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DAS REISEMAGAZIN | AUSGABE 03/17

RAU, ABER HERZLICH Im Gespräch mit Köbes Timo Eckstein

DER HEIMAT VERBUNDEN

Gin-Destillateur Marcel Lossie über sein Bielefeld

STADTNATUR

Grüne Oasen in der Stadt


Das Besondere an Nordrhein-Westfalen sind seine Städte, seine einzigartigen Kultur-Angebote, die wunderbaren Landschaften, die zum Entspannen einladen – aber vor allem: die Menschen, die hier leben und die ihre Heimat lieben. Drei solchen Menschen mit ihren besonderen Geschichten widmen wir dieses Heft. Da ist der Köbes einer traditionellen Gaststätte in Köln, der sich als echt kölscher Jung seiner Arbeit, dem Motorradfahren, aber auch „seinem Nippes“ verschrieben hat. Genauso inspirierend ist die Tour in den Teutoburger Wald zu einem Mann, für den Bielefeld alles ist und der die Kräuter und Pflanzen seiner Heimat in einem eigenen Gin verarbeitet. Oder aber der leidenschaftliche Fußballenthusiast in Gelsenkirchen, der hier im Heft, aber auch direkt „auf Schalke“ zu einer Reise in die Geschichte einer Region entführt, in der Fußball und Bergbau untrennbar miteinander verbunden sind. Den drei gestandenen Männern ist eines gemein: Jeder für sich liebt seine Stadt so sehr, dass Leidenschaft und Begeisterung ansteckend wirken, versprochen! Ganz nebenbei stellen wir außerdem die spannendsten Ausstellungen dieses Herbstes vor, zeigen, wo man am besten in den Stadtdschungel des Landes eintauchen oder das wahrhaft grüne Ruhrgebiet entdecken kann. Am Ende der Lektüre ist klar: Ein Besuch in NRW lohnt immer und wir laden herzlich dazu ein, unter dem Motto #neuentdecken Nordrhein-Westfalen mal ganz anders, eben neu zu erleben. Bis bald in Deinem NRW!

Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin Tourismus NRW e.V.

IMPRESSUM HERAUSGEBER: Tourismus NRW e.V. | Völklinger Str. 4 | 40219 Düsseldorf | Tel.: +49 (0) 211 91320-500 | Fax: +49 (0) 211 91320-555 | info@nrw-tourismus.de | www.dein-nrw.de Vertretungsberechtigter Vorstand: Olaf Offers | Geschäftsführung: Dr. Heike Döll-König | V. i. S. d. P. und Verantwortlicher gem. § 55 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag: Markus Delcuve, Völklinger Str. 4, 40219 Düsseldorf Amtsgericht: Düsseldorf | Vereinsregisternummer: VR 10493 | Verantwortlich für den Inhalt: Sebastian Kaiser, Julia Dahmen | KONZEPTION UND REALISATION: Kaune, Posnik, Spohr GmbH | Zeughausstraße 13 | 50667 Köln | Tel.: +49 (0) 221 952 749-0 | www.kps-kommunikation.de | Text: Anja Luckas | Projektmanagement: Viktoria Fehr | Art Direction: Christina Claßen | Grafik: Jennifer Barcanec | AUFLAGE: 183.000 Stück | DISTRIBUTION über: Zeit, WamS, FAS | DRUCK: Bonifatius GmbH Druck - Buch - Verlag | Verantwortlicher: Matthias Bernat BILDNACHWEISE Wenn nicht anders beschrieben, immer von oben nach unten und von links nach rechts | Titel | © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann | S. 2 | Tourismus NRW e.V., © D. Ketz | S. 3 | Bild „04“: Tourismus NRW e.V., © Ralph Sondermann; Bild „11“: © Naturlinie 105/Via Verkehrsbetriebsgesellschaft mbH; Bild „08“: Marcel Lossie; Bild „19“: ML_Jahr2017_012 James Rosenquist, The Geometry of Fire, 2011, Öl auf Leinwand, 335 x 762 cm, Sammlung des Künstlers, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Studio Rosenquist | S. 4–6 | Tourismus NRW e.V., © Ralph Sondermann | S. 7 | Skulpturenmuseum: © Jan Dimog_thelink.berlin; Magazine: © Kontermag, hidden cologne, The Dorf The Mag; Logo: © Urbana | S. 8–11 | Tourismus NRW e.V., © Ralph Sondermann | S. 12 | groß: © Naturlinie 105/Via Verkehrsbetriebsgesellschaft mbH; klein: © Daniel Müller | S. 12–13 | oben: © Fotolia; links: © Johannes Kassenberg; rechts o.: © Jens Korte, KölnTourismus GmbH; rechts u.: © Holger Piwowar | S. 14–16 | Tourismus NRW e.V., © Ralph Sondermann | S. 17 | v. l. n. r.: © Kunstmuseum Pablo Picasso Münster; LWL-Museum für Kunst und Kultur, © Ralf-Emmerich; © münsterbus/Münster Marketing; © Solaaris, Ralf Emmerich | S. 18 | © Tourismus NRW e.V. | 19 | Tintoretto, groß: Jacopo Tintoretto, Selbstporträt, um 1547, Öl auf Leinwand, 45,1 x 38,1 cm, © Philadelphia Museum of Art; Tintoretto, klein: Jacopo Tintoretto, Der Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen, um 1553, Öl auf Leinwand, 158,3 x 100,5 cm, © National Gallery, London | S. 20–21 | Dortmunder U: © Jochen Schlutius/Ruhr Tourismus GmbH; Der blaue Planet: © Montage Thomas Wolf, Foto Erde DLR; Einmal um die Welt: Axel Hütte, Danum Valley-1, Borneo, 2008, Ditone Print, Nr. 3 von 6, 220 x 150 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf © Axel Hütte; Der Minimalist: Imi Knoebel (2016) Union III © VG Bild und Kunst Bonn 2017 Imi Knoebel, Foto: Ivo Faber; Ein Einzelgänger: Edouard Manet, Die Reiterin, um 1882 © Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid; Die schwebende Stadt: © Studio Tomás Saraceno; Nachruf: ML Jahr 2017, 012 James Rosenquist, The Geometry of Fire, 2011, Öl auf Leinwand, 335 x 762 cm, Sammlung des Künstlers, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Studio Rosenquist | S. 22 | ©  LVR-Industriemuseum, Textilfabrik Cromford | S. 23 | Oben: Kleine Brauttruhe, 2. Hälfte 14. Jh., Museum Schnütgen, Foto: RBA, M. Mennicken; links: Kasel des hl. Anno, Byzanz um 1000, Köln 15. Jh., Museum Schnütgen, Foto: RBA; rechts: ©  Neanderthal Museum | S. 24 | ©  Flaschenposteninstallation von Joachim Riömer, Kulturraum Niederrhein; ©  Hundeshagener Kodex Siegfried Bote Worms, SiegfriedMuseum Xanten; © Andreas Johann Müller: Der Knabe vom Berge c) Sammlung RheinRomantik, Bonn_Kulturraum Niederrhein; © APX Nehalennia, Foto: Julia Reschucha | S. 25 | © EGC vormals Berg Foto: Rüdiger Rohmann; © Drahtzieher Drahtmuseum Altena, Foto: A. Cremer; © Wendener Huette, Leute vor Hochofen, Foto: Alexander Kiss | S. 26–27 | 02: © Dominik Ketz; 03: © Stadt Mettmann, Martina Chardin; 04: Joan Miró, Torse de femme (Weiblicher Torso), 1967, Bronze; Joan Miró, Femme et oiseau (Frau und Vogel), 1967, bemalte Bronze Collection Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul – France © Successió Miró/VG Bild-Kunst, Bonn 2017; 05: © Klaus Stange, www.avttention.de; 06: © String Demons; 07: © Kulturraum Niederrhein; 08: © Schaurige Gestalten, © Monschau Touristik; 09: Belegschaft der Brauerei Peter Wiertz, um 1889. © Centre Charlemagne; 10: Guido Raith; 11: © Collection Peindre en Normandie, Caen; 12: © Doug Aitken: SONG 1 (Videostill), 2012, courtesy Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution and 303 Gallery; 13: © Stadtrevue/ Dörthe Boxberg; 14: © BikeJump Urbanatix 2015/Michael Schwettmann; 15: © TVSW; 16: © Tim Korbmacher; 17: © Georg Netzband, Auf der Terrasse des Café Kranzler, 1938, Harzöl auf Leinwand, Dauerleihgabe aus Privatbesitz © VG BildKunst; 18: © Bettina Stöß MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VOM


INHALT 11 04 RAU, ABER HERZLICH

Im Gespräch mit Köbes Timo Eckstein

07 GOING #URBANANA

Entdecke den Stadtdschungel im Westen Deutschlands

08 DER HEIMAT VERBUNDEN

Der Gin-Brauer Marcel Lossie über sein Bielefeld

11 STADTNATUR

Grüne Oasen in der Stadt

14 SCHALKER MIT KOPF, HERZ UND HAND

Olivier Kruschinski erklärt den „Mythos Schalke“

17 VIELE TOURISTISCHE LEISTUNGEN ZU EINEM PREIS

Die Touristenkarte für Münsters Attraktionen

18 MARKTPLATZ FÜR DIE KUNST

Vier große Kunstmessen im Porträt

19 AUSSTELLUNGSHIGHLIGHTS 22 VOM GARN ZUM GESCHIRRTUCH Ein Besuch in der Textilfabrik Cromford 23 EXPEDITION VERGANGENHEIT

TITELSTORY

04

Eine Zeitreise zu den Römern, ins Mittelalter und zum Neandertaler

24 KULTURREICHER NIEDERRHEIN 25 INDUSTRIEKULTUR, DIE VERBINDET 26 HERBSTHIGHLIGHTS AUS DEN REGIONEN

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RAU,

ABER

HERZLICH

Das musste ja so kommen. Kaum am Treffpunkt angekommen, unterläuft mir gleich der erste Fehler. „Man bestellt eben im Brauhaus keinen Kaffee“, klärt mich Timo Eckstein mit einem Lächeln auf …


Doch natürlich bringt mir der Kellner den Kaffee. Denn zu den obersten Pflichten eines Köbes gehört, dass der Gast bekommt, was er bestellt. „Nur wer läppsch ist, der kriegt gar nix.“ Heißt übersetzt: Wer den Köbes blöd anmacht, kann gleich wieder gehen. Und wer bei Timo ein Altbier bestellt, „dem sag’ ich, er soll das Kölsch einfach lange genug stehen lassen – dann wird es von selbst alt.“

„Als Köbes darfst Du forsch sein, aber nie unverschämt.“

Der Umgang im Brauhaus ist eben rau, aber seine Brust nur breit genug wäre: Es würde ein herzlich. Oder wie Timo es beschreibt: „Als Kö- Buddelschiff zeigen, aus dem das Schiff mit der bes darfst du forsch sein, aber nie unverschämt.“ Aufschrift „Fernweh“ raus will. Und der Flaschenboden wäre das Wappen von Köln … Wie gesagt, noch ist es nur so eine Idee. Sein eigenes Stadtlabel („Trois Rois“) mit der alten Kölner IN SEINEM VEEDEL Postleitzahl 5000 und einem kleinen Totenkopf, Dein NRW trifft den 38-Jährigen an seinem frei- wie er ihn auch am Finger trägt, hat Timo schon en Tag in Köln-Nippes, im Brauhaus „Em Golde vor sechs Jahren gegründet. Kappes“. Der Harley-Fan trägt zu seinem dichten schwarzen Bart Basecap und dunkle Sonnen- Denn eigentlich hängt Timo ja an Köln – und an brille. „Weil ich so ein zwielichtiger Typ bin“, seinem Veedel. Am Hansaring, wo seine Eltern scherzt er. Doch im Ernst: Timo Eckstein ist „ne früher eine Kneipe hatten, lebt er, seit er sieben echte kölsche Jung“, einer, der seine Heimatstadt Jahre alt war. Und schon damals war er oft mit irgendwie hasst und gleichzeitig liebt. Der vor seiner Mutter im „Golde Kappes“. „Samstags allem die lockere Mentalität der Menschen hier war immer Familienzeit“, erinnert er sich. „Erst schätzt, mit denen jeder schnell ins Gespräch ging’s einkaufen, dann gab es hier einen Stramkommt. „Das ist zwar einerseits oft oberfläch- men Max, für meine Mutter ein Kölsch und für lich“, sagt er, „aber für den Moment bist du nicht mich eine Limo, und dann gingen wir weiter einkaufen.“ Wenn er heute durch die Straßen allein.“ mit den kleinen trendigen Läden, vielen neuen So richtig in Worte fassen kann er seine zwie- Graffitis und Kneipen läuft, ist immer auch Zeit spältige Beziehung zu Köln nicht. Der alternati- zu quatschen. Denn Timo kennt die Leute hier, ve Karnevalist von „De Neppeser Lappepirate“ und sie kennen ihn. Sein Label, das auch eine versucht es stattdessen mit einem Tattoo zu erklären, das er sich stechen lassen würde, wenn

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Reminiszenz an den französischen Einfluss in Köln ist („ich sage immer noch trottoir“), verkauft sich aber nicht nur in Nippes gut. Denn wie Timo selbst sind die meisten Kölner irgendwie Lokalpatrioten. „Ich würde sogar behaupten“, sagt der 38-Jährige, „dass Köln die Stadt ist, die die meisten Devotionalien an die eigenen Leute verkauft.“

MITTEN INNET HERZ Noch bekannter als in Nippes ist der frühere Eishockeyspieler auf der anderen Rheinseite, der „Schäl Sick“. Denn seit zwei Jahren serviert er in der Kölner Kultkneipe „Lommerzheim“ täglich Hunderte Liter Kölsch und bis zu 400 von Lommis legendären 700 Gramm schweren Koteletts. „Am Anfang war ich ja eher so die Generation perspektivlos“, sagt der 38-Jährige rückblickend auf zahlreiche Praktika und auf seine selbstständige Arbeit als Zimmermann und Schlosser. Dass es am Ende doch bei der Gastronomie bleiben würde, war aber letztlich nur eine Frage der Zeit. Und das nicht nur, „weil ich da reingeboren wurde“. Auch nebenbei arbeitete Timo „immer in der Gastro“. Im Spitzenrestaurant ebenso wie als Barkeeper. Bis „ich irgendwann keinen Bock mehr auf Nachtarbeit hatte“. Also wurde er Köbes und möchte auch gar nichts anderes mehr machen. Denn, so sagt er selbst: „Mein Beruf geht mir mitten innet Herz.“

JEDER TISCH IST EINE BÜHNE

A U S D E M H O L Z FA S S Leicht ist der Job nicht. Erst recht nicht im Lommerzheim. Das urige Brauhaus in Deutz, um dessen einstigen Wirt Hans „Lommi“ Lommerzheim sich zahlreiche Anekdoten ranken, gilt als

die kölscheste aller Kölschkneipen. Schon bevor es öffnet, „bilden sich vor der Tür Menschentrauben wie früher beim Sommerschlussverkauf“, erklärt Timo. Da kann es passieren, dass der Köbes alle 20 Minuten ein 50 Kilo schweres Holzfass nach vorne in den Schankraum schleppen muss. Genau 31,5 Liter fasst die Dicke Bertha der Brauerei Päffgen. Nostalgie, klar, das findet auch Timo klasse. „Aber die Dinger sind schon verdammt schwer.“ Wenn Timo erzählt, kann man sich lebhaft vorstellen, wie sich der 1,75 Meter große durchtrainierte Mann mit dem schweren Fass auf der Schulter den Weg durch die eng an eng stehenden Gäste freimacht. Rau, aber eben herzlich.

Gut zu erkennen an der langen blauen Schürze und dem „Kranz“ für elf Kölschstangen in der Hand, ist das Brauhaus auch eine Bühne für den Köbes. Genauer: „Jeder Tisch ist eine Bühne“, sagt Timo. Er quatscht gern mit den Gästen. Da wird kokettiert und geflirtet. Manchmal geht’s auch etwas derb zu. „Ich trete den Leuten eben immer auf den richtigen Fuß“, dabei aber immer freundlich und charmant. Etwa so: „Stell dir vor, du hast eine Gruppe älterer Mädchen am Tisch, und wenn die rausgehen, fühlen sich alle, als wären sie 20. Das ist doch super.“ Eins allerdings lehnt der Köbes, der was auf sich hält, stets freundlich, aber bestimmt ab. „Ich trinke nie mit“, da ist Timo Eckstein rigoros. „Wenn ich mich auf jede Einladung einlassen würde, wäre ich jeden Tag um 14 Uhr betrunken.“ Die meisten Gäste verstehen das. Und so wie sie dem Köbes vertrauen, dass der ihnen – sobald das Glas leer ist – ein neues, frisch gezapftes Kölsch serviert, so vertraut auch Timo seinen Kunden. Denn bezahlt wird immer erst am Schluss. Und da gilt im Brauhaus: „Deckel ist Ehrensache“.

Ärgern sollte man den Köbes dabei besser nicht. Denn der ist nicht bloß ein Kellner. Der Köbes ist der heimliche Chef im Brauhaus und nicht etwa dem Gast, sondern ausschließlich dem Bier verpflichtet. Die Bezeichnung Köbes leitet sich übrigens vom Namen Jakob ab. So viel ist sicher. Ob es allerdings tatsächlich Jakobspilger waren, die www.dein-nrw.de/koebes einst in den Kölner Wirtschaften angestellt wurden, weil sie so viel zu erzählen hatten ... ganz genau weiß es bis heute niemand.

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H


HEIMAT DER

VERBUNDEN

Vorne die Sparrenburg, hinten der Teutoburger Wald. Einen schöneren Platz als hier, in seinem heimischen Garten am Stadtrand von Bielefeld, kann sich Marcel Lossie nicht vorstellen. Mit Blick auf das Wahrzeichen seiner Heimatstadt schnürt er dann gern die Wanderschuhe, muss nur durchs Gartentor gehen und steht zwischen den hohen, dichtbewachsenen Bäumen, durch die hier und da ein paar Sonnenstrahlen blinzeln. „Mindestens einmal in der Woche bin ich auf dem Hermannsweg unterwegs“, sagt der 40-Jährige. „Jedes Mal riecht die Natur anders, und ich entdecke immer neue tolle Ecken.“ Irgendwo gibt es einen „Bärlauch-Wald“, weiß er, der die Ruhe im Wald schätzt und doch so rastlos ist. DeinNRW hat Marcel Lossie begleitet und viel über den leidenschaftlichen Wanderer, über seine eigenen Gin-Kreationen und sein ehrenamtliches Engagement erfahren. Als Marcel Lossie sich für die gemeinsame Wanderung fertigmacht, kommt etwas zum Vorschein, was mancher womöglich für verrückt hält. Für den bodenständigen Familienvater aber ist sein „Bielefeld-Bein“ Ausdruck einer ganz

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besonderen Heimatverbundenheit. Sichtbares Zeichen für die Liebe zu seiner Stadt und einer Region, „die doch meistens unterschätzt wird“. Das „Bielefelder Altstadtkind“, wie Lossie sich selbst nennt, käme jedenfalls nie auf die Idee, woanders hinzugehen. Warum auch? „Hier bin ich zu Hause, bin schnell im Teutoburger Wald, und es gibt hier viel zu tun.“ Nach und nach hat sich der engagierte Ostwestfale also sämtliche Wahrzeichen der Stadt auf sein linkes Bein tätowieren lassen. Das Stadtwappen, den Kurfürsten, die Sparrenburg, den Leineweber. Und natürlich das Vereinslogo „seiner“ Arminia. Denn mit dem Fußballclub ist er schon seit seiner Jugend eng verbunden, „in guten wie in schlechten Tagen“. Ende der 1980er-Jahre, Bielefeld spielte noch in der Oberliga, textete er gemeinsam mit Freunden ein Lied. „Niemand erobert den Teutoburger Wald“, heißt es darin, „Jungs und Mädels vom Teutoburger Wald, der Aufstieg, der Aufstieg kommt schon bald.“


liche Botanicals – von der Ingwerwurzel über Rosenblüten und Pomeranze bis zu Moosbeeren und Passionsfrucht – sind im Dry Gin und den neuartigen Gin-Likören aus dem Hause Lossie zu finden. Destilliert werden alle Sorten in Halle in Westfalen, in zwei alten Kupferkesseln. In der modernen Brennerei, in der ein leichter Alkoholgeruch wabert, wirken die beiden Brennblasen und die alten Holzdosen mit Süßholz, Zimt und Anis beinahe wie Museumsstücke. Auch werden die rund 20.000 Flaschen, die Lossie im Jahr über heimische Händler vertreibt, per Hand verkorkt, etikettiert und verpackt. Ein bisschen Nostalgie darf schon sein. Denn bei allem Erfolg, sagt der umtriebige Unternehmer, „mache ich das in erster Linie aus Lust und Freude“. IM REFORMHAUS D E R G R O S S E LT E R N Marcel begleitete die Sprechgesänge im Stadion damals als Trommler – auf dem alten Sauerkrautfass aus dem Reformhaus seiner Großeltern, das so blau war wie die Farbe seines Vereins. Und das viele Jahre später noch einmal eine Rolle im Leben des heimatverbundenen Mannes spielen sollte. Aufgewachsen in der Bielefelder Altstadt, versuchte Marcel sich als Kind auch selbst als Kicker, zerschoss allerdings mit seinem ersten Lederball prompt die Schaufensterscheibe des Feinkosthändlers von gegenüber. „Ich konnte eben immer besser zugucken als spielen“, erinnert sich der Mann mit einer Vorliebe für Pullunder selbstironisch. Schon früh half der Junge dem Großvater auch im Geschäft. Hier musste Mohn gemahlen werden, Kräuter und Gewürze wurden abgepackt und das Sauerkraut abgefüllt. Gemeinsam mit dem Opa lieferte er außerdem Ware aus, „an alte Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß waren“. Diese Zeit hat ihn bis heute geprägt. In vielerlei Hinsicht. Denn er bekam auch mit, „was für tolle und besondere Botanicals es gibt und was man daraus machen kann“.

„ F R U C H TA L A R M “

MINDESTENS EINMAL IN DER WOCHE IST MARCEL LOSSIE AUF DEM HERMANNSWEG

GEMÜSEBRÜHE UND EINTOPF

UNTERWEGS.

Auf die Idee, seine Lieblingsspirituose selbst herzustellen, brachte ihn dann – klar, das Sauerkrautfass. Denn gewürzt wurde das Kraut mit Wacholderbeeren, der Grundzutat von Gin. Also wurde irgendwann der heimische Keller zum „Labor“. Bis das Destillat endlich so war, „wie es mir schmeckt“. Was den Gin vom Wacholderschnaps, der in und um Bielefeld eine lange Tradition hat, unterscheidet? „Der klassische Wacholder“, erklärt der Experte, „ist sozusagen die klare Gemüsebrühe, der Gin ein vollmundiger Eintopf“. Will heißen: Bis zu 25 unterschied-

Nach Feierabend zieht es den Familienmenschen dann oft ins Freie. „Wandern ist meine Leidenschaft, seit wir vor drei Jahren das Team Fallobst gegründet haben“. Anfangs waren es „acht Männer, die wie ich nicht mehr ganz so jung und sportlich sind“. Eine Tonne Gesamtgewicht brachten die Herren damals auf die Waage, wie Lossie mit selbstkritischem Blick bemerkt. Mittlerweile gehen beim jährlichen Hermannslauf vom „Team Fallobst“ schon 50 Waden auf die 31,1 Kilometer lange Strecke vom Hermannsdenkmal in Detmold bis zur Sparrenburg in Bielefeld. Doch wer die Jungs schwitzen sehen will, darf zahlen. Denn gewandert wird für die Initiative „Fruchtalarm“, die er 2010 ins Leben gerufen hat. Die Initiative kümmert sich um krebskranke Kinder und liegt dem Ehepaar Lossie ganz besonders am Herzen. Im kommenden Jahr will „Team Fallobst“ die 100.000Euro-Spendenmarke knacken. Doch bis dahin wird der leidenschaftliche Wanderer sicher noch üben. Also raus durchs Gartentor, rein in den Teutoburger Wald. Denn einen schöneren Platz als in seiner Heimat Bielefeld kann sich Marcel Lossie, wie gesagt, kaum vorstellen.

www.dein-nrw.de/lossie

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NaturLinie 105

S T A D T

NATUR Baldeneysee

Von unerwarteten Oasen in der Ruhrgebietsmetropole Essen und grünen Geheimtipps am Niederrhein

AUSGERECHNET ESSEN! Die Ruhrgebietsmetropole, deren Wahrzeichen ein riesiger Förderturm ist. Eine Stadt, die jahrzehntelang geprägt war von Kohle und Stahl. Ausgerechnet Essen also trägt in diesem Jahr den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“? Richtig. Und zu Recht. Denn Essen ist grün – so grün wie keine andere Stadt in Nordrhein-Westfalen. Wer’s nicht glaubt, der nimmt am besten die NaturLinie 105. Auf 20 Kilometern geht es quer durch die Stadt zu idyllischen Grüntälern mit kleinen Bächen, vorbei an Emscher und Ruhr, durch Wälder und grüne Wohnsiedlungen, in denen die Stadtplaner schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Idee von der Gartenstadt aufgriffen. Auch parkähnliche Friedhöfe, historische Parkanlagen wie der Schlosspark Borbeck, der großzügige Gruga-Park und der neu ange-


zwei beliebte Naherholungsgebiete für Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet. Bei einer Schifffahrt mit der weißen Flotte erblicken die Passagiere vom Wasser aus die touristischen Highlights der grünen Hauptstadt wie etwa die Villa Hügel, den denkmalgeschützten Förderturm der Zeche Carl Funke, Schloss Hugenpoet oder die mittelalterliche Altstadt des Stadtteils Kettwig. Oder sie nutzen eine der zahlreichen Sportmöglichkeiten zu Wasser und an Land. Schließlich gibt es nach einer Kanu- oder Tretbootfahrt, einer schweißtreibenden Partie Beachvolleyball, einer Runde Minigolf oder einem Bad im Stausee zur Belohnung einen Cocktail unter Palmen.

Krupp Park Essen

DER NEU ANGELEGTE K R U P P - PA R K Z E I G T, W I E GRÜN DIE SEELE DER S TA D T I S T.

legte Krupp-Park im Thyssen-Krupp Quartier lohnen einen Stopp auf der Tour zur Stadtnatur. In Essen und vielen anderen Städten Nordrhein-Westfalens muss, wer nach Shopping-Tour und Stadtbummel Erholung in der Natur sucht, nicht unbedingt ins Grüne fahren. Hier ist das Grün schon da.

Jede Menge Wasser(sport) gibt es auch dort, wo Rhein und Ruhr sich treffen: in Duisburg. In erster Linie bekannt für seinen großen Hafen mit der monumentalen, von weit hin sichtbaren Skulptur „Rheinorange“, hat die Industriestadt mit der Sechs-Seen-Platte auch ein großes Naherholungsgebiet erschlossen. Wanderer, Jogger und Radfahrer sind am Ufer der sechs miteinander verbundenen Seen ebenso unterwegs wie Surfer, Segler und Sporttaucher.

T I E R - PA R K

N A H A M WA S S E R GEBAUT

Nordrhein-Westfalens Städte sind aber nicht nur grün, sondern auch blau. Stauseen und Flüsse verteilen sich über das gesamte Land, und nur wenige Minuten sind es von der City aus zu ihren Ufern. Wie wäre es also mal mit einem Strandurlaub mitten in der Stadt? Kein Problem. Der Baldeneysee in Essen, der größte der sechs Ruhrstauseen, und der Kettwiger Stausee sind

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Auch einer ganz anderen Spezies begegnen die Besucher in Duisburg, Köln und Wuppertal. Mitten in den Großstädten tauchen die Gäste plötzlich ein in eine ganz andere, bunte Welt und treffen auf allerhand exotische Tiere. Der in einem prächtigen Villenviertel gelegene, von altem Baumbestand geprägte Wuppertaler Zoo gehört gar zu den landschaftlich reizvollsten Tierparks Deutschlands. Ebenso wie im Kölner Zoo, der bereits im Jahr 1860 gegründet wurde, laden die weitläufigen Grünanlagen auch in Duisburg ganzjährig zu einem Wochenendtrip


Sechs-Seen-Platte Duisburg

„ … wo auch immer die Besucher in NRW landen, Flora Köln

das Grün ist immer schon da.“ mit spannenden Entdeckungstouren ein. Denn mehrere zehntausend Tiere, die man womöglich noch nie zu Gesicht bekommen hat - vom giftgrünen Riesengreiffrosch bis zum mächtigen Spitzmaulnashorn – leben in den Freigehegen und modernen Tierhäusern der Zoologischen Gärten in NRW.

PA R KLANDSCHAFTEN Was dem einen die Fauna, ist dem anderen die Flora. Und auch in den nordrhein-westfälischen Städten präsentiert sich die Pflanzenwelt von ihrer schönsten Seite – ganz gleich ob in den Vorgärten oder in groß angelegten Parks wie der Kölner Flora. Der städtische botanische Garten mit Hainbuchen-Laubengängen im Stil der italienischen Renaissance, englischem Landschaftsgarten und Deutschlands erster Palmenallee präsentiert sich zu jeder Jahreszeit in anderer Blütenpracht. Während im Frühjahr und Sommer riesige Blumenfelder den Park in ein Meer aus Farben verwandeln, genießt im Herbst so manch verliebtes Paar einen romantischen Spaziergang in der Dämmerung. Ihnen begegnet man gewiss auch im Gruga-Park in Essen, der 1929 als „Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung“ eröffnet und anlässlich der Bundesgartenschau im Jahr 1965 auf fast 70 Hektar vergrößert wurde, sowie im Botanischen Garten in Wuppertal auf den Hardthöhen. Die kleine, beschauliche Gartenanlage rund um die Eller’sche Villa mit Orangerie und dem Elisenturm ist auf jeden Fall einen kleinen Umweg auf der Städtetour wert. Wegen seiner topografischen Lage hoch oben über der Stadt haben Besucher freie Sicht hinab ins 90 Meter tiefer liegende Tal der Wupper. Und

Beyenburger Stausee

wer weiß, vielleicht entdecken sie von hier oben ja den romantischen Ortsteil Beyenburg mit seinen typisch bergischen Fachwerkhäusern, spätgotischer Klosterkirche und kleinem Stausee als Ziel für den nächsten Stadtausflug ins Grüne. Als Geheimtipp gilt auch der Botanische Garten in Krefeld. Nicht nur der Rosengarten mit etwa 150 Pflanzensorten sowie den vielen Rhododendronarten lohnen einen Abstecher auf der Route „NaTour“ durch die niederrheinische Landschaft. Ebenfalls unbedingt mit einplanen sollten die Stadturlauber, egal ob zu Fuß unterwegs oder mit dem Rad, hier einen Besuch im Park der mittelalterlichen Burg Linn und im Schönwasserpark rund um den einstigen Landsitz des Textilfabrikanten Johannes Scheibler.

VERTRÄUMTE FACHWERKKULISSE

Natur erleben kann also auch in der Stadt so einfach sein. Und so nah. Denn wo auch immer die Besucher in NRW landen, das Grün ist – wie gesagt – immer schon da.

FACETTENREICHE STADTNATUR. www.dein-nrw.de/industrienatur

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SCHAL MIT

KO P F, HERZ UND HAND


LKER

„Ihr habt Schalke gebucht, also kriegt ihr auch Schalke.“

„Sach du auf mich.“ Olivier Kruschinski redet so, wie die Menschen im Ruhrgebiet eben so reden. Geraderaus und ohne Attitüde. Den rund 20 Männern und Frauen, die an diesem sonnigen Samstag nach Gelsenkirchen gekommen sind, um sich von Kruschinski den „Mythos Schalke“ erklären zu lassen, gefällt das. Es kann losgehen: „Ihr habt Schalke gebucht, also kriegt ihr auch Schalke.“ DeinNRW macht sich mit auf den Weg. Treffpunkt: Kirche St. Joseph, Ecke Grillostraße/ Kurt-Schumacher-Straße. 40.000 Autos fahren hier täglich vorbei, weiß der Stadtteilführer mit dem ungewöhnlichen Tattoo auf dem Wadenbein. „Aber kaum jemand weiß, was für ein touristischer Hotspot das hier ist.“ Besser: sein könnte. Der hochgewachsene Mann blickt in fragende Gesichter. Und setzt gleich noch einen drauf: „Jetzt mal ehrlich, ihr fahrt jedes zweite Wochenende ins Stadion, aber Schalker Boden hat noch keiner von euch betreten. Stimmt’s?“ Die Gäste aus dem Siegerland, selbstverständlich im königsblauen Dress angereist, nicken. Denn Profi-Fußball wird im Stadtteil Schalke schon seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gespielt. Die Veltins-Arena steht auf dem Gelände eines früheren Militärflughafens im Stadtteil Erle. „Übrigens genau die geografische Mitte von Gelsenkirchen“, bemerkt Olivier ganz nebenbei.

NICHT MECKERN, SO N D E R N M AC H E N Kruschinski ist in Gelsenkirchen, oder besser in Gelsen, wie die Leute es hier liebevoll nennen, zu Hause. Er wurde in Schalke geboren, auch wenn er französische Wurzeln hat. Als hätten es seine Eltern damals geahnt, nennen die Menschen ihn heute gern Oli4. Denn seit einigen Jahren führt der „Schalker mit Kopf, Herz und Hand“ Besuchergruppen durch seine Stadt und ihre bewegte Geschichte, die untrennbar mit dem FC Gelsenkirchen Schalke 04, mit den großen Clublegenden wie Ernst Kuzorra, Fritz Szepan und Reinhard „Stan“ Libuda, mit dem „Schalker Kreisel“ und Zeche Consol verbunden ist. Das Leitmotiv des 42-Jährigen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und Zukunft gestalten.“ Und: „Nur Überzeugte können überzeugen.“ So wie er.

her haben sich Fan-Initiativen hier angesiedelt. Schilder wurden erneuert, Fassaden gestrichen. Nahezu die gesamte Straße ist – mit Ausnahme eines gelben Hauses – Blau und Weiß. Und im Quartierbüro gibt es Schals und Shirts mit Förderturm und Aufschriften wie „Eine Stadt, ein Gruß! Glückauf aus Gelsen“ sowie das Gelsenkirchener Bier GEsöff und GEbräu. Das Bier („eine typische Schnapsidee“), das Kruschinski auf dem Feierabendmarkt in der City selber verkauft und zapft, knüpft ebenfalls an eine alte Um den eher tristen Stadtteil wieder aufzuwer- Tradition an und ist ein klares Bekenntnis zum ten und „zu einem Ort zu machen, mit dem sich Regionalen. die Menschen identifizieren und in dem so viel Potenzial steckt“, hat er im Jahr 2006 das Projekt Schalker Meile mit ins Leben gerufen. Seit-

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vier holte. „Warum wohl hießen unsere Spieler Kuzora, Szepan und Tibulski. Und warum heiße ich wohl Kruschinski ...?“, fragt der zweifache Familienvater. Nicht ohne Grund war der offizielle Rufname des FC Schalke 04 früher einmal „Polacken- und Proletenclub“. Warum das so war? Olivier blickt zurück: Die Zeche Consolidation verteilte sich damals über die gesamte „Stadt der 1.000 Feuer“. „Sie war die Keimzelle der Stadt“, berichtet Olivier bei Führungen durch die alte Industriekulisse, die noch in Teilen erhalten ist. So zeugt die repräsentative Jugendstilfassade von Schacht 8 mit Maschinenhaus, Waschkaue, Lohnhalle und Pförtnerhaus noch heute von der einst wirtschaftlichen Größe Gelsenkirchens.

EIN HEILIGER IN FUSSBALLSCHUHEN Doch zurück zur Kirche. Olivier kennt den Pfarrer der katholischen Gemeinde gut, hat sogar einen Schlüssel für das Gotteshaus und beginnt vor einer blau-weißen Wand aus Schals, Mannschaftsfotos und Fanpost sofort zu erzählen. Von einer „Leidenschaft, die uns alle verbindet“. Von gesellschaftlichem Zusammenhalt, Verantwortung und dem sozialen Kitt in unserer Gesellschaft. Dem Fußball und dem Verein. Am Kirchenfenster der heiligen Barbara schließlich, der Schutzpatronin der Bergleute, berichtet er davon, dass der Industrielle Friedrich Grillo vor 150 Jahren viele Bergarbeiter aus Polen ins Re-

Denn mit dem Beginn des Kohlebergbaus wurde das beschauliche Dorf so etwas wie das moderne Ruhr York, die Einwohnerzahl wuchs von knapp 10.000 auf 400.000 zu Hochzeiten des Bergbaus. Und der FC Schalke 04 war so etwas wie die erste „Werkself“. Denn auch die 14-jährigen Jungen fuhren hier in den 1930er/40er-Jahren tagsüber in den Schacht. „Fußball war für sie dann der Katalysator für einmal die Woche Kopp frei kriegen“. „Und genau das ist unsere DNA“, sagt der Stadtführer dann, der seine Gäste auch gern mitnimmt auf die Himmelstreppe auf Halde Rheinelbe oder mit ihnen an der Emscher entlangradelt. „Und man war stolz darauf.“ So stolz, dass es in Gelsenkirchen seit 1959 etwas weltweit Einzigartiges gibt, von dem heute kaum jemand etwas weiß. Olivier lenkt den Blick auf eines der Kirchenfenster. Es zeigt den Heiligen Aloisius – mit Fußballschuhen, blau-weißen Stutzen und einem Ball zu seinen Füßen. Das gibt’s nur auf Schalke. „Aber in Liverpool würden die Leute hier Schlange stehen“. Der Blick fällt noch einmal auf die Wade des 42-Jährigen. Das Tattoo. Natürlich. Es ist der heilige Aloisius.

GESCHICHTE UND GESCHICHTEN Immer die Schalker Straße entlang führt die Mythos-Tour schließlich zum viel besungenen Schalker Markt, der heute ein heruntergekommener Parkplatz ist. Weiter zur legendären Kampfbahn Glückauf, in der Schalke 04 bis zum Jahr 1973 seine Heimspiele austrug und sieben Mal Deutscher Meister wurde. Heute kicken hinter dem bröckelnden Flachdach und den blauen Gittern am Eingang lediglich ein paar Jugendliche auf Kunstrasen und vor leeren Tribünen.

Kirchgang noch mit Hut, Anzug und Krawatte bekleidet – am Spielfeldrand ihre königsblauen Helden anfeuerten. Das spätestens ist dann der Moment, in dem auch Fußball-Laien spüren, was diesen Stadtteil, den auf der Welt beinahe jeder kennt, in dem jedoch kaum jemand jemals war, Immerhin wurden dank der Initiative von Oli- ausmacht. Ein ganz besonderes Wir-Gefühl. vier und seinen Mitstreitern zwei große Fotografien von damals im Stadion aufgestellt, als 70.000 Menschen – nach dem sonntäglichen www.dein-nrw.de/oli4

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LWL-Museum

Münsterbus

Picassoplatz

Solaaris auf dem Aasee

VIELE TOURISTISCHE LEISTUNGEN Z U Münster ist seit Jahren ein beliebtes Ziel von Touristen: Die Branche zählt rund 1,3 Millionen Übernachtungen jährlich. Hinzu kommen viele Gäste, die für einen Tagesausflug in der Stadt sind oder Verwandte und Freunde besuchen. Für sie alle gibt es ab sofort ein neues Angebot: Die Touristenkarte „münstercard“. Mit ihr können Besucher aktuell 17 touristische Angebote kostenlos nutzen.

Denn anders als die meisten Touristenkarten in anderen Destinationen ist die von den Stadtwerken Münster und Münster Marketing entwickelte münstercard keine Rabattkarte. Es gibt sie als Tageskarte zum festen Preis von 20 Euro sowie für 30 Euro als Zweitageskarte. Kinder ab sechs und Jugendliche bis 17 Jahre zahlen einen reduzierten Preis von 12 bzw. 16 Euro. Die Karte bietet freien Eintritt für ein breites Spektrum

E I N E M

der Attraktionen Münsters wie Museen, Stadtführungen und Freizeitangebote. Und sie macht mobil: Denn die Fahrt mit dem Bus ist ebenso wie ein Miet-Fahrrad im Preis inbegriffen. Schon wer nur einige der Angebote nutzt, spart mit der münstercard bares Geld im Vergleich zu den Einzelpreisen. Damit ist die Karte auch für Münsteranerinnen und Münsteraner interessant, die die Attraktionen ihrer eigenen Stadt besuchen wollen. Die münstercard ist online über www.muenstercard.de zum Ausdrucken erhältlich. Sie kann außerdem über die „münstercard:app“ bestellt und genutzt werden. Die App ist deutschlandweit die erste ihrer Art. Sie bündelt viele Informationen für die Gäste, zum Beispiel zu Öffnungszeiten und genauen Standorten. Außerdem enthält sie eine Verlinkung zu Busverbindungen mit Linienwegen, genauen Abfahrtszeiten etc. Vor Ort gibt es die münstercard in den touristischen Informationsstellen der Stadt Münster, den Servicecentern der Stadtwerke sowie in vielen Hotels.

P R E I S

Folgende Partner nehmen aktuell an der münstercard teil: » Friedenssaal im Historischen Rathaus » Kunstmuseum Pablo Picasso » LWL-Museum für Kunst und Kultur » Museum für Lackkunst » LWL-Museum für Naturkunde » Westfälischer Kunstverein » Mühlenhof-Freilichtmuseum » Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus » Allwetterzoo Münster (Eintritt ermäßigt) » MÜNSTERBUS-Doppeldecker » Radstation am Bahnhof » Solarschiff SOLAARIS auf dem Aasee » Bus und Bahn in Münsters Nahverkehr » StattReisen Münster » Stadt Lupe Münster » k3 stadtführungen Münster

www.muenstercard.de www.tourismus.muenster.de

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MARKTPLATZ

FÜR DIE KUNST In Nordrhein-Westfalen hängt Kunst nicht nur im Museum. Bei gleich vier großen Kunstmessen wie etwa der Art Cologne und der Cologne Fine Art trifft sich hier regelmäßig die internationale Kunst- und Sammlerszene. Die Ausstellungen namhafter sowie junger Galerien machen es aber auch Kunst-Neulingen ganz einfach. Denn natürlich ist Kaufen in den Messehallen durchaus erwünscht, nur Gucken aber mindestens ebenso wichtig wie der Erfahrungsaustausch. COLOGNE FINE ART Highlights aus allen Epochen der Kunst- und Designgeschichte präsentieren ausgesuchte Galerien im November auf der Cologne Fine Art (22.-26. November 2017). Die Messe hat sich durch ihr charakteristisches Neben- und Miteinander verschiedener Stile und einem Mix aus Alter, Moderner und Angewandter Kunst sowie Design als Treffpunkt für Generationen von Sammlern etabliert. Unter dem Motto, dass es „zu allen Zeiten, in allen Kulturen und allen Gattungen der Kunst stets Menschen gab, die wahrhaft Außergewöhnliches schaffen“, fördert die Messe insbesondere junge, zeitgenössische Künstler. Mit dem Young Collectors Room hat sie zudem einen Handelsplatz geschaffen, der sich mit Werken bis 5.000 Euro explizit an Einsteiger richtet. Wer mit dem Gedanken spielt, sein Geld in Kunst anzulegen oder einfach aus Leidenschaft mit dem Sammeln von Kunst zu beginnen, bekommt hier fachkundige Beratung und kann sich bei Vorträgen über die Welt der Kunst von der Antike bis zur Gegenwart informieren.

Werk ist das richtige für mich – erfahren Messebesucher außerdem bei einer Cologne Fine ARTtour. Erfahrene Kunstvermittler des Museumsdienstes Köln geben Einblicke in die Branche, beantworten auf einem Rundgang über die Messe aber auch scheinbar so simple Fragen wie: Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Und welche Geschichte steckt hinter dem Kunstwerk? ARTtour Interessante Neuigkeiten über den Kunstmarkt, neue Trends und Erfahrungen von Künstlern und Galeristen erfahren die Besucher auch bei der ARTtour im Rahmen der Art Cologne (19. bis 22. April 2018). Die 1967 ursprünglich als Kunstzentrum „auf Zeit“ gegründete Messe ist heute eine der wichtigsten internationalen Adressen für herausragende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. 200 weltweit führende Galeristen aus mehr als 20 Ländern machen die Messehallen in Deutz einmal jährlich zur größten Kunstgalerie der Welt und bieten mit Förderprogrammen wie „New Positions“ auch jungen Künstlern eine Plattform.

29. Oktober 2017) entwickelt sie auf dem WelterbeZollverein in Essen den ruhrgebietseigenen Kunstmarkt stets ein Stück weiter. Dank eines offenen Ausstellungskonzeptes ohne klassische Messe-Kojen kommen Besucher hier schnell mit Künstlern und Galeristen ins Gespräch. Parallel zur Messe, auf der sich Newcomer und etablierte Galerien auf Augenhöhe begegnen, finden Sonderausstellungen, Länder-Specials und Workshops statt.

NEU: ART DÜSSELDORF Neu im Kalender der Kunstsammler steht in diesem Jahr die Art Düsseldorf. Sie ist Teil der „Regional Art Fairs“-Initiative der Art-BaselMuttergesellschaft MCH Group, die sich dafür die Macher der früheren Kölner Art Fair an Bord geholt haben. Düsseldorf sehen sie als das richtige Pflaster für eine weitere große Kunstmesse an, leben in NRW und in den nahen Benelux-Ländern doch die meisten europäischen Sammler. Zur Premiere präsentieren vom 16. bis 19. November 2017 insgesamt 110 Galerien Kunst von 1945 bis heute auf dem Areal COLOGNE FINE ARTtour Als Messe für Entdecker, die immer neue Einbli- Böhler in Düsseldorf. Wissenswertes über aktuelle Entwicklungen auf cke in aktuelle Strömungen der zeitgenössischen dem Kunstmarkt – wie funktioniert er über- Kunst bietet, präsentiert sich die contemporary haupt, welche Rolle spielen Galerien, welches art ruhr (C.A.R.). Regelmäßig im Herbst (27. bis www.dein-nrw.de/festivals

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H I G H L I G H T S Kulturhighlights im Herbst

GEBURTSTAGSGESCHENK Er war jung – und hatte kein Geld. Doch getrieben von unbändigem Ehrgeiz malte Jacopo Tintoretto (*1518 / †1594) schon in jungen Jahren wie ein Besessener und verwandelte mit seiner Kunst die Häuser, Kirchen und Paläste seiner Heimatstadt Venedig in traumhafte Parallelwelten. Heute gilt Tintoretto als einer der größten Künstler des Mittelalters und zeitloses Vorbild. Anlässlich des (vermutlich) 500. Geburtstags des Malergenies präsentiert das Walraff-Richartz-Museum in Köln die Ausstellung „Tintoretto – A star was born“ (6. Oktober 2017 – 28. Januar 2018), die sich insbesondere dem hinreißenden Frühwerk des italienischen Meisters widmet. Wertvolle Leihgaben unter anderem aus Budapest, London,

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Mailand, Venedig, Rom, Washington und Wien zeugen von der unbändigen Schaffenskraft und unnachahmlichen Erzählkunst Tintorettos. Neben dem kolossalen „Paradies“ aus dem Dogenpalast, eines der weltweit größten je gemalten Ölbilder, wird in Köln erstmals auch das „Liebeslabyrinth“ der Royal Collection im Dialog mit weiteren Arbeiten Tintorettos zu sehen sein. Ausstellungskurator Roland Krischel fand erst jüngst heraus, dass dieses bis heute rätselhafte Gemälde aus der Sammlung der britischen Königin nicht, wie bisher angenommen, von einem flämischen Maler stammt, sondern tatsächlich dem jungen Tintoretto zuzuschreiben ist.


PINK FLOYD IM DORTMUNDER U Mit Alben wie „The Dark Side of the Moon“ und „Wish you were here“ kreierte Pink Floyd in den 1970er Jahren einen ganz neuen Musikstil und brachte mit „The Wall“ eine der spektakulärsten je dagewesenen Shows auf die Bühne. Dem Direktor des Dortmunder U ist es gelungen, die Ausstellung „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ im Frühjahr 2018 nach Deutschland zu holen. Die multimediale Hör- und Seh-Reise, die derzeit in London zu sehen ist, gibt einen exklusiven Einblick in den Pink-Floyd-Kosmos von den 1960er Jahren bis heute. Anhand der ikonischen Designs ihrer Plattencover und Bühnenshows mit fliegenden Schweinen, 700 Betten und psychedelischen Motiven vermittelt die Schau die künstlerische Vision der Rockgruppe. Zu sehen sind außerdem zahlreiche Exponate aus der Bandgeschichte sowie dem persönlichen Umfeld der Musiker.

DER BL AUE PL ANET Ein Anblick, wie er normalerweise nur Astronauten vergönnt ist, bietet sich den Besuchern noch bis zum 30. November 2017 im Gasometer Oberhausen. Im 100 Meter hohen Luftraum des Industriedenkmals schwebt eine 20 Meter große Erdkugel, animiert mit bis zu 58 Millionen Pixeln hochaufgelösten Satellitenbildern, die den blauen Planeten auf faszinierende Weise zum Leben erwecken. Denn die Erde selbst ist der Star der Ausstellung „Wunder der Natur“, die noch einmal in die Verlängerung gegangen ist. 150 großformatige Abbildungen aus der Tier- und Pflanzenwelt – fotografiert von international renommierten Fotokünstlern wie Ingo Arndt, James Balog, Tim Flach und Anup Shah – setzen die Erde, ihr Wachsen und Werden und die Genialität der biologischen Systeme eindrucksvoll in Szene.

EIN EINZELGÄNGER Mit Edouard Manet ist bald wieder mal ein Impressionist zu Gast im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal. Vom 24. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018 präsentiert das Haus das gesamte Oeuvre des französischen Außenseiters (*1832 / †1882) – beginnend mit den ersten Versuchen als Schüler von Thomas Couture bis zu seinen stimmungsvollen Gartenbildern aus Rueil, die Manet noch kurz vor seinem Tod malte. Im Zentrum der Ausstellung steht das Verhältnis des Malers, der zeitlebens ein Einzelgänger blieb, zur französischen Gesellschaft seiner Zeit. Von der Faszination, die der Künstler auf sie ausübte, zeugen die Werke seiner Künstlerfreunde sowie auch die wütenden Texte seiner Kritiker, die ebenfalls in Wuppertal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Vonder-Heydt-Museum verfügt selbst über eine beachtliche Sammlung mit Spitzenwerken der klassischen Moderne.

EINMAL UM DIE WELT

Menschenleere Städte bei Nacht, wolkenverhangene Gebirgslandschaften und das Dickicht des Dschungels: Die großformatigen Fotografien von Axel Hütte sind mehr als nur Momentaufnahmen aus fernen Ländern. Geradezu sorgfältig geometrisch konstruiert, schärfen sie den Blick auf die Topographie unserer Erde. Gleich zwei nordrhein-westfälische Ausstellungshäuser würdigen den Ausnahmefotografen, der zu den bedeutendsten Vertretern der Düsseldorfer Fotoschule zählt und mit sei-

DER MINIMALIST Farbige Zylinder, Würfel und Stäbe – mehr braucht Imi Knoebel nicht für seine Kunst. Doch was aussieht wie zufällig zusammengewürfelt, ist im Werk des Minimalisten millimetergenau platziert. Anfangs vom Werk Kasimir Malewitschs beeinflusst, gehen bei Knoebel Flächen und Körper eine besondere Beziehung ein. Im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal ist das Werk des Mannes, der in den 1960er-Jahren zum Studentenkreis um Joseph Beuys zählte, noch bis zum 3. Dezember 2017 zu besichtigen. Neben seinen farbigen Tafelbildern, in denen sich die Elemente in immer neuen Varianten zueinander fügen, ist auch die monumentale Installation „Raum 19“ im Pavillon des Skulpturenparks aufgebaut. Die „Baukastenarbeit“ aus gestapelten Hartfaserkörpern ist eines der Hauptwerke von Knoebel aus der gemeinsamen Zeit mit Beuys, der den in Dessau geborenen Künstler 1965 in seine Klasse in Raum 20 der Düsseldorfer Kunstakademie aufnahm. Gemeinsam mit Joerg Immendorff und Blinky Palermo beanspruchte Knoebel jedoch zeitweise den benachbarten Raum 19 für sich.

ner Kamera in aller Welt auf Motivsuche geht, im Herbst mit Ausstellungen. Unter dem Titel „Night and Day“ präsentiert das Museum Kunstpalast in Düsseldorf vom 23. September 2017 bis 4. Januar 2018 rund 70 großformatige Fotografien aus den Jahren 1995 bis heute. Das Frühwerk des in Essen geborenen Landschaftsfotografen ist zeitgleich (bis 7. Dezember 2018) im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop zu sehen.

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N A C H R U F

Die Ausstellung war lange geplant, als am 31. März dieses Jahres die Nachricht vom Tod James Rosenquists das Museum Ludwig in Köln erreichte.

DIE SCHWEBENDE STADT

So wird die Schau „James Rosenquist. Painting as Immersion oder das Eintauchen ins Bild“ (vom 18. November 2017 bis zum 4. März 2018) nun unfreiwillig zum Nachruf auf einen der bedeutendsten und vielleicht politischsten Pop-ArtKünstler Amerikas. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet die raumgreifende Installation „F-111“ aus dem Jahr 1964. In dem 26 Meter langen Werk, entstanden während des Vietnamkriegs, kombiniert der Künstler auf verstörende Weise das damals hochmoderne Kampfflugzeug F-111 mit Konsumgütern wie Spaghetti und einem Haartrockner sowie auch einem Atompilz. Gleichzeitig spiegelt sich der Betrachter im Bild und ist so gezwungen zu hinterfragen, was er sieht. Dieses „Eintauchen ins Bild“, dem sich der Besucher auch bei Arbeiten wie „The Swimmer in the Econo-mist“ (1997/98) nicht entziehen kann, ist der zentrale Aspekt der Ausstellung. Ein riesiges Spinnennetz, geschaffen von Menschenhand, spannt sich über die Piazza des K21 Ständehauses der Kunstsammlung NRW – K21 Ständehaus in Düsseldorf. Klein wie Fliegen wirken von unten denn auch die Besucher (ab 12 Jahren), die den Mut haben, durch die gewaltige Konstruktion „in orbit“ zu klettern und in 25 Metern Höhe die schwebende Stadt der Zukunft (Aerocene Project) für sich zu entdecken. Tomás Saraceno schuf die 2.500 Quadratmeter großen

transparenten Stahlnetze und fünf luftgefüllten Ballons (Sphären) bereits 2013 als Antwort auf die wachsenden Ökologieprobleme und eine zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde. Nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten ist die surreale Landschaft, die dann und wann auch in Bewegung gerät und zum schwingenden Netz aus Beziehungen, Resonanzen und Kommunikation wird, jetzt wieder begehbar. Und (leider) so aktuell wie nie zuvor.

Arbeiten aus der eigenen Sammlung sowie Leihgaben von Rosenquist selbst, dem Museum of Modern Art, dem Guggenheim Museum in New York und großen europäischen Häusern geben einen spannenden Gesamtüberblick über das Schaffen dieses Ausnahmekünstlers.

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V OGARN M

ZUM GESCHIRRTUCH

„Wir sind weltweit Laut knarzend setzt sich das meterhohe Wasserrad in Bewegung. Wie in Zeitlupe beginnt es sich zu drehen. Bald setzen die großen hölzernen An-

die Einzigen, die

triebswellen ein. Dann endlich ist auch das leise Surren und Rattern der

diese Technik

96 Spindeln zu hören, in denen die feinen Baumwollfäden verzwirnt und

zeigen können.“

verstreckt werden. In Ratingen läuft die erste vollmechanische Spinnmaschine aus dem späten 18. Jahrhundert.

LÄRM IM WEBSAAL Die industrielle Produktion von Garn und Textil, wie sie in der Textilfabrik Cromford ihren Anfang nahm, machte gut ein Jahrhundert später auch die Stadt Bocholt zu einer Hochburg der Textilindustrie. Mehr als 20.000 Spindeln drehten sich einst allein in der Spinnerei Herding. Das viergeschossige Backsteingebäude bildet heute gemeinsam mit dem Nachbau der ehemaligen Weberei am anderen Ufer der Aa das LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt. Im Websaal erleben die Besucher hautnah, wie das laute, monotone Rattern der Webstühle einst den Takt in der Fabrik vorgab. Noch immer riecht es in den Hallen nach Öl und es herrscht ohrenbetäubender Lärm. Denn Mitarbeiter des Museums demonstrieren an den historischen Webstühlen, was Begriffe wie Spulen, Zetteln und Passieren in der Textilproduktion bedeuten und wie mit jedem Schuss aus dem Garn irgendwann ein Geschirrtuch wird.

Zwar treibt im LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford nicht mehr das kleine Flüsschen Anger die Anlage an. Auch handelt es sich bei den beiden „Water Frames“ nur um einen originalgetreuen Nachbau. „Aber wir sind weltweit die Einzigen, die diese Technik zeigen können“, sagt Museumsleiterin Claudia Gottfried. „Was wir hier machen, ist quasi experimentelle Archäologie.“ Auf dem Gelände inmitten eines englischen Landschaftsparks in Ratingen, wo der Unternehmer Johann Gottfried Brügelmann 1783/84 die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent errichten ließ, können Besucher die erste industrielle Verarbeitung des Rohstoffs Baumwolle vom Bürsten über das Haspeln bis zum fertigen Garn tatsächlich nachvollziehen. Dass diese „erste Maschine ohne Menschenhände“, wie Claudia Gottfried die Anlage nennt, ausgerechnet in Ratingen zum Einsatz kam, verdankt die Region übrigens einer besonderen Chuzpe des findigen und einflussreichen Kaufmanns. Entwickelt hatte die Maschine nämlich eigentlich der Engländer Richard Arkwright. Als Brügelmann Wind von der Sache bekam, schickte er zunächst eigene Leute ins englische Cromford, die Baupläne und Modelle der „Water Frame“ anfertigten, und warb schließlich in England Facharbeiter für sein Werk ab. In Ratingen, dem deutschen Cromford, spricht man deshalb heute vom ersten bekannten Fall von Industriespionage. Für Brügelmann und die Region sollte sich diese List auszahlen. Der Garnfabrikant wurde einer der erfolgreichsten

HITZE AM HOCHOFEN Das Leben der Textilarbeiter war zweifellos hart, weite Teile Nordrhein-Westfalens waren in der Vergangenheit jedoch geprägt von der Stahlindustrie. Einen Eindruck davon, wie es den Männern am glühenden Hochofen erging, aus dem jahrzehntelang das 1.500 Grad heiße Eisen floss, bekommen Besucher bei einer Erlebnisführung durch die traditionsreiche Henrichshütte in Hattingen. Der 1987 endgültig „ausgeblasene“ Hochofen ist der älteste als Industriemuseum Erhaltene im Ruhrgebiet.

Unternehmer im Bergischen Land, ließ weitere Fabriken bauen und lieferte sein Garn an Webereien in ganz Deutschland. In dem Industriemuseum, zu dem neben der Fabrikanlage auch das prächtige Herrenhaus der Familie Brügelmann gehört, erfahren die Besucher viel Interessantes über die frühe Industrialisierung und den Arbeitsalltag der Männer, Frauen und Kinder, die an den Maschinen mit ihren scharfen Zähnen, offenen Getrieben und Treibriemen einem großen Risiko ausgesetzt waren. www.dein-nrw.de/regionalgeschichte

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Kleine Brauttruhe, 2. Hälfte 14. Jh., Museum Schnütgen

D I E A LT E N R Ö M E R

EXPEDITION VERGANGENHEIT Wenn jemand eine Reise tut, so … landet er womöglich in der Vergangenheit. In Nordrhein-Westfalen können Besucher spannende Expeditionen in die Römerzeit und das Mittelalter unternehmen. Sie können sich aber auch auf die Spuren der Neandertaler begeben. Die Zeitmaschine startet – jetzt!

Kasel des hl. Anno, Byzanz um 1000, Köln 15. Jh., Museum Schnütgen

Erste Station der erstaunlichen Zeitreise in die Vergangenheit ist Köln, genauer: das Museum Schnütgen, das über eine einzigartige Sammlung mittelalterlicher und sakraler Kunst des Rheinlandes verfügt. Für die Sonderausstellung „Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen“ (20. Oktober 2017 bis 28. Januar 2018) sind die Kuratoren in die Tiefen des Depots vorgedrungen und haben bisher noch nie oder nur selten präsentierte Werke ans Tageslicht befördert. Ausgestellt werden edle Stoffe und Gewänder, kostbare Goldschmiedekunst, Glasmalereien und Skulpturen aus Ton, Stein und Holz.

Doch schon hebt die Zeitmaschine wieder ab und es geht noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit. In Minden, am Ufer der Weser und in Sichtweite des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, ist die 1.200-jährige Stadtgeschichte nahezu auf Schritt und Tritt präsent. Denn die Zeitreise Von Karl dem Großen zwar durch Nordrhein„erst“ im Jahre 798 gegrünWestfalens Historie det und später wichtiger endet mit dem Handelsplatz der Hanse, war die Region doch bereits Beginn der Menschfür die Römer ein wichtiger heitsgeschichte. Schauplatz. Ausgrabungen römischer Siedlungen sowie das nahegelegene Römerlager Porta Westfalica zeugen noch heute von der ersten Besiedlung der Stadt, deren charmante Altstadt mit viel Fachwerk und engen Gassen zu einem geschichtsträchtigen Bummel einladen. WIE ALLES BEGANN Und es geht noch weiter zurück. Denn die Zeitreise durch Nordrhein-Westfalens Historie endet mit dem Beginn der Menschheitsgeschichte. Nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem in Mettmann vor 150 Jahren Steinbrucharbeiter die ersten Humanfossilien entdeckten, begegnen die Besucher des Neanderthal Museums heute den vor langer Zeit ausgestorbenen

Wegen seiner hohen Lichtempfindlichkeit wird etwa das berühmte „Anno-Kasel“ nur selten gezeigt. Das Messgewand aus byzantinischer Purpurseide aus der Zeit um das Jahr 1000 stammt aus dem Grab des Kölner Erzbischofs Anno (1056–1075), der im 12. Jahrhundert heiliggesprochen wurde. Das Gewand ist somit liturgisches Gewand und Reliquie zugleich. Von ungewöhnlichen Menschen, exotischen Pflanzen, Tieren und Monstern wiederum ist in einem faszinierenden Reisetagebuch zu lesen, das den Blick der Menschen des Mittelalters auf ferne Länder offenbart. Thematisch gegliedert, stoßen die Besucher der Schau immer wieder auf ungewöhnliche Geschichten aus der Vergangenheit und sind eingeladen, dieses bunte und farbenfrohe Zeitalter auf eigene Faust zu erkunden. Als Begleitheft gibt es einen Comic, dessen Story beim Gang durch die Ausstellung selbst vervollständigt werden kann. Außerdem bietet das Museum an den Wochenenden Comic-Workshops für Kinder und Jugendliche an, in denen sie sich unter Anleitung erfahrener Comic-Zeichner spielerisch mit den Geschichten rund um die Kunstwerke beschäftigen können.

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Verwandten des Homo sapiens. Begleitet werden sie bei ihrem Spaziergang durch vier Millionen Jahre nicht nur von drei lebensgroßen, wissenschaftlich rekonstruierten Figuren namens Herr N., Mr. 4 % und Mädchen Kina. Bei unterhaltsamen Führungen geht es auch mal gemeinsam mit Reinigungskraft Inge Kopelke „Mit dem Wischmopp durch die Steinzeit“ oder springt Hausmeister Herbert Oetschenhaus kurzerhand ein und nimmt die Besucher mit auf seinen ganz persönlichen „Kontrollgang“ durch die Geschichte. www.dein-nrw.de/kultur


Kulturraum Niederrhein

Kulturraum Niederrhein

Museum Xanten

K U L T U R R E I C H E R

NIEDERRHEIN

DER WEG IST DAS ZIEL Wir alle sind ständig in Bewegung – unterwegs zu verschiedenen Zielen, die der Alltag uns vorgibt: Wege, die wir zu Fuß, mit dem Fahrrad, individuell motorisiert oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

DIE MINERVA TRITONIA LEGT AN Mit der Minerva Tritonia bekommt der Archäologische Park Xanten bald eine neue Attraktion. Vor den Augen des Publikums baut die Crew der Werft seit Mai 2016 an dem dritten römischen Schiff. Mit der Minerva Tritonia, deren historisches Vorbild aus dem späten 3. Jahrhundert stammt, wird eines der mächtigen Segelschiffe rekonstruiert, die in der römischen Rheinflotte für Transporte eingesetzt wurden. Mit 18 Metern Länge und fast vier Metern Breite wird sie die bisher im APX rekonstruierten Schiffe deutlich übertreffen. Die Arbeiten in der Werft sind voraussichtlich noch bis Ende Oktober zugänglich.

Diesem UNTERWEGSsein, das für jeden etwas anderes bedeutet, widmet sich das vierte Themenjahr des grenzüberschreitenden Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerkes. Mag es für den einen das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz bedeuten, stellen sich beim anderen Bilder des nächsten Ausflugs- oder Urlaubstraumes ein. Wieder andere sehen die Geschichte ihrer Flucht vorbeiziehen: nach Amerika während des Nationalsozialismus, aus dem Osten am Ende des Zweiten Weltkrieges oder nach Europa als Opfer von Hunger, Verfolgung oder Krieg.

www.apx.lvr.de

Mehr als 40 Häuser beteiligen sich mit Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen an der Erkundung quer durch die verschiedenen Epochen. Die Veranstalter widmen sich der Kulturgeschichte des Gehens ebenso wie allgemeinen Mobilitätsaspekten. Thematisiert werden auch verschiedene Wanderungsbewegungen – aus der und in die Region – sowie die Entwicklung infrastruktureller Gegebenheiten wie etwa der Ausbau von Verkehrs- und Handelswegen. Und natürlich bleibt auch die Geschichte des Reisens, von der Bildungs- und Künstlerreise vorheriger Jahrhunderte bis zur Entwicklung des modernen Tourismus unserer Tage, nicht außen vor.

Der Bau der Minerva Tritonia

www.niederrhein-museen.de

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AUF DEN SPUREN DER NIBELUNGEN Im Nibelungenlied liegt die Heimat des Drachentöters Siegfried am Niederrhein. Wo aber liegt das geheimnisvolle Land der Nibelungen? Über Jahrhunderte wanderte die Sage durch Europa, bevor sie um 1200 niedergeschrieben wurde. Damals verschwammen Dichtung und Wahrheit, reale Orte mischten sich mit wundersamen Plätzen, die auf keiner Landkarte zu finden sind. Auf Spurensuche der sagenhaften Nibelungen begibt sich das SiegfriedMuseum Xanten. In der Sonderausstellung „Vom Reisen im Mittelalter bis zum modernen Nibelungentourismus“ erfahren die Besucher unter anderem, dass schon die Epoche des Mittelalters von hoher Mobilität geprägt war. Die Ausstellung findet im Rahmen des Verbundprojektes des Museumsnetzwerks Niederrhein e.V. unter dem Motto UNTERWEGS statt und ist noch bis zum 04. Oktober 2017 zu sehen (mögliche Verlängerung bis November 2017). www.siegfriedmuseum-xanten.de


AUF SCHUSTERS RAPPEN ODER MIT DEM DRAHTESEL DURCHS SAUERLAND Und so findet jeder genau das richtige Angebot für sich. Ausflügler können beispielsweise gemeinsam mit fachkundigen „Wegbegleitern“ hautnah in die Geschichtenwelt der Eisenstraße eintauchen, wenn auf einer geführten Wanderung unter dem Titel „Von Karren, Köhlern, Kirchgängern und anderen Geschichten“ die Kulturlandschaft um die Wendener Hütte wieder lebendig wird. Und nicht nur in Wenden lässt sich die Industriekultur im Sauerland bequem auf Schusters Rappen oder bei einer Tour mit dem Drahtesel erleben. Ausgesuchte Themenwanderwege entlang der Eisenstraße wie der Vielfältig, individuell und interaktiv – so präsentiert sich die Raukweg rund um Kierspe oder die MK-Stromer „Eisenstraße Südwestfalen“. Die Bandbreite der Angebote reicht Route Iserlohn für Radfahrer führen vorbei an interessanten Sehenswürdigkeiten und Museen.

INDUSTRIE

KULTUR D I E V E R B I N D E T

von regionalgeschichtlichen Museen über interaktive Touren zu Fuß oder mit dem Rad bis hin zu Mitmachprogrammen für die ganze Familie. Stets im Fokus: die vielfältige Industriekulturlandschaft mit ihren Besonderheiten, die die Menschen im Sauerland und in Siegen-Wittgenstein bis heute eng verbindet.

Industriekultur verbindet die Menschen schon seit

Rund um den „Stoff der tausend Dinge“ dreht sich alles bei einem Besuch im Bakelitmuseum in Kierspe. Bei einer speziellen Themenführung können die Besucher die Geschichte des weltweit ersten Kunststoffes nachverfolgen. Anhand der vielen ausgestellten Alltagsgestände erfahren sie Wissenswertes rund um die Herstellung und Verwendung des Bakelit seit seiner Patentierung Den Spuren dieser mehr als 500-jährigen ge- im Jahr 1907. meinsamen Wirtschaftsgeschichte können Interessierte entlang der „Eisenstraße Südwestfalen“ Ganz im Zeichen der Drahtzieher steht die Stadt auf den Grund gehen. Denn bereits im 17. Jahr- Altena, im Zentrum des historischen Drahthundert entwickelte sich hier eine arbeitsteilige handels gelegen. Im Deutschen Drahtmuseum Wirtschaft als ökonomische und kulturelle Le- können Besucher unter dem Motto „Vom Ketbensader der Region, die bis heute sichtbar ist. tenhemd zum Supraleiter“ die Welt des Drahtes Sie verknüpft als historische Handelsstraße den erkunden und werden mit Vorführungen und Märkischen Kreis und den Kreis Olpe im Sauer- Experimentierstationen aktiv zum Mitmachen land mit dem Siegerland und zeugt von der lan- angeregt. So wird der Alltag der sogenannten Zögen gemeinsamen Tradition. ger hautnah erlebbar. Denn an acht Stationen gilt es, seine Geschicklichkeit und Muskelkraft unDie große Fülle an Erlebnisorten in den 16 betei- ter Beweis zu stellen, um am Ende das begehrte ligten Kommunen macht die Eisenstraße in ihrer Zögerdiplom in den Händen zu halten. Vielfalt so einzigartig und bietet abwechslungsreiche Freizeit-Aktivitäten. Denn eins haben die Angebote der „Eisenstraße Südwestfalen“ gemeinsam: Industriekultur verbindet die Menschen schon seit Jahrhunderten und bleibt durch die vielfältigen Aktivitäten in der Region lebendig.

Jahrhunderten

www.eisenstrasse-suedwestfalen.de

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N I C H T V E R PA S S E N : DIE HERBSTHIGHLIGHTS AUS DEN REGIONEN 13 Köln 07 Niederrhein

UNTERWEGS MIT KULTUR 01 Düsseldorf

AQUAZOO LÖBBECKE MUSEUM

Menschen sind ständig unterwegs. Weil sie auf der Suche nach Heimat oder Glück sind oder einfach flüchten mussten aus Krisengebieten. Der Kulturraum Niederrhein hat das Jahr 2017 unter das Thema „Unterwegs“ gestellt. In mehr als 40 Ausstellungen geht es um Aspekte des Reisens, Arten der Fortbewegung, um Flucht und Vertreibung. So wollen die Museen die Menschen bewegen – und zu einem Kulturausflug anregen. www.niederrhein-museen.de

Düsseldorf feiert die Wiedereröffnung dieser einzigartigen Verbindung aus Zoo, Aquarium und Naturkundemuseum. Evolution und Schutz der biologischen Vielfalt stehen im Fokus. In 25 Räumen mit 560 Arten von Meeres-, Süßwasser-, Regenwald- und Wüstentieren sowie etwa 1.400 Sammlungsobjekten, Modellen und interaktiven Medien werden faszinierende Naturphänomene 08 Eifel vorgestellt. GEISTER SPUKEN IN MONSCHAU www.duesseldorf.de/aquazoo Leibhaftigen Geistern begegnen, Kürbisse schnitzen, LiveMusik – Monschau feiert „Happy Halloween“ als Familienfest mit 02 Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler Kinderprogramm vom 27.–29.10.2017. Freitag- und SamstagKLANGWELLE IN BAD NEUENAHR Vom 5.–8. und vom 12.–15.Oktober 2017 steigt in Bad Neuenahr abend starten um 19.00 Uhr schaurige Stadtführungen durch den wieder die Klangwelle auf. Unter dem Motto „Hymnen“ wird dem sonst so beschaulichen Stadtkern. Tagsüber findet Samstag und Zuschauer im Kurpark Bad Neuenahr eine spektakuläre Show aus Sonntag ein buntes Kinderprogramm statt. Wasser, Feuer, Laser und Licht geboten. Einlass ist immer um 18 www.monschauerland.de Uhr, Beginn um 20 Uhr. Weitere Informationen auf 09 Aachen www.bonn-region.de

03 neanderland

HERBST-AUSZEIT IM NEANDERLAND Lust auf eine erholsame Auszeit auf dem Land? Der neanderland STEIG und andere Wege führen hinein in farbenfrohe Wälder, über sanfte Hügel und Täler, durch typisch bergische Fachwerkdörfer und vorbei an urigen Bauerncafés, Hofläden, Märkten und Gasthöfen, wo die neue Ernte frisch auf den Tisch kommt und handgemachte regionaltypische Spezialitäten alle Sinne erfreuen. www.neanderland.de/wandern

CENTRE CHARLEMAGNE – NEUES STADTMUSEUM AACHEN:

MUSEUMSNACHT KÖLN 2017 Eine Nacht mit Picasso, Warhol und Urbanart: Am 4. November öffnen über 40 Museen, Ateliers und Kunstorte zum 18. Mal ihre Pforten zur beliebten Museumsnacht Köln. Bis in die Nacht hinein können sich Besucher auf eine besondere Entdeckungsreise begeben, auf der sie vielfältige Ausstellungen, Highlights und Begleitprogramme erwarten. Weitere Infos sowie das Programm gibt es ab dem 6. Oktober unter www.museumsnacht-koeln.de

14 Ruhrgebiet

STREET ART UND FETTE BEATS: URBANATIX! Seit Jahren sind die URBANATIX-Shows mit ihrem Crossover aus fetten Beats, Videoperformance, dynamischem Street-Style und akrobatischer Höchstleistung beim Publikum ein Renner. Vom 17. bis 28. November 2017 findet in der Jahrhunderthalle Bochum eine neue Auflage statt. Mehr Infos unter www.ruhr-tourismus.de/urbanatix

15 Siegen-Wittgenstein

BACKTAGE & KARTOFFELBRATFESTE Siegerländer Geschichte wird immer noch gelebt: Um Holz zu sparen, ordnete Graf Johann von Nassau 1562 den Bau von Gemeinschaftsbackhäusern an. So bildeten sich etliche Backgemeinschaften, bei denen das Brot zu Hause vorbereitet, auf Brotbrettern durch das Dorf getragen und im „Backes“ gebacken wurde. Auf den Backtagen und Kartoffelbratfesten in Siegen-Wittgenstein wird der „Riewekoche“ heute noch traditionell das ganze Jahr über hergestellt. www.siegerland-wittgenstein.com

14.10.2017 bis zum 25.02.2018: Bier & Wir. Brauen, Trinken, Feiern in Aachen. Die Sonderausstellung widmet sich neben den einst in Aachen hergestellten Bieren - Degraa, Decker, Bürgerbräu, Walfisch - auch der hiesigen Kneipenszene. Die Bandbreite an Lokalen, von gutbürgerlich bis skurril, war in der Nachkriegszeit erstmals in Aachen erlebbar. So pilgerten früher die Gäste aus Düsseldorf und Köln nach Aachen, um die erste Diskothek der Welt zu erleben. www.aachen-tourist.de 16 Südlicher Niederrhein

ARAG BIG AIR 2017

04 Region Rhein-Erft

MIRÓ – WELT DER MONSTER

10 Sauerland

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR stellt vom 03.09.2017 bis 28.01.2018 das weniger bekannte plastische Werk des weltberühmten katalanischen Malers, Grafikers und Bildhauers Joan Miró vor. Die Ausstellung konzentriert sich auf sein bildhauerisches Schaffen in den 1960er- und 1970er-Jahren. In dieser Zeit entstanden zahlreiche aus Fundstücken kombinierte Figuren, die in Bronze gegossen wurden. www.maxernstmuseum.lvr.de

DIE PHÄNOMENTA IN LÜDENSCHEID Im interaktiven Museum „Phänomenta“ in Lüdenscheid mit „Foucaultschem Pendel“ gibt es viel zu entdecken: Über 100 verschiedene Exponate und Experimentierstationen laden auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern dazu ein, die Rätsel der Naturwissenschaften zu lüften und etwas über große Forscher und ihre Arbeiten zu erfahren. www.phaenomenta.de/luedenscheid

Das Winterevent geht am 01. und 02.12.2017 in die zweite Runde. Im Rahmen des FIS Freestyle Big Air World Cup springen etwa 60 Fahrer/innen aus rund 20 Nationen von einer 49 m hohen und 120 m langen Rampe, um mit spektakulären Sprüngen im Sparkassenpark zu landen. Neben dem Kampf um Weltcuppunkte und einem Platz im Olympischen Nationalkader rundet ein umfangreiches Programm die spektakuläre Veranstaltung ab. Mönchengladbach wird zur Qualifikationsstation für Olympia! www.ARAG-BigAir.com

05 Das Bergische

11 Münster

17 Die Bergischen Drei

Um Obstanbau, Ernte und Obsterzeugnisse dreht sich alles am 1. Oktober von 10 bis 18 Uhr im Freilichtmuseum Lindlar. Hier finden Sie regionale und heute nicht mehr typische Äpfel und Birnen, Obstbäume für den eigenen Garten, Beratung zum Obstanbau sowie Dekoratives und Leckeres zur Herbstzeit. Dazu führt der traditionelle Erntedankumzug mit seinen herbstlich geschmückten Wagen durch das Freilichtmuseum. www.dasbergische.de

Das Picasso-Museum lädt in der Schau „Die Impressionisten in der Normandie“ (14.10.2017–21.01.2018) zu einem künstlerischen Spaziergang in die Normandie ein. Die Sonderausstellung mit Werken von Monet, Renoir u.a. zeigt einige der schönsten Werke aus verschiedenen französischen Museen. Den Besucher erwarten 75 Gemälde, die nie zuvor in Deutschland ausgestellt wurden. www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Knapp zwei Jahre alt erst ist das Zentrum für verfolgte Künste in Solingen. Das Kunstmuseum ist die einzige Institution, die sich mit verfolgten Künstlern und Künstlerinnen und ihren zur Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR verbotenen Werken beschäftigt. In unterschiedlichen Ausstellungen wird ihren Schicksalen nachgegangen und die Frage nach den Ursachen für die Verfolgung von Künstlern gestellt. www.verfolgte-kuenste.de

06 Münsterland

12 Teutoburger Wald

18 Bielefeld

Island. Oder doch lieber Griechenland? Wer im Herbst das Münsterland Festival „part 9“ besucht, muss diese Entscheidung nicht zwangsläufig treffen. Mehr als 40 Konzerte, Ausstellungen und Exkursionen zeigen vom 6. Oktober bis 11. November die Vielfalt, das Gegensätzliche, aber auch das Verbindende der beiden Kulturen in Burgen, Herrenhäusern, Museen und anderen besonderen Orten des Münsterlandes. www.muensterlandfestival.com

Die bildende Kunst dient vielen Musikern als wichtige Inspirationsquelle, doch auch in der Videokunst spielt die Popmusik eine aufschlussreiche Rolle. Die Ausstellung im Marta Herford „Mix it – Popmusik und Videokunst“ stellt bis zum 15. Oktober 2017 Werke von zehn Künstlern vor. Ein weiteres Kunstwerk ist das Museum selbst: Frank Gehrys Aufsehen erregendes Gebäude ist ein lebendiger Ort interkultureller Begegnungen. www.teutoburgerwald.de/marta-mixit

In der Universitätsstadt Bielefeld singen Forscher – auf der Bühne des Theaters Bielefeld. William Ward Murta hat mit „Das Molekül“ ein Werk rund um die Entschlüsselung der DNA, des menschlichen Erbguts, geschrieben. Keine trockene Bio-Stunde, sondern ein faszinierendes Stück über das, was uns Menschen ausmacht und antreibt: Neugier und Kooperation, aber auch Ehrgeiz und Neid. Wissenschaft einmal ganz anders. www.bielefeld.jetzt

OBSTWIESENFEST MIT ERNTEDANK

MÜNSTERLAND FESTIVAL PART 9

MONET IN MÜNSTER

MIX IT – POPMUSIK UND VIDEOKUNST

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ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

WISSENSCHAFT ALS MUSICAL


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t s g n fä n a u D n n e w t, n e m o M r Diese zu träumen. Träumen macht das Leben schöner. Wenn wir träumen, vergessen wir den Alltag und lassen der Fantasie freien Lauf. Und was lässt uns träumen? Es ist dieser Moment, wenn wir uns dem großen Glück schon ganz nah fühlen.

Nehmen Sie sich doch mal wieder Zeit zum Träumen! Einfach QR-Code scannen und neuen WestLotto-Film anschauen. GLÜCK HAT EIN ZUHAUSE

DeinNRW #neuentdecken - Natur, Fußball & Tradition  

Das Besondere an NRW sind vor allem die Menschen, die hier leben: Ein naturverbundener Gin-Liebhaber, ein leidenschaftlicher Fußballenthusia...

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