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DIE

Pforte

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2007 | Nr. 60

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors Aus der Redaktion

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Vergangenes aus der Pforte Kapitalverbrechen Windlücke Erinnerungen an Schulpforta Erfolgreiche Pfortenser Stimmbänder Schulpforte von 1955 bis 1959

Aktuelles aus der Landesschule Termine Immatrikulation Zukunftskomitee Neuer Küchenglanz Impressionen aus dem Musikzweig Neues von der Theatergruppe Wem begegnet Gott – und wo? Abenteuerreise auf verbrannter Erde Mit Hand und Herz in der Dritten Welt Weihnachtsfeier auf Bolivianisch »Man muss die Schule voranbringen«

Vom Pförtner Bund Mit Krawatte und Anstecker in Pforta-Tracht Ein Wiedersehen mit Pförtner Altmannen 55 Jahre Abitur – mit Orchideen Gänsegedichte Hamburg & Ein Klassentreffen im Spessart Jahresbericht Berlin Pförtnerabend Dresden & Meldung Festrede zum Goldenen Abitur Publikationen Ecce 2007 Tabula gratulatoria Haushaltsrechnung 2005 und 2006 Pförtnerabende Impressum


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Geleitwort des Vorsitzenden

»Eine himmlische Schule. Die Landesschule Pforta ist Deutschlands traditionsreichstes Internat. Einst lernte hier Nietzsche, heute die Elite«, so stand es in »Welt« und »Berliner Morgenpost« im Dezember des letzten Jahres über einem reich bebilderten ganzseitigen Artikel. Solche hymnischen Formulierungen sind gewiss nicht jedermanns Sache, aber der Werbeeffekt solcher Veröffentlichungen ist nicht zu verachten. In einer Zeit, in der der »demografische Wandel« in aller Munde ist, muss auch die Landesschule Pforta verstärkt auf ihre Präsenz in einer weiteren Öffentlichkeit und auf die Bewerberzahlen achten. Die neuen Flyer der Landesschule und des Pförtner Bundes, die gleichzeitig mit diesem Heft der »Pforte« verfügbar sein werden, sind ein erster Schritt, unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Unverändert wichtig bleibt der persönliche Einsatz unserer Mitglieder und Freunde bei der Werbung für die Landesschule Pforta. Das wichtigste Ereignis im Leben der Landesschule war im vergangenen Jahr ganz gewiss die Einführung des neuen Rektors Bernd Westermeyer. Er, der sich schon mit großer Energie in seine vielfältigen Amtsgeschäfte und die komplizierten Strukturen der Landesschule hineingefunden hat, stellt sich in diesem Heft mit einem Grußwort und seiner Ansprache zur Immatrikulationsfeier am 29. August 2007, die durchaus den Charakter einer »Regierungserklärung« trug, selber vor. Wir wünschen dem neuen Rektor, der bereits auch vielfältige Arbeitskontakte zu unserer Vereinigung hergestellt hat, für sein Wirken in Pforta alles Gute! Das Schulfest findet in diesem Jahr vom 31. Mai bis 1. Juni statt. Im Rahmen des Schulfestes veranstaltet der Pförtner Bund e. V. seine Ordentliche Mitgliederversammlung am 31. Mai im Kleinen Festsaal. Die Tagesordnung dazu wird rechtzeitig in der »Pforta-Information« veröffentlicht werden. Die Reaktionen auf die erste, von David Ortmann neu gestaltete Ausgabe der PFORTE waren durchweg positiv. Wir danken unserem Redakteur sehr für diesen Einsatz! Unterstützen Sie ihn auch in Zukunft durch rechtzeitige Mitteilungen über für unsere Vereinigung wichtige Ereignisse und durch Beiträge zur Geschichte und Gegenwart der Landesschule. Peter Maser (al. port. 57 – 59)

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Geleitwort des Vorsitzenden | 3


GruSSwort DES REKTORS

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Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, liebe Freunde der Landesschule, die 60. Ausgabe der PFORTE möchte ich nutzen, um vor dem Hintergrund der Vergangenheit und Gegenwart einen Ausblick auf die Zukunft der Landesschule Pforta zu wagen: Seit Jahrhunderten wird in Pforta erfolgreich gelehrt und gelernt, und dies nicht obwohl, sondern weil seit Jahrhunderten immer wieder auch die Frage gestellt wurde, welche Bildungsinhalte zu vermitteln seien.1 Gegenwärtig räumen immer mehr Bundesländer der Förderung von begabten und hochbegabten Schülerinnen und Schülern einen hohen Stellenwert ein, und nicht allein durch Schulneugründungen wie Schloss Hansenberg in Hessen erwächst Schulpforta als Internatsgymnasium hochkarätige Konkurrenz. Da zeitgleich unsere Bewerberzahlen zurückgehen, steht außer Frage, dass die Landesschule ihr Profil auch im 21. Jahrhundert hinterfragen und auf höchstem Niveau weiterentwickeln muss. Die dramatische demografische Entwicklung in Deutschland sowie die Bildungsoffensiven anderer Bundesländer können nur aufgefangen werden, wenn Schulpforta als schulisches Angebot attraktiv und dabei ohne soziale Sonderung für jedermann erschwinglich bleibt. Geleitet von dem Wunsch, die oben angesprochenen Strategiediskussionen strukturiert zu führen, begann im Dezember 2007 die gemeinsame Arbeit von Schülern, Eltern und Lehrern der Landesschule am so genannten »Schulprogramm«. Ein »Schulprogramm« darf dabei nicht eins zu eins mit einem »Schulkonzept« gleichgesetzt werden. Es stellt zunächst vielmehr ein Prüf instrumentarium dar, das von jeder Schule auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt selbst entwickelt werden muss und der fortlaufenden Evaluation der eigenen schulischen Arbeit dient. Erst im zweiten Schritt geht es in Arbeitsgruppen um die gemeinsame Erarbeitung überprüfbarer Lösungen zur Überwindung zuvor problematisierter Defizite, insbesondere im Hinblick auf die Qualität des Unterrichts. Selbstverständlich muss im Rahmen der Schulprogrammarbeit auch das Schulkonzept, das der Arbeit an der Landesschule zugrunde liegt, in den Blick genommen werden. Dies umso mehr, als viele Fragen längst auch von außen an uns herangetragen werden: Was heißt zum Beispiel »Einheit von Erziehung und

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1 Nachzuvollziehen sind wichtige Facetten der Diskussion des 19. und 20. Jahrhunderts unter anderem in Band 53 der Zeitschrift »Das Altertum« (1/2008), der fast vollständig der Geschichte der kursächsischen Landesschule(n) gewidmet ist und an dieser Stelle ausdrücklich zur Lektüre empfohlen sei.

4 | Grußwort des Rektors


Unterricht«, wenn Hauseltern nur noch mit Mühe gewonnen werden können? Wie kann man multipel begabten Schülerinnen und Schülern besser gerecht werden? Worin besteht das große Plus der Ausbildung in Pforta – in der Herausbildung einer eigenen Persönlichkeit, in einem Additum an gymnasialem Wissen, in der Förderung der eigenen Denkfähigkeit, in einer arbeitsmarkt- und praxisorientierten Vorbereitung auf die Berufswelt? Schulpforta wird meiner Einschätzung nach auch in Zukunft zu den Spitzenschulen der Bundesrepublik zählen und entsprechend nachgefragt werden, wenn es zunächst gelingt, die drei letztgenannten Ansätze fruchtbar miteinander zu verbinden und das Ergebnis in Deutschland und darüber hinaus selbstbewusst als einzigartig zu kommunizieren. Den entscheidenden Schlüssel dazu, die fast fünfhundertjährige Erfolgsgeschichte Schulpfortas weiterzuschreiben, sehe ich allerdings in der Bewahrung und Stärkung des Rückgrats der Landesschule, des Internats. Denn Selbständigkeit, Respekt und Verantwortungsbewusstsein, die im wahrsten Sinne des Wortes bemerkenswerte soziale Kompetenz unserer Schülerinnen und Schüler im Allgemeinen, sind vor allem der Prägung durch das Internat geschuldet, welches auch in der Zukunft um jeden Preis von Hauseltern aus den Reihen des Kollegiums der Landesschule betreut werden sollte. Dass die in Internat und Schule erfolgende werteorientierte Ausbildung, Weiterentwicklung und Festigung der Persönlichkeit unserer Schülerinnen und Schüler von besonderer Wichtigkeit ist, möchte ich zu Beginn des kommenden Schuljahres durch die feierliche Verlegung zweier so genannter »Stolpersteine« vor dem Eingangsportal der Landesschule unterstreichen.2 Sie sollen für die Zukunft unübersehbar an zwei Pförtner erinnern, die sich die in Schulpforta erfahrene humanistische Prägung auch in den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte bewahrten und deshalb von den Nationalsozialisten ermordet wurden: an den 1945 im KZ Sachsenhausen vergasten Berliner Großgärtnereibesitzer und Kosmopoliten Helmuth Ludwig Späth (al. port. 1900 – 06 v.) sowie an Oberst i. G. Joachim Meichßner (al. port. 1918 – 24 v.), der nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler als am Umsturzversuch aktiv Beteiligter am 29. September 1944 in Plötzensee hingerichtet wurde. In der Gewissheit, dass der Pförtner Bund seiner Landesschule auf dem nicht immer ebenen Weg in die Zukunft weiterhin verlässlich zur Seite stehen wird, möchte ich abschließend meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass sich viele Pförtnerinnen und Pförtner mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung konstruktiv in die anstehenden Debatten einbringen werden.

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Bernd Westermeyer, rector portensis 2 Mehr Informationen unter www.stolpersteine.com

Grußwort des Rektors | 5


AUS DER REDAKTION

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Liebe Leser, in den Reaktionen auf die vergangene Ausgabe der PFORTE habe ich viel freundliche Bestärkung erfahren – und einige hilfreiche Hinweise erhalten, die bereits in das vorliegende Heft eingeflossen sind. So sind die briefmarkengroßen Fotos nun ausgewählteren, größeren Abbildungen gewichen. Neu in der aktuellen Publikation sind zwei redaktionelle Artikel im Abschnitt »Aktuelles aus der Landesschule«: Auf Wunsch vieler Leser wird ein Blick auf die im Mai eingeweihte renovierte Küche und das neue Studienzentrum geworfen (S. 35), und auch der neue Rektor soll in dem auf S. 60 erschienenen Gespräch lebendig und greifbar werden. Ich hoffe, dass solche redaktionellen Texte, die auch in Zukunft Teil der PFORTE sein sollen, für die weiter verstreuten Pförtner die Gegenwart der alma mater erfahrbar machen. In der beiliegenden Chronik »Die Stiftung Schulpforta 1990 – 2006« wird deutlich, wie viel Kraft und Überzeugung es brauchte, nach der Wende die Stiftung Schulpforta wiedereinzusetzen. Es wird die wenigsten überraschen, dass Mitgliederzeitschrift und Chronik gemeinsam verschickt werden und sich auch in der Gestaltung aufeinander beziehen, haben doch die Stiftung Schulpforta und der Pförtner Bund nach ihren Satzungen dieselbe Zweckbestimmung: die Förderung der Landesschule Pforta. Auch als äußeres Zeichen der traditionell guten, engen Zusammenarbeit der beiden Institutionen erscheinen diese Publikationen gemeinsam. Und bieten doppelte Lesefreude für den Pforta-Fernwehgeplagten. Für die nächste Nummer bin ich weiterhin auf die Zusendung von Erinnerungen, Artikeln und Berichten angewiesen. Im Impressum finden Sie die Redaktionsadresse, die sich seit der letzten PFORTE geändert hat – und wohl auch in Zukunft unstet bleiben wird. Tatsächlich ist in diesem Fall das Digitale sicherer: E-Mails werden mich in den nächsten Jahren unter der konstanten Adresse david.ortmann@gmail.com erreichen. Schicken Sie schriftliche Beiträge doch einfach an das Zentrum Pförtner Bund, dessen Adresse Sie ebenfalls im Impressum finden. Nun aber viel Freude bei der Lektüre der aktuellen, 60. Ausgabe der PFORTE!

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6 | Aus der Redaktion

David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)


Vergangenes aus der Pforte *  *  *


KAPITALVERbrechen Windlücke

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In der PFORTE Nr. 59/2006 hatte ich um sachdienliche Hinweise zum Windlückenmord gebeten. Die eingegangenen Hinweise von Hans Joachim Männig (42 – 49), Peter Bender (49 – 51), Dr. Dieter Rauschelbach (48 – 55), aber auch von Klaus-Jürgen Schwarz (47 – 54) brachten mich auf die richtige Fährte und führten dazu, dass jetzt bereits in den Archiven in Moskau nach den Tätern und deren Strafe ermittelt werden kann. Entsprechende Ersuchen sind über den Generalstaatsanwalt in Naumburg gestellt. Herzlichen Dank den Hinweisgebern, insbesondere Hans Joachim Männig, der mit seinen präzisen Tagebuchaufzeichnungen ganz wesentlich zum Durchbruch der Recherchen beitrug. Der Vorgang stellt sich nunmehr wie folgt dar: Am Samstagabend, dem 15. 11. 1947, erhielt die Lehrerin Erika Sichting, geb. am 28. 01. 1928 in Helfta bei Eisleben, Grundschullehrerin in Pforta, wohnhaft daselbst, Besuch von ihrer Freundin Edith Engelmann. Beide kannten sich von der Lehrerbildungsanstalt in Wittenberg. Erika Sichting lief zu Fuß nach Bad Kösen zum Bahnhof, um ihre Bekannte abzuholen. Auf dem Rückweg, der bereits bei Dunkelheit in Kösen angetreten wurde, gesellte sich beiden Frauen der Kaufmann Kurt Weidner, geb. am 05. 05. 1901, wohnhaft in Naumburg/Saale, Kösener Straße 31, zu. Er führte ein Fahrrad bei sich, hielt es aber wegen des russischen Truppenübungsplatzes für geboten, gemeinsam mit den Frauen den Weg zurückzulegen. Die drei benutzten die Reichsstraße Nr. 87 von Bad Kösen nach Schulpforta. In Höhe der Windlücke wurden die drei von mehreren Angehörigen der sowjetischen Truppen überfallen, die auf dem Truppenübungsplatz Dienst verrichteten. Nur Edith Engelmann gelang es, sich den Tätern zu entziehen. Sie lief nach Pforta, um Hilfe zu holen. Für die beiden anderen kam Hilfe zu spät. Die am 18. 11. 1947 vom stellvertretenden Standesbeamten in Bad Kösen ausgestellte Urkunde verzeichnet bei beiden Opfern: Am 15. 11. 1947 um 21 Uhr in Schulpforta auf dem Feldweg an der Windlücke tot aufgefunden. Zur Todesursache heißt es »Mord (Schnitt durch Kehle mittels Rasiermesser)«. Die Leichen wurden am Morgen des 16. 11. geborgen. Die von Erika Sichting wurde mit einem Pferdefuhrwerk des Gutes, das mit einer Plane bedeckt war, in die Leichenhalle nach Pforta transportiert. Diese befand sich hinter dem alten Schafstall direkt an der Klostermauer. Der damals elf jährige Dieter Rauschelbach

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8 | Kapitalverbrechen Windlücke


beobachtete den Transport und schrieb mir: »Ich habe bis heute das entsetzliche Bild nicht vergessen: Während der Fahrt, die ich beobachtete, verrutschte die Plane, der im Abwehrkampf gestreckte und im Todeskampf erstarrte linke Arm wurde sichtbar, ein furchtbares Bild.« Kurt Weidner, der in Naumburg auf dem Steinweg ein Tabakwarengeschäft betrieb, wurde am 21. 11. 1947 um 14 Uhr auf dem Othmarsfriedhof von Pfarrer Wagner, Moritzkirche, beerdigt. Die Grabstelle ist noch nicht aufgelassen. Für Erika Sichting fand in Pforta am Mittwoch, dem 19. 11. 1947, um 14 Uhr in der Kirche in Pforta eine Trauerfeier statt, an der Lehrer und Schüler teilnahmen. Pfarrer Winkelmann führte die Trauerfeier durch. Die Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in Helfta bei Eisleben. Die Grabstelle ist inzwischen auf Wunsch der noch lebenden Schwester, die nach Leipzig verzog, aufgelassen worden, doch hat der Pastor von Helfta den Stein in unmittelbarer Nähe des Grabes wieder aufstellen lassen. Er schrieb mir: »Immerhin weist die Inschrift durch ihr ›erm.‹ im Datum auf den Vorfall 1947 bei Schulpforta. So haben wir den Grabstein angeschrägt in der Rasenfläche liegen, wo sich das Grab befand, und bewahren so ein Gedenken an jenes schreckliche Geschehen, was damals, wie ich erfuhr, nicht offiziell beim Namen genannt werden durfte.« Für die Schüler von Pforta war das grausame Geschehen sehr belastend. Offiziell durfte über den Vorgang wie auch über andere ähnliche Vorgänge nicht gesprochen werden. Aber das grausame Geschehen, das eben doch bekannt wurde, wirkte in den Köpfen fort, wühlte die jungen Schüler auf und verunsicherte die­ se. Bedenkt man, was heute bei vergleichbaren Vorgängen alles an psychologischer Hilfe angeboten wird – damals mussten die meisten das allein verarbeiten. Als ich am 01. 09. 1948 nach Pforta kam, war das Verbrechen vielen noch so frisch in Erinnerung, dass ich mir später einredete, es sei erst im Herbst 1948 begangen worden. Das stellte sich als falsch heraus, macht aber deutlich, wie das Geschehen die jungen Menschen aufwühlte. Als einzige mir bekannte Konsequenz veranlasste die Schulleitung, dass nach Eintritt der Dunkelheit für die aus dem Urlaub auf dem Bahnhof Bad Kösen eintreffenden Schüler Abhol- oder Begleitkommandos gebildet wurden, die aus mehreren Schülern bestanden. Doch was sollte die Schulleitung auch noch tun, wenn das Verbrechen totgeschwiegen werden musste? Curt Becker (al. port. 48 – 53)

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Kapitalverbrechen Windlücke | 9


Erinnerungen an Schulpforta Gerhardt von Bonin, geboren am 17. 07. 1890 in Warendorf, aufgewachsen in Berlin, gestorben am 17. 09. 1979 in Kalifornien, hat seine Jugenderinnerungen auf Englisch für seine amerikanische Familie unter dem Titel »Jahre vor dem Sturm« maschinenschriftlich aufgeschrieben. Nach seinem Abitur in Schulpforta studierte er in Breslau, Freiburg und Heidelberg Medizin, wirkte von 1921 – 28 in China und kam 1929 an die Universität von Illinois, wo er bis zu seiner Emeritierung 1958 Neuro­anatomie lehrte. An seine Schulzeit in Schulpforta (17. 04. 1903 bis 03. 03. 1909) erinnert er sich durchaus auch kritisch:

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1902 heiratete meine Mutter, die über zehn Jahre Witwe gewesen war, Eyre Crowe, der damals Zivilangestellter im Britischen Außenministerium war und später zum Ständigen Unterstaatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten aufstieg. Meine Mutter wurde durch ihre Heirat britische Staatsangehörige und musste in London leben, und so wurde es notwendig, sich um meine Erziehung zu kümmern, seitdem feststand, dass ich als Deutscher aufwachsen sollte. Also wurde ich auf eine der wenigen Internatsschulen geschickt, die es in Deutschland gab, nämlich nach Schulpforta. Diese »Fürstenschule« war die einzige ihrer Art in Preußen und eine von drei in ganz Deutschland. Sie hatte eine lange Geschichte, auf die ich natürlich sehr stolz war. Im Mittelalter hatten Zisterziensermönche ein Kloster gegründet im Saaletal, das damals, wie wir in der Schule lernten, slawisches Land war. Während der Reformation wurde das ganze Land protestantisch und das Kloster säkularisiert. Aber der aufgeklärte Herzog von Sachsen bestimmte, dieses besondere Kloster in eine Musterschule zu verwandeln. Er bat Melanchthon, Luthers Freund und Erzieher, den berühmtesten Griechischlehrer seiner Zeit, diesen Plan zu verwirklichen. Latein und Griechisch bildeten das Rückgrat des Unterrichts. Diese Tradition starb niemals ganz aus. Während der über dreihundert Jahre behielt Schulpforta den Ruf einer vorbildlichen Schule. Einzigartig in vielerlei Hinsicht, verkörperte sie unzweifelhaft das, was die Preußen der folgenden Generationen bzw. deren Erziehungsminister als Ideal betrachteten. Der Lehrplan wurde zwar von Zeit zu Zeit einer Revision hinsichtlich der klassischen Sprachen und Naturwissenschaften unterzogen, aber es gab immer die Tendenz, die Tradition höher zu bewerten, die Vergangenheit zu verklären.

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Sogar die Gebäude und die Umgebung verstärkten diesen Eindruck. Die Zisterziensermönche hatten ein feines Gespür, ihre Niederlassungen in die Landschaft zu setzen. Die Kirche und das Kloster schmiegten sich genau in der Krümmung

10 | Erinnerungen an Schulpforta


Schulpforta war die einzige preußische Schule, die sich des Privilegs erfreute, ihren Bewerbern Aufnahmeprüfungen aufzuerlegen. Der Hauptgrund dafür war vermutlich, dass die Schule mit dem Pachtland des ursprünglichen Klosters ausgestattet war, Tausenden Acre fruchtbaren Ackerlandes, und dass diese Stiftung dazu verwendet wurde, das Schulgeld für arme, aber würdige Knaben aus allen Teilen Preußens zu bezahlen. Da Kirche und Staat in Deutschland nicht getrennt waren und Religion ein Fach des Lehrplans war, wurden nur protestantische Knaben aufgenommen. Unser tägliches Leben war mit preußischer Gründlichkeit reguliert. Um 5.45 Uhr im Sommer und 6.15 Uhr im Winter wurden wir durch die Schulglocke geweckt, wankten schlaftrunken in den Waschraum, wo wir uns mit eisigem Wasser wuschen. Das weckte uns völlig auf! Das Frühstück bestand aus großen Krügen dünnem Kaffee und bläulicher Milch und großen Semmeln aus grobem Roggen-

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

des Tals einem bewaldeten Hügel an. Die Kirche, ein eindrucksvoller, aber etwas düsterer Bau, war aus grauem Kalkstein mit einem bläulichen Schieferdach. Wie bei allen Zisterzienserkirchen war der schmale Dachreiter genau über dem Zentrum der Kirche, wo sich das Längsschiff mit den beiden Querarmen kreuzt. Das Ganze in streng frühgotischer Form. Der Kreuzgang neben der Kirche zeigte in der Ausführung seiner Pfeiler und Bögen den selben Übergangsstil von der Romanik zur Gotik wie das Kloster in Bronnbach. Die Mauern der alten Klostergebäude, die unsere Klassen- und Wohnräume umschlossen, waren verputzt und mit einer sehr unvorteilhaften braun-gelben Farbe versehen. Drei oder vier Acre Fläche umgaben diese Gebäude und wurden von einer Steinmauer umschlossen. Hinter diesen Mauern lag die große Außenwelt, die wir nur für zwei oder drei kurze Stunden am Sonntag betreten durften.

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Erinnerungen an Schulpforta | 11


mehl. An die Marmelade, die wir dazu bekamen, möchte ich noch nicht einmal im Traum zurückdenken!

Foto: Sebastian Willnow für DIE WELT

Nach dem Frühstück marschierten wir zur Andacht. Unter dem Gesangbuch konnte man immer ein anderes Buch verbergen, sodass man seine Schularbeiten für die erste Stunde machen oder diese noch einmal überfliegen konnte. Ein Tag in der Woche war Studientag. Wir hatten für uns selbst lateinische oder griechische Klassiker zu lesen, die nicht im Lehrplan behandelt und nach der Empfehlung unseres Lehrers ausgesucht wurden. Wir hatten darüber zu berichten und wurden ausgefragt. In den letzten beiden Schuljahren gab es mehr Freiheit. Es konnten auch französische oder englische Autoren gewählt werden. So las ich »Hamlet« und Chateaubriand. Aber Plato, Thukydides, Livius, Horaz und Vergil wurden doch lieber gewählt. Viele meiner Schulkameraden kamen aus Pfarrhäusern, Eltern anderer waren Lehrer und nur von wenigen Staatsbeamte, ganz wenige kamen aus Familien von Kauf leuten. Sie war gewiss keine Aristokratenschule, wie ihr Titel vermuten lässt. Aber ihr Anteil an hervorragenden Absolventen war außerordentlich hoch. Unter den Dichtern mag hier Klopstock erwähnt werden. Er ist zwar außerhalb Deutschlands nur wenig bekannt, aber er kann zu Recht mit seinem englischen Zeitgenossen Thomas Gray verglichen werden. Dann waren da Nietzsche, Ranke, Bethmann-Hollweg.

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Ich denke, jeder Heranwachsende wird sich den Geist dieser Schule als außerordentlich gut ins Gedächtnis zurückrufen. Es gab sehr wenig Hass oder Grausamkeit unter den Schülern, Aufnahmerituale gab es praktisch nicht. Die ernsthafte Gelehrsamkeit wurde ausgeglichen durch Gymnastik, Wandern und sportliche Spiele, obwohl Tennis und Fußball dem deutschen Geist noch ziemlich fremd waren. Wie viel und was wir zu lernen hatten, formte unsere geistige Entwicklung sehr stark, das muss einmal deutlich gesagt werden. Ich habe niemals ganz die Vorliebe für Latein verstehen können. Sie geht wahrscheinlich bis auf die Zeit zurück, wo der Bischof von Rom die Vorherrschaft über das Christentum gegenüber dem Kaiser des neuen Rom beanspruchte und mit dem Patriarchen von Konstan­ti­no­ pel über dogmatische Feinheiten stritt. Aber nicht ein großer Gedanke wurde ursprünglich jemals in Latein formuliert! Wir lasen den klaren und genauen Bericht Caesars über den Gallischen Krieg, wir lasen Vergils langweilige Nachahmung Homers, die ziemlich spitzfindigen Oden des Horaz, Tacitus’ voreingenommenen Bericht über die Germanen, aber ich verstand nicht, wozu das gut sei. Vom griechischen Unterricht konnte ich das viel besser verstehen. Einer der größten modernen Denker beschrieb die westliche Philosophie als eine Fußnote zu Plato. Die Autoren des Neuen Testaments schrieben griechisch. Die thomistische Philosophie beruht auf Aristoteles. Der erste wirkliche Historiker war Thukydides; die ersten Tragödien wurden in Athen geschrieben; Aristophanes verfasste Komödien, die immer noch witzig sind, und Homers Epen sind noch weit bekannt. Außerdem kann die griechische Grammatik viel besser das formale Verständnis fördern, um das sich Lateinschüler so sehr bemühen. Der Geschichtsunterricht, besonders über die Deutschlands, war wohl das zwiespältigste Fach. Dass deutsche Geschichte der chinesischen oder englischen vorgezogen wurde, war zwar verständlich, nicht aber die vorsätzliche Unterdrückung, Verdrehung und Verfälschung. Man bekam den Eindruck, deutsche Armeen hätten niemals Niederlagen erlitten, bis auf die von Jena und Auerstedt. Die konnte nicht geleugnet werden. Man konnte das Schlachtfeld von Rossbach, wo Friedrich der Große die französischen und kaiserlichen Truppen 1758 geschlagen hatte, auf einem Tagesausflug erreichen, und die Gelegenheit, uns mit den Heldentaten der preußischen Könige vertraut zu machen, wurde niemals ausgelassen. Wie der Feind jedoch bis ins Herz Preußens vordringen konnte und wer den Siebenjährigen Krieg begann, blieb ein Geheimnis. Trotz der Anstrengungen in den klassischen Sprachen wurden die Naturwissenschaften keineswegs vernachlässigt. Ich erinnere mich lebhaft an zwei Jahre, wo der Physikunterricht die Geologie streifte. Wir erhielten zwar keinen zusam-

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menfassenden Überblick über die Erdgeschichte, aber wir lernten eine Menge über die lokalen geologischen Gegebenheiten. Wir zogen von Zeit zu Zeit los mit unseren Geologenhämmern, um Fossilien aus dem Kalkstein der umgebenden Hügel zu picken. Diese Exkursionen wurden überwacht von einem humorvollen, zuweilen etwas sarkastischen Lehrer, der zwar nicht vor Engagement und Klugheit strotzte, aber feste Überzeugungen vom Wert wissenschaftlicher Beobachtungen hatte. Es war ganz klar: Man machte sorgfältige und genaue Bobachtungen, und nach einer gewissen Zahl logischer Schritte erkannte man die Gesetze, die das Gerüst wissenschaftlicher Verallgemeinerungen ausmachten. In dieser Form vergewisserte man sich der vergangenen Ereignisse der Erde, und auf diese Weise hatte Kopernikus seine Entdeckung gemacht, hatten Kepler und Newton die Gesetzmäßigkeiten erkannt. Die Principia Mathematica waren noch nicht geschrieben worden. Der Religionsunterricht war genauso langweilig wie überall in den niederen Klassen. Lange Passagen in archaischer Sprache waren auswendig zu lernen, eine eindrucksvolle Zahl von Verboten wie »Du sollst nicht« und Dingen, die das Erwachsenwerden betrafen oder den Viehdiebstahl, unverständlich für Teen­ ager. Deutsch wurde von einem hervorragenden Lehrer unterrichtet, einem exzellenten Beweis dafür, dass tätige Forschung auch auf Gymnasiumsniveau das Unterrichten verbessert. Besonders Goethe wurde behandelt, aber ich erinnere mich auch lebhaft an eine Einführung in das Denken deutscher Liberaler nach den Napoleonischen Kriegen. Die Brüder Humboldt, die führenden Romantiker, einschließlich Heines, blieben nicht nur bloße Namen. Ich erinnere mich noch der Verblüffung, als ich erfuhr, dass mein verehrter Lehrer Wilhelm von Humboldt, den Sprachwissenschaftler und Erziehungsminister, über dessen Bruder Alexander stellte, den Forschungsreisenden und Entdecker, der sogar den Chicagoer Parkwächtern ein Begriff ist. Wenn ich das nach fast einem hal­ ben Jahrhundert überdenke, meine ich, dass er Recht damit hatte. Als ich mit achtzehn Jahren Schulpforta verließ, beherrschte ich nicht nur Fakten, sondern die Fähigkeit, mich selbständig mit dem zu befassen, was mich interessierte. Gerhardt von Bonin (al. port. 1903 – 09)

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Auch als Band gibt es ein Leben nach der Pforte. Die A Capella-Gruppe MundArt blieb nach dem Abitur intakt und hat keinen Mangel an Auftrittsangeboten.

Es war vier Wochen vor dem Pfortenser Gänseessen im Jahre 2003: Eine Gruppe experimentierfreudiger Chorsänger fand sich zusammen, um einen Kulturbeitrag der besonderen Art zum kreativen Teil des Abends beizusteuern. Auf dem Weg zum ersten Auftritt im Speisesaal entstand just in der Parkrunde davor der Name MundArt, und schon zehn Minuten später überlebten wir mit Schwitzen und Nervosität den ersten Auftritt vor Publikum. Heute, vier Jahre später, blicken wir fünf Sänger – Gabriel Fuhrmann, Johannes Lachmann, Florian Spieler, Lars Dölle und Daniel Barke – auf inzwischen 37 Konzerte sowie Festivalauftritte und Wettbewerbe zurück.

Foto: MundArt

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Erfolgreiche Pfortenser Stimmbänder

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Ich war 15 Jahre alt und gerade im Internat eingezogen, als die A Cappella-Gruppe »Yellow and Green« in Schulpforta auftrat. Die Sänger stammten aus der Pfortenser Chorschule der Familien Lachmann und Jende und boten mit den

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witzigen Popsongs in druckvollem Mikrofon-Sound eine für mich ganz neue Facette des Singens. Das faszinierte mich. Ich kaufte die CD, lernte die Lieder auswendig und begann, mich mehr und mehr für die Nebenstimmen zu interessieren. Mit den Basslinien im Mund entsprang diversen Kreativaufenthalten in den Klavierkellerkatakomben des Internates II schon bald der erste eigene Gesangssatz. Ich bastelte so lange daran, bis schließlich eine vierköpfige Truppe das Ganze zum Klingen bringen konnte. MundArt war geboren. Den ersten Auftritt überstanden wir tapfer, und nun begann eine überraschende Erfolgsgeschichte. Nach dem Konzert stieß Lars als fünftes Mitglied zur Band dazu und komplettierte die Truppe, die nun mit »Wise Guys«- und meinen eigenen Arrangements schnell zu Repertoire kam. Schon bald hatten wir weitere Auftritte in Schulpforta, bei denen sich unsere Mitschüler so ausnahmslos begeistert zeigten, dass wir immer mehr an uns arbeiteten und probten. Doch als wir Abiturienten waren und nun etwa zwanzig Monate als Schulband in Pforte agierten, kam die größte Herausforderung, vor der wir bisher standen. Zugegeben, es war wohl das schönste, aber nicht gerade das schwerste Los, sich einem Publikum zu präsentieren, das

Foto: MundArt

Gesangs-Götter in weiß: MundArt bei einem ihrer Konzerte.

unsere Namen kannte, unsere Musik mochte und jegliche Patzer verzieh. Nun aber wartete die Welt da draußen auf uns. Bei den ersten Konzerten in »freier Wildbahn« merkten wir alle, dass ein Publikum selten so dankbar ist wie das in Schulpforte. Die Band musste zunächst hinnehmen, dass mancher reichlich desinteressiert in unser Konzert kam, wir zerstörten uns so manch gelungenes Stück mit anschließend virtuos misslungenen Moderationen und vermissten schon bald die gesegnete Pfortezeit, in der man täglich hatte proben können. Stattdessen waren wir auf Dresden, Dessau, Weimar und Magdeburg verstreut und standen bei einem Probenwochenende, gebeutelt von

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Fahrtkosten und geringen Auftrittsmöglichkeiten, vor der Frage, ob es denn für uns so noch weiterginge. Die Antwort ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Wenn wir alle fünf zusammen sangen, wurde uns bewusst, dass wir einen Bandklang entwickeln konnten, der einfach gut war. Er war beflügelnd. Und das war es, was uns dann schließlich zusammenraufte. Die Moderationsmisere nahm immer weiter ab, und bei jedem Konzert brauchten wir ein Lied weniger, um das Publikum um den Finger zu wickeln. Ein Jahr lang kämpften wir uns so über Kleinbühnen der Region, dann kam plötzlich ein besonderer Telefonanruf. Die Leiterin des Münchner A Cappella-Festivals »Vokal Total« holte uns auf ihre Bühne. Als Newcomer gingen wir nach München, und doppelt so groß kamen wir zurück. Das Erlebnis, im Rahmen eines Festivals aufzutreten, war für uns eine große Ehre. Ein Jahr später sangen wir wieder in München und fuhren anschließend nach Wien. 2006 machten wir eine kleine Ostseetournee und wurden dabei vom NDR-Fernsehen begleitet. 2007 sangen wir in Leipzig, Erfurt, Ilmenau und Wien auf großen Festivals und gewannen bei der International A Cappella Competition in Graz das Silberne Diplom. Der Name MundArt hat es bundesweit in der A Cappella-Szene zu Bekanntheit gebracht. Zwar ist diese, verglichen mit der gesamten Musikszene, nur ein kleines Licht, doch für uns war es eine unglaubliche Geschichte, die sich in nur vier Jahren abgespielt hat. Und nur, weil Schulpforta das lieferte, was es dazu braucht: Freundschaft und sangesfreudige Kehlen. Daniel Barke (al. port. 99 – 04 v.) MundArt im Internet: www.mundart-vokal.de

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Schulpforte von 1955 bis 1959

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Es war am 24. Juni 1955, als die Landesschule Pforte uns mitteilte, dass sie »von der Abteilung Volksbildung beim Rat des Bezirkes Halle bzw. Rat des Kreises Naumburg« die Nachricht erhalten habe »von der Einweisung Ihres Sohnes Hubert in die Landesschule Pforte«. Schulbeginn wäre am Donnerstag, dem 1. September 1955, und Anreisetag Mittwoch, der 31. August 1955. Gezeichnet hatte dieses denkwürdige Schreiben Herr Bock als Co-Direktor. Das war also mein erster Kontakt mit der berühmten Landesschule Pforte – mit Schulpforte. Ich war aufgenommen! Meine Freude war damals verständlicherweise groß, wenngleich mich die Form und Art der Mitteilung doch etwas irritierte. Der Text war extrem nüchtern, ohne irgendeine freundliche Nuance, das Schriftbild geradezu grässlich, als wollte man zu verstehen geben: Mehr Aufwand und Freundlichkeit seid ihr »Zugewiesene« uns nicht wert. Ich hatte zwar nicht erwartet, dass diese berühmte Schule ihre Neulinge mit Überschwang begrüßt, auch war ich nicht darauf versessen, unbedingt die gefürchtete Aufnahmeprüfung zu machen, für die Schulpforte früher bekannt war, aber dass man sich so distanziert gab, befremdete mich schon etwas. Fünfzig Jahre sind seitdem vergangen. Das Schreiben der Schulleitung ist längst vergilbt und in manchen Passagen nur noch schwer verständlich. Inzwischen habe ich in Erfahrung gebracht, dass die Schulaufnahme ein hart umkämpftes Thema zwischen der damaligen Schulleitung und den zuständigen Stellen der Bezirksverwaltung war und dass diesen Machtkampf die Schulleitung verloren hatte. Im Nachhinein kann man fast verstehen, dass sie dann auf diese Weise bei den Mitteilungen ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollte. Am 31. August 1955 brach ich, von meinem älteren Bruder begleitet, nach Schulpforte auf. Schüchtern schritten wir Neuen mit unserem Gepäck durch das Torhaus, das so alt nicht aussah und wohl auch erst hundert Jahre zuvor im neugotischen Stil errichtet worden war. Es stimmte uns dennoch ehrfurchtsvoll und aufgeregt, als wir die ehemalige Klosteranlage und den jetzigen Schulbereich betraten. Ich hatte mich auf Anraten meines Bruders, der in Rossleben die Oberschule besucht hatte, für den A-Zweig entschieden, der die neusprachliche Fächergliederung bot. Die B-Klassen waren mehr naturwissenschaftlich und die C-Klassen altsprachlich ausgerichtet.

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Ich kam mit einem weiteren Neuen in ein verhältnismäßig großes Zimmer, in dem schon sechs Schüler aus dem elften Jahrgang untergebracht waren. Die

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Ausstattung war bescheiden. Jeder hatte einen schmalen Spind, der stets mustergültig aufgeräumt sein musste, und einen einfachen Arbeitstisch, der natürlich auch immer ordentlich aussehen sollte. Der Schlafsaal für uns »Neuner« mit circa vierzig Betten befand sich unter dem Dach und war nach meiner damaligen Einschätzung riesengroß. Unsere Zimmerbesetzung bildete eine gute soziale Mischung. Die Söhne aus den so genannten bürgerlichen Verhältnissen zeigten in ihren Umgangsformen mehr Niveau und ließen an ihrer Kleidung gern Westkontakte erkennen; die aus den bäuerlichen Familien der näheren Umgebung verfügten über eine angeborene Natürlichkeit und – was für sie von großem Nutzen war – über zusätzliche Nahrungsreserven. Das Zusammenleben mit älteren Schülern hatte für uns jüngere, insgesamt gesehen, große Vorteile, da die Älteren sich im Regelfall für uns Jüngere in einem gewissen Rahmen mitverantwortlich fühlten, uns in Konflikten beistanden und bei schulischen Schwierigkeiten halfen. Wir erfuhren von ihnen auch die Gefahrenquellen in so einer Schul- und Lebensanstalt, hörten von den Macken und Vorlieben der Erzieher und Lehrer und – was ein ganz wichtiges Thema war – lernten von ihnen, wie man mit den Mädchen umgeht. Diese waren erst seit einigen Jahren in Schulpforte zugelassen und spielten nun für uns alle eine ganz wichtige Rolle. Entwickelten sich nämlich intensivere Kontakte zu ihnen, sprach man ganz respektvoll und stolz von seiner »Minne« und fühlte sich auch ihr gegenüber zu mancherlei verpflichtet. Dass die älteren Jungen sich bevorzugt um die noch unerfahrenen neuen Mädchen kümmerten, verstand sich auch in der Pforte von selbst und war nicht nur Ausdruck einer besonderen Fürsorglichkeit.

Schulpforte wird sozialistische Schule Auch wenn es mir in der ersten Zeit selbst nicht so bewusst wurde, weil ich so unendlich viele neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten hatte, spürten wir doch an den kritischen Reaktionen der älteren Schüler und einiger Lehrer, dass Schulpforte vor größeren Umwälzungen und grundsätzlichen Veränderungen stand. Die Partei sah »überall nur reaktionäre Kräfte«, die die von ihr geforderten Veränderungen blockierten. Dem Pförtner Bund und kirchlichen Kreisen warf man vor, sich in »nicht statthafter Weise« in die Schulbelange einzumischen und Lehrer und Schüler negativ zu beeinflussen und sie sogar abzuwerben.

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Die Auflösung der Grundschulklassen 1951 und die Aufnahme von Mädchen in das Internat wurden zwar als Fortschritt anerkannt, die Frage der Schülerauf-

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nahme blieb aber – zum Ärger der SED-Bildungspolitiker – im Entscheidungsbereich der Schulleitung. Vermutlich waren wir, die wir 1955 aufgenommen wurden, der erste Jahrgang, bei dem das Verfahren geändert und die Kompetenz der Schulleitung in dieser wichtigen Frage beschnitten wurde. Die SED konnte fortan über ihre Kader in den Abteilungen der Volksbildung allein nach ihren Kriterien entscheiden, wer in die Schule aufgenommen bzw. »eingewiesen« wird. Damit war sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg vorangekommen, aus Schulpforte eine Musterschule sozialistischer Prägung zu machen, von der wiederum wie früher »viele Impulse für die Entwicklung des höheren Schulwesens in Deutschland ausgehen sollten«. Wir merkten bald, dass das SED-Regime der traditionsreichen Schulpforte keine »Abseitsstellung gegenüber der schulpolitischen Entwicklung in der DDR« gestattete und dass man der Pforte auch keine Sonderrechte mehr gewährte.

Polytechnische Erziehung Als besonders wichtige Neuerung auf dem Wege zur sozialistischen Schule wurde die Einführung der polytechnischen Erziehung und Bildung dargestellt. In der Januar-Ausgabe der »Elternbriefe« von 1957 gab dann Herr Gerhard Walther, seinerzeit Kunstlehrer und begnadeter Fotograf, einen Zwischenbericht über den polytechnischen Unterricht an der Schule. Nach seiner Beurteilung waren frühere diesbezügliche Aktivitäten wie der Werkunterricht mehr auf das Kunsthandwerk abgestimmt, während der neuzeitliche polytechnische Unterricht die Grundtechniken der modernen landwirtschaftlichen und industriellen Produktion vermitteln soll. Herr Walther räumte ein, dass bislang viele wichtige Voraussetzungen fehlten, um den polytechnischen Unterricht für alle Schüler sinnvoll zu gestalten. So fehlten geeignete Werklehrer, Arbeitsmittel und vieles mehr. Dank der Bereitschaft der Schulhandwerker war man allerdings in der Lage, bestimmte Tätigkeiten selbst zu organisieren. Er appellierte an die Eltern, sich gegebenenfalls als Lehrkräfte bereit zu finden, und bat um Anregungen und Unterstützung. Während uns die schulinternen Einsätze in der Gärtnerei, in den Werkstätten und selbst beim Füttern der Schulschweine einen gewissen Spaß bereiteten, zumal noch nicht jeder Schüler daran teilnehmen durfte, weckten die externen Einsätze in den umliegenden Produktionsgenossenschaften und in befreundeten Patenschaftsbetrieben keine Begeisterung, vor allem dann nicht, wenn sie mit politischen Parolen belegt waren.

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Wir entwickelten auch kaum Begeisterung, wenn wir in dem verlotterten Patenschaftsbetrieb mehr oder minder als billige Arbeitskräfte bei der Hackfrucht-

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Am Hundertmeter-Start beim Sprint-Training auf dem Sportplatz. Der Autor war damals Schulmeister über diese Strecke.

Ernte im Einsatz waren. Besonders verpönt war die Rübenernte in der nassen Jahreszeit, wenn wir mit ungeeigneter Kleidung und in Turnschuhen im Schlamm herumwühlten und uns über die chaotische Ablauforganisation ärgerten.

Ich hatte damals durchaus Verständnis für die Idee, den theoretischen Unterricht mit praktischen Tätigkeiten zu ergänzen. Da ich gern handwerkliche Arbeit verrichtete und von Haus aus manches gewohnt und nicht ungeschickt war, fand ich an dem praktischen Unterrichtsteil durchaus Spaß. Als ärgerlich empfand ich die dümmliche Ideologisierung des polytechnischen Unterrichts. Schon mein Jahrgang bestand zum Großteil aus Arbeiter- und Bauern-Kindern, die von Hause aus das Arbeiten auch unter widrigen Umständen bestens kannten. Uns zu unterstellen, dass uns das Verständnis für die Arbeiterklasse fehle, provozierte einfach unseren Widerspruch. Auch ärgerte es mich, die Ernteeinsätze in den chaotischen Produktionsgenossenschaften als große Friedenstat zu verkaufen, bei der der Kontakt zu den Landarbeitern unsere Einstellung zum sozialistischen Staat fördern würde. Es war für uns Schüler meist mehr als peinlich, die Frustration und Interesselosigkeit der LPG-Mitarbeiter zu erleben. Der Kontakt zu den Arbeitern in den Betrieben wie auch zu unseren eigenen Schulhandwerkern machte mir vielmehr deutlich, wie desolat die DDR-Wirtschaft schon damals war und wie unsinnig die sozialistischen Wirtschaftsdoktrinen waren.

Foto: privat

Unsere Erfahrung mit der modernen Technik machten wir in einem jeweils zweiwöchigen Einsatz im Kalk- und Zementwerk und in der Ziegelbrennerei in Karsdorf. Da gab es Betriebsteile, in denen wegen der extremen Staubbedingungen und einer mittelalterlichen Technik reguläre Arbeiter kaum tätig waren, sondern nur Strafgefangene und wir Schüler zum Einsatz kamen.

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Die Schülerschaft So wie bei den Lehrern gab es auch unter uns Schülern »solche und solche« – und nicht nur Mädchen und Jungen. Mir wurde bald deutlich, dass sich die Schülerschaft im Laufe der vier Jahre zunehmend differenzierte, wobei ich den typischen alumnus portensis immer weniger ausmachen konnte. Es war unverkennbar, dass sich infolge der sozialistischen Schulpolitik auch die Auswahl der Schüler massiv änderte. Politische Kader hatten in der Vergangenheit beklagt, dass der Anteil der Arbeiter- und Bauern-Kinder in Schulpforte unverhältnismäßig gering war und deshalb auch das Aufnahmeverfahren der Schulleitung entzogen. Arbeiter- und Bauern-Kinder und natürlich die Söhne und Töchter von verdienstvollen Parteimitgliedern wurden deutlich bevorzugt und bei jeder Gelegenheit herausgestellt. Das ging in der Konsequenz so weit, dass selbst in Ergebnis-Analysen der Reifeprüfungen und der Zwischenzeugnisse nicht nur nach Mädchen und Jungen, sondern auch nach A- und B-Kindern unterschieden wurde. So heißt es wörtlich im »Elternbrief«, August 1956: »Der Reifeprüfung unterzogen sich 74 Schüler, darunter 45 Arbeiter- und Bauern-Kinder, d. h. 60,8 %. 4 bestanden die Prüfung nicht, darunter kein (fettgedruckt!) A- und B-Kind. Von den 70 erfolgreichen Abiturienten sind 45 A- und B-Kinder, d. h. 64,3 % …« In meiner Klasse wurde eine Mitschülerin, deren intellektuelle Fähigkeiten einfach nicht ausreichten, mit allen Tricks sogar bis zum Abitur »mitgezogen«, nur weil ihre politische Einstellung vorbildlich und das Elternhaus wohl stimmig war. Sie wurde selbstverständlich dann auch noch »zum Studium besonders befürwortet«. Wir erfuhren als Schüler also frühzeitig, wie es in diesem Staat um die Redlichkeit stand und wie ungeniert Ergebnisse gefälscht wurden. Da die meisten von uns studieren wollten, konnte die Schulleitung mit ihren Empfehlungen entscheidenden Einfluss nehmen. Uns Jungen versuchte man mit allen Druckmöglichkeiten für die Volksarmee zu werben. So konnten sich nur diejenigen Hoffnung auf ein Medizinstudium machen, die sich »zum Eintritt in die Volksarmee gemeldet« hatten. Sie wurden »zum Studium besonders bevorzugt« und durften sofort studieren, falls eine Aufnahme in die Nationale Volksarmee aus irgendwelchen Gründen nicht erfolgen konnte.

Als christliche Schüler an der sozialistischen Schule

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Für uns, die wir uns dem christlichen Glauben verpflichtet fühlten, wurde die Lage an der sozialistischen Oberschule immer komplizierter und riskanter. Die Schulleitung verfolgte ganz energisch das Ziel, alle konservativen und kirch-

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lichen Einflüsse auf das Schulleben auszuschließen. Die traditionelle Bindung von Schulpforte an die evangelische Kirche war längst konsequent gelöst; Schulen und Schulpolitik waren Sache des Staates und damit Parteiangelegenheit geworden. Wenn früher als Voraussetzung für die Zulassung der Schüler zur Aufnahmeprüfung das »evangelische Glaubensbekenntnis« gefordert wurde, war jetzt das neue – sozialistische – Klassenbewusstsein für den Besuch der Schule entscheidend. Mit den feierlichen Jugendweihen in unserer Aula erklärte man den prächtigen Bildband »Weltall Erde Mensch« quasi zur neuen Bibel für das neue Bewusstsein. So ungestört hätte dieser Prozess ablaufen können, wenn es da nicht ein paar hartnäckige Schüler gegeben hätte, die regelmäßig in die Kirche gehen wollten bzw. der Jungen Gemeinde angehörten und sich von »reaktionären« Pastoren beeinflussen ließen. Um sich in so einem heiklen Thema nicht konkret erklären zu müssen und um nicht etwas zu tun, was nachweislich sogar gegen die eigene Verfassung verstieß, wählte man den indirekten Weg, der bei ängstlichen Funktionären ohnehin beliebter war und später noch unrühmliche Berühmtheit erlangen sollte: Man ließ uns einfach nicht »raus«. Anfänglich fielen uns noch immer ein paar Fluchtwege ein. Die Schrauben waren nicht in allen Fenstern fest, unsere Nachschlüssel noch nicht alle vom Heimleiter konfisziert. Selbst durch den Hausflur des Hausmeisters konnten wir gelegentlich aussteigen, bis er es selbst merkte. Ein paar Mal ließ uns die Köchin durch die Küche entweichen, bis sie uns traurig mitteilte, dass man ihr das streng verboten habe. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit geradezu ein Kräftemessen mit Herrn Lange, unserem Heimleiter, der dann Sonntagmittag zu meinem Tisch im Speisesaal kam und sich ganz lautstark und süffisant bei mir erkundigte, ob ich denn in der Kirche war. Wenn es uns gelungen war, ließ ich ihn mein triumphierendes Grinsen deutlich sehen; wenn es uns nicht gelungen war, gab ich ihm zu verstehen, dass er uns wiederum an der Ausübung unserer Verfassungsrechte gehindert habe. Als die Situation für uns immer auswegloser wurde, sonntagvormittags in die Kirche zu gehen, entschlossen wir uns – Reinhold Steppan, Helmut Senze, Helmut Ramisch und ich –, den Heimleiter ganz offiziell und nachdrücklich auf unser Recht und sein Fehlverhalten hinzuweisen. Der Vorfall beschäftigte mich auch nachts noch und ließ mich nicht schlafen, als ich Schritte im großen Schlafsaal und meinen Namen hörte. Es war der Heimleiter, der mich um Hilfe bat. Er hatte akute Herzbeschwerden. Ich muss hier anmerken, dass ich während unserer Schulzeit eine Rotkreuz-Ausbildung gemacht und anschließend auch selbst Erste-Hilfe-Kurse für Mitschüler durchgeführt hatte. Da ich auch über einiges Material verfügte, konnte ich bei gelegentlichen Notfällen oder schu-

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lisch bedingten Unpässlichkeiten meinen Mitschülern gewisse Hilfe leisten. Ich brachte Herrn Lange in sein Zimmer und versuchte, ihn zu beruhigen. So saß ich an seinem Bett und hielt seine Hand. Sein Schäferhund hatte die Situation offenbar richtig eingeschätzt und beobachtete uns beide. Nach einer längeren Schlafphase erwachte Herr Lange und gab mir zu erkennen, dass es ihm schon etwas besser gehen würde. Er bot mir an, dass ich sei-

Klassenfoto der damaligen 12a am Südausgang des Schulgebäudes.

nen Schlüssel für die Haupttür nehmen könne, damit wir in die Kirche gehen können. Ich dankte ihm für sein Entgegenkommen und sagte, dass ich doch noch bei ihm bleiben wolle, bis er sich wieder richtig wohl fühle. Mir war bewusst, dass sein Angebot für ihn zum Verhängnis geworden wäre. Das konnten wir nicht wollen.

Foto: privat

Bad Kösen – eine kleine Pfarrei und ihre mächtigen Gegner Vielleicht war es Zufall, vielleicht aber auch hohe Fügung, dass zu der Zeit, als im benachbarten Schulpforte die SED-Bildungspolitik realisiert wurde, in der kleinen katholischen Pfarrei in Bad Kösen ein junger, furchtloser Pfarrvikar tätig war, der zwar aus dem Westen kam, sich aber frühzeitig und freiwillig für den Einsatz in der östlichen Diaspora entschieden hatte.

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Als er nach Bad Kösen kam, hatte er vermutlich noch nicht die Kenntnis über die tatsächlichen Probleme. Durch den vertrauensvollen Kontakt zu seinem evan-

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gelischen Amtskollegen Herrn Pastor Bertheau und durch die täglichen Probleme der Bevölkerung entwickelte sich sein Verständnis für die eigentlichen Schwierigkeiten der Kirchen in der DDR. Die politische Zwangslage sowie ständige Schikanen förderten sehr wirkungsvoll die ökumenische Bewegung zwischen den beiden Kirchen in dieser kleinen Stadt an der Saale – sicherlich sehr zum Ärger der Urheber. Vermutlich hatten sie es längst bereut, dass sie diesem unruhigen Geist den Zuzug genehmigt hatten. Unablässig beschäftigte er die Sicherheitsorgane und so manchen Ledermantel, gerade am Sonntagvormittag. Die Gottesdienste in seiner kleinen Kirche waren immer spannungsgeladen. Wir Pfortenser wussten schon, warum wir uns die Messen nicht entgehen lassen wollten und dafür die Scherereien in der Schule in Kauf nahmen. Da wir häufig als Letzte kamen, standen wir meist neben den ernst wirkenden fremden Herren in Ledermänteln, die konzentriert jede Äußerung des Pfarrvikars notierten und die Predigten abwechselnd mitschrieben. Da er dann gern schnell sprach, hatten sie ihre Not, ihm zu folgen, und tauschten – für uns sichtbar – hilf lose Blicke. Dann kam nicht selten vom Altar der Hinweis: »Meine Herren, ersparen Sie sich doch die Mühe, Sie können anschließend meine Aufzeichnungen haben!« Für uns waren diese Bemerkungen wiederum der Höhepunkt der Messe, noch wichtiger als Wandlung und Kommunion. Die Lakaien der Staatsmacht standen dann wie begossene Pudel da, die noch mit Häme von den Kirchgängern bedacht wurden. Hugo Hermes war in jungen Jahren – er war damals gerade dreißig – ein echter Religionskämpfer, der sich von diesem System nicht einschüchtern ließ. Er war für die Sicherheitsorgane vor allem deshalb zu einem Problem geworden, weil ihn immer häufiger nachts heimlich Parteileute aufsuchten, sich Rat holten und seelische Betreuung wünschten. In der Nacht zum 24. Juni 1958 wurde er verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Naumburg eingeliefert. Die Anklage wurde mit »staatsgefährdender Hetze …, Propaganda … und wegen Nötigung …« begründet. Der 1. Strafsenat des Bezirksgerichts in Halle verurteilte ihn zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Obwohl er schon am 22. Oktober 1958 mit ordnungsgemäßen Papieren entlassen wurde, bestätigte das Oberste Gericht der DDR erst am 27. November 1958 das Urteil, und erst am 20. Januar 1959 entschied nochmals der 1. Senat, dass die »Vollstreckung der Restfreiheitsstrafe« bedingt ausgesetzt werde. Pfarrvikar Hermes war also für uns und für seine Gemeinde wieder frei. Er verdankte die vorzeitige Freilassung ganz offensichtlich dem Umstand, dass höchste Stellen in Berlin Sorge hatten, dass bei den bevorstehenden Volkskammerwahlen die aufgebrachte Bevölkerung in seiner Gemeinde mit Unmut reagieren könnte.

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Als unverständlich erscheint mir, warum Pfarrvikar Hermes später in eine andere Pfarrei versetzt wurde. Er wäre für die katholischen Schüler in der Pforte weiterhin sehr wichtig gewesen. Vermutlich musste sich dieses Mal der Bischof dem staatlichen Druck beugen. Mit unserem Abschluss löste sich unsere Gruppe auf. Das Verhältnis in unserer Religionsgruppe war enger als das zu den meisten Klassen– und Zimmerkameraden. Uns verband das latente Risiko, wegen unserer religiösen Überzeugung von der Schule verwiesen zu werden. Umso intensiver genossen wir gemeinsame Unternehmungen in unserem Jugendkreis. Das Zeltlager am Nebelsee gleich nach dem Abitur war für mich das letzte fröhliche Erlebnis in diesem Kreise. Auf der Rückfahrt – wir waren mit Fahrrädern unterwegs – erkundigte ich mich in West-Berlin bei der zuständigen Senatsstelle, was mich erwarten würde, wenn ich die DDR verließe. Helmut und Achim musste ich natürlich im Unklaren lassen, um sie nicht zu gefährden. Der endgültige Abschied waren die Exerzitien in Bad Kösen. Es war die letzte Zusammenkunft in unserer Gruppe. Die abschließende Nachtwanderung an der Saale ist mir noch immer in guter Erinnerung. Wir waren nach den ruhigen Tagen fast übermütig. Mir wurde in dieser sternenklaren Sommernacht am Uferweg der Saale bewusst, wie schwer doch Abschiednehmen sein kann, wenn man selbst nur eine ungewisse Zukunft vor sich hat und ein Wiedersehen eher unwahrscheinlich ist. Am Abreisetag vertraute ich dem Vikar an, dass ich mich auch von ihm wohl für immer verabschieden muss. Er zeigte sich über meine Entscheidung enttäuscht und traurig. Später besuchte er mich noch einmal in West-Berlin. Er hatte gehofft, dass ich mich für ein Theologie-Studium entscheiden würde. Wir trennten uns am Bahnhof Zoo und wünschten uns gegenseitig alles Gute in einer ungewissen Zukunft. Nachdenklich schaute ich seinem Zug nach; wir haben uns nicht wiedergesehen. Er starb – wie ich erst später erfuhr – 1982 an den Folgen eines Unfalls. Seine Gemeinde in Halle hat ihm einen würdigen Gedenkstein errichtet. Wie groß wäre seine Freude gewesen, wenn er hätte miterleben können, wie sich zuerst in den Kirchen der Protest gegen das verhasste Regime organisierte und wie das Volk dann auf friedlichem Wege seine Unterdrücker davonjagte – und damit auch dem Spuk von der sozialistischen Erziehung ein Ende setzte. Hubert Kinzel (al. port. 55 – 59)

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *


Termine Auch im aktuellen Schuljahr gibt es in der Pforte viele lohnenswerte Veranstaltungen. Manche laden besonders zu einem Besuch ein, andere legen Zeugnis davon ab, was sich in Schulpforta neben Schule und Internat abspielt. Im Folgenden erscheinen alle bisher bekannten Termine des Jahresterminkalenders von Januar bis Juli 2008. 14.01. | 20.00 Uhr: Gottesdienst (Abtskapelle) 16.01. | 19.30 Uhr: Benefizkonzert des Pfortenser Orchesters (Aula) 17.01. Bundeswettbewerb Fremdsprachen 21.01. Unihoc-Turnier; Theater »Pechvogel und Glückskind« von Dolly Hardt 23.01. Unihoc-Turnier; Theater »Pechvogel und Glückskind« 26.01. | 10.00-14.00 Uhr: Tag der offenen Tür 28.01. Theater »Pechvogel und Glückskind« 29.01. | 14.00 Uhr: Vortrag zur Alkohol- und Drogenprävention 30.01. Faschingsdisco 15.02. Aufnahmeprüfungen 18.02. | 20.00 Uhr: Gottesdienst (Abtskapelle) 23.02. Mathematikolympiade 27.02. Vortragsabend der Musikklassen 29.02. Aufnahmeprüfungen 03.03. Praktikumstag 06.03. Gewandhausfahrt nach Leipzig 06. & 07.03. Dornier-Auswahlseminar in Birklehof 10.03. | 20.00 Uhr: Gottesdienst (Abtskapelle) 12.03. »Chemie die stimmt« 29.03. Physikolympiade 31.03. Theater »Ernst sein ist alles« von Oscar Wilde 02.04. Theater »Ernst sein ist alles« 07.04. Basketballturnier; 20.00 Uhr: Gottesdienst (Abtskapelle) 09.04. Basketballturnier; Vortrag des Landtagspräsidenten Sachsen-Anhalts 16.04. Schülerdisco 18.04. Letzter Unterrichtstag der Abiturienten 21.04. Beginn der schriftlichen Abiturprüfungen 22.04. Crosslauf der 11. Klassen 05.05. Theater »Spieltrieb« von Juli Zeh 07.05. Tischtennisturnier; Theater »Spieltrieb« 26.05. Projektwoche zur Vorbereitung auf das Schulfest 30.05. Gewandhausfahrt nach Leipzig

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Alle Angaben sind ohne Gewähr. Es lohnt sich, nach zusätzlichen und veränderten Terminen auf der Internetseite der Landesschule (www.landesschule-pforta.de) oder in der Pforta-Information Ausschau zu halten.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

31.05. & 01.06. Schulfest 16.06. Beginn der mündlichen Abiturprüfungen 19.06. Sportfest 30.06. – 04.07. Studienfahrten 05.07. Entlassfeier und Abschlussball der Abiturienten 07.07. | 20.00 Uhr Gottesdienst (Abtskapelle) 08.07. Umzug in den Internaten 09.07. Zeugnisausgabe

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Immatrikulation

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Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta sowie des Pförtner Bundes, verehrte Festgäste, liebe Frau Büchsenschütz, lieber Herr Büchsenschütz, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Eltern und Großeltern, liebe Schülerinnen und Schüler! Porta patet, cor magis – die Pforte steht offen, mehr noch das Herz. Man möchte meinen, dieser alte Wahlspruch der Zisterzienser, in deren wiederbelebter Klosterkirche wir heute zusammengekommen sind, wäre einst für die Landesschule Pforta, für den heutigen Tag der feierlichen Immatrikulation, formuliert worden. 79 Obertertianer sowie zehn Quereinsteiger aus ganz Deutschland, die aus einer Vielzahl von Bewerberinnen und Bewerbern sorgfältig ausgewählt wurden, werden sich in wenigen Augenblicken in das große Immatrikulationsbuch der Landesschule eintragen – so, wie es seit 1543 rund 20 000 aufgeregte Jugendliche vor ihnen getan haben. Durch diesen Akt werden sie formal Teil einer selbstbewussten, generationen­ übergreifenden Gemeinschaft aus Pfortensern und Ehemaligen, den so genannten »Pförtnern«, die ihre Pforte für alle Neuankömmlinge weit geöffnet haben. Engagierte Pfortenserinnen und Pfortenser der Gegenwart beschreiben die Grundlagen des Zusammenlebens innerhalb ihrer Gemeinschaft in der von ihnen vorgedachten Charta Portensis so: »Unsere Gemeinschaft wird getragen von der Rücksicht und der Achtung vor dem Menschen, dem Leben und dem Ort, der Toleranz gegenüber jedweden Lebensvorstellungen, unserer Selbstständigkeit, unserem Verantwortungsbewusstsein und unserem Willen zur Integration sowie dem Engagement und der Teilnahme jedes Einzelnen am Ganzen.« Im schulischen Bereich bemühen sich Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern um Ausbildung auf höchstem Niveau – und dies auf der Grund­lage des über nunmehr fast fünf Jahrhunderte bewährten und unbedingt bewahrungswürdigen Kernkonzeptes der Einheit von Unterricht und Erziehung in der Internatsschule. »Ausbildung« ist in diesem Kontext nicht misszuverstehen als bestmögliche Vermittlung eines Maximums an Wissen zur Bewältigung der zugegebenermaßen hochkomplexen Herausforderungen unserer modernen Lebens- und Berufswelt. Wir alle, Schülerschaft und Kollegium der Landesschule, sollten uns bei allem Respekt vor der deutschlandtypischen akademischen Gymnasialausbildung

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gemeinsam davor hüten, einem Wahn der Gegenwart zu folgen und vor dem Denken ins Wissen zu flüchten. Der renommierte Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig schreibt dazu in seinem Buch »Wissenschaft« Folgendes: »Wissenschaft muss mehr sein als Beschaffung von Daten und die Feststellung von Beziehungen; Daten und Beziehungen, die kein Denken auslösen, sind es nicht wert, gewusst zu werden.« Hartmut von Hentigs explizite Grundidee für die Schule besteht darin, dass sie wie eine griechische Polis sein soll. Also ein überschaubarer Ort wie Schulpforta, an dem zunächst jeder erfährt, dass er gebraucht wird. Eine erste Öffentlichkeit, in der man es genießt, wahrgenommen zu werden und in der man lernt, sich akademisch, aber auch künstlerisch-kreativ und sozial zu exponieren. Zu guter Letzt aber auch ein geschützter Raum, in dem man als Mensch Fehler machen darf, ohne sich schämen zu müssen. Zu Recht empfinden heute viele der anwesenden Eltern und Großeltern einen gewissen Stolz, dass ihr Kind einer kleinen Schar bundesweit ausgewählter Jugendlicher angehört, die vom Land Sachsen-Anhalt gefördert werden, um ihre Begabungen gezielt weiterzuentwickeln oder auch weitere zu entdecken. Sollte man in diesem Zusammenhang nicht von einer »Elite« sprechen, einer Elite aus hoch motivierten Leistungsträgern, die unsere demokratische Gesellschaft dringend zu benötigen scheint, um nicht an der zunehmenden Gleichgültigkeit vieler Bürger zu zerbrechen? Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf das eingangs gebrauchte mittelalterliche Zitat lenken: Porta patet, cor magis – die Pforte ist geöffnet, mehr noch das Herz. Der zweite Halbsatz macht deutlich, was eine wahre Elite nach meinem Dafürhalten auszeichnet: Die Bereitschaft, die eigenen besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten neben der Verfolgung berechtigter Individualinteressen in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, mitfühlend insbesondere in den Dienst all jener, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen. Allein dieser Grundgedanke rechtfertigt auch die trotz zunehmend engerer finanzieller Spielräume nach wie vor erfreulich umfängliche Finanzierung der Landesschule aus Steuermitteln. Man denke neben der gerade abgeschlossenen Komplettsanierung mehrerer Unterrichtsräume, der anstehenden Ausstattung weiterer Internate mit Internet-Arbeitsplätzen und dem bereits begonnenen Umbau des alten Kapitelsaales im östlichen Kreuzgang zum vielseitig nutzbaren Konferenzraum insbesondere an die Ende Juli erfolgte Zusage von rund 10,5 Millionen Euro zur Sanierung zweier großer Internatskomplexe.

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In der Hoffnung, heute mit den hier versammelten Alt- und Neu-Pfortensern Vertreterinnen und Vertreter einer selbstbewussten, aber bescheidenen, einer wahren Elite vor mir zu sehen, komme ich zum Ende meiner kurzen Ansprache und möchte mich Ängsten und Sorgen zuwenden, von denen viele Anwesende in ihrem Innersten zweifellos geplagt sein werden:

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

»Wird die Schule eine Möglichkeit finden, meinem Kind finanzielle Unterstützung zu gewähren, um die Kostensteigerungen der jüngsten Zeit abzufangen, die meine Familie überfordern?« »Werde ich nach fünfzehn Jahren phasenweise ohne meine Eltern, werden meine Eltern über Wochen ohne mich leben können?« »Werde ich den hohen schulischen Anforderungen gewachsen sein?« »Werden die schulischen Anforderungen meinen Ansprüchen genügen?« »Werde ich in Schulpforta echte Freunde finden, die mir Halt geben, wenn ich sie brauche?« »Was werden die kommenden Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre bringen?« Ich habe einzig auf die erste Frage eine eindeutige Antwort: Ja, die Landesschule wird in den kommenden Wochen mit Hilfe des Pförtner Bundes, der Stiftung Schulpforta und der Melanchthon-Stiftung in jedem bekannten Einzelfall sicherstellen, dass die Finanzierung des Schulbesuches bei nachgewiesener Bedürftigkeit bis zum Abitur gesichert ist. Auf alle weiteren Fragen habe ich keine allgemein gültige Antwort; aber auch für mich und meine Familie beginnt heute, bedingt durch meine neue Funktion als rector portensis, ein neuer, unbekannter Weg. Ich habe diesen Weg gemeinsam mit meiner Frau gewählt, weil er Ansprüche an Kopf, Herz und Hand zu stellen scheint, weil wir uns durch eine neue Herausforderung weiterentwickeln möchten.

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Lasst uns diesen neuen Weg heute gemeinsam mit Elan und fröhlichen Herzens antreten; lasst uns die für uns weit geöffnete Pforte durchschreiten. In der Gemeinschaft der Pfortenser und Pförtner dürfen wir uns geborgen und sicher fühlen. Die Bedeutung unseres ersten Schrittes lässt sich kaum besser ermessen als durch ein Gedicht des 1963 in Boston verstorbenen amerikanischen Lyrikers Robert Frost, das ich abschließend in einer deutschen Übersetzung vortragen möchte: Robert Frost

Der nicht beschritt’ne Weg Zwei Wege trennten sich im gold’nen Wald und, weil ich nicht auf beiden konnte geh’n, musst’ allein entscheiden, macht’ ich lange Halt und schaute auf des einen Wegs Gestalt, soweit ich durch die Büsche konnte sehn. Ging dann den andern – der, genauso schön, den größer’n Anspruch hatte auf Gebrauch, denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn – obgleich die Wand’rer, muss ich schon gesteh’n, gebrauchten einen wie den andern auch. Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört. Ich hob mir einen Weg für später auf! Doch Wege führ’n zu and’rer Wege Lauf: Ich wusste wohl, dass keiner wiederkehrt. Und seufzend werd’ ich einmal sicherlich es dort erzählen, wo die Zeit verweht: Zwei Waldeswege trennten sich und ich – ich ging und wählt’ den stilleren für mich – und das hat all mein Leben umgedreht. Bernd Westermeyer, rector portensis

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ZukunftsKomitee

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Das Komitee zur Gestaltung der Zukunft Pfortes, kurz Zukunftskomitee, ist eine Schülergruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben in der Landesschule positiv zu beeinflussen. Gegründet wurde es im Februar 2007 als Konsequenz eines offenen Briefes zweier Schüler, der Missstände an der alma mater kritisierte. Dieser Brief richtete sich an Schüler und Lehrer gleichermaßen und forderte dazu auf, gemeinsam bestehende Probleme zu lösen. Angeprangert wurden unter anderem die Teilnahmslosigkeit der Schüler am sozialen Leben in Schule und Internat, die wahrgenommene Lethargie der Lehrer, die Vernachlässigung ganzheitlicher und individueller Bildung, die mangelnde Beachtung des humanistischen Grundgedankens und der fehlende, dringend notwendige Strukturwandel. Aus einer auf diesen Brief folgenden Diskussionsrunde gingen sowohl die Schülerzeitung »Pforte am Montag« als auch das »Komitee zur Gestaltung der Zukunft Pfortes« (ZK) hervor. Das Komitee sollte ursprünglich eine freie Arbeitsgruppe aus Schülern und Lehrern werden, die sich realitätsnah und lösungsorientiert mit den Problemen beschäftigen sollte. Leider besteht das ZK mittlerweile fast ausschließlich aus Schülern. So wird die Umsetzung des kooperativen Grundsatzes erschwert, das Komitee sieht sich häufig in die oppositionelle Ecke gedrängt. Die bisherigen Erfolge des Komitees sind unter anderem die Zusammenstellung eines Leitfadens für die Integration neuer Schüler und die Schülerbeteiligung an den Aufnahmegesprächen. Die Vorschläge zur Neudefinition der Flursprecherrolle wurden über die Sommerferien von der Hauselternkonferenz abgelehnt. Momentan arbeitet das ZK an einer freien E-Mail-Zeitung. Sie soll allen interessierten Schülern, Lehrern, Eltern und Ehemaligen als Grundlage zur Meinungsbildung sowie als Forum zum Meinungsaustausch dienen. Dieses Projekt befindet sich im Versuchsstadium und wird hoffentlich in naher Zukunft in die regelmäßige Auflage gehen. Weiterhin beschäftigt sich das Komitee mit der Behebung kleinerer Missstände im Alltag, beispielsweise wurden Halterungen für Gelbe Säcke organisiert. Für die Zukunft streben wir eine intensive Arbeit in Richtung des anlaufenden Schulprogramms an. Das Komitee freut sich über Anregungen, Gedanken und Unterstützung. Unter der E-Mail-Adresse zukunftskomitee@web.de kann mit den Organisatoren in Verbindung getreten werden.

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Jonathan Pastow (Klasse 10n) und Sascha Klocke (12s)

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Alt und Neu einträchtig neben- und ineinander: Vorne modernes Küchengerät, hinten die historischen Fenster.

Neuer Küchenglanz

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12.45 Uhr, es keilt. Leere Schülermägen bahnen sich mit dem Restkörper ihren Weg durch den Kreuzgang, nur die schwere Holztür trennt einen Großteil der Wartenden vom rettenden Mahl. Wenn es um das Essenfassen geht, brechen wohl seit Generationen unterschiedslos die Jäger- und Sammler-Instinkte in den Pfortensern durch. Doch seit Frühjahr 2007 sind die räumlichen und technischen Gegebenheiten der Schulküche auf höchstem Niveau.

In neuem Glanz erstrahlt auch die Essensausgabe, hier beim Mittagessen.

die historische Außenfront der Schule, doch auch ohne diese Zusatzbelastung, nämlich bereits vor fünfzehn Jahren, wurde deutlich, dass unter den derzeitigen hygienischen und räumlichen Bedingungen nur schwerlich ein professioneller Küchenbetrieb zu führen war. Die Pförtner aber, die sich über diese vielen Jahre an die kleinen und großen Küchen-Übergangslösungen fast gewöhnt hatten, rieben sich spätestens

Fotos: David Ortmann für DIE PFORTE

1 600 Mahlzeiten gilt es pro Tag vorzubereiten und auszugeben, und sogar für einen kecken Spruch oder eine Ermahnung reicht den Küchenfrauen die Zeit noch, bevor sich der Hintermann nach dem nächsten Teller reckt. Um auch den zusätzlichen 13. Jahrgang zu versorgen, beherrschte seit August 2001 ein funktionaler roter Container

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zum Schulfest 2007 die Augen: Der Container war verschwunden, der Speisesaal erstrahlte in neuem Putz, und beim Essensausschank verlor sich der Blick in die weitverzweigten, vor blankem Edelstahl glänzenden Trakte der Küche. Sogar von einer Mediathek, einem Studien- und Medienzentrum hörte man, während man den Blick vom Teller auf die teils neue Beleuchtung des Speisesaals wandern ließ. Kostenlos zu Fisch, Beilage und Nachtisch gibt es beim Essen auch die Tagesportion Lebenshilfe: »Da sieht aber jemand fertig aus. Wohl wieder die Nacht durchgemacht? Schlaf dich mal aus.«

Fast 3,9 Millionen Euro flossen in diese komplette innere Metamorphose, ein Betrag, dessen Höhe man erst begreifen kann, wenn man durch die restaurierten Räume streift. Bis ins historische Detail und mit viel Geschick wurde hier historische Substanz mit modernsten Bauformen verknüpft: neben den klösterlichen Fenstern hängen Edelstahlpfannen, ein Rundbogen wölbt sich über den Großofen. »Der jetzige Zustand ist ein Traum. Allein, wie perfekt die Be- und Entlüftungsschächte in vorhandene Schornsteine eingefügt worden sind!« freut sich Kerstin Melde, die Verwaltungsleiterin der Schule, über die erfolgreiche Symbiose der modernen Küche mit dem denkmalgeschützten Objekt. »Die Baumaßnahme wurde aufgrund des Schulkonzeptes in das Ganztagsschuleprogramm aufgenommen, sie wurde in erheblichem Umfang durch Bundesmittel des Investitionsprogramms ›Zukunft, Bildung und Betreuung‹ finanziert und mit Mitteln des Landes SachsenKonzentrierte Schüler bei der Arbeit an den Computern: Zwischen den letzten Informationen für den Physikvortrag bis zur E-Mail an den Freund ist alles möglich.

Anhalt kofinanziert«, erklärt sie dem verwunderten Zuhörer auf die Frage, wie das schuldengeplagte Sachsen-Anhalt diese große Summe aufgebracht habe – damit aber Schulpforta auch die Unterstützung durch Bund und Land erfahren hat, derer eine solche Landesschule dringend bedarf.

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Arbeitstische, PC-Plätze und Schülerbibliothek: Das Studienzentrum vereint verschiedenste Bereiche, ohne überfüllt zu wirken.

Geld kann nicht alles – aber hier ist zu sehen, was der Dreiklang aus großzügiger Finanzierung, guter Planung und historischem Baupotenzial entstehen zu lassen vermag. Auch für die noch anstehenden Restaurationen auf dem Gelände der Landesschule kann man mit Blick auf dieses Projekt guten Mutes sein, dass die Schule stückweise innen und außen weiter an Glanz gewinnt, der sich auch auf die Arbeitsbedingungen der Schüler und Lehrer auswirkt. Und es gilt zu hoffen, dass das Land Sachsen-Anhalt, das auf seinem harten Sparkurs zurzeit die Wirtschaftlichkeit seines Personals evaluiert, nicht bei denen weiter einschneidet, die diese aufwändig renovierten Hallen füllen – damit aus Schulpforta nicht nur eine schöne Hülle wird.

Fotos: David Ortmann für DIE PFORTE

Ortswechsel: Nachdem man sich davon überzeugt hat, dass trotz glänzender neuer Umgebung die Küchenfrauen ihren Humor und das Essen seine sättigende Wirkung behalten haben, geht es ein Stockwerk höher. Statt des ehemaligen Waschsaals befindet sich hier nun ein modernes Studien- und Medienzentrum, das auf einer oberen Ebene die wohlgeordnete Schülerbibliothek mit rund 8 000 Bänden, darunter einen angenehm geräumigen und durch große Fenster beleuchteten Computer-Bereich beherbergt. Hier arbeiten die Schüler an ihren Besonderen Lernleistungen, schieben Bilder in die Powerpoint-Präsentation des nächsten Vortrags – oder schreiben ganz profan E-Mails ins Draußen, das hinter den Klostermauern beginnt. Wenn keiner der sechs PC-Arbeitsplätze frei ist und man auch keinen der 36 weiteren Arbeitsplätze für die Hausaufgaben nutzen möchte, liegt eine ganze Reihe aktueller Zeitungen und Zeitschriften zum Schmökern bereit. Der luftige, durch konzentrierte und fast andächtige Stille geprägte Raum kombiniert auch hier eindrucksvoll restaurierte Architektur mit moderner Ausstattung. Allein um zu beobachten, wie sich die Kapitelle zur rot und türkis abgesetzten Decke drehen, ist das Studienzentrum einen Besuch wert.

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David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)

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Impressionen aus dem Musikzweig

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Im Schuljahr 2007/08 leisten die Schülerinnen und Schüler im Musikzweig nicht nur Altbewährt-Traditionelles, sondern stellen sich auch vielen neuen Aufgaben. Die Chöre sind, wie in der PFORTE Nr. 59/2006 erwähnt, bedingt durch das weggefallene 13. Schuljahr in ihrer Größe etwas geschrumpft. Der Gesangsqualität tat dies glücklicherweise keinen Abbruch, wie sich viele Zuhörer in den letzten Monaten überzeugen konnten und auch noch zu vielen Anlässen können werden. Im Herbst war der Mädchenchor Teil eines Choratoriums, das sich unter dem Titel »Du meine Seele singe« mit dem Leben Paul Gerhardts auseinandersetzte und in der Klosterkirche zur Aufführung kam. Der Verein »Kultur und Bildung 05 e. V.« hatte das

Foto: Sebastian Willnow für DIE WELT

Ilona Jende im Kleinen Festsaal beim Stimmbildungsunterricht.

Stück von August Buchner produziert und durch ganz Deutschland geschickt – in Schulpforta machte es mit dem Schauspieler Frank Roder Halt und forderte dem Chor nicht nur Gesangliches, sondern auch chorisch Gesprochenes ab. Bei der Ecce-Feier im November übernahmen die Chöre ihre traditionellen Aufgaben erneut ausgesprochen gut und ließen auch, mit allen anderen Beteiligten, das Martini-Gänseessen wieder unvergesslich werden. Im Dezember traten der Mädchenchor in Magdala, der gemischte Chor in Osterfelde auf. Letzterer war es auch, der am 18. Dezember in der reich mit Publikum gefüllten Wittenberger Stadtkirche sang. Julius Mauersberger, der der Schule nach seinem Abitur noch für ein Jahr als Zivildienstleistender erhalten geblieben ist, wirkte als wunderbarer Organist an der Sauer-Orgel mit.

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Ein Novum in diesem Schuljahr war die auf drei erhöhte Zahl der Weihnachtskonzerte. Trotz beißender Kälte waren diese in den letzten Jahren so gut besucht, dass sogar die Klosterkirche an ihre Grenzen kam. Daran konnte aber auch in diesem Jahr das zusätzliche Konzert wenig ändern: Die Auftritte am Sonntagnachmittag und -abend waren übervoll besucht, auch von vielen Eltern, die diese Möglichkeit immer gerne wahrnehmen, und am Montagabend war die kalte Kirche ein weiteres Mal sehr gut gefüllt. Wie in jedem Jahr unterstützten wir mit den Spendeneinnahmen die Kinderkrebsstation in Jena. Erstmals wurde aber in diesem Jahr auch das Kinderheim »Ludwig Renn« in Bad Kösen mit der Hälfte der Spenden bedacht – es waren 700 Euro. Am 16. Januar richten die Naumburger Rotarier ein heiteres Benefizneujahrskonzert in der Pfortenser Aula aus, Altrektor Büchsenschütz organisierte dieses maßgeblich. Die 340 Karten werden verkauft, um mit dem Erlös sozial schwachen Naumburger Kindern zu helfen – und um einen kleinen Startbeitrag für ein veritables Cembalo innerhalb der Klostermauern zu leisten. Im zweiten Teil des Konzertes, nachdem zuvor vor allem Instrumentalisten und Sänger aufgetreten sind, wird eine halbkonzertante Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Frühwerk »Bastien und Bastienne« folgen. Gesungen werden die drei Rollen ausschließlich von Schülern, das Schulorchester wird von David Bong aus der Klasse 12m geleitet – hier wird sich zeigen, mit wie viel Freude und Eigenengagement Schüler in Pforta musizieren. Zum Schulfest soll das Singspiel nochmals aufgeführt werden. Gewandhauskonzertbesuche, die sowohl Erlebnis als auch Tradition sind, und die Vortragsabende im Februar prägen weiterhin den Alltag der Musikklassen. Auch das Blechbläser-Ensemble ist sehr aktiv und tat sich vor allem im Dezember durch seine Weihnachtsmarkt-Gestaltungen hervor. Dass das Gute so nah liegen kann, werden wir im Juni beweisen: Dann wird der Mädchenchor eine Chorreise nach Thüringen in die Rhön unternehmen, um in Bad Salzungen, Philippsthal und Sünna Konzerte zu geben. Diese Reise ist auf Initiave von Eltern zustande gekommen und wird von uns gespannt erwartet. Nun gilt es, diese vielen Vorhaben mit Leben und Musik zu füllen. Ich wünsche allen Beteiligten dabei viel Freude. Ilona Jende, mag. port. und Leiterin des Musikzweigs Aufgezeichnet von David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)

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Neues von der Theatergruppe

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Theater ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Pfortenser Schullebens. In der Spielzeit 2007/2008 kann man sich wieder auf anregende, unterhaltsame, amüsante und manchmal auch ergreifende Inszenierungen freuen. Die erste Premiere liegt mit der Aufführung von »Celebration« am 19. November 2007 bereits hinter uns. Nach zweimonatiger Probenzeit konnte die absurde Komödie des englischen Satirikers Harold Pinter mit einem neunköpfigen Ensemble erfolgreich dem Publikum präsentiert werden (Regie: Max Bracke). In dem ebenso amüsanten wie tiefgründigen Stück karikiert Pinter, dem 2005 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, das dekadente Verhalten der vergnügungssüchtigen Londoner Oberschicht. Vor allem Pinters bissige Sprache sorgte im trotz eisiger Kälte gut besuchten Ludorium für Unterhaltung und reichlich Beifall.

Foto: Dascha Jahnke

Im Anschluss an die Aufführungen von »Celebration« begannen sogleich die Vorbereitungen für das zweite Stück der Spielzeit. Auch in diesem Schuljahr werden wir die beliebte Tradition des Wintermärchens aufrecht erhalten und mit »Pechvogel und Glückskind« von Dolly Hardt ein herzerwärmendes Stück in der kalten Jahreszeit auf die Pfortenser Bühne bringen. Pechvogel ist darin ein armer Schlucker und Prinzessin Glückskind die immer lachende Königstochter. Doch als sich beide treffen und Glückskind dem Pechvogel einen Kuss gibt, tauschen sie die Rollen. Von nun an läuft der Geküsste frohen Mutes durch die Welt, während die Prinzessin ununterbrochen weint. Die Arme kann nur durch eines gerettet werden: einen weiteren Kuss vom Pechvogel. Unter der Leitung von Theresa Schmidt (Klasse 12s), Lisa Hartke (10s) und Johanna Kober (10s) kommt »Pechvogel und Glückskind« am 21. Januar 2008 zur Premiere, weitere Vorstellungen finden am 23. und 28. Januar statt. Die dritte Inszenierung dieser Spielzeit führt die Zuschauer ins London des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Lea Kolb und Johanna Wege (beide 10n) wird Oscar Wildes »Ernst sein ist alles« (»The Importance of Being Earnest«) in Schulpforta aufgeführt. Im Stück geht es um Earnest Worthing, der nur ein Ziel hat: die Cousine seines besten Freundes Algeron Moncrieff. Das einzige, jedoch unüberwindlich scheinende Problem ist deren Mutter Augusta. Der Gentleman Jack mit Landhaus und guter Etikette besitzt außer einer großen Handtasche leider keine nachweisbare Identität. Dass der Schürzenjäger Algeron zufällig von Jacks minderjährigem Mündel erfährt, ist in dieser Situation

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Szenenfoto aus »Celebration«, das unter anderem am 19. November 2007 von der Pfortenser Theatergruppe im Ludorium aufgeführt wurde.

ebenfalls wenig hilfreich. Um den Geliebten näher und den Ungeliebten davon zu kommen, legen sich die beiden Gentlemen Scheinidentitäten zu. Doch es kommt, wie es kommen muss: Die beiden Herren verheddern sich in ihrer Maskerade. Das Publikum kann sich am 31. März 2008 auf eine frische Komödie mit feinstem englischen Humor freuen. Weitere Vorstellungen sind am 2. April und zum Schulfest geplant. Abgeschlossen wird diese Spielzeit mit dem eher ernsten »Spieltrieb« nach einem Roman von Juli Zeh. Dabei wird die konventionelle Konstellation von grausamen Lehrern, die die Schüler malträtieren, auf radikale Weise umgekehrt. Die 14-jährige Ada ist hochintelligent und kalt, ihr älterer Schulfreund Alev wirkt mephistophelisch. Der Lehrer Smutek stammt aus Polen und wagt sich so nahe an Ada und Alev, dass er in eine ausgeklügelte Erpressung gerät, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreitet. Das Spiel beginnt, und mit ihm die letzte verbliebene Seinsform der Nihilisten. Als Vorlage diente Lisa Hartke, unter deren Leitung die Romanhandlung in Schulpforta in Szene gesetzt wird, das Textbuch einer früheren Inszenierung in Hamburg. Während der Ausarbeitung des Regiekonzepts konnte Lisa Hartke Kontakt zu Juli Zeh aufnehmen, die auf Fragen gerne antwortete. Möglicherweise ist mit der bekannten Leipziger Autorin sogar zur Premiere am 5. Mai 2008 zu rechnen. Die zweite Vorstellung findet am 7. Mai statt, eine dritte Aufführung wird es zum Schulfest geben. In der Spielzeit 2007/2008 hat sich die Theatergruppe Schulpforta also wieder einiges vorgenommen. Zu allen Vorstellungen laden wir die Mitglieder des Pförtner Bundes herzlich ein. Der Eintritt ist weiterhin frei. Max Bracke (Klasse 12s)

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Wem begegnet Gott – und wo? Am 3. Juni 2007 (464. Jahrestag der »Neuen Landesordnung«) predigte Prof. Dr. Robert Leicht zum Schulfestgottesdienst über die traditionelle Bibel­ stelle 1. Mose 28, 10 – 19 a:

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Liebe Gemeinde! »Tut mir auf die schöne Pforte!« – so haben wir es eben gesungen, mit einer Strophe, die unverkennbar von unserem Predigttext inspiriert wurde. In der Tat: Auch Jakob hätte so singen können, am Morgen, nach dem Aufwachen, denn er stand ja unmittelbar davor: »… hier ist die Pforte des Himmels. Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus …« Und wo stehen wir? Etwa auch an der Himmelspforte? Die historischen Quellen deuten in nichts Konkretem darauf hin, dass man bei der Kloster- und Kirchenbenennung (und Verlagerung hierher), dass man also bei der Namenswahl »St. Mariae et Johannes Baptist ad portam« an die Himmelspforte gedacht hätte. Eine Maria an der Pforte findet man nicht in den vielen altkirchlichen und katholischen Heiligenlegenden, stattdessen wird immer wieder Maria selber als die Pforte gefeiert, einerseits als jene, durch die Christus in die Welt kam, andererseits als jene Himmelstür, die sie uns neu wieder eröffnet, nachdem sie hinter Adam und Eva zugeschlagen worden war. Aber nun ist Schulpforta durch das Glasbild im Chor und durch die lange Predigtpraxis so mit der Geschichte von der Himmelsleiter verbunden, dass wir ungeachtet der langen, ehrenwerten Tradition vor einer ziemlich kritischen Frage stehen: Wir können zwar singen und bitten: »Tut mir auf die schöne Pforte!« Aber könnten wir im Ernst und ohne jeden Vorbehalt an just diesem Ort behaupten: »Wie heilig ist diese Stätte!«? An Festtagen soll man ja nicht Wasser in den Wein gießen – zumal nicht, wenn es sich um den guten von Saale und Unstrut handelt. Aber könnte man das wirklich behaupten: »Hier ist, hier war nichts anderes als Gottes Haus!«? Als ich 1944 in diesen Gebäuden meine allerersten Lebenstage verbrachte, war Schulpforta schon neun Jahre lang von den Nationalsozialisten mit Beschlag belegt worden. Als ich 1983 als Journalist aus dem Westen zum »Luther-Kirchentag«

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nach Wittenberg (via Naumburg und Pforta) anreisen durfte, war Schulpforta in der Hand des atheistischen Sozialismus. Schon in den Napoleonischen Kriegen ging in dieser Kirche gewiss auch manches drunter und drüber. Und selbst wenn wir uns das Wirken von Bernhard von Clairvaux, des sozusagen ersten Ausgründungsabtes und »Globalisierers« der Zisterzienser, näher betrachten, stellen sich doch auch sehr bohrende Fragen ein, jedenfalls aus dem Rückblick – und zwar nicht nur auf seine fatalen Kreuzzugspredigten. Zur Slawenmission, also zur frühen Tätigkeit auch dieses Klosters an der damaligen Ostgrenze des Christentums, ist uns von Bernhard der Satz überliefert, man müsse entweder den Aberglauben der Slawen oder eben die Slawen selber ausrotten. Mein Heiliger, offen gestanden, ist das nicht. Also, liebe Schulgemeinde, seien Sie bitte nicht allzu sehr enttäuscht, wenn Ihnen von einer voreiligen Ausweisung heiliger Stätten, wo auch immer, abgeraten wird. Übrigens: Selbst das in unserem Predigttext so feierlich hervorgehobene Heiligtum Bethel ist dann zugunsten Jerusalems aufgegeben worden, genauer: Es wurde unter Josia im Zuge der Kultreform und -konzentration zerstört: »Auch den Altar in Bethel, … diesen Altar brach er ab, zerschlug seine Steine und machte sie zu Staub und verbrannte das Bild der Aschera.« Es ist aber vor allem unser Predigttext selber, der unseren Blick in eine andere Richtung lenken will. Es geht nämlich nicht um die Frage: Ist dieser oder jener Ort nun ein heiliger oder nicht?, sondern um zwei andere Fragen. Erstens: Wo begegnen wir Gott? Und zweitens: Welchen Menschen begegnet Gott? Und die Antworten lauten am Ende so: Erstens muss man kein Heiliger sein oder angestrengt zu werden versuchen, bevor – und damit – einem Gott begegnet! Und zweitens muss man sich nicht an heilige Orte verfügen, um die Nähe Gottes zu erfahren! Aber nun schauen wir uns Jakobs Erlebnis näher an: Jakob ist unterwegs auf einer langen Reise. Zwar glätten die späteren Endredaktoren des 1. Buchs Mose die Geschichte ein wenig ins Fromme und lassen Jakob den Befehl seines Vaters ausführen: »Nimm dir nicht eine Frau von den Töchtern Kanaans …« Aber während die spätere Version Jakob aus religiös korrekten Gründen nach Mesopotamien auf Brautschau ziehen lässt, wissen wir sozusagen aus der Frühfassung: Jakob ist vor allem auf der Flucht vor dem Zorn seines Bruders, den er unter der tätigen Mitwirkung der Mutter um das Erstgeburtsrecht betrogen hat. Nicht in erster Linie also Brautschau, schon gar nicht fromme Wallfahrt, sondern: Jakob rennt gewissermaßen um sein Leben.

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Er wird vom Sonnenuntergang überrascht, weit und breit keine Herberge in Sicht – und wenn, dann dürfte er sich da vielleicht auch nicht einmal sehen lassen. Zelte, Lasttiere (gar eine Eselin, wie Ihre Frau Pastorin sie ihr eigen nennt) und dergleichen führt er offenbar nicht mit sich. So bleibt ihm nichts anderes als eine Übernachtung unter freiem Himmel. Nicht einmal von einem Gebet zur guten Nacht ist die Rede. Wahrscheinlich hatte Jakob sogar ein viel zu schlechtes Gewissen, als dass er großen Wert darauf gelegt hätte, an Gott zu denken oder ihm gar gegenüber zu treten. Doch eben in der von allen Menschen und guten Geistern und wohl auch von Gott (und – wenn alles gut geht – auch von gefährlichen Tieren) verlassenen Gegend, auf dem kahlen und kalten Lager des Ehr- und Wehrlosen geschieht das vollkommen Unerwartete, ja das nach frommen Ermessen geradezu Unerhörte: Jakob sieht Engel und hört Gott! »Ist ja alles nur ein Traum!«, möchte da vielleicht jemand einwerfen. Aber für die Autoren und ersten Leser der Geschichte war der Traum nichts Unrealistisches, nicht bloß Schaum oder – wie für uns seit Sigmund Freud – allenfalls eine Spiegelung unseres verdrucksten Seelenlebens, sondern durchaus eine Form gesteigerter Wirklichkeitswahrnehmung. In Wahrheit haben wir es sogar mit einem doppelten Traum zu tun. Es überlagern sich nämlich zwei Überlieferungen. In der älteren Überlieferungsschicht tritt Gott selber immer wieder als lebensvolle, manchmal nachgerade menschliche Gestalt mit all ihren widerspruchsvollen Emotionen auf, in Gnade und Güte, aber auch in scheinbar maßlosem Zorn. Jakob bekommt ihn zwar nicht zu Gesicht – dies wäre ja auch eine Begegnung, die nach jüdischer Glaubensgewissheit kein Mensch überleben könnte. Doch Gott bringt sich zu Gehör. Die etwas jüngere Überlieferungsschicht hingegen zeigt allein das Bild der schweigend auf der Himmelsleiter auf- und absteigenden Engel. Beide stehen sie nun beisammen. Hier das bildlose Wort Gottes – dort das wortlose Bild der Engel: Die Worthälfte bezieht von der Bildhälfte des Traums die visionäre Schönheit, die Bildhälfte vom Wort ihre sinnhafte Deutung. Erst das Ineinander und Übereinander beider Traumhälften verdichten sich zu dieser jahrtausendealten und immer wieder neu faszinierenden Vision, die die Maler von Elsheimer bis Chagall Mal um Mal erregt und angeregt hat und auch das Glasfenster in diesem Chor bestimmt. Selbst in der Benennung besonders langer Treppen und Stiegen im Tourismus, von der Sächsischen Schweiz bis in die Südpfalz, lebt die Vision populär profanisiert fort – nur dass dort so wenig wie auf jener Himmels-Treppe zu Rom Engel auf und absteigen, sondern Menschen wie Sie und ich. In meinem Hamburger Garten, ganz nahe der Himmelsleiter an der Elbchaussee, steht übrigens eine hübsche, sich hoch reckende Pflanze mit dem Namen »Jakobsleiter« (Polemo-

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nium caeruleum) – ihren deutschen Namen hat sie wahrscheinlich von der himmelblauen Farbe ihrer Blüten. Doch als Jakob träumte, herrschte rabenschwarze Nacht – und umso strahlender muss ihn das unerhörte Himmelslicht überfallen haben. Auch uns kann Gott begegnen, wo immer er es will und wo wir es gerade nicht erwarten – selbst in der schwärzesten Finsternis verschuldeter oder unverschuldeter Verlassenheit. Man hat es sich da und dort angewöhnt, etwas leichtfertig von einer »gottverlassenen Stadt« zu reden (vorzugsweise von Berlin) oder endzeitliche Beschwerde darüber zu führen, dass der Osten Deutschlands im Grunde seit 1933 bis 1989 von Diktaturen beherrscht wurde, woraus sich der Abriss christlicher Tradition recht einfach erkläre. Wohl wahr – aber dass die Menschen aus diesen oder jenen Gründen Gott vergessen haben, heißt doch noch lange nicht, dass Gott die Menschen verlassen hätte oder gar, dass wir in einem gottlosen Land lebten. Wir sollten gewiss nicht fromm spekulieren, wo und wann uns Gott begegnen wird (am besten, wo und wann wir es wollen!) – aber rechnen sollten wir damit jederzeit und an allen Orten. Auch an den unwahrscheinlichsten Orten und mitten in der nächtlich-kahlen geistigen Wüste. Und dann mögen wir wie Jakob denken und danken:

Welchen Menschen aber begegnet Gott? Nur den Heiligen, den scheinbar Heiligen, den jederzeit fromm auf alles Vorbereiteten? Denen, die es verdient haben? Dann hätte Gott dem Jakob kein Sterbenswörtchen sagen dürfen. Dann hätten die Engel bleiben müssen, wo sie waren. Die Geschichte von Jakobs Himmelsleiter muss dem selbstgerechten Frommen wie ein handfester Skandal erscheinen. Da betrügt der zweitgeborene Sohn seinen etwas älteren Bruder um den letzten väterlichen Segen. Und

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

»Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!«

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das war nicht irgendein Segen gewesen, sondern jener Ur-Segen, der in Jahwes Verheißung mündete: »… ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.« Und dieser Segen aller Segen, die Verheißung an Israel, war nun im Wege der groben Erbschleicherei umgeleitet worden. Dass Esau dem Jakob zuvor sein Erstgeburtsrecht ziemlich töricht gegen ein Linsengericht verkauft hat, würde auch das Oberlandesgericht in Naumburg gewiss als sittenwidriges Geschäft betrachten – daran, dass der Vater Isaak dabei betrogen wurde, ändert sich durch solche Abmachungen ohnehin nichts. Wie sehr das Rechtsgefühl der Berichterstatter und Deuter durch diesen Skandal beleidigt wurde, kann man an der notdürftigen und eigentlich wiederum sehr gewagten Unterstellung ablesen, dass dies alles auch noch von Jahwe so vorherbestimmt gewesen sein soll: Noch während der Schwangerschaft der Mutter Rebekka habe der HERR zu ihr gesprochen: »Zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen« – die legitime Erbfolge solle also auf den Kopf gestellt werden. Man spürt regelrecht das geistige Ringen der Autoren mit dem biblischen Skandal. Der aber spitzt sich unter der Himmelsleiter weiter zu. Denn da bestätigt Jahwe mit der Erneuerung des Segens auch noch den Segensraub. Kein Wort des Anstoßnehmens, auch keine Aufforderung, den geprellten Bruder wenigstens fair zu entschädigen. Man kann dies alles auch zu lesen versuchen als eine nachträgliche religiöse Rechtfertigung des tatsächlichen Ausgangs alter nackter Machtkämpfe. Aber für die Glaubenserfahrung der biblischen Leser und für die Leser der Bibel heißt dies doch in allererster Linie dies: Gott bedient sich für seine Geschichte unter uns Menschen in allergrößter Souveränität immer wieder auch solcher Gestalten, vor denen unser bürgerliches Anstandsgefühl und unsere religiöse Etikette entsetzt zurückweicht – Jakobs zum Beispiel. Oder Davids, der den Mann einer Frau mörderisch beiseite räumt, die er ehebrecherisch für sich gewinnen will. Oder Petrus und der beiden Söhne Zebedäi, die im Garten Gethsemane über den todesfürchtigen Gebeten Jesu dreimal seelenruhig einschlafen – Petrus wird den Herrn anschließend auch noch dreimal verleugnen. Oder Paulus, der als Saulus einer der eifrigsten Christenverfolger war. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Leuten der Herrgott seine Kirche auf baut. Also auch mit uns!

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Das heißt nun keineswegs, dass man fröhlich sündigen und Recht brechen dürfte, ja sollte – es würde ja ohnehin alles wieder gut. Aber es heißt gewiss dies: Glaubt ja nicht, ihr könntet Gott vorschreiben, wem er unter euren Mitmenschen begegnen dürfe – und wem nicht! Glaubt ja nicht, wenn ihr nur recht brav, fromm und anständig seid, müsse Gott sich euch, gewissermaßen dankbar und pflichtgemäß, zuwenden! Und glaubt ja nicht, ihr könntet verhindern, etwa durch Lug und Trug oder Erbschleicherei, dass Gott euch anspricht und begegnet! Die grandiose Souveränität Gottes, die sich in dieser und in seiner ganzen Geschichte zeigt, hat etwas Atemberaubendes und geradezu Erschreckendes. Sie hat aber auch etwas Tröstliches an sich, sie schafft uns Atem – weil wir hoffen dürfen, dass er sich auch den Jakobs dieser heutigen Welt in uns und unter uns zuwendet; und sie brauchen will! Aus dieser rätselhaften, zuweilen nahezu skandalösen Souveränität und Zuwendung und Anrede Gottes können wir immer wieder Lebensmut schöpfen, selbst dort, wo wir schon längst auf der Flucht sind vor den Folgen dessen, was wir angerichtet haben.

Sie sind noch jung und haben den größten Teil Ihres Lebens noch vor sich. Hier in Schulpforta wird sich Ihnen auch die eine oder andere Pforte öffnen – Türen hingegen, die nur auf Abwege führen können, werden Sie möglichst rechtzeitig erkennen oder gezeigt bekommen, wo nötig auch durch Verbote. Sie sind noch jung – aber auch Jakob war noch jung (er hatte damals ja noch nicht einmal eine Freundin) und hatte den größten Teil seines Lebens noch vor sich, als er auf skandalöse Abwege geriet. Und doch begegnete ihm Gott in der Einsamkeit der kalten, nächtlichen Hochebene. Vergessen Sie also nie die Erinnerung an diese Begegnung, die auch die Ihre werden könnte. Die Himmelsleiter möge Ihnen dafür eine lebenslange Gedächtnisstütze bleiben.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Liebe Schulgemeinde – also vor allem: Liebe Schülerinnen und Schüler!

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Und für uns Älteren? Eine alte Geschichte nur – ein Traum zudem, wenn auch ein schöner? Die Geschichte hört freilich am Ende unseres Predigttextes gar nicht auf. Im Johannes-Evangelium erfährt sie noch eine weitere Zuspitzung: Nathanael sitzt unter dem Feigenbaum und bevor er Jesus sieht, sieht der ihn; so, wie Gott uns ansieht, bevor wir ihn je zu sehen bekommen. »Was kann aus Nazareth Gutes kommen!«, spottet Nathanael – wie so mancher heute sagt: »Wer glaubt denn noch an so etwas – an Gott und all das andere?« Doch Nathanael begegnet und erkennt schließlich Jesus von Nazareth, ja, glaubt an ihn – weil der ihn angesehen hat. Und Jesus spricht zu ihm: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.« (Joh 1, 51) Welche erstaunliche – und für den frommen Juden der Zeit eher skandalöse – Pointe: Nun sehen wir nicht mehr Jakob am Fuße der Himmelsleiter, sondern Jesus, den Menschensohn selber. Jesus vergleicht sich mit Jakob, dem Lügner, dem Stammvater des Volkes Israel; und er versetzt eben diesen Jakob in eine Vorläuferrolle seines eigenen Wirkens. Vor allem aber: Jetzt handelt es sich endgültig um keinen Traum mehr, sondern um eine ultimative Verheißung – und zwar nicht nur an einen, sondern an uns alle: »Ihr werdet den Himmel offen sehen …!« Diese Vision, diese Offenbarung strahlt schon jetzt in unser Leben zurück und leuchtet ihm voraus, so wie das Gesicht der Himmelsleiter dem Leben des vor sich selbst davonlaufenden Jakob eine ganz unerhörte Wendung gab. Und wo immer dies geschieht, an welchem unscheinbaren oder scheinbar heillosen Ort auch immer, heißt es zu Recht: »… hier ist die Pforte des Himmels. Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte …« Und vielleicht wissen wir es dann sogar. Amen. Prof. Dr. h. c. Robert Leicht

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Abenteuerreise auf verbrannter Erde

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Am Nachmittag des 9. Oktober machte sich eine gewaltige Gruppe Pfortenser auf, das Land der alten Griechen neu zu entdecken, geführt von den Lehrern Frau Huppenbauer-Krause, Frau Wehrmann, Herrn Schuricht sowie der Mutter Frau Tetzlaff. Nach einer verschlafenen Busfahrt erreichten wir die italienische Stadt Ancona und fuhren von dort mit einer Fähre über die Adria. Nach einer Fahrt mit nur wenig Abwechslung, aber unvergesslichen Sonnenuntergängen, betraten wir endlich griechische, etwas verbrannte Erde. Wir stellten mit Schrecken fest, wie viel die Feuerbrunst zerstört hatte: Bäume standen einsam und kahl, an Häusern erinnerten schwarze Flecken an die Augustbrände. Kaum angekommen machten wir uns auf, alles zu erkunden, aufzunehmen und zu dokumentieren, was man an alten Schätzen und Burgen nur finden konnte. Da gab es zunächst die Meteora-Klöster, die man unter Einsatz seines Lebens erkletterte, oder auch Delphi, wo wir noch nachts in den Steinen herumstiegen, um den Weissagungen der Pythia zu lauschen. Wir drangen in die Stadt Athen ein. Noch nie hatten wir einen solchen Kontrast zwischen Verschmutzung und Ordnung, Antike und Moderne erlebt. Eifrig pilgerten wir durch die engen Straßen – manchmal bedroht von den unheimlichen Einwohnern – und suchten die Akropolis und im Museum die größten Schätze der griechischen Nation auf. Abends warfen wir uns in das wilde Stadtleben, besuchten das Hard Rock Cafe oder das Studentenviertel. Doch wir hatten nicht genügend Zeit, um den griechischen Wein vom Vorabend so richtig zu verdauen. Wir mussten weiter, um unsere spartanischen Freunde zu besuchen. Welch ein Graus, in was für einem Zustand sich ihre vergänglichen Überreste befanden! Einige unserer klügsten Köpfe schmiedeten schon Pläne zur Errichtung einer spartanischen Erlebniswelt für Groß und Klein. Uns fehlten jedoch noch die finanziellen Mittel und eine Ausgrabungsgenehmigung, sonst hätten wir unsere Idee sofort umgesetzt. Nachdem wir noch einige weitere Stationen bewältigt hatten (Eleusis und den Kanal von Isthmos), sahen wir endlich wieder das Meer. Einige Mutige warfen sich auch sofort in die Fluten, trotz des kühlen Wetters. Traurig war es dann, das schöne Griechenland bald wieder verlassen zu müssen. Wir hatten nicht nur Freude an der faszinierenden Landschaft, am Glockengeläut der Ziegen und an den goldenen Ikonen in den orthodoxen Klöstern, sondern verschafften uns auch einen prägnanten Eindruck von der griechischen Kultur und Lebensweise. Eine gelungene Abenteuerreise.

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Christin Erbarth (Klasse 12s)

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Mit Hand und Herz in der Dritten Welt In der letzten Ausgabe druckten wir auszugsweise die Monatsberichte von Stefan Baschel (al. port. 01 – 06 v.) ab, der sich für ein Jahr in Nicaragua befand. Inzwischen ist Stefan wohlbehalten und voller Erfahrungen nach Deutschland zurückgekehrt. Auch in diesem Jahr haben Pfortenser die Entscheidung getroffen, nach der Schule in den ärmsten Regionen der Welt tatkräftig und nachhaltig zu helfen. Mit Franz Werfel (03 – 07 v.) und Gisela Fahlbusch (03 – Jan. 07) befinden sich nun zwei ehemalige Landesschüler in Bolivien – Franz nimmt sich sozial benachteiligten Kindern in der Millionen- und Armenstadt El Alto an (folgender Text), Gisela betreut Grundschulkinder in der politisch angespannten Hauptstadt Sucre (ab Seite 56).

Foto: Lukas Bretzinger

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Am Freitag, dem 26. Oktober, war es so weit: Ich wurde der 9. Klasse der Unidad Educativo, die Jorge besucht, als Gastbruder vorgestellt. Jorge ist der vierzehnjährige Sohn der Gastfamilie, die mich in den ersten fünf Wochen in Bolivien zur Eingewöhnung aufnahm und mit denen ich auch jetzt noch sehr verbunden bin. Ich war froh, dass mich mein Mitbewohner Lukas begleitete, denn auch seine Gastschwester geht in Jorges Klasse. Mich reizte der Besuch eines ganz normalen Colegios (erweiterte Schule; in Bolivien sollen alle Kinder, so sie denn nicht arbeiten müssen, die Schule bis zur 12. Klasse besuchen, zudem gibt es eine einjährige Vorschulpflicht) schon lange, schließlich wollte ich endlich die Probleme meiner Nachhilfekinder verstehen, wollte begreifen, woher all die Schwierigkeiten kommen, und mir einen Eindruck von dem Frontalunterricht Boliviens verschaffen. Auch hatte ich festgestellt, dass meine Gastbrüder, obwohl sie nur einen fünfminütigen Fußweg zur Schule haben, meist erst zehn Minuten nach 8 Uhr das Haus verließen, die Schule jedoch stets Punkt acht beginnt (oder zumindest beginnen sollte!).

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Matemática, Lenguaje (Spanischunterricht), Inglés (Englisch) und Informatik standen auf dem Plan. Wir kamen also kurz nach acht in der Schule an, betraten den Klassenraum und wurden den Mitschülern vorgestellt. Wer sich über un-

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bequeme Schulmöbel in Deutschland beschwert, sollte einmal auf den harten Holzbänken gesessen haben, die mich an ein Heimatkundemuseum erinnerten, in dem deutsche Schulmöbel aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt werden! 8.20 Uhr (auch hier machte sich wieder die sprichwörtliche bolivianische Unpünktlichkeit bemerkbar, die als »Bolivianische Zeit« (Hora Boliviana) bekannt ist) betrat der lässige Mathelehrer in schwarzem Anzug und mit Sonnenbrille den Klassenraum (ich habe mich mit Lukas darüber unterhalten: In unserer ganzen Schulzeit haben wir nie einen Lehrer mit Sonnenbrille im Unterricht erlebt). Eine Unterrichtsstunde dauert hier achtzig Minuten. Danach schließen sich weitere achtzig Minuten an, es gibt zwischen diesen beiden Stunden (in der Theorie) keine Pause. Es war tatsächlich so, dass trotz Hospitation zweier Gäste eine unglaubliche Unruhe während des Unterrichts herrschte. Letzten Endes wurden von den achtzig Minuten Unterrichtszeit zehn (!) Minuten unterrichtet. Zwanzig Minuten kam der Lehrer zu spät, fünf Minuten verließ er vor Unterrichtsschluss schon wieder das Klassenzimmer, 45 Minuten herrschte Unruhe, sodass er nicht wirklich arbeiten Keine Berührungsängste hat dieser Junge aus der Kleinkindgruppe. Vor allem die Kamera seines Gegenübers hat es ihm angetan.

konnte. Jorge erklärte mir, dass der Lehrer jeden Samstag zwei Stunden Zusatzunterricht anbietet, für diejenigen, die lernen und das Examen bestehen möchten. An diesem Tag habe ich auch verstanden, warum meine Gastgeschwister so wenig Schlaf benötigen (etwa sieben Stunden täglich): Die Schulzeit ist einfach nicht anstrengend, der stumpfe Frontalunterricht ermöglicht es desinteressierten Schülern (und das sind nicht wenige), sich ganz einfach vom Unterrichtsgeschehen auszuklinken. Ich habe erlebt, wie neuer Mathestoff eingeführt wurde: Die Überschrift wird an die Tafel geschrieben, die Schüler schreiben ab, die Theorie wird diktiert, die Schüler schreiben auf, ein Beispiel wird an die Tafel geschrieben, die Schüler schreiben ab. Es wird den Lernenden keine Möglichkeit gegeben, selbstständig Übungsaufgaben zu lösen, die (vielen) Hausaufgaben bestehen meist aus Abschreibeübungen, damit zumindest das Auswendiglernen unterstützt und erleichtert wird.

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Mit unüblichen Mitteln gegen unübliche Herausforderungen: »God shave the Queen«. Die Bolivianer schreiben eifrig mit und staunen über den ungewohnten, »deutschen« Unterricht.

In der Pause, die es ja theoretisch gar nicht gibt und die nur dadurch entstand, dass der Mathelehrer fünf Minuten früher den Unterricht beendet hatte und die Sprachenlehrerin 25 Minuten zu spät kam (sie hat ihren Kollegen also noch getoppt!), erklärte ich einem Mädchen seine Englischhausaufgaben. Wir redeten jedoch nicht über Inhalte, sondern über Aufbau und Struktur des Arbeitsblattes, das genau das eigenständige Denken anregen sollte.

Foto: Lukas Bretzinger

Lukas und ich machten uns, im Anschluss an den Spanischunterricht, während der großen Pause schon einmal mit der Englischlehrerin bekannt. Was eigentlich dazu gedacht war, um die Hospitation zu bitten, endete damit, dass wir gebeten wurden, die heutige Englischstunde zu übernehmen! Sie habe heute keine Zeit für Unterricht, meinte die Lehrerin, und es sei doch bestimmt auch mal sehr spannend für die Klasse, von Europäern unterrichtet zu werden. So befasste ich mich also während der verbleibenden fünf Pausenminuten damit, von den Kindern in Erfahrung zu bringen, was wir denn heute machen könnten. Ich griff auf das Arbeitsblatt mit den Hausaufgaben zurück, mit dem ich mich schon in der ersten »Pause« bekannt gemacht hatte. Neben den Ausspracheschwierigkeiten, die alle Kinder hier im Englischen haben, gibt es auch große Verständnisprobleme. Da vielen das Leseverständnis schon in der eigenen Muttersprache fehlt, können sie auch in der englischen Sprache noch so viele Vokabeln wissen – der Gesamtzusammenhang bleibt ihnen selbst bei einfachen Texten verborgen. Ich entschied, diesen Schülern ein wenig von unserer Unterrichtspraxis zu zeigen, und rief ungeniert Schüler zum Vorlesen und Übersetzen auf. Nach dem ersten Schrecken, direkt und vor allen vom »Lehrer« etwas gefragt zu werden, begann diese Stunde den meisten viel Spaß zu machen. Wir übersetzten also den Text gemeinsam und beantworteten die Fragen (die natürlich auch erst von den Besten übersetzt werden mussten, damit alle Schüler den Inhalt verstanden). Wenn jemand gut geantwortet hatte,

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durfte er Lukas und mich zur Belohnung ein Wort fragen, das er schon immer mal auf Englisch wissen wollte. Gefreut hat mich, als es nach der Stunde seitens einiger Schüler hieß: »Profe (Abkürzung für Professor; gängige Lehreranrede), das war die beste Englischstunde, die wir je hatten!« Abschließend sang die Klasse für uns zwei Freiwilligen zum Dank noch die bolivianische Nationalhymne.

Schneewittchen in bolivianischen Minen Große Schwierigkeiten hatten wir über den gesamten ersten Monat hinweg mit unserer Theatergruppe, bestehend aus Jugendlichen zwischen elf und vierzehn Jahren. Mit den Nachmittagskids beginnen wir um 14 Uhr unseren Theaterworkshop für zwei Stunden. Ein Tipp von unserem Theaterchef Iván im COMPA (COMPA steht für Comunidad de Productores en Artes, das ist ungefähr mit »Gemeinschaft Kunstproduzierender« zu übersetzen und in El Alto mein Hauptprojekt) half uns: Wir sollten zu Beginn der Arbeit mit einer neuen Theatergruppe nur sehr kurze, zeitlich begrenzte Projekte anberaumen, danach könne man sehen, wer sich wirklich weiterentwickeln möchte und für wen das Theaterspiel vielleicht doch nicht die richtige Kunstform darstellt. Eine Woche später begannen wir mit der Entwicklung und Einstudierung eines kleinen Anspiels (fünfzehn Minuten) über das Thema Colegio (nachdem »Familie« wieder fallen gelassen wurde, da niemand die arme Familie spielen wollte). Diskriminierung (von Mädchen und Rassen) sollte ebenso zur Sprache kommen wie das Problem der Kinderarbeit. Wir haben dieses Anspiel tatsächlich in den vorgegebenen drei Wochen geschafft, danach sind einige Mädels aus der Gruppe ausgestiegen, andere hinzugekommen. Nun haben wir noch zwei weitere Wochen für unser Weihnachtsmärchen »Blancanieves« (»Schneewittchen«) Zeit, wobei diese Arbeit in der ersten öffentlichen Aufführung der Gruppe zum Weihnachtsfest des Zentrums gipfeln soll. Wir haben unter anderem in der Kindergruppe nach kleinen Zwergen gesucht, die ihre Rollen ganz wunderbar ausfüllen, indem sie zum Beispiel ständig ein altes bolivianisches Minenlied singen! Wie ich versuche, die Kinder eines Zentrums dort abzuholen, wo sie sich mit ihrem Wissensstand befinden, und auch die Kreativität nicht zu kurz kommen zu lassen, soll nun exemplarisch an meinem »Montagszentrum« Casa Waki gezeigt werden.

Nachhilfe und Lego im Casa Waki

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Schon der Name des Zentrums hat eine interessante Geschichte: Casa ist Spanisch für »Haus«, und Waki ist ein altes Aymara-Wort. Wie stets bei den indigenen Sprachen, in denen sich die Naturverbundenheit widerspiegelt, ist

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es auch hier sehr schwierig, eine Übersetzung zu finden. Mir wurde das Wort Waki folgendermaßen erklärt: »Ich gebe dir Geld, du gibst mir Erde« – vielleicht könnte man modern »Kooperation« dazu sagen. Und tatsächlich trifft der Name »Haus der Kooperation« in vollstem Maße zu: Eine belgische Familie errichtete vor achtzehn Jahren das Zentrum, noch heute geben sie jährlich viel Geld zur Unterstützung, die Bolivianer stellten dafür das Grundstück, die Erde also, zur Verfügung. Ab neun Uhr täglich von Montag bis Freitag sind die Pforten geöffnet. Es gibt Kleinkind-, Kinder- und Jugendgruppen. Auch für interessierte Erwachsene wird ein kleines (Weiter-)Bildungsprogramm angeboten. Da die eine Hälfte der Kinder vormittags ab acht Uhr, die andere Hälfte nachmittags ab 14 Uhr ins Colegio geht, steht immer zur Mittagszeit ein Komplettwechsel der Belegschaft an. Das Zentrum möchte denjenigen Kindern eine Beschäftigung und Hausaufgabenhilfe anbieten, deren Eltern den ganzen Tag über arbeiten. Für wenige bolivianos (die hiesige Währung) im Monat bekommen die Kinder hier Arbeitsmaterialien, eine kleine Erfrischung und ein gehaltvolles Mittagessen. Auch Zahnbürsten für die Hygieneerziehung werden zur Verfügung gestellt. Wenn ich dann also mit Lukas jeden Montag um neun Uhr ins Casa Waki komme, begrüßen uns die Kinder freudig und vergewissern sich zuallererst, dass wir auch ja den großen roten Lego-Sack (dessen Inhalt leider immer mehr schwindet) mitgebracht haben. Aber sie wissen genau: Die Woche beginnt mit neunzig Minuten Nachhilfeunterricht. Haben sie sich dann spielerisch mit dem kleinen Einmaleins auseinandergesetzt und Logik- oder andere Matheaufgaben gelöst, schließt sich das spielerische Abfragen der tabla, der Multiplikationstabelle, in Form des von uns entworfenen »Matheführerscheins« an. Als wir nämlich feststellten, dass es den meistens Kindern tatsächlich sehr schwer fällt, das Einmaleins zu erlernen (geschweige denn: Multiplikation an sich zu verstehen; seit meinem Schulbesuch weiß ich ja nun auch, woran das liegt), habe ich mich an den Matheführerschein aus meiner Grundschulzeit erinnert, der zumindest mich immer sehr motiviert hat, möglichst schnell die einzelnen Zahlenreihen zu lernen. So werden nun jede Woche die Multiplikationen zweier Zahlen abgefragt, wobei eine herrliche Prüfungssituation mit Begrüßung, Erkundigung des Wohlbefindens et cetera simuliert wird. Dies macht den Kindern großen Spaß. Nach der vormittäglichen Erfrischung schließt sich noch das Juego de Matemática (Mathespiel) an – eine Kreisvariation des in Deutschland sehr beliebten »Bankrückens« –, wobei immer das Kind, das am schnellsten eine Multiplikationsaufgabe löst, zum nächsten »Gegner« weiterrücken darf. Wer als erstes an seinem Ausgangspunkt angekommen ist, hat gewonnen und darf den roten Lego-Sack ausschütten. Bevor das Lego durch den Raum purzeln kann und jedes

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Nachhilfeunterricht auf Augenhöhe: Mit dem Juego de Matemática gegen die Tücken des kleinen Einmaleins.

Kind (trotz zahlreicher Ermahnungen unsererseits) versucht, möglichst viele der bunten Lego-Steine in seinen Besitz zu bringen, nennen wir stets das Thema des Tages, z. B. »Familie«, »Bolivien in hundert Jahren«, »Mein Traumjob« (hier bauten alle Jungen öffentliche Verkehrsmittel, alle Mädels große, hübsche Häuser, die sie als Hausfrauen später einmal schön sauber zu halten gedenken!), »Fernsehen« oder auch »Erdgas als wichtiger Rohstoff für unser Land«. Bauzeit ist eine Stunde, danach wird präsentiert, erklärt und diskutiert, der für uns wichtigste Teil der Lego-Sitzung. Und eben auf diesem Gebiet haben unsere Vormittagskinder im Alter von sechs bis elf Jahren große Fortschritte gemacht. Waren sie Ende September noch sehr schüchtern, bauten gerne am Thema vorbei (obwohl man eigentlich bei den offenen Aufgabenstellungen so ziemlich alles zurecht reden könnte) und waren unfähig, auf Nachfragen zu reagieren, entwickeln sich nun jedes Mal anregende Gespräche sowie Diskussionen über die Bauwerke – auch unter den Kindern selbst. Ein schöner Fortschritt, der uns sehr persönliche Einblicke in die Fantasie- und Gedanken-, aber auch Problemwelt unserer Kinder gibt – Lego macht’s möglich!

Dieser Text ist ein Ausschnitt aus den Erfahrungsberichten von Franz. Da wir sie aus Platzgründen stark gekürzt abdrucken, erscheinen sie hier in vorsichtiger, Verständnis erleichternder Redaktion. Alle vergangenen und zukünftigen Berichte finden sich in vollständigem Umfang auf der Homepage der Landesschule unter www.landesschule-pforta.de > Archiv > Schuljahr 2007/08 > Franz Werfel in Bolivien. Unter werfel.franz@gmail.com lassen sich die Berichte auch abonnieren. Unterstützen lässt sich sein Aufenthalt durch Spenden an: wise e. V. / Bank für Sozialwirtschaft / BLZ: 550 205 00 / Konto: 8 611 300 / Stichwort: Spende wise e.V. 71028. Spenden sind steuerlich absetzbar, wenn man Franz eine E-Mail mit der eigenen Adresse zukommen lässt.

Foto: Lukas Bretzinger

Franz Werfel (al. port. 03 – 07 v.)

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Weihnachtsfeier auf Bolivianisch Wie auf Seite 50 angekündigt, berichtet im Folgenden Gisela Fahlbusch von einer etwas ungewöhnlichen Weihnachtsfeier in einem bolivianischen Kinderheim.

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Dieses Jahr wurde mir eine ganz besondere Weihnachtszeit beschert. Statt besinnlicher Stimmung ähnelte alles einer Riesenparty, statt Schnee und Kälte gab es Regengüsse im Wechsel mit knallender Hitze, und statt vieler Geschenke zum Auspacken wurde ich dieses Jahr eher immateriell beschenkt. Sucre hat 200 000 Einwohner, darunter 5 000 niños trabajadores (arbeitende Kinder), fünfzig davon wohnen im Kinderheim Misk’i Wasi. Sein Name kommt aus der Quechua-Sprache und bedeutet »Sanftes Haus«. Es ist ein komplett weiß angestrichenes Kinderheim für Sozialwaisen – Jungen im Alter von sieben bis sechzehn Jahren leben dort. Die eine Hälfte des Tages gehen sie zur Schule, die andere Hälfte arbeiten sie (Schuhe putzen, Handlangerarbeiten in Schreinereien ausführen, Lasten tragen …). Ich helfe im Misk’i Wasi seit Mitte Dezember. Mir ist dort besonders aufgefallen, dass viele der Jungen trotz ihres harten Lebens immer strahlen. Die Jungen haben zwar noch Eltern, die auf dem Land wohnen, aber die Verhältnisse in den Familien sind wegen der Armut so schwierig, dass die Kinder im Heim leben. Einige sind ehemalige Straßenkinder. Die Heimleiterin Cristina hatte sich von uns drei in Sucre arbeitenden Freiwilligen gewünscht, innerhalb von anderthalb Wochen ein Krippenspiel mit zehn Jungen zu inszenieren. Das war keine leichte Aufgabe, weil ein Großteil der Jungen vorher noch nie ein Theaterstück gesehen hatte, sodass sie sehr wenige Vorstellungen für ein solches Unterfangen mitbrachten. Als sie zum ersten Mal ihren Text in den Händen hielten – wir hatten ein zweiseitiges Stück ausgewählt, in dem kein Schauspieler mehr als zwei Sätze sprechen muss – war zuallererst eine viertelstündige Erklärung notwendig, dass die Regieanweisungen bei der Aufführung niemals vorgelesen, sondern »gespielt« würden. Trotz der hohen Motivation der Jungen liefen die Proben sehr unkonzentriert und chaotisch ab. Nicht aus bösem Willen, sondern weil es die meisten von ihnen nie anders gelernt haben. Cristina aber hat mich mit ihrer Hoffnung, dass die Heimkinder eben mit dem Theater lernen könnten, sich besser zu konzentrieren, sehr motiviert. Vivi, Andrea (meine beiden Mitfreiwilligen) und ich haben also die Probenzeiten stark verkürzen müssen, sind dafür aber mehrmals

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Luis und Vidal haben als »Hirte 4« und »Hirte 5« den Wattebart umgehängt und den Schalk im Nacken.

täglich in das Misk’i Wasi gekommen – auch um mit den Kindern die Requisiten und Kostüme zu basteln.

Am Freitag, dem 21. Dezember, fand die Weihnachtsfeier im Misk’i Wasi statt, zu der das Krippenspiel aufgeführt werden sollte. Von den allesamt eingeladenen Eltern ist ein einziger Vater erschienen. Die Heimleitung hatte vorher schon eine erschreckend dürftige Resonanz der Eltern befürchtet. Es gibt sicher verschiedene Gründe: die Eltern vom Land gehören zu den Ärmsten der Armen. Oft sieht man ihnen die Unterernährung an, sie besitzen nur eine Garnitur Kleidung, die entsprechend verschmutzt ist, und können sich den langen Anfahrtsweg zu ihren Kindern in die Stadt nicht leisten. Außerdem fühlt es sich für die Eltern sicherlich befremdlich an, ihre Kinder in dem Heim zu besuchen, wo diese wohlgenährt und gut gekleidet eine völlig andere Erziehung genießen.

Foto: Gisela Fahlbusch

Dass immer wieder ein anderer Junge bei den Proben plötzlich verschwand – und damit den ganzen Laden lahm legte –, dass »Josef« zum tausendsten Mal seine Rolle wechseln wollte, weil er »Balthasar« jetzt doch toller fand, und dass einmal Donato, der den »Caspar« spielte, zum Spaß behauptet hat, er sei bei der Aufführung gar nicht da (womit er so einiges durcheinander gebracht hat, weil wir einen neuen Caspar gesucht, gefunden und wieder »abgesetzt« haben), hat mich zwar angestrengt, aber nicht frustriert, weil mir die kleinen Erfolge während der Proben – z. B. dass sich die Konzentration tatsächlich in kleinen aber sicheren Schritten verbesserte – so viel Mut gemacht haben.

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Hinzu kommt, dass im Heim Spanisch gesprochen wird – leider immer noch die Sprache der »Bessergestellten« (oder zumindest der Stadtbevölkerung), die die quechuasprachigen Eltern nicht verstehen. Alle Mitarbeiter im Misk’i Wasi

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bemühen sich, Quechua zu lernen, aber es reicht noch nicht aus. Wir Freiwilligen haben uns einen Anfängerkurs in der Universität gesucht, der aber leider erst im Februar beginnt. Bis dahin bringen uns die Heimjungen Vokabeln bei – oft im Austausch gegen englische oder deutsche Wörter. Die Feier begann – nach der langen, typisch bolivianischen Verzögerung – mit unserem Krippenspiel. Wir hatten eine improvisierte Bühne aus Tischen, Decken und allem, was wir sonst noch gefunden hatten, gebaut – ein bisschen wie damals, als wir im Kindesalter »Höhlenbauen« gespielt haben. Hinter diesen Vorrichtungen haben sich die Kinder mit Andrea auf der einen Seite, mit Vivi auf der anderen Seite versteckt. Ich stand hinter dem Publikum und habe mit Handzeichen ein wenig zur Orientierung der Schauspieler beigetragen. Die fünfminütige Aufführung verlief wunderbar, viel besser als erwartet, sodass die motivierten kleinen Akteure beim Applaus aufgeregt schrien: »¡Otra vuelta, otra vuelta!« (»Noch mal, noch mal!«). Also haben wir das Stück gleich ein zweites Mal aufgeführt. Danach schloss sich eine begeisterte Weihnachtsparty an, womit der Abend zu meinem schönsten Weihnachtsgeschenk wurde. Wir haben getanzt, bis niemand mehr konnte, in großen Kreisen, in deren Mitte immer ein Solo-Tänzer geschickt wurde und erst wieder heraus durfte, wenn er einen volteo (Purzelbaum) präsentiert hatte – so haben wir auch die eher zu respektierende Heimleiterin Cristina dazu bringen können, sich über den Boden zu rollen … Als die Mehrheit vor Erschöpfung nicht mehr weitertanzen konnte, begann die adoración al niño: In Pärchen wurde unter dem Mitklatschen aller Zuschauenden auf die von bunten Lichterketten beleuchtete Krippe zugetanzt, um das Jesuskind Im CERPI, einem Bildungsprojekt im Armenviertel Sucres, in dem Gisela (u.) hauptsächlich arbeitet, wird unter anderem Hausaufgabenhilfe angeboten. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz.


zu lobpreisen. Andrea und ich wurden von den kleinen und großen Jungs ununterbrochen zum Tanz aufgefordert. Noch schöner wurde alles, als dann doch noch ein paar Mütter erschienen. Zwar war das Krippenspiel schon lange vorbei, aber die Freude stand den Kindern ins Gesicht geschrieben. Der neunjährige Bryan hat seine Mutter (26 Jahre alt) im Handumdrehen zum Tanzen bewegt. Das ganze Kinderheim hat applaudiert, wie die zwei den Weg zur Krippe auf und ab hüpften. Zur Verabschiedung in die Weihnachtsferien wurde sowohl uns drei Freiwilligen als auch den vier anderen Mitarbeitern von Cristina ein Fresskorb mit bolivianischem Wein und Leckereien überreicht. Dass wir nach anderthalb Wochen Zusammenarbeit schon genauso herzlich beschenkt und in die Ferien verabschiedet wurden wie die übrigen langjährigen Mitarbeiter, hat uns beeindruckt und spiegelt gut unseren wunderbaren Einstieg im Misk’i Wasi wider. Besser hätten uns Leitung, Mitarbeiter und Kinder nicht willkommen heißen können. Am nächsten Tag sind alle Jungen für fünfzehn Tage zu ihren Familien gefahren, damit der Kontakt nicht vollständig abreißt. Bei einer Elternversammmlung wenige Tage vor der Weihnachtsfeier, der wir Freiwilligen beiwohnen durften, wurden die Eltern, von denen nur sehr wenige erschienen waren, eindringlich auf Quechua gebeten, sich in der Zeit um ihre Kinder zu kümmern. Cristina befürchtet, dass im Januar einige der Jüngeren verstört wiederkehren könnten und dass manch Älterer seine Ferien auf der Straße verbringen und wieder mit den erst abgewöhnten Drogen in Kontakt kommen wird. Am 15. Januar, dem offiziellen Ferienende des Heims, haben wir drei Freiwilligen das Misk’i Wasi besucht, weil an diesem Tag unsere Arbeit weitergehen sollte. Miguel, einer der Pädagogen, erklärte uns breit grinsend, dass noch niemand gekommen wäre, weil die Jungs wie immer ihre Ferien ein wenig verlängern wollten. Das sei aber ganz normal und wir sollten nächste Woche wiederkommen. Wir hatten das belustigende Gefühl, wieder einmal auf die bolivianische Art von Absprachen hereingefallen zu sein, und machten uns in Richtung CERPI auf, einem Betreuungszentrum für Kinder, wo die Ferienzeit Hochsaison bedeutet.

Gisela Fahlbusch (al. port. 03 – Jan. 07) Weitere Geschichten aus Sucre versendet Gisela regelmäßig per E-Mail: gfahlbusch@gmail.com. Spenden an die Trägerorganisation wise e. V. können auf folgendes Konto überwiesen werden: wise e. V. / Bank für Sozialwirtschaft / BLZ: 550 205 00 / Konto: 8 611 300 / Stichwort: Spende wise e.V. 71035. Spenden sind steuerlich absetzbar (siehe S. 55 u.).

Foto: Gisela Fahlbusch

Jetzt freuen wir uns auf »nächste Woche« – wann auch immer das sein wird.

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Alles griffbereit: Der neue rector portensis, Bernd Westermeyer, beim Aktensichten im Rektorat.

»Man muss die schule voranbringen«

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Es ist Ende Oktober. Seit etwa achtzig Tagen ist Bernd Westermeyer der neue rector portensis. Schon auf dem Gang ist man ihm kurz begegnet, der jugendlich wirkende Mann gibt ein paar Akten ins Sekretariat, begrüßt den Redakteur freundlich. Nach dem Mittagessen hat man sich im Büro verabredet: Neben der Tür prangt auf einem schwarzen Plastikschild der Name des Rektors, innen hat sich wenig geändert. Der klobige Computer, der vor Jahren eher Ausstattungsrequisit schien, ist einem schmalen Laptop gewichen, nun Zentrum der Verwaltungsarbeit. Man sinkt in die braune Sitzgarnitur, die schon mindestens zwei Rektoren vorher gesehen hat – und bessere Tage. Bernd Westermeyer: Dieser Raum soll in den Winterferien neu gestaltet werden, mich stört die Wohnzimmeratmosphäre mit diesem Sofa, aus dem mancher gar nicht mehr herauskommt. Auch der Boden ist unsäglich, wenn man weiß, dass darunter wahrscheinlich der gleiche schöne Holzboden liegt wie im Rest der Schule. Es soll kein Luxusbüro werden, aber in ein paar Details kann man es doch neu gestalten. Der große Holztisch wird wohl bleiben, weil er so viel Geschichte mitgemacht hat. DIE PFORTE: Die erste Amtshandlung des neuen Rektors ist es, auszumisten?

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Westermeyer: Ich bin de jure seit dem 1. August hier und habe zu Beginn versucht, mich einzuarbeiten. Es galt, sich durch fünfzehn Jahre Schulsedimente

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zu arbeiten. Die Schränke waren gefüllt bis zum Rand, aber nicht geordnet. Das, was jetzt da steht, ist das Substrat der Arbeit, und ansonsten habe ich vier große Papiercontainer gefüllt und wegfahren lassen. PFORTE: Und dann kommt der Schulalltag … Westermeyer: Ja, mit all seinen Anliegen. Vieles frisst Energie, obwohl es ganz banal ist, zum Beispiel Namen, und es passiert mir immer noch, dass ich jemanden falsch anspreche. Am Anfang war das noch viel schlimmer, doch die Kollegen lächelten nur und hatten Verständnis. Das alles braucht Zeit, aber es hat mich trotzdem geärgert. PFORTE: Schulpforta ist ein Organismus mit seinen ganz eigenen Abläufen. Kann man die in den ersten Wochen, Monaten überhaupt durchschauen? Westermeyer: Viele gehen davon aus, dass man von allem weiß und es sofort versteht, aber dem ist nicht so. Die Schule ist sehr komplex, und vieles ist einfach Erfahrungswissen. Die Schülerschaft ist beispielsweise ein sehr agiler Haufen und kommt mit ganz unterschiedlichen Erwartungshaltungen: Die einen wollen einen Rektor, der mal richtig auf den Tisch haut, die anderen fühlen sich direkt in ihren Freiheiten beschnitten – das ist schwer. Ich möchte nicht als Sheriff auftreten, andererseits kann ich auch nicht alles tolerieren. PFORTE: Sie beerben Herrn Dr. Däumer nach nur zwei Jahren als Rektor – der jetzige 12. Jahrgang hat in vier Jahren drei Rektoren erlebt. Hatten Sie das Gefühl, Schüler und Lehrer begrüßten Sie mit dem Seufzer: »Jetzt hat uns das Ministerium wieder einen Neuen angeschleppt.«? Westermeyer: Als »angeschleppt« wurde ich nicht betrachtet. Ich glaube, dass alle das Gefühl haben, man habe sich vom Ministerium aus der Sache sehr angenommen, auch Herr Olbertz direkt … PFORTE: … der derzeitige Kultusminister Sachsen-Anhalts … Westermeyer: Man setzt durchaus viel Hoffnung auf mich, den Neuen. Rein gefühlsmäßig war der Anfang in meinen Augen positiv, eine gewisse Enttäuschung wird automatisch dann eintreten, wenn Einzelne ihre Partikularinteressen nicht erfüllt sehen. Und das beginnt schon am ersten Tag: Jeder möchte ganz schnell, dass irgendetwas geändert wird, und ich kann das weder kraft-, zeit- noch verstandesmäßig leisten. Viele Dinge bedürfen einer Prüfung.

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Im Fernsehkrimi gibt es beim Verhör Zigaretten, der Rektor reicht bei Vieraugengesprächen mit Schülern gern Gummibärchen.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE (o.), Sebastian Willnow für DIE WELT (u.)

PFORTE: Ist ein Schulprogramm, dessen Idee Sie seit Ihrem Amtsantritt verfolgen, ein Werkzeug für eine solche Prüfung? Westermeyer: »Schulprogramm« ist ein großes Wort. Der Grundgedanke ist, die Qualität der Unterrichtsarbeit zu verbessern: Man evaluiert gemeinsam, macht eine Bestandsaufnahme, schaut, wo sich die eigenen Ansprüche nicht mit der Realität decken, und sucht nach Lösungen. So etwas ist bisher noch nicht passiert. Es gab solche Initiativen augenscheinlich schon zuvor von Schülern, aber »Schulprogramm« heißt, dass alle – Lehrer, Schüler, Eltern, Kultusministerium – an einem Tisch sitzen und gemeinsam die Situation bewerten. Viele Dinge, die nicht gut sind, bedürfen eines Eingriffs in die Struktur. Aber das muss systematisch passieren. Es war schon in den Jahren zuvor so, dass durchaus Probleme erkannt wurden, aber man hat geflickschustert. PFORTE: Nicht alle Probleme sind jedoch hausgemacht. Auf die Bedingungen, die Schulamt und Kultusministerium vorgeben, kann das Internatsgymnasium nur reagieren. Westermeyer: Wir kranken durchaus daran, dass wir als Regelgymnasium laufen. Wir heften uns das Etikett einer besonderen Schule gleichzeitig nicht selbst an: Wenn sich das Land diese Landesschule leistet, dann muss es sie sich richtig leisten. Richtig ist: Das Land pumpt ab 2008 10,6 Millionen in die Sanierung zweier Internate, davor muss man den Hut ziehen, angesichts der Finanzsituation ist das fantastisch. Im schulischen Alltag bräuchte es aber auch in anderen Bereichen Veränderungen, und auch diese sind oft mit Geld verbunden. PFORTE: Kleine Klassen und ausgewählte Lehrerschaft: das ist der Traum der meisten Eltern nach den Ergebnissen der Pisa-Studie. In den drei Landesschulen in Sachsen-Anhalt werden aber Lehrer wie in jedem anderen Gymnasium vom Land zugeteilt, ohne dass die Schule ein Mitspracherecht hätte – und damit Möglichkeit zur Profilierung.

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Westermeyer: Es hat lange gedauert, bis beim Land die Erkenntnis gereift ist, dass man dieses Problem angehen muss. Den Berufsschulen hat es die Perso-

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nalhoheit eingeräumt, und es gibt wohl ein positives Feedback über die Ergebnisse. Ich habe jetzt dem Kultusministerium gegenüber den Wunsch geäußert, in den drei Landesschulen einen Modellversuch zu starten. Viele Dinge liegen aber nicht so einfach: Es gibt einen Personalüberhang, Kollegen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Manche Veränderung wäre auch mit schmerzhaften Veränderungen im Bereich der Schule verbunden. Alles bedarf zunächst eigentlich einer sehr gründlichen Bestandsaufnahme. Auch das kann Schulprogramm­arbeit leisten. Man muss die Schule unter Bewahrung ihrer bewahrungswerten Traditionen voranbringen. Über das Ergebnis lässt sich im Augenblick nur spekulieren. PFORTE: Pünktlich mit Ihnen ist auch eine Erhöhung der Internatskosten nach Pforta gekommen. Besonders Nicht-Landeskinder sind davon betroffen, weil sie deutlich mehr zahlen müssen als Kinder aus Sachsen-Anhalt. Westermeyer: Man muss die unglückliche Kommunikation auffangen. Vor allem die Eltern der Neuankömmlinge waren sehr erbost, das traf also mit Wucht direkt mich. Rein kostenmäßig kann ich die Erhöhung als Rektor aber durchaus vertreten. Die letzte Erhöhung liegt eine ganze Zeit zurück, die Nebenkosten sind gestiegen. PFORTE: Das Novum, Nichtlandeskinder – die zudem oft hohe Fahrtkosten haben – anders zu behandeln, hat aber wohl eher politische als finanzielle Hintergründe. Westermeyer: Über den Sinn und Unsinn einer solchen Regelung kann man natürlich streiten. Man kann aber auch argumentieren, dass man Landeskindern

Der Mensch Bernd Westermeyer, Jahrgang 1969, kommt ursprünglich aus Geseke (Nordrhein-Westfalen). Nach seiner Referendariatszeit, die er in Münster verbrachte, ging er als Lehrer für Englisch und Geschichte an das Ökumenische Domgymnasium Magdeburg. Dort wurde Westermeyer 2004 zum stellvertretenden Schulleiter berufen. Im August 2007 trat er dann seinen Dienst als rector portensis an. Mit seiner Frau und seinem Sohn wohnt er auf dem Gelände der Landesschule.

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deutlich macht, dass sie in erheblichem Maße gefördert werden, und sie verstärkt motiviert, hier einen Platz zu beanspruchen. PFORTE: Jedenfalls in diesem Jahr scheint diese Taktik nicht aufzugehen: Die Bewerberzahlen sinken. Westermeyer: Das hängt nicht unbedingt damit zusammen, dass die Schule schlechter geworden wäre, sondern dass zunehmend vergleichbare Schulen aufgemacht werden. Und Eltern prüfen sehr genau, wohin sie ihr Kind

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Dem Rektor über die Schulter geblickt: Neben allen Plänen zur Zukunft Pfortas (siehe Text) muss auch Zeit bleiben für die Alltäglichkeiten des Schulalltags, etwa Zeugnisse.

schicken. Und weil Sie gerade auf die Fahrtkosten hingewiesen haben: Es gibt vergleichsweise wenige, die bereit sind, im Monat einhundert Euro Fahrtkosten in Kauf zu nehmen – nur der Atmosphäre wegen. Sie ist ja das, was diesen Ort in besonderer Weise auszeichnet. Ich kann natürlich auch in einem ganz anderen Gebäude gut lernen, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Und es gibt hier in Schulpforta immer noch Bereiche, die längst nicht den Standard haben, den andere Schulen vorweisen können. Die Herausforderung ist sehr komplex, und die Aufgabe besteht wirklich darin, den Knoten an einer Stelle aufzudröseln und zu sagen: Hier nehme ich den Faden auf und fange an. Für die Stelle, an der ich hineinschneiden kann, habe ich mich noch nicht entscheiden können. Mehrmals während des Gesprächs öffnet sich die Tür: Schüler und Lehrer tragen Nöte, Pläne und Ergebnisse in das Zimmer – aber nur selten wieder heraus. Man glaubt zu verstehen, was Westermeyer mit der »Komplexität Schulpfortas« meint: Hier laufen gut geölte Automatismen ab. Als Neuberufener den Überblick zu behalten und einen Schritt zurück zu treten, um auf das Ganze zu blicken, muss zunächst schwer sein. Der Wagen läuft. Aber wohin?

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64 | »Man muss die Schule voranbringen«


PFORTE: Bleibt neben all diesen Herausforderungen auch Zeit für den Menschen Bernd Westermeyer? Westermeyer: Über Schulpforta hinaus habe ich bisher nur wenige Gelegenheiten der Zerstreuung wahrnehmen können, und zumindest in den ersten zwei Monaten habe ich versucht, mich so gut wie möglich zu fokussieren. Ich war lieber abends im Gartenhaus zwei Stunden lang für die Schüler ansprechbar als in irgendeinem Theater, weil ich mir gedacht habe: Sobald die Familie da ist, schaffe ich das nicht mehr. PFORTE: Nun sind Sie kürzlich aus einem behelfsmäßigen Gästezimmer in Ihre Wohnung hier auf dem Schulgelände gezogen, und auch Ihre Familie ist nun bei Ihnen … Westermeyer: Zum Glück haben sich die Dinge etwas geordnet, andererseits muss ich mein Leben nun ein wenig anders organisieren. Natürlich wird man abends oder nachmittags noch im Büro sitzen und an etwas arbeiten, aber die Familie muss und soll auch ihr Recht haben. Es muss möglich sein, dieses Amt auszufüllen und gleichzeitig noch ein Familienleben zu führen. Ansonsten wäre ja absurderweise gerade der Beruf des Rektors damit verbunden, dass man sein Privatleben zerstören muss – man würde damit die ganze Idee der Pädagogik ad absurdum führen. Das Wort »absurd« fällt noch ein paar Mal. Es scheint Westermeyers Ausdruck für die Verquertheiten zu sein, die es auch in Schulpforta zu bestaunen gibt – und die er anzupacken gewillt ist. Mühsam kämpft man sich aus der braunen Couch. Sie gehört zu den wenigen Dingen, deren Zukunft besiegelt ist. Wie es mit den anderen Dingen steht, die sich der neue rector portensis vorgenommen hat – »Bewahrenswertes zu bewahren« und mit der »Flickschusterei« aufzuhören – wird in den nächsten Jahren spannend zu beobachten sein. Das Gespräch führte David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)

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Vom Pförtner Bund *  *  *


Mit Krawatte und Anstecker in Pforta-Tracht

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Bereits rechtzeitig zum Weihnachtsfest gab es unter www.pforta.de im Webshop neue Produkte. Vielfach wurde von ehemaligen Schülern geäußert, dass ein dezentes, geschmackvolles »Erkennungszeichen« Ehemaliger wünschenswert wäre. Nun wurden zwei Anstecker kreiert, die am Jackett, an der Bluse und anderen Kleidungsstücken getragen werden können. Außerdem gibt es endlich offizielle Aufkleber, die, am Auto oder anderswo angebracht, von der Verbundenheit zur alten Schulstätte künden und letztlich für die Landesschule werben. Der kleinere Anstecker hat einen Durchmesser von einem Zentimeter, die etwas prominentere Variante ist 2,3 Zentimeter groß und trägt unter dem bekannten Logo der Schule auch noch den Schriftzug »Landesschule Pforta«. Seit dem Jahreswechsel sind zudem Krawatten in den Schulfarben aus professioneller Mailänder Produktion verfügbar. Die Preise sind so gestaltet, dass sie recht bald mit den erzielten Überschüssen erneut die Landesschule unterstützen können, aber trotzdem erschwinglich und angemessen bleiben. Das Porto bei Bestellungen im Online-Shop richtet sich nach der jeweiligen Colli-Größe. Also lohnt es besonders, mehrere Produkte gleichzeitig zu kaufen, z. B. einen Aufkleber zur Chor-CD oder gleich fünf Anstecker für Schulkameraden. Matthias Haase (al. port. 83 – 87) Pforta-Krawatte und die zwei unterschiedlich großen Anstecker (letztere hier in Originalgröße): Mit Stil für die eigene alma mater werben.

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ein Wiedersehen mit Pförtner Altmannen

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Zwölf Pförtner »Altmannen« (1942 – 45) und eine Schwester kamen zum 7. Wiedersehen vom 5. – 7. Juni 2005 in Naumburg im Hotel »Alte Schmiede« zusammen. Nach dem Einstand unseres Treffens am 05. 06. im Fischhaus besuchten wir die Gedenkstätte Hassenhausen 1806 unter kompetenter Führung von Dr. Fichtner, Leiter des Pförtner-Archivs und Mitglied des Museumsvereins. Auf der Rückfahrt gab es einen Kaffeestopp bei Café Schoppe in Bad Kösen und am Abend ein gemütliches Abendessen im urigen Gasthof zu Rossbach.

Der nächste Höhepunkt folgte am Abend mit der »Weinprobe« im Weingut Pawis in Freyburg nach lustiger Anfahrt mit dem Unstrut-Bähnle. Bei herrlichem Wetter saßen wir in der offenen Veranda mit fabelhaftem Blick über das Tal und ließen uns Brotzeit und vor allem Wein schmecken. Wirt Herbert Pawis gab sein Bestes, Akkordeon-Musik von Jochen Männig und unser Gesang verschönerten den Abend in besonderer Weise! Dabei vermissten wir unsere alten Freunde. Wir hoben auch ein Gläschen auf ihr Wohl und grüßen sie herzlich. Schweren Herzens mussten wir uns am nächsten Tag wieder trennen, das aber in der Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen in zwei Jahren. Herzlicher Dank sei den Organisatoren des Treffens Oldwig v. Fischer und Jochen Männig. Christian Uhlig (al. port. 44 – 45)

Fotos: Matthias Haase

Der folgende Besuchstag in Schulpforta ließ die alten Erinnerungen wieder aufkommen. Nach dem Ecce und dem traditionellen Gruppenfoto an der Rückseite der Abtskapelle erhielten wir durch Dr. Fichtner einen ausführlichen Einblick in das Pförtner-Bund-Archiv im restaurierten Neugotischen Haus. Danach waren wir vom Ausbau der alten Küche, zu der wir 1944/45 noch Verpflegung heranschleppen mussten, zu einem hochmodernen Computerkabinett sehr beeindruckt. Nach gutem Mittagessen im Fischhaus ging es zurück nach Naumburg.

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Ein Wiedersehen mit Pförtner Altmannen | 69


55 Jahre Abitur – mit Orchideen

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In Fortführung des Schulfestes 2006 – und seiner Hochstimmung – kamen wir vom Abitur-Jahrgang 1951 am Sonntagabend, dem 21. Mai, samt unseren Frauen im Bad Kösener Weingut Lützkendorf zusammen. Wie schon beim Goldenen Abitur erwogen und von Theodor Münzenberg bestens organisiert, trafen wir uns nach fünf Jahren wieder. (Vgl. DIE PFORTE Nr. 53/2001, S. 42f.) Diesmal war eine Orchideenwanderung als Höhepunkt angesagt. Am Montag ging es bei herrlicher Sonne im Konvoi nach Balgstädt a. d. Unstrut, wo einige Nachzügler dazu fanden, sodass wir es auf vierzehn Personen brachten. Nach einer Kirchenbesichtigung rollten wir weiter in Richtung Krawinkel, wo schon bei der Anfahrt orchis militaris aus dem Straßengraben leuchtete. Von unseren professionellen Biologen Wolfgang Engelmann und Walter Baudisch sowie Werner Jaritz als dem ortskundigen Amateur geführt, wurden dann, zum Teil von gestuften Steilstrecken des Naturschutzbundes Deutschland aus, der üppig blühende Frauenschuh und andere Raritäten detailliert erläutert und bewundert. Welch ein Geschenk! Dann zum ausgiebigen Mittagessen nach Freyburg in die »Burgmühle« und schließlich bei beginnendem Regen und drohendem Tornado Umarmung und Zerstreuen in alle Himmelsrichtungen; nicht ohne die optimistische Anregung des diesmal abwesenden Henning Budwill aus Kanada bedacht zu haben, nach weiteren fünf Jahren wieder ein größeres Treffen abzuhalten. Heinrich Arnold (extr. 1949 – 51 v.)

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Gänsegedichte In diesem Jahr haben nur zwei Gedichte den Weg in die Redaktion gefunden. Aus diesem Grund stellen wir sie in dieser Ausgabe gleichberechtigt nebeneinander.

Gespräch der Wildgans mit der Hausgans an einem Herbsttag auf den Eibwiesen bei Dresden – für zwei Sprecher –

1 Die Wildgans sprach zur Hausgans »Höre! Du bist ’ne kleine, dumme Göre! Hast Flügel, könntest mit mir fliehen und in den warmen Süden ziehen. Hier geht dein Tag sinnlos vorbei. Komm mit, dann bist du wirklich frei, Denn wenn du hier bleibst, holt der Tod am Martinstag dich ohne Not. Wir könnten doch die Welt ansehn, in Finnlands Seen baden gehen, in Afrika uns amüsieren, in Lappland mal so richtig frieren oder wir machten, na wer weiß, in Kanada die Ganter heiß.« 2 Drauf sprach die Hausgans, die sehr klug ist: »Ach Schwesterchen, du schnatterst Mist. Zwar ist die Freiheit eingeschränkt, ich bin trotzdem nicht eingeengt. Tagtäglich werde ich gehegt und wie ein Menschenkind gepflegt. Mich interessiert nicht deine Welt, Ich lebe hier wie’s mir gefällt. Und Ganter, nein, hab’ besten Dank, schon der Gedanke macht mich krank. Ist einst mein Lebensziel erreicht, sterb’ ich dank Tierschutz schmerzlos leicht und bin als Martinsgans zum Schluss den Pförtnern noch ein Hochgenuss.« 1 + 2 Deshalb ihr Freunde, seid getrost: Die Gans liebt euch, darauf ein Prost.

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Christian (M. 73 – 79 v.) und Matthias Klinghardt

Gänsegedichte | 71


Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Gänsegedicht 2007

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Wenn wir uns wieder zu dir wenden, O Gans, du kostbar Pförtnerbrauch, Zerbricht die Zeit in unsren Händen. Wir sehen einstmals uns mit leerem Bauch, Die Martinsgans war damals weggeflogen. Ja, ihrer wurde bei uns nicht einmal gedacht, Gefangen waren unsere Gedanken Mit allem, was den Magen irgend voll gemacht. Die Gänse liefen nur durch alte Sagen, Ein Gänsebraten war uns Literatur, Denn mit dem Blatt der Nessel füllten wir den Magen, Brotsuppe war – wer weiß das noch – der Luxus pur. Die Zeiten sind uns lange schon vergangen, Das Beste gibt’s vom Besten meistens nur. Zu wachsen haben Bäuche angefangen, Schon längst floriert Abmagerung als Kur. Doch treffen wir uns heut’ nach alter Sitte Und gibt es -flügel oder Gänsebein, So soll jedoch in uns’rer Mitte Die alte Zeit lebendig sein. Verzeih’, o Gans, wenn wir nun hier genießen Mit Vorsicht nur was uns der Tag beschert. Denn bei den Zähnen steht der Wackelpeter Pate, Doch trotzdem sei der Heil’ge Martin hoch geehrt.

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Ehrhardt Wichmann (al. port. 47 – 50)


Hamburg

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Im Hotel Maritim Reichshof fand am 11. 11. 2007 wieder einmal das diesjährige Pförtnertreffen mit dem traditionellen Martinsgans-Essen statt. Erfreulicherweise waren erstmals auch einige jüngere Pförtner-Bund-Mitglieder anwesend, die nach der Wende ihr Abitur machten und nun im norddeutschen Raum ihre Anstellung gefunden haben. Zum Pförtner Bund und Neuerungen in Schulpforta konnte Jochen Kreyssig – wie immer – kompetent Auskunft geben; es wurde empfohlen, sich durch die »Keilzeit« mehr über das Innenleben der Schule zu informieren, an dem einige Teilnehmer starkes Interesse zeigten. Besondere Beachtung fanden hervorragende, professionelle Fotos von der Schule und Umgebung, die Hubert Kinzel zu einem Bildband zusammenstellen will. Videofilm-Aufnahmen des Schulfestes 2007 (mit dem Schwerpunkt der musikalischen Darbietungen) rundeten das Treffen ab. Das nächste Treffen ist für den 15. 11. 2008 an gleicher Stelle geplant; Beginn wieder 15 Uhr. Gunther Schedlinski (al. port. 47 – 52)

ein Klassentreffen im Spessart

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Für das Klassentreffen des Jahrgangs 39 v. hatten Isabell und Wolf-Dieter Kreide (35 – 39 v.) wieder in das schöne Bad Soden-Salmünster eingeladen. Anders als bei dem Treffen 2004 mit dem Ausflugsziel Rhön und Fulda bot sich diesmal die Gelegenheit, den Spessart und dessen Randgebiete kennen zu lernen. Das gelang bestens, weil uns zwei Tage zur Verfügung standen: Über Aschaffenburg und Schloss Mespelbrunn ging es nach Lohr im Ost-Spessart. Abschluss unserer Spessart-Erkundung war der Besuch der »Spessart-Therme« in Bad Soden-Salmünster, ein – wie manche ausprobierten – sehr wohltuendes Bad. An unserem letzten Gesprächsabend galt unser besonderer Dank Isabell und Wolf-Dieter Kreide, einmal für die Ausrichtung dieses Klassentreffens und zum Zweiten für die hoch anzurechnende Bereitschaft, auch 2008 das Treffen in Bamberg vorzubereiten.

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Hans Rettkowski (36 – 42 v.)

Hamburg & Ein Klassentreffen im Spessart | 73


Jahresbericht Berlin

F

Für die Berliner Pförtner gab es 2007 erstmals eine neue Veranstaltung. Wir haben uns am Samstag, dem 13. Januar, zum »Schlössertag« getroffen. Heide Brettschneider hatte zum Schloss Oranienburg die Vorbereitungen mit Anmeldungen und Gaststättenreservierung übernommen. Herzlichen Dank nochmals an sie. Die 38 Teilnehmer konnten sich über eine sehr interessante Führung freuen. Es gab mit den Aussagen vor Ort Informationen zum gut renovierten Gebäude und zur Geschichte Preußens. Ein schönes Schloss, das mit seinen Gestaltungen und Ausstellungen bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Beim Mittagessen – und guten Verlängerungen – hatten wir Gelegenheit zu intensiven Gesprächen an den Tischen. Es wurde der Wunsch geäußert, solche Führungen in Schlössern, die von Berlin aus gut zu erreichen sind, vielleicht sogar häufiger zu wiederholen. Zum Frühjahrstreffen haben wir uns im neu gestalteten Bodemuseum eingefunden. Es wurde als Kaiser-Friedrich-Museum 1897 bis 1904 errichtet und umfasst jetzt nach modernsten museologischen und denkmalpflegerischen Erfordernissen wieder – seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß – die byzantinische Sammlung, die Skulpturensammlung und das Münzkabinett. Zahlreiche Gemälde aus dem Bestand der Gemäldegalerie bereichern die Ausstellung der europäischen Skulpturen. Die Führungen für die 75 Teilnehmer erfolgten in drei getrennten Gruppen. So konnten auch unterschiedliche Themen berücksichtigt werden. Das anschließende Treffen fand diesmal im Restaurant Nolle am Bahnhof Friedrichstraße statt, einer Gaststätte unter dem S-Bahnbogen mit Altberliner Ambiente und für uns gut geeignet. Zur »Hochschulwahl Berlin« waren in diesem Jahr nur wenige Schüler der 11. Klasse gekommen. Schon die Schulkonferenz im Herbst hatte einer Freistellung für den dem Besuchswochenende folgenden Montag eine Absage erteilt. Die Verbindung mit der »Langen Nacht der Wissenschaften« war von uns in Berlin gut gedacht, passte aber nicht zu den Terminen von Pforta. Ein kleines »Dankeschöntreffen« gab es dann nur mit wenigen Studenten. Hier gab es u. a. gute Gespräche zu Initiativen für eine verbesserte Jugendarbeit im Pförtner Bund.

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74 | Jahresbericht Berlin


Eine gelungene Veranstaltung war unser Herbsttreffen. Wir hatten in einer Gaststätte mit historischem Gewölbekeller am Hackeschen Markt eine angenehme Atmosphäre. Der Einladung zum Martiniessen und der Vorstellung des neuen Rektors waren hundert Teilnehmer gefolgt, Rekordbeteiligung. Als Einleitung spielten zwei Studentinnen, ehemalige Schülerinnen der Landesschule Pforta, vorwiegend bekannte klassische Stücke. Das Interesse und die engen Bindungen an Schulpforte waren sehr deutlich zu spüren. Erfreulich auch die Teilnahme von mehr als fünfzehn Studenten. Viele waren gespannt auf den neuen Rektor und aktuelle Informationen aus Schulpforte. Die interessanten Ausführungen von Rektor Westermeyer erhielten viel Beifall. Spontan ergriff Altvorsitzender Jochen Kreyssig das Wort, dankte ihm für seine Darlegungen und die guten Vorsätze und wünschte ihm im Namen der Anwesenden viel Erfolg und eine glückliche Hand für unsere alma mater. Der Rektor hatte neue Anstecknadeln und Aufkleber mit dem Pforta-Logo dabei. Gegen eine kleine Spende haben sich viele das Erkennungszeichen der Pförtner zu ihrem Eigen gemacht. Der Küche haben wir ein Lob aussprechen können, besonders für gelungenen Gänse- und Entenbraten. Die meisten sind zufrieden und mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen.

Foto: Gertrud Kanu (Abdruck unter Lizenz creative commons 2.0, by-nc-sa)

Die ehemalige »Berliner Fürstenschule«, das Joachimsthaler Gymnasium, hat 2007 seine Gründung von 1607 gefeiert. Es gab im Juni außer Veranstaltungen der Ehemaligen eine wissenschaftliche Tagung in Berlin, zu der auch Frau Dorfmüller einen Vortrag hielt. Leider haben nur wenige Pförtner die Auffrischung der Geschichte der Fürstenschulen wahrgenommen. Das um 1910 in Templin neu gebaute Joachimsthaler Gymnasium steht seit 1992 leer, es wird aber jetzt einer neuen Verwendung zugeführt.

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Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 v.)

Jahresbericht Berlin | 75


Pförtnerabend Dresden

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Der Pförtnerabend Dresden fand in diesem Jahr schon am 07. 11. 2007, einem Mittwoch, statt. Nachdem wir in den vorangegangenen Jahren die namhaften Schulen in Dresden – St. Afra in Meißen, das Evangelische Kreuzgymnasium und das Katholische Benno-Gymnasium – angesehen hatten, besuchen wir derzeit die großen Gotteshäuser in Dresden. Auf die russisch-orthodoxe Kirche und die evangelisch-lutherische Frauenkirche folgte diesesmal die Neue Synagoge der (liberalen) jüdischen Gemeinde zu Dresden. Sie wurde im Jahr 2001 am Ort der am 09. 11. 1938 zerstörten Synagoge geweiht. Sie fällt im Stadtbild durch ihre äußere Hülle, einen axial gedrehten Kubus, auf. Wir lernten wieder viel. So auch, dass die Synagoge kein »Gotteshaus« sei, sondern ein Versammlungsort, in dem etwa die letzte Fußball-WM der Männer, das »Sommermärchen«, übertragen wurde. Anschließend zogen wir zum Neumarkt in den »Kurfürstenhof«, dessen »Zechkeller« für uns reserviert war. Nach knusprigem Gänsebein und etwas Wein durften wir wieder den gäns-lich kunstvoll gesetzten Versen Jürgen Bergmanns lauschen. Matthias und Christian Klinghardt trugen ein Zwiegespräch von Wildgans und Hausgans angesichts des unvermeidlichen Pförtnerabends vor. Im nächsten Jahr will der Pförtnerabend Dresden die römisch-katholische Hofkirche besuchen. Christian Klinghardt (M. 73 – 79 v.)

Meldung

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Dr. Wilfrid Seifart, MR, Priv.-Doz., al. port. 47 – 53 v., wurde als einzigem Chirurgen der neuen Bundesländer die Ehrenmitgliedschaft der Berliner Chirurgischen Gesellschaft verliehen.

76 | Pförtnerabend Dresden & Meldung


Klassentreffen in Wolfshagen Zwei Jahre nach der denkwürdigen Feier zum »Goldenen Abitur« trafen sich die meisten der ehemaligen Schüler der Klasse B2 (1951 – 1955) vom 25. bis zum 27. September 2007 zu dem von Horst Krumbholz gut organisierten Treffen in Wolfshagen/Harz. Nach Begrüßung und Inbesitznahme der Zimmer im Berghotel fand eine erste Bergwanderung statt, die mit einem Picknick im Grünen bei Sekt, wohlschmeckenden Würstchen und kleinen Geschicklichkeitswettkämpfen ihren Höhepunkt hatte. Der Abend im Hotel wurde mit einer reichlichen Tafel, Gesprächen und Gesellschaftsspielen verbracht. Am nächsten Tag ging es in die Weltkulturerbestadt Goslar. Hier wurden wir durch Rudi Walter und seine Frau herzlich begrüßt. Es folgte eine Führung mit umfangreichen Erläuterungen zur Geschichte der Kaiserpfalz Goslar. Danach eine mehrstündige Stadtführung, beginnend an der Kaiserpfalz, entlang des kleinen Flüsschens Gose. Im Rathaus bildete eine Besichtigung des Huldigungssaales einen weiteren Höhepunkt. Nach einem ausreichenden Mittagstisch mit einer Verkostung der berühmten Goslarer Gose ging es dann zur Schachtanlage Rammelsberg. Auch Rudi Walter mit Ehefrau beteiligte sich trotz seiner heimtückischen Krankheit an der Befahrung der Erzschächte im Rammelsberg. Nach einer kleinen Kaffeepause ging es nach Wolfshagen zurück. Abends wieder gemütliches Beisammensein im Hotel. Die von jedem Teilnehmer des Klassentreffens vorbereiteten, gebietstypischen Überraschungspäckchen wurden in Form eines Bingospiels vergeben, was bei allen begeisternde Zustimmung fand. Das Repertoire von Gesellschaftsspielen, die Gerlinde und Horst Krumbholz mitgebracht hatten, war schier unerschöpflich. Ein Wetterumschwung verhinderte dann am letzten Tage unseres Klassentreffens die geplanten Wanderungen zum Innerste-Stausee. Alles in allem ein erlebnisreiches Klassentreffen, für das Horst Krumbholz und Rudi Walter zu danken ist. Mit dem Versprechen, uns zum nächsten Schulfest in Pforta wieder zu sehen, verabschiedeten wir uns voneinander und traten die Heimreise an. Otto Berger (al. port. 51 – 55)

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Klassentreffen in Wolfshagen | 77


Festrede zum goldenen Abitur

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Sehr geehrter Rektor Dr. Däumer, liebe Mitabiturenten und Partner, liebe Lehrer, Mitschüler und Gäste. Zum dritten Mal nach den Vorjahren gibt es an der Landesschule Pforta einen offiziellen Festakt zum Goldenen Abitur. Diesmal für uns, die Abiturenten des Jahrganges 1957. Wir danken der Schule, Ihnen, Herrn Dr. Däumer, und allen, die im Vorfeld zum Gelingen dieser Feier beigetragen haben. Die Würdigung der Ehemaligen in dieser Form durch die Schule bringt auch ihr eine Würdigung und Ausstrahlung. Die Lebenserfahrungen der Alten bereichern die Schule. Wir freuen uns über die Entwicklung der Schule, die Fortschritte in ihrem äußeren Erscheinungsbild, registrieren mit Genugtuung, dass sie als Landesschule wieder einen Namen in ganz Deutschland hat. Zollen den Ergebnissen in naturwissenschaftlichen und sprachlichen Wettbewerben unseren Respekt. Wir sehen mit Anerkennung das besonders gute Abschneiden der Chöre und der Teilnehmer an Musikwettbewerben. Fünfzig Jahre sind für Geburtstage, Ehen und Betriebsbestehen schon immer Meilensteine. Fünfzig Jahre Abitur markieren für jeden von uns eine vollendete Etappe wie Konfirmation, Jugendweihe oder Heirat. Mit Freude kann jeder von uns auf seinen erfolgreichen Lebensweg, auf das Erreichte und Geleistete zurückblicken. Mit etwas Besinnung können wir feststellen, dass unsere alma mater, die damalige Organisation an der Schule und unsere Lehrer Beträchtliches dazu beigetragen haben. »Solange ich klein bin, gebt mir tiefe Wurzeln, wenn ich groß bin, gebt mir Flügel«, gibt es eine Weisheit. Wir hatten das Glück, hier tiefe Wurzeln zu schlagen, das Rüstzeug zu erhalten und uns dann gut zu entwickeln. So konnten wir dahingleiten, manchen Unbilden des Lebens die Stirn bieten, unseren Lebensplan entwickeln und umsetzen. Unsere Zeit in Pforta begann 1953, acht Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Die meisten kamen in die 9. Klasse, wenige waren aber schon mal zwei Jahre früher da. Andere, wie ich, sind später dazu gekommen. Sechs »Eckartsbergaer« setzten nach der Mittleren Reife ihre Oberschulausbildung in Pforta fort. Wir mussten uns in bestehende Gepflogenheiten und Gruppierungen einfügen und in kürzerer Zeit die Prägungen von Pforta aufnehmen.

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Die politische Situation war gegensätzlich und von erheblich widerstreitenden Meinungen gekennzeichnet. Jeder musste seinen eigenen Standpunkt finden. Durch die beiden sich feindlich gegenüberstehenden Gesellschaftssysteme hat sich vieles zugespitzt. Auch durch unsere Klassen ging die deutsche Grenze. Das Klasentreffen der 12b im Juni 1990 am Brandenburger Tor war von der Euphorie der Grenzöffnung getragen, wir haben uns über die neue Situation und die neuen Möglichkeiten gefreut. Unterschiedliche Auffassungen und Meinungen gibt es aber auch heute. Wir sollten berücksichtigen, dass vierzig, fünfzig Jahre unterschiedliche Entwicklung bei den einzelnen zu verschiedenen Ergebnissen geführt haben. Jeder hat sich verändert, hat Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, manche Haltungen aktualisiert. Es lohnt sich, Gründe und Bedingungen zu verschiedenen Entwicklungen zu hinterfragen und dann erst Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch im Persönlichen gehen die Auffassungen auseinander. So gibt es zu sozialem Engagement, zum Einsatz für das Gemeinwesen, zu Geld, Eigentum und zu Rechtsauffassungen Unterschiede in Meinungen und Verhalten. Geben wir uns gegenseitig Anstöße zum Nachdenken und gehen wir großzügig mit den Standpunkten der anderen um. Größe kann beweisen, wer Toleranz zeigt. Wir sind im Internat selbständig geworden und haben unser Weltbild geformt. Manche haben aufblickend von der Fürsorge und den Erfahrungen der älteren Jahrgänge profitiert. Lebensauffassungen von 9er Pietzen begannen sich schon mit den Erfahrungen und unter dem Einfluss der Primaner zu bilden. So geht es aus einigen Erinnerungen und Wertungen von Mitschülern hervor. Vorsätze und Ideale haben sich heraus gebildet, wurden wieder verworfen und neu begründet. Es war für uns in diesem Alter eine Zeit des Suchens und Orientierens. Im Internat haben Gespräche und Begebenheiten kleine Bausteine geliefert, haben das Puzzle Weltbild für den einzelnen zusammengesetzt. Es wurde diskutiert, gewertet und verglichen, Ereignisse auf das eigene Leben reflektiert. Ich hatte Anlass, mir Fragen zu stellen: Wozu lebst du, warum machst du das so, was treiben die anderen, was ist der Sinn des Lebens, muss das so sein? Erste Ansätze für Antworten zu Lebensinhalt und Glück habe ich damals schon in Pforta für mich gefunden. Ich habe vieles recht kritisch betrachtet, bin dabei insgesamt zu positiven Schlussfolgerungen gekommen. Habe es dann aufgeschrieben und es ist ein umfangreicherer Text geworden. Zusammengefasst »produktiv tätig sein für und innerhalb der Gemeinschaft«. Jetzt habe ich es für meine Rentnerzeit auf die kurze Formel gebracht: »Urlaub mit der Maurerkelle«.

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In meiner Motivation für Pforta spielt das eine Rolle. Ich engagiere mich, weil ich langsam in die Aufgaben hinein gewachsen bin. Sehe, dass etwas nicht gut läuft oder habe einfach Gedanken, wie ich es organisieren würde. Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Fischhausbrücke zu bauen. Jetzt gibt es in Pforta Gedanken, in der Marterscheune neben dem Torhaus ein Museum einzurichten. In dem Mühlengebäude soll durch Wasserkraft wieder ein Mühlrad getrieben werden und Strom erzeugen. Es bietet sich an, dort vielleicht ein Cafe einzurichten. Da bin ich natürlich dabei. Ich hoffe, dass sich noch einige finden, daran mitzuwirken, ihre Gedanken, Erfahrungen und Planungen einzubringen. Das Meiste unseres Lebens haben wir erreicht und gelebt, der Rest ist Zugabe. Das wollen wir mit Freude genießen. Mit diesem Ausblick zitiere ich goldene Regeln fürs Lebensglück, die Professor Dietrich Grönemeyer wiedergegeben hat: »Begegne dem Alter, finde dich selber. Es kommt nicht darauf an, wie alt man ist, sondern darauf, wie man alt ist. Nicht dem Leben Jahre geben, sondern den Jahren Leben.« Glücklich ist, wer glücklich macht. Wir haben als Jahrgang gesammelt und möchten unserer alma mater mit 2 400 Euro für den guten Start nach dem Abitur danken. Das Geld liegt auf einem Konto des Pförtner Bundes. Alle drei Klassen haben ihre Beträge dahin überwiesen. Wir bestimmen es für ein Projekt, mit dem wir in Pforta etwas anschieben wollen, von dem wir etwas sehen und anfassen können. In der Kürze der Zeit haben wir es leider nicht vor unserem Fest geschafft. Wir hoffen, dass es zum Schulfest 2008 realisiert ist. Zu unserem goldenen Abitur haben wir einen Baum an der Allee der Erinnerungen, der Straße zum Fischhaus, gepflanzt. Das bereits im Herbst, weil es so empfohlen war. Es ist eine Roteiche, die als Baumart Kraft und Stärke verkörpert. Sie ist das Sinnbild von Lebenswillen, eines unverwüstlichen Durchhaltevermögens. Sie erhält von uns die Weihe durch ein Schild mit den Initialen unseres Jahrgangs. Bei den Besuchen kann jeder von uns mit ihr reden, seinen Dank und seine Wünsche aussprechen und noch intensiver als sonst bei unserer Zeit von Pforta sein. Ich hoffe, dass alle mit mir heute die Freude zum »Goldenen« teilen. Ich wünsche uns allen würdige, besinnliche Stunden in diesen Tagen und für die weitere Zeit alles Gute, Gesundheit, Erfüllung, Freude und Zufriedenheit. Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 v.)

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Publikationen Christian-Erdmann Schott: Von Oppeln nach Mainz. Stationen – Institutionen – Perspektiven, Würzburg: Bergstadtverlag W. G. Korn 2007, 239 S., Abb., geb., 16,90 Euro Der Verfasser, emeritierter Pfarrer in Mainz, vielfach ausgewiesener Kenner der schlesischen Kirchengeschichte und engagierter Bundespfarrer der Johanniter-Unfallhilfe, geb. 1932, kam als Flüchtlingskind 1946 nach Schulpforta ins Internat, bis sich seine Eltern 1947 in Magdeburg wieder eingerichtet hatten. Erdmann Schotts Briefe aus dieser Zeit (S.51 – 64, vgl. auch DIE PFORTE Nr. 55/2002, S. 35 – 43) vermitteln einen authentischen Eindruck von den schwierigen Verhältnissen, unter denen damals in der Landesschule gelebt werden musste: »Die Verpflegung ist sehr schlecht. Man wird bei den Mahlzeiten nie satt, denn es gibt auch nur 1 Portion.« (S. 52) Beim Schulfest 1946 kam es wegen einer Andacht mit Choralgesang zum Eklat. Der »Robbot« (Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft) zog sich über Wochen hin. Es gab aber auch den GHK (Goethe-Herder-Kulturbund), die Kreyssig-Brüder spielten ein Stück von Hans Sachs, bei Franz Zimmermann wurde gerne Russisch gelernt und im Chor gesungen. Erinnernswert aber auch die Ecce-Feier 1946: »Wir sangen ein lateinisches Lied, 4-stimmig. Der Rektor las 2 ¼ Stunden lang sämtliche gestorbenen Pförtner vor. Wir schliefen alle ein und es war nur das monotone Geräusch der Stimme des vorlesenden Rektors zu hören.« (S. 62). Reiner Bohley: Die Christlichkeit einer Schule. Schulpforte zur Schulzeit Nietzsches. Hg. von Kai Agthe = manuskripte 4, JenaQuedlinburg: Verlag Dr. Bussert & Stadeler 2007, 400 S., geb., 34,90 Euro Der früh verstorbene Reiner Bohley (1941 – 1988) schloss seine Studie zur Schulgeschichte Pfortas und zum jungen Nietzsche 1974 am Katechetischen Oberseminar Naumburg ab, zu einer Zeit also, als die Werke des Philosophen in der DDR noch verfemt waren. Mehr als drei Jahrzehnte danach hat Kai Agthe diese Untersuchung, ergänzt durch fünf weitere Aufsätze Bohleys zu Nietzsche und zur Geschichte der sächsischen Landesschule, endlich zum Druck bringen können: »Die Arbeit sollte Auskunft darüber geben, welcher Art das Christentum der Schule war, wie die Schule das Christentum der Schüler beeinflußt haben kann, welche Stellung die Schule überhaupt zum Christen-

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tum hatte.« (S. 192)Im Mittelpunkt steht also die Landesschule Pforta mit ihren Lehrern und Schülern zur Zeit Nietzsches, deren damalige innere und äußere Verfassung mit Hilfe einer immensen Fülle von Quellen detailreich rekonstruiert und durchaus ernüchternd bilanziert wird: »Das Christentum wurde zwar für wert gehalten, aber fast ausschließlich nicht um seiner selbst, sondern um der Tradition der Schule willen.« (S. 195) Was bei solcher Prägung auch herauskommen konnte, fasste Bohley in seinem Aufsatz über »Nietzsches christliche Erziehung« von 1987 in dem harten Diktum zusammen: »Ein besseres Beispiel gescheiterter Erziehung kann es kaum geben als Nietzsches christliche Erziehung.« (S. 308) Welchen Anteil Pforta an diesem Ergebnis hatte, wo nach Bohleys Urteil »ein Christentum ohne Christus« praktiziert wurde (vgl. S. 153), bleibt schwer zu fassen. Peter Maser (al. port 57 – 59) David Ortmann, Franz Werfel (Hgg.): theatrum ante portas. Die Jahre 2002 – 2007. – Warendorf: Fahlbusch Verlag 2007, 128 S., Abb., brosch., 12,00 Euro (8,00 Euro in der Landesschule) In dem zum Schulfest 2007 erschienenen Buch erinnern sich Mitwirkende und Zuschauer an sechs Pfortenser Theaterjahre und 26 in dieser Zeit gespielte Stücke. Großformatige Fotos sollen diese Zeit nicht nur textlich erfahrbar machen, sondern auch bildlich vor die Augen bringen. Ein Farbteil in der Mitte lässt die oft bunte Ausstattung der Inszenierungen lebendig werden. Viele Pförtner erzählen zu den Schulfesten von ihren eigenen, weit zurückliegenden Erfahrungen im Schultheater, das seit jeher Teil Schulpfortas war und ist. Die Chronik »theatrum ante portas« versucht zum ersten Mal, halb dokumentierend – in genauen Listen zur Besetzung, den Aufführungsterminen, den Pressekritiken –, halb persönlich erzählend einen Bruchteil dieser Tradition zu konservieren. Ein gewitztes Vorwort von Altrektor Karl Büchsenschütz bildet dazu den amüsanten Einstieg. David Ortmann (al. port. 01 – 06 v.)

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Zudem wurde Schulpforta auch in den folgenden Publikationen prominent besprochen: Schulpforte, ehemalige Klosterkirche St. Maria und St. Johannes d. T. In: Gegossene Vielfalt: Glocken in Sachsen-Anhalt / Treuber, Constanze. – Rostock: Hinstorff, 2007, S. 131 – 135 Dorfmüller, Petra: Der Park der Landesschule Pforta. In: Gärtnerische Wäldchen: Museen und Gartenkunst des 18. Jahrhunderts in Sachsen-Anhalt; [Begleitpublikation zum Themenjahr »Gartenträume« innerhalb der Landesinitiative »Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert«] / [Schloß Wernigerode GmbH]. Hrsg. von Christian Juranek unter Mitarb. von Katrin Dziekan. [Mit Beitr. von Ute Boebel …]. – Dößel: Stekovics, 2006, S. 237 – 242 Bacin, Stefano: Fichte in Schulpforta (1774 – 1780): Kontext und Dokumente. – 1. Aufl. – Stuttgart: Frommann-Holzboog, 2007 Geffers, Andrea: Erfolgreicher Traditionalismus: die Chormusik-Florilegien von Erhard Bodenschatz († 1636), Kantor in Schulpforte; Biografie, Quellenstudien, Wirkungsgeschichte. – Berlin, Humboldt-Univ., Diss., 2005 Dorfmüller, Petra: Zur Geschichte der Papiermühle in Schulpforte. In: Gutenbergjahrbuch 2006. 81. Jahrgang. Wiesbaden: Harrassowitz, 2006, S. 285 – 292 Im Heft 1/2008 der Zeitschrift »Das Altertum« (die Ausgabe wird zum Schulfest erhältlich sein) finden sich gleich mehrere Artikel zu Schulpforte: Flöter, Jonas: Der Wert der humanistischen Bildung. Zur Diskussion um Kultur und Curriculum an den Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Schulpforte und Joachimsthal in der Zwischenkriegszeit. S. 3 – 20 Büchsenschütz, Karl: Wechselbäder und Konstanten. S. 21 – 50 Dorfmüller, Petra: Vier Briefe von Gottfried Hermann aus dem Nachlass Carl David Ilgens. S. 51 – 70 Petra Dorfmüller (al. port. 82 – 86 v.)

83

Publikationen | 83


Ecce 2007 Harald BRUCK  * 20. 08. 1912  † 19. 08. 2007 al. port. 26 – 29 Hans-Reinhard BUNNEMANN, Oberkirchenrat  * 19. 8. 1908  † 09. 08. 2007 al. port. 1921 – 28 v., MDP Siegfried DEISENROTH  * 01. 05. 1926  † Januar 2007 Großonkel August Deisenroth, eh. Musikdirektor, MDP Prof. Peter GLEICHMANN  * 02. 03. 1932  † 13. 11. 2006 al. port. 42 – 45, MDP Margit GUTMANN-REUSS  * 04. 12. 1914  † 14. 05. 2007 Ehefrau von Kurt Gutmann, al. port. 27 – 34 v., MDP Dr. Heinz Gerd HELM, Rechtsanwalt  * 23. 12. 1923  † 28. 07. 2007 al. port. 38 – 40 Hans HIPPAUF  * 09. 03. 1927  † 04. 04. 2007 al. port. 38 – 45 Dr. Hans Ferdinand KERN  * 06. 10. 1935  † 24. 11. 2006 al. port. 50 – 54 v., MDP Marianne KRAUS, OP-Schwester  * 19. 01. 1940  † 26. 08. 2007 al. port. 55 – 58 v. Hans-Joachim KURTH  * 05. 09. 1919  † 2007 al. port. 31 – 35 Eberhard MAHLEKE  * 24. 01. 1932  * 31. 10. 2007 al. port. 46 – 47

84 84 | Ecce 2007


Hans MOLZAHN  * 05. 06. 1920  † 03. 12. 2006 al. port. 31 – 35 Dr. Otto PLEUL  * 16. 05. 1935  † 26. 11. 2006 al. port. 47 – 52 v. Hans Rudolf RATHSMANN  * 28. 12. 1915  † 30. 09. 2005 al. port. 28 – 34, MDP Erdmann RICHTER, Oberstudienrat * 22. 11. 1910  † 21. 12. 2006, MDP Solveig ROESNER  † 31. 05. 2007 Ehefrau von Gerd Roesner, al. port. 31 – 35 Claus RODATZ  * 24. 11. 1935  † 20. 02. 2006 al. port. 48 – 54 v. Heinz ROLKE  * 27. 03. 1934  † 03. 06. 2007 al. port. 46 – 48 Eckhard ROTTMANN  * 27. 02. 1938  † 2007 al. port. 52 – 56 v. Manfred STÄHR, Studienrat  * 26. 07. 1938  † 06. 11. 2007 al. port. 53 – 57 v. Dr. Helmut TRUTE  * 23. 03. 1907  † 08. 08. 2007 al. port. 19 – 25, MDP Sigurd WELLER  * 18. 06. 1928  † 12. 04. 2007 extr. port. 46, MDP

85 Ecce 2007 | 85


Tabula Gratulatoria Aus Platzgründen und mit Blick auf die demografische Entwicklung haben wir uns entschieden, beginnend mit dieser Ausgabe die Latte für das Prädikat »hoher Geburtstag« etwas höher zu legen und in den unteren Jahreszahlen zudem nur die runden Jubiläen zu würdigen. Ab einem Alter von 90 Jahren wird natürlich jeder Geburtstag angezeigt. Das veränderte System möge nicht als Affront gegen die jüngeren Pfortenser Geburtstagskinder missverstanden werden. Ob abgedruckt oder nicht: Wir gratulieren allen herzlich und wünschen ein gesundes, glückliches neues Lebensjahr.

Foto: Joey Gannon (Abdruck unter Lizenz creative commons 2.0, by-sa)

»MDP« verweist auf eine Mitgliedschaft im Pförtner Bund.

Name Klemmt Schroeter

Vorname Karl-Heinz Ursula

Mirbach Gutmann Pick Hacker Dufving (geb. Meichßner) Müller Schiffmann Schiller Meyer Koch-Weser Preller Gründler Axthelm (geb. Fürbringer) Reichel Kühne

Henning, Frhr. v. Kurt Werner-Rolf Fritz Ruth v.

Hartwig Werner Ulrich Friedrich Dieter Hans-Wilhelm Eberhard Elisabeth Friedrich Karl-Heinz

86

86 | Tabula gratulatoria

Pforta 26 – 29 v. W. Dr. Stefan Schr. 21 – 27 v. 29 – 32 v. 27 – 34 v. 26 – 32 v. 29 – 34 v. F. M. Meichßner al. port. 1889 – 95, gstl. Insp. 1912 – 25 29 – 35 v. mag. 54 – 58 29 – 35 v. 29 – 35 v. 28 – 35 v. 29 – 34 30 – 35 W. Jochen-Henn. A. 26 – 33 v. 30 – 35 34 – 35

MDP MDP

Geburtstag 14. 10. 1910 22. 03. 1912

Alter 97 96

MDP MDP MDP MDP

10. 01. 25. 26. 03.

08. 02. 08. 09. 12.

1912 1913 1913 1913 1913

96 95 95 95 95

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

09. 14. 14. 29. 13. 14. 24. 06.

03. 02. 03. 05. 07. 11. 11. 12.

1915 1916 1916 1916 1916 1916 1916 1916

93 92 92 92 92 92 92 92

14. 01. 1917 12. 06. 1917

91 91


Name Dreckmann Jopp Kupfernagel Frühbuß Konetzny Lux Kramer Weinert Gernhuber Seka

Vorname Margarete Konrad Wilhelm-Walter Christian Rudolf Käthe Franz Albrecht Joachim Günther

Pforta W. Dr. Siegfried D. 31 – 35 32 – 35 31 – 38 v. mag. 57 – 88/92 mem. Walter Lux 36 – 42 v. Afra 36 – 40 v. 36 – 40

Kantner Hipp Hiese Gottschick Gabert Freudenberg Lochner Thiele Martin

Norbert Hans Manfred Friedemann Friedrich Horst Friedrich Henry Ursula

37 – 41

Schröder Edelgard (geb. Düffort)

38 – 45 46 – 47 v. mag. 50 – 57 39 – 45 39 – 45 39 – 44 W. Dr. Friedrich M. 32 – 36 W. Robert Schr. 46 – 48

MDP MDP MDP MDP

MDP

Geburtstag 01. 02. 1918 20. 09. 1918 16. 12. 1918 24. 12. 1918 21. 02. 1923 14. 04. 1923 28. 04. 1923 10. 07. 1923 18. 07. 1923 25. 07. 1923 24. 05. 07. 30. 21. 21. 01. 12. 12.

10. 02. 03. 03. 04. 05. 07. 07. 10.

Alter 90 90 90 90 85 85 85 85 85 85

1923 1928 1928 1928 1928 1928 1928 1928 1928

85 80 80 80 80 80 80 80 80

23. 11. 1928

80

87

Tabula gratulatoria | 87


Name Prokupek Klein Ramisch Budwill Hauschild Schirrmeister Picht Lang Münzenberg Hartwig Jaritz Arnold Gröger Noack Zeiske Rodinger Steppan Römer (geb. Worch) Garbers Klitzsch Harms (geb. Dobratz) Nicolas Kampe (geb. Wrobel) Haferkorn Gleichmann Boltze Maerker Weiß Kahle (geb. Krüger) Steinweg Borges (geb. Schulz) Hoffmann Landgraf

Vorname Franz Wolfgang Franz Henning Helmut Karl-Günter Joachim Hansjörg Theodor Edwin Werner Heinrich Peter Georg Klaus Lothar Karlheinz Waltraud

Pforta 49 – 52 v. 47 – 51 v. 47  – 51 v. 46 – 51 v. 49 – 52 v. 46 – 52 49 – 52 v. 47 – 51 48 – 51 46 – 52 v. 48 – 51 v. E. 49 – 51 v. 49 – 51 46 – 51 v. 43 – 44 49 – 50 52 – 55 49 – 52 v.

Nikolaus Eberhard Hasso-Jens

43 – 45 46 – 48 46 – 49

Volkmar Rose-Marie

47 – 51 v. 49 – 50

Christian Ulrich Dietrich Dietrich Willi Nora

Geburtstag 03. 01. 1933 14. 01. 1933 01. 02. 1933 05. 02. 1933 09. 02. 1933 25. 02. 1933 09. 03. 1933 21. 03. 1933 29. 03. 1933 14. 05. 1933 28. 05. 1933 29. 05. 1933 01. 06. 1933 04. 07. 1933 04. 07. 1933 05. 07. 1933 24. 07. 1933 29. 07. 1933

Alter 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

08. 08. 1933 18. 08. 1933 31. 08. 1933

75 75 75

MDP

02. 09. 1933 22. 09. 1933

75 75

47 – 52 v. 43 – 45 52 – 53 v. 48 – 52 v. 49 – 52 v. 49 – 50

MDP

28. 02. 24. 31. 24. 26.

1933 1933 1933 1933 1933 1933

75 75 75 75 75 75

Reinhart Barbara

46 – 50 49 – 52

MDP MDP

26. 11. 1933 04. 12. 1933

75 75

Paul Felix

48 – 51 v. 49 – 52 v.

MDP

14. 12. 1933 29. 12. 1933

75 75

88

88 | Tabula gratulatoria

MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP

MDP

09. 10. 10. 10. 11. 11.


HAUSHALTSRECHNUNG für die Kalenderjahre 2005 und 2006, zusammengefasst Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726

1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1.1 Einnahmen: Mitgliedsbeiträge Spenden, Zuschüsse Summe des nicht steuerpflichtigen ideellen Bereichs Einnahmen des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Bereichs – Verkauf von Schriften und CDs (Chor) Summe der Einnahmen 1.2 Ausgaben: Ideeller Bereich I: Vorstand, Archiv, Mitglieder­ betreuung, Zeitschrift »Die Pforte«, Info, Freistellenwerk Ideeller Bereich II: Beihilfen Landesschule, Bibliothek, Schulveranstaltungen, Baumaßnahmen, Dornierstiftung, Zuführung für geplante Vorhaben Summe Ausgaben »Ideeller Bereich« Ausgaben »Wirtschaftlicher Bereich«, Ankauf von Schriften, Chor Summe der Ausgaben Bestandsverminderung 2. VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS Kassenbestand Bank-Girokonten Fest- und Termin-Konten Sonstiges und Steuer Summe der Aktiva Kapital-Vortrag Bestandsminderung Steuer-Verbindlichkeit Rücklagen für geplante Vorhaben und Zweckbestimmung Summe der Passiva

2005 EURO

2006 EURO

10.820,79 178.470,17 189.290,96

17.747,33 101.607,82 119.355,15

20.373,17

12.770,93

209.664,13

209.664,13

132.126,08

16.150,22

13.949,98

190.156,59

154.462,33

206.306,81 13.698,20

168.412,31 3.798,90

220.005,01

374,06 96.658,39 196.933,77 6.824,45 300.790,67 59.342,42 –10.340,88 6.716,33 245.072,80 300.790,67

220.005,01 –10.340,88

172.211,21

132.126,08

172.211,21 –40.085,13

300.790,67

432,31 79.033,02 130.655,85 410,60 210.531,78 49.001,54 –40.085,13 1.358,72 200.256,65

210.531,78

300.790,67

210.531,78

210.531,78

Erläuterungen zur Haushaltsrechnung 2005:

Wie in den Vorjahren sind in den Zuschüssen sowie im Bestand u. A. die zweckgebundenen Zuwendungen der Dornierstiftung enthalten, welche vom Pförtner Bund treuhänderisch verwaltet und nach Bedarf von der Schule abgerufen werden. Die Ladegastorgel wurde mit rd. 26.300,– € bezahlt. Dieser Betrag war bereits zurückgestellt. Die Festschrift zur Einweihung der Ladegastorgel kostete 3.300,– €, von denen Teilbeträge durch den Verkauf wieder vereinnahmt werden konnten. Besondere Aufwendungen: rd. 10.000,– € für eine Übungs- und eine Ahlborn-Orgel. Ca. 1.000,– € erhielt die Schüler-Bibliothek, für die neue Aula-Beleuchtung mit Gesamtkosten von rd. 60.000,– € übernahm der Pförtner Bund einen Anteil von 20.000,– €. Über 3.000,– € erhielt der naturwissenschaftliche Zweig, die Theatergruppe 1.500,– €. Schulveranstaltungen wurden mit rd. 3000,– € unterstützt. Die Reise des Chores in den Jemen ist durch Zuschüsse und Eigenleistungen finanziert worden. Auch dem Freistellenwerk wurden wieder 2.500,– € zugeführt. Es existieren drei Internet-Adressen, Pforta.de, Landesschule sowie ein DSL-Anschluss für die Schüler mit Gesamtkosten von rd. 1.400,– € jährlich. Die Mehrzahlungen/Spenden der Mitglieder des Pförtner Bundes erreichten den Vorjahresstand mit etwas über 7.000,– €. Alles in allem behielt der Pförtner Bund seine Liquidität, ist aber für seine künftigen Aufgaben weiterhin auf die Spendenbereitschaft seiner Mitglieder und Freunde angewiesen. Für die bisherige Unterstützung, auch der Eltern, wird herzlich gedankt. Die Zusammenarbeit mit dem Rektor, der Schulverwaltung sowie der Stiftung Schulpforta war wie immer sehr gut. Aus besonderem Grund kann der Kassenprüfungsbericht noch nicht veröffentlicht werden, wenn es nicht gelingen sollte, ihn in dieser Ausgabe noch einzufügen. Das Finanzamt Naumburg erteilte dem Pförtner Bund e. V. im Januar 2006 nach Prüfung der Bilanzen et cetera erneut einen Freistellungsbescheid und bestätigte damit die Gemeinnützigkeit.

89

Haushaltsrechnung | 89


PförtnerAbende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Str. 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Hannover

Helmut Duckart Im Holze 11 29690 Lindwedel Tel. 05073 | 92098 Fax 05073 | 92099 duckart-lindwedel @t-­online.de

Leipzig

Jan Schwartze Lobstädter Straße 13 04279 Leipzig Tel. 0341 | 3390054 Tel. mob. 0176 | 52277505 j.schwartze@poerner.de

München

Hamburg

Ronny Michael Radke Cecinastraße 68c 82205 Gilching Tel. 08105 | 391172 ronnymichaelradke @web.de

Karlsruhe/Oberrhein

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 sukreuz@t-online.de

Frankfurt/M.

zz. nicht besetzt Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093 Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein­Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

90

90 | Pförtnerabende

Münster

&

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Pforta

Der Vorsitzende des Pförtner Bundes e.V. Prof. Dr. Peter Maser (vgl. Impressum)

Schwerin/Mecklenburg­Vorpommern zz. nicht besetzt

Thüringen

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase @t-­online.de

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Straße 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702 webmaster@akel.de

Anschrift der Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 landesschule@pforta.de


Impressum Vorsitzender

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 Fax 034463 | 62491 peter.maser@t-online.de

Gesamtherstellung

Saale-Druck Naumburg GmbH Topfmarkt 7 06618 Naumburg Tel. 03445 | 24370

Konten Pförtner Bund e. V.

Jahresbeitrag zurzeit 40 Euro Postbank Hamburg Nr. 10 584 200 (Beitragskonto) (BLZ 200 100 20)

Schatzmeister

Deutsche Bank Naumburg Nr. 646 337 600 (BLZ 860 700 24)

Schriftführer

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West Nr. 53 222 601 (BLZ 201 902 06)

Helmut Duckart Im Holze 11 29690 Lindwedel Tel. 05073 | 92098 Fax 05073 | 92099 duckart-lindwedel@t-online.de Hans-Joachim Männig Zöbigker Straße 6 04416 Markkleeberg Tel. 034299 | 75280

Archivar

Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 27544

Redaktion und Gestaltung David Ortmann Lange Gasse 27 06484 Quedlinburg Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Melanchthon-Stiftung

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Konrad Keller Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 Beiträge für DIE PFORTE können Sie per E-Mail an die Redaktion schicken (david.ortmann@gmail.com) oder an das Zentrum Pförtner Bund, Schul­straße 22, 06628 Schulpforte. Redaktionsschluss: 7. Januar 2007

Foto (4. Umschlagseite): David Ortmann für DIE PFORTE

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 60 | 2007 007 2

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Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 60/2007  

Die 60. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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