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 Sebastian Hentsch,  Roland E. Willburger (Hrsg.)

 Pschyrembel

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August 2013. € 49,95 [D] ISBN 978-3-11-030509-8

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A A-: auch An-; Wortteil mit der Bedeutung Un-, -los, -leer; von gr.  (privativum). Abbreviated Injury Scale: Abk. AIS; Score mit Erfassung von über 2000 Diagn. u. Sympt. zur Beurteilung der Schwere von Verletzungen bei Pat. mit Polytrauma*; Prinzip: 7-stellige Codierung jeder einzelnen Verletzung (nach Abschluss der Polytrauma-Primärdiagnostik) zur Berechnung eines Trauma-Scores (z. B. Injury* Severity Score): Jede Verletzung wird einer von 9 AIS-definierten Körperregionen (Kopf, Gesicht, Hals, Brustkorb, Bauchraum, Rückenmark, Arme, Beine, äußere u. andere Verletzungen) zugeordnet u. die Verletzungsschwere jeder Einzelverletzung mit einer Punktzahl (AIS-Code; letzte Stelle der 7-stelligen AIS) von 1–6 (gering; mäßig; schwer, nicht lebensbedrohl.; schwer, lebensbedrohl.; krit., Überleben unsicher; max.) bzw. 9 (keine Angabe) Punkten bewertet. 1969 begründeter, mehrfach erweiterter Score. Ab|dominal|trauma (lat. abdomen Bauch) n: (engl.) abdominal trauma; syn. Bauchtrauma; Verletzung des Abdomens u. der im Abdomen befindlichen Organe durch Gewalteinwirkung; Einteilung: 1. stumpfes A. durch direkte Krafteinwirkung od. Dezeleration, z. B. Verkehrsunfall od. Sturz; Organverletzung: v. a. Milzruptur* (40 %), Leberruptur* (35 %), Hohlorganperforation (10 %), retroperitoneales Hämatom (15 %); 2. penetrierendes A., z. B. durch Stichverletzung*, Schusswunde*, Splitter, Pfählungsverletzung*; Sympt.: Akutes Abdomen, hämorrhag. Schock, Eventeration von Organen od. -teilen; u. U. sehr gering ausgeprägt (z. B. bei zweizeitiger Milzruptur); Diagn.: notfallmäßige körperl. Untersuchung; abdominale Ultraschalldiagnostik; ggf. Abdomenübersichtsaufnahme; (Kontrast-)CT; Peritoneallavage; diagn. Laparoskopie; bei Schocksymptomatik notfallmäßige explorative Laparotomie; Ther.: je nach vorliegender Verletzung. Vgl. Zwerchfellruptur. Abdruck|verfahren: s. Podographie. Ab|duktion (lat. abducere wegführen) f : (engl.) abduction; Wegführen eines Körperteils von der Medianebene; z. B. Heben des Arms nach außen, Bewegung des Auges zur Schläfe; klin. Bedeutung: Prüfung i. R. der klinisch orthop. Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit (vgl. Neutral-Null-Me-

thode); z. B. Einschränkung der A. im Hüftgelenk bei Koxarthrose*. Vgl. Adduktion. Ab|duktions|fraktur f : s. Schenkelhalsfraktur. Ab|duktions|keil: (engl.) abduction wedge; orthop. Hilfsmittel zur passageren Ruhigstellung eines Gelenks in Abduktionsstellung; Anw.: u. a. im Bereich des Hüftgelenks, z. B. nach Implantation einer Hüftgelenkprothese* od. bei Hüftgelenkprothesenluxation. Ab|duktions|kon|traktur f : s. Kontraktur. Ab|duktions|orthese f : (engl.) abduction orthosis; Orthese* zur Ruhigstellung eines Gelenks in Abduktionsstellung; Formen: 1. A. des Hüftgelenks zur passageren Hüftführung bei Hüftgelenkluxation od. Instabilität von Gelenkkapsel u. Bändern nach Implantation einer Hüftgelenkprothese*; 2. Schulterabduktionsorthese*. Vgl. Abduktionskeil. Ab|duktions|schiene: s. Schulterabduktionsorthese. Ab|rasions|artho|plaø stik (lat. abradere, abrasus abkratzen) f : (engl.) abrasion arthroplasty; op. Verf., bei dem freiliegender Gelenkflächenknochen bis in die Spongiosa eröffnet wird (Fräsen), um eine Ersatzknorpelbildung durch Gelenkeinblutung u. Umwandlung der sich bildenden Narbe in Faserknorpel zu induzieren; Voraussetzung ist ein umgebender, glattrandiger u. belastungsfähiger Gelenkknorpel. Vgl. Mikrofrakturierung; Knorpelersatz. Abriss|fraktur f : s. Fraktur. Abroll|hilfe: (engl.) rocker sole; syn. Sohlenrolle, Abrollsohle, Abrollzurichtung; konvex gewölbte Schuhzurichtung, die beim Abrollen des Fußes als Drehachse wirkt u. gezielt Teile des Fußskeletts funktionell entlastet; mit Sohlenversteifung u. -erhöhung verbunden, Anpassung der Schuhhöhe der Gegenseite erforderl.; Formen: s. Abb.; Anw.: 1. Mittelfußrolle: Erleichterung des Abrollens des gesamten Fußes, z. B. bei Arthrose des oberen Sprunggelenks; 2. Ballenrolle: Entlastung der Zehengrundgelenke, z. B. bei Hallux* rigidus; 3. Zehenrolle: funktionelle Verlängerung des Vorfußes mit rückhebelnder Wirkung auf das Kniegelenk, z. B. bei Parese des M. quadrizeps. Abroll|sohle: s. Abrollhilfe. Abroll|zurichtung: s. Abrollhilfe. Absatz|erhöhung: s. Sohlenerhöhung. Abscher|fraktur f : s. Fraktur.


ABSI

A

2 ABSI Punkte[1]

Kriterien Geschlecht

Alter (Jahre)

weiblich

1

männlich

0

≤20

1

21–40

2

41–60

3

61–80

4

81–100

5

Verbrennung Tiefe

Grad ≥3

1

Fläche (% KOF)

1–10

1

11–20

2

21–30

3

31–40

4

41–50

5

ABSI: Abk. für (engl.) Abbreviated Burn Severity Index;

51–60

6

von Tobiasen (1982) entwickelter progn. Score (s. Tab.) bei Verbrennung*; Einteilung: entspr. Überlebenswahrscheinlichkeit (<50 % bei ABSI ≥9). Vgl. Baux-Score. Acetabulo|plastik (lat. acetabulum Essignäpfchen) f : (engl.) acetabuloplasty; Pfannendachplastik; op. Verfahren zur Verbesserung der knöchernen Überdachung des proximalen Femurs bei Hüftdysplasie* u. Hüftgelenkluxation* durch Beckenosteotomie. Vgl. Pemberton-Operation. Acetabulum|fraktur f : Beckenfraktur* im Bereich des Acetabulums; Urs.: seitl. Gewalteinwirkung od. dashboard* injury; Einteilung: s. Abb.; 1. Fraktur des dorsalen Pfeilers; 2. Fraktur des

61–70

7

71–80

8

81–90

9

91–100

10

Abrollhilfe: Formen; 1: Mittelfußrolle; Drehachse (Pfeil) ca. in Höhe der tarsometatarsalen Gelenkreihe; 2: Ballenrolle; Drehachse hinter den Zehengrundgelenken; 3: Zehenrolle; Drehachse vor den Zehengrundgelenken

Inhalationstrauma

1

KOF: Körperoberfläche; [1] Punktsumme (ABSI; in der Regel modifiziert durch zusätzliche Addition von je 1 Punkt pro signifikanter Begleiterkrankung bzw. Risikofaktor, z. B. Rauchen oder Alkoholabhängigkeit) korreliert (negativ) mit der Prognose.

Acetabulumfraktur: Judet-Letournel-Klassifikation; 1: Fraktur des dorsalen Pfeilers; 2: Fraktur des dorsalen Pfannenrands; 3: Fraktur des ventralen Pfeilers; 4: Fraktur des ventralen Rands; 5: Querfraktur der Pfanne; 6–10: Kombinationsfrakturen; 6: T-Fraktur; 7: Fraktur von dorsalem Pfeiler u. Rand; 8: Querfraktur mit dorsalem Randfragment; 9: Fraktur von ventralem Rand u. Pfeiler mit dorsaler Hemiquerfrakur; 10: Zweipfeilerfraktur


3 dorsalen Pfannenrands; 3. Fraktur des ventralen Pfeilers; 4. Fraktur des ventralen Pfannenrands; 5. Querfraktur der Pfanne; 6. Kombinationsfrakturen; Klin.: Trochanterdruckschmerz; Kompl.: bei dorsaler A. evtl. Läsion des N. ischiadicus, v. a. bei Kombinationsfraktur Gefahr der posttraumat. Koxarthrose*; Diagn.: körperl. Untersuchung (z. B. hochsitzende Prostata bei rektal-digitaler Untersuchung); Röntgendiagnostik (Übersichtsaufnahme a.-p., Ala- u. Obturator-Aufnahme), CT (meist mit Kontrastmittel), selten MRT; Ther.: bei fehlender Dislokation konservativ mögl.; op.: suprakondyläre Femurextension, Plattenosteosynthese. Acetabulum|winkel: s. Pfannendachwinkel. ACG: Abk. für Akromiok(c)lavikulargelenk*. ACG-Band|ersatz|operation: s. Weaver-Dunn-Operation. ACG-Luxation (lat. luxare verrenken) f : Kurzbez. für Akromiok(c)lavikulargelenkluxation*. Achiølles|sehnen|ruptur f : (engl.) Achilles tendon rupture, achillorrhexis; partielle (Achillessehnenpartialriss) od. komplette Kontinuitätsunterbrechung der Achillessehne durch plötzl. körpereigene Kraftanstrengung od. (selten) äußere Gewalteinwirkung; Path.: häufig verminderte Belastbarkeit bei Vorschädigung, z. B. durch langfristige Überlastung (Sportarten mit häufigen Richtungswechseln u. schnell aufeinanderfolgenden Sprint- u. Bremsbewegungen, Übergewicht u. a.), Diabetes mellitus, Einnahme von Chinolonen, Hypercholesterolämie mit Xanthomatose, Ehlers-Danlos-Syndrom, rezidiv. Mikrotraumen od. intra- bzw. paratendinöse Glukokortikoidinjektionen; Klin.: bei kompletter A. lautes Rupturgeräusch (sog. Peitschenknall) u. starke Schmerzen; Bewegungsschmerz, Dellenbildung u. umschriebene Blutungen im Sehnenverlauf, Wadenschwellung, Unfähigkeit des betroffenen Fußes zur Plantarflexion gegen Widerstand; Diagn.: positiver Thompson*Test, Rö. des oberen Sprunggelenks, Ultraschalldiagnostik, MRT (s. Abb. 1); Ther.: meist operativ (s. Abb. 2; offen od. minimal-invasive Chir.): Sehnennaht* od. Sehnenplastik (z. B. V*-Y-Plastik), selten Sehnentransplantation*; postoperativ Spitz-

Achillessehnenruptur Abb. 1: Kontinuitätsunterbrechung bei kompletter A.; MRT, T2-Wichtung [1]

Achondroplasie

A

Achillessehnenruptur Abb. 2: Operationssitus

[15]

fußstellung zur narbigen Ausheilung; seltener konservativ-funktionell: Analgetika, Antiphlogistika, Thromboseprophylaxe, Kryotherapie. Achiølles|sehnen|tendo|pathie f : (engl.) achilles tendinopathy; Tendopathie der Achillessehne od. ihres Ansatzes (Insertionstendopathie*); Urs.: v. a. Überlastung; Achillessehnendegeneration; Klin.: Achillodynie* im betroffenen Bereich (zunächst Belastungsschmerz, später evtl. Dauerschmerz); Druckschmerz bei dorsaler u. seitl. Kompression; evtl. tastbare Sehnenverdickung; Kompl.: komplette Achillessehnenruptur*; Diagn.: Ultraschalldiagnostik (fokale Degeneration, evtl. Teilruptur); Ther.: physik. Therapie, z. B. Massage (Querfriktionen) od. extrakorporale Stoßwellentherapie*; Physiotherapie, exzentrisches Krafttraining; orthop. Schuheinlagen. Achillo|bursitis f : (engl.) achillobursitis; Bursitis* am Achillessehnenansatz, z. B. bei Haglund*-Exostose. Achill|odynie f : (engl.) achillodynia; Schmerzen im Bereich der Achillessehne; Urs.: z. B. Erkr. der Sehne (Achillessehnentendopathie, partielle od. komplette Achillessehnenruptur*, Insertionstendopathie) od. des Sehnengleitgewebes (Paratendinitis*, Tendovaginitis), Apophysitis* calcanei, Haglund*-Exostose, Knick-Senkfuß, Achillobursitis*. Vgl. Tarsalgie. Achillo|teno|tomie f : (engl.) achillotomy; op. Durchtrennung u. Verlängerung der Achillessehne zur Korrektur eines Pes* equinus, Pes* cavus) od. Pes* equinovarus; je nach Befund subkutane od. offene Durchführung (Z-förmig, sagittal od. frontal). A|chondro|dys|plasie f : s. Achondroplasie. A|chondro|plasie f : (engl.) achondroplasia; syn. Chondrodystrophia fetalis, Chondrodysplasie, Achondrodysplasie, Parrot-Syndrom; autosomaldominant erbl. Störung der Knorpelbildung inf. gestörter Knorpelwachstumszone mit stark verzögerter enchondraler Ossifikation* (bei normaler periostaler Ossifikation) u. dadurch bedingtem dysproportioniertem Kleinwuchs*; Ätiol.: Mutation im Fibroblastenwachstumsfaktor-Rezeptor 3-Gen (Kurzbez. FGFR3-Gen für engl. fibroblast growth factor receptor 3 gene) auf Chromosom 4 mit konsekutiver Störung der Knorpelbildung; zu 80 %


Achselstütze

A

Spontanmutationen; Häufigkeit: 1 : 10 000 Neugeborene; Klin.: kurze, plumpe Extremitäten (rhizomele Mikromelie) bei normaler Rumpflänge; Spreizung zwischen 3. u. 4. Finger (sog. Dreizackhand); kurzer Hals, großer Hirnschädel mit vorspringender Stirn, Mittelgesichthypoplasie mit Sattelnase, prominenter Unterkiefer; durch verzögertes Wachstum der Schädelbasis evtl. Schädeldeformierung mit engem Foramen magnum; meist verengtes u. plattes Becken, Hyperlordose der Lendenwirbelsäule u. verminderte Interpedikularabstände mit Einengung des Spinalkanals; evtl. Hüftbeugekontraktur; Genu varum recurvatum u. Varusfehlstellung des Rückfußes durch überproportionales Wachstum der Fibula; normale geistige Entw.; Endgröße für Männer ca. 135 cm, für Frauen ca. 125 cm; Krankheitsbild bei Geburt voll ausgeprägt, keine Progredienz; Kompl.: Atemstörung durch adenoide Vegetationen u. schmalen Thorax sowie zervikomedulläre Kompression bei zu kleinem Foramen magnum; Diagn.: pränatale Ultraschalldiagnostik; molekulargenet. Mutationsnachweis, bildgebende Verfahren (Rö., CT, MRT); DD: Hypochondroplasie. Achsel|stütze: s. Gehstütze. Achsen|fehler der Ex|tremitäten: (engl.) angular limb deformity; Krümmungsfehlstellung der Gelenk- od. Röhrenknochenschaftachse in der Frontal- (X- od. O-förmige Abweichung), Sagittal(Ante-, Rekurvation) od. Horizontalebene (Ante-, Retrotorsion), Rotation, Verkürzung od. Translation; Urs.: 1. physiol. (z. B. <2 Jahre 10° Varus-, im Schulalter ≤10° Valgusstellung im Bereich des Kniegelenks; s. Genu varum; Genu valgum); 2. Trauma: posttraumat. Achsenfehlstellung nach Fraktur (s. Korrekturosteotomie, Abb. dort), Bandruptur, Gelenkinstabilität, Epiphysenfugenverletzung; 3. Entz.: Koxitis*, Osteomyelitis*; 4. asept. Knochennekrose*; 5. degenerativ, rheumatolog., tumorbedingt, idiopath.; 6. Systemerkrankung: Rachitis*, Osteomalazie*, Osteogenesis* imperfecta, Achondroplasie*, Marfan*-Syndrom, DownSyndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom; Diagn.: Rö. (s. Abb. 1 u. 2), CT; Ther.: 1. konservativ: ggf. or-

Achsenfehler der Extremitäten Abb. 1: Fehlstellung nach Fraktur des rechten Radius, Röntgenaufnahme in 2 Ebenen [23]

4

Achsenfehler der Extremitäten Abb. 2: Varus- u. Antekurvationsfehlstellung der Tibia links (Röntgenaufnahme in 2 Ebenen) [23] thop. Schuheinlagen, Schuhinnenranderhöhung, Physiotherapie (muskuläre Kräftigung der Antagonisten); bei Kindern: je nach Dimension der Abweichung u. ausstehendem Wachstumsschub Fähigkeit der Spontankorrektur (außer Rotationsfehler); 2. operativ (ggf. Achsenkorrektur z. B. mit spez. Fixateur* externe): a) im Wachstumsalter Korrekturosteotomie*, asymmetr. Kallusdistraktion bei Beinlängendifferenz*; b) bei Erwachsenen Korrekturosteotomie* (additiv, subtraktiv, ein- od. mehrdimensional), Endoprothese, Arthrodese od. Resektions-Interpositions-Arthroplastik. AC-Luxation (lat. luxare verrenken) f : Kurzbez. für Akromiok(c)lavikulargelenkluxation*. ACR-Kriterien n pl: (engl.) ACR criteria; früher ARAKriterien; Kriterien des American College of Rheumatology z. B. zur Klassifikation u. Diagn. entzündl.-rheumat. Systemerkrankungen; z. B. rheumatoide Arthritis* (Tab. 1 dort), Polyarteriitis nodosa, systemischer Lupus* erythematodes (Tab. dort). Vgl. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. ACT: 1. Abk. für autogene Chondrozytentransplantation*. 2. Vollblutgerinnungstest zur Point-ofcare-Diagnostik bei hochdosierter Heparinisierung i. R. von Gefäßchirurgie*, Herzkatheterisierung od. Hämodialyse. activities of daily living (engl. Aktivitäten des täglichen Lebens): Abk. ADL; körperorientierte motorische Selbstversorgungsaktivitäten (sich waschen, zur Toilette gehen, kontinent sein, essen, Transfer ausüben, sich ankleiden, laufen, Treppen steigen), auf Basis derer ein standardisiertes Assessmentinstrument (meist Barthel-Index) entwickelt wurde; vgl. Pflegebedürftigkeit; Aktivitäten des täglichen Lebens. AC-Winkel: Kurzbez. für Acetabulumwinkel; s. Pfannendachwinkel. Ad|duktion (lat. adducere heranführen) f : (engl.) adduction; Bewegung eines Körperteils in Richtung der Medianebene (bei der Hand zum Mittelfinger); vgl. Abduktion. Ad|duktions|fraktur (lat. adducere heranführen) f : s. Schenkelhalsfraktur.


Akromioklavikulargelenkluxation

5

Ad|duktions|kontraktur f : s. Kontraktur. Ad|duktoren|spastik m: (engl.) adductor spasm; Spastik der Adduktorenmuskeln an der Innenseite der Oberschenkel mit innenrotierten u. aneinander gepressten (evtl. überkreuzten) Beinen u. Gangstörungen* i. S. einer beidseitigen Zirkumduktion; Ätiol.: Störung des ersten motorischen Neurons, z. B. bei infantiler Zerebralparese, Multipler Sklerose; Ther.: Physiotherapie (Bobath*Konzept); Pharmakotherapie (Baclofen, Benzodiazepine), lokale Injektion von Botulinumtoxin; ggf. Adduktorentenotomie*. Ad|duktoren|teno|tomie f : (engl.) adductor tenotomy; korrektive Sehnendurchtrennung bei Hüftadduktionskontraktur (s. Adduktorenspastik) zur Gangverbesserung sowie zur Proph. sekundärer spast. Hüftgelenkluxation*. Adelmann-Operation (Georg F. B. A., Chir., 1811– 1888): Amputation eines Strahls der Hand zur Handverschmälerung nach Verlust eines Langfingers. ADL: Abk. für (engl.) activities* of daily living. Adoleszeø nten|kyphose (lat. adolescere heranwachsen) f : s. Scheuermann-Krankheit. -ämie: Wortteil mit der Bedeutung Blut; von gr. α�µα, α�µατ�ς. Äußerer Spanner: s. Fixateur externe. AHB: 1. Abk. für Anschlussheilbehandlung; s. Anschlussrehabilitation; 2. Abk. für antihämophiler Faktor B; Faktor IX der Blutgerinnung; klin. Bedeutung: s. Hämophilie. Ahlbäck-Krankheit: (engl.) Ahlbäck’s disease; Femurrollennekrose; Form der aseptischen Knochennekrosen* (Abb. dort) des Erwachsenenalters; Lok.: medialer Femurkondylus. AIS: Abk. für (engl.) Abbreviated* Injury Scale. Aitken-Klassifikation (William J. A., engl. Neurol., 1886–1935) f : (engl.) Aitken’s fracture classification; Einteilung gelenknaher u. gelenkbeteiligter Frakturen unter Beteiligung der Epiphysenfuge bei Kindern; s. Epiphysenfraktur. Akr-: auch Acro-, Acral-, Akral-; Wortteil mit der Bedeutung Spitze, Extremität; von gr. �κρ�ν. Akromio|klavikular|gelenk (gr. µ�ς Schulter; lat. Clavicula Schlüsselbein): (engl.) acromioclavicular joint; Abk. ACG; Articulatio acromioclavicularis; syn. Schultereckgelenk; Gelenk zwischen Acromion scapulae u. Facies articularis acromialis claviculae (laterales Schlüsselbeingelenk); Hilfsstrukturen: Lig. acromioclaviculare, Lig. coracoclaviculare (mit Lig. trapezoideum, Lig. conoidum), Discus articularis (inkonstant); Funktion: Heben, Senken, Vor- u. Zurückschieben, Kreiseln der Schulter. Akromio|klavikular|gelenk|arthrose (gr. µ�ς Schulter; lat. clavicula Schlüsselbein) f : (engl.) arthrosis of the acromioclavicular joint; Arthrose* im Bereich des Akromioklavikulargelenks* (Abk. ACG); Vork.: idiopathisch od. sekundär nach Akromioklavikulargelenkluxation*; Klin.: Schulterschmerz, lokaler Druckschmerz; Diagn.: Rö., Infiltrationstest, selten CT od. MRT; Ther.: konser-

vativ einschließl. lokaler Injektionen; op.: offene od. arthroskopische ACG-Resektion, ggf. mit Resektionsarthroplastik; DD: Impingement*-Syndrom. Akromio|klavikular|gelenk|luxation (lat. luxare verrenken) f : (engl.) acromioclavicular dislocation; Kurzbez. ACG-Luxation, sog. ACG-Sprengung; Luxatio acromioclavicularis; durch Bandrupturen entstehende Luxation* der Clavicula im Akromioklavikulargelenk; Einteilung: nach Rockwood (bzw. Tossy): s. Tab. u. Abb. 1; Klin.: Bewegungsschmerz, evtl. Schwellung, Klavikulahochstand lateral (s. Abb. 2), Klaviertastenphänomen*; Diagn.: Rö. (Frakturausschluss, gehaltene Aufnahmen mit

Akromioklavikulargelenkluxation Einteilung nach Rockwood (erweiterte Tossy-Einteilung) Rockwood

Charakteristika

I (Tossy I)

Distorsion der Ligamenta acromioclavicularia

II (Tossy II)

Ruptur der Ligamenta acromioclavicularia, Distorsion der Ligamenta coracoclavicularia, Subluxation der Clavicula

III (Tossy III)

Ruptur der Ligamenta acromio- und coracoclavicularia mit deutlichem Hochstand der Clavicula lateral, Klaviertastenphänomen

IV

wie Rockwood III, zusätzlich dorsale Einklemmung der Clavicula

V

wie Rockwood IV, zusätzlich Ruptur des Musculus deltoideus und/oder Musculus trapezius

VI

Luxation der lateralen Clavicula unter den Processus coracoideus

Akromioklavikulargelenkluxation Abb. 1: Einteilung nach Rockwood

A


Akromionfraktur

6

Akro|osteo|lyse f : (engl.) acro-osteolysis; Knochen-

A

Akromioklavikulargelenkluxation Abb. 2: 1: Klavikulahochstand lateral bei A. links; 2: gehaltene Röntgenaufnahme mit Belastung im Seitenvergleich [15] [23]

Akromioklavikulargelenkluxation Abb. 3: operative Versorgung mit Hakenplatte [20] 10 kg Belastung im Seitenvergleich, s. Abb. 2); Ther.: funktionelle Übungsbehandlung bei Rockwood I, ggf. kurzzeitige Ruhigstellung im Desault*- od. Gilchrist*-Verband bei Rockwood II; op. mit offener Reposition u. Retention bei Rockwood III–VI, u. a. durch Zuggurtungsosteosynthese, Plattenosteosynthese mit Hakenplatte (syn. Balser-Platte; s. Abb. 3), Bandersatzoperation (z. B. Weaver*-Dunn-Operation), Banding-Op. (Reposition u. Retention der Gelenkverbindung mit resorbierbaren Polydioxanon-Kordeln) u. Bandnaht. Vgl. Schultergelenkluxation. Akromion|fraktur f : s. Skapulafraktur. Akromio|plaø stik f : (engl.) subacromial decompression; syn. subakromiale Dekompression (Abk. SAD), Neer-Operation; Erweiterungsplastik des subakromialen Raumes durch offene od. arthroskop. Resektion der Akromionunterkante u. subakromiale Bursektomie; Anw.: z. B. Impingement*-Syndrom, Rotatorenmanschettenruptur*.

schwund durch Strukturauflösung an den Endphalangen der Finger u. Zehen u. am distalen Klavikulaende mit Deformierung u. Sensibilitätsstörung; Vork.: z. B. Maroteaux-Lamy-Syndrom, primärer Hyperparathyroidismus* u. progressive systemische Sklerose, selten nach Langzeitexposition gegenüber Vinylchlorid. Aktivitäten des täglichen Lebens (lat. a ctivus tätig, handelnd) f pl: (engl.) activities of daily living; Abk. ATL; Bez. für Tätigkeiten zur Befriedigung von phys. u. psych. menschlichen Grundbedürfnissen, die Grundlage vieler Pflegekonzepte u. -modelle sind; nach L. Juchli: 1. atmen, 2. essen u. trinken, 3. ausscheiden, 4. sich bewegen, 5. Wachsein u. Schlafen, 6. arbeiten u. spielen, 7. Körpertemperatur regulieren, 8. sich sauberhalten u. kleiden, 9. für eine sichere Umgebung sorgen, 10. kommunizieren, 11. Kind, Frau, Mann sein, 12. Sinn finden im Werden, Sein, Vergehen. Diese Tätigkeiten umfassen weit mehr als die gleichlautend übersetzten activities* of daily living (Abk. ADL). Pflegetheoretisch u. international hat sich eine unterschiedl. Terminologie, teils mit inhaltlichen Abweichungen u. Ergänzungen entwickelt, z. B. Lebensaktivitäten (Abk. LA) nach N. Roper in Großbritannien od. Aktivitäten u. existentielle Erfahrungen des Lebens (Abk. AEDL) nach M. Krohwinkel in Deutschland. Vgl. BarthelIndex . Aku|punktur (lat. a cus Nadel; pu ngere stechen) f : (engl.) acupuncture; chinesische Originalbezeichnung Zhen, d. h. Nadelstechen u. Räuchern (Moxibustion); aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (Abk. TCM) stammende Therapiemethode (ca. 20 versch. Techniken), bei der an charakterist. Punkten der Körperoberfläche an Meridianen entlang Akupunkturnadeln unterschiedlich tief eingestochen werden, wodurch sog. energetische Störungen innerh. des Organismus ausgeglichen bzw. einzelne Organsysteme angeregt od. gedämpft werden sollen; TCM unterscheidet 14 Meridiane mit 361 Hauptakupunkturpunkten, die histol. eine Anhäufung rezeptiver Hautelemente (wie Merkel-Tastscheiben, Meissner-Tastkörperchen) aufweisen; klassische A. setzt an TCM orientierte Diagn. u. Vorstellung von Krankheit voraus; neuere Interpretationen verstehen A. als lokalen Reiz mit reflexiver Wirkung entspr. neurophysiol. Grundlagen; Anw.: bei Schmerzsyndromen u. funktionellen Erkr. mit Störungen vegetativer Regelvorgänge; in der Geburtshilfe zur Geburtsvorbereitung, Schmerzlinderung in der Eröffnungsperiode, postpartalen Uteruskontraktion u. Behandlung schwangerschaftsinduzierter Ödeme. Vgl. Elektroakupunktur. Ak|zessorius|lähmung: (engl.) accessory nerve paralysis; Lähmung des Nervus accessorius, führt zum Ausfall des M. sternocleidomastoideus u. M. trapezius; Urs.: direktes Trauma der Halsweichteile, iatrogen bei Lymphknotenexstirpation bzw. -dis-


7 sektion im Trigonum cervicale laterale; Klin.: bei einseitiger A.: Neigung des Kopfs zur gesunden Seite, Drehung des Kinns zur kranken Seite (Schiefhals), Schwäche der Kopfdrehung zur gesunden Seite, Tiefstand des Schulterblatts mit Drehung der unteren Skapulaspitze nach außen (sog. Schaukelstellung), beeinträchtigte Schulterhebung; keine Sensibilitätsstörung. -algie: auch -algesie; Wortteil mit der Bedeutung Schmerz, Leid; von gr. �λγ�ς. Algo|dys|trophie, sym|pathische f : s. Schmerzsyndrome, komplexe regionale. ALIF: Abk. für (engl.) anterior lateral interbody fusion; anterolaterale interkorporale Spondylodese* im Bereich der Lendenwirbelsäule; Anw.: z. B. bei Spondylolisthesis od. degenerativer LWS-Instabilität. Ali-Krogius-Kapsel|plastik (Frans Ali K., Chir., Helsinki, 1864–1939) f : (engl.) Ali-Krogius capsuloplasty; Operationsmethode bei habitueller Patellaluxation*; Prinzip: laterale Vernähung eines aus dem geweiteten medialen Retinaculum entnommenen Streifens u. damit Medialisierung der Patella entgegen der lateralen Luxationstendenz; Verpflanzung des M. gracilis auf die Patella, wodurch die Patella bei Anspannung nach medial gezogen wird. Allgöwer-Geh|apparat (Martin A., Schweizer Chirurg, 1917–2007; lat. appara re bereitmachen, ausrüsten) m: Orthese* zur Entlastung von Sprunggelenk u. Fuß mit Abstützung an Femurkondylen od. Tibiakopf; Anw.: z. B. bei Kalkaneusfraktur*. Allgöwer-Rück|stich|naht (Martin A., Schweizer Chirurg, 1917–2007): s. Hautnaht. Allmann-Klassifikation f : s. Klavikulafraktur. Allo-: Wortteil mit der Bedeutung anders (beschaffen), verschieden; von gr. �λλ�ς. Allo|arthro|plaø stik f : (engl.) alloarthroplasty; Gelenkersatz durch Fremdmaterial aus z. B. Chrom-Cobalt-Molybdän- od. Titanlegierungen (s. Endoprothese; Totalendoprothese); vgl. Plastik. Aluminium|osteo|pathie f : (engl.) aluminum osteopathy; Mineralisationsstörung der Knochen i. S. einer Osteomalazie* durch tox. Wirkung von Aluminium (Al) auf die Osteoblasten; Urs.: hoher Aluminiumgehalt der Spülflüssigkeit u. Einnahme aluminiumhaltiger Phosphatbinder bei Hämodialyse bzw. langjährige hochdosierte Einnahme von aluminiumhaltigen Antazida; Diagn.: Al-Konzentration im Plasma >60 µg/l (Normwert 2–5 µg/l), Beckenkammbiopsie. Vgl. Osteopathie, renale. AMC: Abk. für Arthrogryposis*-multiplex-congenita. AMIC-Verfahren: Kurzbez. für autologe matrixinduzierte Chondrogenese-Verfahren; chir. Verf. bei kleineren umschriebenen Knorpeldefekten auf Grundlage der Mikrofrakturierung*; Prinzip: Förderung der Knorpelgeweberegeneration durch Abdecken der Mikrofrakturierung mit einer Kollagenmembran (s. Abb.), durch die austretende körpereigene Stammzellen auf der Knochenoberflä-

Amputation

A

AMIC-Verfahren: 1: Knorpeldefekt nach Anfrischung; 2: nach Fixation der Kollagenmembran (Operationssitus) [19]

che angereichert werden; meist kombinierte Operationstechnik (Arthroskopie u. Miniarthrotomie). Vgl. Knorpelersatz. A|mnesie f : (engl.) amnesia; quantitative Gedächtnisstörung mit zeitl. od. inhaltl. definierter Erinnerungsbeeinträchtigung aufgrund organischer od. psychogener Urs.; Einteilung: 1. nach Zeitraum der Erinnerungsbeeinträchtigung: a) retrograde Amnesie; b) anterograde Amnesie; c) kongrade Amnesie; d) transiente globale Amnesie; 2. nach Inhalt der Erinnerungsbeeinträchtigung: dissoziative Amnesie; Vork.: häufig nach Bewusstseinsstörung (z. B. nach Schädelhirntrauma*) u. bei symptomat. Psychose, auch nach epilept. Anfall, Intoxikation, schwerer psychosozialer Traumatisierung od. bei Demenz. Amphi-: Wortteil mit der Bedeutung beidseitig, ringsum; von gr. �µ��. Amphi|arthrosis f : s. Gelenk. Amputat (lat. amputare ringsum abschneiden) n: (engl.) amputated limb; durch traumat. od. chir. Amputation* abgetrennter Teil eines Organs od. einer Extremität; je nach Größe, Amputationshöhe u. Transportbedingungen (v. a. Temperatur; s. Amputation, Tab. 1 dort) unterschiedl. Ischämiezeit (s. Ischämietoleranz), innerh. derer bei traumat. Amputation in Abhängigkeit von z. B. Weichteiltraumatisierung u. Begleitverletzungen ggf. Replantation* mögl. ist. Amputation f : (engl.) amputation; syn. Ablatio, Absetzung; Absetzen von Körperteilen; Formen: 1. traumatische A.; auch subtotal (partiell) mit Durchtrennung wichtiger anat. Strukturen (v. a. Gefäße u. Nerven) unter Erhalt einer Restgewebebrücke; Urs.: u. a. Schnittverletzung, Verkehrsunfall, Explosionstrauma; Ther.: nach Möglichkeit Replantation* (Versorgung von Amputationsstumpf u. Amputattransport: s. Tab. 1); 2. chir. A.; z. B. (Teil-)Amputation einer Extremität bei nicht


An-

A

8

Amputation Tab. 1 Behandlung von Amputationsstumpf und Amputat bis zur Replantation

Amputation Tab. 2 Amputationshöhen bei chirurgischer Amputation im Bereich der unteren Extremität (Auswahl)

Amputationsstumpf

Zehenamputation*

steriler Kompressionsverband (kein Unterbinden, kein Reinigungsversuch) Amputat für den Transport in trockene, sterile Kompressen oder Tücher einwickeln und in wasserdichtem Plastikbeutel aufbewahren, der in einem zweiten Plastikbeutel mit Eiswasser gelagert wird; cave: direkten Eiskontakt mit dem Amputat vermeiden (Kälteschädigung des Amputats), kein Reinigungsversuch, kein Einlegen in Lösungen in der Klinik steril einwickeln und bei +4 °C aufbewahren

Zehenendgliedamputation Zehenexartikulation im Grundgelenk Fußamputation Lisfranc-Amputation Bona-Jäger-Amputation Chopart-Amputation Baumgartner-Amputation Syme*-Amputation Pirogoff*-Spitzy-Operation Unterschenkelamputation* Burgess-Amputation Brückner-Amputation Kniegelenkexartikulation* Oberschenkelamputation* Hüftgelenkexartikulation* Hemipelvektomie* Hemikorporektomie*

Amputation Abb. 1: 1: Amputationshöhen bei Ober- u. Unterschenkelamputation; 2: chir. Absetzen aller anat. Strukturen einschließl. Osteotomie; 3: Adaptation der Weichteile; 4: abschließende Hautnaht

Amputation Tab. 3 Amputationshöhen bei chirurgischer Amputation im Bereich der oberen Extremität (Auswahl) Fingeramputation

rekonstruktionsfähiger art. Durchblutungsstörung (v. a. pAVK; in Deutschland ca. 70 % aller chir. A. inf. Diabetes mellitus), malignem Knochentumor od. schwerem Trauma (z. B. Quetschung, Verbrennung; Parameter zur Abschätzung der Amputationswahrscheinlichkeit nach Extremitätenverletzung: s. MESS); Prinzip: s. Abb. 1; Hautschnitt (z. B. Lappenschnitt*, Fischmaulschnitt*), Osteotomie od. Absetzen der Gliedmaße im Gelenk (Exartikulation*), Durchtrennung von Nerven u. Gefäßen, ggf. Fixation der Muskulatur am Knochenstumpf od. Myoplastik*; spannungsfreier Wundverschluss; Amputationshöhe so peripher wie mögl., u. a. abhängig von Weichteildurchblutung (typ. Amputationshöhen im Bereich der unteren Extremität: s. Tab. 2 u. Abb. 2, der oberen Extremität: s. Tab. 3); Kompl.: u. a. Phantomempfinden*, Stumpfschmerz*. Vgl. Grenzzonenamputation. An-: auch A-; Wortteil mit der Bedeutung Un-, -los, -leer; von gr. � (privativum). An|ästhesie (gr. �ναισθησ�α Unempfindlichkeit) f : (engl.) anesthesia; völlige Unempfindlichkeit ge-

Fingergliedamputation Fingerexartikulation Handamputation transmetakarpal karpometakarpal transkarpal Handgelenkexartikulation Unterarmamputation Ellenbogengelenkexartikulation Oberarmamputation Schultergelenkexartikulation

gen Schmerz-, Temperatur- u. Berührungsreize; Formen: 1. iatrogen (reversibel): a) allgemeine A. i. R. der Narkose*; b) lokale A. i. R. der Lokalanästhesie*; c) Komb. aus allgemeiner (Hypnose, Reflexdämpfung) u. lokaler (Analgesie) i. R. der Kom-


9

Ankylodaktylie sensibler Leitungsbahnen des zentralen od. peripheren Nervensystems (Form der quantitativen Sensibilitätsstörung*). An|algetika n pl: (engl.) analgetics; schmerzstillende Arzneimittel mit zentralem od. peripherem Angriffspunkt zur pharmak. Schmerztherapie*; Einteilung: 1. Nichtopioid-A.: können zusätzl. antipyretisch (Antipyretika*) u. antiphlogistisch wirken; a) Anilinderivate, z. B. Paracetamol; b) nichtsteroidale Antiphlogistika*; c) andere Nichtopioid-A.: Flupirtin; 2. Opioid-A.: im Allg. Opiat-Agonisten, die an Opioid-Rezeptoren endogene Opioidpeptide imitieren; Ind.: Tumorschmerzen, starke postop. Schmerzen, i. R. der Narkose; cave: Abhängigkeit; a) natürl. Opiumalkaloide; b) halb- u. vollsynthet. Analoga des Morphins; vgl. Opioide ; Opiate . Vgl. Hanf, Indischer ; Cannabinoide . Analog|skala, visueø lle (gr. �ν�λ�γ�ς übereinstimmend; lat. scalae Treppe, Stufen) f : (engl.) visual analogue scale; Abk. VAS; eindimensionale, semiquantitative Skala zur standardisierten Erfassung der Schmerzintensität durch subjektive Selbsteinschätzung des Pat.; Markierung auf einer 10 cm langen kontinuierl. Leiste zwischen den beiden Endpunkten kein Schmerz sowie Schmerz maximal vorstellbarer Ausprägung (s. Abb.); vgl. Ratingskala, numerische; Analgesie.

Amputation Abb. 2: typ. Resektionslinien bei chir. Amputation im Bereich der unteren Extremität; 1: Hemikorporektomie; 2: Hemipelvektomie, 3: Hüftgelenkexartikulation; 4:Oberschenkelamputation; 5: Kniegelenkexartikulation; 6: Unterschenkelamputation, 7: Fußamputation; 8: Zehenamputation binationsanästhesie; 2. pathol.: inf. Störung des peripheren od. zentralen Nervensystems (vgl. Sensibilitätsstörungen). Vgl. Prämedikation ; Analgesie; Anästhesiologie. An|ästhesio|logie f : (engl.) anesthesiology; Teilgebiet der Medizin, das sich mit den wissenschaftl. Grundlagen u. prakt. Erfordernissen (einschließl. Vor- u. Nachbehandlung) der Narkose* u. Regionalanästhesie bzw. Lokalanästhesie* sowie Sicherung u. Erhaltung von Vitalfunktionen befasst; Aufgaben des Anästhesiologen: 1. präoperative Untersuchung des Pat. (s. Prämedikation ), Wahl u. Durchführung des geeigneten Anästhesieverfahrens, Überwachung u. Versorgung des Pat. während der Anästhesie u. postoperativ sowie bei diagn. Eingriffen (z. B. Endoskopie; s. Standby ); 2. Tätigkeiten der Notfallmedizin, Intensivmedizin, Schmerztherapie* u. Palliativmedizin. Vgl. Anästhesie. An|algesie f : (engl.) analgesia; Schmerzlosigkeit; Aufhebung der Schmerzempfindung; Formen: 1. iatrogen: i. R. von Anästhesie* (i. e. S. Antinozizeption), Analgosedierung bzw. Schmerztherapie*; Erfassung des erreichten Analgesiegrads: s. Schmerzerfassung ; 2. pathol.: inf. Schädigung

Analogskala, visuelle: Die vom Pat. geschätzte Schmerzintensität ist auf der Rückseite der Skala numerisch ablesbar.

Anderson-Klassifikation (Lewis D. A., amerikan. Arzt, 1930–1997) f : s. Dens-axis-Fraktur.

Anderson-Montesano-Klassifikation (Lewis D. A., amerikan. Arzt, 1930–1997) f : s. Kondylenfraktur, okzipitale. Angio-: auch Angi-; Wortteil mit der Bedeutung Gefäß; von gr. �γγε��ν. Angulations|osteo|tomie (lat. angulus Winkel) f : s. Schanz-Angulationsosteotomie. Anky-: auch Anchy-; Wortteil mit der Bedeutung 1. gekrümmt, verschlungen; von gr. �γκ�λ�ς; 2. Ellenbogen; von gr. �γκ�λη. Ankylo|daktylie f : (engl.) ankylodactyly; syn. hereditäre Ankylose; angeb. Versteifung der Finger od. Zehen (sehr selten auch größerer Gelenke) in

A


Ankylose

A

Streckstellung (Geradfingerigkeit) inf. Aplasie od. Hypoplasie der Gelenke. Ankylose f : (engl.) ankylosis; fibröse od. knöcherne Versteifung von Gelenken mit vollständigem Bewegungsverlust; vgl. Ankylodaktylie; Kontraktur; Spondylitis ankylosans. Anlauf|schmerz: s. Einlaufschmerz. Anpassungs|syn|drom, allgemeines n: (engl.) general adaptation syndrome; syn. Adaptationssyndrom, Selye-Syndrom; Bez. für Anpassungsmechanismus des Organismus auf starke äußere Reize (Anstrengung, Trauma, Hitze, Bestrahlung, Infektion u. a.) mit mögl. pathol. Folgeerscheinungen; Wirkung: 1. lokal am Angriffsorgan; 2. hauptsächl. durch die Nebennierenrindenaktivität bestimmte Allgemeinreaktionen mit 3 Phasen: Alarmreaktion (vergrößerte NNR, erhöhte Ausscheidung von ACTH u. Glukokortikoiden, evtl. Schock*), Widerstandsstadium (vermehrte Sekretion von STH u. Mineralokortikoiden, Zunahme der entzündl. Reaktion), Erschöpfungsstadium (regressive Transformation der NNR bei ausbleibender Heilung im Widerstandsstadium); klin. Bedeutung: bei ungenügenden od. überschießenden Reaktionen Anpassungskrankheiten wie gastrointestinale Ulzera u. Panarteriitis nodosa. Vgl. Postaggressionssyndrom; Stressreaktion ; Störung, psychosomatische . Ansatz|tendo|pathie f : s. Insertionstendopathie. Anschluss|heil|behandlung: s. Anschlussrehabilitation. Anschluss|re|habilitation (lat. habilis passend, tauglich) f : (engl.) postacute rehabilitation; Anschlussheilbehandlung (Abk. AHB); Bez. für von Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung* od. Krankenversicherung zu erbringende med. Leistungen der Rehabilitation* bei best. Erkr. im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung; Einleitung erfolgt bereits im Krankenhaus; Beginn spätestens 14 Tage nach Krankenhausaufenthalt. Ante-: Wortteil mit der Bedeutung vor, vorn; von lat. a nte. Ante|kurvation (lat. curvare krümmen, biegen) f : (engl.) anterior bowing; Verbiegung nach vorn, z. B. des Femurs od. der Tibia; Vork.: bei Rachitis*, Paget-Krankheit, posttraumat. (s. Korrekturosteotomie, Abb. dort). Anteø rior-cord-Syn|drom n: Verletzung der anterioren Anteile (zwei Drittel) des Rückenmarks; Sympt.: vorwiegend motor. Ausfälle u. Sensibilitätsstörungen* (Schmerz- u. Temperaturempfindung); vgl. Arteria-spinalis-anterior-Syndrom. Ante|torsions|winkel (lat. to rsio Drehung) m: (engl.) antetorsion; Kurzbez. AT-Winkel; Winkel der Schenkelhalsachse gegenüber der Achse der Femurkondylen in der Transversalebene; Bestimmung durch röntg. Spezialaufnahme (AT-Aufnahme) od. CT; altersabhängige Veränderung (s. Tab.); klin. Bedeutung: u. a. vergrößerter Winkel (s. Abb.) bei angeb. Hüftgelenkluxation* od. Hüftdysplasie*.

10 Antetorsionswinkel Altersabhängige Richtwerte Altersklasse

Winkel

Neugeborenes

30°–50°

Kleinkind

30°–45°

Schulkind

25°–30°

Jugendlicher

15°

Erwachsener

12°

Antetorsionswinkel: 1: physiol.; 2: vergrößert

Ante|version

(lat. ve rtere, ve rsus drehen) f : 1. (engl.) anteversion; Anteversio; Drehen des Arms im Schultergelenk od. des Beins im Hüftgelenk um eine Achse in der Frontalebene nach vorn, d. h. Anheben des Arms od. des Beins nach vorn (Flexion im Schultergelenk bzw. im Hüftgelenk); 2. Neigung (z. B. der Gebärmutter) nach vorn; s. Versio uteri . Anti-: Wortteil mit der Bedeutung gegen, entgegen; von gr. �ντ�. Anti|bio|graø mm n: (engl.) antibiotic sensitivity pattern; Ergebnis bakteriol. Untersuchungsmethoden zur Resistenzbestimmung von Bakterien; Formen: 1. Reihenverdünnungstest, Agardilutionstest: Lösen von Chemotherapeutika bzw. Antibiotika in unterschiedl. Konz. in festen od. flüssigen Nährmedien, die mit einer definierten Keimzahl beschickt werden; Auswertung durch Vergleich mit einem Kontrollmedium, das keine Chemotherapeutika bzw. Antibiotika enthält, zur Bestimmung von minimaler Hemmkonzentration u. minimaler bakterizider Konzentration; 2. Breakpoint-Methode: Reihenverdünnungstest mit nur

Antibiogramm: Agardiffusionstest: 1: qualitativ; 2: quantitativ. Der Teststreifen enthält ein zu prüfendes Antibiotikum in aufsteigender Konzentration. [38]


11 3–4 Antibiotikakonzentrationen, die im Bereich der Resistenzgrenze liegen; 3. Agardiffusionstest, Hemmhoftest: Aufbringen von Chemotherapeutika bzw. Antibiotika in Form von imprägniertem Filterpapier (Blättchentest) auf Nährböden, die mit Bakterien beschickt wurden; bei Empfindlichkeit der Err. Bildung von Hemmhöfen (Größe korreliert mit Empfindlichkeit der Err.) um aufgelegte Filterpapierblättchen (s. Abb.). Vgl. Resistenz ; Untersuchungsmethoden, bakteriologische . Anti|biotika n pl: (engl.) antibiotics; antibakterielle Chemotherapeutika zur Ther. bakterieller Infektionen; Wirkung: 1. Wirkungstyp: a) bakteriostatisch: Verhinderung der Bakterienvermehrung ohne Abtötung; z. B. Oxazolidinone, Tetracycline, Chloramphenicol, Makrolid-Antibiotika; b) bakterizid: Abtötung von sich vermehrenden (sekundär bakterizid) od. auch von ruhenden Bakterien (primär bakterizid); z. B. Penicilline, Cephalosporine, Aminoglykosid-Antibiotika, Polymyxine; 2. Wirkungsmechanismus: a) Hemmung der Zellwandsynthese (Mureinsynthese), z. B. durch Penicilline, Cephalosporine; b) Beeinflussung der Zellmembran (Permeabilität), z. B. durch Polymyxine; c) Hemmung der DNA- u. RNA-Synthese, z. B. durch Chinolone u. Rifampicin; d) Hemmung der Proteinsynthese, z. B. durch Aminoglykosid-Antibiotika, Tetracycline, Makrolid-Antibiotika; e) Antimetabolitenwirkung, z. B. durch Trimethoprim; Ind.: bakterielle Infektionskrankheiten; in eindeutigen Fällen erfolgt die Anw. von A. klin.-empirisch nach der Wahrscheinlichkeit des Erregers (z. B. Err. der Tonsillitis acuta meist betahämolysierende Streptokokken), sonst nur nach bakteriol. Diagnostik u. Resistenzbestimmung der Bakterien (vgl. Antibiogramm); prophylakt.: s. Antibiotikaprophylaxe. Anti|biotika|pro|phylaxe (gr. �υλ�ττειν behüten, beschützen) f : (engl.) antibiotic prophylaxis; prophylakt. Gabe von Antibiotika*; cave: strenge Indikationsstellung wegen Gefahr der Entwicklung einer Resistenz; Anw.: z. B. zur Prävention lokaler postoperativer Infektionen (Nosokomialinfektion) kurzzeitig perioperativ, meist als einmalige Gabe (sog. single shot), in Abhängigkeit von individuellem (z. B. Immunsuppression) u. op. Risiko (z. B. Implantation einer alloplastischen Gefäß- od. Gelenkendoprothese); zur Endokarditisprophylaxe in Risikosituationen (s. Endokarditis ); zur Meningitisprophylaxe bei Kontaktpersonen (s. Neisseria meningitidis ); in der Geburtshilfe (s. Neugeborenensepsis , Blasensprung ). Vgl. Chemoprophylaxe . Anti-CCP-Anti|körper: Kurzbez. für Anti-cyclischer citrullinierter Peptid-Antikörper; zu den Anti*Citrullin-Antikörpern u. ACPA gehörender hochspezif. Autoantikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide; Vork.: bei rheumatoider Arthritis* (Abk. RA); Nachw.: ELISA; Anw.: diagn. zum Nachweis von RA im Frühstadium; Spezifität ca. 85 %, Sensitivität ca. 60 %.

Antiphlogistika, nichtsteroidale Anti-Citrullin-Anti|körper: Autoantikörper gegen citrullinierte Antigene, bei gleichzeitigem Nachw. von Rheumafaktor* prognostisch hochspezif. diagnostischer Marker für rheumatoide Arthritis* (Spezifität: 90 %, Sensitivität: 55–75 %). Vgl. AntiCCP-Antikörper. Anti|ko|agulaø nzien n pl: (engl.) anticoagulants; Hemmstoffe der Blutgerinnung; Ind.: Proph. od. Ther. von (art. od. venöser) Thrombose od. Embolie; in Abhängigkeit von Höhe des Risikos für Thromboembolie z. B. als postoperative (primärpräventive) Thromboembolieprophylaxe, dauerhafte Thromboembolieprophylaxe nach alloplast. Herzklappenersatz, Thromboembolieprophylaxe bei Vorhofflimmern (vgl. HAS-BLED bleeding risk score ) od. pulmonaler Hypertonie; akuttherap. z. B. bei Akutem Koronarsyndrom od. Lungenembolie; Vertreter: (s. Tab.) Heparin, Fondaparinux, Rivaroxaban, Apixaban, Heparinoide, Hirudin (Lepirudin, Bivalirudin, Desirudin), Argatroban, Dabigatranetexilat, Cumarinderivat. Vgl. Antithrombotika; Antikoagulanzien in vitro . Anti|phlogiøstika (gr. �λ�γ��ν entzünden) n pl: (engl.) antiphlogistics; i. w. S. Mittel mit entzündungshemmender Wirkung (einschließlich Kortikoide); i. e. S. nichtsteroidale Antiphlogistika*. Anti|phlogiøstika, nicht|steroidale (gr. �λ�γ��ν entzünden) n pl: (engl.) nonsteroidal antiinflammatory drugs (Abk. NSAID); syn. nichtsteroidale Antirheumatika (Abk. NSAR); antiphlogist., analgetisch u. antipyretisch wirkende Derivate org. Säuren; Wirkungsmechanismus: Hemmung der Cyclooxygenase*; 1. nichtselektiv: u. a. a) Salicylsäure(derivat), z. B. Acetylsalicylsäure; b) Pyrazolonderivat; c) Arylessigsäurederivat (Diclofenac, Indometacin, Aceclofenac, Acemetacin, Proglumetacin, Bromfenac); d) Arylpropionsäurederivat (Naproxen, Ibuprofen, Ketoprofen, Dexibuprofen, Dexketoprofen, Flurbiprofen, Tiaprofensäure); e) Oxicame; 2. selektiv: s. Cyclooxygenase-2-Inhibitoren; Wirkung: Salicylsäure- u. Pyrazolonderivat: v. a. antipyret.; Arylessigsäure-, Arylpropionsäurederivat, Oxicame u. selektive Cyclooxygenase-2-Inhibitoren: v. a. antiphlogist.; Ind.: entzündl. bzw. schmerzhafte Erkr. (system. od. top. Anw.); Kontraind.: Störungen der Hämatopoese; cave bei Magen- u. Duodenalulzera, Analgetikaintoleranz, Asthma bronchiale, Leber- u. Niereninsuffizienz, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Schwangerschaft, Stillzeit; UAW: gastrointestinale Störung (signifikant weniger häufig bei Cyclooxygenase-2-Inhibitoren) unterschiedl. Schweregrads (u. U. Ulcus ventriculi; ggf. parallele Gabe von Histamin-H2Rezeptoren-Blocker, Protonenpumpen-Hemmer od. Prostaglandin-E-Analogon erforderl.); hämorrhagische Diathese (Thrombozytopathie); Kopfschmerz, Ödem, Störungen der Hämatopoese, Leber- od. Nierenfunktionsstörung (selten nephrot. Syndrom), Überempfindlichkeitsreaktion (Exanthem, Bronchospasmus, Blutdruckabfall, Ödeme, selten Schock), kardiovaskuläre Kompl. (z. B.

A


Antipyretika

A

12

Antikoagulanzien Substanz Heparin Standardheparin

Anwendung parenteral i. v.; s. c.

niedermolekulares Heparin Certoparin

s. c.

Enoxaparin

s. c. (ggf. nach i. v. Bolus)

Reviparin

s. c.

Nadroparin

s. c.

Dalteparin

s. c.

Tinzaparin

s. c.

Heparinoid Danaparoid

i. v.; s. c.

Apixaban

p. o.

Fondaparinux

i. v.; s. c.

Rivaroxaban

p. o.

Hirudin Desirudin

s. c.

Lepirudin

i. v.

Bivalirudin

i. v.

Argatroban

i. v.

Dabigatranetexilat

p. o.

Cumarinderivate Phenprocoumon

p. o.

Warfarin

p. o.

Herzinfarkt, Schlaganfall) bei langfristiger hochdosierter Einnahme; cave: Photosensibilität (s. Lichtdermatose ) bei top. Anw. (z. B. Ketoprofen). Vgl. Analgetika; Antipyretika; Antirheumatika. Anti|pyretika (gr. πυρετικ�ς fiebernd) n pl: (engl.) antipyretics; symptomat. Pharmaka gegen Fieber; Einteilung: 1. schwache Nichtopioid-Analgetika* mit antipyret. Komponente (z. B. Paracetamol); 2. nichtsteroidale Antiphlogistika*; Wirkungsmechanismus: über Hemmung der Prostaglandin-E-Synthese (unwirksam bei Hyperthermie) od. (wie Anilinderivate, z. B. Paracetamol) wahrscheinl. über Hemmung eines Isoenzyms im Gehirn. Anti|rheumatika (gr. �ε�µα das Fließen) n pl: (engl.) antirheumatic drugs; Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen* des rheumatischen Formenkreises; Formen: (nach Therapieansatz) 1. A. zur symptomatischen Ther., v. a. nichtsteroi-

Wirkungsmechanismus S P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P T P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P P U

indirekte Thrombin-Hemmung; Hemmung von Faktor Xa u. a.

Hemmung von Faktor Xa u. a. S T U

selektive Hemmung von Faktor Xa

S P P P P P P P P P P P P P P T P P P P P P P P P P P P P U

direkte Thrombin-Hemmung

S P T P U

Vitamin-K-Antagonismus

dale Antiphlogistika*, Analgetika* (cave: nur kurzzeitige Anw.), u. U. Muskelrelaxanzien u. Lokalanästhetika; 2. Glukokortikoide; 3. Basistherapeutika zum Verzögern des chron.-progredienten Verlaufs (DMARD*); 4. sog. (immunsuppressiv wirkende) Biologika (DCART*): Antikörper gegen Entzündungsmediatoren u. -rezeptoren (Anakinra u. die TNF*-Blocker Infliximab, Etanercept, Abatacept, Adalimumab); 5. kausale Ther., z. B. Antibiotika bei Infektion, harnsäuresenkende Mittel bei Gicht. Anti|thrombotika n pl: (engl.) antithrombotics; Sammelbez. für Antikoagulanzien* u. Thrombozytenaggregations-Hemmer. Vgl. Thromboseprophylaxe; Embolieprophylaxe. AO-Klassifikation f : (engl.) AO classification; Klassifikation der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen zur Einteilung von Frakturen* des Stützu. Bewegungsapparats u. Weichteilverletzungen; Prinzip: Weichteilklassifikation: berücksichtigt


Aortenruptur

13 AO-Klassifikation Klassifikation von Weichteilschäden

A

9

Hautverletzung (Abk. I für Integument) geschlossen (Abk. C für engl. closed) IC1

keine Läsion

IC2

Kontusion

IC3

umschriebenes Décollement

IC4

ausgedehntes Décollement

IC5

Nekrose

1

offen (Abk. O) IO1

Perforation von innen

IO2

Eröffnung von außen ≤5 cm

IO3

Eröffnung von außen >5 cm

IO4

umschriebenes Décollement mit offener Hautverletzung

IO5

ausgedehntes Décollement mit offener Hautverletzung

5 2 6

7

3 Muskel- und Sehnenverletzung (Abk. MT für engl. muscle, tendon) MT1

keine Läsion

MT2

umschriebener Defekt einer Muskelgruppe

MT3

Defekt mehrerer Muskelgruppen

MT4

Ablederung oder Verlust ganzer Muskelgruppen, Sehnenruptur

MT5

Kompartmentsyndrom, Crush-Syndrom

Nerven- und Gefäßverletzung (Abk. NV für engl. nerve, vessel) NV1

keine Läsion

NV2

isolierte Nervenverletzung

NV3

lokalisierte Gefäßverletzung

NV4

kombinierte Gefäß- und Nervenverletzung

NV5

(sub)totale Amputation

Haut-, Muskel- u. Sehnen-, sowie Nerven- u. Gefäßverletzungen (s. Tab.); die Frakturklassifikation umfasst jeweils 4 Zahlen u./od. Buchstaben: Nummerierung des betroffenen Knochens (1–9; s. Abb.), Position innerh. des Knochens (1–3), Komplexität der Fraktur (A–C), Schweregrad (1– 3). Aoø rten|ruptur (gr. ��ρτ� Schlauch, Schlagader; lat. ruptura Brechen, Reißen) f : (engl.) aortic rupture; Zerreißung der Aorta; klin. Notfall Urs.: Ruptur eines Aortenaneurysmas (meist infrarenal bei Bauchaortenaneurysma; bei Aortendissektion u. mykotischem Aneurysma häufig auch suprarenal); traumat. bei Hochenergietrauma,

4

8 AO-Klassifikation: Nummerierung der Knochen: 1: Humerus, Clavikula, Scapula; 2: Radius, Ulna; 3: Femur, Patella; 4: Tibia, Fibula; 5: Wirbelsäule; 6: Becken; 7: Hand; 8: Fuß; 9: Cranium

z. B. Dezelerationstrauma (selten, dann meist Aorta descendens); Einteilung: s. Tab.; Klin.: abhängig von Lok.; freie od. gedeckte innere Blutung mit akut einsetzendem, heftigem Rücken-, Thorax- u./od. Bauchschmerz, Akutem Abdomen, hämorrhagischem Schock; Hämoperikard mit od. ohne Perikardtamponade, Pleuraerguss, Hämatothorax (meistens links); bei Ruptur in Bronchialsystem bzw. Ösophagus Dyspnoe, Schock, Aspiration, Hämatemesis, Husten; Diagn.: Ultraschalldiagnostik, Angio-CT; Ther.: sofortige Op. mit Interposition einer Gefäßprothese, bei gedeckter Ruptur auch endovaskuläre Stentprothesenimplantation (vgl. Aortenaneurysma ); perioperative Letalität bei offener Op. ≤30 %, bei endovaskulärem Verf. 10–15 %; postoperative Paraparese nach offener Op. bei ≤10 %, nach endovaskulärem Verf. <5 %; Progn.: Letalität bei gedeckter Ruptur <20 %, bei freier Ruptur >90 %.


Apley-Grinding-Test

A

Aortenruptur Einteilung der traumatischen Aortenruptur in Schweregrade nach Parmley Grad

Bedeutung

1

subintimale Einblutung, Intima intakt

2

Einriss der Intima mit subintimaler Einblutung

3

Einriss der Media

4

falsches Aneurysma

5

kompletter Einriss der Aortenwand

6

kompletter Einriss mit paraaortaler Blutung

Apley-Grinding-Test (Alan G. A., Chir., London, 1914–1996; engl. to grind schleifen, reiben): (engl.) Apley’s grinding test; klin.-diagn. Untersuchungsverfahren bei Meniskusriss*; Prinzip: Patient liegt in Bauchlage mit 90° gebeugtem Kniegelenk; bei axialem Druck auf den Fuß in Richtung Knie Auftreten von Schmerzen bei Innenrotation des Knies (Urs. Außenmeniskusriss) od. bei Außenrotation (Urs. Innenmeniskusriss). Apley-Kom|pressions|test (Alan G. A., Chir., London, 1914–1996): s. Apley-Grinding-Test. Apo|physen|lösung f : (engl.) apophysial avulsion; syn. Apophyseolyse; traumat. Lösung der noch nicht knöchern fixierten Apophyse bei Jugendlichen, z. B. durch starken Muskelzug (Sportverletzung). Vgl. Epiphyseolyse. Apo|physen|nekrose, a|seø ptische f pl: s. Knochennekrose, aseptische. Apo|physeose f : (engl.) apophyseopathy; Verknöcherungsstörung der Apophyse im Wachstumsalter mit lokalisierter Schmerzhaftigkeit ohne stärkere röntg. Veränderungen; Vork.: z. B. Tibiaapophyse (Osgood*-Schlatter-Krankheit), Patellaapophyse (Larsen*-Johansson-Krankheit), Achillessehnenansatz (Apophysitis* calcanei). Vgl. Epiphyseose. Apo|physe, per|sistierende (gr. �π��υσις Auswuchs) f : (engl.) persistent apophysis; Ausbleiben der physiol. Verschmelzung einer Apophyse mit der Diaphyse; oft als traumat. Knochenausriss verkannt. Apo|physitis calcanei f : (engl.) Sever’s disease; syn. Sever-Krankheit; Entz. des Achillessehnenansatzes mit Schmerz u. Schwellung; Vork.: bei Jugendlichen, bes. bei Knickfußbildung (s. Achillodynie); Diagn.: (röntg.) Verbreiterung des Apophysenspalts, Sklerose od. klumpige Knochenverdichtung u. vermehrte Fragmentierung des Apophysenkerns (evtl. Vergleichsaufnahme der anderen Seite, MRT); bei geringen od. fehlenden röntg. Veränderungen den Apophyseosen*, sonst den asept. Knochennekrosen* zuzurechnen; Ther.:

14 symptomat., evtl. zeitl. begrenzte Absatzerhöhung; Progn.: Restitutio ad integrum. Ap|prehensions|test (lat. apprehe ndere anfassen, ergreifen) m: (engl.) apprehension test; Luxationserwartungstest; Stabilitätsprüfung i. R. der funktionellen Schultergelenkuntersuchung*; durch Erwartungsangst unbewusst behinderte schmerzhafte Subluxation des Humeruskopfs bei passiver Abduktion u. Außenrotation des Arms mit Druck auf den Glenoidalrand; z. B. bei Schulterinstabilität; vgl. Schultergelenkluxation. A|praxie (gr. �πρα��α Untätigkeit) f : (engl.) apraxia; Störung der Ausführung willkürlicher, zielgerichteter u. geordneter Bewegungen bei intakter motor. Funktion; Urs.: 1. erworbene Störung: Apraxie i. e. S. durch Erkr. od. Schädigung des Gehirns od. der Kommissurenbahnen; 2. umschriebene Koordinations- u. Entwicklungsstörung (klin. meist als Dyspraxie bezeichnet): ca. 8–10 % aller Kinder, häufiger bei Jungen; Formen: I. ideomotorische A.: Bewegungen werden fragmentarisch ausgeführt od. durch fehlerhafte ersetzt (Parapraxie), evtl. besteht zusätzl. Aphasie; v. a. bei Läsion des Parietallappens u. der Kommissurenbahnen; II. ideatorische A.: komplexe u. differenzierte Handlungen können inf. einer Störung des Bewegungsentwurfs (Ideation) nicht richtig aneinandergereiht werden; v. a. bei Läsion der temporoparietalen Region der dominanten Hemisphäre; III. Sonderformen: 1. gliedkinetische A. als zentrale Bewegungsstörung (zentrale motor. Lähmung inf. kontralateraler Schädigung des motor. Gyrus precentralis); 2. okulomotorische A. als Störung willkürl. od. visuell ausgelöster rascher Augenbewegungen (Sakkaden) mit Kompensation durch entsprechende, ruckartige Kopfbewegungen; angeb. als Cogan-Syndrom II, erworben z. B. bei Chorea Huntington, Hirnstammtumor, GaucherKrankheit, bilateraler frontoparietaler Läsion; 3. Beeinträchtigungen der visuell-räuml. Orientierung v. a. bei Läsion des Parietallappens der nicht sprachdominanten Hemisphäre; a) konstruktive A.: bei gestaltenden Handlungen unter visueller Kontrolle (z. B. Zeichnen) misslingt die räuml. Formgebung, ohne dass eine Beeinträchtigung elementarer Bewegungsabläufe vorliegt; b) sog. Ankleideapraxie: Störung der Fähigkeit, räuml. Beziehungen zwischen Objekt u. eigenem Körper herzustellen; c) buccofaziale A.: Parapraxie der Gesichts- u. Zungenmuskulatur; 4. Sprechapraxie; Diagn.: Beobachtung von Bewegungsausführungen, die sprachl. od. imitatorisch vorgegeben werden; Ther.: Übungsbehandlung mit kontrollierten Bewegungen zum Aufbau komplexerer Handlungen. Vgl. Agnosie ; Gedächtnisstörung ; Syndrom, hirnlokales . Aquajogging (lat. aqua Wasser): Laufen od. Joggen im Wasser; Formen: 1. A. mit Bodenkontakt der Füße (sog. water running); 2. treibendes A. ohne Bodenberührung unter Zuhilfenahme von Schwimmweste od. -gurt als Auftriebshilfe (sog.


15 suspended deep water running); Anw.: z. B. i. R. der Rehabilitationsbehandlung nach Op. der unteren Extremität od. Wirbelsäulenoperation (Vorteil: gelenkschonend durch stat. Auftrieb im Wasser). Vgl. Bewegungsbad. ARA-Kriterien n pl: Kurzbez. für Kriterien der American Rheumatism Association; (engl.) ARA criteria; s. ACR-Kriterien. Arbeits|fähigkeit: (engl.) ability to work; Abk. AF; Summe von Faktoren, die eine Person in einer bestimmten Situation in die Lage versetzen, eine gestellte Aufgabe erfolgreich zu bewältigen; im Beamtenrecht Dienstfähigkeit; beeinflusst durch Gesundheit (körperliche, psychische u. soziale Ressourcen), Ausbildung u. Kompetenz (einschließlich spezifischer Fähigkeiten, beruflichen Erfahrungswissens), Werte u. Einstellungen (einschließlich Motivation, Arbeitszufriedenheit) sowie Arbeitsbedingungen (körperliche, psychische u. soziale Arbeitsanforderungen, Arbeitsgestaltung, Führungsverhalten); nach Leistungsrecht der Arbeitsförderung vorliegend, wenn ein Arbeitsloser 1. eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung unter den üblichen Bedingungen des für ihn in Betracht kommenden Arbeitsmarktes aufnehmen u. ausüben, 2. an Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung in das Erwerbsleben teilnehmen, 3. Vorschlägen der Arbeitsagentur zur beruflichen Eingliederung zeit- u. ortsnah Folge leisten kann u. (aus ärztlicher Sicht) darf. Ist ein Arbeitnehmer nur in der Lage, in vermindertem Maß seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nachzukommen, besteht grundsätzlich seinerseits keine Verpflichtung zur Erbringung einer Teilleistung. Der Arbeitgeber kann keine Teiltätigkeit verlangen. Arbeits|schutz|gesetz: (engl.) Health and Safety at Work Act; Abk. ArbSchG; auf dem „Gesetz zur Umsetzung der EG-Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz u. weiterer Arbeitsschutz-Richtlinien“ vom 7.8.1996 (BGBl. I S. 1246) beruhendes, am 21.8.1996 in Kraft getretenes „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit u. des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit“, zuletzt geändert am 5.2.2009 (BGBl. I S. 160); ergänzt bereits bestehende spez. Vorschriften zum Arbeitsschutz durch arbeitsschutzrechtl. Grundregeln zugunsten nahezu aller Beschäftigter (Arbeitnehmer mit Ausnahme der in privaten Haushalten Beschäftigten, Auszubildenden, Beamten u. a.); verpflichtet jeden Arbeitgeber zur kontinuierl. Vornahme aller erforderl. Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen u. arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit; insbes. Erste Hilfe- u. sonstige Notfallmaßnahmen sowie arbeitsmed. Vorsorgeuntersuchungen der Beschäftigten (§§ 10 u. 11); ArbSchG begründet Mitverantwortung der Beschäftigten für ihre Arbeitssicherheit (§§ 15 ff.).

Armplexusanästhesie Arbeits|sicherheits|gesetz: (engl.) Safety at Work Act; Abk. ASiG; „Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure u. andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ vom 12.12.1973 (BGBl. I S. 1885), zuletzt geändert am 31.10.2006 (BGBl. I S. 2407); verpflichtet Arbeitgeber, sofern dies nach Art od. Umfang ihres Betriebs zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit erforderl. ist, zur Bestellung von Betriebsärzten u. a. Fachkräften für Arbeitssicherheit (od. Inanspruchnahme entspr. überbetriebl. Dienste) mit den Aufgaben der Beratung u. Beobachtung der Durchführung von Arbeitsschutzu. Unfallverhütungsmaßnahmen sowie der Durchführung u. Auswertung arbeitsmed. Untersuchungen der Beschäftigten. Vgl. Arbeitsschutz . Arbeits|un|fähigkeit: (engl.) inability to work; Abk. AU; liegt vor, wenn der Betreffende bedingt durch Krankheit sofort u. gegenwärtig nicht in der Lage ist, vertragsgemäß seiner bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit nachzugehen, od. die Gefahr besteht, dass sich durch weitere Arbeit in absehbarer Zeit sein gesundheitl. Status verschlechtert; AU wird von einem Arzt unter Angabe ihrer voraussichtl. Dauer befristet bescheinigt. Krankenstände variieren nach Alter u. Geschlecht, arbeitsrechtl. Status u. der Nationalität der Versicherten, nach Beschäftigungsbereichen u. Arbeitsmarktsituation. Geregelt in den „Richtlinien über die Beurteilung der AU u. die Maßnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung“ des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 1.12.2003, zuletzt geändert am 19.9.2006. Vgl. Berufskrankheiten; Berufsunfähigkeit; Erwerbsminderung; Unfallversicherung. Arbeits|unfall: (engl.) occupational accident; Unfall* eines in der gesetzlichen Unfallversicherung* Versicherten (Arbeitnehmer, Auszubildende, Kinder an Tageseinrichtungen, Schüler, Studenten u. a.) im Zus. mit einer der nach §§ 2, 3 od. 6 SGB VII versicherten Tätigkeit; als A. gilt außerdem der Versicherungsfall auf dem Weg nach od. von dem Ort der versicherten Tätigkeit (Wegeunfall, § 8 Absatz 2 SGB VII); Behandlung erfolgt durch D*-Arzt od. H*-Arzt u. umfasst nach Abschluss der Akutu. Rehabilitationstherapie Reintegration in das Arbeitsleben. ARCO-Klassifikation: s. Femurkopfnekrose. Arlt-Re|position (Benno Ritter von A., Chir., Klagenfurt, geb. 1874; lat. reponere, repositus zurückstellen) f : (engl.) Arlt’s method; Verf. zur Reposition einer vorderen Schultergelenkluxation* in sitzender Haltung des Patienten; Prinzip: verletzter Arm wird auf gepolsterter Stuhllehne gelagert, Reposition durch Dauerzug am Arm bei gebeugtem Ellenbogen (s. Abb.). Armaturen|brett|verletzung: s. dashboard injury. Arm|orthese f : s. Orthese. Arm|pleø xus|an|ästhesie (lat. ple xus geflochten; gr. �ναισθησ�α Unempfindlichkeit) f : (engl.) brachial plexus anesthesia; Plexusanästhesie* der oberen Extremität mit Blockade des Plexus brachialis durch Injektion eines Lokalanästhetikums in um-

A


Armplexusparese

A

Arlt-Reposition

gebende Gefäßnervenscheide bzw. in unmittelbare Nähe des Plexus; Formen: u. a. 1. axilläre Plexusanästhesie (auch Axillarisblock): häufigste u. komplikationsärmste Form mit perivaskulärer Punktion im Bereich der Axilla bei abduziertem Oberarm; Ind.: Op. im Bereich von Hand u. Unterarm; 2. Interskalenusblock: Punktion zervikal in hintere Skalenuslücke; Ind.: Op. im Bereich von proximalem Oberarm u. Schulter; Kompl.: selten hohe Periduralanästhesie, totale Spinalanästhesie; 3. infraklavikuläre Plexusblockade: Punktion unterhalb des Schlüsselbeins, in laterale Richtung u. bei Abduktion Arm|pleø xus|parese (lat. ple xus geflochten; gr. π�ρεσις Erschlaffung) f : (engl.) brachial plexus paralysis; sog. Brachialislähmung; Lähmung durch Läsion des Plexus brachialis; Urs.: z. B. Geburtstrauma, Unfall (häufig bei Motorradfahrern), Schlüsselbeinfraktur, Röntgenbestrahlung wegen Mammakarzinom u. a. Tumoren; Formen: 1. obere A. (syn. Erb- od. Duchenne-Erb-Lähmung, spinales Segment C 5–C 6): Lähmung von Abduktion u. Außenrotation im Schultergelenk, Flexion im Ellenbogengelenk u. Sensibilitätsstörung über dem M. deltoideus u. an der Radialseite des Unterarms; erweiterte obere A. (C 5–C 7): zusätzl. Lähmung von Flexion u. Extension im Ellenbogen u. der Finger sowie Dorsalextension der Hand; 2. untere A. (syn. Klumpke- od. Déjerine-Klumpke-Lähmung, C 8– Th 1): Lähmung der Fingerbewegungen u. Sensibilitätsstörung an der Ulnarseite des Unterarms, evtl. kombiniert mit Horner-Syndrom. Vgl. Kofferath-Syndrom . Arm|pro|these (gr. πρ�τιθ�ναι vorsetzen, an eine Stelle setzen) f : (engl.) upper limb prosthesis; Prothese für die Versorgung einer Amputation im Bereich der Schulter, des Ober- u. Unterarms bis zur Hand; Formen: 1. kosmetische A.: Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbilds; 2. funktionelle A.: Nachbildung von Bewegungsmustern; Schulter u. Ellenbogengelenk führen prothetische Hand als Greiforgan an ein Zielobjekt; 3. eigenkraftgetriebene A.: Bewegung mit Muskelkraft;

16 4. fremdkraftgetriebene A.: mit Energiespeicher u. elektromechan. Antrieb, Ansteuerung (myoelektrische Armprothese) über elektrische Muskelpotentiale der verbliebenen Muskulatur (s. EMG). Arm|vorhalte|test: s. Matthiass-Armvorhaltetest. Arteria-spinalis-anteø rior-Syn|drom (lat. spina Dorn, Stachel; anterior vorderer) n: (engl.) anterior spinal artery syndrome; Ischämie des Rückenmarks inf. Verschlusses der A. spinalis ant.; Urs.: meist Arteriosklerose, evtl. Kompression der A. spinalis ant. durch Bandscheibenvorfall* od. Rückenmarktumor*; Sympt.: Schmerzen, dissoziierte Sensibilitätsstörung*, Paraparese, Harnblasen- u. Rektumstörungen. Arthr-: Wortteil mit der Bedeutung Gelenk, Glied; von gr. �ρθρ�ν. Arthr|algie f : (engl.) joint pain, arthralgia; Gelenkschmerz, z. B. bei Arthrose* od. Arthritis*. Arthr|ek|tomie f : (engl.) arthrectomy; vollständige od. teilweise Resektion eines Gelenks*. Ar|thritis f : (engl.) arthritis; Gelenkentzündung; entzündliche Gelenkerkrankung; Pathol.: Synovialitis*; Urs.: 1. infektiöse A.: a) direkte Infektion durch penetrierende Wunde (sept. A., Gelenkempyem), z. B. Trauma od. iatrogen durch Punktion od. Injektion; häufigste Err.: Staphylokokken; b) septisch-metastatisch (hämatogen) bei versch. Infektionskrankheiten (Gonorrhö, Tuberkulose, Infektion mit Pilzen, Brucellen, Parasiten), bei Sepsis: Streuung von infektiösen Herden; 2. parainfektiöse A.: zeitgleich mit einer Allgemeininfektion auftretende, durch Immunkomplexe bzw. Zytokine bedingte Begleitarthritis ohne Nachw. lebender Err. im Gelenk; Vork. i. R. bakterieller Infektionen (meist akute Mon- od. Oligoarthritis, z. B. bei Yersinien- od. Chlamydieninfektion), bei Virusinfektionen (oft eher subakute Polyarthritiden, insbes. bei Hepatitis B) od. bei Infektion mit Parasiten (v. a. Filarien); 3. postinfektiöse A.: reaktive Arthritis* inf. persistierender Immunaktivierung; 4. A. bei lokaler Störung innerh. des betroffenen Gelenkes: a) A. bei Erkr. des Gelenkknorpels: sog. aktivierte Arthrose, Chondropathia* patellae, freier Gelenkkörper (v. a. Osteochondrosis* dissecans), rezidivierende Polychondritis*; b) (post-)traumat. A. (auch postop. Synovialitis); c) neoplast. A. durch primären Gelenktumor: benignes (villonoduläre pigmentierte Synovialitis*) od. malignes Synovialom* (Synovialsarkom) od. Chondromatose*; d) A. bei Gelenkblutung inf. Störung der Blutgerinnung, z. B. bei Koagulopathie (Blutergelenk* bei Hämophilie) u. Antikoagulanzientherapie; 5. A. bei Erkr. des rheumat. Formenkreises (meist chronische A.): rheumatoide Arthritis*, juvenile idiopathische Arthritis*, Spondylarthritis* (v. a. Spondylitis ankylosans u. A. psoriatica), A. bei Kollagenose* (v. a. bei systemischem Lupus* erythematodes) od. Vaskulitis (z. B. Purpura Schoenlein-Henoch, Polyarteriitis nodosa, Behçet*-Krankheit); 6. enteropathische A. (meist als Spondylarthritis) bei entzündl. Darmerkrankun-


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