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Das Magazin fĂźr Architektur, Bauen, Erhalten und Wohnen in GraubĂźnden

Ausgabe 1 | 2018


IDENTITÄT BEGINNT BEIM EINHEIMISCHEN ROHSTOFF.

Ihr Spezialist für Andeer Granit und San Bernardino Silber.


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EDITORIAL .

das historische Haus Simonett in Lohn zur Hauptsache in Eigen­ leistung restaurieren. In ihrem Neubau in Fläsch haben Gabriella und René Pahud mit ihrem Architekten den Landhaustraum in die Realität umgesetzt. Doch Architekturleistung beginnt oft schon weit vor dem Bauen – bei der Bauberatung, wo raumpla­ nerische und strategische Fragen abgeklärt werden. Robert Al­ bertin hat sich – neben seiner Tätigkeit als Architekt – auf solche Aufgaben spezialisiert. Bauen in Graubünden geschieht oft im ländlichen Gebiet und sogar ausserhalb der Bauzonen. Wir sprachen mit dem Amt für Raumentwicklung und geben praktische Tipps zum BAB-Verfah­ ren, aber auch zur Abwasserreinigung ausserhalb der Wohnzone. CUBATURA befasst sich mit traditionellen Baustoffen – etwa der Isolation mit Schafwolle – und mit dem alten Handwerk der Polsterei, aber auch mit Martin Bachmann, der für seine experi­ mentellen und konsequenten Arbeiten mit Holz den Bündner Kunsthandwerk-Preis 2018 gewann. Auch technisch anspruchs­ volle Gebäudeautomation und Ferienwohnung im Antikholz-Stil widersprechen sich nicht – wie der entsprechende Artikel in dieser Ausgabe beweist.

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Unter Nota Bene finden Sie eine ganze Reihe von weiteren spannenden Bau- und Umbauprojekten, vom Pferdestall und der

Inzwischen gibt es CUBATURA Graubünden schon seit vier Jahren

Orangerie bis zum Stampflehmbau und zum geschindelten

und die Feedbacks, die wir bekommen, sind nach wie vor ermuti­

Gemeindehaus. Also nichts wie los! Blättern Sie, schnuppern Sie,

gend. Das Magazin erfüllt ein wichtiges Bedürfnis und ist genau

lesen Sie und lassen Sie sich inspirieren. Wir freuen uns schon

das, was es sein soll : Eine Quelle der Inspiration und ein Magazin,

auf Ihre Rückmeldungen – ob via Facebook unter cubatura.swiss,

wo Artikel zum Bauen zwischen Tradition und Moderne, wie es in

per E-Mail, per Telefon oder mit einem Brief. Nun wünschen wir

Graubünden gelebt wird, gesammelt sind.

Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre der sechsten Ausgabe von CUBATURA Graubünden.

Architektonisch präsentieren wir Ihnen in dieser Ausgabe einen innovativen Geist, dessen Wirken bis heute nachhallt : Rudolf Olgiati und seine unverkennbare Architektursprache. Zeitgenös­ sische Akzente setzt Iso Huonder aus Chur, der mit seinen zwei Erweiterungsbauten des Campings Trun mit Holzarchitektur zur Natur zurückkehrt. Was geschieht, wenn begeisterte Architekten gleich selber anpacken, beschreibt Maya Höneisens Bericht vom Architektenpaar Esther Elmiger und Christian Jonasse, welche

Oliver Schulthess

Markus Mehr

Titelbild ( Christian Jonasse ) Historischer Schatz : Haus Simonett in Lohn ( siehe Artikel Seite 40 ).

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MYTHISCH. Im Erlencamping.6

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EXPERIMENTELL. Mit Löffel und Bett.

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ARCHITEKTUR & DESIGN

NISCHENHANDWERK

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Erweiterung Camping Trun : Huonder, Eugster, Bieler

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Sereina Brosi – Innendekorateur Fachrichtung Polsterei

12

Martin Bachmann – Preisgekrönt, einheimisch, filigran

30

Rudolf Olgiati – Sachlich den Menschen

FINANZEN & VERSICHERUNG

48

Welches Hypothekarprodukt passt am besten?

RECHT & GESETZ

36

Im Baufenster bewegen – Bauberatung und

ins Zentrum stellen

OBJEKTE & MENSCHEN

20

Landhaus-Romantik bei Pahuds in Fläsch

40

Archaische Architekten im Haus Simonett

WOHNEN & EINRICHTEN

26

Referenzprojekt: Automatisierte Ferienwohnung

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Raumentwicklung 64

BAB-Verfahren – Praktische Tipps für Bauherren

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Klärendes zum Abwasser im ländlichen Raum


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RÜCKFÜHREND. Durchs Olgiati-Land.30

TRAUMGESCHAFFEN. Im Landhaus-Stil.

20

MATERIAL & TECHNIK

AUSKLANG

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Bündner Schafe liefern Dämmmaterial

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Wichtige Adressen

81

Inserentenverzeichnis

82

Impressum

NOTA BENE

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Davos : Vom Pferdestall zum «Stall Valär»

73

Trimmis : Bruchstein, Rundholz, Fachwerk

74

Chur : Ein Top-Floor fürs Hotel ABC

74

Morissen: Dorfbeiz & Müllerstube

75

Almens : Stampflehm & Holzelemente

75

Pany : Ein Zentrum im Zentrum

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Soglio : La Streccia – Stall, Häuschen, Schmiede

77

Domat / Ems : Gartenatelier mit Orangerie

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ERLKÖNIG IN TRUN. 2016 konnte das Erweiterungsprojekt des Campings

von Trun abgeschlossen werden. Nach den Plänen von Architekt Iso Huonder aus Chur ist hier eine Anlage mit zwei Gebäuden entstanden, die sich nahtlos in die bestehende idyllische Landschaft am Ufer des Rheins einfügt. Text : Fridolin Jakober

Bilder : Ralph Feiner


ARCHITEKTUR & DESIGN

Der Steg vom Parkplatz zum Haupthaus.

« Wer reitet so spät durch Nacht und Wind ? Es ist der Vater mit

bauingenieur Walter Bieler aus Bonaduz setzt sich intensiv mit

seinem Kind . . . » Es gibt in der deutschen Literatur wohl kaum

dem mythischen Gehalt dieser idyllischen Erlenlandschaft aus­

einen bekannteren Gedichtanfang als jener zur Ballade « Erl­

einander, die ja – am Rand des Siedlungsgebietes – auch so

könig » von J. W. von Goethe. Denn wie kaum in einer anderen

etwas wie den Übergang in die wilde Natur markiert. Tuturna, die

Gedichtzeile ist hier die archaische Situation des Menschen

römische Brunnennymphe, steht nämlich den Wassersuchern bei,

ausgedrückt, der unterwegs ist, und die Magie des Erlkönigs mit

die mit ihren Wünschel­ r uten aus Haselnuss oder Schwarzerle

seinem Schweif, der das kranke Kind in seine Wildnis lockt.

nach unterirdischen Brunnen und Quellen suchen, entsprechend

Zwischen dem Ortskern der 1000 -Seelen-Gemeinde Trun und

reich sind die magischen Wirkungen, die man im Laufe der Jahr­

dem wilden Wasser des jungen Vorderrheins wächst in der

tausende der Erle zugestand. Schon bei Homer steht die Erle für

Auenlandschaft ein lichtes Erlenwäldchen, das dem Camping

Trauer und Trügerisches und noch bei Goethe ist es der Erlkönig,

« Ogna » ( Erlen ) seinen Namen gab. Dieser Camping sollte, so der

der das kranke Kind des Vaters holt. Diesem Bedrohlichen und

Wunsch von Trun Turissem und der politischen Gemeinde Trun

Magischen soll die strenge und dunkle Form des Haupthauses

( heute Campadi Trun SA ), modernisiert und erweitert werden

einen Schutz entgegenstellen, einen Zufluchtsort der Camper vor

und einen ganzjährigen Campingbetrieb ermöglichen. Der

der wilden Natur.

Auftrag im Projektwett­bewerb von 2012 verlangte, die Infrastruk­ turen und den Aussenraum den veränderten Anforderungen

Auf die Landkarte kommen

anzupassen und zugleich ein neues Betriebsgebäude zu planen.

Doch eigentlich wollte man mit dem Erweiterungsprojekt im Erlen­

Das Siegerprojekt « Tuturna » von Architekt Iso Huonder aus

wald von Trun etwas ganz anderes erreichen : Der Camping von

Chur, Landschaftsarchitekt Lorenz Eugster aus Zürich und Holz­

Trun sollte in der Schweiz und in Europa auf die Landkarte des

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ARCHITEKTUR & DESIGN

Im Sommer genutzt : das unbeheizte Badehaus.

Campings kommen – im Vergleich zu der ganzen Mythologie ein

Gebäude ist einstöckig und – wegen des hohen Grundwasser­

ganz pragmatisches Ziel. Die spezielle Qualität der bestehenden

spiegels – ohne Unterkellerung gebaut, doch setzt das steile

Campinganlage zeigte sich vor allem in der umgebenden Natur,

Dach über dem Restaurant- und Küchenbereich einen starken

in welche sie eingebettet ist. In der Nähe zum Rhein, im lichten

Akzent, so dass sich die Silhouette auf der erhöhten Prau Ameri­

Erlenwald, im Wasser und in ihrer Lage im Tal.

ca markant und schützend vom Wald abhebt.

So teilte das Projekt das Programm der Nutzung auf zwei Gebäude

Auf der Innenseite des L-förmig angeordneten Haupthauses

auf: Auf ein un­beheiztes Badehaus auf der Prau Lung, welches nur

können Camping- und Restaurantgäste auf der winkelförmigen

in den warmen Jahreszeiten genutzt wird, und auf ein Hauptgebäu­

gedeckten Veranda draussen sitzen oder zu den Toiletten,

de auf der Prau America, welches als Vierjahreszeiten-Haus den

Duschen und zum Trockenraum gehen. Hier liegt auch die

Gästen auch in den Wintermonaten Schutz bietet. Das ein­stöckige

Vorfahrt, was den Platz zum zentralen Treffpunkt mit dem Haupt­

Badehaus ordnet vier Einheiten windmühlenartig um einen Hof an,

eingang macht. Auf der äusseren Seite des « L » gegen die Wald­

darin kann man sich beim Kaffeeautomaten treffen oder auch die

lichtung hin liegt vorgelagert die ebenfalls gedeckte Haupt­

sanitären Anlagen in den vier Gebäudeeinheiten nutzen.

veranda des Restaurants, die ein höheres Dach aufweist und von wo man einen weiten Blick hinauf ins Vorderrheintal und in die

Im Haupthaus Schutz finden

Strahlen der Abendsonne geniesst. Über einen Steg kann hier

Das Hauptgebäude mit dem Empfang und dem Restaurant

auch der Parkplatz Prau America erreicht werden und im

grenzt direkt an den Wald und den Weiher und bildet – zusam­

Sommer kann man hier auf einem Vorplatz unter Lichtgirlanden

men mit Fischzucht und Tennishaus – ein Ensemble. Auch dieses

auf mobilen Festgarnituren feiern.

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Vorfahrt und Haupteingang zum Vierjahreszeiten-Haus.

Auf dem Vorplatz und auf der Hauptveranda kann man auch abends draussen sitzen.

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Das hohe Restaurant gleicht einem Kirchenschiff.

Raffiniert und zugleich einfach

Architektur auf raffinierte Weise architektonische und gestalte­

Die äussere Fassadenverkleidung des Haupthauses besteht aus

rische Anpassungen mit der gewünschten Funktionalität der

schwarz lasiertem Fichtenholz, innen dagegen ist die Verkleidung

infrastrukturellen Einrichtungen. Gleichzeitig aber – und dies ist

unbehandelt. Wie ein Campingzelt spannen die vier Binder aus

die eigentliche Leistung – hat sie einen Ort der Mythen und

unverleimtem Holz das helle Restaurantgebäude auf – der 8,70

Sagen erhalten, welcher von den Campinggästen als « echte »

Meter hohe Gastraum wirkt wie das Schiff einer hohen Holz­

Landschaft weiter wahrgenommen werden kann.

kirche. In der Deckenunterschicht sind akustische Massnahmen integriert, unter der Schalung absorbiert ein dichter, aber offen­ poriger Schafwollfilz die Schallwellen und neutralisiert Schadund Reizstoffe aus der Raumluft. Die Stühle der Möblierung sind schwarz wie die Aussenhaut des Gebäudes, die Tische und Sitz­ bänke sind aus Esche geschaffen. Während alle anderen Räume über Epoxidharzböden verfügen, wählte man für das Restaurant einen Boden aus massiver, gebürsteter Fichte. Über der Küche dagegen befindet sich im Dachgeschoss der Lüftungsraum. Auf der sonnenexponierten Seite des mit 50 Grad geneigten steilen Daches wurden zudem zirka 35 Quadratmeter Warmwasserkol­ lektoren installiert, sie versorgen die Campinganlage mit einem Teil des nötigen Warmwassers zum Duschen. So verbindet die

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BÜNDNER KUNSTHANDWERK-PREIS 2018. Pressemitteilung der Stiftung Bündner Kunsthand­w erk : « Martin Bachmann, Schreiner und Inhaber von irr&sinnig möbel in Furna, wird für seine konsequente Haltung gegenüber Handwerk und Material ausge­z eichnet, für seine experimentelle Annäherung an den Rohstoff Holz, seinen sparsamen und nachhaltigen Umgang damit, und nicht zuletzt für seine Liebe zum Beruf. » Text : Marietta Kobald

Bilder : Alice Das Neves ; Frederic Meyer


ARCHITEKTUR & DESIGN

Ein Augenschein Ausser der Hochebene Danusa ist in Furna alles steil, auch der Weg hoch zur Werkstatt von Martin Bachmann, mit dem Auto nicht zu schaffen. Aber dafür ist die Aussicht über das mittlere und hintere Prättigau überwältigend. Der Zugang zur Werkstatt ist windgeschützt, führt durch einen Schopf mit Brennholzstapel. Drinnen ertönt eine Maschine, Klopfen ist demnach unwirksam. Bachmann steht an seiner Kombimaschine und fräst gerade Nuten in ein gehobeltes Nussbaumbrett. Er nimmt den Gehörschutz ab, grüsst und bietet Kaffee an. Auf einem leichten, eleganten Stuhl aus Kastanienholz und Kuhleder sitzend, erzählt er von seiner Arbeit, seinem Werde­ gang. Derweil dreht er die Kurbel einer alten Kaffeemühle, die er zwischen seine Knie geklemmt hat. Seit fünf Jahren lebt und arbeitet Bachmann in Furna, konnte diese kleine Werkstatt von einem Bauern übernehmen und seinen Bedürfnissen anpassen. Dorf und Leute kennt er aber schon aus seiner Zeit als Hirte auf einer Alp hier oben, hat damals Freunde gewonnen und diese immer wieder besucht. Seine Verbindungen zum Prättigau gehen allerdings bis zu seinen Ur­ grosseltern zurück, diese stammten aus Fanas. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner arbeitete er mehrere Jahre in Rom bei Fast alles hat seinen Platz.

einer genossenschaftlich organisierten Schreinerei.

Millimeterarbeit auf der Fräse.

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ARCHITEKTUR & DESIGN

Dünn und filigran « Über die Jahre ist in dieser Werkstatt eine Atmosphäre entstan­ den, in der ich mich wohlfühle, mich daher gut auf die Arbeit ein­ lassen kann », sagt Bachmann, indem er Kaffee einschenkt, eine silberne Zucker­dose und ein filigranes Holzstück auf den Tisch stellt. Bei Letzterem offenbart sich Bachmanns Einstellung zum Material Holz aufs Beste. Es handelt sich um einen dünnen, qua­ dratischen Abschnitt von Traubeneiche, mit der Bandsäge bis auf einen Drittel der Höhe in hauchdünne Streifchen gesägt. Die­ se können nun abgebrochen werden und dienen als Espressolöf­ feli, wunderbar riechenden, die ihren Duft erst recht entfalten in Verbindung mit dem heissen Kaffee. « Traubeneiche riecht sehr fein, hat eine frisch-süsse Note. » Dies hat Bachmann während einer Auftragsarbeit für ein Bettgestell aus ebendiesem Holz fest­ gestellt. Die Herstellung von diesem hübschen Gebrauchsge­ genstand dient ihm auch als tägliche Konzentrationsübung und dabei verwertet der 37- Jährige gleich noch Holzabfälle. Hier in Furna habe er das Glück, früh und unmittelbar auf das zu verarbeitende Holz Einfluss zu nehmen. In nächster Umgebung wachsen Fichte, Ahorn, Lärche, Esche oder Ulme. Sein Nachbar, der Sägereibesitzer Fluri Züst, sägt es in der gewünschten Stärke

Der Platz ist begrenzt.

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Auf dem Dachboden lagert Bachmann sein Holz.


ARCHITEKTUR & DESIGN

Modelle und Gefundenes mischen sich auf dem Fensterbrett.

und Bachmann kann es über einige Jahre draussen an der Fur­ ner Luft trocknen lassen. « Später lagere ich es auf dem Dachbo­ den meiner Werkstatt und vor dem Weiterbearbeiten trockne ich es auf die gewünschten circa zehn Prozent hier in der geheizten Werkstatt », erklärt er. Ungewohnt dünne Ahornbretter-Stapelchen trocknen momen­ tan auf einer Werkbank, werfen filigrane Schattenlichter auf den Boden. Sie sind das Grundmaterial für « Lichtfänger », so nennt Bachmann ein Wandregal aus Ahorn, welches mit einem Schieberchen aus hauchdünnem, geflochtenem Holz versehen ist. Entwickelt hat er es gemeinsam mit der Künstlerin Sandra Kühne. Tüfteln und weiterentwickeln Mehrheitlich arbeitet Bachmann auf Bestellung, macht jeweils Vorschläge in Miniaturgrösse. Davon zeugen verschiedene Mö­ belchen, die ähnlich einer Puppenstube in einem Regal ausge­ stellt sind. Feinstarbeit, ebenfalls aus Holz und bereits mit der für ihn typischen Pigmentfarbe an schmalen Frontflächen einge­ färbt. Wie sein dreiteiliges Bettgestell « Corelia » aus Lärchenholz. Die braunrote Pigmentfarbe stellt er selber her, tüftelt an Mischungen aus Leinöl, natürlichen Pigmenten, Casein, Russ oder Sumpfkalk. « Manchmal misslingt es, wie gestern, da ging mir eine Mischung gründlich in die Hose », sagt er und lacht dazu. Aber Für kleine sinnliche Auseinandersetzungen im Alltag.

dieser Prozess sei ihm wichtig, dazu nehme er sich die Zeit.

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ihre badumbau-profis – von der idee zum wunschbad sie träumen von einem neuen bad in den bestehenden vier wänden ? gut so. lassen sie uns ihre wünsche aufnehmen und das neue traumbad in 3d planen. von der analyse der bestehenden installation über die beratung in der sanitärausstellung bis zur realisierung ihres modernen traumbades übernehmen wir. mit beratung, bauleitung, terminplanung und kostenkontrolle.

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Möbel mit Schieber « Lichtfänger ».

Bettgestell « Corelia » aus Lärchenholz.

Sein neuestes Projekt ist eigentlich eine Weiterentwicklung des

Zum Abschied erhält die Schreiberin Espressolöffeli aus Trau­

ersten Stuhlmodells « Davatz » – seiner Grossmutter gewidmet –

beneiche. Nach gut einer Woche sind davon zwei Stück abge­

aus Kastanie und Leder, Kuhleder ungeschnitten, in seiner

brochen. Sie danach zu entsorgen, war einfach zu schade, also

ganzen Dicke, daran tüftelt er zusammen mit Spezialisten aus der

unter fliessendem Wasser abspülen und trocknen lassen.

Lederbranche. So treffen sich nicht nur Holz und Leder an der Stuhlkante, sondern auch Menschen, die sich jeweils vertieft mit

Morgen nach dem Mittagessen finden die beiden wieder Ver­

diesen Werkstoffen auseinandersetzen.

wendung.

Bündner Kunsthandwerk-Preis Die Stiftung Bündner Kunsthandwerk fördert Kunsthand­ werkerinnen, Designer und Gestalterinnen mit Geldbei­ trägen und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist 1998 als Nach­ folgerin des Bündner Heimatwerks entstanden, dessen Genossenschafter der Stiftung ihr Vermögen übergaben – ein Haus in der Churer Altstadt. So können jährlich zwi­ schen CHF 30 000.– und 40 000.– ausbezahlt werden. Es gibt Anerkennungspreise für ein Lebenswerk und För­ derpreise für ein Projekt oder einen bemerkenswerten Beitrag. Bewerberinnen und Bewerber müssen in Grau­ bünden wohnen oder ihre Arbeit soll einen engen Bezug zum Kanton haben. Der Stiftungsrat ist auch die Jury. Dem Preisträger 2018 , Martin Bachmann, wurde die mit CHF 10 000 dotierte Auszeichnung im Rahmen einer Feier am 12. März 2018 in Chur überreicht. www.kunsthandwerk-gr.ch

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REPORTAGE

DIE CRUFERS RECHNEN MIT SONNE.

Jan und Daniela Crufer haben ihr Einfamilienhaus in Domat /

tische Sanierung des Hauses und den Bau einer In-Dach-Photo­

Ems energetisch saniert und bei rhiienergie eine Photovoltaik­

voltaikanlage, um von den zurzeit interessanten Fördermitteln

anlage gepachtet. Seither produzieren sie einen Teil ihres

des Kantons zu profitieren. « Wir verglichen sechs verschiedene

Strombe­d arfs selber und können sogar Strom ins Netz einspei­

Anbieter für Photovoltaik und sowohl Kauf- als auch Pacht­

sen. Ein Bei­s piel, das Schule macht – dank der Rundum-sorglos-

systeme », sagt Jan Crufer. « Erst war ich skeptisch beim Pacht­

Pakete von rhiienergie.

system, denn bis jetzt habe ich meistens den Kauf bevorzugt. Aber als junge Familie brauchen wir auch Flüssiges auf der Seite

« Wir wollen mit unserer Familie etwas zur intakten Umwelt Grau­

und so ist die Pacht eine ziemlich coole Geschichte. Ich muss

bündens beitragen », sagen die Crufers aus Domat / Ems. Denn in

nicht alle Investitionen auf einen Schlag tätigen, ich habe jetzt

dieser intakten Umwelt leben sie mit ihren drei Söhnen Laurin

für 15 Jahre ein Rundum-sorglos-Paket und bei rhiienergie

( viereinhalb Jahre ), Fadri ( zweieinhalb Jahre ) und Nando ( halb­

Ansprechpartner, denen ich vertraue und die meine Anlage auf

jährig ). « Die Installation einer PV-Anlage ist dabei ein Schritt.

dem Radar haben. Für sie bin ich nicht einfach eine Kundennum­

Derzeit ist unsere Anlage noch etwas gross dimensioniert, aber

mer, sondern ein Partner, also Lieferant und Abnehmer.»

vermutlich werden wir schon bald E-Bikes und den elektrischen Rasenmäher anschliessen, später vielleicht auch ein E-Auto. »

Bei den KEV- Beiträgen entschieden sich die Crufers für die Einmalvergütung, doch die Rechnung mit dem Strompreis ma­

Die Vorteile des Pachtsystems nutzen

chen sie genau. Sie zahlen zwar einen monatlichen Pachtzins,

Nachdem die Crufers das Elternhaus gekauft hatten, machten

dafür sinken ihre Energiekosten. Ein Teil davon geht, so Jan Crufer,

sie die Gesamtrechnung und entschieden sich für eine energe­

auf die verbesserte Dach- und Fensterisolierung, doch der Ertrag

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REPORTAGE

aus der produzierten Energie läppert sich. Da ist einerseits die

werden in Zusammenarbeit mit regionalen Partnerunternehmen

Überproduktion, die Crufers zu attraktiven Preisen ins Netz spei­

installiert. Dabei verwendet rhiienergie sorgfältig ausgewählte

sen können. Doch am meisten spart Crufer mit jenem Strom, den

Solarmodule und Komponenten. Die Pacht bietet Vollservice.

er selber nutzt. Denn im Umfang der Kilowattstunden, die er selbst

rhiienergie überwacht die verpachteten Solaranlagen und auch

produziert und verbraucht, sinken auch die Netznutzungs­

der Kunde hat die Möglichkeit, über ein webbasiertes Tool jeder­

gebühren und die Abgaben. Im Herbstquartal 2017 , wo er erst­

zeit in seine Anlagendaten einzu­sehen. Wenn etwas kaputt geht,

mals auch 650 kWh Strom ins Netz abgab, blieb ihm dank der

wird es auf Kosten von rhiienergie repariert oder ersetzt. Dabei

verkauften Energie beim Energieverbrauch ein Gewinn, wäh­

muss sich der Kunde nicht mit den technischen Komplexitäten

rend Gebühren und Abgaben um rund einen Drittel tiefer waren.

einer Solaranlage auseinandersetzen – rundum sorglos halt.

Insgesamt reduzierten sich die Kosten – im Vergleich zum Vor­

Wer seine Solaranlage lieber kaufen möchte, kann dies mit dem

jahresquartal – um mehr als 73 %.

angebotenen Kaufmodell von rhiienergie.

Durch Anpassung sparen Der wichtigste Speicher, den die Crufers derzeit betreiben, ist ihr 600 -Liter-Boiler, dessen Wasser mit eigenem Strom erhitzt wird.

Die Rundum-sorglos-Solarangebote von rhiienergie

Doch sobald günstige Batteriesysteme erhältlich sein werden, will Jan Crufer so eins zukaufen oder ebenfalls in die Pacht auf­

Wenn auch Sie Ihre Stromkosten senken und etwas Gutes für die

nehmen. « Für unsere Luft-Wasser-Wärmepumpe produzieren wir

Umwelt tun wollen, gibt es bei rhiienergie massgeschneiderte

noch zu wenig Energie. Nebst dem neuen regulierbaren Staub­

Lösungen. Errechnen Sie mit dem Online-Solarrechner die Kosten

sauger sind wir auch bei den anderen Stromgeräten affin. Früher

für Ihre Photovoltaikanlage im Modell Pacht und im Modell Kauf.

haben wir – wegen des Niedertarifs – nachts gewaschen,

Holen Sie bei rhiienergie ein konkretes Angebot ein.

Geschirr gespült, Wäsche getrocknet oder den Boiler aufgeheizt. Jetzt tun wir das – wenn die Sonne scheint – tagsüber, denn dann

Modell Pacht : Das Pachtmodell funktioniert ähnlich wie ein Leasing

geht der Verbrauch auf Eigenproduktion. » Überhaupt sei es sein

über 15 Jahre. Die Solaranlage wird durch rhiienergie vorfinanziert –

Ziel, dereinst so autark wie möglich zu werden, denn « die Kern­

Sie bezahlen eine monatliche Pachtgebühr über eine Laufzeit von

energie wird eingestellt werden und es zeigt sich, dass wir im

15 Jahren. Anschliessend gehört die Anlage Ihnen. Das darin enthal­

Schweizer Netz an den Anschlag kommen. Wenn ich selber

tene Vollservice-Paket garantiert Ihnen eine einwandfreie Produkti­

produziere, werde ich unabhängiger.» In seinem Bekanntenkreis

on während der Pachtlaufzeit.

empfiehlt Jan Crufer das innovative Pachtsystem. Denn die für den Kunden massgeschneiderten Systeme von rhiienergie

Modell Kauf : Beim Modell Kauf gehört die Anlage direkt nach Erstel­ lung Ihnen – Sie können bei rhiienergie ein kostenpflichtiges Über­ wachungs-Paket abschliessen. Option Energiespeicher : Mit einem Energiespeicher nutzen Sie von Ihrem selber produzierten Strom rund 30 % mehr gegenüber einer Solaranlage ohne Speicher. rhiienergie bietet ein Komplettsystem bestehend aus Solaranlage und integriertem Energiespeicher. Option Eigenverbrauchsgemeinschaft ( EVG ) : Als Liegenschaftseigentümer oder Mieter können Sie sich zu einer EVG zusammenschliessen – bei rhiienergie bekommen Sie dazu

das Rundum-sorglos-Paket mit Beratung, Projektierung, Bau, Betrieb und Unterhalt inklusive Abrechnung und weiterer administrativer Aufgaben.

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AUS ERINNERUNGEN GESCHÖPFT. Am Dorfrand von Fläsch haben sich Gabriella und René Pahud ihre eigene Vision von einem Haus entworfen. Es lebt von zahlreichen Erinnerungen an eine Kindheit und versprüht gerade dadurch einen eigenwilligen Charme. Text : Maya Höneisen

Bilder : Alice Das Neves


OBJEKTE & MENSCHEN

Verschiebbare Fenstertüren öffnen die Räume

Liebevoll arrangierte Details geben den

im ersten Stock zur Terrasse hin.

Räumen Atmosphäre.

Sie wollte schon immer in Fläsch wohnen. Der Grund ? Wenn

Der Ofen als Familientreff

sie als Kind von Bad Ragaz, wo sie aufgewachsen ist, über den

Es sind viele dieser Erinnerungen, die in das Haus eingeflossen sind.

Rhein nach Fläsch schaute, hatte dieses Dorf mehr Sonne. Ein

Bereits als Kind sei sie eine Sammlerin gewesen, erzählt Gabriella.

durchaus nachvollziehbares Motiv, sich an das gegenüberlie­

Schon damals liebte sie all die Dinge ihrer Grosseltern und Urgross­

gende Rheinufer hinzuwünschen. Gabriella Pahud hat sich zu­

eltern, die Familiengeschichte zeigen. Unzählige Zeitzeugen aus

sammen mit ihrem Mann René diesen Wunsch erfüllt, auch wenn

der Vergangenheit sind denn auch eingebaut oder dienen als De­

zuvor einige Hürden zu nehmen waren. Genau diese gaben aber

koration. Das Zentrum des Hauses ist die grosse, offene Wohnküche

die Zeit, die eigenen Ideen wachsen zu lassen und sorgfältig Erin­

im ersten Stock. Da war ein Ofen für die Hausherrin ein Muss, «einer,

nerungen und Lebensphilosophien mit der Planung zum Haus zu

um den sich die ganze Familie versammeln kann ». Es wurde ein Piz­

verweben. Nicht zu vergessen die Sonne, die schon in Gabriellas

zaholzofen, der jeden Sonntagabend für eine gemütliche Famili­

Kindheit mehr Strahlen auf Fläsch als auf Bad Ragaz warf und im

enrunde zum Mittelpunkt wird. Daneben glänzt ein gusseisernes

eigenen Heim ihrer Rolle gerecht werden sollte. Eingefangen

Relikt. «Er stand früher vermutlich in einem alten Patrizierhaus. Zu­

werden ihre Strahlen heute, gut durchdacht, in allen Räumen.

letzt war er in einem Eisenbahndepot in St. Gallen im Einsatz», weist

Einmal über grosse verschiebbare Fenstertüren im Wohn- und

Gabriella auf den alten Holzkochherd mit den drei Feuerstellen

Küchenbereich, die den Raum zur grosszügig angelegten Terras­

hin. Benutzt wird er höchstens für Speisen mit einer längeren Koch­

se hin öffnen und ihn mit der Aussenwelt verbinden. Ein anderes

zeit, zum Beispiel eine Gerstensuppe. Für den Alltagsgebrauch

Mal über in Nischen eingelassene und an Luken erinnernde

dient ein Induktionsherd. An die verputzten Wände sind in Original­

Sprossenfenster. Sie könnten aus einem historischen Haus mit

schrift Koch­ rezepte aus dem Rezeptbuch der Ur-Urgrossmutter

dicken Mauern stammen. Auch dies wohl ein bisschen Erinne­

übertragen. Im Wohnbereich lädt eine gemütliche Nische mit

rung an die gute alte Zeit, welche die Pahuds ins Heute mitge­

einem Kaminofen als Rückzugsort ein. «Es braucht offene Räume,

nommen haben.

aber auch Möglichkeiten, für sich zu sein», ist Gabriella überzeugt.

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10. Mai bis 28. Oktober 2018

Historische Fahrten Täglich zwischen Davos Platz und Filisur

it fpreis m rausweis Ohne Au h a F m e ltig ! einem gĂź 2. Klasse r e d o . 1 der stalgie b.ch/no www.rh


OBJEKTE & MENSCHEN

Acht Jahre des Wartens « Ich wollte immer ein Haus, in dem eine grosse Familie Platz hat », erklärt Gabriella weiter. Im Jahr 2001 fand sie mit ihrem Mann die passende Parzelle im Wunschort Fläsch. Aus für Gabriella und René nachvollziehbaren Gründen war aber der Eigentümer lan­ ge Zeit nicht von einem Verkauf zu überzeugen. « Wir warteten ganze acht Jahre auf dieses Stück Land », erinnert sich Gabriella. Im Jahr 2009 wurde dann der Deal Realität. Zu ihrer Parzelle kam mit dem heutigen Garten eine zweite danebenliegende hinzu, insgesamt ungefähr tausend Quadratmeter waren nun ihr Eigen­ tum. Entwürfe und Pläne ihrer Vorstellungen vom Haus hatte das Paar dank den acht Jahren des Wartens genügend in der Schublade, Gabriella als die Kreative, René als derjenige, der die Ideen und Visionen jeweils zu Papier brachte. Von Flohmärkten und aus Brockenhäusern trug Gabriella Einzelstücke zusammen. Erinnerungsstücke aus ihrer eigenen Familiengeschichte war­ teten darauf, zu neuem Leben erweckt zu werden. Alte Ton­ platten aus Frankreich, die im Wohnbereich eingebaut werden sollten, waren eingelagert, ebenso historische Holztüren, Schrän­ ke und viele andere Raritäten. Im Herbst 2009 war Baustart. Der Architekt, verantwortlich, die Pläne bewilligungsfähig zu Papier zu bringen, sowie für Baueingaben und Statik, sorgte dafür, dass das Projekt erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte. Im Frühling 2010 zog die Familie in rund 280 Quadrat­meter Wohn­

Rezepte aus dem Kochbuch der Ur-Urgrossmutter liessen

fläche, verteilt auf drei Etagen, ein.

die Hauseigentümer auf die Wand in der Küche übertragen.

Wichtig war bei der Planung ein geräumiger Wohn-Ess-Bereich für die ganze Familie.

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Acht Jahre lang warteten Gabriella und René Pahud auf das Stück Land, auf dem sie ihren Wohntraum verwirklichen wollten.

Wellness mit Aussenbereich

Im Wellnessbereich sind Familienmitglieder und Freunde

Der kopfsteingepflasterte Eingang zum Haus mit dem schweren

gerne willkommene Gäste.

Holztor weckt Erinnerungen an überlieferte Bautradition. Hinter der Türe liegt das geräumige Entrée, das gleichzeitig als Warte­ raum für Gabriellas Klienten dient. Sie ist Inhaberin der im Par­ terre des Hauses untergebrachten Praxis für Kinesiologie und Coaching. Ebenfalls im Parterre beherbergt eine Einlieger­ wohnung zurzeit einen der Söhne. Ein Wellnessbereich ist offen für Familienmitglieder und Freunde. Da dominieren im Innern ein Heubett, gezimmert aus Balken eines alten Stalls, und eine Holz­ wanne. Ein Bogenfenster ist auf die Nachmittagssonne ausge­ richtet. Eine mit Sandstein ausgelegte Dampfsauna und eine Massageliege runden den Innenbereich ab. In einem kleinen Vorhof, umrandet von den Pflanzen im Garten und windge­ schützt, laden finnische Sauna und Whirlpool zur Entspannung ein. Schlafen unter dem Sternenhimmel In den ersten Stock führt eine geschwungene Steintreppe. Fens­ ternischen, gefüllt mit Zierkissen und Kinderspielsachen, geben den Blick in die Natur frei. Sie habe als Kind im Haus ihrer Gross­ eltern oft auf den Treppenstufen gespielt, erzählt Gabriella. Diese eigene Erinnerung bringt sie heute für ihre eigenen Enkel ins Haus ein. Neben der Nasszelle und dem Wohn- und Küchenbereich im ersten Stock versteckt sich ein Doppelzimmer mit einem kleinen romantischen Balkon, geschützt von einem grossen, Schatten

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OBJEKTE & MENSCHEN

spendenden Baum. « Ein guter Ort, wenn es im Sommer sehr heiss ist », meint Gabriella. Eine Stiege höher sind ein Arbeitszimmer, Schlaf- und Spielnischen, wiederum für die Enkelkinder, und Renés Büro eingerichtet. Hier wurde Fichten-Rohholz verbaut. Denn : « Holz muss neben dem verputzten Mauerwerk in den un­ teren Geschossen für mich auch sein », hält sie fest. Das gemein­ same Schlafzimmer hat sich das Paar ganz zuoberst eingerichtet. Ein Horst mit verschiebbaren Dachfenstern, der im Sommer unter dem offenen Sternenhimmel träumen lässt. « Einzigartig », schwärmt Gabriella. Sie sei sowieso ein Naturmensch und gerne so oft wie möglich im Freien. Ein Blick in den Garten bestätigt den Natur- und Familienmen­ schen Gabriella. Der über 100 Jahre alte Nussbaum, den sie sich schon seit Beginn der ersten Pläne im Garten gewünscht hat, breitet sein Blätterdach aus. Hunderte von Rosen blühen jeweils im Juni, wenige Wochen später der Lavendel. Mit viel Liebe zum Detail – wie schon im Hausinnern – sind verschiedene zwischen Blumen und Sträuchern versteckte Plätzchen hergerichtet, um zusammenzusitzen oder um sich zurückzuziehen, auszuspannen Nussschalen nachempfundene Holzschalen laden ein,

und die Sonne zu geniessen. Diejenige, die in Fläsch ja bekann­

die Ruhe im Garten zu geniessen.

termassen ein bisschen länger scheint.

Im grossen Garten sind verschiedene Plätze zum Verweilen eingerichtet.

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«

GEBÄUDEAUTOMATION : AB IN DIE KOMFORTZONE. « Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis sich ein gewisser Automationsstandard für Gebäude als Standard etabliert. » Davon ist Thomas Bornhauser, Geschäfts­f ührer der 4e elektrotechnik ag, Chur, überzeugt. Er realisierte auch – zusammen mit Holzrausch – die Automatisierung bei der Totalrenovation der Ferienwohnung von Simone und Toni Köhli-Leimer. Die Begeisterung für die Digitalisierung hat sich für sie bezahlt gemacht. Text : Fridolin Jakober

Bilder : Mathias Kunfermann


WOHNEN & EINRICHTEN

Saubere Luft zum Atmen, Wärme, sauberes Trinkwasser, Essen,

Praktisch alle grösseren Bürogebäude und Industrieanlagen sind

Schlafen, dazu eine sichere Unterkunft – die biologischen Grund­

heute automatisiert. So kann der Facility Manager gezielt und

bedürfnisse des Menschen sind seit Jahrtausenden dieselben.

gewerkeübergreifend die Heizung und Lüftung steuern, den

Doch die Formen des Wohnens und Lebens haben sich seither

Zugang zum Gebäude gewähren, Fenster schliessen oder öffnen

immer weiterentwickelt und die Möglichkeiten zur Steuerung von

und ganze Anlagen überwachen. Vieles davon läuft fast immer

Geräten sind heute fast unbegrenzt – gerade auch dort, wo sie

automatisch : Sensoren messen die Helligkeit und die Temperatur,

den Wohnkomfort und die Sicherheit gewährleisten. Schon vor

Lampen schalten sich ein, die Klimaanlage springt an.

mehr als 20 Jahren wurde mit KNX ein Feldbus geschaffen, mit dem sich das Gebäude automatisieren lässt. Während früher die

Ganz anders dagegen ist das bei den meisten in den eigenen

Steuerfunktion mit der Energieverteilung fest verbunden war, was

vier Wänden. Hier dreht man den Storen noch mit einer Kurbel

nachträgliche Änderungen bei der Schaltung sehr aufwändig

hoch, öffnet das Fenster am Griff, drückt den Lichtschalter und

machte, trennt KNX die Gerätesteuerung und die Stromver­

dreht am Heizungsventil. Vielleicht hat man schon einen auto­

sorgung auf zwei Netze – das Stromnetz, welches die Geräte mit

matischen Garagentoröffner, aber den muss man dann im Auto

230- V-Wechselstrom versorgt, und das Steuerungsnetz mit 29- V-

mit dabeihaben, und das Oberlicht braucht ebenfalls eine eige­

Gleichstrom – den KNX-Bus.

ne Fernbedienung. Dabei könnte man dies alles und noch viel mehr zentral über ein Tablet, ein Smartphone oder einen Com­

Über dieses Netz können Sensoren und Computer alle möglichen

puter steuern. Allerdings müssen dazu die nötigen Kabel,

Verbraucher ansteuern – von der Jalousie über die Leuchte

Sensoren und Steuergeräte installiert sein. Wer also heute neu

bis zur Heizung und zur Raumlüftung, zur Stereo- und zur Alarm­

baut oder rundum saniert, der plant die Steuerung am besten

anlage, zum Garagentor und zur Bewässerungsanlage. Neue

gleich von Beginn weg mit. Denn neben dem eigenen Komfort –

Geräte können – dank Schnittstellen – einfach in die Steuerung

also Beschattung, Beleuchtung, Lüftung, Kühlung und Heizung –

mit aufgenommen werden, da der KNX-Standard offen ist,

rücken heute neue Faktoren ins Zentrum. Es sind dies einerseits

können alle Hersteller ihre Geräte dazu kompatibel herstellen.

die Sicherheit und andererseits die Energieeffizienz.

Smart Home Automation – mit Feller Lynk auf iPad visualisiert

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WOHNEN & EINRICHTEN

Velux Solar : mit Beschattung und Belüftung – sowie Anbindung ins KNX

Referenzobjekt Ferienwohnung Zu den Ersten, die das gemacht haben, gehören Simone und Toni Köhli-Leimer. Für ein bestehendes Objekt, also eine Renovie­ rung, sei die vollständige Ausrüstung mit KNX wohl noch eher unüblich, sagt Toni Köhli. Doch da in der Ferienwohnung ein Gesamtersatz der veralteten Elektro-Installationen anstand, entschied sich Familie Köhli-Leimer, nicht nur Licht, Storen und Heizung konsequent einzubinden, sondern auch Kamera, Dach­ fenster, Dampfabzug, Sonos und alles Weitere. Als Kunden, wel­ che erhöhte Anforderungen an Komfort, flexible Bedienbarkeit, Energieeffizienz und Sicherheit haben, fanden sie in 4e elektro­ technik ag ein Unternehmen, das mit ihrer Ferienwohnung ein Referenzobjekt realisieren konnte. Thomas Bornhauser beschreibt die Besonderheiten des Projektes der Familie Köhli-Leimer so : «Hier lag die Herausforderung am Objekt selber. Da es sich um eine Ferienwohnung handelt, ist es noch wichtiger, das KostenNutzen-Verhältnis gut abzuwägen, da das Objekt ja nur teilweise bewohnt ist. » Kosten, die sich lohnen Auf der Kostenseite, so Bornhauser, sei eine Automatisation bei der Erstinvestition eigentlich immer etwas teurer als konventio­

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KNX-Taster-Panel im Wohnbereich – Tabletlösung via externes iPad


WOHNEN & EINRICHTEN

nelle Installationen. « Deshalb können die nachhaltigen Langzeit­

welche so realisiert wurde. « Eine Knacknuss war der externe

kosten erst bei einer ausgeklügelten energieeffizienten Steue­

Zugriff für die App-basierende Visualisierungssteuerung, da hier

rung gesenkt werden. » Neben der Sicherheit sind es aber genau

die Anbindung über die bestehende Hausanlage eingebunden

die Energieeffizienz und der gesteigerte Komfort, bei denen die

werden musste. » Smart Home und Smart Building, also die

Bauherrschaft die Vorteile der vollständigen Ausrüstung mit

Ein­ bindung und intelligente Vernetzung aller Medien, liegen

KNX sieht. Als wesentliche Anwendungsbereiche nennt sie die

heute im Trend. Bornhauser sieht aber insbesondere für Graubün­

Erleichterung des Alltags in den Ferien vor Ort mittels Szenen

den ganz spezifische Vorteile. « Bei uns im Kanton kann

oder übergreifender Funktionen – etwa « Alles aus » beim

die Automa­ tion helfen, Brücken zu überwinden, sprich bei

Ver­lassen der Wohnung. Wenn Familie Köhli-Leimer abwesend ist,

grösseren Distanzen via externen Zugriff das Ansteuern zu

so kann sie die Wohnung von überall her steuern und über­

erleichtern. Da die Automation überall verbaut werden kann,

wachen. « Wir können zum Beispiel die Wohnung automatisch

kann auch in abgelegensten Gebieten hoher Komfort erreicht

lüften, ohne vor Ort zu sein, oder wir können die Heizkosten

werden. » Deshalb ist Bornhauser überzeugt, dass Gebäude­

reduzieren, indem wir die Heizung fernsteuern. » Derzeit ist die

automatisierung im Kanton Graubünden bei gehobenem

externe Bedienung noch mittels KNX-App gelöst, hier folgt

Baustandard sehr wertvoll ist und dass zukunftsorientiertes

noch eine zusätzliche Visualisierung, sobald die Evaluation ab­

Bauen mit einem hohen Automationsgrad hier einen guten

geschlossen ist.

Schutz der Investitionen garantiert.

Speziell in Graubünden Thomas Bornhauser hat bei diesem Projekt alle Medien ange­ troffen, welche möglich sind – so zum Beispiel Storensteuerung, Dachfenstersteuerung inkl. Beschattung, Heizungsregulierung, Multimedia-Einbindung

sowie

die

gesamte

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«

DAS GLÜCK BEHÜTETEN WOHNENS. Rudolf Olgiati hat die Elemente der Bündner Architektur nicht nur studiert, sondern er hat sie zur einmaligen Sprache zu­s ammengefügt. Damit hat er – in einem spe­ ziellen Sinn – etwas Unsterbliches geschaffen, das es heute zu schützen gilt, so wie man die einmaligen Land­ schaften Graubündens schützt. Text : Fridolin Jakober Bilder : Mathias Kunfermann ; Porträtbild aus der Publikation Rudolf Olgiati Architekt von Thomas Boga / Birkhäuser Verlag


ARCHITEKTUR & DESIGN

« Der Fundus meiner Arbeit ist die optische Sachlichkeit der Grie­

schützende Mauerschale, welche fest im Boden wurzelt und sich

chen. » Mit diesem Ausspruch umreisst Architekt Rudolf Olgiati

gegen den Himmel öffnet, die tiefliegende Feuerstelle als Mittel­

( 1910 – 1995 ) selbst, wie er dazu gekommen ist, eine eigene

punkt des Wohnbereichs, von dem die Raumbeziehungen aus­

Architektursprache zu entwickeln. Manche Interpreten – etwa

strahlen. Die annähernd quadratischen Öffnungen der Fenster,

Ulrike Fischer in « Regionalistische Strategie in der Architektur

welche den Schalencharakter der Fassade respektieren. Die

Graubündens : von 1900 bis in die Gegenwart » – sehen Phasen, in

Wiederverwendung von handwerklich wertvollen Teilen aus dem

denen sich die Architektur Graubündens stärker mit der lokalen

Abbruchobjekt, welche ein lebendiges Verhältnis zur Vergangen­

Tradition verband, etwa in der « Heimatschutzarchitektur » von

heit schaffen. Aus diesen und weiteren Elementen seiner Archi­

Nicolaus Hartmann, Otto Schäfer und Martin Risch vor dem

tektursprache entstanden Häuser und Wohnungen, die selbst­

1. Weltkrieg, in den Bauwerken nach dem 2. Weltkrieg, wo sie

verständlich wirken und doch neu sind.

Olgiati in einer Reihe mit Iachen Könz und Bruno Giacometti sehen, und schliesslich die aktuelle Phase mit Peter Zumthor und

Thomas Boga, der 1977 die Monographie « Die Architektur von

Gion A. Caminada. Tatsächlich haben sich alle diese Architekten

Rudolf Olgiati » verfasste, die wir – neben seinen Bauten – als

mit den Traditionen des Bauens in Graubünden beschäftigt und

wichtige Quelle für den vorliegenden Artikel verwendeten, be­

knüpfen daran auf ihre individuelle Weise an.

schreibt diese sinnliche Wirkung in seinem Vorwort sehr klar : « Im Februar 1962 verbrachte ich meine Ferientage zum erstenmal im

Der Mensch im Zentrum

Apartementhaus ‹ Las Caglias ›. Das Haus war erst seit anderthalb

Womit also hebt sich Rudolf Olgiati von ihnen ab ? Was macht ihn

Jahren eröffnet. Ich versuchte damals nicht, die gewonnenen

als Architekten einzigartig ? Zuerst einmal ist es sein anthropo­

Eindrücke zu analysieren. Vertrautheit und Geborgenheit wirkten

logischer Zugang. Olgiati stellt den Menschen ins Zentrum und

weit nachhaltiger als Gestalt und Formensprache. ‹ Las Caglias ›

untersucht die sinnlichen Wirkungen, welche die Elemente der

schien so selbstverständlich da zu stehen wie der Hügel, auf dem

Architektur auf den Betrachter und den Bewohner haben. Die

es gebaut ist. »

Das Haus wird bei Olgiati in die Landschaft hineingebaut.

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Die Gärtnerei und das Mehrfamilienhaus Urech in Chur sind im Quartier unterhalb des Bahnhofs Stadtlandschaft geworden.

Ort der Begrenzung Innen / Aussen – die schützende Mauerschale.

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Das Wichtige betonen

Dem Haus seinen Raum lassen

Weiter ist es die optische Sachlichkeit der Griechen, an der sich

Wer sich heute auf eine kleine Spritztour durch « Olgiati »-Land

Rudolf Olgiati orientiert und mit der er sich abhebt. Eindeutig,

begibt und etwa über Bonaduz und Versam nach Ilanz und

einheitlich, eingepasst und entspannt sollen seine Häuser wirken.

von dort über Sagogn nach Laax und Flims fährt, findet manche

Sie

Stilrichtung. Individualisierung

seiner Kunstwerke inzwischen eingeschnürt von postmodernen

besteht bei Olgiati nicht im Hervorheben von Unwichtigem oder

« Scheusslichkeiten » in Pink und Grün, von Fertighäusern mit

in der beliebigen Abgrenzung vom Umgebenden. Sie entsteht

maschinell gefertigten Dachziegeln und von spanischen Villen,

vielmehr dadurch, dass das Gebäude an den Ort angepasst

welche teilweise die Frechheit besitzen, die Elemente des Woh­

wird, an dem es steht, und indem er Gruppen von gleichen Bau­

nens, die er für Graubünden neu definierte, ohne architekto­

teilen durch leichte Veränderungen an ihren Gliedern individua­

nisches Können zu zitieren.

folgen

nicht

irgendeiner

lisiert. Er selber verteidigt die Einmaligkeit der Landschaft und ih­ rer Bebauung gegen die Regulierung mit scharfen Worten : « Die

Dabei baute Olgiati selber die Häuser in die Landschaft hinein,

schönen Wohn- und Aussichtslagen werden bei Einzonungen

richtete ihre Formen auf den Horizont aus und achtete auf eine

durch die heute übliche Planung mit Sicherheit zerstört. Das

intakte Schale, die den Bewohner vor der wilden Natur beschützt.

1,5 -stöckige Eigenheim wird rundum – mit gebührendem Ab­

Noch immer finden sich – etwa in den Kernzonen von Versam,

stand – von ebenfalls 1,5 -stöckigen Häusern umstellt. ( . . . ) Eine

Castrisch oder Sagogn – jene Häuser aus früheren Jahrhun­

solche Bebauungsweise verschafft Gleichheit. Jeder hat es in

derten, welche die Vorlagen für den Torbogen und die durch

seiner Parzelle gleich schlecht. » Und – schon fast visionär –

kleine Fenster unregelmässig strukturierten Fassaden lieferten.

beschreibt er, was sich in den schönsten Orten Graubündens

Einige davon werden durch sorgfältiges An- und Weiterbauen

tatsächlich in der Folge ereignete : « Die Planung indessen

und durch rückführende Renovation zu einem Stück Heimat,

fördert die Streubauweise, durch die chaotische Ansammlungen

andere harren weiter aus, verlassen von ihren Bewohnern, die

scheusslicher Idealvorstellungen vom Mini-Feudalsitz bis zur spa­

sich lieber etwas mit vier Zimmern, Küche, Bad und Lift suchten,

nischen Villa begünstigt werden. »

und werden dem Zerfall preisgegeben.

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ARCHITEKTUR & DESIGN

Das Apartmenthaus « Las Caglias » – gebaut mit der optischen Sachlichkeit der Griechen.

Zum Glück – muss man sagen – werden viele Dorfkerne heute weiträumig umfahren und dort, wo die Strassen nach wie vor mitten durchs Dorf führen, darf die gewachsene Bebauung das Tempo aus dem Verkehr ziehen. Rudolf Olgiati selber setzte sich für Transportwege ausserhalb der Wohnzone ein und für eine Erschliessung durch Stichstrassen. « Transportwege, die in Serpen­ tinen durch ein Quartier hindurch gar zu einer Alp oder einem Maiensäss führen, zerstören die Siedlung. » 2014 hätte – Ironie des Schicksals – die Gemeinde das malerische Quartier um die Via las Caglias in Flims fast zerstört, indem sie Olgiatis Via las Caglias – einen kurvigen Weg, der mitten durchs Quartier führt – zu einer durchgängig 4,2 Meter breiten Strasse mit Rand­ abschlüssen ausbauen wollte. Inzwischen ist diese Gefahr vorerst gebannt und « sein » Quartier wird als baukünstlerisches Gesamt­ kunstwerk gefeiert. Rudolf Olgiati (geboren 7. September 1910 in Chur; gestorben 25. Sep­ Noch schöner wäre es allerdings, wenn die Prinzipien und

tember 1995 in Flims) war ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit.

Formen, die Rudolf Olgiati für das Bauen in Graubünden entwi­ ckelte, nicht nur geschützt würden, sondern möglichst oft und

Nach einem Studium der Kunstgeschichte an der ETH Zürich und

weiträumig zur Anwendung kämen. Auch und gerade dort, wo

einem Aufenthalt in Rom war er zuerst in Zürich, ab 1944 in Flims als

heute ganze Quartiere mit ökologisch optimierten Mehrfamilien­

Architekt tätig. Als einer der Ersten entdeckte er in den 1950er-Jahren

häusern ohne umgebenden Raum aus dem Boden gestampft

die Bedeutung historischer Gestaltungsprinzipien für die Architektur

werden, um die Ausnützungsziffern mit der Rendite in Einklang zu

der Moderne, seine Formensprache entwickelte er im Spannungsfeld

bringen. Und natürlich dadurch, dass die gewachsenen Struk­

der lokalen Bündner Bautradition, der griechischen Antike, aber auch

turen der Dörfer nicht nur respektiert, sondern auch effektiv von

zeitgenössischer Architekten wie Le Corbusier. Bei ihm vereinigt sich

Menschen bewohnt werden. Sein Werk jedenfalls ist und bleibt

Architektur mit lokaler Tradition und mit dem Ort als solchem, zu dem

der Fundus, aus dem sich eine der Region verpflichtete Architek­

seine Werke eine Beziehung schaffen. Ein grosser Teil seiner Bauten –

tur Graubündens für ihre Arbeit bedienen kann.

vorwiegend Einfamilienhäuser – finden sich in Flims sowie von Ilanz bis Chur, seine volkskundliche Sammlung wird im Olgiati-Museum in Flims Waldhaus in einem dreiflügligen Anbau an den «Pavillon» des Hotels Waldhaus sowie im «Gelben Haus» 1von Flims ausgestellt. CUBATURA | 2018

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IM BAUFENSTER BEWEGEN. Bauberatung kommt in jener Phase zu Tragen, wo es in der Regel um raumplanerische und strategische Fragen und Gedanken der baulichen Entwicklungen eines Dorfes oder Verdichtungsfragen in bestehen­den Bauzonen geht. Bei konkreten Baugesuchen res­p ektive beim Einzel­­objekt/Quartier sind vielfach neutrale gestalterische Beurteilungen gewünscht und notwendig. Auftraggeber sind meist Gemeinden, welche vor unterschiedlichsten Herausforderungen stehen. Albertin Partner Architekten in Chur haben sich nebst ihren öffentlichen und privaten Bauprojekten auf solche Aufgaben spezialisiert. Text : Fridolin Jakober

Bilder : Albertin Partner Architekten


RECHT & GESETZ

Es gibt beim Bauen eine Konstante, nämlich, dass Gesetze und

bewerben als Jurymitglied beigezogen. Schübelbach, Siebnen,

Regulierungen ständig zunehmen und sich verändern. Die Bau­

Buttikon, Domat / Ems, Flims, Wartau, aber auch kleine Gemein­

behörde ist meistens der Gemeindevorstand – also eine Milizbe­

den wie Donat-Wergenstein, Almens und Vals – sie alle stehen

hörde, deren Mitglieder vom Volk aus politischen Überlegungen

vor teilweise komplexen planerischen Aufgabenstellungen.

für diese Aufgabe gewählt wurden. Deshalb sieht das kant.

Seine frühere Lehrtätigkeit als Assistent an der ETH Zürich und

Raumplanungsgesetz in Graubünden vor, dass die Baubehörde

seine jetzige Dozentenstelle an der HTW Chur erlauben ihm ein

und die Bau- und Planungskommission der Gemeinde externe

schnelles Erfassen der Fragestellungen.

Fachleute zur unabhängigen und vertieften Beurteilung und Bearbeitung von rechtlichen, technischen oder gestalterischen

Wenn es um Bauten im Dorfkern geht, müssen in der Regel die

Fragen beiziehen können. So kann das politisch Gewollte und

Behörden der Gemeinden externe Berater beiziehen. Will eine

das architektonisch Machbare im Rahmen der Gesetzgebung

Gemeinde kontrolliert wachsen oder steht sie vor eigenen Infra­

ausgelotet werden.

strukturprojekten, zieht sie den Bauberater hinzu, um den Pla­ nungsprozess effizienter zu gestalten und der Legislative sinnvolle

Externe Beratung

Varianten vorzuschlagen. Dort, wo die Gemeinde selbst Auftrag­

Robert Albertin und Sara Cadonau von Albertin Partner Archi­

geber ist, etwa bei einem Schulhausbau, prüft sie meistens,

tekten in Chur beschäftigen sich mit solchen Bauberatungen.

welche Rahmenbedingungen für ihr Projekt gelten und sinnvoll

Robert Albertin war von 2007 bis 2016 im Gemeinderat von

sind. Hierzu erstellen Albertin Partner Machbarkeitsstudien mit

Haldenstein und arbeitete in einem Teilzeitmandat sieben Jahre

Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Visualisierungen, die als

in der Stadtentwicklung der Stadt Chur, kennt also die Bedürf­

Grundlage zur strategischen Weichenstellung dienen.

nisse und Probleme einer Exekutivbehörde aus eigener Erfah­ rung. « Ich habe unter anderem als Gemeinderat die Revision

Lesbarkeit schaffen

des Zonenplanes und Baugesetzes in Haldenstein geleitet. Hier

« Gerade wenn eine Gemeinde selber Bauland hat und es –

ist die Gemeinde auf verschiedenen Ebenen neue Wege ge­

etwa für verdichtetes Bauen – parzelliert, um es Bauherren

gangen. » Seither wird Robert Albertin von einer wachsenden

zur Verfügung zu stellen und damit zu wachsen, will sie auch

Zahl von Gemeinden als Bauberater oder bei Architekturwett­

eine übergeordnete gestalterische Ordnung schaffen, die das

Gemeinde Schübelbach, Luftaufnahme : Die Gemeinden Schübelbach, Siebnen und Buttikon überprüfen ihre Schulraumplanung, wo und welche Neubauten in den bestehenden Liegenschaften ergänzt oder umgenutzt werden können.

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RECHT & GESETZ

Almens, Modell und Luftaufnahme des Dorfes : Am Rande des Dorfes ging es darum, eine ortstypische, nachhaltige Dorferweiterung mit verschiedenen Machbarkeitsstudien und Analysen der Gemeinde und Baugenossenschaft vorzuschlagen.

Kreuzgasse Chur, Arbeitsmodell und Situationsplan : Machbarkeits­studien und Kostenberechnungen sollen aufzeigen, welche Bebauungsstrukturen sich am besten einordnen und umgesetzt werden können.

Schluein, Modell und Gestaltungsplan : Varianten von möglichen und verdichteten Bebauungsmustern in Kombination mit der Erschliessung wurden evaluiert.

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RECHT & GESETZ

Quartier lesbar macht und ihm einen ortstypischen Charakter

Kompetenzen und Erfahrungen unterstützend nach Lösungs­

gibt », sagt Robert Albertin. « Wenn die Volumen und die Erschlies­

ansätzen suchen. » Dass der Bauberatung die Arbeit ausgeht,

sung etwa in einem Quartierplan sinnvoll geplant sind, können

steht nicht zu befürchten. Denn wegen der vielen Verände­

Bauherren und Architekten sich in diesen Rahmen­­be­d ingungen

rungen und der steigenden Komplexität der Raumplanungs-

frei bewegen. » Vielfach kann die Gemeinde bei einer sorgfäl­

und Baugesetze sowie der gestalterischen Fragen zur inneren

tigen und landschaftsschonenden Planung einen Ausnützungs­

Verdichtung erhöht sich der Druck auf die Exekutive.­

bonus erteilen. Nebst den ortstypischen Vorgaben der Bebau­ ungsstrukturen ( Baufenster ) und einer umsichtigen Erschliessung gibt es einen detaillierten Beschrieb mit den gestalterischen Auf­ lagen. « Im Hintergrund dieser Arbeit steht oft eine Analyse des Dorfes », so Albertin. Mit einer Machbarkeitsstudie will die Gemeinde bei eigenen

Nach

Projekten wissen, was möglich ist und welche Varianten es gibt,

anschliessenden Diplom als Architekt HTL / FH arbeitete

um nachher die sinnvollen nächsten Schritte zu planen und Pla­

Robert Albertin bei Gioni Signorell in Chur sowie bei

nungskredite zu beantragen. Vielfach stehen bei solchen Fragen

Burkhalter und Sumi in Zürich. 1996 gründete er sein eige­

zuerst strategische Überlegungen im Vordergrund, sodass zuerst

nes Architekturbüro und war gleichzeitig bis 2000 Assis­

die architektonischen, siedlungsplanerischen und funktionalen

tent bei Prof. Axel Fickert an der ETH Zürich. 2004 / 2005

Aufgaben gelöst werden müssen, bevor die Zusammenarbeit mit

absolvierte er den Nachdiplomkurs Bestellerkompetenz

Raumplanungsbüros und weiteren Fachexperten erfolgt.

und Gesamtleitung im Bauwesen an der FH Winterthur.

einer

Lehre

als

Hochbauzeichner

und

dem

Von 2005 bis 2012 hatte er eine Teilzeitstelle als freier Mit­ Planungsaufgaben

arbeiter bei der Stadtplanung inne, von 2007 bis 2016 war

Wie unterschiedlich das geschehen kann, zeigt eine Auswahl

er Mitglied im Gemeinderat von Haldenstein. Hier, aber

von Projekten des Büros. In Almens etwa bestand die Aufgabe

auch als Expertenbeirat regionale Verdichtungsstudie

darin, für das Areal Pardieni mit einer Gestaltungskonzeptpflicht

Agglomeration Chur ( 2013 ) sowie im Begleitgremium

belegten Parzelle Nr. 1032 einen Arealplan zu entwerfen, im

Evaluation und Neuorganisation öffentlicher Bauten und

Quartier Claus in Schluein dagegen wurde ein Gestaltungsplan

Schulen Schübelbach ( seit 2016 ) und seit 2017 als Exper­

erarbeitet, der die Realisierung von acht Einfamilienhäusern

tenbeirat beim Neubau Mehrzweckhalle und Schuler­

ermöglicht. Der Plan regelt die Positionen der Bauvolumen,

weiterung Vals brachte und bringt der dipl. Architekt FH /

Garagen etc., die gestalterischen Bedingungen für die Parzellie­

SIA / SWB / FSU sein Know-how in Bauberatung und Raum­

rung und den Umgang mit den Grenzen. Für eine Arealüber­

entwicklung ein. Seit 2008 ist Albertin Entwurfsdozent an

bauung an der Kreuzgasse Chur wurden Lösungsansätze mit

der HTW Chur, seit 2017 ist er hier zudem Fachbeirat.

verschiedenen Mehrfamilienhaustypen und Etappierungsmög­ lichkeiten geprüft. Für das Neubauquartier Prapafier in Wartau wurden die Erschliessung und Parzellierung der unbebauten Grundstücke sowie die sinnvolle Weiterführung der vorhandenen Infrastruktur überlegt. Für einige Gemeinden haben sie Mach­ barkeitsstudien von Schulhäusern erstellt, die als Basis für weitere Planungsschritte dienten. Die Arbeiten zeigen verschiedene und in der Bearbeitungstiefe unterschiedlichste Lösungsansätze auf. Im Fokus bei diesen Aufgaben liegen stets das grosse Ganze und die Suche nach logischen und selbstverständlichen Antwor­ ten auf die Fragestellungen. «Diese strategische Ebene macht Spass – sie steht auch bei unseren Architekturaufgaben zuerst im Fokus», sagt Albertin. « Wir arbeiten hier eng mit den Gemeinden zusammen. » In der Regel hinkt zwar die strategische Planung der Gemeinden der tatsächlichen Entwicklung hinterher. « Aber es gibt Gemeindepräsidenten, die spüren, welche Herausforde­ rungen auf die Gemeinde zukommen. Hier wollen wir mit unseren

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BEGEISTERT VON DER ARCHAISCHEN QUALITÄT. Zur Hauptsache mit Eigenleistung restauriert das Architektenpaar Esther Elmiger und Christian Jonasse das historische Haus Simonett in Lohn. Begonnen haben sie im Jahr 2012 . Demnächst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Text : Maya Höneisen

Bilder : Christian Jonasse


OBJEKTE & MENSCHEN

Das Haus Simonett ist an das Nachbarhaus ( links ) angebaut. Rechts das 1939 angebaute Backhaus.

Auf 1585 m  ü.  M., am oberen Schamserberg und südlich der

Nordseitige Ansicht des Hauses am Dorfrand von Lohn

Viamala liegt das kleine Bergdorf Lohn. 43 Einwohner zählt es.

vor der Instandsetzung.

Sechs Bauernbetriebe gibt es im Dorf, welche die umliegende Kulturlandschaft bewirtschaften. Hier, ganz am Ende dieses Dorfes, steht etwas versteckt ein historisches Haus. Mit seinen dicken Steinmauern wirkt es auf den ersten Blick trutzig und abwehrend. Hinter der schweren Holztüre trifft man aber auf ein offenes und gastfreundliches junges Architektenpaar. Seit nunmehr sechs Jahren sind sie die Besitzer und ebenso lang damit beschäftigt, dem alten Gemäuer neues Leben einzuhauchen. Noch sind nicht

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alle Räume fertiggestellt. Die Stube in Strickbauweise mit dem gemauerten Ofen und dem alten Holztisch ist aber warm und gemütlich. Esther Elmiger und Christian Jonasse tischen Brot, Alp­ käse und Salsiz auf. «Es ist wunderbar, solche Delikatessen gibt es gleich im Dorf», kommentiert Esther Elmiger. Der Hausteil, in dem sich die Stube befindet, stammt aus dem Jahr 1704 , wie die Jahreszahl im Türsturz verrät. Im Gesamten bildet das Haus mit dem Nachbargebäude und dem Backhaus eine Häusergruppe mit einer hofähnlichen Eingangssituation zur Talseite. Das Wohn­ haus stand rund 100 Jahre leer, bis es zu den beiden Architekten fand. Schwarz-Weiss-Fotografien an der Wand zeigen den Zustand des Hauses, wie ihn der Fotograf René Burri Mitte der 90 er-Jahre festgehalten hat: vollgestopft mit wild durcheinandergewor­ fenem Gerümpel. Dem damaligen Besitzer, Christian Simonett, hatte es über Jahrzehnte als Abstellraum gedient. Auf Umwegen zum Haus Geldmangel war wohl der Grund, warum dieser Simonett es Anfang der 1990 er-Jahre veräusserte. Käufer war der Schamser Filmemacher und Verleger Dino Simonett. Er beabsichtigte, es umzubauen, und gab dem Flimser Architekten Valerio Olgiati eine entsprechende Planung in Auftrag. Später fand er dann, ein Neubau wäre doch interessanter, und wollte das Haus abreissen.

Restaurierter Ofen mit neuer Ofenbank und Esstisch.

Die Stubenfenster wurden zum Teil erhalten und ergänzt.

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OBJEKTE & MENSCHEN

Die Bevölkerung und die kantonale Denkmalpflege wehrten sich aber erfolgreich dagegen. Man schloss einen Handel. Die Parzelle, die auch einen Teil Landwirtschaftsland einschloss, wurde als gesamte eingezont, dafür liess Simonett das Haus stehen. Christian Jonasse leistete zur dieser Zeit Zivildienst bei der Denk­ malpflege und dokumentierte das Haus fotografisch, weil man dachte, es würde umgebaut. «So bin ich zum ersten Mal auf das Haus gestossen und war sogleich begeistert von seiner archai­ schen Qualität», erzählt er. Wiederum gleichzeitig war einer seiner Studienkollegen mit dem Umbauprojekt beschäftigt. Er stand in einem Praktikum bei Valerio Olgiati. Jonasse absolvierte weitere Zivildienstwochen bei der Denkmalpflege. Irgendwann hörte er, das Haus sei zu verkaufen. «Ich habe nie von einem Ferienhaus geträumt, dann aber doch nachgefragt», meint er. Es gehörte mittlerweile einem Zürcher Künstler, der es ihm ein Jahr später ver­ kaufte. Das war im Jahr 2012. Mehrere Bauphasen Wie eine bauarchäologische Untersuchung von 1994 zeigt, besitzt das Haus eine mehrphasige Baugeschichte. Vermutlich wurde es an das bereits bestehende Gebäude angebaut. Von der ersten Bauphase ist nur noch der westliche Teil der Bausubstanz erhalten.

Originale Stubentüre mit kunstvoll geschmiedeten Beschlägen.

Die Stube ist mit der darüber liegenden Schlafkammer

In der Rauchküche wurden Kamin,

über eine Stiege verbunden.

Gewölbe und Boden restauriert.

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Der Treppenraum zwischen den Raumpaaren bleibt ein Aussenraum.

Die fehlenden Türen im Erdgeschoss wurden durch neue komplettiert.

Der östliche Teil wurde bis auf den unteren Bereich der Nordwand zerstört und leicht abweichend von der ursprünglichen Flucht wieder aufgebaut. Südfassade, innere Raumstruktur und Ausbau des östlichen Hausteils gehören zur dritten Phase und sind original enthalten. Als Letztes entstand das ostseitig angebaute Backhaus. Zwei Raumpaare Bei Christian Jonasse und seiner Partnerin Esther Elmiger began­ nen erst einmal die Überlegungen, nach welchem Konzept das Haus restauriert werden könnte. Die Küche im Backhaus war zu gebrauchen, ansonsten waren weder Strom, Kanalisation noch Wasser vorhanden. «Interessant war für uns, dass es seit dem Bau­ jahr keine Veränderung erfahren hatte», erzählt Esther Elmiger. «Im ersten Jahr arbeiteten wir bis Sonnenuntergang und lebten mit einem Gasofen und Petroleumlampen, wenn wir hier waren », ergänzt sie. Geschlafen hätten sie in der heutigen Stube, die sei am ehesten dicht gewesen. Relativ schnell musste der Kamin wie­ der aufgemauert werden, denn bei Regen litt die Bausubstanz. «Wir haben da angefangen, wo es besonders prekär war », meint Christian Jonasse. Er erklärt die Strukturen des Hauses sowie ihre Restaurationspläne. So sind unter dem Dach zwei Raumpaare mit eigener Form und Identität angeordnet. Das bestehende Paar bildet die Stube und eine darüber liegende Schlafkammer, das andere die neue Küche und darunter einen zusätzlichen Schlaf­ raum. Die Paare werden in sich gestapelt, über je einen Holzofen

Im Bad im Erdgeschoss bauten die Architekten einen Terrazzo-Boden ein

geheizt und mit einer internen Stiege verbunden. Die Stapelung

und integrierten Stauraum im Holzfries über den neuen Zementfliesen.

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Die neue Küche wird durch ein katalanisches Gewölbe im Bruchsteinteil des Hauses eingeräumt.

und Bodenheizung liefern drei Solarpanels. «Wir konnten zum ersten Mal auch an kalten Wintertagen länger bleiben», hält Esther Elmiger fest. Katalanisches Gewölbe Im zweiten Raumpaar und Bruchsteinteil des Hauses sind die neue Küche und der zusätzliche Schlafraum zurzeit in Arbeit. Die Wohn­ küche entsteht in der ehemaligen Spensa des Hauses unter dem Pultdach. Hier ist die ehemalige Decke durch ein höher gesetztes katalanisches Gewölbe ersetzt worden. Dadurch kann der ver­ lorene Raum unter dem Pultdach genutzt werden. Auf diese Bau­ weise sind Christian Jonasse und Esther Elmiger an der ETH Zürich gestossen, wo sie beide, neben ihrer beruflichen Eigenständigkeit, Das Gewölbe greift in den Restraum unter dem Pultdach und

tätig sind. Speziell am katalanischen Gewölbe sei der minimale

ermöglicht eine grosszügige Raumhöhe in der Küche

und somit leichte Konstruktionsaufbau, erklärt Christian Jonasse. In zwei bis drei Schichten werden die dünnen Ziegel als doppelt ge­ krümmte Schale gebaut. «Mit einiger Übung und Geschick könnte

als System der Wärmeverteilung ist im Bestand angelegt und wird

man mit schnell abbindendem Gipsmörtel auch ohne Schalung

übernommen. Der Treppenraum dazwischen bleibt weiterhin ein

bauen », erklärt Esther Elmiger.

Aussenraum. «Historische Konzepte sind für uns insbesondere dann interessant, wenn sie helfen, aktuelle Fragen zu lösen »,

In der Dorfgemeinschaft Lohn fühlen sich Christian Jonasse und

erklärt Esther Elmiger und ergänzt: «Die Denkmalpflege hat unsere

Esther Elmiger inzwischen wie zu Hause. «Die Dorfbevölkerung hat

Restaurations- und Umbaupläne unterstützt, da bei diesem Vor­

gesehen, dass wir nicht nur ferienhalber da sind, sondern, wie sie

gehen das bestehende Raumpaar mit Rauchküche komplett ori­

selbst auch, hier arbeiten und das Haus schätzen. » Mittlerweile ist

ginal belassen werden kann.» Die Stube und das Schlafzimmer

von einer Bäuerin das Backhaus wieder in Betrieb genommen

darüber sind inzwischen fertig. Der gemauerte Ofen funktioniert. In

worden und jeden Sommer richtet das Haus Simonett ein Fest für

diesem Teil des Hauses ist auch das Bad entstanden. Warmwasser

Einheimische und Freunde aus.

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Das Haus Simonett ( Bildmitte ) stand rund 100 Jahre leer, bis es das Architektenpaar Elmiger Jonasse erwarb und nun in einem sechsjährigen Prozess restauriert.

Die gebürtige Luzernerin Esther Elmiger absolvierte ihr Architekturstudium von 2004 bis 2010 an der ETH in Zürich. Nach verschiedenen Stationen im In- und Ausland kehrte sie als Entwurfsassistentin an die ETH in Zürich zurück. Der aus dem Kanton Zug stammende Christian Jonasse studierte zwischen 2001 und 2007 Architektur an der ETH Zürich. In den Jahren 2009, 2011 und 2012 arbeitete er als stellvertretender Bauberater bei der Denkmalpflege des Kantons Graubünden. Seit 2015 ist er als Entwurfs- und Die Mauerkronen wurden bis unter das Dach ergänzt und

Diplomassistent an der ETH Zürich tätig.

der Kamin neu aufgemauert.

Im Jahr 2013 schlossen sich die beiden zu Elmiger Jonasse Architekten zusammen und realisierten zahlreiche Neuund Umbauten schweizweit.

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FINANZEN & VERSICHERUNG

WIE MAN SICH BETTET, SO LIEGT MAN – WELCHES HYPOTHEKARPRODUKT PASST AM BESTEN ? Die Zinsen liegen seit längerer Zeit auf einem historisch sehr tiefen Niveau. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass dies nicht immer so bleiben wird. Vor diesem Hintergrund sollte eine Finanzierung immer ganzheitlich, individuell und vor allem langfristig betrachtet werden. Dabei kann zwischen verschiedenen Strategien ausgewählt werden.

Text : Martin Gartmann, Leiter Private Kunden der Graubündner Kantonalbank in Chur Bild : Zur Verfügung gestellt

Eine professionelle Beratung hilft bei der Auswahl der passenden Hypothekarprodukte. Links Martin Gartmann, Leiter Private Kunden bei der GKB ( gkb.ch / hypotheken ).

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FINANZEN & VERSICHERUNG

Vor der Wahl der Hypothekarform steht die Definition der pas­

Finanzierungsstrategie bestimmen

senden Finanzierungsstrategie im Zentrum. Die Finanzierungsstra­

Die Wahl der passenden Finanzierungsstrategie ist wichtig und

tegie ergibt sich aus der individuellen Risikotoleranz des Kredit­

wegweisend. Deshalb sollte dieser bedeutsame Entscheid mit

nehmers und setzt sich aus Risikofähigkeit und Risikobereitschaft

einer Fachperson besprochen werden. Damit lassen sich Fehler,

zusammen. Die benötigte Fremdfinanzierung und das Nettoein­

welche sich in der Folge meistens kurzfristig nicht mehr ohne

kommen definieren die Risikofähigkeit, die Risikobereitschaft re­

Kostenfolgen korrigieren lassen, vermeiden.

sultiert aus der Einstellung des Kunden. Die passenden Produkte auswählen Nachdem die Finanzierungsstrategie de­ finiert ist, geht es darum, innerhalb der gewählten

Strategie

die

einzelnen

Hypothekar­ produkte und deren Lauf­ zeiten zu bestimmen. Bei diesem Schritt macht es Sinn, das aktuelle Zinsniveau angemessen zu berücksichtigen. Sofern dies die gewählte Finanzierungsstrategie zulässt, macht es aufgrund der momen­ tanen Zinssituation Sinn, bezüglich Lauf­ zeiten tendenziell eher kurz, oder wenn es Vor der Wahl der Hypothekarform steht die Definition der passenden

die Strategie nicht zulässt, mehrheitlich

Finanzierungsstrategie im Zentrum.

lang zu gehen.

Die richtige Strategie finden

Laufzeiten-Mix definieren

Die Graubündner Kantonalbank beispielsweise unterscheidet drei

Die Graubündner Kantonalbank setzt in der Strategie « Sicher »

verschiedene Finanzierungsstrategien: Sicher, Ausgewogen und

heute zu 90 Prozent auf Festzinshypotheken mit langen Lauf­

Dynamisch.

zeiten. In den Strategien « Ausgewogen » und « Dynamisch » kommt eine Mischung von kurz- und langfristigen Produkten zum

1. Sicher – geringe Zinsschwankungen :

Einsatz, wobei sich in der Strategie «Dynamisch» das Verhältnis

Die Finanzierungsstrategie « Sicher » eignet sich für Kunden mit

zwischen kurz und lang zurzeit ausgewogen präsentiert.

einer eingeschränkten Risikofähigkeit und einer geringen Risiko­ bereitschaft. Möglichst stabile Zinsbelastungen führen zu einer klaren Budgetierung. Das Interesse, sich laufend mit den Finanz­ märkten und der Finanzierung zu beschäftigen, ist gering. 2. Ausgewogen – gewisse Zinsschwankungen :

Kunden mit einer ausgewogenen Strategie sind in der Lage, schwankende Zinsbelastungen zu tragen. Eine gewisse Risikobe­ reitschaft ist vorhanden, aber begrenzt. Der finanzielle Spielraum ist mittelfristig etwas eingeschränkt. Die Finanzmärkte werden passiv mitverfolgt. 3. Dynamisch – grössere Zinsschwankungen :

Eine dynamische Finanzierungsstrategie verlangt vom Kunden eine hohe Risikobereitschaft und finanziellen Spielraum. Grössere Zinsschwankungen sind tragbar. Ein aktives Mitverfolgen des Ge­ schehens am Geld- und Kapitalmarkt ist notwendig.

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REPORTAGE

ERBAUT AUF SCHUTT UND ASCHE – NEUBAU MIT MODERNEM ALU-DACH.

An einem Dienstag im August 2012 bricht im Erlebnisrestaurant

Gesicht zeigen. Das Gebäude wird durch das Licht «lebendig» und

Almrausch in Samnaun ein Brand aus. Die Kantonspolizei Grau­

die Kantung erfüllt neben dem ästhetischen auch einen funktio­

bünden wird kurz nach 14 Uhr über die starke Rauchentwicklung

nellen Zweck. Die Paneele werden durch die Kanten zusätzlich

informiert. Im Innern des Gebäudes befanden sich glücklicherwei­

versteift, was eine grössere Widerstandskraft bei gleichbleibender

se keine Personen, da das Restaurant im Sommer nicht geöffnet

Materialstärke zulässt. Dies ist in höheren Regionen, wie im Falle

ist. Nach einer rekordverdächtigen Bauzeit kann das Restaurant

des Almrausch in Samnaun-Laret, ein absolutes Plus. Richtig verlegt

im Dezember 2013 bereits wieder eröffnet werden. Dies wird unter

widersteht ein PREFA Aluminiumdach auch extremen Stürmen.

anderem auch mit Hilfe der Firma Tschenett AG aus Müstair mög­ lich, welche alle Abdichtungen rund um das ganze Gebäude

Die Eindeckung mit dem Dachpaneel FX.12 steingrau P.10 sowie

vorgenommen und gleichzeitig die bereits erstellten Unterdächer

der bewährte PREFA Gebirgsschneefang wurden im August 2014

2013 wintertauglich gemacht hat.

durch die Firma Tschenett AG fertig montiert. Der Gebirgsschnee­ fang aus colorbeschichteter hochfester Aluminium-Legierung ist

Nachdem die Wintersaison vorüber war, konnte mit der Fertigstel­

für Rundholz mit einem Durchmesser von 140  mm geeignet. Mit

lung begonnen werden. Für die Dacheindeckung entschied sich

dieser Vorrichtung sind Mensch und Eigentum optimal vor Dach­

Bauherr Heino Brigger für das PREFA Dachpaneel FX.12 – eine

lawinen geschützt.

optimale Verbindung aus Ästhetik und Schutz. Durch die unregel­ mässige Kantung des Dachpaneels entsteht ein Spiel mit Licht und

Das Almrauschen im schönen fertig­gestellten Erlebnisrestaurant

Schatten, sodass die Paneele je nach Sonnenstand ein anderes

und unter sicherem Dach kann weitergehen.

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Aluminium nachhaltig und ästhetisch

äusseren Umwelteinflüssen. Sie hält Regen und Sturm stand und

Das beschichtete Aluminium von PREFA mit der Zweischicht-

schützt den Menschen und bietet einen hohen Komfort. Damit

Einbrennlackierung erfüllt die Anforderungen von eco-bau und

die Gebäude den zahlreichen Anforderungen genügen, muss die

MINERGIE-ECO im Hinblick auf ökologische und gesundheitliche

Hülle den spezifischen Anforderungen angepasst werden. Bei

Anforderungen mit der Bewertung eco-2.

Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometer ist ein PREFA Dach bei geeigneter Befestigung und fachgerechter Verle­

Aluminium als Baustoff der Moderne bietet ein unbegrenztes

gung extrem sturmsicher. Beste Voraussetzungen also, dass Alumi­

Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Mit seinen exzellenten Eigen­

nium seine Qualitäten als moderner, nachhaltiger und zudem

schaften ist Aluminium ein hervorragender Konstruktionswerkstoff

ästhetischer Baustoff seine Qualitäten ausspielen kann.

mit vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten. Vor allem das ge­ ringe Gewicht bei gleichzeitig hoher Festigkeit, seine gute Form­

PREFA ist heute mit über 6000 verschiedenen hochwertigen

barkeit und die Langlebigkeit prägen die Vorzüge des Aluminiums.

Produkten aus Aluminium ein starker Partner für anspruchsvolle,

Optimierte Legierungen verbessern zudem das ohnehin gute

nachhaltige und funktionale Architektur. Das umfangreiche

Korrosionsverhalten. So kommt Aluminium zu einem langlebigen

Produktportfolio lässt sich in vier Gruppen unterteilen: Dach,

Einsatz ohne aufwändige Wartung und Instandhaltung selbst bei

Dachentwässerung, Fassade und Hochwasserschutz. Da nahezu

extremen Bedingungen.

jedes Produkt für die Dach- sowie für die Fassadengestaltung eingesetzt werden kann, zudem mit einer uneingeschränkten

Als zeitgemässer Baustoff kommt Aluminium auch aus ästhetischer

Farbwahl bis zu den unterschiedlichsten Falzstrukturen beinahe

Sicht durch die verschiedenen Möglichkeiten der Farbgestaltung

alles möglich ist, gelingt mit PREFA die Umsetzung jeder noch so

hervorragend zum Einsatz. Durch Zweischicht-Einbrennlackierung

aussergewöhnlichen Idee.

im Coil-Coating-Verfahren kann je nach Abnahmemenge nahezu jeder beliebige Farbwunsch erfüllt werden.

PREFA bietet 40 Jahre Garantie auf das Aluminiumgrundmaterial

gegen Bruch, Rost und Auffrieren bei natürlicher Umweltbelastung Aluminium als Baustoff der Moderne hat sich im Laufe des 20.

und fachgerechter Verlegung und auf die Farbbeschichtung der

Jahrhunderts zu einer festen Grösse im Bauwesen entwickelt. Mit

P.10-Produkte.

Aluminium lässt sich jedes architektonische Konzept realisieren – unabhängig, ob es sich um einen Neubau oder eine Renovation handelt. Sein Einsatzspektrum reicht von Fassaden, Dach- und Wandsystemen über Fenster und Türen und Balkone bis hin zur

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gesamten Wohnraumgestaltung. Wie eine Haut den Körper,

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TRADITIONELLES HANDWERK, MODERN INTERPRETIERT. Façon, Piqur, Abheftung, Kapitonierung oder Quetsch­falte. Aufgrund dieser paar wenigen, aber speziellen Fachausdrücke zu wissen, um welchen Beruf es sich handelt, dürfte für die meisten von uns unmöglich sein. Des Rätsels Lösung lautet Innen­ dekorateur Fachrichtung Polsterei, ein sehr vielseitiger, kreativer Beruf mit viel Handarbeit und franzö­sischer Tradition. Text : Marietta Kobald

Bilder : Johannes Fredheim


NISCHENHANDWERK

Beim Federnschnüren . . .

Ein Erbstück der Grossmutter, ein Polstersessel, Stil unbekannt, aber man hängt daran. Nur ist das uralte Möbelstück arg durch­ gesessen und der einst blumige Samtstoff von Motten zerfressen. Wohin damit ? Zum Polsterer, der weiss Bescheid und bringt das gute Stück auf Vordermann. Auf Vorderfrau bringt es Sereina Brosi aus Klosters, zu finden auch unter dem vielsagenden Namen « alles möblich ». In die Wiege gelegt Sereina Brosi, aufgewachsen als Bauerntochter in einem fast 300- jährigen Walserhaus etwas oberhalb von Klosters Platz und

mit Eltern und Grosseltern gesegnet, die Wert auf Traditionen, ein schönes Zuhause und gepflegte Möbel legten. Ausserdem mit einer Mutter, die sich als angelernte Schneiderin mit Stoffen bes­ tens auskannte und diese Affinität und das Nähen ihrer Tochter näherbrachte. Darum hat Sereina Brosi aus Klosters vor bald 30 Jahren den Beruf der Innendekorateurin Fachrichtung Polsterei erlernt. Seither verdient sie ihr tägliches Brot mit Abtrennen – sie sagt dem lachend Uusweidä – Lasierstiche-Setzen, mit Pikieren, . . . und Kantengarnieren.

Garnieren, Keder-Nähen und Nagelgimpen-Anbringen.

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NISCHENHANDWERK

Ein Kraftakt Momentan in Arbeit hat Sereina eine Couch mit separatem Kopfteil, die frisch bezogen werden muss mit Stoff in ungewohnt feinem Blumenmuster in frischen Blautönen. Die Arbeit der Polsterin ist ein Kraftakt. Sereina muss den Stoff während des Auftackerns, des Befestigens am Rahmenholz, straff spannen, er darf dabei aber keine Falten werfen, was insbeson­ dere bei den Ecken sehr exaktes Arbeiten bedeutet. Wobei die­ ser Teil der Polsterarbeit, das Beziehen mit Stoffen, fast schon das Ende des Auftrags bedeutet, ausser vielleicht noch der Abschluss mit Ziernägeln oder Leimgimpen, die den Übergang zum Holz markieren und die Befestigung verdecken. Die Werkstatt selber ist ein zweiteiliger, alter Stall, den Sereina für ihre Bedürfnisse praktisch eingerichtet und hell beleuchtet hat. So vielfältig die Arbeit der Polsterin ist, so viele verschiedene Werkzeuge, Maschinen und Materialien sind hier zu sehen. Allei­ ne die Schubladen mit den Ziernägeln und die Schachteln mit diversen Stahlfedern nehmen eine grosse Wand ein. Stoffe finden sich auch, aber meist nur Reststücke auf Rollen, zu gross sind die Vielfalt der von verschiedenen Firmen angebotenen Waren und die Wünsche der Kundschaft.

Ein Fundus an Ziernägeln

Exaktes Arbeiten ist gefragt : Das Spannteil anbringen.

An der Nähmaschine

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Schmuckstücke aus dem Verkaufsladen

Unglaubliche Auswahl

die Qual der Wahl, wie es so schön heisst. Ausserdem wird Sereina

Kunden empfängt Sereina auf Anmeldung seit 1997 in ihrem

vom bekannten Stoffhersteller « kvadrat » gelistet als eine von 103

Laden, etwa 20 Meter unterhalb der Werkstatt, direkt am

Topadressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kirchplatz gelegen. Dort ist ihr Ausstellungsraum, den sie mit viel Liebe zum Detail immer wieder frisch gestaltet und mit Acces­

Zurück in der Werkstatt zeigt Sereina auf zwei Sessel, von denen

soires bestückt. Den Grossteil aber nehmen die Musterbücher

nebst dem harthölzernen Grundgestell erst die neu eingefloch­

ein. Stoffe, die einem das Herz aufgehen lassen. Dagegen ist nie­

tenen Gurten und die darauf geschnürten Federn zu sehen

mand gefeit, garantiert. Haptik, Muster, Qualität, Webart, Farbe,

sind. Sie erklärt anhand dieser die Arbeitsvorgänge beim traditi­

alles spielt eine Rolle. Sereina zeigt eine munzigkleine Musteraus­

onellen Polstern. Alleine die Federn auf den eingeflochtenen

wahl, begeistert zeigt sie auf diesen und jenen Stoff, weiss welche

Jutegurten, ihre Stellung, Stärke, Durchmesser, Höhe und die

Couch, welchen Louis-XIV-Sessel sie damit bezogen hat und wo

sehr spezielle Verschnürung, um ihnen Halt zu geben, sind eine

sie stehen. Fast überbordende Blumenornamente in Rotorange

Wissenschaft für sich. Es folgen verschiedene Auflagen, spezielle

und Grün, Früchte in Farben zum Anbeissen, glatt gewobene,

Stiche, um die Kokosfasern und das Rosshaar einzulasieren, und

blau-grau-braune geometrische Rhomben durchbrochen von

am Schluss der von den Kunden ausgewählte Lieblingsstoff aus

weissen Streifen und unifarbene, samtig-weiche Stoffe. Man hat

dem grossen Sortiment von alles möblich.

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Sereina Brosi, geboren 1971 , wuchs als Bauerntochter in einem fast 300- jährigen Walserhaus in Klosters auf. Seit 1997 betreibt die Innendekorateurin Fachrichtung Polsterei in Klosters ihr eigenes Geschäft – im Laden am Kirchplatz und in der Werkstatt, welche in einem alten Stall eingerichtet wurde. Neben der Polsterei von Lieblingsstücken engagiert sie Eindrückliche Musterkollektionen, die einem das Herz aufgehen lassen.

sich kulturell, beschäftigt sich mit ihren Bienen und lebt

Bild unten : die Knopfpresse

als Familienfrau und Mutter mit Tochter Aita in einem grossen Haus mit Garten.

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EIN PULLOVER FÜRS HAUS. Für ökologisch bewusste Bauherren ist das Bauen mit Naturmaterialien ein absolutes Muss. Eines dieser Materialien wächst quasi direkt auf der Alpweide in Graubünden und kehrt als Dämm- und Isolations­ material in Bündner Häuser zurück – die Schafwolle. Text : Fridolin Jakober

Bilder : Bündner Schafzuchtverband ; fiwo


Im Sommer lassen sich die Schafe das Fell wachsen, nach der Schur kommt es zur Wollsammelstelle.

Die Schafzucht war schon zur Zeit der Kelten in Graubünden

Wolle aus Graubünden

heimisch, das zeigen Wollpräparate vom Tavetscher, vom Enga­

Einer der grossen Hersteller von Schweizer Isolationsmatten aus

diner und vom Oberländer Schaf im Bündner Naturmuseum. Doch

Schafwolle und der einzige Schweizer Hersteller von formstabilen

im 20. Jahrhundert haben Synthetikfasern auch im Gebirgskanton

Dämmplatten aus Schafwolle – die Sozialfirma fiwo im thurgau­

dem Naturmaterial den Rang abgelaufen, was dazu führte, dass

ischen Amriswil – bezieht sein Rohmaterial auch in Graubünden. In

noch vor wenigen Jahren in der Schweiz Jahr für Jahr etwa 700

acht Sammelstellen – also auf Höfen von Poschiavo bis Saas im

Tonnen Schafwolle verbrannt wurden. Gleichzeitig wuchs der

Prättigau und von Samnaun bis Splügen – wird die Wolle der Bünd­

Bestand an Schafen, weil dieses Nutztier in der ökologischen

ner Schafe aus der Region nach der Schur angenommen und

Landwirtschaft – etwa auf extensiv genutzten Weideflächen –

in den Thurgau geliefert. Dort wird sie zu EMPA -geprüften Dämm­

wieder häufiger eingesetzt wird. Insgesamt sind die Schafhalter

platten, Akustikdämmplatten, Trittschalldämmungen, aber auch

der Schweiz sehr viel produktiver geworden – gab es 1985 noch

zu Stopfwolle, Einblasdämmung, Dämmzöpfen oder Balkenvlies

14 048 Schafhalter, sind es heute noch 8354 . Doch diese Landwirte

verarbeitet. Über die Baumaterial-Lieferanten der Region kom­

halten heute 311 044 Schafe – also 40 000 mehr als 1985 , was

men die fertigen Dämmmaterialien wieder nach Graubünden.

bedeutet, dass sich die Anzahl der Schafe pro Halter nahezu

Bei der Holzwerkstoffe Gfeller AG in Landquart etwa werden die

verdoppelt hat. Entsprechend hoch ist die Menge an Rohwolle,

Platten von fiwo vertrieben. Mit der Wolle von 4000 Schafen kann

welche in der Schweiz anfällt – es sind rund 900 Tonnen jährlich,

man ein Haus isolieren.

von denen inzwischen mehr als drei viertel verwertet und höch­ stens 20 Prozent entsorgt werden – das macht auch Sinn, denn

Vor allem bei Bauherren, welche grossen Wert auf Ökologie

Schafwolle ist ein wertvoller, ökologischer und natürlicher Rohstoff

setzen, werden Platten aus Schafwolle im Zusammenhang mit

mit erstaunlichen Eigenschaften. Weil Wolle zu 85 Prozent aus Luft

wasserdampfdurchlässigen Schlämmputzen angewendet. Wich­

besteht, reflektiert sie Wärme optimal und wird deshalb seit

tig ist dabei vor allem, dass man sauber und mit den richtigen

Jahrtausenden für warme Kleidung, aber auch zur Isolation

Dampfbremsen arbeitet, damit die Wolle ihre positiven Eigen­

ver­wendet. Zudem kann Wolle einen Drittel ihres Trockengewichts

schaften auch entfalten kann. Dann kann der Putz zusammen mit

an Wasser aufnehmen und die gespeicherte Feuchtigkeit lang­

der Wolle viel Feuchtigkeit aufnehmen und so das Raumklima

sam wieder abgeben – deshalb wird sie für Bettdecken, Kissen

regulieren und positiv beeinflussen. Denn – so fanden Wissen­

und Matratzen, aber auch für Flugzeugsitze und Isolationsmatten

schaftler des ECO -Umweltinstitut GmbH, Köln, in den 1990 er

verwendet.

Jahren heraus – Schafwolle baut die Schadstoffe von neu

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. . . oder die formstabile Dämmplatte.

eingebauten Materialien ab. Insbesondere Formaldehyd, welches bei Bindemitteln für Holzwerkstoffe verwendet wird, reagiert mit den Schafwollfasern. Das Resultat sind stabile und unschädliche Verbindungen – das heisst, Schafwolle kann sogar zur Sanierung von Räumen verwendet werden, wo Möbel, Wände oder Decken auf Spanplattenbasis eingesetzt wurden. Da die Wolle selbst unbelastet ist, kann sie ohne Schutzkleidung verarbeitet werden. Dämmmaterial Wolle Eines der Anwendungsgebiete von Schafwolle ist die Dämmung gegen den Wind bei Rundholzbauten. Hier legen die Holzbauer Schafwollzöpfe als Isolationsmaterial zwischen die Stämme – die Wollfasern sorgen dafür, dass die Fuge auch nach Jahrzehnten noch winddicht ist. Aber auch als klassisches Isolationsmaterial ist Schafwolle als nachwachsender und heimischer Rohstoff anderen ökologischen Dämmstoffen gleichwertig. Ihre Wärmeleit­ fähigkeit von 0,035 bis 0,045 W/(m  K) entspricht etwa jener von Holz­faserdämmplatten, Zellstoffdämmung, Kokosfasermatten oder Korkplatten und kann selbst mit Mineralwolle ( Steinwolle/ Glaswolle)

mithalten. Schafwolle

ist

schimmelresistent

und

überzeugt neben der guten Wärmedämmung vor allem mit ihrer sehr guten Feuchteregulierungsfähigkeit. Dass diese Qualität auch ihren Preis hat, versteht sich von selbst. Doch dafür leistet das eigene, neu gebaute oder sanierte Haus gleich einen Beitrag an die Bewirtschaftung von Alpen und Restflächen in Graubünden und damit an den Schutz der intakten Landschaft im Kanton.

Der « Pullover » des Hauses dämmt und nimmt Feuchtigkeit auf.

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REPORTAGE

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PRIX LIGNUM 2018 UND SONDERPREIS GRAUBÜNDEN HOLZ 2018.

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REPORTAGE

Der Prix Lignum 2018 zeichnet den innovativen, hochwertigen und

der Holzbranche – waren nicht zugelassen. Das Spektrum der Ar­

zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenaus­

beiten zeigte eine faszinierende Vielfalt möglicher Anwendungen

bau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten aus. Die grosse Zahl

von Holz, von Möbeln, Kunstobjekten, Holzgeräten über Innenaus­

der Anmeldungen widerspiegelt die zunehmende Bedeutung des

bauarbeiten bis hin zu kleinen und grossen Bauprojekten von

Werkstoffes Holz in der Schweizer Baubranche.

Architekten und Ingenieuren und zu ideellen Auseinanderset­ zungen mit Holz. Bei Bauprojekten musste der Standort des

Laut Christian Felix von Graubünden Holz gingen für den schweiz­

Objektes in Graubünden sein, mobile Objekte mussten in Grau­

weit ausgeschriebenen Prix Lignum 2018 insgesamt 465 Anmel­

bünden produziert worden sein. Fachlich juriert wird durch

dungen aus allen Landesteilen ein, das sind 28 Projekte mehr als

die Kernjury mit Präsident Alessandro Della Vedova, Präsident

beim letzten Prix Lignum im Jahre 2015 .

Graubünden Holz; Felix Hunger, Hunger Holzbau, Safien; Adrian Schläpfer, dipl. Zimmerpolier ; Marco Caviezel, dipl. Schreiner­

Der Sonderpreis Graubünden Holz 2018 ist eine ergänzende

meister, Fachvorsteher Schreiner ibW, Chur ; Bruno Untersander,

Ausschreibung zum Prix Lignum 2018 zur Förderung der Holzan­

dipl. Zimmermeister und Architekt, Bad Ragaz. Zur erweiterten

wendung und des Holzhandwerks im Kanton Graubünden. Alle

Jury gehören zudem Dr. Jon Domenic Parolini, Regierungsrat

54 für den Prix Lignum 2018 eingereichten Projekte aus Grau­

Graubünden ; Thomas Rohner, Professor für Holzbau und BIM, sowie

bünden nehmen automatisch am Sonderpreis Graubünden Holz

Silvia Kessler, Redaktorin Bündner Tagblatt. Der Preis wird im

teil und werden durch eine Jury bewertet, die unabhängig vom

November vergeben, die Arbeiten werden ab November 2018 bis

Prix Lignum 2018 agiert.

Dezember 2019 ausgestellt.

Alle Projekte sind auf www.prixlignum.ch in Wort und Bild auf­

Informationen

geschaltet. Die Jury des Sonderpreises Graubünden Holz 2018

www.graubuendenholz.ch und www.prixlignum.ch

erörtert die Arbeiten in den Monaten Mai und Juni. Im November erscheint eine Ausgabe des Graubünden Holz Newsbulletins «aus Holz» zum Sonderpreis Graubünden Holz 2018 . Die Preisverleihung findet am 15. November 2018 im Eventzelt der FIUTSCHER 2018 in Chur statt. Anschliessend wird eine Wanderausstellung mit den eingereichten Projekten bis Ende 2019 in der ganzen Ostschweiz an verschiedenen Orten gezeigt. Sonderpreis Graubünden Holz 2018 Der Sonderpreis Graubünden Holz will – als ergänzende Ausschrei­ bung zum Prix Lignum – die Holzanwendung und das Holzhand­

Der Sonderpreis Graubünden Holz 2018

werk im Kanton Graubünden fördern. Ausgezeichnet werden

wird unterstützt von

bis zu sechs herausragende – also hochwertige, zukunftsweisende und handwerklich überragende – Projekte und es wird die Leistung der Beteiligten mit einer Gesamtsumme von CHF 6000. – honoriert. Für den Sonderpreis Graubünden Holz werden bei den Arbeiten unter Berücksichtigung der Wettbewerbsziele der hand­ werkliche und qualitative Ausführungsstandard sowie die Innova­ tion und der technologische Fortschritt bewertet. Dabei sollen die prämierten Arbeiten eine Vorbildwirkung haben und in Form, Gestaltung und Konstruktion wiederholbar sein. Bei den Arbeiten sollen heimische Hölzer nachhaltig eingesetzt werden. Teilnehmen konnten ausführende Holzverarbeiter und Unternehmen, die Holz verarbeiten, sowie Architekt ( inn ) en, Kunstschaffende, projek­ tierende Bauherrschaften und Auftraggebende. Dabei musste aber ein physisches Produkt vorliegen – theo­

Graubünden Holz

retische Arbeiten, etwa Forschungs- und Entwicklungsprojekte,

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sowie konzeptionelle Arbeiten – etwa zu Organisationsformen in

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1

| 2018

CUBATURA

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«

BAB-VERFAHREN – PRAKTISCHE TIPPS FÜR BAUHERREN. Für die rund 40 000 Bauten Graubündens ausserhalb der Bauzone gilt das BAB-Verfahren des Bundes – also das Verfahren fürs Bauen ausserhalb der Bauzone. CUBATURA sprach mit Toni Broder, Kreisplaner, und Federico Durband vom Rechtsdienst – beide beim ARE ( Amt für Raumentwicklung ). Sie geben praktische Tipps zum Vorgehen, denn sie haben 2017 die Arbeits­h ilfe für die Erarbeitung und Beurteilung von BAB-Gesuchen mitverfasst. Text : Fridolin Jakober

Bilder : Amt für Raumentwicklung Graubünden


RECHT & GESETZ

Weshalb braucht es in Graubünden zwei Bewilligungsver-

Welches sind die wichtigsten Punkte, auf die ein Bauherr

fahren – je nachdem, ob eine Liegenschaft innerhalb oder

achten muss, wenn er ausserhalb der Bauzone – also

ausserhalb der Bauzone liegt – und warum sind dafür zwei

mittels BAB-Verfahren – zu einer Baugenehmigung gelangen

verschiedene Ebenen ( Gemeinde innerhalb der Bauzone

will ?

und Kanton Bauen ausserhalb der Bauzone ) zuständig?

Federico Durband : Erstens eine gute Vorabklärung, zweitens mit

Toni Broder : Die gesetzliche Basis ist überall das Raumplanungs­

den Nachbarn reden und – falls irgendwo der Natur- und Land­

gesetz ( RPG ), das hat jeder Kanton und jede Gemeinde umzu­

schaftsschutz betroffen sein könnte – mit den Umweltschutzorga­

setzen. Das wesentliche Merkmal bildet die Trennung vom Bau-

nisationen reden. Man kann uns nämlich um die vorläufige Beur­

und Nichtbaugebiet, oder anders gesagt : die Unterteilung in

teilung eines Bauvorhabens ersuchen. Ein gutes Mittel für den

Gebiete innerhalb der Bauzone ( abgekürzt : BIB ) und Gebiete

Bauherrn, um Planungssicherheit zu schaffen. Es funktioniert nach

ausserhalb der Bauzone ( BAB ). Beim Bauen innerhalb der Bau­

dem Prinzip : « Sag mir, was du willst, und ich sage dir, was geht. »

zone ist die Gemeinde zuständig. Sie erteilt die Baubewilligung

Bei dieser kostenlosen Vorabklärung erfährt der Bauherr, ob sein

nach dem Baugesetz der Gemeinde. Bauen ausserhalb der

Projekt grundsätzlich bewilligungsfähig ist, ob Anpassungen

Bauzone wird grundsätzlich durch den Bund geregelt. Doch

nötig sind oder ob auf das Werk verzichtet werden soll – und dies

wegen der Grösse der Schweiz und der Verschiedenartigkeit

schon zu einem Zeitpunkt, wo er sein Gesuch noch nicht bis ins

ihrer Regionen kann der Bund das nicht auf seiner Ebene über­

letzte Detail ausgearbeitet hat. Wer seine Nachbarn früh infor­

wachen und beurteilen, sondern er hat diese Aufgabe an die

miert und wer – gerade bei grösseren Bauten in landschaftlich

Kantone delegiert. In Graubünden nehmen wir vom Amt für

sensiblen Gebieten – beschwerdeberechtigte Organisationen

Raumentwicklung diese Aufgabe wahr. Liegt eine BAB-Bewilli­

über sein Vorhaben ins Bild setzt, kann mögliche Einsprachen

gung zu einem Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone vor, kann

abwenden und damit Zeit, Geld und Nerven sparen. Denn jede

anschliessend die Gemeinde, gestützt auf die BAB-Bewilligung,

Einsprache verlängert das Bewilligungsverfahren.

ihre Baubewilligung rauslassen. Dieses System ist in der kanto­ nalen Raumplanungsgesetzgebung so geregelt.

Toni Broder : Je besser die Akten vom Baugesuch ausgearbeitet sind, umso klarer ist die Behandlung des Gesuchs und der

Federico Durband : Es braucht den Föderalismus auch in der

Entscheid kommt rascher. In unserer Arbeitshilfe zum BAB auf

Baugesetzgebung – der Stadtkanton Genf ist kaum mit dem

Seite 78 ( Download im Web beim Amt für Raumentwicklung –

Berg- und Tourismuskanton Graubünden vergleichbar. Deshalb

www.are.gr.ch – Dienstleistungen > unter Bauen ausserhalb

regeln innerhalb der Bauzone weitgehend die Gemeinden, was

Bauzonen > BAB Wegleitungen > Arbeitshilfe, die Red. ) sind alle

gebaut werden darf. Ausserhalb der Bauzone hat das Amt für

Unterlagen genannt – wichtig sind vor allem : vollständig ausge­

Raumentwicklung ( ARE ) als Leitbehörde den Auftrag, sicher­

füllte BAB-Formulare, exakte Aufnahmepläne, Fotos, fachge­

zustellen, dass das Gesetz beim BAB-Verfahren einheitlich ange­

rechte Projektpläne, Detailpläne zur Abwasserentsorgung und

wendet wird. Weil das ARE in Chur und also weiter weg von den

weitere Unterlagen, die spezifisch fürs Projekt sind – etwa das

lokalen gesellschaftlichen Verknüpfungen ist, fällt es manchmal

zusätzliche Formular bei Terrainveränderungen oder der FAT-­

auch leichter, das Recht einheitlich und rechtsgleich zu voll­

Bericht über Geruchsimmissionen bei Stallbauten. Der Bauherr

ziehen. Das bedeutet nicht, dass alle über denselben Kamm

muss sich im Klaren sein, dass er es ist, der dieses Gesuch stellt

geschoren werden. Ein dauernd bewohntes und gut erschlos­

und etwas möchte. Es schafft Rechtssicherheit, wenn das

senes Haus in der Nähe der Bauzone oder ein Ferienhaus aus

Gesuch ausführlich dokumentiert ist – gerade im Fall, wo einer

den 1960 er Jahren ist nicht mit einem traditionellen Maiensäss zu

Einsprache erhebt, darf nichts fehlen. Dann gilt : Immer mit dem

vergleichen, das in einer sensiblen Berglandschaft liegt. Deshalb

Nachbarn sprechen und auf Betroffene zugehen, nicht etwas

achten wir auf die räumliche Differenzierung und die realen

machen, ohne zu kommunizieren – so vermeidet man lange Ver­

Gegebenheiten. Allerdings regelt Bern immer dichter und tiefer,

fahren.

was ausserhalb der Bauzone gebaut werden darf. Vor der Revisi­ on des Raumplanungsgesetzes im Jahr 2000 hatten die Kantone

Welche Hilfestellungen bekommt der Bauherr vom ARE ?

bei bestehenden Bauten mehr Gestaltungsspielraum – etwa

Federico Durband : Das Wichtigste ist sicher die Vorabklärung

wenn es darum ging, Nutzflächen fürs Wohnen zu vergrössern.

im Vorfeld der Baugesucheinreichung. Wir geben dort Rückmel­ dungen, Empfehlungen, Tipps, wie man vorgehen kann. Und

Toni Broder: Dabei hat das Bauen ausserhalb der Bauzone gerade

das ist gratis. Eine weitere Hilfestellung ist unsere Website mit der

in Graubünden eine recht grosse Bedeutung und Tradition. Es gibt

Gesamtübersicht in der Arbeitshilfe für BAB-Gesuche, weiteren

40 000 Gebäude ausserhalb der Bauzone. Zusammen mit den

nützlichen Arbeitshilfen und Merkblättern zu den einschlägigen

Vorabklärungen behandeln wir 1000 bis 1200 Baugesuche pro Jahr.

Themen wie landwirtschaftliches Bauen oder Agrotourismus usw.

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RECHT & GESETZ

Maiensäss in Scharans : Die Verwendung von ortstypischen Materialien ist für die Wahrung der Identität der Baute und ihrer Umgebung wichtig.

Wie arbeitet man ein Baugesuch aus ? Wie berechnet man

Wie lange dauert es im Durchschnitt, bis man eine

Geschossflächen ? Wie geht man mit der Solaranlage um ? Wie

Baubewilligung bekommt ?

soll man die Umgebung gestalten ?

Toni Broder : Für etwas mehr als 80 Prozent der Gesuche gibt uns das Gesetz drei Monaten Frist – je besser die Unterlagen, desto

Toni Broder : Im BAB-Verfahren selber geben wir die Richtung

schneller geht es gewöhnlich. Letztes Jahr ging die Hälfte dieser

vor und wir müssen diese auch durchsetzen – denn wir sind die

Gesuche nach rund 50 Wochentagen mit einer Verfügung an

Leitbehörde. Wir führen bei vorhandenem Abwägungsspielraum

die Gemeinde, also in weniger als zwei Monaten. Sobald aber

schliesslich die Gesamtinteressensabwägung durch, auch wenn

die Komplexität zunimmt oder wenn Einsprache erhoben wird,

weitere Ämter des Kantons involviert sind. Auch hier wollen wir

verlängert das den Prozess. Als gute Faustregel gilt deshalb : Pla­

zuerst einmal Hilfestellung leisten, indem wir dem Gesuchsteller

nen im Winter, Bauen im Sommer.

detailliert zeigen, wo allenfalls Zusatzarbeiten nötig sind – denn das Kundenverständnis bei unserem Amt ist ausgeprägt. Das ist

Welche Arten von Sanierungen und Wiederaufbauten

vom Kanton her auch so gewollt.

werden vom Amt für gewöhnlich bewilligt ? Bei welchen Wünschen wird es schwierig ?

Federico Durband : Wir versuchen Lösungen aufzuzeigen, um

Toni Broder : Im Kapitel zu den nicht mehr landwirtschaftlich

das Vorhaben gesetzeskonform zu realisieren. Unser Credo lautet

genutzten Dauerwohnbauten sowie zu den Temporärwohn­

dabei : « Nicht das Haar in der Suppe suchen, um ein Vorhaben

bauten und Maiensässen haben wir das zusammengestellt, auf

abzulehnen, sondern sich zu fragen, wie bekommt man es gut

Seite 57 unserer Arbeitshilfe. Relativ einfach sind Erneuerungen

hin ! » Konkret sollen dem Bauherrn die relevanten Problempunkte

und Zweckänderungen, solange die Nutzung vorher und nach­

und entsprechende Lösungsvorschläge aufgezeigt werden. Als

her vergleichbar ist. Doch muss man – etwa bei Maiensässen –

Leitbehörde im BAB-Verfahren bewilligen wir – nach Anhörung

beachten, dass man sie nicht zur Dauerwohnbaute umnutzen

der betroffenen Fachinstanzen und der verfahrensbeteiligten

darf. Auch Erweiterungen innerhalb des bestehenden Volumens

Umweltschutzorganisationen – das Vorhaben, wenn es gesetzes­

bis maximal plus 60 Prozent sind grundsätzlich erlaubt und kom­

konform ist, allenfalls mit Auflagen.

men häufig vor. Am schwierigsten wird es bei Erweiterungen

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RECHT & GESETZ

® der Wohnfläche ausserhalb des bestehenden Volumens und na­ türlich bei Abbruch und Wiederaufbau. Das kommt deshalb am seltensten vor. Federico Durband : Eine grosse Herausforderung ist es, die Identi­ tät, also die Wesensgleichheit der Baute und ihrer Umgebung zu wahren – besonders bei grösseren Vorhaben. Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Volumens beeinflussen die Identi­ tät der Baute und wenn abgebrochen wird, so geht naturge­ mäss Bausubstanz verloren. Es fällt zudem nicht immer leicht, die Ersatzbaute so zu projektieren, dass sie sich auch in die betreffen­ de Kulturlandschaft einfügt und nicht plötzlich wie ein Fremd­ körper wirkt. Manchmal kann man dazu auf einen profes­sionellen Bauberater der Gemeinde zurückgreifen. Die Identität muss auch bei Nutzungsänderungen gewahrt bleiben. Wenn man etwa eine Maiensässhütte dauerhaft bewohnt, so sind Art und Intensität der Nutzung nicht mehr vergleichbar, deshalb ist das auch unzulässig. Welche Bedeutung hat das Bauen ausserhalb der Bauzone in Graubünden – quantitativ und für die Qualität der Landschaft ? Federico Durband : Graubünden verfügt über rund 40 000 Ge­ bäude ausserhalb der Bauzone, viele davon exponiert gelegen, viele Ställe, die von der Landwirtschaft nicht mehr benötigt wer­ den – Bauen ausserhalb der Bauzone ist in Graubünden recht bedeutend – schon allein wegen der Nachhaltigkeit. Deshalb

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müssen sich vor allem neue Bauwerke gut in die Kulturlandschaft einfügen. Wo vorher auf Maiensässstufe ein Strickbau bestand, der mit Steinplatten gedeckt und von Trockensteinmauern um­ geben war, darf nicht ohne Weiteres nachher eine gemauerte und wellblechgedeckte Baute mit grosser Terrassenfläche ent­ stehen. Es geht um die Baute und deren Umgebung – also sollte hier beispielsweise auf Blocksteinmauern und neue Zufahrtsstras­ sen oder Parkplätze verzichtet werden, sofern sie das Land­

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schaftsbild beeinträchtigen. Denn das schmälert letztlich den touristischen Erlebniswert. Solche Fehlleistungen sollen im BABVerfahren unterbunden werden. Doch soll die Bausubstanz, die unsere Ahnen hinterlassen haben, auch erhalten und zweckmäs­ sig genutzt werden. Wenn es dazu bauliche Massnahmen braucht, können einheimische Handwerksbetriebe diese profes­ sionell ausführen. Wo es nötig ist, sollen auch neue Bauten und Anlagen erstellt werden können – zum Beispiel in der Landwirt­

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schaftszone oder in einem intensiv genutzten Tourismusgebiet. Das erhält Arbeitsplätze. Es ist ein Spannungsfeld mit teilweise gegensätzlichen Interessen. Wir versuchen hier im BAB-Verfahren sozusagen « das Beste für Land und Leute » herauszuholen.

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CUBATURA

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«

ABWASSER IM LÄNDLICHEN RAUM. Ob abflusslose Grube, Kompostierung oder Kleinkläranlage – wer ausserhalb der Bauzone lebt, ist für die Reinigung seiner häuslichen Abwässer verantwortlich. Die gute Nachricht : Es gibt heute immer bessere und günstigere Lösungen. Text : Fridolin Jakober

Bilder : CREABETON BAUSTOFF AG ; Holzbau Hunger


RECHT & GESETZ

Wer in der Stadt oder in der Bauzone eines Dorfes wohnt, braucht

« Oft ist die Erstellung einer abflusslosen Grube die erste Überle­

sich darüber kaum Gedanken zu machen : Die rund 150 Liter

gung, wenn es um das Thema Sanierung Abwasser ausserhalb

Abwasser, die er oder sie täglich produziert, werden durch die

der Bauzone geht. Das ist die einfachste bauliche Massnahme

Kanalisation zur Kläranlage geführt und dort behandelt und

und deshalb die erste Wahl bei sporadisch genutzten Objekten.

gereinigt, damit sie wieder einem Gewässer zugeführt werden

Doch hier hat man keine Flexibilität », so Yves Quirin. Denn wenn

können. Was aber, wenn man auf einer Alp oder in einer Maien­

die Grube voll ist, muss abgesaugt werden. Das mag noch gut

säss-Siedlung wohnt ? « Für Bauten ausserhalb der Bauzone ist die

gehen, wenn der Bauer im Sommer mit dem Gülletransporter bis

Gemeinde zuständig », sagt Yves Quirin, Abteilungsleiter Grund-

vors Maiensäss fahren kann. Doch im Winter oder bei schlechter

und Siedlungswasser beim Amt für Natur und Umwelt Grau­

und fehlender Zufahrt wird das häusliche Abwasser zum Problem.

bünden ; er ist dort zuständig für den Bau und die Sanierung von

Zudem wurde die Grube vielerorts von den Vorvätern geplant –

öffentlichen Abwasserreinigungsanlagen. Doch Quirin schickt

zu einer Zeit, als das Objekt noch nicht so häufig genutzt wurde

gleich den Satz hinterher : « Aber die Fachstelle kann bei der

und als auch die Hygienebedürfnisse noch nicht auf dem heu­

Gemeinde Antrag stellen. » Er meint damit, dass die kantonale

tigen Standard waren. Lebt heute eine vierköpfige Familie 100

Stelle dort, wo sie bei Bauten ausserhalb der Bauzone Hand­

Tage im Maiensäss, so bedeutet das 60 000 Liter oder 60 Kubik­

lungsbedarf erkennt, die betreffende Gemeinde informiert und

meter Abwasser. Das sind fünf volle Güllefässer aus einem vier

eine Verfügung beantragt. «Bei den Gastgewerbebetrieben

Meter hohen Tank mit einer Grundfläche von 4 x 4 Metern.

haben wir das getan und den Gemeinden entsprechende Ver­

Sie müssen in die Kläranlage abgeführt werden, was ebenfalls

fügungsentwürfe zugestellt. » Fast 400 Betriebe sind das – vom

kostenpflichtig ist.

Bergrestaurant bis zur SAC-Hütte ( Schweizer Alpen Club ) und zum Maiensässbeizli. Einige davon sind an die Gemeindekana­

Die Kleinkläranlage

lisation angeschlossen, andere leiten das Wasser in eine abfluss­

Deshalb entscheiden sich Eigentümer heute vermehrt für

lose Grube, wieder andere haben sich für den Bau einer Klein­

Kleinkläranlagen. Einer der Vorreiter ist dabei der SAC, der in

kläranlage entschieden – und bei manchen steht eine Sanierung

vielen seiner Hütten eine steigende Anzahl von Besuchern mit

der Abwasserreinigung an.

wachsenden Bedürfnissen verzeichnet und deshalb schon vor zehn Jahren eine Strategie zur besseren Reinigung der Abwässer

Die abflusslose Grube

beschlossen hat. Inzwischen gehört der SAC zu den Innovations­

Am bekanntesten in Graubünden dürfte wohl der « Güllekasten »

treibern, denn je nach Hütte kommen verschiedene Systeme zur

sein – denn so nennt man die abflusslose Grube im Volksmund.

Anwendung – von der Trocknung über die Wurmkompostierung

Versetzen einer Wirbel-Schwebebett-Anlage

Fertig versetzte Kläranlage

für vier bis sechs Einwohnerwerte ( EW ).

mit Versickerung.

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. . . ausgelegt für bis zu 60 Personen.

bis zur Kläranlage, wie sie etwa bei der Terrihütte verbaut wurde.

die Anlage auch als Nachrüstsatz für bestehende Gruben erhält­

Es geht dabei nicht um Hightech, sondern um robuste Anlagen,

lich. Sie kann in wenigen Stunden versetzt, angeschlossen und in

welche wenig Energie benötigen und einfach zu unterhalten

Betrieb genommen werden. Holzbau Hunger vertreibt ebenfalls

sind. Die steigende Nachfrage hat dazu geführt, dass eine Klein­

SBR-Anlagen sowie zusätzlich Festbett- und Wirbel-Schwebebett-

kläranlage heute eine attraktive Lösung für den Bauherren

Anlagen.

sein kann – denn dieser ist verantwortlich für das Abführen der Abwässer und möchte vielleicht seinen Kindern etwas mehr

Heute können Bauherren somit mit verschiedensten Methoden

Luxus hinterlassen, wenn sie das Maiensäss öfter nutzen wollen.

ihre Abwässer auch ausserhalb der Wohnzonen der Reinigung zuführen.

Biologische Klärung Über 100 private aerobiologische Kleinkläranlagen sind heute im Kanton Graubünden in Betrieb. « Früher gab es das Problem, dass man solche Anlagen baute und sie nachher ‹ vergass › », so Yves Quirin. « Vorgeschrieben ist deshalb heute vom Kanton mit jeder Anlage auch ein Wartungsvertrag, damit ein- bis zweimal pro

Drei Abwasser-Systeme

Jahr durch einen externen Spezialisten festgestellt wird, ob alles funktionsfähig ist. Es wird auch eine Abwasserprobe erstellt, de­

Abflusslose Grube

ren Resultat uns gemeldet wird. » Die Überwachung der Kläranla­

Vorteile :

gen in Graubünden – ob klein oder gross – ist heute lückenlos,

Nachteile : Regelmässige Leerung erforderlich, unflexibel,

der Besuch des externen Kontrolleurs kostet jeweils rund 400

Günstig, wartungsarm Entsorgungsgebühr Abwasser

Franken. Kleinkläranlage Zwei der Lieferanten, welche Erfahrung mit Lösungen in Grau­

Vorteile:

bünden mitbringen, sind CREABETON BAUSTOFF AG in Trimmis und Holzbau Hunger im Safiental. Creabeton vertreibt eine Klein­

Verschiedene gebirgserprobte Systeme, auch zum Nachrüsten für bestehende Gruben

Nachteile: Jährliche Wartungskosten, Wartung ist vorgeschrieben

kläranlage, welche nach dem « Sequencing Batch Reactor »Prinzip ( SBR ) funktioniert. Das ist ein biologisches Reinigungs­

Wurmkompostierung

verfahren. Das Abwasser wird in einer Vorklärung gespeichert, wo

Vorteile:

sich Schwimm- und Sinkstoffe trennen, und dann portionenweise

Nachteile: Arbeitsaufwendig, Trennung nötig, es braucht Fäkalraum

Innovative Lösung, ökologisch, Abwassermenge kleiner

im Reaktor aufbereitet. Unter bestimmten Voraussetzungen ist 1

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CUBATURA

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NOTA BENE

DAVOS

VOM PFERDESTALL ZUM « STALL VALÄR ».

In Davos, zwischen Bahnhofplatz und der Jakobshorn-Talstation,

und neue Decken, deren Nutzlasten erhöht wurden mussten. Das

stand 100 Jahre lang ein grosser Pferdestall, den gasser, derungs

belassene, rustikale Holz und die ausgesuchte Möblierung erzie­

– in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft – mit einem Um­

len höchste Gastlichkeit. Die Rustikalität wurde in der inneren

nutzungsprojekt in das neue Gastro-Restaurant & Bar « Stall

Gebäudehülle durch den Einsatz der Farbe Schwarz ( zum Bei­

Valär » verwandelt haben. Das alte Stalldach bekam mit einem

spiel bei Fenstern, Wandverkleidungen etc. ) kontrastiert.

ergänzten Dachaufbau die geforderten Dämmwerte und die alten Aussenwand-Verbretterungen erhielten von innen zu

Den Stall ergänzt ein moderner Anbau eines dreistöckigen, ver­

öffnende, grossformatige Fenster, welche einen optimalen Ener­

glasten Kubus, in dem sich die Küche sowie Lagerräume und der

gienachweis garantieren. Alle Massnahmen verwandelten den

rollstuhlgängige Aufzug befinden. Die Küche ist von aussen ein­

Stall bauphysikalisch in einen Neubau. Der Stall aber behielt

sehbar. Somit wirkt diese Architektur vor allem abends wie eine

seinen Charakter, innen und aussen. Eine nicht vorhandene

Laterne, welche die Gäste quasi magisch anzieht.

Haustechnik wurde – den gastronomischen Ansprüchen genü­ Bauherrschaft : Davos Klosters Bergbahnen AG

spendet angenehme Raumtemperaturen. Die alten Bruchstein­

Planung : gasser, derungs, Zürich / Chur

mauern konnten innen erhalten werden. Sie wurden aussen

Umbaujahr : 2017

gedämmt und verputzt. Neu : Ein Bodenfun­ d ament im EG

Bilder : Benjamin Hofer

Hü7

gend – aufwändig entwickelt und realisiert ; die Bodenheizung

Hossmann AG. Thusis. Tel. +41 [0] 81 650 00 30. www.hossmann.com

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TRIMMIS

BRUCHSTEIN, RUNDHOLZ, FACHWERK. 1790 erbaut, war dieses kleine Haus am Müliweg in Trimmis stets

in Familienbesitz. Mit seinem bügeleisenartigen Grundriss und seiner schmalen, hohen Form trägt es zum Charakter des alten Dorfkerns bei – im Erdgeschoss aus Bruchsteingemäuer war eine Schmitte, darüber wurde auf zwei Stockwerken in einem Fach­ werkbau mit einzelnen Strickwänden gewohnt. Nach längerem Leerstand wurde das Objekt vermietet, aber niemand machte etwas daraus, so dass es allmählich verkam. In dieser Situation erwarb Jan Malär das Haus und entschied, es durch einen Umbau auf Vordermann zu bringen. Mit einer neuen Aussenwärmedämmung

und

einer

Erdsondenwärmepumpe

wurde energetisch saniert, von der Gestaltung her wollte der Bauherr möglichst viel von der Gebäudesubstanz erhalten, die Materialien am Bau wiederverwenden, die Räume optimal nutz­ bar machen und den Charakter des Hauses bewahren. Architekt Jan Rutzer kehrte die Nutzung der Räume um – das Erdgeschoss dient zur Lagerung und könnte zum Studio ausgebaut werden. Im 1. Stock sind Schlafzimmer und Büro und im Dach­geschoss mit

offener Galerie wird gegessen und gewohnt. Dazu wurde die Balkenlage im Wohnbereich erhöht und das Täfer entfernt. Der Bauherr selber bearbeitete die Balken des Fachwerks, die Aus­ fachungen wurden weiss verputzt und aus den alten Brettern des Estrichbodens sowie des Täfers entstanden Bank, Tisch, Badezim­ mer- und Küchenmöbel. Eine neue Steigzone erschliesst das Bad, das Gäste-WC und die Küche ; über ein raumsparendes Treppen­ haus sind alle Räume erreichbar. Bauherrschaft : Jan Malär, Trimmis Ein gelungener Umbau, der den Charakter und die Substanz

Architektur : Rubatech GmbH, Jan Rutzer, Landquart

bewahrt, die Materialien nachhaltig wiederverwendet und mit

Umbaujahr : 2017

kreativen Lösungen die Wohnlichkeit optimiert.

Bilder : Riccardo Götz

Küchenbau Schreinerei Tel. 081 325 17 51 www.egli-web.ch info@egli-web.ch RZ_rubatech_egli_180x58.indd 1

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NOTA BENE

CHUR

MORISSEN

EIN TOP-FLOOR FÜRS HOTEL ABC.

DORFBEIZ & MÜLLERSTUBE. Zwei- bis dreimal im Jahr nehmen die Landwirte im Gebäude am unteren Dorfrand die alte Mühle in Betrieb, um ihr Getreide zu Mehl zu verarbeiten. Die gut erhaltene Bausubstanz sollte beim Umbau zu einem Restaurant erhalten und als Gastroerlebnis inszeniert werden. Schon beim Eintreten werden die Gäste jetzt in die Mühlenatmosphäre entführt – durch eine Glastür und ein Fenster sind – in einem muralen Raum – die Mahlwerke und Mühlengänge zu sehen. An der funktionstüchtigen Mühle vorbei führt Patrick Rothmund von spacial design, Trun, die Treppe ins Obergeschoss, in die Dorfbeiz mit dem Stammtisch, die angren­ zende Küche, zur Aussenterrasse und zum neuen Gastraum, der « stiva dil mulinér ». Diese entstand im ausgebauten Schopf des Müllers. Geprägt wird dieser durch die Balkenkonstruktion im Wechselspiel mit einer gewölbten weissen Holzdecke. Wer den Raum durchschreitet, kann durch ein Glasfenster im Boden des Raumes auf die Mühle schauen – die Tische sind rund um das Fenster positioniert. Das Gebäude bietet also die Möglichkeit, Getreide zu mahlen, vor Ort zu verarbeiten – vom Weizen zur Pasta – und in der Dorfbeiz und im Restaurant zu servieren.

1,3 Millionen Franken investierte die Foppa Gruppe für die vier

neuen Zimmer und die Suite im 6. Stock des Hotels ABC. Entspre­

Bauherr schaft : Il Mulin SA, Morissen

chend überzeugend ist das Resultat : Grosszügige Fensterfronten

Architektur : spacial design, Patrick Rothmund, Trun

bieten eine wunderbare Sicht über die Stadt und in die Berge,

Umbaujahr : 2016

der Ausbau ist High End in jeder Hinsicht. Mit der Fertigstellung

Bilder : spacial design

der vier Zimmer und der Suite im Top-Floor erreicht das Hotel eine Erhöhung seiner Bettenkapazität, das Stadthotel kann jetzt den Raum an der besten Aussichtslage auch optimal nützen. Dank langfristig denkender Investoren wurde in den vergangenen 21 Jahren aus einem Haus mit 31 Zimmern das Flaggschiff der Churer Hotellerie mit 58 Zimmern. Architekt Marco Gujan von Gujan Partner GmbH konnte durch die Anpassung der Dachform mehr Wohnraum für die Gäste gewinnen,

die

Inneneinrichtung

im

gehobenen

Business-­

Segment überzeugt durch helle, hohe Räume mit Schrägdecken, hochwertiges Holzparkett im Wohn- / Schlafbereich und funktio­ nal und zugleich schön gestaltete Nasszellen. Fenster und LichtSonnenschutz lassen sich automatisch bedienen, ein durch­ dachtes Lichtdesign, Air Condition und Wireless LAN erfüllen die Bedürfnisse des anspruchsvollen Business-Gastes. Bauherrschaft : Foppa Gruppe, Chur Architektur : Gujan Partner GmbH, Chur Umbaujahr : 2017 / 2018 Bild : Marc Weiler Photography

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NOTA BENE

PANY

EIN ZENTRUM IM ZENTRUM. Aus dem ursprünglichen Ziel, im Dorfzentrum von Pany öffent­ liche Parkplätze zu schaffen, wuchs das Bedürfnis für behinder­ tengerecht eingerichtete und zugängliche Verwaltungsräum­ lichkeiten. Das jetzt realisierte Siegerprojekt aus dem Wettbewerb von 2013 sieht vorausblickend genügend Platz vor, so dass es jetzt – nachdem Luzein und St. Antönien während der Bauphase die Gemeindefusion beschlossen – sämtliche Mitarbeitenden der altrechtlichen Gemeinde aufnehmen kann. ALMENS

STAMPFLEHM & HOLZELEMENTE.

Das neue Gemeindehaus von Pany interpretiert den Typus des Walserhauses in seiner ortstypischen Bautradition und fügt sich harmonisch in die Bebauungsstruktur ein, indem es diese verdichtet und ein Zentrum bildet. Der Erschliessungskern ist in Sichtbeton und Naturstein gehalten und fungiert als Mittelkorri­ dor. Über den Massivkern ist ein reiner Holzbau mit Giebel,

Für eine vierköpfige Familie wurde in Almens ein ökologisches

Vordach und Lukarnen gestülpt – regionalistisch geprägt, aber

und nachhaltiges Einfamilienhaus mit Musikatelier erbaut. Im

neu interpretiert. Handgespaltene Lärchenschindeln dokumen­

schlichten und schlanken Volumen befinden sich zuunterst die

tieren den ländlichen Kontext, akzentuierende Holzfelder und

Schlafzimmer der Kinder, im Eingangsgeschoss findet das täg­

umlaufende Lisenen verankern das Haus in der Gegenwart und

liche Wohnen statt und im Obergeschoss ist das Atelier. Eine

machen es repräsentativ. Alle acht Alterswohnungen sind in Holz

massive, mittige Wand aus Stampflehm zoniert das Raumgefüge.

gehalten und haben eine Veranda, welche der privaten Stube

Die zentrale Stampflehmwand trägt neben der ästhetischen

vorgelagert ist und grandiose Sicht in die Berge bietet. Aussen

Komponente auch massgebend zum Feuchtehaushalt des Ge­

einheitlich, entpuppt sich das Gebäude im Innern als multifunk­

bäudes bei. Die Aussenwände und Decken bestehen aus vor­

tional. Im Erdgeschoss teilen sich die Gemeindeverwaltung

fabrizierten Holzelementen. Die Dachflächen sind als Scheiben

und Pany-St. Antönien Tourismus ein Grossraumbüro. Im 1. Ober­

konzipiert, so dass weder Sparren noch Pfetten nötig sind, was

geschoss steht den Hausbewohnern und Aussenstehenden ein

dem Atelierraum archaische Eleganz verleiht.

Spitex-Behandlungsraum zur Verfügung. Hier sind auch die Büros von Kanzlist und Gemeindepräsident sowie der Sitzungsraum.

Auf dem steilen Dach zur Südseite wird durch Sonneneinstrahlung

In den weiteren zwei Obergeschossen und im Dachgeschoss

Warmwasser erzeugt. Ein Stückholzofen im Wohnbereich liefert

entstand Wohnraum.

Wärme.

Bauherrschaft : Gemeinde Luzein Die Räume werden über eine zentrale Treppe mit eingespannten

Architektur : Pablo Horváth, Chur

Lärchentritten erschlossen. Ebenfalls aus massiver Lärche sind

Mitarbeit : Ferruccio Badolato, Lukas Mähr

die Böden in Wohn- und Schlaf­räumen, während im Atelier und

Bauleitung : Yvan Rüedi, Saas

im Küchen- / Entréebereich mattschwarze Lehm-Kasein-Böden

Baujahr : 2015 – 2016

gegossen wurden. Der Innenausbau ist eine Hommage an natür­

Bild : Ralph Feiner

liche Materialien in edler Ausführung.

Bauherrschaft : Privat Architektur und Bauleitung : Norbert Mathis, Architekt, Chur Ingenieur : Conzett, Bronzini & Partner AG, Chur Holzbauplanung : Pius Schuler AG, Rothenthurm Baujahr: 2014 – 2015 Bild : Ralph Feiner


NOTA BENE

SOGLIO

LA STRECCIA – STALL, HÄUSCHEN, SCHMIEDE. Mit der Idee im Hinterkopf, den verfallenen Stall und das Häuschen zum Rückzugsort für die Familie umzuwandeln, beschlossen Elena und Ugo Giacometti, das sehr einfache, aber pittoreske Bauernhaus aus dem Jahr 1684 an der Via Streccia in Soglio vor invasiven Umbaumassnahmen zu bewahren. In den Jahren 2016 und 2017 entrümpelten sie das Haus, das seit mehr als einem Jahrhundert unbewohnt war, reinigten es und restaurierten es zum Teil. Dazu kam in der Folge eine verlassene Schmiede. Nach einem Tag der offenen Tür, der auf erhebliches Interesse stiess, gründeten die Giacomettis 2017 die einfache Gesellschaft « La Streccia ». Sie soll als langfristige Initiative dieses historische, kulturelle und architektonische Areal dem Dorf als authentisches Zeugnis seiner bäuerlichen Vergangenheit zur Verfügung stellen. Im Haus ist zu sehen, wie die Bauern früher im Dorf lebten. Es ist hierfür eines der letzten noch gut erhaltenen Beispiele, bestehend aus Eingang mit offener Feuerstelle, alter Holzstube « Stüa », Keller, Schlafzimmer, Dachgeschoss, Plumpsklo und Originaleinrichtung. Der angrenzende Stall bedarf der Renovierung. Die ehemalige Schmiede, welche in einem ähnlichen Stall versteckt ist, stammt wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert. Es finden themenbezogene Veranstaltungen,

Ausstellungen und im Sommer Führungen statt. Informationen : www.lastreccia.ch. Bauherrschaft : Elena und Ugo Giacometti, Vicosoprano Drei Gebäude an der Via Streccia, Soglio Restaurierungsjahr : 2017 Bilder : La Streccia

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NOTA BENE

DOMAT / EMS

GARTENATELIER MIT ORANGERIE. Landschaftsarchitektin Maja Tobler und Olivier Zuber, Geschäftsführer der Zuber Aussenwelten in Domat / Ems, schufen 2016 das Gartenate­ lier. Inspiriert durch Gartenreisen im In- und Ausland entstand ein « Hot­

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spot » für die Gartenkultur der Schweiz, insbesondere Graubündens. In einem Park von 5000 Quadratmetern werden vielgestaltige Pflanz­ konzepte präsentiert – von der bunt blühenden Blumenwiese und eng­ lisch inspirierten Stauden­rabatten bis zu ausgesuchten Gehölzkombina­ tionen. Gegliedert ist das Gelände in Gartenzimmer, welche durch Heckenkörper räumlich abgetrennt sind – sie sind jeweils einem Thema gewidmet. Herzstück des Parks bildet eine Orangerie. In der Dachkon­ struktion dieses Jugendstil-Gewächshauses mit den Grund­massen von 18 x 7 m und einer Höhe von 6,2 m befindet sich ein durchgehendes Lichtband mit Glasfenstern zum Öffnen. Zuber und Tobler entdeckten diese Glas-/Stahl-Struktur auf einer Reise als kleinen Gartenpavillon und liessen ihn in gross nachbauen. Es ist der grösste je errichtete Gartenpa­ villon in dieser Art mit Platz für zirka 100 bis 120 Personen. Als Kronleuchter dient eine Ahorn-Baumkrone mit über 80 Glühbirnen, sie wurde – wegen ihrer Dimensionen – zuerst ins Gebäude gestellt, die Struktur anschlies­ send darum herum gebaut. Das Gebäude verfügt ausserdem über eine

Burgaisa 4 7013 Domat-Ems T 081 630 34 84 info @ ladner-schreinerei.ch ladner-schreinerei.ch

kleine Küche. Jeden Donnerstag­ nachmittag ist das Gartenkaffee in Betrieb und die Schaugärten sind geöffnet. Orangerien sind traditionell für die Überwinterung von Kübelpflanzen konzipiert. So bleibt das Garte­ natelier über die Wintermonate für Besucher geschlossen. Bauherrschaft : Maja Tobler und Olivier Zuber Baujahr : 2016

RZ_ladner_55x239.indd 1

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CUBATURA

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Bündner Berglärchenholz ist sehr widerstandsfähig. Es besitzt im Vergleich zu anderen Nadelholzsorten sehr gute Festigkeitswerte, eine hohe Zähigkeit und ein geringes Quell- und Schwindverhalten. Das Kernholz ist witterungsbeständig und vor allem unter Wassereinwirkung in seiner Dauerhaftigkeit neben Eichenholz unerreicht.

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Amt für Energie und Verkehr

Amt für Immobilienbewertung

Denkmalpflege

Graubünden

Graubünden

Graubünden

Rohanstrasse 5, 7000 Chur

Hartbertstrasse 10, 7001 Chur

Loëstrasse 14, 7000 Chur

081 257  36  24 , www.aev.gr.ch

081 257  38  46 , www.asw.gr.ch

081 257 27 92, www.denkmalpflege.gr.ch

Das Amt für Energie und Verkehr ist

Das Amt für Immobilienbewertung führt mit

Die Denkmalpflege Graubünden befasst

kan­tonaler Ansprechpartner für Ener­gie­

den

Chur, Thusis,

sich mit der Bündner Baukultur und

eff­i zienz

Energien,

Davos, Ilanz, Samedan und Scuol amtliche

fördert eine nachhaltige und bestim­

Energiebe­ratung und die entsprechenden

Bewertungen von Grundstücken und Lie­

mungsge­ mässe Nutzung der Baudenk­

Infor­ma­tionen und Weiterbildungen. Bau­

genschaften im Kanton durch. Eigentümer

mäler und ihrer Umgebung. Mit Bera­

herrschaften bekommen telefonische Vor­

können gegen Gebühr eine Neubewer­

tungen

gehensberatung sowie neutrale, kosten­

tung

beantragen.

finanzieller Unterstützung sorgt sie, zu­

lose und persönliche Beratung im Amt,

Bewertungspflicht besteht bei Neubauten

sammen mit Gemeinden und Eigentü­

Beratung über Baustandards wie MINER­

ab 20 000 Franken; Renovations- oder Er­

mern, für einen sorgsamen Umgang mit

GIE, Zertifizierungen usw.

weiterungsbauten, falls Wertvermehrung

den einzelnen Objekten und Ortsbildern.

mehr als 100 000 Franken oder 20 % des in­

Sie berät Bauherrschaften bei Umbau­

Auf www.aev.gr.ch finden sich ausführliche

dexierten Neuwertes; Renovations- oder

vorhaben

Informationen und Links zu den nationalen

Erweiterungsbauten, falls Wertvermehrung

und gestalterischer Qualität und unter­

und kantonalen Gebäudeprogrammen

500 000 Franken übersteigt; Grundstücks­

stützt Restaurierungen.

und zu den Förderbeiträgen für Neu­

teilungen; Umwandlung in Stockwerkei­

bauten mit Vorbildcharakter sowie für Ge­

gentum oder in Miteigentum mit Nutzungs-

bäudesanierung und Haustechnik.

und Verwaltungsordnung. Alle zehn Jahre

und

erneuerbare

Bewertungsbüros

von

in

Grundstücken

und

den

hinsichtlich

Möglichkeiten

handwerklicher

werden zudem gemeindeweise Revisions­ bewertungen vorgenommen.

Amt für Natur und Umwelt

Amt für Raumentwicklung

Gebäudeversicherung

Graubünden

Graubünden

Graubünden GVG

Gürtelstrasse 89, 7000 Chur

Grabenstrasse 1, 7000 Chur

Ottostrasse 22, 7000 Chur

081 257  29  46 , www.anu.gr.ch

081 257  23  23 , www.are.gr.ch

081 258 90 00 , www.gvg.gr.ch

Der Schutz von Natur und Umwelt ist so­

Das Amt für Raumentwicklung setzt die

Die Gebäudeversicherung Graubünden

wohl bei industriellen und gewerblichen

Raumordnungspolitik der Regierung um

ist für Bauherrschaften der Ansprechpart­

wie auch bei privaten Bauvorhaben zu

und begleitet und prüft in Ausübung der

ner für die Neuwertversicherung sämt­

beachten. Das Amt für Natur und Umwelt

Bundesgesetzgebung Gesuche für Bau­

licher Gebäude im Kanton Graubünden.

Graubünden regelt unter anderem die

ten ausserhalb der Bauzone ( BAB ). Es ist

Sie ist zuständig für die Feuerpolizei und

Entsorgung von Bau- und Sonderabfällen,

Anlaufstelle für Vorhaben, welche eine

die Massnahmen zur Verhütung und Be­

den Bodenschutz beim Bauen, das Bauen

Genehmigung der Regierung oder eine

kämpfung von Schäden. Fragen zur Prä­

im lärmbelasteten Gebiet, die Bauricht­

BAB-Bewilligung brauchen, und entschei­

vention vor Feuer und vor Schäden durch

linie Luft und die Korrosionsschutzarbeiten

det, ob Bauvorhaben zonenkonform sind

Elementarereignisse gehören auch in

im Freien. Es führt den Kataster belasteter

oder ob dafür eine Ausnahmebewilli­

ihre Zuständigkeit. Sie betreibt Regional­

Standorte und informiert zu Themen wie

gung erteilt werden kann.

büros in Ilanz, St.   Moritz, Scuol, Tiefen­

Lärm und Erschütterungen, Chemikalien /

castel und Klosters.

umwelt­gefährdenden Stoffen und vielen mehr.

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Bardill Holzbau AG

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Egli Küchenbau AG

Kantonsstrasse 38

7212 Seewis-Schmitten

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7302 Landquart

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7001 Chur

www.gkb.ch

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HMQ AG

Schützenweg 8

7430 Thusis

www.hmq.ch

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Holzrausch

Albula 93, Atelier 172 H

7411 Sils im Domleschg

www.holzrausch.ch

83

Holzwerkstoffe Gfeller AG

Riedlöserstrasse 5

7302 Landquart

www.hws-gfeller.ch

54

Hossmann AG

Compognastrasse 33

7430 Thusis

www.hossmann.com

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Italienische Strasse 15

7430 Thusis

www.burkhardt-ag.ch

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Industriezone 31

7408 Cazis

www.kubli-tore.ch

60

Ladner Schreinerei AG

Burgaisa 4

7013 Domat / Ems

www.ladner-schreinerei.ch

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5400 Baden

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Triststrasse 5

7000 Chur

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Compognastrasse 33

7430 Thusis

www.mettier-thusis.ch

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Maler Roman Scharegg

Oberalpstrasse 52

7000 Chur

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MANI Holzbau

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7440 Andeer

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NEGRI AG

Quaderstrasse 11

7000 Chur

www.negriag.ch

42

PREFA Schweiz

Farbstrasse 31

8800 Thalwil

www.prefa.ch

50

Rhätische Bahn AG

Bahnhofstrasse 25

7001 Chur

www.rhb.ch

22

rhiienergie AG

Reichenauerstrasse 33

7015 Tamins

www.rhiienergie.ch

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Marianumstrasse 27

9490 Vaduz

www.roeckle.li

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RRT AG – Treuhand & Revision

Poststrasse 22

7002 Chur

www.rrt.ch

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Bahnhofstrasse 54

7302 Landquart

www.rubatech.ch

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Veia Dalmeras 18

7450 Tiefencastel

www.fenster-thoeni.ch

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Tarcisi Maissen SA

Via Resgias 16

7166 Trun

www.maissen-sa.ch

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Toscano AG, Naturstein

Parsagna

7440 Andeer

www.toscano-granit.ch

2

Wegmüller AG

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7078 Lenzerheide

www.wegmueller-gaerten.ch

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AUSKLANG

IMPRESSUM.

CUBATURA Graubünden 4. Jahrgang, erscheint 2-mal jährlich

Auflage 20 000 Exemplare Herausgeberin CUBATURA Kommunikation und Verlag GmbH Albula 93 , Atelier 172  H CH-7411 Sils i. D. MwSt.-Nummer : CHE-182.410.008 MwSt. Verleger Oliver Schulthess Markus Mehr Redaktionsleitung Oliver Schulthess, redaktion @ cubatura.swiss Autoren Martin Gartmann, gasser, derungs, Maya Höneisen, Fridolin Jakober, Marietta Kobald, PREFA Schweiz Fotografen Albertin Partner Architekten, Amt für Raumentwicklung Graubünden, Bündner Schafzuchtverband, CREABETON BAUSTOFF AG, Alice Das Neves, Ralph Feiner, fiwo, Johannes Fredheim, Riccardo Götz, Holzbau Hunger, Benjamin Hofer, Christian Jonasse, La Streccia, Mathias Kunfermann, Frederic Meyer, PREFA Schweiz, Marc Weiler Photography, Porträtbild aus der Publikation Rudolf Olgiati Architekt von Thomas Boga / Birkhäuser Verlag, spacial design Gestaltung Fabienne Galehr Abonnement- und Anzeigenverkauf Graubünden CUBATURA Kommunikation und Verlag GmbH

ANDEER

Albula 93, Atelier 172 H CH-7411 Sils i. D. Telefon +41 81 650 07 70 info @ cubatura.swiss

TEL 081´630´08´10

Abonnementpreise Kein Einzelverkauf, 2-Jahres-Abonnement, CHF 55.– exkl. MwSt., zzgl. Porto

ZIMMEREI

Haftungsausschluss

BEDACHUNGEN

Alle Rechte vorbehalten. Jeder Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit

TREPPENBAU

Erlaubnis des Verlages und der Redaktion gestattet. Für unaufgefordert eingesandte Text- und Bildsendungen können Verlag und Redaktion keine

INNENAUSBAU

Haftung übernehmen.

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CUBATURA

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| 2018

Hü7

ISSN 2297- 4547


Umbau

Sanierung & Renovation

Innenarchitektur

Albula

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Atelier

0 81 6 5 0 0 7 7 1

17 2 H

Innenausbau

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Sils

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CUBATURA GRAUBÜNDEN: Das Magazin für Architektur, Bauen, Erhalten und Wohnen in Graubünden.

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