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DIE

Pforte

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2008 | Nr. 61

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors Aus der Redaktion

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Vergangenes aus der Pforte Erinnerungen 1954 bis 1958 Schulpforte 1954 bis 1958 – Ein Rückblick Spiegelscherben

Aktuelles aus der Landesschule Termine Immatrikulation Abituransprache 2008 226 Meinungen zum Pförtner Bund Predigt zum Schulfest in Pforta

Vom Pförtner Bund Klassentreffen in Bamberg Kurznotiz & Kreuzgang und Gänsebraten Klassentreffen Abitur 1952 c Klassentreffen Abitur 1952 b2 Lebensbilder Zum Goldenen Abitur 2006 Pförtnertreffen in Karlsruhe Gänseessen 2008 in Münster & Aufruf Chorkonzert der Ehemaligen Jahresbericht Berlin Publikationen Tabula gratulatoria Ecce-Feierstunde 2008 Ecce 2008 Nachruf für Helmut Duckart Vita Professor Uwe Kreyssig Nachruf für Rudolf Konetzny Haushaltsrechnung 2007 Pförtnerabende Impressum


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Geleitwort des Vorsitzenden

Am 12. Februar 2009 wurde im Rahmen einer Pforta-Konferenz die »Kulturtouristische Studie zur Entwicklung eines Kultur- und Tourismuszentrums Schulpforta« der Öffentlichkeit vorgestellt. Solche Pläne reihen sich in das Bestreben ein, den »Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut« in die UNESCO-Liste des Welterbes der Menschheit eintragen zu lassen. 2016 soll der entsprechende Antrag eingereicht werden. Mit diesen Plänen eröffnen sich auch für die Landesschule und das Gelände des ehemaligen Gutes großartige Perspektiven (Besucherzentrum, Sporthalle, Parkplätze), die nicht mehr nur im utopischen Bereich angesiedelt sein sollten. Am 18. Januar 2009 starb unser langjähriger, hochverdienter Schatzmeister Helmut Duckart (vgl. den Nachruf auf S. 78). Noch bis zuletzt blieb er darum bemüht, seine Nachfolgerin Claudia Pohland (al. port. 78 – 82 v.) die Einarbeitung in unsere Finanzangelegenheiten zu erleichtern. Neben Claudia Pohland hat Paul Pasieka (al. port. 2003 – 2007 v.) die Arbeit im Vorstand aufgenommen, der sich besonders um die Kontakte zu den jüngeren Ehemaligen bemühen will. Beide neuen Vorstandsmitglieder seien auch an dieser Stelle herzlich begrüßt! Beim diesjährigen Schulfest, das vom 15. bis 17. Mai stattfinden soll, wird es eine bemerkenswerte Neuerung geben: Auf Initiative von Matthias Haase hin wird es am 16. Mai erstmalig ein Konzert von Ehemaligen in der Aula geben. Die mehr als fünfzig Mitwirkenden treffen sich im April unter Leitung von Kersten Lachmann in Brotterode, um ihr anspruchvolles Programm vorzubereiten. Zum Schluss wiederhole ich gerne meine üblichen Bitten: Werben Sie für den Pförtner Bund! Melden Sie uns alle wichtigen Änderungen für das Anschriftenverzeichnis des Pförtner Bundes möglichst umgehend! Wenn Sie einen Beitrag für unsere Zeitschrift planen, setzen Sie sich mit unserem Redakteur David Ortmann in Verbindung! Falls Sie ein Buch publizieren, denken Sie an die »moralische Verpflichtung«, ein Belegexemplar der Bibliothek (Petra Dorfmüller) zur Verfügung zu stellen! Die Älteren unter uns sollten ihre Viten im Archiv des Pförtner Bundes (Klaus-Dieter Fichtner) deponieren, stellen diese doch eine unverzichtbare Quelle für die Geschichte unserer Schule dar! Wenn Sie Wünsche und Anregungen für unsere Arbeit haben, melden Sie sich bei unserem Vorstand! Der Pförtner Bund nimmt Spenden in jeder Höhe und zu jeder Zeit gerne entgegen! Unsere Landesschule verdient auch in Zukunft jede Förderung! Peter Maser (al. port. 57 – 59)

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Geleitwort des Vorsitzenden | 3


GruSSwort DES REKTORS

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Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, liebe Freunde der Landesschule, ich schreibe Ihnen aus einer quirlig-bewegten Schule, die sich auf unterschiedlichsten Ebenen aufgemacht hat, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Mit Hilfe unserer Schüler- und Elternschaft, des Kollegiums, der Stiftung Schulpforta, besonders aber auch unserer Ehemaligen und Freunde ist es gelungen, diesen positiven Aufbruch im vergangenen Jahr wirksam nach außen zu kommunizieren. In der Folge ist das öffentliche Interesse an Schulpforta spürbar gewachsen, und nicht nur die Bundeskanzlerin ließ sich anlässlich ihres Besuches im Mai 2008 dazu hinreißen, von einer »einzigartigen Schule« zu sprechen. Vor dem Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung verwundert es nicht, dass die Bewerberzahlen für die Landesschule Pforta wieder deutlich gestiegen sind und man zunehmend auch in den alten Bundesländern und Berlin auf uns aufmerksam wird. Die Sorge, wir könnten uns nun zufrieden zurücklehnen und in unseren Anstrengungen zur Verbesserung der Attraktivität und Qualität des Internats und der Schule nachlassen, ist unbegründet. Unsere ersten erfolgreichen Schritte motivieren vielmehr dazu, den eingeschlagenen Weg weiter konsequent zu verfolgen. Für unsere drei Schulprogramm-Arbeitskreise (Schulorganisation, Unterricht & Bewertung – Internat und Freizeit – Öffentlichkeitsarbeit & fund-raising) bedeutet dies, vorrangige Veränderungsvorschläge so vorzubereiten und abzustimmen, dass sie mit Aussicht auf eine möglichst breite Zustimmung vor die Gesamtkonferenz gebracht werden können. Auf einer anderen Ebene wird es für Schule und Stiftung darum gehen, das jüngst im Rahmen einer 5. Pforta-Konferenz vorgestellte »Konzept zur kulturtouristischen Entwicklung des Gesamtensembles Schulpforta« unter Einbindung des Landes, des Landkreises, der Kommunen sowie diverser Verbände und Vereine einer schrittweisen Realisierung zuzuführen. Die angedachte Weiterentwicklung der Gesamtliegenschaft mit geordneten Parkplätzen, einem Besucherzentrum mit Museum, Gastronomie und Sanitäranlagen, einem Besucherleitsystem, einer modernen Sporthalle für die Schülerschaft sowie der Sanierung von Wohngebäuden für Lehrer im engeren Umfeld der Schule wird die Landesschule Pforta dabei nachhaltig aufwerten und stärken.

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4 | Grußwort des Rektors


Für den Fall, dass meine knappen Ausführungen Ihre Neugierde geweckt haben, lade ich Sie herzlich ein, unserer Landesschule im neuen Jahr einen Besuch abzustatten und sich vor Ort näher zu informieren. Bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihren Familien alles Gute und verbleibe mit herzlichen Grüßen aus dem winterlich-sonnigen Saaletal ihr bernd Westermeyer, rector portensis

AUS DER REDAKTION

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Liebe Leser, die 61. Ausgabe der »PFORTE« erreicht Sie einige wenige Wochen später als von der Redaktion gewünscht, aber hoffentlich doch noch rechtzeitig, um in der kalten Jahreszeit warm an Ihre alma mater zu erinnern, in der bewährten Mischung aus Erinnerung ans Vergangene und Verkündung der gegenwärtigen Geschicke der Landesschule, ergänzt durch Berichte aus dem Wirken des Pförtner Bundes. In dieser Ausgabe finden Sie gleich zwei Texte, die sich an die Schulzeit von 1954 bis 1958 erinnern. Mangel ist hingegen bei den Gänsegedichten zu beklagen. Weil kaum Gedichte ihren Weg in die Redaktion fanden, ruht die traditionelle Auslobung der besten lyrischen Erfindungen – hoffentlich nur bis zur nächsten Ausgabe. Ich ermuntere Sie herzlich, diese Zeitschrift mit Ihren Zusendungen zu unterstützen, sei es durch die Erzählung aus vergangenen Zeiten, sei es durch aktuelle Berichte. Bitte senden Sie Ihre Texte elektronisch oder postalisch an die Adressen, die Sie im Impressum auf der vorletzten Umschlagsseite finden, und vergessen Sie auch nicht die Angabe Ihrer Pforta-Zeit. Eine angenehme Leküre wünscht

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David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)

Aus der Redaktion | 5


Vergangenes aus der Pforte *  *  *


ERINNERUNGEN 1954 bis 1958

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Das Jahr 2008 bietet in besonderem Maße den Beweggrund, meine vier Schuljahre in der Pforte noch einmal gedanklich Revue passieren zu lassen. Dieses Jahr bedeutet für mich nämlich, dass fünfzig Jahre seit dem Abitur vergangen sind. Wenn man so will, ist der Bericht Teil einer Bilanz aus kalendarischem Anlass. Die Fünfzigjahrfeier der Valediktion des Jahrganges 1958 steht bevor. Ich möchte den Grund, den Antrieb für das Erinnern aber nicht allein auf das Datum des Jubiläums einengen. Die Alten müssen mitteilen, was die Jungen wissen sollten. Bevor ich beginne, Berichte meiner persönlichen Eindrücke zu Papier bringen, sei ein Hinweis erlaubt. Als meine Freunde und ich im Jahr 1954 die Nachricht von der Zulassung zum Schulbesuch in Pforte erhielten, war das noch etwas Besonderes. Wenn man in Bad Kösen wohnte, gab es seinerzeit zwei Oberschulen, an denen man sich nach der achten Klasse bewerben konnte. Eine lag im benachbarten Naumburg, die andere in Pforte. Selbst wenn man nicht unbedingt den altsprachlichen Zweig belegen wollte, favorisierte man Schulpforte, wenn man auf traditionelle Bildung Wert legte. Wenn man für diese Schule zugelassen worden war, bedeutete das immer noch eine Auszeichnung. Das galt besonders für den Fall, dass man nicht im Alumnat wohnen wollte, sondern als »Extraneer« an jedem Tag aus dem nahen Kosen mit dem Rad zur Schule kam. Aber schon der Hinweis auf den Schulwechsel nach der achten Klasse lässt aufmerken. Bereits 1954 war Schulpforte kein Gymnasium mehr, sondern eine »Oberschule«. Den Abschluss machte man damals nach der zwölften Klasse. Die Grundschule wurde nach acht Jahren beendet. Ein Abschluss nach zehn Jahren, d. h. nach zwei Jahren Oberschule war auch möglich. Man schied dann mit einer Prüfung aus, die einem die »Mittlere Reife« bestätigte. Wenige Jahre später wurde die allgemeine Schulpflicht in der DDR generell auf zehn Jahre erweitert. Jeder Schulpflichtige besuchte von diesem Zeitpunkt an eine »Oberschule« – eine »allgemeinbildende polytechnische Oberschule«. Wer Abitur machen wollte, musste eine »Erweiterten Oberschule« besuchen. Im Jahr 1951 hatte man auch in Pforte bereits die jüngeren Jahrgänge aus der Schule entfernt. Die Tradition der alten Gymnasien war zu Ende. Der Name Gymnasium verschwand. Es gab nur noch Oberschulen. Die Oberschulzeit dauerte nun in der DDR überall vier Jahre. Ich erläutere diese Umstände etwas ausschweifend, weil sich immer wieder herausstellt, dass große Unklarheit, Unwissenheit und Verwirrung darüber anzutreffen sind, wenn die nivellierende und rigorose Einflussnahme der

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SED auf die Schulpolitik allgemein und in besonderem Ausmaß in Schulpforte zur Kenntnis genommen werden soll. Das sah nach dem Ende des Krieges und der Geschichte der Pforte als NAPOLA noch ganz anders aus, wie aus einem Aufsatz des mag. qu. port. 1928 – 29, Günther Rönnebeck, vom April 1946 hervorgeht. In einer Rekapitulation und Würdigung der Schulgeschichte schreibt er: »Dass die Mutter Pforte wieder genesen kann, ist nicht zu bezweifeln. Ob sie zu neuem Leben erstehen darf, wird von der kulturpolitischen Einsicht der Besatzungsmächte abhängen.« (Nach Drucklegung wird bekannt, dass die russische Militärregierung Schulpforte als Internat mit dem Lehrplan des humanistischen Gymnasiums genehmigt hat.) Nach relativ kurzer Zeit, nach der förmlichen Gründung der DDR offensichtlich, ist dieser Beschluss der Militärregierung von den DDR-Behörden inhaltlich stark verändert worden. Der Einfluss von staatlichen Behörden und Institutionen auf die Schulen in der DDR war ohne jeden Zweifel massiv. Im Schuljahr 1951/52 trat an allen Schulen der DDR »das erste Lehrplanwerk auf der Grundlage der marxistischen Pädagogik und die neue Stundentafel in Kraft« (zitiert nach Gerhard Arnhardt, Direktor in Pforte ab 1969, in: Schulpforte – eine Schule im Zeichen der humanistischen Bildungstradition, Monumenta Paedagogica, Band XXV, Volk und Wissen 1988). In Pforte ist der Einfluss in besonderem Maße spürbar gewesen. Der zitierte Gerhard Arnhardt ist als Schuldirektor ein Insider gewesen. Er musste die Bedeutung der Parteibeschlüsse einordnen und werten können. Diese Beschlüsse galten natürlich für die Pforte wegen deren bürgerlicher Traditionen in besonderem Maße, und die Einflussnahme erreichte hier mit dem Jahr 1958 einen Höhepunkt. Ein kleinliches, äußerlich sichtbares Zeichen dafür war ein Kontrollposten im Bogen des Torhauses. Mit dem Beginn des Schuljahres 1958/59 wurde hier nicht nur jeder Besucher der Schule kontrolliert. Jeder Passant, der den Ort Schulpforta besuchen wollte, wurde nach dem Zweck oder dem Ziel seines Besuches befragt. Es wurde protokolliert und unter Umständen wohl auch abgewiesen. Man wollte mit derartig groben Methoden den Zugang von Besuchern behindern oder wenigstens unter Kontrolle halten. Einen zweiten Zugang zum Ort, der ja nicht nur aus der Schule bestand, gab es nicht. Das Volkseigene Gut galt als geschlossenes Betriebsgelände. Hier war ein Zutritt zum Ort natürlich auch nicht möglich. Ein engherziges, im Grunde unwürdiges Verfahren ist das gewesen. Aber es wurde jahrelang für erforderlich gehalten. Neben den massiven Einflussnahmen auf die Pforte als eine schulische Einrichtung hat es diverse Auswirkungen auf einzelne Personen, Lehrer und Schüler

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gegeben. Zu solchen, für den jeweils Betroffenen meist sehr einschneidenden »Einwirkungen« aus dem Jahr 1958 komme ich später. In den ersten beiden Schuljahren – man war 1954 oder 1955 14 bzw. 15 Jahre alt – hielten sich die Wahrnehmungen restriktiver Einflussnahme in Grenzen. Entweder man war noch zu jung, oder es gab weniger offen spürbare Restriktionen. Das wird bei Angehörigen der »Jungen Gemeinde«, die in dieser Jugendorganisation der Evangelischen Kirche von ihrem verfassungsmäßig verbürgten Recht auf Glaubensfreiheit auch in Pforte Gebrauch machen wollten, ganz anders in Erinnerung geblieben sein. Ich verweise hierzu auf die bekannte Darstellung des Pastors Steinacker in der Zeitschrift des Pförtner Bundes, Heft 45 von 1992, Seiten 20 bis 24. In dem Aufsatz zum Thema: »Der Weg der Jungen Gemeinde in Schulpforte von 1945 bis 1958« wird der Verlauf einer FDJ-Vollversammlung vom April 1958 geschildert. Ich erinnere mich genau der Begebenheit, die Pastor Steinacker in dem Aufsatz folgendermaßen wiedergibt: »Als nach Wortmeldungen gefragt wurde, geschah etwas Unerwartetes. Der Lehrer Werner Schiffmann stand auf und sagte, es verhalte sich gerade umgekehrt. Nicht der Pfarrer schicke Spitzel in die FDJ, vielmehr lasse die FDJ den Pfarrer bespitzeln. Als Beleg nannte er den Namen eines Schülers, dessen Vater beim Staatssicherheitsdienst arbeitete. … Noch am gleichen Abend suchte ihn der ihm wohlgesonnene stellvertretende Schulleiter Bock auf mit der Mitteilung, er sei ab sofort durch den Schulrat beurlaubt. Hanuschek (ein Lehrer, der W. Hädeke nach dessen Versetzung abgelöst hatte, P. B.) habe weiterhin vor, ein Verfahren wegen Staatsprovokation in Gang zu bringen. Werner Schiffmann verließ am folgenden Tag die DDR nach Westdeutschland.« Bock und andere folgten in kurzen Abständen. Den Tumult, den die Wortmeldung W. Schiffmanns auslöste, habe ich ein wenig anders in Erinnerung, als er von Pastor Steinacker wiedergegeben wird. Nicht die Klasse wurde primär vom FDJ-Sekretär dazu aufgefordert abzustimmen, ob man bei diesem Lehrer noch weiter Unterricht haben wolle. Es gab bereits damals jüngere Schülerstimmen, die lauthals skandierten, sie lehnten es ab, von diesem Lehrer noch weiter unterrichtet zu werden. Zu diesen »Jüngeren« werde ich später noch etwas sagen. Wir befanden uns in dieser Zeit in der Vorbereitung auf das mündliche Abitur. Aber das ist ein Vorgriff. Vielmehr erinnere ich mich, dass in den ersten Schuljahren gelegentlich der Besuch westdeutscher Gäste des Pförtner Bundes stattfand. Noch naheliegender sind die Erinnerungen an Schülerbesuche eines Bielefelder Gymnasiums in der Pforte. Dieser Besuch führte im Jahr 1956 nach Ende des Schuljahres zu einem Gegenbesuch einer Schülergruppe aus Pforte nach Bielefeld.

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Die Schülergruppe von 1956 wurde außer vom damaligen Direktor Stefan Baar von den Lehrern Manz und Hädecke begleitet. Beides waren Pädagogen, die bei den Schülern in hohem Ansehen standen. Das aber gewiss nicht, weil sie das sozialistische Element in der Pädagogik besonders emsig gefördert hätten. Sie gehörten wohl eher zu den Lehrern, von denen Arnhardt an anderer Stelle der Broschüre schrieb: »Einige Pädagogen [belebten] in Schulpforte neukantianische Intentionen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik mit besonderem Eifer. Mit dem Blick nach hinten wollten sie den eingeschlagenen Weg abbrechen und inhaltliche und strukturelle Elemente der Allgemeinbildung, die in Schulpforte zu vermitteln waren, auf das Niveau des lokalen pädagogischen Prozesses der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts zurückführen.« W. Hädecke allerdings ist es gewesen, der uns neben der offiziellen Unterrichtslektüre im Fach Literatur neben Ostrowskis »Wie der Stahl gehärtet wurde« auf die modernen Amerikaner J. D. Salinger, den Sozialkritiker in den US-Südstaaten, Erskin Caldwell, W. H. Faulkner und andere aufmerksam gemacht hatte und zur Lektüre ihrer Werke animierte. Der offizielle Lehrplan sah das nicht vor. Sah so ein Lehrer mit »Blick nach hinten« aus? W. Hädecke war es auch gelungen, aus den Vorbereitungsgesprächen für die Laienspielaufführungen eine Art »Literarischen Salon« in seiner Wohnung ins Leben zu rufen. Er saß mit uns am großen Tisch, Frau Hädecke reichte Tee und Kekse, und wir hörten zu und diskutierten. Nicht nur über Goethe und Holberg, deren Stücke wir aufführen wollten. Am Schluss nahmen wir Salinger oder Caldwell oder Faulkner zum Lesen mit – aus Hädeckes privatem Bücherregal. Als eines der Mitglieder der Schülergruppe, die 1956 nach Bielefeld reiste, machte ich mir aber schon Gedanken darüber, weshalb die Verbeugung des Oberschuldirektors aus der DDR vor dem kapitalistischen Unternehmer Seidensticker anlässlich der Begrüßung zu einer Betriebsbesichtigung so besonders devot ausfallen musste. Die Auswahl der Schüler erfolgte damals einzig nach der Befähigung des einzelnen, ein guter Chorsänger, Laienspieler oder Sportler zu sein. Politische »Lupenreinheit« blieb unberücksichtigt. Sollten wir doch in Bielefeld zeigen, welche kulturellen und sportlichen Leistungen in Pforte den Schüleralltag ausfüllten. Das Besuchsprogramm umfasste die Teilnahme am Unterricht in der Gastschule, an Schulfesten, Betriebsbesichtigungen (Seidensticker, Miele), Ausflüge zur Großen Ruhrländischen Gartenschau in Essen, zur Krupp-Villa Hügel, ins Theater zu den Ruhrfestspielen in Recklinghausen, Ausflüge in die Umgebung von Bielefeld (Externsteine), Mittagstisch und Freizeit in den Bielefelder Gastfamilien. Letzteres ohne irgendwelche Kontrolle oder Einschränkung durch die begleitenden Lehrer.

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Das Angebot in den Geschäften, die wir bei unseren Stadtspaziergängen besuchten – so lernten wir auch die ersten Selbstbedienungsläden kennen –, beeindruckte uns wenig. Von den Verwandten im Westen, die Pakete schickten, wussten wir, dass dieses Angebot völlig andersartig, nicht nur umfangreicher gewesen ist, als wir es von zu Hause kannten. Aber die ersten Picasso-Bilder als Originale in der Villa Hügel in Essen hinterließen tiefe Eindrücke. In der öffentlichen Wahrnehmung in der DDR begegnete einem damals fast ausschließlich Picassos »Taube« – eine Friedenstaube. Auch die modernen Produktionshallen in den Betrieben, die wir uns anschauen durften, die Betriebskantinen, der lockere, freundliche Umgangston der Belegschaft beeindruckten uns sehr nachhaltig. Zwei Jahre vorher waren wir in der Grundschule zur Betriebsbesichtigung im VEB Waggonwerk Ammendorf in der Nähe von Halle gewesen, einem Betrieb, der überwiegend mit der Produktion von Schnellzugwagen für die sowjetische Staatsbahn im Rahmen der ostdeutschen Reparationszahlungen an die UdSSR befasst gewesen ist. Die Produktion fand in dunklen, bereits damals völlig überalterten Werkhallen statt. Der 16Jährige begann sehr aufmerksam und nachdenklich zu werden, als er die hellen, zweckmäßigen Miele-Werke gezeigt bekam. Natürlich war es für unsere Gastgeber-Familien eine Selbstverständlichkeit, dass wir im eigenen, großen Familien-PKW Ausflüge in das Umland von Bielefeld unternahmen. Es war die Selbstverständlichkeit eines Alltags, der uns imponierte, den wir mit solchem Komfort nicht kannten. Wichtiger noch, der schon in der Mitte der fünfziger Jahre eine Weitläufigkeit und Souveränität im anderen Teil Deutschlands erkennen ließ, die sich uns erst mehr als dreißig Jahre später, nach 1990, erschließen sollte. Nicht zu vergessen die Buchläden, die uns für zwei knappe Wochen offen standen und mit dem knappen Taschengeld eine Versuchung darstellten, die zu ernsthaften Konflikten führte. Dass solche Exkursionen im Sinne der DDR-Schulbehörden und der Bemühungen um klassenbewusste Erziehung im Sinne des Sozialismus gewesen sein sollten, ist schwer vorstellbar. Genau vor diesen Einsichten, die wir in Bielefeld mit sechzehn Jahren gewannen, sollten wir ja »behütet«, davor sollten wir ja »geschützt« werden. 1961, mit dem Mauerbau, wurde die letzte Konsequenz gezogen. Es darf wohl vermutet werden, dass Direktor Baar, der uns 1956 nicht vor diesen Einsichten »geschützt«, sondern vielmehr sie ermöglicht hatte, 1958 aus diesem Grund abberufen und von der Schule versetzt wurde.

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Das Schuljahr 1957/58 in Pforte ist ein Schuljahr rücksichtsloser Umbrüche gewesen. Stefan Baar als Direktor wurde abgelöst. Der Abiturjahrgang 1958 musste während der letzten Unterrichtsmonate und während des Abiturs auf einige sei-

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ner besten Lehrer verzichten. Im Fach Deutsch W. Hädecke, der an eine Grundschule versetzt wurde. In den Fächern Deutsch, Geschichte und Sport W. Schiffmann, der in den Westen getrieben worden war. Andere entfielen aus familiären oder aus Altersgründen. Im Fach Chemie ist das Frau Möhring/Ludwig, bei den Altsprachlern Herr String gewesen. Die meisten Nachfolger dieser bewährten und bei den Schülern beliebten Lehrkräfte wurden wegen ihrer offensichtlichen fachlichen Inkompetenz von vielen Schülern nicht akzeptiert. Es gab Aufregungen, Reibungen, Misstrauen und Enttäuschungen. Bereits vor den Prüfungen setzten sich einige Schüler nach dem Westen ab, weil sie keine Chancen an der Schule mehr sahen. Einigen hatte man mehr oder weniger unverhohlen bedeutet, dass sie sich keine Aussicht auf einen Studienplatz auszurechnen hätten. Es waren leistungsmäßig und charakterlich nicht die schlechtesten. Hier z. B. könnte Einsicht in die Protokolle des Pädagogischen Rates sehr aufschlussreich sein. Im Abiturjahrgang 1958 setzte, intensiver als in allen Jahren zuvor, eine absolut stringente »Werbung« bzw. Aufforderung zur »freiwilligen« Verpflichtung zum »Ehrendienst« in der Nationalen Volksarmee der DDR ein. Man wollte erzwingen, dass sich jeder männliche Abiturient »freiwillig« zum Dienst in den DDRStreitkräften bereit fand. Damit sollte der unbedingten Verbundenheit zum Staat der Arbeiter und Bauern Ausdruck verliehen werden. Andernfalls war man nicht würdig, ein Hochschulstudium in der DDR zu beginnen. Bei meiner Frau sind die Gründe dafür, einen Studienwunsch von der Schule nicht befürwortet zu bekommen, noch weit weniger nachvollziehbar gewesen. Sie hatte sich als Kind dazu entschlossen, bei ihrer seit Jahren geschiedenen Mutter in der DDR zu leben. Der geschiedene Vater war bereits vor vielen Jahren nach Westdeutschland gezogen. Dieser in der Bundesrepublik lebende Vater war der Grund dafür, dass der Abiturientin von 1958 bedeutet wurde, sie brauche gar keinen Studienantrag für eine Hochschule der DDR abzugeben, die Schule würde den ohnehin nicht befürworten und die Hochschule werde ihn dann auch nicht annehmen. Man hätte das auch als unmittelbare Aufforderung ansehen können, unverzüglich die DDR zu verlassen. Andere haben das auch getan – mit weniger starken Argumenten. In einer Schülervollversammlung im März sollte diese »Werbeaktion« für die Armee öffentlich und erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Ein gleichaltriger Freund von mir und ich selbst hatten bisher alle Anwerbeversuche abgewehrt. Im Verlauf der Versammlung wurden wir deshalb öffentlich zur Rede gestellt. Bemerkenswert war, dass uns 18-Jährigen von den 14-jährigen Mitschülern aus den neunten Klassen unser mangelhaftes Bewusstsein zum Vorwurf

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gemacht wurde. Allein schon vor dem Hintergrund, dass die Gedanken- und Erfahrungswelten wegen der völlig unterschiedlichen Reife und Entwicklung bei 14-Jährigen und 18-Jährigen deutlich different sind, wird das Makabre der Situation offensichtlich. Die 14-Jährigen erklärten mit vorauseilendem Gehorsam ihre Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst und waren per se im Moment die Reiferen, die bewussten Vertreter der Arbeiterklasse. Letzteres waren sie offenbar in der Mehrheit tatsächlich, Arbeiterklasse. Das Streben der SED, immer größere, weit überwiegende Teile der Schülerschaft aus Arbeiter- und Bauernfamilien nach Pforte zu holen, hatte sich wohl inzwischen durchgesetzt. Der Beweis für diese Behauptung findet sich bei Arnhardt. Vergessen war aber auch ein anderer Grundsatz, das Pfortenser Prinzip der Eigenerziehung, die Hilfe und Erziehung der Jüngeren durch die Älteren. Ein Prinzip, das in Pforte in der Vergangenheit sehr erfolgreich Anwendung gefunden hatte. Natürlich setzte das immer auch eine Akzeptanz der größeren Erfahrung der Älteren durch die Jüngeren voraus. Dieses Prinzip war außer Kraft gesetzt, es hatte keine Gültigkeit mehr. Die heiser krähenden jungen Hähne erregten keinen Widerspruch. Wohl aber wir zwei mit unserer nun vor der Versammlung vorgetragenen Meinung, wenn die DDR eine Armee brauche, solle sie doch ehrlicherweise die Wehrpflicht einführen. Das war zu viel. Es erfolgte zwar keine unmittelbare Relegation. Die Abiturprüfung durften wir beide ablegen. Es geschah aber Schlimmeres. Uns wurde die Befürwortung der Schule entzogen, die erforderlich und Voraussetzung dafür war, sich an irgendeiner Hochschule in der DDR erfolgreich zu bewerben. Meinen Studienantrag mit Datum vom 3. März 1958, einschließlich eingesandter Belegarbeiten an die Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in BerlinWeißensee, erhielt ich vierzehn Tage später zurück. Unbearbeitet. Auf Veranlassung der Schule. Bereits am 19. März schrieb ich Bewerbungen für eine Lehre als Schriftsetzer. Erfolglos. Unter diesen Bedingungen galt es, das Abitur zu bestehen. Die Motivation näherte sich dem Nullpunkt. An Einzelheiten des Verfahrens erinnere ich mich nicht mehr. Eines Tages – noch vor dem Empfang des Reifezeugnisses, das ohne Befürwortung der Schule für eine Studienbewerbung keinen Pfifferling wert gewesen ist und demzufolge als Zeugnis der erworbenen Hochschul-»Reife« eine Farce darstellte – hielt ich einen Lehrvertrag für die Ausbildung zum Maurer in dem VEB Bau-Union Naumburg in den Händen. Da kroch ich zu Kreuze. Ich meldete mich zur NVA. »Freiwillig«. Das Abitur bestand ich mit der Gesamtnote »Gut«. Die allgemeine Beurteilung endete mit der zynischen Formulierung: »Seine Einstellung zum Arbeiter- und Bauernstaat ist besser geworden«. Dafür und für den vorangegangenen Kotau schäme ich mich heute noch.

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Wenn mir heute, fünfzig Jahre nach dem Abitur, ein zusammenfassender Rückblick auf vier Jahre in der Pforte erlaubt ist, möchte ich dennoch sagen, Schulpforte war seine Zeit wert. Es ist bis auf das letzte, das Abiturjahr, eine gute Zeit gewesen. Fakten wurden gepaukt und lernend erworben. Im Widerstreit des Wissens um die gute Tradition unserer Schule und die kleinlichen Versuche einer Proletarisierung der Pforte im negativen Sinne – wie bekannt klaffen zwischen Proletariat und Proleten Welten – ließen sich Erfahrungen und Wissen fürs Leben akkumulieren. Wir hatten das Glück, Lehrer kennen zu lernen, die uns prägten, im Positiven wie im Negativen. Wir wurden durch die geschilderten Umstände gezwungen, das recht bald zu erkennen und gut zu unterscheiden. Die Pforte hat das gerade wegen dieser permanent spürbaren Widersprüche möglich gemacht, wie es so deutlich vielleicht in anderen Schulen, ohne diese in der Historie begründete Tradition, nicht möglich oder nicht in dieser Zuspitzung möglich gewesen ist. Die Pforte hat uns zum Denken gezwungen, zum Entscheiden, hat uns gezwungen, Erfahrungen zu machen, denen wir uns vielleicht gern noch entzogen hätten. Die selbsternannten »Sozialisten« an der Schule haben wohl gar nicht geahnt, in welche Richtung sie uns mit ihren Zwängen führten, dass sie eigentlich stets das Gegenteil von dem bewirkten, was sie angestrebt hatten. Pforte öffnete aber auch den Sinn für den weiten Bogen, den Kultur vom Altertum bis zur Moderne spannt. Letzteres konnte schließlich nur noch nahezu konspirativ vermittelt werden. Und am Schluss – in seiner Bedeutsamkeit aber gewiss nicht zuletzt – steht die Erkenntnis: Die Pforte ließ Freundschaften wachsen, für ein ganzes Leben. Peter Bretschneider (al. port. 54 – 58 v.)

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Schulpforte 1954 bis 1958 – im Rückblick Der nachfolgende Artikel wurde von Rose-Marie Heidi Eckhardt, geb. Steinbring, verfasst und war Bestandteil einer Ausstellung zum Schulfest 2008, die von den ehemaligen Schülern des Abitur-Jahrganges 1958 gestaltet wurde.

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1954 ging meine Mutter mit mir zum Aufnahmegespräch nach Schulpforte. Das ehrwürdige Gemäuer und das Direktionszimmer machten auf mich einen großen Eindruck. Ich wurde immer kleiner. Nach meinen Berufswünschen gefragt, sagte ich: »Ich möchte Kinderärztin werden.« Mein Aufnahmeantrag landete so auf dem Stapel »C-Klasse, Altsprachen«. Zu meinen schulischen Vorstellungen hatten eigentlich nie die Altsprachen Latein und Griechisch gehört, aber nun war es besiegelt und irgendwie musste ich da durch. Wir waren 1954 etwa neunzig neue Schüler für das Schuljahr 1954/1955 und fanden Folgendes vor: Ein geschlossenes System von Schule und Internat – ausgerüstet mit Lehrern, Heimleitern und sonstigen wachen Augen, die alles registrierten und mit Strenge auf die Einhaltung der Tradition der ehrwürdigen Schule im Tagesablauf und überhaupt achteten. Ich erinnere mich, dass ich in der zehnten Klasse fünfzehn Minuten zu spät aus dem Schulgarten ins Internat kam – nicht 24 Uhr, sondern 19.45 Uhr, das brachte mir acht Tage Straf-Tischdienst ein. Die Wohnbedingungen waren mehr als spartanisch. In der neunten Klasse waren wir sechzig Mädchen im Schlafsaal, in den Arbeitszimmern sechs bis acht Mädchen. Das waren die äußeren Bedingungen. Unsere Lehrer, die uns in vier Jahren zum Abitur führen sollten, sehe ich aus heutiger Sicht differenziert. Der Lehrkörper war sehr heterogen. Da waren Lehrer, die schon im Dritten Reich unterrichtet hatten und denen die Tradition der Schule besonders am Herzen lag. Einige dieser Lehrer waren 1945/1946 entnazifiziert, einige aus dem Schuldienst entlassen worden. Da durch Kriegsverluste und die radikalen Entlassungen aber ein großer Mangel an Lehrern entstanden und der Unterricht kaum noch durchführbar war, holte man einige Lehrer an die Schulen zurück. Ein Teil dieser Lehrer, die ein ausgezeichnetes Fachwissen hatten, aber durch die Kriegsereignisse und die wechselnden politischen Situationen gezeichnet waren, gingen mit uns eher milde um. Uns gelang es öfter, die Schulstunde nach unseren Bedürfnissen umzugestalten und das Thema, zu Hintergründen oder Geschichten um den Schulstoff herum, zu verändern. Das war hochinteressant und auch lehrreich. Diese alten Lehrer sind uns in liebevoller Erinnerung geblieben.

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Wir hatten auch Lehrer, die nach dem Krieg ihr Abitur und ein Vollstudium absolviert hatten. Sie gingen voller Elan an ihren Bildungsauftrag. Diese Lehrer waren nicht viel älter als wir, sie gaben der Schule ein gewisses Flair – besonders in der kulturellen Freizeitgestaltung. Freilich konnten wir bei ihnen nicht den Unterricht nach unseren Ideen umgestalten, denn die Tricks ihrer eigenen Schulzeit waren ihnen noch zu gegenwärtig.

Uns traf es aber im Schuljahr 1957/1958 hart. Wir erfuhren einen Wechsel im Fach Deutsch und Geschichte. Unsere bisherigen Lehrer hatten, nach großen Auseinandersetzungen an der Schule, das Land verlassen. Wir bekamen einen strafversetzten Lehrer, der ideologisch fest zur Partei stand und sich außerdem bewähren musste. Er machte uns das Leben schwer. Plötzlich war »Goethe mit seinem Faust« der erste Marxist, die Faustinterpretation wurde unerträglich. Die Herangehensweise im Fach Geschichte war auch völlig anders als gewohnt, wir waren stark irritiert.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Schließlich gab es aber auch Lehrer, die wegen des Lehrermangels nach dem Krieg eine Schnellausbildung von ein bis maximal zwei Jahren absolviert und ursprünglich andere Berufe erlernt hatten. Meist erfüllten sie zum damaligen Zeitpunkt nicht die Voraussetzungen für das Studium an einer Hochschule. Die Haltung dieser Lehrer zum jungen Staat der DDR war sehr positiv, sie waren ja auch mit wenig Aufwand zu einem angesehenen Beruf gekommen. Sicher gab es Ausnahmen, manch einer wird die Gunst der Stunde genutzt haben, durch den Krieg entstandene Bildungsausfälle zu kompensieren und durch fleißiges Selbststudium und guten Willen dazu beigetragen haben, den Lehrerberuf zu seiner Berufung zu machen.

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Bei dieser Zusammensetzung des Lehrkörpers waren Konflikte unvermeidbar. Bei den altgedienten Lehrern bestand die Tendenz, die Schule nach historischem

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Vorbild wieder zum Leben zu erwecken und vor allem den Direktor abzusetzen. Widerstandslos konnte das nicht gehen. Ein Teil der jüngeren Lehrer machte Ärger. Sie waren jung, kamen aus dem Schulgelände bei dem damaligen »Motorisierungsstand« nur mit einiger Mühe hinaus, und der Weg ins »freie Leben« war weit. Im Ergebnis gab es moralische Verfehlungen, die zur damaligen Zeit der strengen Parteidisziplin schwer geahndet wurden. Unter den Lehrern und Angestellten bildeten sich Gruppen heraus, die nicht immer mit feinen Mitteln gegeneinander vorgingen. Die Situation in Schulpforte spitzte sich so zu, dass Ende 1957 eine Bezirkspartei­ kontrollkommission (BPKK) zur Klärung der Lage eingesetzt wurde. In einem Bericht dieser Kommission heißt es: »Die BPKK erhielt den Hinweis, dass in der Grundorganisation der Heimoberschule Schulpforte moralische Versumpfungserscheinungen vorhanden sind und eine mangelhafte politische Arbeit geleistet wird, … die u. a. dazu geführt hat, dass nach Einschätzung der BPKK 50 % der Jugendlichen kirchlich beeinflusst sind, ein Teil der Jungen Gemeinde angehört und Träger bürgerlicher Ideen sind.« Die marxistisch-leninistische Anschauung ließ jedoch keinen Glauben an einen Gott zu. Es gab nun hitzige Parteiversammlungen mit bösen Verdächtigungen, Verleumdungen und Beschimpfungen, die dem humanistischen Anliegen dieser Schule unwürdig waren. Es kam zu Partei­rügen, Parteiausschlüssen und Versetzungen von Lehrern. Selbst die Mutter einer Schülerin, die seitens der Kreisparteikontrollkommission Licht in das Dunkel bringen sollte, bekam eine Parteirüge, da sie sich zu »versöhnlerisch« verhielt. Bei diesen Machtkämpfen gab es aber nicht nur unter den einzelnen Gruppierungen große Auseinandersetzungen, auch unter den Parteimitgliedern mit ausgeprägter sozialistischer Einstellung gab es sehr schlimme Kämpfe um die Macht, mit Beschimpfungen und Verleumdungen der übelsten Art. Sie gipfelten darin, dass unser Direktor im März 1958 abgesetzt wurde und auf einer Tagung im Sommer in Berlin wegen angeblicher Unterschlagung verhaftet wurde. Seine Frau (mit zwei Kleinkindern) wusste dreizehn Wochen nicht, wo ihr Mann war. Diese Vorgehensweise erinnerte schon an Methoden des Dritten Reiches. Gesuche des Inhaftierten an das Zentralkomitee der SED brachten lange keinen Erfolg. Schließlich wurde er vom Vorwurf der Unterschlagung entlastet. Die Vorwürfe »Versöhnlertum und opportunistisches Verhalten« blieben jedoch bestehen. Das Ergebnis all der Vorgänge 1957/1958 in Schulpforte war, dass bevorzugt fachlich fähige Lehrer die Schule verließen und zum Teil, wie schon seit 1955 weitere dreizehn Lehrer, auch die DDR. Diese Lehrer waren bestens ausgebildet und in Westdeutschland gern gesehen. Die Empfehlung der BPKK an den

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Rat des Bezirkes lautete, »diese Schule auf Grund ihrer Wichtigkeit mit guten fortschrittlichen Kräften zu besetzen. Es macht sich weiterhin notwendig, eine Überprüfung der Schule durchzuführen, um denjenigen Teil der Schüler zu entfernen, der von vornherein nicht die Gewähr bietet, dass der Erziehungsprozess in unserem Sinne mit Erfolg abgeschlossen wird.« Im Ergebnis dieser Empfehlung veränderte sich mit dem Abschluss des Schuljahres 1957/58 in Schulpforte sehr viel. Der Lehrkörper wurde durch der SED ergebene und in ihrem Sinne leistungswillige Lehrer mit dem Ziel aufgestockt, »den Schülern eine Grundlage zu geben, damit sie als junge Sozialisten nach Schulabschluss am Aufbau der sozialistischen Gesellschaft bewusst mithelfen.« Unsere Schule entwickelte sich zur vorbildlichen sozialistischen Internatsoberschule. Wir waren in unserer Klasse zu einer festen Gemeinschaft zusammengewachsen. Das Wissen, das man uns beibrachte, reichte aus, um im Leben erfolgreich bestehen zu können. Von den 23 Abiturienten unserer Klasse schlossen 17 eine Universitäts- bzw. Hochschulausbildung ab, alle anderen besuchten eine Fachschule. Wir hatten eine gute Grundlage bekommen, auf der wir aufbauen konnten. Zu den sehr positiven Erscheinungen unserer Oberschulzeit gehörte, dass 1958 von den insgesamt 340 Schülern 190 Schüler ihrer sozialen Herkunft nach damaligen Kriterien »Arbeiter- und Bauernkinder« waren, immerhin fast sechzig Prozent. Häufig wurde und wird das Bildungssystem der ehemaligen DDR kritisiert. Es kann jedoch nicht hoch genug eingeschätzt werden, dass der Zugang zu den Bildungseinrichtungen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern möglich war. Damit wurde letztendlich auch das Anliegen von Fürst Moritz von Sachsen erfüllt, der in seiner Landesordnung von 1543 angeordnet hatte, dass für die von ihm gebildeten Fürstenschulen befähigte Schüler aus allen Ständen ausgewählt werden sollten. Möge dieser freie Zugang zu den Bildungseinrichtungen für alle befähigten Kinder, zum Nutzen unseres Landes, jederzeit erhalten bleiben. Rose-Marie Heidi Eckhardt, geb. Steinbring (al. port. 54 – 58 v.)

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Spiegelscherben

I

In der Bibliothek der Landesschule Pforta liegen Schülerarbeiten vor, die ab 1602 zu dickleibigen Bänden zusammengebunden sind. Band I (und Band IV) enthalten aber auch einzelne Arbeiten vor diesem Jahr. Es sind keineswegs nur Valediktionsarbeiten zum Abschluss der Schullaufbahn, denn auch vor dem Abgang wurden die Schüler, mindestens die Primaner, zu größeren Arbeiten angehalten. Sind das die Erträge der sog. »Ausschlaftage«, die dem Erstellen selbständiger Arbeiten gewidmet waren? Tatsächlich begegnen zwei Arbeiten über den Schlaf (1624, 1629), und eine de silentio (1631). Zu bestimmten Anlässen haben übrigens mehr oder weniger alle Schüler Gedichte verfasst, so z. B. 1633 und 1634, als die Schüler wahrscheinlich während der Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges vorübergehend nach Hause geschickt wurden oder sich zum Schulfest (genethliacum in natalem Portae) und zu Pfingsten 1634 poetisch artikulieren sollten. In naenia und lacrymae haben sie schließlich ihrer an der Pest verstorbenen Mitschüler gedacht (1634, 1635). Welche Rückschlüsse auf die Zeitumstände lässt allein die elektronische Erfassung zunächst nur der Titel dieser Schülerarbeiten zu, die gegenwärtig in Gang ist? Das können natürlich nur Bruchstücke sein, und so sei das Wort »Spiegel« aufgegriffen, das in einigen Titeln erscheint. So werden z. B. Alexander der Große und Cäsar in einem speculum verglichen (1646) oder ein Tugendspiegel aufgestellt (1647). Vielleicht fügen sich die Scherben zu einem hübschen Kaleidoskop zusammen. Die orationes, oratiunculae, historiae, carmina, epoi, encomia oder wie immer die Arbeiten sehr abwechslungsreich überschrieben sind sowie die responsoria (auf die Valediktionsarbeiten) sind überwiegend lateinisch verfasst, aber es gibt auch griechische und hebräische Abhandlungen. Bei den Gedichten tauchen diese beiden Sprachen sogar relativ oft auf. Die Titelblätter sind meist sehr sorgfältig ausgeführt und wurden, wie die gedruckten Bücher dieser Zeit, schwungvoll verziert. Die Texte selbst zeigen teils noch kindliche, teils schon stark ausgeschriebene Handschriften. Manche haben sich aber auch hier bemüht, in ordentlicher Druckschrift den Buchdruck nachzuahmen, sogar mit Spalten und Anmerkungen am Rande. Adlige Schüler wollten sich gern ein wenig abheben, sie verwendeten Goldschnitt und Goldprägungen auf dem Umschlagblatt (beim Zusammenbinden wurden diese später häufig entfernt). Auch thematisch bevorzugen sie Abhandlungen über den Adel (z. B. G. von Wolfersdorff, de optima nobilitate, 1609; G. J. von Weissenbach, de nobilitate, 1627; J. B. von Azendorff, de duplici virtute heroica, 1629, J. S. von Osterhausen, de vera nobilitate, 1631) oder Militärisch-Historisches (z.B. Ch. L. von Wulffen, Excidium Troiae, 1635;

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J. G.   von Bendeleben, Bellum perpetuum Michaelis Archangeli, 1646). Adlige Schüler sind in Pforta im Übrigen ziemlich selten gewesen. Thematisch überwiegen allerdings eindeutig theologische Abhandlungen und solche über biblische Gestalten und Ereignisse. Dabei bestimmt manchmal der eigene Vorname die Wahl des Helden: Johannes Schröter und Johannes Frosch befassen sich mit Johannes dem Täufer (1620, 1621), Samuel Metzler mit dem Propheten Samuel (1635), Jakob Breuer mit dem Erzvater Jakob (1622), Daniel Buttner mit Daniel in der Löwengrube ((1636) und Abraham Walther mit der Opferung Isaaks. Wenn Gottfried Gregorius sich Gottfried von Bouillon zuwandte (1647), wird damit eins der seltenen historischen Themen genannt. Neben den antiken Herrschern Kyros, Philipp von Makedonien, Alexander dem Großen, Nero (1615) und Marc Anton (1622) werden Bischof Martin von Tours und Bischof Burchard (1606) behandelt, außerdem Wittekind (1622), Maximilian II. (1624), Karl der Große (1625), Karl V. (1627), Konstantin (1634, 1635) und Friedrich I. (1636). Der Dreißigjährige Krieg lenkt die Aufmerksamkeit auf vorangegangene militärische Auseinandersetzungen wie den Bauernkrieg (1621, 1629) und die Bedrohung Europas durch die Türken (Belagerung Wiens und Skanderbegs Sieg, 1622, die Eroberung Konstantinopels, 1624). Der Dreißigjährige Krieg wird aber auch direkt thematisiert als moderni temporis pertubatio (1629) und bellum malorum summa (1650). Die Schlachten bei Magdeburg und Leipzig spiegeln sich in Arbeiten von 1631 und 1632 wider. 1631 wird eine oratiuncula de bello et pace gehalten. Besonders der Tod Gustav II. Adolfs blieb nicht ohne Wirkung (drei Arbeiten 1633, 1649). 1634 wurde die Hoffnung auf das Kriegsende größer und veranlasste eine oratiuncula de fugiendo belli. Die Abkommen von Prag und Hamburg spiegeln sich dann in einer oratio encomiastica de pace (1635) und de pace utilitate (1638) wider. Schon im März 1648 wird des Westfälischen Friedens gedacht, dem 1650 zwei weitere Arbeiten gewidmet sind. Ein ganz anderes aktuelles Thema wurde 1647 aufgegriffen: Ein Jahr zuvor waren in Hornhausen bei Oschersleben ganz plötzlich 21 Quellen aufgebrochen, denen Heilwirkung nachgesagt wurde (sie versiegten übrigens genauso plötzlich 1719). Zeitgenössisches wird auch mit dem Regierungsantritt Johann Georgs I. von Sachsen berücksichtigt, der 1611 erfolgte (1612, 1613, 1629). Im Dezember 1627 war er auf den mons Flemingae (Flemmingen?) gekommen, was Anlass zu einem carmen gab (1628). Von seinen Vorgängern werden Christian I. (vor 1600!, Bd. IV) und vor allem der Schulgründer Moritz (1625, 1628, 1645, 1648) sowie die nachfolgenden Wohltäter der Schule thematisiert (zweimal 1628, 1644).

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Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Fast jeder Band enthält natürlich auch ein Loblied auf Pforta (1615, 1623, 1629, 1633, 1634, 1636, 1645). 1635 gibt es zudem ein epos de nativitate Portae, zum Schuljubiläum 1643 dann eine oratio secularis seu jubilaea de fundatione scholae Portensis. Bereits 1606 war ein encomium musicae Portensis verfasst, 1648 über ein Pfortenser Marienlob gearbeitet worden. Auch tesqua portensia (Wüstungen) werden behandelt (1647). Lokalpatriotismus bestimmt auch eine Gedichtsammlung und encomia auf Leipzig (1634, 1635, letzteres von einem Leipziger). Was jeder Schüler vierfach zu bedenken hat, wird 1650 in einer synopsis zusammengestellt. Ob es besser sei, zu Hause oder in einer Schule unterrichtet zu werden, wird 1607 und 1610 erwogen. Die Schule wird mit einem Weinstock (1605), dem Himmel (1633), dem Wacholder (1634) und der Erde (1635) verglichen. Dass sie inhaltlich vom Studium der alten Sprachen bestimmt wird, schlägt sich in zahlreichen Reden über deren Nutzen nieder (z. B. 1608, 1623, 1627, 1628, 1634, 1635, 1647). Dabei kann es manchmal um einen einzigen Buchstaben gehen, z. B. das phönizische Y (1636). Philologische Untersuchungen zu einzelnen antiken Schriftstellern sind aber noch selten. So werden ein Wort Menanders ausgelegt (1636), Sophokles’ Antigone exegesiert (1633, 1634), Themen der Homerschen Epen aufgegriffen (1633 – 35) oder Ovids Lycaon mit Kain verglichen (1629). Neben den biblischen Sprachen wurden im Unterricht die artes liberales gelehrt und von den Schülern in ihren Arbeiten abgehandelt (z. B. 1606, 1608, 1635, 1636). Die eloquentia wird dabei besonders oft gewürdigt (1606, 1609, 1631, 1633). Auch die Musik spielt eine größere Rolle (1609, 1610, 1628, 1631, 1646). Daneben spiegelt sich die Tugendlehre in vielen Arbeiten wider, die wie die Philosophie überhaupt zur rechten Lebensführung beiträgt. Gerne werden den Tugenden die Laster und Todsünden entgegengestellt. Naturbetrachtungen treten dagegen in den Hintergrund. Dass es ein encomium auf den Hund (1611) oder die Ameise (1633) gibt, hängt mit deren Eigenschaften zusammen, die dem Menschen vor-

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bildlich oder mahnend entgegengehalten werden. Eine Abhandlung über drei blüten- und fruchttragende Laubbäume lässt ein gewisses botanisches Interesse vermuten (Benjamin Schütze 1649; er hatte vorher über Hornhausen geschrieben). Die reformatorischen Wurzeln der Schule werden in Reden auf den theandros Luther erkennbar (1605, 1630, 1635, 1636, 1647, 1648). Melanchthons Fabeln werden 1648 berücksichtigt. Der orthodoxe Lutheraner Aegidius Hunnius (15501603) wird 1606 gewürdigt. Frömmigkeit und Theologie wurden immer wieder gepriesen (z. B. 1620, 1625, 1627, 1628, 1629, 1634), oft von späteren Pfarrern. Und worüber hat der für uns Heutige berühmteste Absolvent dieser Epoche, der spätere Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586 – 1630), gearbeitet? Von ihm gibt es keine eigenständige Arbeit (mehr), ist er doch nur drei Jahre in Pforta gewesen. Aber responsoria auf die Valediktionsarbeit seines Mitschülers Andreas Hampisch über die Reinheit der lateinischen Rede sind von ihm erhalten geblieben (1604). Malwine Maser

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *


Termine Hier finden Sie alle bisher bekannten Termine des Jahresterminkalenders der Landesschule Pforta von Januar bis Juni 2009. Beachten Sie besonders das Schulfest vom 15. bis 17. Mai 2009. 12. 1. Gottesdienst 19. 1. Unihoc-Turnier 21. 1. Unihoc-Turnier & Benefizkonzert 26. 1. Theater 28. 1. Theater 11. 2. Vortrag 13. 2. Aufnahmeprüfungen 16. 2. Gottesdienst 20. 2. Aufnahmeprüfungen 23. 2. Unihoc-Turnier 25. 2. Unihoc-Turnier 26. 2. Gewandhausfahrt nach Leipzig 4. 3. Basketball-Turnier 12. 3. Gewandhausfahrt nach Leipzig 16. 3. Projekttag 18. 3. »Chemie die stimmt« 19. 3. Mathematik-Wettbewerb 23. 3. Theater 24. 3. Crosslauf der 11. Klassen 25. 3. Theater 30. 3. Gottesdienst 1. 4. Schülerdisco 3. 4. Letzter Unterrichtstag der Abiturienten 20. 4. Beginn der schriftlichen Abiturprüfungen 4. 5. Theater 6. 5. Theater

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Alle Angaben sind ohne Gewähr. Es lohnt sich, nach zusätzlichen und veränderten Terminen auf der Internetseite der Landesschule (www.landesschule-pforta.de) oder in der Pforta-Information Ausschau zu halten.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

8. 5. Kanufahrt der 9. Klassen 15. – 17. 5. Schulfest 20. 6. Entlassfeier und Abschlussball der Abiturienten 22. 6. Sporttag & Gottesdienst 23. 6. Umzug in den Internaten 24. 6. Zeugnisausgabe

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Immatrikulation

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Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta sowie des Pförtnerbundes, verehrte Festgäste, sehr geehrter Herr Dr. Dietze, liebe Frau Büchsenschütz, lieber Herr Büchsenschütz, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verehrte Eltern und Großeltern, liebe Schülerinnen und Schüler! Heute ist ein besonderer Tag. Ein besonderer Tag für 75 Schülerinnen und Schüler, die vor wenigen Stunden aus ganz Deutschland kommend unsere Pforte passiert haben, um sich in das große Immatrikulationsbuch der Landesschule Pforta einzutragen. Sie werden durch diesen feierlichen Aktus Teil einer generationenübergreifenden Gemeinschaft, zu Pfortenserinnen und Pfortensern. Heute ist gleichfalls ein besonderer Tag für alle mit angereisten Angehörigen, insbesondere die Eltern. Sie haben die natürlichen Anlagen Ihrer Kinder erspürt, über Jahre liebevoll entwickelt und gefördert – somit spricht man in diesem Zusammenhang nicht umsonst von »aufgeweckten« Kindern. Etwas Besonderes ist der heutige Tag durchaus auch für die Schülerschaft der Landesschule Pforta. Die Pfortenserinnen und Pfortenser der Untersekunda, Obersekunda sowie der Prima, also der Jahrgangsstufen 10 bis 12, freuen sich über und auf euch, unsere neuen »M-ies«, »N-ies« und »S-ies«. Sie sind neugierig auf all jene Jugendlichen, die sich erfolgreich beworben haben, die hier in Schule und Internat mutig neue Herausforderungen suchen. Ein besonderer Tag ist die feierliche Immatrikulation zu guter Letzt auch für die Lehrerschaft der Landesschule. Euch Neulingen, die vier prägende Jahre ihres Lebens hier in Pforte verbringen werden, und dem Kollegium als vergleichsweise sehr konstanter Größe seien die folgenden Ausführungen in besonderer Weise gewidmet: Im Hinblick auf Bildung und Erziehung werden seit Jahrtausenden zwei wesentliche Positionen vertreten und in Form zweier eindrücklicher Metaphern kontrastiert: Da ist auf der einen Seite die Vorstellung vom Pädagogen als Töpfer bzw. Bildhauer, der das ihm anvertraute Kind nach seinen Vorstellungen formt bzw.

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aus einem Steinblock herausarbeitet. Für Individualität ist kein Raum; »Material«, das sich nicht nach der vorgegebenen Norm bearbeiten lässt, wird als ungeeignet eingestampft, zertrümmert und verworfen. Diktaturen basieren auf entsprechenden Erziehungssystemen, von »Bildungssystemen« möchte man erst gar nicht sprechen. Konkret nachvollziehbar wird diese Instrumentalisierung der Pädagogik, wenn man beispielhaft in die Geschichte des 20. Jahrhunderts blickt: Das von der Propagandamaschine der NSDAP voreilig auf tausend Jahre veranschlagte Dritte Reich Adolf Hitlers sollte von einer faschistischen Jugend getragen werden. Diese sollte hart sein wie geschmiedeter Kruppstahl, zäh wie gegerbtes Leder und flink wie hochgezüchtete Windhunde. Zur gleichen Zeit nutzte Josef Stalin, der Stählerne, alle (!) ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um die Menschen innerhalb seines Macht- und Einflussbereichs nach seinen Vorstellungen einheitlich zu formen. Ziel war der linientreue sozialistische Mensch, die sozialistische »Persönlichkeit«. Die Folgen der pädagogischen und politischen Bestrebungen dieser beiden Diktatoren waren grauenhaft und müssen über unseren Geschichtsunterricht hinaus thematisiert werden, damit sie weder vergessen noch aus dem allgemeinen Bewusstsein verdrängt werden. Eine gänzlich andere Vorstellung vom Pädagogen ist die vom Gärtner, der ein ihm anvertrautes Pflänzchen nach bestem Wissen und Gewissen wachsen lässt. Die Gleichsetzung eines Kindes mit einer Pflanze ist so eingängig, dass der pädagogische Diskurs im Deutschen durch auffällig viele Begriffe und Redensarten aus dem Bereich der Gärtnerei geprägt ist: Aus »Sprösslingen« werden »Heranwachsende«, »Spreu wird vom Weizen getrennt« und zu guter Letzt werden Schülerinnen und Schüler zur »Reifeprüfung« geführt. In der Schule gilt es für Lehrer, den »Boden zu bereiten«, und Schüler »beackern« ein Sach- oder Fachgebiet. Idealerweise »wachsen und gedeihen« letztere dabei, sie »blühen auf«. Wir Lehrer sprechen schließlich mit Blick auf die Eltern manchmal davon, »der Apfel falle nicht weit vom Stamm« … Bekannte Vordenker wie Jan Amos Comenius (1592 – 1670) haben sich der angesprochenen Gärtner-Metapher bedient. Wenn man jedoch genauer hinsieht – und das ist ein philologischer Anspruch, der sich mit Unterricht in Schulpforte verbindet – stellt man fest, dass auch die Gärtner-Metapher ein gewisses Spektrum pädagogischer Ansätze zulässt.

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Comenius legt in seiner Didactica magna verschiedene Stufen der menschlichen, für ihn naturgemäß »männlichen« Entwicklung nieder und vergleicht

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die Phasen mit der Entwicklung eines Baumes: »Damit nämlich ein Kind im sechsten Jahr gleich werden möchte einem Bäumlein, ist es fein eingewurzelt und seine Aestchen fangen an, sich zu strecken. Im zwölften Jahr gleicht ein Knabe einem Bäumlein voller Knospen, in welchen man schon erkennen kann, was verborgen in ihm steckt. Im achtzehnten Jahr gleicht ein Jüngling einem Baum, der in voller Blüte steht und den Augen schöne Lust/ und der Nasen lieblicher Geruch von sich gibt/ den Mund aber gewieße Früchte verheißet. Im vier und zwanzigsten Jahr ist er ein Mann und gleicht einem mit reifem Obst behangenem Baum, dessen Zeit nun gekommen ist, dass seine Früchte abgelesen und verwertet werden.«

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Zur Rolle des Lehrers äußert er sich in diesem Zusammenhang wie folgt: »Gleich wie viel leichter ein junges Bäumlein / dass es so oder so wachse / kann gebogen werden / denn ein alter hart gewachsener Baum: Also kann ein Mensch viel leichter in diesem seinem ersten Alter zu allem angeführet werden / denn hernach, wenn man nur rechtmessige Mittel dazu brauchet / als da sind: I. ein stetes Vorbild aller Tugenden und guten Sitten II. zeitliche und vorsichtige Unterweisung III. mittelmässige Zucht.«

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Wie ein Gärtner also aus Wildpflanzen mit großem Aufwand schöne Gewäch-

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se und Nutzpflanzen züchtet, so kultiviert der Ideal-Pädagoge des Comenius die ihm anvertrauten Kinder zu nützlichen und gesitteten Gliedern der Gesellschaft. Einen liberaleren Ansatz vertritt Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). Pestalozzi, berühmt durch seine Forderung, Kindern über Kopf, Herz und Hand eine ganzheitliche Bildung zu ermöglichen, äußert sich zur Pflege von Pflanzen wie folgt: »Siehe, [der Gärtner] tut nichts zum Wesen ihres Wachstums und ihres Blühens; das Wesen ihres Wachstums und ihres Blühens liegt in ihnen selber. Er pflanzt und wässert, Gott aber gibt das Gedeihen. Nicht der Gärtner ist es, der die Wurzel der Bäume öffnet, dass sie den Segen der Erde einsaugen […]. Er wässert nur die trockene Erde, dass die Wurzel nicht an sie, wie an einen Stein, anstoße; er leitet nur das stehende Wasser ab, dass sie in einer Stockung nicht verfaule; er hütet nur, dass keine äußere Gewalt […] die Ordnung der Natur störe, die […] das Gedeihen des Baumes begründet und sichert. So der Erzieher. Er ist es nicht, der irgendeine Kraft des Menschen in ihn hineingelegt, er ist es nicht, der irgendeiner Kraft Leben und Atem gibt; er sorgt nur, dass keine äußere Gewalt den Entfaltungsgang der Natur in seinen einzelnen Kräften hemme und störe […]. Die Kunst der Erziehung und der Erzieher […] soll das Wesen des reinen Geistes des menschlichen Organismus in seiner Tiefe erkennen.« Pestalozzis Gärtner kommt abseits der gängigen Praxis völlig ohne Gartengeräte aus, er braucht keinen Spaten und weder eine Hacke noch eine Baumschere, bestenfalls eine Gießkanne. Pestalozzis Ideal-Lehrer soll seine Schüler anhalten, sich Wichtiges selbständig zu erarbeiten; von außen angestoßenes Auswendiglernen und unreflektierte Reproduktion werden als »unfruchtbar« abgelehnt. Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) beschrieb in einem eindrucksvollen Natur­ gedicht das zuweilen schmerzhafte Spannungsverhältnis zwischen den zwei gerade skizzierten pädagogischen Ansätzen, zwischen zielorientierter Hege und Pflege auf der einen und freier Entfaltung auf der anderen Seite folgendermaßen:

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Die Eichbäume Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges! Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich, Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen. Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel, Der euch nährt’ und erzog, und der Erde, die euch geboren. Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen, Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel, Untereinander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute, Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet. Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen. Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben. Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich, Das von Liebe nicht lässt, wie gern würd’ ich unter euch wohnen. Das lyrische Ich Friedrich Hölderlins entscheidet sich am Ende für ein geordnetes Leben in der Gemeinschaft anderer Menschen und verzichtet auf die Freiheit der Bäume. Wer weiß, vielleicht hat sich Hölderlin von den pädagogischen Vorstellungen eines Comenius zu diesem Ende inspirieren lassen. Welches pädagogische Bild aber inspiriert das Kollegium der Landesschule Pforta, heute, 465 Jahre nachdem Moritz von Sachsen in seiner Neuen Landesordnung vom 21. Mai 1543 festhielt, die Schule werde gestiftet, »[…] damit es an gelahrten Leuten in unseren Landen nicht mangel gewinne [...]«? Wie sooft ist die Antwort mit Blick auf Comenius und Pestalozzi wohl nicht in einem »entweder– oder«, sondern eher in einem »sowohl als auch« zu suchen. Die Landesschule Pforta hat in ihrer fast 500-jährigen Geschichte viele Veränderungen, mitunter sogar gravierende Paradigmenwechsel erlebt. Ich denke dabei unter anderem an die fünf grundverschiedenen politischen Systeme im Deutschland des 20. Jahrhunderts, insbesondere an die lange Phase der zwei Diktaturen zwischen 1933 und 1989, welche die einst dezidiert christliche Landesschule im Sinne ihrer jeweiligen Ideologie rücksichtslos gleichschalteten.

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Die Freiheit der Gegenwart verdanken wir einer Demokratie, einer noch vergleichsweise jungen Demokratie, die bislang noch keiner existentiellen Prü-

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fung ausgesetzt war. Schon heute ist allerdings erkennbar, dass dieser Härtetest schneller kommen könnte als uns allen lieb ist. Vom linken und rechten politischen Rand werden drängende Probleme wie z. B. Arbeitslosigkeit, Migration oder Klimawandel genutzt, um gerade unter Jugendlichen Ängste zu schüren und gleichzeitig vermeintlich einfache Lösungen anzubieten. In dieser Situation als Erwachsener gleichgültig auf »den Staat« oder »die Politiker« zu schimpfen, wird dem Anspruch des mündigen Bürgers, ohne den unsere Demokratie nicht existieren kann, nicht gerecht. Schlimmer noch, wir signalisieren unseren Kindern und Jugendlichen, »der Staat« sei schwach, korrupt und habe in seiner heutigen Form weder eine Existenzberechtigung, noch eine Zukunft. »Der Staat« sind jedoch wir alle, Politiker wurden als Volksvertreter von uns gewählt – möglicherweise aber auch deshalb gewählt, weil wir unser Wahlrecht nicht genutzt haben und schon gar nicht auf die Idee gekommen sind, uns einmal selbst politisch für Veränderungen zu engagieren. Eine Schule, die mündige Bürgerinnen und Bürger gebildet in die Welt entlassen möchte, muss das bestehende politische System der Demokratie trotz aller Schwächen durchaus im staatstragenden Sinne des Comenius kommunizieren. Es reicht also nicht aus, Schüler für politische Extreme zu sensibilisieren und ansonsten grundsätzlich zu kritischer Distanz anzuhalten. Schule, besonders unsere Landesschule, muss in allen Fächern und auch außerhalb des Unterrichts deutlich machen, wo die Stärken unserer Gesellschaftsordnung liegen, wofür es sich zu lernen lohnt, dass Zukunft nur in einer Demokratie von allen aktiv mitgestaltet werden kann. Zur Realisierung eben dieser aktiven Teilhabe bedarf es zunächst allerdings der Vermittlung eines sorgfältig ausgewählten Fundaments aus grundlegendem, aktiv angeeignetem Orientierungswissen; es bedarf der Vermittlung universell verwendbarer methodischer Schlüsselkompetenzen; es bedarf der Vermittlung unverzichtbarer Kulturtechniken und kategorialer Einsichten, die sich aus der Geschichte des Zusammenlebens von Menschen zeit- und durchaus kulturübergreifend gewinnen lassen. Wir Lehrerinnen und Lehrer sind im Sinne Pestalozzis gleichzeitig aufgefordert, durch die gezielte Beförderung des individuellen Denk- und Urteilsvermögens unserer Schülerinnen und Schüler Kreativität zu ermöglichen. Und schließlich gilt es, Menschen Raum zur Entfaltung ihrer jeweiligen Persönlichkeit zu geben; es gilt, sie mittels Schule und Internat zu intellektueller Selbstständigkeit und mündiger Selbstbestimmung zu befähigen. Nur so werden unsere Absolventinnen und Absolventen in der Lage sein, sich außerhalb

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unserer Mauern tatsächlich an humanistischen Werten zu orientieren und gegenüber ihren Mitbürgern, ihren Mitmenschen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Für mich vertritt das Kollegium der Landesschule Pforta mit den zuletzt umrissenen Zielvorstellungen, welche die Grundlage unserer gegenwärtigen Schulprogrammarbeit darstellen, einerseits einen ganzheitlichen Bildungsbegriff. Ferner bemüht es sich über theoretische programmatische Diskussionen hinaus engagiert um eine Synthese der pädagogischen Vorstellungen von Comenius und Pestalozzi. Dabei steht außer Frage, dass man sich dem entsprechenden pädagogischen Ideal im Schulalltag bestenfalls annähern kann. Liebe Neu-Pfortenserinnen und Neu-Pfortenser, mit eurem ersten Tag an der Landesschule Pforta verbinde ich den Wunsch, dass es uns als Kollegium gelingen möge, euch fordernd, aber zugleich sensibel bis zum Tag eurer Exmatrikulation und der Übergabe der Abiturzeugnisse zu fördern. Im Sommer 2012 werden sich eure schulischen Bindungen endgültig lösen, Herausforderungen, die außerhalb eurer Elternhäuser sowie der Schul- und Klostermauern liegen, werden selbstständig anzugehen sein. Von diesem Tag trennen uns und euch nur vier Jahre, die nach einer ersten Zeit der Eingewöhnung schnell vergehen werden. Ich bin überzeugt, dass ihr als auserlesene Pflanzen bis dahin weiter wachsen und blühen werdet, dass ihr gemeinsam ein artenreiches, buntes, vielgestaltiges »Gärtlein« bilden und reiche Früchte tragen werdet. Damit teile ich den Optimismus Christoph Martin Wielands, der im 19. Jahrhundert folgende Zeilen niederschrieb:

Das Gärtlein Das Gärtlein still vom Busch umhegt, Das jeden Monat Rosen trägt, Das gern den Gärtner in sich schließt, Der es betraut, der es begießt, Es lebe hoch! Seid herzlich willkommen an der Landesschule Pforta!

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Bernd Westermeyer, rector portensis


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Abituransprache 2008

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta sowie des Pförtnerbundes, verehrte Festgäste, lieber Herr Büchsenschütz, sehr verehrter Herr Dr. Däumer, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Eltern und Großeltern, liebe Schülerinnen und Schüler! »Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden« – mit diesem Zitat des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard überschrieb die Frankfurter Allgemeine im Mai 2008 einen Artikel zur Problematik der korrekten Datierung von Ereignissen im Mittelalter. Wie verstehen Sie Ihren bisherigen Lebens-Lauf im Rückblick? Welche Metapher kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an das Leben eines Menschen, an Ihr eigenes Leben denken? Das menschliche Leben als Weg, als Lebens-Weg; dieses einfache und zugleich ergiebige Bild erschließt sich mir persönlich von Jahr zu Jahr mehr. Zur Erläuterung möchte ich weiter ausholen: Mein Blick schweift zurück in das letzte Jahrtausend, in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine Abiturentlassfeier, irgendwo in der westfälischen Provinz. Wir haben uns fein herausgeputzt. Hier und da ein T-Shirt, Jeans und Turnschuhe oder auch eine Fliege statt der ersten eigenen Krawatte – trotzig-stolze-rebellisch-plakative Präsentation von Individualität. Die Reden des Schuldirektors, des Elternvertreters, der Leistungskurs- und Schülersprecher gliedern sich fast ausnahmslos nach dem gleichen Schema: Rückblick, Ausblick, verbales Schulterklopfen und gut gemeinte Ratschläge. Auf die Ausgabe der Abiturzeugnisse folgt der nach rund drei Stunden Festakt in einer stickigen Betonaula im wahrsten Sinne des Wortes heiß ersehnte Sektempfang. Gelöst wird überall fotografiert. Mangels digitaler Ad-hoc-Qualitätskontrolle werden ganze Filme »verknipst«, um Momente elterlicher Rührung und jugendlichen Triumphs festzuhalten. Abends feiern wir feucht-fröhlich, je nach Generation wird – wie wohl auch heute Abend – nach bestem Wissen und Gewissen Standard oder »freestyle« getanzt.

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Morgens wache ich zweifach ernüchtert auf: am Vortag hatte ich innerlich aufgeatmet, nun aber fühle mich plötzlich nicht mehr befreit, sondern sehe mich mit einer irritierend unkalkulierbaren Zukunft konfrontiert. Den ganzen Tag über versuche ich mich an die Ratschläge meines Schulleiters für mein weiteres Leben zu erinnern, doch sie haben sich mir nicht eingeprägt – zu viele altbackene Gemeinplätze … Heute, mehr als zwanzig Jahre später, stehe ich als rector portensis vor Ihnen. Ich habe die Seite gewechselt, muss nun wohl die richtigen Schlüsse aus der Geschichte, aus meiner Geschichte ziehen und mich bemühen, alles besser zumachen… Und schon tauchen erste Hindernisse auf: Ich kenne Ihren Jahrgang erst seit einem Dreivierteljahr und daher eher flüchtig. Sie haben bereits drei Rektoren er- und überlebt. Ich muss mir Schulpforta als komplexes Ganzes noch weiter erschließen – Herr Büchsenschütz tröstete mich Ungeduldigen gerade noch rechtzeitig mit dem Hinweis, dies dauere sieben magische Jahre. Sie haben Pforte mindestens vier Jahre studiert, kennen alle Lehrermacken, jede Fluchttür, jedes lauschige und weniger lauschige Plätzchen im Wald, an und in der Saale. Diese Auflistung ließe sich fortschreiben. Stattdessen jedoch zurück zum Ausgangspunkt, dem Bild vom ›Leben als Weg‹: Im vergangenen Spätsommer begrüßte ich unsere neuen Obertertianer zur Immatrikulation mit einem alten Wahlspruch der Zisterzienser, der mir in besonderer Weise zu Schulpforta zu passen scheint: »Porta patet, cor magis! – Die Pforte ist weit geöffnet, mehr noch das Herz!« Heute sind Sie nach vier Jahren an der Landesschule im Begriff, eben diese Pforte in anderer Richtung zu durchschreiten, um sich der Welt außerhalb unserer alten Klostermauern zuzuwenden. Das Wort »Abitur«, abgeleitet vom lateinischen abire – »davongehen«, trägt diesem Umstand nüchtern Rechnung. In Österreich spricht man im gleichen Kontext von der »Matura«, dem Reifezeugnis. Im Lande Mozarts wird also offenbar besonderer Wert auf die persönliche Reife gelegt, die man unterstellt, wenn Schülerinnen und Schüler das Gymnasium Richtung Universität verlassen. An der Landesschule Pforta, meines Wissens nach nur hier, feiert man nicht das »Abitur«, sondern die »Valediktion«. Im Fokus steht demnach nicht die wenig spektakuläre Tatsache des Verlassens des im Augenblick auf zwölf Schuljahre angelegten Gymnasiums; auch nicht der zweifelhafte, da nicht überprüfbare

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Qualitätsstandard der individuellen Reife, sondern der gute Wunsch für den weiteren Lebensweg. Dieser gute Wunsch ist nicht an Bedingungen geknüpft, er impliziert jedoch die Freiheit von der Bindung an die ehemalige Schule und zugleich die Freiheit zu etwas Neuem. Worin diese Neue bestehen wird, ist in keinem Einzelfall vorhersehbar. Ich selbst lernte nach dem Abitur als Wehrpflichtiger beispielsweise ohne Gewissensbisse sowjetische Panzer- und Flugzeugsilhouetten für den Dritten Weltkrieg auswendig. Nie hätte ich mir damals träumen lassen, nur wenige Jahre später in einer Magdeburger Kirche zu heiraten, meinen Sohn als Katholik protestantisch taufen zu lassen oder gar im schönen Saaletal als Pädagoge arbeiten zu dürfen. Die offenbar extrem eingeschränkte Planbarkeit unseres Lebensweges wirft gerade anlässlich unseres heutigen Feier-Tages fast zwangsläufig eine Vielzahl von Fragen auf: Hat mir die Schule, die Landesschule, das richtige Rüstzeug für meinen weiteren Weg mitgegeben oder schleppe ich möglicherweise Ballast mit mir herum? Welches Rüstzeug benötige ich für das erste, noch halbwegs überschaubare Teilstück meines Lebensweges, für die ersten Schritte, besonders im Hinblick auf das Studium oder die Berufsausbildung? Habe ich in Schule und Internat eine Art inneren Kompass entwickelt, der es mir erlaubt, mich zu orientieren, gute, schwierige und schlechte Wege voneinander zu unterscheiden, Risiken und Chancen realistisch abzuwägen? Habe ich einen flexiblen, kreativen Umgang mit meinem Rüstzeug erlernt, der es mir ermöglicht, aus Bestehendem kreativ Neues zu entwickeln, der es mir ermöglicht, mich gegebenenfalls auf unerwartete Herausforderungen spontan einstellen zu können? Habe ich das Selbstbewusstsein entwickelt, ein Ziel trotz möglicher Hindernisse beharrlich zu verfolgen und dazu auf dem einmal gewählten Weg zu bleiben? Habe ich gelernt, zum richtigen Zeitpunkt Pausen einzulegen, um Kraft für den weiteren Weg zu sammeln oder auch, um mich zum Zwecke der Selbstvergewisserung zu orientieren? Habe ich bei aller Selbständigkeit gelernt, Hindernisse nicht nur im Alleingang, sondern auch gemeinsam mit anderen zu überwinden? Habe ich das Selbstbewusstsein entwickelt, notwendige Hilfe in Rat und Tat anzunehmen? Habe ich das Selbstbewusstsein entwickelt, mir einen Irrweg einzugestehen, gegebenenfalls rechtzeitig umzukehren und besonnen einen neuen Weg einzu-

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schlagen? Habe ich in Schule und Internat das Selbstbewusstsein entwickelt, mich auf einem schwierigen Wegstück durch ein Scheitern im ersten Anlauf nicht entmutigen zu lassen und es erneut zu versuchen? Bin ich selbst bereit, anderen Menschen große und kleine Steine aus dem Weg zu räumen, zu trösten, zu helfen und zum Weitergehen zu motivieren, auch, wenn ich dadurch Zeit opfern oder Umwege in Kauf nehmen muss? Ich vermag nicht zu beurteilen, wie Sie diese und weiterführende Fragen heute beantworten würden. Bezug nehmend auf Arthur Schopenhauer wüsste ich allerdings gern, wie Sie diese Fragen in zwanzig Jahren beantworten würden. Er schrieb einst: »Wie der Wanderer erst, wenn er auf einer Höhe angekommen ist, den zurückgelegten Weg mit all seinen Wendungen und Krümmungen im Zusammenhange überblickt und erkennt, so erkennen wir erst am Ende einer Periode unseres Lebens, oder gar des ganzen, den wahren Zusammenhang unserer Taten, Leistungen und Werke, die genaue Konsequenz und Verkettung, ja, auch den Wert [des Lebens].« Für den Augenblick wünsche ich mir, dass Sie die Landesschule Pforta nicht als Hochleistungsabsolventen mit noch unverdientem, aber stolz zur Schau getragenen Eliteetikett verlassen. Ich möchte nicht, dass Sie im späteren Beruf als standardisierte Wissensmanager beliebig austauschbar sind. Ich hoffe, ganzheitlich gebildete, verantwortungsfähige, kreative und dabei weiterhin neugierige Persönlichkeiten vor mir zu sehen, die mutig genug sind, innovative Lösungen für die vielschichtigen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu suchen, und gut genug, sie zu finden. Ich wünsche mir, dass Sie der Landesschule, Ihrer Pforte, der großen Generationen übergreifenden Gemeinschaft von Pfortenserinnen und Pfortensern ein Leben lang aktiv verbunden bleiben und danke Ihnen gleichzeitig für alles, was Sie bis heute bereits an Zeit und Arbeit in diese Ihre Schule investiert haben. Sei es im Bereich des Theaters, der Musik, der Literatur, der Schülervertretung, des Zukunftskomitees, der Pforte am Montag, im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder darüber hinaus. In einem bekannten Fahrtenlied heißt es: »Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer.

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Refrain: Der Himmel wölbt sich übers Land, adé, auf Wiedersehen! Wir ruhen all in Gottes Hand, lebt wohl, auf Wiedersehen. […] Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis, das Leben ist ein Spiel; nur wer es recht zu leben weiß, gelangt ans große Ziel.« Ich wünsche jedem Einzelnen von Ihnen, dass Sie Ihr Ziel stets wohlbehalten erreichen. Vor allem aber wünsche ich Ihnen, dass Sie den Weg dorthin genießen können, dass Sie staunen können über noch Unbekanntes, dass Sie sich freuen können über die Begegnungen mit neuen Menschen und unerwartete Entdeckungen, die Sie unterwegs machen werden. Leben Sie wohl! Bernd Westermeyer, rector portensis

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226 Meinungen zum Pförtner Bund

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Foto: »Erbsen« von Dascha Jahnke (Abdruck unter Lizenz creative commons 2.0, by-nc-sa)

Am 13. Oktober 2008 kamen sie in Berlin an: 226 Meinungen, allesamt in Fragebögen geordnet und zur Auswertung bereit. In gewissem Sinne war dieser Stapel Papier die Materialisierung einer Idee von Vorstandsmitglied Paul Pasieka (val. 2007). Bereits im September hatte Paul bei einem Berlinbesuch den Vorschlag gemacht, einmal gründlich innerhalb der Schülerschaft nach deren Beziehung zum Pförtner Bund zu fragen. Kritik am Kontakt des Vereins zu den Pfortensern war schon öfter zu hören gewesen, jedoch meist nur im Buschfunk. Eine Umfrage unter den Schülerinnen und Schülern der Landesschule sollte da Klarheit schaffen. Weil Paul mit der Vorbereitung der Vorstandssitzung im November schon genug zu tun hatte, ergaben sich die anwesenden Berliner Pförtner ihrem Schicksal und übernahmen die Organisation der Umfrage. Zunächst wurde der Fragebogen konzipiert. Dabei ermöglichte das Internet, dass sich auch Pförtner mit Wohnsitz außerhalb der Hauptstadt am Prozess beteiligen konnten. Neben Fragen zur Sicht der Schülerinnen und Schüler auf den Pförtner Bund und zu deren Wünschen an diesen wurde auch nach ihrer Bereitschaft, dem Verein beizutreten, gefragt. Der Vorsitzende Peter Maser begrüßte die Initiative und auch der rector portensis Bernd Westermeyer konnte schnell als Unterstützer gewonnen werden. Berliner Pförtner organisierten den Versand von dreihundert Kopien des zweiseitigen Fragebogens an den Schülersprecher der Landesschule Pforta, Aaron Spring (12n), der diese über die Schülervertretung in den Klassen verteilte, ausgefüllt wieder einsammelte und zurück nach Berlin schickte. Nun hieß es zählen, eine ausreichende Datenmenge war ja vorhanden. Ich fasste die Ergebnisse in Tabellen zusammen und veröffentlichte sie. Gleichzeitig begann auf dieser Grundlage die schriftliche Auswertung der Umfrage, an der sich Sina Schmidt (val. 2004), Carsta Härtig (val. 2005), Eric Nikodym (val. 2005) und ich beteiligten. Die Ergebnisse sind deutlich. Die Pfortenser bemängeln den unzureichenden Kontakt zwischen Schülerschaft und Pförtner Bund. Zudem gab es zahlreiche Anregungen zur sinnvollen Unterstützung der Schule durch den Pförtner Bund. Darauf kann nun guten Gewissens zurückgegriffen werden. Wer sich für die Ergebnisse oder die Auswertung interessiert, wende sich bitte an Herrn Maser oder

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direkt per Email an mich (max_bracke@web.de). Ich schicke die Dokumente dann zu. Die Auswertung förderte auch eine wirklich gute Nachricht für den Pförtner Bund zu Tage. Es gibt eine große Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die erwägen, in den Pförtner Bund einzutreten. Viele sogar gleich nach dem Abitur. Wohlgemerkt, sie erwägen es. Der Pförtner Bund kann diese »Erwägung« durch geschickte Öffentlichkeitsarbeit bestärken. Ein mitgliedsstarker Pförtner Bund kann der Landesschule kaum schaden. Im Gegenteil. Max Bracke (al. port. 03 – 08 v.)

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Predigt zum Schulfest in Pforta Am 1. Juni 2008 (465. Jahrestag der »Neuen Landesordnung«) predigte Prof. Dr. Peter Maser zum Schulfestgottesdienst über 1. Mose 28, 10 – 19 a:

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Liebe Schul- und Festgemeinde, ich weiß nicht, wie oft schon in dieser wunderschönen Zisterzienserkirche über die uralte Geschichte vom Jaakov und seine seltsamen nächtlichen Erlebnisse in Lus gepredigt worden ist. Bereits 1622 hat ein Jakob Breuer, wohl angeregt durch den eigenen Vornamen, an unserer Schule als gelehrte »Oratio Valedictoria« ein »Encomium piissimi et sanctissimi Patriarchae Jacobi« vorgelegt. Irgendwann wird sich gewiss ein Spezialist finden, der die lange Reihe dieser Predigten in Pforta untersuchen, vergleichen und zu Zeugen ihrer jeweiligen Zeit machen wird. Das Ergebnis solcher gelehrten Untersuchungen ist allerdings schon heute im Wesentlichen absehbar: Jede Zeit und jeder Prediger ist diesem Text auf eine ganz spezifische Weise begegnet. Eine Weise, die mehr über den Prediger und seine Zeit verrät, als sie zur Entschlüsselung der Geschichte von Jaakov und seinem Traum beiträgt. Doch das macht ja gerade die Wirkung der biblischen Texte aus, dass sie je und je neu und anders auf ihre Hörerinnen und Hörer treffen: Die Geschichte dieser Begegnung von Bibel und Mensch ist eine sehr lange, sie gehört zu den großen Konstanten unserer Kultur und sie wird sich fortsetzen bis an das Ende aller Zeiten. Als ich zur Vorbereitung der heutigen Predigt die Geschichte aus dem 28. Kapitel der Genesis erneut las, da war es ein Wort des Jaakov, das mich zunächst gefangen nahm: »Gewiss ist der Herr an diesem Ort, und ich wußte es nicht.« Diesen Satz wieder und wieder buchstabierend, fand ich mich zwingend zurückversetzt in die Zeit vor genau fünfzig Jahren. Damals war ich Schüler der »Heimoberschule Schulpforte« – und es war keine gute Zeit! Aus Saubach im Unstruttal war 1957 ein neuer Direktor nach Pforta entsandt worden, um mit den »reaktionären Resten« in der altehrwürdigen Fürsten- und Landesschule aufzuräumen. Sein klassenkämpferischer Eifer zeigte rasche Erfolge: Immer mehr Lehrer und Schüler flohen vor dem ideologischen Druck, der da aufgebaut wurde, in den Westen. Wer nicht begriff, was nun die Zeichen der Zeit sein sollten, wurde aus der Schule verjagt. Schulversammlungen wurden zu Tribunalen umfunktioniert, wo den »Klassenfeinden die Maske vom Gesicht gerissen« wurde. Mit besonderer Wucht traf die Verfolgung das kleine Häuflein der Christenmenschen unter Lehrern und Schülern in Pforta. Es war die Zeit, in der man Pfarrer Günther Steinacker administrativ aus der Ortschaft Schulpforte jagte,

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und nicht wenige Schülerinnen und Schüler der Schule verwiesen wurden. Es war eine Zeit vieler Ängste. Der heldenhafte Bekennermut war eine unsichere Sache. Als dann die Kirche geschlossen und dem Verfall überlassen wurde, in der wir heute so festlich beieinander sind, da wurde die bange Frage übermächtig: Ist Gott denn noch überhaupt an diesem Platz gegenwärtig? Ist er nicht zusammen mit allen »reaktionären Kräften« ausgetrieben worden von diesem Ort, der doch mit seiner ganzen Geschichte und vielen seiner Bauten von den Wirkkräften des Christentums durch Jahrhunderte hindurch zeugt? Ich mußte damals vor fünfzig Jahren wie viele andere Schulpforta verlassen – und wir gingen nicht im Glanz der Märtyrerkronen davon, sondern als zutiefst Verunsicherte und aus unserer Lebensbahn bereits in früher Jugend Geworfene. Die allermeisten, die damals von hier verjagt wurden, haben dann doch ihren Weg gefunden, wenn die Umwege auch manchmal weitläufig genug waren. Mit Jaakov durften wir im Rückblick sprechen: »Gewiß war der Herr auch an diesem Ort, aber wir wußten es damals nicht mehr.« Es brauchte jedoch auch für uns und gerade für uns oft Jahre, bis wir erkennen konnten: Der Herr gibt keinen Ort auf. Er zieht sich aus keiner Situation wirklich vollständig heraus, so sehr auch aller Augenschein manchmal dagegen sprechen mag. Machen wir es uns aber nur nicht zu leicht – so etwa nach dem Motto »Ende gut, alles gut!« In dem Moment, in dem ich davon sprach, die meisten von uns, die damals aus den Mauern Pfortas verjagt wurden, hätten dann doch schließlich ihren Weg gefunden, fiel mir sogleich auch die lastende Erinnerung an jene aufs Herz, die unter dem Druck der damaligen Zeit ihren Weg nicht mehr gefunden haben. Ich will in diesem Festgottesdienst und vor dieser großen Gemeinde ausdrücklich der ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler gedenken, die diese Erfahrungen nicht zu bewältigen vermochten, die – oft nach jahrelangem vergeblichen Versuchen, wieder Normalität zu erreichen – die Flucht in den Tod antraten. Ich gedenke derjenigen, die für ihr Leben gezeichnet wurden durch die Erfahrungen, die sie damals in Pforta machen mußten, die nicht mehr die Kraft schöpfen konnten, zu sich selber und ihren eigentlichen Möglichkeiten zu finden. Ich gedenke auch derjenigen, die bis heute dadurch verschreckt, was sie damals hier erleben mußten, niemals wieder ein gutes Verhältnis zu ihrer, zu unserer Schule finden konnten. Sie alle, die damals zu Opfern gemacht wurden, fehlen heute hier in diesem Gottesdienst, sie fehlen bei unseren Klassentreffen, sie fehlen uns und unserer Schule überhaupt – und waren doch Teil unserer Gemeinschaft! Schließen wir sie nicht endgültig aus unserer Gemeinschaft aus, indem wir sie vergessen. Sie gehören zu uns, sie gehören zu unserer Landesschule, sie sind Teil der Geschichte dieses Ortes. Wir wissen nicht, weshalb sie ihren Weg so geführt wurden, wie sie ihn gehen mußten. Wir wissen nur: Der einzige Dienst, den wir ihnen noch tun können, ist ihrer zu gedenken in Liebe, Respekt und Trauer. Die pietas portensis sollte gerade sie, die heute oft schon

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Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Namenlosen, ganz fest einbeziehen in jenes Gedenken, jenes Jiskor, das in unserer jüdisch-christlichen Tradition einen so einzigartigen Stellenwert hat, weil wir in ihm das Unbegreifliche, ja oft Unerträgliche vor Gott bringen und ihm anheimstellen im Bewusstsein aller unserer Begrenztheiten. Die Geschichte von Jaakovs nächtlichen Erlebnissen in der Nähe der Stadt Lus, die er dann Beth-El = Haus Gottes nennen sollte, hat mich schon damals, als es in Pforta so schwierig für uns war, mit Neid erfüllt. Dieser Mann, der Enkel Abrahams und Sohn Isaaks, war ja nun wahrlich keine Lichtgestalt. Schon bei der Geburt soll er seinen Zwillingsbruder Esau durch einen Griff an die Ferse behindert haben, weshalb er dann auch Jaakov (= Fersenhalter) genannt wurde, wie eine volkstümliche Etymologie den Namen zu erklären versucht. Dann brachte Jaakov durch Verkauf eines Tellers Linsensuppe den Bruder listig um sein Erstgeburtsrecht, später erschlich er sich mit Hilfe seiner Mutter Rebekka auch noch den Erstgeburtssegen vom blindgewordenen Vater, schließlich musste er zu seinem Onkel Laban fliehen, wo er gleich in höchst problematische Beziehungen zum weiblichen Hauspersonal eintrat und zudem seine beiden Cousinen Leah und Rachel zugleich heiratete. Thomas Mann hat diese verwunderlichen Geschichten auf seine Weise nachzuerzählen versucht (»Tief ist der Brunnen der Vergangenheit«, so beginnt bekanntlich seine großartige Josefs-Tetralogie) und dabei die ganze Fremdheit dieser Vorgänge auf bestürzende Weise neu nacherlebbar gemacht. Nein, dieser Jaakov war keine Lichtgestalt, vielmehr war er ein Schlitzohr, ein Betrüger und ein Trickser von hoher krimineller

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Energie – und doch! Genau diese fragwürdige Figur wird einer Erfahrung gewürdigt, die ich mir damals wünschte und oft genug bis heute wünsche, eine Frage, die jede sog. »Gottesfrage« so einfach und vollständig beantworten würde: Jaakov begegnet Gott! Oder besser: Gott begegnet Jaakov! Er stellt sich ihm geradezu in den Weg. Er nutzt die Schwäche des Schlafs und des Traums, um diesen Hallodri endlich zu stellen, ihn endlich zu stoppen. Wir können es getrost den Religionswissenschaftlern überlassen, die Rätselspiele weiter zu treiben, woher die Motive stammen mögen, mit denen die Geschichte vom Traum Jaakovs ausstaffiert wurde. War die »Himmelsleiter« möglicherweise doch eher eine gewaltige Freitreppe hinauf zu einem altorientalischen Zikkurat? Erlebte Jaakov einen Wachtraum? Hirnforscher und Tiefenpsychologen bieten uns da verschiedenste Antworten an, die doch alle nicht das Wesentliche treffen. Wahrscheinlich kommen die unzähligen Künstler, die seit der Mitte des 3. Jahrhunderts immer wieder die nächtliche Szene imaginiert haben, da letztlich der Sache doch deutlich näher. Immer geht es ihnen um einen Menschen, der am Boden liegend in nächtlichem Dunkel und einem vielfach belasteten Schlaf gefangen ist. Über diesem Menschen aber öffnet sich der Himmel. Das Dunkel in der Tiefe um ihn wird durchbrochen und verwandelt sich durch die Lichtinvasion von oben her. Verwandelt wird aber auch der Mensch, der so aus Tiefe und Dunkelheit herausgerissen wird. Die Inszenierung ist ja auch großartig genug: Die riesige Leiter oder Treppe bis in die Höhen des Himmels hinauf, die Engelwesen auf den Stufen und der Allmächtige selber, gepriesen sei sein Name, der sich in langer Rede an den ganz Unwürdigen, am Boden und im Dunkel liegenden Menschen wendet. Da geht es um die Selbstvorstellung Gottes, der sich in einer Welt von vielen Göttern als der »Gott der Väter«, der Gott Abrahams und Isaaks, bekannt macht. Da geht es um gewaltige Verheißungen für den Schläfer und seine Nachkommen, die bis an das Ende aller Zeit reichen (»Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter gesegnet werden« – was das heißen sollte, wird sich erst allmählich in der Geschichte Israel entfalten und beschäftigt uns bis heute). Und da geht es schließlich darum, daß die nächtliche Gotteserscheinung sich an Jaakov ganz persönlich wendet. Wir erinnern uns doch noch, um was für eine fragwürdige Figur, um es ganz vorsichtig auszudrücken, es sich bei diesem Jaakov handelte? Zu diesem höchst prekären Menschen aber sagt der Himmlische in all seinem überwältigenden Lichtglanz: »Ich bin mit dir und will dich behüten und will dich wieder herbringen in dieses Land, denn ich will dich nicht lassen.« Auf seiner Flucht nach Haran hat Jaakov wahrscheinlich an den Gott, den Großvater und Vater verehrten, allenfalls ganz am Rande – wenn überhaupt – gedacht. Er hatte damals wirklich andere Sorgen: Wie sollte er sich durchwursteln in all dem von ihm angerichteten Chaos? Wo und wie konnte er sich in Sicher-

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heit bringen? Wo konnte er endlich mit einem anständigen Leben anfangen? Es ist ganz bezeichnend, dass Jaakov, als er aus dem überwältigenden Traumgesicht hochschreckt, zunächst gar nicht von den großen, bis heute Weltgeschichte machenden Verheißungen für sein Volk spricht. Nein, Jaakov nimmt diese Begegnung zunächst vor allem persönlich: »Ich wusste nicht, daß der Herr an diesem Ort ist. Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus (das ist hebräisch Beth-El) und hier ist die Pforte des Himmels.« Der Flüchtling richtet am heiligen Ort ein Steinmal auf zur Erinnerung an das, was hier mit ihm geschah, salbt diesen Gedenkstein mit kostbarem Öl und geht ein geradezu vertragsgemäßes Verhältnis zu dem ein, der sich ihm da auf so unvergleichliche Weise in den Weg gestellt hat. Trotzdem bleibt auch der zukünftige Weg Jaakovs schwierig genug, bis er den Ehrennamen Israel = Gott streitet (für uns) verliehen bekommt, zur dritten großen Patriarchengestalt des auserwählten Volkes wird und schließlich im Alter von 147 Jahren, wie es so schön in Gen. 49 heißt, »seine Füße auf dem Bett zusammentat, verschied und zu seinen Vätern versammelt wurde«. Josef aber – so wird berichtet – bereitete ihm, dem Erzvater, ein großes Begräbnis in Machpela bei Hebron. Die modernen Bibelwissenschaften haben die komplizierten Erzählungen um Jaakov-Israel analysierend skelettiert bis hin zu der Vermutung, dieser JaakovIsrael habe so niemals existiert, sondern stehe für eine personifizierte Gemeinschaft, eine bestimmte, dann aber doch wieder nicht fassbare Gruppe. Solche kollektive Deutung, die ja z. B. auch einen Homer ins Unbestimmbare aufzulösen versucht, und andere religionsgeschichtliche Fündlein brauchen uns hier und heute aber schon deswegen nicht zu beunruhigen, weil historische Wirkungskraft allein die große Erzählung von dem Erzvater entfaltete, der trotz aller Fragwürdigkeiten Gott selber begegnen durfte, der zum »Offenbarungsempfänger und Kultstifter« wurde, der dem Apostel Paulus als Beispiel der unbegreiflichen Gnadenwahl Gottes vor Augen stand (»Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst«, Mal. 1,2f. > Röm. 9,12), dessen Zweitname Israel dann ab dem 5. 1. 1938 von allen Juden im nationalsozialistischen Deutschland zwangsweise als Schandname geführt werden mußte, und der am 14. 5. 1948, also vor ziemlich genau sechzig Jahren, dem wiedererstandenen jüdischen Staat verliehen wurde. »Wir verkünden hiermit kraft unseres natürlichen und historischen Rechtes und auf Grund des Beschlusses der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Errichtung eines jüdischen Staates im Land Israel – des Staates Israel«, so sagte es David Ben Gurion damals – voller »Zuversicht auf den Fels Israels« – mit zitternder Stimme im Museum von Tel Aviv, und Kol Israel, die »Stimme Israels«, übertrug seine Worte, die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel, in alle Welt. Erfüllung der großen Verheißung, die Jaakov einst zuteil wurde?

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»Der Brunnen der Vergangenheit ist tief«, so hatte Thomas Mann einst dekretiert. Vieles ist in dieser Tiefe auf Dauer verloren gegangen. Die große Erzäh-

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lung von Jaakov, dem Erzvater, aber blieb lebendig. Sie hat das jüdische Volk durch seine Geschichte bis heute als ein Zeugnis dafür begleitet, wie Gott dem Menschen begegnet, wie er auch die offenbar ganz Ungeeigneten zum Anfang einer großen Erfolgsstory zu machen weiß. Im Christentum blieb die Gestalt des Patriarchen präsent als die eines Menschen, der von Gott einer direkten Begegnung gewürdigt und zum Segensträger wurde. Und sie ist bis heute gegenwärtig. Dafür nur ein Beispiel: In der Nacht vom 14. zum 15. 4. 1912 versank nach einer Kollision mit einem Eisberg die »Titanic« und riss rund 1.500 Menschen mit in den Tod. Die Bordkapelle soll im Inferno jener Nacht bis zuletzt die Hymne der Sarah Flower Adams intoniert haben, die wir unter dem deutschen Titel »Näher, mein Gott zu dir« kennen. Die Szene wurde einem Millionenpublikum in aller Welt durch den mit elf Oscars ausgezeichneten Spielfilm von James Cameron, der 1997 in die Kinos kam, unvergesslich. Was wohl die allerwenigsten wussten, die bei diesem Finale zu ihren Taschentüchern griffen, war die Tatsache, dass die Hymne der Sarah Flower Adams genau unsere Geschichte von Jaakov und der Himmelsleiter aufgreift, heißt es doch dort: »Bricht mir, wie Jakob dort,/ Nacht auch herein,/ find ich zum Ruheort/ nur einen Stein,/ ist selbst im Traume hier/ mein Sehnen für und für:/ näher, mein Gott, zu dir,/ näher zu dir!« Auch wenn uns der unbestimmt spätromantisch-exaltierte Duktus dieses Liedes inzwischen fremd geworden sein mag, so berührt uns die Dringlichkeit der Bitte »Näher, mein Gott, zu dir« bis heute auf eigentümliche Weise. Vor fünfzig Jahren konnte es mir zweifelhaft erscheinen, ob Gott noch hier in Schulpforta gegenwärtig sei, ob dieser Ort noch ein Beth-El, ein Haus Gottes, sein könne. Mit solcher zweifelnden und verzweifelnden Ungewißheit haben sich Menschen immer wieder herumzuschlagen. Solche Zweifel sind wohl auch heute noch an diesem Ort gegenwärtig, wo inzwischen doch wieder Festgottesdienste zum Schulfestprogramm fest dazu gehören. Wir können uns diese Zweifel nicht selber nehmen, wir können auch hier, in Pforta und an diesem Sonntag, »an der Pforte des Himmels« nur darauf warten und darum bitten, dass sich Gott uns in den Weg stellt, dass er so zu uns spricht in Verheißung und Gnadenzusage, dass aus Ungewissheit die Gewissheit wird: »Ganz bestimmt ist der Herr an diesem Ort!« Das Bekenntnis »Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels«, kann ja nur der Mensch sprechen, an welchem Ort auch immer, der Gott begegnen durfte. Bitten wir den Allmächtigen, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, darum, dass er sich uns in den Weg stellt und mit uns spricht, wie er es einst dem Jaakov tat. Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in der großen Hoffnung, dass der Allmächtige sich uns zuwendet und mit uns spricht. Amen.

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Peter Maser (al. port. 57 – 59)

Predigt zum Schulfest in Pforta | 47


Vom Pförtner Bund *  *  *


Klassentreffen in BamberG

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Mit dem Hotel Alt-Ringlein, inmitten der Altstadt gelegen, hatten Isabell und Wolf-Dieter Kreide (al. port. 35 – 39) einen idealen Treffpunkt ausgekundschaftet. Von dort aus war es nur ein kurzer, auch für uns fünf über 86 Jahre alten Pförtner und unsere fünf Begleiterinnen erträglicher Weg auf den Domberg. Dort besichtigten wir den Kaiserdom und waren tief beeindruckt von der Aussagekraft der Reiterfigur. Begünstigt durch prächtiges Wetter lud der nahegelegene Rosengarten mit einem Blütenmeer von über 4 000 Pflanzen zu einem Rundgang ein und bot zugleich einen herrlichen Ausblick auf das Panorama der Stadt. Weitere sehenswerte Perspektiven Bambergs lernten wir kennen während einer Schiffsrundfahrt auf der Regnitz unter anderem entlang des »Klein-Venedigs« – dem ehemaligen Fischerviertel – und bei einer nostalgischen Kutschfahrt durch malerische Altstadtgassen sowie den ausgedehnten Stadtpark. Am letzten Abend gesellte sich Familienbesuch von Klaus Schiller (al. port. 34 – 39 v.) zu uns. Seine beiden jungen Enkel – der eine Student, der andere Abi­ turient – hörten sich sehr interessiert die Schilderungen der »Alten« aus deren Pforta-Zeit an, wobei das Thema Konfirmation damals und heute ausführlich zur Sprache kam. Damals, 1937, hat der überwiegende Teil der Klasse am Konfirmanden-Unterricht teilgenommen, dies auch aus Protest, weil manche Erzieher aus politischen Gründen davon abgeraten hatten. Zum Schluss dankten wir insbesondere Isabell für die ausgezeichnete Ausrichtung auch dieses Treffens und für die Bereitschaft, das nächste 2009 in Freyburg/Unstrut vorzubereiten, womit eine Feierstunde in Pforta anlässlich des siebzigjährigen Abitur-Jubiläums verbunden sein wird. Hans Rettkowski (al. port. 36 – 39 v.)

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50 | Klassentreffen in Bamberg


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Kurznotiz aus halle

Das Gänseessen selbst war ein voller Erfolg und wurde von Expfortensern aus den fünfziger Jahren ebenso angenommen wie von Pfortensern, die im letzten Sommer erst ihr Abitur geschrieben hatten. Das Gänseessen fand im Restaurant »Zum Schad« statt. Die Örtlichkeit war geräumig und gemütlich. Wir werden künftige Treffen wohl öfter dort abhalten. Auch gab es ein kleines Kulturprogramm, für das eigens ein elektronisches Klavier und eine Drehorgel mitgebracht worden waren. MelchioR Wöhlmann (al. port. 98 – 03 v.)

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Kreuzgang und Gänsebraten

Wie seit Jahren haben wir uns in den festlich geschmückten Räumen des Reichshofs/Maritim in Hamburg zum Martinsgansessen und gemütlichen Beisammensein getroffen. Dass dabei das Federvieh diesmal an Kleinwuchs litt, wurde tapfer in bewährter Pförtnermanier ohne Murren hingenommen; dafür war der Rotwein ausgezeichnet. Als literarisch aufgehendem Stern lauschten wir unserem Hubert Kinzel, der aus seinen Kreuzgang-Geschichten eine Lesung zum Besten gab, welche das Auditorium sehr berührte. Auch der – schon zur Tradition gewordene – vorgeführte Videofilm vom letzten Schulfest fand lebhaftes Interesse; besonders dabei die Vorstellung des neuen Rektors. Erfreulicherweise nehmen immer mehr Ehemalige der Nachwendezeit und nun schon beruflich Arrivierte am Treffen teil; sie geben viele Anregungen und verblüffen die älteren Semester manchmal mit ihren Vorstellungen, was der oft helfende, aber sich neutral verhaltende Pförtner Bund alles zu leisten und bewegen vermag.

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Das nächste Treffen ist an gleicher Stelle für den 14. November 2009 geplant.

Gunther Schedlinski (47 – 52)

Kurznotiz aus Halle & Kreuzgang und Gänsebraten | 51


Klassentreffen Abitur 1952 C

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Zu unserem diesjährigen Klassentreffen hatte Jürgen Pfeiffer für den 15. bis 18. Mai 2008 in das Ruhrgebiet nach Dortmund eingeladen, für die meisten von uns ein noch unbekanntes Terrain. Das hatte bereits im Vorfeld eine gespannte Neugier auf den Rahmen, in dem unsere Begegnung stattfinden würde, erzeugt. Schon das gemütliche Beisammensein im Hotel am Abend des Anreisetages ließ ahnen, dass wir mit der Wahl des Ortes gut beraten waren: die anheimelnde Atmosphäre des privat geführten Hotels in der Dortmunder Innenstadt, die Gespräche im vertrauten Kreis der Schulfreunde und die Aussicht auf ein interessantes Programm in den nächsten Tagen ließen schnell die in unserer Gemeinschaft gewohnt gute Stimmung aufkommen. Unsere Erkundungen wurden am ersten Vormittag eingeleitet durch den Besuch des im Jahre 2005 neu eröffneten Hoeschmuseums, in dem die über 160jährige Geschichte der Stahlerzeugung in der Westfalenhütte (Hoesch AG) sehr anschaulich dokumentiert ist. Hier war uns zunächst Jürgen Pfeiffer als alter »Hoeschianer«, aus dessen lebendiger Darstellung die starke Verbundenheit mit seiner früheren Arbeitsstätte spürbar wurde, durch seine intime Kenntnis der Geschichte des Konzerns und der Produktionsvorgänge ein kompetenter Führer. Hier mag sich mancher unter uns an die Werksbesichtigung in Leuna vor über 55 Jahren erinnert haben. Damals war unser Chemielehrer Herr Foth zu unserer Belustigung mit dem dortigen Ingenieur in eine schwierige Diskussion über die Ammoniaksynthese geraten (»In meinem Lehrbuch steht das anders …«). Derlei Probleme hatten wir diesmal nicht, und die Erbsensuppe im ehemaligen Hoesch Gästehaus mundete vorzüglich. Inzwischen hatten sich auch die Regenwolken verzogen und waren heiterem Sonnenschein gewichen, ein Wetter wie geschaffen für den Besuch des Westfälischen Freilichtmuseums in Hagen-Selbecke. Wider Erwarten hielt das Wetter durch, sodass wir den Tag im Biergarten des Hotels bei Salzkuchen mit Mett und Hefeweizen beschließen konnten; den Damen hatte die Wirtin wärmende Wolldecken zur Verfügung gestellt. Etwas regnerisch war es dann aber doch, als wir uns am nächsten Vormittag vor der katholischen Propsteikirche zur Führung durch die vier großen, nach dem Kriege wieder aufgebauten mittelalterlichen Kirchen der Innenstadt trafen. Auf unseren Rundgang durch die Kirchen begleitete uns eine außerordentlich

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kenntnisreiche und sympathische junge Historikerin, die nebenbei auch die wichtigsten Fakten und andere Details zur Stadtgeschichte beisteuerte und für ihren interessanten, teilweise humorigen Vortrag von uns viel Lob erntete. Da war das trübe Wetter zur Nebensache geworden und die Zeit wie im Fluge vergangen, doch es reichte für alle zu einem kleinem Imbiss (besonderer Tipp: Bratwurst vom »Thüringer Grill« – fast wie daheim!), ehe der Bus angesteuert wurde, der uns zur Hohensyburg bringen sollte. Die, erfuhren die »Ossis«, war lange Jahre ein Treffpunkt der Nachkriegspförtner gewesen. Hier erwartete uns eine Führung durch das Spielcasino, auch dies für manchen bislang eine Terra incognita. Nach der einweisenden Lektion konnten die erworbenen Kenntnisse in drei »gespielten« Runden beim Roulette überprüft werden und für die auf den vorderen Gewinnrängen Platzierten an den Spieltischen gab es kleine Erinnerungsgeschenke (Motto: »Für die Enkel!«). Wieder draußen hielt uns die Regennässe allerdings vom Wahrnehmen der angekündigten schönen Aussicht ab. Zum Abschluss des erlebnisreichen Tages hatte das Ehepaar Pfeiffer am Abend in sein Heim geladen, wo bei Bratkartoffeln, Roastbeef, Salat, Fassbier und Parfait das rundum gelungene Treffen harmonisch ausklang. Verdientes Lob und gebührender Dank galten unseren Gastgebern, die für uns alles so liebevoll vorbereitet und gut organisiert hatten. Wir nahmen voneinander Abschied, nicht ohne Termin und Ort für das Wiedersehen im nächsten Jahr fest zu vereinbaren. Manfred Langer (al. port. 47 – 52 v.)

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Klassentreffen Abitur 1952 B2

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Alle wollten es so, dass wir auch nach der denkwürdigen Feier zum Goldenen Abitur 2006 unsere Klassentreffen weiterhin im Zwei-Jahres-Rhythmus fortsetzen. So luden die diesjährigen Organisatoren Peter Kostial und Horst Neumann, abweichend von der bisher üblichen Praxis, die Treffen in oder in der Nähe von Schulpforte durchzuführen, in die altehrwürdige brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam ein. Als Termin hatten sie die Zeit vom 29. bis 31. Mai ausgewählt, sodass es anschließend möglich war, das Schulfest in der Pforte zu besuchen. Außerdem war zu berücksichtigen, dass die Mehrzahl unserer Klassenkameraden (-kameradinnen hatten wir ja leider nicht) in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiern, und sicherlich wollte auch keiner ein Spiel der Fußball-EM versäumen. Logiert haben wir im direkt an der Havel gelegenen »art’otel« Potsdam. Nachdem alle Teilnehmer nach einer mehr oder weniger langen Anreise eingetroffen waren, sich mit lautem Hallo begrüßt und die Hotelzimmer bezogen hatten, versammelten wir uns im Hotelrestaurant, wo Peter Kostial unser Treffen eröffnete. Traurig und betroffen machte uns, dass unser ehemaliger Mitschüler Volker Eisewicht nach einer kurzen, schweren Krankheit im März verstorben war. In einer Schweigeminute erwiesen wir ihm die letzte Ehre. Volker wird uns stets in bester Erinnerung bleiben und wir werden ihn sehr vermissen. Mit einem Blumenpräsent konnten wir Ernst Bartsch nachträglich zu seinem Geburtstag gratulieren. Er hatte am 26. Mai 2008 sein 70. Lebensjahr vollendet. Am Abend unternahmen wir dann bei sommerlich warmem Wetter einen Spaziergang entlang der Havel. Ziel war das Restaurant »Kiwitt«, wo wir uns auf der Terrasse original italienische Speisen und Getränke servieren ließen. Natürlich gab es nach zwei Jahren des Wiedersehens vieles zu erzählen und zu berichten, sodass wir uns erst zu später Stunde auf den Rückweg in das Hotel begaben. Nach einem gemütlichen Frühstück am folgenden Morgen stand schon der Bus für die sich anschließende Stadtrundfahrt vor dem Hotel bereit. Am Ende des erlebnisreichen Tages nahmen wir dann im Restaurante »Palazzo die Persius« gleich neben unserem Hotel gemeinsam das Abendessen ein. In einer kurzen Ansprache konnte Horst Neumann feststellen, dass auch dieses Treffen hier in Potsdam allen sehr gut gefallen hatte und ein voller Erfolg war. Schade war nur, dass nicht alle unsere Klassenkameraden, teils auch aus gesundheitlichen Gründen, teilgenommen hatten. Im Weiteren unterbreitete er den Vorschlag, in

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Anlehnung bzw. Fortführung der Dokumentation, die Gerhard Cyrklaff anlässlich des Goldenen Abiturs über unsere Klasse gestaltet hatte, Kurzbiografien von allen Mitschülern zu erarbeiten, um zu dokumentieren,was aus uns so nach den gemeinsamen vier Jahren in der Landesschule geworden ist. Wie zu erfahren war, haben fast alle ihren Teilbeitrag dazu schon geschickt. Diskutiert wurde auch über die Weiterführung unserer Klassentreffen. Karlheinz Steppan erklärte sich bereit, das nächste in zwei Jahren am Bodensee zu organisieren. Zu seinem Vorschlag gab es allseitige Zustimmung. In geselliger Runde mit vielen interessanten Gesprächen über persönliche Erlebnisse, Weltbewegendes und natürlich auch über Vergangenheit und Zukunft unserer »alten Schule« endete der Abend.

Den beiden Organisatoren Horst Neumann und Peter Kostial sowie ihren Ehefrauen Edith und Hannelore gilt abschließend unser herzlichster Dank. Sie hatten keine Mühe gescheut, auch dieses nunmehr achte Klassentreffen nach unserem Abitur zu einem echten Höhepunkt zu gestalten. Alles klappte wunderbar, sogar das Wetter spielte mit. Fazit: Potsdam war eine Reise wert.

Foto: privat

Nach dem Frühstück am Sonnabend begann dann das große Abschiednehmen. Viele gute Wünsche gingen mit auf den Weg, vor allem, dass wir uns in zwei Jahren gesund und munter wiedersehen mögen. Aber nicht alle fuhren gleich nach Hause. Einige machten sich beizeiten auf den Weg nach Schulpforte, um noch am Schulfest teilnehmen zu können. Andere machten noch einen Abstecher nach Berlin oder nach Sanssouci.

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KLAUS VÖLLGER (AL. PORT. 52 – 56 v.)

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Lebensbilder

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In einer ausführlichen Chronik, 300-seitig, die unsere Klassenkameraden nach der Feier zum Goldenen Abitur anlässlich des Schulfestes im Jahr 2006 mit nach Hause nehmen konnten, waren, neben der ausführlichen Schilderung der historischen Entwicklung unserer berühmten Bildungsanstalt und des Lebens in unserer Schule, auch die Gesichter der Mitschüler im Wandel der Zeit festgehalten worden. Die Chronik enthielt aber nur wenige Angaben zu den unterschiedlichen Lebenswegen. Bei unserem folgenden Klassentreffen im Mai 2008 in Potsdam haben wir beschlossen, diese Lücke zu schließen und unsere Kurzbiografien aufzuschreiben. Das war, immerhin 52 Jahre nach dem Abitur, ein spannendes Vorhaben. Es gab bis zuletzt Zweifel über den Sinn und Nutzen – und auch an der Bereitschaft mitzuwirken. Von 1952 bis 1956 haben insgesamt 36 Schüler die Klasse B2 der Landesschule Pforta besucht. Sie kamen aus 27 unterschiedlichen Heimatorten. Am stärksten waren die »Fraktionen« aus Eckartsberga und Wiehe, also aus der näheren Umgebung Schulpfortas, vertreten. Mit 32 Schülern wurde zu Beginn unserer Pfortazeit in der 9. Klasse die größte Klassenstärke erreicht. Nach der 11. Klasse mussten uns, aus unterschiedlichen Gründen, 8 Schüler verlassen. Alle 23 in der 12. Klasse verbliebenen Schüler konnten 1956 die Schule mit dem Abitur in der Tasche verlassen. Unsere Klasse war eine reine Knabenklasse. Das war neben den anderen Klassen ungewöhnlich. Günstig wirkte sich dieser Umstand bei der Vorbereitung auf das Silberne Abitur aus: Bei der Suche nach den Klassenkameraden waren die Namen geblieben. An den seit 1981 regelmäßig durchgeführten Klassentreffen haben insgesamt, natürlich in verschiedener Zusammensetzung, 27 ehemalige Mitschüler teilgenommen. Von diesen Teilnehmern sowie von bereits verstorbenen Klassenkameraden wurden Lebensdaten zusammengetragen: 22 Klassenkameraden haben ihre Kurzbiografie persönlich aufgeschrieben. Von fünf Verstorbenen haben uns deren Witwen die wichtigsten Lebensdaten mitgeteilt. Vielfältige Informationen kamen zusammen. In dem breiten Spektrum der Lebenswege fehlen aber einige Farben: Es gab zum Beispiel keinen Mitschüler, der eine medizinische oder juristische Ausbildung gewählt hat. Das ist mit Sicherheit dem Umstand geschuldet, dass wir uns für eine B-Klasse, also eine naturwissenschaftliche Ausrichtung, entschieden hatten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bei den Ingenieurtiteln und Berufsbezeichnungen die unterschiedlichsten technischen, wirtschaftlichen und militärischen Spezialgebiete überwiegen. Nicht erstaunlich ist auch, dass sich mehrere von uns dazu berufen fühlten, als Lehrer und Erzieher

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in schulischen, berufsbildenden, studentischen oder militärischen Institutionen ihre Kenntnisse an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Natürlich sagen die aufgezeichneten kurzen Lebensbilder nichts darüber aus, ob der zurückgelegte individuelle Weg den jugendlichen Zielvorstellungen ganz oder wenigstens teilweise entsprochen hat. Festgestellt werden kann hingegen, dass in der Pforte Grundlagen für vielfältige fachliche und menschliche Entwicklungswege gelegt worden waren. Von den 23 Abiturienten erhielten immerhin 13 Studienplätze an Hoch- oder Fachschulen in Ost- oder Westdeutschland, weitere 5 konnten an Offiziersschulen der DDR studieren. Viele erreichten im Verlauf ihres Berufslebens weitere Qualifikationen, zwei haben ihre Dissertation erfolgreich verteidigt. Nach dem Schulabschluss haben 6 der Abiturienten die DDR verlassen. Durch zusätzliche Prüfungen zur Anerkennung ihrer Abiturzeugnisse in der BRD sowie nach unterschiedlich langen Eingewöhnungszeiten durchliefen sie ihre erfolgreiche berufliche Entwicklung etwas zeitversetzt. Einige erwarben nach ihrer Berufsausbildung einen oder auch zwei Ingenieurtitel, meistens im anstrengenden Fern- oder Abendstudium. Für die meisten Klassenkameraden mit einer DDR-Biografie gab es nach dem Verschwinden ihres Staates gravierende biografische Brüche. Wenige konnten den Weg weiter verfolgen, der ihrer beruflichen Entwicklung entsprach, einigen gelang eine berufliche Umorientierung, viele schafften es nur über Arbeitsbeschaffungs- und Umschulungsmaßnahmen, mit Verlegenheitsarbeiten und Zeiten der Arbeitslosigkeit in den Vorruhestand oder in die Rente zu kommen. Wenn sie heute, trotz der unterschiedlichen Rentengestaltung, in eine einigermaßen gesicherte Zukunft sehen können, liegt das vor allem an ihrem erfolgreichen Lebensweg, den sie vor der Wende zurückgelegt haben. Alle ehemaligen Schüler aus unserer Klasse sind jetzt Altersrentner. Ende des Jahres 2008 werden alle ihr 70. Lebensjahr vollendet haben. Im Verlauf der Klassentreffen nach 1981, besonders aber bei denen, die nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten stattfanden, konnten wir die unterschiedlichsten Lebensläufe in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung kennen lernen. Dabei haben wir auch die Ehe- bzw. Lebenspartnerinnen aktiv einbezogen. Unsere Klasse wuchs wieder zusammen, und nicht zuletzt die uns in der Pforte vermittelten Werte haben einen wichtigen Anteil daran. Die etwa fünfzig Jahre dazwischen haben aus Jugendlichen, die auf das Leben neugierig waren, gestandene und erfolgreiche Männer gemacht, man spürt es immer und mit Freude neu. Auch dafür Dank unserer Pforte, ihren Lehrern und Erziehern und denen, die es uns ermöglicht haben, frei von materiellen Sorgen zu lernen.

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Horst Neumann (al. port. 53 – 56 v.)

Lebensbilder | 57


zum goldenen Abitur 2006

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Kritisiert wurde, dass wir vergeblich in der »PFORTE« nach einem Bericht über die Feier zu unserem Goldenen Abitur gesucht haben. Hatte sich denn niemand dazu bereit erklärt, diesen zu schreiben? Ausgerechnet bei unserem Klassentreffen anlässlich dieses wichtigen Ereignisses hat niemand daran gedacht, das Geschehen festzuhalten. Es wäre sehr schade, wenn dieser Höhepunkt in der Dokumentation unserer Klassentreffen verloren ginge. Die Organisation des Treffens lag in den erfahrenen und bewährten Händen von Rainer Hermann und Günter Schlauraff. Sie schufen beste Voraussetzungen für ein gelungenes Treffen. Beherbergt wurden wir vom 19. bis 21. Mai 2006 im Berghotel »Wilhelmsburg«. Es waren 21 ehemalige Mitschüler – die meisten mit ihren Partnerinnen – angereist. Erstmalig weilten Erich Bellstedt und seine Frau Gertrud unter uns. Auch Eckardt Rottmann hatte sich vorgenommen, mit seiner Ehefrau Herta erstmals an einem Klassentreffen teilzunehmen. Das Schicksal wollte es anders, Eckhardt verstarb am 12. März des Jahres. Von den noch lebenden zwanzig Abiturienten der Klasse 12B2 waren achtzehn anwesend. Die Teilnehmer des Treffens erlebten mehrere Höhepunkte: Die Veranstaltung zum feierlichen Begehen des goldenen Jubiläums am Freitagnachmittag in der Aula ließ keinen Anwesenden ungerührt. Eingeleitet und umrahmt wurde das Programm von Klängen klassischer Musik, gespielt von einer kleinen Instrumentalgruppe und von dem Vortrag einiger Lieder, professionell gesungen von Harro Eidt, ehemaligem Schüler der C-Klasse. Der Rektor der Pforte, Dr. Hans-Jörg Däumer, übergab nach eine kurzen Begrüßung allen Abiturienten der vier Schulklassen, die im Jahr 1956 ihr Abitur abgelegt hatten, das »Goldene Zeugnis der Reife«. In einer Festrede, die Hans-Wolfgang Wagner – ebenfalls Schüler der damaligen C-Klasse – hielt, wurde der entscheidende Anteil der Bildungsanstalt und ihrer Lehrer bei der Wissens- und Persönlichkeitsbildung der jetzigen Jubilare ebenso gewürdigt wie der Beitrag, den daran das enge Zusammenleben in der Gemeinschaft der Heimoberschule hatte. Auch die komplizierten gesellschaftlichen Umstände für den Lebensweg der Jubilare nach dem Schulbesuch, die von den besonderen Bedingungen im geteilten Deutschland ausgingen, wurden nicht vergessen.

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Anschließend übergab Ernst Bartsch dem Rektor eine Chronik unserer Klasse. Abgeschlossen wurde der Festakt, nachdem sich alle Jubilare für zahlreiche Gruppenfotos formiert hatten. Die Chronik unserer Klasse, ein Ergebnis jahrelanger fleißiger, einfallsreicher und schöpferischer Betätigung unseres Klassenkameraden Gerhard Cyrklaff, der dabei durch Zuarbeiten anderer Mitschüler unterstützt wurde, war der absolute Knüller des Treffens. Außerdem hatte Gerhard einen Geburtstagskalender der Klasse, geschmückt mit historischen Stichen unserer berühmten Bildungsanstalt, sowie eine repräsentative Zusammenstellung von Fotografien und Bildern der Pforte aus dem 20. Jahrhundert geschaffen. In Nummer 59/2006 der »Pforte« wurde bereits eine Rezension der Klassenchronik veröffentlicht. Der Abend dieses Tages klang mit einem gemeinsamen Abendessen im Berghotel und zwanglosem Beisammensein aus, bei dem das Erlebnis des Tages und insbesondere die Beiträge der Chronik eine wichtige Rolle spielten. Am Vormittag des folgenden Sonnabends machte unsere Gruppe eine Exkursion zum Landesweingut Kloster Pforte. Ein kompetenter Mitarbeiter des Gutes erzählte uns von der alten Tradition der Weinerzeugung in der Region, von den Schwierigkeiten, die die Winzer in den Jahren nach der Wende durchmachen mussten und dem neuen Anfang. Während der Führung durch das Gut erklärte er uns die Feinheiten der Behandlung der Weinpflanzen unter den komplizierten klimatischen Bedingungen des Saaletals und auch die Techniken bei der Herstellung der edlen Tropfen, von denen wir natürlich auch einige kosteten und käuflich erwerben konnten. In einem Gastraum des Weingutes wurde dann gemeinsam ein Mittagsimbiss eingenommen. Zu Wein, Bier oder anderen Getränken konnte jeder eine deftige Thüringer Schlachteplatte genießen. Der Nachmittag wurde genutzt, um an den vielfältigen Veranstaltungen des Schulfestes teilzunehmen. Bei der Liedertafel traf sich fast unsere gesamte Klasse, um dem vorzüglichen Gesangsvorträgen des Schulchors zu lauschen. Am Abend kamen wir dann wieder in unserem Hotel zusammen, um nach dem Abendessen unsere »Vollversammlung« abzuhalten, bei der alles Mögliche der Vergangenheit und der Gegenwart besprochen wurde. Auf einem Ausstellungstisch waren Zeitzeugen (Schulbücher, Zeugnisse, Bilder und anderes mehr) aus der Schulzeit und den folgenden Jahren ausgestellt, die von den Teilnehmern mitgebracht worden waren und viel Gesprächsstoff lieferten.

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Klaus Werner hatte einen kleinen Redebeitrag vorbereitet, in dem er unter dem Titel »50. Abitur der 12 B2 in Schulpforte – Versuch eine Bilanz« darüber nach-

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dachte, was eigentlich den besonderen Charakter der Beziehungen der Pfortenser Schüler zu ihrer Bildungsanstalt und der Schüler zueinander ausmacht. Er versuchte den Geist und die Mystik zu erklären, die diese ehrwürdige Klosterschule im Tal der Saale zu etwas Besonderem macht. Ein endgültiges Ergebnis konnte er natürlich nicht präsentieren. Seine fast philosophischen Überlegungen wurden mit Beifall aufgenommen, sie regten zu eigenem Nachsinnen an. Beraten wurde auch, wie das nächste Klassentreffen vorbereitet werden soll. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns am nächsten Tag, einige wollten weiter an Schulfestveranstaltungen teilnehmen, andere hatten die Absicht, Sehenswürdigkeiten oder Orte der Erinnerung in der näheren Umgebung zu besuchen. Bevor die Fahrt losging, erhielten die Heckscheiben einiger PKW dekorative Beschriftungen, die von Edwin Biwoll besorgt worden waren und die Kunde von unserem Goldenen Jubiläum in die Welt tragen sollten. Horst Neumann (al. port. 53 – 56 v.)

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Pförtnertreffen in Karlsruhe

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Seit 1985 trifft sich nun jedes Jahr der Kreis der ehemaligen Pförtner von Karlsruhe und Umgebung (die bis nach Lörrach und Frankfurt reicht) zum Martini Gänseessen im Hotel Residenz. Auch dieses Jahr kamen wieder vierzehn Personen trotz Windes und schlechten Wetters angereist. Wir freuten uns sehr, einander wiederzusehen. Leider kann Gerda Below, geb. Voigt, (49 – 57) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen, was uns sehr leid tut. Sie war eine der treuesten Pförtnerinnen, die immer zu unseren Treffen kam. Natürlich drehten sich alle Gespräche und Berichte um Schulpforta. Besuche von Schulfesten und Klassenfesten bieten genug Gesprächsstoff. Dr. Dieter Rauschelbach (49 – 55), dessen Enkel in Pforta begeisterter Schüler in der letzten Klasse ist und der deswegen öfter hinfährt, berichtete einiges aus der Schule. Wir hörten, dass am 10. November 2008 wieder das Martini Gänseessen stattfand, im Speisesaal an festlich gedeckten Tischen, mit einem Glas Wein für die Schüler. Auch über innere schulische Vorhaben und Probleme sollten alle, auch die Schüler und ihre Eltern, mit einbezogen werden. Alles soll offener und demokratischer diskutiert werden. Karsten Schröder (52 – 56) zeigte uns Fotos, auf denen nur Ausschnitte von Reliefs, Säulen und Mauern zu sehen waren. Wir sollten nun raten, wo sie hingehören. Noch lange saßen wir bei Wein und Gänseessen zusammen. Wir verabredeten uns zum nächsten Treffen am 8. November 2009. Renate Frankenberger (al. port. 48 – 50)

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gÄNSEESSEN 2008 IN mÜNSTER

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Das diesjährige Gänseessen fand wie in den letzten Jahren in Münster-Hiltrup statt, nicht im Zentrum, denn so hatten wir einen gemütlichen Raum für uns und haben den für schöne Gespräche genutzt. »Wir« waren sechs und spannend war es, weil Meinerzhagener und Portenser zusammen waren mit ihren so unterschiedlichen Schulzeiten. Und alle waren der gleichen Meinung: Die Gans war ausnehmend gut. Das werden wir nächstes Jahr sicher wieder testen. Wir wollen uns am 13. November 2009 treffen. Eine Einladung kommt wie üblich. Wolfgang Knackstedt (al. port. 47 – 53 v.)

Aufruf

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Zur Landesschule Pforta gibt es seit 1945 keine Chronik. Wer Geschichte studiert hat – am besten in den letzten zehn Jahren – und diese Chronik erarbeiten würde, sollte sich beim Vorstand oder bei mir melden. Die zweite Richtung sind Erlebnisberichte. Wer welche aufgeschrieben oder gesammelt hat bzw. sie erzählen würde (auch mündlich), ist ebenfalls zur Meldung aufgerufen. Die Geschichte der letzten achtzig Jahre könnte so besonders lebendig gemacht, erhalten und aus verschiedenen Richtungen beleuchtet werden. Ein Redaktionskollegium würde sie zusammenstellen und in eine gemeinsame Fassung bringen. Der subjektive Charakter könnte für viele Leser besonders anziehend und interessant sein. Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 v.)

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Chorkonzert der EheMaligen

Zum Schulfest der Landesschule Pforta 2009 soll es etwas Neues geben: Ein Konzert der ehemaligen Pfortenser am 16. Mai 2009, 11 Uhr in der Aula der Landesschule Pforta. Mit dem Konzert der Ehemaligen wollen wir einen Fixpunkt schaffen, zu dem sich ehemalige Schüler ganz zielgerichtet am Schulfestwochenende finden und zeigen. Natürlich soll der Spaß am Wiedersehen und dem gemeinsamen Musikmachen im Vordergrund stehen. Getragen wird das Konzert vom Pförtner Bund e. V., der auch teilweise die Kosten für das Projekt übernimmt. Für den Chor haben sich über 50 ehemalige Schüler der Musikklassen gemeldet, die am 18./19. April unter Leitung von Kersten Lachmann in Brotterode ein circa vierzigminütiges Programm studieren werden, das im Mendelssohn-Jahr 2009 natürlich mit einem Schwerpunkt seiner Vokalmusik aufwartet. Außerdem wird Musik des lettischen Zeitgenossen Peteris Vasks erklingen. Dazu Werke von Hassler, Golle und Lukowski. Für den kammermusikalischen Teil hat die ehemalige Schülerin und heutige Bratschen-Lehrerin in Pforta, Claudia Wahlbuhl, ein Ensemble bestehend aus ehemaligen Schülern Pfortas und heutigen Berufsmusikern angekündigt, das sich historischer Aufführungspraxis verpflichtet fühlt und u. a. eine BuxtehudeKantate musizieren wird. Der Eintritt für das Konzert ist frei. Eingeladen sind neben allen Ehemaligen und insbesondere den Mitgliedern des Vereins auch alle Schüler und Lehrer sowie die Gäste des Schulfestes. Matthias Haase (al. port. 83 – 87 v.)

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Jahresbericht Berlin

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Für die Berliner Pförtner gab es am 19. Januar 2008 wieder einen »Schlössertag«. Diesmal haben sich vierzig Personen in Caputh im Lustschloss des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelms von Brandenburg (1620 – 1688) getroffen. Außer dem Schloss hatten wir noch eine Führung im Bürgerhaus Caputh mit einer Ausstellung zum Sommersitz Albert Einsteins. Nach dem Einsteinjahr eine gute Erinnerung an unseren großen Physiker. Kirchenmusikdirektor Günther Kraner hat eine gute Beziehung zu Caputh, wo er als Gast regelmäßig Orgel spielt. Er hat uns auch ermöglicht, die Kirche zu besichtigen, die vom Schinkelschüler Persius erbaut und sehr gut restauriert wurde. Herzlichen Dank nochmals an unseren Organisator. Während des Mittagessens und des anschließenden Beisammenseins wurde auf Vorschlag von Wolfgang Werner für einen neuen, dringend benötigten Scanner in der Bibliothek der Landesschule Pforta gesammelt. Frau Dorfmüller bedankt sich herzlich für die Spende von 165 Euro, die spontan zusammengekommen sind. Zum Frühjahrstreffen 2008 haben wir das Luftwaffenmuseum in Berlin Gatow besichtigt. Das war mal etwas ganz anderes. Am 4. April nahmen gut fünfzig Teilnehmer das weitläufige Gelände mit dem Ambiente des einstigen Flugplatzes in Augenschein. Wir hatten eine interessante und bemerkenswerte Führung, in der besondere Begebenheiten zu Fluggeräten sowie ihren Entwicklungen und Entwicklern in den fünf Staatsgebilden Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR und BRD hervorgehoben wurden. Bei einem empfohlenen Italiener hatten wir Gelegenheit zu intensiven Gesprächen an den Tischen. Nicht so gut geklappt hat dann ein Vortrag zum neuen Flugplatz Berlin-Schönefeld. Der Referent konnte nur Prospekte verteilen, gegen den Lärmpegel in der Gaststätte, die wir leider nicht für uns allein hatten, konnte er nicht ankommen. Zur »Hochschulwahl Berlin« waren in diesem Jahr vom 24. bis 26. Mai 26 Schüler der 11. Klassen gekommen. Für zwei Drittel boten wieder unsere Ehemaligen Quartiere. Für Treffen und Betreuungen hatten sich in bewährter Weise Studenten gefunden. Ein Dankeschön gab es dann am 13. Juni für Quartiereltern und Studenten mit dem Buffetessen im Hotel am Alexanderplatz. Hier gab es in der nicht zu großen Runde gute Gespräche, speziell auch zum Pförtner Bund und zur Jugendarbeit.

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Zum Herbsttreffen am 14. November, das wieder in der Gaststätte mit historischem Gewölbekeller am Hackeschen Markt stattfand, berichtete Konrad Keller, Prokurator der Stiftung Schulpforta, den siebzig Teilnehmern über die Gesamt-

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In Berlin gibt es einen Stammtisch der Studenten, zu dem sie bereits mehrere Male zusammen gekommen sind. Er ist aus den Betreuungsaufgaben für die Schüler zur »Hochschulwahl Berlin« gewachsen. Die Studenten haben ihre Vorstellungen zum Pförtner Bund als Förderverein der Alma Mater formuliert. Auf ihre Initiative hin wurde Paul Pasieka, Abiturjahrgang 2007, zum Schulfest in den Vorstand gewählt. Mehrere Initiativen wurden in Gang gesetzt, weitere Aktivitäten sind zu erwarten. Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 v.)

Foto: Jens Luedicke (Abdruck unter Lizenz creative commons 2.0, by-nc-sa)

planung von Pforta innerhalb der Klostermauern. Schule und Tourismus sollen getrennt nebeneinander stehen und sich gut aufeinander einstellen. Der ehemalige Klosterhof wird komplett neu gestaltet und ein ansehnliches Gesicht erhalten. Drei Gebäude werden abgerissen und ein Besucher- und Informationszentrum neu gebaut. Es soll zwischen ehemaligem Getreidespeicher und Kuhstall errichtet werden. Hier soll zu den dann angrenzenden Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen übergeleitet werden. Auch ein den heutigen Anforderungen entsprechender Empfangsraum mit Garderobe, Informationen und Souvenirverkauf ist vorgesehen. Ein Café und Toiletten vervollständigen die funktionale Lösung. Erfreulich, wie sich Stiftung und Schule zu dieser Aktivität zusammengetan haben und dass das Vorhaben auch Unterstützung durch die zuständigen Ministerien des Landes Sachsen-Anhalt erfährt. Auftrieb erhält die Sache durch Vorbereitungen zu einem Antrag auf UNESCO-Weltkulturerbe-Status. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Realisierung in den nächsten Jahren derart gute Fortschritte macht.

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Publikationen Hubert Kinzel: Kreuzganggeschichten, Eigenverlag 2008, 35 Seiten, 29 Fotos, Format DIN A4 Zum Goldenen Abitur schrieb Hubert Kinzel (al. port. 55 – 59 v.) seine Erinnerungen an Schulpforte auf, denen er den Titel »Kreuzganggeschichten« gab. Der Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserklosters als zentraler Bauteil übt damals wie heute eine besondere Faszination auf ihn aus. Er streift durch das ehrwürdige Bauwerk und stellt dabei eine fiktive Begegnung mit einer unbekannten Person dar, verbunden mit Gedanken an seine Schulzeit, an das Leben im Internat, an Freundschaften jener Jahre und Gemeinsamkeiten. Im Versunkensein erscheinen ihm Klopstock, Fichte, Ranke und Nietzsche als berühmte Vorgänger der Vergangenheit, sie kommen zu Wort und teilen sich ihm mit. Wieder erwacht schließen sich eigene Erlebnisse aus dem Unterricht und der Freizeit an, wiederholen sich Gespräche mit Lehrern seiner Zeit im schwierigen Umgang mit Problemen jener Tage. Auch Treffen in der Schülergruppe im Kreuzgang holt er ins Gedächtnis zurück. Eine reiche Illustrierung des Textes durch Fotos der Landesschule unterstreicht die kleinen Episoden und gestaltet die Darstellung der Reminiszenzen als eine Wanderung zwischen gestern und heute, zwischen Realität und Fiktivem. Kinzel war über dreißig Jahre im Pressewesen in Hamburg tätig und gab diese Schrift im Eigenverlag heraus. Dr. Klaus dieter Fichtner (al. port. 46 –  48 v.) Jonas Flöter: Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachims­ thal und Pforta (1868 – 1933). Beiträge zur Historischen Bildungsforschung, Bd. 38, Böhlau Verlag Köln/Weimar/ Wien 2009, ca. 584 Seiten, brosch. 74,90 Euro

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Die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Pforta sowie das Joachimsthalsche Gymnasium »nehmen unter den deutschen Gelehrtenschulen eine herausragende Stellung ein« (Friedrich Paulsen). Das zeigte sich vor allem im weit überdurchschnittlichen Niveau ihrer Bil-


dungs- und Erziehungsarbeit und der Exzellenz ihrer Absolventen. Im Laufe der über vierhundertjährigen Geschichte der Schulen wurden dort viele Persönlichkeiten herangebildet und erzogen, die später in die wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Elite Deutschlands aufstiegen. In der Studie werden erstmals die vier Fürsten- und Landesschulen im Zeitraum von 1868 bis 1933 vergleichend betrachtet. Der Autor geht darin auf die Bildungsund Erziehungskonzeptionen der Schulen ein, nimmt eine sozialgeschichtliche Analyse der Lehrer und Schüler vor und greift Fragen der Elitenformation auf. Zum ersten Mal werden dabei die theoretischen Modelle der Leistungselite und der Positionselite auf Fragestellungen der historischen Bildungsforschung angewandt. Jonas Flöter, der Autor des Buches, ist Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Leipzig. Verlagsinformation Zum Ende des Sommersemesters 2008 ist Peter Maser als Professor für Kirchengeschichte und christliche Archäologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Münster und als Direktor des Ostkircheninstitutes an der Westfälischen Wilhelms-Universität in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlaß ist ihm eine Festschrift gewidmet worden: Christian-Ermann Schott (Hg.): In Grenzen leben – Grenzen überwinden. Zur Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts in Ost-Mittel-Europa. Festschrift für Peter Maser zum 65. Geburtstag = Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, Bd. 16, Berlin-Münster: Lit-Verlag 2008, 315 S. Die siebzehn Beiträge mit ihrer großen thematischen Breite stammen nicht so sehr von Masers engeren Fachkollegen als von denen, mit denen er im Rahmen seiner vielen Aufgaben als Vorsitzender des Fachausschusses für kirchengeschichtliche Arbeit in der Evangelischen Kommission für Mittel und Osteuropa (EKMOE) und des Vereins für ostdeutsche Kirchengeschichte, als Mitarbeiter in den Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur und durch seine leitende Mitwirkung

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in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie vielen anderen Engagements in der Sache zusammengewirkt hat und freundschaftlich verbunden war und ist. Den gemeinsamen Fluchtpunkt aller Beiträge, darunter z. B. Rainer Eppelmann, hat OKR Michael Hübner-Hannover im Vorwort (S.3) formuliert: »Krieg, die Diktaturen des Nationalsozialismus und Kommunismus in ihrer jeweiligen Eigenart, Flucht und Vertreibung, die scheinbar undurchdringliche Blockbildung des sog. Kalten Krieges und ihr Zusammenbruch, haben das Leben der Menschen und Kirchen in Deutschland und Europa in tiefgreifender Weise verändert. Sich diesen Veränderungen und dabei auch den Zusammenhängen von Schuld und Versöhnung zu stellen, ist eine wichtige Aufgabe der Kirche.« Die europäische Diktaturgeschichte mit ihren Folgen, die Zäsur der Vertreibung der Deutschen aus dem östlichen Europa als Folge des verbrecherischen NaziKrieges, neue Begegnungen und Entwicklungen nach der Wende und die Einbeziehung fast aller Länder Ostmittel-Europas: Das sind nur einige Streiflichter aus der Fülle der Themen. Gleichzeitig bieten sie so eine Bilanz des Weges der jüngsten ostkirchlichen Arbeit und beleuchten damit zugleich einen Prozess auf einem Gebiet, das der großen Öffentlichkeit eher nicht bewußt ist, an dem Maser aber deutlich beteiligt ist. Das beigefügte Schriftenverzeichnis Masers entspricht dieser Breite und Vielfalt. Neben den selbständigen Veröffentlichungen sind seine zahlreichen Aufsätze gegliedert in: Kirchliche Zeitgeschichte mit Schwerpunkt »Kirchen in der DDR«, Neuere Kirchengeschichte, Reformationsgeschichte, Alte Kirche und Christliche Archäologie und Judentum. Dieser letzte Schwerpunkt der Arbeiten Masers ist der einzige, mit dem die Festschrift für ihn nicht korrespondiert. Wolfgang Knackstedt (al. port. 47 – 53 v.)

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Uwe Jens Jürgensen / Elke Margarita Jürgensen / Volker Ebers: Erst verraten – dann verkauft. Im Netz der Stasi. 2008. 426 Seiten, Paperback, 28 Euro Uwe Jürgensen (al. port. 55 – 59 v., vgl. S. 24 – 26) und seine Frau Elke haben die verlogenen Praktiken des DDRSystems satt. Durch ihre Tätigkeit als Arzt und Krankenschwester im Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin erleben sie die drückende Schwere des Mangelsystems zunächst nicht unmittelbar. Sie genießen Privilegien, von denen normale DDR-Bürger nur träumen können: Urlaube und Kuraufenthalte, Teilnahmen an staatlichen Festivitäten und Banketten, ein eigenes Wochenendhaus sind für sie im Bereich des Möglichen. Doch die Arbeit für die Mächtigen des Landes hat ihre Kehrseite. Langsam erkennt das Ehepaar die Doppelgesichtigkeit und Scheinheiligkeit einer Regierung, die einerseits Sozialismus predigt, andererseits aber ihren Regierenden uneingeschränkt materielle Vorteile gewährt. Mehr und mehr leiden Uwe und Elke unter den täglich auferlegten Zwängen und Regeln, unter der völligen Abwesenheit von Meinungs- und Kritikfreiheit im Beruf und schließlich unter den zunehmenden Bespitzelungen und Intrigen am Arbeitsplatz. Hinzu kommt das unmenschliche Kontaktverbot zu den Verwandten in West-Berlin. Ihr Leben, so merken sie, gleicht einem Dasein im goldenen Käfig. Der Gedanke an Republikflucht, kaum entworfen, wird zum Verhängnis. Uwe und Elke werden verraten und landen als politische Häftlinge in den Staatsgefängnissen der DDR. Ein langer, schwerer Kampf um die Freiheit im Westen Deutschlands beginnt. Verlagsinformation

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Publikationen | 69


Tabula Gratulatoria Name Vorname Klemmt Karl-Heinz Dufving (geb. Ruth von Meichßner)

Hacker Pick Gutmann Müller Axthelm (geb. Fürbringer)

Fritz Werner-Rolf Kurt Hartwig Elisabeth

Gründler Preller Koch-Weser Meyer Schiller Schiffmann Kühne Reichel Frühbuß Dreckmann

Eberhard Hans-Wilhelm Dieter Friedrich Ulrich Werner Karl-Heinz Friedrich Christian Margarete

Hanstein Feudell Merkel Klimke Schulz Schmidt Rösner Bindemann Seboldt Hampe

Hans-Eberh. Frh Peter Karl H. Wolfgang Hans Ulrich Martin Anton Gerd Wolf-Dietrich Leonhard Wilhelm

Wallat

Erika

Südmeyer

Robert-Martin

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70 | Tabula gratulatoria

Pforta (26 – 29 v.) F. M. Meichßner (al. p. 1889 – 95, gstl. Insp. 1912 – 25) (29 – 34 v.) (26 – 32 v.) (27 – 34 v.) (29 – 35 v.) (W. JochenHenn. A., 26 – 33 v.) (30 – 35) (29 – 34) (28 – 35 v.) (29 – 35 v.) (29 – 35 v.) mag 54 – 58 (34 – 35) (30 – 35) (31 – 38 v.) W. Dr. Siegfried D. (35 – 37 v.) (32 – 35) (35 – 37) (mag. 47 – 51) (34 – 37 v.) (32 – 34) (31 – 35) (32 – 36) (35 – 38 v.) (37 – 42) W. Berthold W. (33 – 37) (40 – 45)

MDP MDP MDP

Geburtstag 14. 10. 1910 3. 12. 1913

MDP MDP MDP MDP MDP

26. 25. 1. 9. 6.

9. 8. 2. 3. 12.

1913 1913 1913 1915 1916

96 96 96 94 93

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

24. 14. 13. 29. 14. 14. 12. 14. 24. 1.

11. 11. 7. 5. 3. 2. 6. 1. 12. 2.

1916 1916 1916 1916 1916 1916 1917 1917 1918 1918

93 93 93 93 93 93 92 92 91 91

30. 30. 22. 7. 23. 20. 18. 29. 5. 7.

10. 9. 9. 9. 8. 7. 7. 3. 1. 10.

1919 1919 1919 1919 1919 1919 1919 1919 1919 1924

90 90 90 90 90 90 90 90 90 85

21. 9. 1924

85

25. 12. 1929

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MDP

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP

Alter 99 96


Name Kamprath Eichhorn Dürr Person

Vorname Reiner Karlheinz Martin Klaus-Peter

Pforta (40 – 45) (45 – 47 v.) (46 – 48 v.) mag. M68 – 77, F Kurt Person (rec. 35 – 45)

Wiethüchter Fichtner Joppich Scharfenberg Feyerabend Abramowski Bargen

Erich Klaus-Dieter Wilhelm Klaus-Dieter Günter Klaus Malte von

Hloch Polster Kreyssig Conrad Conrad MüllerHofstede Pannwitz Dyroff Ther Pfrogner Schmidt Wohlfeil Wöller Diekow (geb. Steller) Hoenisch Zimpfer

Othmar Christoph Jochen Sigismund Wolfgang Justus

(46 – 48 v.) (46 – 47 v.) (46 – 50 v.) (41 – 49 v.) (47 – 49) F Werner v. B. (11 – 16 v.) (40 – 45) (45 – 48 v.) (45 – 50 v.) (41 – 45) (41 – 45) (45 – 47 v.)

Hans-Curt von Otfried Otto Hannes Rudolf Oskar Georg Walter Ruth

(Rossl) (46 – 47 v.) (39 – 45) (39 – 45) (39 – 45) (38 – 45) (46 – 52 v.) (49 – 52 v.)

Peter Gertrud

Hielscher Böttger Rieseweber Lorenz (geb. Marx) Seydel Page Haber Jaritz

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 20. 12. 1929 15. 12. 1929 9. 12. 1929 17. 11. 1929

Alter 80 80 80 80

15. 8. 27. 14. 27. 26. 7.

10. 10. 9. 9. 8. 8. 8.

1929 1929 1929 1929 1929 1929 1929

80 80 80 80 80 80 80

19. 14. 2. 22. 22. 9.

7. 7. 7. 5. 5. 5.

1929 1929 1929 1929 1929 1929

80 80 80 80 80 80

22. 21. 11. 6. 1. 21. 15. 14.

4. 4. 4. 4. 2. 1. 12. 12.

1929 1929 1929 1929 1929 1929 1934 1934

80 80 80 80 80 80 75 75

13. 12. 1934 5. 12. 1934

75 75

Peter Burkhard Hans-Jürgen Dorothea

(46 – 48) F Maria u. Hans MDP Kießling (StR.) (52 – 53 v.) (48 – 54 v.) MDP (50 – 52) (52 – 53 v.)

3. 30. 20. 16.

12. 11. 11. 11.

1934 1934 1934 1934

75 75 75 75

Erhard Gisbert Horst Günter

(47 – 53 v.) (47 – 53 v.) (47 – 53 v.) (52 – 53 v.)

31. 28. 7. 17.

10. 10. 10. 9.

1934 1934 1934 1934

MDP

MDP MDP

MDP MDP

MDP

MDP MDP

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Tabula gratulatoria | 71


Name Wandelt Fichtner Becher Kaulbach Friedrich Peters Eberhard SchultzeRhonhof Schneider (geb.Zürpel) Zweigler Ludewig Klimt Pfeiffer Strümpfel Am Wege Simmich Mulert Schubert Müller-Römer Runschke Uhde (geb. Stadelmann) Krause (geb. Hussel) Meinel Degenhardt (geb.Klepzig) Winter (geb. Berg) Freyer Richter Kittlick Bieber Engelmann Cherubin Franke Zander Wichmann Backert

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Vorname Richard Hannelore Hans-Joachim Dietrich Jörg Hans-Joachim Traugott Ernst

Pforta (50 – 53) (mag. 54 – 56). (49 – 52 v.) (52 – 53 v.) (50 – 53 v.) (47 – 53 v.) (46 – 52 v.) (46 – 47)

Jochen

(48 – 52 v.)

Horst Helmuth Karlheinz Jürgen Manfred Heiner Herbert Thomas Hans Dietrich Arnold Hannelore

(48 – 53 v.) (45 – 51 v.) (49 – 52 v.) (46 – 52 v.) (mag. 58 – 67) (48 – 50) (52 – 53 v.) (46 – 49) (49 – 52 v.) (46 – 52 v.) (47 – 50) (52 – 53 v.)

Anita

(49 – 52 v.)

Johannes Rita

(46 – 52 v.) (49 – 52 v.)

Hannelore

(49 – 50)

Achim Georg Paul-Dieter Paul Wolfgang Fritz Siegfried Herbert Ehrhardt Herbert

(46 – 49) (47 – 52) (49 – 52 v.) (49 – 52) (45 – 51) mag. 61 – 89 (47 – 53 v.) (mag. 57 – 91) (47 – 50) (52 – 53 v.)

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MDP

MDP MDP MDP

MDP MDP MDP

MDP MDP MDP

MDP

MDP MDP

MDP

Geburtstag 8. 9. 1934 3. 8. 1934 1. 8. 1934 1. 8. 1934 21. 7. 1934 19. 6. 1934 16. 6. 1934 14. 6. 1934

Alter 75 75 75 75 75 75 75 75

12. 6. 1934

75

8. 2. 26. 25. 25. 24. 18. 13. 11. 1. 28. 17.

1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934

75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

15. 4. 1934

75

14. 4. 1934 12. 4. 1934

75 75

4. 4. 1934

75

30. 19. 12. 27. 26. 19. 7. 1. 27. 23.

6. 6. 5. 5. 5. 5. 5. 5. 5. 5. 4. 4.

3. 3. 3. 2. 2. 2. 2. 2. 1. 1.

1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934 1934

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Ecce-Feierstunde 2008

Verehrte Anverwandte der Verstorbenen! Liebe Pförtner und Pfortenser! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! Die Ecce-Feier der Landesschule Pforta markiert jedes Jahr neu eine Jahreszeit, die uns Menschen hier in Pforte, aber auch anderswo die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen führt. In den vergangenen Wochen haben wir gesehen, wie sich das Laub verfärbte und schließlich fiel; zunächst kaum wahrnehmbar, dann immer schneller. Wir haben an sonnigen Tagen das grün-beige-rötlich-braun-goldene Farbspiel des Weinlaubes, aber auch der Bäume des Saaletales und insbesondere des Knabenberges genossen. An Regentagen sind wir Pfortenser, Pfützen ausweichend, durch wallende Nebelschwaden und feuchtes Laub gestapft und haben die Wärme schützender Mauern gesucht. Angesichts des immer niedrigeren Standes der Sonne sehnen wir uns mittlerweile zunehmend aber auch nach Sonnenstrahlen und Licht, den Sinnbildern des Lebens. Doch Wärme und Licht allein scheinen uns Menschen nicht glücklich zu machen. Unser aller Anwesenheit macht deutlich, dass wir außerdem Gemeinschaft benötigen, idealerweise die Gemeinschaft von Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen. Was aber verbindet uns heute Abend in dieser kalten, recht dunklen Klosterkirche? Unsere Suche nach Wärme und Licht kann es nicht sein. Ist es also tatsächlich der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit? Ich glaube, man kann diese Frage bejahen, ohne sie damit erschöpfend zu beantworten. Wir sind heute, am Donnerstag vor Totensonntag, zur traditionellen Ecce-Feier der Landesschule Pforta zusammengekommen, um derjenigen aus unserem Kreise zu gedenken, die seit der letzten Ecce-Feier oder auch in den vorangegangenen Jahren verstorben sind. Im Rahmen einer bewusst schlicht gehaltenen Zeremonie reiht sich dabei Name an Name, nur einige wenige Viten werden exemplarisch vorgetragen; für Momente flackern bei den anwesenden Familienmitgliedern, Schulfreunden und Bekannten dabei vor dem inneren Auge Bilder und Erinnerungen auf. Zuweilen klar und deutlich, zuweilen schemenhaft. In

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jedem Fall aber sind wir unseren Verstorbenen in diesem Augenblick sehr nahe – und sie uns. Wir Pfortenser sind wie alle Menschen vor dem Tode gleich. Alter, Geschlecht, Beruf verlieren endgültig ihre Relevanz. Gemeinsam ist all unseren Verstorbenen, dass sie mit uns Menschen hinterlassen, Menschen, die anderer Menschen Tod als Verlust empfinden, Menschen, die die Erinnerung bewusst bewahren wollen, die hinter unseren alten Mauern nach Spuren und Trost suchen.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Das wunderbare Ecce quomodo moritur justus, das unserer Feier den Namen gegeben hat und jedes Jahr neu von der Abiturientia des kommenden Jahres intoniert wird, kündet von der Trauer der Hinterbliebenen und versucht gleichzeitig, Trost zu spenden. Ich darf Originaltext und Übersetzung zitieren: »Ecce quomodo moritur justus / et nemo percipit corde. / Viri justi tolluntur / et nemo considerat. / A facie iniquitatis / sublatus est justus / et erit in pace memoria eius: / In pace factus est locus ejus / et in Sion habitatio eius / et erit in pace memoria eius.« »Siehe, wie auch der Gerechte stirbt, / und niemand nimmt dies mit dem Herzen wahr. / Auch Gerechte werden aus dem Leben gerissen, / und niemand denkt darü-

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ber nach. / Dem Angesicht solcher Ungerechtigkeit / Ist der Gerechte nunmehr enthoben, / und im Frieden wird die Erinnerung an ihn sein: / Im Frieden ist für ihn ein Platz geschaffen worden, / und in Zion wird seine Wohnung sein, / und im Frieden die Erinnerung an ihn. Ob der Text dieses christlichen Chorsatzes heute im konkreten Einzelfall tatsächlich Trost zu spenden vermag, kann ich nicht beurteilen. Die bewegende Komposition selbst trägt jedoch in jedem Fall dazu bei, unserer Feierstunde eine ungewöhnlich dichte Atmosphäre zu verleihen. Unsere Verstorbenen haben diese Feier selbst wiederholt erlebt, der Musik und den Worten des Stückes ihre Aufmerksamkeit geschenkt und schweigend gelauscht, wie der letzte Ton schließlich leise im hohen Gewölbe der Vierung verklang. Wir dürfen diese besondere Erfahrung heute Abend erneut miteinander teilen und uns dabei als Gemeinschaft mit all jenen verbunden fühlen, die nicht mehr unter uns sind. »Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ist ungewisser als die Stunde.« Mit diesen Worten wurde bereits in der römischen Antike thematisiert, dass wir Lebenden gleich welchen Alters nur einen Herzschlag vom Tod entfernt sind. Somit verbindet uns mit den Verstorbenen neben der immer neu erlebbaren sinnlichen Erfahrung eines besonderen Chorsatzes ferner die Endlichkeit unseres eigenen Daseins und das Wissen, dass einst auch unser eigener Name hier im Kirchenschiff verhallen wird. Dann werden andere Pfortenser und Angehörige die Sitzreihen füllen, uns durch ihre Erinnerung lebendig machen, unsere Spuren suchen und nachdenklich dem Ecce quomodo moritur justus lauschen. Diese Vorstellung sollte uns nicht schrecken, sondern tatsächlich trösten, denn jeder Weg – auch unser aller Lebensweg – braucht einen Endpunkt, ein Zuhause, einen besonderen Ort der Erinnerung, an dem des gemeinsam mit anderen beschrittenen Weges gedacht wird. Der Schriftsteller und Philosoph Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, der sich auch Novalis nannte, fasste diesen letzten Gedanken prägnant in zwei kurzen Zeilen zusammen: »Wo gehen wir hin? – Doch immer nach Hause.« Bernd Westermeyer, rector portensis

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Ecce 2008 Erika BUSSE  † 3. 8. 2008 Volker EISEWICHT  * 8. 8. 1938  † 25. 3. 2008 al. port. 1950 – 56 v. Lutz FALKENHAYN  * 2. 2. 1932  † 16. 7. 2008 al. port. 1942 – 45 Werner GILK  * 31. 1. 1931  † 2008 al. port. 1945 – 49 v. Heimo GRAF  * 25. 8. 1932  † 8. 7. 2008 al. port. 1943 – 45 Elfriede HILDEBRAND  * 14. 3. 1915  † 5. 1. 2008 Witwe Dr. Hildebrand Hartmut HOSSBACH  * 29. 9. 1940  † 26. 4. 2008 al. port. 1955 – 59 v. Konrad JOPP  * 20. 9. 1918  † 25. 8. 2008 al. port. 1931 – 35, MDP Magdalene KAEMPFE  * 24. 4. 1922  † 11. 3. 2008 Witwe Fritz Kaempfe Rudolf KONETZNY  * 21. 2. 1923  † 15. 10. 2008 mag. port. 57 – 88/92 Axel KERTSCHER  * 12. 12. 1943  † 19. 9. 2008 mag. port. 1979 – 91 Wolf Dietrich KRANEIS  * 16. 6. 1922  † 28. 6. 2008 al. port. 1933 – 35, MDP Dr. med. Eberhard KRAUTHEIM  * 15. 10. 1935  † 10. 12. 2007 al. port. 1948 – 52, MDP Uwe KREYSSIG  * 28. 9. 1930  † 17. 5. 2008 al. port. 1945 – 50 v. Wilhelm KUPFERNAGEL  * 16. 12. 1918  † 2008 al. port. 1932 – 35 Siegfried KRÜGER  * 6. 4. 1937  † 14. 10. 2007 al. port. 1951 – 55 v.

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Joachim KÜSTER  * 17. 4. 1920  † 2. 10. 2008 al. port. 1935 – 38 v. Henning Freiherr von MIRBACH  * 10. 8. 1912  † 22. 6. 2002 al. port. 1929 – 32 v. Dr. Dr. med. Karl-Heinz NEBE  * 10. 5. 1929  † 3. 8. 2008 al. port. 1946 – 48 v. Christian RIPKE  * 9. 4. 1927  † 31. 1. 2008 al. port. 1937 – 38 Lothar RODINGER  * 3. 7. 1933  † 5. 7. 2008 al. port. 1949 – 52 Ingrid SEIFART  * 26. 8. 1936  † 11. 7. 2008 Ehefrau Dr. W. Seifart Bernd Leberecht SCHROETER  * 28. 11. 1941  † 8. 8. 2008 Sohn von Robert Schroeter, al. port. 18 – 23 v. Ursula SCHROETER  † 31. 1. 2008 Erich STOEKELER  † 3. 6. 2008 al. port. 1942 – 45 Willi WEISS  * 24. 11. 1933  † 13. 10. 2008 al. port. 1949 – 52 v.

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Nachruf für Helmut Duckart

A

Am 18. Januar 2009 ist der langjährige Schatzmeister des Pförtner Bundes, unser Freund Helmut Duckart, nach langem und schwerem Leiden im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Trauerfeier fand am 24. Januar in der Friedhofskapelle von Lindwedel statt. Klaus-Dieter Fichtner, Wolfgang Knackstedt und ich haben dabei Helmut die letzte Ehre erwiesen, einen Kranz mit einer Schleife in den Farben unseres Bundes niedergelegt und den Angehörigen gegenüber bezeugt, welche hervorgehobene Rolle der Verstorbene über viele Jahre hinweg im Pförtner Bund gespielt hat. Bei der Beisetzung der Urne im Familiengrab auf dem Friedhof Zwölf Apostel I an der Kolonnenstraße in Berlin-Steglitz am 14. Februar vertraten uns Günter Feyerabend und Wilfrid Seifart. Über der Todesanzeige von Helmut Duckart steht ein Satz, der ihn wohl bis zuletzt geprägt hat: »Ich bin ganz zuversichtlich.« Und in der Tat: Wer mit Helmut in seinen letzten Monaten regelmäßig Kontakt hatte, konnte immer wieder nur staunen. Er wusste um die Schwere seiner Krankheit und litt unter den diversen Therapien, denen er sich unterziehen mußte, aber immer dann, wenn es wieder etwas besser ging, hörte ich das gleich an seiner neu gefestigten Stimme am Telefon und merkte es an der stark zunehmenden Anzahl seiner E-Mails. Helmut hat sich bis fast zuletzt mit aller verfügbarer Kraft für den Pförtner Bund und seine Finanzen eingesetzt. Manchmal hat er wohl auch unter unserer Inkompetenz in finanziellen Angelegenheiten gelitten. Immer wieder hat er dann erläutert, gemahnt und gedrängt. Dann konnte er sehr streng werden, aber auch die Nachsicht des Wissenden mit den Unkundigen bewähren. Als sehr guter »Schatzminister« von 1992 bis 2008 fühlte sich Helmut dem Prinzip der Sparsamkeit zutiefst verpflichtet, aber er wusste auch, wann entschlossen gehandelt werden mußte. Noch immer ist mir der Triumph in seiner Stimme erinnerlich, mit dem er mir ankündigte, dass er den Ausbau des Zentrums Pförtner Bund im Neugotischen Haus ohne Kreditaufnahme ermöglichen könne. Helmut Duckart wurde am 15. August 1930 in Berlin geboren und ging dort zur Schule, bevor ihn der Krieg nach Pforta (1942 – 1944), nach Rastenburg, nach Halle und nach Wolfshagen bei Kassel verschlug. Unter den Bedingungen der Nachkriegszeit machte er dann 1946 bis 1949 eine Ausbildung mit Abitur bei der Deutschen Reichsbahn durch, wechselte in das Speditionsgewerbe in Kassel und Hannover und arbeitete in einem privaten Bankhaus in Hannover, bevor er sich 1959 als Bank- und Versicherungskaufmann in Hannover selbständig ma-

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chen konnte. Helmut war ehrenamtlich im Fahrgastverband Pro Bahn und im Sport engagiert, wo er zum Ehrenvorsitzenden seines Sportvereins LindwedelHope erhoben wurde. Die Welt und das Denken des Buddhismus haben ihn fasziniert. Wir haben Helmut Duckart im Pförtner Bund viel zu verdanken. Er war ein guter Kamerad und für viele ein guter Freund. Er wird uns sehr fehlen! Have anima cara! Peter Maser (al. port. 57 – 59)

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Vita Professor Uwe Kreyssig

U

Uwe Kreyssig wurde am 28. September 1930 als dritter von vier Söhnen in Chemnitz geboren. Er lebte mit seinen Eltern und Brüdern bis 1937 in Flöha in Sachsen. Im Februar 1937 zog er mit der Familie nach Hohenferchesar bei Brandenburg, wo die Eltern den später so genannten »Bruderhof«, einen landwirtschaftlichen Betrieb, erworben hatten. Er übersprang die erste Klasse in der Dorfschule, um mit seinem Bruder Jochen in die gleiche Klassenstufe zu kommen. 1940 bestanden beide die Aufnahmeprüfung an der von Saldern’schen Oberschule für Jungen in Brandenburg a. d. H. 1943 nahm der Vater die beiden Jungen wegen der immer stärker werdenden Indoktrination durch die Nazis von der Schule und sie erhielten offiziell Unterricht durch einen Hauslehrer. In Wirklichkeit arbeiteten sie beide auf dem väterlichen Gut und wurden im schulischen Bereich durch einen Lehrer ihrer früheren Schule einmal wöchentlich mit Hausaufgaben versorgt und kontrolliert. Nach Ende des Krieges wurde Uwe mit seinem Bruder im Februar 1946 Schüler der Landesschule Pforta. Es mussten fast drei Jahre Latein und ein Jahr Griechisch nachgeholt werden. Dies geschah unter Schwierigkeiten und mit mäßigem Erfolg. Deutlich mehr reüssierte Uwe auf dem Gebiet von Musik und Theater. Als erstes Stück nach der Wiedereröffnung spielten sein Bruder und er mit einem Klassenkameraden »Das Kälberbrüten« von Hans Sachs vor dem Gradierwerk in Kösen. Die »Malvolioszenen« nach Shakespeares »Was Ihr wollt« zeigten ihn in der Rolle des Junkers Tobias Rülp. Es folgten die beiden Mozartsingspiele »Bastien und Bastienne« und »der Schauspieldirektor«. Hier sang Uwe den Colas und den Schikaneder. Er war Philipp II. im gleichnamigen Drama von Verhaeren, er spielte 1949 den Kreon in der sophokleischen Antigone und 1950 einen großartigen Ödipus, Daneben leitete er mit anderen den kleinen und den großen Chor der Landesschule und war ein gesuchter Rezitator. Nach dem Abitur im Juni 1950 wurden die beiden Brüder Schüler der HebbelTheater-Schule in Berlin-Charlottenburg. Nach der Abschlussprüfung ging Uwe Kreyssig sofort als Studierender an die Hochschule für Kunst und Musik in Berlin und wurde Schüler des berühmten Bassbaritons Jaro Prohaska. Der empfahl in nach bestandenem Abschlussexamen 1954 an den Intendanten der Komischen Oper, an Walther Felsenstein. Hier begann seine bemerkenswerte Karriere. Schon nach kurzer Zeit wurde er mit größeren Aufgaben als lyrischer Bariton eingesetzt, wurde singender Moderator der in der DDR beliebten Fernsehsendung »Treffpunkt Operette«, ein begehrter Liedsänger und wurde zum

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Kammersänger ernannt. In der letzten Inszenierung von Walther Felsenstein, »Figaros Hochzeit«, sang er den Grafen Almaviva auch noch nach dem Tod seines Mentors 1974. 1976 wurde er Opernchef in Bonn. Nach der Zeit am Rhein wurde er Opernspielleiter in Hildesheim und später im holländischen Enschede, wo er ein Nachwuchsstudio für Opernsänger mit großem Erfolg aufbaute. Die Hochschule in Hannover holte ihn von dort als Leiter der Klasse für Opernsänger nach Hannover und ernannte ihn zum Professor. Dieser Aufgabe blieb er bis 1994 treu, auch als ihn »seine« Komische Oper 1991 als stellvertretenden Intendanten nach Berlin zurückholte. Beide Aufgaben erfüllte er bis 1995/96, zog dann endgültig mit seiner Ehefrau Hella, die er 1961 geheiratet und mit der er zwei Kinder hatte, wieder auf den Bruderhof in die Mark Brandenburg. Er wurde dort für die 340 Seelengemeinde Bürgermeister und hatte wesentlichen Anteil an der Fusion von vier Gemeinden zur Stadt Havelsee. Mehrere Jahre war er Leiter des örtlichen Männergesangvereins und führte diesen zu beachtlichen Leistungen. Er erkrankte dann 2006 schwer und starb am 17. 05. 2008 auf seinem geliebten Bruderhof. Er ist im Familiengrab der Kreyssige in Hohenferchesar beigesetzt worden. Jochen Kreyssig (al. port. 45 – 50 v.)

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Nachruf für Rudolf Konetzny

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Es ist mir eine Ehre und ein Bedürfnis, auch wenn es mich schmerzt, heute die Vita von Rudolf Konetzny zu verlesen. Er war nicht nur mein Geschichtslehrer und eine Art Mentor für mich, ich verdanke ihm meine Liebe zu Pforte und der Bibliothek und damit einen wichtigen Teil meines Lebensinhaltes. Rudolf Konetzny wurde am 21. Februar 1923 in Gleiwitz als Sohn eines Arbeiters geboren. Als er vier Jahre alt war, siedelte die Familie aus wirtschaftlichen Gründen nach Naumburg über. Er besuchte hier die katholische Schule, da er von Haus aus katholisch war. Als aufgeweckter Junge interessierte er sich für alles, jedoch gestatteten die Verhältnisse nur eine Handelslehre. Mit 18 Jahren musste er in den Krieg, den er als Kind seiner Zeit als große Herausforderung an seine Person sah und trotz aller furchtbaren Ereignisse und eigener Verwundungen nicht als Trauma erlebte. 1945 versuchte er, sich in Naumburg ein neues Leben aufzubauen. Anfangs bei der Polizei, wechselte er kurze Zeit später wieder in seinen Beruf als Kaufmann und übernahm einen Kiosk in Weimar. Dank überdurchschnittlicher Leistungen wurde ihm bald die Leitung einer Handelsschule übertragen. Diese Tätigkeit stachelte jedoch seinen Wissensdurst so an, dass er unbedingt selbst studieren wollte. Da er keine höhere Schulausbildung hatte, unterzog er sich nach intensivem Selbststudium einer dem Abitur entsprechenden Prüfung, die er glänzend bestand, genauso wie sein nun folgendes Studium der Geschichte und Pädagogik in Jena. Sofort nach dem Studium wurde Rudolf Konetzny in Schulpforte, das für die nächsten 45 Jahre seine Wirkungsstätte werden sollte, als Lehrer für Geschichte eingesetzt. Obgleich er als junger Lehrer 1957 in den Schuldienst kam, war er doch eher ein Lehrertyp der »alten Schule«. Fundiertes Wissen, Ordnung und Disziplin waren ihm wichtig. Es freute ihn der Ruf, der bestgekleidete Lehrer in Pforte zu sein. Sein Stil wurde auch von dem bekannten Schauspieler Rolf Hoppe kopiert, als dieser bei den Dreharbeiten zu dem Film »Die besten Jahre« in Pforte einen konservativen Lehrer spielte. Mit seiner unverwechselbaren Art prägte er nicht nur im Unterricht, sondern auch in Arbeitsgemeinschaften und beim Theaterspiel seine Schüler. Bei ihnen hieß er über die Jahrzehnte hinweg mit Spitznamen nur der »Ko«. Die große Leidenschaft von Rudolf Konetzny aber wurde die historische Schulbibliothek, die er bald nach seinem Eintritt in die Schule unter seine Fittiche nahm. Die Zeit reicht nicht, seine Verdienste um die Bibliothek, die er ja zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Lehrer betreute, aufzuzählen, doch ohne ihn hätte die Landesschule heute ihren Bücherschatz und damit auch ihre Geschichte nicht mehr. Auch die kostbaren Kunstgegenstände aus der Klosterzeit würden hier nicht mehr existieren ohne sein Engagement. Als die Wende kam, war er zwar schon seit 1988 offiziell im

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Ruhestand, gab aber noch etwas Unterricht bis 1990. Seine herausgehobene Stellung als Kenner der Geschichte Schulpfortes und der Bestände von Bibliothek und Archiv sicherten ihm auch in der Wendezeit ein Bleiberecht als Kustos der Bibliothek. Gemeinsam mit dem Verwaltungsleiter gelang es ihm, eine Bibliothekarsstelle für die Schule einrichten zu lassen, sodass der Fortbestand seines Lebenswerkes gesichert war. Bis zum Jahr 2004 übernahm er immer noch Arbeiten im Archiv, aber auch Führungen für die Besucher und publizierte. Dann fesselten ihn gesundheitliche Probleme zunehmend an sein Haus. Am 15. Oktober dieses Jahres erlag Rudolf Konetzny einem Krebsleiden. Sein langes Leben hatte es ihm gestattet, verschiedene politische Systeme kennenzulernen. Vermutlich war er nicht aus sozialistischer Überzeugung 1945 der KPD beigetreten, doch die Grundideen der sozialistischen Weltanschauung wurden zunehmend die seinen und blieben es auch, als viele seiner ehemaligen Genossen diese längst leugneten. Es machte ihm nichts aus, deswegen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Als kluger, streitbarer und damit unbequemer Mensch handelte er sich schon zu DDR-Zeiten Ärger ein und erhielt trotz seines Einsatzes für die Schule nie Auszeichnungen oder Beförderungen. Das setzte sich auch in der neuen Gesellschaftsordnung, mit der er sich nicht mehr anfreunden wollte, fort. Was bleibt, sind Generationen von Schülern, denen er Wissen vermittelte, die er prägte und deren Weltsicht er bis heute beeinflusst. Die Mehrheit der Schüler, die die Freude hatten, bei ihm lernen zu dürfen, wird sich, wie ich, seiner immer in Dankbarkeit erinnern. Er hinterlässt Spuren …

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Petra Dorfmüller (al.port. 82 – 86 v.)

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HAUSHALTSRECHNUNG Kalenderjahr 2007 Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726 1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1.1 Einnahmen: Mitgliedsbeiträge einschl. Mehrzahlungen Spenden, Zuschüsse Summe des steuerfreien ideellen Bereichs Einnahmen des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Bereichs – Verkauf von Schriften und CDs (Chor) Summe der Einnahmen 1.2 Ausgaben: Ideeller Bereich I: Vorstand, Archiv, Mitglieder­ betreuung, Zeitschrift »Die Pforte«, Info, Freistellenwerk Ideeller Bereich II: Beihilfen Landesschule, Bibliothek, Schulveranstaltungen, Baumaßnahmen, Dornierstiftung, Zuführung für geplante Vorhaben, Steuerrückstellung Summe Ausgaben »Ideeller Bereich« Ausgaben »Wirtschaftlicher Bereich«, Ankauf von Schriften, Chor Summe der Ausgaben Bestandsveränderung 2. VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS Kassenbestand Bank-Girokonten Fest- und Termin-Konten Summe der Aktiva Kapital-Vortrag Bestandsveränderung Kapital per 31.12.2007 Rücklagen für geplante Vorhaben und Zweckbestimmung Summe der Passiva

EURO 24.571,74 101.316,66 125.888,40 14.833,11 140.721.51

140.721.51

26.131,86 111.029,29

137.161,15 2.985,51 140.146,66

1.178,04 73.500,44 145.283,26 219.961,74 8.916,41 + 574,85 9.491,26 210.470,48 219.961,74

140.146,66 + 574,85

219.961,74

219.961,74

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Haushaltsrechnung | 85


PförtnerAbende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Str. 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Frankfurt/M.

zz. nicht besetzt

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

Karlsruhe/Oberrhein

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein­Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

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86 | Pförtnerabende

Hannover

zz. nicht besetzt

Leipzig

Jan Schwartze Lobstädter Straße 13 04279 Leipzig Tel. 0341 | 3390054 Tel. mob. 0176 | 52277505 j.schwartze@poerner.de

München

Ronny Michael Radke Cecinastraße 68c 82205 Gilching Tel. 08105 | 391172 ronnymichaelradke @web.de

Münster

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 sukreuz@t-online.de

&

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Pforta

Der Vorsitzende des Pförtner Bundes e.V. Prof. Dr. Peter Maser (vgl. Impressum)

Schwerin/Mecklenburg­Vorpommern zz. nicht besetzt

Thüringen

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase @t-­online.de

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Straße 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702 webmaster@akel.de

Anschrift der Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 landesschule@pforta.de


Impressum Vorsitzender

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 Fax 034463 | 62491 peter.maser@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Friedrich-Nietzsche-Straße 18 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 61963 CPohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 27544

Redaktion und Gestaltung David Ortmann Heidestraße 33 06842 Dessau-Roßlau Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Gesamtherstellung

Saale-Druck Naumburg GmbH Topfmarkt 7 06618 Naumburg Tel. 03445 | 24370

Konten Pförtner Bund e. V.

Jahresbeitrag zurzeit 40 Euro Postbank Hamburg Nr. 10 584 200 (Beitragskonto) (BLZ 200 100 20) Deutsche Bank Naumburg Nr. 646 337 600 (BLZ 860 700 24)

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West Nr. 53 222 601 (BLZ 201 902 06)

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Konrad Keller Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 Beiträge für DIE PFORTE können Sie per E-Mail an die Redaktion schicken (david.ortmann@gmail.com) oder an das Zentrum Pförtner Bund, Schul­straße 22, 06628 Schulpforte. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: Februar 2009

Foto (4. Umschlagseite): David Ortmann für DIE PFORTE

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 61 | 2008 008 2

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DIE PFORTE Nr. 61/2008  

Die 61. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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