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Pforte

2014

2014 | Nr. 67

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors

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Vergangenes aus der Pforte Porta semper reformanda Wilhelm von Humboldt oder Gottfried Hermann Vier amerikanische Piloten in Schulpforte beerdigt »Meinen polnischen Freunden zugeeignet.« Theater-Spielort mit Tradition Berührungspunkte zwischen »Morgen- und Abendland«

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schulfest in Pforta Porta semper renovanda Sternwarte wieder eingeweiht Im Land der tausend Farben – Ein Reisebericht »Fast and Pfortenous« bei »Formel 1 in der Schule«

Vom Pförtner Bund Protokoll der Mitgliederversammlung 2014 Satzung des Pförtner Bundes e.V. Ecce-Feierstunde 2014 Ecce 2014 Klassentreffen 2014 Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2014 Gänse-Essen in Thüringen O quae mutatio rerum 12B2/1956 – Klassentreffen in Bochum Tabula Gratulatoria Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2013 Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Das Jahr 2014 im Landesweingut Kloster Pforta Pförtner Abende Impressum

2 | Inhalt


Geleitwort des Vorsitzenden

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»Ja, ich verdanke der Schule viel, nicht nur Wissen, sondern auch an Lebenseinstellung.« Diesen Satz schrieb mir vor einigen Tagen Prof. Dr. Nikolaus Uhl (al. port. 1947–1951), dessen Schulzeit in Pforta in die folgenreiche Phase der Umwandlung der Landesschule in eine sozialistische Bildungsstätte fiel. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ernst hatte er je eine Freistelle erhalten, die aber unter Rektor Ostrowitzki gestrichen wurde. Deshalb und auch weil junge Christen als Mitglieder der »Jungen Gemeinde« diskreditiert und zunehmend isoliert wurden, verließ Nikolaus Uhl die Landesschule vor dem Abitur. Er erinnert sich besonders an seine Organistendienste bei Abendandacht und Sonntagsgottesdienst. Die Musik behielt in seinem Leben, trotz seiner beruflichen Karriere als Mediziner, einen wichtigen Stellenwert. Und Pforta gilt ihm, wie den inzwischen über 860 weiteren Mitgliedern unserer Vereinigung, als eine in Dankbarkeit zu unterstützende Alma Mater. Der Pförtner Bund als Förder- und Alumniverein hat sein Gesicht in den letzten fünf Jahren gewandelt. Neben zahllosen berufserfahrenen Frauen und Männern gehören inzwischen rund 30 Prozent junge und jüngste Mitglieder zum Verein. Sieben Prozent sind 18 oder 19 Jahre alt! Das haben wir einer inzwischen intensiven Alumniarbeit zu verdanken. Nachdem

der bisherige Alumnibeauftragte Paul Pasieka beruflich nach Rom wechselte, wird Sophie Müller (al. port. 2009– 2013) diese Aufgabe übernehmen. Die meisten jungen Mitglieder sind also Studierende, die natürlich ihren Mitgliedsbeitrag überwiegend auf »Null Euro« eingeschätzt haben. Und dennoch steigt das Spendenaufkommen unseres Vereins. Das verdanken wir vielen regelmäßigen Beitragszahlern und einigen Großspendern, die oft nicht namentlich erwähnt sein wollen – sondern tun, was ihnen wichtig und möglich ist. Herzlichen Dank dafür! Das letzte Jahr hat höchste Dynamik in das Baugeschehen in Pforta gebracht. Das Besucherzentrum für Touristen ist fertiggestellt. Am Tafelkreuz in der Klosterkirche wird die Rückseite weiter konserviert. Die Klausur hat vor Wintereinbruch ein neues Dach bekommen und der entkernte Baukörper wird bis 2016 komplett modernisiert und restauriert sein. Die Sternwarte ist Dank vieler Spenden wieder funktionstüchtig und wird rege genutzt. Das Torhaus wird derzeit statisch wiederhergestellt, die Fassade restauriert und im nächsten Jahr auch das Innere saniert. Schließlich arbeitet der Pförtner Bund gemeinsam mit dem Schulträger am Umbau der alten Turnhalle zur Theaterspielstätte (vgl. Pforta-Info 43). Von diesen und weiteren Dingen lesen Sie auch in diesem Heft.

Geleitwort des Vorsitzenden | 3


Über all dies sei immer wieder gesagt: Tue Gutes und rede darüber. Dass Pforta ein besonderer Bildungsort ist, sollte immer wieder weitergesagt werden. Wer einmal hier war, fängt schnell Feuer. Empfehlen Sie also allerorten und bei jeder Gelegenheit Pforta als Ausflugs- und Bildungsziel. Dank gilt unseren engagierten Mitgliedern, die in München, Berlin und anderen Orten regionale Treffen und Veranstaltungen organisieren. Neu aufleben wird ein Pförtner Abend in Schulpforte für Ehemalige aus der Region Naumburg, den unser Vorstandsmitglied Dagmar Sommer (al. port. 1958–1962) gemeinsam mit Birgit Schunke (al. port. 1981–1985) in Form von Vortragsveranstaltungen konzipiert. Herzlichen Dank auch dafür. Unterstützen Sie die Arbeit unseres Archivars Dr. Klaus-Dieter Fichtner (archiv@pforta.de) durch die Übersendung von Viten und Presseveröffentlichungen. Adressänderungen melden Sie bitte möglichst umgehend per Email an vorstand@pforta.de MATTHIAS HAASE (AL. PORT. 83 – 87 v.)

4 | Geleitwort des Vorsitzenden


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Grußwort des Rektors

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, wir, das Kollegium, die Schülerinnen und Schüler sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesschule Pforta sind glücklich darüber, dass wir durch unsere ehemaligen Schülerinnen und Schüler eine stets präsente, hilfreiche und förderliche Unterstützung erfahren! An erster Stelle sei dabei das persönliche Engagement von Ehemaligen genannt, die uns hier vor Ort bei unseren Tätigkeiten in vielfältiger Art und Weise unterstützen. Stellvertretend angeführt sei das Engagement bei der Umgestaltung unserer alten Turnhalle hin zu einem Multifunktionsgebäude, bei der Sanierung unserer Sternwarte, bei der multimedialen Ausgestaltung unserer Aula, bei der Pressearbeit und bei der Gestaltung von Vorträgen, beispielsweise im Rahmen des Tages der Technik. Des Weiteren tragen Sie mit Ihren Spenden und Mitgliedsbeiträgen maßgeblich dazu bei, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern Angebote unterbreiten können, die ihre Begabungen fördern und zugleich unser schulisches und internatliches Angebot bereichern. So war und ist unsere Aula ein Ort mit einem ganz besonderen Flair, ein besonders schöner noch dazu. Durch die erfolgte Ausstattung mit einer hochwertigen Mikrofon-, Sound- und

Projektionsanlage ist die Qualität der technischen Unterstützung deutlich gestiegen. Die Einsatzmöglichkeiten dieses Raumes wurden dadurch wesentlich erweitert. Podiumsdiskussionen, wie die zuletzt im Rahmen von »Porta – semper reformanda« durchgeführte, können jetzt auch bei einer großen Anzahl an Zuhörern an allen Stellen unserer Aula akustisch gut verfolgt werden. Zudem können Referenten ihre Vorträge ohne die Bereitstellung weiterer zusätzlicher Technikkomponenten mit multimedialen Inhalten unterlegen. Und wenn dafür bislang erst das Verlegen eines »Freiluftantennenkabels« erforderlich ist, lässt sich jetzt auch Public Viewing, wie beispielsweise bei der letzten Fußball-WM, für einen größeren Publikumskreis realisieren. Auch Sie als Pförtnerinnen und Pförtner können von dieser Neuerung profitieren. Sei es während der Mitgliederversammlungen des Pförtner Bundes e.V. oder im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlass des Goldenen bzw. des Diamantenen Abiturs. Hier erfahren die Redebeiträge der in die Verantwortung Gebetenen jetzt auch die angemessene technische Unterstützung. Zudem ist es unser Ziel, im Rahmen der Konzeption »Studierfähigkeit Plus« unseren Schülerinnen und Schülern der Oberstufenklassen zukünftig partiell auch Unterrichtsinhalte in einem simulierten Vorlesungsbetrieb darzubieten.

Grußwort des Rektors | 5


Ein besonderes Ereignis unter vielen, die zu erwähnen wären, stellte die feierliche Besiegelung der Projektpartnerschaft zwischen der staatlichen Kantonsschule Wettingen (Schweiz, Kanton Aargau), die ebenfalls in den Gemäuern eines ehemaligen Zisterzienserklosters untergebracht ist, in der Aula unserer Landesschule dar. Der Besuch einer Delegation der Kantonsschule Wettingen war verbunden mit der bereits erwähnten Veranstaltung »Porta – semper reformanda« am 23. Oktober 2014. Wir hoffen auf Besuch aus Wettingen bei unserem Schulfest am 30./31. Mai 2015. Übrigens: Herr Rektor Dr. Kurt Wiedemeier aus Wettingen übergab dem Rector Portensis eine Uhr – dieselbe, die er in seinem Büro hat – als Zeichen, dass in den Partnerschulen ab jetzt die Zeit gleich fließen soll! Die enge Verbundenheit unserer Alumni zu ihrer Alma Mater trägt immer wieder dazu bei, unseren aktuellen Pfortenserinnen und Pfortensern vier unvergessliche, lehrreiche und prägende Jahre an einem ganz besonderen Ort zu ermöglichen. Sie als Mitglieder des Pförtner Bundes unterstützen damit auch uns Lehrende und Erziehende bei unserer täglichen Arbeit und ermöglichen beispielsweise Fahrten und Exkursionen zu außerschulischen Lernorten, die unser Unterrichtsangebot bereichern.

6 | Grußwort des Rektors

Für diese gewährte Unterstützung möchte ich Ihnen, auch im Namen meiner Schülerinnen und Schüler, meines Kollegiums und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses, herzlich danken und zugleich meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass dieses vertraute und konstruktive Miteinander auch in Zukunft seine Fortsetzung finden wird. Ideen für weitere Projekte haben wir auf jeden Fall in petto. Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch in diesem Jahr oft mit Freude an Ihre Zeit in Schulpforte zurückblicken und den Werdegang unserer ganz besonderen Landesschule im Herzen Deutschlands weiterhin engagiert begleiten, verbleibe ich mit besten Grüßen. THOMAS SCHÖDEL rectOR portENSIS


Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Porta semper reformanda Am 23. Oktober 2014 fand in der Aula der Landesschule Pforta ein Vortragsund Diskussionsabend statt, der die Geschichte Pfortas unter dem Blickwinkel verschiedener Reformbestrebungen beleuchtete und zugleich den Auftakt einer Schulkooperation mit der schweizerischen Kantonsschule Wettingen markierte. Als Ausschnitt seien hier der Vortrag von Schulpfarrerin Regine Huppenbauer-Krause zur Gründung des Zisterzienserklosters, sowie der Vortrag von PD Dr. Jonas Flöter zur preußischen neuhumanistischen Bildungsreform und ihrem Niederschlag in der Landesschule Pforta wiedergegeben.

V

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Von der Gründung eines französischen Reformordens. Die Zisterzienser im Wandel von »Meistern des Anfangs« zu emsigen Verwaltern irdischer Güter Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer (Gen. 1,1). Am Anfang war das Wort. und das Wort war bei Gott (Joh. 1, 1). »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.« Der diese unsterblichen Worte prägte, Hermann

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Hesse, war kein Zisterzienser. Aber er ist an einem zisterziensischen Ort zur Schule gegangen und es ist ihm gelungen, in trefflicher Weise das zisterziensische Ideal in Worte zu fassen .Die Zisterzienser sind die »Meister des Anfangs«, des stets sich wiederholenden Neuanfangs. Das spiegelt sich unter anderem wider im Topos der Gründungslegenden, die vielfach nach folgendem Muster ablaufen: Ein Ritter reitet durch den Wald oder Sumpf, sein Pferd stolpert oder versinkt, es erscheint ein Hirsch oder ein wilder Eber oder ein Schwan, oder auch alles zusammen, vielleicht geht auch noch ein Stern auf, auf jeden Fall erscheint dann noch Maria, die Gottesmutter und Himmelkönigin; eine Variation wäre auch noch, daß der Ritter auf seinem Weg in den Kreuzzug in Seenot gerät und ihm der Stern mitsamt der Maria über dem Meer aufgeht: »Stella maris« – das ist die Wettinger Version. Stets endet die Geschichte damit, daß der Ritter erkennt, daß er jetzt sofort und an einem klar definierten Ort ein Kloster stiften soll. Als Dank für seine Rettung und für sein Seelenheil. Gelegentlich muß er an sein Gelübde auch noch nachdrücklich erinnert werden – von einem Engel zum Beispiel. So wissen alte Legenden zu erzählen. Historisch gesehen liegen die Anfänge oft im Dunkeln. So auch in Pforte.


Solch eine schöne Gründungslegende hat sich nicht erhalten, aber es gibt eine Vorgeschichte und die erzählt von Abschied, Aufbruch und Neubeginn. »Soviel Anfang war nie« – so möchte man mit einem anderen ehemaligen Maulbronner, Friedrich Hölderlin, sagen. Nachdem im Jahre 1098 einige Mönche, man spricht von neun, vom Benediktinerkloster Molesme in die Sümpfe von Citeaux aufgebrochen waren, ging es für 12+1 von ihnen recht bald weiter, nämlich 1115 nach Morimond. 1123 erreichen die nächsten 12+1 Mönche Altenkamp am Rhein. 1129 gründen 12+1 von ihnen das Kloster Walkenried im Harz. Als 12+1 der Walkenrieder Mönche ihr Mutterkloster verlassen und am 9.November 1132 in ein – wie es heißt – »verödendes« Benediktinerkloster bei Zmoulne, heute Schmölln, einziehen, beginnt die unmittelbare Vorgeschichte Pfortes. In Schmölln haben zuletzt »unnütze und von der Klosterzucht abschweifende Personen« gelebt. Es ist das überhaupt eine üble Gegend, die sich »der Pleißengau« nennt, mitten im slawischen, also im heidnischen Siedlungsgebiet. Von »rohem Volk« und »bösen Leuten« hören wir da in der Urkunde von 1140, die nicht müde wird, die negativen

Aspekte der ersten Niederlassung zu beschwören. In diesem Zusammenhang gibt es dann tatsächlich eine schöne Geschichte, die jedem, der sie hört, sofort plausibel werden läßt, warum es der Konvent dort auf keinen Fall länger aushalten konnte: Zwischen 1274 und 1280 erzählt nämlich Abt Theoderich im »Exordium portense« rückblickend: »So begrub einst ein mächtiger und reicher Slawe einen vornehmen Verwandten, der gestorben war, in der Klosterkirche bei Zmolne gegen den Willen der Klosterbrüder. Als das dem Abte bei seiner Rückkehr gemeldet wurde, so ließ er den Leichnam des Bestatteten, weil derselbe im Banne gewesen sein sollte, aus der Gruft hinausschaffen und vor das Thor bringen. Der vornehme Slawe war darüber empört und ließ den Leichnam (nach einer anderen Übersetzung nur Teile davon!) bei Nacht durch ein Fenster wieder in die Kirche setzen, tobte im Kloster herum und suchte den Abt, der sich versteckt hielt, um sich zu rächen.« Da leuchtet es doch einem jeden ein, wenn es weiter heißt: »Als der Wütherich fort war, klagten der Abt und die Mönche dem Bischof ihre Noth, wie sie öfter zu tun pflegten, dass sie mitten unter einem rohen und irrgläubigen Volke angesiedelt seien und baten, er möchte ihnen Erlaubnis geben, nach ihrer Heimat Walkenrede zurückzukehren.« Der Bischof, Uto I.

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von Naumburg und Zeitz hatte aber eine bessere Idee: Er bot ihnen an, sich in seiner Diözese einen geeigneteren Ort zu suchen, wo sie »sicher vor Anfeindung hausen könnten« und deswegen sitzen wir heute hier. Denn weiter heißt es: »Darauf gingen dieselben auch ein, bereisten und beschauten mehrere Gegenden des bischöflichen Herrschaftsbereiches und wählten endlich die Stätte, wo jetzt das Gotteshaus zur Pforte liegt.« Sicher gelegen im Bannkreis der alten Festungskette der »Elbe Saale Linie«, so sei hinzugefügt. Am 30.Oktober 1137 wird hier das »Claustrum Sanctae Mariae ad portam«, später ergänzt durch »et Johanni Baptistae« gegründet. Wie sie diesen wunderbaren Ort gefunden haben, darüber ist nichts Näheres überliefert. Schade: In Maulbronn heißt es z.B., dort beluden die Mönche ein Maultier mit dem Klosterschatz und ließen es nach einem geeigneten Platz für eine Klostergründung suchen und als das treue Tier an einer Stelle im Wald mit den Hufen zu scharren begann, hatte es eine Quelle gefunden – den »Maulbronn« eben. So etwas Schönes haben wir hier in Pforte nicht. Wir haben nur zwei, wohl auf ewig unaufhellbare Mysterien, die wie Bojen aus dem dunklen Nebelmeer des Uranfanges aufragen: das ist zum einen der Mythos von der »Pforte«- ad portam-, von der keiner überzeugend nachzuweisen vermag,

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was damit konkret gemeint gewesen sein könnte, und zum anderen ist es Bruno – unser mythischer Graf Bruno vom Pleißengau. Mit ihm finden wir wenigstens ein Ritteräquivalent. Und wir können ihm bis auf den heutigen Tag gleich zweimal -von verschiedenen Zeitaltern liebevoll gestaltet- auf unserem Gelände begegnen – in Vollplastik! Am Torhaus ist er sogar auf Augenhöhe zum nachweislich realhistorisch existiert habenden Schulgründer Moritz aufgerückt. In Brunos Gefolge hat es schließlich dann auch noch ein wilder Eber in unsere Gründungshistorie geschafft -auch den kann man noch besichtigen. Bruno wurde nun aber mitsamt dem wilden Eber an der Schwelle vom 20. zum 21. Jahrhundert durch aufwendige wissenschaftliche Recherche seiner historischen Existenz mitleidslos entkleidet. Aber glücklicherweise ist die neuzeitliche, mythenzerstörende Sprach- und Geschichtsbereinigungswelle noch nicht am Pfortenser Torhaus angekommen, sonst müßte man vielleicht auch um die Existenz seiner steingewordenen Hülle bangen. Dann wäre allerdings auch die Symmetrie empfindlich gestört – am Torhaus ebenso wie in der Kirche. Bruno hin Bruno her! Es bleibt dabei: Die Anfänge Pfortes liegen tief befestigt im tiefen »Brunnen der Vergangenheit« (Thomas Mann) – im Dun-


kel der Geschichte, im Dunkel der menschlichen Seele – aber wir wissen: »Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...« Es will so scheinen, als ob sich bei der Entstehung des Zisterzienserordens, ebenso wie in den Anfängen der benediktinischen Bewegung wie auch in den Ursprüngen des Mönchtums überhaupt jeweils ein anthropologisches Grundmuster wiederholt. Ein Phasenschema vergleichbar den Phasen des Sterbens nach Elisabeth Kübler-Ross. Es folgt dem Curriculum, das Hermann Hesses Gedicht »Stufen« zugrunde liegt: Zauber des Anfangs, Blüte, Welken und Erschlaffen, Abschied, Neubeginn -durch alles hindurch zieht sich »des Lebens Ruf«. Es beginnt meistens damit, daß ein Einzelner die gegenwärtigen Zustände nicht mehr aushält und sich auf den Weg macht – in die Einsamkeit, in die Wüste, in die Höhle, in den Wald oder den Sumpf. Er tut das, weil er einem Ideal folgt: er sucht die Gottesnähe. Für das christliche Mönchtum erschließt sich die Zukunft stets aus einem Blick zurück auf den Anfang. Der Anfang und das Ende, das A und das O, das Alpha und das Omega, das ist für den christlichen Mönch Jesus, der Christus. Der Messias – der, der da ist und der da war und der da kommt. Das liegt in der Natur der Sache, insofern ist in der christlichen Tradition Reform immer Rückblick und Auf-

bruch zugleich. Re-formare bedeutet, einer Sache, einer Institution, einer Gemeinschaft wieder die von Beginn an gewollte Form zurückzugeben, um ihre Zukunft möglich werden zu lassen. Jesus selbst war, nach allem, was wir über ihn wissen, ein Utopier, ein Ortloser. Er zog ohne festen Wohnsitz im Lande umher (»Die Vögel haben Nester, die Füchse haben Gruben, aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt« [Mt. 8,20 und Lk. 9,58]) und empfahl seinen Anhängern: »Wenn ihr in ein Haus geht, dann bleibt dort, bis ihr weiterzieht. Und wenn sie euch nicht aufnehmen, dann geht fort aus dieser Stadt und schüttelt den Staub von den Füßen« (Lk 9,5 par.). Steh auf und geh! Wohin? »In ein Land, das ich dir zeigen werde!!« Dieser Anruf erging einst auch schon an Abraham (vgl. Gen. 12,1). Voll und ganz in dieser Tradition sahen sich die iroschottischen Wandermönche. Stets unterwegs im Auftrag und im Namen des Herrn, über Land und übers Meer. Von Irland über Iona nach Schottland und über Nordengland bis nach Helvetien, in die heutige Schweiz. Das Gegenmodell lieferten die »schwarzen Brüder«, die Benediktiner, die getreu der Regel Benedikts von Nursia die »stabilitas loci« und damit die »stabilitas congregatio« le-

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ben, in dem Kloster, für das sie sich einmal entschieden haben. Der Weg der »weißen« oder auch »grauen« (genau besehen: schwarz-weißen) Brüder ist der Mittelweg zwischen stabilitas loci und grenzenlosem Umherwandern. Es ist das Erfolgsmodell der Filiation, das in kürzester Zeit dazu führte, daß sich ein dichtes Netzwerk von über 500 Zisterzienser- und Zisterzienserinnen-Konventen über West-, Mittel-, Süd- und Nordeuropa ausbreitete. In Richtung Osten gibt es auch unübersehbare Ausläufer, zu deren Zustandekommen Pforte einen bedeutenden Beitrag leistete, denn alle seine fünf Filiationen zogen in diese Richtung davon. Aufbruch und Neubeginn – bis hin nach Dünamünde bei Riga. Bemerkenswerterweise ist eine der östlichen Gründungen des Ordens das Kloster Mogila bei Krakau, ein Pforte-Enkel, bis heute ein aktives Zisterzienser – Kloster! Zurück zum anthropologischen Grundmuster monastischen Lebens: Am Anfang steht stets, wie gesagt ein Einzelner mit einem hohen Ideal (Antonius, Pachomius, Benedikt, Robert v. Molesme, Bernhard v. Clairvaux, Franziskus, die Reihe ließe sich bei näherer Recherche nahezu ins Unendliche verlängern, neuzeitliche Beispiele wären noch Mutter Teresa oder Frère Roger Schutz von Taizé). Umgeben von einer kleinen Gemeinschaft Gleichgesinnter beginnt er,

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dieses Ideal zu realisieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entfaltet es seine Wirkung, seine Umsetzung zehrt aber auch an den Kräften. Hohe Ideale zwingen Menschen dazu, über sich selbst hinauszuwachsen, das geht immer auch auf Kosten der Substanz. Der Anfangsimpuls beginnt, sich aufzubrauchen, der Zauber schwindet. Gelegentlich schon bei den Initiatoren, zumeist aber spätestens in der nachfolgenden Generation, die ja das Initiationserlebnis nur noch aus der Überlieferung, nicht aber aus eigener Erfahrung kennt. Hinzu kommt der Wandel der Zeiten, der äußeren Umstände. So erlahmt die anfängliche Begeisterung und ermüdet sich in zunehmender Institutionalisierung. Das Regelwerk wird nicht mehr nach dem Geiste, sondern nach dem Buchstaben ausgelegt. Und so schleicht sich nach und nach, oftmals durch die Hintertür, wieder genau das ein, was der Begründer zu vermeiden suchte. Im günstigeren Falle verspürt ein Einzelner dann und wann wieder den Geist hinter den Buchstaben, so wie einst Jesus in der Bergpredigt den zum Gesetz erstarrten Regeln der Tora neues Leben einhauchte, indem er sie radikalisierte. Dann beginnt – hoffentlich -- alles wieder von vorn: Ecclesia semper reformanda! Wenn nicht – nun dann beginnt man Urkunden zu fälschen, um seinen Besitzanspruch abzusichern, erfindet


dabei einen Stifter, den es vielleicht gar nicht gegeben hat, fügt eine ebenso aufwendige wie unzisterziensische Westfassade der Kirche hinzu, setzt Statuen in den Chorraum, die eben nicht nur Jesus und Maria darstellen, wie Bernhard das einst vorschrieb, und setzt auch rote, grüne und gelbe Farbakzente in die Grisaillefenster, die zugegebenermaßen das Auge auf sich ziehen. Schlimmer noch, man weicht ab von den rein geometrischen oder allenfalls pflanzlichen Dekorationen, verborgene Gesichter beginnen aus dem Mauerwerk zu blicken, und man läßt hundeköpfige Greife als Motiv zu. Zwar so hoch oben, daß man sie kaum als solche erkennen kann. Immerhin an der Nordrose haben sie eine klare apotropäische Funktion. Aber sie sind doch Indikatoren eines Wandels der Auffassungen. Bernhard ist seit etwa zehn Jahren tot, als in Pforte der große Umbau von der Romanik zur Gotik erfolgt. Noch später ziehen auch die Zisterzienser ungebremst gleich mit der allgemeinen Prunkentfaltung in der Kirche. Da war z.B. Abt Anselm II. in Salem, der in seine Kirche gleich vier Orgeln einbauen und in dem erneuerten Dachreiter 16 Glocken aufhängen ließ. Oder in Salems Tochterkloster Wettingen wurde, nachdem die mittelalterliche Ausstattung verbrannt war, ein in opulenten Bildmotiven schwelgendes neues Chorgestühl im

Geiste der Renaissance errichtet, an dem sich neben dem ganzen Kanon der großen Heiligen, auch ziemlich profane Motive wiederfinden – besonders bemerkenswert sind dabei sicherlich zwei barbusige Sphingen. Auf Bildern im Altarraum kann man erkennen, daß die schwarz-weißen Kutten, ursprünglich ein Ausdruck größter Einfachheit und Schlichtheit der Lebensweise nun mit aufwendigen breiten Spitzen verziert waren. Und vom Bilderreichtum barockisierter Zisterzienserkirchen – sei es in Süddeutschland, in Österreich, in der Schweiz oder auch im heutigen Polen – wird man schlicht erschlagen. Bernhard von Clairvaux wäre ob all dieser Entwicklungen mit Sicherheit entsetzt gewesen. Ganz besonders aber bestimmt darüber, daß spätere Klöster sich mit ganzen Bernhardszyklen schmücken, die sein Leben und Wirken ebenso bildreich wie salbungsvoll thematisieren. Denn bald nach seinem Tode endet die Phase der strengen Observanz, auch in Pforte – die Hundeköpfe in der Nordrose weisen in diese Richtung, ist doch der Hund – neben dem Bienenkorb – das Attribut des Heiligen Bernhard. Hier in Pforte gelang es wohl aber, den zisterziensischen Geist noch eine Weile aufrecht zu erhalten. Die rege Wirtschaftstätigkeit und auch die bereits erwähnte Ostkolonisati-

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on mögen dazu beigetragen haben, die »lähmende Gewöhnung« noch eine Weile aufzuhalten. Aber auch hier setzte, nach wunderbarer Blüte ganz allmählich der Niedergang ein – von innen heraus. Aus den »Meistern des Anfangs« wurden schließlich beim Übergang von der Natural- zur Geldwirtschaft und beim Übergang von der Eigenbewirtschaftung zum Pacht- und Zinssystem »Meister der Organisations – und Verwaltungstätigkeit«. Reproduktion statt Reform. Bewahrung und Vermehrung weltlicher Güter statt hungrigen Strebens nach geistlicher Erfüllung treten in den Vordergrund, auch das einst so effektive Konverseninstitut ist im Rückgang begriffen. Der große Umbau im Orden nimmt seinen Lauf – hier in Pforte augenfällig nachvollziehbar am umfassenden Umbau des Gotteshauses – tempora mutantur! Und so war schließlich das durch die Reformation in Sachsen bedingte Ende der monastischen Tradition in Pforte wohl kein großes Drama, sondern eher der natürliche Ausklang einer großen Zeit.

Druck, andererseits mit Blick auf eine staatliche Abfindung den traditionsreichen Ort. So steht ganz am Ende für die Betroffenen noch einmal ein Neubeginn: ein unfreiwilliger allerdings. Abt Peter Schederich ereilt die Todesstunde, die ihn neuen Räumen jung entgegensendet, am 7. Februar 1546 in Erfurt, also elf Tage vor Luther, dem berühmtesten Erfurter Augustinereremiten! Sein Grab findet sich in der dortigen Augustinerkirche! So endet die Geschichte des Klosters Pforta ironischerweise dort, wo einst die Reformation in Mitteldeutschland ihren Anfang nahm.

Am 9. November 1540 schlägt dem Claustrum Sanctae Mariae ad Portam auf herzoglich sächsische Anordnung Heinrichs II. das letzte Stündlein. Der bereits auf staatliche Intervention hin eingesetzte, kränkliche Abt Petrus II. und die letzten verbliebenen elf Mönche und vier Konversen verlassen einerseits unter deutlichem

Pfarrerin Regine Huppenbauer-Krause

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Vor Ort in Pforte beginnt die Arbeit der Sequestratoren, Martin von Bendeleben ist mit der Abwicklung der Güter beauftragt. Auf diese Weise bleiben Pforte die oben beschriebenen Auswüchse barocker, also gegenreformatorischer Zisterzienserorte erspart. Ein neues Zeitalter beginnt, aber etwas bleibt zurück, ein Hauch zisterziensischen Geistes weht weiterhin in den ehrwürdigen Gemäuern!


Wilhelm von Humboldt oder Gottfried Hermann Neuhumanismus an der Landesschule Pforta im 19. Jahrhundert

viel sei vorweggenommen – ein Korrekturvorschlag für die Informationstafel unterbreitet werden.

Betritt der Besucher das Gelände der Landesschule Pforta, wird er auf die blauen Informationstafeln verwiesen, auf denen er sich einen Überblick über die Geschichte der renommierten Schule verschaffen kann. Für das frühe 19. Jahrhundert kann er darauf folgenden Eintrag finden:

Ist von der neuhumanistischen Bildungsreform des 19. Jahrhunderts die Rede, steht vor allem Wilhelm von Humboldt im Zentrum der Betrachtung. Diese Fokussierung ist durchaus verständlich, da sich in der Person Humboldts der Wissenschaftler, der bildungspolitische Ideengeber und der Kultuspolitiker vereinen. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts besaß Humboldt einen ausgezeichneten Ruf als Philologe. Seine Übersetzung von Aischylos’ »Agamemnon« stellte einen Meilenstein in der wortphilologischen Übertragung antiker Texte dar. Aus dieser Arbeit heraus wurde er zum entscheidenden Ideengeber einer neuhumanistischen Bildungsreform. Durch seine enge Zusammenarbeit mit Schiller und Goethe, aber auch mit den bedeutenden Altphilologen Friedrich August Wolf und Gottfried Hermann, entwickelte er ein bildungspolitisches Programm, das das Bildungsdenken Mitteleuropas für zwei Jahrhunderte prägte. Mit der Berufung zum Leiter der Sektion für Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium von Februar 1809 bis Juni 1810 erhielt er jene bildungspolitische Machtposition, mit der er sein Reformprogramm realisieren konnte.

B

»Ca. 1815–1825: Übernahme des neuhumanistischen Bildungsprinzips Wilhelm von Humboldts, Beginn einer besonderen Blütezeit der Schule«. Mit diesen schlichten Zeilen wird auf drei wesentliche Entwicklungen verwiesen, die für die Landesschule richtungsweisend waren. Zunächst auf die Annexion umfangreicher sächsischer Territorien durch Preußen als Folge der Regelungen des Wiener Kongresses 1815. Zweitens auf die sogenannten Preußischen Reformen, deren Kern die von Wilhelm von Humboldt konzipierte und umgesetzte Bildungsreform bildete. Zum dritten wird diese Bildungsreform in Verbindung zu den pädagogischen und propädeutischen Erfolgen gesetzt, die die Landesschule im Laufe des 19. Jahrhunderts erreichen konnte. Im Folgenden soll die Stichhaltigkeit dieser Aussagen überprüft und – so-

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Dieses bildungspolitische Programm entwickelte Humboldt in erster Linie in Auseinandersetzung mit Schillers Zeitanalyse. In seiner Arbeit von 1793 »Theorie der Bildung des Menschen« unterzog auch Humboldt die Gesellschaft seiner Zeit einer schonungslosen Kritik. Vor allem beklagt er die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Der Lösungsansatz, den er dafür anbot, ist bis heute Gegenstand bildungsphilosophischer Reflexionen. Als Aufgabe der menschlichen Existenz sah er es an, »dem Begriff der Menschheit in unsrer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so grossen Inhalt als möglich zu verschaffen«.1 Den Ort der Bildung des Menschen erkannte Humboldt somit in der geschichtlich-gesellschaftlichen Praxis. In Anlehnung an Schiller erblickte auch Humboldt das Modell für diese Praxis in den antiken Griechen. Seine Überlegungen gingen dabei in zwei Richtungen. Aus anthropologischer Perspektive waren es die dem Menschen innewohnenden Möglichkeiten. Aus politischer Perspektive galten

1  Wilhelm von Humboldt: Theorie der Bildung des Menschen, in: Ders.: Werke in fünf Bänden, Bd. 1, hrsg. von Andreas Flitner/Klaus Giel, Stuttgart 1960, S. 235.

die antiken Griechen als politisches Vorbild. In der sozialen Ordnung der Griechen erkannte Humboldt die Basis, auf der sich die Menschen erst entfalten konnten. Dabei ging es ihm natürlich nicht darum, die Welt des klassischen Altertums wiederherzustellen. Als entschieden liberaler Theoretiker wollte er die Wirksamkeit des Staates möglichst begrenzen. In der Polis – insbesondere im antiken Stadtstaat Athen – erkannte er das politische Vorbild. Dieses schloss auch das altgriechische Bildungsideal ein, das die musische, gymnastische und politische Bildung und Erziehung umfasste und mit dem Begriff »paideia« beschrieben wird. Humboldt entwickelte daraus seine Vorstellung und seinen Begriff einer Allgemeinen Menschenbildung, mit der die gesellschaftlichen Standesunterschiede überwunden werden sollten. Insofern meinte Allgemeine Menschenbildung nicht die Vermittlung nützlicher berufsorientierender Kenntnisse, sondern die Entwicklung der individuellen Kräfte zu einem harmonischen Ganzen. Damit war selbstredend eine deutliche Abkehr vom pädagogischen Konzept der Aufklärung verbunden, denn die Aufklärungspädagogen hatten gerade den Nützlichkeitsaspekt in den Vordergrund gestellt.

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Humboldt selbst hatte seine Grundsätze 1809 in einem Plan zur Reform des Königsberger Schulwesens und später im sogenannten »Litauischen Schulplan« dargelegt: »Alle Schulen aber, deren sich nicht ein einzelner Stand, sondern die ganze Nation, oder der Staat für diese annimmt, müssen nur allgemeine Menschenbildung bezwecken. – Was das Bedürfniss des Lebens oder eines einzelnen seiner Gewerbe erheischt, muss abgesondert, und nach vollendetem allgemeinen Unterricht erworben werden. Wird beides vermischt, so wird die Bildung unrein, und man erhält weder vollständige Menschen, noch vollständige Bürger einzelner Klassen. Denn beide Bildungen – die allgemeine und die specielle – werden durch verschiedene Grundsätze geleitet.«2 Allerdings stand Humboldt in Fragen einer neuhumanistischen Bildungsreform keineswegs allein. Für die Landesschule Pforta war der klassische Philologe und Leipziger Professor Gottfried Hermann von weit größerer Bedeutung. Allerdings entwickelte Hermann aus seiner philologischen Arbeit heraus kein bildungs- oder gar schulpolitisches Programm. Dennoch wurde er vor allem mit seiner »Grie-

2  Wilhelm von Humboldt: Der Königsberger und der Litauische Schulplan, in: Ders.: Werke in fünf Bänden, Bd. 4, hrsg. von Andreas Flitner/Klaus Giel, Stuttgart 1964, S. 188.

chischen Gesellschaft« zum Ausgangspunkt einer spezifischen, auf Sachsen und Süddeutschland konzentrierten neuhumanistischen Bildungsidee. Hermanns wissenschaftliche Neigungen gingen in zwei Richtungen. Zum einen wandte er sich bereits während seines Studiums der Philosophie Kants zu. Über Kants Rationalismus hielt er später auch Vorlesungen an der Leipziger Universität. Ferner ging es ihm beim Studium der klassischen Sprachen in erster Linie um das Verständnis der antiken Schriftwerke. Das Ziel der Philologie und des Sprachunterrichts müsse es daher sein, die Sprache und deren Struktur zu erforschen. Hermann wurde damit zum bedeutendsten Vertreter der deutschen kritisch-grammatischen Schule – der sogenannten Wortphilologie. Für seine philologische Arbeit knüpfte er direkt an den Humanismus des 15. und 16. Jahrhunderts an und nutzte dazu die Tradition der Universität Leipzig und der sächsischen Fürstenund Landesschulen. Insbesondere zur Landesschule Pforta stand Hermann in einem eigentümlichen personalen Verhältnis. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr wurde er durch Karl David Ilgen unterrichtet. Nicht zuletzt durch Hermanns Unterstützung wurde Ilgen 1802 dann Rektor der Lan-

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desschule Pforta. Ferner vereinigte er in der von ihm 1798 gegründeten »Griechischen Gesellschaft«, einer Art Oberseminar, zahlreiche Fürstenschulabsolventen. Aus dieser »Griechischen Gesellschaft« gingen über zweihundert herausragende Universitätsgelehrte und Schulmänner hervor, unter ihnen August Meinecke, Otto Jahn und Hermann Köchly.

Natürlich war auch Hermann der Meinung, dass das Studium des klassischen Altertums nur über ein »richtiges Verstehen der Werke« erzielt werden könne. Anders als Humboldt vertrat Hermann aber nicht die Ansicht, dass über die Erforschung des »antiken Menschen« zu einer Anschauung der Idee des Menschen an sich zu gelangen sei.

Skeptisch blieb Hermann gegenüber dem insbesondere durch Schiller geprägten philologischen Enthusiasmus Jenenser Prägung, aus dem auch Humboldt hervorging. Spöttisch äußerte er sich 1813 in einer Dekanatsrede dazu: »Wer kennt nicht jene der Wirklichkeit fremden Stubengelehrten, die es für die göttlichste aller Künste halten, Griechisch und Lateinisch zu können? Das halten sie für das Eine und Wahre, alles andere achten sie für gar nichts; Griechisch lesen können gilt ihnen für den Gipfel menschlicher Vollkommenheit und Ciceronisches Latein schreiben für unsterblichen Ruhm; ja sie meinen, eigentlich seien die Griechen und Römer allein Menschen gewesen, und wenn sie könnten, machten sie aus uns allen Griechen oder Römer.«3

Mit Blick auf die Landesschule Pforta regte Hermann eine spezielle Methode für die Klassiker-Lektüre an. Seiner Meinung nach sollten an den Gymnasien die antiken Werke schneller und in größerem Umfang gelesen werden. »Eine Sprache«, so Hermann, »lernt man überhaupt nur durch vieles und verständiges Lesen der Schriftsteller.«4 Dabei sollte die erste Lektüre eines Werkes nur kursorisch erfolgen, um eine Vorstellung vom Gesamtwerk zu gewinnen, und erst danach war der Text detaillierter zu behandeln. Der Lehrer hatte in erster Linie auf die grammatische Richtigkeit zu achten, denn nur so sei »griechischer Sinn und Geist und Beobachtung einer Menge von Feinheiten« möglich.5 Gemeint war dabei aber keine kulturhistorische Einordnung an-

3  Hermann Koechly: Gottfried Hermann. Zu seinem hundertjährigen Geburtstag, Heidelberg 1874, S. 314.

4  Karl Friedrich Ameis: Gottfried Hermann’s pädagogischer Einfluß. Ein Beitrag zur Charakteristik des altclassischen Humanisten, Jena 1850, S. 33. 5  Ebd., S. 40.

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tiker Texte, sondern eine textkritische und grammatikalische Analyse. Bildungspolitische Wirksamkeit erhielten Hermanns Überlegungen aber nicht durch ihn selbst, sondern ausschließlich durch seine Schüler. So flossen Hermanns Methoden sowohl in den Lektüreplan von 1825 ein, den der Pforta-Absolvent und HermannSchüler August Meineke als Rektor des Gymnasiums in Danzig dem preußischen Unterrichtsministerium vorlegte. Das Ministerium nahm diese Vorschläge auf und empfahl sie allen preußischen Gymnasien. Als Rektor des Joachimsthalschen Gymnasiums setzte Meineke dann selbst diesen Lektüreplan um. Die methodischen Überlegungen Hermanns finden sich aber auch im bayerischen Schulplan von 1829, den der Pforta-Absolvent und Hermann-Schüler Friedrich Thiersch entwickelt hatte. Die unterschiedlichen Ideen über eine neuhumanistische Bildung blieben im gesamten 19. Jahrhundert weitgehend unvermittelt nebeneinander stehen. Während sich Humboldts neuhumanistische Bildungsvorstellungen insbesondere an den preußischen Universitäten durchzusetzen begannen, scheiterte Humboldt im Höheren Schulwesen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war das preußische Schulwesen von einem einheitlichen Schultyp für alle Schüler unabhängig

ihrer sozialen Herkunft weit entfernt. Das preußische Gymnasium entwickelte sich zu einer »Eliteinstitution« zur Selbstrekrutierung bildungsbürgerlicher Schichten. Traditionsreiche Gelehrtenschulen, wie die Landesschule Pforta, stellten darin die Kronjuwelen dar. Inhaltlich zeigen die Erinnerungen, die der Pforta-Absolvent und bedeutende Altphilologie Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff Ende des 19. Jahrhunderts aufzeichnete, dass sich an der Landesschule Pforta der Humboldtsche Neuhumanismus nicht durchgesetzt hatte. Die Schule hielt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts am Hermannschen Curriculum und damit am Neuhumanismus Hermannscher Prägung fest.6 Vor dem Hintergrund dieser kurzen Betrachtungen zu Humboldt und Hermann soll nochmals ein Blick auf die Besucherinformationstafel der Landesschule geworfen werden. Die »besondere Blütezeit der Schule« mit den neuhumanistischen Bildungsprinzipien Wilhelm von Humboldts 6  »Der lateinische Aufsatz war von Obersekunda ab ein Hauptstück, und er sollte ein schönes Latein, ciceronianisches enthalten. […] Nicht in ihm, sondern in der Fähigkeit, wirkliches gutes Deutsch in gebildetes Latein umzudenken, lag die geistige Schulung, der ich einen unvergleichlichen Wert beimesse. Das ist eine exercitatio intellectualis, den exercitationes spirituales der Jesuiten vergleichbar.« Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Erinnerungen 1848–1914, Leipzig 1928, S. 70.

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zu verknüpfen, entspricht nicht der pädagogisch-bildungspolitischen Entwicklung der Schule. Das konservative Beharrungsvermögen der Portenser Lehrerkollegien führte im Laufe des 19. Jahrhunderts zu der paradoxen Situation, dass sich das altsprachliche Curriculum der preußischen Gymnasien auf den seit dem späten 18. Jahrhundert an der Landesschule Pforta praktizierten klassischen Sprachunterricht zubewegte. Je offensichtlicher es wurde, dass die Humboldtsche Bildungsidee im höheren Schulwesen gescheitert war und sich demgegenüber die nationalen Überlegungen durchsetzten, je konsequenter hielt Schulpforte an der Hermannschen Wortphilologie fest. Gerade dieses Beharrungsvermögen war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Schulpforte zu einer der bedeutendsten Schmieden für klassische Philologen und Historiker im 19. Jahrhundert wurde. Aus diesen Beobachtungen heraus soll eine Formulierung für die Besuchertafel vorgeschlagen werden, die der bildungsgeschichtlichen Entwicklung an der Landesschule Pforta entspricht: »1802–1831: Übernahme der neuhumanistischen Bildungsvorstellungen Gottfried Hermanns, Beginn einer besonderen Blütezeit der Schule.

1815–1839: Die neuhumanistische Bildungskonzeption Wilhelm von Humboldts kann sich an der Schule nicht durchsetzen.«

Literatur Dietrich Benner: Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie, Weinheim 3 2003. Jonas Flöter: Gottfried Hermann und Wilhelm von Humboldt. Aspekte neuhumanistischer Bildung in Sachsen und Preußen, in: Kurt Sier/Eva Wöchener-Gade (Hrsg.): Gottfried Hermann (1772–1848), Tübingen 2010, S. 35–49. Peter Lundgreen: Zur Konstituierung des »Bildungsbürgertums«. Berufsund Bildungsauslese der Akademiker in Preußen, in: Werner Conze/Jürgen Kocka (Hrsg.): Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert, Teil 1: Bildungssystem und Professionalisierung in internationalen Vergleichen (Industrielle Welt, Bd. 38), Stuttgart 1992, S. 79–108. Hans Joachim Mette: Hermann, Gottfried, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 657 f. (http://daten.digitalesammlungen.de/0001/bsb00016409/ images/index.html?seite=673).

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Friedrich Paulsen: Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart. Mit besonderer Berücksichtigung auf den klassischen Unterricht, 2 Bde., Berlin/Leipzig 1919/21. Kurt Sier/Eva Wöchener-Gade (Hrsg.): Gottfried Hermann (1772– 1848). Internationales Symposium in Leipzig, 11.–13. Oktober 2007 (Leipziger Studien zur Klassischen Philologie, Bd. 6), Tübingen 2010. PRIV.-DOZ. DR. JONAS FLÖTER

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Vier amerikanische Piloten in Schulpforte beerdigt

A

Auf dem alten Friedhof in Schulpforte befanden sich vom Herbst 1944 bis zur Exhumierung ein Jahr später die Gräber von vier amerikanischen Piloten, die nach einem Flugzeugabsturz aufgefunden worden waren. Was kann nach langen Ermittlungen dazu ausgesagt werden? Im November 1944 wurden diese USPiloten in aller Stille vor dem Ostchor der Kirche begraben. Die Schüler wurden von der Beisetzung ferngehalten. Die Gräber erhielten Holzkreuze, auf denen die Namen der Gefallenen verzeichnet waren. Der Flugzeugabsturz war am 30. November 1944 erfolgt. Die Trümmer der Maschine und die Leichen der Piloten wurden verstreut über dem Saaletal geborgen. Was war damals geschehen? Im Jahr 2007 sagte mir der ehemalige Schüler Gottfried Stefke (al. port. 1942–1945), geboren 27.3.1932, dass er oft an diesen Gräbern vorüber gegangen wäre und sich die Namen eingeprägt hätte, die er noch wisse: Hansen, Kayern, Layton und Scripton. Aus eigenem Erleben konnte ich ergänzen: An jenem sonnigen Herbsttag war in Bad Kösen und Schulpforte Fliegeralarm ausgelöst worden. In der

Nachmittagsstunde erschien am Himmel über der Stadt Bad Kösen plötzlich ein großes kreisendes Flugzeug, verlor über der Schranke am Bahnhof das Leitwerk, ein Teil mit einem Benzintank fiel in einen Garten hinter dem Grundstück Burgstraße 20 und der Bugteil drang auf der Straße nach Hassenhausen vor der Abzweigung nach Fränkenau in den Straßenbelag ein. Kleinere Trümmerreste gingen vereinzelt über den Kösener Straßen nieder. Eine Nummer am Bugteil war zu erkennen. 2014 gelang es Karl-Heinz Giesecke als Kenner sämtlicher Flugzeugabstürze um Bad Kösen, mit Hilfe dieser Nummer einen genauen Bericht des Einsatzes dieses Flugzeugs zu erhalten: Der Bomber war im September 1944 fünfmal, im Oktober in zwölf Einsätzen der Bombergruppe 34 eingesetzt. Im November kamen vier hinzu, wovon der am 30. November 1944 der letzte war. Das Leunawerk ist in jenen Monaten mindestens neunmal Ziel der Bomberverbände gewesen. An dem Tag war der Bomber bei dem Einsatz auf das Leunawerk bei Merseburg von einem Flakbeschuss getroffen worden, der ein sofortiges Absacken der Maschine auf 1000–1500 m zur Folge hatte. Das Flugzeug fing Feuer, explodierte und stürzte dann

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ab. Nur fünf Fallschirme öffneten sich. Die vier Piloten Topping, Lipscomb, Burton und Brown gerieten in Gefangenschaft. Die beim Absturz – die Stelle ist bisher unbekannt – ums Leben Gekommenen Hanson, Keirn, Simpson und Layton wurden auf dem Friedhof in Schulpforte in der Nähe des Ostchors beerdigt. Das Besatzungsmitglied Shull galt als vermisst. Es ist bemerkenswert, dass in der NPEA Schulpforte gemäß dem Völkerrecht eine ordnungsgemäße Beisetzung erfolgte – waren doch in der Vergangenheit um Bad Kösen drei Piloten von Zivilpersonen erschossen worden (29.7.1944). Nach dem Einmarsch am 12. April 1945 wurden von der US-69. Infanteriedivision die Gräber ermittelt und der Verwaltung der Landesschule anerkennend die korrekte Verfahrensweise bestätigt. Im Herbst (vermutlich Oktober) erfolgte die Exhumierung der vier Toten und ihre Überführung nach den USA durch eine Kommission. Erstaunlich dabei war die Erinnerung des ehemaligen Schülers, wenn auch kleine Namensabweichungen deutlich wurden. Klaus-Dieter Fichtner (Al. Port. 46–48 V.)

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»Meinen polnischen Freunden zugeeignet.«

V

Ein Gedicht von Eckhard Ulrich und seine Geschichte. Dieses Gedicht steht in einer postum erschienenen Gedichtsammlung1 mit dem auf die DDR bezogenen Titel »ich habe aufgegeben dieses land zu lieben«. Unser ehemaliger Mitschüler (1947-1953 v.) hat es im Jahr 1981 geschrieben, das in Polen mit der Verhängung des Kriegsrechts gegen die Solidarność-Opposition endete. Beginnend auf der Danziger Werft im August 1980, hatten sich Streiks auf das ganze Land ausgebreitet und besonders von Intellektuellen Unter­ stützung erfahren.

Von zwei Professoren und führenden Vertretern der dann verbotenen Solidarność-Gewerkschaft ins Polnische übersetzt, wurde das Gedicht in der Universität Poznań anonym ausgehängt2. Sein Autor hatte als ha-

1   F. Eckhard Ulrich. (»F.« steht für »Fritz«.) Untertitel: Gedichte. Halle 1992; Nachwort von Friedrich Schorlemmer (auch enthalten in der im Nachtrag dieses Artikels erwähnten Datei). 2., erw. Aufl. 1994. 2   Marion Brandt. Für Eure und unsere Freiheit? Der Polnische Oktober und die Solidarność-Revolution in der Wahrnehmung von Schrift­stellern aus der DDR. Berlin 2002. – 1979 und 1985 bekam Eckhard Ulrich die Verdienstmedaille der Posener Akademie für Wirt­schaftswissenschaften (heute Wirtschaftsuniversität).

bilitierter Mediziner3 und Delegierter der Halleschen Martin-Luther-Universität vom November 1980 bis April 1981 einen Arbeitsaufenthalt an einer dortigen Klinik. Im Original lautet es: Ihr geht einen weg, den hier keiner beschritt den weg gegen macht und gewalt. Ihr tragt eine hoffnung für alle mit vergeßt Euer ziel nicht, verliert nicht den tritt und macht nicht am falschen ort halt – und wenn Euch dann einer was bess’res verspricht – kann sein, daß er’s hält kann sein, daß er’s bricht kann sein – oder auch nicht Ihr habt die verräter an Eurem geschick aus hochmut und dünkel geschreckt Ihr gabt Eurem volke die würde zurück laßt brennen die herzen – doch haltet im blick auch das, was die zukunft noch deckt noch schweigen sie Euch ihren haß ins gesicht kann sein, daß sie warten mit ihrem gericht kann sein – oder auch nicht

3   Seine Habilitation, damals als »Promotion B« bezeichnet, erfolgte 1978, die normale Promotion 1959 – mit dem Zusatz »A«, ebenfalls nach sowjetischem Vorbild.

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Ihr habt einen funken zur flamme entfacht gebt holz in das feuer – nicht stroh und hütet die glut über kälte und nacht sie werden euch drohen mit strafe und acht sie werden Euch schmeicheln und so wer einmal die macht hat gibt niemals verzicht kann sein, daß er heuchelt und freundschaft verspricht kann sein – oder auch nicht Bleibt kühl auch im heißesten härtesten streit bedenkt – Eure straße ist lang sie warten nur auf Eure uneinigkeit sie halten die ketten noch immer bereit und maulkorb und kerker und strang das teile und herrsche – seit uralter zeit die geißel der schwachen vergeßt nicht und seid stark – hart und bereit Mit der Melodie eines polnischen Aufstandsliedes von 1831 gegen die Zarenherrschaft wurde das Lied in der Übersetzung »zu einer viel gesungenen Hymne im Polen der Solidarność«.4

4   Jürgen Serke. Zu Hause im Exil. Dichter, die eigenmächtig blieben in der DDR. München u. Zürich 1998. »Eckhard Ulrich: Nach dem Überleben der Freitod« S. 243-267.

Ebenfalls aus dem Aufstandsjahr 1831 und von einem Portenser stammt übrigens die deutsche Übersetzung der späteren Natio­nal­hymne Polens, deren Anfang zum geflügelten Wort wurde: »Noch ist Polen nicht verloren«. Übersetzer war der Dichter Ernst Ortlepp5 (1812 – 1817 v.), der auf dem Pförtner Friedhof unweit der mittelalterlichen Ewigen Lampe begraben ist. Für den – heute nicht mehr vorhandenen – Grabstein hatten der 19-jährige Friedrich Nietzsche und einige Mitschüler gesammelt. 2004 ließ die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft an der nahen Friedhofsmauer eine Gedenktafel anbringen. Die wechselvolle Geschichte der polnischen Unterdrückung, die im 2. Weltkrieg kulminiert hatte, endete mit dem Wahlsieg der SolidarnośćAnhänger im Juni 1989. Dazu hatte das Wirken des Polen Karol Wojtyla, der 1978 zum Papst Johannes Paul II. gewählt worden war, wesentlich beigetragen. »Urbi et Gorbi« lautet ein Buchtitel6, der an die Stelle des päpst5   Thomas Steinert. »Dyonysos war hier.« Ernst Ortlepp (1800-1864): Des Dichters Leben und Werk. Leipzig 2010. – Friedrich Nietzsche schrieb 1864 an einen Freund: »Der alte Ortlepp ist übrigens todt. Zwischen Pforta und Almrich fiel er in einen Graben und brach den Nacken.« Dieser vormalige Wassergraben ist bei Steinert abgebildet mit der von Pappeln gesäumten, gewun­denen Chaussee im Hintergrund, die neuerdings entbaumt und begradigt wurde – über den Graben hinweg. 6   Joachim Jauer. Untertitel: Christen als Wegbereiter der Wende. Freiburg etc. 2008.

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lichen »Orbi« das Kürzel für den 1985 in der Sowjetunion an die Macht gekommenen Parteichef Gorbatschow setzt. Dies war der andere Mann mit visionärer Hoffnung, ohne den die Umwälzungen von 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und ihrem weitgehend unblutigen Verlauf nicht zu denken sind. Dass die Revolution auch in der DDR weitgehend gewaltfrei verlief, war für Christian Führer7 »ein Wunder biblischen Ausmaßes«. In seiner evangelischen Nikolaikirche in Leipzig gab es seit sieben Jahren ökumenische Friedensgebete. Von hier gingen im Herbst 1989 die gewaltfreien Montagsdemonstrationen aus. Deren mutigste läutete am 9. Oktober, zwei Tage nach dem 40. Gründungstag der DDR, ihr Ende ein. »Wahnsinn!«: So fasste dann zum Schulfest 1990 Jochen Kreyßig, der heutige Ehrenvorsitzende des Pförtner Bun­des, »die Unfassbarkeit des Geschehens, die ungeheure Freude …« zusammen, und er wiederholte diesen Ausruf in seiner Festrede8 – mit begeisterter Resonanz. Inzwischen sind Generationen herangewachsen, die solche Reaktionen vielleicht kaum noch verstehen. Auch deshalb sollte 7   In: Das Wunder der Friedlichen Revolution: prominente Stimmen zum Herbst 1989; hrsg. von Jan Schönfelder. Leipzig 2009, S. 15. Siehe auch: Christian Führer: Frech – Fromm – Frei. Worte die Geschichte schreiben. Leipzig 2013. 8   »Die Pforte« Nr. 44(1990), S. 4f.

jetzt, nach einem Vierteljahrhundert, an diese historischen Ereignisse erinnert werden, ausgehend von den für uns wichtigsten, unmittelbaren Vorläufern im polnischen Nachbarland. In Danzig, der Geburtsstadt der Solidarność 9, ist seit Längerem eine Anthologie mit deutschen Stimmen zu dieser Bewegung in Arbeit, worin literarische und publizistische Äußerungen breit dokumentiert werden sollen. Als Initiatorin erbat Frau Prof. Marion Brandt10 dazu von Dr. Cordula Ulrich, der Witwe von Eckhard, die Original-Übersetzung des eingangs wiedergegebenen Gedich­tes ins Polnische. Nach der Einsendung kam allerdings im Frühjahr 2014 die Nachricht vom Konkurs des bisherigen Verlags, so dass ein neuer gesucht wird. Inzwischen und unabhängig davon sollte hier der deutsche Text mit seinem Umfeld in Erinnerung gerufen werden.

9   In Gdansk besteht seit 2007 das ›Europejskie Centrum Solidarności‹ (ECS, Europäisches Zentrum der Solidarität), das im 25. Jahr nach dem Sieg der friedlichen Revolutionen in Osteuropa mit EU-Unterstützung erheblich erweitert wurde (Neueröffnung Ende August 2014). 10   Siehe Anm. 2 sowie: Deutsche Schriftsteller und die »Solidarność«. In: Solidarität mit Polen. Zur Geschichte und Gegenwart der deutschen Polenfreundschaft. Colloquia Baltica 25. Herausg. Marion Brandt. Peter Lang Edition, Frankfurt (Main) 2013. S. 201-216.

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Biographisches zu Eckhard Ulrich in Pforte – und danach

1953 abgefasst12, das andere nach dem Arbeiteraufstand«.13

1935 geboren, wurde Eckhard mit zwölf Jahren alumnus portensis. »Er war ein suchender, ein schwieriger, ein problematischer Mensch«, zitiert J. Serke (vgl. Anm. 4) meine Frau Hannelore Arnold11, damals Wirtschaftsleiterin an der Internatsschule. »Das Schwermütige ist wohl eine Veranlagung gewesen. Er war in seinem Urteil sehr schnell und konnte dabei Menschen vor den Kopf stoßen. Andererseits war er der rührendste Mensch in Hilfsbereitschaft und Fürsorge. Er hat zwei Seiten gehabt.« Hannelore Arnold, so Serke weiter, »zählte ihn zu den ›Pumas‹, den Pubertätsmarxisten. … Bei aller Beteiligung in der FDJ ließ er sich vom Wir-Gefühl nicht täuschen und formulierte spontan und präzis jede Unwahrhaftigkeit. Wie später in seiner Karriere als Mediziner ließ man ihn seine Unangepaßtheit spüren. Eckhard Ulrich hatte zwei Abiturzeugnisse. Das eine, in dem man seine Leistungen absichtlich unterbewertete, wurde vor dem 17. Juni

Erst mit dem zweiten Zeugnis und dank des vorübergehenden »Neuen Kurses« der Regierung gelang es ihm, bereits im gleichen Jahr zum Medizinstudium an der Halleschen Martin-Luther-Universität zugelassen zu werden, das er 1958 abschloss. In dieser Zeit hatte er seine Mitstudentin Cordula Müller kennengelernt. Sie heirateten 1960 in Halle, wo sie auch ihr Arbeitsleben verbrachten, und bekamen zwei Töchter. Dr. Cordula Ulrich arbeitete als Augenärztin, und ihr Mann wurde 1984 Ordentlicher Dozent sowie 1989 Außerordentlicher Professor für Innere Medizin.

11   Zitat aus einem telefonischen Interview der 1990-iger Jahre. – »Die Pforte« Nr. 66 (2013) enthält im »Ecce«-Beitrag auf S. 93 die Lebensdaten meiner Frau.

12   Seinem Mitschüler Wolfgang Knackstedt (1947–53 v.; Redakteur der »Pforte« 1989-2004) wurde aus ideologischen Gründen sogar die Zulassung zum Abitur verweigert, das er dann nachholen konnte (im Unterschied zu früheren Fällen – ab 1949). 13  Diesem ersten Volksaufstand in den damaligen Ostblockstaaten, der von der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen wurde, folgte im Juni 1956 ein Arbeiteraufstand im oben erwähnten Posen. Er wurde vom polnischen Militär ebenfalls gewaltsam been­det. In der Folge kam es jedoch zu politischen Lockerungen mit dem Wechsel zu einer nationalkommunistischen Führung im »Polnischen Oktober« 1956. (Siehe dazu M. Brandt, Anm. 2.) Mit studentischen Solidaritätsdemonstrationen für Polen begann im gleichen Monat der große Ungarische Volksaufstand. Er fand wiederum durch sowjetische Intervention ein blutiges Ende, ebenso wie der »Prager Frühling« von 1968. – Dies waren die wichtigsten Vorläufer der revolutionären Ereignisse in den 1980-er Jahren, die im Text aufgeführt wurden.

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6 Eckhard Ulrich war ab November 1989 am Runden Tisch des Bereiches Medizin an der Erneuerung der Halleschen Universität beteiligt: Hier vor dem Mikrofon. Foto: privat

»Ungestüm-Genialisches« sowie eine »weinende Heiterkeit« in Eckhard Ulrichs Lyrik, und er bleibt ihm auch nach seinem Weggang im gleichen Jahr in die Bundesrepublik freundschaftlich verbunden.

Es war Eckhards Pförtner Deutschlehrer Wolfgang Hädecke14, der dessen dichterisches Talent als erster erkannte15. Er machte ihn 1958 mit seinem Verlagslektor, dem Schriftsteller Martin Gregor-Dellin bekannt. Der sieht 14   Dirk Heinecke, Dissertation. Berlin 2012. (Darin Vita Hädecke S. 125–127). Mit InternetAdresse in: »Die Pforte« Nr. 66 (2013), S. 55. – Meine Frau ist in der Dissertation aufgrund falscher »Kaderunterlagen« aus Pforte unter »Arnhold« angeführt. Sie erhielt auch nach der Versetzung Hädeckes nach Großjena (1957) den Kontakt mit dem uns befreundeten Ehepaar aufrecht, bis wir 1958 Schulpforte ebenfalls verlassen mussten – zusammen mit 11 Lehrern und weiteren Angestellten sowie deren Familien. 15   Die Lyrik verband beide über Eckhards Abitur (1953) hinaus. In diesem Punkt ist Serke (vgl. Anm. 4), nach dem M. Gregor-Dellin »das literarisches Talent Ulrichs als erster erkannt hatte«, zu korrigieren.

Eckhards großes Vorbild war Gottfried Benn in seiner Doppelexistenz als Arzt und Dichter. Er gehörte zum Halleschen Künstlerkreis um die Schriftsteller Sarah und Rainer Kirsch, welcher sich 1968 mit deren Scheidung und der Über­sied­lung von Sarah Kirsch nach Westberlin auflöste. Mit ihr gemeinsam publizierte er Nachdichtungen russischer Lyrik16. Ein eigenständiger, von einem befreundeten Verlagslektor zusammengestellter Gedichtband durfte hingegen nicht erscheinen. Lediglich in drei DDR-Anthologien konnte er Gedichte einbringen (1967 in »Erlebtes hier« sowie 1968 in »Saison für Lyrik« und »Auswahl ’68«).17 Friedrich Schorlemmer, Pfarrer und Mann der Bürgerbewegung, schrieb

16   Matwjewa, Novella Nikolajewa. Gedichte. Deutsche Nachdichtung Sarah Kirsch und Eckhard Ulrich. Lyrikreihe »Poesiealbum«, Nr.6. Berlin 1968. 17   Postum erschienen außer den Gedichten aus Anmerkung 1 zuletzt: Für später. Gedichte aus dem Nachlaß. Aschersleben 2001. Hieraus können drei Gedichte abgerufen werden unter http://www.lyrikwelt.de/autoren/ulrichfritz. htm (mit den Pfeilen in der ersten Zeile). Siehe auch die ausführliche Rezension unter http:// www.rezensionenwelt.de/rezensionen/fuerspaeter-r.htm.

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dazu (vgl. Anm. 1): »Darunter ein Gedicht des Arztes Eckhard Ulrich, das ich damals als ein zentrales Gedicht des Widerstandes des einzelnen gegen die Gleichschaltung des Menschen ansah, sehr oft las, verbreitete, interpretierte. ›Perspektive‹ hieß es in angstvoller Ironie, dass alles ›in Reihe‹ geschaltet würde.« In diesem Zusammenhang ist Schorlemmers »Antrag an die Synode der Evangelischen Kirche« vom November 198118 zu erwähnen, der »die einzige halböffentliche Kritik« an der polenfeindlichen Propaganda der DDR-Medien enthielt19. Bei J. Serke (vgl. Anm. 4) heißt es: »Dichten ist für Eckhard Ulrich ein Deutlichmachen der Freiheit. Mit dem Schreiben wehrt er sich gegen eine Einengung, die von Jahr zu Jahr in seiner Klinik zunimmt.« Auch »sein Anerkennungshunger, der Eckhard Ulrich vorantreibt«, gehört dazu. Weiter wird seine Ehefrau zitiert: »Er war schon ein Mensch mit vielen Selbstzweifeln. Er hatte jedesmal schlaflose Nächte, wenn jemand von seinen Patienten gestorben war. … In allem, was mein Mann tat, war er

18   Friedensbewegung in der DDR. Texte 19781982. Herausg. W. Büscher et al.; Hattingen 1982, S. 202f. – Wiedergegeben in der im Nachtrag dieses Artikels erwähnten Datei. 19   Marion Brandt, Öffentlichkeit war der Anfang vom Ende. Die Solidarność-Revolution in der Wahrnehmung von Intellektuellen in der DDR. In: Deutschland Archiv 37 (Bonn 2004) Nr. 4, S. 593-602.

ein Perfektionist, und er war extrem ehrgeizig.« In seinem Nachwort von 1992 zu den Gedichten (vgl. Anm. 1) schreibt Friedrich Schorlemmer von der »hohen Sensibilität, unter der er wohl auch litt«, und: »Dabei geriet er auch in depressive Phasen.« Dieses Nachwort hat den Titel: »An einer vergifteten Atmosphäre gestorben. Zum Tode des Arztes Dr. Eckhard Ulrich.« Er hatte sich am 17. Januar 1992 das Leben genommen. Seit November 1991 waren Vorwürfe wegen Stasi-Verstrickungen gegen ihn erhoben worden, die »unangemessen in Form und Inhalt sofort von der Presse aufgegriffen« wurden. Dies schrieb der langjährige Klinikdirektor von Eckhard Ulrich, der ihn bei seiner Emeritierung 1987 als seinen Nachfolger berufen lassen wollte, in einem ausführlichen Nachruf seiner Universität20. Dort berichtet er, wie seine Klinik ab 1972 durch geglückte und missglückte Republikfluchten ins Kreuzfeuer geriet, »so auch Ulrich, der von einer Fluchtaffäre ganz persönlich betroffen ist. … Verstrickt in diesen Konflikt, vertraut er sich mir an und leistet wiederum Widerstand gegen das System,« was durch damalige Abhörmaßnahmen »sogleich offenkundig« wird. Aber Ende Januar 1992 ist das eine »für ihn zu spät 20   Konrad Seige, F. Eckhard Ulrich zum Gedenken. Ein Lebensweg – erfolgreich und doch voller Tragik. Universitätszeitung der MartinLuther-Universität Halle-Wittenberg, 20. Sept. 1993, S. 6.

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kommende, auch der Öffentlichkeit zugängliche Erkenntnis.« Im Jahre 1996 verlieh die Bundesärztekammer21 ihren Literaturpreis (für Lyrik) postum an Eckhard Ulrich. Ebenfalls 1996 wurde in der Halleschen Marktkirche eine Ausstellung zu seinen Gedichten mit Fotos der Arbeitsgemeinschaft Fotografie Fulda gezeigt: »F. Eckhard Ulrich zum Gedenken. Ein Lebensweg – ertragreich und doch voller Tragik.« Auch auf evangelischen Landeskirchentagen in Schmalkalden und in Göttingen war diese Ausstellung zu sehen.22 In seiner »Ansprache zum 50. AbiturJubiläum« 200323 rezitierte Eckhard Ulrichs ehemaliger Mitschüler Wilfrid Seifart im Zusam­menhang mit kurzen Worten des Gedenkens einige Strophen aus den »bemerkenswerten Gedichten« (vgl. Anm. 1), und 2013 klang die Rede zum Diamantenen

21   Die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt hatte ihre Position vom Dezember 1991, die sie aufgrund der im entscheidenden Teil unzutreffenden Vorwürfe eingenommen hatte, im März 1993 endgültig korrigiert. Das Schreiben des Präsidenten ist bei Serke (Anm. 4) wiedergegeben, ebenso wie weitere Hintergrundinformationen, die über den bei Schorlemmer (vgl. Anm. 1) berücksich­tigten Stand von 1992 hinausgehen. Sie machen das von ihm kritisierte Agieren der »Verantwortlichen öffentlicher Institutionen« als den Urhebern der Vorwürfe noch schwerer begreifbar. 22   Scientia Halensis (Magazin der Universität Halle) 1996, Heft 4, S. 36. 23   »Die Pforte« Nr. 56 (2003), S. 45–50.

Abitur von Günther Schulz24 mit Eckhards ebenso anrührendem wie hintersinnigem »Kinderlied« aus. Frau Cordula Ulrich25 danke ich für ihre wertvolle und geduldige Unterstützung beim Schreiben dieses Beitrags. Eine Datei mit einem tabellarischen Lebenslauf und mit – von seiner Frau ausgewählten – Gedichten Eckhard Ulrichs und mit dem Nachwort Friedrich Schorlemmers von 1992 (vgl. Anm.. 1) kann beim Autor angefordert werden; mailto: heinrich.arnold@tuilmenau.de. (Sonst: Prof.-Dr.-StammStr. 3, D 98693 Ilmenau.) Heinrich Arnold (al. port. 49–51 V.)

24   Prof. Schulz danke ich für die freundliche Zusendung seines Typoskripts. 25   Meine 2013 verstorbene Frau (s. Anm. 11) und ich waren bereits vor Cordulas Heirat mit Eckhard gut mit beiden befreundet, und nach unserem Wegzug von Halle (1968) haben besonders die Frauen ständigen Kontakt gehalten.

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Theater-Spielort mit Tradition Die historische Turnhalle der Landesschule Pforta von 1848

I

Im Jahr 2015 wird der Pförtner Bund e.V. die finanziellen Mittel für die Umgestaltung der historischen Turnhalle zu einer multifunktionalen Theater-Spielstätte bereit stellen. In diesen Wochen werden die Planungen durch das Liegenschaftsmanagment des Landes Sachsen-Anhalt abgeschlossen und erste Firmen beauftragt. Bis zu 80.000 Euro investiert der Alumniverein für die Herrichtung von Mauerwerk, Parkett und Elektrik. Dazu kommen kleinere bauliche Veränderungen, die die geplante Nutzung des Vorraumes als Foyer ermöglichen. Danach wird der Pförtner Bund weitere 50.000 € investieren für die Anschaffung und Installation von professioneller Bühnentechnik.

Durch den Bau der neuen Sporthalle auf dem früheren Gutsgelände, ist die Umnutzung der bisherigen Turnhalle im Park zu einem Proben- und Spielort für Theater, Musik und Kleinkunst erst möglich geworden. Doch ganz neu ist die Funktion als Spielstätte in diesen Räumlichkeiten nicht. Bereits im 19. Jahrhundert wurde in der historischen Turnhalle Theater gespielt. Insofern knüpft der bevorstehende Umbau an Traditionen an. Umsomehr lohnt ein Blick auf die Geschichte des Hauses. Die alte Turnhalle in Schulpforte, die zu den ältesten in Deutschland zählen dürfte, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde auf dem Gewölbe des sogenannten Schieferkellers errichtet. Dieses vermutlich noch aus

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der Klosterzeit stammende Gebäude wurde bis zum Umbau 1846 im Kellerbereich als Biergewölbe genutzt. Von dort führte ein unterirdischer Gang zum damaligen Milchgewölbe. Der vergitterte Ausgang dieses Ganges ist im Durchgang von der Abtskapelle zum Park heute noch zu sehen. Die oberen Räume des Schieferkellers dienten früher als Kornspeicher. Als auf Initiative des Tanzlehrers Roller 1817 in Pforte der Turnunterricht eingeführt wurde, fand er bei den Schülern eine solche Resonanz, dass bald auch der Wunsch aufkam, im Winterhalbjahr turnen zu können. Roller selbst erlebte leider den Umbau des Schieferkellers zur Turnhalle nicht mehr, da er 1844 starb. Von 1846 bis 1848 dauerte der Umbau des Gebäudes, der allerdings fast ein Neubau war. Als schlichter, rustikal wirkender Bau mit rechteckigem Grundriss und den in Schulpforte an zahlreichen Gebäuden vorhandenen Treppengiebeln fügte sich die Turnhalle harmonisch in das alte Kloster­ ensemble ein. Gleich nach der Fertigstellung der Turnhalle begann man, das Gebäude noch für einen anderen Zweck zu nutzen. Die Fastnachtsspiele, die unter August Kobersteins Leitung eine neue Qualität erhielten,

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waren wohl ursprünglich im Tanzsaal aufgeführt worden. Seit 1849 fanden die Theateraufführungen dann in der neuen Turnhalle statt. Die erste nachweisbare Aufführung war die Antigone zu Ehren des Professors Steinhart. Bis 1884 fanden die Aufführungen der Obersekundaner und Primaner in der Zeit der Fastnacht, im Februar statt; nach der Einführung des seitdem einzigen Versetzungstermines zu Ostern wurden die Spiele auf den Martinstag oder in dessen Nähe im November verlegt, weshalb sie dann Martinispiele hießen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde schließlich in der Turnhalle, wie es Rudolf Richter 1914 in seinem Artikel über die Martinispiele in Pforte beschreibt, eine regelrechte Bühne aufgeschlagen mit allen nötigen Requisiten und elektrischer Beleuchtung. Er schreibt weiter: »Die Aufführungen beginnen 4 Uhr und enden meist zwischen 8 und 9 Uhr. Alle polizeilichen Vorschriften zur Sicherheit der Spieler und Zuschauer werden genau befolgt; die Freiwillige Schülerfeuerwehr stellt zahlreiche Posten in voller Ausrüstung, und die Mitglieder des gewählten Ausschusses erhalten allerlei Ämter, denen des Inspizienten großer Bühnen ähnlich. Die Musik in den Pausen, oder soweit sie zum Stücke gehört, haben


gelegentlich schon die Schüler selber, sogar im Kostüm, gemacht. Die Kosten für die Errichtung der Bühne und das Entleihen der Kostüme, die nicht aus den Pförtner Familienkreisen beschafft werden können, werden auf sämtliche Schüler gleichmäßig verteilt, so daß sie für alle Geldverhältnisse leicht erträglich sind.« Im Archiv der Schule existieren noch Entwürfe von Bauplänen, nach denen das östliche Portal der Turnhalle in barocken Formen gestaltet werden sollte. Vielleicht wollte der Architekt das Gebäude mehr als Theater charakterisieren. Glücklicherweise wurden diese Pläne aber nicht realisiert.1 Petra Mücke (al. port. 82–86) Leiterin Archiv & Historische Bibliothek der Landesschule Pforta

1  Entwürfe zur Gestaltung des östlichen Giebels der Turnhalle. Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Baupläne Tu 12, 14

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Berührungspunkte zwischen »Morgen- und Abendland« Anfang des 20. Jahrhunderts lernen junge Türken in der Landesschule Pforta

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Im Harrassowitz-Verlag erschienen 2013 die Lebenserinnerungen des auch über die Grenzen der Türkei hinaus bekannten Archäologen Ekrem Akurgal (* 30. März 1911 in Tulkarm; † 1. November 2002 in İzmir). Was nur wenigen bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass Akurgal ein Jahr lang die Landesschule Pforta besucht hat. Mit der Gründung der Republik Türkei brauchte Mustafa Kemal Atatürk gut ausgebildete Wissenschaftler, die ihn bei der Modernisierung der türkischen Gesellschaft unterstützen sollten. Er schickte ausgewählte Studentinnen und Studenten in europäische Länder. Nach dem Studium kehrten diese in die Türkei zurück und verbreiteten dort ihr neu erlerntes, westliches Wissen. Ekrem Akurgal gehörte zu den Studenten, die mit einem staatlichen Stipendium in Deutschland studieren durften. Da die Stipendiaten als erstes die deutsche Sprache erlernen sollten, wurden sie auf verschiedene Schulen in Deutschland verteilt, darunter auch die Landesschule Pforta. Ekrem Akurgal kam 1932 gemeinsam mit Sedat Alp (* 1. Januar 1913 in Selanik, dem heutigen Thessaloniki; † 9. Oktober 2006) nach Schulpforte. Sie waren nicht die ersten türki-

schen Gastschüler. Vor ihnen hatten bereits Şinasi Altundağ, Takiyettin Mengüoğlu, Sadettin Buluç und Halil Demircioğlu die Schule besucht. Untergebracht wurden die türkischen Studenten als Extraneer im Hause von Lehrern. Ekrem Akurgal wohnte beim Musikdirektor Lichey, wo er sich, vor allem auch wegen der Fürsorge von Frau Lichey, sehr wohl fühlte. Im Hause Lichey lernte er Deutsch, daneben nahmen die Gastschüler am regulären Unterricht teil. Dabei begannen sie in Untertertia, durchliefen aber in dem einen Jahr alle Klassenstufen und endeten in Prima. Daneben gestatteten ihnen ihr Sonderstatus und auch ihr Stipendium, da die türkische Lira in einem günstigen Wechselkurs zur deutschen Mark stand, ihre Freizeit angenehm zu verbringen. Sie gingen zum Tanz nach Bad Kösen, trafen sich mit anderen türkischen Studenten, die an der Stabila in Naumburg lernten und amüsierten sich, indem sie ins Kino oder in Cafés gingen. Ekrem Akurgal und Sedat Alp studierten im Anschluß an den Aufenthalt in Pforte in Berlin bzw. in Leipzig und Berlin Archäologie und kehrten dann in die Türkei zurück, wo sie an der Universität in Istanbul unterrichteten. Ekrem Akurgal gilt als einer der Gründerväter der Klassischen Archäologie in der modernen Türkei. Seine wichtigste Ausgrabung war die von Alt-Smyrna (Bayraklı). Zahlreiche Ehrungen, auch im Ausland, zeugen von seiner

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5Sedat Alp 4Ekrem Akurgal, Quelle: Wikipedia

unermüdlichen Tätigkeit. Auch Sedat Alp, der einer der bedeutendsten türkischen Hethitologen wurde, war wie Akurgal Mitglied in verschiedenen ausländischen Instituten und Akademien und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg. Von den anderen oben genannten türkischen Gastschülern in Pforte wurden Şinasi Altundağ Professor für Geschichte, Takiyettin Mengüoğlu Professor für Philosophie, Sadettin Buluç Professor für die türkische Sprache und Halil Demircioğlu Professor für alte Geschichte.

Erinnerungen eines Archäologen : einige bedeutende Kapitel aus der Kulturgeschichte der Republik Türkei / Ekrem Akurgal. Hrsg. von Brigitte Freyer-Schauenburg und Erika Simon. Aus dem Türk. übers. von Wolfgang Riemann. – Wiesbaden: Harrassowitz, 2013

PETRA MÜCKE (al. port. 82–86) Leiterin Archiv & Historische Bibliothek der Landesschule Pforta

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *

3Foto: Hamish John Appleby


Predigt zum Schulfest in Pforta Predigt im Gottesdienst zum 471 Schuljubiläum am 25.5.2014 über Genesis 28, 10–22 Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

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Liebe Gemeinde, »wie heilig ist diese Stätte! Wie heilig war sie euch von jeher! Wie heilig ist sie euch heute noch! Und: Wie heilig wird sie euch immer sein!«1 – so schallte es vor etwa anderthalb Jahrhunderten durch diese Kirche. Nietzsches Religionslehrer – schon das sollte zu denken geben – hielt die Schulfestpredigt und versuchte die angereisten Ehemaligen von der Heiligkeit Schulpfortas zu überzeugen. Dafür brachte er ein im wahrsten Sinne des Wortes schlagendes Beispiel an: Die gestrengen Strafen, denen ein Pfortenser Zögling nach einem Fehltritt anheimfiel. Wenn nämlich die anfänglichen Schmerzenstränen getrocknet und der erste Zorn verklungen war, sei doch jedem Gemaßregel-

1  Zit. nach Rainer Bohley, Die Christlichkeit einer Schule. Schulpforte zur Schulzeit Nietzsches, Jena 2007, 128. Die von mir am Text vorgebrachten Modifikationen wurden zur besseren Lesbarkeit nicht in der Predigt vermerkt. Das Zitat entstammt der von Carl Eduard Niese, damals »Pfarrer und geistlicher Inspector zu Pforta« (vgl. a.a.O., 42ff.), am 21. Mai 1863 gehaltenen Schulfestpredigt.

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ten schließlich klar geworden: »hier soll ich meinen Eigenwillen brechen, hier dem Wahren und Guten mich unterwerfen, hier glauben, beten, hoffen, lieben lernen und schaffen, daß ich selig werde mit Furcht und Zittern […] Gewiß, es ist der Herr an diesem Ort«.2 Für uns Heutige wirkt eine solche Pädagogik frei nach dem Motto »Ohne Zucht keine Frucht«3 berechtigterweise mehr als anstößig. Auch die religiöse Überhöhung von Gewalt und Unterwerfung, demnach Gott gleichsam im Schlag mit der Birkenrute gegenwärtig ist, lässt uns erschaudern. Gleichwohl macht diese alte Predigt darauf aufmerksam, dass Menschen in Bezug auf das, was ihnen heilig ist, zu totalitären Ansprüchen tendieren können. Plötzlich zählt der Einzelne nicht mehr, sondern nur noch das Ideal, von dem ich absolut überzeugt bin, dem ich alles andere unterordnen würde. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist geprägt von solchen Erscheinungen und ebenso von Versuchen, die Dimension des Heiligen für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Ein Blick auf die Landkarte Europas macht wach für die Gegenwärtigkeit dieser Problematik. Dennoch:

2  Ebd. 3  Ebd., 128. So äußerte sich in seiner 1861 gehaltenen Schulfestpredigt Robert Buddensieg, damals Tutor in Pforta.


5Die Pfortenser Platane. Foto: Wolfgang Werner

Auch das Gegenteil wäre falsch – für gar nichts mehr zu brennen und sich ein wenig vom Zeitgeist schaukeln zu lassen. Was dem Einzelnen heilig sein soll, lässt sich nicht zwangsweise verordnen, doch zugleich sollten wir nicht aufhören, darüber zu streiten, wovon wir uns letztlich leiten lassen wollen. »Wie heilig ist diese Stätte!«, schallt es aus Jakobs Mund, als er nach einer äußerst merkwürdigen Nacht die Augen aufschlägt. Wir haben gerade von seinem bildreichen Traum gehört: die bis zum Himmel reichende Leiter, die Engel und der sprechende Herrgott. Bei Lichte besehen ist von alledem natürlich nichts mehr übrig. Der Ort, den er nur willkürlich zum Schlafen ausgewählt hatte, bleibt genauso nichtssagend und öde, wie er es am Abend zuvor schon war. Auch der Stein liegt noch am selben Fleck. In ihm manifestiert sich die ganze Schwere von Jakobs Lebensgeschich-

te, auf der von Anfang an kein Segen ruhte. Es begann mit Rebekka, seiner Mutter, die eigentlich gar keine Kinder kriegen konnte und auf wundersame Weise doch noch mit Zwillingen schwanger wurde. In froher Hoffnung litt sie aber plötzlich unter so starken Beschwerden, dass sie den Sinn ihres Lebens beinahe gänzlich in Frage stellte. Nun könnte man denken, die Freude über die doch noch geglückte Geburt würde alles überstrahlen. Leider verteilten die Eltern aber ihre Zuneigung sehr ungleich: »Isaak hatte Esau lieb und aß gern von seinem Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob lieb« (Gen 25,28). Folgerichtig kam es zum Konflikt zwischen den Zwillingsbrüdern. Esau, der Liebling des Vaters, ein guter Jäger, hatte als erster das Licht der Welt erblickt und sollte deshalb Haus und Hof erben. Jakob, das Muttersöhnchen, der eher durch seine Kochkünste bestach, nutzte ei-

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nen schwachen Moment seines von der Jagd ermüdeten Bruders, um die berühmt-berüchtigte Linsensuppe gegen dessen Erstgeburtsrechte einzutauschen. Bloß der Erfolg währte nicht lang: Zwar konnte dem greisen Vater Isaak noch der notwendige Segen abgerungen werden, doch am Ende hegte Esau Mordpläne und Jakob musste um sein Leben fürchten. Es blieb nur die Flucht in die Fremde. Aus Jakobs Geschichte spricht die ganze Widersprüchlichkeit eines Lebens, das keine Schuldigen kennt und dennoch jeden schuldig hat werden lassen. Sie zeigt die grundlegende Spannung zwischen dem, was man ändern kann und diesem schicksalhaften Moment, die unabänderlich den Lebensweg bestimmt. Manche verzweifeln daran, ihr Leben nicht im Griff zu haben. Sie fühlen sich etwa durch ihre Herkunft oder die gesellschaftliche Lage so festgelegt, dass sie sich ein Entrinnen gar nicht mehr vorstellen können. Andere wissen darum, dass es einen Ort gibt, an dem sie herausgehoben werden aus den geregelten Strukturen, den vielen Abhängigkeiten und Zwängen, in die ihr Leben eingebunden ist. Heilig ist dieser Ort. Jedenfalls für den, der dort eine solche Erfahrung macht. »Die Bäume im Park sind mir heilig«, meinte eine Schülerin im Vorgespräch zu diesem Gottesdienst. Dort

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würde sie Ruhe finden, könne sie sich zurückziehen und zu sich selbst kommen. »Meine Familie und meine Freunde sind mir heilig«, sagten wohl die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Weil sie für deren Gemeinschaft Vieles aufgeben würden und dort sein könnten, wie sie wirklich sind. »Meine Klarinetten sind mir heilig«, meinte offensichtlich einer aus dem M-Zweig. Weil er in der Musik aufgehen könne. »Das Trauern ist mir heilig«, sagte eine Schülerin im Blick auf die besondere menschliche Nähe, die dabei zu verspüren sei. Alle sprechen sie von bestimmten Lebenssituationen, die im Laufe der Zeit eine besondere Wichtigkeit bekommen haben oder mit prägenden Erfahrungen verbunden werden. Das Heilige markiert hier eine Dimension von Erfahrung, die für sich steht. Anderes bleibt dabei außen vor und gerät in den Hintergrund. Was mir heilig ist, eröffnet mir eine Sicht auf mich selbst, die mich frei sein lässt, ohne dass dies ein dauerhafter Zustand werden würde. Ich weiß dadurch, wie mein Leben, wie die Welt auch aussehen könnte. »Ich wusste es nicht!«, sagt Jakob, als er aus seinem Traum erwacht, »Gott ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!« Nun weiß er es, da die Himmelsleiter für einen Moment in seine bedrängte Existenz hineingeragt hat, und er diese Worte hören durfte:


»Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.« Er ist sich bewusst geworden, dass seine Lage nicht so bleiben muss, dass er mehr ist als die Summe seiner einzelnen Fehler und Abhängigkeiten. Die Heiligkeit dieser Stätte entspringt aus der Erfahrung, letzten Endes behütet und bewahrt zu sein und deshalb aus vollem Herzen Gott sagen zu können. Zugleich verschließt Jakob deshalb nicht die Augen vor seiner Lebenswirklichkeit, die nicht plötzlich eine ganz andere ist. »Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein«, sagt er und macht deutlich, dass immer eine Lücke bleibt zwischen dem Heiligen und dem Nicht-Heiligen. Eine Lücke, die aber verschiebbar ist.

die sich mal an einem politischen Ideal entzündet, mal an einem Baum im Park, mal beim Musizieren. Dass wir nicht aufhören, danach zu suchen, dazu helfe uns Gott. Und die Liebe Gottes, die höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. Karl Tetzlaff (al. port. 02–07 v.)

Liebe Gemeinde, »wie heilig ist diese Stätte!« – so schallte es auch heute wieder durch diese Kirche. Nietzsches Religionslehrer und die Birkenrute sind längst verschwunden. Was bleibt ist die Jakobsgeschichte und das grundmenschliche Bedürfnis, einen Unterschied zu machen, nicht unterzugehen im Gerangel der Gemeinschaft. Sich nicht zufrieden geben zu müssen mit dem, was ist. Was bleibt ist die Sehnsucht nach dem Heiligen,

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Porta semper renovanda Zu den Renovierungsarbeiten am Klausurgebäude

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In einem so großen und so alten Gebäudeensemble wie der Landesschule Pforta gibt es immer etwas zu renovieren. Derzeit steht der wohl größte Brocken an: das Klausurgebäude, in dem im Laufe des 20. Jahrhunderts zwar der Innenbereich mehrmals umgebaut und vor allem Heizung und Sanitärbereiche auf den jeweils aktuellen Standard gebracht worden sind, eine grundhafte Sanierung aber ausgeblieben ist. Diese konnte im letzten Schuljahr endlich begonnen werden, nachdem die notwendigen Voraussetzungen erfüllt waren: Sanierung und Umbau des Fürstenhauses zum Internat, um Ausweichquartiere für das leer zu ziehende Internat I/IV zu schaffen, bautechnische und denkmalpflegerische Voruntersuchungen und zu guter Letzt natürlich eine Absicherung der Finanzierung durch das Land, das sich den Spaß voraussichtlich mehr

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als zehn Millionen Euro kosten lassen wird. Dafür bekommen wir aber auch eine Komplettsanierung ab dem ersten Obergeschoss aufwärts, im östlichen Kreuzgangbereich auch hinunter bis zu Kapitelsaal und Armarium, an anderen Stellen bis ins Schulhaus hinein. Am sichtbarsten sind die Baufortschritte am Dach zu erkennen, wo inzwischen gewaltige Mengen an Balken ausgewechselt und die östliche Hälfte sogar schon neu eingedeckt worden ist. Im komplett eingerüsteten Kreuzgang kann man erkennen, dass auch im Fachwerk der östlichen und westlichen Obergeschosse zahlreiche Balken ausgetauscht und Fächer neu gemauert werden mussten. Auf der Nordseite, also zur Schulstraße hin, kann man unter dem abgeschlagenen Putz das nackte Mauerwerk und Verfüllungen ehemaliger Fenster erkennen. Schleicht man sich – verbotenerweise – ins Innere, ist von den alten Strukturen der Wohnbereiche nicht mehr viel zu erkennen: Die meisten Innenwände sind abgerissen, manche schon neu gesetzt; Böden und Decken sind geöffnet und geben den Blick frei auf Unmengen an alten oder bereits erneuerten Holzbalken. An einigen Stellen wurden sogar Stahlträger eingezogen, vor allem zur Entlastung der Decken über Kapitelsaal und östli-


chem Kreuzgang – der ganze Flügel war bekanntlich um 1800 sowohl in die Breite als auch nach oben stark erweitert worden. An anderen Stellen klaffen riesige Löcher, die den Blick freigeben auf die Etagen darunter oder darüber. Von einem dieser Deckenlöcher ist auch der Verbindungsflur zwischen Schulhaus und Kreuzgang betroffen, weshalb er ebenso wie jener östliche Teil des Kreuzgangs für längere Zeit gesperrt ist. Abgesehen von den Umwegen, die man wegen dieser gesperrten Wege in Kauf nehmen muss, halten sich die Unannehmlichkeiten für Schüler, Lehrer und Besucher in Grenzen. Wirklich lauten und störenden Baulärm gab es bisher nur an wenigen Unterrichtstagen zu beklagen. Die Bauplanung hatte die meisten Einsätze der Presslufthämmer in die Ferien verlegen können. Auch auf die Keilglocke müssen wir nicht verzichten: Sie wurde im Rektorhöfchen in ein neues Holzgestell gehängt, ist dort al-

lerdings so laut, dass der Keilpietz sie nur mit Gehörschutz läuten darf. Am härtesten betroffen ist wahrscheinlich unsere Archivarin Frau Mücke, die in diesem Sommer recht kurzfristig einen Teil der historischen Bibliothek ausräumen musste, um Baufreiheit für die Verlegung neuer Heizungs­ trassen zu schaffen. Insgesamt verfolgen wir den Baufortschritt also eher gelassen und freuen uns auf das Jahr 2016, in dem wir nach Abschluss dieser Sanierungsmaßnahme in die neuen Räumlichkeiten einziehen können. Natürlich gibt es bereits erste Überlegungen zu den nächsten Baumaßnahmen, z.B. am Mühlengebäude. Porta semper renovanda! Dr. Ralf Schuricht Magister Portensis

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Sternwarte wieder eingeweiht

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Am Montag, 29.9.2014, nach fast zwei Jahren Abstinenz, kehrte unser Teleskop in die Sternwarte zurück. Es ist geschafft. Doch so einfach ist die ganze Sache nicht. Gehen wir mal an den Anfang zurück. Alles begann 2007. Kontakte zur Universität Jena führten zur Firma 4h Engineering Jena, welche sich unter anderem mit der Reparatur und Modernisierung von Carl-Zeiss-JenaProdukten einen Namen erworben hatte. Ganz unkompliziert erstellte 4h ein Gutachten unseres Kleinodes auf der Sternwarte. Die vollständige Reparatur und Modernisierung wurde mit 66 000 € veranschlagt. Das Projekt verschwand in der Schublade. Nennen wir es Fügung des Schicksals, als 2011 die Janda-Stiftung Projekte des naturwissenschaftlichen Zweiges großzügig finanzielle Unterstützung zusagte. Sofort wurde der bereits im offline-Modus befindliche Kontakt zu 4h aktiviert und das Projekt überarbeitet. Ziel war es, das Vorhaben so zu zerstückeln, dass es der jeweiligen Finanzlage angepasst werden konnte. Großen Dank gilt hier der Firma 4h. Es war von Anfang an nicht absehbar, wann das Projekt seinen Abschluss finden würde. Dies bedeutete für die Firma, dass unsere gesamte Technik über einen längeren Zeitraum Platz in der Firma blockieren wird. Herr Heyne, unser ständiger Ansprechpartner und Betreuer des Projektes

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gab schließlich grünes Licht. Im November 2012 erfolgte der Ausbau. Stück für Stück trugen die Mitarbeiter unsere Technik die vielen Stufen bis in das Rektorhöfchen. Wer das Teleskop und seinen Sockel in Erinnerung hat, wird ermessen können, um welche Lasten es sich hier handelt. Es erfolgte die Verladung in den Transporter und weg war es. Die Zeit des Wartens und Einwerbens von Spenden war gekommen. Bis heute sind einundvierzig Einzelpersonen, Familien, Stiftungen und Firmen an diesem Projekt beteiligt. Die Spanne der Spenden reicht von 15 € bis hin zu 10 000 €. Als das Teleskop im Frühjahr 2013 abnahmebereit war, hatten wir bereits rund 30 000 € in das Teleskop investieren können. Leider war die Rückführung nicht möglich. Unsere Hoffnung bestand nämlich darin, dass mit dem Start der Reparatur und Modernisierung des Teleskops auch die notwendige Sanierung der Sternwarte durch das Land Sachsen-Anhalt erfolgen könnte. Nun sind aber zeitgleich mehrere Bauprojekte, darunter die Baumaßnahme an der Klausur, gestartet worden. Die Sternwarte trat in den Hintergrund. Das Projekt »Teleskop« wurde erweitert. Jetzt galt es, Teile der Sanierung der Sternwarte selbst zu organisieren. Unsere Kuppel war nicht wasserdicht, die Technik für das Öffnen und


5Die Montage des Teleskops

Schließen fehlte, die Kuppeldrehung war schwerfällig und die Beobachterbühne lief nicht in ihrer Schiene. Und wieder konnte 4h helfen. Weitere rund 12 000 € später besaßen wir im April 2014 eine leichtgängige Beobachterbühne und eine in allen Belangen perfekte Kuppel. Besonderer Dank für diesen Bauabschnitt geht an den Pförtner Bund. Ein Vorschuss in Höhe von 7500 € versetzte uns nämlich in die Lage, in den Besprechungen mit Vertretern des Landes einen vollständig sanierten Kuppelbereich zu präsentieren. In den Sommerferien 2014 wurde der Rest der Sternwarte mit den Mitteln des Landes SachsenAnhalt saniert. Fenster und Türen wurden denkmalgerecht erneuert und die Innenansicht der Sternwarte lässt sich sehen. Nun hoffen wir noch auf die Erneuerung der Beobachterplattform.

Und nun war es soweit. Am Montag, 29.9.2014, fast zwei Jahre nach Ausbau, sollte unser Kleinod zurück in die alte Heimat. Stück für Stück, genau wie im November 2012, Stufe für Stufe… Doch halt! So einfach machte es uns das gute Stück dieses Mal nicht. Die Modernisierung führte dazu, dass nicht mehr alles einfach zerlegt und transportiert werden konnte. Das Stativ und die Montierung konnten nur im Ganzen (ca. 400 kg Stahl) zurück in die Sternwarte. Für die Rückkehr sollte die alte Pforte ein kleines Spektakel erleben. Die Idee war ganz simpel. Der Kran, Teil der Baustelle Klausur, hebt die Technik durch den Kuppelspalt in die Sternwarte. Von wegen simpel. Kommt der Ausleger überhaupt bis zur Kuppel? Ist genug Platz zwischen Kuppel und Last? Darf diese Last am möglichen Ende des Auslegers transportiert werden? Kön-

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nen wir den Kran überhaupt nutzen? Viele Fragen, eine Antwort: Ja. Besser hätte es nicht sein können. Der Ausleger kommt, als wäre es von Anfang an geplant, genau bis zur Kuppel. Die Höhe ist gerade ausreichend und die Last im Rahmen des Möglichen. Doch passt die Technik durch den Kuppelspalt? Die Bilder zeigen es: Gerade so. Vielen Dank an die ganze Crew des Wiedereinbaus. Es war perfekt. Und nun lasst uns feiern. Das »erste Licht« hat es am Montagabend gezeigt, unser Teleskop kann wieder in einer neuen alten Sternwarte genutzt werden. Die Begeisterung bei den Beobachtern, z.T. Mitglieder der AG Astronomie, war groß. Die Einweihungsfeier wir aber erst zum Schulfest 2015 stattfinden. An dieser Stelle möchte ich alle Unterstützer und Freunde der Schule und speziell des Projekts »Teleskop« dazu herzlich einladen. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle an den Vorschuss des Pförtner Bundes zu erinnern. Noch ist dieser nicht vollständig getilgt. Es fehlen rund 6000 €. Falls, vielleicht durch diesen Text angeregt, in dem Leser die Idee keimt, auch Teil dieses schönen Projekts zu werden, schnell eine kleine Spende mit dem Betreff »Teleskop« an die Stiftung Schulpforte tätigen. (Die Stiftung verwaltet Soll und Haben des Projekts.)

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Vielen Dank. Thomas Schönack magister portensis


Im Land der tausend Farben Ein Reisebericht

Der Pförtner Bund e.V. unterstützt seit einigen Jahren die Arbeits- und Bildungsreisen von Portenserinnen und Portensern im Rahmen der Organisation Welt:Klasse. Ende 2013 reisten 4 Schülerinnen der Landesschule Pforta nach Indien.

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Es ist der Abend des 28. Dezembers 2013 als wir das erste Mal einen Blogeintrag in unseren Blog »Inside in Inside out« in den Laptop tippen. Zwei Mädchen in einer riesigen Hotelhalle, einen alten Laptop auf den Knien und vor sich nur die Gewissheit, dass ab morgen für einen Monat lang alles anders wird. So langsam wird den Beiden bewusst, wie ernst es nun wird. Das Abenteuer ihres Lebens beginnt also in dieser Hotelhalle des Frankfurter Flughafens mit einem letzten gewohnten Essen, der letzten warmen Dusche und letztendlich auch dem Abschied von seiner Familie. Ein Monat kann eine lange Zeit sein, dass wird auch den Beiden mit jeder Stunde, die mehr verstreicht, bewusst. Ich möchte Sie als Leserin und Leser auf ein großartiges Abenteuer einladen, lassen Sie sich von einigen Eindrücken aus unserer Blogarbeit in eine fremde Welt entführen.

In ein Land in dem Elefanten unsere Wege kreuzen und Kühe die Straßen säumen. Dort wo das Licht und die Farben geboren wurden... »Wir sind noch nicht einmal einen Tag hier, doch wir haben schon so viel erlebt, dass es sich wie eine ganze Woche anfühlt. ... Bei jeder der tausend Passkontrollen und Gepäcküberprüfungen, durch die wir mussten, wieder Herzklopfen und die Angst, dass wir irgendwo nicht weiterkommen und immer die gleiche verwunderte, zweifelnde Miene als wir vier »kleinen« Mädchen auf die Frage, wohin es denn ginge, antworteten: »Nach Indien!« Mit unserer Laune ging es rasch bergauf als wir dann die (in meinen Augen) unglaublich schöne Stadt Nagpur sahen – mit vielen ungewohnten Bäumen und Pflanzen und den so anders lebenden Menschen. Verkehrsregeln kennt man hier nicht (es gibt sie erst gar nicht)- als wir aus dem Flughafen kamen lag vor uns eine Straße mit lauter dauerhaft hupenden Autos; zu Beginn ist das echt komisch aber ich habe mich jetzt schon daran gewöhnt, es hupt einfach immer und überall. Philip, der Vater der Familie, die uns betreut, erklärte mir, dass das hier (anders als in Deutschland) überhaupt nicht böse gemeint ist, während er mich zu dem Gelände, auf welchem wir an den Wochenenden und bis

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zum Ende der Weihnachtsferien wohnen werden fuhr. Diese erste Fahrt durch Nagpur haute mich um- alles ist so anders hier! Aber ich habe mich jetzt schon in die Stadt und in den Umgang der Menschen miteinander verliebt.«(Christina und Viviane) Angekommen in unserer paradiesischen Unterkunft bemerkte man kaum noch, dass man von Menschen umgeben war, denn dort war alles grün und voller bunter Blumen, die Luft war heiß und feucht und der Abendhimmel in ein staubiges Rosa getaucht. Die Vögel, deren Namen wir nicht kannten, sangen die ganze Nacht lauthals in den Bäumen.

5 Mumbai mit Gastgeberin

»Nach einem kleinen Frühstück bekamen wir Besuch von einer Warli Künstlerin, sie zeigte uns in der darauf folgenden Zeit die Grundlagen dieser Kunst. Warli ist eine Art (nun ja, in Deutschland würde man vielleicht von Höhlenmalerei sprechen) indische Stammeskunst, bei der aus einfachen Strichen bestehende Menschen, Pflanzen sowie Häuser an die Wände gemalt werden. Zu besonderen Anlässen wird diese Kunst auch heute noch an die Wände in indische Haushalten angebracht.

Traditionen erzählte, dabei fällt mir einmal wieder auf, wie sehr ein Inder davon ausgeht, dass wir weder das Land Indien geografisch einordnen können, noch sonst irgendwelche Vorinformationen dazu haben (»Mahatma Gandhi, you have ever heard about him?«)

Kurz darauf bekamen wir erneut Besuch von einem Professor eines örtlichen Colleges, der uns eine Menge über die indische Politik, Religion und

Diesmal hielten wir an einem buddhistischen Tempel, dort wurden wir allerdings sofort zur Hauptattraktion umfunktioniert. Jeder wollte ein Foto mit

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Nach ein bisschen Schlaf und Ruhe waren wir auch alle wieder in der Lage in Philipps Auto zu steigen und eine weitere aufregende Fahrt durch die Stadt zu erleben.


uns machen und so blieben wir eben geduldig stehen und lächelten in viele verschiedene Kameras mit völlig fremden Menschen im Arm.« (Maxi) Jaja, die Inder und ihre Kameras. Natürlich hatten die meisten Inder noch niemals zuvor einen »Weißen« gesehen aber die ständige Foto-Macherei und das Anstarren waren Dinge an die wir uns nur sehr schwer gewöhnen konnten ebenso wie an die extreme Schärfe des indischen Essens. »Wir sind nun den dritten Tag hier, gestern feierten wir Silvester mit den Kuruvillas in einer so familiären, herzlichen Atmosphäre, das wir das Gefühl hatten wir kennen uns schon ewig und sind schon eine Ewigkeit in Indien. So schweben wir zwischen einem »Wie schnell vergeht bitte die Zeit?« und »Was? Erst 3 Tage?«. Danach holte uns Ridhja wieder ab, um mit uns zum Nagpurer Bahnhof zu fahren um mal etwas indisches Großstadtleben zu schnuppern. Der Bahnhof ist sehr groß, gefüllt mit Menschen, dreckig wie man es aus der Stadt gewohnt ist. Uns begegneten Unterschiede von modern gekleideten Menschen mit Smartphones, zu traditionellen Frauen mit Saaris, die Körbe auf ihrem Kopf trugen, wie man es aus dem Dschungelbuch kennt. Ebenso machten wir Bekanntschaft mit

Bettelkindern, die wie kleine Geister mit traurigen Mienen um uns herum schwirrten und nicht ablassen wollten. Das war wirklich keine schöne Erfahrung, weil es einem fast das Herz zerreißt sie abzuschütteln, aber man andererseits auch weiß, dass man ihnen explizit mit dem Geld nicht helfen würde. Auf ein Land wie Indien blickt der Mensch aus dem Westen meist etwas verachtend mit erhobenem Blick, denn er denkt, er würde die Probleme, wie Armut, Hunger und Vergewaltigung, die zweifelsohne die größten Probleme Indiens sind, durchschauen. Aber in vier Wochen kann man lange nicht genug verstehen und lernt zu wenig kennen um wirklich etwas verändern zu können. »Für uns hieß es heute: Auf nach Kalmeshwar! Nach einer letzten WarliStunde – weg von Papier und Bleistift, heute malten wir mit schwarzer und weißer Farbe auf Dosen aus Holz -, verabschiedeten wir uns vom NCCI und allem, was dazugehört, und stiegen in einen Bus Richtung Prerana-School, wo wir in den nächsten Wochen die meiste Zeit verbringen werden. Nach einer etwa einstündigen Fahrt, während derer wir gefühlte fünfzehn Lastwagen gestreift sowie drei Fußgänger beinahe überfahren hätten, kamen wir

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auf dem Gelände der Prerana-School an, und man kann sagen, dass es beinahe genauso schön ist wie das NCCI. Staub und Blumen vermischen sich mit Sonnenlicht und Müll zu einer unwirklichen Atmosphäre, die wir immer noch nicht greifen können. Schon blickten uns aus den Fenstern Kindergesichter entgegen, aber bevor wir sie kennenlernten, hatten wir ein kurzes Gespräch mit dem Mann, der diese Schule für geistig behinderte Kinder eröffnete, um ihnen eine Chance für die Zukunft zu bieten: Father Bijesh, der selbst einen Sohn hat, der geistig behindert ist (seinetwegen hat Bijesh die Schule ins Leben gerufen). Nach einem kurzen Rundgang und dem Lunch – bestehend aus Reis, Fladenbrot, Reis, Dal, Reis, Gemüse (nennt sich Lady’s Finger, wir haben noch nicht ganz rausgefunden, was es damit auf sich hat), Reis und noch mehr undefinierbarem Gemüse -, haben wir am Unterricht der Kinder teilgenommen. Was kann besser sein, als englische Begriffe mit einer Melodie und Bewegungsabläufen zu kombinieren? Für eine Viertelstunde taten Vivi und ich also nichts anderes, als Head, Shoulders, Knees and Toes, Knees and Toes zu singen, die Begriffe zu wiederholen, wieder zu singen. Und die Kinder machten mit, manche lernten schnell, manche weniger, und schienen trotz-

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dem alle Spaß zu haben. Dass die Koordination nicht immer funktionierte und man statt den Mund die Ohren berührte, kam natürlich auch öfter vor, aber damit sind ja selbst manche in unserem Alter in Pforte überfordert. Als der Lehrer schließlich kam, mussten wir feststellen, dass er kein Englisch kann. Wir versuchten, uns mit ihm zu verständigen, aber irgendwann ging er einfach und holte Bibi als Vermittlerin. Wir sind eben auf dem Dorf und nicht mehr länger in der Stadt, wo Englisch, wenn auch nur gebrochenes, normal ist. Hier können wir von Glück reden, dass Father Bijesh sehr gut Englisch spricht. Nach dem Unterricht waren OutdoorSpiele geplant, die Kinder rannten, hüpften, hatten Spaß und spielten ein Spiel, bei dem sie Wasser von einem Gefäß ins andere transportieren mussten, und wir vier saßen mittendrin, umschwärmt von Kinderlachen und fröhlichen Stimmen. Anfangs hatte ich Angst davor, nicht zu wissen, wie wir mit den Kindern umgehen sollen, die es so viel schwerer haben als wir. Aber als wir dort saßen, Fotos machten und sahen, wie zufrieden die Kleinen sind, realisierten wir, dass sie sich keinesfalls von der Gesellschaft ausgestoßen und allein fühlen, sondern einfach nur glückliche kleine Kinder sind, erfüllt von der Gemeinschaft und dem Lachen, das sie sich alle miteinander teilen und das scheinbar nie endet. Diese


5Abschied von Prerana School

Erkenntnis hat den Tag unglaublich schön gemacht und uns sämtliche anfängliche Unsicherheit genommen, denn es scheint nichts zu geben, das man falsch machen kann. Die Kinder sind begeistert von uns – besonders aber von Amelies Kamera – und sie lieben es, wenn wir ihre Hände streicheln oder Fotos von ihnen machen, und wir lieben es, dass die Kinder anfangen herumzuhüpfen, wenn sie aufgeregt sind. Besonders gern haben sie es, wenn wir sie an den Händen halten und mit ihnen gemeinsam herumhüpfen. Da wir ihnen keine Spiele erklären konnten, haben wir einfach kurzerhand Laurenzia mit ihnen getanzt, und dass die Kinder kein Wort verstanden haben, war egal, denn darum ging es ja auch nicht. Es ging um die Musik, ihre Hände in unseren und das leise Kinderlachen, das einem von ihnen immer wieder entschlüpfte. Und außerdem konnten wir so unauffällig nur bis Donnerstag tanzen, da keiner das Lied kannte.« (Christina)

Und so vergingen die Tage und Wochen in Kalmeshwar, dem kleinen Dorf am Rande Nagpurs. Wir spielten mit den Kindern, dachten uns Unterrichtspläne aus und kauften täglich unsere Lieblingssüßigkeit Sant Papadi (gepresste Blütenblätter, die mit Zucker glasiert werden, eine Spezialität!) an dem kleinen Stand am Straßenrand. Manchmal saßen wir stundenlang dort und unterhielten uns, in dieser Stille hatte man viel Zeit nachzudenken und so kam es mir manchmal vor, als befände ich mich in einem Märchen aus tausend und einer Nacht. Spät Abends, wenn die bunt gekleideten Frauen mit ihren schweren Körben auf dem Kopf, den kilometerweiten nach Hause Weg, an unserer Schule vorbei, antraten musste ich an mein zu Hause denken. Keine Frau trägt hier zu Lande so schwer und für den Heimweg gibt es ein Auto oder die Straßenbahn, den Bus oder das Fahrrad.

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An ein Erlebnis erinnere ich mich besonders gern zurück... Heute war ganz Indien in Feierlaune und schon am Morgen wurden wir von lauter Musik, Menschenstimmen, Kinderlachen und Sonnenstrahlen geweckt. Heute ist nämlich ein Feiertag, der sich sowohl auf dem hinduistischen Uttarayan Kite Festival, als auch auf dem muslimischen Milad un-Nabi Fest begründet, und somit der ganze Tag im ganzen Land die Legitimation zum freien Tag für alle bekommt. Gestern bereits hatte Mina, die Principial der Pioneer School, an der wir vormittags unterrichten, uns verraten, dass wir den hinduistischen Feiertag zusammen mit ihr und ihrer Familie begehen würden und wir freuten und natürlich sehr über ihre Einladung und über die Möglichkeit, Religion und Kultur hautnah erleben zu können. ... Nach unserem ausgiebigen Brunch verlagerte die gesamte Gesellschaft das Geschehen nach oben auf das Dach des Hauses und der eigentliche Inhalt des Festes, das Drachen steigen lassen, wurde begonnen. So stiegen wir in eine bunte Parallelwelt hinauf, die Sonne lies die Farben und die Dä-

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cher des Dorfes leuchten und strahlen und der blaue Himmel bildete den perfekten Hintergrund für die bunten Drachen. Nicht nur wir waren auf das Dach des Hauses gestiegen, sondern von allen Dächern winkten uns Kindern und Familien zu, die ebenfalls Drachen steigen ließen. So ist die Schnur der Drachen so beschaffen, dass ohne weiteres eine andere Schnur zerschnitten werden kann, was den ganzen Spaß noch um einiges spannender macht! Wir lachten viel, und auch mal wieder viel für die ganzen Fotos, die so alle von und mit uns haben wollten: Die Attraktion des Fremden war mal wieder groß. Trotz der tausend Bilder, die von uns gemacht wurden, genossen wir den Vormittag unglaublich und waren schon fast ein wenig traurig als uns der Fahrer für den Lunch in der Prerana School wieder abholte.« (Amelie) Die Wochen vergingen, ich kann nicht so Recht sagen ob langsam oder schnell, wenn ich jetzt auf das letzte Jahr zurück schaue so erscheint mir unsere Reise nur wie ein winziger Bruchteil des Ganzen und doch war es eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich jemals machen durfte. Mumbai war die letzte Station des Projekts und ein gelungener Abschied von dem Land, in das wir uns alle innerhalb weniger Wochen verliebt haben.


5Indien am Wasser

»Mumbai war für uns aus weiter Ferne schon erkennbar, denn das Erste, was man auf einem Flug über die Stadt erkennen kann ist der größte Slum Asiens, direkt neben dem Flughafen. Auf der Hinreise hatte ich diesen als allererstes gesehen und war absolut verstört in den nächsten Flieger gestiegen mit dem Bild im Kopf, dass so also Indien aussieht.

Menschen erspähten wir Maria und Philipp, die Kinder der Kuruvillas, die wir seit nun mehr drei Wochen nicht gesehen hatten. Als wären wir die ältesten und dicksten Freunde fielen wir uns alle lachend in die Arme und waren einfach nur voller Vorfreude auf den uns bevorstehenden Tag mit den Beiden.

Heute, vier Wochen später, weiß ich, das Indien eben sowohl die eine als auch die andere Seite hat und ich war mir diesmal ganz sicher, dass hinter dem Dreck und Gestank des Slums eine wunderschöne und bunte Stadt auf uns warten würde.

Riesige Luxushotels säumten den Platz, große Autos wurden von Tiefgarage zu Tiefgarage gefahren und das geschäftige Treiben war unglaublich mitreißend, dass wir uns direkt auf in den Strom machten um uns in unser letztes Shoppingvergnügen auf einem der vielen Märkte hier zu stürzen.

Meine Hoffnungen sollten nicht enttäuscht werden. Als wir aus dem Flughafengebäude heraustraten, strahlte uns eine heiße Mittagssonne ins Gesicht, der Flughafen war von Palmen gesäumt und zwischen den vielen

... mit Maria und David als Reiseführer, sozusagen waschechten Mumbaianern sahen wir viele großartige Orte, tolle Gartenanlagen und einen Aussichtspunkt von dem aus man auf die ganze Stadt sehen konnte.

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Ehe wir uns versahen, verschwand die Sonne schon langsam hinter dem Meer, was für uns den Rückweg zum Flughafen bedeutete. Wir alle waren furchtbar müde und hatten eigentlich nicht wirklich eine Ahnung, wie wir jetzt noch die ganze Nacht auf den Beinen bleiben sollten. Und eh wir uns versahen standen wir mit unseren Koffern vor dem Flughafen und nun wurde auch mir zum ersten Mal klar, wie bald nun alles zu Ende sein würde. David und Maria drückten uns jeweils einen Kuss auf die Wange, dann verschwanden sie im Getümmel, Hand in Hand und mit lächelnden Gesichtern...«(Maxi) Danke für die Zeit, für die Erfahrung, die ich nirgendwo sonst hätte machen können, für die Menschen, die uns begegnet sind und uns auf unserem ganzen Weg begleitet haben, Danke für die Unterstützung aus unserm zu Hause, für die langen Skypekonferenzen, die oft Tränen getrocknet und Lächeln gezaubert haben, Danke an unsere Sponsoren, ohne die dieses große Abenteuer niemals möglich gewesen wäre, danke an unsere Lehrer, die sich in langen Prozeduren extra Klausuren für uns ausgedacht haben um uns für unsere Reise vom Schulstress weitgehend zu befreien und danke an euch

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drei, Vivi, Christina und Amelie, dafür, dass wir so eine tolle Gruppe waren, in der Einer für den Anderen da war und die so herrlich bunt gemischt war, dass jeder Charakter unabdingbar gewesen ist. Ich bin wirklich sehr, sehr dankbar und ich habe mir vorgenommen, es jeden Tag auf Neue zu sein, für all das, was ich habe, was ich sehen durfte und noch sehen werde. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen öfter Danke sagen. Maxi Rauschenbach (12M)


»Fast and Pfortenous« bei »Formel 1 in der Schule«

U

Unsere letzte Teamsitzung hatten wir am Donnerstagabend vor der Abreise. Wir probten noch einmal unsere acht-minütige Präsentation und führten eine Checkliste, ob wir denn auch wirklich alles eingepackt und nichts vergessen hatten. Am nächsten Morgen um 10 Uhr ging es dann auch schon los. Gespannt saßen wir gute zwei Stunden im Bus auf der Fahrt nach Wolfsburg. Dort angekommen, wirkten alle erstaunt von der Größe und Komplexität der Autostadt. Angeführt von Henning gingen wir zum Schalter und erhielten unsere Eintrittskarten. Wir wurden in das »Mobiversum« gelotst, eine große Halle, die eigentlich den zahlreichen Kindern als Spieleparadies dient. An diesem Wochenende aber öffnete das Mobiversum seine Türen für die deutsche Meisterschaft von »Formel1 in der Schule«. Zwei Rennstrecken waren aufgebaut. Wir waren eines der ersten Teams, die ankamen, und begannen sofort, nach unserer Teambox Ausschau zu halten. In einer separaten kleineren Halle wurden wir fündig. 25 Teamboxen standen dort im Raum, über jeder Box thronte in dicken Lettern der jeweilige Teamname. »Fast and Pfortenous« stand direkt am Eingang des Raumes. »Gute Lage«, dachten wir uns freudig, als eine Mitarbeiterin der Autostadt uns ansprach, ob wir uns schon angemeldet hätten. Sogleich gingen wir zum

»Check In« und reichten unsere Autos, das Portfolio und die Konstruktionspläne ein. Pünktlich um 18.00 Uhr standen wir auf der Matte, um die Teambox fertigzustellen. Zunächst wurden die Plakate an den Wänden fixiert, danach brachten wir eine LEDLeuchte an der Kante der Box an. In die Mitte der Box schoben wir einen Tisch und bedeckten ihn mit Tischdecken. Wir platzierten den Drehteller samt Auto, eine Rampe, das Portfolio, einige Flyer sowie einen Monitor, der Bilder zu den einzelnen Entwicklungsschritten wiedergab, auf dem Tisch. Unsere Box bestach vor allem durch ihre Übersichtlichkeit und die Liebe zum Detail, da wir alles selbst zusammengestellt bzw. gebaut hatten. Nachdem wir mit dem Aufbau fertig waren, machte sich ein Hungergefühl in unseren Mägen breit. Daher besuchten wir am Abend ein gemütliches italienisches Restaurant und stimmten uns auf den nachfolgenden anstrengenden Tag ein. Erst kurz vor Mitternacht kamen wir im Hotel an und ließen uns erschöpft in unsere Betten fallen. Wir träumten von der Deutschen Meisterschaft... Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um sechs Uhr. Nach dem üppigen Frühstück fuhren wir kurz vor acht Uhr in die Autostadt. Da wir leicht unter Zeitdruck standen, hatten wir keine andere Wahl als uns auf dem Parkplatz der Autostadt im

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Freien unsere Teamkleidung anzuziehen – ein echter Blickfang. Wir eilten zu unserer Teambox, machten noch einen letzten Technikcheck und gingen voller Tatendrang zur feierlichen Eröffnungsrede. Alle Teams hatten sich auf einer großen Treppe versammelt und lauschten gespannt Herrn Dr. Pries, dem Chef der Autostadt, und Herrn Gittinger, dem Vorsitzenden von Formel1 in der Schule. Als der Wettbewerb offiziell für eröffnet erklärt wurde, waren wir auch gleich gefordert. Uns wurde nämlich die Aufgabe zu teil, als erstes Team die Präsentation zu halten. Dafür begaben wir uns in einen recht eng wirkenden Raum. Erschwerend kam noch hinzu, dass nicht wie üblich vier, sondern acht Jurymitglieder unserem Vortrag lauschten. Wir waren sozusagen der »Maßstab«, an dem die Jury ihre Bewertungskriterien festmachte. Trotz der erhöhten Anforderungen meisterten wir unsere Präsentation recht flüssig und zusammenhängend. Unser Einstand war geglückt.

Als nächstes stand nun die Boxenbegehung um 11.00 Uhr auf dem Programm. Wir fragten bei den anderen Teams nach, welche Fragen man ihnen bei der Boxenpräsentation gestellt hatte. Man gab uns einige nützliche Tipps und Tricks, wie man mit der Jury umgehen sollte. 11.00 Uhr hatten wir uns alle an der Teambox eingefunden. Nur die Jury wollte einfach nicht kommen. Zwischendurch gaben wir sogar noch ein kurzes Interview für »Racing TV« und machten ein Fotoshooting für die Formel1-inschools-Website vor unserer Box. Mit zwanzig Minuten Verspätung fanden uns die Juroren dann doch – und löcherten uns mit knallharten Fragen. Wir wurden in drei Gruppen, bestehend aus je zwei Mann aufgeteilt. Die erste Gruppe beantwortete Fragen zur Marketing/ Sponsoring, die zweite zu Kreativität/ Gestaltung und die dritte Gruppe zur Konstruktion/ Fertigung des Wagens. Einige Fragen rissen uns schlicht den Boden unter den Füßen weg, beispielsweise mit welcher Dreh-

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zahl das Chassis aus dem Balsaholz gefräst wurde. Dennoch hatte die Jury ein positives Bild von unserem klassisch gehaltenen Teamstand, sodass wir uns gut verkaufen konnten. Die Boxenbegehung war vorbei – Zeit für das Mittagessen. Kaum hatten wir aufgegessen ging es auch schon weiter mit dem Highlight des Tages: dem Rennen. Wir traten gegen »Supersonic Evolution« an. Alexander wurde ausgewählt, den Startknopf zu drücken. In vorangegangen Tests hatte sich gezeigt, dass er die besten Reflexe hat. Wir polsterten das Ziel mit Schals und Tüchern aus, um den Aufprall unseres Boliden zu dämpfen. Dann positionierten wir uns an der Seite der Rennbahn und warteten auf das Erste der vier Rennen. Die Lampen leuchteten auf und mit 1,153 Sekunden durchbrach unser Flitzer die Lichtschranke im Ziel. Der Gegner war langsamer gewesen. In den folgenden drei Rennen besiegten wir unseren Gegner in jedem Rennen, einmal sogar trotz der schlechteren Reaktionszeit. Insgesamt legte unser Auto die achtzehntbeste Fahrzeit aller Autos hin. Eine beachtliche Leistung, berücksichtigt man, dass unser Bolide 2,5 Gramm über dem Optimalgewicht lag. Leider qualifizierten sich nur die 16 besten Teams für die K.O.-Rennen. Wir verpassten also nur um Haaresbreite die Teilnahme! Im packenden Finale des K.O-Rennens kam es zur Kollision

der beiden besten Autos, wobei beide Autos schlicht in tausende Einzelteile zersprangen. Nach den Rennen hieß es nun warten bis zur Auswertung um 17.00 Uhr. In der Zwischenzeit hielt Steve Nevey einen Vortrag über seine Karriere bei RedBull-Racing. Steve war tags zu-

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vor extra aus England zur Deutschen Meisterschaft angereist. Er gab uns im Privatgespräch noch einige wichtige Hinweise zur Konstruktion des Autos für die kommende Saison. 17.00 Uhr war es dann soweit. Der Augenblick der Entscheidung war gekommen. Nun sollte sich zeigen, ob ein Jahr intensiver Arbeit Früchte tragen sollte. Der Moderator machte uns zu Beginn der Siegerehrung auf die Weltmeisterschaft in Abu Dhabi heiß. Er zeigte uns ein Video von der Ferrari-World, in welcher die WM im November stattfinden wird. Daraufhin begann er, die Sonderpreisträger aufzurufen. Das beste Portfolio, die beste Innovation, die beste Teambox...« Der beste Newcomer geht an... das Team mit dem coolsten Teamnamen: Fast and Pfortenous!« Wir konnten es kaum glauben. Bester Newcomer bei der deutschen Meisterschaft zu werden hätten wir nicht für möglich gehalten. Wir gingen nach vorne, nahmen die Urkunde entgegen und stellten uns freudestrahlend dem Blitzlichtgewitter. Danach schlängelten wir uns durch die Bankreihen wieder zurück auf unsere Plätze und warteten auf unsere Platzierung. Platz 15, Platz 14, Platz 13... wir wurden einfach nicht aufgerufen. »Platz Zwölf, Fast and Pfortenous. Kommt nach vorne Jungs!«, hieß es dann plötzlich. Dies bedeutete bestes mitteldeutsches Team. Unglaublich! Spätestens jetzt

hatte jeder begriffen, dass man uns in den kommenden Jahren auf der Rechnung haben muss. Die übrigen Platzierungen bekamen wir nur noch mit halbem Ohr mit. Unsere Freunde aus Bayern, Javelin Racing, haben ein Ticket für die WM gelöst. Doch unsere Euphorie war in diesem Moment grenzenlos. Nach der Siegerehrung bauten wir unseren Teamstand ab und trugen alles zum Auto, um schnellstmöglich in Schulpforte zu sein und unseren Erfolg gebührend zu feiern. Bereits im Auto begannen wir mit den Konstruktionsplänen für das nächste Jahr. »Never stop a dreaming team.« An dieser Stelle möchten wir uns bei Ihnen, Herr Haase, noch einmal für Ihr großartiges Engagement bedanken!!! Ohne Sie als treuen Unterstützer wäre eine so erfolgreiche Saison nicht möglich gewesen Jonas Lohmann Team Fast and Pfortenous

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Vom Pförtner Bund *  *  *


Protokoll der Mitgliederversammlung 2014 Versammlungsort: Schulpforte, Aula Zeit: 11.00–12.30 Uhr Versammlungsleiter: Paul Pasieka Protokollantin: Anne Hultsch Anwesend: 51 stimmberechtigte Mitglieder des Pförtner Bundes e. V. 1 Stimmrechtsübertragung Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht in Die Pforte. SchulpfortaNachrichten Nr. 66, 2013.

Begrüßung Pasieka begrüßt die Anwesenden. Grußwort von rector portensis Thomas Schödel Schödel begrüßt die Mitglieder herzlich und würdigt anhand dreier Beispiele (Robo-Cup, multi­me­diale Ausstattung der Aula, avisierte Nutzbarmachung der alten Turnhalle) dankend die Viel­seitigkeit und Wirksamkeit der Unterstützung der Schule durch den Pförtner Bund und dankt dem Vorstand – vor allem seinem Vorsitzenden – für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Bestellung des Versammlungsleiters Als Versammlungsleiter wird einstimmig Pasieka bestimmt. Die Tagesordnung wird angenommen.

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden Der Vorsitzende begrüßt den anwesenden rector portensis emeritus Büchsenschütz sowie den ehemaligen Prokurator der Stiftung und langjähriges Vorstandsmitglied Feyerabend und richtet Grüße des Ehrenvorsitzenden Kreyssig aus, der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht an der Sitzung teilnehmen kann. Haase berichtet von der fruchtbaren Zusammenarbeit des Dreigestirns Rektor–Vorsitzender–Pro­kurator der Stiftung einerseits und innerhalb des Vorstandes andererseits. Ein besonderes Danke­schön ergeht an Pohland für die umsichtige Handhabung der Kasse. Die durch den Pförtner Bund unterstützten Werbemaßnahmen haben zu einem positiven Trend bei den Bewerberzahlen geführt. Eine neue Broschüre, die im Herbst erscheinen wird, ist noch in Arbeit. Ein weiteres – abgeschlossenes – größeres Projekt stellte die Ausstattung der Aula mit mo­der­ner Technik dar. Erst am Beginn steht die Umnutzung der alten Turnhalle. Dafür hatte der Vorstand einen Zu­schuß von 50.000 EUR angekündigt. Da das Land Sachsen-Anhalt sich in keiner Weise in der Lage sah, die weiteren er-

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forderlichen 80.000 EUR aufzubringen und der Pförtner Bund gleich­ zeitig ein großes Erbe zugesprochen bekam, ist der Beschluß gefaßt wor­ den, die Gesamtsumme zu übernehmen. Dadurch wuchs das Vertrauen des Landes gegenüber dem Pförtner Bund, was sich wiederum positiv auf die Schule auswirken kann. Es finden exemplarisch kleinere Fördermaßnahmen Erwähnung (s. Handzettel zur MV). Der Vorsitzende weist auf die gegenwärtige Altersstruktur des Vereins hin, die sich dank vieler junger Mitglieder erfreulich entwickelt habe (s. Handzettel zur MV). Dennoch ergeht der Aufruf, in den jeweils eigenen Reihen Mitglieder zu werben, denn der Anteil der mittleren Generation ist gering.

In Die Pforte Nr. 66, 2013 befindet sich die Haushaltsrechnung für die Jahre 2011 und 2012, ergänzt werden muß die Unterrubrik »Spendeneingänge«. 2011: 71.993,34 EUR und 2012: 66.758,62 EUR. 2013 beliefen sich die Spenden auf 66.122,98, an Mitgliedsbeiträgen wurden 18.200,23 EUR eingenommen, hinzu kommt eine Erbschaft in Höhe von 350.000,00 EUR. Es werden ausgewählte Projekte genannt (s. Handzettel zur MV), die durch den Pfört­ner Bund finanziert werden konnten. Der ausführliche Bericht liegt als gesonderte Anlage vor.

Der Kontakt zu den Mitgliedern werde regelmäßig gepflegt.

Herzlicher Dank an alle Mitglieder und Spender, von denen die großzügigsten namentlich ge­nannt werden, an die Rechnungsprüferinnen für konstruktive Hinweise sowie an Rektor und Vor­standskollegen für die Zusammenarbeit.

Es wird auf die beabsichtigte Satzungsänderung hingewiesen (TOPe 6 und 7).

TOP 3: Berichte der Rechnungsprüferinnen für die Haushaltsrechnungen 2012 und 2013

TOP 2: Bericht der Schatzmeisterin

Prüfzeitraum waren die drei Jahre 2011 bis 2013.

Die Schatzmeisterin erklärt Änderungen in der Buchhaltung (Gewinnermittlung nach § 4[3] EStG; Führung des Vereins als Kleinunternehmer gemäß §  19[1] UStG; Schließung des Chorkontos).

Die Prüfung erfolgte durch Kerstin Reif und Grit Vaerst. Letztgenannte verliest die Kas­senprüf­b erichte, in welchen die ordnungsgemäße Kassenführung bestätigt wird. Die Be-

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richte der Kas­sen­prüferinnen liegen als gesonderte Anlage vor. Dank an die Prüferinnen und Geburtstagsglückwünsche an die Verleserin des Berichts.

TOP 4: Entlastung des Vorstands und der Rechnungsprüferinnen Die Entlastung des Vorstandes erfolgt bei zehn Enthaltungen ohne Ge­gen­ stimmen. Die Entlastung der Kassenprüferinnen erfolgt bei zwei Enthaltungen ohne Gegenstimmen.

TOP 5: Bericht des Archivars Fichtner hält Rückschau auf nunmehr 20 Jahre im Amt. Bestand der Umfang des Archivs zu Amtsantritt in fünf Schränken, sind es heute 23 Schränke mit 20.000 wohlsortierten und doku­ mentierten Einzelpositionen (incl. vollständiger Bilddatei), die es ermöglichen, auf Anfragen kompetent zu reagieren. Im Jahre 1926 wurden den Mitgliedern drei Aufgaben übertragen, deren Erfüllung Fichtner an­mahnt: 1.) pünktlich seinen Beitrag zu bezahlen, 2.) eine Vita abzugeben, 3.) dem Archiv eigene Publikationen zu übergeben. Seit 1997 finden regelmäßig Feierlichkeiten zum Goldenen bzw. Diamante-

nen Abitur statt, die durch das Archiv mitorganisiert werden. War das Interesse seitens der Schule anfangs gering, wurden diese Veranstaltungen schnell auch vom Rektorat voll unterstützt.

TOP 6: Vorschlag des Vorstands zur gesetzlich zwingenden Satzungsänderung und Aus­sprache Mit der Einladung zur MV sind der Wortlaut der bestehenden und der zu beschließenden verän­derten Satzung verschickt und erläutert worden, vor Beginn der MV wurden diese zu­sätzlich noch einmal verteilt. Haase und Müller-Römer wiederholen Gründe und Ziel der Ver­änderungs­ vorschläge kurz und empfehlen beide die Annahme der modernisierten Satzung. In der Aussprache gibt es eine Wortmeldung. Zunächst erfolgt ein Dank an den Vorstand für seine Arbeit, die sich nicht zuletzt in der so positiven Mitgliederentwicklung auswirke. Zu der Satzungsänderung werden drei Fragen zur Diskussion gestellt, die auf dem Vergleich mit ande­ren Satzungen basieren: 1.) sollte in § 5(2) ausdrücklich ein Zeitpunkt der Wirksamkeit des Aus­tritts genannt werden (z. B. zum Jahresende)?, 2.) sollte in § 9(3) eine Mindestanzahl an Vor­ stands­sitzungen je Jahr definiert werden?, 3.) sollte an irgendeiner Stelle eine Aussage über die Rechnungsprüfer getätigt wer­den?

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Haase antwortet auf 1.) und 2.), daß das Streben bei der Erstellung des Entwurfs darin bestand, sich selbst möglichst geringe Bandagen anzulegen und wie bisher auf den Prinzipien von Ver­trauen und Freiheit zu agieren. Das ›Fehlen‹ beider Angaben in der bis dato geltenden Satzung hat sich nicht negativ auf die Vereinsarbeit ausgewirkt. Hinsichtlich 3.) wird darauf hingewiesen, daß die Wahl der Rechnungsprüfer/innen in § 12(1) geregelt wird. Auf die Antwort gibt es keine Erwiderung.

TOP 7: Beschluss über die Satzungsänderung Die Satzungsänderung wird einstimmig ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen in der den Mit­glie­dern vorgelegten Form angenommen. Die ab 24. Mai 2014 gültige Satzung befindet sich im Anhang.

staltung – auch für eine Wiederherstellung der Sichtachse/Blickschneise vom Park zu Kirche und Kapelle einzu­setzen. Haase erwidert mit dem bereits vor zwei Jahren erfolgten Hinweis, daß a) ein gärtnerischer Masterplan erforderlich sei und b) ohne die Mitsprache der Denkmalpflege keine Eingriffe in den Baumbestand erfolgen dürften. Er verspricht, das Problem im Blick zu behalten, erinnert aber an die Vielfalt der Vorhaben, die es erforderlich macht, Prioritäten zu setzen. Dresden, am 25. Mai 2014 gez. Hultsch – Schriftführerin – gez. Haase – Vorsitzender –

Wiederwahl der Rechnungsprüferinnen Die Rechnungsprüferinnen Kerstin Reif und Grit Vaerst werden einstimmig bei einer Enthaltung in ihrem Amt bestätigt.

TOP 8: Verschiedenes Antrag, sich – angesichts der ansonsten erfreulichen gärtnerischen Ge-

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Satzung des Pförtner Bundes e.V.

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§ 1 Name, Sitz, Vereinsjahr

(1) Der Verein führt den Namen »Pförtner Bund e. V.« Er ist im Vereinsregister des Amtsgerichts BerlinCharlottenburg eingetragen. (2) Der Sitz des Vereins ist Berlin. (3) Vereinsjahr ist das Kalenderjahr.

§ 2 Vereinszwecke

(1) Der Pförtner Bund e. V. gründet sich auf den in der Landesschule Pforta in Naumburg-Schulpforte als »alma mater« lebendigen Geist der Dankbarkeit, Anhänglichkeit, Freundschaft und humanistischen Gesinnung. Er will diese Güter pflegen und nutzbar machen. (2) Der Pförtner Bund e. V. verfolgt auf dieser Grundlage ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts »Steuerbegünstigte Zwecke« der Abgabenordnung. Der Satzungszweck wird insbesondere durch Zuwendungen an die Landesschule Pforta in Naumburg-Schulpforte sowie an Institutionen verwirklicht, die das Anliegen der Landesschule fördern. Ferner betreibt der Pförtner Bund e. V. Begabtenförderung junger Menschen durch Zuwendungen und Stipendien. Der Pförtner Bund e. V. fördert und unterstützt außerdem die Erhaltung, Restaurierung und Nutzung der historischen Baudenkmäler in Naumburg-Schulpforte.

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(3) Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. (4) Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsgemäßen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.

§ 3 Erwerb der Mitgliedschaft

(1) Mitglied kann jede ehemalige Schülerin/jeder ehemalige Schüler der Landesschule werden, die/der sich mit den Zielen des Vereins einverstanden erklärt. (2) Unter der gleichen Voraussetzung können auch andere Personen, die Freundinnen/Freunde und Förderinnen/Förderer der Landesschule sein wollen, die Mitgliedschaft erwerben. (3) Die Mitgliedschaft im Verein wird erworben, sobald dem Vorstand die schriftliche Beitrittserklärung zugegangen und von diesem bestätigt worden ist.

§ 4 Beitragspflicht

(1) Der Jahresbeitrag wird durch die Mitgliederversammlung festgesetzt und soll jeweils bis zum Ende des 1. Quartals eines Kalenderjahres entrichtet werden.


(2) Mitglieder, die nicht in der Lage sind, den vollen Jahresbeitrag zu zahlen, können diesen durch schriftliche Erklärung gegenüber der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister niedriger festsetzen. Ausnahmsweise kann durch schriftliche Erklärung gegenüber der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister auch völlige Beitragsfreiheit in Anspruch genommen werden.

§ 5 Beendigung der Mitgliedschaft

(1) Die Mitgliedschaft endet durch Tod, Austritt oder Ausschluss aus dem Verein. (2) Der Austritt erfolgt durch schriftliche Mitteilung an den Vorstand. (3) Der Ausschluss kann durch Beschluss des Vorstandes bei Nichtzahlung des Beitrages für zwei aufeinander folgende Vereinsjahre oder auf Antrag des Vorstandes durch Beschluss der Mitgliederversammlung erfolgen, wenn ein Mitglied den Zwecken des Vereins zuwider handelt.

§ 6 Vereinsorgane

Die Organe des Vereins sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung.

§ 7 Der Vorstand

(1) Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung für die Zeit bis zur

Beendigung der zweiten auf die Wahl folgenden Ordentlichen Mitgliederversammlung gewählt. (2) Der Vorstand besteht aus mindestens fünf Mitgliedern, darunter der/dem Vorsitzenden, deren/dessen Stellvertreter/in, der Schriftführerin/dem Schriftführer, deren/dessen Stellvertreter/in und der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister sowie gegebenenfalls weiteren als Beisitzer/ innen gewählten Mitgliedern. (3) Die erstgenannten fünf Vorstandsmitglieder bilden den Vereinsvorstand im Sinne des § 26 BGB, auch wenn mehr Mitglieder gewählt worden sind. Nach außen wird der Verein gerichtlich wie außergerichtlich durch die Vorsitzende/den Vorsitzenden oder deren/dessen Stellvertreter/ in und ein weiteres Mitglied des gesetzlichen Vorstandes vertreten. (4) Die Mitglieder des Vorstandes haben keinen Anspruch auf Vergütung ihrer Tätigkeit, jedoch können Auslagen erstattet werden.

§ 8 Die Ehrenvorsitzende/der Ehrenvorsitzende

(1) Die Mitgliederversammlung kann eine/n frühere/n Vorstands­vor­sitzen­ de/n zur/zum Ehrenvorsitzenden berufen.

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(2) Die/der Ehrenvorsitzende hat das Recht, an den Sitzungen der Organe des Vereins teilzunehmen.

§ 9 Die Aufgaben des Vorstandes

(1) Dem Vorstand obliegt die Leitung des Vereins, die Ausführung der Vereinsbeschlüsse und die satzungsgemäße Verwendung des Vereinsvermögens. (2) Der Vorstand kann durch Beschluss die in § 7 vorgesehenen Ämter verteilen, soweit nicht schon durch die Mitgliederversammlung bei der Wahl des Vorstandes hierüber beschlossen worden ist. Er kann einzelnen seiner Mitglieder bestimmte Aufgaben übertragen. (3) Die/der Vorsitzende beruft den Vorstand ein, so oft die Wahrnehmung der satzungsgemäßen Aufgaben dies erfordert oder wenn drei Vorstandsmitglieder dies beantragen. (4) Der Vorstand ist bei Anwesenheit von drei Mitgliedern beschlussfähig. (5) Die/der Vorsitzende leitet die Verhandlungen des Vorstandes, bei Verhinderung ihr(e)/sein(e) Stellvertreter/in, bei deren/dessen Verhinderung das anwesende älteste Mitglied des fünfköpfigen gesetzlichen Vorstandes.

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(6) Vorstandsbeschlüsse werden mit Stimmenmehrheit gefasst und sind zu protokollieren. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der/des Vorsitzenden bzw. der Verhandlungsführerin/des Verhandlungsführers. (7) Der Vorstand bereitet die Mitgliederversammlungen vor und beruft diese schriftlich unter Mitteilung der Tagesordnung ein. Die Einladung muss mindestens zwei Wochen vor dem Tag der jeweiligen Mitgliederversammlung veröffentlicht oder abgesandt worden sein. Dies kann auch auf elektronischem Wege geschehen. (8) Der Vorstand hat außerordentliche Mitgliederversammlungen einzuberufen, wenn es die Interessen des Vereins erfordern oder der 10. Teil der Mitglieder schriftlich unter Angabe des Zwecks und der Gründe die Einberufung einer Mitgliederversammlung verlangt.

§ 10 Die Schriftführerin/der Schriftführer

Die Schriftführerin/der Schriftführer führt die Protokolle über die Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen. Ihr/ihm obliegt die Ausfertigung der zur Erledigung der gefassten Beschlüsse erforderlichen Schriftstücke.


§ 11 Die Schatzmeisterin/der Schatzmeister

Die Schatzmeisterin/der Schatzmeister verwaltet die Vereinskasse, führt Buch über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und hat der Mitgliederversammlung einen Rechnungsbericht zu erstatten.

(4) Bei der Beschlussfassung entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen, soweit nicht das Gesetz oder die Vereinssatzung zwingend etwas anderes vorschreiben. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der/des Vorsitzenden der Mitgliederversammlung.

§ 12 Die Mitgliederversammlung

§ 13 Vereinsmitteilungen

(1) Ordentliche Mitgliederversammlungen finden in jedem zweiten Kalenderjahr statt. Regelmäßige Gegenstände der Beratung und Beschlussfassung sind der Bericht des Vorstandes, der Rechnungsbericht der Schatzmeisterin/des Schatzmeisters, der Bericht der in der letzten Mitgliederversammlung gewählten Rechnungsprüfer/innen, die Entlastung des Vorstandes sowie die erforderlichen Neuwahlen. (2) Wahlvorschläge können auch durch Zuruf erfolgen. (3) Auf Mitgliederversammlungen ist jedes Vereinsmitglied mit je einer Stimme stimmberechtigt. Das Stimmrecht kann auch durch ein mit schriftlicher Vollmacht versehenes anderes Vereinsmitglied ausgeübt werden, wobei jedoch kein Mitglied mehr als fünf Stimmen auf sich vereinigen darf.

Mitteilungen des Vereins an dessen Mitglieder erfolgen in dem Vereinsblatt »Die Pforte« und/ oder durch andere schriftliche oder elektronische Informationen.

§ 14 Auflösung des Vereins

Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt das Vermögen des Vereins an die Stiftung Schulpforta – Stiftung des öffentlichen Rechts – mit Sitz in Naumburg, 06628 Schulpforte, Schulstraße 22, die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu verwenden hat. Beschlossen von der ordentlichen Mitgliederversammlung am 24. Mai 2014 in Naumburg-Schulpforte. gez. Hultsch – Schriftführerin gez. Haase – Vorsitzender -

Satzung des Pförtner Bundes e.V. | 67


Ecce-Feierstunde 2014

V

Verehrte Angehörige der Verstorbenen! Liebe Pförtner und Pfortenser! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste!

beispielsweise nicht, uns die Unendlichkeit, das niemals Endende, sich vorzustellen bzw. es anschaulich zu fassen.

Wir sind heute Abend in unserer Kirche zusammengekommen, um ehemaliger Lehrer, Mitarbeiter und Schüler, welche in in unserer Schule gelehrt, gelernt und gelebt haben und im letzten Jahr verstorben sind, zu gedenken.

Aber, dieser Geselle hat auch eine große Schwäche – er kann nicht verhindern, dass immer wieder Leben neu entsteht und das wir dieses Leben genießen, mit Sinn erfüllen, um im hohen Alter zufrieden und mit Stolz auf unser Lebenswerk zurückblicken zu können.

Vereint sind heute hier, Sie, verehrte Angehörige und Freunde der Verstorbenen, für die der Verlust eines lieben und geschätzten Menschen noch sehr gegenwärtig und schmerzend ist, und wir, die zurzeit die Räume dieses ehemaligen Zisterzienserklosters mit Leben füllen. Vereint an einem Ort, der für die Verstorbenen eine Stätte ihrer Jugend, ihrer Fröhlichkeit, ihres Eifers, ihrer Arbeit, aber auch ihres Ernstes war und zu dem sie ihre Bindung nie verloren haben. Und indem wir heute ihre Namen aufrufen, wollen wir dazu beitragen, denen Trost zu spenden, die dessen bedürfen. Zugleich wollen wir damit die Erinnerung an Menschen wach halten, die sich mit unserer Schule verbunden fühlten.

Und wem das Glück zu Teil wird, einen Lebensabschnitt – und sei es auch ein noch so kleiner – hier innerhalb unserer Klostermauern verbracht zu haben, der trägt Bilder in sich, die nie ganz verblassen werden. Bilder, die von der Verschiedenartigkeit dieses Ortes in den einzelnen Jahreszeiten geprägt sind, die von Erlebnissen berichten, die den Geist dieses Ortes zum Ausdruck bringen. Und für viele wird Schulpforte auch stets mit der Erinnerung an die Gründung eines Freundeskreises verbunden sein, dessen Band Stunden des gemeinsam empfundenen Glückes genauso umschließt, wie den Halt und die gewährte Unterstützung in den schweren Stunden, die mit Schmerz, Wut, Trauer und Enttäuschung gefüllt sind.

Verehrte Anwesende, der Tod ist ein sehr mächtiger, unbezwingbarer Geselle. So gelingt es uns Menschen

Wer Teil dieses Bandes ist, der kann zu jedem Zeitpunkt seines Lebens auf etwas ganz Besonderes, etwas

68 | Ecce-Feierstunde 2014


Unbezahlbares blicken – auf etwas von bleibendem Wert. Der römische Philosoph und Dichter Seneca der Jüngere hat einmal gesagt: »Wie lange ich lebe, liegt nicht in meiner Macht, dass ich aber, solange ich lebe, wirklich lebe, das hängt von mir ab.« Gedenken wir somit in dieser Stunde all derjenigen, die an diesem Ort einen Teil ihres Lebens verbracht und die sicherlich ganz im Sinne von Seneca ihr Leben wirklich gelebt haben. Bedenken wir dabei, dass es der Wille der Verstorbenen ist, dass wir das Band, das unsere Gemeinschaft umgibt, pflegen, es mit unserer Teilhabe stärken und es zugleich stetig erneuern. Thomas Schödel Rector Portensis

Ecce-Feierstunde 2014 | 69


Ecce 2014 Gerhard Koch Dipl.-Ing. * 25.2.1946   † September 2013 (al. port. –65 v.)

Prof. Dr. sc. nat. Berthold Kühn Physiker * 14.12.1930   † 21.1.2014 (al. port. 46–48 v.)

Hans-Eberhardt Frh. von Hanstein * 30.10.1919   † 1.9.2009 (al. port. 35–37)

Dr. Leonore Kleeberg, geb. v. Jacobs Oberärztin der Sektion Kinderzahnheilkunde der Universität Halle * 23.2.1944   † 29.1.2014 (al. port. 58–62 v.)

Leonhardt Seboldt Ministerialrat a.D. * 5.1.1919   † 24.1.2013 (al. port. 35–38)  

Wolf-Dieter Kreide Dipl.-Ing. * 26.3.1921   † 14.9.2013 (al. port. 35–39) MDP Hanns-Hagen Landgraf Studiendirektor * 22.3.1930   † 22.11.2013 (al. port. 46–48 v.) MDP Dr.rer.nat.habil. Paul-Dieter Kittlick Chemiker * 12.3.1934   † 6.12.2013 (al. port. 49–52 v.) MDP Albrecht Walpurgis * 18.4.1960   † Januar 2014 (al. port. 74–78 v.)

70 | Ecce 2014

Prof. Gerhard Walther Kunsterzieher * 17.4.1931   † 15.2.2014 (mag. port. 1952–1959) Emil Draht Russisch- und Sportlehrer * 14.7.1933   † 19.2.2014 (mag. port. 1963–1969 und 1987–1990) Dr. Dietrich Schneider Betriebswirt * 5.3.1935   † 25.3.2014 (al. port. 48–53 v.) Walter Finnern * 4.11.1932   † Mai 2014 (al. port. 43–45) Ruth von Dufving, geb. Meichssner Lehrerin * 3.12.1913   † 3.5.2014 (filia M. Meichssner, geistl. Inspektor 1909–1925) MDP


Klaus-Jürgen Schwarz Allgemeinmediziner * 8.4.1936   † 13.5.2014 (al. port. 48–54 v.) MDP

Hans-Peter Kölling Dipl-Ing. *19.9.2934 †12.11.2014 (extr.port. 46 – 47)

Dr. Hans Walter-Schmidt Bankdirektor i.R. * 28.11.1925   † 16.5.2014 (al. port. 38–43) MDP Matthias Richter Drucker * 16.10.1974   † 19.6.2014 (al. port. 89–93 v.) Prof. Dr. Werner Kühne Pathologe * 17.9.1930   † 19.7.2014 (al. port. 41–48 v.) Rolf Görtz † 15.10.2014 (al. port. 36–40) Peter Lachmann * 27.5.1947   † 28.10.2014 (al. port. 61–65 v.) Otto Leiser Pfarrer * 10.5.1932   † 4.11.2014 (al. port. 42–45) MDP

Ecce 2014 | 71


Klassentreffen 2014 Jahrgang

Anlass

Datum

Tage Ort

Teilnehmer

Altschüler

bis 1945 (Napolaner)

65

Schulfest: 23.–25.05.14

2

Pforta

6

6

1952 B

jährlich

02.–04.09 14

3

Stralsund

22

12

1952 C

jährlich

25.–26.09. 14

2

BergischGladbach

25

12

1954

60

Schulfest: 23.–25.05.14

2

Pforta

26

14

1956 B2

alle 2 Jahre

19.–21.09.14

3

Braunsbedra

34

19

1956 C

jährlich

09.–11.05.14

3

Stralsund

12

9

1959 B

55

03.–05.09.14

3

Lübben/ Spreewald

14

8

1960 Jahrgangstreffen

alle 2 Jahre

05.–07. 09. 14

3

Naumburg

25

25

1964

50

Schulfest: 23.–25.05.14

3

Pforta

ca. 75

56

1969 B2

45

Schulfest: 23.–25.05.14

3

Pforta

22

16

1974

40

Schulfest: 23.–25.05.14

3

Pforta

ca. 50 3 Klassen

ca. 35

1979 B

35

11.–12.10.14

2

Freyburg/U.

12

12

2004

10

Schulfest: 23.–25.05.14

1–2

Pforta

ca.32-35 3 Klassen

32-35

57 – 64 Naumburger Kreis

jährlich

20.–21.11.14

1

Pforta

17

17

72 | Klassentreffen 2014


Im Folgenden ist der Versuch unternommen, die bekannt gewordenen Treffen in Kurzform darzustellen. Es soll Aktivitäten der Altschüler von Pforta widerspiegeln und den anderen eine Übersicht und die Möglichkeit zu Nachfragen geben. In den Jubiläumsjahrgängen habe ich bei Adressen einfach nachgefragt. Viele andere Treffen sind in diesem Jahr sicher nicht mit aufgeführt. In den künftigen Jahren werden sich hoffentlich Beteiligte finden, die von veranstalteten Treffen die wenigen Daten an mich oder die Redaktion schicken. Hinweise und Ergänzungen zu Form und Inhalt werden gern entgegengenommen. HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55–57 V.)

Schwerpunkte

Übernachtung, Gaststätten

Informant

Organisator/Ansprechpartner

Schulfest

Dr. Günther Feyer­abend

Dr. Günther Feyerabend

Gesprächsrunde, Gesang

Dr. Rita Degenhard

Stadtgeschichte, Kultur

Altenberger Hof

Dr. Dietrich Müller-Römer

Dr. Dietrich MüllerRömer

Diamant.Abi

verschiedene, Fischhaus

Prof. Frank Müller-Römer

Prof. Frank Müller-Römer

Geißeltalsee, Führg. in Pforta

Hotel am Markt

Günther Kaiser

Günther Kaiser

Wolfgang Werner

Ulla Massow

Stadtführg., Ozeaneum, Insel Vilm Kahnfahrt, Pickn. Spreewaldmuseum

Neu-Zauche

Helmut Senze

Dr. Heinz Wolf

Pforta, Museen Nbg. Abendrunde

Jugend-Tourist-Hotel

Rudolf Ottilie

Rudolf Ottilie

GoldAbi

Zur alte Schmiede, Bismarckturm, Fischhaus

Christina Reinboth

Andreas Busch, Jürgen Viehweg

Kammerkonzert, Sternwarte

Edelacker

Edeltraud Jenßen

Dr. Edelgard Wehner

Führg.Schule, Schulfest, Abendrunde

Bismarckturm

Volker Lindenau

Lindenau u.a.

Zeddenbacher Mühle, Pforta

Fahrradhotel »Alter Speicher«

Reinhard Seibicke

Reinhard Seibicke

10 Jahre Abitur, Internetadressen

Jugendherberge Nbg, Mutiger Ritter, Fischhaus, Pforta

Sina Schmidt

Sina Schmidt, Enrico Gätsch

Ecce, Gesprächsrunde, Sternwarte

Bismarckturm Roßbach

Helmut Heimbürge

Reinhold Steppan, Hubert Kinzel

Klassentreffen 2014 | 73


Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2014

Z

Zur Tradition des Schlössertages am Jahresanfang, den es am Samstag, 11. Januar 2014, zum achten Mal gab, fanden sich 42 Teilnehmer im Schloss Köpenick ein. Das dortige Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin ist auch in Berlin unter den vielen Museen nicht so bekannt und bietet doch so viel Interessantes: Die Dauerausstellung »Werke der Raumkunst aus Renaissance, Barock und Rokoko« präsentiert eine spannungsreiche Begegnung von barockem Schlossgebäude und musealer Sammlung. Die Auswahl der über 500 Exponate ist durch ihre ursprüngliche Funktion innerhalb der Wohn- und Repräsentationskultur des 16. bis 18. Jahrhunderts als Wand- und Raumschmuck bürgerlicher und höfischer Wohnräume bestimmt: Lackarbeiten, Wandpaneele, Ledertapeten, ein Kabinett mit barocken Kunstkammerschränken, Tafelaufsätze, Porzellan und Silber. Im barocken Dachgeschoss, das als ein technisches Denkmal von besonderem Rang gilt, wird die Studiensammlung von Metallgeräten, Fayencen, Glas und Porzellan präsentiert. Das einzige original erhaltene Barockschloss Berlins steht an der Mündung der Dahme in die Spree auf einer Insel. Es ist ein Wasserschloss, das die Hohenzollern im 17. Jahrhundert auf den Fundamenten einer alten Slawen-

burg für den späteren Preußen-König Friedrich I. errichten ließen. 1749 bis 1782 war das Schloss Witwensitz, später wurde der Schlosshof zu einem englischen Landschaftspark gestaltete, den wir bei Sonnenschein genießen konnten. Anschließend hatten wir Plätze im Köpenicker Ratskeller reserviert. Legendär ist die Tat des Schusters Friedrich Wilhelm Voigt, der 1906 in Militäruniform als »Hauptmann von Köpenick« die Rathauskasse konfiszierte. Eine Statue seiner Figur steht jetzt an diesem markanten Ort. Das Essen war mit fünf angebotenen Speisen, Rückmeldungen der Teilnehmer und farbigen Tischkarten gut vorbereitet, aber wegen des Andrangs zur Mittagszeit dauerte die Bedienung doch etwas länger. Das bot Zeit für ausführliche Gespräche. Eine Woche später, am 18. Januar, hatte das Schloss in Potsdam einen Tag der offenen Tür. Eine Führung für alle konnten wir leider nicht erreichen, aber es interessierten sich acht Mitglieder unseres Berliner Kreises für den Neubau des Schlosses, in das der Landtag von Brandenburg gerade eingezogen war. Am 28. Januar 2014 gab es von Berndt Seite, al. port. 54–58 v. und Ministerpräsident a. D., in der Landesvertre-

74 | Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2014


tung von Mecklenburg-Vorpommern eine Lesung zu seinem Buch »Die Rampe oder an der Lethe wachsen keine Bäume« Aus dem Kreis der Altschüler von Pforta hatten sich 16 Teilnehmer eingefunden. Das Frühjahrstreffen fand am 14. März statt. Im Deutschen TechnikMuseum Berlin in der Trebbiner Straße in Berlin-Kreuzberg hatten wir Führungen zu zwei verschiedenen Themen. Schwerpunkte waren: Luftund Raumfahrt, Schifffahrt, Schienenverkehr, Produktionstechniken, Straßen- und Kommunalverkehr, Rechen- und Automationstechnik sowie Nachrichtentechnik. Ihr Interesse für diese Themen bekundeten 44 mit ihrer Teilnahme.

an der Freien Universität Berlin verteidigt. Er hat uns – frisch im Stoff – besonders zur »Umgestaltung der Schülerschaft Pfortas 1945 bis 1958 – Parteikonzepte und Legenden« berichtet. Eine lebhafte Diskussion schloß sich diesem Vortrag an. Das anschließende Essen, besonders von Gans und Ente, wurde vorzüglich serviert. HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55–57 V.)

Für unsere anschließenden Gespräche hatten wir Plätze im italienischen Restaurant »Diomira« in der Stresemannstrasse gebucht. Den Jahresabschluss bildete unser Herbsttreffen am 7. November. Wir trafen uns im Restaurant des Hotels Holiday Inn unweit vom Bahnhof Gesundbrunnen. Zum Vortrag »Pforta 1945–1958« hatte ich Dr. Dirk Heinecke eingeladen. Dr. Dirk Heinecke ist Lehrer in Pforta für Geschichte und Sport. Er hat umfangreich zu dieser Zeit recherchiert und seine Dissertation im Januar 2014

Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2014 | 75


Gänse-Essen in Thüringen

A

Am 22. November 2014, einem nebligen Samstagabend, wurde im Restaurant Schloss Ettersburg bei Weimar auch in Thüringen die Tradition des Martini-Gänse-Essen wieder aufgegriffen. Etwa dreißig Pförtnerinnen und Pförtner trafen sich zum leckerem Gänseschmaus und zum Austausch von Erinnerungen aus der Alma Mater. Einige Teilnehmer hatten sich gerade zuvor zum Diamantenen Abitur-Jubiläum in Pforta versammelt, konnten davon berichten und Zeitzeugnisse aus der Landesschule Pforta der 50er Jahre zeigen. Für die jüngeren Teilnehmer war es fast schon unmöglich, die alten Zeugnisse, Bilder und Geschichten aus längst vergangenen Tagen mit den eigenen Erfahrungen in Verbindung zu bringen. Aber auch die Gegenwart hatte ihren Platz an diesem Abend in Ettersburg. Der Vorsitzende des Pförter Bund e.V., Matthias Haase, berichtete von Neuigkeiten aus Schule, Stiftung und Pförtner Bund.

76 | Gänse-Essen in Thüringen

Es war ein wunderschöner Abend für alle Jahrgänge, sowohl für den jüngsten Teilnehmer (al.port. 2003-2007) als auch den Ältesten (Abitur 1951). Wir hoffen, dass alle auch im nächsten Jahr wieder dabei sind. Dann findet das Gänse-Essen vermutlich in Jena statt, auf jeden Fall aber am Samstag, dem 14. November 2015. FRANZISKA TEICHERT (AL. PORT. 96–00 V.)


A

O quae mutatio rerum

Pförtnertreffen – nun auch wieder in München

Am 8. November 2014 gab es nach vielen Jahren zum ersten Male wieder eine Zusammenkunft von Pförtnern in München. Mein Vater Heinrich Beucke (al.port. 1917-22) hatte die Pförtner-Abende in den 60ger und 70ger Jahren des vorigen Jahrhunderts in München geleitet. Wie mir berichtet wurde, übernahm Wolfgang Werner nach der Wende in den 90ger Jahren in München die Organisation der Pförtnertreffen, bis er seinen Wohnsitz in Bayern aufgab und nach Berlin umzog. Im Mai dieses Jahres (2014) wurde ich auf Anregung durch meine Schwester Renate Beucke wie sie Mitglied im Pförtner-Bund und stellte fest, dass es in München zur Zeit niemanden gibt, der die Treffen betreut. Nun habe ich die in Oberbayern lebenden Pförtnerinnen und Pförtner zu einem ersten Wiedersehen oder auch Kennenlernen am 8. November ins Augustiner in der Münchner Innenstadt gebeten. Und sie kamen, Alt und Jung waren vertreten, zu ganz unterschiedlichen Zeiten hatten sie in Schulpforta die Schule besucht. Am Schluss ergab sich ein TeilnehmerBild, das ein weites Spektrum des geschichtlichen Wandels widerspiegelt: Der älteste Teilnehmer hatte die Kriegsjahre in Schulpforta verbracht, war dort also Schüler noch in der Zeit

der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dann gab es eine Reihe Ehemaliger, die während der sog. »Interims-Zeit«, der Nachkriegszeit bis in die fünfziger Jahre, in Schulpforta waren. Einige ehemalige Alumni hatten in den 1960gern bzw. 1980gern Schulpforta besucht, da nicht nur Deutschland, sondern die halbe Welt, in Ost und West geteilt war, und Schulpforta auf dem Gebiet der DDR lag. Schließlich waren da die Jüngeren und Jungen, die erst nach der Wende in die Schule gekommen waren, alumni oder alumnae in einem frei zugänglichen Schulpforta in einem wiedervereinigten Deutschland. Meinerseits nun habe ich, als NichtZögling noch zwei weitere Generationen von Pförtnern ins Spiel gebracht: In der Zeit, in der mein Vater Pförtner-Schüler war, wurde nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall des Kaiserreiches die Weimarer Republik ins Leben gerufen. Mein Großvater Karl Beucke (al. port. 1873-78, und vom Altersabstand zu mir eher der Urgroßeltern-Generation zugehörig) aber war Zögling einer »Preußischen Landesschule Pforte« in einem deutschen Kaiserreich Bismarck’scher Prägung. Im Abiturzeugnis meines Großvaters findet

O quae mutatio rerum | 77


sich sogar der Hinweis auf eine noch frühere Epoche, die des Preußischen Königreiches: das Zeugnis ist unterzeichnet vom »Rector der Königlichen Landesschule«. O quae mutatio rerum – so ändern sich die Zeiten (die Dinge)! Insgesamt waren es 15 Personen, die jetzt zum ersten Treffen in München zusammengekommen waren. Doch gab es auch eine ganze Reihe von Absagen mit dem Zusatz des Bedauerns, nicht teilnehmen zu können und dem Wunsch, beim nächsten Mal dabei zu sein. Mein Vorschlag für ein Zusammenkommen etwa im späten Frühjahr 2015 (für die, die mögen, vielleicht verbunden mit einem Frühjahrsspaziergang entlang der Isar) stieß auf ein positives Echo. Informationen über weitere Treffen werden dann zeitnah auf der Internetseite des Pförtner Bundes zu finden sein. Ursula Meier-Credner (geb. Beucke) MDP

78 | O quae mutatio rerum


12B2/1956 Klassentreffen in Bochum Versehentlich wurde ein Bericht zum Klassentreffen vom 24. bis 27. August 2012 bisher nicht gedruckt und wird nun – wenn auch mit Verspätung – sicher zur Freude aller Teilnehmer nachgeholt.

D

Das Klassentreffen im 56. Jahr nach dem Abitur fand in der »Perle des Reviers« auf Einladung unseres Klassenkameraden Dieter Bartsch und seiner Angelika statt. Mit einer langfristigen liebevollen Vorbereitung hatte sich Angelika besonders verdient gemacht. Bevor wir uns am Freitagabend in unserem komfortablen Hotel Courtyard am Bochumer Stadtpark zur Begrüßung und Programmbesprechung trafen, hatten einige von uns am Nachmittag an einer Besichtigung im Opel Werk teilgenommen. Die moderne Computergestützte Produktionstechnik beeindruckte ebenso wie der entschlossene Widerstand der Belegschaft der OpelWerke gegen die beabsichtigte Schließung des Standortes. In der höchsten Aufbaustufe hatte Opel in seinen drei Bochumer Werken 22.000 Beschäftigte, die durch Einsatz modernster Technik auf jetzt ca. 3.000 reduziert wurden. Es ist zu hoffen, dass die verbliebenen Mitarbeiter nach einer möglichen Werksschließung in neu entstehenden

Technikzentren eine Weiterbeschäftigung finden. Am Sonnabend und Sonntag hatten wir die Möglichkeit, die Stadt und ihre Umgebung durch eine dreistündige Stadtrundfahrt, den Besuch im Deutschen Bergbau Museum (DBM) und eine Bootsfahrt auf der Ruhr kennen zu lernen. Als freundschaftliche und großzügige Geste wurden die Kosten für diese Veranstaltungen von unseren Gastgebern übernommen. Angelika erwies sich als engagierte und sachkundige Stadt-, Museumsund Naturführerin, bei der man die tiefe Verbundenheit zu ihrem heimatlichen Revier hören und spüren konnte. Mit 12.000 m² Ausstellungsfläche ist das DBM einzigartig in der Welt. Auf verschiedene Weise, auch durch ein der Realität nachgebildetes Anschauungsbergwerk, wird die spannende und wechselvolle Geschichte des Ruhrgebietes, von der Entdeckung der Kohle, über die industrielle Blütezeit der Montanindustrie bis zur Stilllegung der Bergwerke vor Augen geführt. Wie schwer die Arbeit unter Tage war und wie sie durch die ständige Verbesserung der Fördertechnik schrittweise erleichtert wurde, ist plastisch dargestellt.

12B2/1956 – Klassentreffen in Bochum | 79


Ebenso werden die großen Anstrengungen verdeutlicht, die nach dem Rückgang der Montanindustrie für die Renaturalisierung der Region und für die Einführung neuer Technologien und Technik unternommen wurden und die Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze waren. Das Museum ist ebenfalls ein wichtiges Forschungsinstitut für Montangeschichte und bekommt zur Freude der Ruris erhebliche staatliche Forschungs- und Fördergelder. Jährlich kann es etwa 400.000 Besucher begrüßen und ist damit eines der meist besuchten Museen in Deutschland.

stand der Unterhaltungen. Die Klassenkameraden, die am diesjährigen Schulfest teilgenommen hatten oder Schulpforte in letzter Zeit besuchten, erzählten über die Veränderungen, insbesondere die fortschreitenden Bauarbeiten der letzten Jahre. Fehlen durfte nicht der Austausch von bemerkenswerten oder lustigen Erlebnissen unserer Pfortenser Schulzeit.

Für die aus dem Osten unseres Landes angereisten Klassenkameraden gab es im Museum eine Überraschung: Großgemälde von Willi Sitte, der lange Zeit als Präsident des Verbandes Bildender Künstler und durch seine Bildschöpfungen in der DDR bekannt war, grüßten von den Wänden einiger Ausstellungshallen. Diese Bilder wurden nach einer Ausstellung, die vor zwanzig Jahren im Museum durchgeführt worden war, angekauft. Bei den Abendessen am Sonnabend im urgemütlichen Kellergewölbe der Wasserburg Kemnade und am Sonntag in den rustikalen Gasträumen der Burg Blankenstein gab es ausreichend Gelegenheit Gedanken über das Erlebte auszutauschen. Natürlich war unsere alte Pforte ebenfalls Gegen-

80 | 12B2/1956 – Klassentreffen in Bochum

Horst Neumann (al. port. 53–56)


Tabula Gratulatoria Vorname Fritz Werner-Rolf Elisabeth Dieter Wolf-Dietrich

Name Hacker Pick Axthelm Koch-Weser Bindemann

Pforta 29 – 34 v. 26 – 32 v.

Karl H. Martin Anton Karl-Heinz Charlotte Frank-Dieter Rose Heinrich Heinrich Ilse Christian Hans Lothar Albrecht Franz Joachim Erika Wigand Klausjürgen Fritz Hans-Hermann

Merkel Schmidt Bickmann Kaiser-Dieckhoff Gerhardt Drechsler Zander Heitmann Hossfeld Hübener Rettkowski Schaarschmidt Weinert Kramer Gernhuber Wallat Bruns Miersch (grim.) Weidig Oehring

35 – 37 32 – 34 36 – 39

Hermann Rolf Klaus Hans-Joachim Klaus Klaus Johannes Günther

Kähler Steinberg Meyer Richter Berger Gallwitz Kraner

28 – 35 32 – 36

MDP MDP

34 – 39 v. 33 – 39 v. 34 – 35 33 – 34 36 – 42 35 – 37 – 36 36 – 41 36 – 40 38 38 47 41

– – – –

– – – – – 48 – 47 –

45 41 45 48

v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

afr. MDP v. v.

43 v. 43 v. 49 v. 41 47 44 49 50 45 49 48

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP

v. v. v. v. v.

MDP MDP

Geburtstag 26.09.1913 25.08.1913 06.12.1916 13.07.1916 29.03.1919

Alter 102 102 99 99 99

22.09.1919 20.07.1919 09.02.1920 08.12.1920 27.08.1920 16.10.1921 05.02.1921 11.07.1921 27.08.1921 13.12.1921 14.05.1922 11.12.1922 10.07.1923 28.04.1923 18.07.1923 21.09.1924 15.08.1925 27.08.1925 19.03.1930 11.10.1930

96 96 95 95 95 94 94 94 94 94 93 93 92 92 92 91 90 90 85 85

29.05.1930 02.10.1930 13.07.1930 28.06.1930 02.10.1930 14.09.1930 12.07.1930

85 85 85 85 85 85 85

Tabula Gratulatoria | 81


Vorname Name Frank-Thomas Gericke Hans-Ulrich Horst Karl-Otto Eckart Manfred Lothar Manfred Klaus Gerhard Dietrich Ulrich Friedrich Wolfgang Rudolf Elisabeth Christoph Inga Dietrich Erwin Wilfrid-Klaus Konrad Karl-Hermann Harald Claus Gunther Knut Reinhard Frithjof Renate Wilfried Karl-Heinz Karl-Georg Nikolaus Peter Wolfgang Heinz Hartmut Dieter

Schneider Eckert Beindorf Fickweiler Langer Schleiß Gleitsmann Kittel Steinrück Bolck Goerdten Biehahn Eisfeld Lux Palme Demke Pleul Volkmann Zawichowski Seifart Paetow Illge Gottstein Liesner Schedlinski Dobratz Prinz Sahnwaldt Kühn Handrock Meyer Spanier Uhl Ost Knackstedt Witulski Schneider Rauschelbach

82 | Tabula Gratulatoria

Pforta mag. Port. 53 – 95 40 – 45 52 – 53 v. 47 – 52 v. 50 – 53 v. 47 – 52 v. 47 – 53 v. 47 – 53 v. 47 – 53 v. 50 – 52 v. 46 – 47 50 – 53 v. 50 – 52 47 – 53 v. 52 – 53 v. 52 – 53 v. 45 – 50 46 52 47 48 50 48 46 49 45 48 48

– – – – – – – – – – –

49 53 53 52 53 54 47 52 51 54 53

50 47 49 47 47 47 47 46 49

– – – – – – – – –

52 53 55 51 53 53 53 50 55

MDP

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP

v. v.

MDP MDP

v.

v. v.

v. v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

v. v. v. v. v.

MDP MDP MDP

Geburtstag 19.03.1930 05.04.1930 10.09.1935 06.11.1935 02.06.1935 26.06.1935 07.05.1935 29.04.1935 08.02.1935 02.03.1935 07.11.1935 14.01.1935 19.12.1935 10.06.1935 23.03.1935 17.08.1935 03.05.1935 16.05.1935 27.01.1935 25.04.1935 29.09.1935 11.03.1935 13.08.1935 24.03.1935 28.04.1935 20.08.1935 29.10.1935 17.11.1935 24.12.1935 05.03.1935 03.04.1935 19.01.1935 05.11.1935 02.01.1935 11.07.1935 23.03.1935 21.05.1935 09.05.1935 13.11.1935

Alter 85 85 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80


Vorname Joachim Renate Klaus Helmut Elisabeth Erika Helmut Reinhold Peter Brigitte Dietrich Heinz Edelgard Adolf Edeltraut Manfred Alexandra Lothar Sigurd Peter Elke Peter Berndt Karl-Heinz Hubert Berthold Herta Waltraut Sibylle Norbert Antje Gerd Helge Siegfried Gertrud Margot

Name Friedemann Frankenberger Schirrmeister Wald Brinkmann Kranich Senze Steppan Putze Plischke Toepfer Fedrowitz Schulz Ernst Voigt Voigt Schulz Böhnwald Gericke Scholz Junghans Bretschneider Seite Nickel Kinzel Rutz Goetzki Erle Fink Borchardt Müller Müller Köhler Marten Geissler Feller

Pforta 46 – 49 48 – 50 47 – 49 52 – 53 46 – 53 55 – 59 55 – 59 55 55 – 58 55 – 59 54 – 58 55 – 59 55 – 59 55 – 59 54 – 58 54 – 58 55 – 59 55 – 59 57 – 59 55 – 59 54 – 56 54 – 58 54 – 58 55 – 59 55 – 59 54 – 58 55 – 59 54 – 58 55 – 59 54 – 56 55 – 59 56 – 59 55 – 58 54 – 58

v. v. v.

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP Geburtstag MDP 09.10.1935 MDP 14.10.1935 MDP 21.02.1935 22.05.1935 MDP 02.01.1935 21.08.1940 19.07.1940 28.07.1940 28.09.1940 MDP 20.09.1940 MDP 20.03.1940 01.12.1940 09.08.1940 14.09.1940 03.07.1940 23.02.1940 19.09.1940 08.07.1940 04.10.1940 09.05.1940 MDP 02.09.1940 20.01.1940 MDP 22.04.1940 25.10.1940 MDP 12.11.1940 MDP 11.03.1940 MDP 20.11.1940 19.03.1940 MDP 29.11.1940 01.03.1940 11.09.1940 20.09.1940 MDP 04.11.1940 MDP 01.02.1940 MDP 07.12.1940 MDP 04.08.1940

Alter 80 80 80 80 80 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

Tabula Gratulatoria | 83


Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2013 Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726

1. Einnahmen- und Ausgabenrechnung 1.1 Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Spenden Erbschaft Zins- und Kurserträge Einnahmen aus Umsatzerlösen, Chor, Verkäufe Summe der Einnahmen

1.2 Einstellung und Auflösung von Rücklagen

EURO

18.200,23 66.122,98 300.000,00 558,64 4.606,30 389.488,15

389.488,15

− 280.994,00

1.3 Ausgaben

Ideeller Bereich I: u.a. Kosten der Vereinsverwaltung, Informatik-Internet, Mittelverwendung Dornier, Beihilfen Landesschule, »Die Pforte« und »Pforta-Info«, Spende an Melanchthon-Stiftung sowie Steuerberatungskosten Ausgaben für sonstige betriebliche Aufwendungen, Zinsen, Bankgebühren Nicht abziehbare Ausgaben Ausgaben »Wirtschaftlicher Bereich«: Aufwendungen für bezogene Waren, Einkauf für Verkauf Summe der Ausgaben

− 93.233,89 − 176,76 + 288,82 − 297,35 374.413,18

374.413,18

15.074,97

Bestandsveränderung (Vereinsergebnis)

2. Vermögensentwicklung – Status Sachanlagen Kassenbestand Bank-Girokonten Fest- und Terminkonten Umsatzsteuer Summe der Aktiva Zweckgebundene Rücklagen / Rückstellungen Schlüsselkaution Kapitalvortrag Bestandsveränderung

11.806,00 137,84 323.514,46 171.888,85 0,00 507.347,15 425.474,07 5.555,00 61.243,11 15.074,97

Summe der Passiva

507.347,15

84 | Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2013

507.347,15

507.347,15

4Foto: Hamish John Appleby


Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

D

Die vergangenen Jahre 2013 und 2014 haben einige Veränderungen in der Stiftung Schulpforta mit sich gebracht. Seit 01. Juni 2013 ist Dipl.-Ing. Arndt Gerber (al. port. 86-88) als neuer Prokurator der Stiftung Schulpforta tätig und hat somit die Nachfolge von Maik Reichel übernommen, der nunmehr als Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Magdeburg agiert. Personell gab es im Frühjahr 2014 noch eine weitere Änderung in Besetzung der Hausmeisterstelle. Die deutlich sichtbarste Veränderung hat es aber zweifelsfrei auf dem ehemaligen Wirtschaftshof der Klosteranlage gegeben. Hier konnte am 30. Juni 2014 mit der symbolischen Schlüsselübergabe durch den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg Bernward Küper an den Prokurator die Einweihung des neuen Besucherempfangszentrums auf dem Klostergelände vollzogen werden. Daran nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teil und konnten sich gleichzeitig von der erfolgreichen Neugestaltung der Teilbereiche des Geländes überzeugen. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 erfolgte durch die vorgenannten Baumaßnahmen die weitere Umsetzung der Ergebnisse aus der Studie zur kulturtouristischen Erschließung des Klosters Pforta aus dem Jahr 2008. So wur-

86 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

den mit Abriss der »Reno«-Halle und Hopfendarre die Voraussetzungen für den Neubau des Besucherempfangszentrums, Parkplatz, Frei- und Gartenanlagen geschaffen. Fortan können sich nun die Besucher im neuen Empfangsgebäude auf den Rundgang durch das Kloster- und Schulgelände einstimmen und die ersten Eindrücke in der Pforte genießen. Erste Auswertungen können einen Anstieg der Besucherzahlen belegen. Der Fokus für die weitere Entwicklung der denkmalgeschützten Gebäude auf dem Wirtschaftshof richtet sich in nächster Zeit auf die Nutzungszuführung der beiden unmittelbar an das neue Besucherempfangszentrum angrenzenden Häuser. Hier ist die Errichtung eines Kloster- und Schulmuseums im ehemaligen Speicher oder Rinderstall geplant. Parallel dazu laufen Vorbereitungen zum Ausbau eines Kloster-Cafés, möglicherweise auch in Kombination mit der Vinothek des Landesweingutes Kloster Pforta. Diese Vorhaben stellen die Stiftung Schulpforta erneut vor große Herausforderungen. Mit dem Ziel, der weiteren Attraktivitätssteigerung und Erhaltung der historischen Gebäude ist gleichzeitig auch die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung und Bewilligung von Fördermitteln verbunden. Die Stiftung Schulpforta kann diese großen Vorhaben nicht aus Eigenmitteln umsetzen.


Als Mitglied des Weltvereines verfolgen wir intensiv die weitere Entwicklung im Rahmen des Auswahlverfahrens und hoffen, dass die UNESCO-Kommission nach Besichtigung der Klosteranlage im September 2014 genügend positive Eindrücke sammeln konnte, um bei der Entscheidung über die Aufnahme des Naumburger Domes und der hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut zum Welterbe die richtige Wahl zu treffen. Die Entscheidung erfolgt auf der jährlichen Sitzung des Welterbekomitees im Juni 2015. Neben den baulichen Aktivitäten verlaufen die Restaurationsarbeiten am Holztafelkreuz (1240/1250) planmäßig und sind für das Kalenderjahr 2014 abgeschlossen. In 2015 soll das Kreuz gedreht werden, so dass die Rückseite restauriert werden kann. Durch eine zusätzliche Förderung seitens der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte die Deckung des Finanzierungsbedarfes verbessert werden. Unser Dank gilt an dieser Stelle allen bisherigen Spendern und Förderern dieses Vorhabens. Es ist aber weiterhin finanzielle Unterstützung not-

wendig, um die Arbeiten im ganzen Umfang abschließen zu können. Satzungsgemäß erfolgt auch weiterhin die Förderung und Unterstützung der Landesschule Pforta mit einem fest im Haushaltansatz verankerten Budget. Hierbei sind die Aufwendungen für die Sozialstipendien, die auserwählten Schülerinnen und Schülern als maßgebliche Unterstützung zum Schulbesuch dienen, an erster Stelle zu nennen. Daneben werden kontinuierlich wie auch in den vergangenen Jahren zahlreiche Einzelprojekte durch die Stiftung Schulpforta gefördert. Die Bewilligung derartiger Projekte erfolgt in enger Abstimmung mit dem Rektor der Landeschule. Besonders erwähnen möchte ich die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Pförtner Bund e.V. und der Landeschule Pforta. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Matthias Haase und dem rector portensis Thomas Schödel konnten viele Projekte und Maßnahmen erfolgreich in die Tat umgesetzt werden. Arndt Gerber (al. port. 86–88), Prokurator

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 87


Das Jahr 2014 im Landesweingut Kloster Pforta

M

5Der Weinbau während der diesjährigen Weinlese.

Mehr Ertrag haben sich in 2014 wohl die meisten Winzer in Deutschland gewünscht. Doch an Saale und Unstrut trat das erhoffte Spitzenjahr nicht ein, stattdessen durften wir durchschnittliche Erntemengen einbringen. Lange waren die Anzeichen hierfür nahezu perfekt: Überdurchschnittliche Temperaturen und Sonnenstunden sorgten dafür, dass die Rebenentwicklung lange Zeit zwei Wochen gegenüber den Vorjahren voraus war. Neben dem erhofften Ertrag hätten wir uns wohl auch mehr Zeit gewünscht, denn in diesem Jahr wurde das Wort »Turboernte« im wahrsten Sinne des Wortes Wirklichkeit.

Zum Jahresbeginn waren 10 Grad keine Seltenheit. Mangels kräftiger Minusgrade gab es daher keine Frostschäden an den Weinreben, die in anderen Jahren den Ertrag schon vor dem Austrieb massiv verringert haben. Die anschließenden Monate Februar und März bescherten uns viele warme Tage mit zweistelligen Plusgraden. Mit bis zu 20°C begrüßte uns der April, sodass bereits Mitte des Monats der frühzeitige Austrieb erfolgte. Der Vegetationsvorsprung wurde anschließend durch sommerliche Temperaturen ab Mitte Mai gehalten. Pfingsten knackten wir sogar die Marke von 35°C. Der Juni war

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sommerlich trocken und heiß, so dass bereits im Juni die Blüte einsetzte, die aufgrund der guten Witterung rasch und ohne größere Verrieselungsschäden erfolgte. Die trockene Witterung gegen Ende Juni setzte sich mit vielen hochsommerlich warmen Tagen im Juli fort und bewirkte einen enormen Blattzuwachs.

nicht erfüllt. Nun kehrt in den Weinbergen langsam die Ruhe ein. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und nun ist das Fingerspitzengefühl unseres Kellermeisters beim Ausbau der Weine gefragt. www.kloster-pforta.de

Sowohl im Frühjahr als auch im Juli kam der Niederschlag gerade zur rechten Zeit, als die Wasserversorgung der Reben langsam knapp wurde. Dann kam er leider, der viele Regen. Problematisch wurde die Überversorgung an Wasser ab August. So wurde vor allem die Edelfäulnis (Botrytis) zu einem ungeliebten Begleiter während der Lese. Eine strenge Selektion des Ernteguts und rasche selektive Arbeit waren von nun an angesagt. Jetzt waren fleißige Hände gefragt. Und ebenso schnell konnten wir dank zahlreicher Helfer am 13. Oktober die Ernte mit der Lese der letzten Trauben vom Weißen Burgunder beenden. Glücklicherweise hatten die Reben aufgrund des warmen Frühjahrs einen Wachstumsvorsprung, so dass wir vollreife Trauben einbringen konnten. Die Erntemenge ist vergleichbar mit der aus dem Jahr 2013. Damit haben sich unsere Hoffnungen auf einen auch mengenmäßig mal wieder etwas größeren Jahrgang (nach den vielen Missernten in den Vorjahren) leider

Das Jahr 2014 im Landesweingut Kloster Pforta | 89


Pförtner Abende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

AkeL- und Pförtnerabend Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron Helmholtzstr. 20 53123 Bonn Tel.: 0228 | 626926 H.v.Prittwitz@gmx.de

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

Frankfurt – Hessen

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

90 | Pförtner Abende

Karlsruhe/Oberrhein

Münster

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 kreutz.st@web.de

Halle/Saale

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Halle/Saale Tel./Fax 0160 | 97714276 mueller.magdeburg@gmx.de

München

Ursula Meier-Credner Arno-Assmann-Straße 5 81739 München Tel./Fax: 089 | 6706366 mcredner23@t-online.de

&

Initiatoren weiterer Pförtnerabende sind willkommen. Bitte unter vorstand@pforta.de melden.

AkeL

zurzeit nicht besetzt

Vorsitzender: Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg www.akel.de

Thüringen

Landesschule Pforta

Schwerin/MecklenburgVorpommern

Franziska Teichert Das Querigfeld 5 99092 Erfurt Tel.: 0171 | 260 3498 teichertfranziska@gmail.com

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de info@landesschule-pforta.de

Beiträge für DIE PFORTE bitte an peter.maser@tonline.de, oder direkt an Pförtner Bund e.V., Schul­ straße 22, 06628 Naumburg OT Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende November 2015


Impressum

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 Fax 034463 | 62491 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Werderstraße 28 06844 Dessau-Roßlau Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Vorsitzender

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Kirchplatz 16 06642 Kaiserpfalz cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 27544 fichtnerkd@t-online.de

Gesamtherstellung

Clever 24 GmbH, Naumburg

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

Foto (4. Umschlagseite): Platane, Marie Hensel (al. port. 09–13)

Herausgeber

Pförtner Bund e.V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 67 | 2014 014 2

Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 67/2014  

Die 67. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 67/2014  

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