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Pforte

2013 | Nr. 66

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des rector portensis

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Vergangenes aus der Pforte Spiegelsplitter Das Gefecht am 21. Oktober 1813 um das Dorf Kösen Dankbar denk ich all der Jahre Neue Wege in der Geschichtswissenschaft Chronik der Kirchengemeinde Schulpforte 1927–1936 Als Pfarrerskind in Pforta Erinnerungen an Pforta von 1946–1950 Promotion von Dirk Heinecke & Berichtigung

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schulfest am 9. Juni 2013 in Schulpforte China im Sommer 2013 Chorreise nach Budapest Spanienreise

Vom Pförtner Bund Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung Erläuterungen zu der Änderung der Satzung Rede zum Diamantenen Abitur am 7. Juni 2013 Ecce-Feierstunde 2013 Ecce 2013 Erinnerung an Margot und Erich Meng Altmannen des Jahrgangs 1942–45 trafen sich in Pforta Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2013 Martini-Gänseessen in Halle & Adventskaffee Tabula Gratulatoria Das Jahr 2013 im Landesweingut Haushaltsrechnung 2011 und 2012 Pförtner Abende Impressum

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Geleitwort des Vorsitzenden

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Liebe Leserin, lieber Leser unseres Jahresheftes, liebe Alumni portenses, Freunde und Förderer der Landesschule Pforta. Neulich erhielt ich den Anruf eines Mitglieds aus Berlin. Er habe einen Hinweis zur letzten Pforta-Info. Dort werde fälschlicherweise von Pfortensern gesprochen. Es heiße doch weiterhin Portenser oder Alumnus quondam portensis. Sie werden zustimmen oder den Kopf schütteln. Die Zeiten ändern sich. Manches bleibt – und manch anderes nur in Chroniken und Geschichtsbüchern. Wir kennen alle Begriffe unserer Pfortazeit, die im Alltag heute ausgestorben sind, wie z.B. das umgangssprachliche »Stassen« der 70er und 80er Jahre; das Einpauken von Lernstoff unter Zeitdruck. Begriffe wandeln sich. Doch die Art und Tiefe des persönlich Erlebten wiederholt sich und verbindet die Generationen. Darauf können wir stolz sein und uns dessen bei Schulfesten, Martini-Gänseessen und Pförtner Abenden vergewissern. Im Pförtner Bund e.V. erleben wir eine Renaissance des Verbundenheitsgefühls. Seit den letzten Jahren tritt der überwiegende Teil des Abiturjahrgangs mit dem Abschied von Pforta sofort dem Pförtner Bund bei.

Das hat unseren Mitgliederbestand auf über 800 anschwellen lassen. So viel haben also ältere und jüngere Alumni gemeinsam. Sie wissen, welchen unglaublichen Schatz dieser Ort birgt – und, dass man gut daran tut, nicht zu fragen, was dieser Ort noch zur eigenen Befriedigung beitragen kann, sondern was wir der Alma Mater zurückgeben können. Sicher ist es schön, wenn uns Ehemaligen bei Festen und Feiern Annehmlichkeiten bereitet werden. Aber wichtiger ist unser Dank. Sie tragen mit Ihren Spenden und Mitgliedsbeiträgen maßgeblich dazu bei, dass wir als Pförtner Bund e.V. den Förderwünschen stattgeben können. Dabei kommen wir nicht mit eigenen Intentionen, sondern fragen ausschließlich: Was braucht die Landesschule, was brauchen die Schüler? Dazu sitze ich 14tägig mit Rektor Thomas Schödel und dem Prokurator der Stiftung Schulpforta Arndt Gerber im Rektorat. Wir finanzieren gemeinsam mit der Stiftung die Öffentlichkeitsarbeit der Landesschule, Studienfahrten, Leistungen für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler, außerschulische Projekte, Bibliotheken und multimediale Ausstattung, Theaterspiel und Sternwarte. Lehrer und Schüler erkennen dankbar an, welche große Hilfe von uns Ehemaligen, also von Ihnen, kommt. Der

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Pförtner Bund und die Stiftung Schulpforta sind als Fördereinrichtungen den Schülern ein Begriff. Viele Eltern treten für die Schulzeit ihrer Kinder unserem Verein bei. Unsere neue Homepage www.pforta.de macht noch transparenter, wofür wir uns mit Ihren Beiträgen engagieren. Eine besonders innige Verbundenheit zu Schulpforte hat auch das kinderlose Ehepaar Meng gepflegt. Mengs gaben ihr Erbe hälftig nach Pforta! Eine Würdigung lesen Sie in dieser Ausgabe. Diese Großzügigkeit bestaunen wir hochachtungsvoll. Sie kann uns ermutigen, ähnlich zu fühlen, zu denken und letztlich zu entscheiden. Prof. Peter Maser hat als Redakteur für diese Ausgabe Artikel und Berichte aus dem Leben der Landesschule und ihrer Geschichte zusammengestellt. Besonders hervorzuheben ist die Fortsetzung der Pforta-Erinnerungen des Theologen Paul Blau. Ihre Reaktionen und neue Artikel für die nächste Ausgabe der »Pforte« sind wie stets herzlich willkommen. Freuen wir uns auf ein Wiedersehen beim Schulfest am 23.–25. Mai 2014. Bereits heute laden wir zur turnusmäßigen Mitgliederversammlung ein, bei der wir eine überarbeitete Satzung beschließen wollen. Die Vorschläge

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und Gründe für die notwendige Satzungsänderung lesen Sie ebenso in diesem Heft. MATTHIAS HAASE (AL. PORT. 83–87 V.)


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Grußwort des rector portensis

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, auch im vergangenen Jahr war das gemeinsame Leben und Lernen hier in Schulpforte wieder durch eine große Anzahl an Veranstaltungen, Fahrten, Exkursionen, Freizeitaktivitäten und Feiern geprägt. Dazu zählen die vielen Rituale der Schule, wie beispielsweise die Immatrikulationsfeier, die ECCE-Feier, das Martinigänseessen, die Weihnachtskonzerte, das Benefizkonzert, das Schulfest, die Studienfahrten der Klassen 11 und die Abiturentlassfeier, welche die Tradition unseres Internatsgymnasiums erlebbar werden lassen, wie auch Veranstaltungen, die mit dem aktuellen Geschehen vor Ort verbunden sind. Zu Letzteren zählen die Feiern zum Abschluss der Restaurationsarbeiten an der Grisaille-Rose in unserer Kirche, welche vom Landesamt für Denkmalpflege des Landes SachsenAnhalt zum Denkmal des Monats Januar 2014 erkoren wurde, und zum 30+1-jährigen Jubiläum unseres Musikzweiges, der Mathematikwochenendworkshop von Alumnus Robert Hemstedt, der Besuch von Austauschschülerinnen unserer Partnerschule Maison d‹Education de la Légion d‹Honneur in Saint-Denis (Frankreich), die Exkursion von Pfortensern mit Frau Huppenbauer-Krause am Tage der Reformation nach Wittenberg mit Empfang beim Bürgermeister der Stadt, Torsten Zugehör, und

die Projekttage am Ende des letzten Schuljahres. Diese Aufzählung ist bei Weitem nicht vollzählig. Viele diese Veranstaltungen sind in ihrer jetzigen Ausprägung nur möglich, weil wir durch unsere Alumni und durch die Stiftung Schulpforta großzügig unterstützt werden. Diese Unterstützung war in diesem Schuljahr auch beim 16. Tag der Technik spürbar, bei dem mit Sigrid Uxa, Torsten Schwarz, Sascha Schwartze und Patrick Soff vier ehemalige Schülerinnen und Schüler unserer Schule als Referenten ihr Publikum begeistern konnten. Des Weiteren bedarf unsere Sternwarte dringend einer Sanierung. Nicht zuletzt dem Engagement unserer Ehemaligen ist es zu verdanken, dass mittlerweile nicht nur unser Refraktometer nach einer Generalüberholung in Jena wieder gezielt für die Beobachtung weit entfernter Körper genutzt werden kann, sondern zudem ein Großteil des Geldes für die notwendige Sanierung der Kuppel der Sternwarte vorliegt. Für die engagierte und zielführende Unterstützung unserer Alumni und unserer Stiftung möchte ich an dieser Stelle, auch im Namen meiner Schülerinnen und Schüler und meines Kollegiums sowie meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vielmals Danke sagen. In diesen Dank möchte ich auch unseren letzten und sehr erfolgreichen Abiturjahrgang nachdrücklich mit einschließen. Mit ihrem Abschlussgeschenk, der Stif-

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tung und der Aufstellung einer Bankgruppe samt Carport als Wetterschutz (Letzteres mit Unterstützung von Mitarbeitern der Stiftung), in einem ehemals verpachteten Gartengrundstück vor unserem Torhaus haben sie für unsere Schülerinnen und Schüler einen Treffpunkt geschaffen, der sich zwar außerhalb unserer Klostermauern, zugleich aber in unmittelbarer Schul- und Internatsnähe befindet. Auch aus schulrechtlicher Sicht eine sehr gute Standortwahl. Noch im alten Jahr 2013, wenn auch erst kurz vor dessen Ausklang, konnten wir unser neues Campusnetz fast flächendeckend in Betrieb nehmen. Große Teile des Schulhauses und der Internatsgebäude sind jetzt via WLAN erschlossen. Die Erweiterung auf die noch fehlenden Gebäudeteile wird in Kürze erfolgen. Neben der technischen Bereitstellung der dafür erforderlichen technischen Infrastruktur richtet sich jetzt unser Fokus auf die Erweiterung der erst rudimentär bestehenden Intranetstruktur. Zu diesem Konzept gehört auch die Ausrüstung weiterer Unterrichtsräume mit Beamern und mit Audiotechnik sowie eine umfangreiche multimediale Aufwertung unserer Aula. Diese wird dank der großen Unterstützung des Pförtner Bundes noch in diesem Schuljahr realisiert werden. Hierfür möchte ich an dieser Stelle insbesondere gegenüber dem Vorsitzenden des

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Pförtner Bundes, Matthias Haase, für die Übernahme der Federführung bei der Planung und Organisation dieses Projektes meinen Dank zum Ausdruck bringen. Der vorerst zumindest provisorische Ausbau unserer alten Turnhalle zu einer Spielstätte für unsere sehr aktiven Schülertheatergruppen gehört ebenfalls zur Agenda des laufenden Schuljahres. Auf die erforderliche umfangreiche Sanierung dieses Bauwerkes werden wir wohl leider noch einige Zeit warten müssen. Last, but not least möchte ich an dieser Stelle noch auf die begonnene Sanierung der Klausur (einschließlich der Internate I und IV), welche einen Umfang von 10,4 Mio. € besitzt und im Jahr 2016 ihren Abschluss finden wird, und auf unser verstärktes Engagement in puncto Öffentlichkeitsarbeit verweisen. Es ist unser Anspruch, mit unserem ganz besonderen Bildungs- und Erziehungsangebot gezielt begabte, leistungsorientierte und sozial engagierte Jugendliche aus Sachsen-Anhalt und dem weiteren Bundesgebiet zu erreichen, um ihnen hier in Schulpforte an einem ganz besonderen Ort für vier Jahre eine zweite Heimat zu gestalten. Einen Ort, an dem sie ihre Persönlichkeit entfalten können und der sie in vielerlei Hinsicht, vor allem durch das Leben in einer Gemeinschaft, die Mitgestaltung


einfordert, Begabungen fördert und zu Selbstorganisation und Eigeninitiative anregt, für ihr weiteres Leben positiv prägt. Junge Menschen und ihre Eltern können aber nur aus den Angeboten auswählen, welche ihnen bekannt sind. Und wie in vielen Bereichen des Lebens wird auch im Bildungsbereich das Angebot (manchmal nur scheinbar) umfangreicher, vielfältiger, bunter und wertiger. Dies trifft insbesondere auch auf die privaten Bildungsanbieter zu. In einem solchen Umfeld möchten wir durch eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit Orientierung bieten und mit unserer Internetpräsenz, welche sich seit diesem Schuljahr in einem neuen Layout präsentiert, mit ausdrucksstarken und ansprechenden Anzeigen in den Printmedien, mit unseren Informationen über Facebook, mit Plakaten, Postkarten und Flyern auf unser Bildungs- und Erziehungsangebot aufmerksam machen, das neben bewährten Strukturen und Inhalten auch durch die Integration von zielführenden Innovationen charakterisiert ist. In diesem Zusammenhang würden wir uns sehr darüber freuen, wenn Sie als unsere Alumni weiterhin so aktiv als Botschafter für Ihre Alma Mater tätig werden. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, welche über Ihre Empfehlung ihren Weg zu uns an unsere Landesschule finden, werden Ihnen dafür sicherlich sehr dankbar sein.

Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch in diesem Jahr oft mit Freude an Ihre Zeit in Schulpforte zurückblicken und den Werdegang unserer ganz besonderen Landesschule im Herzen Deutschlands verfolgen, verbleibe ich mit besten Grüßen, Thomas Schödel rector portensis

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Spiegelsplitter

A

Als Zeugnis der Reife galten in der Landesschule Pforta von 1602 bis 1820 die Valediktionsarbeiten (orationes valedictoria), mit denen ein Schüler die Schule verließ und sie auch öffentlich vortrug. Nach der Einführung des Abiturs 1820 wurden solche großen Arbeiten häufig noch zusätzlich angefertigt. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts ließ dieser Eifer nach (vgl. »Die Pforte« 65, 2012, S. 32). Doch bis zur radikalen Umformung der Schule in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt im Jahr 1935 sind uns solche »Jahresarbeiten«, die in der Unterprima erbeten wurden, überliefert. Sie können wenigstens bruchstückhaft einen Eindruck davon widerspiegeln, womit sich die Schüler – freiwillig – beschäftigt haben. Manche Lehrer vermochten es offensichtlich besonders gut, ihre Schüler zu motivieren. So sind die Abschlussjahrgänge von 1912-1914, 1921-1923, 1927-1934 gut vertreten. Im Gegensatz zu früher sind diese Arbeiten aber fast alle auf deutsch geschrieben. Nur drei glänzen in französisch und befassen sich mit französischer Geschichte (Helmut Ellerholz, 1912) bzw. französischen Dichtern, Molière (Otto Stein 1914) und André Gide (Hans Ehler 1934). Gute Französischkenntnisse muss auch Karl Heinrich Molsen gehabt haben, er übersetzt 30 Gedichte von Baudelaire. Auf gute Englischkenntnisse lässt die Arbeit von Walter Mansfeld 1927 schließen,

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der sich mit Macaulays History of England befasst. Dass die alten Sprachen nicht vernachlässigt wurden, beweisen Übersetzungen und Kommentierungen griechischer und römischer Verfasser sowie die Beschäftigung mit Themen der Antike. Sie treten aber im Gegensatz zu früher deutlich zurück. Das lateinische De Diligendo Deo des Bernhard von Clairvaux überträgt und kommentiert Gerhard Fliedner 1933. Dass auch das Hebräische im Unterricht noch eine Rolle spielt, zeigt Fritz Loida, der 1934 das Buch Ruth übersetzt und formkritisch erläutert. Wie in den früheren Jahren sind die Arbeiten meist von einem Lebenslauf begleitet und ab 1929 auch von Danksagungen. Hiervon ist wenigstens eine auf griechisch geschrieben (Ernst Ruhe 1933). Manche Arbeiten sind schon auf der Schreibmaschine angefertigt. Nur der Lebenslauf wird dann handschriftlich abgeliefert.


Überraschend für ein humanistisches Gymnasium ist der hohe Anteil an naturwissenschaftlichen Jahresarbeiten. Er beträgt ein reichliches Viertel. Dreizehn davon sind mathematischen Problemen oder Mathematikern gewidmet, elf physikalischen Phänomenen, besonders der jungen Elektrizität, die ganz praktisch erörtert wird. So widmet Wolfgang Wähner 1924 seine Arbeit dem »Elektrizitätswerk zu Pforta«, und Gerhard Mützelburg befasst sich 1931 mit der »Bühnenbeleuchtung bei den Pförtner MartiniSpielen«. Diese »elektrische Anlage in der Turnhalle« ist auch Gegenstand der Arbeit von Hermann Lindhorst mit genauen Schaltplänen und freien Seiten für zukünftige Entwicklungen (1935)! Auch die neue Sternwarte scheint eifrig genutzt worden zu sein, zumal es 1912 und 1917 eindrucksvolle Sonnen- und Mondfinsternisse gegeben hat. »Das astronomische Fernrohr und die astronomische Beobachtung in Pforta« werden 1927 von Ekkehard Preuß unter die Lupe genommen. Neun weitere Arbeiten

befassen sich mit astronomischen Themen. Das Interesse gilt aber auch »unseren Kleinflugzeugen« (Werner Keilpflug 1924), dem Bau eines »Kurzwellenaudions« (Gottfried Hausius 1933), der Berechnung einer »Autostraßen-Überführung« (Friedrich Lübbers 1930) oder einer »zweigleisigen Eisenbahnbrücke« (Bernhard Kloevekorn 1931). Auch die biologischen Arbeiten gehen meist von ganz konkreten Beobachtungen aus, oft durch die Umgebung Pfortas angeregt. Heinz Eberhard Müller stellt »einige Beobachtungen der Tierwelt in den Klopstockteichen« an (1922), Johannes Staude untersucht die »ornithologische Fauna aus Schulpfortes Umgebung«, und Johannes Erasmus widmet seine Arbeit dem »Pförtner Wald« (1933). Gut ein weiteres Viertel der Jahresarbeiten gilt den Schönen Künsten. Einige Schüler profilieren sich sogar mit eigenen Werken. So schreibt Hans Schöner 1925 eine »Symphonie c-moll«, Adalbert Fischer komponiert 1928 eine »Ballade für Violon-Cello und Klavier«, Friedrich Schiller 1931 ein »Klaviertrio in C-dur für Violine,

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Violoncello und Klavier« und Reinhold Baake vertont 1921 im Anhang das »Sterbelied« von Walther Flex. Heinz Preuß liefert 1930 »Scherenschnitte« und Gerhard Schröter 1925 »Versuche künstlerischer Photographie«. Der später berühmte Dichter Wolf von Niebelschütz debütiert 1932 mit einem schön gestalteten »Abschied im Frühling«. Diese künstlerischen Arbeiten wurden meist nicht in der Bibliothek verwahrt und gelten als verschollen. Das trifft leider auch auf solche Abhandlungen zu wie die über »die moderne Karikatur« (Waldemar Rilke 1921) oder »die Psychologie der Reklame« (Karl Heinrich Riecke 1926). Zwei Arbeiten befassen sich mit »ornamentalen Einzelformen in der Architektur des Zisterzienserklosters« (Reinhard Hütteroth 1931 und Fritz Toepfer 1921). Bei literarischen Themen fällt die Vorliebe

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für das realistische und expressionistische Drama des 19./20. Jahrhunderts auf. Georg Kaisers »Gas« wurde sogar als Martinispiel inszeniert. Erich Helm liefert 1922 eine fast 200 Seiten starke Abhandlung zum »Tragischen im deutschen Drama von den Anfängen bis in die Gegenwart«. Das Interesse gilt aber auch zeitgenössischen »Arbeiterdichtern« (Wolfgang Schaeffer 1928). Mit dem »Schatz, den Adam Müller-Guttenbrunn in seinen Deutschtumswerken seinem Schwabenvolke im Banat gegeben hat« (Johannes Schönfeld 1928), spiegelt sich das erwachende Interesse am Volks-


tum wider, das sich auch in Dokumentationen von »ostpommerschen Dörfern« (Heinrich Schnaack 1931), »Sitten und Gebräuche der Niedergrafschaft Bentheim« (Heinz Busse 1932) oder einer Untersuchung über das »Hamburger Kasperspiel« (Rütger Hasche-Klünder 1933, mit Beispielen) niederschlägt. Auch Arbeiten wie »Wesen und Wirken des Volksliedes« von Hans-Ulrich Schlüter (1921) und »Einige Züge unserer deutschen Mundarten« von Hellmut LehmannHaupt (1922) zeigen diese Vorliebe. Auch bei den (ideen)geschichtlichen Themen überwiegt das 19. Jahrhundert, angefangen bei Napoleon, Fichte (Hans Friedrich Grebe 1926), dem Braunschweiger Aufstand von 1830 (Walther Schattenberg 1913) dem jungen Marx (Horst Sorof 1922), der Revolution von 1848 (Oswald Bendemann 1922) bis hin zur Gründung des Deutschen Reiches 1871 (Otto Fischer 1914), Bismarck (drei Arbeiten), der »Ruhrbesetzung« (Carl Hünke, 1929) und zum Kampf gegen die Kirche in der Sowjetunion (Walter Sponheimer 1931). Walter Gitschmann thematisiert 1922 »Jesus und der Sozialismus«. Nietzsche gelten zwei Arbeiten (Hans-Joachim Schlott-Kotschote 1921, Peter Grimm 1932), Schopenhauers Kunstauffassung eine (Hellmut Munzinger 1931). Selbst nach dem Zusammenbruch 1945 und der Wiederaufnahme des

Schulbetriebs in Pforta wird an die alte Tradition der Jahresarbeiten angeknüpft. Aus den Jahren 1947/48 sind uns sechs Arbeiten überliefert, drei davon naturwissenschaftlich geprägt. 1959, 1963-64 und 1967-70 nutzen vor allem die Geschichts- bzw. Staatsbürgerkundelehrer die Möglichkeit, eine Jahresarbeit anfertigen zu lassen. 41 Arbeiten werden in der Bibliothek verwahrt. Drei von ihnen wurden als »Gemeinschaftsarbeit« mehrerer Schüler bzw. Schülerinnen angefertigt. Die Aufgabenstellungen sind aussagekräftig für die neue Zeit: der Kampf der KPD/SPD gegen Militarismus, Faschismus und Imperialismus (bis hin zum »Beispiel der Bonner Ultras«), die Novemberrevolution, die Französische Revolution, der Bauernkrieg, der »Aufbau des Sozialismus auf dem Lande« u.ä. Als Jahresarbeit Geschichte wurden aber auch »Statistische Erhebungen über die Abschiedsarbeiten« Pförtner Schüler angefertigt und Synodalberichte der Schule 1923/24 ausgewertet. Auch der »Goldschatz von Pforte«, der im Fürstenhaus entdeckt worden war, findet Beachtung. Aus dem Jahr 1970 sind vier Arbeiten erhalten, zwei sind mathematische Jahresarbeiten, und eine widmet sich der »elektronischen Datenverarbeitung«. MALWINE MASER

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Das Gefecht am 21. Oktober 1813 um das Dorf Kösen und sein Anteil zum Niedergang Napoleons

Der Titel seiner Publikation lautet «Hiver 1813. Napoléon rejeté derrière le Rhin« (»Winter 1813. Napoleon hinter den Rhein zurückgeworfen«).

200 Jahre Rückblick auf das Ende der Napoleonischen Fremdherrschaft lässt den Sieg in der Völkerschlacht um Leipzig, den Rückzug an den Rhein und die folgenden Jahre mit dem Sieg von Waterloo ins historische Bewusstsein geraten. Wissenschaftler sind der Ansicht, dass im Oktober 1813 nach Leipzig der Untergang Napoleons begann.

Im französischen Originaltext gibt es zum Gefecht um Kösen folgende Aussagen: Das französische Korps unter Graf Bertrand stieß auf dem Weg von Lützen mit dem österreichischen Korps unter Guylai zusammen, das mit Guilleminot verstärkt war und drängte es zurück. An jenem 19.Oktober standen seine 12. und 13. Division bei Weißenfels, um das Übersetzen der französischen Armee über die Saale zu sichern. Napoleon hatte ursprünglich die Absicht, den Rückzug über Naumburg anzusetzen, jedoch war die Stadt bereits in den Händen seines Gegners. Bertrand sollte – nach einem Bericht von Generalmajor Berthier – mit seinen Truppenteilen in Richtung Eckartsberga marschieren. Damit blieb nur die Möglichkeit, über Freyburg den Marsch nach Thüringen fortzusetzen.

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Die folgenden Ereignisse – unter anderem das Gefecht in Kösen – haben dabei eine maßgebliche Rolle gespielt.

Ein französischer Historiker berichtet Der französische Historiker Pierre Jubet hat sich mit dem Schicksal der Napoleonischen Armee nach Leipzig und dem Rückzug an den Rhein ausführlich beschäftigt und dazu 2002 Studien zum 21. Oktober 1813 in und um das Dorf Kösen betrieben. Der damalige Direktor des Museums in Bad Kösen, Herr Lutz Toepfer, hat ihn bei Fotoaufnahmen und in der Reproduktion örtlicher Unterlagen unterstützt, wofür der Autor sich ausdrücklich bedankte.

Es war unbedingt zu vermeiden, dass der Gegner über die Brücke in Kösen vorrückte und ihm in die Flanke geraten könnte. Die Verbündeten unter Gyulai und die Preußen saßen in Vormarschstellung in Naumburg, wie Napoleon gemeldet wurde. (s. Abb. von Feldzeugmeister Graf Ignaz Gyulai)

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Französische Geschütze im Schenkenholz Graf Bertrand setzte seine Korps in Marsch und nahm das Biwak auf der Höhe des linken Saaleufers ein, als Schenkenholz bekannt. Somit stand er am 21. Oktober in Erwartung des vorrückenden Gegners, während in seinem Rücken die französische Hauptarmee in Freyburg über die Unstrut setzte. Am Schenkenholz ließ Bertrand die Division Guilleminot und das 8. Regiment leichter Infanterie Stellung beziehen. Dazu kamen sechs Batterien an Geschützen, ferner eine Abteilung leichter Kavallerie der Garde. Somit war der Befehl Napoleons ausgeführt und eine Sicherung der abziehenden französischen Truppen über Freyburg vorhanden. Es war zu berücksichtigen, dass zu diesem Tagesabschnitt fast 3.000 Husaren der preußischen Armee bei

Merseburg eingetroffen waren, die gegen Mittag Mücheln erreichten, letztlich nur 15 km von Kösen entfernt. Die Brücke in Kösen war inzwischen durch die Verbündeten besetzt, denn vier Kompanien vom Regiment Erzherzog Ludwig lagen auf dem rechten Ufer in Bereitschaft. Ein erster französischer Angriff wurde zurückgeschlagen, da sich der Gegner in großer Mehrheit befand, wenn auch Bertrand Verstärkung durch weitere Bataillone erhalten hatte (s. Karte aus Jubets Bericht). Das schnelle Vorrücken der Verbündeten hatte diesen jedoch selbst Probleme gebracht. Innerhalb der letzten zehn Stunden war Munitionsmangel unter den Soldaten eingetreten, der erst durch das Nachrücken einer Division über Flemmingen behoben werden konnte.

Die Niederlage der Franzosen Die Auseinandersetzung zwischen beiden Gegnern zog sich über den Vormittag hin, wiederholt gelang es den Franzosen, durch das Dorf Kösen ans linke Saaleufer vorzurücken und fast bis zur Brücke vorzudringen, wobei sie aber mehrmals zurückgeworfen wurden. Nun setzte die Kanonade der französischen Batterien vom Schenkenholz ein, die eine Zerstörung der alten

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Auf dem weiteren Rückzug versuchten sie verzweifelt standzuhalten, jedoch von den nachdrängenden Verbündeten wurden sie überrannt (s. Gemälde von der Befreiung Weimars). Sie vereinigten sich mit den anderen Truppen, die über Freyburg abgezogen waren und kamen erst am Rhein zum Halt mit einem befristeten Waffenstillstand. Das Gefecht in Kösen hatte also einen nicht zu unterschätzender Anteil an dem Sieg über Napoleon und wird deshalb in der französischen Militärgeschichte namentlich hervorgehoben. Straßenbrücke als Auftrag erhielten. Mit einer Reichweite von 3 km wären die Geschütze in der Lage gewesen, das Ziel zu treffen. Die Kugeln schlugen jedoch nicht auf der Brücke ein, sondern zerstörten die beiden unterhalb gelegenen Wohnhäuser – wie Kugelreste im Mauerwerk der ein Jahr später reparierten Wohnhäuser noch heute belegen (Inschrift 21.10.1813). Am Nachmittag des Tages hatten die Verbündeten – Preußen, Österreicher und Russen – die Franzosen aus dem Tal auf die jenseitige Höhe vertrieben. In Hassenhausen endete das eintägige Gefecht, dort wurden die Gefangenen gesammelt, darunter etliche Württemberger. Die Franzosen hatten 400 Tote zu beklagen.

Details zum eintägigen Gefecht Am Kampf waren auf beiden Seiten große Truppenteile beteiligt. Unter dem Befehl Bertrands standen die 12., 15. und 34. Infanteriedivision (Divisionen wurden damals mit ca. 8.000 Mann gerechnet), dazu die 38. Württemberger Division, sowie Anteile aus dem VII. Korps und der Reserve. Es ergibt sich eine Gesamtstärke der eingesetzten Soldaten von 6.000 Mann um Kösen. Auf österreichischer Seite kämpften drei Divisionen und zwei sogenannte Streifkorps. Der russische Anteil betrug vier Korps, in denen außer Russen auch Baschkiren und Donkosaken kämpften.

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Das damalige Gefechtsfeld reichte von den an der Westseite des Gradierwerks aufgestellten österreichischen Geschützen bis zu beiden Ufern der Saale in Brückennähe, die Fränkenauer Hohle hinauf zur alten Straße nach Hassenhausen, die in jenen Jahren noch mitten durch den Wald führte, über das alte Flößerdorf mit der Borlachstraße und vor allem das Gelände der »Schluchten« des sogenannten Jochenbergs. Die Verluste waren auf der Seite der Verbündeten gemessen an den anderen Schlachten geringfügiger: 45 Gefangene, 679 Verwundete, 155 Tote und 50 Vermisste. Das entsprach einem Ausfall von 3,4 % an Toten und Vermissten, insgesamt 14 %.

Der Historiker Jubet macht deutlich, dass das Gefecht am 21. Oktober 1813 eine maßgebende Rolle im Sieg über Napoleon spielte, der sein Ende zwei Jahre danach in Waterloo fand. Er unterstützt aus französischer Sicht die bekannte Darstellung, die der Bürgermeister Felix Kretschmar 1926 in seiner Schrift «Das Gefecht bei Kösen« ausführlich beschrieb. KLAUS-DIETER FICHTNER (AL. PORT. 46–48 V.)

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Dankbar denk ich all der Jahre Paul Blau erinnert sich an seine Zeit in Pforta

N Teil 2

Natürlich war der Unterricht in erster Linie auf die klassischen Sprachen eingestellt. Pforte war ein streng humanistisches Gymnasium. Es ist ein müßiger Streit, entscheiden zu wollen, ob Gymnasial- oder Realbildung besser sei. Jedenfalls aber werden auch die begeistertsten Vertreter der letzteren zugeben müssen, daß das Gymnasium keineswegs bloß Stubengelehrte hervorgebracht hat, sondern daß auch Männer der Praxis auf allen Gebieten daraus hervorgegangen sind. Und es ist Tatsache, daß ehemalige Gymnasiasten auch in den Berufen, die keine Gymnasialbildung erforderten, doch vor den anderen einen Vorsprung hatten. Denn in den meisten Berufen hat man mit Ausdrücken und Vokabeln zu operieren, die aus dem Griechischen stammen, die für den Nichtgriechen bloße Vokabeln sind, die gedächtnismäßig eingepaukt werden müssen, während sie für den Griechen sofort einen die Aneignung wesentlich erleichternden, das Verständnis vermittelnden Inhalt haben. Ich bekenne gern, daß ich dem Gymnasium und seiner humanistischen Bildung eine Grundlage für mein ganzes Wissen und Verstehen verdanke, die ich nicht missen möchte. Sehr fatal ging es mir mit dem Französischen. Als mein Bruder und ich

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eintraten, galten wir zunächst einmal als Musterfranzosen; denn wir hatten eine glänzende französische Aussprache und verstanden es, uns fließend französisch zu unterhalten1. Aber dieser Glanz verblaßte leider sehr schnell, als es an die Grammatik und die schriftlichen Arbeiten ging. Denn da wir diese Sprache nur im Umgang gelernt hatten, waren uns Grammatik und Orthographie böhmische Dörfer, und nun ging ein Kampf mit ihnen los, über dem die Konversation mangels Gelegenheit zur Übung bald verloren ging. Auch mit der Mathematik stand ich anfangs auf etwas gespanntem Fuß, bis ich als Lehrer den ersten

1   Paul Blau schreibt dazu über seine Kindheit in Sarajewo: »Auch wir Kinder hatten in den Konsulatskreisen unsere Spielkameraden. Vor allem waren es die Kinder des englischen Konsuls, des Schweizer Arztes und zuzeiten des russischen Konsuls. Es ist mir heute noch ein Rätsel, was wir für eine Sprache mögen gesprochen haben, um uns zu verständigen, denn unsere Spielkameraden sprachen teils englisch, teils französisch, teils russisch, unsere Kawassen türkisch, die Einheimischen, mit denen wir Berührung hatten, bosnisch d.h. serbisch und wir deutsch. Allerdings war Französisch die offizielle Diplomatensprache und gab auch für unsere Unterhaltung die Grundlage, aber wenn wir auch von klein auf gewöhnt wurden, in ihr zu sprechen, so reichte das doch bei weitem nicht aus, um alle Unterhaltungsbedürfnisse zu befriedigen. Ein Esperanto gab es noch nicht, so entstand ein wunderbares Kauderwelsch… aber wir verstanden uns herrlich und übten und so frühe im Internationalismus; und das hatte auch seine Bedeutung!« (Paul Blau, Bergan, S. 48)


Mathematiker, Professor Buchbinder, bekam, in dessen Unterricht mir ein Licht nach dem andern aufging, so daß ich bald zu den besten Mathematikern zählte. Zu Professor Buchbinder hatten wir überdies noch besondere Beziehungen. Jeder Schüler hatte einen Tutor, das heißt einen Lehrer, der die besondere Fürsorge für ihn hatte und sozusagen Vaterstelle bei ihm vertrat. Unser Tutor war Buchbinder, ein sehr strenger, manchmal auch leicht jähzorniger Mann, der einen fürchterlich herunterputzen konnte, wenn man irgend etwas pecciert hatte. Er war daher sehr gefürchtet und doch wieder geachtet, weil er ein streng gerechter Mann war. Jeden Sonntag nach der Kirche trat man bei ihm an, oft mit etwas unbehaglichem Gefühl, wenn man kein ganz reines Gewissen hatte. Er war über jede Kleinigkeit, jede Zensur usw. im Bilde und gab dann seine Kritik. Mit Schrecken gedenke ich eines Tages, an dem ich mit einer Zensur Vier in irgend einer Arbeit, wahrscheinlich im Französischen, antreten mußte. Da hat er mir mit der Sicherheit und dem Flammenauge eines alttestamentlichen Propheten vorhergesagt, ich würde nie aus Untertertia herauskommen. Anderen gab er in solchem Fall sogar den Rat: »Gehen Se vor‘s Tor und weren Se Steinklopfer! Aus Ihnen wird nie was!« Als ich dann freilich als Primus versetzt wurde, klang es anders und er klopfte mir freundlich auf die Schulter: »Na ja, ich hab‘s ja immer gesagt, Sie sind ein braver Schüler!«, woraus

man ersieht, daß auch Propheten irren können. Ein zweiter Lehrer, dem ich nahetreten durfte, war Professor Sagorski2, der zweite Mathematiker und Naturgeschichtslehrer. Er war ein gutmütiger Sonderling, zeitlebens unbeweibt und etwas ungelenk und befangen in seinem Auftreten. Disziplin zu halten wurde ihm schwer; er stotterte auch wohl in der Erregung ein bißchen und hatte einen kleinen Sprachfehler, indem er vor dem P den Konsonanten verschluckte. Als wir daher in der Physik an die Saugpumpe kamen und immer nur von der »Saupumpe« hörten, mußte er es erleben, daß einer von uns, der einen etwas losen Mund hatte, ihn scheinbar ganz ernst fragte, was diese Pumpe mit dem weiblichen Schwein zu tun habe. Er war nur leider auch Turnlehrer, ohne irgendwie selber am Reck auch nur einen Klimmzug machen zu können; sein Turnunterricht war daher mehr nur theoretisch, während er die praktische Seite den Vorturnern überließ. Trotzdem leisteten die Pförtner schon damals im Turnen Musterhaftes und Meisterhaftes. Bei diesem Mann war ich Famulus. Jeder Lehrer wählte sich einen Primaner zu diesem Amt. Der Famulus hatte für seinen Chef alle Listen anzufertigen, ihn, wenn er das

2   Ernst Adolf Sagorski (1847-1929), bedeutender Botaniker, dessen Namen mehrere Pflanzenspezialitäten tragen, Verfasser u.a. einer zweibändigen »Flora der Centralkarpathen« (1891), Lehrer In Pforta von 1870-1905.

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Hebdomariat3 hatte, auf Schritt und Tritt zu begleiten, überhaupt ihm zur Verfügung zu stehen, wie und wann er gebraucht wurde. Der Religionsunterricht lag in der Hand des geistlichen Inspektors Ferdinand Bäßler. Bäßler4 ist nicht ganz unbekannt als Dichter und Schriftsteller. So ist er zum Beispiel der Schöpfer des bekannten Gedichts »Die Skiläufer«5. Ein frommer und innerlich feiner Mann, stand der uns doch, zumal er schon in höherem Alter war, nicht nahe genug, um uns recht beeinflussen zu können. Seine Religionsstunden wärmten nicht, und unser Konfirmandenunterricht, der übrigens nur ein Vierteljahr dauerte, beschränkte sich auf Lektüre der

3   Der Hebdomadar war in einem Kloster der für eine Woche beauftragte Mönch, der im Chorgebet einzelne Stücke wie Tagesgebet und Fürbitten vorzutragen hatte. Die griechisch-lateinische Wurzel hebdomas meint die Woche, in Pforta bezeichnete das Hebdomariat den Wochendienst des im Internat diensttuenden Lehrers. 4   Ferdinand Bäßler (1816-1879), Geistlicher Inspektor, Superintendent und Professor in Pforta ab 1866, trat als Verfasser von Gedichten und Balladen sowie als Sammler von Legenden und Sagen hervor. Die wichtigsten seiner Veröffentlichungen sind als Digitalisate im Internet greifbar. 5   »Die Skiläufer« war noch bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein in Schulbüchern zu finden. Den Text präsentiert im Internet http://www.gedichte.com/gedichte/Ferdinand_Bäßler/Die_Skieläufer

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Augustana6 im Urtext. Trotzdem war der Tag der Konfirmation für mich eindrucksvoll. Vater war dazu gekommen. Nach der Feier ging er mit uns beiden gleichzeitig konfirmierten Brüdern im Kreuzgang auf und ab, die Arme auf unsere Schultern gelegt und sprach mit uns von der Treue, die in dem gesungenen Liede: »Sei getreu bis an das Ende« den Grundton abgegeben hatte. Meinem lieben Konfirmator aber habe ich es zeitlebens gedankt, daß er mir für das Leben das Wort Römer 1,16 mitgegeben hatte: Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht. Wie oft hat es mir in meinem Amte später Mut zum freudigen Bekennen gegeben! Als Professor Bäßler im Januar 1879 starb, war uns das ein aufrichtiger Schmerz. Sein Nachfolger, der bekannte spätere Führer des Evangelischen Bundes7, Leopold Witte8, war ein ganz anderer 6   Die Confessio Augustana (CA), auch als Augsburgisches Bekenntnis (A.B.) oder Augsburger Konfession bekannt, wurde am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Karl V. von den lutherischen Reichsständen vorgelegt und trug wesentlich zur Identifikation der Lutheraner als selbständige Konfession bei. Sie gehört bis heute zu den verbindlichen Bekenntnisschriften der lutherischen Kirchen. 7   Der bis in die Gegenwart bestehende Evangelische Bund wurde 1886 »zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen« gegründet. Er versteht sich heute mit rund 4000 Mitgliedern als »Konfessionskundliches und ökumenisches Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland«. 8   Leopold Heinrich Durante Witte (18361921), Sohn des bedeutenden Juristen und Dante-Forschers Karl Witte, der bereits mit 14 Jah-


Mann, freilich vielleicht zu sehr Theologe, als daß er religiös erwärmen konnte. Mir, der ich damals schon entschlossen war Theologie zu studieren, hat er allerdings manches Wertvolle gegeben. Der zweite Geistliche, Adjunkt Karl Storch9, damals noch sehr jung, ein immer vergnügter Herr, war unser Lehrer im Hebräischen. Auch da nahm er das Leben leicht und liebte seinen Spaß, so besonders mit einem von uns, der Oskar mit Vornamen hieß, indem er ihn immer wieder nach einer Verbalform fragte, die mit seinem Namen gleichlautete. Aber gelernt haben wir nichts bei ihm, so daß im Abitur wir vier Hebräer allesamt glänzend durchfielen. Sehr viel Freude hat mir der deutsche Unterricht gemacht, in dem wir mit der Literatur unserer Klassiker bekannt wurden. Deutsche Aufsätze gehörten dann auch zu den liebsten Arbeiten und gelangen mir meist nicht schlecht.

ren in Göttingen ehrenpromoviert wurde und sich mit 17 Jahren in Berlin habilitierte, kam als Geistlicher Inspektor 1879 nach Pforta, wo er bis 1900 u.a. energisch, wenn auch zunächst erfolglos für die Einführung des Englischunterrichts eintrat, vgl. Flöter, Eliten-Bildung, S. 192. Witte trat als Führungspersönlichkeit des Evangelischen Bundes hervor und veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Kirchen- und insbesondere italienischen Kulturgeschichte, von denen mehrere in den letzten Jahren in den USA reprinted wurden. 9  Karl Hermann Ernst Storch (1851-1923) wirkte von 1876 bis 1880 als zweiter Geistlicher in Pforta, bevor er in Magdeburg eine prominente Rolle als Pfarrer und Freimaurer (hammerführender Meister der Loge »Ferdinand zur Glückseligkeit«) gewann.

In Obersekunda war es Sitte, daß die Schüler einmal im Jahre sich das Thema einer häuslichen Arbeit selbst aussuchen, auch, wenn sie es wünschten, sie in poetischer Form liefern durften. So habe ich einmal Frideruns Klage10 nach Gustav Freytag11 in einem zwanzig Strophen langen Gedicht bearbeitet! Zwar wurde die Ausführlichkeit der Naturschilderung und die Breite der Klage bemängelt, aber die Flüssigkeit der Sprache und die Reinheit des Reims fand wohlwollende Beurteilung. Übrigens wurden wir auch in der lateinischen Versifikation geübt, ja den höchsten Gipfel poetischer Leistung erklomm ich, als ich zur Feier der goldenen Hochzeit des alten Kaiserpaares12 eine selbstverfasste griechische Ode vorzutragen hatte! So viel auch von uns gefordert wurde, so straff auch die Zucht gehandhabt wurde, so hart das Leben manchmal war, wir Jugend machten uns das Leben so vergnügt als möglich. Da tum-

10   Vgl. Gustav Freytag: Die Ahnen. Bd. 3: Die Brüder vom deutschen Haus, 9. Kapitel Friderun. Vollständige Ausgabe in einem Band, München 1953, S. 656-671. 11   Gustav Freytag (1816-1895), Journalist und national-liberaler Politiker, gehörte mit den Romanen »Soll und Haben« (1855) und »Die Ahnen« (1872-1880) zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Die fünfbändigen »Bilder aus der deutschen Vergangenheit« (1859-1867) werden bis heute immer wieder nachgedruckt. 12  Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta feierten ihre Goldene Hochzeit am 11. Juni 1879.

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melten wir uns bei Barlauf13 und anderen Spielen, führten Ringkämpfe auf, maßen unsere Kräfte im Kegelspiel und machten wohl auch einmal unsere besonderen Streiche. Die Primaner hatten auf ihrem Primanerplatz, dem ihnen zugewiesenen Teil des Waldabhangs, einen Baum, in dessen Zweigen sie sich ein Nest gebaut hatten, um dort unbemerkt ihr Pfeifchen rauchen und ihren Skat dreschen zu können – beides natürlich verbotene Genüsse! Aber es gab auch sonst allerhand Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Da ging die Sage, daß unter dem Turnsaal ein Gang nach dem Dom in Naumburg führe. Den mußten wir doch zu entdecken suchen. Wir beklopften also das Gemäuer im Kellergeschoß, bis wir eine hohlklingende Stelle fanden. Mit allerhand Instrumenten wurde nun so lange gearbeitet, bis es uns wirklich gelang, einen mächtigen Stein aus der Mauer zu brechen. Wahrhaftig! Dahinter gähnte eine schwarze Leere. Unser Anführer leuchtete hinein; aber, o Schreck! das war nicht der gesuchte Gang, sondern der Keller der Frau Professor Böhme14! Wir bedauerten nur, daß wir die dort aufgestellten Schalen mit saurer Milch uns nicht 13   Der Barlauf, ein Mannschaftsspiel, kam mit der Turnbewegung auf und war bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bei Jugend- und Pfadfindergruppen beliebt. 14   Paul Böhme wirkte von 1869 bis 1903 als Lehrer in Pforta und erwarb sich Verdienste um das »Urkundenbuch des Klosters Pforte« und die Katalogisierung der Inkunabeln in Pforta.

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holen konnten. Dann aber wurde der Stein wieder in die Mauer gesetzt, um die Spur unseres irrtümlichen Einbruchs zu verdecken. Besonders schöne Tage der Entspannung waren die Feste der Schule. Vor allem die Tage im Sommer kurz vor den großen Ferien. Da zog dann der ganze Coetus auf den Knabenberg, um grüne Zweige und frisches Laub zu holen, mit dem die Stuben festlich geschmückt wurden. Ganze Armladungen schleppten wir zusammen, und nun ging in edelstem Wetteifer eine fleißige Arbeit vor sich. Die einzelnen Stuben bemühten sich, sich gegenseitig zu übertreffen. Kunstvolle Portale wurden den Türen vorgebaut, die Wände wurden mit grünen Zweigen dekoriert, dazwischen hingen bunte Lampions oder Fähnlein; kurz und gut, das alte öde Anstaltsgebäude war in einen grünen Wald verwandelt und man merkte dem Eifer, mit dem die Ausschmückung erfolgte, die Freude auf die bald beginnenden großen Ferien an. Eine andere Gelegenheit des Festfeierns boten die sogenannten Bergtage. Auch sie führten auf den Knabenberg, auf dessen Höhe, schön zwischen Waldkulissen gelegen, ein großer Festplatz Raum für das fröhliche Volk bot. Es gab Kaffee und Kuchen, Würstchen und Bier zu kaufen. Es wurde gespielt und getanzt, sogar mit Damen. Denn Tanzstunden hatten wir auch, freilich nur unter uns

Buben, und manchmal auch Tanzabende entre nous, die den schönen Namen »Communrummel« trugen. Hier aber tanzten wir auch mit den anwesenden Töchtern der Professorenfamilien und ihren dazu eingeladenen Freundinnen. Noch festlicher freilich war der Primanerball zu Fastnacht. Da durften wir Primaner uns unsere Balldame selbst einladen. Es gab ja eine Anzahl derselben in Kösen und Naumburg, die schon manche Generation Primaner eingetanzt hatten und uns an Alter zum Teil weit überlegen, nicht gerade sehr begehrt wurden. Es gab jedoch auch jüngere Mädchen, für die unsere Primanerherzen schwärmten. Zu Fastnacht wurde im Turnsaal Theater gespielt. Die Prima stellte ein klassisches Schauspiel, die Obersekunda ein Lustspiel dar. Was waren das schon vorher für fröhliche Wochen! Da wurden Kulissen gemalt, Rüstungen gepappt, Kostüme angefertigt, vor allem unter der Leitung der Klassenlehrer Rollen geübt und zwar mit einem lobenswerten Eifer, dem es zu verdanken war, daß dann auch ganz Hervorragendes in der Darstellung geleistet wurde, wie nicht nur wir Schüler, sondern auch unsere Lehrer und das aus Naumburg und Kösen geladene Publikum bekannten. Wir hatten Mitschüler mit besonderem Talent hierfür. Ich erinnere mich einzelner besonders ausdrucksvoller Ausführungen, so des Julius Caesar, Richard III., Heinrich IV., bei der

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der nachmalige Gouverneur von Samoa, Senfft von Pilsach15, einen ausgezeichneten Falstaff darstellte. Im Königsleutnant16 von Gutzkow17 gab der spätere Reichskanzler von Bethmann-Hollweg18, nebenbei gesagt einer der klügsten, aber auch feinsten Kommilitonen, ein vornehmer Charakter und als Inspektor von uns als besonders gerechter und »anständige Kerl« (das ist das größte Schülerlob, das es gibt!) geachteter Mensch den Grafen Thorane glänzend wieder. Selbst die Jungfrau von Orleans wurde aufgeführt, und unser Freund Emil Rödiger19 gab die Titelrolle so

15   Arnold Freiherr Senfft von Pilsach (geb. 1859) war von 1891 bis 1894 Präsident des Munizipalrates von Apia, der Hauptstadt von Samoa. Er starb 1919 als Landeshauptmann der Provinz Westpreußen in Danzig. 16   »Der Königsleutnant. Lustspiel in vier Aufzügen« entstand 1849 »zur hundertjährigen Geburtstagsfeier Goethes«. 17  Karl Ferdinand Gutzkow (1811-1878) Schriftsteller, Dramatiker und Journalist, gilt als einer der Stimmführer der jungdeutschen Bewegung und wichtiger Vertreter des Frührealismus in Deutschland. Seine gesammelten Werke erscheinen ab 2001 in einer digitalen Neuausgabe. 18   Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann-Hollweg (29.11.1856 – 2.1.1921) war Reichskanzler von 1909 bis 1917. In Pforta wurde er 1869 als Untertertianer aufgenommen und valedizierte 1875 als Klassenbester. Zu seinen Schulfreunden gehörte der spätere Historiker Karl Lamprecht. Die uneingeschränkt positive Beurteilung Bethmann-Hollwegs durch Paul Blau wurde keineswegs von allen Schulkameraden geteilt. 19   Emil Rödiger (1859–1882), wurde in Pforta am 6.4.1875 angenommen und valedizierte

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vortrefflich, wie sie die größte Schauspielerin nicht gegeben hätte. Ja auch die weiblichen Rollen mußten von uns gegeben werden – und diese Ehre wurde mir armen Buben auch einmal zuteil. Am 12. Februar 1877 spielte nach Ausweis des Theaterzettels die Obersekunda »Rosenmüller und Fincke« oder »Abgemacht!« OriginalLustspiel in fünf Aufzügen von Karl Töpfer20. Und auf dem Theaterzettel konnte man nach »Anselm Bloom, pensionierter Hauptmann … Belling« lesen: »Ernestine, seine Tochter… Frl. Paul Blau«. Da saß ich armes Wurm, in ein blaues Kostüm meiner Tutorentochter Adelheid Buchbinder gesteckt und ausgestopft, auf dem Schoß eine Handarbeit, als edle Tochter, die ihren Vater mit ihrer Hände Arbeit ernährte! Ich mußte das Stück eröffnen und beim Aufgehen des Vorhangs die Lampe ausdrehen, bei deren Schein ich die ganze Nacht gearbeitet hatte, mit dem Seufzer: »Gott sei Dank, nun ist die Nacht vorbei!« Was war ich doch für ein braves Mädchen! Lange bevor der Vorhang sich hob, habe ich meine arme Handarbeit, eine schöne

am 9.9.1879, bereits als Student nach längerer Krankheit verstorben, vgl. Pförtner Stammbuch Nr. 11274. S. 481. 20   Karl Friedrich Gustav Töpfer (1792-1871) wirkte als Schauspieler, Dramatiker, Gitarrenvirtuose und Publizist u.a. in Wien und Hamburg. Die Kaufmannskomödie »Rosenmüller und Finke, oder: Abgemacht« von 1850, in der Motive aus Gustav Freytags »Soll und Haben« vorweggenommen werden, gilt als seine beste Arbeit.


Kragenstickerei, fürchterlich malträtiert, so pubberte mir das Herz vor Lampenfieber! Dann mußte ich auch noch ein Kaffeetablett über die Bühne tragen! Und das in langem Kleid mit meinen langen, hierdurch peinlich behinderten Jungenschritten! Nun, auch diese Pein ging vorüber unter dem rauschenden Beifall der Menge – ich aber dachte: Einmal und nicht wieder! Das blieb mir denn auch erspart. In Prima habe ich dann, da wir um die Fastnachtszeit vor der Versetzung, dann vor dem Abitur standen, in der Jungfrau von Orleans nur den Talbot gegeben, eine unbedeutende Nebenrolle. Aber ich habe es sterbend wie ein Held der Welt noch mit Aufbietung meiner letzten Kräfte mit Stentorstimme verkündigt: »Unsinn! Du siegst, und ich muß untergehn! Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.«21 Wie manchmal hab‘ ich im späteren Leben dies Wort im stillen wiederholt. Immerhin, diese Rolle war noch mehr als die meines Freundes Hämmerling22, der wegen seines etwas schweren Auftretens beim Gehen bekannt, auf dem Theaterzettel erschien als »Pferdegetrappel hinter der Bühne«. Denn bei den

21   F. v. Schiller: Jungfrau von Orleans, III. Akt, 6. Aufzug. 22   Paul Blau erlebte in seiner Pfortenser Zeit drei Brüder Hämmerling aus der Kösener Konditorendynastie: Paul (al. port.1870-1874), Hermann (al. port. 1872-1877) und Karl (al. port. 1875-1882), der bereits 1885 als Theologiestudent starb und hier wahrscheinlich von Blau gemeint ist.

Theateraufführungen wurden solche Witzchen natürlich gern gemacht, und auch unsere Lehrer ließen es sich lachend gefallen, wenn einmal diese oder jene ihrer Liebhabereien oder Schwächen verulkt wurden. Das größte und schönste Fest aber war doch das jährlich am 21. Mai gefeierte Schulfest, besonders wenn es ein Zehnjahresfest war. Da sammelte sich der ganze Coetus mit seinen Gästen zuerst in der alten schönen Kirche, in der jedesmal über denselben Text gepredigt werden mußte, nämlich über das Jakobswort: »Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus, hier ist die Pforte des Himmels«23, denn die alten Mönche hatten ihr Kloster »Porta coeli« genannt. Der Festakt war dadurch besonders wichtig, daß in ihm den besten Schülern Bücherprämien verliehen wurden. Im Schulgarten war Kaffeetafel und man vertilgte die Kuchenberge mit Hochgenuß, besonders wenn man Gast der Tutorenfamilie war. Das feinste aber war das Schauturnen. Zu dessen Abschluß wurden die besten Turner mit Schleifen prämiiert; die einfachste war schwarzweiß, die höchste Auszeichnung siebenfarbig. Tüchtige Turner konnten so allmählich die ganze Brust voll solcher Schleifen zeigen. Damit auch der Humor nicht fehlte, hatten wir auch eine Schleife »für verdienstvolle Schonung der Turngeräte« erfunden, die dann dem schlechtesten Turner

23   1. Mose 28,10-22.

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unter fröhlichem Gelächter der Kommilitonen angeheftet wurde. Bei diesen Festen erschienen alte Pförtner in großer Zahl. Da sah man sich wieder mit ehemaligen Coetanen, freilich empfand man da auch manche Lücke, die der Tod gerissen hatte. Doch auch ihre Toten ehrte die alma mater treulich. Jedes Jahr am Sonnabend vor dem Totenfest fand das »Ecce«24 statt, die Erinnerungsfeier an die Toten des Jahres, so genannt von dem hierbei stets gesungenen Cantus: »Ecce quomodo moritur justus« (Siehe wie der Gerechte stirbt usw.)25. Dann wurden die Lebensläufe der Verstorbenen verlesen. In wie manches bedeutende Leben und Schaffen gewann man da einen Einblick und wie regte das den Eifer an und den Wunsch, auch einmal mit Ehren hier genannt werden zu können! Auch eins jener unwägba-

24   Die Ecce-Feier wurde 1737 in Pforta eingeführt, seit 1870 publizierte man die in ihrem Rahmen verlesenen Viten. In der Zeit nach 1945 konnte das Ecce nur im westdeutschen Exil gehalten werden, bis man sich ab 1990 dazu wieder in Pforta versammelte. 25   Der Ecce-Hymnus, dessen Übersetzung lautet: »Siehe, wie der Gerechte stirbt und niemand nimmt es zu Herzen. Die Gerechten werden getötet und niemand bedenkt es. Von dem Gesicht der Ungerechtigkeit ist der Gerechte hinweg genommen und sein Andenken wird in Frieden sein. In Frieden ist sein Platz geschaffen und seine Wohnung ist in Zion«, gehört ursprünglich in die Karfreitagsliturgie und wurde von Jacob Handl (1550-1591), besser bekannt als Jacobus Gallus, vertont.

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ren Mittel der Erziehung zur Tüchtigkeit! Denn die Pforte war ja nicht nur eine Unterrichtsanstalt, sie war in erster Linie Erziehungsanstalt. Schon der ganze Zuschnitt des Lebens hatte ziemliche Bedeutung. Durch die Betonung der vaterländischen Gedenktage wurden wir zu treuen Söhnen unseres Volkes herangebildet! Wenn es aber wahr ist, was jemand gesagt hat, es gebe eigentlich nur zwei Dinge, die einen Menschen begeistern könnten, das irdische und das himmlische Vaterland, so hatte Pforte auch darin eine Erziehungsaufgabe, uns religiös zu bilden. Die täglichen Andachten, die sonntäglichen Kirchgänge, die ganze Atmosphäre, in der wir lebten, mußte früh den Sinn auf die Welt Gottes lenken und das Unaufdringliche dieser Beeinflussung war geeignet, es uns als etwas Selbstverständliches erscheinen zu lassen, daß zum Deutschsein auch das Frommsein gehöre. Eine Eigentümlichkeit der Pförtner Erziehung war es, daß den älteren Schülern eine gewisse Autorität über die Jüngeren gegeben war. Die Oberprimaner vor allem hatten als Inspektoren diese interne Erziehung in der Hand. Je zwei von ihnen hatten in wöchentlichem Wechsel die Aufsicht über den ganzen inneren Betrieb der


Schülerschaft zu führen. Sie trugen die Verantwortung dafür, daß alles pünktlich und ordentlich zuging, sie hatten aufzupassen, daß kein Unfug getrieben und die Schulordnung streng eingehalten wurde. Hierin lag unzweifelhaft ein gutes Stück pädagogischer Weisheit: wir lernten Subordination und Respekt vor der Autorität, aber auch den Ernst der Verantwortung in der Verpflichtung gegeneinander, und wir lernten, daß Regieren ein Dienst war, der Treue und Gewissenhaftigkeit erforderte. Es fehlte auch nicht an Humor. So hatte z.B. die Obersekunda das Recht, ein Loch im Ärmel zu haben. Natürlich machte kein Obersekundaner davon Gebrauch, aber er achtete darauf, daß kein jüngerer Schüler damit herumlief – und das erzog! Wenn man von Schulerinnerungen spricht, kann man von den Ferien nicht schweigen, sind sie doch die willkommenen Unterbrechungen des grauen Schulalltags. Durften in den kleinen, d.h. den Oster- und Pfingst- und Herbstferien die ferner Wohnenden in der Anstalt bleiben, so mußten diese doch zu Weihnachten und in den Sommerferien ganz geräumt werden. Freilich Ferien bedeutete nicht Untätigkeit, denn es gab jedes Mal aus allen Fächern Ferienaufgaben, zum Teil ganz erheblicher Art, aber nicht so viel, daß bei vernünftigem Gebrauch der Zeit die

Erholung darunter hätte leiden müssen. Da unsere Eltern im Ausland lebten, waren wir zumeist auf die Verwandten in Deutschland angewiesen. […] Ich war Unterprimaner, als ein Ereignis eintrat, das für mein inneres und äußeres Leben von entscheidendem Einfluß werden mußte. Es war am 27. Februar 1879, als, während wir Unterricht hatten, die Tür aufging und das Gesicht meines verehrten Chefs, Professors Sagorski, in der Tür erschien, der mit sehr ernstem Ausdruck in seinen Zügen, nach einigen dem unterrichtenden Lehrer leise gewechselten Worten, meinen Bruder und mich herausrief. Ahnungslos folgten wir ihm und fanden draußen die alte liebe Schwester unseres Sanitätsrates, die sich stets sehr freundlich und mütterlich unser angenommen hatte, und neben ihr Mutters Schwester und Schwager Forstmeister Schwarz aus Erfurt mit verweinten Gesichtern stehen. Sie waren gekommen, um uns die erschütternde Trauerkunde von dem tags zuvor plötzlich erfolgten Tode unseres lieben Vaters zu bringen. Diese Nachricht traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel… unser ganzes herrliches Familienleben, unser liebes schönes Elternhaus zerstört! Dieser Mann, den wir liebten und verehrten, wie nur Kinder es vermögen, die sich von Vaterliebe und Vatertreue umhegt und getragen

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wissen, in der Fülle seiner Kraft, auf der Höhe seines Lebens dahingerafft… und wir nun verwaist, vaterlos… Was da unsere Herzen bewegte, kann nur nachfühlen, wer Ähnliches erlebt hat. Ich möchte über die Tragik dieses Todes hier nichts weiter sagen, genug, daß sie in unserem Leben eine Lücke und für uns eine Anfechtung bedeutete, die nur Gottes Barmherzigkeit heilen konnte… Aber das Leben geht seinen Gang. Auch für uns blieb es vorläufig unverändert. Für mich kam das letzte Jahr meiner Schulzeit. Es brachte mir noch eine besonders freundliche Unterbrechung. Ich gab einem Schüler Privatunterricht, und der sollte auch in den großen Ferien fortgesetzt werden. Seine Mutter hatte in zweiter Ehe einem württembergischen Edelmann die Hand gereicht und bewohnte mit ihrer Familie ein altes schönes Schloß an der Jagst. Dorthin also ging meine Ferienfahrt im Sommer 1879. […] Ostern 1880 kam, und mit ihm der Abschied von der alten, lieben Pforte. Das Abiturientenexamen war damals erheblich schwerer wie heute und wurde in Pforte besonders streng gehandhabt. Dispensation vom Mündlichen war eine seltene Auszeichnung. Trotzdem waren drei von uns, die nach ihrem Klassenstande darauf rechnen konnten. Zu diesen dreien zählte auch ich, da ich als Secundus

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der Klasse in allen Fächern so sicher stand, daß mir nichts passieren konnte. Aber das Schicksal hat seine Tücken. Im Hebräischen schrieben wir dank des »vorzüglichen« Unterrichts, den wir gehabt hatten, sämtlich eine vier … und eine einzige ungenügende Leistung selbst in diesem fakultativen Nebenfach genügte, um die Dispensation unmöglich zu machen. Aber nicht nur ich hatte mit ihr gerechnet, sondern auch das Lehrerkollegium, und das war mir so freundlich gesinnt, daß es mir unter der Hand durch Professor Sagorski riet, auf eine Zensur im Hebräischen im Abgangszeugnis zu verzichten, dann konnte die Arbeit als nicht geschrieben gelten. Daß ich mit Freuden darauf einging, versteht sich von selbst. Der große Tag des mündlichen Examens kam. Vorschriftsmäßig im schwarzen ad hoc angeschafften Frack stiegen wir dreizehn Abiturienten die Treppe zu dem Prüfungszimmer hinauf und nahmen vor versammeltem Kollegium und dem Herrn Schulrat Aufstellung. Nun war es Sitte, daß, ehe die Prüfung mit dem Gebet des geistlichen Inspektors begann, der Schulrat die Dispensierten entließ. Aber o Schrecken! Kaum hatten wir Posto gefaßt, so erhob sich der Geistliche und forderte zum Gebet auf. Also keiner dispensiert?! Hatte der gestrenge Herr Schulrat alle Dispensationsaspiranten gestrichen? Mit hörbarem Ruck sank uns dreien das Herz in die Kniekehlen! Aber da war


das Amen gesprochen… und der Herr Schulrat erhob sich: »Ich habe noch etwas nachzuholen« (unser Herz fing an, etwas wieder emporzuklettern). »Ich habe die Freude, dreien von Ihnen..« na, was nun noch kam, weiß ich nicht mehr. Nur das weiß ich, daß wir wenige Minuten später mit fliegenden Frackschößen die Treppe hinabstürmten und von den Kommilitonen mit Jubel empfangen wurden. Professor Witte, der neu war, hatte die Sitte nicht gekannt und daher dem Schulrat vorgegriffen. Nun war unsere Freude natürlich doppelt groß, und wir konnten nach Naumburg stürzen, um nach Hause zu telegraphieren: Durch! Dispensiert! Bald kam dann der letzte Tag in den Mauern der Alma mater, der Valediktionsakt26 mit seinen Abschiedsreden, die Verabschiedung von den Lehrern, denen man, wie es in einem Internat nicht anders sein kann, durch die tägliche Lebensgemeinschaft wesentlich näher gekommen war, als es sonst vielleicht der Fall ist, das Händeschütteln mit den Kommilitonen, mit de-

26   Nach den Abiturprüfungen mußten die erfolgreichen Schüler eine »Valediction als Denkmal fleißiger Studien und geistiger Fertigkeit« im Valediktionsakt nach Übergabe der Zeugnisse dem Rektor überreichen. Zu diesen Pförtner Valediktionsarbeiten vgl. Malwine Maser: Spiegelscherben, in: Die Pforte 61, 2008, S. 20–24; 62, 2009, S. 14–18; 63, 2010, S. 14–19; 64, 2011, S. 15-19; 65, 32–37; in diesem Heft S. 10–13.

nen man so manche frohe und ernste Stunde durchlebt hatte, und die nun als die »trauernden Hinterbliebenen« den Freund mit leisem Neid in die Freiheit ziehen sahen. Und dann fuhren nach altem Brauch die Naumburger Extraposten vor, die Postillione in Gala auf dem Bock. Unter dem Klang der Hörner, die das alte Abschiedslied bliesen: »Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus« begleitet vom Tücherschwenken und Händewinken der Zurückbleibenden ging die Fahrt – je zwei in einem offenen Landauer – über das geliebte Almrich, wo eine Abschiedskneipe uns noch einmal mit den näheren Freunden kurz vereinte, nach Naumburg. Dreimal fuhr »wie das Gesetz es befahl«27, die ganze Kavalkade in feierlichem Schritt um den Marktplatz, von dessen Fenstern die braven Bürger, vor allem aber die jungen Mädchen der Stadt dem Schauspiel zusahen und uns ihre Abschiedsgrüße zuwinkten. Dann trennten sich auf dem Bahnhof unsere Wege. Der Zug setzte sich in Bewegung, und hinaus ging es in das Leben, in die Freiheit! Beneidenswertes Glück, ein »mulus«28 zu sein! 27   Paul Blau zitiert hier die Übersetzung der Inschrift am verlorenen Denkmal für die Schlacht zwischen Persern und Griechen bei den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr. in der Fassung, die Schiller dem Text in seiner Ballade »Der Spaziergang« gab. 28   Mulus, lateinische Bezeichnung des Maultiers, das weder Esel noch Pferd ist. Im übertra-

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Fünfzig Jahre sind seit jenem Tage vergangen, da treffen sich in den alten bekannten Räumen im »Mutigen Ritter«29 in Kösen eines Abends neun alte Herren: wir feiern unser goldenes Abiturientenjubiläum! Drei aus unserer Ordnung sind inzwischen abgerufen, einer war durch Krankheit am Kommen verhindert, aber in uns neun alten Kommilitonen lebte die Erinnerung gewaltig auf, als wir da wieder zusammensaßen, wie einst. Dies halbe Jahrhundert war wie vergessen und, was wir damals erlebt an ernsten und heiteren Stunden, stand, wie wenn es gestern gewesen wäre, wieder vor unseren Blicken. Was uns verband, war die dankbare Liebe zu der Stätte unserer Jugend. Ich hatte den Freunden ein Lied gedichtet, das so manches damals Erlebte in Erinnerung brachte. An seinem Schluß klangen die Gläser aneinander: Alma mater, alma mater, Denk ich alten Zeiten nach… Schülerstreiche, Ferienkater, genen Sinn meint »Mulus« den Abiturienten, der noch nicht an einer Universität immatrikuliert ist. 29   Die Anfänge des »Mutigen Ritters« in Kösen reichen bis 1680 zurück. Durch den sich verstärkenden Kurbetrieb in Kösen und den Kösener Senioren-Conventsverband gewann der »Mutige Ritter« ab 1848 zunehmend an Bedeutung. 1921 finanzierten die Corpsstudenten den Neubau der durch einen Brand teilweise zerstörten Anlage, die in der DDR als »Sanatorium Ernst Thälmann« weitergenutzt wurde.

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Alles wird noch einmal wach! Dich zu preisen… alle Worte, Alle Reime sind zu matt. Alma mater, alte Pforte, Vivat, crescat, floreat. BEARBEITUNG: PETER MASER (AL. PORT 57 – 59)


Neue Wege in der Geschichtswissenschaft Biographischer Abriss und Ankündigung einer Wissenschaftlichen Tagung in Pforta vom 27.2.–1.3.2014 im Vorfeld zum 100. Todestag von Karl Lamprecht (al. port. 18691874)

D

Die Landesschule Pforta brachte mit Leopold von Ranke und Karl Lamprecht zwei der bedeutendsten deutschen Historiker des 19. Jahrhunderts hervor. Während Ranke noch heute als einer der Gründerväter der modernen Geschichtswissenschaft gefeiert wird, ist Lamprecht nur einem kleinen Kreis von Spezialisten ein Begriff. Dies steht im Gegensatz zu seiner Bedeutung. Mit seinem kulturgeschichtlichen Ansatz begründete er eine neue Methodologie in der Geschichtswissenschaft und ebnete somit die Grundlagen für die französische Historikerschule der Annales und die moderne Kulturgeschichte. Insofern gehört Lamprecht zu den bedeutenden Historikern an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Bereits im Vorfeld zu Lamprechts 100. Todestag findet vom 27. Februar bis 1. März 2014 an der Landesschule Pforta ein Symposium statt. Kultur-, Kirchen- und Bildungshistoriker gehen in ihren Vorträgen auf Lamprechts Verhältnis zu Schulpforte, seinen wissenschaftlichen Entwicklungsweg, sein wissenschaftstheoretisches Denken und seine Bedeutung für die

Gegenwart ein. Das Programm der Tagung finden Sie im Anschluss an diesen Beitrag. Karl Lamprecht war der Sohn des Jessener Oberpfarrers und Schulinspektors Carl Nathanael Lamprecht und dessen Frau Emilie Auguste, geborene Limberg. Er wurde am 25. Februar 1856 in Jessen in der Provinz Sachsen geboren und wuchs gemeinsam mit seinen Geschwistern im elterlichen Pfarrhaushalt auf. Neben dem Unterricht an der Volksschule erhielt Karl seit seinem zehnten Lebensjahr durch seinen Vater Unterricht in den alten Sprachen. Damit besaß er die Vorbildung, um 1867 bereits in die Quarta des Gymnasiums zu Wittenberg aufgenommen zu werden. Ziel des väterlichen Unterrichts war aber die Aufnahme an der Landesschule Pforta, die er selbst besucht hatte. Nach bestandener Aufnahmeprüfung trat Karl Lamprecht Ostern 1869 in die Untertertia der Landesschule ein und wurde ein halbes Jahr später nach Obertertia versetzt. Im Ecce wird Lamprecht »Leichtigkeit in der Auffassung, gutes Gedächtnis, vielseitige Begabung [und] Fleiß« bescheinigt.1 In seinem Reifezeugnis hieß es: »Seine geschichtliche Bildung ging an Umfang des Wissens sowie an selb-

1  Max Hoffmann: Karl Lamprecht, in: Ecce der Königlichen Landesschule Pforta 1915, S. 21.

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precht das Studium der Geschichte und nicht das der Theologie empfahl.3 Von 1874 bis 1877 studierte Lamprecht daraufhin an der Universität Göttingen Geschichte, Philosophie, Psychologie, Germanistik und Geographie. Sein geschichtsmethodisches Handwerkszeug in der Quellenkunde und Quellenkritik schärfte er vor allem bei Julius Weizsäcker und Ernst Bernheim.

ständiger Auffassung des Lehrstoffs über das gewöhnliche Maß hinaus.«2 Nach seinen eigenen Angaben war Lamprechts historisches Interesse durch Wilhelm Herbst geweckt worden, der seit Ostern 1873 das Rektorat der Landesschule übernommen hatte. Herbst war ein ausgewiesener Historiker und Didaktiker und verstand es offenbar, auf neuhumanistischer Grundlage die Vielschichtigkeit historischer Betrachtung zu vermitteln, ein methodisches Grundprinzip, das Lamprecht später auch bei seinen kulturgeschichtlichen Studien anwandte. Herbst war es auch, der Lam-

2   Zit. nach ebd., S. 22.

1877 wechselte Lamprecht an die Universität Leipzig und war dort am Aufbau des von Carl von Noorden begründeten Historischen Seminars beteiligt. Inhaltlich wandte er sich aber der Wirtschaftsgeschichte zu, die der Nationalökonom Wilhelm Roscher vertrat, bei dem er ein Jahr später mit einer Arbeit zum französischen Wirtschaftsleben im 11. Jahrhundert promovierte. Anschließend betrieb er in München kunsthistorische Studien und setzte sich hier vor allem mit dem Werk Jakob Burckhardts auseinander, das seine späteren kulturgeschichtlichen Arbeiten beeinflussen sollte. Wegen der finanziellen Unsicherheiten des akademischen Betriebs legte Lamprecht 1879 das Staatsexamen für

3   Georg Jahn: Karl Lamprecht 1856–1915 (al. Port. 1869–74 v.), in: Hans Gehrig (Hrsg.): Schulpforte und das Deutsche Geistesleben, Darmstadt 1943, S. 136.

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das höhere Lehramt ab. Das Probejahr konnte er am Friedrich-WilhelmGymnasium in Köln absolvieren, wo ihm sein Portenser Mentor Wilhelm Herbst eine Hauslehrerstelle bei dem Bankier Wilhelm Ludwig Deichmann vermittelt hatte. Hier lernte er den rheinischen Industriellen Gustav von Mevissen kennen. Mevissen und Heinrich von Sybel hatten gemeinsam ein Projekt für die Erforschung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Rheinlande erstellt, für dessen Umsetzung nun Lamprecht gewonnen werden konnte. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er 1885/86 im vierbändigen Werk »Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter«. Neuartig war dabei nicht nur die Auswertung umfangreicher Wirtschaftsquellen, sondern auch die Untermauerung seiner Aussagen durch statistisches Material.4 Durch Vermittlung Mevissens erhielt Lamprecht 1880 die Möglichkeit, sich bei Wilhelm Maurenbrecher in Bonn zu habilitieren und als Privatdozent zu lehren. Mevissen hatte auch den Universitätsreferenten im preußischen Unterrichtsministerium, Friedrich Althoff, auf seinen Schützling aufmerksam gemacht, so dass dieser 1885 zum unbesoldeten und 1889 zum besoldeten außerordentlichen

4   Bernhard vom Brocke: Karl Lamprecht, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 468 f.

Professor an der Universität Bonn ernannt wurde.5 In Bonn entwickelte Lamprecht umfangreiche landesgeschichtliche Aktivitäten und gründete 1882 gemeinsam mit Felix Hettner die »Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst«, die sich nach kurzer Zeit zu einem einflussreichen landesgeschichtlichen Organ entwickelte. Die Aufmerksamkeit, die er durch seine umfangreiche publizistische und wissenschaftsorganisatorische Tätigkeit auf sich zog, sowie die Unterstützung durch Althoff waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass er 1890 einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Marburg und ein Jahr später den Lehrstuhl für mittelalterliche und neuere Geschichte an der Universität Leipzig erhielt. Unterstützt von einflussreichen Professoren der Berliner Universität versuchte Althoff 1896 vergeblich, Lamprecht als Nachfolger Heinrich von Treitschkes nach Berlin zu berufen. Zu dieser Zeit hatte Lamprecht bereits die ersten Bände seiner insgesamt sechzehnbändigen »Deutschen Geschichte« vorgelegt und damit den Versuch einer umfassenden wissenschaftlichen Gesamtdarstellung unternommen. Im Gegensatz zu der damals von Heinrich von Treitschke 5   Ebd., S. 469.

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und Heinrich von Sybel beherrschten deutschen Geschichtswissenschaft betonte Lamprecht die Bedeutung der Kulturgeschichte. Darunter verstand er die vielfältigen materiellen Faktoren und die sie vertretenden sozialen Gruppen. Anders als die traditionelle deutsche Geschichtsschreibung suchte Lamprecht nach gesetzmäßigen Zusammenhängen, nach dem »roten Faden«, in der deutschen Geschichte, die er in naturwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und strukturellen Zusammenhängen sowie rechtlichen und verfassungsrechtlichen Beziehungen und den parallel verlaufenden ideengeschichtlichen und kulturellen Entwicklungen zu finden glaubte. Dahinter, so Lamprecht, würden die Darstellung staatlichen und politischen Handelns und die Rolle großer historischer Persönlichkeiten zurücktreten. Mit diesem Ansatz stieß er auf den erbitterten Widerstand seiner Fachkollegen. Zusätzliche Angriffsflächen bot Lamprecht seinen Kritikern durch handwerkliche Nachlässigkeiten. Lange wörtliche Übernahmen und Quellenzitate aus anderen Werken machten die Darstellung angreifbar. Hinzu kam Lob von der falschen Seite. Die positiven Rezensionen des marxistischen Historikers Franz Mehring führten dazu, dass Georg von Below und Friedrich Meinecke den Vorwurf des historischen Materialismus erhoben. Lamprecht wehrte sich dagegen, indem er zwischen

der wissenschaftlichen Methode und der Weltanschauung unterschied. Durch den Marxismus-Vorwurf sah sich Lamprecht auch gezwungen, seinen eher intuitiv praktizierten Ansatz theoretisch zu begründen. Dabei griff er vor allem auf seine akademischen Lehrer Wilhelm Herbst, Julius Weizsäcker und Ernst Bernheim zurück. Hintergrund des an Heftigkeit kaum zu übertreffenden Methodenstreits war die gesellschaftliche Umbruchsituation um 1900. Denn jetzt ging es wesentlich stärker um die Frage nach den Aufgaben einer modernen Geschichtswissenschaft. Lamprecht vertrat dabei den Standpunkt, dass Politik- und Personengeschichte nur das äußere Erscheinungsbild dar-

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stellen, hinter dem wirtschafts- und kulturgeschichtliche Entwicklungen stünden. Der Beifall der wirtschaftsbürgerlichen Kreise schien ihm dabei Recht zu geben. In Deutschland wirkte diese wissenschaftstheoretische Debatte allerdings kontraproduktiv. Sie diskreditierte nicht nur das Werk Lamprechts, sondern auch die Ansätze der Sozialgeschichtsschreibung, die in der deutschen Geschichtswissenschaft um 1900 eine Randexistenz fristete. Ungeachtet dieser isolierten Position fand seine Konzeption der Kulturgeschichte im Ausland, insbesondere in Frankreich und den USA, große Anerkennung, da Lamprecht den Vorwurf einer mangelnden Theoriefähigkeit der Geschichtswissenschaft zu widerlegen schien. Die Anfang der 1970er Jahre eingeleitete Auseinandersetzung mit der französischen Schule der Annales führte auch in Deutschland zu einer Neubewertung des Werks von Karl Lamprecht. Priv.-Doz. Dr. Jonas Flöter

Symposion Karl Lamprecht (1856–1915) Neue Wege in der Geschichtswissenschaft 27. Februar – 1. März 2014 Landesschule Pforta Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Stiftung Schulpforta Leitung: PD Dr. Jonas Flöter Anmeldung: jonas.floeter@schulpforte.de Das komplette Tagungsprogramm finden Sie auf der Internetseite der Landesschule Pforta www.landesschule-pforta.de Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Die Führung durch die Landesschule Pforta ist kostenlos. Alle Fahrt-, Verpflegungs- und Unterkunftskosten sind durch die Tagungsteilnehmer selbst zu tragen.

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Chronik der Kirchengemeinde Schulpforte 1927–1936

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Die hier in Auszügen mitgeteilte Chronik der Kirchengemeinde Schulpforte befindet sich im Archiv der Kirchengemeinde Bad Kösen. Die Aufzeichnungen wurden von Hermann Wilhelm Petersen (1875–1950) verfasst, der von 1927 bis 1936 als Geistlicher Inspektor und Superintendent in Pforta wirkte. Teile seines Nachlasses (Gästebücher, Predigten und Liturgien) befinden sich im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Signatur: 8SL 016). Bevor Petersen nach Pforta berufen wurde, war er von 1902 an Pfarrer in Lüdenscheid. Er war mit Helene Maria, geb. Vietor, verheiratet, die als Schriftstellerin und Komponistin zu ihrer Zeit durchaus Beachtung fand. Ihre in Pforta angefertigten Fotografien haben nicht nur dokumentarischen, sondern auch künstlerischen Wert. Die Aufzeichnungen von Hermann Wilhelm Petersen zeichnen ein deutliches Bild von der Verwahrlosung, in der sich Kirche und Abtskapelle Mitte der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts befanden, schildern aber auch die vielfältigen Bemühungen des tatkräftigen und talentierten Pfarrerehepaars um Besserung der desolaten Verhältnisse. Die detaillierten Mitteilungen auch zu einzelnen Ausstattungsstücken der Kirche, insbesondere dem Triumphkreuz, mögen heute, wo eine umfassende Restaurierung der Pfortenser Kirche allmählich wie-

der vorstellbar wird, besonderen dokumentarischen Wert besitzen. Hohen zeitgeschichtlichen Wert hat auch der Bericht von Superintendent Petersen über das Ende des kirchlichen Lebens in Pforta, das mit der Umwandlung der Landesschule 1935 in eine NPEA (Nationalpolitische Erziehungsanstalt, auch NAPOLA) erzwungen wurde. Die Vorgänge damals weisen erschreckend viele Parallelen zu der Austreibung von Pfarrer Günther Steinacker 1958 aus Pforta durch den kommunistischen Direktor Heinz Reinbothe auf. P.M. Als wir im April 1927 nach Schulpforte kamen, fanden wir vieles in traurig vernachlässigtem Zustand. Mag sein, daß der Weltkrieg (1914–1918) mit der nachfolgenden Zeit einen Teil der Schuld trug, mag sein, daß über ein Jahr lang kein Geistlicher Inspektor hier war, – es entschuldigt aber nicht alles. So zum Beispiel war es im höchsten Grade unwürdig, daß in der Evangelistenkapelle die Kulissen und Theaterrequisiten der Schüler aufbewahrt wurden, die man auf unsere Veranlassung alsbald entfernte. Nun standen u. lagen aber dort auf dem Boden allerlei Steinfiguren, teils mit abgeschlagenen Köpfen. Auch stand die wertvolle Pieta ganz versteckt und unwürdig in einer Ecke auf dem Boden. Es hat immerhin eine

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Zeitlang gedauert, bis dieselbe auf einem steinernen Seitenaltar in der Kirche einen würdigen Platz fand. Zwei von den Steinfiguren stellten wir rechts und links vor die Eingangstüre des Geistlichen Inspektorats. Auch zwei Holzfiguren, die zum Teil vom Holzwurm zerfressen u. sehr beschädigt waren, behandelten wir u. stellten sie auf die Fensterbank im Treppenhaus. Ganz unbeschreiblich sah’s in der Trinitatiskapelle aus, wo ein wüstes Durcheinander herrschte. Ein vollständig zerbrochener Stuhl, eine alte, gerahmte Verfügung von Friedrich Wilhelm IV. mit zerbrochenem Glas, alte Figuren, Gemälde u. dergleichen lagen unverantwortlich u. verstaubt in den Winkeln. Bei allem guten Willen dauerte es auch hier eine Zeitlang, bis alles Wertvolle u. Zerbrochene ausgemerzt war u. die wertvollen Sachen aufgeräumt wurden. So wurden z.B. die eigenartigen Truhen aus alter Zeit in eine Reihe gestellt, alte Lumpen daraus entfernt, der Steinaltar mit den Reliquien u. kostbaren Altargeräten (Abendmahlskelch, romanisch, u. Patene) etc. sorgfältig aufgeräumt. [...] Der Längsteil eines großen, romanischen Triumphkreuzes lag auf 2 Holzböcken, während der besser erhaltene Querbalken in der Mühle verwahrt wird. Die eigentlichen silbernen u. zinnernen Abendmahlsgeräte waren

in einem unwürdigen Zustand, verschmutzt, fast schwarz u. verbogen. So sandten wir dieselben als Erstes nach Lüdenscheid, unserer früheren Gemeinde, um sie wiederherstellen zu lassen. [...] Die vollständig wertlosen Sachen wurden entfernt, die zu flickenden u. zu waschenden Decken wiederhergestellt, u. dann bestellten wir für die Kirche sowohl, wie für die Abtskapelle neue Antependien, Altardecke u. Kanzelbehang u. zwar in den Pförtner Farben lila mit weißem Hintergrund u. schwarzem Kreuz mit Silbereinfassung. Auf der Altardecke der Kirche befindet sich das gotische Kreuz, welches über dem Torbogen neben dem Fürstenhaus eingehauen ist. Auf dem Antependium in der Abtskapelle ist das romanische Kreuz wiedergegeben, das über dem Eingangstor vom Schulgarten neben der Abtskapelle zu sehen ist. Das letztere wurde von der Firma Assmann in Lüdenscheid geliefert, während die sämtlichen Bekleidungen in der Kirche die Damen Kloster in Lüdenscheid zu Selbstkostenpreis herstellten aus Freundschaft für uns. Vor dem wundervollen Steinaltar im Chor der Kirche stand ein hässliches Holzpodest mit ebenso unschönen Seitengeländern. Um die ursprüng-

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liche Schönheit des Hauptaltars wieder sichtbar zu machen, wurde alles entfernt. Ebenso wurde der kleine Altar, der den Blick auf den großen Altar verdeckte, unter die Kanzel geschoben, weil die Liturgie auch von dort aus leichter verständlich ist. [...] Seit wir in Schulpforte sind, fanden im Winter die Gottesdienste in der Aula statt, die mit dem besten Willen nicht als kirchlicher Raum anzusprechen ist. So wurde dann endlich im Jahre 1929 nach langen Verhandlungen eine elektrische Fußheizung in der Kirche angelegt. Entspricht dieselbe auch nicht dem Ideal einer wirklich warmen Kirche, so ist die Heizung doch bei nicht zu kaltem Wetter für die kurze Stunde des Gottesdienstes ausreichend. Am Johannistag richteten wir einen Lichtergottesdienst ein, indem die Schüler mit langen Kerzenstöcken durch die Kirche zogen u. um den Altar eine Gruppe bildeten. Einmal standen die Schüler auch auf der oberen Galerie hinterm Altar mit ihren Lichtern, was aber später, als zu gefährlich, nicht wiederholt wurde. Hingegen wurde ein Kranz von Lichtern auf dem oberen Umgang unsichtbar befestigt, was sehr wirksam war.

Am Erntedankfest wurde auch ein besonderer Festgottesdienst eingeführt, in dem die Kinder der Gemeinde (nicht Alumnen) mit Körben voll Obst, Kartoffeln, Gemüse u. anderen Gaben, wie Brot u. Blumen zum Altar treten, ein Verschen sagen u. die Gabe knieend dem Pfarrer darreichen, der dieselbe mit einem Segensspruch empfängt u. auf den Altar stellt. Beim Schluß des Gottesdienstes empfängt jedes Kind seine Gabe mit einem Spruch zurück u. der Weisung, Alten, Armen u. Kranken eine Freude damit zu machen. Auch die Adventsgottesdienste mit Lichtlein u. verschiedenen Transparenten sind eine Neueinrichtung. Die letzten Jahre stellten wir eine mit Tannengrün umflochtene Adventspforte mit 24 Lichtern in den Chor u. stellten die Christusfigur aus Bronce dazwischen. [...] Am Abend vor der Konfirmation der Alumnen laden wir die Konfirmanden mit ihren Eltern u. Verwandten abends v. 20-22 Uhr zu uns auf die Diele des Geistlichen Inspektorats ein, wo kleine Tischchen hübsch zurecht gemacht sind u. 50, 60 u. mehr Personen kommen. Das Klavier wird auch in die Diele gesetzt, u. dann singen wir gemeinsam Lieder; es wird vorgelesen, eine Ansprache gehal-

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ten, Solo gesungen u. zwischendurch Pudding u. Plätzchen herumgereicht. Der Famulus hilft bei der Bedienung, eventuell auch noch andere Empfohlene aus der Prima. [...] Im Laufe des Jahres 1931 wurden die verschiedenen Kunstschätze aus der Kirche u. Abtskapelle in Halle wunderschön wiederhergestellt, besonders der Dreikönigsschrein aus der Abtskapelle, das Bild einer Kreuztragung, einer Madonna mit dem Kinde etc. Ein junger Architekt Hirschfeld (früherer Pförtner) machte 1931 Ausgrabungen in der Kirche u. stellte allerlei Interessantes bezügl. der früheren Baugeschichte fest.

Chronik vom Jahre 1932. Schon in einem Jahre können mancherlei Veränderungen stattfinden. Trotz der Schwere der Zeit sind wir dankbar für manchen Fortschritt, besonders was die Wiederherstellung der Abtskapelle anbelangt, um die sich Landeskonservator, Ministerialrat Dr. Hieke – Berlin, der früher hier in Pforte als Regierungsbaurat tätig war, Provinzialkonservator Dr. Giesau – Halle, Reg. Baurat Nath – Naumburg u. hiesige Herren, z.B. Oberbausekretär Deubel v. hier sehr bemühten. Die Pläne für die Wiederherstellung der Abtskapelle im Innern gehen schon

viele Jahre zurück u. sind nur infolge des Krieges u. infolge der nachfolgenden Inflation immer wieder zurückgestellt worden. Sie sind natürlich in mancher Beziehung abgewandelt worden. Man wunderte sich, daß gerade in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit u. des Geldmangels für derartige Zwecke so viel Geld zur Verfügung stand. Aber es bestehen für Herstellung wichtiger Baudenkmäler bestimmte Fonds, die dafür Verwendung finden. Und wer das Glück hat, daß er an die Reihe kommt, dem wird auch ordentlich geholfen. Zuerst wurden die Unregelmäßigkeiten in den Gewölben der Abtskapelle beseitigt u. die Säulen, Bogen, Kapitäle etc klar gegen Wand u. Gewölbe abgesetzt, die Wände einer gründlichen Säuberung unterzogen u. leicht getönt. Eine neue Beleuchtung machte viel Kopfzerbrechen; doch nach mancherlei Versuchen wurden an der fensterlosen Seite Armleuchter angebracht [...]. Der Chor wird jetzt nur durch Kerzen beleuchtet u. zwar 1.) durch zwei alte, wiederhergestellte Leuchter, die rechts u. links in einer Fensternische stehen u. 2.) durch zwei neue wundervolle Messingleuchter auf dem Altar, die Professor Rudolf Koch – Offenbach entworfen u. hergestellt hat, ebenso wie das hervorragend schöne Messing-Kreuz auf dem

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Altar. Auf dem einen Leuchter steht der Spruch: »Ich bin das Licht der Welt«, auf dem anderen: »Ihr seid das Licht der Welt«. Prof. Koch stellte auch ein neues, rotes Antependium her mit einfacher Randverzierung, und vor dem Altar liegt ein von Prof. Koch entworfener u. gewebter Teppich, der einen Drachen darstellt, der sich vor dem Kreuze windet. Die Türnische der Abtskapelle (links) wurde zugemauert und in dieselbe ein von Rudolf Koch handgewebter u. gestickter Wandteppich gehängt, auf dem die von mir ausgesuchten Sprüche stehen: »Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen« – »Es ist erschienen die Freundlichkeit u. Leutseligkeit Gottes unseres Heilandes.« – »Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß er seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen.« Davor steht eine kleine, alte, neu belederte Bank mit Lehne, die für den Pfarrer bestimmt ist. Eine neue Liedertafel, die hinterwärts an der Mauer angebracht wird, (nachher aber) und je nach Bedarf zur Gemeinde gedreht wird, nachher aber glatt an der Wand liegt, ist in Arbeit, ebenso wie ein Rednerpult. Über der Eingangstür hat man die vorspringende Pappattrappe entfernt

und die Mauer ganz glatt hochgezogen, so daß jetzt nur noch eine halbkreisförmige Öffnung zu sehen ist, was dem ganzen Bild ein ruhiges Ansehen verleiht. Auf der Empore, welche vom Fürstenhaus zu erreichen ist, steht jetzt ein kleines, aber sehr gut klingendes Harmonium (Organola), welches wir bei der Firma Horn in Eisenberg für c. 350 M selbst aussuchten. Das alte Harmonium wird jetzt im Gemeindesaal bei den verschiedenen Vereinen benutzt. Der sehr schön renovierte Dreikönigs­ altar, welcher abends durch die seitliche Beleuchtung nicht zu sehen ist, kann durch eine besondere Lampe beleuchtet werden. Sehr gut sehen die dunkelrot gestrichenen, mit schwarzen Eisenbändern verzierten Wandschränke aus, rechts neben der Türe u. oben rechts im Chor neben dem Altar. Die schon seit langer Zeit fertige Eingangstüre wurde auch in diesem Jahre eingesetzt. Man ist sich nur noch nicht klar, wo die Broncestatue des Schmerzenmannes hinkommen soll, die vordem auf dem Altar stand; auch ist die Frage der Bestuhlung noch nicht endgültig gelöst. Doch hoffen wir, daß im Laufe des kommenden Jahres auch dieses zur Zufriedenheit erledigt wird. Es ist jedenfalls sehr erfreulich u. dankenswert, daß durch staatliche Mittel u.

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freundliches Entgegenkommen der Behörden ein so bedeutendes Kulturund Kunstdenkmal wie die Abtskapelle wieder zu würdiger Gestaltung gelangt. [...] Da in der Kirche noch keine elektrische Beleuchtung ist, außer der in diesem Jahre an der Orgel für den Chor erweiterten Beleuchtung u. der an der Kanzel, so ließen wir an dem Eingang zu den Bänken Klammern u. Ringe anbringen, in welche lange, weiße Stäbe mit Kerzen gesteckt werden. Für den Altar stiftete die Pfarrfrau 6 weiße Holzhalter für die Kerzenstäbe, ebenso 4 Vasen für Blumenschmuck. Der silberne Abendmahlskelch musste zu einer gründlichen Ausbesserung fortgeschickt u. wiederhergestellt werden. Das große Triumphkreuz befindet sich zur Zeit in Halle in der Werkstatt des Provinzialkonservators. Zu unserer Freude konnte zum Heiligabend auf dem Podest der Steintreppe im Querschiff der Kirche zum 1. Male die wiederhergestellte Doppelmadonna mit dem Jesuskind aufgestellt werden, wo sie sehr gut wirkt.

Chronik vom Jahr 1933. Mit großer Dankbarkeit sehen wir auf das verflossene Jahr zurück, denn im Laufe desselben erreichten wir die vollständige Wiederherstellung der Abtskapelle. Es war schon im vergangenen Jahr die nördliche Türnische zugemauert, und die Rückseite mit einem Spruchtext von Prof. Rudolf Koch – Offenbach versehen worden. In diesem Jahr wurde die Nische mit Holzmark umkleidet u. ein Sitz für den Pfarrer eingebaut mit einer Truhe. Desgleichen wurde eine unsichtbare Beleuchtung angebracht, sodaß der Wandteppich auch abends gut zu lesen ist. Die frühere Bank kam in die Kirche u. steht unter der Kanzel neben dem kleinen Altar. Ein neuer steingrauer Mattenteppich auf dem Fußboden der Abtskapelle u. auch im Chorraum trägt wesentlich zur Vereinheitlichung des Ganzen bei. Die früheren Stühle der Abtskapelle wurden teils im Gemeindesaal verwendet, teils in der Kirche. Die 50 neuen Stühle der A.K. haben eine wesentlich niedrigere Rücklehne u. sind einfacher als die früheren Stühle u. beeinträchtigen somit nicht den Blick auf den Altar.

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Ein neues Lesepult mit einem von Prof. Rud. Koch gestifteten kleinen Antependium steht jetzt auch im Chorraum der Abtskapelle, welches für den predigenden Pfarrer bestimmt ist.

postament, das links vom Chor an einer Säule angebracht wurde.

Sehr geschickt ist ein drehbarer Kerzenwandleuchter für das Lesepult angebracht, der bei Nichtbenutzung zurückgeschoben werden kann.

Die Kreuztragung Christi, ursprünglich aus 2 Teilen bestehend u. zu einem Flügelaltar gehörend, hängt links neben der Nische. Christus auf dem Regenbogen thront über der Eingangstüre, u. der alt-romanische Christusoder Johanniskopf hängt rechts vom Eingang über dem Nischenschrank.

Auf den Fensterbänken rechts u. links vom Altar stehen jetzt je 3 dicke Kerzen in flachen Eisenständern, sodaß der ganze Altarraum im Kerzenlicht erstrahlt. Die 2 alten silb. Barockleuchter wanderten in die Kirche u. stehen jetzt rechts u. links vom Hochaltar in den Nischen des Chors.

Es bleibt noch zu erwähnen, daß in diesem Schrank ein Wandarm mit heller elektrischer Birne liegt, der bei Dunkelheit an die Fensterwand gehängt werden kann, um den Dreikönigsaltar zu beleuchten. Auch liegen dort die schon im letzten Jahre angeschafften neuen Gesangbücher

Unter dem roten Antependium von Prof. Rud. Koch liegt auf dem Altar der Abtskapelle noch eine handgewebte Leinwand mit Hohlsaum. Die in Schweinsleder von Prof. Koch gebundene Altarbibel stiftete meine Frau Helene Maria Petersen, geborene Vietor mit der Inschrift: »So wir im Lichte wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander.« 1. Joh. 1.7.

Auch auf der kleinen Orgelempore ist eine verdeckte Lampe für den Organisten angebracht, ebenso eine oben an der Decke für Solisten. Da in der Abtskapelle die Lüftung durch ein schmiedeisernes Gitter in der Eingangstüre nicht ausreichend war u. ein leicht modriger Geruch entstand, wurde ein Teil der Fenster zum Öffnen eingerichtet. Schließlich darf die eigenartige, auch von Prof. Rud. Koch angefertigte Kollektenbüchse aus Messing an der Eingangstüre nicht vergessen werden.

Eine weiße Abendmahlsdecke wurde ebenfalls von meiner Frau u. mir gestiftet. Endlich fand auch die Aufstellung des »Schmerzenmannes« ihre Lösung, nämlich auf einem Bronce-

So ist denn alles aufs Schönste hergerichtet, u. es bleibt nur der herzliche

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Wunsch des Pfarrers, daß die Abtskapelle immer eine wahre Stätte der Andacht u. des Segens sein u. bleiben möge. Am 21. März 1933, dem Tage von Potsdam u. der Eröffnung des neuen Reichstages durch Adolf Hitler wurden die Arbeiten der Abtskapelle mit einer feierlichen Abnahme abgeschlossen. Auch in der Kirche gab es wiederum allerlei Neuerungen. Das Hauptereignis war die Wiederherstellung des fast 5 M. großen u. 8 Zentner schweren Triumphkreuzes. Als ich 1927 hierher nach Pforte berufen wurde, befand sich nur der Längsteil des Kreuzes in der Trinitatiskapelle in höchst verwahrlostem Zustand. Der Querbalken schien verschwunden. Endlich fand man ihn unter Gerümpel in der Mühle. In der Werkstatt des Provinzialkonservators in Halle wurde nun

das Kreuz zusammen gefügt u. so weit wieder hergestellt, daß auf der einen Seite die gotische Malerei wieder deutlich erkennbar ist, während die andere Seite nur noch unkenntliche Reste einer romanischen Malerei aufweist. Deshalb hat man die übrige Seite vergoldet. Dieses Triumphkreuz gehört zu den größten Kostbarkeiten der Pforte, denn der Körper des Herrn ist keine Plastik, sondern auf Holz gemalt. An den 4 Ecken befinden sich die Symbole der Evangelisten. Nach verschiedenen Versuchen hing man schließlich das Triumphkreuz in die Mitte der Kirche, wo es einen gewaltigen Eindruck erweckt. [...] Das Jahr 1935 brachte einschneidende Veränderungen in der ganzen Pforte. Die altehrwürdige Anstalt wurde im Laufe des Jahres in eine nationalsozialistische Bildungsanstalt

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umgewandelt, u. sämtliche Lehrer, einschließlich des Superintendenten u. Geistlichen Inspektors, wurden beurlaubt. So ist meines Bleibens an diesem mir so lieben Ort nicht mehr lange. [...] Das berühmte Schulfest fiel in diesem Jahr aus. Der letzte Gottesdienst, den die alten Schüler am 30. Juni 1935 erlebten, war eine wunderschöne Johannisfeier mit vielen Lichtern. [...] Die letzte Konfirmation der (alten) Schüler fand am 15. September statt. Am Abend vorher waren wie alljährlich die Konfirmanden mit ihren Eltern und Angehörigen zu einigen Feierstunden im Pfarrhause. Der Kirchenbesuch der Schüler, die bislang regelmäßig allsonntäglich im Gottesdienst erschienen und mit ihrem sonntäglichen Chorgesang die Gemeinde erfreuten, ließ leider immer mehr und mehr nach und hörte schließlich ganz auf, trotz mehrfacher Vorstellung meinerseits bei der neuen Schulleitung . – Es ist besser, nicht bitter zu werden! – – – – – [...]

1936 Die Gottesdienste fanden fast ausschließlich in der Abtskapelle statt, da Lehrer u. Schüler nicht erschienen. Hingegen kamen regelmäßig sehr treue Naumburger Kirchenbesucher. [...] Sonntag, d. 11. Oktober hielt ich meine Abschiedspredigt in der Kirche; (es waren 3 Schüler da!) Ich predigte über die Bitten des Vaterunsers u. ließ nach der Besprechung jeder Bitte den betreffenden Vers aus dem Liede: »Vater unser im Himmelreich« von der Gemeinde singen. Die Pfarrfrau sang mit meiner Tochter 3 eigene Lieder mit Orgel- u. Violinbegleitung (v. Frl. Eva Siegfried, Tochter des alten verst. Prof. D. Siegfried, der Schüler in Pforte war.) Am nachfolgenden Abendmahl nahmen c. 60 Personen teil. Mittwoch, den 14. Okt. hatte ich den Frauenverein zu einer Abschiedsfeier ins Fischhaus zu Kaffee u. Kuchen eingeladen. Es waren 50 Anwesende. An diesem Abend durfte ich manche Liebe u. Anhänglichkeit spüren, die ein versöhnliches Licht auf die vergangene schwere Zeit werfen. Mit dankbarer Freude werde ich an die mir sehr am Herzen liegende Arbeit im Frauenverein zurückdenken, wo

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es mir in den fast 10 Jahren gelungen war, die Frauen aus allen Gesellschaftsschichten zu einer herzlichen Verbundenheit zusammen zu schließen. Die freundlichen, wertvollen Abschiedsgaben werden mir allzeit eine liebe Erinnerung sein. Dienstag, d. 20. Okt. durfte ich zum Abschluß noch fast den ganzen Frauenverein in den Naumburger Dom führen und seine Schätze erklären. Das war ein schöner Abschluß! – – Der Vorstand des Frauenvereins hat beschlossen, die Frauen monatlich einmal zu sammeln bis will’s Gott bald ein neuer Pfarrer hierher kommt. Ich scheide aus der Arbeit in der Pforte mit ernster Sorge darum, daß die Säkularisation bis zum letzten Ende fortschreitet. Seit der Umwandlung in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt ist dem Geistlichen Inspektor die Möglichkeit einer Einwirkung auf die Alumnen Stück um Stück genommen worden. Seit August 1935 ist er als Religionslehrer an der Anstalt ausgeschaltet. Gleichzeitig hörte die pflichtmäßige Beteiligung der Alumnen am Gottesdienst auf. Herbst 1935 wurden die letzten Confirmanden eingesegnet. Die Vorbereitung der für das nächste Jahr fälligen Confirmanden wurde ihm unterbunden. Seit Totenfest 1935 haben weder Lehrer noch Schüler mehr den Gottesdienst

besucht. Ihn in der Kirche zu halten, wurde damit sinnlos. Gleichwohl fand regelmäßig Gottesdienst in der Abtskapelle statt. Die schwache Beteiligung der Ortseingesessenen wurde durch den Besuch der Naumburger Bekennenden Gemeinde in etwa verdeckt. Nur das Erntedankfest (3. X.) u. der Abschiedsgottesdienst (11. X.), letzterer auch ohne Vertreter der Schule, fanden noch in der Kirche statt. Der Chorgesang der Alumnen ist gänzlich verstummt. Den Dienst an der Orgel überließ man stillschweigend dem Lehrer der Volksschule. Ob ein Nachfolger an meine Stelle treten wird? Ob ich der letzte hauptamtlich hier angestellte Geistliche hier sein werde? Ich scheide mit der Bitte zu Gott, daß dieser Rückgang nur Übergang sein und einem Neuanfang im Geiste des Evangeliums Platz machen möge. Menschen kommen und gehen; wenn Er nur auf dem Plan bleibt mit seinem Geist und Gaben. Schulpforte, den 24. X. 1936 Hermann Petersen Superintendent und ­G eistlicher Inspektor.

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Als Pfarrerskind in Pforta

M

Mein Vater Gottfried Winkelmann trat seine erste Pfarrstelle in Schlesien an, wo ich mit meinen fünf Geschwistern meine ersten Lebensjahre verbrachte (1935–1945). Mein Vater war im Krieg und ab 1944 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft (bis 1946). Im Winter 1945 musste meine Mutter mit uns fünf kleinen Kindern von Schlesien nach Halle/Saale, zur Großmutter fliehen. Mein Vater wurde aus der Kriegsgefangenschaft nach Göttingen entlassen. Dort war er als Jugendpfarrer tätig. Ein Jahr später wurde er vom Konsistorium in Magdeburg nach Schulpforta berufen. Im Frühsommer 1947 konnten wir mit unserer Mutter in die dortige Pfarrwohnung ziehen. Es begann ein total anderes Leben. Wir hatten nun wieder einen Vater und lebten innerhalb der alten Klostermauern, die den großen Garten und den ganzen Ort umrahmten. Wir gingen in die wunderschöne gotische Kirche und lernten viele Internatsschüler kennen, die damals ab der 7. Klasse die Schule besuchten und somit in meinem Alter waren. Es herrschte große Hungersnot, so bekam mein Vater ein Stück Wiese verpachtet, die er für seine große Familie urbar machen mußte. Er suchte überall Samen und Pflanzen, deren Früchte dann endlich im Herbst geerntet werden konnten. Als wir später

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in die Landesschule gingen (als Externe) durften wir auch dort essen, was eine große Hilfe war. Die Pfarrstelle wurde von der ganzen Familie versorgt, da es weder Küster, noch Kirchendiener noch Kantor gab. Unser Vater hielt die Gottesdienste nicht nur sonntags sondern täglich auch eine Abendandacht. Unsere Mutter spielte die Orgel (später meine Schwester Christine), während wir anderen Kinder den Blasebalg traten. Auch schmückten wir die Kirche mit selbst gepflückten Blumen und Zweigen und machten sie sauber. Ein besonderes Erlebnis war das tägliche Glockenläuten, das wir Kinder mit einigen Schülern zu jeder Andacht und zu jedem Gottesdienst per Hand zu tun hatten. Dazu gingen wir »Läuter« abends mit Kerzen in der Hand durch die Kirche (es gab nur eine schwache Lampe am Altar und an der Orgel), die Wendeltreppe hinauf in den Glockenturm. Das machte uns mächtigen Spaß, auch wenn es sehr anstrengend war, an den Seilen die schweren Glocken zu bewegen. Besonders gut erinnere ich mich an das erste Weihnachtskrippenspiel, das mein Vater mit der jungen Gemeinde aufführte. Es war das von Manfred Hausmann neu erschienene »Worpswerder Hirtenspiel«. Unser Nachkriegselend spiegelte sich in den


Szenen der Hirten wider, der Chor der Engel symbolisierte Hoffnung und Freude. Man stelle sich vor: 20 weißgekleidete »Engel« (bekleidet mit von Sicherheitsnadeln befestigten Bettlaken) schritten mit Kerzen in den Händen durch die dunkle Kirche und erschienen über dem Hochaltar (auf einem schmalen Absatz unter den Kirchenfenster stehend) und sangen »Oh Freude über Freude!«. Viele Schüler waren sehr musikalisch und noch jung genug, um auch Sopran und Alt zu singen. Es gab in diesen Jahren auch einige Aufführungen in der Schule unter dem Musiklehrer F. Zimmermann, bei denen ich gerne mitwirkte, z.B. das Weihnachtsoratorium, Motetten von Bach und vieles andere.

umgehen, was sie nicht daran hinderte, an den täglichen Andachten teilzunehmen. Doch die kirchliche und seelsorgerische Arbeit wurde immer mehr erschwert und war in der mittlerweile gegründeten DDR unerwünscht. Mein Vater konnte nicht mehr in der Weise als Jugendpfarrer wirken, wie er sich das vorgestellt hatte. So folgte er 1953 einem Ruf an die Moritzkirche in Halle an der Saale, wo er Pfarrer für eine große Gemeinde wurde. Renate Frankenberger geb. Winkelmann (al. port. 48–50)

Im neuen sozialistischen »Ost«Deutschland wurde es für die Kirchen immer schwieriger. So konnte mein Vater zu Beginn noch in der Schule Religionsunterricht erteilen, was dann aber bald abgeschafft wurde. Dafür kamen dann die Schüler zu uns ins Haus, zur Christenlehre. Eine weitere Repressalie war das Schließen der Verbindungstür vom Kreuzgang zur Kirche. Hier konnten nämlich die Schüler auf kurzem Weg in die Kirche kommen. So mußten sie dann mit einem Umweg aussen her-

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Erinnerungen an Pforta von 1946–1950

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Es ist das Verdienst des Redaktionskollegiums der Zeitschrift des Pförtner Bundes e.V. »Die Pforte«, dass Ehemalige über ihre Erinnerungen aus ihrer Schulzeit berichten können. Deshalb fügen sich die einzelnen Aufzeichnungen nach und nach zu einem aussagekräftigen Mosaik zusammen.

Der Kleine Chor Als ab Herbst 1946 durch die längere Krankheit des Musiklehrers Franz Zimmermann (Dienstunfähigkeit bis Ende Juli 1947) der Musikunterricht ausfallen musste, fanden sich einige Alumnen zu einem Singekreis zusammen, der bald »Der Kleine Chor« genannt wurde. Dr. Habenstein fand für diese neue Situation in der »Pforte« Nr. 52 treffliche Worte: »....daß das im Herbst 1946 aus kleinen Anfängen erweckte Musikleben ... nicht nur weiterging, sondern sogar weiterentwickelt wurde, ist das große Verdienst dieses vortrefflichen Schöpfers des Kleinen Chores, ... eines Schülers X der 12. Klasse gewesen«. Nun, dieser mit Recht so gelobte Schüler war der heute 85-jährige Friedemann Gottschick. Er hatte die große Gabe, unsere kleine Sängerschar künstlerisch so zu formen, dass jeder Einzelne sich stimmlich in den Ge-

samtklang einordnete und dadurch ein ausgewogener Chorklang entstehen konnte: Jeder Sänger musste sich ständig in Tonhöhe, Rhythmik und Dynamik in den musikalischen Ablauf so einfügen, dass im Gleichgewicht der Stimmen ein durchsichtiger Chorklang erreicht wurde. Dabei lernten wir noch als gute sängerische Eigenheit das »Vom-Blatt-Singen«, die Fähigkeit, die vom Notenblatt abgelesenen Intervallfolgen ohne Zuhilfenahme eines Instruments umgehend zu singen. Durch die altersmäßige Zusammensetzung der Schüler (von Sexta bis Oberprima) konnte das hervorragende helle Klangbild eines Knabenchores erreicht werden, wie wir dies vom Thomanerchor oder Kreuzchor kennen. Der Zusammenhalt unter uns Sängern war sehr ausgeprägt, und es konnte schnell ein kleines Ständchen im Kreuzgang organsiert werden, desgleichen ein vollgültiges Programm in der Aula. Als wir an einem Abend spät von einem Konzert in Weißenfels zurückkamen, sahen wir noch Licht im Rektorzimmer. Es war dann eine Selbstverständlichkeit, unserem Rektor in der Stille der Nacht ein Ständchen zu singen. Das letzte Konzert, das Friedemann Gottschick leitete, fand am 22. Juli

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1947 im »Mutigen Ritter« in Bad Kösen statt. Das gedruckte Programm weist das hohe Leistungsvermögen unseres Kleinen Chores nach. Es wurden anspruchsvolle A-cappella-Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert gesungen, die nach ihrem Inhalt in drei Gruppen (Tanzlieder, Scherzlieder, Liebeslieder) eingeteilt sind. Eine kleine Instrumentalgruppe (Violine, Blockflöte, Cello, Klavier), die vor der zweiten und dritten Programmgruppe je eine Sonate spielte, bereicherte nicht nur den Abend, sondern erlaubte uns Sängern auch eine Erholungspause, die dem weiteren musikalischem Vortrag zugute kam. Beim doppelchörigen Echo-Lied von Orlando di Lasso wurde der zweite Chor an akustisch sinnvollen Stellen des Saales so aufgestellt, dass eine eindrucksvolle Echowirkung hörbar war. Agogisch fast unmerkliches Akzentuieren bei den Textstellen »Warum nicht?« – »Schweig‹ doch stille! Du Grobian« – »Nun ist genug« – »Leb‹ wohl denn, Echo« gab dem Vortrag eine vergnügliche Stimmung, die mit großem Beifall belohnt wurde. Als zweites Beispiel soll hier »Innsbruck, ich muss dich lassen« genannt werden: eine Perle der A-cappellaKunst, die mit einem melodisch fließenden Gestus das Programm beendete.

Friedemann Gottschick verließ nach dem Abitur Schulpforte. Der Kleine Chor war so gefestigt, dass er weiter bestehen und wieder von einem Schüler geleitet werden konnte.

Der Schulchor Der Schulchor als wesentlicher Teil des Musikunterrichts konnte wegen der allmählich zunehmenden Schülerzahl erst nach und nach voll aufgebaut werden. Unser Musiklehrer Franz Zimmermann – NOZI – hatte durch seine hohe Musikalität, seine umfangreiche Werkkenntnis, sein großes pädagogisch-psychologisches Einfühlungsvermögen bei allen Schülern die Liebe zur Musik geweckt. Deshalb konnte er – nach anfänglich leichteren Singweisen, wie Kanons oder Volksliedsätzen – den Chor zu musikalisch anspruchsvolleren Aufgaben führen (z.B. Weber, Schütz, Händel ... vgl.«Pforte« Nr. 53, S. 38). Hier soll als Beispiel die Bach-Motette »Singet dem Herrn ein neues Lied« genannt werden. Die sängerische Gestaltung hat uns außerordentlich gefordert. Als wir die Aufführungsreife erreicht hatten, haben wir diese Motette gern und mit großer Freude und Hingabe gesungen. Die melismatische Textgestaltung (eine Textsilbe auf mehreren Tönen zu singen)

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erforderte das konzentrierte »chorische Atmen«, damit für den Zuhörer das notwendige Atemholen nicht erkennbar ist. So entstand ein natürlich fließendes Gesamtbild des künstlerischen Vortrags. Das sängerische Gemeinschaftserlebnis hatte uns so eng verbunden, dass wir mit großer Freude den Naumburger Domchor bei den großen Aufführungen des »Messias« von Georg Friedrich Händel und »Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms unterstützten. Unsere Teilnahme ging auf die Vermittlung eines Pfortenser Schülers zurück, der beim Domkantor KMD Dr. Walter Haake Klavierunterricht erhielt. Wohl auch deshalb ergab sich in kleiner Runde ein vergnügliches Gespräch mit Dr. Haake, wo er uns aus seiner Arbeit als Domkantor, aber auch Heiteres aus seinem Leben erzählte.

Das Schulorchester Die Einrichtung eines Schulorchesters war ohne Zweifel abhängig von den Instrumenten, die einige Schüler nach Pforta mitbrachten. Um das Instrumentenspiel zu verbessern, musste sich jeder selbst um einen Lehrer bemühen. Ich hatte z.B. donnerstags eine Stunde Klavierun-

terricht in Naumburg (Honorar: 15,Mark). Den Geigenunterricht erhielt ich in Pforta bei einer Lehrerin, die aus Naumburg kam. Viele Schüler hatten im Instrumentalspiel bereits ein beachtliches Können, so dass auch anspruchsvollere Werke, nach Schwierigkeitsgrad ausgewählt, gespielt werden konnten. Ich erinnere mich besonders an drei Orchesteraufführungen: Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 94 G-Dur (mit dem Paukenschlag) Wir spielten den 2. und 3. Satz. Georg Friedrich Händel: Orgelkonzert F-Dur op. 4 Nr.4 Bei dieser Aufführung konnte die historische Ladegast-Orgel (1884) in unserer Aula wahrhaft meisterlich »traktiert« werden. Johann Sebastian Bach: Konzert für zwei Violinen und Orchester d-moll BWV 1043 Große Freude und Stolz erfassten uns, weil unsere Geigenlehrerin eine der Solostimmen spielte.

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Tanzen Das Schulfest 1947 sollte betont jugendlich aufgelockert und am Abend mit einem Tanz in der Turnhalle beendet werden. Dazu gründeten fünf Schüler eine kleine Tanzkapelle (sogar ein Schlagzeug war dabei). Zu großen Tanzveranstaltungen spielte später die Naumburger Tanzkapelle Schmidt. Erfreulich war, dass Herr Schmidt immer auf »unsere Belange« verständnisvoll einging; denn das Geld war knapp. Als Neuheit wurde für die Primaner die Tanzstunde eingeführt. Sie wurde auch in den folgenden Jahren zur willkommenen Bereicherung des Internatslebens abwechselnd von den Tanzschulen Döring (Naumburg) und Hölzer-Hallmann (Weißenfels) geleitet. Die Tanzdamen kamen aus Naumburg, später auch aus Bad Kösen. Ihre Betreuung übernahm unsere Heimmutter Frau Dobratz. Ich hatte mich bereit erklärt, auf dem Flügel im Kleinen Festsaal die Melodien zu den Standardtänzen (Foxtrott, Walzer, Tango) zu spielen, für mich ein schönes musikalisches Vergnügen. Nach dem Ende der Tanzveranstaltung begleiteten wir in großer Gruppe die Damen nach Naumburg. Zu einer festgesetzten Uhrzeit trafen wir Schüler uns am Ausgang der Stadt und gin-

gen gemeinsam nach Pforta zurück. Damals gab es noch oft Überfälle.

Küche Zur Küche hatten wir Schüler immer ein gutes Verhältnis. Wir waren auch zuverlässige Helfer, wenn es die Küchenarbeit erforderte. Das zahlte sich natürlich für uns aus; denn die Küchenleiterin, Frau Haase, und die ihr zur Seite stehende Diakonisse Elisabeth Martin, hatten für unsere bescheiden vorgetragenen Wünsche immer ein offenes Ohr: sie kamen diesen in den bestehenden Möglichkeiten nach. So stellten sie zu abendlichen Tanzvergnügen immer kleine Überraschungen bereit. Dies war allerdings für die Küchenfrauen eine zusätzliche Arbeitsleistung. Um diese erträglicher zu gestalten, halfen wir beim Zurücktragen des Geschirrs in die Küche. Außerdem war es für uns eine Selbstverständlichkeit, daß der Speisesaal sofort nach der Veranstaltung wieder hergerichtet wurde, so daß der nächste Tag in der gewohnten Weise mit dem Frühstück beginnen konnte. Schwester Elisabeth, die wir liebevoll Ameise nannten, war eine unermüdliche Krankenschwester, die die kleinen und großen Wehwehchen in der Krankelei erfolgreich behandelte. Sie war immer flink im gesamten Schulbereich unterwegs und schien niemals Zeit zu haben. Ich glaube,

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sie hatte uns in ihr Herz geschlossen. Als im Sommer 1947 die Probleme in der Ernährung immer größer zu werden drohten (vgl. Habenstein a.a.O. Seite 121), kam sie eines Tages aus der Küche und sagte uns im Speisesaal in ihrer unnachahmlichen Art: »Jungs, ich habe gehört, ihr werdet nicht satt. Ich habe einen Eimer Wasser mehr an die Suppe gegossen. Ich hoffe, das reicht.« Diese unübertreffliche Art der Fürsorge vergisst man nicht. Als sie später im Diakonissenmutterhaus in Halle eingezogen war. besuchte sie mich und meine Familie öfters. Es war eine Freude, sie zu erleben: geistig sehr rege, immer noch neugierig im besten Sinne des Wortes und weiterhin so flink wie in Pforta.

Hebdomadariat Die Wochenaufsicht im Internat oblag dem Hebdomadar, der nach einer Woche in diesem Dienst von einem anderen Lehrer abgelöst wurde. Ihm standen drei Schüler zur Seite: ein Famulus und zwei Inspektoren. In dieser gemeinsamen Aufgabe lernten sich Lehrer und Schüler außerhalb des Unterrichts kennen, was dem Internatsleben und dem persönlichen Verhältnis zugute kam. Als Dr. Hippe während seines Hebdomadariats mit seiner sonoren Stimme mehrmals am Tage das Operettenlied »Komm mit

nach Tahiti« sang, waren wir überrascht. Unser Interesse an der eingängigen Melodie und dem Text steigerte sich so, dass wir eines Tages vor Beginn des Mittagessens diesen »Schlager« als Geburtstagsständchen für unseren Jubilar zu dritt !! auf dem Flügel des Speisesaals zu Gehör brachten. Wir waren froh, als unser Scherz mit einer freundlichen Dankesgeste aufgenommen wurde.

Die Gemeinschaftsarbeit Orchester – Theaterspiel Die Gemeinschaftsarbeit OrchesterTheaterspiel begann mit den Singspielen »Der Schauspieldirektor« und »Bastien und Bastienne« von Mozart. Aber die zweifellos absoluten Höhepunkte waren die Aufführungen der Sophokleischen Tragödien »Antigone« (1949) und »Ödipus« (1950). Für die Bewältigung eines solchen Riesenprojekts bedurfte es nicht nur ausreichender Zeit, sondern vor allem einer ungeheuren Disziplin, eines großen Fleißes mit zähem Durchhaltevermögen und kameradschaftlicher Hilfe. Das erste Bekanntwerden mit dieser großartigen schauspielerischen Aktion verdanke ich einem Zufall: Als ich aus dem Kleinen Festsaal eine überaus laute Auseinandersetzung zwischen zwei Männern hörte, sah ich durch einen Spalt der geöffneten Ein-

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gangstür die Szenenprobe Dr. Sauter – Teiresias (Jochen Kreyssig). Teiresias beherrschte seinen Text so überlegen, daß er auf den »Theatermann Sauter« ohne jegliche Hilfe auf Augenhöhe reagieren konnte. Ich hörte und sah eine beeindruckende Szene. Um die Aufführung zum Schulfest im Mai 1949 bewältigen zu können, reisten die Mimen und auch die Orchestermitglieder vorzeitig aus den Osterferien zu ganztägigen Proben an. Unser Fleiß wurde von einer außerordentlich erfolgreichen Aufführung der »Antigone« belohnt. Ein Glücksfall verhalf der Aufführung zu einem einmaligen Bühnenbild. Es war die großzügige Hilfe des Generalintendanten der Staatstheater Berlin, Ernst Legal (al.port. 1894-1898). Er stellte aus dem Fundus die Kostüme einer Inszenierung von Gustav Gründgens zur Verfügung. Spezialfahrzeuge des DEFA-Filmstudios transportierten diese kostbare Fracht nach Schulpforta. Der Vater eines Schülers war dort Produktionsleiter. Die Aufführung in den Kammerspielen Halle erregte so viel Aufsehen, dass ein Rezensent in seinem enthusiastischen Beitrag tief beeindruckt jeden Schauspieler würdigte und dabei die »pfortenser Frauenrolle« (Klaus Hübschmann) mit den Worten »Ismene, I love You« hervorhob.

Der glanzvolle Höhepunkt zum 407. Schulfest unserer Alma Mater im Mai 1950 war die Aufführung des »König Ödipus«; eine weitere Steigerung der Zusammenarbeit unserer Mimen mit dem Orchester. Hier muss die majestätische Verkörperung der Titelrolle durch Uwe Kreyssig hervorgehoben werden, ebenfalls der von einem Schüler einstudierte Chorgesang in der Originalsprache.

30 Jahre Musikzweig Als wir im Institut für Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle über die weitere Erhöhung der Qualität in der Musikerziehung intensive Gespräche führten, konnte ich aus meiner Schulzeit in Pforta wesentliche Gedanken beisteuern. Sie betrafen im Einzelnen Pforta als Schulstadt: einer Einheit von Schule und Internat, in der sich die Vielfalt der Wissensaneignung und die musische Tätigkeit gut ergänzen. 1982 glückte die Einrichtung des Musikzweiges in Pforta. Der Musiklehrer Frank-Thomas Gericke entwickelte nach und nach die Aufstellung der einzelnen Unterrichtsfächer. Die musikmethodische Abteilung der Universität Halle half, und ab 1984 trat Frau Ilona Jende – heute Leiterin des Musikzweiges – ihren Dienst in Pforta an.

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Nach 30 Jahren hat sich der Musikzweig im Schulsystem der Landesschule Pforta so gefestigt, dass er mit der spezifischen Förderung seiner Schüler gleichberechtigt neben den traditionellen Unterrichtsfächern anerkannt steht. Für uns Ehemalige zeigt sich die Qualität des Musikzweiges in den hervorragenden Leistungen der beiden Chöre und in den von ihnen produzierten CD-Aufnahmen. Herzlichen Glückwunsch! Klaus-Dieter Scharfenberg (46–50 v.)

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Promotion von Dirk Heinecke Freie Universität Berlin

http://d-nb.info/1033790028/34

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Transformationsprozesse im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone/frühen Deutschen Demokratischen Republik 1945 bis 1958 am Beispiel der ehemaligen Fürstenschule und Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Schulpforta zur Erlangung des Doktorgrades eingereicht am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin im August 2012 vorgelegt von Dirk Heinecke, Matrikelnummer: 42 54 898 aus Thale/ Harz Wir gratulieren Dr. Heinecke zur Promotion! Seine Dissertation mit einem Gesamtumfang von 466 Seiten ist komplett im Internet unter der oben angegebenen Adresse zu finden. Eine Printausgabe der Dissertation wird hoffentlich bald folgen.

Berichtigung Joachim Münzenberg (48–49 v.) merkt zu seinem Beitrag »Steht die alte Kastanie noch?«, in: Die Pforte Nr. 65, 2012, S. 51f., an:

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Der Name des französischen Offiziers und ehemaligen Austauschlehrers in Pforta muß Emil Morice heißen, nicht Maurice. Diese Klarstellung ist notwendig, um eine Verwechslung mit Emil Maurice, dem Chauffeur, Duzfreund und frühen politischen Begleiter Adolf Hitlers, der wegen seiner engen Verbundenheit mit Hitler trotz seiner jüdischen Herkunft in der Umgebung des Reichskanzlers und »Führers« geduldet wurde (Wikipedia), auszuschließen. Dragon Naturally Speaking hatte sich hier unbemerkt »verhört«. Der erste Stundenlohn des Hilfsarbeiters Münzenberg betrug 55 Pfennige. Werner Ostrowitzki war zu Münzenbergs Zeiten in Pforta noch stellvertretender Schulleiter, er wurde erst zum 12. Januar 1951 als »Direktor« eingesetzt, vgl. Heinecke, S. 121f.

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *


Predigt zum Schulfest am 9. Juni 2013 in Schulpforte

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Eine Leiter steht im Blickpunkt der Geschichte aus der Bibel, die an diesem Ort alljährlich zum Schulfest gelesen wird (Gen 28,10-22). Sie erzählt die vertraute Geschichte des Alten Testaments von Jakob auf der Flucht vor seinem Bruder Esau und seinem nächtlichen Traum von der Himmelsleiter – dargestellt in einem alten Glasfenster der Klosterkirche. Diese Leiter liefert auch den Titel eines Romans unserer Jahre: »Jakobs Leiter« – so heißt dieses Buch. In ihm spielt diese Leiter auch die bestimmende Rolle: Es ist eine Stehleiter wie hier in der historischen Bibliothek von Schulpforte, jedoch steht sie nicht an einem so geschichtsträchtigen Ort wie der Landesschule, sondern in der engen staubigen Kammer eines Lagerhauses in New York. Dieses wiederum ist Bestandteil eines Antiquariats, dessen Inhaber Jack oder Jacob oder Jacov heißt und dessen bescheiden-schmuddeliges Geschäft sich in Manhattan befindet. Der Erzähler des Romans »Jacobs Leiter« aus der Feder des Ost-Berliner Autors Steffen Mensching, erschienen im Jahr 2003 (Aufbau-Verlag Berlin), ist vernarrt in Bücher. Er kennt sich aus in der Szene, sucht bei Trödlern und in kleinen Bücherstuben nach alten Büchern. Bei Jack findet er – gestützt auf

die alte Stehleiter – unter Staub und stockfleckig eine Vielzahl alter Bücher meist deutscher Literatur. Diese ziehen ihn mit dem Atem alter Bücher sofort in ihren Bann – und er kauft sie, alle 4000; es sind deutsche Bücher von Emigranten aus Deutschland. Die Bücher haben ihn, Steffen Menschings Ich-Erzähler, okkupiert. Es geht ihm nicht um den Inhalt dieser Werke, nicht um Fontane, Thomas Mann und die anderen namhaften Autoren dieser Bücher, sondern ihn interessieren die Spuren oder Lebenszeichen, die deren Besitzer in den Büchern hinterlassen haben. Er nimmt die Witterung dieser Spuren auf und geht auf die Suche nach den Biographien ihrer ehemaligen Besitzer, verborgen mitgeteilt in bedeutsamen Anstrichen, vergessenen Postkarten, verblichenen Bemerkungen, aufgehobenen Zeitungsartikeln und eingeklebten Ex Libris. Wie ein Detektiv begibt sich der Erzähler auf die Spur der einstigen Besitzer der alten Bände: Durch den Hinweis auf einen CommunistenClub kommt er beipielsweise Abraham Jacobi auf die Spur, der im Kölner Kommunistenprozess angeklagt wurde, nach England emigrierte, schließlich in Amerika blieb. Er liest von Max Martin Nathan, dessen Kinderzeichnungen, 1927 und 1928 im »Kunstblatt der Jugend« veröffentlicht wur-

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den und dessen Weg nach England, Amerika, schließlich Australien der Erzähler mühsam recherchiert, und rekonstruiert. Schließlich trifft er Hilde aus Berlin in New York, eine der Sekretärinnen, die damals Schindlers Liste tippte und – selbst auf dieser Liste stehend – überlebte. Am zufälligen Beginn dieser Begegnungen steht eine Leiter, auf der ein Bücherfreund seine zu Papier gewordenen Gesprächspartner in staubigen Regalhöhen erreicht oder auf die er sich setzt, um wie gebannt in ihnen zu schmökern. »Auf Jacobs Leiter sitzend, hadere ich mit Gott. Will ihm gerade die Meinung sagen über den Zustand der Welt und den Umgang mit Druckschriften insbesondere, als Jack im Türrahmen erscheint, ein Engel, der den Chef vor Belästigungen bewahrt.« (S. 32) »Jacobs Leiter« von Steffen Mensching – eine Übersetzung von Jakobs Traum der Himmelsleiter in die Moderne. Eine Leiter ist das, was beiden Geschichten gemeinsam ist, doch wie verhält es sich mit ihrer Funktion? »Jacobs Leiter« verbindet Menschen, Biographien, Lebenswege, sie führt über Bücher zu Menschen. Die Leiter ist Medium – Vermittlung zwischen Gott und Mensch, Büchern und Leser, lesenden Menschen und geschilder-

ten Menschen bzw. solchen, die zu einem anderen Zeitpunkt gelebt haben. Auch die Himmelsleiter im Traum des biblischen Jakob (Gen 28, 10-22) verbindet. Sie führt von der Erde, der Schlafstelle des Betrügers und feigen Flüchtlings Jakob hinauf in den Himmel. Doch: Wo ist der Himmel? Gewiss: Die Leiter verbindet ein Oben und ein Unten, die Wirklichkeit, die einen Boden gewährt, auf dem man stehen kann, und die Wirklichkeit, in der bestimmte Wesen, Vögel zum Beispiel und Engel, ohne Boden auskommen. Aber Jakob wird nicht über die Leiter in die obere, bodenlose Welt entrückt. Springen wir daher nicht zu schnell auf eine höhere Ebene: Die Himmelsleiter und die Gottesboten, die auf ihr auf- und niedersteigen, geben ihm vielmehr Hoffnung. Er ist nicht verstoßen, Gott begleitet ihn, lässt ihn nicht im Stich, geht mit ihm. Doch zunächst und nicht nur für eine kurze Zeit, sondern für über 14 Jahre muss er sich in der Fremde vor dem Zorn seines Bruders Esau in Sicherheit bringen. Die einmal ausgesprochene Verheißung, dass Gott mit ihm geht, muss ihm genügen. Von diesem einen Traum muss er sehr lange zehren. Dass es ein ewiges Leben nach dem Tod, Auferstehung, zugesagte Vergebung, Gnade für uns gibt, das ist erst eine spätere Stufe der Offenbarung.

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Jakobs Lebensziel und das seiner Zeitgenossen ist es, »mit Gott« zu leben und »satt an Jahren« zu sterben und weiterzuleben in seinen Nachkommen, die seinen Segen weitertragen. Wo ist also für ihn der Himmel? Die Antwort gibt – in einem kühnen Zeitsprung – der Religionsphilosoph und frühere Aachener Bischof Klaus Hemmerle (1929-1994): »Der Himmel ist zwischen uns« – so lautet der Titel eines seiner Bücher (München 1978). Das wird Jakob wenig später selbst erfahren: Er gelangt nach Haran zu seinem Onkel Laban, heiratet dort zunächst Lea und dann seine geliebte Rahel, wird Vater von einer Tochter und zwölf Söhnen, die später die Väter der Stämme Israels werden, bevor er dann nach langen Jahren in der Fremde heimkehrt und sich mit seinem Bruder Esau versöhnt. Eine Leiter verbindet Menschen und dies nicht nur in spannenden, Interesse weckenden Zusammenhängen wie die Leiter des Manhattaner Antiquars Jacob. Eine Leiter kann Menschen nicht nur vertikal, sondern auch horizontal verbinden und dadurch Menschenleben vor dem Untergang retten. Bricht einer auf dem Eis eines Sees im Winter ein, so bedarf es einer solchen Leiter, um ihn zu retten. Der Helfer nähert sich vorsichtig, robbt achtsam heran, um nicht selber einzubrechen, und schiebt dann die

Leiter vor zum Verunglückten und gibt ihm rettenden Halt. Der Traum des biblischen Jakob von der Himmelsleiter beschreibt auch eine solche rettende Leiter, es ist eine Leiter, auf der Gott zu den Menschen herabsteigt. Jakob kann aus Eigenem nicht zu Gott aufsteigen, aber Gott kommt ihm in seinen Boten entgegen. Die Himmelsleiter markiert damit die Schwelle zwischen Gottesferne und Gottesnähe. Diese Schwelle zwischen Ferne und Nähe zu Gott beleuchtet unsere biblische Erzählung von beiden Seiten: Die Exegese hat herausgearbeitet, dass in dieser Geschichte eine archaische Überlieferung aus zwei Erzählsträngen gewoben wurde. – Dies sei gesagt in Reverenz vor dem Pentateuchforscher Karl David Ilgen (1763-1834), der von 1802 bis 1831 als Rector Portensis diese Schule leitete. – Der eine und zwar der ältere (»Jahwist« genannt) dieser Stränge betont um 920 v. Chr. – also vor fast 3000 Jahren – die erfahrbare Nähe Gottes. Jahwe ermutigt Jakob mit den Worten: »Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, noch Norden

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und Süden und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprachen habe.« (Gen 28,13-15) Die etwa zwei Jahrhunderte spätere Überlieferung (»Elohist« genannt) geht dagegen um 722 v. Chr. auf Distanz. Jahwe spricht hier nicht unmittelbar, sondern es bedarf des Traums und der Gottesboten, um seine Nähe erfahren zu können. Die Reaktion Jakobs auf die durch Traum und Engel vermittelte Erfahrung von Gottes Gegenwart ist frommes Schaudern, in der Sprache der Bibel »Ehrfurcht« genannt: »Furcht überkam ihn und er sagte. Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels. » (Gen 28,17) Beides steckt also in unserem Predigttext: Unmittelbare Zusage von Gottes Nähe und Stehen zu seiner Verheißung einerseits und die Ferne, Transzendenz Gottes, die durch Träume, Gottesboten und – hier symbolisch verdinglicht – durch die Himmelsleiter überbrückbar gemacht werden muss. Die Reaktion Jakobs ist daraus folgend auch eine doppelte: Er empfindet Ehrfurcht und Trost, Ermutigung zugleich. Diese beiden Reakti-

onen scheinen Gegensätze zu sein, ergänzen aber einander und geben sich gegenseitig geistliche Tiefenschärfe. Jakobs Ehrfurcht ist eben keine Angst vor Gott, sondern die dem Menschen angemessene Haltung angesichts des Geheimnisses Gottes und seiner Weltüberlegenheit. Ehrfurcht als »Ernst-nehmen« Gottes und die Haltung der Demut, nicht des Buckelns oder des oberflächlichen Kuschens. Und auf der anderen Seite gewinnt Gottes tröstende Zusage seiner Nähe durch seine Transzendenz erst Bedeutung, Macht und Lebenskraft für den Menschen Jakob. Gottes Wort ist eben nicht ein mal so dahergeredetes, kuscheliges Wort, das schon bald sein Verfallsdatum erlebt. Gottes Wort ist ernst, es ist voller Kraft und Dynamik und genau darum vermag es zu trösten. Weil das Wort Gottes so kraftvoll, wirkmächtig und dynamisch ist, deshalb gilt auch: Gott kann auf krummen Zeilen gerade schreiben. Der Betrüger Jakob ist durch List Träger des Segens und damit der an Abraham ergangenen Verheißung geworden. Trotz seiner charakterlichen Defizite und seiner krummen Touren steht Gott zu ihm und wirkt durch ihn Gutes. Liebe Schülerinnen und Schüler, Ehrfurcht, Trost und die Erfahrung, dass

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Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann, wünsche ich euch: Ehrfurcht – die man als Respekt auch euch entgegenbringt, eine Haltung, die – wie uns in den letzten Jahren schmerzhaft bewusst wurde – in kirchlichen und weltlichen Internaten vielen verweigert wurde, deren Internatszeit nicht eine »Porta coeli«, sondern eine »Porta inferni« wurde. Trost – als die tiefe Erfahrung, dass Gott neben euch ist, euch hält und begleitet auf Wegen, die von Menschen als »krumm« wahrgenommen werden. Ihr könnt nicht tiefer fallen als in die Hand Gottes (Margot Käßmann). Die Leiter verbindet Menschen in Antiquariaten, Buchhandlungen und Bibliotheken durch Bücher als Medium; Menschen, die im Eis eingebrochen sind, rettet sie vor dem Untergehen; sie stellt in Jakobs Traum die Verbindung zwischen Gott und Mensch her. Auch wenn Jakobs Traum noch so ermutigend ist, er selbst geht die Leiter nicht hinauf, er bleibt auf der Erde und wandelt den harten Stein, auf dem er schläft, zu einem Altar um, zu einem dauerhaften Zeichen von Gottes Gegenwart. Möglich wird diese Erfahrung von Gottes Nähe, nicht weil Jakob zu Gott hinaufsteigen könnte, sondern weil Gott ihm auf der Leiter entgegenkommt.

Von Frère Roger Schutz, dem Gründer der ökumenischen Mönchsgemeinschaft von Taizé, stammt das ermutigende Wort: »Bevor du geboren wurdest, habe ich von dir geträumt, sagt Gott.« Jakob träumt von der Nähe Gottes, doch bevor Jakob das tut, träumt Gott schon von Jakob. Gott träumt von jedem Menschen. Jeder von uns: Du und ich, jeder von uns ist ein ewiger Traum Gottes. Welche Funktion hat die Leiter dann? Sie verbindet den Traum Gottes vom Menschen mit der Wirklichkeit des Menschen; sie hilft, dass der Traum real wird. Gottes realer Traum: bist Du! Amen. Pater Maurus KraSS OSB, Prior des Benediktinerklosters Wechselburg

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China im Sommer 2013 Das »Naumburger Tageblatt« meldete:

Landesschule Aufforsten im Reich der Mitte 25.06.2013

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Gymnasiasten aus Pforta helfen in China im Rekultivierungsprojekt. Dafür werden sie von Stiftung zu »Welt:Klasse-Botschaftern« ernannt. Zwar hatten sich die vier Pfortenser gründlich auf ihre China-Reise vorbereitet. Aber graue Theorie ist das eine. Die Eindrücke, die das Quartett im Reich der Mitte sammeln konnte, brachten doch so manche Vorstellungen über das Land und vor allem seine Leute ins Wanken. Denn deren Alltagsleben haben Elisabeth de Boor, Myriam Rosenkränzer, Paulina Falky und Johannes Nentwig aus unmittelbarer Nähe kennengelernt. Schließlich waren die Schüler aus den Klassen 11m und 12m der Landesschule Pforta im Winter nicht als Touristen in China unterwegs. Ihre knapp einmonatige Reise in das Gebiet des über 3000 Jahre alten Dali, Hauptstadt des alten Reiches Nanzhao in der heutigen Region Yunnan, war ein durch die Stiftung »Welt:Klasse« ermöglichter Studienaufenthalt der besonderen Art. Setzen sie doch dort fort, was vor ihnen schon andere PfortaGymnasiasten begonnen haben: ein

Aufforstungsprojekt. Bei dem werden gegen die Erosion des Bodens Walnussbäume gepflanzt, deren Früchte später verkauft werden. »Wir wohnten nicht nur bei Gasteltern in der Stadt, sondern im ländlichen Raum auch gemeinsam mit chinesischen Studenten«, so Elisabeth de Boor. Daneben waren sie als Kulturbotschafter an Schulen tätig. So musizierten die Gymnasiasten aus dem Musikzweig der Landesschule Pforta mit chinesischen Kindern. Zurück zu den ambivalenten Erlebnissen. Beeindruckt waren die Schüler vom wirtschaftlichen Boom Chinas, aber im negativen Sinn auch von seiner Kehrseite, der Umweltverschmutzung. Ebenso widersprüchlich die Eindrücke vom Bildungs- und Studiensystem. Schüler und Studenten büffeln, was das Zeug hält, werden schon früh vom Karrieredenken geprägt. Andererseits wird Wissen in sturem Frontalunterricht vermittelt. Ein »schriftliches Nachspiel« der Reise stand jetzt in Pforta an. Konnten doch Rektor Thomas Schödel und Geografie-Lehrerin Bettina Reinhardt den China-Reisenden das Zertifikat als »Welt:Klasse-Botschafter« überreichen. Was Schödel stolz macht: Die Landesschule ist die einzige Bildungsstätte in den neuen Bundesländern, die ins »Welt:Klasse-Programm« aufgenommen wurde.

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Eine Reise ins Reich der Mitte Wir, Myriam Rosenkränzer, Paulina Falky, Elisabeth de Boor und Johannes Nentwig, haben im März 2012 den Entschluss getroffen, mit der Stiftung Welt:Klasse nach China zu reisen. Genaues Ziel: Dali, eine Stadt mit ca. 600.000 Einwohnern im Süden Chinas, in der Provinz Yunnan. Am 20.12.12 war es dann endlich so weit: Nach einem knappen Jahr Vorbereitungszeit und 8.000 € an eingeworbenen Spendengeldern flogen wir über Peking und Hangzhou nach Kunming, die Provinzhauptstadt von Yunnan. Nach einem Abend und einer Nacht in Kunming brachte uns unser Betreuer Scott zum Bahnhof, auf dem wir die letzte Etappe unserer Reise antraten: eine achtstündige, aber recht unterhaltsame Fahrt in Liegewagen, die kurzer Hand zu Sitzwagen umfunktioniert wurden. Dort konnten wir hautnah einen Socken verkaufenden Schaffner und viele andere chinesische Eigenheiten erleben. In Dali erwartete uns Jeffrey, der für unsere Betreuerin Rebecca eingesprungen war, und brachte uns zu unserer Gastfamilie, bei der wir die erste und die letzte Woche unseres Aufenthaltes wohnen sollten. Leider konnten wir uns nur schwer mit unserer Gastmutter oder ihrem Sohn verständigen, da ihr Englisch so gut war

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wie unser Chinesisch. Trotzdem wurden wir sehr warmherzig aufgenommen und auch bestens, anfangs noch, im wahrsten Sinne des Wortes, entschärft, bekocht. Am Abend machten wir noch einen Spaziergang und lernten so das kunterbunte und lebendige Nachtleben der Stadt kennen. In den nächsten Tagen unterrichteten wir Englisch an der »Dali Foreign Studies Training School«, einer Privatschule, in der die Kinder am Wochenende ihr Englisch verbessern sollen. Da auch chinesische Kinder am Wochenende keine große Lust auf Schule haben, war der Unterricht für uns eine Herausforderung, aber mit Spielen und Liedern konnten wir die Schüler doch noch motivieren. Am darauffolgenden Heiligabend hatten wir einen Chinesisch-Crashkurs mit Sätzen wie z.B. »I would like an apple« oder »I am listening music«. Ansonsten stand dieser, für uns Deutsche besondere, Tag ganz im Zeichen der abendlichen Christmas-Party: wir verteilten Flyer für die Party vor einer Schule, pusteten Luftballons auf und kauften Masken. Abends hatten wir dann das Vergnügen als Juroren eines EnglischWettbewerbes zu fungieren und den nicht besonders interessierten Chinesen Weihnachten näher zu bringen. An zwei weiteren Tagen in Dali unterrichteten wir noch in einer Vorschu-


le. Trotz dessen, dass die Kinder so gut wie kein Englisch beherrschten, hatten wir mit dem Lied »Head and shoulders, knees and toes« viel Spaß und konnten für die sonst an totalen Frontalunterricht gewöhnten Kinder ein schönes Lernerlebnis schaffen. Um die regionale Wirtschaft Dalis besser kennenzulernen, durften wir am nächsten Tag noch die örtliche Brauerei und eine Zementfabrik besichtigen, was für uns vor allem bedeutete, den chinesischen Verkehr besser kennenzulernen. Fünf Personen auf einem Motorrad? – Geht locker! Und es ist kein Problem, wenn man mal im Gegenverkehr steht. – Einfach ruhig bleiben, langsam weiterfahren und vor allem hupen! Nach den ersten Tagen in der Stadt machten wir uns auf, die nächsten zwei Wochen in dem kleinen 250-Einwohner-Dorf Shang Qing zu verbringen. Dort fand unser Aufforstungsprojekt statt, bei dem wir mit insgesamt sieben Englisch-Studenten der Dali University zusammenarbeiteten. Wir lebten auf dem Hof der Eltern unseres zweiten Betreuers Mr. Zhang und konnten so eine ganz andere Seite Chinas, nämlich eine sehr ländliche und einfache, erfahren. Mit den Studenten verstanden wir uns nach einiger Zeit bestens und wir konnten vieles über das Leben im Reich der Mitte lernen, aber ih-

nen auch die größtenteils völlig fremde Kultur Deutschland etwas näher bringen. Unsere Arbeit bestand darin, Bäume zu pflanzen, womit wir Bauern halfen, deren Ländereien für andere landwirtschaftliche Nutzung zu steil sind. Dennoch hatten wir viel Freizeit, die wir in der Sonne lesend verbrachten. Außerdem besuchten wir zwei lokale Märkte, auf denen es viele uns fremde Früchte, aber auch frisch Geschlachtetes neben Besen, Shampoo, Töpfen oder Schuhen zu erstehen gab. In diesen Wochen lernten wir bei einer »cultural party« auch noch die Kultur des in Dali autonom lebenden Volkes der Bai kennen. Einige Frauen aus dem Dorf führten traditionelle Tänze auf, die uns dann, zur Freude aller, auch beigebracht wurden. Dank der großartigen Gastfreundschaft unserer Gastgroßeltern hatten wir eine tolle Zeit und fühlten uns nach zwei Wochen schon ein bisschen zu Hause. Der letzte Tag im Dorf war für den Besuch des Chicken Foot Mountain, eines wichtigen buddhistischen Tempelberges, vorgesehen. Dafür mussten wir bereits morgens um 7.00 Uhr aufstehen, was sich jedoch auf alle Fälle gelohnt hat! Nach einstündiger Autofahrt auf dem letzten Parkplatz angekommen, lag noch ein circa dreistündiger Fuß-

China im Sommer 2013 | 65


marsch vor uns, bis wir die Pagode und die farbenfrohen Tempelanlagen besichtigen konnten. An diesem Tag erlebten wir für den Süden Chinas auch noch etwas ganz Besonderes: nämlich Schnee!

ten, hatten wir noch einen Tag Zeit, Geschenke zu kaufen und ein letztes Mal durch die liebgewonnene Stadt zu spazieren. Im Zug feierten wir meinen Geburtstag mit einer Torte, die Rebecca spontan besorgt hatte.

Nach diesem spannenden Ausflug und zwei wundervollen Wochen auf dem Land hieß es dann Abschied nehmen, denn am nächsten Tag ging es zurück in die Stadt, um nochmals an zwei Tagen in der Privatschule zu unterrichten.

Den Abend verbrachten wir mit Jennifer, einer Studentin aus Kunming, die uns nach einer kurzen Nacht auch zum Flughafen brachte.

Am Montag der letzten Woche besuchten wir zuerst die schöne, aber auch sehr touristisch geprägte Altstadt Dalis mit ihren berühmten Drei Pagoden. Am Nachmittag trafen wir dann ein letztes Mal unsere Studenten, die uns ihre Universität und ihre Wohnheime zeigten. Am Dienstag wartete noch ein weiterer Höhepunkt auf uns: der Besuch von Rebeccas Heimatdorf, in dem zur Vorbereitung auf das Chinesische Neujahrsfest ein Schwein geschlachtet wurde. Bei einem großen Grillfest mit viel Dali Beer wurde es gemeinsam verzehrt. Wir konnten dort nochmals die Bekanntschaft vieler freundlicher Menschen machen und wurden in die Gemeinschaft des Dorfes wie selbstverständlich aufgenommen. Bevor wir uns am Donnerstag wieder in den Zug nach Kunming setz-

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Wegen einer Verspätung bei den Flügen landeten wir nach zwei Tagen Rückreise am 19.1.13 wieder wohlbehalten und voller neuer, großartiger Eindrücke in Deutschland – wenn auch in München statt in Frankfurt. Hier möchten wir auch nochmals ein besonderes xiè xie an alle unsere Sponsoren, Freunde und Familien sagen, die uns großzügig unterstützten und tatkräftig zur Seite standen! Johannes Nentwig (al. port. 09–13 v.)


Chorreise nach Budapest

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Ein Bus mit Choristen, jeder Menge Essen, den Betreuern und einem Affen machte sich am 24.3.2013 auf den langen Weg nach Budapest, Ungarn. Ihre Mission: einen internationalen Chorwettbewerb mit 62 teilnehmenden Ensembles zu bestreiten. Nachdem unsere Fahrt länger wurde als von Herrn Lachmann geplant, bestand die ernsthafte Frage, ob wir das Eröffnungskonzert noch rechtzeitig erreichen würden. Hartwig, unser Busfahrer, erbrachte seine erste Glanzleistung und schaffte es, uns sogar noch rechtzeitig zum Hotel zu fahren. So konnten wir uns noch schnell für den Abend fein machen und das Eröffnungskonzert, mal abgesehen von den vorangegangenen zwölf Stunden Busfahrt, entspannt genießen. Gespielt und gesungen wurden Werke von Orbán György und Gyöngyösi Levente, beides moderne ungarische Komponisten. Vor allem das zweite Stück, die erste Sinfonie Gyöngyösis, beeindruckte uns auf besondere Weise, da es moderne sowie vertraute Klänge in einzigartiger Weise und unterstützt von E-Cello und Keyboard in sich vereinte. Am Hotel suchten wir dann alle uns noch etwas zu essen, dann gingen wir beinahe freiwillig ins Bett. Am Montag trafen wir uns um 9 Uhr mit unserer Stadtführerin im Bus, um uns zu einer abenteuerlichen Reise durch die Landeshauptstadt aufzu-

machen. Abenteuerlich wurde es vor allem für Hartwig, der uns am Morgen gutgelaunt mit Gesang begrüßt hatte. Unter der fachkundigen Anleitung der Stadtführerin musste er uns durch sämtliche Minigassen lotsen, die Budapest so zu bieten hat, und meisterte dies mit Bravour. Auf diese Weise sahen wir die Stefansbasilika, die Fischerbastei, das Parlament, den Keleti Pu, das Moulin Rouge, den Heldenplatz, die Oper, die Synagoge und noch viele kleine und große Straßenzüge Budapests. Zwischendurch machten wir drei Buspausen, sahen eine heilige Hand, machten Fotos auf der Fischerbastei, sangen in der Matthiaskirche und aßen Ungarisch in der Markthalle. Das anschließende Freundschaftskonzert sangen wir in einer der vielen ungarischen Kirchen. Mit uns sangen ein litauischer Frauenchor und ein weißrussischer Kinderchor. Die Geraer, auf die wir uns natürlich besonders gefreut hatten, hatten eine Buspanne und schafften es nicht rechtzeitig zum Aufführungsort. Vor allem der Kinderchor beeindruckte uns durch strikt einstudierte Technik und exakte Intonation. Allerdings fehlten uns an manchen Stellen ein geschlossener Chorklang, die Emotion und das Ende durch Abschlagen der Chorleiterin. Der Abend war zur individuellen Gestaltung bis 22 Uhr freigegeben. Viele nutzten ihn zu eigenen Stadtrundgängen durch Budapests verschneite Innenstadt.

Chorreise nach Budapest | 67


Dienstag hatten wir morgens eine zehnminütige Stellprobe, auf die wir uns eine halbe Stunde intensiv vorbereiteten und die sekundengenau durchgeplant war. Auf den individuellen Stadtrundgängen danach schafften es zwei Sänger nähere Bekanntschaft mit einer schweren ungarischen Straßenbahn zu schließen, was einen im Krankenhaus verbrachten Nachmittag für Ella und Frau Jende nach sich zog. Der Rest des Chores machte sich derweil, durch die Mittagspause, eine letzte Probe und ermunternde Worte des Chorsprechers, der Stimm­f ührer und Herrn Lachmanns gestärkt, auf den Weg zum Budapest music center. Dort hatten wir um 16.30 Uhr eine wirklich allerletzte Probe mit Wein und Max und gingen danach für unseren Auftritt auf die Bühne. Dieser lief wirklich gut und wir konnten die Bühne mit einem guten Gefühl verlassen. Die restlichen Chöre unserer Kategorie konnten wir entspannt vom Zuschauerraum aus verfolgen. Nachdem wir uns im Bus umgezogen und etwas zu essen gefunden hatten, konnten wir auch noch den beiden Chören der Kategorie A1 lauschen. Besonders der schwedische Chor, von dem Herr Lachmann uns schon seit Wochen vorgeschwärmt hatte, beeindruckte uns mit seinem unglaublichen Chorklang und seiner Ausstrahlung tief. Der anschließende Abend war uns dann bis 0 Uhr

68 | Chorreise nach Budapest

freigestellt, was wir auf verschiedene Weisen nutzten. Der dritte und letzte Tag begann mit einer langen und kurvenreichen Busfahrt zum letzten Konzertort und danach stand uns ganz Budapest offen. So trennten wir uns und verbrachten ihn teils in einem Einkaufszentrum, nochmal in der Innenstadt oder in einem der Museen, die wir bis dahin völlig ignoriert hatten. 19.30 Uhr fand dann das Abschlusskonzert mit den Präsentationen aller Kategoriesieger statt. Auch hier waren die Schweden wieder die Krönung des Abends, aber auch zwei deutsche Ensembles und einige ungarische Chöre gefielen uns sehr gut. In der Pause nutzten wir dann nochmal die Gelegenheit, andere Chöre kennen zu lernen und unterhielten uns mit den Geraern, einem Kammerchor aus Aachen und den Schweden. Anschließend sangen wir gemeinsam das Halleluja aus Händels Messias und dann begann die große Preisverleihung. Auch wenn wir mit einigen Entscheidungen der Jury nicht ganz einverstanden waren, machten Herr Lachmann und Georg auf der Bühne eine sehr gute Figur. Am Ende konnten wir uns noch mit den Schweden über ihren Grand Prix freuen, auch wenn wir ihr Abschlussstück leider nicht mehr hören konnten. Als die Schweden begannen, saßen wir schon wieder im Bus auf dem Heimweg nach Pforte. Dort


kamen wir 10.15 Uhr an und wurden von Herrn Jende empfangen. Müde, geschafft und zufrieden fuhren wir wieder nach Hause um auch die letzten Tage der Osterferien genießen zu können. Gesamtbilanz: ein Goldenes Diplom Level IV, 23.76 Punkte, vier wunderschöne Tage in einer sehr netten Gemeinschaft, beeindruckende Klänge, die uns bis heute verfolgen und vor allem ein großes Danke an alle, die diese Fahrt ermöglicht haben: Herrn Lachmann, das Ehepaar Jende, Ella Lachmann, das Küchenteam, Hartwig und alle Sponsoren, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Maria Lang und Elisabeth de Boor (al. port. 09–13 v.)

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Spanienreise

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Sehr geehrter Herr Haase, sehr geehrte Mitglieder des Pförtner Bundes, Wir sind Schülerinnen der Landesschule Pforta und hatten dank der Unterstützung des Pförtner Bundes die Möglichkeit, eine Woche lang die spanische Kultur und Sprache sowie das Land näher kennenzulernen. Für Ihre Unterstützung möchten wir Ihnen unseren Dank aussprechen. Im Folgenden wollen wir Ihnen einige Eindrücke aus unserer schönen Zeit im Süden Spaniens vermitteln. Am 4. Mai 2013 um sechs Uhr morgens stiegen wir in den Flieger von Berlin nach Málaga. Von dort aus fuhren wir dann mit dem Bus nach Conil de la Frontera, wo wir in den nächsten sieben Tagen wohnen sollten. In der kommenden Woche hatten wir ein sehr abwechslungsreiches Programm. Unsere Vormittage verbrachten wir in der Academia Andaluza, einer spanischen Sprachschule. Nachmittags standen dann Stadtführungen, TapasTouren, ein Ausflug nach Cadíz mit Besichtigung der ältesten Camara Oscura Spaniens oder das bekannte Thunfischfest in Conil auf dem Programm. Natürlich fand sich auch Zeit, den Strand und das Meer zu genießen oder einen Stadtbummel zu machen. Den letzten Abend ließen wir nach einer Strandwanderung bei der Leite-

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rin der Schule, Isabel, im Garten beim Grillen ausklingen, zu dem sie uns eingeladen hatte. Am 11. Mai 2013 mussten wir das liebgewonnene Andalusien schweren Herzens wieder verlassen und kamen mit Bus und Flugzeug wieder nach Deutschland zurück. Alles in Allem war es eine schöne und erlebnisreiche Woche. Wir danken Ihnen allen recht herzlich für ihre Unterstützung. Mit freundlichen Grüßen, Nele Hasselmann und Jana Beeseim Namen aller Mitreisenden


Vom Pförtner Bund *  *  *


Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung

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Hierdurch lädt der Vorstand satzungsgemäß zur ordentlichen Mitgliederversammlung unserer Vereinigung ein. Diese findet im Rahmen des Schulfestes am Samstag, dem 24. Mai 2014, in der Aula der Landesschule Pforta statt.

Wenn aus dem Kreis der Mitglieder Wünsche für die Erweiterung der Tagesordnung bestehen, bitten wir, diese bis spätestens 11.05.2014 einzureichen. Am besten per e-mail: ­vorstand@pforta.de

Zeit: 11:00 Uhr – 12:30 Uhr Für die Mitgliederversammlung wird folgende Tagesordnung vorgeschlagen: » Bericht des Vorsitzenden » Bericht der Schatzmeisterin » Berichte der Rechnungsprüferinnen für die Haushaltsrechnungen 2012 und 2013 » Entlastung des Vorstands und der Rechnungsprüferinnen » Bericht des Archivars » Vorschlag des Vorstands zur gesetzlich zwingenden Satzungsänderung und Aussprache » Beschluss über die Satzungsänderung » Verschiedenes Erläuterungen und Wortlaut der vom Vorstand vorgeschlagenen Satzungsänderung entnehmen Sie bereits dieser Ausgabe unserer Mitgliedszeitschrift.

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zu der in der Mitgliederversammlung am 24. Mai 2014 zu beschlieSSenden Änderung der Satzung vom 16. Mai 1992

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Eine Änderung der Satzung des Pförtner Bundes e.V. ist unumgänglich, weil der derzeitige § 16, der die Frage regelt, was bei Auflösung des Vereins mit dem Vermögen geschehen solle, nicht mehr den geltenden gesetzlichen Vor­schriften entspricht. Darauf hat das Finanzamt hingewiesen und deutlich ge­macht, daß die Gemeinnützigkeit aberkannt werden müßte, wenn keine Än­derung zugunsten des vom Gesetzgeber konkret vorgegebenen Wortlautes und der Benennung konkreter Adressaten erfolgte. Im Zuge der Neuformulierung des letzten Paragraphen trat zutage, daß die momentan gültige Satzung ein Patchwork aus Änderungen und Ergänzungen darstellt, das einerseits keine klare Linie bei der Formulierung und der Glie­derung mehr erkennen läßt und das andererseits mit einigen Formulierungen einen Zeitgeist zum Ausdruck bringt, der heute u.a. den zahlreichen jünge­ren (potentiellen) Mitgliedern fremd ist. Aus diesem Grunde hat der Vor­sitzende unser langjähriges Mitglied Müller-

Erläuterungen Römer gebeten, eine komplexe Satzungsänderung zu erarbeiten, die die genannten Probleme ausräumt und die Satzung wieder ‚aus einem Guß’ erscheinen läßt. Soweit möglich, sind die Formulierungen selbstverständlich eng an die be­stehende Satzung angelehnt (schließlich will sich der Pförtner Bund e.V. nicht neu erfinden). Die wichtigsten Änderungen seien hier kurz genannt, ohne Sie von der eigenen synoptischen Lektüre abhalten zu wollen. Auf den ersten Blick fällt auf, daß die Paragraphen neu in numerierte Absätze untergliedert sind und daß es statt der bisherigen 16 nur noch 14 Paragraphen sind. Zudem wurden einige Umsortierungen vorgenommen: die Aussage von § 12 (alt) finden sie nun in § 7(4) wieder; die §§13 und 14 (alt) werden in einem Paragraphen zusammengefaßt; der letzte Satz von § 7 (alt) ist in § 7(2), der zweite Absatz von § 13 (alt) in § 9(7 und 8) eingegangen. Einige Aussagen konnten sprachlich verknappt werden, ohne daß dies grundsätzlich etwas an ihrem Inhalt ändern würde. Die Sprache ist durchgehend gendersensibel, für die daraus resultierende schlechtere Lesbarkeit bitten wir um Ihr Verständnis. Die Mitgliedschaft (§ 3) kann jetzt auch de jure so erworben werden, wie es de facto schon mehr oder weniger Brauch war und wer beim Zahlen säumig ist (§ 4), muß

Erläuterungen | 73


nicht mehr fürchten, daß der Beitrag durch Nachnahme erhoben werde. Den in der Vorstandssitzung vom 24. November 2012 mit Müller-Römer diskutierten, vom Vorstand verabschiedeten und danach durch das Finanz­amt geprüften Entwurf legen wir Ihnen hiermit zur freundlichen Annahme in der Mitgliederversammlung am 24. Mai 2014 vor.

Satzung vom 16. Mai 1992 §1 Name, Sitz, Vereinsjahr Unter dem Namen »Pförtner Bund e.V.« wird ein Verein gegründet, der in das Vereinsregister eingetragen werden soll. Der Sitz des Vereins ist Berlin. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Das erste Geschäftsjahr beginnt mit dem Tage der Eintragung in das Vereinsregister und endet mit dem darauf folgenden 31. Dezember.

am 24. Mai 2014 zu beschlieSSende geänderte Fassung §1 Name, Sitz, Vereinsjahr (1) Der Verein führt den Namen »Pförtner Bund e. V.« Er ist im Vereinsregister des Amtsgerichts BerlinCharlottenburg eingetragen. (2) Der Sitz des Vereins ist Berlin. (3) Vereinsjahr ist das Kalenderjahr.

§2 Zweck

§2 Vereinszwecke

Der Pförtner Bund e. V. gründet sich auf den in der alten »alma mater«

(1) Der Pförtner Bund e.V. gründet sich auf den in der Landesschu-

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lebendigen Geist der Dankbarkeit, Anhänglichkeit, Kameradschaft und wahrer humanistischer Gesinnung. Er will diese Güter zum Besten von Volk und Vaterland pflegen und nutzbar machen.

le Pforta in Naumburg-Schulpforte als »alma mater« lebendigen Geist der Dankbarkeit, Anhänglichkeit, Freundschaft und humanistischen Gesinnung. Er will diese Güter pflegen und nutzbar machen.

Auf dieser Grundlage bezweckt der Pförtner Bund e. V., die Landesschule Pforta in Schulpforte sowie solche Institutionen, die das Anliegen der Schule fördern, in jeder Weise zu unterstützen. Ferner bezweckt der Pförtner Bund e. V. die Begabtenförderung durch einmalige Zuwendungen und Stipendien.

(2) Der Pförtner Bund e. V. verfolgt auf dieser Grundlage ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts »Steuerbegünstigte Zwecke« der Abgabenordnung. Der Satzungszweck wird insbesondere durch Zuwendungen an die Landesschule Pforta in Naumburg-Schulpforte sowie an Institutionen verwirklicht, die das Anliegen der Landesschule fördern. Ferner betreibt der Pförtner Bund e.V. Begabtenförderung junger Menschen durch Zuwendungen und Stipendien. Der Pförtner Bund e.V. fördert und unterstützt außerdem die Erhaltung, Restaurierung und Nutzung der historischen Baudenkmäler in Naumburg-Schulpforte.

Der Pförtner Bund e. V. fördert und unterstützt die Erhaltung und Restaurierung der historischen Baudenkmäler in Schulpforte. Der Pförtner Bund e. V. verfolgt mit seinen Zielsetzungen ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts »Steuerbegünstigte Zweck« der Abgabenordnung. Der Satzungszweck wird insbesondere durch Zuwendungen an die Landesschule Pforta in Schulpforte sowie an solche Institutionen verwirklicht, die das Anliegen der Landesschule fördern. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

(3) Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

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Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsgemäßen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.

(4) Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsgemäßen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.

§3 Erwerb der Mitgliedschaft

§3 Erwerb der Mitgliedschaft

Mitglied kann jeder ehemalige Schüler der Landesschule werden, welcher sich mit den Zielen des Vereins einverstanden erklärt.

(1) Mitglied kann jede ehemalige Schülerin/jeder ehemalige Schüler der Landesschule werden, die/der sich mit den Zielen des Vereins einverstanden erklärt.

Unter der gleichen Voraussetzung können auch Freunde und Förderer der Landesschule zur Mitgliedschaft gelassen werden. Anträge zur Aufnahme in den Verein sind an den Vorstand zu richten. Über die Aufnahme von Mitgliedern entscheidet der Vorstand, Der Vorstand kann verlangen, daß neue Mitglieder zur Aufnahme in den Verein eine Bürgschaftserklärung von zwei Alten Pförtnern, welche Mitglied des Bundes sind, vorlegen. Die Mitgliedschaft gilt als erworben, wenn dem Antragsteller seine Aufnahme mitgeteilt wird oder seine

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(2) Unter der gleichen Voraussetzung können auch andere Personen, die Freundinnen/Freunde und Förderinnen/Förderer der Landesschule sein wollen, die Mitgliedschaft erwerben. (3) Die Mitgliedschaft im Verein wird erworben, sobald dem Vorstand die schriftliche Beitrittserklärung zugegangen und von diesem bestätigt worden ist.


erste Beitragszahlung angenommen worden ist.

§4 Beitragspflicht

§4 Beitragspflicht

Der Jahresbeitrag wird durch die Mitgliederversammlung festgesetzt. Erfolgt keine Zahlung, so kann der Beitrag durch Nachnahme erhoben werden.

(1) Der Jahresbeitrag wird durch die Mitgliederversammlung festgesetzt und soll jeweils bis zum Ende des 1. Quartals eines Kalenderjahres entrichtet werden.

Mitglieder, die nicht in der Lage sind, den vollen Beitrag zu zahlen, können ihn niedriger festsetzen oder erklären, daß sie für sich völlige Beitragsfreiheit in Anspruch nehmen. Hiervon ist dem Schatzmeister ggf. unter gleichmäßiger Zahlung des herabgesetzten Beitrages Mitteilung zu machen.

(2) Mitglieder, die nicht in der Lage sind, den vollen Jahresbeitrag zu zahlen, können diesen durch schriftliche Erklärung gegenüber der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister niedriger festsetzen. Ausnahmsweise kann durch schriftliche Erklärung gegenüber der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister auch völlige Beitragsfreiheit in Anspruch genommen werden.

§5 Beendigung der Mitgliedschaft

§5 Beendigung der Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft erlischt: a) durch Tod, b) durch Austritt aus dem Verein, c) durch Ausschluß. Der Austritt erfolgt durch schriftliche Anzeige an den Vorstand.

(1) Die Mitgliedschaft endet durch Tod, Austritt oder Ausschluss aus dem Verein. (2) Der Austritt erfolgt durch schriftliche Mitteilung an den Vorstand.

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Die Ausschließung kann durch Beschluß des Vorstandes bei Nichtzahlung des Beitrages für zwei aufeinanderfolgende Jahre oder auf Antrag des Vorstandes durch Beschluß der Mitgliederversammlung gegen Mitglieder erfolgen, welche den Zwecken des Vereins zuwiderhandeln.

(3) Der Ausschluss kann durch Beschluss des Vorstandes bei Nichtzahlung des Beitrages für zwei aufeinander folgende Vereinsjahre oder auf Antrag des Vorstandes durch Beschluss der Mitgliederversammlung erfolgen, wenn ein Mitglied den Zwecken des Vereins zuwider handelt.

§6 Organe

§6 Vereinsorgane

Die Organe des Vereins sind: a) der Vorstand, b) die Mitgliederversammlung[.]

Die Organe des Vereins sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung.

§7 Vorstand

§7 Der Vorstand

Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung gewählt. Die Wahl erfolgt für die Zeit bis zur Beendigung der zweiten auf die Wahl folgenden ordentlichen Mitgliederversammlung.

(1) Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung für die Zeit bis zur Beendigung der zweiten auf die Wahl folgenden ordentlichen Mitgliederversammlung gewählt.

Der Vorstand besteht aus mindestens fünf Mitgliedern, darunter dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, einem Schriftführer, dessen Stellvertreter und einem Schatzmeister.

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(2) Der Vorstand besteht aus mindestens fünf Mitgliedern, darunter der/dem Vorsitzenden, deren/dessen Stellvertreter/in, der Schriftführerin/dem Schriftführer, deren/dessen Stellvertreter/in und der Schatzmeisterin/dem Schatzmeister sowie gegebenenfalls weiteren als Beisitzer/ innen gewählten Mitgliedern.


Diese fünf Vorstandsmitglieder bilden den Vorstand im Sinne des § 26 BGB, auch wenn mehr Mitglieder gewählt sind. Nach außen, sowohl gerichtlich wie außergerichtlich, wird der Verein durch den Vorsitzenden oder seinen Stellvertreter und ein Mitglied des Vorstandes vertreten. Die Wahl von Beisitzern ist zulässig.

(3) Die erstgenannten fünf Vorstandsmitglieder bilden den Vereinsvorstand im Sinne des § 26 BGB, auch wenn mehr Mitglieder gewählt worden sind. Nach außen wird der Verein gerichtlich wie außergerichtlich durch die Vorsitzende/den Vorsitzenden oder deren/dessen Stellvertreter/ in und ein weiteres Mitglied des gesetzlichen Vorstandes vertreten. (4) Die Mitglieder des Vorstandes haben keinen Anspruch auf Vergütung ihrer Tätigkeit, jedoch können Auslagen erstattet werden.

§8 Ehrenvorsitzender Die Mitgliederversammlung kann einen früheren Vorsitzenden zum Ehrenvorsitzenden berufen. Der Ehrenvorsitzende hat das Recht, an den Sitzungen der Organe des Vereins mit Sitz und Stimme teilzunehmen.

§8 Die Ehrenvorsitzende/der Ehrenvorsitzende (1) Die Mitgliederversammlung kann eine(n) frühere(n) Vorstandsvorsitzende(n) zur/zum Ehrenvorsitzenden berufen. (2) Die/der Ehrenvorsitzende hat das Recht, an den Sitzungen der Organe des Vereins teilzunehmen.

§9 Aufgaben des Vorstandes

§9 Die Aufgaben des Vorstandes

Dem Vorstand liegt die Geschäftsleitung, die Ausführung der Vereinsbeschlüsse und die Verwaltung des Vereinsvermögens ob.

(1) Dem Vorstand obliegt die Leitung des Vereins, die Ausführung der Vereinsbeschlüsse und die satzungsgemäße Verwendung des Vereinsvermögens.

Erläuterungen | 79


Der Vorstand kann durch Beschluß die in § 7 vorgesehenen Ämter verteilen, soweit nicht schon durch die Mitgliederversammlung bei der Wahl des Vorstandes hierüber beschlossen worden ist. Der Vorsitzende leitet die Verhandlungen, bei seiner Verhinderung sein Stellvertreter, bei dessen Verhinderung das dem Eintrittstag in Pforte nach älteste Vorstandsmitglied.

(2) Der Vorstand kann durch Beschluss die in § 7 vorgesehenen Ämter verteilen, soweit nicht schon durch die Mitgliederversammlung bei der Wahl des Vorstandes hierüber beschlossen worden ist. Er kann einzelnen seiner Mitglieder bestimmte Aufgaben übertragen.

Der Vorsitzende beruft den Vorstand, so oft die Lage der Geschäfte dies erfordert oder drei Vorstandsmitglieder dies beantragen. Bezeichnung des Gegenstandes der Beratung bei der Berufung ist zur Gültigkeit eines Beschlusses erforderlich.

(3) Die/der Vorsitzende beruft den Vorstand ein, so oft die Wahrnehmung der satzungsgemäßen Aufgaben dies erfordert oder wenn drei Vorstandsmitglieder dies beantragen. (4) Der Vorstand ist bei Anwesenheit von drei Mitgliedern beschlussfähig. (5) Die/der Vorsitzende leitet die Verhandlungen des Vorstandes, bei Verhinderung ihr(e)/sein(e) Stellvertreter/in, bei deren/dessen Verhinderung das anwesende älteste Mitglied des fünfköpfigen gesetzlichen Vorstandes.

Die Beschlüsse werden nach Stimmenmehrheit gefaßt, bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Der Vorstand ist beschlußfähig bei Anwesenheit von drei Mitgliedern.

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(6) Vorstandsbeschlüsse werden mit Stimmenmehrheit gefasst und sind zu protokollieren. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der/des Vorsitzenden bzw. der Verhandlungsführerin/des Verhandlungsführers.


(7) Der Vorstand bereitet die Mitgliederversammlungen vor und beruft diese schriftlich unter Mitteilung der Tagesordnung ein. Die Einladung muss mindestens zwei Wochen vor dem Tag der jeweiligen Mitgliederversammlung veröffentlicht oder abgesandt worden sein. Dies kann auch auf elektronischem Wege geschehen. (8) Der Vorstand hat außerordentliche Mitgliederversammlungen einzuberufen, wenn es die Interessen des Vereins erfordern oder der 10. Teil der Mitglieder schriftlich unter Angabe des Zwecks und der Gründe die Einberufung einer Mitgliederversammlung verlangt.

§ 10 Schriftführer

§ 10 Die Schriftführerin/der Schriftführer

Der Schriftführer führt die Protokolle über die Versammlung des Vorstandes und der Mitglieder. Ihm liegt die Ausfertigung der zur Erledigung der gefaßten Beschlüsse erforderlichen Schriftstücke ob.

Die Schriftführerin/der Schriftführer führt die Protokolle über die Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen. Ihr/ihm obliegt die Ausfertigung der zur Erledigung der gefassten Beschlüsse erforderlichen Schriftstücke.

§ 11 Schatzmeister

§ 11 Die Schatzmeisterin/der Schatzmeister

Der Schatzmeister verwaltet die Kasse des Vereins, führt Buch über die Einnahmen und Ausgaben und hat

Die Schatzmeisterin/der Schatzmeister verwaltet die Vereinskasse,

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der Mitgliederversammlung einen mit Belegen versehenen Rechnungsbericht zu erstatten.

§ 12 Ehrenamtliche Tätigkeit des Vorstandes

führt Buch über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und hat der Mitgliederversammlung einen Rechnungsbericht zu erstatten.

Die Mitglieder des Vorstandes haben keinen Anspruch auf Vergütung ihrer Tätigkeit.

§ 13 Mitgliederversammlung

§ 12 Die Mitgliederversammlung

Die ordentliche Mitgliederversammlung findet in jedem zweiten Jahr statt. Regelmäßige Gegenstände der Beratung und Beschlußfassung der ordentlichen Mitgliederversammlung sind:

(1) Ordentliche Mitgliederversammlungen finden in jedem zweiten Kalenderjahr statt. Regelmäßige Gegenstände der Beratung und Beschlussfassung sind

a) der Jahresbericht des Vorstandes, b) der Rechnungsbericht des Schatzmeisters und der Bericht des in der letzten Mitgliederversammlung gewählten Prüfungsausschusses, c) die Entlastung des Vorstandes, d) die erforderlichen Neuwahlen. Außerdem hat der Vorstand außerordentliche Mitgliederversammlungen zu berufen, wenn das Interesse des Vereins es erfordert, oder wenn der zehnte Teil der Mitglieder schriftlich unter Angabe des Zwecks und der Gründe die Berufung einer Mitglie-

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der Bericht des Vorstandes, der Rechnungsbericht der Schatzmeisterin/des Schatzmeisters, der Bericht der in der letzten Mitgliederversammlung gewählten Rechnungsprüfer/innen, die Entlastung des Vorstandes sowie die erforderlichen Neuwahlen.


derversammlung verlangt. Der Vorstand beruft die Mitgliederversammlung schriftlich unter Mitteilung der Tagesordnung. Die Einladung muß mindestens zwei Wochen vor dem Tage der Versammlung veröffentlicht oder mit der Post abgesandt worden sein.

§ 14 Beschlüsse der Mitgliederversammlung Stimmberechtigt ist jedes Vereinsmitglied mit je einer Stimme. Das Stimmrecht in den Versammlungen kann auch durch ein mit schriftlicher Vollmacht versehenes anderes Vereinsmitglied ausgeübt werden, wobei jedoch kein Mitglied mehr als fünf Stimmen auf sich vereinigen darf. Bei der Beschlußfassung entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen, soweit nicht das Gesetz oder die Vereinssatzung zwingend etwas anders vorschreibt; bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden der Versammlung. Wahlen können, wenn kein Widerspruch erhoben wird, durch Zuruf erfolgen.

(2) Wahlvorschläge können auch durch Zuruf erfolgen. (3) Auf Mitgliederversammlungen ist jedes Vereinsmitglied mit je einer Stimme stimmberechtigt. Das Stimmrecht kann auch durch ein mit schriftlicher Vollmacht versehenes anderes Vereinsmitglied ausgeübt werden, wobei jedoch kein Mitglied mehr als fünf Stimmen auf sich vereinigen darf. (4) Bei der Beschlussfassung entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen, soweit nicht das Gesetz oder die Vereinssatzung zwingend etwas anderes vorschreiben. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der/des Vorsitzenden der Mitgliederversammlung.

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§ 15 Vereinsblatt

§ 13 Vereinsmitteilungen

Die Veröffentlichungen des Vereins erfolgen in dem Vereinsblatt »Die Pforte« oder durch schriftliche Mitteilung des Vorstands an die Mitglieder.

Mitteilungen des Vereins an dessen Mitglieder erfolgen in dem Vereinsblatt »Die Pforte« und/oder durch andere schriftliche oder elektronische Informationen.

§ 16 Auflösung

§ 14 Auflösung des Vereins

Bei Auflösung des Vereins ist das Vermögen zu steuerbegünstigten Zwecken im Sinne des § 2 dieser Satzung zu verwenden. Beschlüsse über die zukünftige Verwendung des Vermögens dürfen erst nach Einwilligung des Finanzamtes ausgeführt [werden.]

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Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt das Vermögen des Vereins an die Stiftung Schulpforta – Stiftung des öffentlichen Rechts – mit Sitz in Naumburg, 06628 Schulpforte, Schulstraße 22, die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu verwenden hat.


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Rede zum Diamantenen Abitur am 7. Juni 2013

Sehr verehrter rector portensis, sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer, Angestellte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Schülerinnen und Schüler, Goldene und Diamantene Abiturientinnen und Abiturienten, meine Damen und Herren! Wir, die Abiturientinnen und Abiturienten des Jahres 1953, sind heute hier in dem hohen Festsaal der Landesschule Pforta, der Aula der alma mater portensis, zusammengekommen, um gemeinsam mit den vielen eben Angeredeten angemessen unseres Abiturs vor 60 Jahren zu gedenken. Was haben wir in dieser Aula nicht alles gehört und gesehen, erfahren und erlebt! In dieser Aula sprach der erste offizielle Rektor der Landesschule, Dr. Ernst Habenstein, zu uns. Er stand für die humanistische Tradition und das Niveau der Pforte. Die Lehrbücher des Lateinischen und Griechischen, nach denen wir lernten, hatte er verfaßt. Er garantierte geradezu die Schule, unser Leben und Lernen in schwerer Zeit. Das ermutigte uns. In der Aula hörten wir 1949 die lange Reihe der Goethe-Vorträge der Fachlehrer. Hier weckte Wolfgang Hädecke, der geschätzte Interpret der Romane Fontanes und Thomas Manns, in einem Vortrag unser Verständnis

für die russische revolutionäre Lyrik. Hier waren wir enttäuscht, wenn wir erfuhren, daß sich die offizielle pädagogische Linie und die FDJ gegen gute Traditionen durchsetzten, wenn die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) wie selbstverständlich gegen die ausgeprägte Antikriegshaltung der Schule eingeführt wurde. Im Bachjahr 1950 haben hier einige Klassenkameraden das Weihnachtsoratorium mitgesungen. In dieser Aula schrieben wir die Abiturarbeiten, hier feierten wir den Abiball, und aus dieser Aula wurden wir entlassen. In dieser Aula blicken wir – wie in unseren ersten Pförtner Jahren – auf das Repräsentationsgemälde des Kurfürsten Moritz von Sachsen. Als politisch und religiös Hochbegabter hat er Kaiser und Reich widerstanden, Sachsen zu einer europäischen Macht gemacht, die Reformation behauptet, auch dadurch, daß er ihr und seinem Kurfürstentum eine neue intellektuelle Basis in Gestalt der Fürstenschulen gab. Nicht aus Adel und Bürgertum, sondern aus verschiedenen Schichten des Volkes führten die Fürstenschulen die besonders Begabten zusammen und bildeten sie – unabhängig von Stand und Vermögen – auf staatliche Kosten aus. Dadurch wurden die ärmeren Begabten besonders gefördert. Dieses dynamische Konzept schenkte der Schule von ihren Anfängen an und durch die Jahrhunderte hindurch

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eine – wie Karl Büchsenschütz gesagt hat – (Lesebuch, S. 6) »immer wieder sich verjüngende Lebenskraft«. Ich jedenfalls fühle mich als ein später Nutznießer der – inzwischen sehr gewandelten – Schulstiftung dem Kurfürsten dankbar verbunden – wohlwissend, dass er seine Ziele oft unter bedenklichem Einsatz politischer und militärischer Mittel erreicht hat. Von ihren Anfängen her behauptete sich die Schule auch in den für sie größten Krisen des 20. Jhs., in der Zeit des Nationalsozialismus und nach dem 2. Weltkrieg. Nach einer Absprache zwischen der Landesregierung – Ministerpräsident Hübner war Pförtner – und General Kotikov gab schließlich ein Schreiben des Majors Schumov vom 16. Sept. 1945 der geplünderten und verlassenen Schule das Recht, mit »schulpflichtigen Kindern« zu arbeiten. Schon im Herbst 1947 hatte sich die Schule unter Rektor Habenstein in Schulbetrieb und Lebensstil konsolidiert. Aber was die Lehrgegenstände und die kulturellen und anderen Aktivitäten der Lehrer und Schüler betraf, blieb so gut wie alles der Initiative der Lehrer und Schüler überlassen. Das war die große Zeit der Freiheit und Experimente. In dieser unwiederholbaren Zeit wurden wir, die meisten der Abiturienten des Jahrgangs 1953, in zwei großen Klassen in die Schule aufgenommen (mehr als 60). Die wachsende Zahl

der Schüler verbesserte die Position der Schule erheblich. Die Klasse 12b aus Roßleben trat erst sehr viel später, 1952, in die Pforte ein, nachdem sie dort ähnlich gute Tage wie wir in Schulpforta erlebt hatte. Wir kamen in die Hände engagierter Lehrer. Wir Anfänger des Herbstes 1947 waren dem mörderischen Krieg entronnen. Es kam so etwas wie das Glück der Überlebenden über uns. Zwar froren und hungerten wir in den ersten Jahren auch in der Pforte, aber die Tafel der geistigen und anderer Genüsse war uns reichlich gedeckt. Es gab vier Schul- bzw. Kirchenchöre, ständig wurde für irgendwelche Aufführungen geübt, oft wurde zu Vorträgen eingeladen. Auch beim Handwerk und im Sport konnte man viel entdecken. Nicht die Details, das Ganze, das kulturelle, intellektuelle, ästhetische Klima war das Treibende, das, was inspirierte, Neugier weckte und vorantrieb zu eigener Arbeit und Entdeckungen, zu Selbständigkeit und Verantwortung. Das war das neue tragende Lebensgefühl, das sich in der Lern- und Lebensgemeinschaft der Schule konkretisierte und durchhielt. Für viele von uns war diese Schule und diese Lebensgemeinschaft ein Geschenk, das uns im Nachhinein immer kostbarer wird. Eine besondere Rolle spielte in den ersten Nachkriegsjahren in der Pfor-

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te das Theaterspielen. Der begnadete Theatermann Walter Sauter prägte es und inszenierte unter anderem 1949 die Antigone und 1950 den Oidipous des Sophokles. Die Aufführungen waren Höhepunkte der Schulfeste. Sie ließen uns die Höhen und Abgründe des Humanum ahnen und nach dem Sinn des Lebens und dem eigenen Weg fragen. Die große Tradition des Theaterspielens wurde nach der Wende gewandelt – die Schülerinnen und Schüler inszenierten jetzt oft selbst – fortgeführt. Das haben wir gelegentlich an den Schulfesten gern gesehen. Dafür danken wir. Das Musizieren spielte ähnlich wie das Theaterspielen in der Pforte eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt ermutigte und erleichterte es das Überleben bei wachsendem politischen Druck und in persönlichen Krisen. Eine Blüte erlebte es in den 80er Jahren, nach der Wende und erlebt es eben jetzt. Darüber freuen wir uns sehr und gratulieren allen Musiklehrerinnen und Musiklehrern und allen Musizierenden. Zu Recht wird im Rahmen dieses Schulfestes morgen in einer Feierstunde in der Kirche des 30. Gründungstages des Musikzweiges gedacht. Aus Zeitgründen muß ich es mit diesem Hinweis bewenden lassen. Aber dies tue ich ohne Blick auf die Uhr von Herzen: Wir Ehemaligen danken allen Beteiligten für das Singen und Spielen in dieser Stunde.

Die zahlreichen Aktivitäten ruhten sicher auf der Schulordnung und der Schülerselbstverwaltung. Letztere wurde vornehmlich eingeübt in den Stuben- und Tischgemeinschaften, aber auch in den Chören, dem Orchester, dem Theaterspiel, dem Sport usw., und zwar nicht von den Älteren her, sondern im Grunde durch ein eigenwilliges Beziehungsspiel. In den Stuben und an den Tischen usw. gab es den Klassenmix und eine intensive Kommunikation zwischen den verschiedensten Bildungsstufen, Begabungen und Charakteren. Es wurde nicht nur Bildung, sondern auch soziale Verantwortung täglich eingeübt. Ein rechter Inspektor genoß echte Achtung und die persönlichen Beziehungen zu ihm hielten sich oft durch Jahrzehnte. Die Zeit der inspirierenden Anfänge und der Schülerselbstverwaltung ging endgültig zu Ende, als Rektor Habenstein abgelöst wurde und Ostrowitzki als neuer Rektor kam. Der Wind, der den unangepaßten und christlich sozialisierten Schülern ins Gesicht blies, wurde rauher. Bei unserem Abitur 1953 fiel die übliche ideologische Krise mit einer Kampagne gegen die Junge Gemeinde, die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche, zusammen, die übel diffamiert wurde. Durch Schikanen beeindruckt, gaben einige Schüler vor dem Abitur auf, andere wurden ausgeschlossen, aber später wieder zuge-

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lassen. Schon die Schule ermöglichte einerseits Aufstieg, erzwang aber andererseits Abstieg. Letzterem haben sich nicht wenige von uns durch den Übergang in das andere Deutschland entzogen. In diesem Auf und Ab profitierten die Pforte, wir und gewiß die Benachteiligten vom genius loci der Schule: Rhythmisierung der Zeit, ständige Lektüre und Auslegung, Erquickung in einem durch viele Generationen geübten Gesang, Einzug in die Stille waren im Kloster Sanctae Mariae Virginis ad Portam und auch danach in der Fürstenschule durch Jahrhunderte geübt worden. Stumm zwar, aber als ständige Frage blieb dies alles in Gestalt des Kreuzganges, der kargen Schönheit der Kirche, der Innigkeit der Abtskapelle präsent und kam jeder geistigen Anstrengung und Inspiration – gewiß auch den in schwieriger Zeit Sich-Behauptenden – zugute. Wer in Pforta die Möglichkeiten schöpferischer Arbeit und der Analyse der verschiedensten Phänomene genutzt hatte, war wohl für das Berufsleben und den Weg seines Lebens vorbereitet. Die meisten Abiturientinnen und Abiturienten entschieden sich für Berufe in der Medizin und Technik, einige wenige für die »Orchideenfächer«. Im Berufsleben pflegten die Pförtner dem Ethos rechter Arbeit und der Verantwortung für

die Menschen, die ihnen begegneten, verpflichtet zu sein. Wir blieben der Schule und uns treu, indem wir uns im regelmäßigen Rhythmus der ehemaligen Klassen trafen und uns über unser Ergehen, aber auch über die alte und neue Pforte und wichtige politische und soziale Entwicklungen austauschten, ohne unsere Differenzen zu glätten und ohne den Wettkampf der Systeme einfältig fortzusetzen. Diese Klassentreffen, an denen sich im Laufe der Zeit immer mehr Ehemalige aus dem Westen beteiligten, schufen wichtige Voraussetzungen für Dialog und Zusammenarbeit nach der Wende. Diese Treffen organisierten für die einzelnen Klassen erfolgreich Manfred Gleitsmann, Walter Burian und Klaus Kittel bzw. Wolfgang Knackstedt. Die Mitglieder des Pförtner Bundes und andere Pförtner in der Bundesrepublik waren in einer besseren Lage und haben für die Pforte viel getan, zumal nach 1989/90. Die Ehemaligen im Osten erkannten dies bald, und viele von ihnen traten dem Pförtner Bund bei. Das bewegende Ereignis der allgemeinen Wiederbegegnung und der Rückkehr zur Schule war das große Schulfest 1993 aus Anlaß des 450. Gründungstages. Ein charismatischer Rektor – ich spreche von Karl Büchsenschütz – und seine Mitarbeiter hatten es in kurzer Zeit zu ge-

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stalten vermocht. Wir danken ihnen herzlich.

persönlichen oder gesundheitlichen Gründen leider 13.

Nach sehr verantwortlicher langjähriger Arbeit in einem Landesgymnasium für Hochbegabte in Württemberg sind Sie, reverendissimus rector portensis novus, Thomas Schödel, in die Ihnen aus der Lehrerzeit vertraute alma mater zurückgekehrt und haben die Verantwortung für die Landesschule übernommen. Deutliche Akzente haben Sie bereits gesetzt. Seien Sie auch von den diamantenen Abiturienten herzlich willkommen geheißen.

Da ich die Verstorbenen erinnern will, bitte ich Sie, sich zu erheben.

Nur noch Weniges ist zu den diamantenen Abiturienten zu sagen: Einen eigenen Weg ist die Klasse 12b gegangen. Sie kam – wie eingangs erwähnt – erst in der 12. Klasse aus Roßleben in die Pforte. Wir haben die Roßlebener als eine sportliche, kulturelle und menschliche Bereicherung empfunden. Von den Roßlebenern her hat es Walter Burian so gesagt: «Wir sind stolz auf das Abitur in Pforta und verstehen uns als überzeugte Pförtner.« (Die Pforte 57, 2004, S. 15) Bei der Vorbereitung dieses Treffens hat für die 12b Walter Burian, der leider kürzlich verstorben ist, umsichtig mitgearbeitet. Für die Klassen 12a und 12c taten dies Horst Haber und Klaus Kittel. Von den 42 Abiturientinnen und Abiturienten des Jahres 1953 fehlen aus

Sehr früh und in den vergangenen zehn Jahren sind verstorben: » Walter Dietrich Riebe, Krankengymnast, 1983 im Alter von 51 Jahren » Walter Tuchen, Dr., Arzt, 2003 im Alter von 69 Jahren » Frithjoff Besch, Pfarrer, 2006 im Alter von 72 Jahren » Wilhelm Hollmann, Dipl. Ing., 2007 im Alter von 74 Jahren » Walter Burian, Prof. Dr., Wirtschaftswissenschaftler, 2013 im Alter von 76 Jahren. Wir danken der Landesschule Pforta herzlich für die große Zeit der Anfänge und Hoffnungen, für das lange Heimatrecht in dem einzigartigen Baukomplex zwischen Aula und Kirche, für ihre vielfältigen Traditionen, für die gewährte Freiheit nicht weniger Experimente und den geforderten Ernst der Arbeit. Dies alles hat uns befähigt, wichtige Aufgaben in der Gesellschaft zu übernehmen und zu erfüllen. Günther Schulz (al.port. 47–53 v.)

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Ecce-Feierstunde 2013

V

Verehrte Angehörige der Verstorbenen! Liebe Pförtner und Pfortenser! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! Wir sind heute Abend in unserer Kirche zusammengekommen, um ehemaliger Lehrer, Mitarbeiter und Schüler, welche in unserer Schule gelehrt, gelernt und gelebt haben und im letzten Jahr verstorben sind, zu gedenken. Vereint sind heute hier, Sie, verehrte Angehörige und Freunde der Verstorbenen, für die der Verlust eines lieben und geschätzten Menschen noch sehr gegenwärtig und schmerzend ist, und wir, die zurzeit die Räume dieses ehemaligen Zisterzienserklosters mit Leben füllen. Vereint an einem Ort, der für die Verstorbenen eine Stätte ihrer Jugend, ihrer Fröhlichkeit, ihres Eifers, ihrer Arbeit, aber auch ihres Ernstes war und zu dem sie ihre Bindung nie verloren haben. Und indem wir heute ihre Namen aufrufen, wollen wir dazu beitragen, denen Trost zu spenden, die dessen bedürfen. Zugleich wollen wir damit die Erinnerung an Menschen wach halten, die sich mit unserer Schule verbunden fühlten. In den Mittelpunkt meiner heutigen Worte möchte ich ein Gedicht von Charles Péguy, einem französischen

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Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, stellen. Der Tod ist nichts, ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir gegeben habt, sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redeweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. … Das Leben bedeutet das was es immer war, der Faden ist nicht durchgeschnitten. Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges. Péguy setzt sich mit seinen Worten mit dem Umgang von Verstorbenen zu seiner Zeit auseinander. In seine Kritik bettet er zugleich eine Anleitung für diejenigen ein, welche später um ihn trauern werden. Und hat er nicht recht? Wir sollen die Verstorbenen so in Erinnerung behalten, wie sie waren und uns dabei insbesondere ihrer guten Seiten erinnern. Zugleich sollten wir uns vergegenwärtigen,


dass uns das Leben geschenkt wurde, um es zu gestalten, es mit Freude zu füllen. Der Tod ist nichts, ich bin ich, ihr seid ihr. Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges. Mit den heute zu Gedenkenden eint uns der Ort. Auch sie haben hier an unserer Schule gelernt, gelehrt, geliebt, gelacht und haben den ganz besonderen Zauber dieses Ortes in den warmen Tagen des Frühjahrs und in der Zeit des bunten Weinlaubes genossen. In den nassen und trüben Tagen des Novembers sehnten sie, wie wir heute, die klärende Kälte des Winters herbei, wie auch den ersten Schnee, welcher den schwarzgrauen Schleier, der sich schwer auf die Steine der Gebäude und der Klostermauern legt, übertüncht.

Gedenken wir somit in dieser Stunde all derjenigen, welche auf der anderen Seite des Weges stehen und bedenken dabei, dass es der Wille der Verstorbenen ist, dass wir Visionen entwickeln, uns Ziele setzen, uns an unserer Gesundheit und unserer Gemeinschaft erfreuen. Die Verstorbenen sind nicht vergessen, solange wir aus der Erinnerung an sie für uns selbst Kraft schöpfen. Nicht zu vergessen ihr Wunsch: Lacht über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Thomas Schödel rector portensis

Wer den Jahreslauf in Pforte erleben durfte und darf, der trägt unauslöschbare Erinnerungen in sich. Nicht nur, weil Natur und Architektur hier vor Ort scheinbar eine ganz besondere Symbiose eingegangen sind, sondern vor allem wegen der Menschen, die mit ihren Vielfältigkeiten diesen Ort bereichert haben und bereichern.

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Ecce 2013 Carl Christian Gersdorf – Landwirt * 21.10.1925 † 2009 (al.port. 39 – 43) MDP Ingrid Remeth, geb. Schierz * 19.8.1941 † 23.1.2010 (al.port. 56 – 60 v.) Martin Kose * 11.9.1945 † 30.11.2012 (al.port. 60 – 64 v.) Prof. Dr. Heinz Kathe – Historiker * 21.1.1940 † 3.2.2012 (al.port. 54 – 58 v.) Siegfried Hoffmann * 29.5.1946 † 12.2.2012 (al.port. 60 – 64 v.) Dr. Klaus Wildgrube – Psychologe * 15.5.1939 † 22.11.2012 (al.port. 53 – 57 v.) Jürgen Lemm – Dipl.-Sozialpädagoge * 9.7.1941 † Dezember 2012 (al.port. 56 – 60 v.) Kurt Gutmann – Kammermusiker * 1.2.1913 † 8.12.2012 (al.port. 27 – 34 v.) MdP

92 | Ecce 2013

Dr. Ingrid Khalifa, geb. Lindner – Medizinerin * 13.3.1942 † 8.12.2012 (al.port. 56 – 60 v.) Erich Otto Schesky – Studiendirektor * 5.2.1927 † 12.12.2012 (al.port. 37 – 45 v.) MDP Margot Meng – Förderin der Landesschule * 8.8.1914 † 13.12.2012 Dr. Walter Baudisch – Biologe, Bürgermeister * 24.2.1933 † 21.12.2012 (al.port. 47 – 51 v.) Friedrich Meyer – Diplomingenieur * 29.5.1916 † 29.12.2012 (al.port. 29 – 35 v.) Dr. med. Hans Ulrich Schulz – Mediziner * 23.8.1919 † 1.1.2013 (al.port. 34 – 37) MDP Elisa Bulwan – Studentin * 23.4.1986 † 3.2.2013 (al.port. 01 – 05 v.) Siegward Ruhm – Wirtschaftswissenschaftler * 5.9.1937 † 20.2.2013 (al.port. 51 – 55 v.)


Dr. Hans-Joachim Doege – Unfallchirurg * 27.4.1921 † 25.2.2013 (al.port. 36 – 39 v.)

Dr. med. Jochen Zetzsche – Mediziner * 8.2.1935 † 5.6.2013 (al.port. 48 – 54 v.)

Helmut Otto – Diplomingenieur * 4.6.1939 † 6.3.2013 (al.port. 53 – 57 v.)

Dr. Hartmut Gehlmann – Musiklehrer und Kantor * 24.10.1930 † 28.6.2013 (al.port. 45 – 49 v.) MDP

Hans-Günther Wegner – Superintendent * 15.12.1930 † 25.3.2013 (al.port. 45–49 v.) MDP Prof. Dr. Walter Burian – Wirtschaftswissenschaftler * 29.5.1936 † 31.3.2013 (al.port. 52 – 53) Erich Wiethüchter – Bankdirektor * 15.10.1929 † April 2013 (al. Ilfeld) MDP Karl Otto Koch – Exportkaufmann * 4.8.1934 † 22. Mai 2013 Souderton, PA (USA) (extr.port. 46–49) Horst Krieg – Journalist, Schriftsteller * 1944 †20.5.2013 (al.port. 53 – 57 v.)

Dr. Brigitte Franke – Generalkonsulin filia Dr. Martin Franke * 12.7.1921 † Juli 2013 MDP Dr. Peter Bernd Jungwirth – Neurologe * 4.2.1945 † 23.7.2013 (al.port. 47 – 52) Karin Metzner, geb. Staege * 18.2.1941 † 2.8.2013 (al.port. 55 – 59 v.) Hannelore Arnold, geb. Brand * 31.1.1927 † 1.10.2013 Wirtschaftsleiterin der Landesschule 51–58 MDP

Ecce 2013 | 93


Erinnerung an Margot und Erich Meng

I

Ich habe Margot Meng nie persönlich kennengelernt. Ein einziger Briefwechsel verbindet mich mit einer starken Frau. Dorothea Margot Meng wurde am 8. August 1914 in Frankfurt am Main geboren. Die Ehe mit Erich Meng, dem Stabilaner aus Naumburg blieb kinderlos. Allein berufliche und finanzielle Erfolge konnten das nicht aufwiegen. Vor und nach der deutschen Teilung zog es das Ehepaar Meng häufiger zurück in die alte Heimat. Und damit auch nach Pforta. Hier wurden beide umfangen von einem einmaligen Ort und vor allem einmaligen Menschen. Charaktere, die unsere Schule so dringend braucht: Großartige Vermittler, empathische Persönlichkeiten und begeisternde Lobbyisten für die Sache der Landesschule. Nennen wir Namen. Es ist vor allem dem damaligen Rektor Karl Büchsenschütz und meinem Vorvorgänger Jochen Kreyssig zu verdanken, dass das Ehepaar Meng sich hier aufgehoben fühlte, so dass beide bereit waren, ihr beträchtliches Erbe hälftig benachteiligten Kindern in Bethel und zur anderen Hälfte begabten Kindern in Pforta zukommen zu lassen. Mir war es vergönnt, Margot Meng im August 2012 mit einer Grußkarte und einer CD aus Pforta zum 98. Geburtstag gratulieren zu können. Und ich

erhielt überraschend eine wache Antwort, in akkurater Handschrift: »Mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht über den Zustand der historischen Klosteranlage gelesen und habe gestaunt! Wie würde sich mein Ehemann Erich freuen, diese Zeilen auch lesen zu können. Er war schon als Schüler mit den Pfortensern verbunden in sportlichen Wettkämpfen und Veranstaltungen. Ihr Farbfoto der Kirche hängt unter einem gerahmten Schwarzweiß-Foto, das mein Mann als Andenken machte. Ich habe es ständig im Blick. Durch meine Pflegebedürftigkeit, gefesselt an einen gegenüberliegenden Sessel, schaue ich zwangsläufig in diese Richtung. Dort habe ich dem 1999 Verstorbenen zu Ehren ein Denk-Mal geschaffen mit Gegenständen aus Schulpforta.« Margot Meng, so hieß es aus dem Seniorenstift in Kassel, legte stets Wert auf Eigenständigkeit und klagte nicht über Beschwerden oder Einsamkeit. Sie versorgte sich trotz Einschränkungen bis wenige Wochen vor Ihrem Tod am 13. Dezember allein. An der Richtigkeit ihres gemeinsamen Testaments hatte Frau Meng bis zum Schluss nicht gezweifelt. Dankbar verneigen wir uns vor Margot Meng und Erich Meng. Lebe wohl Du teure Seele! – Have cara anima!

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Matthias Haase, Vorsitzender des Pförtner Bundes


Altmannen des Jahrgangs 1942–45 trafen sich in Pforta

N

Nun haben wir es geschafft! Zehnmal trafen wir uns bisher seit 1995 in Pforta, Bad Kösen oder Naumburg. Alle zwei Jahre gibt es ein Wiedersehen der im April 1945 aufgelösten Klasse. Das zeigt die Verbundenheit all dieser Ehemaligen unter einander mit Schulpforta, der Schule wie auch der wunderbaren Umgebung. Diesmal waren wir im Rittergut Kreipitzsch über der Rudelsburg eingemietet. Von der Terrasse genossen wir bei herrlichem Wetter den Blick ins Saaletal und über seine Höhen. Traumhaft! Dabei waren vom 11.–14. Juni 2013 Eberhard Ebert (Aue), Oldwig v. Fischer (Hamburg) mit Sohn Yorck als begleitender Fahrer, Rudolf Förster (Pfalzgrafenweiler/Schwarzwald), Hans-Hinrich Habermann (Berlin), Dieter Hempel (Magdeburg), Otto Leiser (Falkensee/Berlin), Hans-Joachim Männig (Markkleeberg/Leipzig), Helmut Sedlaczek und Frau (Karlsruhe) und Christian Uhlig (Bochum). Nicht dabei sein konnten leider Ulrich Boessenroth (Seattle/USA), Manfred Günzel (Braunschweig), Rüdiger Rollert (Berlin), Udo Schlegel (Bad Harzburg) und Gottfried Stefke (St. Pölten/Österreich). Werner Scheel (Landau) ist trotz Zusage nicht erschienen. Schade! Wir trafen uns am Dienstagmittag im »Fischhaus« zu einer Suppe. Das war schon etwas Besonderes, denn Gast-

wirt und Personal kämpften noch mit den Folgen des Hochwassers, das bei allem aber wohl einigermaßen glimpflich vorbeigegangen ist. Um 14 Uhr erwartete uns Rektor Schödel zur Begrüßung. Er berichtete über die Neuerungen in der Landesschule, die sich außerordentlich gut weiter entwickelt. Die Renovierung der Anlage schreitet voran, das Angebot für den Schüleralltag ist beeindruckend. Anschließend zeigte uns Petra Mücke, geb Dorfmüller, die Restaurierungsarbeiten und Ausgrabungen auf dem Gutshof und führte uns über den Kreuzgang zur Kirche, wo das wertvolle Grisaille-Fenster wieder eingesetzt wurde. Diese alte Zisterzienserkirche ist in ihrer Licht durchfluteten Strenge immer wieder faszinierend. Ausführlich widmeten wir uns auch der Abtskapelle, um schließlich auf dem Hof zum Garten das obligate Photo zu schießen. Herzlichen Dank, Frau Mücke! Auf den Friedhof und zur Ewigen Lampe brauchten wir diesmal glücklicherweise nicht. Es fehlte der Beweggrund, was für über Achtzigjährige Anlass zu Freude und Dankbarkeit ist. Für die Bergfahrt zu unserem Hotel in Kreipitzsch mussten wir uns natürlich vorher in Kösen im Café Schoppe mit einem leckeren Stück Torte und Kaffee stärken, um schließlich einen harmonischen Abend auf der Terrasse

Altmannen des Jahrgangs 1942–45 trafen sich in Pforta | 95


oberhalb der Rudelsburg zu verbringen. Für Mittwoch und Donnerstag hatten Otto Leiser und Jochen Männig ein tolles Besichtigungsprogramm organisiert. Wir starteten am ersten Morgen nach Weimar. Es gab eine amüsante, der begrenzten Besichtigungskapazität alter Herren angepasste Führung, und wir genossen die idyllische Atmosphäre der Stadt. Ähnlich verlief der nächste Tag in Jena. Allerdings verlangte uns die charmante Gästeführerin etwas mehr ab. Wir bekamen ein guten Eindruck von der historischen wie modernen Stadt, gekrönt schließlich durch den fabelhaften Blick vom Zeiß-Turm auf die Jenenser Umgebung! Abends genossen wir wieder unsere schöne Terrasse bei gutem Essen, genügend Bier und Wein und der musikalischen Begleitung durch Jochen Männig.

Die Tage gingen allzu schnell vorbei. So trennten wir uns am Donnerstagmorgen wieder. Aber es stehen Plan und Versprechen, sich in zwei Jahren gesund und munter wieder zu treffen. Lasst keine Hoffnung fahren! Organisiert haben das Treffen wieder unser »Leader« Oldwig v. Fischer mit Jochen Männig und Otto Leiser. Danke an Euch für die schönen Tage an der Saale hellem Strande! Christian Uhlig (al. port. 44–45)

96 | Altmannen des Jahrgangs 1942–45 trafen sich in Pforta


Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2013

Z

Zum Schlössertag am 3. Januarwochenende hatte ich in das Gründerzeitmuseum ins Gutshaus Berlin-Mahlsdorf eingeladen. Mit der Einladung konnte ich zum Inhalt des Gebäudes und des Museums vorinformieren. So zog es 53 Leutchen an, die in zwei Gruppen die Führungen erlebten. Die Sammlung von Gegenständen aus der Gründerzeit wurde von Lothar Berfelde alias Charlotte von Mahlsdorf zusammengetragen und am 1. August 1960 dort als kleines Museum eröffnet. Sie besteht aus 14 vollständig eingerichteten Ausstellungsräumen einschließlich einer mechanischen Musikmaschinensammlung. Im Souterrain befindet sich eine Kücheneinrichtung und die älteste erhaltene Zillekneipe Berlins (mit Vereinszimmer und Hurenstube). Anschließend an die Führungen konnten wir beim Griechen in der Nähe des S-Bahnhofes Mahlsdorf in angenehmer Atmosphäre Gespräche führen. Für das Frühjahrstreffen am 16. März 2013 war der Besuch der Königlichen Porzellan-Manufaktur KPM in der Nähe des S-Bahnhofs Tiergarten die Attraktion. Auf dem 500 Meter langen Rundgang in den historischen Gebäuden war die Manufaktur in ihrer 250jährigen Geschichte und die Herstellung des Berliner Porzellans zu erleben. In der alten Ofenhalle, der Schlämmerei und der ehemaligen

Dreherei konnten wir die Herstellung eines Stückes Schritt für Schritt nachvollziehen, von der Fertigung der Masse über die Formung und den Brennvorgang bis hin zum Dekor. Zum Herbsttreffen am 1. November trafen wir uns wieder im Restaurant des Holiday Inn am Gesundbrunnen. Ein Hauptpunkt unseres diesjährigen Treffens war die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig vor 200 Jahren. Der Vortragende Werner Fischer (al.port. 58 v.) kam diesmal aus unseren eigenen Reihen. Er ist Historiker und ging auch auf die Auswirkungen auf unsere Heimatgegend um Schulpforte ein. Die entscheidende Schlacht fand bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober statt. Die Erinnerung an die damalige Völkerschlacht betont heute das Streben zur europäischen Einheit und hebt »die Bemühungen um Frieden, Freiheit und Völkerverständigung« hervor. Zum Martiniessen mit 50 Personen waren die vorgewählten Gerichte diesmal durch farbige Tischkarten gekennzeichnet. So konnte zügig und ohne große Rückfragen serviert werden. Wir hatten gemeinsam wieder einen schönen Abend mit Bezug zu unserer Alma mater. Helmut Heimbürge (al. port. 55–57 v.)

Veranstaltungen des Pförtner Abend Berlin 2013 | 97


Martini-Gänseessen in Halle (Saale) 2013

B

Bereits zum sechsten Mal fand in Halle das Martini-Gänseessen statt. Es führte 24 Alte Pförtnerinnen und Pförtner im Gasthaus »Zum Schad« zusammen. Die Versammlung repräsentierte vom Ältesten, Klaus-Dieter Scharfenberg (46–50), bis zu den Jüngsten, Mathilde Eilrich und Johannes Schreiber (07–11), einen guten Querschnitt der Jahrgänge aus der zweiten Hälfte des 20. und dem beginnenden 21. Jahrhundert. Wilhelm Busch (52–56) bereicherte den Abend mit Swing-Musik am Klavier und der Mackie-Messer-Song war manchen von uns noch im Ohr und Gedächtnis. Esther Offergeld (84–88) begleitete den Gesang des Martinsliedes. Erfreulich ist auch, dass die 80er Jahre, bei früheren Treffen eher spärlich vertreten, immer mehr Zugang zu den Pförtner Abenden finden. So Gott will und wir leben, treffen wir uns am 7. November 2014 zum siebenten Martini-Gänseessen in Halle (Saale) wieder.

Adventskaffee der Thüringer Pförtner

A

Am 7.12. waren in Erfurt nicht nur tausende Weihnachtsmarktbesucher unterwegs, sondern auch etwa 15 Pförtner aller Jahrgänge, die sich langsam hoch oben auf dem Petersberg sammelten. Es waren Pförtner der verschiedensten Jahrgänge gekommen. Doch der bunte Mix stand einem regen Gedankenaustausch nicht im Wege. Bei Kaffee und Kuchen wurde in gemütlicher und ungezwungener Atmosphäre geplaudert und gelacht. Wir hörten Pförtner-Geschichten aus längst vergangenen Zeiten und neueste Neuigkeiten aus den Mauern der Alma Mater. Als wir uns nach lustigen und interessanten Stunden von einander verabschiedeten, waren wir uns einig, dass dieses Treffen wiederholt werden sollte. Vielleicht können all jene, die es diesmal nicht geschafft haben, dann auch unter uns sein.

Karsten Müller (al.port. 80–84 v.)

98 | Martini-Gänseessen in Halle & Adventskaffee

FRANZISKA TEICHERT (AL. PORT. 96–00)


Tabula Gratulatoria Vorname Fritz Ruth Werner-Rolf Dieter Elisabeth

Nachname Hacker von Dufving Pick Koch-Weser Axthelm

Margarete Karl H. Martin Anton Wolf-Dietrich Charlotte Frank-Dieter Karl-Heinz Christian Heinrich Heinrich Ilse Rose Brigitte Hans Lothar Albrecht Franz Joachim Erika Christoph

Dreckmann Merkel Schmidt Bindemann Kaiser-Dieckhoff Gerhardt Bickmann Hübener Heitmann Zander Hossfeld Drechsler Rodatz Rettkowski Schaarschmidt Weinert Kramer Gernhuber Wallat Polster

Georg Günter Hans-Curt Hartmut Jochen Justus Karlheinz Klaus-Dieter Klaus-Dieter

Wohlfeil Feyerabend von Pannwitz Kraffczyk-Krahn Kreyssig Müller-Hofstede Eichhorn Scharfenberg Fichtner

von 29 – 34 v. 26 – 32 v. 28 – 35

35 – 37 32 – 34 32 – 36 34 36 33 34 33

– – – – –

39 v. 39 34 35 39 v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

MDP

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

36 – 42 v. 35 – 37

MDP MDP

36 – 41 v. 36 – 40 v. 45 – 48 v. 38 – 45 41 – 49 v.

48 45 45 45

– – – –

49 v. 50 v. 47 v. 47

46 – 48 v.

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP

Geburtstag 26.09.1913 03.12.1913 25.08.1913 13.07.1916 06.12.1916

Alter 101 101 101 98 98

01.02.1918 22.09.1919 20.07.1919 29.03.1919 08.12.1920 27.08.1920 09.02.1920 13.12.1921 11.07.1921 05.02.1921 27.08.1921 16.10.1921 09.04.1922 14.05.1922 11.12.1922 10.07.1923 28.04.1923 18.07.1923 21.09.1924 14.07.1929

96 95 95 95 94 94 94 93 93 93 93 93 92 92 92 91 91 91 90 85

21.01.1929 27.08.1929 22.04.1929 25.01.1929 02.07.1929 09.05.1929 15.12.1929 14.09.1929 08.10.1929

85 85 85 85 85 85 85 85 85

Tabula Gratulatoria | 99


Vorname Klaus-Peter Malte Martin Oskar Otto Hannes Reiner Sigismund Wilhelm Wolfgang Achim Anita Arnold Burkhard Dietrich Dietrich Dorothea Ehrhardt Erhard Ernst Fritz Georg Gertrud Gisbert Günter Hannelore Hannelore Hans Hans-Joachim Hans-Joachim Hans-Jürgen Heiner Helmuth Herbert Herbert Herbert Horst Horst Jochen Johannes Jörg

Nachname Person von Bargen Dürr Schmidt Ther Kamprath Conrad Joppich Conrad Freyer Krause Runschke Böttger Kaulbach Müller-Römer Lorenz Wichmann Seydel Schultze-Rhonhof Cherubin Richter Zimpfer Page Jaritz Uhde Fichtner Schubert Peters Becher Rieseweber Am Wege Ludewig Backert Simmich Zander Zweigler Haber Schneider Meinel Friedrich

100 | Tabula Gratulatoria

von

46 39 39 40 41 46 41 46 49 47 48 52 46 52 47 47 46

– – – – – – – – – – – – – – – –

MDP MDP MDP 48 40 45 45 45 47 45 49 52 50 54 53 52 53 50 53 47

v.

v.

MDP MDP MDP MDP

v. v. v. v. v.

MDP MDP MDP

v. MDP

47 – 52 47 – 53 v. 52 – 53 v. 52 – 53 v.

MDP MDP MDP MDP

49 47 49 50 48 45 52 52

– – – – – – – –

52 53 52 52 50 51 53 53

v. v. v.

v. v. v.

MDP MDP

48 47 48 46 50

– – – – –

53 53 52 52 53

v. v. v. v. v.

MDP

MDP MDP

Geburtstag 17.11.1929 07.08.1929 09.12.1929 01.02.1929 11.04.1929 20.12.1929 22.05.1929 27.09.1929 22.05.1929 30.03.1934 15.04.1934 28.04.1934 30.11.1934 01.08.1934 01.05.1934 16.11.1934 27.01.1934 31.10.1934 14.06.1934 19.02.34 19.03.34 05.12.1934 28.10.1934 17.09.1934 17.04.1934 03.08.1934 11.05.1934 19.06.34 01.08.1934 20.11.1934 24.05.1934 02.06.1934 23.01.1934 18.05.1934 01.02.1934 08.06.1934 07.10.1934 12.06.1934 14.04.1934 21.07.1934

Alter 85 85 85 85 85 85 85 85 85 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80


Vorname Jürgen Karlheinz Manfred Manfred Paul Peter Rita Ruth Thomas Traugott Walter Wolfgang Achim Albrecht Arno Carla Christel Dieter Dieter Edith Erika Franz Gerd Gisela Gudrun Gudrun Günter Günther Hans-Walter Heide Horst Ilse Inge Irmtraud Joachim Juliane Jürgen Karin Karin

Nachname Pfeiffer Klimt Simon Strümpfel Bieber Hielscher Degenhardt Diekow Mulert Eberhard Wöller Engelmann Putze Fickweiler Rothe Grabow Janda Zimmermann Köhler Donath Burmeister Ilausky Köppel Burkhardt Stüber Bohley Steckbauer Schmidt Radtke Bretschneider Schmidt Freund Hackbarth Meyer Sauer Schwerdtfeger Land Lehrke Weiß

von 46 – 52 49 – 52

49 52 49 49 46 46 45 45 53 53 53 53 54 46 53 53 54 53 53 53 53 53 53 54 53 54 53 55 53

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

52 53 52 52 49 52 52 51 57 57 57 57 58 52 55 57 58 57 55 58 57 57 57 58 57 58 57 59 57

v.

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

53 – 57 53 – 55 54 – 59

v.

53 – 57

v.

v.

MDP Geburtstag MDP 25.05.1934 26.05.1934 MDP 30.01.1934 25.05.1934 27.02.1934 03.12.1934 12.04.1934 14.12.1934 13.05.1934 MDP 16.06.1934 MDP 15.12.1934 26.02.1934 MDP 21.02.1939 12.09.1939 MDP 13.05.1939 20.08.1939 18.12.1939 MDP 25.05.1939 12.06.1939 11.04.1939 22.11.1939 03.10.1939 02.05.1939 MDP 29.06.1939 MDP 30.07.1939 11.05.1939 08.05.1939 MDP 22.10.1939 30.06.1939 14.06.1939 19.09.1939 29.11.1939 18.12.1939 MDP 16.10.1939 08.06.1939 MDP 05.09.1939 27.11.1939 MDP 28.12.1939 MDP 23.02.1939

Alter 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

Tabula Gratulatoria | 101


Vorname Klaus Klaus Klaus-Dieter Lothar Lothar Manfred Renate Rolf Siegrid Werner

Nachname Rietschel Schulze Weigert Sitzmann Rudolph Wolfram Robinski Hartleben Siebahn Burisch

102 | Tabula Gratulatoria

von 50 – 53 – 54 – 53 – 53 – 54 – 54 – 53 – 53 – 53 –

MDP 57 57 58 57 57 59 58 57 57 57

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP

MDP MDP

Geburtstag 31.01.1939 14.09.1939 23.01.1939 25.04.1939 16.08.1939 06.10.1939 15.06.1939 11.05.1939 08.07.1939 26.09.1939

Alter 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75


D

Das Jahr 2013 im Landesweingut

Das Jahr begann lauwarm und regnerisch. Erst Mitte Januar wurde es kalt, wobei im Gosecker Dechantenberg gut 30 cm Neuschnee fielen. In den ersten beiden Monaten gab es zudem die wenigsten Sonnenscheinstunden seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Wetterkapriolen gingen im März weiter. Anfang des Monats gab es frühlingshafte Temperaturen, Mitte März fiel erneut Schnee. Ende des Monats verursachte uns ein eisiger Ostwind nachdenkliche Stirnfalten, denn es wurden am Fuß des Pfortenser Köppelberges -13 °C gemessen. Die Weinberge waren mit kurzen Unterbrechungen bis Anfang März mit Schnee bedeckt. Ab Mitte April kam der Frühling mit sommerlichen Temperaturen in die Saalhäuser. Auf der Terrasse des Gutsrestaurants streckten die Gäste ihre Gesichter in die lange vermisste Sonne und genossen die ersten 2012er Jungweine. Doch schon ab Mitte Mai wurde es wieder empfindlich kalt. Auf dem Brocken fiel am 23. Mai Schnee – es war zu diesem Zeitpunkt im Mai kälter als Weihnachten 2012! Dann kam der regnerische Monatswechsel Mai/Juni: die Staudämme liefen voll und die Saale stieg und stieg. Innerhalb weniger Tage stand das Wasser knapp 150 cm hoch in den Kellern des Weinguts. Das Archiv mit den jahrzehntealten Flaschen versank in den Fluten. Einige Fächer konnten noch schnell geräumt werden, doch

wurden alle Hände gebraucht, um Filter und Technik zu retten. Gut zwei Wochen dauerte es, bis die Saale wieder auf ihre normale Höhe gesunken war. Und wir machten uns ans Aufräumen. Zum Glück war uns das Wetter in der kommenden Jahreszeit freundlicher gesinnt: die Reben entwickelten sich dank warmen Wetters und geringen Schauern optimal. Zu diesem Zeitpunkt ließ alles auf einen guten Jahrgang hoffen. Mitte August präsentierten wir zusammen mit anderen Winzern den aktuellen Jahrgang vom Breitengrad 51. In dieser Verbindung befreundeter Winzer geht es um nichts anderes, als Jahr für Jahr eindrucksvolle Weine aus den steilen Terrassenlagen zu gewinnen, die die Spitze des Weinanbaugebiets SaaleUnstrut bilden. Die Weinlese startete in der 39. Kalenderwoche und damit rund 10 Tage später als in den Vorjahren. Leider trat der erhoffte »Goldene Herbst« nicht ein. In der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit fegte ein eiskalter Nachfrost mit bis zu -4° Celsius durch die Saalhäuser und beendete rabiat die weitere Ausreifung der Trauben. Jetzt war Fingerspitzengefühl gefragt! Zum Glück können wir auf die Erfahrung von über 850 Jahrgängen zurück greifen. In einige Weinberge musste unsere Lesemannschaft viermal ge-

Das Jahr 2013 im Landesweingut | 103


hen, um immer nur die reifen und gesunden Trauben zu ernten. Alles, was unseren Qualitätsanforderungen nicht genügte, wurde verworfen. Das galt auch für die Traubenannahme, wo unter den strengen Augen des Kellermeisters nochmals die Güte der Weintrauben kontrolliert wurde. 2013 präsentiert sich als guter Qualitätsweinjahrgang. Frühe Sorten zeigen sich reich an Aromen und Nuancen. Sorten, die spät gelesen werden konnten, wie Riesling und Traminer lassen auf vollmundige und vielschichtige Weine hoffen. Vom Gosecker Dechantenberg wurde nach vielen Jahren erstmals wieder eine Beerenauslese vom Weißen Burgunder gelesen, auf welche wir uns schon besonders freuen!

104 | Das Jahr 2013 im Landesweingut

Mit dem Fallen der Blätter und den ersten Nachtfrösten endet auch im Weinberg das Landwirtschaftsjahr. Die Ruhe kehrt ein und die Reben fallen in den Winterschlaf. Und wenn der erste Schnee fällt, geht die Weinbauleiterin durch die Zeilen und bestimmt, welche Sorte in welcher Form zurückgeschnitten werden soll. Schließlich kehrt schon bald wieder der Frühling in die Saalhäuser ein. Und ein neuer Jahrgang wächst heran. Bericht: Jörg Erdmann Landesweingut Kloster Pforta www.kloster-pforta.de


Haushaltsrechnung 2011 und 2012 31.12.2012 EUR Einnahmen Mitgliedsbeiträge 11.906,81 Sonstige nicht steuerbare Einnahmen Mehrbeiträge 0,00 Sonstige steuerneutrale Einnahmen, Bußgelder 1.000,00 Zins- und Kurserträge 1.136,09 Einnahmen aus Umsatzerlösen, Chor, Verkäufe 3.791,63 Summe 84.593,15 Einstellungen und Auflösung von Rücklagen 31.998,00 Ausgaben ideeller Bereich I Übrige Ausgaben -88.066,80 Ausgaben für sonstige betriebliche Aufwendungen, Zinsen Bürobedarf, Bank -278,81 Vermögensverwaltung (ertragsteuerneutral) Nicht abziehbare Ausgaben 33,26 wirtschaftlicher Bereich Chor, Wareneingang Ausgaben für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren Chor -22.262,17 Summe -110.574,52 Bestandsveränderung/Vereinsergebnis 6.016,63 Vermögensentwicklung Sachanlagen 20.927,75 Kassenbestand 137,64 Bank/Girokonten 59.318,41 Fest- und Terminkonten 142.387,93 Umsatzsteuer 2.537,39 sonstige Posten 1.867,50 227.176,62 Zweckgebundene Rücklagen 129.205,07 Schlüsselkaution 9.355,00 sonstige Posten 9.001,10 Kapitalvortrag 73.598,82 Bestandsveränderung 6.016,63 227.176,62

31.12.2011 EUR 12.856,86 550,00 0,00 1.313,95 16.897,21 103.611,36 49.618,87

-103.436,82 -638,29 -346,54

28.324,19 -132.745,84 20.484,39 14.662,00 759,29 78.519,62 155.551,48 17,04 1.600,00 251.109,43 161.203,07 13.380,00 2.910,50 53.131,47 20.484,39 251.109,43

Haushaltsrechnung 2011 und 2012 | 105


Pförtner Abende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

AkeL- und Pförtnerabend Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron Helmholtzstr. 20 53123 Bonn Tel.: 0228 / 626926 H.v.Prittwitz@gmx.de

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

Frankfurt – Hessen

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

106 | Pförtner Abende

Karlsruhe/Oberrhein

Münster

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 kreutz.st@web.de

Halle/Saale

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Hallo/Saale Tel./Fax: 0160-97714276 mueller.magdeburg@gmx. de

München

zurzeit nicht besetzt

Schwerin/MecklenburgVorpommern zurzeit nicht besetzt

Thüringen

Franziska Teichert Mühlgasse 104 99336 Eischleben Tel.: 0170 |4191135 teichertfranziska@gmail. com

&

Initiatoren weiterer Pförtnerabende sind willkommen. Bitte unter vorstand@pforta.de melden.

AkeL

Vorsitzender: Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg www.akel.de

Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de info@landesschule-pforta.de

Beiträge für DIE PFORTE bitte an peter.maser@tonline.de, oder direkt an Pförtner Bund e.V., Schul­ straße 22, 06628 Naumburg OT Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende November 2014


Impressum

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Werderstraße 28 06844 Dessau-Roßlau Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Vorsitzender

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Kirchplatz 16 06642 Kaiserpfalz cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 27544 fichtnerkd@t-online.de

Gesamtherstellung

Saale-Druck Naumburg GmbH

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC:PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46860700240646337600 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80201902060053222601 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

Foto der Sternwarte (4. Umschlagsseite): Photo-Tempel, Naumburg

Herausgeber

Pförtner Bund e.V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 66 | 2013 0 3 2 1

DIE PFORTE Nr. 66/2013  

Die 66. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 66/2013  

Die 66. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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