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Vor Ort

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Gärtnerei Obergrashof: Auf 50 Hektar wächst Feingemüse Murnau-Werdenfelser Rinder sorgen für fruchtbaren Boden Unmittelbar nach dem Verlassen der schnellen Landstraße zwischen Dachau und Oberschleißheim öffnet sich eine eigene Welt. Der über 150 Jahre alte Obergrashof mit der historischen Remise, den satt-grünen Wiesen, riesigen Gemüsefeldern, Folientunneln und dem prallen Leben bei Milchschafen, Hühnern, Ziegen, Hunden, Katzen und spielenden Kindern entschleunigt spürbar – Balsam für die Seele. Was 1991 mit fünf Hektar Land begann, entfaltet sich heute in beeindruckender Vielfalt auf 100 Hektar biodynamischer Gärtnerei. Sie differenziert sich in Saatgutzüchtung und Samenbau, Anzucht und 50 Hektar Feingemüseanbau. Hinzu kommen Wiesen und Weiden für die imposante Herde der vom Aussterben bedrohten Murnau-Werdenfelser Rinder. Hofladen und Seminarhaus mit umweltpädagogischen Angeboten locken Kunden und Interessierte aus der Gegend – sogar bis München reicht das Einzugsgebiet. Auf dem schwarzen Boden der alten Niedermoorlandschaft Dachauer Moos findet das Gemüse ideale Bedingungen. Salate reifen bis in den Spätherbst hinein. Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Rettich, Fenchel, Spinat, Chicorée und Radieschen zaubern ein buntes Bild – nicht nur in den bis zu 6 000 Abokisten, für die geliefert wird. 700 000 Schälchen Kresse aus Demeter-Züchtung kommen im Jahr in den Naturkosthandel. Wie viel Handarbeit dahintersteckt, ahnt wohl keine Kundin, die die zarten grünen Blättchen für den würzigen Quark abschneidet. In der Vermarktung setzt der Obergrashof vor allem auf den regionalen Naturkosthandel, den eigenen Hofladen und 15 Prozent der Ernte gehen in die Ökokisten. 8 Demeter Journal

Gemüseanbau erfordert viel Handarbeit, damit zum Beispiel die Salaternte so gut ausfällt wie hier auf dem Obergrashof

700 000 Schälchen Kresse verlangen viel Handarbeit Großhändler Ökoring in Mammendorf hat die Demeter-Gärtnerei Obergrashof als einen ihrer fünf besten Erzeuger 2010 ausgezeichnet. Neben der „herausragenden Produktqualität“ – so die Lobesworte im Originalton – wurden die Nachhaltigkeits-Initiativen des Hofkonzepts und soziale Verantwortung gewürdigt. Auch das ausgefeilte Landschaftskonzept mit Hecken und vernetzten Feuchtbiotopen fand die besondere Anerkennung. Ganz neben-

bei reduziert es den Schädlingsdruck, bremst Winderosion und bietet Futter für die Bienen. Eine Augenweide ist es außerdem. Wer den Überblick gewinnt über das ganze Obergrashof-Terrain, versteht, was Peter Stinshoff meint, wenn er sagt: „Die Hecken sind die Finger des Waldes.“ Das Team um die beiden Betriebsleiter Julian Jacobs und Peter Stinshoff mit zwei weiteren Gärtnermeistern, dem Gartenbauingenieur, einigen Gehilfen, Azubis und Saisonkräften hat jetzt im Sommer alle Hände voll zu tun. Jäten, Säen, Gießen, Ernten und die Anwendung von Präparaten bestimmen den Demeter Journal 9


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Tagesrhythmus. Der wallartige Komposthaufen wird mit den biodynamischen Heilpflanzenpräparaten gespickt. „Die Arbeit mit dem Boden und der Pflanze steht für uns im Mittelpunkt. Die Pflanze belohnt diese menschliche Hinwendung“, betont Peter Stinshoff. Für ihn sind die Präparate Konstitutionspflege für den Boden, ganz ähnlich wie in der Homöopathie die dynamisierten Heilmittel. Hornmist und Hornkiesel werden fein auf die Kulturen versprüht. So kann die Frucht besonders gut ausreifen, Lebenskräfte entfalten und die Pflanze harmonisch wachsen. „Unsere bodenschonende Bearbeitung,

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die ausgewogene Fruchtfolge und harmonische Düngung mit Kompost tragen zu nachhaltiger Fruchtbarkeit bei“, sind sich die Obergrashofer sicher.

Die Pflanze belohnt die menschliche Hinwendung Julian Jacobs' Herz schlägt für die biodynamische Gemüsezucht. Der 50-Jährige ist seit dem Beginn in den 80-ziger-Jahren aktives Mitglied im Initiativkreis für biologisch-dynamisches Gemüsesaatgut und engagierter Kultursaat-Züchter. Die Arbeit an den samenfesten Sorten ist für

ihn Berufung (lesen Sie dazu auch Seite 28/Hintergrund). „Nur wenn es gelingt, eigene Sorten für den ökologischen Anbau zu entwickeln, können wir letztlich auch die beste Qualität der Nahrungsmittel garantieren“, weiß er. Besonders wichtig ist ihm die Blumenkohl-Züchtung, aber auch an Möhren, Kohlrabi und Rettich arbeitet er intensiv. Sein Partner Stinshoff ist für die Kuhherde zuständig. Das Murnau-Werdenfelser Rind ist die einzige in Bayern entstandene Rinderrasse und vom Aussterben bedroht. Klar, dass genau diese Tiere auf den Obergrashof kommen mussten, als sich die Gärtner entschlossen, Tiere da-

zuzunehmen. „Für eine Gärtnerei mag das ungewöhnlich sein, für uns ist es logisch“, betont Stinshoff. „Zu einem ausgewogenen Betriebsorganismus gehören unbedingt die Tiere – natürlich für den Mist, der wertvoller Dünger wird. Aber mit den Tieren findet zudem auf der seelischen Ebene Begegnung statt, werden

Menschen besonders berührt“, ist er sicher. Der Bulle geht in der Herde mit und sorgt dafür, dass diese robuste Rasse weiter existiert und geschätzt wird. Angefangen hat alles mit fünf Tieren vor neun Jahren, jetzt zählt die Herde 53 stolze Köpfe – natürlich mit imposanten Hörnern.

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Die schwarzen Böden der Niedermoorlandschaft Dachauer Moos bieten dem Gemüse ideale Bedingungen

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Das Murnau-Werdenfelser Rind ist vom Aussterben bedroht. Auf dem Obergrashof entwickelt sich die Herde prächtig.

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Zukunftsmusik: mehr Familien auf dem Hof

Finanz-Beteiligung ermöglichen

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Das Fleisch von Schafen und Rindern wird direkt vermarktet. Den Hofladen führt Barbara Ribitsch. Sie verkäst auch die Schafsmilch, macht Joghurt und Quark. Vier Familien leben auf dem Obergrashof, an Erweiterung der Hofgemeinschaft wird gedacht. Auch über Beteiligungsmodelle diskutiert die Gruppe. Gern mit dem Freundeskreis Obergrashof und dem Verein Dachauer Moos“. ” Der pädagogischen Initiative von Holde Wendt-Zebhauser sind die Waldorfpädagogik auf dem Hof, Brotbacken im Holzofen, Seminare und Vogelbeobachtung zu verdanken. Der Dachauer Moosverein ermöglicht Führungen für Schulklassen und den Bau einer Pflanzenkläranlage. Natur wird hier mit allen Sinnen spürbar, der Jahreszeitenzyklus prägt das Erleben. „Mit dieser pädagogischen Arbeit können wir die Welt von morgen mitgestalten“, freut sich das Team vom Obergrashof über die Begeisterung des Nachwuchses.

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Reportage Obergrashof