten Woche verzehnfacht einspielte. Was beweist: Es zählt doch eine gut erzählte Geschichte, nicht das SFX-Budget.

Lebanon

Ondine – Das Mädchen aus dem Meer

Text: Eric Roth

Ein Sonnenblumenfeld, blauer Himmel, die Sonne scheint. Doch die Idylle trügt. Ein Panzer rollt durch das harmonische Bild. Es ist der erste Tag des Libanonkriegs im Jahr 1982. Die vier Soldaten in dem Panzer sehen sich plötzlich mit Angst und Schrecken des Krieges konfrontiert. „Lebanon“ (ab 14.10.), das Debüt von Regisseur Samuel Maoz, erhielt 2009 den Goldenen Löwen in Venedig. Warum ein Film ausgezeichnet wurde, der so inkonsequent ist, bleibt fragwürdig. Dem Konzept, die Schrecken des Krieges anhand eines Psychogramms der Soldaten in der Enge des Panzers zu zeigen, scheint der Film selbst nicht zu vertrauen und erlaubt sich immer wieder den Blick durch das Periskop. Jegliche Klaustrophobie und emotionale Dichte wird so untergraben. Die Drastik der Außenbilder, die in ihrer Brutalität und Detailliertheit auf plumpen Schrecken setzen, sind umso ärgerlicher, da der Film proklamiert, die Schrecken eines Krieges seien nie adäquat darstellbar. Text: Cornelis Hähnel

Text: Fabian Soethof

Ein Fischer findet in seinem Netz ein ebenso schönes wie geheimnisvolles Mädchen. Er versteckt sie in einer einsamen Hütte und erzählt nur seiner schwerkranken Tochter von der Begegnung. Das aufgeweckte Mädchen ist fest davon überzeugt, dass die Fremde eine mythische Robbenfrau ist. Und in der Tat, seit sie da ist, scheint sich das Glück zu häufen. Für „Ondine“ (ab 21.10.) hat sich Regisseur Neil Jordan von der rauen Küstenkulisse in seinem irischen Wohnort inspirieren lassen. Doch so faszinierend die Landschaft auch sein mag, so klumpfüßig kommt die Handlung daher. Zwischen Krimi, Märchen und Drama entspinnt sich eine Geschichte über die Macht und Notwendigkeit von Hoffnung und Liebe, doch gelingt es Jordan nie gänzlich, die Grenzen zwischen den Realitäten vollends zu verwischen, selten erscheint das Geschehen wirklich ambivalent. Text: Cornelis Hähnel

Kaum ein Genre boomt in den letzten Jahren so wie der Animationsfilm. Das bedeutet aber natürlich auch, dass dessen herausragende Qualität nicht jedes Mal erreicht wird. Bei „Ich – Einfach unverbesserlich“ (ab 30.9.) kann - technisch gesehen - die Geschichte des übellaunigen Bösewichts Gru, dessen größter Coup der Diebstahl des Mondes werden soll, durchaus mit den besseren seiner Art mithalten. Und eine Reihe putziger Einfälle hat die Produktion auch auf Lager, inklusive eines wunderbaren 3DGags nach dem Abspann. Aber Gru bekommt ebenso schnell wie unfreiwillig drei kleine Waisenmädchen an die Seite gestellt, die den Tonfall des Films zusehends kindlich färben. Das ist prinzipiell natürlich nicht verkehrt. Aber wer die komplexen Erzählungen der Pixarfilme gewohnt ist, die immer auch das erwachsene Publikum im Auge haben, könnte ein klein wenig enttäuscht sein. Text: Patrick Heidmann

The Road Mit ihrer kongenialen Kinoadaption des Cormac McCarthy-Romans „No Country For Old Men“ machten die Coen-Brüder den US-Autor bekannt. John Hillcoat nahm sich nun dessen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Endzeitroman „The Road“ an. Vor allem die Bildgestaltung seines Films ist überragend. Die neblig-fahlen Bilder der postapokalyptischen Welt, in der sich der namenlose Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn mit letzter Kraft in Richtung Küste schleppen, vermitteln eindringlich die Trostlosigkeit ihrer Existenz. Ein Revolver mit zwei Kugeln ist das einzige Mittel zur Verteidigung. Oder eben zum frühzeitigen Ausstieg, schließlich lauern hinter jeder Ecke Kannibalen. Der Zuschauer ist derweil fasziniert vom ungebrochenen Überlebensdrang der Übriggebliebenen, obwohl der Planet, auf dem sie wandeln, selbst schon längst den Löffel abgegeben hat. Hillcoat ist mit „The Road“ (ab 7.10.) ein ungemein beklemmendes, ungemütliches und stimmungsvolles Stück Kino gelungen. Text: Sebastian Gosmann


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KINO DVD

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DVD DES MONATS Precious (Prokino/EuroVideo)

Basierend auf der Romanvorlage „Push“ von Sapphire erzählt Regisseur Lee Daniels die bewegende Geschichte von Precious (Gabourey Sidibe): weiblich, 16 Jahre alt, 200 Kilo schwer. Und als wäre das nicht schon, ähem, Ballast genug, wird die Teenagerin auch noch von Gleichaltrigen gemobbt, von ihrer Mutter (Mo’Nique) misshandelt, von ihrem Vater vergewaltigt und – geschwängert. Precious ist am Ende, ihr Leben im Harlem der späten Achtzigerjahre die Hölle, die Situation festgefahren. Sie flieht in eine Traumwelt, wird von

den Schrecken ihres Alltags jedoch stets zurück auf den harten Boden der Realität geworfen. Doch als sich das malträtierte Mädchen einem alternativen Lernprogramm anschließt, auf eine verständnisvolle Lehrerin (Paula Patton) und Gleichgesinnte trifft, scheint ihr Leben plötzlich doch noch eine positive Wendung zu nehmen. „Precious“ ist ein Drama, das wirklich unter die Haut geht. Schonungslos und direkt porträtiert Daniels („Shadowboxer“) das hoffnungslos erscheinende Schicksal einer jungen Frau, deren durchlebte Qualen und

Text: Daniel Schieferdecker

Californication – Die 2. Season

Flash Forward

Iron Man 2

(Paramount) Los Angeles entlässt Hank Moody (David Duchovny) nicht aus seinem Sündenpfuhl. Gerade erst hat Hank seine Karen zurückerobert, da vermasselt er es wieder. Aber nicht nur ihm wird Sex zum Verhängnis. Nach einem Knasterlebnis hängt Hank fortan mit einem Musikproduzenten ab, dessen Biografie er verfassen soll. Klar ist dabei, dass die Hölle noch einige Untergeschosse zu bieten hat. „Californication“ ist nichts für zarte Gemüter, freigegeben ab 18. Vordergründig besteht auch Staffel Zwei aus derben Szenen und heftigen Sprüchen. Doch alle Figuren zeigen eine Verletzlichkeit, die den Zuschauer dran bleiben lässt. Text: Elisabeth Nagy

Crazy Heart

(20th Century Fox) Jeff Bridges spielt die abgehalfterte Country-Ikone Bad Blake. Schon der Name allein hätte einen Preis verdient; Bridges bekam für die Rolle einen wohlverdienten und überfälligen Oscar. Blake hat die besten Tage hinter sich, verkommt aber in Würde. Der Liebe wegen versucht er noch einmal, sein Leben neu zu ordnen. Die Story ist seicht und etwas anrührend, aber auch eher zweitrangig - dank Jeff Bridges reicht es völlig, Blake beim Saufen, Singen, Verzweifeln und Hoffen zu begleiten. Die DVDExtras sind überschaubar. Es gibt den Kino-Trailer und einige entfallene Szenen. Text: Christian Stein

Der fantatische Mr. Fox

(20th Century Fox) Regisseur dieses betörenden Animationsfilms ist Wes Anderson, der sich bisher als Erzähler schräger Familiengeschichten bekannt gemacht hat. Sein Mr. Fox inklusive Anhang ist auch wieder leicht verschroben und das in derart herzzerreißender Manier, dass man sich in alle Figuren gleichzeitig verlieben muss. Wo der Film vom Kinderbuch abweicht, ist Andersons eigentümliche Handschrift zu finden bereichernd und ausgefeilt an komischen Details. Die Extras zeigen sehr schön, wie er sich an Roald Dahls Buchvorlage heranwagt oder George Clooney dem Fuchs seine Stimme gibt. Text: Vanessa Pape

(Walt Disney) Als kürzlich die Kultserie „Lost“ auf ihr Ende zulief, suchte man im US-TV verzweifelt einen geeigneten Nachfolger. „Flash Forward“ schien angemessen mysteriös und damit geeignet zu sein. Für einige Sekunden erlebt die Menschheit einen kollektiven Blackout samt rätselhafter Zukunftsvisionen, wonach ein Team von Ermittlern fieberhaft mit der Suche nach den Ursachen beginnt. Die Besetzung mit Joseph Fiennes und Dominic Monaghan ist sehenswert und Spannung durchaus vorhanden, aber „Lost“Qualitäten wurden nicht ganz erreicht: nach einer Staffel war schon wieder Schluss. Text: Jonathan Fink

vermittelte Ausweglosigkeit einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Doch obwohl (oder gerade weil) „Precious“ nichts für Zartbesaitete und schwache Nerven ist, sollte man sich dieses aufwühlende Drama unbedingt ansehen. Zumal in der „Gold Edition“ Audiokommentare, Interviews, Probeaufnahmen oder unveröffentlichte Szenen als Extras winken und Komikerin Mo’Nique für ihre Performance als feindselige Mutter völlig zu Recht mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin bedacht wurde.

(Concorde) Im Sequel der Comicverfilmung bekommt es Iron Man (Robert Downey Jr.) mit Bösewicht Ivan Vanko (Mickey Rourke) und seinem Geschäftskonkurrenten Justin Hammer (Sam Rockwell) zu tun, die ihn gehörig ins Schwitzen bringen. Zwar ist der blecherne Titelheld hier verhältnismäßig wenig in kämpfender Aktion zu sehen, entschädigt wird man dafür mit einer vielschichtigen Story, humorvollen Dialogen sowie einem bestens aufgelegten Ensemble. Die Einzel-DVD verfügt lediglich über einen Audiokommentar des Regisseurs, auf der Steelbook-Edition und der Blu-ray finden sich noch zahlreiche weitere Extras. Text: Dirk Lüneberg

Jerry Cotton

(Constantin/Highlight/ Paramount) Christian Tramitz beherrscht als Jerry Cotton perfekt die Gratwanderung zwischen feiner Stilisierung, leiser Selbstironie und glaubwürdiger Ernsthaftigkeit. Der Fall, den Cotton und sein neuer Partner (mal wieder als sympathischer Trottel: Christian Ulmen) zu lösen haben, hat es genauso in sich, ist Cotton doch selbst in ihn verwickelt. Auch die lässig-coole Inszenierung dieses Abenteuer des Groschenromanhelden ist ebenso smart wie rasant. Die Blu-ray enthält einen Audiokommentar, ein Making Of, entfallene Szenen, Outtakes, Interviews, Trailer, ein Musikvideo und mehr. Text: Dirk Lüneberg

Frozen River

(Lighthouse) Mal wieder eine dieser kleinen Kinoperlen, die es bei uns nicht auf die Leinwand geschafft haben. Eine verschuldete, allein erziehende Mutter lässt sich hier aus Verzweiflung auf ein riskantes Unterfangen ein: Gemeinsam mit einer Indianerin schleust sie in ihrem Auto illegale Einwanderer über die nahe kanadische Grenze. Dramaturgisch ist die bewegende, von Courtney Hunt inszenierte Geschichte sicher nicht ganz ohne Schwächen. Aber allein die fantastische, Oscar-nominierte Leistung von Hauptdarstellerin Melissa Leo macht sie unbedingt sehenswert. Bonusmaterial sucht man leider vergeblich. Text: Patrick Heidmann

Greenberg

(Tobis/Universal) Ben Stiller ist Greenberg. Ein Loser, wie er im Buche steht: gerade 40 geworden, alleinstehend, arbeitslos – und neurotisch bis in die Haarspitzen. Als er das Haus seines Bruders in L.A. hüten soll, ist er nicht abgeneigt. Er nutzt die Gelegenheit, taucht ein in die eigene Vergangenheit – und findet sich unversehens wieder mitten in einer schrägen Romanze. Ähnlich wie sein Buddy Wes Anderson kann Regisseur Noah Baumbach vor allem mit seinem eigenwilligen Humor punkten. Highlight des mehr als üppigen Bonusmaterials: ein Special über den Auftritt von „Greenberg“ bei der diesjährigen Berlinale. Text: Sebastian Gosmann

BEST OF THE REST

Es müssen nicht immer Stars sein, weder im Kino noch zu Hause. Auf der Leinwand entpuppte sich zumindest dieses Jahr mancher Film als Überraschungshit, der ganz ohne prominente Namen auskommt. Bestes Beispiel dafür ist die französische Bestsellerverfilmung „Die Eleganz der Madame Michel“ (Senator/Universum), eine melancholische Komödie, deren drei einzelgängerische Protagonisten auch im Heimkino wunderbar anrührend sind. Überzeugende Schauspieler und eine ebensolche Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit hat auch „Boxhagener Platz“ (Pandora/Alive), die ebenfalls auf einem Roman basierende Geschichte einer Oma und ihres Enkels im Ost-Berlin der späten Sechzigerjahre. Wesentlich tragischer kommt „Du sollst nicht lieben“ (Salzgeber) daher. Das faszinierend authentische und sehr aufwühlende Drama des israelischen Regisseurs Haim Tabakman erzählt von der verbotenen Liebe zwischen zwei orthodoxen Juden. Ungleich leichtfüßiger präsentiert sich „Lieferung mit Hindernissen“ (Sunfilm), eine sympathisch lässige Krimikomödie, in der Mos Def und „Scrubs“-Star Donald Faison jede Menge Ärger mit einer falsch zugestellten Kokslieferung bekommen. In „Keep Surfing“ (Prokino/EuroVideo) ist der Star der legendäre Eisbach direkt am Englischen Garten in München, der in dieser Subkultur-Doku einige wackere Kerle immer wieder zum Surfen verleitet. Zwei Tipps außerdem noch für alle, die hin und wieder doch ganz gerne auf prominente Namen schielen. Neil Marshalls „Centurion“ (Highlight/Paramount) bietet mäßig gelungene, aber ordentlich blutige Historien-Action aus der Zeit des römischen Reiches – und vor allem einen Blick auf „Inglourious Basterds“-Star Michael Fassbender, der gerade verdientermaßen vor dem ganz großen Durchbruch steht. Was spätestens seit „vincent will meer“ auch für Florian David Fitz gilt. Grund genug, sich die neue Komplett-Box der ersten beiden Staffeln der überraschend netten Ärzte-Serie „Doctor’s Diary“ (Universum) zuzulegen, die auf vier DVDs nicht nur sämtliche bislang gesendete Folgen, sondern auch umfangreiches Bonusmaterial zu bieten hat.

Text: Patrick Heidmann

Weitere DVD-Besprechungen findet ihr auf sallys.net


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Kopfgeld – Perrier’s Bounty

Lourdes

(NFP/EuroVideo) Christine (Sylvie Testud) sitzt im Rollstuhl und hofft im Wallfahrtsort Lourdes auf Heilung. Bald tritt bei ihr plötzlich Besserung ein und eines nachts steht sie auf, geht ins Bad und zieht sich an. Ein Wunder? Regisseurin Jessica Hausner konzentriert sich in „Lourdes“ auf die Frage des Unerklärlichen, ohne in Religionskritik oder Missionierung zu verfallen. Anstelle von Spiritualität steht das soziale Miteinander im Fokus, ebenso Emotionen wie Neid, Hoffnung, Trauer und Liebe. In wunderschön stilisierten Bildern erlaubt sich der Film einen philosophischen Blick auf unsere Gesellschaft. Text: Cornelis Hähnel

Mein Vater, seine Frauen und ich

(Koch Media) Mit der Serie „Hör mal, wer da hämmert“ war Tim Allen in den Neunzigern in den USA ein echter Comedy-Superstar, doch auf der Leinwand wollte der Funke nie wirklich überspringen. Dabei war er sowohl in guten („Galaxy Quest“) als auch in erfolgreichen Filmen („Born to be wild“) zu sehen. Diese DVD-Premiere über einen tot geglaubten Geschäftsmann, seine Tochter und seine Ex-Frauen ist nun weder noch. Aber dank Allen und Co-Stars wie Andie MacDowell, Jenna Elfman und Elisha Cuthbert auch nicht vollkommen verkehrt. Text: Jonathan Fink

Prince of Persia – Der Sand der Zeit

(Walt Disney) Produzent Jerry Bruckheimer verfilmte das Jump’n’Run-Videospiel, in dem ein modern aussehender Jake Gyllenhaal – zugegeben knuffig – durch die Wüste turnt. Es ist das sechste Jahrhundert, oder eher: Märchenzeit. Als Prinz Dastan erobert er eine heilige Stadt, nur um deren Prinzessin aufs Auge gedrückt zu bekommen. Während die beiden sich mäßig überzeugend angiften, gilt es die Welt vor einem Oberschurken zu retten, wobei sich alles um einen geheimnisvollen Dolch dreht. Die DVD kommt mit einem Making Of, die Blu-ray zusätzlich mit interaktivem Kommentar und zusätzlichen Szene ins Haus. Text: Elisabeth Nagy

Robin Hood

(Universal) Seit ihrer ersten Verfilmung von 1912 wurde die legendäre Gesetzlosengeschichte Robin Hoods bereits vielfach auf Zelluloid gebannt. Doch Re-

Solitary Man

(Splendid/WVG Medien) Für Autohändler Ben (Michael Douglas in guter Form) geht es bergab. Seine Firma ist bankrott, die Tochter seiner Bekannten Jordan kehrt ihm nach einem One-Night-Stand den Rücken. Als unverbesserlicher Womanizer und notorischer Entertainer seiner Umgebung ist der Mann kurz vor seinem 60. Geburtstag auch ihr Außenseiter, Er ahnt nicht, dass er in die Krise steuert. Mit seinen vielen Dialogen à la Woody Allen verläuft das Beziehungsdrama unterhaltsam, wenn auch nicht immer spannend. Susan Sarandon und Danny DeVito sind leider nur in Nebenrollen zu sehen, als Bonus gibt es ein Making Of. Text: Kathleen Prüstel

The Messenger

(Senator/Universum) Kriegsfilme so zu inszenieren, dass sie wahrhaftig wirken, ohne in A ction-Enter t ainment abzugleiten, ist eine Gratwanderung. Hier wird das Problem durch einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die fatalen Konsequenzen umgangen. Ben Foster und Woody Harrelson mimen US-Soldaten, die den Angehörigen gefallener Kameraden die Todesnachricht überbringen müssen. Dabei verliebt sich der eine in eine junge Witwe. Der Film ist großartig gespielt, wirkt sehr authentisch und überzeugt als sperriges Buddy-Drama. Als Extras gibt es einen Audiokommentar, Behind the Scenes und mehr. Text: Christian Stein

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zaOza Download-Tipp Bloody Sunday

Bevor Regisseur Paul Greengrass mit seinen „Bourne“-Verfilmungen der Durchbruch gelang, drehte er dieses Dokudrama über den so genannten Blutsonntag, als 1972 in Nordirland bei friedlichen Umzügen der katholischen Bürgerrechtsbewegung das britische Militär ein Blutbad anrichtete. Bereits als Journalist und BBC-Regisseur hatte er sich mit dem Thema beschäftigt. Mit Handkamera, wenig Effekten, aber beeindruckenden Darstellungen und mittlerweile berühmtem Schnitt bereitete er die damaligen Ereignisse auch für eine neue Generation spannend, authentisch und verständlich auf. „Bloody Sunday“ (U2 steuerten ihren Song bei) gewann auf der d Berlinale einen Hauptpreis, war in Deutschland aber lange Zeit nicht erhältlich. Erst im Juni 2010 übrigens bat die britische Regierung offiziell um Vergebung, so dass an der Aktualität des Themas kein Zweifel besteht. adtipps n lo ow

(Ascot Elite) Der Sensenmann persönlich erzählt uns von einem Tölpel, der den Fehler beging, bei den falschen Leuten Schulden zu haben. Michael McCrae (Cillian Murphy) ist ein Durchschnittstyp, doch sein Leben schlägt plötzlich einen Haken. Erst sind nur zwei Gangster (u.a. Brendan Gleeson) hinter ihm her, aber als seine suizidale Nachbarin einen von denen erschießt, setzt der Obergangster ein Kopfgeld aus. Schräge irische Gaunerkomödie mit Westernanklängen, ab 16, also durchaus mit Durchschlag. Als Extras gibt es Interviews und Featurettes vom Dreh. Text: Elisabeth Nagy

gisseur Ridley Scott erspart uns glücklicherweise eine Rekapitulation des altbekannten Stoffs und konzentriert sich stattdessen lieber auf Robins (Russel Crowe) Werdegang vom Mann zum Mythos. Zwar hat der typische Hollywood-Pathos längst auch die Wälder von Nottingham erreicht, doch ein sorgsam ausstaffierter Spannungsbogen lässt die Legende noch einmal lebendig werden. Extras: Bisher ungezeigte Szenen und Audiokommentare. Text: Daniel Schieferdecker

KINO DVD

Text: Elisabeth Nagy

Filmtipp Oktober 2010 zum Download unter zaoza.de/sallys

Win a Lot

Auch in diesem Monat könnt ihr wieder zahlreiche der hier vorgestellten DVDs gewinnen. Schickt uns einfach eine Postkarte oder E-Mail (verlosung@sallys.net) mit dem Kennwort „DVD-Verlosung“ und eurem Wunschtitel. Ggf. Altersnachweis nicht vergessen! Zu gewinnen gibt es: je 5x Precious (Limited Edition), 5x Keep Surfing, 3x Mein Vater, seine Frauen und ich + 3 Sets der Haarpflege-Serie „Prachtvoll Lang“ von Guhl, 3x Vergebung + 1x die Millenium-Trilogie-DVD-Box, 2x Iron Man 2 + Blu-ray & 3x Soundtrack von AC/DC (Sony Music), 3x Jerry Cotton, 3x Kopfgeld, 3x Prince of Persia, 3x Whatever Works, 3x Solitary Man, 3x Lourdes, 3x Boxhagener Platz, 3x Du sollst nicht lieben, 3x Centurion, 3x Lieferung mit Hindernissen, 2x Young Victoria + Blu-ray, 2x The Messenger + Jürgen Todenhöfers Buch „Andy und Marwa“, 2x Robin Hood, 2x Crazy Heart, 2x Flash Forward, 2x Frozen River, 2x Zu scharf um wahr zu sein, 2x Californication, 2x Die Eleganz der Madame Michel, 2x Greenberg, 1x Der fantastische Mr. Fox und 1x Doctor’s Diary (von den Hauptdarstellern signierte Box!). Außerdem verlosen wir pünktlich zum Kinostart von „The Road“ 5x den Roman „Die Straße“ von Cormac McCarthy sowie einen Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis.

Vergebung

(NFP/Warner) Der letzte Teil der StiegLarsson-Trilogie wechselt vom Krimi zum JustizThriller. Wegen dreifachen Mordes angeklagt, liegt Lisbeth Salander (Noomi Rapace) im Krankenhaus und hat den Geheimdienst im Nacken. Der möchte nämlich das Publik-Werden der Verbindung zwischen Regierung und ihrem Erzfeind Zala (Georgi Staykov) vertuschen. Enthüllungsjournalist Blomkvist (Michael Nyqvist) macht sich derweil daran, Lisbeths Unschuld zu beweisen. Sehr komplex, aber dennoch ein würdiger Abschluss der erfolgreichen Millenium-Reihe. Als Extras winken Interviews, Kino-Trailer und TV-Spot. Text: Daniel Schieferdecker

Whatever Works

(Senator/Universum) Mit dem Physikprofessor Yellnikoff (Larry David), der sich in Woody Allens 42. Kinofilm in ein 21-jähriges Landei verliebt, lässt der Regisseur jemanden auf das Publikum los, der ihm selbst in Sachen Egozentrik und Spitzzüngigkeit in nichts nachsteht. Diesem Stinkstiefel, der seine Mitmenschen herablassend behandelt und sie

mit unerbittlicher Direktheit traktiert, ist ein gewisser Unterhaltungswert nicht abzusprechen. So ist es, obwohl der Meister die Leinwand nicht selbst beehrt, fast so, als wäre er doch da. Das Bonusmaterial fällt mit einem Interview mit Allen dürftig aus. Text: Sebastian Gosmann

Young Victoria

(Capelight/Alive) Auch wer nicht mehr an den Prinzen auf dem Schimmel glaubt, kann hier hemmungslos romantisch sein. Anlässe für feuchte Augen bietet der die rührende Liebesgeschichte zur Genüge. Die junge Königin Victoria verliebt sich in ihren Cousin, der der unerfahrenen Regentin nach ihrer Heirat als treuer Freund und engagierter Berater zur Seite stehen wird. Das Ganze ist tatsächlich nur so kitschig, wie es mit

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gutem Gewissen zu ertragen ist. Als Bonusmaterial bietet die DVD u. a. entfallene Szenen, Beiträge zur historischen Person sowie zu den aufwändigen Kostümen, für die es einen Oscar gab. Text : Christine Stiller

Zu scharf um wahr zu sein

(Paramount) Der gutmütig-unsouveräne Kirk (Jay Bachurel) trifft die attraktive Molly (Alice Eve) und erweist sich der Superblondine gegenüber als Gentleman. Zum Dank lädt sie ihn zu einer Party ein und Kirk kann sein Glück kaum fassen: Was will so ein heißer Feger bloß von einem so langweiligen Durchschnittstypen wie ihm? Charmante Junggesellenkomödie, die mit ihren witzigen Nebenfiguren ein sympathisches Loblied auf die inneren Werte und ein gesundes Selbstbewusstsein singt. Auf der DVD finden sich noch entfallene Szenen, Outtakes, eine Featurette sowie ein Audiokommentar des Regisseurs. Text: Dirk Lüneberg


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COMPUTERSPIELE

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Firefight-Modus

Campaign-Modus

Halo Reach

Multiplayer-Modus

Für Xbox360

Der Anfang vom Ende: Mit „Halo Reach“ findet eine der spektakulärsten Videospiel-Sagas ihren Abschluss - indem die Vorgeschichte rund um den Master Chief und seine preisgekrönte Action-Trilogie erzählt wird. Nix für Hobbypsychologen, denn so richtig ansehen kann man ihm seine Gedanken nicht...

Die Vorgeschichte von „Halo 1“? Erfahrene XboxSpieler rieben sich bei dieser Ankündigung seitens Microsoft verwundert die Augen. Ist die nicht schon bekannt? Endete die nicht tragisch für die Menschheit? Musste man nicht genau deshalb einst in die Uniform des heroischen Master Chief schlüpfen, weil böse Aliens sich die Vernichtung der Menschheit zum Ziel gesetzt haben? Und war der erste Schritt zur Durchsetzung dieses Plans nicht die Zerstörung des Heimatplaneten der Menschen? Muss man hier also tatsächlich ein Spiel durchleben, das mit der Vernichtung der eigenen Welt endet?

Screenshot: xbox.ign.com

Antwort: Jawohl, muss man. Und sollte man auch unbedingt. Denn auch wenn das Ende schon vorbestimmt scheint: Der Weg bis zum vermeintlich katastrophalen Ziel ist eine Klasse für sich. Und über mangelnde Spannung muss sich trotz allem auch niemand beklagen. Statt des Übersoldaten Master Chief steuert der Spieler einen zwar ebenfalls schlagkräftigen, aber eben nicht besonders besonderen Helden mit dem Kampfnamen Noble 6. Der ist das neue Mitglied im Noble-Team, mit dessen Mitgliedern der Spieler in den zehn Kapiteln unterwegs ist. Zu den Kumpels gehören noch der Teamführer Carter, die Scharfschützin Jun, die hübsche Ausrüstungsexpertin Kat sowie die bärbeißigen Kollegen Jorge und Emile - allerdings werden alle Begleiter von der Konsole gesteuert. Die grundsätzliche Bedienung hat sich gegenüber den Vorgängern wenig geändert: Nach wie vor ist der Spieler in der Ich-Perspektive unterwegs und kämpft sich in großen Leveln durch Horden von Außerirdischen. Auch einige Waffen wie Sturmgewehr oder Nadelwerfer, diverse Alien-Kontrahenten oder die nutzbaren Fahrzeuge wie Fluggleiter und Jeeps kennen Halo-Experten schon. Neue Werk-

zeuge, um die außerirdische Brut zu grillen, gibt es natürlich trotzdem, ebenso wie überraschende Einsatzorte - gekämpft wird auch mal im Weltall, Steuerung von Raumschiffen inklusive. Komplett neu sind zudem Ausrüstungsgegenstände, mit denen der Spieler auf Knopfdruck für kurze Zeit besonders flott springen kann, sich unverwundbar oder unsichtbar macht oder einen beweglichen holographischen Köder in die Landschaft stellt. Spielbarkeit und Leveldesign sind auf höchstem Niveau, überhaupt gibt es im Grunde nur einen wirklichen Kritikpunkt: Nach etwa acht Stunden ist die Kampagne schon wieder vorbei. „Halo Reach“ verschwindet dann aber trotzdem nicht im Regal, Multiplayer-Modus sei Dank. So lässt sich die Kampagne mit bis zu drei Mitstreitern bewältigen - wahlweise per Internet oder im Splitscreenmodus an einem Monitor. Aber auch in zahlreichen anderen Wettbewerben wie dem Firefight-Modus dürfen bis zu 16 Spieler als Menschen oder Aliens um die Vorherrschaft kämpfen. Die Optik erinnert stark an das hervorragende „Halo 3“, wartet aber mit noch mehr Effekten und grandiosen Animationen auf, der orchestrale Soundtrack ist gewohnt erstklassig. Da muss man den Master Chief fast bedauern, dass er ausgerechnet im bisher besten Halo-Spiel nicht dabei ist. Dem Entwicklerteam Bungie hingegen darf man gratulieren - mit „Halo Reach“ spendieren sie ihrer denkwürdigen Reihe einen phänomenalen Abschluss. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Microsoft Plattform: Xbox360


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COMPUTERSPIELE

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Spider-Man Dimensions Mal heroisch glänzend, mal mysteriös und düster: Marvels Comic-Held Spider-Man hat im Laufe seiner Karriere unterschiedlichste Formen und Persönlichkeiten angenommen. Im neuen Videospiel „Dimensions“ sind gleich vier davon integriert - und lassen den Spieler zwischen Zeiten und Welten hin- und herspringen. Schuld ist mal wieder Bösewicht Mysterio. Gleich zu Beginn von „Dimensions“ liefert der sich einen erbitterten Kampf mit Spider-Man, der in der Zerstörung einer magischen Tafel gipfelt. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf: Das Artefakt zerspringt in mehrere Einzelteile, die über unterschiedliche Dimensionen verteilt werden - und natürlich bleibt die Aufräumarbeit und das Durchreisen der Dimensionen wieder am Spinnenmann hängen. Die Dimensionen haben nicht nur unterschiedliche Namen, sondern repräsentieren auch jeweils eigene Varianten des Spinnen-Helden. Gekämpft wird im „Amazing“-Universum genauso wie in der „Ultimate-“, „Noir-“ und „2099“-Welt. Während letztere in der Zukunft angesiedelt ist und futuristische Umgebungen und Gadgets bietet, stellt die „Noir“-Szenerie eine Reise in die düsteren Dreißigerjahre dar. Witzig: Nicht nur Spider-Man und die Welten sehen

Es kann nur einen geben: Spider-Man!

jeweils anders aus, auch die Kontrahenten wie Scorpion, Deadpool oder Juggernaut haben ganz unterschiedliche Formen und Eigenheiten. Auch wenn Spider-Man in den unterschiedlichen Welten besondere Spezialangriffe beherrscht, eigene Anzüge trägt und so auf bestimmte Extras wie etwa den Wut-Modus zurückgreifen kann, ist spielerisch doch meist das gleiche zu tun - unzählige Gegner verprügeln, Bossgegner bezwingen, an Häusern entlang schwingen oder Wände hochkraxeln. Die gelungene Bedienung, die ebenso witzige wie Ac-

tion-reiche Story sowie die zahlreichen Extras wie Kostüme und Kombos vermitteln das SuperheldenGefühl aber auf so überzeugende Art und Weise, dass dabei keine Langeweile aufkommen will. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Activision Plattform: Xbox360, PS3


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COMPUTERSPIELE

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3D-Grafik wird anno 2010 natürlich geboten, die Old-School-Kämpfe oder die Passagen im Morphball, in denen man sich oft verwandelt, lassen trotzdem Retro-Gefühle aufkommen. Eine EgoAnsicht gibt es trotzdem: Wird die Wiimote nicht seitlich, sondern gerade in Richtung TV gehalten, schaltet die Perspektive für Shooter-Einlagen in die erste Person, was vor allem im Kampf mit großen Gegnern von Vorteil ist.

Metroid Other M Spielerisch ein Schritt in die Vergangenheit, technisch ein Sprung in die Zukunft - der jüngste Spross der „Metroid“-Reihe macht vieles anders als die direkten Vorgänger, beschert Wii-Besitzern aber eine der beeindruckendsten Action-Erfahrungen der letzten Jahre. „Metroid Other M“ stellt einen Bruch in der Riege der jüngeren „Metroid“-Spiele dar - Pate standen hier nicht mehr die Abenteuer von Kopfgeldjägerin Samus Aran der letzten Jahre, sondern die frühen „Metroid“-Spiele auf Handhelds oder SNES, wo Samus noch in seitlich scrollenden Welten bewegt wurde.

„Other M“ hat allerdings noch deutlich mehr Neuerungen zu bieten - etwa einen viel größeren Fokus auf Story und Charakterentwicklung. Spielerisch hat sich ebenfalls der Schwerpunkt verschoben: Weniger Erkunden und Erforschen, mehr Kämpfen lautet die Devise. Samus verfügt daher auch über mehr Möglichkeiten und Spezialfähigkeiten, sich der zahlreichen Gegner oder versperrter Wege zu erwehren. Vieles anders also, aber auch vieles besser: Die düstere, isolierte, vor allem auf Erkunden setzende Atmosphäre der letzten Jahre ist einem deutlich Action-lastigeren, linearen Spielprinzip gewichen. Wii-Besitzer sollten diese Veränderung aber mitmachen: Sie werden mit einem optisch grandiosen und inhaltlich packendem Abenteuer belohnt. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Nintendo Plattform: wii

Ligen wie die DEL mit an Bord. Abseits der Steuerung der gesamten Mannschaft darf im Be-A-ProModus das Schicksal eines einzelnen Rookie mit dem Ziel Top-Star in die Hand genommen werden. Wer die Management-Seite nicht der KI überlassen will, verdingt sich als Teamchef - Training- und Transfer-Entscheidungen inklusive.

NHL 11 Eishockey war noch nie ein Sport für Weicheier. „NHL11“ macht das überdeutlich: Abgebrochene Schläger, leidenschaftliche Kämpfe an der Bande und realistisch schmerzhafte Bodychecks sind nur ein paar der diesjährigen Neuerungen für die seit 20 Jahren bestehende Reihe.

Richtig spannend wird es aber auf dem Eis: Nach ein paar Checks, Pässen und Torschüssen werden die Verbesserungen und die neue Physik-Engine überdeutlich. Der Spielablauf ist tatsächlich realistischer und weniger vorhersehbar geworden. Der Puck prallt überraschend von Spielern ab, Schläger brechen und zwingen Spieler, auch mal den Fuß zu Hilfe zu nehmen, die Computergegner erstaunen immer wieder mit cleverem Verstellen der Passwege. Bandenkämpfe sind vielseitiger und spannender, und auch Checks wirken sich immer wieder unerwartet aus - weil nicht nur der getroffene, sondern auch der aggressive Spieler von der Physik beeinflusst werden. Auch wenn sich Optik und Kommentar im Vergleich zu „NHL10“ kaum geändert haben, schafft es Electronic Arts so tatsächlich, den hohen Realitätsgrad der Vorgänger noch zu übertreffen - und um eine gute Prise Unberechenbarkeit zu bereichern.

An den Spielmodi konnte Electronic Arts nicht mehr viel verbessern, die Möglichkeiten sind hier umfangreich wie schon in den Jahren zuvor. Schnelles Spiel oder ganze Saison, Turniere und Play Offs, Online-Meisterschaften und Mehrspieler-Ligen sorgen für Abwechslung.

Genre: Sport

Auch der Lizenzumfang ist gewohnt groß: Neben der US-Topliga NHL sind auch diverse europäische

Publisher: Electronic Arts Plattform: XBox 360, PS3

Text: Tito Wiesner

Ich hasse Videospiele Also natürlich nicht die Spiele an sich. Obwohl da auch so einige dabei sind, die ich wirklich... Aber: Das ist ein anderes Thema! Was ich meine, ist der ganze Scheiß, den das Hobby Videospiele so mit sich bringt. Vom immer noch nicht wirklich coolen Ruf ganz abgesehen. Wenn ich eine Frau zum ersten Mal treffe, dann erzähle ich ihr was von meinen sportlichen Aktivitäten, von Nick Hornby, der mich immer wieder mit seinen Büchern zum Lachen bringt, oder den leckeren Schnitzeln, die ich besser zubereite als kein anderer auf der Welt. Ja sicher, der sportliche, belesene Superkoch. Kaum eine Beschreibung trifft besser auf mich zu. Das volle DVD-Regal oder die umfassende Spielesammlung bleiben unerwähnt. Ob ich mich für meine Hobbys schäme? Nicht direkt. Aber ich schäme mich auch nicht für schmutzige Fußnägel, trotzdem zeige ich die nicht beim ersten Date, nach dem Motto: „Schau Mal, das bin ich auch!“. Womit ich jetzt Videospiele mit dem Dreck unter meinen Zehen verglichen habe. So schlimm ist es ja gar nicht. Aber es sind die Begleitumstände, die mich manchmal aufregen. Ein Beispiel: Ich bin, wie man an meiner Schreibe ja merkt, Linkshänder. Ich bin mit Videospielen aufgewachsen - zu einer Zeit, als der linke Daumen noch etwas was wert war. Heute interessiert die Entwickler nicht mehr, womit sie uns einst indoktriniert haben. Kaum ein Spiel lässt sich noch gescheit ohne zweiten Analogstick steuern. Bei den meisten Games muss man mittlerweile mit dem rechten Daumen zielen. Bei so ziemlich jedem Egoshooter zum Beispiel. „Na und? Lern‘ doch mit rechts zielen!“ werden da einige sagen. Von wegen. Glaubt mir, ich habe es versucht. Ich bin motorisch nicht in der Lage, mit dem rechten Daumen filigrane Arbeit zu verrichten. Außerdem ist es eine Frechheit, das von mir zu verlangen. Denn erstens wurde – genau - früher alles mit dem linken Daumen erledigt (erinnert ihr euch an den James Bond Egoshooter auf dem N64? Der quasi erste echte Egoshooter für Konsolen? Das N64 Pad... na?), und zweitens ist es ja wohl nicht zu viel von den Entwicklern verlangt, dass sie in den Optionen gescheite Steuerungsalternativen für Linkshänder anbieten, oder? Leben wir wirklich in einer Welt, in der Gina Lisa und Detlev D! Soost ihre eigenen Spiele bekommen, aber Linkshänder nicht mal eine Option, um die Sticks zu tauschen? Text: Etienne Garde


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X-WORT

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QUERGEFRAGT Einfach die Antworten auf die Fragen in die dazugehörigen Kästchen kritzeln, und somit im besten Fall das richtige Lösungswort ermitteln. Das könnt ihr dann per Postkarte oder E-Mail an uns schicken und nehmt damit automatisch teil an der Verlosung des neuen Kings Of LeonAlbums „Come Around Sundwon“. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2010. [Sämtliche Umlaute (also ä, ö, ü) werden zu Vokalen (ae, oe, ue) und alle Begriffe werden ohne Leerzeichen geschrieben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.] 1

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Waagerecht

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SENKRECHt 16

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1. So gut wie veröffentlicht und frisch getauft: Das erste eigene Album von Paul Smith 5. Ob offiziell oder nicht, bevor er allein loslegte, triphopte Tricky bei diesem Trio mit 8. Es darf getanzt werden, Trip Fontaine fordern dazu auf 9. Mit ihnen begann Carl Barât sein musikalisches Schaffen 10. Dieser „Lost“-Figur haben Weezer ihr aktuelles Album gewidmet 15. Längster Nebenfluss des Rheins und Schauplatz von „Was kostet die Welt“ 16. Sehr langer Zeitraum, Selig pendeln aktuell von einer zur anderen 20. Musikalischer Buchstabensalat von Kurt Wagner & Cortney Tidwell 21. Wir sind dann mal weg - bei Black Mountain 22. Legendäre Gimmick-Bibel 23. Diese gefiederten Freunde haben bei Kings Of Leon verschissen 24. Portugiesische Lieblingsstadt von The Walkmen (engl.) 25. Tierisch wenig zu sehen von ihm, dafür umso mehr von Brandon Flowers zu hören

4

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2. Textlich vereint er Nick Hornby, Patti Smith und Kurt Cobain 3. Wenn sich Pierre nicht grade Peter Fox nennt, singt er mit ihnen vom „Aufstehn!“ 4. Dieser Brite bringt die Street-Art jetzt ins Kino 6. Opus Magnus von Jimmy Eat World 7. Keine wirkliche „Alternative“, auch wenn die Young Guns das anders sehen 10. Dem Anlass entsprechend immer schön im Wechselschritt Christian Ulmen tanzt vor 11. Geld schläft nicht - weder im Kino und schon gar nicht hier 12. Von Zerstörungswut keine Spur bei Fran Healys neuem Album 13. Zählen mit den Followills: „Come Around Sundown“ ist Platte Nummer ... 14. Auch im Bad Religion-T-Shirt vergisst Fat Mike seine eigene Band nie 17. Titelgebendes Edelmetall des zweiten Diego-Albums 18. Bessere Hälfte von Jenny Lewis 19. Allein und „ohne Partner“ sind auch die Herren unseres Specials

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Das Lösungswort der letzten Ausgabe war übrigens „KOPENHAGEN“


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HÖR-/BÜCHER

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Wieder ein neues Kapitel Diesmal mit: Nagel

Nagel war einst der Frontmann von Muff Potter und hat parallel zum Karriereende der Band sein zweites Kapitel als Buchautor in Angriff genommen: „Was kostet die Welt“, ein Buch für Punks und andere Weinkenner. Wir stellten dem Mann die dazu nötigen Fragen: Kannst du uns eine kleine Zusammenfassung von deinem neuen Buch geben? Worum geht es im Wesentlichen? Meise, Taugenichts aus Berlin, landet am Ende einer langen Reise durch Zufall auf einem Weingut an der Mosel und erleidet dort einen ziemlichen Kulturschock. Je länger er dort ist, desto mehr reflektiert er seine eigene Geschichte und die seiner verkorksten Familie. Es geht um Stadt vs. Land, Ost vs. West, Vollsuff vs. Weinkultur, Nichtstun vs. Langeweile, Tradition vs. Freiheit, Loyalität vs. Unabhängigkeit, Humor vs. Phrasengedresche, außerdem um Dopmaninmangel, Krebs, Verfolgungswahn und Ekel vor Fünf-Euro-Scheinen. Hast du während des Schreibens Wein getrunken? Während des Tippens nicht, aber während des Recherchierens jede Menge. Eigentlich auch nach dem Tippen. Was ja wiederum VOR dem Tippen ist. Aber grundsätzlich gilt, zumindest für mich: betrunken Ideen sammeln geht sehr gut. Betrunken Ideen ausarbeiten dagegen gar nicht. Aber ich muss ohnehin immer 20 Sätze schreiben, um einen guten dabei zu haben. Da ich Autodidakt bin läuft alles immer Trial&Error und ist dementsprechend mühsam. Ich gehöre nicht zu den Aus-dem-Ärmel-Schüttlern, die es angeblich ja geben soll. Wem würdest du davon abraten, dein Buch zu lesen? Eva Hermann könnte vermutlich nicht so viel damit anfangen. Was ist schwieriger: ein Buch oder einen Song zu schreiben? Was macht - unabhängig von der Textlänge - den größten Unterschied für dich aus? Ein Buch zu schreiben ist auf Grund von Länge und Format natürlich schwieriger. Man läuft immer Gefahr, sich in Details zu verzetteln, sich zu wiederholen oder generell den Überblick zu verlieren. Ein großer Unterschied zum Songtextschreiben ist zum Beispiel das Erschaffen verschiedener, glaubwürdiger Charaktere, deren Dialoge und natürlich Recherche- oder Logikfehler. WIGLAF DROSTE IM SPARADIES DER FRISEURE

(Wortart) Sprachkritik ist eine höchst komplizierte Disziplin. Eine der kompliziertesten überhaupt. Und das nicht etwa, weil es so schwer ist, im gedruckten Alltag grammatische Fehlkonstruktionen zu finden. Die Kunst besteht vielmehr darin, nicht ständig in analfixierte Klugscheißerei zu verfallen und seine Mitmenschen mit Belehrungen zu nerven. Zum Beispiel, dass es nicht „nachrecherchieren“ heißt und nicht „Sinn machen“, sondern „Sinn haben“. Ganz frei von solcher Kleinkariertheit sind auch die 30 Texte nicht, die Wiglaf Droste für die hier vorliegende DoppelCD zusammengestellt hat und in denen er sich über Dampfplauderer mit Handy, Abfallsaft, Pilgerströme, die Bild, Faust und Pippi Langstrumpf auslässt. Ein Paar Perlen sind natürlich darunter, was aber eigentlich egal ist. Denn so wie der Mann lesen kann, mit so viel zuckersüßer Verachtung in der Stimme, ist es eigentlich nebensächlich, was es er vorträgt. Es ist immer eine Freude. (2 CDs/rund 150 Minuten) Text: Moritz Honert

ROBERTO BOLAÑO LUMPENROMAN

(Der Hörverlag) Zwei Waisenkinder in Rom. Geld gibt es wenig, falsche Freunde viele. Es kommt, wie es kommen muss: Die Schwester verkauft sich, der Bruder hebt Gewichte oder guckt fern. Bis der jungen Frau eines Tages aufgeht,

wie böse sie verladen wird. Dabei ist Bolaños letzter vor seinem Tod vollendeter Roman mitnichten die Rachegeschichte, als die er auf dem Klappentext verkauft wird. Vielmehr ist er eine traurige Studie über menschliche Abhängigkeit, Selbstbetrug, Betäubung und über die Erkenntnis, dass man seinen Arsch hoch kriegen muss, um etwas zu verändern. Zugegeben, weltbewegend ist das alles nicht – aber berührend. Nicht zuletzt dank der abgeklärten Stimme der vortragenden Schauspielerin Winnie Böwe. (2 CDs/ rund 140 Minuten) Text: Moritz Honert

Markus Heitz Fetzer

(Lausch/Edel) Der Untertitel dieses Zombie-Hörspiels lautet „Du bist untot, du bist ein Star!“. Hier werden die „Hirnlutscher“ nämlich von den „Fetzer-Filmstudios“ gerne eingesetzt, um ihre Horrorstreifen realistischer zu machen. Dumm nur, dass einer ihrer Darsteller von einer jungen Rekrutin aus Botschinskis Spezialeinheit zur Bekämpfung der Zombies erledigt wird. Schon beim nächsten Notruf ahnen alle, dass ihnen aus Rache eine tödliche Falle gestellt werden könnte ... Die bislang unveröffentlichte Kurzgeschichte von Fantasy-Autor Markus Heitz („Die Zwerge“) wird größtenteils nur vom Ich-Erzähler wiedergegeben, wodurch die Umsetzung leider etwas träge ist. Doch da Heitz den Text eigentlich „Unverhofftes Ende“ genannt hat, gibt es zum Schluss noch eine kleine Pointe. (1 CD/68 Minuten) Text: Holger Muster

Schickt Meise an die Mosel: Nagel.

Deine persönliche Roman Top-3. Diese Frage kann man nicht beantworten, ohne sich lächerlich zu machen. Ich beschränke mich auf drei eher aktuelle Romane: Jeffrey Eugenides, „Middlesex“, Jonathan Safran Foer, „Extrem laut und unglaublich nah“ und - schon 25 Jahre alt - aber in deutscher Sprache ungeschlagen: Jörg Fauser, „Rohstoff“. Mit welchem Autoren - tot oder lebendig - würdest du gern mal ein Bier trinken gehen, und warum? Die Liste ist zu lang, aber der Grund wäre immer: Wie haben Sie das gemacht? Heimat: nagel2000.de Foto: Niko Pothoff

DAVID FOSTER WALLACE AM BEISPIEL DES HUMMERS & SCHRECKLICH AMÜSANT - ABER IN ZUKUNFT OHNE MICH

(Tacheles!/Roof & Der Hörverlag/HR2 Kultur) Was die Leute der Zeitschrift Gourmet wohl geritten hat, als sie im Jahr 2005 auf die Idee kamen, ausgerechnet David Foster Wallace zum Maine Lobster Festival in Maine zu schicken? Denn der Autor fühlte sich vor allem der Wahrheit verpflichtet, und das führte dazu, dass er dieses Fress-Fest zwar unterhaltsam analysiert, es aber auch dazu nutzt, unangenehme Gedanken über den Verzehr von (Hummer-)Fleisch anzuregen. Schließlich bleibt es eine Tatsache, dass „sich der Hummer verzweifelt wehrt“. Gelesen von Christian Ulmen wird der Essay endgültig zum trojanischen Pferd gegen Tierquälerei. Allerdings hätten die verantwortlichen Redakteure wissen können, worauf sie sich da einlassen. Schließlich schickte das Harper’s Magazine den schwerst depressiven Hochbegabten einige Jahre zuvor zwecks Reisereportagen-Recherche auf eine siebentägige Kreuzfahrt in die Karibik. Das Ergebnis, „Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich“, war eine akribische Bestandsaufnahme einer Urlaubswelt, die sich auf der Suche nach Spaß ständig im Kreis dreht und einer dieser Texte, bei dem man sich selbst in den komischsten Momenten kaum zu lachen traut, weil der beschriebenen Wust aus Dauerwerbesendung, Ententanz und krankem Geiz eigentlich erschütternd ist. Das aber macht das Buch - das eigentlich nicht viel mehr vollbringt, als alle Klischees, die man von

Kreuzfahrten ohnehin schon hatte, noch mal zu bestätigen - dann doch noch zu Literatur. Dietmar Bär hätte es jedoch gerne mit ein bisschen mehr Elan lesen dürfen. (1 CD/rund 76 Minuten & 4 CDs/ rund 275 Minuten)

Text: Holger Muster, Moritz Honert

SONST ERSCHIENEN Psycho-Cop Don Harris begibt sich in Folge Sieben der nach ihm benannten Serie auf die Spuren des russischen Hausund Hofpredigers Rasputin. Was er findet, sind allerdings nicht nur „Drei Gräber in Sibirien“ (Folgenreich/Universal), sondern auch die Killer vom Club der Höllensöhne, die für Rasputins Tagebuch und das darin enthaltene Geheimnis ewigen Lebens über Leichen gehen. Keine Leiche, aber immerhin einen Vermissten gibt es ein paar tausend Kilometer weiter westlich. Irgendwo im skandinavischen Nebel liegt die Insel „Öland“ (Der Hörverlag), nach der Johan Theorin sein Krimidebüt benannt hat. Vor Jahren ist hier ein Junge verschwunden, jetzt kehrt die Mutter zurück, weil es neue Spuren gibt. Leider wird aus der Geschichte nichts gemacht. So zäh und unglaubwürdig schleppt sich die Mischung aus Geistergeschichte und Thriller dahin, dass einem am Ende weder das Schicksal der Figuren noch der Plot nahe gingen. Verschenkt. Text: Holger Muster, Moritz Honert


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HÖR-/BÜCHER

Seite 65

Nick Hornby/ Ben Folds Die Rache der Nerds

Nick Hornby und Ben Folds hätten schon auf dem Schulhof zusammen in der Ecke stehen können. Jetzt haben sie zusammen eine Platte gemacht, die zwei Außenseiter in ihrem Element zeigt. Nick Hornby und Ben Folds kennen sich aus in der Rock-Geschichte, auch wenn beide bei all dem dekadenten Zirkus bisher eher Zaungäste waren keine Groupie-Action für Brillenträger. Hornbys Beitrag zur Pop-Musik besteht vor allem aus einem zugegebenermaßen ausgesprochen lustigen Buch über einen Plattenladen, und Ben Folds ist einem größeren Publikum vor allem durch sein ironisches Dr. Dre-Cover ’Bitches Ain’t Shit’ bekannt. „Nick und ich sind eher die Typen, die nie cool waren und die dafür mit ihrer Schwäche kokettiert haben“, sagt Folds heute. „Wir kommen beide aus einer bestimmten Zeit. Und wir schreiben gerne über schwache Charaktere, die man mag, obwohl sie ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen. Wenn man an Bands wie Led Zeppelin denkt, denkt man an coole Typen ohne Hemd mit einer Menge Mädels im Schlepptau. Und in den Siebzigerjahren haben praktisch nur solche Leute Platten verkauft. Das waren alle so Über-Personen. Selbst Elvis Costello als typischer Anti-Held hat einem mit seiner Coolness Angst gemacht. Der Rest von uns hat nie das Gefühl gehabt, so gut zu sein wie die Typen mit den engen Hosen und der haarigen Brust oder so cool wie Elvis Costello mit seiner Zahnlücke.“ Deshalb schreiben die beiden Rock’n’Roll-Stubenhocker in der Regel auch nicht über ihren Frauenverschleiß, sondern lieber kleine Storys aus dem Alltag. Nick Hornby hat sich dabei die Texte vorgeknöpft, Ben Folds die Musik. Eine gewisse Geistesverwandtschaft hilft da natürlich immens, sagt der Sänger. „Nick weiß Bescheid über die Dinge, die mir wichtig sind. Wir liegen da auf einer ähnlichen Wellenlänge, auch wenn es für einen Autor natürlich ungewöhnlich ist, auf einmal Rock-Texte zu schreiben.“ Die arbeitsteilige Methode hat trotzdem umso besser funktioniert. „Ich habe mir die Texte nicht unter dem Gesichts-

Zwei aus einem Holz: Ben Folds (links) und Nick Hornby.

punkt angeguckt, was ich daran verbessern könnte“, sagt Folds. „Es war schließlich meine Aufgabe, den Text - so wie er war - zu verarbeiten. Wir wollten uns nicht in das Territorium des anderen einmischen - er hat die Musik nicht in Frage gestellt, und ich die Texte nicht. Er hat mir die WordDatei geschickt, ich ihm das mp3.“ Laut Folds ist dieses Verfahren nicht nur praktisch, sondern auch noch verblüffend schnell. „Ich gucke mir einfach die Texte an und warte, bis die Melodie kommt. Nach Öffnen des Word-Dokuments dauert das ungefähr so zwei Minuten.“ Zu ein paar Texten sind Ben Folds dann zwar keine Melodien eingefallen, der Rest klingt dagegen wie aus einem Guss und so realistisch, dass man die Typen in den Songs zu kennen meint. Vom Schulhof oder von danach. Die Tage von Led Zeppelin und Elvis Costello sind gezählt. Text: Michael Haacken Foto: Eamonn McCabe Heimat: benfolds.com

Nick Hornby Nick Hornby hat viele erfolgreiche Bücher verfasst und vor nicht allzu langer Zeit auch das Oscarnominierte Drehbuch zum Film „An Education“ geschrieben. Seine Romane zeichnen sich nicht nur durch seine grandiose Beobachtungsgabe und den teils recht surrealen Humor aus. Auch hat der Autor von „High Fidelity“ und „About A Boy“ immer seine Liebe zur Musik – mehr oder weniger offensichtlich – in die fiktionalen Werke eingebunden. So ist der Titel seines Buches „About A Boy“ beispielsweise eine Referenz auf den Patti SmithSong „About A Boy“, die diesen wiederum über den verstorbenen Kurt Cobain schrieb, als Abwandlung des Songtitels „About A Girl“ von Nirvana. Diese Band spielt auch innerhalb der Handlung eine Rolle für das Erwachsenwerden und die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten Will und Marcus. Wer im Übrigen nur die Verfilmung des Ganzen kennt, dem sei das Buch ans Herz gelegt, da es a) anders und b) weniger überzuckert ist als beispielsweise das große Schulaufführungsfinale der TV-Adaption.

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SCREENSHOTS/VORSCHAU/IMPRESSUM

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IMPRESSUM

SCREENSHOTs

Der Polizeistaat

Ich habe noch nie eine Bank überfallen. Die Anzahl der von mir brutal mit Buntstiften bemalten Kleinkinder geht gegen Null und auch beim Thema Gewalt gegen Frauen sehe ich mich eher als Opfer. Ich habe nie einem Hamster widerliche Taschenspielertricks beigebracht oder Haustiere zu Straftaten angehalten. Ich klaue keine Büromaterialien, fälsche keine Gemälde aus dem 16. Jahrhundert und fahre nur selten freihändig Fahrrad. Trotzdem: Immer wenn ich einen Polizisten sehe, habe ich ein schlechtes Gewissen. Sofort! Wir essen unseren Spinat nicht auf, gehen mit nassen Haaren raus und ohne Zähneputzen ins Bett. Wir sind Alltags-Anarchisten! Aber sobald uns etwas Uniformiertes mit Kelle aus unserem Leben an den Straßenrand winkt, buckeln wir, geben das innerste unseres Kofferraums frei und entschuldigen uns für alles, was wir nie gemacht haben. Plötzlich sind wir Sklaven der Sklaven der Legislative! Hält uns ein Staatsbeamter im Frischluftdienst ein Röhrchen hin, blasen wir rein. Wie viel bereitwillig vollzogener Oralverkehr könnte es in den Schlafzimmern dieser Welt geben, würden Sextherapeuten mehr Polizeiuniformen statt Gesprächstherapien verschreiben?! Aber darum soll es hier nicht gehen. Durch die Augen eines Polizisten sieht die Welt aus wie der pastellfarbene Hippie-LSD-Trip eines Vierjährigen. Niemand tut etwas Böses. Niemand schreit, niemand haut, niemand nimmt Drogen oder zieht jemandem an den Haaren. Da, wo sonst mit 80 Sachen durch Spielstraßen gerast und Frauen verprügelt werden, tanzen rosafarbene Glücksbärchies und Elfen auf schneeweißen Einhörnern Ringelrein, sobald ein Polizeibeamter

Herausgeberin:

unclesally*s GmbH & Co. KG Waldemarstr. 37, 10999 Berlin Tel.: 030 - 694 09 663, Fax: 030 - 691 31 37 mailto: sallys@sallys.net * online: www.sallys.net

Chefredaktion: Caroline Frey Stellvertr. Chefredaktion: Florian Hayler Redaktionsleitung: Ina Göritz Redaktion: Christine Stiller Anzeigenkoordination & Marketing:

in der Nähe auftaucht. Polizisten wird kein Gras verkauft, sie werden nicht beklaut, besprayt oder umetikettiert. Niemand überfällt eine Pommesbude, in der der lange Arm des Gesetzes gerade von der Arbeit pausierend in Frittiertem steckt. Keiner gräbt Polizistinnen an, füllt sie ab und erzählt ihnen etwas von Augen und Sternen, um sie dann halb ohnmächtig an der Dienst-Mütze ins Bett zu zerren. Von den traurigen Balz-Ritualen paarungswilliger Männer wissen sie nichts. Nicht mal in der U-Haft wurde jemals eine Polizistin gefragt, „ob sie öfter hier sei“. Der Polizeistaat ist eine Kindertagesstätte, in der alle brav sind – aber eben leider nur an dem Tag, wo der Polizist zu Besuch kommt! Wären wir Gott oder Google-Earth, dann könnten wir die Welt von oben sehen – sehen, wie jede Polizeiwache, jedes Polizeifahrzeug und jeder ihrer Insassen um sich herum einen rosafarbenen Aura-Lichtkranz des Friedens und der Glückseligkeit trägt und wie alles, was sich im Bannkreis dieses Mantels bewegt, erfüllt ist von Ruhe und innerer Sicherheit. Wie fluoreszierende Zuckerwattewolken tanzen Polizisten schwerelos über die Erde. So sieht das aus! Gestern stand in der Zeitung, die Lieblings-TV-Serien von Polizisten seien “Toto & Harry“.und “Tatort“. Na, dann werden sie ja bald wissen, wie es im Leben wirklich zugeht. Mhhmm. Schade eigentlich! Yessica Yeti

VORSCHAU

Warpaint (Foto: Mia Karby)

Heimat: sallys.net Vermarktung sallys.net:

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Legal Affairs:

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Bücher: Elmar Bassen *** Comics: Andreas Hartung *** Comicstrip: aha *** Computerspiele: Tito Wiesner, Lukas C. Fischer *** Demodesaster: Roy Fabian, Maik Werther *** Hörspiele: Moritz Honert *** Kino: Patrick Heidmann *** Neuigkeiten: Robby Steuding *** Online & Platten: Ina Göritz *** Sport: Christine Stiller *** Lektorat: Torsten Hempelt

Abo: 15 Euro/Jahr

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Autoren:

Frank Abel, Jochen Barthel, Elmar Bassen, Volker Bernhard, Kai Butterweck, Jenny Ferron, Lukas-Christian Fischer, Ben Foitzik, Jens Fritze, Martin Gegenheimer, Gordon Gernand, Steven Gläser, Robert Goldbach, Sebastian Gosmann, Alexander Grigutsch, Sarah Gulinski, Michael Haacken, Cornelis Hähnel, Holger Hoffmann, Lasse Holler, Leon Ilsen, Stephanie Johne, Tim Kegler, Aiko Kempen, Philipp Kohl, Eric Landmann, Arne Lieb, Dirk Lüneberg, Marta Marszewski, Peter Meisterhans, Boris Mischke, Maleen Mohr, Christopher Mühlig, Holger Muster, Elisabeth Nagy, Vanessa Pape, Marc Phillips, Friedrich Reip, Sascha Rettig, Verena Reygers, Timo Richard, Marie Schaefer, Daniel Schieferdecker, Raphael Schmidt, Maritta Seitz, Natascha Siegert, Fabian Soethof, Samuel Stein,Frank Straessner, Frédéric Schwilden, Frank Thießies, Nina Töllner, Hans-Christian Vortisch, Marek Weber, Silvia Weber, Kati Weilhammer, Marcus Willfroth, Christian Wölki, Yessica Yeti

Praktikanten:

Sarah Gulinski, Ben Wolf

Auszubildende: Mandy Scholz

INTERVIEWS Entgegen aller meteorologischen Prognosen: Der November wird heiß - zumindest thematisch. Warpaint aus Los Angeles werden Ende Oktober ihr erstes Album „The Fool“ veröffentlichen, pünktlich gibt es auf diesen Seiten die handverlesenen Details dazu. Außerdem gibt’s Neues von Good Charlotte, Sleigh Bells, Murder und vielen anderen.

Eric Landmann 030 - 694 09 661 Frank Straessner 030 - 694 09 662 Petra Pomplun 030 - 694 09 664

Fotografen:

Fotografen: Frank Abel, David Biene, George DuBose, Birte Filmer, Ali Ghandtschi, Tim Klöcker, Oliver Schümers, Jan Umpfenbach, Erik Weiss, Jan Windszus, Ben Wolf, Simon Pokorny

Layout:

Caroline Frey, Mario Krenz Editorial Design & Konzept: Bijan Latif * www.latifoberholz.de

IM KINO

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Keine Frage: der November 2010 dürfte zu den spannendsten Kino-Monaten seit langem gehören. Große Regisseure wie Julian Schnabel („Miral“) oder Venedig-Gewinnerin Sofia Coppola („Somewhere“, siehe Foto) sind mit neuen Filmen am Start, LeinwandDiven wie Tilda Swinton („I Am Love“) und Julianne Moore („The Kids Are All Right“) beglücken uns ebenso mit neuen Filmen wie die alten Recken Bruce Willis, Morgan Freeman und John Malkovich mit der Actionkomödie „R.E.D.“. Und obendrein präsentiert sich das europäische Kino mit klugen, durchaus politischen Filmen wie „Carlos“, „Die kommenden Tage“ oder „Geliebtes Leben“ stark wie selten.

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