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Schweiz

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Mittwoch, 4. Mai 2011  ·  Nr. 35

Mehr Transparenz in Private Equity Neue Trading-Plattform kombiniert soziale Netzwerke mit branchenspezifischen Bedürfnissen – Integriertes Deal-Verwaltungstool erfreut sich grosser Beliebtheit

Bild: ZVG

Kräftiger Einbruch

Neues Momentum

Gute Erholung

800 Neugeldzufluss in PE in Mrd. $

300

400 PE-Exits in Mrd. $

200 159 164

348

33 44

92

142 163

220

208 141

296 228

101

0 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10

n Buyout n Immobilien

n Wagniskapital n Distressed PE

50 40 30

20

09

10

11

Kurs 3. Mai in Fr. 40.30 Rendite in % 0 KGV 2011 27 Börsenwert in Mio. Fr. 664 Jahreshoch 2010/11 46.90 Jahrestief 2010/11 35.35 Valoren-Nr. 1 268 465

1500

300

541

400

286

n Andere

Geld aus einem Grundstückverkauf hätte Bobst 2010 einen Verlust ausgewiesen. Das Unternehmen spricht in der Mitteilung vom Montag von derzeit schwierigen Marktbedingungen. Mit der grössten Produktionsstätte in der Schweiz trifft Bobst der starke Franken besonders hart. Vor allem der Bereich Bogendruck, der Maschinen zur Verarbeitung von Karton produziert, kämpft immer noch mit Problemen. Nach einem Verlust im vergangenen Jahr sollen nun die Strukturen weiter verschlankt werden. Bobst steckt mitten in einer Umbauphase. Es laufen Sparprogramme, der Produktionsstandort wird innerhalb der Westschweiz verlagert und der Herstellungsprozess der Maschinen wird grundlegend umgestellt. Das sind schon viele Aufgaben auf einmal, und der jüngste Managementwechsel erleichtert die Lage nicht. Die Aktien Bobst kommen lediglich für Anleger mit sehr langfristigen Absichten in Frage. Vorerst sehen wir wenig Raum für Kursavancen. Die Valoren kamen nach Bekanntgabe der Abgänge unter Druck. Der Broker Helvea hat seine KaufempfehEB lung zurückgezogen.

100 65 71

104 80 82

1000

182 114 83

59 67

46 14 9 11 15

0 2005

2006

2007

2008

36

2009

25

45

53 57

2010

n Transaktionsvolumen in PE in Mrd. $

200 500 100

0

95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10

n Strategisch n Sponsor zu Sponsor

0

n IPO n Anzahl Total (r. Skala)

Quelle: Dealogic / Grafik: FuW, vp

600

Unterschiedliche Auffassungen über strategische Ausrichtung

Bobst N

271

653 666

Manager verlassen Bobst Der Westschweizer Maschinenbauer Bobst hat zwei Abgänge im Management gemeldet. Neben dem Leiter des Bereichs Bogendruck, Hakan Pfeiffer, verlässt auch Finanzchef Christian Budry das auf Anlagen für die Verpackungsindustrie spezialisierte Unternehmen. Beide sind langjährige Mitarbeiter, Pfeiffer seit 1991 und Budry seit 2001. Den Rücktritt des CFO begründet Bobst mit unterschiedlichen Meinungen in strategischen Fragen. Dessen Posten übernimmt vorläufig Attilio Tissi, Leiter der Schweizer Gesellschaft Bobst SA. Die Sparte Bogendruck wird CEO JeanPascal Bobst unterstellt. Im Gegensatz zu anderen Schweizer Maschinenbauern erholt sich Bobst nur sehr langsam von dem während der Rezession erlittenen Einbruch. Ohne das

Die internationale Ausrichtung der ­Plattform öffnet vor allem kleinen und ­mittelgrossen Fonds Türen: Den Investoren können Engagements ausserhalb des ­bisherigen Handlungsfelds angeboten werden. Ebenso bringt die globale Vernetzung der konjunktursensitiven PE-Branche, in Zeiten, in denen es schwierig ist, gute ­Investments zu finden, eine breitere Auswahl an Alternativen. Dafür wird aber auch der Konkurrenzdruck steigen. Auf spezifi-

Céline Fillistorf und Alex Vukajlovic wollen mit Deal Market Informationsasymmetrien im Private-Equity-Markt reduzieren.

253

Dealmarket kann sich in einigen Punkten deutlich von Konkurrenten wie Merger ID oder Companymarket.ch abheben. Das Suchen von Investitionsmöglichkeiten und Kontakten ist gratis, und um ein

Mehr Konkurrenz

zwar Anonymisierungseinstellungen sowie die Möglichkeit, Details selektiv zu kommunizieren – die Gefahr, dass ungewollte Parteien von privaten Aktivitäten Wind bekommen, kann jedoch nicht gänzlich ausgeräumt werden. Ausser der Kernkompetenz des ­Findens und Gefundenwerdens bietet Dealmarket ein Werkzeug an, mit dem Geschäfte ­effizient und sicher koordiniert sowie mit anderen Nutzern vernetzt werden ­können. Hinter dem Namen «Myoffice@Deal­ market» steckt die Erkenntnis, dass gerade kleinere Fonds oft über keine spezifischen Instrumente zur Verwaltung von PE-Daten verfügen. Vukajlovic erläutert: «Wir greifen damit einen wichtigen Trend auf. ­Besonders Family Offices organisieren sich vermehrt in kleineren Gruppen, um grössere Investments einzugehen oder um Anlagen zu realisieren, ohne gleich einen Mehrheitsanteil übernehmen zu müssen. Das Feedback ist bereits sehr gut, und es interessieren sich schon grössere Institute für das Verwaltungstool.»

sche Regionen ausgerichtete Fonds werden sich noch intensiver gegen weltweit agierende Mitbewerber wehren müssen. Ein Wundermittel für alle Herausforderungen in PE ist Dealmarket noch nicht. ­Wegen möglicher Interessenkonflikte und ­regulatorischer Einschränkungen bietet die Plattform bewusst nicht alle Dienstleistungen an. Bedenken bestehen auch in Bezug auf die Privatsphäre. Informa­tionen und spezifisches Insiderwissen geniessen einen hohen Stellenwert, und die Öffentlichkeit erfährt von Transaktionen oft nur nach deren Realisierung. Entsprechend dürfte die Mehrheit der Angebote erst auf Dealmarket landen, nachdem alle ­gewohnten Bemühungen keinen Erfolg zeigten. Die Plattform bietet Inserenten

Langsame Erholung

200

Neuer Ansatz

voraussetzt, gibt dies Käufern hilfreiche Informationen über den Verhandlungspartner und ermöglicht ihnen, sich ein objektiveres Bild zu schaffen.

Quelle: Dealogic/ Grafik: FuW, vp

W

ie haben wohl unsere Grosseltern nach einer Immobilie ­gesucht? Mit Zeitungsinseraten oder über Empfehlungen? Eugen Fama, Begründer der Effizienzmarkttheorie, hätte den Immobilienmarkt wegen seiner informationsasymmetrischen Charakteristiken als ineffizient bezeichnet. Seit der Erfindung des Internets hat sich aber viel verändert, es herrscht mehr Transparenz. Die Immobiliensuche ohne Homegate und Immoscout ist heutzutage nur noch schwer vorstellbar. Der Private-Equity-Markt (PE), in dem nicht kotierte Unternehmensanteile gehandelt werden, befindet sich in einer ähnlichen Situation wie früher der ­Immobilienmarkt. Geheimnisse werden streng gehütet, Transaktionen erst kurz vor oder nach der Abwicklung ver­ öffentlicht, und das Ausmass erhältlicher ­Informationen definiert sich oft über die Zahl und die Qualität der persönlichen Kontakte. ­Wegen der ­Intransparenz verstreichen ­interessante Möglichkeiten oft ungenutzt. Dies trifft ausser Fonds­ managern und ­Investoren auch Unternehmer, die nach Finanzierungs- oder Nachfolgemöglichkeiten ­suchen. Im Ge­ gensatz zu Bank­krediten (Fremdkapital) fallen durch die PE-Finanzierung keine Zinsen an, da der Käufer Eigentumsrechte (Eigenkapital) ­erwirbt. Vor diesem Hintergrund lancierten Alex Vukajlovic und Céline Fillistorf im März in Zürich die Internet-Plattform ­Dealmarket. Die Idee ist, Käufer, Verkäufer und Berater zusammenzubringen – es handelt sich im weitesten Sinn um eine Verkupplungsseite für Private Equity. ­Inspiriert von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Linkedin richtet sich Dealmarket an reine PE-Fonds, Family Offices und Banken, also an alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Fillistorf ergänzt: «In Bezug auf die Zielgruppe ergeben sich aber Einschränkungen. Die realistische Transaktionsgrösse liegt zwischen 1 und 50 Mio. $. Grössere Deals im Umfang von mehr als 100 Mio. $ dürften weiterhin über gewohnte Kanäle wie Investmentbanken abgewickelt werden.» Ebenso würden mächtige Marktteilnehmer wie Blackstone, Black Rock, KKR oder Apollo Capital in einer ersten Phase nicht aktiv partizipieren. Das bedeute ­jedoch nicht, dass sie Dealmarket nicht für Recherchetätigkeiten konsultieren.

­ ngebot zu publizieren, fallen lediglich A Kosten von 100 Fr. pro Monat an. Fonds, Berater oder Unternehmer erreichen ­somit mit geringem Aufwand ein breites, aber spezialisiertes Publikum. Interessant ist auch die soziale Kom­ ponente von Dealmarket. Die Plattform gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, das im PE-Geschäft wichtige Netzwerk auch ­online zu pflegen und zu erweitern, und sie können eine Liste mit abgeschlos­senen Deals, einen sogenannten Track ­Record, kostenlos dem Markt prä­sentieren sowie in Ver­bindung mit einem Kommentar ein ­Rating abgeben. In einem Markt, in dem Auskünfte nur spärlich vorhanden sind und eine Zusammenarbeit ein hohes Mass an Vertrauen

Quelle: Preqin / Grafik: FuW, vp

Tobias Bischoff

Dealmarket bringt erfrischend neue ­Lösungsansätze in eine von Vorurteilen belastete Branche, die seit der Finanzkrise 2008 noch nicht zu ihrer Höchstform ­zurückgefunden hat. Einzig das Volumen und die Zahl der Exits vermochten sich 2010 zu erholen. Das Akquirieren von neuen Geldern gestaltet sich für PE-­ Unternehmen aber nach wie vor ­schwierig, und die Zahl der Transaktionen hat zu ­Beginn dieses Jahres im Vergleich zum ­ersten Quartal 2010 abgenommen. Obwohl dank der historisch tiefen ­Zinsen mit zusätzlichem Fremdkapital ­finanzierte Käufe – Leveraged Buy-out – ­attraktiv sind, wurden die Vorkrisenwerte noch nicht erreicht, unter anderem, weil Banken restriktiver Kredite vergeben. ­Gemäss dem «Global Private Equity ­Report 2011» von Bain & Company verfügen ­PE-Fonds zudem über mehr als 950 Mrd. $ an uninvestiertem Kapital, sogenanntem Dry Powder. Erhöht Dealmarket das ­Geschäftsvolumen von PE lediglich um 1%, hätte dies auf viele Unternehmern einen grossen Einfluss. Sollte sich die Plattform im Markt ­bewähren, dürften gemäss der These von Fama die erzielbaren Margen schrumpfen. Mehr Transparenz kommt trotzdem allen beteiligten Parteien zu Gute. Dass Dealmarket gewisse Funktionen innerhalb des PE-Markts überflüssig machen wird, ist unwahrscheinlich. PE-Investments erfordern zu viel Know-how und Erfahrung, als dass private Investoren künftig ohne Unterstützung agieren könnten. Die Plattform kann aber kleineren ­Privatanlegern den Weg in diese attraktive Branche ebnen.

Personen/Kurz notiert Coltene, Altstätten: Das Dentaltechnikunternehmen erhält eine neue Führung. Der bisherige CEO Andreas Meldau wird die Gesellschaft spätestens Ende Oktober verlassen, um eine andere Position in der Dentalindustrie anzunehmen. Die Suche nach einem Nachfolger des seit 2008 aktiven Geschäftsleiters wurde eingeleitet. Straumann, Basel: Der Implantathersteller hat Thomas Dressendörfer zum neuen Chief Financial Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Gruppe bestellt. Der 53-jährige Dressendörfer wird spätestens Ende des dritten Quartals von Uster Technologies zu Straumann wechseln. Dort war er während drei Jahren Finanzchef und Mitglied der Geschäftsleitung. Zuvor leitete Dressendörfer die Finanzabteilungen grosser Geschäftseinheiten für Randstad, The Nielsen Company, Procter & Gamble sowie Baumüller. Sein Studium hatte er an der Universität Erlangen-Nürnberg mit einem Master in Betriebs- und Volkswirtschaft abgeschlossen. Orior expandiert: Fredag, eine Tochtergesellschaft des Nahrungsmittelherstellers, hat rückwirkend per 1. April den Tofuproduzenten Bernatur in Mels übernommen. Die Palette des Betriebs mit zehn Mit-

arbeitenden ergänzt das Angebot von Fredag, das ebenfalls vegetarische Fleischersatzprodukte herstellt. Die Arrondierung zu einem nicht genannten Kaufpreis beeinflusst Oriors Erfolgsrechnung kaum. Die Aktien notieren ein Jahr nach der Kotierung an der SIX 12% über dem Ausgabepreis. Sie sind mit einem Kurs-GewinnVerhältnis 10 anspruchslos bewertet. Myriad muss warten: Der Handysoftwarehersteller Myriad geht juristisch gegen die Eigentümer des ehemaligen Grosskunden Sagem Wireless vor. Weil die nun unter Mobiwire firmierende Gesellschaft Konkurs angemeldet hat, kann Myriad nicht mehr darauf hoffen, dass eine Forderung über 7 Mio. € rasch beglichen wird. Mobiwire, Myriad und die Mobiwire-Aktionäre hatten 2010 dazu einen Vergleich geschlossen. Myriad (die frühere Esmertec) hat seit der Publikumsöffnung stets Verlust ausgewiesen. Das Management hat die Aussichten für das laufende Jahr Anfang April nur sehr vage formuliert. Die Aktien Myriad eignen sich höchstens für sehr risikofähige Turnaroundanleger. BFW Liegenschaften vor nächster Runde: An der Generalversammlung der Thurgauer Immobiliengesellschaft BFW Lie-

genschaften in Wil (vgl. FuW Nr. 32 vom 23. April) war der Zürcher Rechtsanwalt Felix M. Rüttimann nach Ermahnungen aus dem Saal verwiesen und von einer Sicherheitsperson hinausbegleitet worden. Rüttimann berichtete der FuW, er leite um diesen Vorfall verschiedene Strafklagen ein. In diesem Zusammenhang legt er Wert auf die Feststellung, dass er an der GV «nicht die Verwaltungsräte mit Dokumenten beworfen hat». Er habe während seines Votums zwei offene Briefe, die ihm in störender Weise ans Rednerpult gegeben wurden, zu Verwaltungsrat Hans Jörg Brun zurückgeworfen. GLKB findet Ersatz für Zinsausfälle: Die Glarner Kantonalbank (GLKB) hat im ersten Quartal ein etwas schwächeres Zinsergebnis von 8,1 Mio. Fr. verzeichnet (–0,4% zum vierten Quartal 2010). Niedriger war auch der Handelserfolg (0,5 Mio. Fr.). Der Minderertrag wurde durch einen markant besseren Erfolg aus Kommissionen und Dienstleistungen von 2,9 Mio. Fr. (+25,7%) wettgemacht. Der Sachaufwand (+1,3%) und die Personalkosten (+4,8%) nahmen zu. Es resultierte ein Bruttogewinn über Vorquartal von 3,6 Mio. Fr., was einem Plus von 2,4% entspricht. Die Bilanzsumme sank 1,1% auf 3,27 Mrd. Fr.


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