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Sommer 2014

www.demeter.de

V OR OR T

80 000 Ähren

inspizieren SEL B ER MAC H E N

TOMATENPFLANZEN stärken GENIE S S E N

Kochen mit Brot

Kostenlos zum Mitnehmen


INSPIRATION

SCHÖNHEIT

fühlen

G

espräch über das Wunder des Vogelgesangs: „Schönheit ist kei­ ne Kategorie der Natur, die Natur kennt nur zweckmäßige An­ passung“, korrigiert mich mein naturwissenschaftlich gepräg­ tes Gegenüber. „Aber so vieles in der Natur hat keine Funktion und wirkt einfach nur schön.“ „ Schönheit, mein Freund, ist nur menschliche Projektion.“ Ich schmunzle. Als ob die Neigung, alles nur aus dem Blickwinkel der Zweckmäßigkeit zu sehen, weniger menschliche Projektion ist. Wir können uns gar nicht heraushalten aus der Natur als denkende und fühlende Wesen. Schönheit und Zweck, Mensch und Welt – wann hören wir auf, das als Gegensätze zu bewerten? Die Amsel auf dem Hausdach rührt uns beide wie zur Bestätigung mit ihrem Abendgesang.

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Dr. Jens Heisterkamp ist Chefredakteur der Zeitschrift Info3 – Anthroposophie im Dialog, die jeden Monat Anregungen für eine spirituell vertiefte, nachhaltige Lebensweise bietet. Kostenloses Probeheft: vertrieb@info3.de


Editorial

genießen verstehen Warum lassen wir uns beim Thema Essen allzu bereitwil­ lig Vorschriften machen? Hier die ultimative Diät, da die allein gültige Ernährungsdoktrin – wo bleibt da das Ver­ trauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit, in ein tiefes Wissen um das, was jeweils passt und wirklich guttut? Die anthroposophische Ernährungslehre, dem biodyna­ mischen Impuls seit 90 Jahren eng verbunden, stellt ge­ rade die individuelle Auswahl beim Essen und Trinken in den Mittelpunkt. Sie greift auf, was Rudolf Steiner be­ reits vor vielen Jahrzehnten gelehrt hat: jede Nahrung erzielt eine bestimmte Wirkung. Die gilt es zu entdecken und zu nutzen. Dafür will dieses Sommer-Journal viele Anregungen geben. Es beschäftigt sich mit zahlreichen Facetten der Ernährung und lenkt unseren Blick auf den Ursprung der Qualität, das Saatgut. Biodynamische Pflanzenzüchtung ist ebenso faszinierend wie komplex, genauso langwierig wie teuer. Nur wenn wir alle die Be­ deutung dieser Arbeit für Vielfalt auf dem Feld und in der Küche erkennen und fruchtbare, wohlschmeckende und bekömmliche biodynamische Sorten fördern, kön­ nen auch unsere Kinder und Enkel ihr ganz individuell passendes Essen noch genießen. Eine echte Zukunftsauf­ gabe – typisch für 90 Jahre biodynamisch.

Inhalt VOR ORT

GENIESSEN

Aus 80 000 Ähren die besten herausfinden

Kochen mit Brot – Aus Resten was Leckeres zaubern

8

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2 Inspiration

Tipps der Jubilare: Das muss unbedingt mit

4 Verstehen

36 Hintergrund

Individuell passend essen

Mit Bildekräfte­ forschung der Wirkung von Essen auf der Spur

12 Vor Ort

Getreidezüchtung Darzau – Pionier im Wendland

37 Nachgefragt

Carla will’s wissen: Was schmeckt?

14 Warenkunde

Getreideaufschluss für bessere Bekömmlichkeit 18 Wissenswert

Beim Sport: Lächeln statt hecheln 28 Selber machen

Tomatenpflanzen stärken 30 Gesund leben

Renée Herrnkind renee.herrnkind@demeter.de | Tel. 06155 – 846950

34 Kennenlernen

Schönheit fühlen

Sinnesentwicklung macht Sinn

3 Editorial 16 Aktuell 17 Produkte

38 Rätsel 39 Impressum 39 Vorschau

Podcast unter www.kultradio.eu Das Demeter Journal zum

Hören

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Kultradio von Ronald Richter gibt es das Journal zum Hören. Wer also noch mehr über die biodynamische Pflanzenzüchtung erfahren will hört hier gleich mal rein: http://bit.ly/pflanzenzuechtung

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VERSTEHEN

SE I T DE M GRÜNDUNGS I MP UL S V OR 9 0 JA H R EN

Biodynamische Agrarkultur sichert

Qualität der Nahrung

Biodynamische Wirtschaftsweise und menschengemäße Ernährung sind zwei Seiten einer Medaille. Schon beim Gründungsimpuls vor 90 Jahren war die Frage der Qualität von Nahrungsmitteln entscheidend für die Initiative der Bauern, die Rudolf Steiner um Hinweise für eine zukunftsfähige Agrarkultur gebeten hatten. Die Internationale Ernährungstagung am Goetheanum in Dornach/ Schweiz betrachtete den Prozess der Veränderung, der sich vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Essen und Verdauen durchzieht. Diese alchemistischen Vorgänge verwandeln die ursprüngliche Qualität, die in Pflanzlichem und in

DAS SENSORISCHE GEDÄCHTNIS ENTWICKELN Ohne Sehen, Riechen oder Schmecken würden wir kaum Wahr­ nehmungen vom Essen haben. Dies hätte Auswirkungen auf unser Verhalten – wie etwa, wenn der Geschmack durch eine Erkrankung gemindert ist. Dann sinkt der Appetit. In der Regel werden wir mit funktionsfähigen Sinnesorganen geboren, müssen aber lernen, sie zu gebrauchen, die Eindrücke zu verarbeiten und sie mit Begriffen zu verbinden. Da der Alltag dies nicht (mehr) in genügender Weise bietet, entsteht das Bedürfnis nach Sinnesschulung und Sinnes­ übungen bereits im Kindergartenalter, aber auch bei Erwachse­ nen. Das sensorische Gedächtnis entwickelt sich durch Üben. So schafft sich jeder Mensch das Werkzeug, um die Welt wahrzuneh­ men und zu verstehen. Daher sind Wahrnehmungsübungen und Verkostungen heute immer gefragter. Dazu ermöglicht das reichhaltige Angebot an Lebensmitteln auch Auswahl und bewusstes Kennenlernen neuer Eindrücke. Welche Fülle an neuen Reizen für die Sinne! Alle diese Neuheiten erfor­ dern jedoch auch Beurteilung, Einschätzung in ihrer Bedeutung für die Ernährung, eine Orientierung, an der die Sinne sehr betei­ ligt sind neben dem Denken.

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Tierprodukten angelegt ist. Diese Qualität zu entdecken und zu erkennen, braucht neben dem Interesse eine gezielte Schulung der Sinneswahrnehmungen. Die Sinne spielen in der anthroposophischen Ernährungslehre eine ganz wichtige Rolle. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Petra Kühne vom Arbeitskreis für Ernährungsforschung in Bad Vilbel beschreibt das eindringlich. Was wäre das Essen ohne das Schmecken? Der Geruch regt Appetit an, das Schauen entscheidet mit und der Tastsinn mit dem „Mundgefühl“ trägt ebenfalls zum Gesamteindruck bei. Die Sinne verbinden uns mit der Welt und mit den Sinneswahrnehmungen verbinden wir uns mit Seele und Bewusstsein.

12 Sinne entdecken Die Naturwissenschaft kennt fünf Sinne, zählt aber noch Gleich­ gewichts-, Organ- und Muskelsinn dazu – also sind es schon acht. Die Anthroposophische Menschenkunde geht von 12 Sinnen aus, da zusätzlich noch soziale Sinne und der Wärmesinn getrennt vom Tastsinn berücksichtigt werden. Sinnestätigkeit wird als aufbauend für den Körper gesehen („Ernährung über die Sinne“). Es gibt also nicht nur eine Ernährung über die Nahrung, sondern auch über die Sinneseindrücke.


VERSTEHEN

Wie wirkt das

ESSEN? Der anthroposophische Arzt Dr. Schürholz spannt den ­Bogen noch etwas weiter. Er schaut auf die Wirkung des Essens: „Wir verdanken Rudolf Steiner Hinweise darauf, wie sich die Kräfte, die wir mit dem Pflanzlichen oder dem Tierischen in uns aufnehmen, auf die menschliche Entwicklung auswirken.“ Plakativ leitet er von Steiners Aussagen ab, dass regelmäßige Fleischnahrung körperlich und seelisch erdenfest, auch impulsiver bis aggressiver macht. Vegetarische Kost hebt demnach weg von der Erdenschwere und erleichtert die Aufnahme von spirituellen Gedanken. Bedenklich nennt Rudolf Steiner es, wenn fanatisch auf alles Tierische, also auch auf Milch, Quark und Käse verzichtet wird. Da könnte es sein,

WER MEHR WISSEN WILL „Die 12 Sinne des Menschen – Bedeutung für die Ernährung“, Infoblatt von Dr. Petra Kühne „Anthroposophische Ernährung, Lebensmittel und ihre Qualität” Dr. Petra Kühne www.ak-ernaehrung.de

dass es „leicht zu einem gewissen bloßen Lieben des von der Erde Wegstrebenden kommt und (dass so jemand) die Fäden leicht verliert, die ihn mit dem verbinden, was auf der Erde an Menschlichem getrieben wird“. Durch Milchprodukte wird der physische Leib mehr erden- und menschheitverwandt. Der Entschluss, Milchnahrung zu sich zu nehmen, bedeutet gleichsam: Ich will mich auf der Erde aufhalten, auf der Erde meine Mission erfüllen können, aber nicht ausschließlich für die Erde da sein. Der Wille zur Fleischnahrung bedeutet: Mir sagt das Erdensein so zu, dass ich auf alle Himmel verzichte und am liebsten ganz aufgehen würde in den Verhältnissen des Erdenseins. Die Leichtigkeit, die der Mensch durch Pflanzennahrung bekommt, hebt hinweg über solche Erdenschwere.

Leichtigkeit durch Pflanzliches „Damit wir nicht entfremdet werden von menschlichem Fühlen, menschlichem Treiben auf der Erde, ist es gut, wenn wir uns als Wanderer auf der Erde in einer gewissen Weise beschweren lassen mit dem Milchgenuss und dem Genuss von Milchprodukten“, zitiert der Mediziner Steiner. Von ihm stammt auch der Satz: „Das Schlimme am Fleischgenuss ist die bleibende Wirkung des Schmerzverursachens und des Tötens der Tiere.“ Deshalb sieht Schürholz eine große Aufgabe bei den biodynamischen Bäuerinnen und Bauern sowie Verarbeitern. Der Mensch nimmt und lebt von der Natur, was kann er ihr zurückgeben? Er kann etwas in sie einführen, was sie noch nicht hat. Der Mensch hat die totale Verantwortung für die Kultivierung der Natur übernommen.

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VERSTEHEN

A NTHROPOSOPHI SCH E ER NÄ H R UNG:

INDIVIDUELL und ohne Vorschriften Die anthroposophische Ernährungslehre orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen des Menschen und liefert ganz bewusst keine Ernährungsvorschriften. Sie bezieht außer Wirkstoffen auch Wachstums– und Reifekräfte, Bilde- und Vitalkräfte der Lebensmittel als Qualitätsfaktoren mit ein. Ernährungswissen soll gebildet, Erkenntnis gewonnen werden. Wer seine Essbedürfnisse wahrnimmt und eigen­ verantwortlich berücksichtigt, wird eine innere Zufriedenheit erreichen, die nährt. Als Empfehlung weist die anthroposophische Ernährungslehre auf Lebensmittel hin, die möglichst aus biologisch-­ dynamischem Anbau stammen. Bei der Verarbeitung ist es wichtig, dass die hohe landwirtschaftliche Qualität sich fortsetzt und den Bedürfnissen des Menschen entspricht. Die Lebensmittel sollen fair gehandelt und passend zu den Rhythmen der Natur genossen werden. Regionale Produkte haben ein starkes Gewicht. Aufgrund des anthroposophischen Naturverständnisses werden Wirkungen von Lebensmitteln wie Getreide und Kartoffeln beschrieben. „Sie dürfen nicht als generelle Empfehlung für Verwendung oder Weg­ lassen missverstanden werden“, betont Dr. Petra Kühne. So kann durchaus ein Lebensmittel für einzelne Menschen oder Lebenssituationen geeignet sein, während es für andere ungünstig wäre.

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Die Beurteilungen beruhen auf dem anthroposophischen Menschenverständnis. Es sieht den Menschen nicht nur als körperliches Wesen, sondern mit eigenständigen vitalen, psychischen und geistigen Aspekten. Daraus entwickelt sich eine Differenzierung nach Konstitutionstypen (Temperamenten) und die Einbeziehung von Körperrhythmen. In der Ernährungspraxis hat sich eine überwiegend ovo-laktovegetabile Ernährung mit wenig oder ohne Fleisch und Fisch bewährt. Als Grundnahrungsmittel werden die Getreidearten bevorzugt.


VERSTEHEN

DAS PASSENDE ENTDECKEN In der anthroposophischen Ernährungsanschauung wird betont, dass jeder Mensch nach einer individuellen Ernährung strebt. Hinweise zu einer Ernährung nach den vier Temperamenten, bei der nach Konsti­ tutionstypen (Melancholiker, Phlegmatiker, Sanguiniker und Choleri­ ker) unterschieden wird, betreffen dann ganze Menschengruppen, sind also nicht individuell. Das erklärt die Ernährungswissenschaft­ lerin Petra Kühne so: Der Mensch setzt sich als Wesen aus verschie­ denen „Körpern“ zusammen: dem physischen, ätherischen sowie dem Astralleib (Seele) und seinem Ich, der Persönlichkeit. Die vier wirken in allen Menschen ineinander. Der physische Körper umfasst die Stoffe, die Substanzen. Diese Stoffe werden aber erst vom Ätherleib (Lebensleib) gegliedert zu der menschlichen Gestalt. Der Mensch kann von seinem physischen und Lebensleib mit verschiedenen Er­ nährungsformen existieren. Die organische Anpassung an die Ernäh­ rungsweise in der Darmlänge oder den Zahntypen ist gering. Selbst der nicht gestillte Säugling ist in der Lage, mit einer Ersatznahrung zu überleben. Hier zeigen sich Einflüsse der beiden anderen Wesens­ glieder Astralleib und Ich. Der Astralleib beinhaltet die seelischen Äußerungen, die Sympathie und Ablehnung. Im Körper formt und gestaltet er.

Die vier Temperamente entstehen durch eine Gewichtung der vier Körper des Menschen zueinander. Sie äußern sich auf seelischer Ebene. Auch Typologien anderer Kulturen wie die 3 Doshas (Ener­ gien) in der Ayurveda, die 5 Elemente der Traditionellen Chinesischen Ernährung fassen Menschengruppen aufgrund seelischer Ähnlichkeit zusammen. Die Kenntnis der Temperamente hilft auch Nahrungsbe­ dürfnisse oder Lebensmittelvorlieben zu verstehen. Die individuelle Ebene basiert auf der Wirksamkeit des Ichs. Es ge­ staltet und reguliert die drei anderen Körper. Dabei prägt sich zum Beispiel das Eiweiß über das artgemäße und seelische hinaus: es wird individuell und ist damit unverträglich mit dem Eiweiß anderer Men­ schen. Bei Transplantationen in der Medizin muss man diese Absto­ ßung, die Äußerung der biologischen Individualität medikamentös unterdrücken. Diese individuelle Ausprägung bis ins Physische ver­ deutlicht auch die individuellen Ernährungsbedürfnisse. Sie äußern sich selten darin, dass man nun ganz anders als sein Nachbar oder Familienmitglied isst, sondern in der Nuancierung. In der Menge der verzehrten Rohkost, des bevorzugten Aromas, der Anzahl der Mahl­ zeiten etwa. Die typgerechte Ernährung kann viel bewirken, da das Essen oft seelisch bedingt ist.

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VOR ORT


VOR ORT

GE TRE I DE ZÜC H T UNG DOT T ENF EL DER H OF

Aus

80 000

Ähren

die besten herausfinden

Den Strohhut im Nacken steht Dr. Hartmut Spieß im Getreidefeld und konzentriert sich auf jede einzelne Ähre. Um seine Getreidezüchtung voranzubringen, sucht der Züchter vom Dottenfelderhof in Bad Vilbel die besten Einzelähren aus rund 80 000 heraus, Basis für die nächste Generation auf dem Weg zu einer neuen Sorte.

G

etreidezüchtung und die Forschung dafür ist auf­ wendig, verlangt viel Handarbeit und Geduld. Bis eine neue biodynamische Sorte anerkannt ist, ver­ gehen meist mehr als zehn Jahre. Rund eine halbe bis eine Million Euro sind notwendig – Geld, das überwiegend von Stiftungen zur Verfügung gestellt wird wie dem Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft bei der GLS Treuhand in Bochum. Die besten Pflanzen von Winter- und Sommer­ weizen, Winterroggen, Wintergerste, Hafer und Futtermais werden auf den Versuchsfeldern herausgesucht, per Hand ­geerntet, im nächsten Jahr ausgesät und so geht es über acht bis zwölf, manchmal 15 Jahre weiter. Ein Schwerpunkt der Züchtungsforschung hier auf einem der ältesten DemeterHöfe Deutschlands ist die Entwicklung der Widerstands­ fähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten wie Flug- und Stein­ brand oder Streifenkrankheit. Im konventionellen Betrieb wird dagegen mit chemischer Beize vorgegangen, für ökolo­ gische Bauern ein Tabu.

Im Infektionsblock – im gebührenden Abstand zu den ande­ ren Feldern – tragen die MitarbeiterInnen per Hand die Krankheitserreger auf die Ähren auf. Sind alle infiziert, muss

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VOR ORT

Dr. Hartmut Spieß ist es immer wichtig, all denen zu danken, die Saatgutzüchtung und Sortenentwicklung finanziell ermöglichen. Das sind neben dem Saatgutfonds die MAHLE-Stiftung, Stuttgart, die Software AG-Stiftung, Darmstadt, die Landwirtschaftliche Rentenbank, Frankfurt, die Göhre-Stiftung, Frankfurt, der Rudolf Steiner-Fonds, Nürnberg, die Kurt-und-Christoph-Eisele-Stiftung, Darmstadt, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im BÖLN, Bonn, das LLH und LHL, Kassel, die Sarah-Wiener-Stiftung, Berlin, Demeter-Felderzeugnisse, Alsbach sowie viele private Spenderinnen und Spender.

mit geschultem Blick beobachtet werden, wie die einzelnen Ähren reagieren. Welche zeigt sich anfällig, welche erweist sich als widerstandsfähig?

Natürliche Resistenz gegen Krankheiten Auf vier Hektar Fläche vor den Toren der Bankenmetropole Frankfurt wird bereits seit 1968 biodynamische Agrar-Praxis mit Forschungsarbeit verbunden. In jüngerer Zeit konnte Dr. Hartmut Spieß sechs Getreidesorten beim Bundessortenamt zulassen. Viele neue Sortenkandidaten stehen in der Warte­ schleife. Der 68-jährige Biodynamiker freut sich besonders darüber, dass seine Bauernkollegen die neuen Sorten der bio­

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dynamischen Züchter inzwischen begeistert anbauen und viele Demeter-Bäcker bevorzugt darauf zurückgreifen. Seine tiefste Überzeugung ist: „Ernährung fängt auf dem Feld an.“ Deshalb wird bei der Selektion auch auf die Bekömmlichkeit der neuen Getreidesorten geachtet. So berichten viele Kon­ sumenten, die im großen Hofladen das breite Sortiment leckerster Brot- und Backwaren aus der hofeigenen Holzofen­ bäckerei kennenlernen, wie gut verträglich alles ist. Züchter Spieß ist sicher: „Wenn es bei der Sortenentwick­ lung vorrangig um hohen Ertrag geht, bleiben die Inhalts­ stoffe auf der Strecke.“ Seine Bio-Sorten bringen zwar keine Höchsterträge, dafür aber beste Inhaltsstoffe wie gute Kle­ berwerte, die vor allem für die Bäcker wichtig sind. Warnend weist er auf bedenkliche Entwicklungen hin, denn auch im Getreidebereich machen sich die nicht vermehrbaren F1Hybriden breit. Auch wird bereits mit gentechnisch verän­ dertem Weizen, wie etwa in der Schweiz, gearbeitet. „Dieser Weg vernichtet Vielfalt und beinhaltet nicht kalkulierbare Risiken“, bedauert er. Die Demeter-Züchter setzen dagegen ein Zeichen und ent­w ickeln standortangepasste, nachbaufä­ hige Getreidesorten. Dabei wird die Symbiose Mensch – Pflanze besonders deutlich. Damit wir aus unseren Kultur­ pflanzen Keime für die Zukunft ernten können, brauchen sie menschliche Pflege.


VOR ORT

Spieß und seine Kollegen haben jedoch nicht nur die Ernäh­ rung im Blick. Der nachdenkliche Demeter-Pionier fragt: „Was sehen wir denn auf den Feldern?“ und verweist darauf, dass auch die Schönheit einer Pflanze in der Züchtung durch­ aus eine Rolle spielt.

Die Schönheit der Pflanze im Blick

en, stets die besten Pflanzen raussuchen und das Zuchtziel aus sich heraus gesunder und wuchsfreudiger Getreidepflan­ zen beharrlich zu verfolgen. Kein Wunder also, dass Hartmut Spieß geradezu persönliche Beziehungen zu seinen Getreide­ pflanzen entwickelt und davon so trefflich erzählen kann, dass jeder angesteckt wird von der Begeisterung für diese Wunderwerke der Natur, die in die kultivierenden Hände des Menschen genommen wurden.

Geradezu enthusiastisch kann er den Besuchergruppen auf dem „Dotti“ im nahen Weizenfeld die Feinheiten der Züch­ tungsarbeit zeigen. Da Weizen Selbstbestäuber ist, muss der Mensch für Kreuzungen Hand anlegen. In mühsamer Fein­ arbeit werden die Spelzen der rund 17 Ährchen einer Ähre aufgeschnitten. Die Weizenähre hat pro Ährchen fünf Blüt­ chen mit je drei Antheren (Staubblättern) – staunend kann das Wunderwerk unter der Lupe erkannt und bewundert werden. Mit der Pinzette werden die männlichen Staubblät­ ter mit den Pollen herausgezogen, die weibliche Narbe bleibt erhalten. Sie wird mit den Pollen einer anderen Weizenähre bestäubt. Die Ähre wird danach mit einer Pergamintüte ge­ schützt. Bis zu 400 Rispen werden jährlich so einzeln kast­ riert und bestäubt. Dann heißt es, über zehn Jahre nachbau­ ANZEIGE

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VOR ORT

GE SE LLSCH A F T L I C H E A NER K ENNUNG

FÖRDERPREIS für biodynamische Getreidezüchtung Darzau

Karl-Josef Müller gehört zu den Pionieren der Getreidezüchtung. Seit über 20 Jahren forscht er mit seinem Team im Wendland an Gerste, Weizen, Hafer, Roggen und seit einigen Jahren auch an Erbsen. Züchtung und Forschung kommen hier zusammen. Die Ergebnisse sind anerkannt bei Bauern und Genießern – und nun durch die Verleihung des Förderpreises Ökologischer Landbau sogar bei Politik und Gesellschaft. Die Biodynamische Wirtschaftsweise setzt gerade auch in der Züchtung Maßstäbe für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Das unterstreicht die Verleihung des Förderpreises Ökologi­ scher Landbau an den Demeter-Getrei­

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dezüchter Karl-Josef Müller. Zum ers­ ten Mal hat die eigenständige ökologische Züchtungsarbeit im Ge­ treidebereich solch breite Anerkennung erfahren. Als erster Bio-Verband hat Demeter Richtlinien für Pflanzenzüch­

tung entwickelt und zertifiziert biody­ namisch gezüchtete Sorten bei Getreide und Gemüse. Sie garantieren höchste Nahrungsqualität, besten Geschmack und Unabhängigkeit von Saatgutkon­ zernen. Den in Darzau gezüchteten Lichtkorn­ roggen und Goldblumenweizen, Speise­ gerste Pirona und die Einkornsorten Terzino bauen Landwirte an, Bäcker verarbeiten sie zu bekömmlichen Back­ waren. „Sorten für den Öko-Landbau sollten unter ökologischen Bedingun­ gen entwickelt werden“, ist Karl-Josef


Müller überzeugt. Ein besonderer Schwerpunkt in seiner Züchtung ist die Untersuchung der Bildekräfte, um die Qualitäten der Sorten zu erkennen. So kann die entwickelte Sorte dazu beitra­ gen, aus biodynamischer Bewirtschaf­ tung das Beste zu machen und dem Menschen förderliche Lebensmittel be­ reitzustellen.

„Qualität, die ich mir gern einverleibe“ Für Müller gilt: „Nahrungspflanzen brauchen eine Qualität, die ich mir im wahrsten Sinne des Wortes gerne ‚ein­ verleibe‘. Ihre Wirkung soll den Men­ schen in seinem selbstbestimmten und auf eigenen Urteilen gegründeten Han­ deln unterstützen. Und wenn ich esse, sollte mich das beleben.“ So denkt der engagierte Demeter-Züchter über die rein analytische Zusammensetzung hi­ naus und hinein in die Beschaffenheit der mit einem Nahrungsmittel verbun­ denen Lebenskräfte, die sich nicht zu­ letzt aus den Anbaubedingungen, Zuchtmethoden und Selektionsent­ scheidungen ergeben und mit der Bio­ dynamischen Wirtschaftsweise beson­ ders gefördert werden.

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VOR ORT

gut ist den Pionieren des Ökolandbaus wichtig. Inzwischen sind fast 20 dieser Sorten bereits Demeter-zertifiziert. Sie punkten dank der gezielten Selektion nach Vitalität, Aroma und Bekömm­ lichkeit, der höchsten Reifequalität, ih­ rer Geschmacksvielfalt dank regional angepasster Sorten und einer harmoni­ schen Entwicklung im Kräftefeld von Erde und Kosmos, die durch die Biody­ namischen Präparate ermöglicht wird. Biodynamische Züchtung steht für die Wahrung der Integrität der Pflanze und hat damit eine gesellschaftspolitische Dimension. Gerade angesichts zuneh­ mend intransparenter und fragwürdi­ ger Methoden zur Sortenentwicklung in den Laboren von Agrarkonzernen gelte es, fruchtbare Pflanzen, die ihre guten Eigenschaften weitervererben können, zu fördern. So bleibt Saatgut Kulturgut und verkommt nicht zum reinen Wirtschaftsfaktor. www.darzau.de

Saatgut als Kulturgut erhalten Getreidezüchtungen aus Darzau begeg­ nen den Bio-Kunden als Einkorn in Keksen, Brot, Nudeln und Bulgur, Speisegerste in Tsampa (Gerstenmehl), Lichtkornroggen als Brot, Mehl und Korn, Goldblumenweizen wird gern zur Qualitätsverbesserung von Mehl­ mischungen verwendet. Die Zahl der biodynamisch gezüchte­ ten Getreidesorten wächst. Qualität von Anfang an durch optimal an De­ meter-Bedingungen angepasstes Saat­

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WARENKUNDE

Besser

GE TRE I DE S C H ONEND A UF S C H L I ES S EN

verdaulich,

SCHNELL zubereitet

Dass Getreide in einer vollwertigen Ernährung einen besonderen Stellenwert hat, gehört inzwischen fast schon zur Allgemeinbildung. Aber nicht jeder kann Körnerkost gut verdauen. Mit speziellen Aufschlussverfahren machen die Demeter-Partner Bauckhof Naturkost und ErdmannHAUSER manche ihrer Produkte besonders bekömmlich.

I

m Bauckhof-Sortiment ist Kornfix Schnellkochgetreide aus dem Steinofen ein Klassiker. Dem natürlichen Reifevorgang entsprechend, wird das Kornfix-Getreide – Dinkel, Gerste, Roggen solo und Dreikorn-Mischung – als ganzes Korn im Steinofen bei milder Wärme gedarrt und so schonend aufgeschlossen. Die Kornfix-Grütze ist dadurch schnell und ohne Einweichen zuzubereiten. Sie ist vollwertig und ­bestens bekömmlich, locker und körnig mit nussartigem Geschmack. Beim Garen – einfach aufkochen und ausquellen lassen – steigt bereits der charakteristisch-aromatische Duft in

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die Nase. Vielfältige vollwertige Getreidegerichte lassen sich damit in kürzester Zeit zaubern: Bratlinge, Getreidepfanne, Füllungen, Auflauf, Müsli, Salat, Suppeneinlagen oder einfach als heimische Vollkorn-Beilage statt Reis oder Hirse.

Kornfix, TAU, Grieß und Bulgur: Optimal für schnelle Küche ErdmannHAUSER setzt für seine Spezialitäten Bulgur, TAU und Grieß vor der Weiterverarbeitung ein hydrothermisches Verfahren ein. Das volle Korn wird aufgeschlossen. „Für diesen Prozess nehmen wir uns sehr viel Zeit“, erklärt Unternehmer Karl Huober. „Das Korn wird in Wasser bis zum Beginn des Keimens aktiviert und anschließend in speziellen Dreh­ öfen gedarrt. So werden die wertvollen Nährstoffe aufgeschlossen und an den menschlichen Stoffwechsel angenähert.“ Bereits beim Einweichen über 14 Stunden dringen Vitamine und Mineralstoffe, die in der äußeren Schicht liegen, in das


Innere des Korns. Die Nährstoffe des Getreides verwandeln sich also in einer Art „Vorverdauung“. Dann wird das Getreide bzw. der Buchweizen in eigens entwickelten Drehtrommelöfen im eigenen Dampf über Stunden weiter aufgeschlossen und anschließend schonend getrocknet. Dieser Prozess kann bis zu 16 Stunden dauern. In der hauseigenen Mühle wird das Korn schließlich vermahlen, vergrützt oder grob gebrochen und dann von Hand verpackt. Kindergrieß und TAU sowie Bulgur-Varianten sind Alternativen für die schnelle vollwertige Küche. TAU ist besonders fein vermahlen und, wie Erfahrungsberichte zeigen, in der Gersten-Variante schon für Kinder ab fünf Monaten geeignet. Ab dem siebten Monat folgt TAU aus Dinkel oder Buchweizen. Der Hafer-TAU hingegen ist ein wahrer Kraft- und Energiespender und für Frauen in der Schwangerschaft ebenso empfehlenswert wie für bereits krabbelnde Kinder. Kindergrieß und TAU ist auch für Erwach­ sene gut, nicht zuletzt in Zeiten der Rekonvaleszenz nach Krankheiten oder Schwächeperioden. ErdmannHAUSER Kindergrieß wird vor dem Vermahlen ebenfalls hydrothermisch aufgeschlossen. TAU und Grieß sind in den Sorten Gerste, Dinkel, Buchweizen und Hafer erhältlich, Bulgur als Dinkel, Hartweizen, Gerste und Buchweizen. Das Getreide für die ErdmannHAUSER-Produkte stammt von Demeter-Bauern aus dem süddeutschen Raum, die mit dem Getreidespezialisten eine faire Zusammenarbeit pflegen. Bauer und Anbauort sind auf jeder Packung vermerkt.

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WARENKUNDE

per Hand geschält

Wie in Tibet: Tsampa aus Gerste Aus gerösteter Gerste entsteht bei ErdmannHAUSER Sonam’s Tsampa, das altbewährte tibetische Hauptnahrungsmittel. Die Exil-Tibeterin Sonam Dölma Brauen bürgt für die Authentizität und Güte des Produkts. Aus der biologischdynamisch gezüchteten Nacktgerste von Dr. Karl-Josef Müller (siehe Seite 12) lassen Demeter-Bauern der Region pralle Körner reifen. Die Gerste wird bei ErdmannHAUSER schonend geröstet und werterhaltend vermahlen. Den individuellen Zubereitungsarten von Sonam’s Tsampa sind keine Grenzen gesetzt: gesalzen oder gesüßt, mit wenig oder mit viel Flüssigkeit, als Drink schmeckt es sowohl mit Milch, Tee oder Joghurt, hilft, als Frühstücksbrei mit Früchten in den Tag oder liefert als selbst gerollte Energiekugel Power für unterwegs. Sonam Dölma Brauen unterstützt mit einem Teil des Erlöses ihre tibetischen Landsleute im Kampf gegen die chinesische Vorherrschaft.

sonnengereift & per Hand geerntet Naturata Geschälte Tomaten, Tomatenketchup und Tomatensauce Classico werden aus sonnengereiften Tomaten nach bio-dynamischen Richtlinien in Spanien angebaut. Im handwerklich arbeitenden Familienbetrieb in Katalonien werden die Tomaten frisch nach der Ernte verarbeitet. Naturata bezieht seit über 30 Jahren die fruchtigen Tomatenprodukte von dort.

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AKTUELL

Eichen, Buchen und Fichten erholen sich Der Zustand des Waldes in Deutschland hat sich weiter verbessert. Bei Buchen, Fichten und Eichen wurden Verbesserungen der Baum­ gesundheit festgestellt. Die stärksten Schäden weisen aber nach wie vor ­Eichen auf. Als Indikator für den Zustand des Waldes dient den Förstern die Bewertung der Baumkrone. Insgesamt haben 38 Prozent der Waldfläche keine Schäden an den Baumkronen. 39 Prozent der Bäume weisen leichte Schäden auf und der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen ist von 25 Prozent im Jahr 2012 auf nun 23 Prozent gesunken. www.bmel.de/Waldzustandserhebung

Bauen mit gesunden Materialien ist tatsächlich etwas teurer. Denn Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Ihre Gesundheit sollte Ihnen diesen Mehrpreis wert sein: denn Sie investieren im Laufe von 35 Jahren gerade mal 2 Euro täglich in ein wohngesundes, schadstofffreies und vor Elektrosmog geschütztes Zuhause. Dies belegen wir Ihnen schwarz auf weiß mit unserem Gesundheitspass.

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WELTWEIT 616 DEMETER-WEINGÜTER Kaum ein Produkt lässt die Biodynamik so kraftvoll schmecken wie der Wein. Dementsprechend groß ist das Interesse von Winzern, auf bio­ dynamisch nach Demeter-Richtlinien umzustellen. 47 Weingüter gehö­ ren dem deutschen Demeter-Verband an, weltweit gibt es mehr als 600 Demeter-Weingüter mit knapp 8 200 Hektar Rebfläche. Sie dürfen mit dem Demeter-Markenzeichen auf die biody­ namische Qualität hinweisen, denn sie sind mit ihren Betrieben einem aufwendigen Zer­ tifizierungsprozess unterworfen. Höchstes Ziel dieser Winzerinnen und Winzer ist es, mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise Demeter-Babynahrungspionier Holle die Qualität ihrer Weine zu fördern. Das hat empfiehlt jungen Eltern eine ganz be­ sich längst herumgesprochen: Weinkritiker sondere Flasche, wenn neben dem Stillen loben die komplexen biodynamischen Weine. gefüttert werden soll: Die Anti-KolikDemeter International (www.demeter.net) Flasche aus der Serie Natural Touch der hat die Standards für den zertifizierten bio­ Marke Nuby. „Das Saugverhalten des dynamischen Weinbau festgelegt: Grundla­ Kindes an der Mutterbrust wird imitiert, ge ist eine ganzheitliche Naturbetrachtung, der Saugreflex bleibt aktiviert und der die über rein naturwissenschaftliche Er­ Vater kann seinem Kind auch mal die kenntnisse hinausgeht. Für Konsumenten Nahrung geben, was sich psycho­ soll es ein Maximum an Transparenz über logisch positiv auswirkt“, beto­ nen die Experten des Herstellers Ursprung und Erzeugung von Demeter-Wei­ biodynamischer Babynahrung. nen geben.

Fläschchen gegen Kolik

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AKTUELL

Gemeinsam für höchstes Tierwohl Die Öko-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland setzen ein gemeinsames Projekt zum Tierwohl um. Auf jedem Verbands­ betrieb dieser drei führenden Bio-Organisationen wird anhand von Checklisten die Verfassung aller Tiere untersucht. In der Ar­ beitsgemeinschaft Tierwohl hatten Bioland, Demeter und Natur­ land dafür gemeinsame Kriterien für die verschiedenen Tierarten entwickelt. Sie sind transparent, nachvollziehbar und dienen dazu, die ohnehin meist sehr gute Tierhaltung in den Verbands­ betrieben zu stärken sowie die vorhandenen Schwachstellen ­abzustellen. Finden Öko-Kontrolleure Abweichungen beim Tier­ wohl, wird der Landwirt intensiv beraten und eine rasche Ver­ besserung umgesetzt. Demeter-Vorstand Alex­ ander Gerber bewertet die Initiative als positives Sig­ nal auch für die Landwirte. „Mit der nun ermöglichten Transparenz schützen wir die große Mehrheit unserer Be­ triebe, die auch beim Tier­ wohl Spitzenbetriebe sind und bieten den wenigen Be­ trieben, die Schwierigkeiten im Management haben, die notwendigen raschen Hilfe­ stellungen.“

Demeter wächst stärker als Bio Gute Nachrichten im Jubiläumsjahr. Die biodynamische Demeter-Markengemein­ schaft feiert gerade ihren 90-jährigen Grün­ dungsimpuls und meldet starken Umsatzzu­ wachs. Das Wachstum mit Demeter-Waren im Bereich Herstellung und Handel liegt für 2013 bei 16 Prozent. Damit liegen die Demeter-Partner deutlich über dem Schnitt der Bio-Bran­ che: Der Bio-Gesamtumsatz stieg um 7,2 Prozent und der Umsatz im Bio-Fachhandel um 8,6 Prozent, wie vom BÖLW in seinen alljährlichen „Daten Fakten Zahlen“ zu­ sammengetragen. Mit seinen 1 400 Landwirten, die über 69 000 Hektar Fläche biologisch-dynamisch beackern, den etwa 330 DemeterHerstellern und -Verarbeitern sowie Vertragspartnern aus dem Naturkost- und Reformwaren-Großhandel werden über 3 000 Demeter-Lebensmittel, Getränke und Kosmetika ange­ boten. Das Sortiment reicht von italienischen Antipasti über den vegetarischen Brotaufstrich, der kompletten Babynahrung, herzhaften und süßen Knabbereien, preisgekröntem Eis, stär­ kender Stutenmilch, schneller Tiefkühllasagne, über aromati­ sche Rohmilchkäse, Wein oder Lammsalami bis zum Zwie­ back. Besonders Kosmetika und Weine liegen voll im Trend.

Experimentell und biodynamisch im Lindenberg Steinbeisser’s Experimentelle Gastronomie und biodynamische Qualität kommen zu­ sammen und können in Frankfurt erlebt werden. Unter der kulinarischen Leitung von Zwei-Sterne-Koch Matthias Schmidt lädt das Projekt gemeinsam mit dem LINDEN­ BERG zu einem exklusiven 5-Gänge-Menü aus rein pflanzlichen Zutaten und mit künstlerisch gestaltetem Besteck und Geschirr ein. Nils Hint ist ein zeitgenössischer Schmied, Designer, Künstler und Erfinder in einer Person. Für diese Veranstaltung hat er eine Serie von Besteckstücken gefertigt. Metall und Werkzeug-Restbestände aus der ehemaligen Sowjetunion hat er in feuriger Handarbeit zu aufregenden Löffelformen verschmolzen. Steinbeisser ist eine Initiative von Martin Kullik und Jouw Wijnsma. Sie arbeiten mit dem Ziel, interdisziplinäres Denken anzuregen und Bereiche wie zeitgenössischen Schmuck, Design, Gastronomie, Mode und Tanz in Verbin­ dung zu bringen. Mit Demeter, GLS-Bank und Bürger AG als Partner lädt Steinbeisser jeweils 35 Gäste vom 5. bis 7. September 2014 in das Lindenberg in Frankfurt. Es ist weder Hotel noch Wohngemeinschaft und doch beides zugleich: eine Gästege­ meinschaft. Hinter der Fassade der beinahe 150 Jahre alten Stadtvilla im Herzen Frankfurts erwartet es seine Gäste mit großzügigen, gemeinsam zu nutzenden Räumlichkeiten, liebevoll und progressiv restauriert mit einem Hauch unprätentiösem Chic. Die experimentelle Gastronomie von Steinbeisser ist eine kreativ-kulinarische Veranstal­ tung mit Essen aus rein pflanzlichen Zutaten jauptsächlich aus biodynamischem Anbau aus der Region. www.steinbeisser.org

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WISSENSWERT

WOHLFÜ H L EN DA NK R I C H T I GER ER NÄ H R UNG UND R EGEL MÄ S S I GER B EWEGUNG

Lächeln statt

hecheln

Julia Galuschka gehört zu den besten deutschen Marathonläuferinnen. Im letzten Jahr wurde sie Zweite bei den nationalen Meisterschaften in München mit ihrer Bestzeit von 2:44,39 Stunden. Die Mittelhessin startet für die LG Telis Finanz Regensburg. Mit Bio aufgewachsen, spielt für die 34-jährige Lehrerin die Ernährung eine wichtige Rolle auf dem langen Weg zum Erfolg. Im Gespräch mit dem Journal verrät die ausdauernde Demeter-Kundin praxisnahe Tipps für Freizeitläufer – und für all diejenigen, die jetzt in ihr ganz persönliches Lauftraining einsteigen wollen.

Bedeutet dein Sportler­ leben, dass dein Ernäh­ rungsrepertoire sehr eingeschränkt ist?

Ganz im Gegenteil, ich genieße eine wahre Fülle. Allein schon im Frischebereich mit Obst und Gemüse. Meine Favoriten sind Bananen, Äpfel, Mango, Beerenfrüchte – die auch mal als tiefgekühlte Variante, in der Saison reichlich Erdbeeren, Salate, Möhren, Kohlrabi, Brokkoli. Täglich

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steht bei mir der Gewürzquark nach Dr. Feil mit selbst gemachtem Müsli auf dem Speiseplan, den nehme ich mit in die Schule. Müsli mische ich aus Hafer- und Dinkel­ flocken, Chia-Samen, Teff-Flocken, Leinsamen, Amaranth gepoppt, Rosinen, Trockenfrüchten, Mandelmehl oder gehackten Mandeln, dazu Sanddornsaft und frisches Obst. Ich esse Kartoffeln und Reis, Polenta mit Gemüse und Käse, Kamut- und Dinkelnudeln, Dinkelbrot oder – Brötchen, Nüsse, wenig Fleisch, Eier, regelmäßig Fisch. Bei Ölen stehen Leinöl und Olivenöl ganz vorn. Demeter-Milch ist mir wichtig. Da fühle ich mich von Dr. Feil sehr bestätigt, zumal er vor homogenisierter Milch warnt. Manchmal mache ich sie mir mit Kakao und Honig. Beim Grünen Tee schätze ich den DemeterDarjeeling von Ambootia und mein Lieblingssaft-Mix ist Orangensaft mit RoteBete- und Karottensaft.

Welche Wirkungen beobachtest du?

Ich bin nicht nur fit und leistungsstark, sondern auch erfreulich gesund (klopft lachend auf Holz). Dazu trägt meine bewusste Ernährung sicherlich bei. Zum Beispiel esse ich gerne Zwiebelkuchen oder Zwiebeln im Salat oder einer Tomatensoße. Zwiebeln unterstützen die Regeneration


WISSENSWERT

und stärken das Immunsystem. Mit Quark-Ölteig hat der Zwiebelkuchen nicht zu viele Kohlenhydrate – und natürlich nehme ich Dinkelvollkornmehl. Die vielen Beeren und Früchte wirken antioxidativ und liefern, wie etwa die Mango, Enzyme gegen Entzündungen. Mein täglicher Quark mit Leinöl, Chili, Kurkuma, Zimt, Ingwer, Pfeffer regt den Stoffwechsel an und beugt ebenfalls Entzündungen vor. Den gibt es mit Obst oder herzhaft mit Kräutern. Grüner Tee verbessert die Sauerstoffaufnahme im Blut wie auch wie Rote Bete. Seitdem ich da die biodynamisch gezüchteten samenfesten Sorten entdeckt habe, schmeckt mir diese Knolle viel besser. Ingwer stärkt den Magen und Kräuter stabilisieren die Knochen. Brokkoli sorgt dafür, dass Schmerzen in Gelenken gar nicht erst auftreten und Avocado ist nicht nur ein zarter Genuss, sondern reich an wertvollen Fettsäuren.

Welche Sünde erlaubst du dir?

Eis, vor allem jetzt im Sommer. Waffeln, Pfannkuchen, Kaiserschmarrn aus Dinkelmehl sind ja keine richtigen Sünden und der selbst gerührte Kakao auch nicht. Natürlich esse ich auch mal eine Pizza, dann am liebsten mit ­Rucola.

Welche Empfehlung hast du für Läuferinnen und Läufer?

am Stück zu schaffen und das zu steigern. Ein Lauftagebuch unterstützt das. Und nicht nur laufen, auch dehnen und Bauch- und Rückenmuskeln stärken. Vielleicht fest etabliert morgens nach dem Zähneputzen oder vor dem ins Bett Gehen. Neue Laufschuhe sind natürlich auch ein guter Motivationsschub. Bei der Ernährung: Vollkorn, vor allem aus Dinkel, bevorzugen. Eiweiß und Fett im Blick haben, sie spielen wichtige Rollen. Abwechslungsreich essen sorgt für eine optimale Versorgung. Mein Geheimtipp vor einem Wettkampf ist Milchreis oder Dinkelgrießbrei, es muss nicht immer die Nudelparty vor einem Marathon sein! Den Brei oder Milchreis kann man zum Beispiel auch mit Dinkelmandelmilch zubereiten. Etwa zwei Stunden vor dem Lauftraining esse ich gern eine Banane auf Dinkelbrötchen mit Quark.

Was bedeutet Laufen für dich? Wie schaffst du es, es in deinen Alltag mit voller Stelle als Lehrerin und ein bisschen Privatleben zu integrieren?

Laufen ist Teil meines Lebens. Man kann es überall tun, es kostet nicht viel. Ich kann beim Laufen gut denken, für die Schule planen oder auch den Kopf frei kriegen und Stress abbauen. Ich überlege mir immer abends schon, wann mein Trainingsplan für den nächsten Tag am besten reinpasst. Und sicher ist es von Vorteil, dass mein Freund auch läuft. Durch meinen Sport habe ich Willensstärke, Zielstrebigkeit, Durchsetzungskraft und Frustrationstoleranz gelernt. Diese Werte versuche ich auch meinen Schülerinnen und Schülern zu vermitteln.

In Bezug auf das Training hilft, das Laufen als Teil des Alltags zu etablieren. Wer das vier Wochen durchhält, für den ist es dann so selbstverständlich wie Zähneputzen. Als Tricks empfehle ich, morgens schon die Laufschuhe in den Weg zwischen Haustür und Couch zu stellen oder die Laufsachen auf die Couch zu legen. Vielen hilft, sich zu verabreden und gegenseitig zu bestärken. Ganz wichtig: langsam laufen. Der schönste Spruch dazu: lächeln statt hecheln. Besser ist, drei mal in der Woche langsam als einmal schnell zu laufen. Gut ist auch, sich Ziele zu setzen. Dabei geht es gar nicht um eine Bestzeit, sondern eher darum, 20 Minuten

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WISSENSWERT

ERNÄHRUNGSTIPP

für Fitte von Dr. Feil

Julia Galuschka orientiert sich bei ihren Ernährungsempfehlungen stark an den Vorschlägen von Dr. Wolfgang Feil und Herbert Steffny. „Ich habe dazu viel gelesen und bin von der Lauf-Diät überzeugt. Vor allem, weil sie gar keine Diät ist sondern eher eine Grundernährung, die allen guttut. Die Rezepte sind gut gegliedert, liefern Nährwertangaben und sind vielfältig, leicht nachzukochen und mich inspirieren auch die Rezepte von bekannten Sportlern.“ Dr. Feil, Biologe und Sportwissenschaftler aus Tübingen, Lehrbeauftragter der Universität Furtwangen, empfiehlt den Journal-LeserInnen: „Eine hohe Leistungsfähigkeit braucht Lebensmittel mit hoher Qualität. Wir empfehlen unseren Top-Sportlern Gemüse vom BioBauern vor Ort oder vom regionalen Markt zu beziehen, da hier

wesentlich mehr Nährstoffe enthalten sind. Sehr gut kann man dies bei Karotten erleben. Hochwertige Bio-Karotten schmecken in der Regel noch richtig nach Karotte, während schnell gezogenes Gemüse diese Wertigkeit und den Eigengeschmack nicht mehr aufweist. Da Sportler auch hochwertiges Eiweiß brauchen, hat Fleisch aus Tiermast (Hühnchen, Schwein, Pute) in der Sporternährung nichts verloren. Ebenso sollte Milch nicht homogenisiert eingesetzt werden. Traditionell hergestellte Milchprodukte sind gesund, daher sollte man seine Milch beim Bauern in Rohmilchqualität beziehen, Quark und Joghurt daraus selber herstellen und bei Käse auf Rohmilch-Käse achten. Die Vollfett-Variante ist der entrahmten immer vorzuziehen.“ www.dr-feil.com

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WISSENSWERT

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Ganz neu erscheint „Die Dr. Feil Strategie – So ernähren sich Sportler heute“ Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse hat die Forschungsgruppe Dr. Feil kompakt zusammengefasst und in konkrete Anregungen umgesetzt. Der Leistungssportler kann damit sein sportliches Potenzial besser ausschöpfen, der Sport-Neuling seine Fitness verbessern, sich optimal auf seinen ersten Wettkampf vorbereiten und nebenbei noch ein paar Kilos verlieren, verspricht das Vater-Tochter-Autorenteam.

Sie wollen wissen, welcher Sport zu Ihnen passt? Dann finden Sie hier überraschende Aspekte: Thomas Frankenbach

„Die Lauf-Diät“ und „Die Lauf-Diät – Das Kochbuch“

„Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießen“

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Kochen

Brot

mit

Aus Resten was Leckeres zaubern

F OTOS:

Fotostudio Viscom, Siggi Schenk


GENIESSEN

Tainá Guedes und Joachim Weckmann von der Demeter-Bäckerei Märkisches Landbrot sind sich bei der Berliner Slow-Food-Veran­ staltung „Teller statt Tonne“ im September 2011 begegnet. Seitdem hat die 35-jährige Brasilianerin Rezepte mit Brotresten entwickelt, die gegen die Verschwendung unserer Ressourcen wirken. Journal-LeserInnen können sich von einer Auswahl inspirieren lassen und das tägliche Brot ganz neu entdecken – getreu der Maxime von Tainá Guedes, in einer Weise zu kochen, die unser Leben positiv beeinflusst. Ihr Rat: wer Brot übrig hat, sollte es gleich zerkleinern und gut trocknen, dann bieten sich viele Möglichkeiten zur weiteren Verwendung. tataiskitchenlab.wordpress.com | kochenmitbrot.wordpress.com

Alle Zutaten für 4 Personen

Panzanella-Salat 6 Tassen altes Brot, mundgerecht zerkleinert 6 Tassen altes Brot, mundgerecht zerkleinert | Olivenöl, Salz, Pfeffer | Balsamico | 3 Knoblauchzehen, fein gehackt | 3 Knoblauchzehen, gepresst | 1 rote Zwiebel, gerieben | 4 Tomaten in großen Würfeln | 1 Gurke, in Scheiben geschnitten | 1 Tasse schwarze Oliven | 10 große Basili­ kumblätter | 1 Tasse Mozzarella, mundgerecht zerkleinert 1 Ofen auf 180 Grad vorheizen. Fein gehackten Knoblauch mit geschnittenem Brot mischen. Mit Olivenöl übergießen und goldbraun im Ofen backen. Abkühlen lassen. 2 Olivenöl, Salz, Pfeffer, Balsamico, gepressten Knoblauch und geriebene Zwiebel zu einer Sauce verrühren. Das Brot darin 20 Minuten marinieren. Mit Tomaten, Gurken, Oli­ ven, Basilikum und Mozzarella mischen und sofort servieren. 3 Wer es vegan mag: Mozzarella durch Tofu ersetzen.

Gefüllte Champignons 1,5 Tassen trockenes Brot, gemahlen 8 große Champignons | 3 EL Olivenöl | 1 Knoblauchzehe, fein gehackt | 1 Handvoll Petersilie, gehackt | 1,5 Tassen trockenes Brot, gemahlen | 1 Tasse Pecorino, gerieben | Salz, Pfeffer, Backpapier Ofen auf 180 Grad vorheizen. Champignonstiele ent­ fernen, klein schneiden, in Olivenöl anbraten. Knoblauch, Petersilie, gemahlenes Brot und Käse dazugeben, gut mischen. 2 Champignons kopfüber auf Backpapier legen und mit der Mischung füllen. Etwa 30 Minuten im Ofen backen bis sie goldbraun sind. Warm servieren. 1

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GENIESSEN

Brotauflauf

Kann mit jeder Gemüsesorte zubereitet werden 400 g trockenes Vollkornbrot

1 Zwiebel | 1 Knoblauchzehe | 1 EL Weizenmehl | 400 g passierte Tomaten | 2 Möhren geraspelt | 400 g trockenes Vollkornbrot | Kräuter | 1 Brokkoli | ½ Blumenkohl, jeweils mit Blättern und Stiel | 1 Möhre | 1 Porreestange | Olivenöl zum Braten | Salz, Pfeffer | Gouda, gerieben

Brot-Terrine 125 g trockenes Brot 2 EL Öl | 1 Zwiebel, fein gehackt | 1 Knoblauchzehe, fein gehackt | 1 EL Vollkornmehl | 200 g passierte Tomaten | 125 g trockenes Brot | 2 Möhren, geraspelt | 1 Glas Mais | 25 g Haselnüsse, geröstet und gemahlen | 100 g Mandeln, geröstet und gemahlen | 1 EL Sojasauce | ½ Bund frischer Koriander, gehackt | 1 Ei, leicht verquirlt | Salz, Pfeffer | Fett für die Form Zwiebel und Knoblauch in Öl goldgelb anbraten. Mehl dazugeben, gut umrühren, Passierte Tomaten dazurühren. Brot in Küchenmaschine zerkleinern. Alle weiteren Zutaten mit Tomatensauce und Brot gut mischen, sodass eine Teig­ masse entsteht. 2 Brotbackform einfetten, mit Backpapier auslegen. Masse in die Form geben, mit Backpapier zudecken. Bei 180 Grad etwa 40 Minuten backen. Schmeckt warm und kalt. 1

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1 Ofen auf 180 Grad vorheizen. Zwiebel und Knob­ lauch fein hacken und goldgelb anbraten. Mehl dazuge­ ben, umrühren, mit Tomatenpassata auffüllen. Ein paar Minuten köcheln lassen, zur Seite stellen. 2 Brot in der Küchenmaschine zerkleinern. Mit der Hälfte der zubereiteten Tomatensauce und geraspelten Möhren mischen. Zur Seite stellen. 3 Gemüse in Bissgröße schneiden, getrennt nach Ge­ müsesorten in Öl anbraten, muss knackig bleiben. Wür­ zen. Gemüse in Auflaufform geben, mit der restlichen Tomatensauce übergießen. Brotteig darüberstreichen und zum Schluss den Käse darauf verteilen. So lange im Ofen backen, bis der Käse geschmolzen ist.


GENIESSEN

Brotknödel mit Zitronenschaum 250 g trockenes Brot 250 g trockenes Brot | 2 Zwiebeln, in Ringe geschnitten | 1 Knoblauchzehe, gepresst | 250 ml Milch | 3 Eier | 3 EL Butter | Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Schnittlauch, Petersilie | Parmesan, gerieben | 1 Becher Sahne | 500 g Champignons | 1 Schuss Weißwein | 150 ml Gemüse­ brühe | 1 Becher Sahne | Salz, Pfeffer, Muskatnuss, frischer Thymian und Rosmarin | 250 g Sahne | 250 g Frischkäse | Zitronensaft einer großen Zitrone | Schale einer Zitrone, gerieben Für den Zitronenschaum eine halbe Zwiebel und den Knoblauch kurz anbraten. Wein dazugeben, einkochen las­ sen. Gemüsebrühe und 150 ml Sahne dazugeben. Durch ein Sieb gießen. Frischkäse, Zitronensaft, Salz und Pfeffer dazu­ geben. Vom Feuer nehmen und restliche Sahne zufügen. Mit 1

Kräutern und Zitronenschale verfeinern. Mischung in einen Sahnespender (Thermo-Schaum-Flasche) füllen und zwei Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Wer dieses Gerät nicht besitzt, schäumt die Sauce vor dem Servieren mit dem Schneebesen auf. Für die Knödel Brot grob mahlen oder in Würfel schnei­ den. Warme Milch darübergießen, 10 Minuten stehen lassen. Zwiebeln kurz in Butter anbraten, nicht braun werden lassen. Alle Zutaten miteinander mischen, evtl. mehr gemahlenes Brot beigeben für bessere Bindung. Knödel formen und in Wasser oder Gemüse so lange köcheln, bis sie an die Ober­ fläche aufsteigen. Wasser darf nicht sprudelnd kochen. 2

Für die Champignonsauce Pilze putzen. Halbe Zwiebel und Knoblauch anbraten. Weißwein dazugeben, mit Pilzen zusammen aufkochen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Muskat, Thymian, Rosmarin. Mit einem Löffel Butter und Sahne ver­ feinern. Alles zusammen anrichten. Dabei den Zitronen­ schaum aus dem Sahnespender auf das angerichtete Mahl sprühen. 3

Sommer 2014 | Demeter Journal | 25


GENIESSEN

Brotpudding mit Lavendel 3 Vollkornbrötchen Für eine große Puddingform: 3 Vollkornbrötchen | 8 EL Agavendicksaft | 2 Eier | ½ l Milch | 1 Orangenschale, gerieben | Rosinen nach Belieben Für das Aprikosenkompott: 400 g reife Aprikosen | 1 Vanilleschote | Saft von ½ Zitrone | 3 EL Blütenhonig | etwas Orangenschale | 3 EL Aprikosen­ likör, wenn gewünscht | Lavendelblüten Alle Zutaten für den Brotpudding in einen Mixer geben und gut vermengen. Puddingform einfetten, Masse einfüllen. Für etwa 40 Minuten im Waserbad kochen lassen, bis die Masse puddingartige Konsistenz erreicht. Abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. 2 Vor dem Essen mit Agavendicksaft übergießen, mit gerie­ bener Orangenschale und Lavendelblüten bestreuen. 3 Für das Kompott die Aprikosen waschen, halbieren, ent­ steinen. Vanilleschote längs aufschneiden, Mark herauskrat­ zen. Zitronensaft mit Honig und Vanillemark erhitzen. Apri­ kosen darin 5 Minuten bei schwacher Hitze garen. Abgekühlt zum Brotpudding reichen. 1

W E I NT I P P Z U M E S S E N:

Grüner Silvaner von Pix

Kochen mit Brot – Tainá Guedes und Märkisches Landbrot, mit einem Vorwort von Dr. Petra Kühne (Arbeitskreis für Ernährungsforschung Bad Vilbel).

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Helga Jakob-Pix vom Weingut Pix am Kaiserstuhl war gleich begeistert von den Brotknödeln. Dazu passt der Grüne Silvaner dieses biodynamischen Demeter-Weinguts in Ihringen ganz hervorragend: Ein Wein, der ein bisschen exotisch anmutet durch seine Aromen von Ananas, der erfrischt und einem duftigen, herzhaften Knödel was entgegensetzen und mit dem Zitronenschaum eine gute Verbindung eingehen kann. Nicht nur die Liebe zum Wein führte die Winzertochter und den Forstwissenschaftler Reinhold Pix zusammen. Beide teilen Überzeugung und Leidenschaft für naturschonenden Weinbau, der wahrlich große Weinqualität ermöglicht. Auf den sechs Hektar Rebfläche stehen die traditionellen Burgundersorten und Silvaner. Lemberger, Gewürztraminer und Chardonnay ergänzen das Sortenspektrum. Hier am Kaiserstuhl in ur­ alter Vulkanlandschaft des Oberrheingrabens, eingebettet zwischen Vogesen und Schwarzwald, bieten mediterranes Mikroklima und fruchtbare Böden beste Voraussetzungen für charakteristische Aromen. www.weingut-pix.de


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GENIESSEN

Pluspunkte für Demeter-Getreide • Biodynamische Getreidezüchtung mit zertifizierten Sorten • Keine Hybridsorten für den Getreideanbau zugelassen • Bewahrung alter (Hof-)Sorten • Höchste Reife • Höchste Lebenskraft • Charakteristischer Geschmack • Regionalität durch direkte Zusammenarbeit Bauer – Verarbeiter

Forschung: Beste Samenruhe beweist höchste Qualität Demeter-Getreide und -Getreideprodukte erweisen sich in Blindversuchen mit Bildschaffenden Methoden als besonders samenund fruchttypisch, reif und voller Lebenskraft. Auch in der Fluoreszenz-Anregungsspektroskopie von Dr. Jürgen Strube (KWALIS-Qualitätsforschung) zeigt Demeter-Korn die beste Samenruhe, die für höchste Qualität steht. Geruch und Geschmack des biodynamischen Weizens wurden im Blindversuch im Vergleich zu konventionellem oder organisch-biologisch angebautem am positivsten bewertet. www.kwalis.de/forschung.html

Handwerkskunst und Zeit Weniger ist mehr: Chemische Backhilfsmittel, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren haben Demeter-Backwaren nicht nötig. Demeter-Bäcker verzichten auf jene Vielzahl von Enzymen, Säuren und Emulgatoren, die gerade beim Brot das Einfallstor zur Gentechnik bilden. Sie brauchen nur Getreide, Wasser, Salz und natürliche Triebmittel wie haus­ eigenen Sauerteig, Backferment oder Hefe – und natürlich Zeit, Handwerkskunst und Liebe, um eine eindrucksvolle Palette leckerer und bekömmlicher Brote und Backwaren zu kreieren. Die Verarbeitung von fast vergessenem Getreide wie Einkorn und Emmer, Dinkel oder bioynamisch gezüchtetem Getreide bietet charakteristischen Genuss.

Sommer 2014 | Demeter Journal | 27

Bio-Pionier seit 1974

Von der spanischen Sonne geküsst Herrlich fruchtig-pikantes Olivenöl aus Andalusien: Die Olivenhaine der Finca la Torre liegen idyllisch eingebettet von Naturschutzgebieten. Dort werden die hochwertigen Hojiblanca Oliven biologisch-dynamisch angebaut. Sofort nach der Ernte werden sie in der eigenen Ölmühle zu diesem feinen demeter Olivenöl verarbeitet. Für das aromatische Citrolive werden die Oliven zusammen mit frischen Zitronen verpresst. So entsteht das einzigartig frische Aroma. Mehr unter www.rapunzel.de

Wir machen Bio aus Liebe.


SELBER MACHEN

S E LB E R M A C H E N :

TOMATEN pflegen, ernten und Saatgut gewinnen

Sie hatten sich anstecken lassen von der wachsenden Begeisterung für Gartenarbeit und nach der Anleitung im FrühlingsJournal die biodynamische Tomatensorte Bogus Fruchta von der Bingenheimer Saatgut AG ausgesät? Dann haben sich Ihre Pflänzchen inzwischen bestimmt gut entwickelt und brauchen nun einen sonnigen, vor Regen geschützten Standort auf dem Balkon oder an der Hauswand.

1

Ergänzen Sie die nicht durch Dünger auf­ gemotzte Bio-Pflanzenerde mit einer Handvoll reifem Rindermist (pro 10 ℓ Erde). Mehr Dünger braucht es nicht, sonst werden die Früchte wässrig und die Kraft geht ins Grün. Arbeiten Sie den Rindermist gut in die Erde ein.

3

Demeter-Tomatenzüchterin Ulrike Behrendt von der Oldendorfer Saatzucht gibt Tipps für bestes Wachstum, erfolgreiche Ernte und aromatische Früchte. Sie kann aus einem reichen Erfahrungschatz schöpfen, denn die Entwicklung einer biodynamischen Tomatensorte dauert rund zwölf Jahre. Die engagierte Gärtnerin hat zwei Sorten innerhalb der KultursaatInitiative angemeldet, Oldenrot und Ruthje.

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Gießen Sie immer so, dass nur die Erde – nie die Blätter – befeuchtet wird. Spritzen Sie, sowie die ersten Früchte reifen, etwa einmal wöchentlich mit dem biodynamischen Hornkiesel-Präparat. Achtung: nur bei sonni­ gem Wetter, sonst fördert der Feuchtigkeits­ film auf den Blättern Pilzerkrankungen. Am besten wird morgens gespritzt.

2. TEIL

2

Setzen Sie die Tomatenpflanze ausreichend tief in die Erde in einem großen Topf, damit sie Stabilität bekommt. Auf das Ausgeizen können Sie bei dieser Buschtomate ganz ­verzichten.

4

Rühren Sie einen Teelöffel des HornkieselPräparats in 10 ℓ Regenwasser und dynami­ sieren Sie das Präparat durch einstündiges Rühren mit einem kleinen Besen im Eimer. Dabei soll ein Trichter entstehen und immer wieder mal die Richtung des Rührens ge­ wechselt werden. Füllen Sie die Flüssigkeit in einen Pumpzerstäuber oder eine Garten­ spritze und besprühen Sie die gesamte Pflanze mit einem feinen Nebel.


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SELBER MACHEN

Präparate bestellen In der Biologisch-Dynamischen Präparatezentrale von Corinna von Wistinghausen in Künzelsau-Mäusdorf können Sie das Horn­ kiesel-Präparat bestellen. Oder Sie fragen bei einem DemeterBauern in Ihrer Nachbarschaft. www.praeparatezentrale.de

mehr als nur Bio...

Hornkiesel (P 501) ordnet

den Stoffwechsel von Pflanzen, fördert Widerstandskraft gegenüber Schädlingen, kräftigt und sorgt für gleichmäßige Reifequalität. Außerdem stärkt es das Aroma und verbessert die Lagerungsfähigkeit der Früchte.

Alle 120 Artikel unseres Sortiments werden nach den strengen DemeterRichtlinien erzeugt. Das ist gut für unsere Umwelt und natürlich auch für die Qualität unserer Produkte.

TIPPS von der Bingenheimer Saatgut AG Mit der kleinen Broschüre „Leidenschaftlich gärtnern – Bio-Aus­ saat leicht gemacht“ erhalten Sie eine praktische Anleitung für das Gärtnern. Die Experten für samenfeste Gemüsesorten sagen: Machen Sie uns Konkurrenz. Sie können alle unsere Samen selber ernten und nachbauen. Wir sind uns sicher: die Nachbaufähigkeit ist ein Hinweis auf eine besondere Lebensmittelqualität der Pflanzen. Aus unserem Saatgut erwachsen lebendige, robuste und vitale Pflanzen. Wie Sie Saatgut aus Ihren Tomaten gewinnen, er­ klärt das Demeter Journal im Herbst. Ausführliche Infos finden alle, die tie­ fer einsteigen wollen, im „Handbuch Samengärtnerei“ von Andrea Heistin­ ger, Arche Noah und Pro Specie Rara aus dem Ulmer-Verlag. www.bingenheimersaatgut.de

Sommer 2014 | Demeter Journal | 29

Entdecken Sie die drei neuen rein pflanzlichen Brotaufstriche von Campo Verde. Sonnengereifte Tomaten treffen auf aromatischen Basilikum, rote Paprika auf herzhafte Kalamata-Oliven oder nussigen Sesam. Lecker! weitere Infos bei Facebook oder unter: www.campo-verde-gmbh.de


GESUND LEBEN

DAS MACHT

SINN

Aufmerksamkeit stärken über passende Sinnesentwicklung Heute sind Kinder nicht häufiger, sondern anders krank. Klassische Kinderkrankheiten sind auf dem Rückzug. Psychosomatische Formen und Verhaltensauffälligkeiten nehmen zu. Vor allem die Aufmerksamkeitsstörungen, allen voran AD(H)S, stehen im Fokus. Dabei sind sie eigentlich gar keine Krankheiten, sondern Ausdruck von Anpassungsproblemen an komplexe Anforderungen. Wie gilt es, darauf zu reagieren? Der anthroposophische Kinder- und Jugendarzt Dr. Markus Krüger hat dazu unkonventionelle Vorstellungen. 30 | Demeter Journal | Sommer 2014

D

er Leitende Arzt der Kinder- und Jugendmedizin an der Filderklinik fragt: „Wodurch kommt es zu Unaufmerksamkeit?“ Er ist sicher: Jedes Neugeborene kommt mit großer Offenheit der Umwelt gegenüber auf die Welt. Alle Sinne dafür – und das sind nach anthroposophischem Verständnis zwölf – sind bereits angelegt, aber längst nicht ausgereift. Lernt der Säugling nicht, seine Sinne zu ­differenzieren, auszurichten und auch abzuschirmen, wird der Boden für die Entwicklung des ADHS bereitet. Deshalb ist es notwendig, dass das Kind lernt, seine Sinne zu fokussieren, beziehungsweise auszuschalten. Ganz entscheidend sind dafür nach Krügers Erkenntnis die Sinne, die auf den eigenen Leib gerichtet sind. Der Tastsinn


zeigt uns unsere leibliche Grenze auf. Der Lebenssinn dient dazu, elementare Bedürfnisse aufzuzeigen wie Nahrung, Schlaf, Erholung. Der Bewegungssinn nimmt wahr, dass wir uns bewegen und wie, und der Gleichgewichtssinn unterstützt die Aufrichtekraft und dient der Balance.

Unverstellte Wahrnehmungen ermöglichen „Bei Kindern, die mit sogenannten Aufmerksamkeitsstörungen kommen, zeigen sich diese Sinne oft noch wie im Säuglingsstadium“, erklärt Dr. Markus Krüger. ADHS-Kinder merken oft gar nicht, wie sie sich bewegen. Sie waren schlicht nicht dabei, wenn sie ins Heft des Schulnachbarn schreiben oder den Kumpel anrempeln. „Es ist ja noch ein großes Geheimnis, wie eine Wahrnehmung zum Bewusstsein kommt“, verweist der Mediziner auf unbekanntes Terrain. Dennoch steht für ihn fest: „Wir müssen diese vier Sinne stärken.“ Entscheidend dafür sei, von Anfang an darauf zu achten, dass beim Säugling Sinneswahrnehmungen unverstellt möglich sind und in sich richtige Informationen vermittelt werden. Wer seinem Baby einen weichen Ball anbietet, der bei Bewegung klappert, obwohl er weich ist, überfordere bereits die Sinne. „Da kommen Verknüpfungen zustande, die nicht zusammenpassen, Fehlverschaltung von Sinneswahrnehmungen“, sagt er. Klar, dass ältere Kinder solche Kombinationen spannend finden, aber für Babys sind sie verwirrend und

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GESUND LEBEN

Biodynamische Eiscreme und Fruchtsorbets Original aus Italien

Feinste Demeter-Zutaten vermischen sich, dank der traditionell handwerklichen Herstellung und des raffiniert original italienischen Rezepts, in perfekter Harmonie.


GESUND LEBEN

störend. Krüger ist davon überzeugt, dass Spielzeug, das solche Sinnestäuschungen verursacht, einen Anteil hat an Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen. „Der Sinn ist korrumpiert, das kleine Kind kann sich nicht darauf verlassen, was es wahrnimmt.“ Der Bewegungssinn wird gestört, wenn Eltern hilfsbereit eingreifen, wenn der Säugling nicht gleich selbst an sein Spielzeug kommt oder sie bei den Hinstellversuchen unterstützen. „So entsteht ein Bewegungsstau, die zielführende Bewegung wird letztendlich ein Stück weit unterbunden. Später wundern wir uns über Probleme bei zielführenden Bewegungen.“

Weniger eingreifen, mehr zutrauen Wer Bedingungen schaffen will, dass sich sein Kind altersgemäß entwickeln kann, steht vor vielen Fragen und unendlichen Verführungen: Wie richte ich das Zimmer ein, welches Spielzeug passt wann? Generell gilt: weniger ist mehr, Entschleunigung dient der Entwicklung, Rhythmisierung im Alltag mit Ritualen und Anbindung an eine spirituelle, geistige Dimension beruhigen und festigen. „Mehr staunen und weniger erklären“, fordert Markus Krüger und wünscht sich Zeit für Er­ wachsene und Kinder, einfach mal der Sonnenblume gegenüberzustehen. Naturerlebnisse, reale Begegnungen mit der Wirklichkeit, sind für ihn ganz entscheidend für eine gesunde Entwicklung. „Bei Grenzerlebnissen wird nicht zuletzt neben der Leistungs- auch die Leibesgrenze spürbar, das kann beim Klettern, im Sport oder bei der Akro­ batik sein. Sorgsam herangeführt, lernen Kinder Gefahrenpotenziale einzuschätzen.“

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Häufig sei es schwer für Mütter und Väter, das auszuhalten, beobachtet der Mediziner und Vater von fünf Kindern. Sein Wunsch: „Nicht in Demeter-Watte packen, lieber Sand, Schlamm, Hagel, Regen auf der Haut spüren.“ Hilfreich sei schon, luftgetrocknete Handtücher statt weichgespülter aus dem Trockner zu benutzen. Wenn Eltern mit solchen Empfehlungen überfordert sind, helfe eine Familien- und Lebensberatung. Damit streift Dr. Krüger einen weiteren entscheidenden Faktor für die Symptomenwelt Aufmerksamkeitsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. „Welche

Menschen geben dem Kind Orientierung, Führung, Richtung, wer setzt Grenzen und schafft Klarheit?“ Liegen bereits Störungen vor, muss nach Krügers Erfahrung erst einmal eine konsequente Reizdosierung gemanagt werden. Tabu sind also etwa parallel Musik hören und Hausaufgaben machen oder Fernsehen und essen. „Für viele ist bereits der Besuch im Supermarkt eine Überforderung.“ Den irritierten Kindern helfe es, sie in komplexeren Abläufen eng zu begleiten und dafür zu sorgen, dass sie bei der Sache bleiben. „Dabei aber gesunde Distanz

KONGRESS „KINDERGESUNDHEIT HEUTE“ FÜR FACHLEUTE UND ELTERN Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an chronischen Allergien, Diabetes, Gelenk- und Haltungskrankheiten oder an Adipositas. Auch die Aufmerksamkeitsstörungen (Stichwort ADHS) sowie andere psychische Störungen oder psychosomatische Erkrankungen nehmen zu. Die Ursachen für die Zunahme dieser Erkrankungen sind sehr komplex – und benötigen deshalb einen ganzheitlichen Therapieansatz, der Ärzte, Pädagogen, Therapeuten und Eltern an einen Tisch bringt. Hier setzt der Kongress „Kindergesundheit heute“ an: Der Kongress schafft eine ganz neue Plattform, um den Austausch und die gegenseitige Wahrnehmung aller Beteiligten zu fördern. Statt übereinander soll bei „Kindergesundheit heute“ miteinander geredet werden, das ist das erklärte Ziel dieser Veranstaltung. Außerdem wird in zahlreichen Workshops und Vorträgen gezeigt, wie sich die konventionelle Medizin sinnvoll durch komplementärmedizinische Verfahren ergänzen lässt. So kann durch den Austausch auf Augenhöhe ein neues Miteinander entstehen, um in Pädagogik und Kinderheilkunde neue Wege aufzuzeigen. „Unsere Kinder – begleiten, verstehen, behandeln“ Kongress für Ärzte, Therapeuten, Pädagogen und Eltern am 27./28. September 2014 in Stuttgart, veranstaltet vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) gemeinsam mit der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD). Als Mitveranstalter treten das Olga Hospital (Stuttgart) und die Filderklinik (Filderstadt) auf. Weitere wichtige Projektpartner sind die Stadt Stuttgart, Staatliches Schulamt, das Jugendamt sowie der Bund der Freien Waldorfschulen und die Vereinigung der Waldorfkindergärten. www.kindergesundheit-heute.de


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GESUND LEBEN

Leckerbissen voller Vitalität

wahren und ruhig etwas zutrauen, nicht zu schnell zufrieden sein.“ Ganz wichtig sei zudem, das Kind sein zu lassen, nicht immer etwas anzubieten, spielen lassen anstatt zu bespaßen. Nicht nur das Was, sondern auch das Wie sind wichtig beim Thema Essen. „Gemeinsam essen, sich dem Essen dankbar zuwenden, ist wirklich nährend. Vollwertkost mit Lebensmitteln, die noch wahre Lebenskräfte über die Nahrung zuführen, hilft wirklich“, erklärt der Kinderarzt.

In frischem Quellwasser wächst in der Lombardei ein vitales Korn von höchster bio-dynamischer Qualität – gesund, anregend und garantiert glutenfrei! Unsere italienischen Anbaupartner investieren dafür schon seit über 30 Jahren viel Sorgfalt und Liebe. Damit Sie die breite Vielfalt an Reis-Sorten Tasse für Tasse

Aktuelle Studie zeigt: Gleichgewichtssinn ist entscheidend Der Gleichgewichtssinn wird oft gar nicht so wichtig genommen. Dabei haben es Kinder mit gutem Gleichgewichtssinn leichter: Sie können besser krabbeln, hüpfen, klettern oder Rad fahren. Jetzt zeigt eine Studie, dass Kinder mit gutem Gleichgewichtssinn auch besser in Rechtschreibung und Mathe sind. Die groß angelegte Studie „Schnecke – Bildung braucht Gesundheit“ mit 8 000 hessischen Schülern konnte nachweisen, dass ein guter Gleichgewichtssinn die schulische Leistungsfähigkeit von Kindern verbesserte. Zu-

in leckerste Speisen verwandeln können. Der anthroposophische Kinder- und Jugendarzt Dr. Markus Krüger Leitet die Kinderund Jugendmedizin an der Filderklinik

dem seien diese Kinder selbstbewusster und selbstständiger. Der Gleichgewichtssinn ist der früheste aller Sinne und Grundlage für die Entwicklung und Verknüpfung diverser Schaltstellen im Gehirn. Bereits in der 7. Schwangerschaftswoche beginnt die Entwicklung des „1. Sinnes“. Schwangere sollten darauf achten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten viel zu bewegen, das überträgt sich aufs Kind. Neue Forschungen belegen, wie fundamental der Gleichgewichtssinn für die Entwicklung der sogenannten Nahsinne wie Tasten, Schmecken und Riechen und später für die Fernsinne wie Hören und Sehen ist“, sagt der Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten. Babys sollten möglichst viele Bewegungsanreize erhalten – das heißt, Eltern sollten sie nicht immer auf dieselbe Weise hinlegen und hochnehmen und auch mal möglichst frei im Raum halten. „Auch Babyschwimmen oder Hand-Auge-Koordinationsspiele helfen – dafür reicht schon ein weicher Ball. Jeder Sinnesreiz ist Nahrung fürs Gehirn.“ www.bildung-schnecke.de

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Spielberger GmbH, Brackenheim 0 71 35-98 15-51, www.spielberger.de


KENNENLERNEN

Leckeres DAS MUSS UNBE DI NGT M I T

für Picknick oder Urlaubsfahrt

Was nehmen Demeter-Akteure mit, wenn sie mit Freunden oder Familie ein sommerliches Picknick veranstalten oder in den Urlaub starten? Unternehmer, die wie Demeter (90 Jahre biodynamisch) in diesem Jahr Jubiläum feiern, verraten ihre Lieblingszutaten für einen gelungenen Ausflug. Lassen Sie sich inspirieren – und teilen Sie uns auf unserer facebook-Seite vielleicht mal Ihren ganz persönlichen Favoriten mit. Marketingleiterin Irmgard Strobl fällt die Entschei­dung leicht: Bei ihr muss ANDECHSER NATUR demeter Joghurt Holunderblüte im 500g Glas mit. Gut gekühlt ist er ein außergewöhnliches Dessert mit feinem Geschmack nach Sommer. Der moderne Familienbetrieb in Oberbayern veredelt Milch getreu seinem Credo „Natür­ liches natürlich belassen“. Da ist die Demeter-Milch der regionalen Bauern natürlich genau passend. www.andechser-molkerei.de

Naturkost nord, gegründet 1994, ist nicht nur führender Großhandel für biologischdyna­mische Produkte in Norddeutschland. Mit Demeter Manufakturen bietet das Team um Matthias Deppe ein Sortiment authen­ tischer, handwerklich hergestellter Lebensund Genussmittel in biodynamischer Quali-

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tät. Ganz ursprünglich ist das, was bei Matthias Deppe mit muss: eine knackig frische samenfeste Demeter „Rodelika“ Möhre. „Sie schmeckt einfach nur hervorragend, hat den kräftigen Biss, süße Garten­ frische und eine leuchtend orangene Farbe.“ www.naturkost-nord.de

Ulrich Walter, Gründer von Lebensbaum, verrät: „Ich nehme immer unseren Plantagen Kaffee und Darjeeling Tee in Demeter Qualität mit, weil man so etwas im Urlaub längst nicht überall bekommt. Aber glauben Sie mir: wir arbeiten dran, dass sich das ändert.“ Der Tee-, Kaffee- und Gewürzspezialist kennt viele seiner biodynamischen Partner wie etwa die SEKEM-Farm in Ägypten seit vielen Jahren, schließlich ist er seit 35 Jahren im Naturkosthandel aktiv. www.lebensbaum.de

Weingut Helmut Christ, seit 1974 für bio­ dynamisch begeistert, empfiehlt für den Sommer den eigenen Secco vom Johanniter, der sich sehr spritzig, fruchtig und frisch präsentiert. www.weingut-helmut-christ.de Mit einem Reissalat macht sich das DavertTeam auf den Weg ins Grüne. Der Pfiff kommt von geraspelter Schale einer Limette. Rezept online bei: www.davert.de

Aus Friedrichsdorf, der „Stadt des Zwiebacks“, stammt das 1864 gegründete Familienunternehmen Sommer & Co. Seit 2003 bietet es süße und herzhafte Knabbereien in DemeterQualität. Inhaber Dietrich Praum nimmt zu einem Sommerausflug oder in den Urlaub garantiert mit: Dinkel Mandel-Aprikose als fruchtiges Sommer-Gebäck, Dinkel Cantuccini als knuspriges Kaffee- oder Espresso-Gebäck und Pane Picco als lockeren, herzhaften Snack. www.sommer-biscuits.de


KENNENLERNEN

Demeter-Pionier und Babynahrungshersteller Holle setzt neue Standards durch Geflügelfleisch aus Bruderhahn-Aufzucht der Bruderhahn Initiative Deutschland. So ein herz­ haftes Gläschen ist nicht nur ethisch hoch korrekt, sondern auch für den schnellen ­Hunger unterwegs geeignet – selbst für die Großen. www.holle.ch

Die Schrozberger Milch­ bauern feiern 40 Jahre erfolgreiche genossenschaftliche Molkerei-Arbeit. Außendienstmitarbeiterin Brigitte Szezinski erinnert sich: 1974 wurden Bauern, die auf Demeter umstellten, noch für verrückt erklärt. Aus der kleinen Verarbeitung ist mittlerweile das größte DemeterMolkerei-Sortiment weltweit geworden. 97 Demeterhöfe liefern jährlich rund 21 Millionen Liter Milch. Wenn die lang­ jährige Demeter-Beraterin in die Berge geht, hat sie immer den B ­ aobab Fußbalsam von Martina Gebhardt Naturkosmetik dabei – und zwar für die Lippen. www.schrozberg.de

„In Urlaub nehme ich immer die Sonne Ägyptens in Form der SEKEM Demeter Sonnenfrucht Aufstriche mit. Den fruchtigen Geschmack der Mango möchte ich nicht missen“, sagt Helmy Abouleish von SEKEM. Seit über 35 Jahren kultiviert SEKEM Wüstenböden zur Produktion von Bio- und Demeter-Produkten. Soziale und kulturelle Aktivitäten zeigen die Einzigartigkeit SEKEMs mit seinem nachhaltigen Impuls. www.sekem.com

Kultursaat, der Züchterverein für samenfeste, biodynamische Gemüsesorten, feiert 20-jähriges Bestehen. Um bewährte Gemüsesorten haben sich 1985 erfahrene Praktiker zum ­Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau zusammen­ geschlossen. 1994 gründete sich dann ­Kultursaat mit dem Ziel, samenfeste, nachbaufähige Sorten auf biologisch-dynamischer Grundlage weiterzuentwickeln. Die gemeinnützige Trägerschaft ist ein Gegenentwurf zum klassisch kapitalistischen Modell, eine Alternative zu der heute üb­

lichen Konzentration der Sortenrechte in den Händen weniger global agierender Konzerne, die zudem mit biotechnologischen Züchtungsmethoden und Patentierung arbeiten. Michael Fleck, Geschäftsführer von Kultursaat, liebt Fahrradtouren in der schönen Wetterau. Immer dabei: Fruchtjoghurt der Schrozberger Milchbauern. „In den meisten Fällen ist es dann doch wieder Zitrone Banane, obwohl es so viele tolle Sorten gibt“, schmunzelt er. www.kultursaat.org Naturkostgroßhändler dennree blickt auf eine lange Firmengeschichte zurück – vor 40 Jahren begann alles mit der ersten Demeter-Milch-Sammeltour von Gründer Thomas Greim. Seitdem haben viele weitere Produkte ihren Weg ins Sortiment gefunden. Der dennree Stracciatella Joghurt mild darf z.B. in der Kühltasche von Antje Müller, zuständig für den dennree Kundendialog, nicht fehlen, wenn sie zum Grillen an den See fährt. Seine Vorzüge: aus bester Bio-DemeterMilch hergestellt, fein-cremig im Geschmack mit leckeren Schokosplits, reicht für die ganze Familie, ein erfrischender Nachtisch. www.dennree.de Drei Generationen prägen die 40-jährige Geschichte der Schweizer Sauerkrautfabrik, einem traditions­ reichen Familienunter­ nehmen. Ob Sauerkraut, Gemüse, Gurken oder Obst – immer steht die DemeterQualität im Vordergrund. Auch Regionalität wird großgeschrieben. Persön­licher Kontakt und die Unterstützung der ­Anbaubetriebe, faire Preise, langjährige Zusammenarbeit mit Anbauern gewährleisten die gute Produktqualität. Kein Wunder, dass hier ein Glas Gurken in den Picknickkorb kommt. Je nach Gusto eben Gewürzgurken, Cornichons, Knoblauchgurken oder Salz-Dillgurken – alle extra knackig. Denn die Gurken kommen vom Feld direkt mit einem Aufguss aus frischen Kräutern ins Glas. www.schweizer-naturkost.de

ERSTES DEMETER-PARFUM MYTAO SIEBEN Bio-Parfums sind immer noch eine Rarität und ein Parfum in Demeter-Qualität gab es noch nie. Bis jetzt, denn Naturkosmetik-Spezialist Taoasis stellt mit MYTAO sieben den ersten biodynamischen Duft für anspruchsvolle Frauen vor. Selbstbewusst, dabei entspannt und beschwingt, so präsentiert sich diese Weltneuheit am Bioparfum-Himmel. MYTAO sieben trägt nicht nur das anspruchsvolle Demeter-Qualitätssiegel, sondern ist auch NATRUE- und BDIH cosmos organic zertifiziert. Das wurde durch den mit über 95%igen Bio-Anteil in den Rohstoffen möglich. Für viele immer wichtiger: das vegan-Signet. Die Detmolder Natur Duft Manufaktur Taoasis hatte im letzten Jahr mit MYTAO eins bis fünf schon eine vielfältige Parfum-Range in den Markt eingeführt. Demeter MYTAO sieben ist ein Duft, in dem sich herb frisches Lemongras sanft an Zitrusnoten aus Bergamotte, Bitterorange und grüne Mandarine schmiegt. Eine Komposition wie ein vielversprechender sonnenreicher Morgen. Der schlicht-elegante Glasflacon mit handgearbeiteter Holzverschlusskappe kommt im hochwertigen Umkarton in die Regale der Naturkostfachgeschäfte und Apotheken. www.taoasis.com

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NACHGEFRAGT

t k c e m h sc Was

will’s

Scharf

gut ?

eigentlich richtig

„ macht atemberaubend“ Selbst die Oma war überrascht, als Carla mit gerade mal drei Jahren für ihre selbst gemachte Pizza Kapern, Oliven und Sardellen als Belag auswählte. Noch heute mag die kecke Neunjährige aus dem Schwabenland all das – und noch viel mehr. Dem Demeter Journal hat sie verraten, wie sie den Dingen auf den Geschmack kommt.

M

ama sagt immer mal wieder zu mir, das musst du einfach mal probieren. Manchmal mach ich das dann und manchmal schmeckt es mir und manchmal nicht.“ Die Drittklässlerin kann gut beobachten und erzählt: „Bei vielen Sachen schmecke ich auf der Zunge, wie es ist, und bei anderen ist es eher so ein Nachgeschmack im Rachen.“ Wie Feuer hat es gebrannt, als sie an

1

3

süß

2 salzig

3 saue r

4 bit ter

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4

3 2

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Opas Nussvorrat gegangen ist. „Meist hat mein Opa da so salzige Nüsse stehen, aber einmal waren es welche mit Chili, die ich nichtsahnend stiebitzt habe. Da habe ich gleich ein neues Sprichwort erfunden: Scharf macht atemberaubend. Vielleicht kennen diesen Spruch bald genauso viele Menschen wie sauer macht lustig.“ Auch Carlas Freundin Leonie hat eine ungewöhnliche Vorliebe. Sie macht Erdnussbutter selbst – da fährt sie voll drauf ab. Maja hat manchmal Nutella-Brote in der Schule dabei. „Ich esse nur selten Schokomus“, berichtet Carla. Der Da fähr t Leonie drauf ab!

he rlich Da ist Car la sic chon als S e: hm na us eine A sie Olive n Kleinkind mochte

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NACHGEFRAGT

ome n t kt im M ic ht c e m h Sc ie lle a be r v nic ht – ld? a b s c ho n

Zum Probieren ermutigen

Grund: als sie einmal bei Mamas Freundin übernachtet hatte, kam die gerade mit ihrem Sohn vom Zahnarzt und der hatte die Zähne des Jungen kommentiert mit „typisch Nutella“. „Die Nutella-Zähne mit Löchern will ich wirklich nicht kriegen“, betont Carla ganz entschlossen.

Ein Pilz wird zur Knubbel-Nase Das schlimmste Erlebnis rund ums Essen gruselt Carla heute noch. „Wir waren auf einem Fest und da haben sie ein Lamm am Spieß gegrillt, da war noch der Kopf dran und die Augen. Ich konnte nichts davon essen.“ Fleisch ist ohnehin nicht gerade Carlas Favorit. Deshalb ist Mama eine abwechslungs­ reiche Ernährung besonders wichtig. „Alles, was Mama gern isst, soll ich deshalb auch probieren. Früher mochte ich zum Beispiel nix Scharfes, heute schmeckt es mir manchmal schon richtig gut. Bis vor Kurzem konntest du mich mit Brokkoli oder Rosenkohl jagen, jetzt bestelle ich mir den sogar bei Mama und sage, den müssen wir mal wieder machen. Einfach nur so in Butter gedünstet. Sauce dazu brauch ich nicht, ich esse lieber alles möglichst pur und nicht so durcheinander.“ Beim Einkauf im Bioladen kommt Carla auf keinen Fall am Vanillejoghurt von den Schrozberger Milchbauern vorbei. „Der muss mit“, betont sie und opfert dafür manchmal sogar das eigene Taschengeld. Auf der Favoritenliste ganz oben steht auch die Marmelade von den Beerenbauern. Und lustig findet Carla, wenn das Essen mit Obst oder Gemüse verziert wird. „Aus Pilz hab ich mal eine richtige Knubbel-Nase gemacht“, strahlt sie. Essen musste diesen Nasen-Pilz dann allerdings die Mama, denn Pilze mag Carla (noch) gar nicht. „Pilze finden ist gut, Pilze essen nicht“, sagt sie und wird vielleicht im Herbst mal wieder probieren. Schließlich hat sie ja selbst erfahren, dass ihr Geschmack sich verändert.

Dr. Petra Kühne vom Arbeitskreis für Ernährungsforschung in Bad Vilbel freut sich über Carlas Erfahrungen. Sie be­ stätigt: „Kindern von klein auf verschiedene, vor allem ursprüngliche Nahrungsmittel anzubieten und selbst vielfältig zu essen, ist genau der richtige Weg. So bilden sich dann gute Ernährungsgewohnheiten aus.“ Der anthroposophisch geprägte Arbeitskreis hat zu Ernährungspräferenzen geforscht und ein Info-Blatt dazu erstellt. Instinkte Ernährungsvorlieben zeigen sich schon bei Säuglingen. Da spielt dann sogar die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft eine Rolle. „Bei Frauen, die während der Schwangerschaft regelmäßig Milch getrunken haben, vetragen die Kinder häufig Milch besser.“ Auch in der Stillzeit schmeckt das Baby in der Muttermilch, was die Frau gegessen hat. „Flaschennahrung schmeckt ja immer gleich. So dient Stillen auch der Vielfalt“, betont die Ernährungswissenschaftlerin. Sowie zugefüttert wird, ist Abwechslung durchaus angesagt. „Durch wieder­ holten Verzehr prägt sich bei den Kindern eine Vorliebe und spätere Gewohnheit für die gegessenen Lebensmittel aus.“ Deshalb sind wenig verarbeitete Lebensmittel, ohne Aromastoffe und Geschmacksverstärker, so wichtig. www.ak-ernaehrung.de Dafür opfe rt Car la gern ihr Tasc hengeld!

Auf der Favoritenliste fürs Frühstüc k!

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RÄTSELHAFT

Wie viele Jahre braucht die Entwicklung einer biodynamischen

DVD-Paket zu gewinnen

Tomatensorte?

Züchtung im Einklang mit der Natur, gefördert durch bio­ dynamische Maßnahmen, braucht Zeit. Davon kann Toma­ tenzüchterin Ulrike Behrendt ein Lied singen. In der Olden­ dorfer Saatzucht entwickelt die Demeter-Gärtnerin besonders wohlschmeckende Tomatensorten. Wie lange braucht es von den ersten Züchtungsschritten bis zur Zulassung der neuen Sorte? Schreiben Sie die Zahl auf eine Postkarte an Demeter e. V. - Rätsel Demeter-Journal - Brandschneise 1 64295 Darmstadt oder schicken Sie eine E-Mail mit der Lösung an demeterjournal@demeter.de Stichwort Rätsel Demeter-Journal.

Teilnehmen kann jeder ab 18 Jahren. Ausgenommen sind die Mitarbeiter der beteiligten Organisationen. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Barauszahlung oder Um­ tausch der Gewinne ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist aus­ geschlossen. Einsendeschluss ist der 15. Juli 2014. Absender nicht vergessen. Wer Glück hat, kann zwei spannende DVDs gewinnen. Wir verlosen fünf Sets bestehend aus je zwei DVDs: DER GENFOOD WAHNSINN und BIENEN: Himmelsvolk in Gefahr. Sie beschäftigen sich mit drängenden Fragen und zeigen wichtige Aspekte für eine ökologische Zukunft auf. www.tiberiusfilm.de

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VORSCHAU

VORSCHAU Impressum Herausgeber Demeter e. V., Vorstand Dr. Alexander Gerber Brandschneise 1, 64295 Darmstadt www.demeter.de Telefon 06155 – 84690, Fax 06155 – 846911 Leserservice demeterjournal@demeter.de Redaktion Renée Herrnkind, Journalistinbüro Schwarz auf Weiss, Wetzlar. Alle Texte außer namentlich gekennzeichnete Grafik Eberle GmbH Werbeagentur GWA, Schwäbisch Gmünd, www.eberle-werbeagentur.de Fotos Viscom: Titel, S. 9–11, S. 22–26, 28; Fotolia: schaef S. 2, M.studio S. 3, Evgeny Skidanov S. 16, Production Perig S. 16, baibaz S. 18, grafik­ plusfoto S. 19, Jiri Hera S. 20, Dionisvera S. 20, papa S. 30, dip S. 30, papa S. 31, Mike Flippo S. 34, Denis Junker S. 38, Fotosenmeer.nl S. 39, bonninturina S. 39; 123RF: tobi S. 4, Mark Fairey S. 4, goodween123 S. 5, michelangelus S. 6, lsantilli S. 6, tobi S. 6; Uwe Wüst: S. 3, S. 8, S. 13; Eberle: Illustration S. 29, S. 36–37 Anzeigen eliza.zoells@demeter.de

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Martina Gebhardt erhält den Demeter Ehrenpreis 2014 Die Cremes enthalten nur für die Haut sinnvolle und notwendige Inhaltsstoffe.

Achim Wagner, Dr. Alexander Gerber, Klemens Fischer (alle Demeter e.V.) mit Martina Gebhardt.

Ein Gespräch mit Martina Gebhardt Warum ist Demeter so wichtig für Sie? Für mich enthalten biologisch-dynamisch angebaute Pflanzen nicht nur die Gewähr, dass sie ohne Pestizide und chemische Dünger behandelt wurden, sondern auch eine ganzheitliche Komponente: den Bio-Rhythmus. Was meinen Sie mit dem Bio-Rhythmus? Jedes Lebewesen hat seinen eigenen inneren Rhythmus. So auch die Pflanzen, denen eine ursprüngliche Kraft und innere Dynamik zu eigen ist. Diese wollen wir in unsere ganzheitliche Kosmetik einfließen lassen. Dabei werden neben den Aussaat- und Erntezeiten auch die Herstellzeiten nach dem Mondkalender berücksichtigt. Was zeichnet Ihre Produkte aus? Olivenöl und Wollwachs sind aufgrund ihrer Struktur zwei Rohstoffe, die sich besonders gut für die Pflege der Haut eignen. Wenn die Haut im Winter oder beim Älterwerden trockener wird, liegt das oft daran, dass dem Hautfilm ein Emulgator fehlt, um das benötigte Wasser und Fett aufnehmen zu können. Woll-

Wir stellen alles selbst in unserer Manufaktur her. wachs eignet sich hierfür ausgezeichnet und ist aus diesem Grund in unseren Creams enthalten. An warmen Tagen oder für junge Haut reicht meist auch die Lotion aus - jede Frau kann sich aus einer Cream und einer Gesichtsmilch ihre individuell benötigte Pflege einfach zusammenmi-

schen. Grundsätzlich sollte man unsere Produkte sparsam verwenden. Und was kommt nicht hinein? Bei uns findet sich kein Glycerin in den Produkten und Alkohol ist nur in den Tonics in geringen Mengen enthalten. Beide Stoffe können die Haut bei regelmäßiger Anwendung austrocknen. Wir verwenden auch keine vorgefertigten Bausteine, sondern stellen alles in unserer Manufaktur selbst her. Wie werden die Produkte von Martina Gebhardt konserviert? Wir arbeiten ohne Konservierungsstoffe. Stattdessen nutzen wir ein ausgeklügeltes System. Dazu gehören unsere Glasverpackungen, die bewusste Auswahl von Rohstoffen und bakteriostatische Rezepturen, spagyrische Essenzen und ätherische Öle, durch die die Vermehrung von Bakterien gehemmt wird sowie auch die bio-rhythmische Herstellung. Warum haben Sie die Linie für die reife Haut HaPPy aGInG genannt? Mit Happy Aging als Produkt- und Lebenskonzept möchte ich Frauen und Männer dazu ermutigen, sich nicht von den geltenden Schönheitsmythen und -idealen beeinflussen zu lassen. Sie haben sich bewusst also gegen den Begriff „anti“ entschieden? Ja allerdings. „Anti” ist für sich schon ein negativer Begriff, kostet viel Energie und macht alt – nicht nur die Haut! Ich finde es sinnvoller, sich auf die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten zu konzentrieren und den täglichen Herausforderungen entspannt zu begegnen. Das ist Happy Aging und das geht in jedem Alter! Mit Ausstrahlung und Lebendigkeit wird das die Haut danken, denn in erster Linie ist sie immer ein Spiegel unserer Seele.

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Demeter Journal | 22 | Sommer 2014  

Warum lassen wir uns beim Thema Essen allzu bereitwillig Vorschriften machen, fragt die Sommerausgabe des Demeter Journal. Hier die ultimati...

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