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2014

Das Gr端n in den Kommunen

Einzelpreis 6,00 Euro | 66. JG. | A 02125

Trotz vieler Steine: Natur setzt sich durch

Mit Landes-SGK Extra


www.runtervomgas.de


Inhalt

Titel Das Grün in den Kommunen

Foto: Dirk Bleicker

Liebe Leserin, lieber Leser,

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Natur gehört auch in die Stadt | Interview mit Dieter Magnus, Umweltkünstler Nach der Buga: Koblenz verwandelt | Rückschau auf einen großen Erfolg Farbenfrohes Havelquintett | Fünf Kommunen machen eine Gartenschau Fast ein Kulturkampf | Streit in Mannheim um die Buga 2023 Der Drei-Religionen-Friedhof | Ruhestätte für Christen, Juden und Muslime Memoriam-Gärten | Friedhof als grüne Oase der Ruhe Elmshorns (bald) grüne Innenstadt | Lorbeer gegen das Grau in der Stadt Sport statt Gestrüpp | Erholung an Kiels Ostufer SPD-Bundestagsfraktion | Das neue kommunalpolitische Spitzenduo

eine Stadt braucht eine grüne Lunge, damit die Bürgerinnen und Bürger gute Luft zum Atmen bekommen. Der Künstler Dieter Magnus hat sich schon früh dafür eingesetzt, sagt er im Interview auf den Seiten 4 bis 6. Auch eine Bundesgartenschau bringt Grün ins Grau. Darüber berichten Koblenz, das die Erfahrung schon gemacht hat, Havelland, das sich für 2015 vorbereitet, und Mannheim, das gerade erst für 2023 gestartet ist, auf den Seiten 7 bis 10. Friedhöfe gehören trotz der mit ihnen verbundenen Trauer zu den grünen Oasen in den Städten. Kulturell ist hier einiges im Wandel wie man auf den Seiten 11 und 12 lesen kann. Wie sich ein Landkreis energiemäßig autark machen kann und dies auch nachhaltig wirksam wird, das zeigt das Beispiel Steinfurt auf den Seiten 17 und 18. Wenn unser Heft auf dem Markt ist, sind es nur noch zwei Wochen bis zur Europa- und Kommunalwahl am 25. Mai. Allen schwer kämpfenden Kandidatinnen und Kandidaten wünschen wir das Quäntchen Glück, das zu einem Wahlsieg immer dazugehört. Glückauf für alle!

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6 Report Umwelt und Nachhaltigkeit 17 18 20 21 22 24

Dezentrale Energieerzeugung im Münsterland | Fernwärme macht´s möglich Hohe Strafen für BHKW-Verkäufer | Ende des Mammut-Prozesses in Nürnberg Mit Gras auf der Erfolsspur | Mit Mist ordentlich einheizen Verpackungsmüll zu den Kommunen | Grüner Punkt in der Kritik Wohnen am Wasser hat seinen Preis | Versicherungspflicht gegen die Flut Es ist was faul im Untergrund | Deutschlands Kanalnetz ist sanierungsbedürftig

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In diesem Sinne, bis zur nächsten DEMO im Juni

Berichte 26 28 29 30

Kommunalwahl | Die SPD regiert in den Kommunen Europawahl | Für ein Europa, das Vielfalt respektiert Menschen | Termine Das Letzte | Vorschau | Impressum

Barbara Behrends, Chefredakteurin

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Natur gehört auch in die Stadt Der Umweltkünstler und Stadtbegrüner Dieter Magnus hat in den letzten 30 Jahren weltweit eine Menge bewirkt, was die Begrünung der Städte angeht – vor Ort und in den Köpfen der Stadtplaner Interview Barbara Behrends

Ihr Berufsleben ist eine beeindruckende Entwicklung. Nach Staatsexamen in Kunst, Kunstgeschichte, Philosophie und Biologie hin zum Maler, Objektmacher und Bildhauer. Alles, was man braucht, um erfolgreich Städte grün zu machen. Wie kam Ihre Hinwendung zu dieser Form der Stadtentwicklung? Eigentlich sind es mehrere Dinge, die mich schon sehr früh bewegt haben. Bereits als Heranwachsender habe ich mir immer Gedanken gemacht, warum die Natur so schön ist und warum das in den Städten fehlt. Warum sind die Städte so steril geworden, insbesondere heutzutage, wenn man

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immer die gleichen Formen sieht. Schon bei der Bundeswehr habe ich beschlossen, nicht Sportlehrer, sondern Kunsterzieher zu werden. Per Zufall lernte ich im Urlaub einen Landschaftsarchitekten kennen. Er gestaltete einen Platz am Bodensee und lud mich ein, etwas dazu beizutragen. Mit dem Landschaftsarchitekten hatte ich die Möglichkeit, etwas Integriertes zu machen, wo zum ersten Mal das Solitäre im Ganzen aufging. Das war für mich der Anstoß, weiterzumachen. Dann habe ich einen 45-Minuten-Film für den Südwestfunk und später für den Saarländischen Rundfunk gemacht: „In San Francisco leben oder Was eine Stadt

menschlicher macht“. In San Francisco kam damals ganz aktuell eine neue Richtung auf: Environmental Art. Das ist ganzheitliches Arbeiten und Umsetzen. Ich habe Künstler kennengelernt und mich mit ihnen unterhalten, die mir ihre Arbeiten gezeigt haben. Einer hat für BART – das ist eine U-Bahn, die auch oberirdisch fährt – Ausstattungen gemacht und Bahnhöfe gestaltet. Das wäre hier undenkbar gewesen, weil das immer die Architekten machen. Ich kam so vollgefüllt nach Hause und war entschlossen: Du gehst diesen Weg auch. So ging das Schritt für Schritt. Das zweite große Ereignis war die grüne Brücke in Mainz, eine Brücke, die


Titel

Titel: Das Grün in den Kommunen

Foto: aygulchik99/Fotolia

grün ist und nicht betongrau, wie das die Architekten üblicherweise bevorzugen. Ich habe immer gesagt: „Ich bin kein Architekt, ich bin Künstler. Ich bin in der Natur aufgewachsen als Bub und es ist ganz wichtig, dass wir die Natur in die Städte zurückholen.“ Das war die anstoßende Argumentation, um die Leute dahin zu bekommen, dass sie sich über das Thema Gedanken machen. Die grüne Brücke ist dann in Mainz gebaut worden und dort im Bauausschuss musste ich vortragen und einer der Herren Architekten meinte, das sei Kitsch, das gehe alles nicht und passe nicht dahin. Dann ich: „Warum lädt man nicht die Bürger ein, dass sie da ein Stück Land bekommen, das sie bepflanzen können? Blumenkohl könnte man doch da pflanzen!“ Es gab brüllendes Gelächter. Und jetzt gibt es das überall, zum Beispiel in Andernach. Super! Das finde ich auch! Da will ich auch noch mal hin. Damals hat es dann doch geklappt und die grüne Brücke ist weit über dreihundert Mal in der ganzen Welt gezeigt worden. Einmal, in meiner neuen Ausstellung

„Kunst & Naturlandschaften“, die in hundert Städten der Welt und in ca. fünfzig Vorträgen dabei war, wurde sie auch gezeigt. Hat sie auch Nachahmer gefunden? Es gibt in London einen Versuch. Der stellvertretende Leiter der NABU hat mich mal angerufen und mir gesagt, dass sie versuchen, die grüne Brücke nachzumachen. Er hat mir auch etwas gemailt, aber das sind so Beifügungen, die nicht integriert sind. Es ist das A und O, dass es eine Einheit wird. Ich habe immer gesagt: „Ich wünsche mir, dass die Bauwerke so überwachsen werden, dass die Architektur nicht mehr sichtbar ist, dass es ein grüner Hügel wird.“ Hat sich im Laufe der Jahrzehnte etwas verändert, was den Umgang der Städte mit Grün angeht? Es hat sich punktuell enorm viel verändert. Aber generell hat sich nicht viel getan, weil es immer noch ganz viele Städte gibt, die von den Leuten geführt werden, die die Natur gar nicht verstehen. Eine gebaute Struktur ist für diese Menschen wichtiger als Natur. Wenn man Berlin nimmt, die machen

große Fortschritte, auch mit diesen Gärten für die Menschen. Ganz toll! Zum Beispiel in New York gib es eine alte Hochbahn, die vor etwa zehn Jahren stillgelegt worden ist und gleich hat ein Großunternehmer versucht, sich das Land für Hochhäuser anzueignen. Ein Journalist und ein Künstler haben es wiederentdeckt. Sie gingen zum Oberbürgermeister und sagten: „Wir haben eine Idee. Wir machen daraus einen Park!“ Alleine schon die Idee ist fantastisch. Es gibt einen großen Verein. Die High Line ist inzwischen weltberühmt geworden. Sie haben sogar die Gleise zum Teil noch gelassen, aber auch ein bisschen Erde aufgebracht, sie haben die Abgänge gelassen. Sie machen Feiern und große Veranstaltungen. Das ist eines der ganz wenigen Projekte, wo ich sagen kann, das hat sich enorm in die Köpfe der Menschen gearbeitet. Aber die grüne Brücke hat sich auch bei den Bürgern der Mainzer Neustadt eingeprägt. Der NABU macht zusammen mit den Bürgern die Pflege. Das Ganze wird leider oft von Sprayern verunstaltet. Besser, wenn das jetzt zuge-

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Der Umweltkünstler Dieter Magnus, der einen wunderschönen verwunschenen Garten besitzt, achtet auch zu Hause auf eine ausgewogene Flora und Fauna als Ergänzung zum bebauten Raum. Foto: privat

wachsen wäre, man spritzt nicht auf Grün. Das ist eine instinktive Haltung. Stellen Sie sich vor, es gäbe die Neugründung einer Stadt. Wie könnte man von Anfang an anders vorgehen? Das Gebaute muss mit dem Natürlichen zusammengehen. Die Natur darf nicht wegen der neuen Bauten aus der Stadt verschwinden, sondern sie muss eine neue Form bekommen, aber mindestens gleichberechtigt. Das ist das eine. Das Zweite ist, dass so eine

Stadt nicht ohne die Menschen gebaut werden darf. Man muss die Menschen mit einbeziehen, auch wenn sie das mit den ganzen Aufbauten und mit den ganzen Techniken nicht verstehen, das macht nichts. Dafür ist derjenige, der das gelernt hat, da, damit er das erklärt. Ich versuche, alle meine Sachen mit den Bürgern zusammen zu machen. Ich erläutere bei vorbereitenden Treffen immer genau, was ich mir vorstelle. Was können Kommunen tun, um ihre

Umgebung lebenswert zu machen, ohne dass es am Geld scheitern muss? Die Bürger müssen in einer Art und Weise einbezogen werden, dass es ihnen auch Spaß macht, mitzumachen. Das ist lange Zeit überhaupt nicht ernst genommen worden und die Politik tut sich noch heute schwer damit. Die sagen: Das verstehen die sowieso nicht, wir müssen das erst einmal festlegen und dann gehen wir zum Bürger. Ich sehe das anders herum. Das Beste ist, wenn der Politiker im guten Sinne als Freund des Bürgers gesehen wird. Immer auf Augenhöhe mit dem Bürger. Das sollte ein Politiker im Grunde genommen immer sein. Denn den Städten ist der Bürger in einer gewissen Art und Weise ausgeliefert, weil er sich nicht mehr zu helfen weiß, wenn er zum Beispiel eine Wohnung angeboten bekommt, die er nicht mehr bezahlen kann. Das sind Entwicklungen, die uns vermutlich in der Zukunft noch empfindlich auf die Füße fallen werden. Weitere Informationen www.ateliermagnus.de

Nach der Buga: Koblenz verwandelt 2011 gastierte die Bundesgartenschau in Koblenz Autor Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister von Koblenz

Gute Gründe für die Stadt Koblenz, die Bundesgartenschau 2011 auszurichten, gab es viele. Neben der Behebung von Defiziten in Städtebau und Denkmalpflege sollte sich im Zuge des kulturellen Großereignisses Bundesgartenschau auch das Freizeit- und Kulturangebot in Koblenz entscheidend verbessern, nicht zuletzt wegen der Profilierung der Stadt als Kongress- und Veranstaltungsort. Nachhaltige Impulse waren auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu erwarten, vor allem in Einzelhandel, Gastronomie und Tourismusbranche. Dies galt nicht nur für die Stadt Koblenz selbst, sondern auch für die ganze

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Region. Die BUGA 2011 in Koblenz sollte das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ im Schulterschluss mit der Landesgartenschau 2008 in Bingen bundesweit bekannter machen.

Buga verursachte nicht wenige Folgeinvestitionen Vor allem im Bereich der städtischen Infrastruktur ging die BUGA mit umfangreichen Investitionen einher, die einen nachhaltigen Beitrag für mehr Lebensqualität in der Stadt leisteten. Es war das Ziel, räumliche Barrieren abzubauen, brachliegende oder minder genutzte Flächen wieder nutzbar und erlebbar zu machen, Konversionsflächen einer

öffentlichen Nutzung zuzuführen und vor allem das Freiraumangebot für die Bewohner zu vergrößern und attraktiver zu gestalten. Koblenz nutzte die Marke „Bundesgartenschau“ für einen zukunftsweisenden Umbau der Stadt. Doch nicht nur die Stadt wurde als Baumeister aktiv, die im BUGASog ausgelösten zusätzlichen Investitionen von privater oder öffentlicher Hand wurden auf 400 bis 500 Millionen Euro geschätzt. Erhofft hatte man sich im Vorfeld der BUGA zwei Millionen Besucher. Die kühnsten Erwartungen wurden aber übertroffen und genau 3 569 269 Besucher strömten während der 185 Öffnungstage von April bis


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Oktober auf das Gelände. Dies machte die Bundesgartenschau in Koblenz zur erfolgreichsten seit Einführung der elektronischen Besucherzählung (1997). Auch wirtschaftlich war ein Erfolg zu vermelden, denn am Ende standen Mehreinnahmen im Millionenbereich. Die BUGA war regelrecht Kult und bot neben Blütenpracht und Landschaftsträumen in ihren drei Kernbereichen Festung Ehrenbreitstein, Kurfürstliches Schloss und Blumenhof, über 8 000 Einzelveranstaltungen für alle Alterklassen an. Über 76 000 Dauerkarten für das fröhliche Sommerfest konnten abgesetzt werden, anfangs kalkuliert waren 36 000. Die ursprünglich „lediglich“ als Bindeglied zwischen den Kernbereichen geplante Seilbahn über den Rhein wurde zu einem der Highlights und zum Kennzeichen der BUGA. Auch Hotellerie und Gastronomie profitierten in erheblichem Maße von der BUGA. Die Übernachtungszahlen in Koblenz legten im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent zu. Starke Zunahmen waren auch in der Region zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit der BUGA in Koblenz wurde immer wie-

Die Seilbahn – eigens für die Bundesgartenschau installiert – gehört inzwischen zu den Rennern in Koblenz. Die UNESCO erlaubte den Weiterbetrieb bis 2026. Foto: GDKE Rheinland-Pfalz Pfeuffer

der der Begriff der „Wohlfühlgartenschau“ verwendet. Und gerade dies schien den Erfolg ausgemacht zu haben – Menschen aller Generationen waren begeistert. Die Einheimischen in Stadt und Region entwickelten einen großen Stolz auf „ihre“ BUGA und nahmen die Gastgeberrolle mit viel Freude und Engagement an. Zu nennen ist hier der Verein Freunde der Bundesgartenschau Koblenz 2011 e.V., der mit riesigem bürgerschaftlichem Einsatz, sowohl emotionaler Multiplikator wie auch tatkräftiger Unterstützer war und es bis heute ist.

Positive Wirkung hält weit über die Buga hinaus an Das Gefühl „BUGA“ ebnete den Weg zu nationaler und internationaler Aufmerksamkeit für Koblenz und die Region Mittelrhein. Rund 70 Prozent der Besucher gaben an, gerne in den Folgejahren wieder zu kommen. Gerade auf diese Nachhaltigkeit war von Anfang an hingeplant worden. Und Koblenz zieht auch weiter die Gäste an. Im Vergleich zur Vor-BUGA-Zeit ist die Zahl der Übernachtungen heute um über 24 Prozent gestiegen, die Besucher der BUGA haben

also Wort gehalten. Die Errungenschaften und neu gestalteten Flächen der BUGA stehen den Koblenzern und ihren Gästen ja auch weiterhin zur Verfügung. Jährlich bespielt nun die „Koblenzer Gartenkultur“ die BUGAFlächen. Rekordzahlen meldet auch die Festung Ehrenbreitstein, mit ihren jetzt jährlich über eine halbe Million Besuchern. Auch der Veranstaltungs- und Kongressstandort Koblenz präsentiert sich sehr positiv mit Jahr um Jahr steigenden Besucherbilanzen. Ein großer Erfolg konnte auch im Hinblick auf die Seilbahn erzielt werden, deren Abbau in 2014 aus Gründen der Welterbeverträglichkeit vorgesehen war. Die UNESCO entschied jedoch 2013, dass ein Weiterbetrieb bis zum Jahr 2026 möglich sei. Neben dem Verhandlungsgeschick der deutschen Delegation spielten hier sicher auch die, von den BUGA-Freunden gesammelten, über 105 000 Unterschriften aus Stadt und Region, eine wichtige Rolle. Mit all den Rekordzahlen und neben dem vielen Neuen hat sich noch etwas in Koblenz mit der Bundesgartenschau verändert: die Menschen. Sie leben die Aufbruchstimmung und identifizieren sich in hohem Maße mit ihrer Stadt. Das ist eine der größten BUGAErrungenschaften – und die ist unbezahlbar.

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Farbenfrohes Havelquintett Die nächste Bundesgartenschau vom 18. April bis 11. Oktober 2015 richtet erstmals eine ganze Region aus: Fünf Kommunen aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt bereiten eine innovative Landschafts-Expo vor Autor Harald Lachmann

Vielleicht hat es mit diversem Nachholbedarf im öffentlich Grün zu tun, vielleicht auch mit der bis 1990 ausgeprägten Laubenpiepermentalität vieler Ostdeutscher: So oder so – die neuen Länder besitzen fast schon ein Abonnement auf die Ausrichtung von Bundesgartenschauen (Buga). Es begann mit dem brandenburgischen Cottbus, das 1995 zunächst kurzfristig für Berlin einsprang. 1999 folgte dann Magdeburg, 2001 Potsdam, 2003 Rostock mit der IGA, 2007 Gera samt Ronneburg, 2009 Schwerin. 2017 ist schließlich doch noch Berlin an der Reihe und 2021 Erfurt. Doch dazwischen mogelte sich in fast wörtlicher Bedeutung noch ein Quintett, das lange niemand wirklich auf dem Radar hatte. Denn die nächste Buga war längst an Karlsruhe vergeben, das 2015 sein 300-jähriges Bestehen feiert. Die Badener zogen sich indes aus „finanziellen wie zeitlichen“ Nöten ebenso zurück wie das niedersächsische Osnabrück, das bereits als Ersatz bestimmt worden war.

Kein Geld, aber guten Mutes Mithin sind Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow, Havelberg sowie Stölln im Amt Rhinow lediglich dritte Wahl. Nicht einmal Brandenburgs Landesregierung, in deren Beritt außer dem sachsen-anhaltischen Havelberg all jene Kommunen liegen, trug den grenzüberschreitenden (Havel)Brü-

ckenschlag mit: Sie fürchtete einen Flop. So spricht man vor Ort denn auch von einer „von unten ertrotzten“ Initiative. Dabei lagen die Risiken durchaus auf der Hand. Noch nie erstreckte sich eine Buga über fünf Orte und eine Gesamtfläche von 54,7 Hektar. Keine der Kommunen schwimmt im Geld, keine hat Erfahrung im Ausrichten solch eines Millionenspektakels, selbst wenn die deutsche Optik-Wiege Rathenow 2006 immerhin eine Landesgartenschau meisterte.

Buga einmal anders Zudem treibt jede der Havelkommunen natürlich auch eigene Interessen um. Den Domstädten Brandenburg und Havelberg geht es etwa um die Aufwertung ihrer historischen Altstädte und dem 350-SeelenDorf Stölln um mehr Bekanntheit seines Fliegerparks sowie seiner Bedeutung für die Luftfahrt: Ab 1893 startete Otto Lilienthal hier seine ersten Flugversuche. Selbst Erhard Skupch, Geschäftsführer der Havel-Buga, räumte ein: „Es ist ein Experiment. Buga ist in Deutschland eingeführt. Wir machen eine, die anders ist.“ So liegen die einzelnen Areale bis zu 80 Kilometer auseinander. Doch alle Sorge schien unberechtigt. Bereits 2009 gründeten die fünf Kommunen mit der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG) einen Zweckverband, um den gemeinsamen Etat von 40 Millionen Euro nachhaltig gärtnerisch zu investieren. So entstehen acht Parks, zwei Hallenschauen,

aber auch eine Aussichtsplattform in Premnitz, eine Fußgängerbrücke in Rathenow und ein Fahrstuhl hinauf zum Park am Marienberg in Brandenburg. Und im „Gegensatz zu anderen großen Vorhaben in der Region halten wir den Zeitplan ein“, frohlockt man nun gar in den beteiligten Rathäusern. Auch DBG-Chef Jochen Sandner zeigt sich längst gelassen: „Es läuft gut.“ Zu den befürchteten Hürden rechnete man anfangs auch die Verbindung zwischen den fünf Teilbereichen. Doch längst ist nicht nur klar, dass sie alle über Radwege und Buslinien miteinander verknüpft sein werden, auch bei den Tickets für die erwarteten 1,5 Millionen Gäste beschreiten die Havelländer Neuland: Die 20-Euro-Tageskarte gilt so lange, bis man es geschafft hat, jeden Standort einmal besucht zu haben.

Region als blühende Landschaft Die alte deutsche Stadtpark-Blumenschau hat sich offenbar überlebt – zugunsten einer ganzen Region, die sich als blühende Landschafts-Expo öffnet. Und um Futterneid vorzubeugen, plant Buga-Veranstaltungschef Manfred Rademacher mit Augenmaß die Events der 25 Wochen. Jede der fünf Kommunen dürfe „fünf kulturelle HöhepunktWochenenden ausrichten“, verspricht er.

Wo schon Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche machte, zeigt die Buga den Fliegerpark in Sölln. Foto: Lachmann

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Kommunale Haushaltskonsolidierung Stadtwerkekooperationen

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Noch sieht die Landschaft in Mannheim ganz unberührt von allen Buga-Umtrieben aus. Aber Planungsperspektiven gibt es schon. Foto: Sawatztki

Fast ein Kulturkampf um Mannheims „Buga 2023“

sen sie auf millionenschwere andere Projekte, mit denen Mannheims Haushalt in der Vergangenheit belastet wurde, während nicht ersichtlich sei, woher das notwendige Geld für die Sanierung der unterschiedlichsten öffentlichen Gebäude und Infrastruktureinrichtungen kommen solle.

Die Bürger bewegen sich

Pläne der Mannheimer Stadtverwaltung, im Jahr 2023 nach 1975 wieder eine Bundesgartenschau auszurichten, stießen auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung Autor Harald Sawatzki

Die Metapher vom Kulturkampf zu bemühen, mag ein wenig zu hoch gegriffen erscheinen, aber gar so weit weg von einer derartigen Fehde bewegten sich die monatelangen Diskussion um das Thema „Buga 2023“ in Mannheim nicht. Am Ende brachte ein Bürgerentscheid Klarheit, wenn auch mit hauchdünner Mehrheit. Damit auch wirklich ein Großteil der Stimmberechtigten an die Urnen gehe, legte die Stadt Mannheim die Entscheidung über die Buga zusammen mit der Bundestagswahl auf den 22. September 2013. 229 992 Wahlberechtigte gab es, mit Ja für die Bundesgartenschau stimmten 68 322, mit Nein 66 369 Personen. So stellten nur 1953 Befürworter die Weichen für ein Projekt, das die Bürgerschaft von Anfang an spaltete.

Die Gremien sind für die Buga Worum geht es? Nach dem Abzug der USStreitkräfte aus Mannheim sah Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) die Chance, in einer Frischluftschneise und auf einem daran angrenzenden Teil der insgesamt 500 Hektar frei werdenden, ehemals militärisch genutzten Fläche Konversionsideen mit stadtplanerischen Zukunftschancen zu realisieren. Dieser Gedanke überzeugte in den

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kommunalpolitischen Gremien und auch außerhalb große Teile der Verantwortlichen bei SPD, CDU und Grünen. Mit einer Dreiviertelmehrheit sagte dieser Dreierbund im Gemeinderat Ja zur Buga 2023. Die Gegner wurden angeführt von Freien Wählern und der FDP, vom Bund für Umwelt und Naturschutz und etwas verstärkt von einer „eher schwachbrüstigen Bürgerinitiative“, wie das Lokalblatt „Mannheimer Morgen“ (MM) diese Gruppe charakterisierte. Alle einte die Skepsis, die Stadt wolle vorschnell mit der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) einen Vertrag abschließen, ohne sich über die künftige Verkehrsführung im späteren Bundesgartenschaugebiet im Klaren zu sein. Ohne genau sagen zu können, was aus einem Landschaftsschutzgebiet, als außerordentlich schützenswert gepriesen, werden könne. Und schließlich misstrauen die Gegner den finanziellen Vorhersagen. Während die Stadt mit einem „Durchführungshaushalt“ von etwas mehr als 41 Millionen Euro kalkuliert, von denen nach Abzug aller Einnahmen knapp sieben Millionen bei der Stadt hängen bleiben dürften, bemängeln die Nein-Sager die fehlende Deckelung der städtischen Ausgaben. Schließlich verwei-

Dass es am Ende doch zu einem bescheidenen Ja für die Buga 2023 reichte, hängt mit einem enormen Werbeaufwand zusammen, der die Einwohnerschaft schließlich gnädig stimmte. Und es wurden „Buga-Planungsgruppen“ ins Leben gerufen, die sich mit Ideen und Wünschen zu Wort meldeten. Sie markierten in ihren Protokollen mittels „Eckpunkten“, welche ihrer Vorschläge sie unbedingt berücksichtigt wissen wollen. Diese werden „in einen städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb einfließen, den der Gemeinderat im Juni ausloben will“, wie der „MM“ kürzlich meldete.

Die Buga nimmt Gestalt an Oberbürgermeister Dr. Kurz erwartet bei einer europaweiten Ausschreibung zur Ausgestaltung der Buga 2023 um die 60 Teilnehmer. Sie werden ihre Pläne für ein „gemeinsames Zukunftsprojekt“ entwickeln, wie Kurz Befürworter und Kritiker der Bundesgartenschau 2023 zusammenzuführen versuchte. Ehe die ersten Blumen auf dem Ausstellungsgelände blühen werden, unterzeichneten Kurz und DBG-Chef Jochen Sandner den Buga-Vertrag, in dem wohl alle wesentlichen Details zur BugaPlanung festgehalten sind. Über das Papier konnten sich die Leser der Tageszeitung schon mal im Internet ein Bild machen: Der MM druckte den Wortlaut im Netz (www. morgenweb.de/buga) ab. OB Kurz zeigte sich nicht gerade amüsiert. Das Blatt zitierte ihn mit der Bemerkung: Man habe kein Problem mit der Veröffentlichung, aber „die Weitergabe der vertraulichen Vorlage aus Parlament oder Verwaltung ist ein klarer Rechtsverstoß“.


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Der Drei-Religionen-Friedhof Ein einmaliges Projekt soll in der bergischen Metropole Wuppertal Wirklichkeit werden: Eine gemeinsame Begräbnisstätte für Christen, Juden und Muslime Autor Matthias Dohmen

Im Sommer wird der nordhrein-westfälische Landtag mit einer Novellierung des Bestattungsgesetzes einem bisher einmaligen Projekt den Weg freimachen. In Wuppertal soll der erste muslimische Friedhof Deutschlands entstehen. Eine gemeinsame Mauer wird die formal eigenständigen Gräberfelder der drei Weltreligionen umschließen.

Goedeking baut Die Gespräche laufen schon länger. Seit dem Jahr 1902 existiert der über 17 Hektar große evangelische Friedhof Krummacherstraße, auf dem auch die weltberühmte Choreographin Pina Bausch liegt. Der jüdische Friedhof wurde im Jahr 2008 eröffnet. Die Trauerhalle nach Plänen des Architekten Hans Christoph Goedeking ist am 18. Mai desselben Jahres eingeweiht worden – in Anwesenheit der Oberbürgermeister Remscheids, Solingens und Wuppertals sowie der Wuppertaler Partnerstadt Beer Sheva. In der Trauerhalle finden etwa 60 Personen Platz. Goedeking hat auch die Bergische Synagoge in Barmen entworfen.

giert ehrenamtlich als Generalsekretär der Wuppertaler Moscheen. Rund zehn Prozent der etwa 340 000 Einwohner sind Muslime. Man hat sich kennen und schätzen gelernt: Regelmäßig setzen sich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Leonid Goldberg, der evangelische Pfarrer Hermann-Peter Eberlein und Bouaissa zusammen.

chen weit über Wuppertal hinaus“, betont Neumann gegenüber der „DEMO“. Es ist kein Zufall, dass das ebenso ehrgeizige wie einmalige Vorhaben an der Wupper Gestalt annimmt. Seit dem Brandanschlag in Solingen vor über 20 Jahren treffen sich hier Vertreter von Christen, Juden und Muslimen. Die Stadt Wuppertal unterstützt die Pläne von Anfang an. Der Leiter des Integrationsamtes, HansJürgen Lemmer, verweist auf die religiöse Vielfalt Wuppertals als der Kommune, die nächst Berlin über die meisten Friedhöfe in Deutschland verfügt.

Ewige Ruhe garantiert

Noch lassen sich um die 95 Prozent der Muslime in ihren Herkunftsländern bestatten. Islamische Bestattungsriten wie Leichentuch, die strikte Ausrichtung gen Mekka und die Beerdigung binnen 48 Stunden sind hierzulande noch nicht vorgesehen. Das neue Gesetz wird auch die für Muslime wie Juden Christliches Kreuz, Davidstern und islamischer Halbmond – friedlich beieinander. erforderliche „ewige Ruhe“ Foto: andròmina/Fotolia möglich machen: Für sie soll die übliche 25-Jahre-Frist für Betreiben sollen den muslimischen Teil die Im Landtag setzen sich vor allem die SPD- Gräber nicht gelten. Der Drei-Religionen15 Wuppertaler Moscheevereine mit Hilfe Abgeordneten Dietmar Bell, Andreas Bialas Friedhof hätte eine große integrative Bedeueines Trägervereins, was mit der Novellie- und Josef Neumann für das Projekt ein. „Es tung. Andreas Bialas: „Wer sich entscheidet, rung des Bestattungsgesetzes möglich wer- wäre ein großer Schritt, wenn es uns ge- hier beerdigt zu werden, hat im Vorfeld den soll. Einer der treibenden Kräfte ist Sa- lingt, den ersten muslimischen Friedhof in damit eine Aussage zu ‚Heimat‘ getroffen. mir Bouaissa, Wuppertaler marokkanischer der Trägerschaft von Muslimen in Wupper- Hierfür die politischen RahmenbedingunHerkunft, dessen Familie in zweiter Genera- tal zu errichten. Der geplante Standort wird gen gestellt haben zu dürfen, erfüllt mich tion dort lebt. Bouaissa ist Vorsitzender des ein interreligiöser Standort für Juden, Chris- mit Stolz. Wenn Wuppertal hierbei Vorreiter Personalrats der Stadtverwaltung und fun- ten und Muslime. Das ist ein wichtiges Zei- ist, umso mehr.“

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nen Gesellschaft anzupassen. Längst wollen Menschen nicht mehr nur in Reihengräbern oder Gruften beerdigt werden. Urnen- oder Baumgräber, die Bestattungskultur hat sich gewandelt. Nicht zuletzt, weil auch die Kosten eine immer größere Rolle spielen. „Die meisten entscheiden sich für eine anonyme Bestattung, weil sie niemandem zur Last fallen wollen und weil es preiswert ist“, weiß Dirk Brenner.

Die Menschen sind begeistert von dem neuen Friedhofs-Konzept

Eine schöne Friedhofsanlage dient der Erholung der Lebenden.

Foto: Mackerodt

Memoriam-Gärten Eine grüne Oase mitten auf dem Friedhof Autorin Maicke Mackerodt

Eine hohe Eiche mit Rundbank, umgeben von üppigen Stauden, Kirschlorbeer und zierlichen Birken. Grün soweit das Auge reicht. Dazwischen Eichhörnchen und Vogelgezwitscher. Hier und da ragt eine Stele oder ein Grabstein hervor. Auf dem Urnenhochbeet wachsen sogar Ziererdbeeren. „Eine grüne Oase mitten in LeverkusenOpladen“, freut sich Friedhofsgärtner Dirk Brenner. Gemeinsam mit vier Gärtnerkollegen und zwei Steinmetzen legte er vor zwei Jahren den parkähnlichen Memoriam-Garten, wie er offiziell heißt, auf dem 100 Jahre alten Birkenberg Friedhof in Opladen an.

Friedhöfe können der Erholung der Menschen dienen Bereits 2010 wurde der bundesweit erste Memoriam-Garten auf einem Duisburger Friedhof eröffnet. Als Dirk Brenner davon hörte, fragte er 2011 bei der Stadt Leverkusen, ob sie so eine gärtnerbetreute Grabanlage unterstützen würden. Die Stadt stimmte zu und stellte ihnen ein 600 Quadratmeter großes Terrain zur Verfügung. Platz für 40 Erdgräber, 45 Urnen im Hochbeet und weitere 100 Urnen. „Friedhöfe sind Teil der

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grünen Vernetzungsstruktur, viele Menschen nutzen sie als Park zum Spazierengehen. Wenn solche Highlights da sind, umso besser“, sagt Leverkusens Stadtgrün-Chef Lothar Schmitz. Die sechs Handwerksbetriebe gründeten daraufhin die „MemoriamGarten Leverkusen GbR“ und legten los. Immer wieder hatten sich Besucher zuvor über ungepflegte Nachbargräber beklagt. „Als wir anfingen, schauten unglaublich viele Menschen zu“, erzählt Dirk Brenner. „Wir kamen kaum zum Arbeiten. Alle wollten wissen, was auf ihrem Friedhof passiert, sogar ein Kegelklub aus dem nahegelegenen Köln guckte zu.“ 40 000 Euro investierte das Team in die Bepflanzung, dazu jede Menge Arbeitsstunden und „Herzblut“ und 10 000 Euro für einen Landschaftsbauer, der die Wege anlegte. „In Essen hat die Stadt die Kosten für die Wege übernommen, das hätten wir uns hier auch gewünscht“, so Dirk Brenner. Solche Memoriam-Gärten sind eine Einladung an Städte, Gemeinden und Kirchen, ihre Friedhöfe an die Wünsche der moder-

Bereits bei der Eröffnung flanierten Besucher wie bei einer Landesgartenschau zwischen den Beeten. Mediterran angelegt mit Lavendel und Olivenbaum oder Inseln der Ruhe mit Zwergmispeln. Fließende Übergänge, ohne strikte Abgrenzung der Gräber. Die Anlage wird das ganze Jahr von den Gärtnern gepflegt. Den Stein kann man zu Lebzeiten aussuchen und aufstellen lassen. Die Inschrift gibt es erst, wenn jemand verstorben ist. Jeder Verstorbene wird mit Namen und Lebensdaten genannt. Namenlose Bestattungen gibt es hier nicht. 25 Prozent der Gräber waren nach einem Jahr bereits belegt oder reserviert. „Das ist weit mehr als erwartet“, so Dirk Brenner. „Diese kleine Parkanlage ist eine grüne Idylle“, hörten die Friedhofsgärtner immer wieder. Und dazu noch bezahlbar.

Und preiswert ist sie auch noch – die neue Oase der Ruhe Die Pflege wird von Brenner und seinen Kollegen für zwanzig Jahre übernommen. Die Preisspanne reicht von einem Urnengrab mit Gemeinschaftsstele für 2 730 Euro bis zu 9 500 Euro. Die finanzielle Abwicklung geschieht über die Rheinische Treuhandstelle für Dauergrabpflege, die auch den Festpreis garantiert. Dazu kommen die städtischen Friedhofsgebühren. „Das ist genau das, was gefehlt hat, war das schönste Kompliment“, sagt Dirk Brenner. Voriges Jahr eröffnete das Leverkusener Team auf dem Zentralfriedhof in Manfort den zweiten Memoriam-Garten. Bundesweit wird dieses Jahr der 30. MemoriamPark eröffnet.


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Köln 28. Juni

Europas größtes Familienfest für Menschen mit und ohne Behinderung Rheinpark, Eintritt frei www.lvr.de


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Elmshorns (bald) grüne Innenstadt Noch präsentiert sich die Stadt grau in grau, bald soll sie mit grünem Lorbeer geschmückt sein Autor Carsten Wittmaack

Die Lage könnte kaum besser sein. Elmshorn im Kreis Pinneberg profitiert immens vom sogenannten „Hamburger Speckgürtel“. Die A23 läuft quasi durch den Vorgarten, und auch die sonstige Infrastruktur ist für eine Kleinstadt bemerkenswert. Kein Wunder also, dass Elmshorn inzwischen auf fast 50 000 Einwohner angewachsen ist. Vielleich wären es sogar noch mehr, wenn auch etwas fürs Auge geboten würde. Denn man braucht schon eine sehr rosarote Brille, wenn man Elmshorn schön finden soll. Vor allem die Innenstadt ist ein eher pragmatischer Ort. Zum gemütlichen Flanieren lädt die Königstraße nicht ein. Bislang zumindest. Denn das nüchterne Ambiente soll schon bald Geschichte sein. Gerade erhielt der PACT „Begrünung“ bei einer Eigentümerversammlung ein positives Echo. Die City soll mit „grünen Pyramiden“ verschönert werden. Doch der Reihe nach.

Schon zuvor hatten Hauptausschuss und Stadtverordnetenkollegium mit der Verabschiedung des Einrichtungsbeschlusses für das weitere Verfahren Grünes Licht gegeben. Insgesamt umfasst der Bereich für den PACT „Begrünung“ 48 Grundstücke in bester City-Lage. Läuft alles nach Plan, könnte Elmshorns Innenstadt bereits im Juni mediterranen Charme versprühen. Schon seit Anfang 2013 arbeiten Stadtmarketing und Eigentümer an dem Konzept. Im Fußgängerzonenbereich sollen 34 immergrüne portugiesische Lorbeerkirschen aufgestellt werden. Diese Pflanze gilt als pflegeleicht, winterhart und krankheitsresistent und ist wegen ihrer Form wenig anfällig für Vandalismus. Schwere, hochwertige Polymerbeton-Gefäße sollen sicherstellen, dass das Grün an Ort und Stelle bleibt. Die Zustimmung des Großteils der insgesamt 36 Eigentümer gilt als sehr wahrscheinlich. Nur wenn sich mehr als ein Drittel von ihnen ge-

gen die Begrünung aussprechen sollte, ist das Vorhaben gescheitert.

Lorbeer für alle Die Pflanzen werden rund zwei Meter hoch und sollen so aufgestellt werden, dass die Schaufenster und Eingangsbereiche der Geschäfte frei bleiben. Die Gesamtkosten der Maßnahme schätzen die Verantwortlichen für die geplante Laufzeit von fünf Jahren auf rund 170 000 Euro. Davon entfallen etwa 60  000 Euro auf die Anschaffungskosten und 110  000 Euro auf die Pflege. Die heimische Firma Bellandris Rostock soll das System liefern und sich um die Pflege kümmern. Koordiniert wird das Projekt von einer Lenkungsgruppe, der auch Elmshorns Wirtschaftsförderer Thomas Becken angehören wird. Das Stadtmarketing Elmshorn, das bereits als Aufgabenträger für den PACT „Weihnachtsbeleuchtung“ tätig war, wurde in dieser Funktion auch in den BegrünungsPACT eingebunden.

Grünes nicht nur im Advent PACT, das steht für die Partnerschaft zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen. Das Projekt setzt auf privates (finanzielles) Engagement. In Elmshorn wurde eines der ersten PACT-Projekte in ganz Schleswig-Holstein verwirklicht. Schon 2007 kam erstmals die aus PACTMitteln finanzierte Weihnachtsbeleuchtung zum Einsatz. Das Projekt sorgte zusammen mit der Neugestaltung des Weihnachtsmarktes auch überregional für so viel Aufsehen, dass dem Elmshorner Stadtmarketingverein im Februar 2008 in Norderstedt der Stadtmarketingpreis verliehen wurde. Nun soll die Elmshorner Innenstadt auch über die Adventszeit hinaus attraktiver gestaltet werden. Ende Februar folgten 18 Grundstückseigentümer einer Einladung zur Eigentümerversammlung in die Sparkasse Elmshorn, um sich über die Details informieren zu lassen.

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Die zurzeit noch optisch eher triste Fußgängerzone soll sich schon bald als mediterran-grüne Flaniermeile präsentieren. Foto: Wittmaack


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Sport statt Gestrüpp Einst Angstraum, jetzt Erholungsfläche – das Kieler Ostufer Autorin Susanne Dohrn Zerbröselnder Asphalt, dichtes Gebüsch, schlechte Beleuchtung – so ein Gelände mitten in der Stadt lädt nicht zum Verweilen ein. „Angstraum“ heißen diese Gebiete bei Stadtsoziologen. Das Gelände des heutigen Sportund Begegnungsparks auf dem Kieler Ostufer war ein solcher Angstraum. Inzwischen halten sich die Bewohner dort gerne auf. „An Sommertagen sind hier hunderte Leute gleichzeitig, bei Veranstaltungen tausende“, sagt Projektkoordinatorin Katrin Kretschmer. Sie ist die Kommunikationszentrale zwischen den Nutzern vor Ort und der Stadt. Der Park liegt auf dem Ostufer der Förde, wo sich die

benachteiligten Stadtteile konzentrieren. Der Sport- und Begegnungspark soll dazu beitragen, die Wohnqualität zu verbessern. An der Entwicklung des Konzepts beteiligten sich Sportvereine, soziale Einrichtungen, Kirchen, Schulen und der Ortsbeirat. „Bis auf eine Schule, die sich aufgelöst hat, sind alle dabei geblieben und zur Interessengemeinschaft Sportpark geworden“, freut sich Katrin Kretschmer. Inzwischen ist das Gestrüpp gelichtet und die Wege sind neu asphaltiert. Das Angebot lockt – Fußballplätze, Felder für Beachvolleyball, Skate- und Rollschuhbahn, Kletterparcours und Kletterfelsen, Minigolf

und Freibad. Man kann kostenlos Spielgeräte wie Bälle, Springseile, Gummitwist, HulaHup, Frisbee, Boccia, Bobby Cars, XXL-Brettspiele ausleihen. Es gibt einen interkulturellen Garten, Liegewiesen und Grillplätze. Bürgerarbeiter gehen regelmäßig Streife. „Sie haben sehr zum Sicherheitsgefühl beigetragen“, so Katrin Kretschmer. Die Stadt Kiel ist arm. Die bisherigen Maßnahmen wurden vor allem mit Bundesmitteln aus dem Konjunkturpaket II und dem Programm Soziale Stadt finanziert. „Weitere Bauabschnitte sind geplant. Aber wir wissen nicht, ob das alles auch realisiert werden kann“, so Kretschmer. Anzeige

Wettbewerb Bioenergiedörfer 2014 Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zeichnet bestehende Bioenergiedorf-Projekte aus. Bewerbungsschluss: 15. Juni 2014 Bioenergie. Unsere Zukunft wächst hier! Mehr Informationen unter: www.bioenergie-dörfer.de


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Neuer kommunalpolitischer Sprecher

Vorsitzende des Unterausschusses Kommunales

Bernhard Daldrup kämpft für die finanzielle Entlastung der Kommunen

Annette Sawade wird zu allen relevanten Gesetzentwürfen Stellung nehmen

Bernhard Daldrup ist kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Der Westfale, ein Urgestein der Kommunalpolitik, schloss das Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität ab, begann bei der damaligen NRWFoto: privat Justizministerin In- Bernhard Daldrup ge Donnepp, ging dann zum NRW-Arbeitsministerium und als Lehrbeauftragter an die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in NRW, bevor er Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung der Stadt Beckum wurde.

Bundespolitische Themen haben Auswirkungen auf das Leben vor Ort. Sei es der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz oder die Novellierung des ErneuerbareEnergien-Gesetzes: Die Kommunen sind gefragt, bundespolitische Entscheidungen umzusetzen. Auch ich begann in der Kommunalpolitik. Vom Engagement im Foto: Marc Weigert Bürgerverein über die Annette Sawade Arbeit als „einfaches Mitglied“ bis hin zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Gemeinderat und der Tätigkeit als Abgeordnete des Deutschen Bundestages – ich habe mich in den letzten 20 Jahren in vielen Bereichen engagiert.

Seit 2003 ist Daldrup Landesgeschäftsführer der SGK in NordrheinWestfalen, seit der Bundestagswahl 2013 für den Kreis Warendorf im Deutschen Bundestag. In der zunehmenden finanziellen Kluft zwischen den Städten und Gemeinden sieht Daldrup die größte politische Herausforderung der kommenden Jahre: „Trotz insgesamt gut aufgestellter öffentlicher Haushalte gibt es Städte und Gemeinden, die jedes Jahr tiefer in einen Strudel der Überschuldung und der damit verbunden Unterfinanzierung öffentlicher Aufgaben gezogen werden. Dies gefährdet zunehmend die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in unserer Gesellschaft.“

In dieser Zeit lernte ich: Wer kommunalpolitisch arbeiten will, muss für eine hohe Bandbreite an Themen offen sein. Dies gilt besonders für meine Wahlkreisarbeit, während ich mich in Berlin auf Themen spezialisieren muss. Mit Beginn der neuen Wahlperiode haben wir uns in der SPD-Fraktion für die erneute Konstituierung des Unterausschusses Kommunales stark gemacht. Hier sollen die ressortübergreifenden Aspekte gebündelt und aus Sicht der kommunalen Familie berücksichtigt werden. Als Ausschuss-Vorsitzende werde ich an die ersten Schritte von Bundestag und -regierung aus der letzten Legislaturperiode anknüpfen.

Daldrup sieht deshalb auch den Bund in der Pflicht. „Im Koalitionsvertrag konnte die SPD eine zielgerichtete Entlastung der Kommunen durchsetzen. Dies geschieht vor allem im Bereich der Soziallasten, von denen finanzschwache Kommunen häufig überproportional betroffen sind. Jetzt kommt es darauf an, dass diese Hilfen schnell bei den Kommunen ankommen.“

Der Deutsche Bundestag hat seine Geschäftsordnung geändert, so dass die kommunalen Spitzenverbände bei der Beratung von für sie relevanten Gesetzentwürfen Stellung nehmen können. Dies tut auch der Unterausschuss Kommunales. Kommunalpolitik ist (m)eine Herzensangelegenheit – und als „Seismograph der Bundespolitik“ bezüglich kommunaler Themen von zentraler Bedeutung.

V.i.S.d.P.: Petra Ernstberger, Parlamentarische Geschäftsführerin, Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Tel.: (030) 227-744 20, petra.ernstberger@spdfraktion.de

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Report: Umwelt und Nachhaltigkeit

Foto: Can Stock/viperagp

Dezentrale Energieerzeugung im Münsterland Holzvergaser-BHKW versorgen Flughafen und Gewerbegebiete mit Fernwärme Autor Marc Wilhelm Lennartz

Der Landkreis Steinfurt will bis zum Jahr 2050 energieautark sein. Ein mit der Universität Münster und der FH entwickeltes Energiemanagementsystem verfolgt die Erschließung regionaler Marktpotenziale. Den zentralen Baustein des Energiemosaiks bildet die „Goldene Mühle“, die Sonnenblumenkern-Öle in hohen Qualitäten produziert. Dazu gehört auch ein effizienter Umgang mit den Schalen der Sonnenblumenkerne, die zu Futtermitteln weiterverarbeitet oder energetisch verwertet werden. Zudem hat die Ölmühle gemeinsam mit dem strategischen Partner Münsterland Energy GmbH den Energiepark „Goldene Energie“ aufgebaut. Dabei setzt man neuartige Pellet-BHKW (Blockheizkraftwerke) mit vorgelagerten Holzvergaser-Einheiten der Firma Burkhardt aus Bayern ein, die in einem Prozeß Wärme und Strom produzieren. Die ausgereifte Holzvergasertechnik wartet mit einem störungsfreien Dauerbetrieb mit im Mittel 8 300 Betriebsstunden p.a. auf. Dabei erreichen die in Reihe geschalteten Pellet-BHKW einen Wirkungsgrad von bis zu 85 Prozent.

Geschäftsführer Ulrich Wendeln ist zufrieden: „Für mich war es wichtig, in eine zukunftsorientierte und betrieblich zuverlässige Technik zu investieren, die CO2-neutral und damit umweltschonend Energie mit hoher Effizienz produziert. Natürlich erwarte ich auch, dass sich die Plandaten unserer Wirtschaftlichkeitsberechnungen realisieren lassen, und das sieht bisher gut aus.“

Optimale Wärmeverteilung Die Planung und Durchführung des Biomasse-Großprojektes aus Basis nachwachsender Rohstoffe erfolgt gemeinsam mit Professor Berndt Kriete, Geschäftsführer der Münsterland Energy. Dieser hat die Wärmeverteilung optimiert: Während die niederkalorische Energie die Wärmegrundlast des Mühlenbetriebs zur Trocknung der Sonnenblumenkerne sowie die Klimatisierung der Ölmühle und des Fertigwarenlagers abdeckt, führt man die hochkalorische Energie dem Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) zu, der seit November 2009 über ein für diesen Zweck verlegtes Fernwärmenetz von insgesamt 5,5 Kilometer Länge versorgt wird.

Die Fernwärme deckt die Grund- und Hauptlast des Flughafens ab. Mit ihr wird nicht nur die Warmwasserversorgung und der Wärmebedarf sichergestellt, sondern auch eine Absorptionskältemaschine für die Klimatisierung im Sommer betrieben. Der FMO verfügt über einen Jahreswärmebedarf von ca. 5 000 MWh (Megawattstunden). Mittels der Fernwärmelösung können pro Jahr über 1  000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die über ein Energie-Contracting vereinbarte Fernwärmelieferung wird von der Goldene Mühle Energie GmbH & Co. KG produziert und in Kooperation mit der Münsterland Energy Contracting GmbH an die Stadtwerke Greven geliefert. Letztere wiederum hat mit dem FMO einen Wärmelieferungsvertrag von 15 Jahren Dauer abgeschlossen. Die Münsterland Energy Contracting GmbH hat die Fernwärmeleitung von der Goldenen Mühle bis zu einer Übergabestation der Stadtwerke Greven verlegt. Von der Übergabestation leiten die Stadtwerke die Wärme an den FMO sowie an zusätzliche Abnehmer weiter: den im „AirportGewerbePark“ am Flughafen sowie das Ladberger Industriegebiet „Hafen Nord“.

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Silo der Goldenen Mühle

Foto: Lennartz

Regionale Wertschöpfung Heute produzieren 32 Holzvergaser-BHKW mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 36 Millionen Euro 7,72 Megawatt (MW) an elektrischer und 10,2 MW an thermischer Energie im Jahr – Deutschlands größte Holzvergaser/Kraft-Wärme-Kopplung Anlage. Dabei werden gegenüber einer getrennten Erzeugung von Strom und Wärme in kon-

ventionellen Kohlekraftwerken mit geringen Wirkungsgraden unter Einsatz von fossilen Brennstoffen ca. 60 000 Tonnen CO2 p.a. eingespart. Ferner wird hier die Energie von lokalen Produzenten dort erzeugt und verkauft, wo sie verbraucht wird. Dadurch verbleiben die Gewinne in der Region, anstatt dass ortsfremde Großkonzerne sie als Dividenden für Aktionäre abschöpfen. Zudem werden vor Ort neue Arbeitsplätze geschaffen und bestehende gesichert. In der Goldenen Mühle arbeiten 30 Mitarbeiter in Vollzeit, die Münsterland Energy verfügt über 2,5 Arbeitsplätze. Dazu kommen elf bei der Burkhardt GmbH angestellte Fachtechniker.

Lokale Pelletproduktion Der nach der Erweiterung ab Mitte 2013 erzeugte Strom von jährlich ca. 52 000 MWh wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und gemäß EEG „direkt“ vermarktet (Erneuerbare Energien Gesetz); ca. 65  000

MWh Fernwärme werden pro Jahr als Heizbzw. Prozessenergie an die Kunden geliefert. Die durchschnittliche Vergütung für die vermarktete Wärme beträgt dabei 4,5 Cent je kW/h. Kriete und Wendeln haben bereits den nächsten Clou unter Dach und Fach gebracht: Im neuen Industriegebiet gegenüber der Goldenen Mühle wird ein Produzent für Holzpellets angesiedelt, der Rundholz aus der Region verarbeitet. Das Pelletwerk, an dem sie sich selbst mit 25 Prozent beteiligen, wird dann als neuer Kunde mit Prozesswärme beliefert werden und im Umkehrschluss die BHKW-Module mit heimischen Pellets auf kürzestem Weg versorgen. Damit schließt sich die Prozesskette: Die komplette Wertschöpfung aus Herstellung und Verbrauch kommt aus bzw. verbleibt in der Region. Diese ökologisch wie ökonomisch vorbildliche Lösung belegt, dass eine dezentral-lokal strukturierte Energiewende schon heute funktioniert.

Hohe Strafen für BHKW-Verkäufer Verkauft wurden Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke mit irrem Wirkungsgrad – die es gar nicht gab Autor Heinz Wraneschitz

Lange Haftstrafen gab es für elf angeklagte Geschäftsführer, Manager und Vertriebsdirektoren der „Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien“ GFE in Nürnberg mit ihren „Potemkinschen Blockheizkraftwerken“ (DEMO berichtete). Sie verkauften „Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke (BHKW) in Containerbauweise“. 1419 Kunden hatten 1547 Stück davon bestellt und 62 Millionen Euro dafür bezahlt. Doch für Richter Bernhard Germaschewski steht fest: „Die GFE hatte das Produkt nicht.“ Die BHKW sollten ein Gemisch aus drei Vierteln Wasser und einem Viertel Rapsöl zu über 70 Prozent in Elektrizität umwandeln. „Ideengeber“ K. sitzt seit dreieinhalb Jahren in Nürnberger Untersuchungshaft und soll laut Urteil für insgesamt neun Jahre dort bleiben. Rich-

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ter Germaschewski über K.: „Sie fühlen sich scheinbar allen Menschen überlegen. Sie sind nicht der Messias der Erneuerbaren Energien: Sie haben unternehmerisch versagt und sich des Betrugs strafbar gemacht.“ Als die Staatsanwaltschaft am 30. November 2010 die GFE faktisch stillsetzte, war kein einziges BHKW mit dem mysteriösen „Energy Saving System ESS“ ausgerüstet. Doch nur so hätte die versprochene 30-prozentige Jahresrendite für die Kunden erwirtschaftet werden können. Das Gericht: Bei der GFE-Führung gab es „weder den Willen noch die Fähigkeit“ für den Bau solcher BHKW. Stattdessen wurden die Pachtzahlungen an die Kunden aus Neuaufträgen finanziert: Für die Kammer ein klassisches Schneeballsystem. Dass es zu dem Betrug

kommen konnte, dazu hatten zwei Prüfberichte von TÜV Süd und Dekra beigetragen. Die Papiere bestätigten einen Wirkungsgrad „der nach heutigem Stand der Technik nicht herstellbar ist“, so das Gericht. Kfz-Meister Karl M. war „nach außen Vater des Produkts, das es nicht gab“ und bekam deshalb fünfeinhalb Jahre Haft. Für Produktionschef Hubert Kr. gab es vier, und für GFE-Geschäftsführer Jörg T., drei Jahre Haft. Erst nach 94 Verhandlungstagen mit 212 Zeugen und drei Sachverständigen im Nürnberger Justizpalast stand das Urteil „gewerbs- und bandenmäßiger Betrug“ fest. „Neun der elf Verurteilten haben beim Bundesgerichtshof Revision beantragt. Anderswo sind ähnliche BHKW-Banden weiter auf der Suche nach neuen Opfern.


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Report

Mit Gras auf der Erfolgsspur Landschaftspflegematerial und Mist sind Haupt-Substrate / Neues EEG ändert kaum etwas

Sieht harmlos aus, hat es aber in sich: Die Biogasanlage im kleinen Ort Meuchlein in Mittelfranken. Foto: Wraneschitz

Autor Heinz Wraneschitz

Biogas aus Gras und Gülle: Was im aktuell diskutierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von Bundesenergieminister Sigmar Gabriel wie Neuland aussieht, betreiben fünf Bauern in Mittelfranken bereits seit 2006 gemeinsam. An der Biogasanlage Meuchlein im Kreis Ansbach ist vieles anders. Vor allem das Substrat, also das „Futter“ für die Bakterien, die Methangas produzieren. Nur gut ein Viertel davon ist Mais oder Getreideschrot. Aber über ein Drittel ist Landschaftspflegematerial – also hauptsächlich sonst nicht nutzbares Gras: Anderswo gammelt es oft an Waldrändern vor sich hin und lässt dabei CO2 in die Luft ab. Der Rest des Substrats ist Gülle und Mist aus Rinder-, Pferde-, Schweine-, Puten- und Schafhaltung. Anlieferer erhalten für Dung wie Gras eine Vergütung.

Landschaftspflege-Bauern Der Grund für die Anlieferung von Gras: Das stammt aus extensiv bewirtschafteten Feuchtgebietswiesen oder Flussauen, ist nur schwer zu trocknen, also nicht einmal als Einstreu zu nutzen. Für die Pflege von Vertragsnaturschutzflächen bekommen die Bauern Geld von den örtlichen Landschaftspflegeverbänden (LPV). „Agrarumweltmaßnahmen“ nennt das Nicole Menzel vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL). Ganz wichtig dabei: Das gemähte Gras „muss aus der Fläche herausgenommen werden“.

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Was woanders oft in Gräben oder auf Haufen verrottet, wird in der Biogasanlage Meuchlein in Methan umgewandelt und bringt den etwa 130 „Kunden“ nochmals Geld. „Etwa zehn Kilometer um die Anlage“ sind die Flächen laut Heidingsfelder verstreut. Verarbeitet werden in Meuchlein etwa 24 000 Tonnen Substrat jährlich. Denn hier wird Biogas für 1  000 Kilowatt (kW) Stromproduktion in Blockheizkraftwerken (BHKW) erzeugt. Würden die Fermenter ausschließlich mit Mais gefüttert, würde der auf etwa 500 Hektar angebaut und teils 50 km weit angekarrt. Zwei Jahre nach dem Start wurde die Ortschaft mit einem Wärmenetz angeschlossen, erklärt Heidingsfelder. Erst langsam wurde den Meuchleinern bewusst, wie günstig sie an Wärme kommen können. Bis auf eines seien inzwischen alle Häuser des Dorfs angeschlossen. Vielleicht haben deshalb schon so viele ausländische Gäste die Biogasanlage Meuchlein besucht.

Nicht alle Boni genutzt Für den nach EEG möglichen „Landschaftspflegebonus“ ist dem Geschäftsführer der Bürokratieaufwand zu hoch. Teilweise sei gar strittig, was Landschaftspflegematerial ist. Doch die Meuchleiner bekommen den Güllebonus nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG, weil sie ihre Gärbehälter

mit mehr als 30 Prozent Gülle und Mist füttern. Und der Kraft-Wärme-KopplungsBonus (KWK) fließt auch: „Wir haben gute Wärmekonzepte.“ Nicht zuletzt „geht der Anlagenbetrieb immer mehr in Richtung Regelenergie“: Strom wird direkt vermarktet, die Regelfähigkeit der BHWK ausgenutzt. Momentan sei das gerade bei hoher Windund Sonnenstromproduktion wirtschaftlich interessant, aber auch, wenn am Ende des Tages Licht und TV-Geräte abgeschaltet werden. Mit neuen, größeren Motoren und mehr Gasspeichervolumen sollte die Regelfähigkeit noch größer werden. Was das neue EEG wohl verhindern wird. Und es wird wohl auch nicht möglich sein, zu erweitern, um das Nachbardorf mit mehr Wärme und Strom zu versorgen, fürchtet Heidingsfelder. Einen Rat gibt er allen mit, die selber in Erneuerbare Energien investieren wollen: „Man muss von seinen Projekten überzeugt sein.“ Und der Politik gibt Rainer Heidingsfelder auf den Weg: „Sie verliert immer mehr Vertrauen, wenn ständig etwas geändert wird am EEG.“ Wodurch wiederum das Vertrauen der Banken in die Arbeit der Biogasler sinke, weiß der engagierte Bauer.

Weitere Informationen mulle.lpv.de/praxis-forschung/datenbank/projektdetails/id/biogasanlage-bioenergie-meuchleingmbh-co-kg.html


Report

Verpackungsmüll zu den Kommunen Die Defizite beim Grünen Punkt machen auch den BürgerInnen inzwischen zu schaffen Autorin Barbara Behrends Der Bürger denkt, dass die Hälfte des Verpackungsmülls aus der gelben Tonne wieder verwendet wird, aber da irrt er. Es sind in der Realität nur 20 Prozent. Diesen und andere Irrtümer den Verpackungsmüll betreffend, hat ein Gutachten von Professor Heinz-Georg Baum vom Betriebswirtschaftlichen Institut für Abfall- und Umweltstudien untersucht. Defizite beim Grünen Punkt gibt es viele, sagt auch Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes Kommunale Unternehmen (VKU): „Das System Grüner Punkt hat nicht

gehalten, was es versprochen hat.“ Eine repräsentative forsa-Umfrage von Anfang des Jahres, die die VKU in Auftrag gab, ergab, dass 62 Prozent der befragten BürgerInnen davon ausgehen, dass die Verantwortung für die Entsorgung von Verpackungen bei den Kommunen liegt. Dem ist aber nicht so. Darüber aufgeklärt, befürworten 59 Prozent der Befragten, eine Rückführung der Verantwortung auf die Kommunen. Man hatte auch gedacht, dass es Anreize für die

Foto: Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH

Industrie geben würde, zu einem sparsameren Einsatz von Verpackungen zu kommen. Auch das ist nicht eingetreten. Die Zweigleisigkeit der Müllentsorgung hat sich nicht bewährt. Die kommunale Abfallwirtschaft sollte die Entsorgung von Verpackungsmüll wieder übernehmen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher würden das offensichtlich begrüßen. Anzeige

Wir stecken überall unsere Nase rein. Die Innovationskraft ist zentral für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Deshalb arbeiten wir als nachhaltig ausgerichtetes Energieunternehmen an Lösungen zukunftsfähiger Energieversorgung, insbesondere im Bereich erneuerbare Energien. Mehr unter www.mvv-energie.de/nachhaltigkeit

Neue Energie? Aber sicher!

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Report

Wasser hat eine erstaunliche Kraft, wenn es in Massen auftritt.

Foto: Lachmann

Wohnen am Wasser hat seinen Preis Nach der dritten „Jahrhundertflut“ an Elbe, Saale und Mulde gibt es im Osten ein neues Heilmittel: die Pflichtversicherung Autor Harald Lachmann

Nach dem dramatischen Junihochwasser 2013 überwies die Allianz allein in Sachsen 190 Millionen Euro an Flutopfer. Weitere 94 bzw. 35 Millionen flossen nach SachsenAnhalt und Thüringen. Aus diesem Raum, in dem kaum jeder fünfte Deutsche lebt, trafen auch zwei Drittel aller 52 000 Schadensmeldungen ein.

de Flüsse kaum je den Keller fluten. Doch unter den anderen konnte sich mancher nach den schweren Fluten 1997, 2002 oder 2010 dank der Versicherung solide sanieren. Im Osten wären eben bisher „alle Schäden zu 100 Prozent ersetzt worden“, so eine Allianz-Sprecherin. Doch das änderte sich Anfang des Jahres: 15 000 Allianzkunden Ost, deren Häuser in den Gefährdungszonen 3 und 4 liegen, werden nun härter zur Kasse gebeten – mit höheren Prämien sowie Selbstbehalten. Diese Klassifizierung beruht auf einem von der Versicherungswirtschaft erarbeiteten Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) – eine Differenzierung, die in der DDR fehlte.

Die Ursache dafür liegt im Frühjahr 1990: Damals kaufte die Allianz das Privatkundengeschäft der staatlichen DDR-Versicherung – rund 30 Millionen Policen. Wenige im Osten wechselten später den Anbieter. Sie wussten, mit der alten Wohngebäudeversicherung, wie sie die Allianz übernahm, sind sie bei Elementarschäden auf der absolut sicheren Seite: geringe Prämie, keine Risikozonen, null Selbstbehalt.

Mehr Fairness für alle Versicherten

Bis heute führt die Allianz 450 000 Ostdeutsche mit solch einem Altvertrag. Vier Fünftel wohnen in Gebieten, in denen ihnen rasen-

Bei der Allianz spricht man von mehr Fairness, die so geschaffen wurde. Denn bisher seien flutgeschädigte Kunden „vom Versichertenkollektiv hochgradig subventioniert“

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worden. Doch dürfe die „Solidarität unter den Versicherten nicht überstrapaziert“ werden. Auch wenn ostdeutsche Landespolitiker, etwa Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), die Allianz dafür teils scharf rügten – an den nüchternen Realitäten kommen sie nicht vorbei. Denn die an der Elbe und ihren Nebenflüssen im letzten Jahrzehnt massiv gestiegene Flutgefahr ist auch eine menschgemachte: Talsperren dienen nicht mehr zuerst der Hochwasserentlastung, sondern touristischen Ambitionen, Flüsse werden ihrer natürlichen Überlaufareale beraubt, Bauern pflügen zu dicht an die Schutzdämme und gerade ostdeutsche Kommunen wiesen nach der Wende plötzlich Bauland in Auen aus, das seit Menschengedenken alle paar Jahrzehnte geflutet wurde.

Kein Schutz gegen Leichtsinn Vor diesem Hintergrund hat jetzt etwa Sachsen-Anhalt nach dreijähriger filigraner Recherche eine Flutrisikokarte vorgelegt. Sie sagt für jedes Wohnviertel, jeden Betrieb und jede Feldflur exakt voraus, wie hoch das Wasser steht, wenn sich Elbe & Co. mal wieder wild gebärden. Häuslebauer sollten sie sich gut zu Gemüte führen. Denn Versicherungsschutz gegen Leichtsinn verwehrt künftig nicht nur die Allianz. Auch keine andere Assekuranz schließe mehr Policen in akut gefährdeten Flussanrainergebieten ab, warnen etwa Sachsens Verbraucherschützer. Das ist indes sofort auch Wasser auf die Mühlen jener, die eine Pflichtversicherung für Elementarschäden fordern. Angestoßen hatte diese Debatte im letzten Sommer Thüringen, später folgten Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Tillich sieht die Politik von den Versicherern geradezu „herausgefordert“. Daneben proben aber auch potenziell betroffene Flussanrainerkommunen den Schulterschluss. So bildeten unlängst in Weißenfels große kreisangehörige Städte SachsenAnhalts einen Arbeitskreis, der vor allem Veränderungen beim Bewirtschaften der Thüringer Saaletalsperren erzwingen will. Eine Kernforderung lautet, den Hochwasserfreiraum der Sammelbecken auf mindestens 100 Millionen Kubikmeter zu vergrößern.


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Zukunftsweisende Entwicklungen Die RAG Montan Immobilien GmbH revitalisiert mit innovativen, nachhaltigen und energieeffizienten Konzepten industriell vorgenutzte Flächen zu gefragten Standorten zwei Imkern betreut werden. Die Honigproduktion auf einer ehemaligen Kokerei inmitten einer industriellen Brachfläche ist einmalig. So werden neben den Themen wie Flächenrecycling, Gewässer- und Bodenschutz, Artenschutz und ökologische Baubegleitung auch die Aspekte der gesellschaftlichen Einbindung der Folgenutzung bis hin zum gesamten Spektrum der ökologisch orientierten Stadtentwicklung bearbeitet.

Foto: Stephan Conrad

Lebensräume für Flora und Fauna

Auf dem Dach der Unternehmenszentrale der RAG Montan Immobilien produzieren Bienen „Welterbe-Honig“

Energieplus Standort Im niederrheinischen Dinslaken entsteht derzeit mit der Zusammenführung des ehemaligen Zechenareals Lohberg, der Haldenlandschaft und der historischen Gartenstadtsiedlung ein neues Stadtquartier als C02-neutraler Energie-PlusStandort. Imageprägende Keimzelle der Quartiersentwicklung ist das Kreativ.Quartier Lohberg (KQL) im Zentrum des Areals. Dank der Ansiedlung von rund 20 Unternehmen aus der Kreativwirtschaft ist dort schon neues Leben eingezogen. Ergänzt

wird das Kreativ.Quartier durch den geplanten Neubau des Schweizer Architekten Bob Gysin als Ersatz für die nicht mehr benötigte ehemalige Kaue mit Vorbildfunktion, in dem er die modernsten Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt.

Die Schwerpunkte liegen auf der Renaturierung der Fließgewässer, der Strukturanreicherung der weitläufigen Feldfluren, der naturnahen Entwicklung der Saaraue und der Revitalisierung von Sandrasen. „Damit wird der Hochwasser- und Naturschutz verbessert, die Naherholungsfunktion für die Öffentlichkeit gesteigert und gleichzeitig die Region für den Tourismus attraktiver gestaltet“, bekräftigt abschließend Prof. Noll. www.rag-montan-immobilien.de

Ein nachhaltiges Prinzip wird auch bei der grundsätzlichen Versorgung des Quartiers mit Energie verfolgt. Ein dezentrales Energiekonzept aus Wind, Sonne, Biomasse, Grubengas und Geothermie sichert künftig die Strom- und Wärmeerzeugung und schafft die Grundlage, um den gesamten Stadtteil Lohberg mit grüner Energie zu versorgen. Eine weitere wichtige Rolle spiele die Landschaftsgestaltung. Eine tragende Rolle übernimmt dabei der Bergpark mit dem integrierten „Lohberg Weiher“ und einer Promenade, dem sogenannten Lohberg-Corso. Urban Bee-Keeping Das Bild der Bienen auf dem Welterbe Zollverein in Essen verdeutlicht neben den rein sozio-ökonomischen Aspekten des Strukturwandels das umweltbewusste und -bezogene Handeln der RAG Montan Immobilien in der Region. Auf dem Dach ihrer Unternehmenszentrale sind inzwischen vier Bienenvölker angesiedelt, die von

Foto: Stephan Conrad

„Wir entwickeln seit über 35 Jahren zukunftsorientierte Standorte zum Arbeiten, Wohnen und zur Freizeitgestaltung. Nur mit einem solchen, ganzheitlichen Ansatz kann auf die wachsenden sozialen, ökologischen und ökonomischen Anforderungen an die Flächenentwicklung angemessen reagiert werden“, sagt Prof. Dr. Hans-Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien. Die Bandbreite lässt sich in Nordrhein-Westfalen und Saarland sehen: Gewerbe- und Industrieflächen, Standorte für Photovoltaik- und Windkraftanlagen, moderne Wohngebiete, Einzelhandel-, Grün-, Freizeit- sowie Naherholungsflächen.

Im Saarland fallen in Ensdorf, Saarlouis und Schwalbach durch Rekultivierungen umfangreiche Kompensationsmaßnahmen an. Der größte Ausgleichsbedarf entsteht durch die Neugestaltung und Umnutzung der Bergehalde Duhamel. Die LandschaftsAgentur Plus, eine gemeinsame Tochter der RAG Montan Immobilien mit der HVG Grünflächenfächenmanagent GmbH, hat dafür ein Konzept erarbeiten lassen, den sogenannten „Interkommunalen Grünzug Duhamel“.

Die ersten Baumaßnahmen auf dem Gelände des Kreativ.Quartiers Lohbergs sind in vollem Gange.


Report

Es ist was faul im Untergrund Das deutsche Kanalnetz ist gut 540 000 Kilometer lang – und sanierungsbedürftig Autorin Birgit Güll Es ist praktisch und praktisch unsichtbar: unser Abwassernetz. Wie Adern verlaufen hunderttausende Kilometer Abwasserrohre metertief unter der Erde, quer durch die gesamte Republik. Rund 540 750 Kilometer lang ist das Kanalnetz laut Statistischem Bundesamt und 96 Prozent aller Haushalte sind daran angeschlossen. Zum Vergleich: Die deutschen Autobahnen haben eine Gesamtlänge von rund 12 800 Kilometern.

Schäden in der Kanalisation müssen schnell behoben werden Ob wir Geschirr spülen, Wäsche waschen oder die Toilettenspülung betätigen – das schmutzige Wasser landet in den Abwasserkanälen. Die sind laut Deutscher Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) im Schnitt 41 Jahre alt. Durchschnittlich können sie noch weitere 47,1 Jahre genutzt werden. Allerdings sind 17 Prozent der öffentlichen Kanäle sanierungsbedürftig – und zwar kurz- und mittelfristig. Weitere 18 Prozent der Kanäle müssen langfristig saniert Jeder Insider weiß es: Kanäle haben‘s in sich. In Deutschland muss man jetzt mit dem Sanieren beginnen. Foto: fefufoto/Fotolia

werden. Meist sind es schadhafte Anschlüsse oder Risse in den Kanalwänden, die zur Reparatur anstehen. Auch aus Wirtschafts- und Umweltgründen ist es wichtig, sich mit dem Zustand der Kanalisation und ihren Schäden zu beschäftigen: Ein Aufschub des Problems treibt die Kosten in die Höhe, ein Ignorieren schadet der Umwelt, schließlich sickert Abwasser durch undichte Kanäle in die Böden.

geringerem Wasserverbrauch, genau wie die Wasserspar-Technologien, die sich in den letzten Jahren durchgesetzt haben. Das Problem: Trotz sinkendem Verbrauch bleiben die Fixkosten zur Erhaltung der Abwassernetze hoch. Um stinkende Kanäle und Umweltschäden zu vermeiden, muss saniert werden. Das könnte zu Erhöhungen der Wasserpreise und Abwassergebühren führen.

Das DWA ermittelt über Umfragen seit 1984/85 den Zustand der Kanalisation in Deutschland. An der letzten Umfrage im Jahr 2009 beteiligten sich 123 Kommunen und Abwasserverbände. Das Fazit: Soll die hohe Qualität der deutschen Kanalisation erhalten bleiben, muss investiert werden. Etwa 8 000 Euro pro Jahr und Kilometer sind es laut DWASchätzungen. Für eine Großstadt mit einem Kanalnetz von 2 000 Kilometern Länge sind das Kosten von 16 Millionen Euro jährlich.

Schnell und problemlos den Zustand der Kanäle erfassen

Zusätzlich verschärft wird das Problem der maroden Kanalisation durch den demografischen Wandel. Bereits 2010 veröffentlichte das Umweltbundesamt eine Studie dazu: Zurückgehende Einwohnerzahlen führen zu

Um den Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche finanzielle Belastungen zu ersparen, muss schnell gehandelt werden. Das weltweit agierende Wasser- und Kreislaufwirtschaftsunternehmen Remondis Aqua setzt auf moderne Software, um das Kanalnetz zu verwalten und kostenoptimierte Sanierungs- und Inspektionsstrategien (KoSIS) zu entwickeln. Mit Hilfe von Computern wird der Zustand der Kanalnetze schnell erfasst. Auf Basis von technischen und kaufmännischen Daten wird der zukünftige Sanierungsbedarf ermittelt und der optimale Sanierungszeitpunkt errechnet. So kann langfristig geplant und kostensparend saniert werden. Das ist auch gut für die Kommunen: Remondis Aqua berät und begleitet Kommunalunternehmen wie etwa die Stadtwerke Gemünden am Main. Sie arbeiten seit 2005 mit Remondis zusammen. Das private Unternehmen ist für das Kanalnetz und die Kläranlagen zuständig – zur Zufriedenheit der Kommune: „Wir haben uns dank unseres privaten Partners auch modernisieren können“, sagt Hans Schneider, Leiter und Vorstand des Kommunalunternehmens Gemünden. Ob mit privater Unterstützung oder in kommunaler Eigenregie: In die deutsche Kanalisation muss Geld gesteckt werden, damit die Verbraucher auch weiterhin die Vorteile genießen können, ohne an die unterirdischen Kanäle denken zu müssen.


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Kommunalwahl

Die SPD regiert – auch in den Kommunen Es hilft im Wahlkampf, wenn die Kandidaten auf eine erfolgreiche SPD-Regierung verweisen können Autor Norbert Bude

In beinahe drei Vierteln der 40 größten deutschen Städte regiert eine Sozialdemokratin oder ein Sozialdemokrat. Aber auch in der Fläche und im ländlichen Raum tragen wir Verantwortung, etwa in den 66 Landkreisen, in denen eine SPD-Landrätin oder ein SPD-Landrat die Verwaltung leitet. Und am 25. Mai, wenn neben der Europawahl in zehn Bundesländern Kommunalwahlen stattfinden, sind wir guten Mutes, dass wir diese starke Basis erhalten und vielerorts weiter ausbauen. Sie bildet das Fundament einer erfolgreichen Regierungsarbeit der SPD in 13 Bundesländern und seit letztem Dezember auch im Bund. Umso erfreulicher ist, dass derzeit ein kommunalfreundlicher Kurs die Politik der SPD prägt. Wir stehen wie kaum eine andere Partei für die Interessen der Kommunen ein und setzen das in Regierungsverantwortung auch um. Das gilt zum Beispiel für die Wiederaufstockung der wichtigen Städtebauförderung und für das darin enthaltene Programm Soziale Stadt oder für die Einführung einer Mietpreisbremse. Diese Einheit aus Programm und praktischer Politik muss unser Anspruch sein, um nach innen wie nach außen glaubwürdig zu bleiben. Denn nicht das Schielen nach alten oder neuen Mehrheiten, sondern eine verlässliche, nach vorne gerichtete und im Ergebnis erfolgreiche Politik macht die SPD im Ergebnis überzeugungsfähig.

dern und im Bund. Deshalb ist es so wichtig, mit unseren Zielen und Maßnahmen auf der richtigen Ebene anzusetzen. Der derzeit viel diskutierte Erhalt der öffentlichen Infrastruktur etwa gelingt sehr direkt und im Übrigen auch bedarfsgerecht, wenn wir die im Koalitionsvertrag vereinbarte finanzielle Entlastung der Kommunen zeitnah umsetzen. Denn immer noch tätigen Städte, Gemeinden und Kreise mehr als die Hälfte aller öffentlichen Sachinvestitionen und sie sind für den weit überwiegenden Teil der Straßen in Deutschland zuständig. Zugleich sind es meist die notleidenden Kommunen, in denen der Instandhaltungsstau am größten ist und die deshalb besonders stark auf die geforderte Entlastung angewiesen sind.

Hannelore Kraft macht‘s vor

Gut abgestimmte Entscheidungen

Im laufenden Europa- und Kommunalwahlkampf merken wir das allerorten. Marode Straßen, kaputte Turnhallendächer und von der Schließung bedrohte Hallenbäder betreffen die Menschen ganz direkt. Deshalb ist es keineswegs abstrakte Politik, wenn wir laut Koalitionsvertrag die Städte, Gemeinden und Kreise in Deutschland spätestens ab 2015 um jährlich eine Milliarden Euro und spätestens ab 2017 um anfänglich fünf Milliarden Euro entlasten wollen. Die letzten beiden Wahlkämpfe in Nordrhein-Westfalen und der Erfolg der SPD unter Hannelore Kraft haben gezeigt, dass die Belange unserer Kommunen den Menschen sehr gegenwärtig und außerordentlich wichtig sind.

Aus Sicht der Kommunen, wo Gemeinschaft, Infrastruktur und öffentliche Leistungen unmittelbar erfahrbar werden, erfordert das eng abgestimmte und passgenaue Entscheidungen auf lokaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene. Denn sobald wir vor Ort Vertrauen verlieren, bedroht das ebenso die Politikfähigkeit der SPD in den Län-

Erfolgreiches Regieren verlangt, dass man in gegebenen Zusammenhängen denkt und diese kenntlich macht. Nicht ein neues Sonderprogramm des Bundes, sondern die dauerhafte Stärkung und aufgabengerechte Ausstattung der einzelnen staatlichen Ebenen garantieren stabiles Handeln. Gerade

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deshalb wird es bei den anstehenden Verhandlungen zur Neuordnung der föderalen Finanzbeziehungen darauf ankommen, dass die kommunalen Interessen substanziell berücksichtigt werden und solidarische Unterstützung bei gegebenem Bedarf und nicht nur nach der Himmelsrichtung stattfindet. Zugleich müssen wir dafür kämpfen, dass Strukturpolitik und Anpassungshilfen möglich bleiben und hierfür auch die Mittel des Solidarzuschlags dauerhaft zur Verfügung stehen.

Die Richtung muss stimmen Wenn Sozialdemokraten die Politik im Bund, in den Ländern und nach dem 25. Mai mit Martin Schulz an der Spitze auch in Europa entscheidend prägen, dann wird die Stärkung der Kommunen ein zentrales Projekt bleiben. So hat das Sigmar Gabriel schon 2009 auf dem Bundesparteitag in Dresden gefordert und so muss sich das fortsetzen. Natürlich wird es auf der Strecke immer auch Irritationen und Konflikte geben – wie zuletzt bei der Diskussion um Zeitpunkt und Höhe der im Koalitionsvertrag vereinbarten kommunalen Entlastung. Trotzdem muss die Richtung stimmen und für alle erkennbar sein. Denn erfolgreiches Regieren ist auch im Gemeindewahlkampf ein gutes Argument. Eine erfolgreiche Bürgermeisterin und eine engagierte Stadtratsaktion können sich keine besseren Wahlkampfhelfer als erfolgreiche Bundesminister und Ministerpräsidenten wünschen, die beherzt agieren und die vereinbarte Politik konsequent umsetzen.

Norbert Bude Oberbürgermeister von Mönchengladbach und Vorsitzender der Bundes-SGK


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Europawahl

Für ein Europa, das Vielfalt respektiert Zeitenwende bei den Wahlen im Mai: Europa macht sich auf, eine transnationale Demokratie zu bauen Autor Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes und Spitzenkandidat der SPD

Zum ersten Mal wird das Ergebnis der Europawahl darüber mitentscheiden, wer künftig Präsident der Europäischen Kommission sein wird. Die europäischen Parteien haben daher auch erstmals gesamteuropäische Spitzenkandidaten aufgestellt. Kandidaten, die für ihre politischen Vorstellungen werben und es damit ermöglichen, dass die

sich die EU auf die wesentlichen Zukunftsaufgaben konzentriert. Europa sollte nur das regeln, was in der Stadt, der Region, in den Staaten nicht besser selbst geregelt werden kann. Natürlich werden wir an manchen Stellen mehr Europa brauchen. Keine Gemeinde,

zu deregulieren. Eine bezahlbare und hochwertige Daseinsvorsorge, etwa in der kommunalen Wasserversorgung, muss dauerhaft gesichert sein und die EU-Kommission darf den dafür notwendigen Handlungsspielraum der Kommunen nicht einschränken. Und warum sollten wir kommunale Sparkassen und Raiffeisenbanken abschaffen, wenn genau dieses besondere Modell ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist? Es macht dabei oft einen konkreten Unterschied, wer in Brüssel politisch das Sagen hat. Klar ist zum Beispiel: Mit uns Sozialdemokraten wird es keine Eingriffe in die kommunale Daseinsvorsorge geben. Und wenn ich Kommissionspräsident werden sollte, werde ich sicherstellen, dass sich auch die EU-Kommission künftig daran hält.

Lernen von den Kommunen

Martin Schulz, ehemalige Bürgermeister von Würselen, kennt sich mit Kommunen aus.

Bürgerinnen und Bürger bei der Europawahl stärker als bisher über klare europapolitische Alternativen abstimmen können. Ich trete als Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokratie an, weil ich ein anderes, besseres Europa will: wirtschaftlich dynamischer, sozial gerechter und demokratischer. Meine Überzeugung: Nur wenn sich Europa verändert, kann es verlorenes Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen. Dazu gehört für mich vor allem auch, dass

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Foto: Susie Knoll

keine Region, kein Land kann die großen Probleme des 21. Jahrhunderts alleine bewältigen: Klimawandel, Handel, Währungspolitik, Migration und Entwicklung der digitalen Wirtschaft. Für diese Herausforderungen brauchen wir eine starke EU mit einer starken Kommission, kontrolliert vom Europäischen Parlament. An anderen Stellen muss dagegen Brüssel gebremst werden, alles zu regulieren oder

Mir liegt viel an einem Europa, in dem die EU aus den guten Erfahrungen lernt, die in Kommunen und Regionen gemacht werden. In den Gemeinden und Städten geht es zumeist nicht um ideologische Schlachten. In einer Gemeinde heißt regieren vor allem pragmatisches Handeln. Es geht darum, die Probleme von Menschen unmittelbar zu lösen. Dafür zu sorgen, dass der Schulbus fährt, dass sich Unternehmen ansiedeln, die Jobs schaffen, dass jemand den Müll einsammelt, die kaputte Ampel repariert. Auch weil ich selbst lange Bürgermeister meines Heimatortes Würselen war, habe ich große Hochachtung vor all jenen, die sich in ihrer Gemeinde, ihrem Landkreis oder in ihrer Stadt auf diese Weise engagieren. Sie müssen auch weiterhin selbstbestimmt entscheiden können, wie sie das Zusammenleben vor Ort organisieren. Und ihre Erfahrungen sollten noch stärker in der nationalen und europäischen Politik berücksichtigt werden. Die EU ist für mich nicht die Summe der Brüsseler Institutionen – die EU bildet sich aus den Völkern Europas, aus den hunderttausenden Gemeinden, den Regionen, den 28 Staaten und den europäischen Institutionen. Das muss auch der neue Geist in der Europapolitik sein. Dafür will ich als Kommissionspräsident arbeiten. Und dafür werbe ich um Vertrauen bei der Europawahl.


Menschen/Termine

Personen & Verbände In Bayern erfährt die SGK einen Wechsel: Weil Roland Eichmann erfolgreich aus der Bürgermeisterwahl in Friedberg hervorgegangen ist, übernimmt die bisherige Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle Svenja Bille nun vorerst kommissarisch die Geschäfte. Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, ehemaliger OB von Hannover und SGK-Bundesvorsitzender, wurde erneut zum SPD-Landesvorsitzenden gewählt. Die SPD-Bundestagfraktion hat sich kommunalpolitisch neu aufgestellt (s. S. 16): Annette

Sawade ist zur Vorsitzenden im Unterausschuss Kommunales gewählt geworden. Sie ist zudem Stellv. SGK-Bundesvorsitzende und Stellv.Landesvorsitzende in Baden-Württemberg. Ebenfalls viel Erfahrung im „Kommunalen“ hat Bernhard Daldrup, der zum neuen kommunalpolitischen Sprecher der Sozialdemokraten im Bundestag bestimmt wurde: Bereits seit 2003 ist er Landesgeschäftführer der SGK in Nordrhein-Westfalen.

Direktwahlen In Steinau an der Straße (MainKinzig-Kreis) setzte sich Malte Jörg Uffeln (unabhängig) mit 59,1 Prozent gegen den SPDKandidaten Alexander Link (40,9 Prozent) durch.

Termine Fahrradakademie (Difu): Fahrrad und ÖPNV – Synergien nutzen 13. - 14.05.2014, Frankfurt/M. 15. - 16.05.2014, Berlin www.difu.de/veranstaltungen 44. Interkommunaler Erfahrungsaustausch zur Stadterneuerung und Sozialplanung 14. - 16.05.2014, Bremerhaven www.difu.de/veranstaltungen Oberflächennahe Geothermie – Kommunale Beispiele für den Klimaschutz 14.05.2014, Düsseldorf www.staedtetag.de/veranstaltungen Difu-Fachtagung (Kooperation mit DST und Stadt Düsseldorf): Kommunen zwischen Energiemarktdesign und Klimaschutzgesetzgebung

15.05.2014, Düsseldorf www.difu.de/veranstaltungen PERSONAL 2014, 15. Fachmesse für Personalmanagement 20. - 21.05.2014, Stuttgart www.personal-sued.de SGK-Seminar: Mein Weg zur Bürgermeisterin – Frauen ins Rathaus 27. - 28.06.2014, Springe www.bundes-sgk.de/termine Consense – Intern. Fachmesse und Kongress für nachhaltiges Bauen, Investieren und Betreiben 01. - 02.07.2014, Stuttgart www.messe-stuttgart.de/consense DEMO-Kommunalkongress 2014 27. bis 28.11.2014, Berlin www.demo-kommunalkongress.de

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Beim Landkreis Helmstedt (ca. 92.000 Einwohnerinnen und Einwohner, 614 qkm Fläche) ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle

der Ersten Kreisrätin/ des Ersten Kreisrates (Bes.Gr. B 4)

Nähere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.landkreis-helmstedt.de Bewerbungen senden Sie bitte bis zum 15.05.2014 an den

Landkreis Helmstedt Personal und Organisation Südertor 6 38350 Helmstedt

© Gerhard Hagen/poolima

im Beamtenverhältnis auf Zeit für eine Wahlzeit von acht Jahren zu besetzen.

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Knöllchen-Harri Wie ein pensionierter preußischer Polizist die Bayern das Fürchten lehrt

Der Marienplatz an einem ruhigen Tag – Harri macht wohl Urlaub. Foto: www.sehenswertes-bayern.de

In Berlin wählten die Bürger Harri Friedrich noch im Jahr 2000 zum beliebtesten Polizisten der Stadt. Einige Jahre nach der Pensionierung 2002, zog der Hauptkommissar a.D. nach Osterhofen, Kreis Deggendorf in Bayern. Aber dort hät-

te man dem Neubürger schon bald gerne eine Rückfahrkarte verpasst. Mit über tausend Anzeigen gegen Falschparker machte sich der einst so beliebte Schutzmann zum Schrecken der Provinz. Gewerbetreibende wie Anwohner brachte „Knöll-

DEMO 5/2014 erscheint am 12. Juni 2014 mit folgenden Themen: Unser Titelthema werden die Kinder sein und wie es ihnen und ihren Eltern in eher ländlichen Kommunen und in den Städten geht. Im Report beschäftigen wir uns diesmal mit Personalentwicklung. Ein zukunftssweisendes kommunales Thema. Foto: Samuel Borges/Fotolia

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chen-Harri“ systematisch zur Weißglut. In der Pizzeria „Pepe e Sale“ saß er beim Mittagessen und schrieb jeden auf, der nicht vorschriftsmäßig auf dem Marienplatz hielt. Bis der Besitzer, der ebenfalls mit mehreren hundert Euro Gebühren dabei war, ihm Hausverbot erteilte. Auch die Polizeistation ächzte bereits unter der Flut der Anzeigen, die sie ausstellen musste. Denn der Ex-Polizist darf ja selber keine Knöllchen mehr schreiben.

IMPRESSUM Demokratische Gemeinde, Fachorgan der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (Bundes-SGK) Stresemannstraße 30, 10963 Berlin Postfach 61 03 22, 10925 Berlin Telefon: (030) 255 94-200 Telefax: (030) 255 94-290 ISDN: (030) 255 94-615 E-Mail: redaktion@demo-online.de Internet: www.demo-online.de Herausgeber: Norbert Bude (OB Mönchengladbach, Vorsitzender der Bundes-SGK) Redaktion: Barbara Behrends (Chefredakteurin), Nils Hilbert (Redakteur) Telefon: (030) 255 94-230 Layout/Sekretariat: Heidemarie Lehmann Telefon: (030) 255 94-200 Projektleitung: Henning Witzel Telefon: (030) 255 94-175

Friedrich zeigt wenig Verständnis. „Ich nutze meine Rechte“, sagt er. Inzwischen hat er die dauerhafte Unbeliebtheit aber satt. Schließlich wollte er nach dem Krebstod seiner Frau einen ruhigen Lebensabend weit von Berlin entfernt verbringen. Die Osterhofener Bürger sind noch skeptisch. Schon einmal, Mitte 2013, hatte der pensionierte Beamte versprochen, den Terror einzustellen und wurde dann rückfällig. Diesmal ist es angeblich endgültig. Es wäre allen Beteiligten zu wünschen.

Verlag: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, Stresemannstraße 30, 10963 Berlin, Postfach 61 03 22, 10925 Berlin Telefon: (030) 255 94-100 Telefax: (030) 255 94-192

Vielleicht sollte aber auch der Rat von Osterhofen seine Parkplatzpolitik überdenken. Irgendwas stimmt auch da nicht.

Die Abonnements verlängern sich jeweils um ein Jahr, sofern nicht spätestens drei Monate vor Ablauf schriftlich gekündigt wird.

Barbara Behrends

Verlagsleitung: Guido Schmitz Anzeigen: Nicole Stelzner (Anzeigenleiterin), Henning Witzel (Verkauf), Christine Kluge (Handling) Gültige Anzeigen-Preisliste: Nr. 30 vom 1. Januar 2014, Anzeigenschluss ist der 15. des Vormonats. Vertrieb: Stefanie Martin Telefon: (030) 255 94-130 Abonnementverwaltung: IPS Datenservice GmbH, Andreas Gruner, Carl-Zeiss-Str. 5, 53340 Meckenheim Telefon: (02225) 70 85-366 Telefax: (02225) 70 85-399 E-Mail: abo-vorwaerts@ips-d.de Einzelverkaufspreis: 6 € Jahres-Abonnement: 60 € (inkl. Versand und 7 % MwSt.); für Schüler und Studenten (Nachweis erforderlich) 40 € Jahres-Abonnement (Ausland): 60 € zzgl. Versandkosten

Bankverbindung: SEB AG, BLZ: 100 101 11, Konto-Nr.: 1 748 136 900 Bei Nichterscheinen der Zeitung oder Nichtlieferung ohne Verschulden des Verlages und im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Leistung, Schadenersatz oder auf Minderung des Bezugspreises. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe. Die Zeitung und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Litho: metagate Berlin, Litfaß-Platz 1, 10178 Berlin, Telefon: (030) 283 06 - 0 Druck: Braunschweig-Druck GmbH, Ernst-Böhme-Straße 20, 38112 Braunschweig Telefon: (0531) 310 85-0 Telefax: (0531) 310 85-28 Zugleich Versandanschrift für Beilagen und Beihefter. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Titelbild: aygulchik99/Fotolia Diese Ausgabe enthält Beilagen der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und Verband Kommunaler Unternehmen e. V.


KOMMUNEN ZUKUNFTSFÄHIG MACHEN

9. DEMO-Kommunalkongress Berlin | 27. - 28. November 2014 Ellington Hotel Berlin | Nürnberger Str. 50-55 | 10789 Berlin

KOMMUNE INTERN · Arbeitgeber Kommune – Was macht den Öffentlichen Dienst attraktiv? · Kommune 2.1 – Den digitalen Wandel gestalten · Kommunalfinanzen – Wege aus den Restriktionen der Haushaltswirtschaft

KOMMUNE EXTERN · Kommune im Wandel – Infrastruktur für eine älter werdende Gesellschaft · Bürgerbeteiligung – Das Lebensumfeld mitgestalten · Familienförderung – Kommunen für kommende Generationen

KOMMUNE MODERN · Energiewende – Kommunen machen mit · Elektromobilität – Herausforderung für Stadt- und Infrastrukturplanung · Breitband – Motor für Wirtschaft, Verwaltung und Bürger

Infos und Anmeldung unter: www.demo-kommunalkongress.de

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ZEIGT, WIE MAN UMWELTFREUNDLICH VORWÄRTSKOMMT?

Die Energieversorgung Sylt verbindet Energie und Umwelt für die Insel.

Die Erdgastaxen auf Sylt.

Die Erdgastaxen auf Sylt verdeutlichen, wie in Zukunft der Hase läuft. Denn hier tanken immer mehr Taxen Erdgas. Und mehr und mehr andere Fahrzeuge auch. Natürlich zum großen Teil schon aus klimaneutralem Biogas. Genial – und nicht nur eine Insellösung. Diese Idee der Energieversorgung Sylt ist eine von vielen, mit denen die über 100 in der Thüga-Gruppe organisierten Stadtwerke die Energiewende vorantreiben. Für ein entscheidendes Plus für Mensch, Natur und Umwelt. Für das große Plus für alle.   Erfahren Sie mehr über www.energie-und-wende.de

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