__MAIN_TEXT__

Page 1

DIE

Pforte

2011

2011 | Nr. 64

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleit- und Abschiedswort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors: Abschiedsreflexion

» »

3 7

» » » » »

10 12 15 20 22

» » » »

24 27 34 37

» » » » » » » » » » » » » » » » »

42 45 48 49 50 51 54 56 58 62 66 70 73 77 79 81 82

Vergangenes aus der Pforte Goldenes Jubiläum einer Schuloper anno 1951 Rückblicke auf Meinerzhagen Spiegelscherben IV Wer war eigentlich … Wussten Sie schon …?

Aktuelles aus der Landesschule Der singende Mönch Die Grisaille-Fenster Zeitreisen in den Mauern Predigt zum Schulfest in Pforta

Vom Pförtner Bund Jahresbericht Berlin 80 Jahre Kurt – 20 Jahre Neue Brücke Ergänzung Diamantenes Abitur 2011 Pförtner hilft in Tansania Rede zum Diamantenen Abitur Klassentreffen des Jahrgangs 1942 Publikation Publikationen Protokoll der Mitgliederversammlung Adlatus trifft Adlatus Gänsegedicht Tabula gratulatoria Ecce-Feierstunde 2011 Ecce 2011 Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2010 Pförtnerabende Impressum

2 | Inhalt


Geleit- und abschiedswort des Vorsitzenden

D

Das verspätete Erscheinen der »Pforte« macht es möglich, hier schon mein Abschiedswort bei der Mitgliederversammlung 2012 zu dokumentieren, bei der Mattias Haase zum neuen Vorsitzenden und Petra Dorfmüller zu seiner Stellvertreterin gewählt wurden: Hochansehnliche Mitgliederversammlung 2012 des Pförtner Bundes e.V. Topophilie bezeichnet die emotionale oder affektive Raumbindung, die durch positiv besetzte Gefühle für einen spezifischen Raum entstanden ist. Solche Lieblingsorte sind vor allem mit Freiheitsgefühlen und dem Empfinden, Eins mit sich selbst zu sein, verbunden. Topophilie kann auch entstehen durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu und Anerkennung durch eine Gemeinschaft, durch das Empfinden von Schutz und Geborgenheit, durch das Gefühl von Sicherheit oder Erinnerungen an Glücksmomente, die mit einem bestimmten Ort verbunden sind. Im Sinne dieser Definition einer Befindlichkeit, die der chinesische Professor der University of Minnesota Yi-Fu Tuan 1974 in die Wissenschaft eingeführt hat, und die (noch) nicht einen krankhaften, wohl aber einen extraordinären menschlichen Zustand beschreibt, sind wir alle, die wir uns im Pförtner Bund vereinigt haben, mehr oder weniger Topophiliker. Aber sei’s drum! Genaueres muß irgendwann im Rahmen zumindest einer Dissertation abgeklärt werden. Ich begrüße Sie alle sehr herzlich, vor allem auch unsere Gäste, insbesondere den Rektor der Landesschule, Herrn Bernd Westermeyer, und den Prokurator der Stiftung, Herrn Maik Reichel. Im Protokoll der Vorstandssitzung des Pförtner Bundes vom 24. März dieses Jahres finde ich den bedeutungsvollen Satz: »Maser erhält ebenfalls Redezeit für ein Resümee seiner Amtszeit.« Solche Festlegung zwingt mich zu äußerster Kürze, zumal wir ja auch ein umfangreiches Programm in dieser Mitgliederversammlung abzuarbeiten haben. Deshalb gestatte ich mir also auch nur einige wenige Hinweise im Stenogramm-Stil.

Geleit- und Abschiedswort des Vorsitzenden | 3


Zu danken haben wir all denen, die durch ihre engagierte Mitarbeit im Vorstand den Pförtner Bund gefördert haben, dem Rektor, der den Vorstand durch seine intensiven Berichte am Leben der Landesschule beteiligte, dem Prokurator der Stiftung Schulpforta, dessen Berichte und Visionen uns immer wieder die Gewißheit vermittelten: Es geht voran in Schule und auf dem ganzen Klostergelände. Zu danken haben wir Petra Dorfmüller, die mit Ihrer »Pforta-Information« rund 1.700 interessierte Menschen erreicht. Zu danken haben wir Klaus-Dieter Fichtner, unserem Archivar, der seine Sammlungen so mustergültig pflegt. Zu danken haben wir Claudia Pohland, der Finanzministerin des Pförtner Bundes, die uns auch in den Zeiten der Finanzkrise sicher zu steuern weiß. Zu danken haben wir Paul Pasieka, der die persönliche Verbindung zur Schülerschaft der Landesschule pflegt. Zu danken haben wir all denen, die ihre Mitgliederbeiträge gewissenhaft und pünktlich bezahlt haben. Ganz besonders zu Dank verpflichtet sind wir unseren Spendern. Hier erwähne ich beispielsweise nur die Spenden für die Bestuhlung der Kirche. Fünfzig Stühle konnten so über den Pförtner Bund bereits finanziert werden. Aber noch sind wir weit davon entfernt, unseren fast 700 Mitgliedern allen einen angemessenen Sitz in der Kirche zusichern zu können. Also bitte ich um weitere Spenden in unbegrenzter Höhe ganz im Sinne des Mottos: »Der beste Platz trägt Ihren Namen!« Der Pförtner Bund hat auch in den vergangenen zwei Jahren viel Gutes getan. Das kann und soll hier gar nicht im einzelnen genannt und beziffert werden. Aber die Gedenktafel für Richard Lepsius, den großen Ägyptologen, sei hier doch ebenso genannt wie unsere umfangreiche Beteiligung an der Restaurierung des hochbedeutsamen Grisaille-Fensters, mit der nun hoffentlich eine Gesamtrestaurierung der alten Klosterkirche auf den Weg gebracht werden kann. Trotz vielfach beschworener Zurückhaltung beim Publikationsgeschäft haben wir in den letzten zwei Jahren drei Veröffentlichungen auf den Weg gebracht, über die ich mich auch persönlich sehr freue. Anja Kings intensive Studie zur Abtskapelle ist hier ebenso zu nennen wie Klaus Dieter Fichtners unterhaltsames Buch »Schulpforte. Geschichte und Geschichten«, zu dem ich ihn allerdings heftig überreden mußte. Petra Dorfmüllers schönes Buch »Die Zisterzienser und das Kloster Pforta« hat das Zeug dazu, zum Standardwerk zu avancieren. Alle drei Bücher sollten in Ihrer Portensia-Sammlung auf keinen Fall fehlen! Sorgen macht uns unsere Zeitschrift »Die Pforte«, der David Ortmann nicht nur ein äußerlich so ansprechendes Gesicht verliehen hat. Nun fehlt es ihm aber an

4 | Geleit- und Abschiedswort des Vorsitzenden


der Zeit, die Hefte jeweils rechtzeitig herauszubringen. Das schmerzt nicht nur unseren Redakteur und den Vorstand, sondern auch Sie, die Sie voller Ungeduld auf das nächste Heft (und die beigefügten Überweisungsträger für den Mitgliederbeitrag) warten. Der Vorstand hofft aber, demnächst diesem unbefriedigenden Zustand abhelfen zu können. Einleitend hatte ich aus dem Vorstandsprotokoll vom 24. März des Jahres zitiert: »Maser erhält ebenfalls Redezeit für ein Resümee seiner Amtszeit.« Der Grund für diese apodiktische Festlegung ist ein einfacher: Nach einer schweren Erkrankung über viele Wochen hin (Helmut Ramisch danke ich für treue, fast tägliche Begleitung in dieser schweren Zeit!) habe ich dem Vorstand meinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden für diese Mitgliederversammlung angekündigt, nachdem Wolfgang Knackstedt und Matthias Haase mich schon seit August des letzten Jahres in allem ersetzen mussten und kompetent ersetzt haben. Großer Dank an beide Freunde! Da ich mich inzwischen aber gesundheitlich wieder einigermaßen stabilisiert sehe, würde ich gerne noch etwas als Beisitzer im Vorstand mitarbeiten, wenn sich die hochansehnliche Mitgliederversammlung das vorstellen kann. Ich danke allen aus ganzem Herzen, die mich seit 2006 in meinem Amt als Vorsitzender unterstützt haben. Eine neue, wesentlich jüngere Führungsspitze des Pförtner Bundes steht bereit, wenn Sie das wollen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Vorschläge des Vorstandes hierzu zu Ihren eigenen machen würden! Noch ist es – Gott sei Dank - zu früh, mein Testament zu publizieren. Aber zwei Dinge waren mir immer wichtig, wenn es um Pforta und den Pförtner Bund ging: Der Pförtner Bund ist und soll der Förderer der Landesschule sein. Wir müssen zur Stelle sein, wenn wir um Hilfe gebeten werden. Wir sollen unsere Schule mit Herz und Verstand begleiten, aber wir müssen auch daran festhalten: Wir haben nicht in die Landesschule hineinzuregieren. Diese geht ihren Weg und freut sich der Begleitung durch die Ehemaligen. Das ist unsere Aufgabe und Freude! Der Pförtner Bund war immer der Bund der durch Topophilie mit der Landesschule Pforta verbundenen Ehemaligen durch alle Generationen hinweg. 2 Prozenz unserer Mitglieder zählen 90 Jahre und mehr, 5 Prozent sind unter 20 Jahre alt, 23 Prozent sind zwischen 70 und 80 Jahre alt, der Rest zählt zwischen 20 und 70. Das bedeutet eine erhebliche Breite der Erfahrungen mit unserer Schule und der biographischen Prägungen, die nicht immer leicht im Geiste der pietas Por-

Geleit- und Abschiedswort des Vorsitzenden | 5


tensis zusammenzuhalten sind. Aber das muß gehen, das gehört in das Zentrum unseres Selbstverständnisses. Das muß so bleiben! Ich danke Ihnen für Ihre beträchtliche Geduld und schließe mit Segenswünschen für Sie alle, unsere Vereinigung und die Landesschule, unsere ehrwürdige und immer wieder junge alma mater!  Peter Maser (al. port. 57 – 59)

6 | Geleit- und Abschiedswort des Vorsitzenden


GruSSwort des Rektors: Abschiedsreflexion

I

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, nachdem ich bereits im Oktober 2011 mein Ausscheiden aus dem Landesdienst angekündigt hatte, werde ich das Amt des Rektors der Landesschule Pforta am 31. Juli an meinen Nachfolger, Herrn Thomas Schödel, übergeben und mit der Familie nach Baden-Württemberg umziehen. Auch viele Ehemalige haben mich gefragt, warum ich die Landesschule Pforta nach gerade einmal fünf Jahren wieder verlasse. Mit einem direkten Vorwurf wurde diese ehrliche Frage niemals verbunden, oft aber spürte ich doch die Enttäuschung meiner Gesprächspartner. Vor diesem Hintergrund halte ich es für geboten, die »PFORTE« zu nutzen, um meinen Schritt noch einmal gegenüber allen Ehemaligen zu begründen und mich von Ihnen zu verabschieden. Als ich vor fünf Jahren vom Ökumenischen Domgymnasium Magdeburg kommend in den Landesdienst eintrat, um die Leitung der altehrwürdigen Landesschule Pforta zu übernehmen, ermahnte mich der damalige Kultusminister, es sei meine erste Aufgabe, »Schulpforta« zu gestalten, nicht zu verwalten. Ich freute mich damals über das mir von allen Seiten entgegengebrachte Vertrauen und die breite Unterstützung, gerade auch aus den Reihen des Pförtner Bundes und durch Herrn Prof. Dr. Maser als Vorsitzenden. In der Tat gestalteten sich die folgenden fünf Jahre dann insbesondere im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Infrastruktur vor Ort sehr fruchtbar. Die Qualität einer Internatsschule basiert vorrangig jedoch nicht auf den baulichen Rahmenbedingungen, sondern auf der Qualität der pädagogischen Arbeit in Schule und Internat. Entsprechend widmeten Kollegium, Schüler- und Elternschaft der gemeinsamen Entwicklung eines zukunftsfähigen Bildungskonzepts über mehrere Jahre viel Zeit und Kraft. Bekannter Maßen liegt das Bildungskonzept der Landesschule Pforta seit nunmehr zwei Jahren vor und wurde von der gesamten Schulöffentlichkeit, aber auch von Schul- und Bildungsexperten überaus positiv aufgenommen. Pädagogische und schulorganisatorische Veränderungen, die aus Sicht aller an der Konzepterarbeitung Beteiligten dringend angezeigt wären, werden durch das Land in wesentlichen Punkten allerdings nicht mitgetragen. Selbstverständlich

Grußwort des Rektors: Abschiedsreflexion | 7


habe ich die Vorgaben des Schulträgers als angestellter Schulleiter grundsätzlich zu akzeptieren und auch vom eigenen Standpunkt abweichende konzeptionelle Überlegungen gegebenenfalls umzusetzen; als Rektor der Landesschule Pforta verantworte ich andererseits aber ein historisches Erbe und werde daran gemessen, inwieweit dieses einmalige Internatsgymnasium den sehr hohen Ansprüchen aller Beteiligten sowie auch der sehr interessierten Öffentlichkeit gerecht wird. Im Herbst 2011 vermochte ich die beiden oben umrissenen Rollen vor mir selbst nicht mehr ausreichend in Deckung zu bringen und entschied mich nach reiflicher Überlegung, zum Schuljahr 2012/2013 die mir angetragene Leitung der Schule Schloss Salem zu übernehmen. Nach einer Phase der Unsicherheit im Frühjahr freue ich mich heute, dass die Landesschule mit Herrn Schödel vom Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd einen leitungserfahrenen und mit Schulpforte bestens vertrauten neuen Rektor bekommen wird. Zugleich bitte ich Sie, auch ihn in seinem anspruchsvollen Amt nach Kräften zu unterstützen. Er wird weiter daran arbeiten, die Landesschule Pforta mit Rückendeckung des Landes auf ihrem bewährten Kurs zu halten, wobei die Landesschule gewiss auch in Zukunft konsequent die Zielstellung formulieren wird, nach Leistung ausgewählte Jugendliche unabhängig vom sozialen Status oder dem Einkommen der Eltern in drei anspruchsvollen und gut ausgestatteten Spezialzweigen zu fordern und zu fördern. Abschließend einige persönlich Worte: Meiner Familie und mir wird es nach fünf sehr intensiven Jahren zwischen Knabenberg und Saale nicht leicht fallen, die Landesschule und ihre Menschen hinter uns zu lassen. Wir fühlten uns hier schulisch, aber auch privat an- und aufgenommen, schlicht zu Hause. Allen, die zu diesem guten Grundgefühl beigetragen haben, unseren Dank! Wir würden uns anlässlich kommender Schulfeste oder Weihnachtskonzerte sehr über ein Wiedersehen an der Kleinen Saale freuen und wünschen Ihnen, dem Pförtner Bund sowie auch der Landesschule Pforta für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen. Herzliche Grüße aus dem sonnendurchfluteten Saaletal

bernd Westermeyer, rector portensis

8 | Grußwort des Rektors: Abschiedsreflexion


Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Goldenes Jubiläum einer schuloper anno 1951 Uraufführung einer »Schuloper« in der Landesschule Schulpforta: »Der fahrende Schüler«

U

Um es gleich voraus zu sagen: Es war ein schöner und interessanter Theaterabend, zu dem Schulpforta eingeladen hatte, nicht, nach Brauch und humanistischer Tradition dieser Anstalt, zu einem antiken, sondern zur Ur-Aufführung eines »Pfortenser-Singspiels«. Es ist nicht nur reizvoll, eine Uraufführung an dieser geistesgeschichtlich so reichen Stätte zu erleben, sondern zu sehen und zu fühlen, was der Geist und die jugendliche, echte Begeisterung und Spielbereitschaft am künstlerisch Schönen auf die Bretter einer Schulbühne zu stellen vermag, die man ohne Bedenken als Vorstufe jener bezeichnen kann, die die Welt bedeuten. Hier empfand man das Theaterspiel ursprünglicher und deshalb echter, da sich bei diesen jugendlichen Komödianten und Musikanten der Geist einer äußeren und inneren Gemeinschaft mit natürlicher Theater-Besessenheit spontanen Ausdruck verschaffte. Man führte ein Singspiel, »Der fahrende Schüler« mit Musik von Kurt Richter, in freier Bühnenbearbeitung, nach Hans Sachs, von Christoph Demke und Friedrich-Wilhelm Eigler auf. Richtiger aber wäre, wenn man stattdessen von einer Schuloper sprechen würde, denn seiner Anlage und Gestaltung nach liegt das Werk weit stärker im Bereiche der Oper als in dem des Singspieles. Es wurde damit ein schon sehr altes und viel umstrittenes Problem neu und erfolgreich aufgegriffen. War es Gegenstand langer Meinungsverschiedenheiten und Versuche, an welche musikalische Tradition die Schuloper anknüpfen soll, so darf man bei diesem »Aufführungs-Versuch« insofern von einem Erfolg sprechen, da man den Bühnenstoff, wenn er auch vielhundertjähriges Alter hat, auf Gegenwartsnähe brachte, sodass der zeitliche Abstand zwischen Spiel und Partitur nicht betont spürbar wurde. Die Bühnenhandlung bleibt trotz des Fleißes und Ernstes der Bearbeitung unjugendlich und fremd. Die Szenen auf der Bühne und die angenommenen hinter der Bühne sind zueinander ohne handelnde Verbindung. Damit geht das warme, tiefe und starke Verhältnis zur Wirklichkeit des menschlichen Alltages, mit allen Lasten und Schwächen, leider ganz verloren. Des ju-

10 | Goldenes Jubiläum einer Schuloper anno 1951


gendlichen Kurt Richters Musik kann gut Illustrationsmusik genannt werden, denn sie wirkt illustrierend auf die Handlung, nicht aber fühlbar bestimmend auf diese ein. Richters Musik kommt durch plastische Einfachheit in der Instrumentierung, Tempis und Harmonie dem Empfinden der Jugend unserer Zeit mit einem neuen künstlerisch gebändigten Rhythmus entgegen, wobei er, bewusst oder unbewusst ist nicht feststellbar, sich durch geschickte Einschiebungen des alten Singspielstiles gelegentlich wieder bedient. Diese musikalische Arbeit Kurt Richters zeigte Geist und Talent und man darf mit Interesse seine Zukunft verfolgen. Es entspricht nicht dem Wesen, der Aufgabe der Schuloper, Ewigkeitswerte zu schaffen, sondern nur schlichte Kunstwerke, die Anregung und Weg zum großen Werk sein sollen. Die Entwicklung und die Bereitschaft für die Schuloper in der Gegenwart, dieses zeigt die Uraufführung außerdem, wird weitergehen und die Entscheidung für ihren Stil wird dabei getroffen werden. Bei der Aufführung des Werkes waren die »Pfortenser« allein am Werke, und das war richtig. Die Gesamtleitung und die musikalische lagen in den Händen von Franz Zimmermann. Alles, was in ihnen lag, trug den Stempel seiner motorischen Kräfte. Mit Begeisterung und natürlichem Trieb spielte das jugendliche Orchester unter seiner Leitung. Mit gleicher Hingabe waren die jugendlichen Sänger und Darsteller um den Erfolg »ihrer Oper« bemüht: Manfred Langer (Der Schüler), Regina Pohl (Die Bäuerin), Werner Janitz (Der Bauer), Gerda Voigt (Eine Bäuerin), Peter Branscheid (Ein Bauer). Sie alle sangen ihre oft nicht einfachen Partien sicher. Gleiches ist von den Chören zu sagen, deren Einstudierung in den Händen von Claus-Dieter Pfeiffer lag. Für einen optischen Bühnenrahmen und für die einstudierten Tänze waren Gottfried Langer und Anita Hussel erfolgreich besorgt. Es war kein unbedeutender Versuch gemacht worden, den die Regierungen von Halle und Weimar durch die Anwesenheit ihrer Vertreter auszeichneten und den die zahlreichen Anwesenden durch reichen Beifall und Blumen belohnten. (Liberaldemokratische Zeitung, Naumburg, 24.4.1951)

via Kurt Dietmar Richter

Goldenes Jubiläum einer Schuloper anno 1951 | 11


Rückblicke auf Meinerzhagen

D

Der Besucher der Landesschule kommt beim Durchgang in den Arkaden des Fürstenhauses an einem dunklen Steinquader vorbei, der die Inschrift trägt »1965 Ubi spiritus domini, ibi libertas« (Wo der Geist Gottes ist, dort ist die Freiheit) – ein Zitat aus einem Brief des Paulus an die Korinther. Seit 2005 befindet sich das Steingehäuse an dieser Stelle, ehemals der Grundstein der Evangelischen Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen, beim Abbruch des Gebäudes vom Arbeitskreis (AKEL) unter Vorsitz von Christian Klinghardt (73 – 79 val. mein.) gerettet und mit Unterstützung des Pförtner Bundes hierher überführt. Eine Tafel setzt den Leser in Kenntnis, wie die Beziehung zwischen Schulpforte und Meinerzhagen war, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, im Westen des Sauerlandes gelegen, Hunderte Kilometer von hier entfernt. Blättern wir in der Chronik, um den Ehemaligen Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen und den Heutigen historische Abläufe und Hintergründe zu erläutern. Beginnen wir 1926: Der damals gegründete Bund ehemaliger Schüler (Pförtner Bund e. V.) besaß gegen Ende des Zweiten Weltkrieges weit über 1000 Pförtner mit dem Stammsitz noch in Schulpforte, wenn auch durch die Existenz der NPEA nicht mehr mit alten Rechten. Infolge der Verluste mancher Mitglieder im Krieg, der Spaltung Deutschlands in Besatzungszonen und der Unmöglichkeit, damit dem Verein aus der DDR beitreten zu können, nahm die Mitgliederzahl ständig ab und drängte dazu, sich 1959 in Detmold zusammenzufinden, um den Pförtner Bund am Leben zu erhalten. Dabei ergaben sich Diskussionen, wie die Tradition gewahrt werden könne, ein Problem, welches gleichermaßen die beiden anderen Fürstenschulen und Joachimsthal bewegte. Die Hoffnung, Schulpforte weiter nutzen zu können, schwand völlig. Somit kam die Diskussion auf, eine neue Schule im Sinne der alten Alma mater portensis zu errichten. Im Folgenden sollen Streiflichter den langwierigen Prozess abkürzen. Im Landeskirchenamt in Bielefeld fand der Gedanke des Vorstandes im Gespräch mit dessen Vertretern ein offenes Ohr. Daher wurde zunächst eine Standortfrage der künftigen Schule erwogen.

12 | Rückblicke auf Meinerzhagen


Es wurden besichtigt oder diskutiert Schloss Caldenhof bei Hamm, Kloster Möllenbeck, das ehemalige Zisterzienserkloster Loccum, Hermannsdorf, Altenburg im Rheinland, Bad Boll und Aspirsbach – sämtlich verworfen. Der nächste Schritt war ein Gespräch im Kultusministerium in Düsseldorf, das sich geneigt zeigte. Letztlich kam Meinerzhagen als Vorschlag, eine Kleinstadt im Kreis Altena, wo im 18. Jahrhundert bereits ein Königliches Pädagogium zeitweise bestanden hatte. 1961 wurde ein Arbeitskreis der Traditionsschulen und der Evangelischen Kirche in Westfalen gegründet, der sich nun mit dem Raumprogramm beschäftigte. 1962 fand eine gemeinsame Tagung des Pförtner Bundes, der Fürstenschüler und des Verbandes Alter Joachimsthaler in Lüdenscheid, Nähe Meinerzhagen statt. Dabei kamen schon Detailfragen über den Schulbau ins Gespräch und genauere Vorstellungen über das geplante Grundstück mit einer Größe von 80.000 Quadratmetern. Danach berichtete der Westdeutsche Rundfunk in einem exklusiven Bericht über die Schulgründung in Meinerzhagen und stellte das inhaltliche Ziel, Schulpforte in Westdeutschland »wieder entstehen« zu lassen, dar. 1963 konnte in der Mitgliederversammlung des Pförtner Bundes verkündet werden, dass für das Vorhaben 10  Millionen zur Verfügung ständen. Die Bauplanung und die Auftragserteilung standen kurz bevor. 1964 konnte ein Fortschritt beobachtet werden. Es traf sich, dass Meinerzhagen in dem Jahr sein altes Stadtrecht wieder erlangte, welches im 19. Jahrhundert verloren gegangen war. 1965 fand die Grundsteinlegung statt, dessen »Gehäuse« vor dem Besucher in Schulpforte – wie bereits erwähnt – steht. Überspringen wir die Jahre bis 1968, in dem am 1. Mai die feierliche Übergabe der Schule stattfand. Die Leitung übertrug man dem Rektor Dr. Christian Hartlich, der in dem Festakt eine Amtskette überreicht bekam. Über den weiteren Bildungsweg an der Schule soll nichts weiter ausgeführt werden. Es erwuchsen im Verlauf Probleme, die hier nicht berührt werden können, 1995 zum Auslaufen der Ausbildung und zehn Jahre danach zum Abriss des Gebäudes führten.

Rückblicke auf Meinerzhagen | 13


Der Grundstein erinnert an 37 Jahre Bemühens, die über 400 Jahre alte Tradition der Landesschule weiterzuführen. Heute sind Ehemalige aus Schulpforte nicht gezwungen, im »fernen Land, unnahbar unsren Schritten« Traditionen zu suchen, sondern können sich – gleich welcher Ausbildungszeit und ehemaliger politischer Auffassung – in Schulpforte treffen, haben Materialien auch aus der Meinerzhagener Zeit im Archiv des Pförtnerbundes und sind gern gesehen.  Dr. Klaus-Dieter Fichtner (al. port. 46–48 val.)

14 | Rückblicke auf Meinerzhagen


Spiegelscherben iv

N

Nachdem in den vorangegangenen Ausgaben der »Pforte« die Titel der Valediktionsarbeiten der abgehenden Schüler ab 1602 als Spiegel ihrer Zeit vorgestellt wurden (vgl. 61/2008, S. 20 – 23; 62/2009, S. 14 – 19; 63/2010, S. 14 – 19), soll hier der Zeitraum von 1751 – 1800 folgen. Das Wort speculum, Spiegel, begegnet hier allerdings nicht mehr. Müsste man ein Stichwort für diesen Zeitabschnitt wählen, so würde sich utilitas, also Nützlichkeit, empfehlen, das circa 58 Mal in den Titeln begegnet. Oft tritt es gepaart mit praestantia, Vorzüglichkeit, oder auch suavitas und iucunditas auf, um die Mühen des Wissenserwerbs zu versüßen (Süße und Freudigkeit). Auch necessitas, Notwendigkeit, taucht parallel oder einzeln in Titeln der Valediktionsarbeiten auf (circa 16 Mal), durchaus typisch für das Zeitalter der Aufklärung, das den praktischen Nutzen in den Vordergrund rückt. Das kann eine Aufzählung der Objekte verdeutlichen, denen sich die utilitas zuzuwenden hat: Am häufigsten wird der Nutzen der Wissenschaften allgemein gerühmt, aber auch der der schönen Künste, zumal der Musik, der Geschichte und Kirchengeschichte, der Religion und Theologie, der Mathematik und Astronomie, der Sprachen, besonders der alten, aber auch der französischen (seit 1725 Unterrichtsfach) und der deutschen (Hautz 1789). Weniger gut kommen die französischen Sitten weg, deren befremdlicher Einfluss 1791/92 von Ernst Pinther gerügt wird. Nützlich sind natürlich auch die Rechtsprechung und Medizin. Nützlich kann auch die Kriegsführung sein, aber erst recht Eintracht und Frieden. Nützlich sind vor allem aber die Schulen und andere Lehranstalten. Pädagogischen Themen, von der Antike bis in die Gegenwart, sind viele Valediktionsarbeiten gewidmet. Dass hierbei die eigene Schule gewürdigt wird, verwundert nicht (z. B. Hübsch 1751, Matha 1766, List 1769, Geisler und Kenzelmann 1781, Ritter 1785, Glöckner 1792 [mit deutschem Gedicht und Zeichnungen], Holzmüller 1794 [mit Zeichnungen], Wollner 1796). Nur zwei Valediktionsarbeiten über Pforta scheinen sich der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Ortes zu widmen (Weineck 1789, Baunack 1795). Eine gute schulische Ausbildung nutzt z. B. dem Staat (Rinckleben 1754, Biener 1766, Salfeldt 1770) und ist deswegen auch für den Adel wichtig (Bauer 1761, Geisler 1769). Die Verantwortung der Fürsten für eine gute Regierung wird mehrfach betont. Der princeps bonus als idealer Staatslenker wird dreimal ausdrücklich thematisiert (Besser 1770, Bose 1774, Weiß 1788). Bibliotheken sollten öffentlich zugänglich sein (Seyfert 1755). Sind sie gar Medizin für den Verstand?, fragt Karl Gottlob Görner 1750. Gelehrsamkeit macht auch vor dem weiblichen Geschlecht nicht Halt. Besonders imponierte die Universalgelehrte und Dichterin Anna Maria von Schürmann (1607 – 1678), der schon 1716 eine Valediktionsarbeit gewidmet war (Schortmann). Ihr gelten noch zwei weitere Arbeiten von 1760 (Lindau) und 1783 (Hornickel).

Spiegelscherben IV | 15


Vom hohen Niveau des seit 1725 erteilten Mathematikunterrichts zeugen Arbeiten, die sich der magistra prudentis vitae, der Lehrmeisterin einer klugen Lebensführung, wie Johann Heinrich Hoffmann die Mathematik 1753 nennt, widmen. Johann Friedrich Jakob Klemm verankert die Mathematik schon bei den alten Ägyptern (1751). Karl Traugott Haßkerl fügt 1794 seiner lateinischen Abhandlung zur Parabel auch eine deutsche »Betrachtung« bei, die er mit schönen Zeichnungen verdeutlicht. Karl König liefert gar 1794 »Zusätze zu des H. Karstens Geometrie« (mit Zeichnungen). Geometrischen Phänomenen bei den Insekten geht Eusebius Traugott Ebert 1761 nach und bezeugt damit das aufkommende Interesse an der Naturbeobachtung, die sich z. B. auch in einer Abhandlung über Elefanten niederschlägt (Haussen 1796) oder den Ursprung Naumburger Getreidearten (Freytag 1784). Eine andere Naumburger Arbeit geht auf die Ursprünge des Kirschfestes ein (Geißler 1800). Von der Schwere der Luft handelt 1790 Wilhelm Gottlob Ernst Becker und liefert dazu physikalische Zeichnungen. Der räumlichen Ausdehnung von Orten geht Johann Karl Hebenstreit 1794 in deutscher Sprache nach. Der aufkommenden Luftschifffahrt sind zwei Arbeiten gewidmet (Berensbach und Seidensticker 1785). Der umfangreiche Handel der Engländer wird von Hermann Karl von Uffel 1785 mit Warenlisten verdeutlicht. Dem Seefahrer Cook gilt eine Arbeit von 1786 (Appelius). Messina wurde 1783 von einem gewaltigen Erdbeben erschüttert, das die gesamte Stadt in Trümmer fallen ließ, wie Johann Daniel Brehmer 1784 schildert. Pompeji und Herculaneum wurden ab 1748 wiederentdeckt und ausgegraben. Das spiegelt sich in einer Arbeit von Karl Gottlob Hartmann 1757 wider. Bei den geschichtlichen Themen sind neben solchen aus der Antike wie in den früheren Jahrzehnten Karl der Große (sieben Mal), Gustav Adolf und der 30-jährige Krieg (circa 17 Mal), Heinrich IV. und die Austreibung der Hugenotten (elf Mal) besonders beliebt. Auch die englische Geschichte liefert begehrte Themen einmal wegen ihrer Könige bzw. Königinnen (neun Mal), zum anderen als erste Republik (von Trotha 1788). Der Befreiungskampf der englischen Kolonien in Nordamerika wird schon 1785 thematisiert (von Witzleben). Über die Französische Revolution schreiben Friedrich Wilhelm Lehmann 1793 sowie Jonathan Lairitz 1800, und die Arbeit von Johann Gottfried Blaubach 1794 in furorem Gallorum spielt wohl ebenfalls auf sie an. Im Jahr 1800 vergleicht Friedrich August Schweingel schon Napoleon mit Cäsar. Den sächsischen Herrschern sind vergleichsweise viele Arbeiten gewidmet, besonders Moritz, August dem Starken und seinen Nachfolgern. Ähnlich häufig gelten Arbeiten aber auch dem preußischen König Friedrich II. Die schlesischen Kriege spiegeln sich in mehreren Valediktionsarbeiten wider (Friderici 1758, Seybicke 1763, Gräfe 1767, Magdeburg 1770, Töpelmann 1788, Adler 1789). Die Tu-

16 | Spiegelscherben IV


Im 16. Jahrhundert war auf dem Kyffhäuser eine bronzene, männliche Figur entdeckt worden, die als »Püsterich von Sondershausen« die Gemüter auch der nachfolgenden Generationen bewegte und zur Beschäftigung mit der germanischen Frühgeschichte anregte. Die wohl zur Dampferzeugung dienende Figur wurde als heidnischer Götze angesehen. Diesem »Idol der Thüringer« sind zwei Arbeiten gewidmet (Ludloff 1771, Rothe 1786). Der Religion der alten Germanen gelten die Arbeiten von Friedrich Christian Keyser 1793 und Karl Friedrich Meißner 1800, speziell den Druiden diejenigen von Heinrich Friedrich Geißler 1752 und Johann Friedrich Moritz Platz 1760. Die Tapferkeit der alten Germanen rühmt Johann Christian Knothe 1764. Den alten Sachsen gilt die Arbeit von Karl Friedrich August Wiedemann 1791. Ein wahrer Boom wurde aber durch die

Abbildungen via Petra Dorfmüller

genden Maria Theresias werden von Sigismund Polykarp Gutbier 1771 gewürdigt (die Arbeit seines Bruders Ludwig Heinrich aus demselben Jahr gilt Katharina der Großen). Aus der früheren sächsischen Geschichte interessieren besonders der Altenburger Prinzenraub von 1455 (Küttner 1753, Heubner 1799) und die Förderung der Reformation durch die Ernestiner (Müller 1763, Gräfe 1766, Weißenborn 1769). Luther gelten in diesem Zeitraum vier Valediktionsarbeiten, Melanchthon eine. 1770 wurde die Wittenberger Schlosskirche wieder geweiht, daran erinnert Karl Friedrich Triller in seiner Arbeit von 1772. Auf die Erneuerung der Dresdener Kreuzkirche geht Karl Friedrich Arnold 1771 ein. Eine kurze Geschichte der Rudelsburg liefert Franz Wenzel 1795.

Spiegelscherben IV | 17


Herausgabe der angeblich gälischen »Gesänge des Ossian« ausgelöst, der Fälschung eines schottischen Dichters, die 1768/69 erstmals ins Deutsche übertragen worden waren. Diesen »Gesängen« und ihren »Barden« widmen sich mindestens 19 Valediktionsarbeiten ab 1772. Ernst Keil verfasst 1797 seine Valediktion über Dichter des alten Germanien und zitiert nicht nur die Barden, sondern z. B. auch das Hildebrandslied und die Nibelungen. Dem Barden Schalldot wird ein Gesang über den Tod Hermann des Cheruskers zugeschrieben (vgl. Gottschalck 1780, Fix 1781), so dass es nicht verwundert, dass diesem germanischen Helden sieben weitere Arbeiten gewidmet sind. Die »Barden« wirken jedenfalls stilbildend auf die Gegenwart und regen Friedrich August Christian Mörlin 1791 zur Nachahmung mit dem Gedicht »Mein Vaterland« an. Friedrich Karl Sigismund Richter verfasst 1780 sogar ein lateinisches Gedicht über ein Heldenpaar aus den »Gesängen« secundum Klopstokium, in der Manier Klopstocks, der die Zeitgenossen ähnlich begeisterte wie der vermeintliche Ossian. Durch diese »Moden« wird die deutsche Sprache gewissermaßen nobilitiert und für würdig befunden, nicht nur seinen Dank auch auf deutsch auszusprechen, sondern sogar die Valediktionsarbeiten selbst. 1766 verlässt als erster Schüler Karl Christian Marbach die Schule mit »zwei deutschen Gesängen« über »Die unglückliche Liebe des Leanders und der Hero« (dazu noch einer hübschen Zeichnung). Diesem tragischen Liebespaar gelten noch zwei weitere Arbeiten auf deutsch (Reiniger 1769 und Zinckernagel 1777). 1768 betrauert Karl Ehregott Mangelsdorff in einem deutschen Gedicht die feindliche Zerstörung an seiner Heimatstadt Dresden durch die Preußen. Im Zeitraum von 1773 bis 1782 häufen sich deutsche Arbeiten (28), meist als »Gesang« tituliert und Helden der Antike, der Bibel, Ossians oder der Geschichte gewidmet (z. B. der Jungfrau von Orléans, Sitte 1776, der Schlacht bei Lützen, Wackerhagen 1792). Aber es findet sich auch ein Lied über »Die Einsamkeit« (Guisius 1773), ein »Huldigungslied an die Musen« (Schuster 1790, ähnlich Glöckner 1792, der seiner lateinischen Rede De Porta. Musarum sede ein deutsches Gedicht zufügt) oder »Etwas über unterhaltende Lektüre für studierende Jünglinge« (Frotscher 1794). Den »Mangel des deutschen Patriotismus« beklagt August Gotthold Rudorf 1794 folgerichtig auf deutsch.

18 | Spiegelscherben IV


Ganz überwiegend sind die Valediktionsarbeiten in diesem Zeitraum auf Latein abgefasst, auf Griechisch nur noch ganz selten (z. B. Sondermann 1767). Häufiger wird Griechisch aber in den Danksagungen verwendet, wo dann hin und wieder auch hebräisch auftaucht (meist im Dank an Gott). Dass die Schüler sich aber reichlich mit der griechischen Literatur befassen, belegen die Themen und Zitate griechischer Schriftsteller in den lateinisch verfassten Arbeiten. Der Dank wird auch häufig wie in der vergangenen Jahrhunderthälfte in modernen Sprachen abgestattet, neben deutsch auch französisch (meist dem König) und englisch. Drei Valediktionsarbeiten sind ganz auf französisch abgefasst: Karl August Ludwig von Hohenthal verlässt die Schule 1786 mit dem Gedicht La Colombiade und Johann Gottfried Steinhäuser ein Jahr später mit La grandeur de Dieu demontrée par la simple construction des monades. Anton von Stutterheim liefert 1799 einen französischen discours über das Horaz-Wort dulce et decorum est pro patria mori. Karl August Sachsenröder verfasst seine Valediktion 1788 über Photios auf englisch. Christlieb Rudolf Geldern verabschiedet sich 1791 mit einer Arbeit de Maria necata, in der er Maria Stuart mit einem englischen und einem deutschen Gedicht bedenkt. Und in der Danksagung Georg Wilhelm Thilos, der 1788 valedizierte, wird sogar eine orientalische Sprache benutzt! Diese Sprachgewandtheit ging vermutlich auf den Lehrer (ab 1787 Rektor) Friedrich Gottlieb Barth zurück, der nicht nur die alten Sprachen lehrte, sondern auch privat Englisch- und Italienischstunden gab, außerdem Spanisch und orientalische Sprachen beherrschte. Ab 1780 gibt es bei der Valediktion neben der thematischen Arbeit und der gratiarum actio, der meist in mehreren Sprachen und häufig in Versform verfassten Danksagung, noch einen weiteren Bestandteil, einen Lebenslauf der Schüler. Er umfasst manchmal nur ein paar Zeilen, kann aber auch mehrere Seiten betragen. Meist ist er auf deutsch verfasst, einige Male sogar auf plattdeutsch (so vom sprachkundigen Thilo 1788 mit drei weiteren Mitschülern, 1790 Schuster, 1791 Balcke), gelegentlich auf lateinisch oder französisch. Dies wird bis 1796 beibehalten, um dann erst wieder im 19. Jahrhundert fortgeführt zu werden. Manchmal wird auch ein Scherenschnitt des abgehenden Schülers zugefügt. Überhaupt sind die Arbeiten gelegentlich mit Vignetten, Zeichnungen und teils farbigen Verzierungen geschmückt.  Malwine Maser

Spiegelscherben IV | 19


Wer war eigentlich … … der Namenspatron unserer neuen FranzAnton-Roller-Halle in Schulpforte?

S

Seit 1731 gab es in Schulpforte Tanzmeister. Sie wurden unter August II., dem Starken (gest. 1733) eingesetzt. Franz Anton Roller wurde ab 16.10.1805 als Tanzmeister in Pforta angestellt. Sein Rektor war der berühmte Karl David Ilgen (rect. port. 1802 – 1831, gest. 1834), der für Sport sehr wenig übrig hatte.

Franz Anton Roller wurde 1775 in Pest/Ungarn geboren und dort als Balletttänzer ausgebildet. Mit 15 Jahren war er bereits Solotänzer in Wien. Eigentlich wollte Roller in Paris Karriere machen, aber dort tobte seit 1789 die Revolution. Er tanzte deshalb in Prag, machte Karriere und kam 1800 nach Leipzig. Hier eröffnete er eine erfolgreiche Ballettschule. Von Leipzig wurde Roller 1805 nach Schulpforte berufen (mag. port. 1805 – 1844). Nach der Niederlage der Preußen 1806 bei Jena und Auerstedt setzten in Preußen Reformationen auch im Bildungswesen ein. Die Landesschule Pforta war im Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochen worden. So konnten auch in Pforte die Reformen Wilhelm von Humboldts umgesetzt werden. 1806 wurde auf Betreiben Rollers ein neuer Tanzsaal in Pforta eingerichtet, der ab 1832 sogar beheizt wurde. Hier entwickelte Roller aus dem Ballett heraus die Gymnastik als eine explizite sportliche Disziplin. 1816 erreichte Roller, dass Tanzen Prüfungsfach wurde und damit de facto ein Pflichtfach war. Im gleichen Jahr sandte Roller eine Eingabe an das preußische Ministerium (unter vorsätzlicher Umgehung seines Rektors Ilgen) mit der Bitte, Turnunterricht neben Tanzen unterrichten zu dürfen. Er hospitierte dazu in der Berliner Hasenheide bei Turnvater Jahn. Die Bitte wird Roller gewährt. Im Dezember 1816 bekam die Schule ein Turnpferd von der Regierung. Damals eine Rarität! Rektor Ilgen stellte es ins Museum. Es befindet sich noch heute im Jahn-Museum Freyburg. Am 3.5.1817 wurde durch Rollers unermüdlichen Einsatz ein Turnplatz nach dem Vorbild Jahns im heutigen Park unserer Schule eingeweiht. 1820 bis 1848 gab es in Preußen wegen der Karlsbader Beschlüsse ein Turnverbot. Schon 1825 wurde dieses für Pforta aufgehoben und Roller gab neben Tanzen (bis 1843) wieder Turnen und zwar bis 1837. Mit seinen dann erreichten 62 Lebensjahren war er für praktische Turnvorführungen zu alt. Er erreichte aber noch, dass mit Dr. Lieber statt eines Ballettlehrers ein Turnlehrer als sein Nachfolger eingestellt wurde. Damit war Turnen nun ab 1837 ebenfalls de facto Pflichtfach.

20 | Wer war eigentlich…


(Seit 1831 war Dr. Kirchner Rektor der Schule. Er setzte sich vehement für das Sporttreiben der Jugend ein.) Zum 300. Schulfest im Jahre 1843, Rollers letztem Berufsjahr, war die Tanz- und Turnvorführung seiner Tanz-Sport-Gruppe einer der glanzvollen Höhepunkte. Roller hatte die Entwicklung des Sports in vier eindrucksvollen Bildern choreographiert. Seine vierstufige Abschlusspyramide war seinerzeit in aller Munde. Am 4.1.1844 starb Roller nach einer kurzen heftigen Krankheit.

Dirk Heinecke, mag. port., Fachleiter Sport Landesschule Pforta

Wer war eigentlich… | 21


Wussten Sie schon …?

D

… dass 1737 das erste Ecce in Schulpforte stattfand? … dass der Erstbesteiger des Kilimandscharo Hans Meyer (al. port. 1873 – 74) war? … dass am 1. Mai 1813 Napoleon vor dem Tor hielt und mit Schülern sprach? … dass die Pfortemauer ehemals 12 Fuß hoch war?

Dr. Klaus-Dieter Fichtner (al. port. 46–48 val.)

22 | Wussten Sie schon …?


?

Aktuelles aus der Landesschule *  *  *


Der singende Mönch

D

Dass Pforte heute ein gesangserfüllter Ort ist, wissen wir wohl – wer hat sich noch nicht an den allzeit singenden Choristen erfreut? Dass die Musik, vor allem die Vokaltradition, zu Zisterzienserzeiten ebenfalls einen großen Anteil am Alltagsleben der Mönche einnahm, wurde uns an dem Zisterziensertag am 12. und 13. Oktober 2011 vielfältig vorgeführt. In einem Workshop, mehreren Andachten und einem abschließenden Konzert des Vokalensembles »Vox Nostra« durften wir erleben, was Musik für die Mönche des Zisterzienserordens bedeutete und wie sich diese Musik angehört hat.

Gregorianikworkshop Jahrhundertealte Mönchsgesänge in eigener Kehle? Im Chorprobenraum Schulpfortes wurde dies am 12.10.2011 möglich. Burkhard Wehner, Mitglied des Vokalensembles »Vox nostra«, Tenor und begeisterter Musikwissenschaftler, sang für und mit uns, erklärte und referierte. Was ist Gregorianik? Wo hat sie ihren Ursprung? Während des anderthalbstündigen Workshops gelang ein umfassender und spannender Überblick: Einer Überlieferung zufolge flüsterte eine Taube einst Papst Gregor die göttlichen Melodien ins Ohr, die durch ihn dann verbreitet wurden. Tatsächlich stammt diese Geschichte jedoch von Karl dem Großen, dessen Ziel es war, die Gesänge zu vereinheitlichen und eine Basis zu schaffen. Die Gregorianik, wie wir sie heute kennen, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Einige Zisterzienserkonvente wandten sich zu diesem Zeitpunkt entschieden gegen die unnatürlichen Ausschmückungen anderer Mönchsorden und begannen, einen eigenen Stil zu entwickeln, der wieder ursprünglicher klang. Sie bedienten sich der lauten und tiefen Männerstimmen, die einen deutlich härteren Klang hergaben. Zum ersten Mal wurde dies durch Abt Bernhard von Clairvaux mit ersten Notenlinien und -schlüsseln festgehalten. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Kirchentonarten, die nach Zahlworten aus der Bibel benannt wurden. Der mehrstimmige Gesang wurde vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet. Im gregorianischen Notensystem existieren verschiedene Zeichen wie Neumen, Melismen und Legate, die die Art der Tongebung und bestimmte Tonfolgen anzeigen. Auch wurde ein System übermittelt, dessen sich der Cantor des Mönch-

24 | Der singende Mönch


schores bediente: Mithilfe von Handbewegungen konnte die Tonhöhe auch ohne Niederschriften nachvollzogen werden. Alle, die bis zu diesem Zeitpunkt interessiert zugehört hatten, waren nun selbst an der Reihe: Zusammen wurde der Choral »Veni Creator Spirite« mithilfe von Originalnoten einstudiert. Hier schloss das Seminar zur Musik der Mönche, das sich dann doch eher in einen Workshop verwandelte.

Andachten Drei der sieben Stundengebete der Zisterzienser haben wir an diesem Tag vollzogen: Die Laudes zum Beginn des Tages, die Mittagshore und die den Tag beendende Komplet. Den Anreiz dieser Andachten, zu denen sich eine ausgesprochen große Menge an Schülern und Lehrern in der Abtskapelle versammelte, machte wahrscheinlich die hohe Authentizität aus, da die Andachten von echten Ordensvertretern gehalten wurden (Pater Maurus aus Ettal bzw. Schwester Thaddaea aus Marienstern). Man sang viele gregorianische Melodien zusammen, bei denen wir in das zisterziensische Gesangsprinzip von Vorsänger und Nachsängern eingeführt wurden, und einige Schüler bereiteten mit Schwester Thaddaea einen vierstimmigen Satz ihres Lieblingsliedes »Sei unser Heil« vor.

Konzert Viel gab es an diesem Tag für einen Teil der Schüler über die Mönchsgesänge zu erfahren. Bei Kerzenschein in der Pfortenser Kirche konnte das neugewonnene Wissen jedoch in aller Ruhe in den Hintergrund rücken, während andächtig der Vokalgruppe »Vox Nostra« gelauscht werden konnte. Deren eigens für den diesjährigen Zisterziensertag zusammengestelltes Programm »O Maria Coeli Porta« (Oh Maria, Pforte zum Himmel) barg Internationales: Es durfte spanischer Zisterziensermehrstimmigkeit ebenso gelauscht werden wie überlieferten Chorälen aus Bayern oder Psalmrezitationen aus Italien. Die meditativen vierzehn Stücke wurden in einem Programmheft übersetzt und erklärt. So haben viele Gesänge ihren Ursprung in der Marienverehrung, was auch im Titel deutlich zum Ausdruck kommt.

Der singende Mönch | 25


Über gut anderthalb Stunden bildeten die vier Sänger einen meditativen Klangteppich, der zum stillen Nachdenken, Meditieren oder Beten anregte. Dennoch ist der Zusammenklang der vollen Stimmen nicht das Einzige, was die Gruppe hervorhebt: Das Ensemble bedient sich ausschließlich Originalliteratur, welche selbst erarbeitet und umgesetzt wird. Angeleitet werden die musikalischen Umsetzungen von jahrhundertealter Klostergeschichte durch Burkard Wehner. Ebenfalls Mitglieder des multinationalen Ensembles sind der Altus Philipp Cieslewicz, der Bass-Bariton Werner Blau und Bass Till Schulze. Wer das Interesse verspürt, die Arbeit der spezialisierten Musiker weiter zu verfolgen, der möge sich des Internets unter www.vox-nostra.de bedienen.  Paul Birth und Kim Kamilla Jäger, 12m

26 | Der singende Mönch


Die Grisaille-fenster Auszüge aus dem Buch »Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt 2/10«:

Die Grisaille-Glasmalereifenster der ehemaligen Klosterkirche in Schulpforte: Ergebnisse der Bestands- und Zustandsuntersuchung

R

Im ]ahr 2010 wurden im Rahmen einer Diplomarbeit die wertvollen mittelalterlichen Grisaille-Glasmalereien aus der ehemaligen Klosterkirche »Sankt Marien zur Pforte« einer gründlichen bestandserfassenden Untersuchung unterzogen. Anlass war der geplante Wiedereinbau der europaweit einzigartigen Glasmalereien des Rosenfensters auf der Nordseite des Chores, die in den 1970er Jahren letztmalig bearbeitet worden sind und nun auf ihren Zustand sowie neuerliche Schäden hin untersucht werden konnten. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) sowie der Fachhochschule Erfurt konnte das Projekt erfolgreich angestoßen werden. Die Untersuchung des Fensterbestandes erfolgte an historischem Ort. In den Räumlichkeiten des alten Torhauses im Westen der Anlage wurde zeitweilig eine kleine Werkstatt eingerichtet. Vier Monate dauerten die Untersuchungen an den gläsernen Kostbarkeiten, wobei sich schon bald die größten Probleme an den Gläsern offenbarten: die seit Jahren provisorische Lagerungssituation sowie mikrobieller Befall, der in unmittelbarem Zusammenhang mit der Aufbewahrungsweise der Fensterfelder steht. Die meisten Felder befanden sich zu Beginn der Untersuchung in aus Nadelhölzern gezimmerten Glastransportkisten. Zwei Felder waren zudem in einer dicht verschraubten Sperrholzkiste verstaut, bei deren Öffnung sich der mikrobielle Befall deutlich zu erkennen gab. Der zisterziensische Kirchenbau wurde 1137 begonnen als dreischiffige, flach gedeckte Basilika mit Staffelchor und gerundeten Apsiden. Kurz vor Mitte des 13. Jahrhunderts begann der Umbau der Kirche. Während dieser Erweiterungsphase wurde das frühgotische Sanktuarium in Form eines Polygonchores mit sieben Fensteröffnungen errichtet, das man um den romanischen Chor baute; letzterer wurde schließlich durchbrochen und abgerissen. Die Glasmalereien stehen zeitlich eng in Zusammenhang mit dem Neubau des Sanktuariums, der 1251 begonnen und 1268 geweiht wurde. Vermutlich sind alle überlieferten Felder dieser Zeitspanne zuzuordnen. Der überkommene Bestand umfasst 73 Glasmalereifelder aus vier verschiedenen Fenstern des Chores der Klosterkirche. Den größten zusammenhängenden und zweifellos eindrucksvollsten Teil stellen die

Die Grisaille-Fenster | 27


33 Felder des nördlichen Rosenfensters dar, das sich im nördlichen Querhausflügel über der Trinitatiskapelle befindet. Im Rahmen dieses Beitrages kann nicht auf alle Fenster detailliert eingegangen werden; Hauptaugenmerk soll daher auf der Vorstellung der Felder der Fensterrose liegen, die in näherer Zukunft an ihren ursprünglichen Platz in der Klosterkirche zurückkehren soll. Die Rekonstruktionen der Einbausituationen für die Langbahnen und der Fensterrose geben einen Überblick über den Bestand und die Gestaltung der entsprechenden Fenster. Das Steingewebe des nördlichen Radfensters in Schulpforte ergibt vier verschiedene Fensteröffnungsformen. Um ein Rundfeld sind acht lang gestreckte, sich zum Mittelpunkt der Rose verjüngende Lanzetten angeordnet. In der sich ergebenden Fläche zwischen den »Schultern« der Lanzetten sitzen acht rhombenförmige Zwickelfelder; der äußerste Ring wird durch 16 liegende Dreipässe gebildet. Die Fenstergestaltung ist vorwiegend durch vegetabile Ornamente geprägt und zeigt rankendes Weinlaub in Kombination mit geometrischen Formen, vor allem in den alle Felder umrahmenden Perlstabbordüren. Rechtwinklig gerasterte Flächen überziehen die Hintergründe der Ornamente. Vier Lanzetten weichen von der rein vegetabilen Gestaltung ab und tragen ein Tiermotiv in Form von zwei ineinander verschlungenen, hundsköpfigen Drachen. Die Schwänze und Hälse zieren jeweils ein farbiger Ring mit aufgemalten geometrischen Formen. Der Begriff »Grisaille« (nach franz. gris = grau) bezeichnet das Malen in Grautönen. Speziell in der Glaskunst benennt dieser Begriff Verglasungen, die vollständig oder zu einem großen Teil aus farblosen Gläsern gefertigt und/oder mit eingebrannten Schwarzlotzeichnungen und Schattierungen versehen sind. Die Regeln, wie der Fensterschmuck in den zisterziensischen Klöstern auszusehen hatte, wurden im Generalkapitel, dem »gesetzgebenden Organ« des Zisterzienserordens festgelegt: »Vitree albe fiant, et sine crucibus et picturis« – weiß sollten die Fenster sein, ohne Farben, Kreuze und Bilder. Die Architektur und die Ausstattung der zisterziensischen Klöster war faktisch die Übersetzung der maßgebenden und strengen Benediktsregel in die Architektur. Die sehr konkret gehaltene Ordensregel definierte detailgetreu die Anordnung und Nutzung der Klosterräume und gab den Geist vor, der aus ihnen sprechen sollte: Askese und Armut. Geist der Armut hieß in der zisterziensischen Architektur nicht Sparsamkeit in der Qualität der Materialien oder der Ausführung, sondern Vermeidung jeden Prunkes und unnützen Überflusses. Figürliche Darstellungen wurden auf ein Minimum reduziert, Dekorationen erfolgten sparsam und

28 | Die Grisaille-Fenster


in Form von floralen Ornamenten oder geometrischen Darstellungen, meist an Kapitellen oder Schlusssteinen der Gewölbe. Nicht nur die Architektur war von Schlichtheit geprägt, sondern auch die Ausstattung der Kirchen, die liturgischen Gewänder, Geräte und der Fensterschmuck. Figurendarstellungen – wie in unserem Fall die hundsköpfigen Drachen – stellen eine augenfällige Abkehr von den Regeln im Dekorationsprogramm dar. Bernhard von Clairvaux richtet sich eindeutig gegen das Figürliche und Dämonische am christlichen Klosterbau: »Aber wozu dienen in den Klöstern vor den Augen der lesenden Brüder jene lächerlichen Missgeburten […]? Was bezwecken dort die unflätigen Affen, die wilden Löwen? […] Hier kann man unter einem Kopf viele Leiber sehen, dort wieder auf einem Körper viele Köpfe. […] Mit einem Wort, es zeigt sich überall eine so große und so seltsame Vielfalt verschiedener Gestalten, dass einem mehr Lust ankommt in den Marmorbildern statt in den Codices zu lesen«.10 Europaweit sind leider nur wenige Beispiele zisterziensischer Glaskunst erhalten. Gründe für ihre Seltenheit sind vor allem in Plünderungen verlassener Klöster begründet. Aus den Klöstern wurden oftmals alle wieder verwendbaren Materialen herausgerissen, darunter auch das Blei der Dächer und Fensterverschlüsse. Das Glas selbst wurde zerstört, dem Verfall preisgegeben oder eingeschmolzen. In anderen Fällen entfernte man die Fenster komplett und baute sie wieder in andere Gebäude ein. Die Ausführungen zeigen, dass den Schulpforter Glasmalereien eine besondere Bedeutung zukommt. Einerseits gehören sie zu der relativ geringen Anzahl erhaltener Verglasungen zisterziensischen Ursprungs, andererseits stellen die Gläser der Fensterrose mit figuralen Motiven eine Besonderheit dar. Zudem kann sich Schulpforte rühmen, die einzige, vollständig erhaltene zisterziensische Fensterrose zu besitzen. Im Allgemeinen besteht eine Bleiverglasung mit Glasmalerei aus drei Komponenten plus stabilisierender Elemente. Eine Komponente ist das Bleinetz, welches in Form eines H-Profils beidseitig die Glasscheibchen aufnimmt, das tragende Grundgerüst bildet und gleichzeitig grafisches Gestaltungsmittel ist. Das Glas als zweite Komponente ist einerseits das raumbildende und -verschließende Material und bietet andererseits großen Gestaltungsspielraum in Form und Farbe. Zudem trägt das Glas die dritte Komponente, die Oberflächendekoration in Form von Glasmalerei, Schliff und/oder Ätzung. Diese verleihen der Komposition eines Fensters ihr endgültiges Erscheinungsbild durch das Auf- oder Abtragen von Details, welche durch Glas und Blei allein nicht darstellbar wären. Die nördliche Fensterrose besteht etwa zur Hälfte aus mittelalterlichem Glas,

Die Grisaille-Fenster | 29


der übrige Teil setzt sich aus Ergänzungsgläsern des Erfurter Restaurators Heinz Hajna zusammen. Das ursprüngliche Glas weist eine leicht gelbliche Tönung auf, welches als farbloses klares Glas zu deuten ist. Die gelbliche Tönung entstand unabsichtlich durch Verunreinigungen des Gemenges während der Glasherstellung und kann auf die im Ausgangsstoff Sand enthaltenen Metalloxide, wie zum Beispiel Eisenoxid, zurückgeführt werden. Die Gläser wirken im Durchlicht zusätzlich verdunkelt, da außenseitige Glaskorrosion die Farbwirkung dämpft. Mittelalterliche Gläser sind häufig durch die zwei Schadbilder Glasbruch und starke rückseitige Korrosion gekennzeichnet. Die korrodierte Oberfläche der Rückseite erscheint weißlich und sandpapierartig rau. Einige Gläser oder größere Partien der Vorderseite zeigen das gleiche Schadbild, was immer in Zusammenhang mit Fehlstellen steht, die einen Feuchtigkeitseintrag auf die Innenseite ermöglichten und Glaskorrosion verursacht haben. Im Bestand der Fenster hat sich ein großer Anteil an mittelalterlichem Blei in gutem Zustand erhalten, was aufgrund der lange Zeit üblicheren Restaurierungspraxis, Verglasungen komplett neu zu verbleien, heute eine große Ausnahme darstellt. Einen weiteren bemerkenswerten Fund stellen die gut erhaltenen Holzeinlagen entlang der mittelalterlichen Bleie dar. Sie sind zum ursprünglichen Bestand zu zählen und stammen vom Herstellungsprozess, da sie als Stabilisierungselemente eingelegt worden sind. Die Holzeinlagen befinden sich in den Zwischenräumen mehrfach aneinander gelegter Randbleie. Es handelt sich dabei um Weidenruten, deren Holz Elastizität und – nach dem Austrocknen – hohe Stabilität besitzt. Die ursprüngliche Schwarzlotmalerei besteht aus Konturlinien unterschiedlicher Breite und Auftragsstärke. Die mitunter lasierend wirkenden Linien sind sowohl bewusstes Gestaltungsmittel als auch Ergebnis des dynamischen Malprozesses und wirken im Auflicht dunkelbraun-matt. Neben pinseltechnisch aufgetragenen Konturen wurden auch Muster in die Farbe einradiert, so vor allem das Perlschnurornament und die gerasterten Hintergrundflächen der Langbahnfelder. Bei letzteren wurde ein aus waagerechten und senkrechten Linien bestehendes Raster in die Farbfläche gekratzt. Auf anderen Gläsern, wie in der Nordrose, wurde dieses Raster pinseltechnisch in Form von dünnen Linien aufgetragen.

30 | Die Grisaille-Fenster


Der Zustand der Malerei in der Nordrose ist sehr einheitlich und im Allgemeinen stabil. Die Farbe liegt glatt auf der Glasoberfläche auf und es befinden sich in der Fläche keine pudernden oder schollenförmig aufstehenden Malereien. Malschichtverluste oder gefährdete Areale befinden sich dennoch in Bereichen mit starker Vorderseitenkorrosion, welche die Malschicht allmählich unterwandert und ihr so den tragenden Untergrund entzieht. […] Bevorzugtes Schleifmittel des Mittelalters war Schmirgel oder auch Sandstein, was entweder als massiver Stein oder als lose Körner auf einer Metallplatte verwendet wurde. Das früheste bekannte Beispiel von geschliffenem Flachglas befindet sich im älteren Bibelfenster der Dreikönigskapelle im Kölner Dom aus der Zeit 1250/60. Laut Datierung der Schulpforter Scheiben um die Mitte des 13. Jahrhunderts sind die geschliffenen Gläser ein weiteres und sehr seltenes Beispiel eines frühen Flachglasdekors in Schlifftechnik. Neben den zum ursprünglichen Bestand gehörenden Materialien und deren Verarbeitungstechniken sind die auf uns überkommenen Gläser des Mittelalters meist stark durch Reparatur- und Restaurierungsmaßnahmen vergangener Jahrzehnte geprägt. Auch die Schulpforter Glasmalereien haben die Jahrhunderte nicht unberührt überstanden. Die einzige, eindeutig nachvollziehbare Restaurierung und gleichzeitig die letzte Maßnahme an den Feldern war die Behandlung durch den Restaurator Heinz Hajna in den 1970er Jahren. Lediglich einige Neuverbleiungen […] gehören gesichert einer vorherigen Restaurierung an. Dies ergibt sich augenscheinlich aus der Verwendung anders gearteter Bleiprofile und der besonders aufwendigen Glasergänzungen. Diese Gläser wurden als Ergänzungen identifiziert, da sie auf der Vorderseite einen mit der Handfläche gewischten, bräunlichen Glasmalereiüberzug besitzen. Die Glasrückseite ist im Auflicht matt weiß, genau wie die Oberfläche der umliegenden korrodierten Originalscheiben. Kleine erhabene Glasinseln ragen blank aus der Glasoberfläche heraus. Die künstlich erzeugten Überzüge auf der Vorder- und Rückseite imitieren die mittelalterliche Schmutzpatina bzw. die rückseitige Korrosion. Laut den Analyseergebnissen handelt es sich bei dem weißen Belag um Bleisulfat, Kieselsäure und in geringen Teilen Gips und Eisensalze. Die Ergebnisse wurden als ein Farbauftrag auf der Basis von Wasserglas interpretiert. Beim Trocknen von Wasserglasfarben verdunstet das Wasser, wobei sich gleichzeitig das Wasserglas in Kieselsäure, Soda und/ oder Pottasche zersetzt. Die unlösliche Kieselsäure bildet das Bindemittel für die Pigmente, in diesem Fall Bleisulfat. Soda und Pottasche werden mit der Zeit vom Regen ausgewasehen. Aufgrund der vermuteten Verwendung von Wasser-

Die Grisaille-Fenster | 31


glasfarben kann die zugehörige Restaurierungsmaßnahme nicht vor 1875 durchgeführt worden sein. Zu den auffälligsten Maßnahmen der Restaurierung in den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gehören unzählige Sprungsicherungen in Form von Klebungen und/oder Haltesystemen. Ein Netz von Klebenähten überzieht die Rückseiten aller Felder. Die bis heute stabilen Klebungen wurden durch Heinz Hajna pigmentiert und so der Farbigkeit der Rückseitenkorrosion angepasst, was ein Hinweis darauf ist, dass das Entstehen der Klebenähte mit einkalkuliert und die Pigmentierung als eine bewusst eingesetzte Form der Retusche zu deuten ist. Alle Untersuchungsergebnisse, die die Begutachtung von Substanz und Stabilitätsaspekten betrafen, waren zufriedenstellend und konnten – dem Alter der Verglasungen entsprechend – als gut eingeschätzt werden. Einen großen Beitrag zu dem guten Zustand der Felder leistete zweifellos Restaurator Hajna, der gewissenhaft die Originalsubstanz erhalten und die nötige Stabilität der Felder wiederherstellen konnte. Das größte Schadpotenzial liegt also nicht in der Originalsubstanz selber, sondern besteht in mikrobiellem Befall, der, wie eingangs erwähnt, beim Öffnen der dicht verschlossenen Transportkiste entdeckt wurde. Die zwei in der Kiste befindlichen Felder zeigten starken Schimmelbefall, der durch Schimmelpilze der »Aspergillus glaueus«-Gruppe und »Aspergillus restrictus« hervorgerufen worden ist. Die Ursache war schnell gefunden: Der Befall der Felder in allen Kisten konnte auf die Anwesenheit von Feuchtigkeit während einer früheren Lagerung in klimatisch ungünstigen Räumen, in Verbindung mit einem sehr staubhaltigen Umfeld, zurückgeführt werden. Das organische Nahrungsangebot auf der Glasoberfläche durch Staub und Restaurierungsmaterialien sowie die hohe Luftfeuchte während der Lagerung boten ideale Wachstumsbedingungen für die Pilze. Die Sauberkeit der Glasoberfläche gilt – neben flankierenden Maßnahmen – als die beste Voraussetzung zur Vermeidung von mikrobiellem Befall auf historischen Gläsern, da den Organismen potenzielle Nährstoffquellen entzogen werden. Aus diesem Grunde sollte als erste Maßnahme die Reinigung und Desinfektion der Glasoberfläche anstehen. Um die optimale Behandlungsmethode zu finden, wurden auf einem Feld mit starkem Schimmelbefall Probeflächen angelegt. Die Ergebnisse der Reinigungsversuche waren sehr eindeutig und kommen der Arbeit eines Restaurators insofern entgegen, als dass zu einer erfolgreichen Schimmelbekämpfung das herkömmliche Verfahren der Oberflächenreinigung mit einer UV-Bestrahlung kombiniert werden kann. Dieses Verfahren vermeidet die Verwendung von Kompressen, wie sie bei der Hemmstoffbehandlung hätten angewendet werden müssen.

32 | Die Grisaille-Fenster


Die restauratorische Maßnahme von Reinigung und Desinfektion stellt lediglich den ersten Schritt dar, um den Schimmelbetall zu vermeiden. Dauerhaft müssen flankierende und präventive Maßnahmen in der Umgebung der Fensterfelder ergriffen werden, sei es die Lagerungssituation oder die Einbausituation in der Kirche betreffend. In beiden Fällen ist es entscheidend, eine ausreichende Luftzirkulation zu gewährleisten und hohe Luftfeuchten zu vermeiden, da Feuchtigkeit die Ursache der großen Schadbilder Korrosion und Schimmelbefall darstellt. Für die zum Einbau vorgesehenen Felder im Kirchenraum ist neben der Klimaüberwachung die Montage einer Außenschutzverglasung unerlässlich. Diese sichert den Bestand vor mechanischen Einwirkungen und hält von außen wirkende Feuchtigkeit fern. Außenverglasungen stellen derzeit aus denkmalpflegerischer Sicht die einzige Möglichkeit dar, gefährdete historische Kirchenfenster zu schützen und gleichzeitig in ihrem historischen Zusammenhang zu belassen. Schlussendlich bleibt die Frage offen, wann und in welchem Umfang die mittelalterlichen Verglasungen in die Klosterkirche zurückkehren. Neben der Restaurierung der Fensterrose, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in näherer Zukunft wieder eingebaut werden soll, verbleiben 40 Felder der Langbahnen, deren Zukunft noch unklar ist. Auf dem Gelände der Landesschule ist ein Museum geplant, in dem die Felder vor einer künstlichen Hinterleuchtung präsentiert werden könnten. Ob hierzu jedoch alle 40 Felder benötigt werden oder nur ein exemplarischer Teil ausgewählt wird, hängt von den räumlichen Möglichkeiten und den didaktischen Absichten des Museums ab. Sollte die Entscheidung zugunsten eines Einbaus aller Felder im Kirchenraum fallen, ergäben sich neue Herausforderungen bezüglich der Integration der Felder in den Chorraum sowie der Art der Ergänzung der fehlenden Fensterflächen in den jeweiligen Langbahnen. Es stehen demnächst also einige Entscheidungen ins Haus, die nicht zuletzt von den finanziellen Möglichkeiten des Landes Sachsen-Anhalt und der Landesschule Pforta abhängig sein werden. Mit Hilfe von Fördermitteln des Bundes und Spendengeldern könnten die Gläser fachgerecht restauriert und konserviert werden. Nach langen Jahren provisorischer Lagerung sollte der gläserne Schatz aus Schulpforte wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und an seinen über Jahrhunderte hinweg angestammten Platz zurückkehren.  Petra Ullrich

Die Grisaille-Fenster | 33


Zeitreisen in den Mauern

Z

»Zeit« ist ein Wort, das jeder benutzt, das jeder kennt. Und doch – wer versteht es schon? Zeit ist eine Abfolge von Augenblicken. Schön und gut. Und was tut die Zeit? Sie vergeht. Zeit vergeht. Aber Zeit hinterlässt auch Spuren. Sie verschwindet nicht einfach, die Zeit. Sie wird zu dem Geschehenen, das uns bewegt. Manchmal muss man ein bisschen suchen, um die Spuren zu finden oder um sie richtig zu deuten. Aber letztlich ist der Lohn doch meist größer als die Mühe. Um eine Spur der vergangenen Zeit zu finden, muss man in Pforte nur mal die Augen aufmachen. An sich handelt es sich bei ganz Pforte um eine einzige große Spur. Und wir leben darin. Wir formen die Spur immer neu mit unseren Ideen und unserem Handeln. Und das ist auch gut so. Vergessen, was es mit dieser Spur auf sich hat, sollten wir allerdings nicht. Denn Vergessen bewirkt die Auslöschung von Zeitspuren. Doch wohin sollen wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir gekommen sind? Am 12. und 13. Oktober 2011 begaben wir uns deshalb auf eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Pforte. Dabei begann alles ganz harmlos. In Gruppen fanden wir uns zu Vorträgen zusammen, die die verschiedensten Themen beleuchteten: – Bernhard von Clairvaux und sein Jahrhundert – also im Grunde der Mann, der all das auslöste, indem er den Zisterzienserorden als Reformorden verbreitete – Die Baukunst der Zisterzienser, die unsere Kirche, unsere Schule, unser Pforte so formten, wie wir es heute sehen – »Vox Nostra« – Musik der Zisterzienser, die auch heute noch durch die Mauern zu schweifen scheint, wenn man bereit ist zuzuhören – Wirtschaftsmanagement und Zukunftsorientierung der Zisterzienser am Beispiel Walkenried und Raddagshausen – waren die Zisterzienser Frühkapitalisten? Marktbeherrschende Stellungen hatten sie allemal – Arbeit mit der Benediktinerregel, der Templerregel und der Charta Caritas – dem Regelwerk der Zisterzienser

34 | Zeitreisen in den Mauern


– die Auflösung des Klosters und die Schulgründung, womit dann unsere Schulgeschichte bis zum heutigen Tag begann – Spuren zisterziensischen Lebens im heutigen Pforte, welche vor allem an den Gebäuden gut zu erkennen sind – Schätze vor Ort, die uns alle umgeben, nur als solche so meist nie wahrgenommen werden – Neues Leben in alten Gemäuern – das Beispiel Salem, welches Pforte recht ähnlich ist – Leben im Kloster in heutiger Zeit, worüber waschechte Nonnen und Mönche aus Ettal, Helfta und Marienstern erzählten – Der Film »Die große Stille«, in dem man ein schweigsames Jahr in einem französischen Karthäuserkloster miterlebte Und ganz schnell war man mittendrin. Ob Melodien, Architektur, Lektüre, Erzählungen oder stille Bilder – auf die eine oder andere Weise entführten uns die Referenten in andere Zeiten und/oder an andere Orte. Und doch blieben wir im Grunde immer bei Pforte und seiner Geschichte. Der zweite Zisterziensertag begann ganz in der zisterziensischen Tradition – mit einer Andacht. Nach der eigentlichen Eröffnung in der Kirche folgten dann drei Vorträge, die zusammengenommen als kleine Zeitreise von den Ursprüngen des Zisterzienserordens – Geist und Idee der Zisterzienser – über Pfortes Mutterkloster Walkenried bis hin zur Gründung des Klosters Pforta betrachtet werden können. Auch in der Mittagspause konnte man an einer Andacht teilnehmen und Pforte während einiger Führungen mit ganz anderen Augen betrachten. Es folgten zwei weitere Vorträge über die Architektur der Zisterzienser unter dem Einfluss von Bernhard von Clairvaux und am Beispiel unserer Klosterkirche. Damit endete zwar das eigentliche Programm für die Pfortenser Schülerschaft, aber noch nicht die Zisterziensertage: Am öffentlichen Programmteil nahmen sowohl Pfortenser als auch Gäste teil, die nicht in den altehrwürdigen Mauern leben. Dabei führte die Zeitreise nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch durch die Gegenwart in die Zukunft zu den Nutzungsperspektiven für Pforte.

Zeitreisen in den Mauern | 35


Mit einer Abendandacht konnte der Zyklus eines Tages, wie ihn die Zisterzienser lebten und erlebten, abgerundet werden. Mit der festlichen Aufnahme in die Charte Europeenne des Abbayes et Sites Cisterciens und dem Konzert »Gesang der Zisterzienser« von »Vox Nostra« klangen die Zisterziensertage aus. Damit war die Zeitreise an sich zwar vorbei, aber nicht die Spurensuche. Kleinigkeiten haben neue Bedeutung gewonnen, das Gefühl beim Wandeln durch den Kreuzgang hat sich verändert, das Bewusstsein der Vergangenheit wurde gestärkt und damit hat sich auch unser Leben in Pforte verändert. Vielleicht ist das nicht gleich offensichtlich. Vielleicht denken manche auch an die versäumten Unterrichtsstunden und wie der Stoff wieder aufgeholt werden kann. Aber letztendlich bleibt in jedem von uns etwas zurück. Eine Spur der Zeit.  Anna Juliane Rämisch, 11N

36 | Zeitreisen in den Mauern


Predigt zum Schulfest in Pforta Am 15. Mai 2011 (468. Jahrestag der »Neuen Landesordnung«) predigte Pfarrerin Katja Vesting zum Schulfestgottesdienst über 1. Mose 28, 10 – 19 a:

L

Liebe Festgemeinde, wenn mir dieser Jakob an jenem Tag auf dem Weg nach Haran begegnet wäre – er wäre kein Mann für mich gewesen. Wenn ich ihn vielleicht an einem der wenigen Brunnen am Wegesrand getroffen hätte – er hätte mich nicht interessiert. Ganz abgesehen davon, dass er natürlich auch keine Augen für mich gehabt hätte. Schließlich war Jakob auf dem Weg nach Haran, um dort bei seinem Onkel nach einer passenden Frau in seiner Verwandtschaft Ausschau zu halten. Aber selbst wenn er von diesem Auftrag der Brautschau abgewichen wäre, mit dem er von seinen Eltern aus offiziell unterwegs war,– er wäre kein Mann für mich gewesen. Obwohl es durchaus gute Gründe gäbe, sich für ihn zu entscheiden. Zuerst einmal ist er ja ein recht cleverer Kerl: Er hat seinem Bruder das Recht der Erstgeburt abgeluchst. Er hat ein kräftiges, wohlriechendes Mahl gekocht – und seinem Bruder vorgeführt, als dieser vollkommen fertig nach einem langen Tag von der Arbeit kam – vielleicht vergleichbar mit neun Schulstunden plus AG im Silentium plus Chorprobe am Abend plus Lernen für eine Arbeit oder einen Test am nächsten Tag. Und dann öffnet der Mitbewohner oder die Mitbewohnerin eine Riesenpackung Knusperflocken (nicht so eine kleine wie im Automaten… nein, eine richtig große!). Da kann man schon schwach werden. Ja, der Jakob ist clever. Er besitzt eine Schläue, mit der er es weit gebracht hat. Und er besitzt zudem eine gehörige Portion Mut. Angestachelt von seiner Mutter bittet er seinen Vater um den Erstgeburtssegen. Eigentlich war der ja für den älteren Bruder Esau bestimmt, aber Jakob verkleidet sich als jener und traut sich unter falschen Angaben zu seinem Vater mit der Bitte nach Segen. Das hätte auch schief gehen können. Aber er erhält den Segen. Und das ist der eigentliche Grund, der Jakob als recht gute Partie erscheinen lässt. Der Mann ist gesegnet! Die Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle hatte sein Vater ihm im Segen zugesprochen, dazu die Herrschaft über viele Völker und natürlich über den Bruder.

Predigt zum Schulfest in Pforta | 37


Mit so einem Mann hat Frau keine Sorgen mehr. Sie müsste keine Ängste haben um ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder – denn alle werden im Wohlstand leben. In Wohlstand und Frieden, denn kein anderes Volk würde sich gegen so einen gesegneten Mann erheben. Das ist, wie wenn man einen Freund hat, dem alles gelingt: Das Abitur mit 1,0 – dann das Studium mit links – er bräuchte wahrscheinlich nicht einmal eine Bewerbung schreiben, weil sich die Unternehmen um ihn reißen. Er würde so viel verdienen, dass die Ausbildung der zukünftigen Kinder mehr als gesichert ist. Die materiellen Bedürfnisse einer fürsorglichen Ehefrau natürlich auch. Es wäre vermutlich noch genug Geld da, um der ein oder anderen Kirche eine Mikrofonanlage zu spenden. Ein Mann mit einem gewinnenden Lächeln, dem niemand etwas übel nehmen kann. Ein Mann, dem alles gelingt. Das wär schon was. Aber trotzdem, dieser Mann – und jetzt bin ich wieder bei Jakob – hat eine entscheidende Schwachstelle! Und eigentlich nicht nur eine. Aber ich will hier gar nicht näher darauf eingehen, dass ich es mehr als unattraktiv erachte, wenn einer seinen Erfolg auf Kosten von anderen verfolgt – so wie Jakob es gegenüber seinem Bruder Esau getan hat. Ich sehe bei Jakob noch eine ganz andere Schwachstelle: Jakob fehlt Vertrauen. Jakob fehlt das Vertrauen in den Segen des Vaters und damit in den Segen Gottes, ihm fehlte das Vertrauen, als er von den Zelten des Vaters nach Haran aufbricht – denn genau genommen ist er nicht nur auf Brautschau, sondern vor allem auf der Flucht vor seinem Bruder – und ihm fehlt das Vertrauen immer noch nach der unglaublichen Nacht, von der wir eben gehört haben. Jakob hatte in dieser Nacht eine Gottesbegegnung! Er sah den Himmel offen und erhielt eine Zusage Gottes. Eine Zusage, die den Segen des Vaters nicht nur bestätigte, sondern ins Unermessliche steigerte: Ich bin der HERR, hörte er Gott sagen – und weiter: das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Landbesitz, unzählige Nachkommen, also mehr als der bloße Erhalt der Familie, Schutz auf allen Wegen, Heimkehr aus der Fremde – was wollte Jakob mehr in

38 | Predigt zum Schulfest in Pforta


seiner Situation? Für einen Mann auf der Flucht kann es keine bessere Verheißung geben. Aber was macht Jakob? Jakob kennzeichnet die Stelle der Gottesbegegnung, indem er einen Stein aufrichtet und ihn mit Öl übergießt – und er legt ein Gelübde ab. Kein Wort des Dankes oder des Lobes, kein Wort des Vertrauens in diese großartige Zusage, sondern ein Gelübde. Ein Gelübde in Form eines Konditionalsatzes. Wenn – dann. Wenn das denn alles wirklich so eintrifft, dann soll der Herr mein Gott sein. Wenn das denn alles so stimmt, dann werde ich mein Vertrauen in Gott setzen, dann werde ich ihm folgen. Jakob kann nicht vertrauen, er sichert sich ab mit einem Gelübde, vor das er eine Bedingung stellt – wenn, dann. Aber Vertrauen kennt keine Bedingungen. Es ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass es sich nicht auf Sicherheiten verlassen kann. Vertrauen ist vorläufig, es lebt von Hoffnung. Dank seiner können wir Menschen uns einlassen auf das Wagnis Leben, mit der nötigen Spontaneität des Entgegenkommens, des offenen Sich-Einlassens und Preisgebens. Vertrauen ist konstitutiv für Beziehungen. Wo kein Vertrauen ist oder Beziehungen an Bedingungen gebunden sind, kann höchstens von gestörten Beziehungen gesprochen werden. Vertrauen braucht es in Beziehungen zweier sich liebender Menschen, in Familienbeziehungen, in Freundschaften – all diese Beziehungen leben vom gegenseitigen Vertrauen in den anderen. Auch unsere Gottesbeziehungen. Aber solches Vertrauen kann ich bei Jakob nicht finden. Nun ist meine Streitrede gegen Jakob, meine Aburteilung nicht ganz fair, genau genommen fehlt es meiner Argumentation – zumindest nach christlichen Maßstäben – an etwas Entscheidendem. Nämlich an Vertrauen. An Vertrauen darauf, dass sich Menschen ändern können, dass Gott Menschen, dass er uns ändern kann. Gott, unser Schöpfer, legt uns nicht fest auf einen Fehler oder eine List, die wir begangen haben. Er eröffnet uns immer wieder die Möglichkeit, neu anzufangen. Und weil er diese Möglichkeit eben nicht nur mir, sondern jedem anbietet, bin ich dazu aufgerufen, offen zu sein, dass der andere oder ich zu ganz neuen Erkenntnissen und Lebenseinstellungen kommt. Diese Offenheit und dieses Vertrauen kann ich nicht machen – sie ereignen sich und widerfahren mir. Vertrauen ist kein naturgegebener Vorgang, es bedarf ver-

Predigt zum Schulfest in Pforta | 39


trauenerweckender Erfahrungen. Wenn sich mir jemand liebevoll zuwendet, wenn jemand verlässlich für mich ansprechbar ist, wenn meine Bemühungen in Schule oder Beruf Anerkennung finden. Das alles schafft Vertrauen – zuerst erwarten wir es von den eigenen Eltern –, aber es kann eben auch durch verlässliche Freunde oder Kollegen und auch in einer Gottesbegegnung entstehen. Jakob hatte eine ganze Reihe solcher Erfahrungen: eine Mutter, die für ihn sorgt, einen Vater, der ihm den Segen zuspricht, und einen Gott, der ihm den Segen mehr als bestätigt – und trotzdem legt er ein misstrauisches Gelübde ab. Es scheint, als sind all diese Erfahrungen noch nicht zu seinem Herzen vorgedrungen. Ich wünsche uns allen solche Erfahrungen in unseren Leben. Ganz besonders allen Schülern hier an der Landesschule. Ich wünsche euch die Erfahrung, dass euch etwas – im besten Sinne des Wortes – zugetraut wird. Damit ihr daran wachsen und stark werden könnt. Ich wünsche uns allen, dass wir getragen sind vom Vertrauen darin, dass es Gott gut mit uns und gut mit allen Menschen meint. So wie er es gut mit Jakob meinte: Denn diesen hat er von Bethel weiter nach Haran geführt, wo er an einem Brunnen seine geliebte Rahel traf. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.  Katja Vesting (al. port. 95–99 val.)

40 | Predigt zum Schulfest in Pforta


Vom Pförtner Bund *  *  *


Jahresbericht berlin

D

Der Schlössertag im Januar fand – sonst im Umland – diesmal in Berlin statt. Das Schloss Niederschönhausen war gerade nach seiner Rekonstruktion im Oktober 2010 wiedereröffnet worden. So fand meine Einladung für Samstag, den 15.1. gute Resonanz. Wir waren 59 Teilnehmer an den Führungen. Zum anschließenden Mittagessen saßen wir »Unter dem Olivenbaum« bei griechischen Spezialitäten zusammen. Dr. Rita Degenhardt hatte die Gastlichkeiten ganz in der Nähe erkundet und uns so eine angenehme Zusammenkunft organisiert. Zum Frühjahrstreffen am 1. April 2011 hatte ich in das Post- und Kommunikationsmuseum eingeladen. Wir waren wieder circa 70 Personen. In dem ehrwürdigen Bau in der Nähe der Friedrichstraße wurden wir von sprechenden Robotern begrüßt und man darf sich sogar an einem Ballspiel mit den freundlichen Metallwesen beteiligen. Mit seiner Ausstellung macht das Museum die Vergangenheit, Gegenwart sowie die Entwicklung und die Zukunftsperspektiven der Informationsgesellschaft erleb- und begreifbar. In drei Gruppen wurden die interessanten Informationen durch die vorhandenen Exponate veranschaulicht. Für unsere anschließende Zusammenkunft waren im Domkeller des Restaurant Löwenbräu in der Leipziger Straße Plätze für uns reserviert. Passend zum dem Thema der Kommunikation hatte ich Markus Lübbers vom Abiturjahrgang 2002 gebeten, uns »Alten« über den Umgang der »Jungen« im Internet zu berichten. Seine Vorbereitungen führte er uns über einen Beamer vor und konnte so alles bildlich untermauern. So erfuhren wir von Internetgepflogenheiten wie Facebook, YouTube und Twitter. Im Mai gab es in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt eine Präsentation, in der über das Vorhaben »Naumburger Meister« – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen – zur Landersaustellung in Naumburg (Juni bis November) informiert wurde. Es ist es uns gelungen, dass ein Kreis von Pfortensern teilnehmen konnte. Über Internet ging die Weitergabe der Information schnell und sie wurde auch gut angenommen. So sind zwanzig Leute zusammengekommen, die eine Einstimmung auf Naumburg erhalten haben. Bei Imbiss und Getränken konnten wir auch weitere Gedanken austauschen.

42 | Jahresbericht Berlin


Eine weitere Veranstaltung – außer der Reihe – fand bald danach am 27. Juni statt: Die Theatergruppe von Pforta hat den »Katzenmord« in Berlin gespielt. Zum Schulfest hatten mich die Thematik und entsprechende Darbietungen der Gruppe überzeugt. Mit der Suche nach einer geeigneten Spielstätte und der Sicherung weiterer Bedingungen waren wir erfolgreich. Es war sehr mühsam, aber es hat geklappt. Es war eine gelungene Veranstaltung mit knapp 80 Besuchern. Das Galli-Theater in der Oranienburger Straße gleicht der Spielstätte der Studiobühne in Pforta. Lisa Hartke, 12s, die das Stück geschrieben und Regie geführt hat, ist es mit ihrer Theatergruppe gelungen, die Aufführung den neuen Spielbedingungen in Berlin bestens anzupassen. Für mich ist es schon bewundernswert, wie der Ablauf insgesamt, mit Lichttechnik und eingeblendeter Musik geklappt hat. Es gab viel Zustimmung und Anerkennung für die Thematik des Stückes und die aktuelle Aufführung: Das Miteinander von Schülern und Lehrern in einer fest geregelten Internatsstruktur einer Schule hat doch zum Nachdenken angeregt und Fragen zum allgemeinen Bildungssystem gestellt. Ich wundere mich nicht, dass die ausgeprägten Regelungen in einem Internat, den hoch gehängten Verantwortlichkeiten der Lehrer geschuldet, den Widerspruch von Schülern herausfordert. Sie drängen zu mehr Eigenverwirklichung. Schülerselbstverwaltung gibt es nicht mehr. Die Schüler sind heute – schon vom Elternhaus aus – zu weit individualistischeren Auffassungen erzogen, als das früher der Fall war. Die Gespräche im Anschluss waren recht interessant. Da war es schon gut, dass wir eine angenehme Atmosphäre mit Imbiss und Getränken vorbereitet hatten. Es gab von den Anwesenden gute Spenden, so dass die Unkosten für Saalmiete, Imbiss und Getränke gedeckt wurden. Für die Theatergruppe sind auch noch etwa 150 Euro übrig geblieben. Für den Wein erhält Matthias Hey, al. port. 2002 und Winzer am Steinmeister, eine Spendenquittung des Pförtner Bundes. Der Pförtner Bund hat die Fahrtkosten für zwei Schüler aus der 9. und 10.  Klasse übernommen, die mit dem Zug hin- und zurückgefahren sind. Die anderen waren Abiturenten, die sich ihre Unterkunft in Berlin selbst gesucht haben. Bei ansprechender Thematik eines Theaterstückes des Pfortenser Schülertheaters wird so etwas in Berlin in dieser Spielstätte mal wieder möglich sein.

Jahresbericht Berlin | 43


Der Komponist, unser Kurt Dietmar Richter, al. port. 1946 – 1949 val., feierte am 24. September seinen 80. Geburtstag. Seine Freunde haben für ihn ein Jubiläumskonzert organisiert. Unseren Berliner Kreis konnte ich nach rechtzeitigen, vorherigen Absprachen dazu auch einladen. Mit unserer Teilnahme und den anschließenden Gesprächen konnten wir unseren Pfortenser Jubilar würdigen. Über einen Pfortakalender für 2011 hat er sich sehr gefreut. Unser Herbsttreffen fand am 4. November statt. Gute Erreichbarkeit, Atmosphäre der Räumlichkeiten, die gute Qualität des Essens und die eingespielten organisatorischen Absprachen waren gute Fürsprecher für das Hotel Holiday Inn am Gesundbrunnen. Zum Vortrag »Die Gräber von Eulau« hatte ich Herrn Dr. Ganzlmeier vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle eingeladen. Er hat die Ausgrabungen in Eulau (zwischen Naumburg und Goseck) geleitet und hat uns interessante archäologische Einzelheiten erzählt. So hatte der Abend mit den Gesprächen unter den Altschülern und dem Martini-Essen einen weiteren Höhepunkt. Sonst fahren wir zu Bildungsreisen nach China, in den Orient und nach Mexiko. Hier haben wir in unserer engsten Heimat so bemerkenswerte archäologische Funde und Aussagen zur frühen Geschichte der Menschheit. So haben Rückmeldungen von einigen der 60 allgemeine Zufriedenheit mit dem Abend erkennen lassen. Leider sind diesmal zum Herbsttreffen keine Studenten gekommen. Wir müssen uns im Pförtner Bund insgesamt überlegen, welche Interessen unsere Jungpförtner haben, was ihnen der Ehemaligenverein bieten kann und wie sie für sich einen Teil des Pförtner Bundes inhaltlich gestalten können.  Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 val.)

44 | Jahresbericht Berlin


80 Jahre Kurt – 20 Jahre Neue Brücke Bericht über eine Konzertveranstaltung am 24. September 2011 im kleinen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt in Berlin.

D

Der doppelte Anlass für ein Konzert zeitgenössischer Kompositionen – der 80. Geburtstag des Komponisten Kurt Dietmar Richter (al. port. 46 – 49) und der 20. Geburtstag seiner Gründung »die neue Brücke« – bescherte den Besuchern das überraschende Erlebnis eines abwechslungsreichen Programms. Nachdem eine musikalische Ehrung in Schulpforte trotz mancher Bemühungen nicht erreicht werden konnte, blieb nichts anderes übrig, als den Jubilar in die Situation einzuweihen und um Hilfe zu bitten. So übernahm er nicht nur die Organisation, sondern auch die Leitung des Abends im würdigen Rahmen des Konzerthauses. Seine interpretatorischen Überleitungen zu projizierten Bildern und dargebotener Musik wurden vom Publikum dankbar aufgenommen. Der Reigen begann mit einem Tuba-Solo »Komos«, das von dem Tubisten des Konzerthausorchesters launig interpretiert wurde. Aus Luftholen und Luftstrom formte sich allmählich die klangvolle Komposition. Es folgte ein originelles Zwiegespräch zwischen Klavier und Cembalo, dessen Interpretation dank der Rücksichtnahme des Klavierinterpreten vom Komponisten selbst mit besonderem Wohlwollen aufgenommen wurde. Eine besondere Überraschung bot die Chagalliade – ein Solostück für Violine, das auf Chagalls klingenden Buchstaben (c–h–a–g–a–) aufgebaut und von Marianne Boettcher, Professorin an der Universität der Künste Berlin, angeregt und ihr gewidmet ist. Ihre Interpretation ließ gleichsam einen Gesang erklingen zur Ehre der Geige – dem immer wiederkehrenden Instrument in Chagalls Bildern. Aus dem rein musikalischen Rahmen fiel die Pantomime von Anke Gerber heraus; denn sie sollte eigentlich Richters mit ihr gemeinsam gestaltetes Stück »Apfelkern/Peintures« aufführen. Aber die beteiligten Musiker waren erkrankt. Und so machte sie aus der Not eine Tugend mit der hinreißenden Ein-Frau-Pantomime »Mutter und Kind«.

80 Jahre Kurt – 20 Jahre Neue Brücke | 45


Vater Lyonel und Sohn Lux Feininger wurden mit Bildern und Kompositionen geehrt. (Letzteren hat Kurt Dietmar Richter zu seinem 100. Geburtstag im Oktober 2010 in den USA besucht, was im Bild festgehalten ist.) Den Abschluss bildete zu Grieshabers Holzschnitt von 1972 »Sintflut« Richters gleichnamiges Stück für vier Singstimmen und Klavier durch das Vokalensemble UNICantUS unter Leitung des Pianisten Philip Mayers. Alles in allem eine würdige Feier für Jubiläum und Jubilar, die in gedrängtem Foyer in fröhlicher Stimmung ausklang, nicht ohne Kurt Dietmar Richter zu preisen – öffentlich durch Komponistenkollegen und vom Klassenkameraden Hans Herrmann, gen. Männe (al. port. 45 – 49 val.) aus dem Berliner Kreis mit folgenden Versen: Kurt Dietmar RICHTER, heut’ 80 Gewordener, nimm unseren Glückwunsch! Wir, das ist eine Schar derer, von denen Du kamst, als Du die Schule verließest im lieblichen Saaletal: PFORTA, wo im Verborgenen Du schon musikalisch agiert; Singspiele schriebst Du und Kammermusik und traktiertest den Flügel. Später dann schwammst Du Dich frei, wurdest für viele der Chef, zogst dirigierend durchs Land und labtest die Leute mit Klängen. Leb’ noch recht lange und schaff’, wie Du immer getan: Bau die Brücken, verwandele Bilder und Farben in Töne! Tief in Dich horche hinein, wirf, Du hörst, auf Papier. Chöre lass jubeln und Orgeln erschallen und Basstuben röhren. Auch der Streicher Quartett rege zur Arbeit Dich an. Runden mögen das Werk Dir noch Symphonien und Opern. Spaß und Erfolg seien Dir treu! Darauf sagen wir prost!

Friedrich Wilhelm Eigler (al. port. 48 – 49 val.)

46 | 80 Jahre Kurt – 20 Jahre Neue Brücke


Kurt Dietmar Richter, al. port. 1946 – 1949 val., hat nach frühen musikalischen Aktivitäten schon in Pforta zwei Streichquartette komponiert. Seine erste Oper »Der fahrende Schüler« wurde zum Schulfest 1951 in Pforta unter der Leitung des Musiklehrer Franz Zimmermann (Nozi) uraufgeführt. Nach seinem Studium am Landeskonservatorium in Erfurt und an der Akademie der Künste in Berlin wurde er Dirigent u. a. in Erfurt, Schwerin und Greifswald. Er hat sich besonders der zeitgenössischen Musik gewidmet. Ab 1978 war er freischaffender Komponist in Berlin. 1990 gründete er in Berlin die Künstlerinitiative »die neue brücke« für Gemeinsamkeiten von Bildkunst und Zeitgenössischer Musik. Auf seine Initiative hin war der Mädchenchor von Pforta im Juni 2003 zu Konzerten in Berlin. Daraus ergab sich auch der Schülerbesuch der »Vorabiturenten« für fünf Jahre zur »Hochschulwahl« jeweils für ein Wochenende in Berlin. Zum Schulfest 1993 (450. Jubiläum für Pforta) wurde seine Komposition »Gloria und Trinitas« durch Siegfried Pank und Reinhard Buschbeck uraufgeführt. Weitere Kompositionen: Opern: »Pazifik 60«, »Die Geschichte von Liebe und Salz«, »Der verlegene Magistrat«, »Sekundenoper«, Mini-Oper »Marx spielte gern Schach«, TV-Oper »Bewährung über den Wolken«, Sinfonik, Kammermusik, Vokal- und Orgelwerke. 

80 Jahre Kurt – 20 Jahre Neue Brücke | 47


Ergänzung

Z

Zu den »Erinnerungen an Walter Sauter« in der Pforte Nr.63 (2010) wäre ein Verweis auf den »Mythos Sauter« in der Pforte Nr. 58 (2005) (von H.-C. Winkler, 2006 verstorben) gut gewesen für diejenigen, die ihn nicht selbst in unserer Schule erlebt haben (und durch die »Erinnerungen« wenig über sein Charisma erfahren). Vielleicht kann das nachgeholt werden von jemandem, der unter seiner Regie mitgespielt hat in den von Winkler 2005 auf S. 38 oben erwähnten, legendären Antigone- und Ödipus-»Aufführungen in der alten Turnhalle«. Die gab es auch außerhalb an mehreren Orten mit großer Resonanz, und sie könnten beispielsweise im Zusammenhang mit späteren Höhepunkten der Pförtner Theatertradition dargestellt werden. Vielleicht von unserem Ehrenvorsitzenden Jochen Kreyßig als damaligem Spitzen-Star.  Heinrich ARNOLD (al. port. 40–51 val.)

48 | Ergänzung


D

Diamantenes Abitur 2011

Der öffentliche Vortrag unseres Mitschülers Wolfgang Engelmann am Nachmittag basierte auf seiner Monographie über die chemische Beeinflussung der inneren Tagesuhr des Menschen im Dauerlicht des arktischen Sommers. (Abstract und Volltext stehen im Internet unter http://tobias-lib.uni-tuebingen.de bei den »Engelmann«-Dateien). Anhand seiner hochinteressanten Darstellung mit reichem Bildmaterial konnten wir die Abenteuer der zehn Versuchspersonen mit ihren Betreuern in Spitzbergen nacherleben und Neues über biologische Uhren lernen. Der auf ganz andere Weise ebenfalls sehr beeindruckende Vortragtext des erkrankten Ernst Uhl über »Tschechisch-deutsche Versöhnung am Beispiel Lidice« ist bei Theo Münzenberg erhältlich. Historische und aktuelle Hintergründe dazu werden beispielsweise vom Internet-Lexikon Wikipedia im Artikel »Lidice« beschrieben. Der dortige Artikel »Ernst Uhl« informiert über dessen Ehrenbürgerschaft in dieser Gemeinde und über den Friedenspreis, den er 2008 als Initiator der Bremer Versöhnungs-Initiative bekam. Schon bald nach dem Schulfest konnte er bei wiederhergestellter Gesundheit dort wieder aktiv werden. Außer diesen immateriellen lieferten wir auch gegenständliche Schulfest-Beiträge, zunächst aus Papier: Dem Aufruf »Stühle für die Klosterkirche« (siehe die »Pforte« von 2010, Nr. 63) folgend, erbrachte die Spendensammlung bei unserem Festabend im gemeinsamen Naumburger Hotel reichlich zwei Stühle, deren Plakette davon zeugen wird. Anwesend waren bei diesem Treffen aus unserem Jahrgang (von 17 eingeladenen und zwei verschollenen) 11 »Exler« mit 8 Damen. Alle zusammen haben wir auch die anschließenden Schulfestveranstaltungen und Begegnungen wieder dankbar genossen. Mit Blick auf die Pförtner Turbulenzen der Jahre 1950/51 sei noch auf den Beitrag »Zum Abitur 1951« unseres Werner Jaritz in der »Pforte« Nr. 52 (1999) verwiesen. Zu dem Satz: »Zunächst wurden Wolfgang Engelmann und Hansjörg Lang mehr oder weniger hinausgeworfen« ist nachzutragen, dass beide ihr Abi 1953 in Westdeutschland nachholen und jetzt mit uns (vor)feiern konnten.  Heinrich ARNOLD

Diamantenes Abitur 2011 | 49


Pförtner hilft in Tansania

D

Das Naumburger Tageblatt vom 10.12.2011 veröffentlichte einen Bericht über einen mehrmaligen Einsatz einer Familie aus Naumburg in einem Dorf in Tansania. Es betrifft den ehemaligen Pförtner und heutigen Rentner Peter Schmidt (al. port. 47 – 49 val., Mitglied des Pförtner Bundes). Gemeinsam mit seiner Ehefrau reiste er in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kirchenkreis nach Tansania. Das Ziel, 7000 Kilometer von seinem Heimatort entfernt, war beschwerlich zu erreichen. Ihre besondere Bindung besteht zu einer Schule im kleinen Dorf Bomalang’ombe, die in 1300 Meter Höhe liegt, 500 Kinder ganztägig betreut und unterrichtet. Ihre Hilfe erstreckt sich auf finanzielle Zuwendungen und persönliche Unterstützung für besonders bedürftige Kinder, zum Beispiel im Zeichenunterricht und Blockflötenspiel. Das Ehepaar besuchte auch Elternversammlungen, Lehrervorträge und Gottesdienste, nahm an einer Taufe teil. Um ihr Vorhaben durchzuführen, beschäftigten sie sich zusätzlich mit der Landessprache Suaheli, um eine bessere Verständigung zu erreichen. Die Familie Schmidt ist weiterhin bemüht, durch Vorträge und Sammlungen von Spenden ihre Arbeit fortzusetzen.  Dr. Klaus-Dieter Fichtner (al. port. 46–48 val.)

50 | Pförtner hilft in Tansania


Rede zum diamantenen abitur

S

Sehr geehrte Damen und Herren! Mit unserem Grußwort schließen wir vom Jahrgang 1951 uns an. Ich spreche im Auftrag der Sechziger. In einem Gymnasium fand man einen Spruch — eine Wandschmiererei —, der die Schüler vor dem Abitur in ihrer Prüfungsangst aufbauen sollte: »Es gibt ein Leben nach dem Abi«. Ich gebe den Spruch an die Ängstlichen unter den jungen Kandidaten weiter. Unser Leben nach dem Abitur 1951 geht nach sechzig Jahren bald zu Ende. Dankbar blicken wir auf die Schule, die uns für diese lange Zeit zugerüstet hat. Ich denke, dass wir uns nach sechzig Jahren nicht zu genieren brauchen. Es ist aus allen von uns etwas geworden, was unserer geliebten Schule gewiss nicht zur Schande gereicht. Sie hat uns ausgestattet mit Kenntnissen, die uns unser ganzes Leben nach dem Abitur geleitet haben. Dafür ist unser Dank so gewaltig, dass wir ihn nicht einmal adäquat in Worte fassen könnten. Bei meinem etwas ungewöhnlichen Abgang – ich wurde zum Abitur nicht zugelassen — sagte der damalige Schulleiter zu meinen Kenntnissen: »Sie haben wohl die Kenntnisse.« Und dann ergänzte er: »Die Erkenntnisse fehlen Ihnen.« So vornehm hatte er das in den Wochen vor dem Abitur nicht ausgedrückt. Seine eigenen Erkenntnisse kamen ihm kurz danach abhanden, als er in den kapitalistischen Westen floh. Aber da ist noch etwas: In meiner Heimatstadt Sangerhausen hat der Begründer des mittlerweile berühmten Spenglermuseums, Gustav Adolf Spengler, einen früheren Klassenkameraden gefragt: »… und, was ist aus dir geworden?« Die Antwort war: »Ich bin Pastor geworden.« Darauf die verwunderte Frage des alten Spengler: »Geht das bei deinem Charakter?« Das ist es! Die Frage nach dem Charakter wird man natürlich an jeden Pastor stellen müssen, aber an jeden anderen in jedem anderen Beruf auch. Ich habe das als Pfarrer in einer Bergmannsgemeinde und nachher auch als nebenamtlicher Polizeipfarrer für diese beiden Berufe erfahren. Es gilt für alle Berufe. Viele unserer Lehrer sind uns mit ihrem Charakter Vorbild geworden. Dank können sie nicht mehr entgegennehmen. So sagen wir unserer Schule den Dank. Wir erinnern uns heute an eine wunderbare Zeit in der Gemeinschaft des Pfor-

Rede zum Diamantenen Abitur | 51


tenser Coetus, in der die Sache mit dem Charakter sozusagen als Kollateralgewinn abfallen musste. Sechzig Jahre seit dem Abitur! Viele Jahre, vielleicht nicht einmal mehr viele Tage, liegen noch vor uns. Wir denken an unseren Mitschüler Georg Noack, der sich gerade um die Organisation unseres Treffens so verdient gemacht hat. Ich habe kurz vor seinem Tod noch mit ihm gesprochen und ihn im Vollbesitz seiner Kräfte geglaubt. Plötzlich ist er abgerufen worden. Wir danken ihm für viel Engagement bei der Vorbereitung unseres Treffens, aber auch für viel Kameradschaft und Freundschaft. Er wird uns in guter Erinnerung bleiben. Have, cara anima. Aus unserer Jahrgangsstufe sind mittlerweile viele abgerufen worden. Ihrer wurde in den Ecce-Feiern gedacht. Hier noch einmal die Namen: Georg Noack, Peter Branscheid, Dietrich Claude, Eberhard Ganschow, Manfred Läpp, Georg Mothes, Volkmar Nicolas, Günther Rothe. Unser Beitrag zum Fest, der an eine alte Tradition anknüpft, sollten zwei Vorträge sein, mit denen Alumni quondam darstellen, was sie zum Wissen der Menschheit und zur politischen Ethik haben beitragen können. Die beiden Referenten stehen stellvertretend für unseren Jahrgang. Wolfgang Engelmann bringt einen naturwissenschaftlichen Beitrag. Wer Wolfgang kennt, weiß, dass das spannend wird. Ernst Uhl musste zu einer Herzbehandlung nach Bad Oeynhausen. Wir hoffen, dass er Hilfe bekommt. Er hat mir seinen Vortrag zugeschickt Für Interessierte habe ich ihn fotokopiert. Ihn vorzulesen hielt ich für nicht gut. Man muß Ernst Uhl selbst erleben. Er dramatisiert nicht, er erzählt nobel, sachlich. Das kann man nicht kopieren. Es geht um die deutsche Schuld in Tschechien. Unsere Generation ist da sicherlich nicht schuldig geworden, aber nach dem Wort des Philosophen Heinrich Scholz gibt es zwar keine Kollektivschuld, wohl aber eine Kollektivhaftung. Da hängen wir alle noch drin. Vom 20. Jahrhundert her sogar zweimal. Wir laden ein in den Raum 51. Es gäbe noch weitere bedeutende Beiträge unserer Klassenkameraden. Paul Hoffmann, Professor für katholische Theologie in Bamberg, musste leider ab-

52 | Rede zum Diamantenen Abitur


sagen. Er ist der erste katholische Theologe aus unserer Schule seit der Reformation. Er ist international anerkannt wegen seiner neuen Wege in der Evangelienforschung. Dem Rector überreiche ich ein Buch von ihm, das nicht mehr lieferbar ist. Wer das Buch liest, versteht, warum der Verlag es aus dem Verkehr gezogen hat. Der Titel sagt alles: »Das Erbe Jesu und die Macht in der Kirche«. Zu dem Lied, das wir nachher singen, möchte ich eine kleine Anekdote erzählen, die uns wieder nach Pforta weist: Der Pastor quondam Portensis Wolfgang Lehmann, der einigen von uns noch in guter Erinnerung ist, hat an der in der NS-Zeit illegalen Kirchlichen Hochschule Berlin, die ständig von der Gestapo argwöhnisch beobachtet wurde, ein Konvikt für Theologiestudenten der ebenso beobachteten Bekennenden Kirche gegründet. Als Erkennungspfiff der illegalen Studenten hatten sie »Die Gedanken sind frei« verabredet. So etwas war sicherlich später auch noch nötig, aber mir ist nichts darüber bekannt.  Theodor Münzenberg (al. port. 48–51)

Rede zum Diamantenen Abitur | 53


Klassentreffen des jahrgangs 1942

S

Schulpforta hat doch eine besondere Anziehungskraft. Nicht nur die Landschaft des schönen Saaletales mit der Landesschule mittendrin, auch die Aussicht, die alten Schulfreunde wieder zu sehen, beflügelte elf Altmannen des Jahrgangs 1942 – 45, sich zum 9. Mal seit 1995 vom 17. – 19. Mai 2011 in Bad Kösen zu treffen. Unser Standquartier war das Hotel »Schöne Aussicht« am Ilskeweg oben über dem Ort. Schönes Wetter empfing uns, sodass wir gleich einen wunderbaren Ausblick in Richtung Pforta über den Knabenberg und auf den Waldhang nach Flemmingen hatten. Kaum älter geworden (nur 2 Jahre!) trafen sich Eberhard Ebert (Aue), Oldwig v. Fischer (Hamburg), Rudolf Förster (Pfalzgrafenweiler/ Schwarzwald), Hans-Hinrich Habermann (Berlin), Dieter Hempel (Magdeburg), Otto Leiser (Falkensee/Berlin), Hans-Joachim Männig (Markkleeberg/ Leipzig), Werner Scheel (Landau), Helmut Sedlaczek und Frau (Karlsruhe), Gottfried Stefke (St. Pölten/Österreich), Christian Uhlig (Bochum). Abgesagt hatten leider Ulrich Boessenroth (Seattle/USA), Manfred Günzel (Braunschweig), Rüdiger Rollert (Berlin) und Udo Schlegel (Bad Harzburg). Wiederum mussten wir einen von uns als fehlend melden: Jochen Vick (Erfurt), er hat uns für immer verlassen. Gleich nach der Ankunft starteten wir am Nachmittag nach Schulpforta. Merkwürdig, immer wieder fasziniert einen die Anlage, aber auch die Atmosphäre. Die Luft ist einfach anders, prickelnd und voller Erinnerungen an eine besondere Phase der Jugendzeit. Mit Archivar und Freund Dr. Fichtner machten wir den obligaten Rundgang über Kreuzgang, Kapelle und Kirche, die neue Sporthalle zur Wassermühle und erfreuten uns an allem Neuen wie auch dem Alten. Eine Hoffnung, die Freund Otto Leiser vor dem Treffen geäußert hatte, nämlich, dass er diesmal kein Totengedenken halten müsste, bestätigte sich leider nicht. Im ECCE an der Ewigen Lampe gedachten wir Jochen Vicks. Mit einer Brieflesung gestaltete Otto eine eindrucksvolle Andacht. Jochens Witwe grüßen wir ganz besonders. Auf der Rückfahrt nach Kösen konnten wir natürlich am Café Schoppe nicht vorbei, ohne ein Stück Torte mit einem Kaffee genossen zu haben. Am Mittwoch starteten wir morgens zu den Dornburger Schlössern. Wir erwischten einen traumhaften Tag. Im Schlossberg-Restaurant gab’s eine zünftige Brotzeit. Frühsommer pur! Auf der Rückfahrt konnten wir natürlich nicht an der

54 | Klassentreffen des Jahrgangs 1942


Rudelsburg vorbeifahren. So kamen wir auch noch zu Kaffee, Kuchen und einem zünftigen Bier. Zurück in der »Schönen Aussicht« verbrachten wir den Abend bei gutem Essen mit weiterem Erinnerungsaustausch, aber ohne Gesang! Am Donnerstagmorgen trennten sich unsere Wege wieder. Das Versprechen steht: In zwei Jahren treffen wir uns zum zehnten Mal – und zwar alle! Großer Dank gebührt auch diesmal wieder Jochen Männig und Oldwig v. Fischer für die perfekte Organisation dieses schönen Zusammenseins!  Christian Uhlig (al. port. 44 – 45)

Klassentreffen des Jahrgangs 1942 | 55


Publikation

1

Wolfgang Hädecke stellte seine Biografie »Novalis« vor 1798, mit 26 Jahren, ist er als Dichter in die Öffentlichkeit getreten. Mit »Blüthenstaub«, einer Sammlung von Fragmenten, gedruckt im »Athenaeum«, dem »gemeinschaftlichen Journal« der Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Von Beginn an unter jenem Pseudonym, mit dem er in die Weltliteratur einging: Novalis. Ein über 600 Jahre alter Beiname für das Adelsgeschlecht der Hardenbergs, aus dem er stammte: »de Novali«. Bedeutet »der das Neuland Bestellende« – »nicht ganz unpassend«, wie er selbst befand. Diesen Namen – ohne Aufmerksamkeit heischende Zusätze – hat der 1929 in Weißenfels geborene, heute in Dresden lebende Schriftsteller, Dichter und Essayist Wolfgang Hädecke seiner Biografie über Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (1772 – 1801) gegeben, die er jetzt erstmals in der Hauptbibliothek vorgestellt hat. So ist sie auch geschrieben: Mit dieser Genauigkeit, die sich an die Texte hält, sie, wo es nur geht, zu Wort kommen lässt. Keine Spekulationen, kein Wortedrechseln. Nüchtern also, trocken gar? Keineswegs: Denn dieser Biograf, der schon während der Schulzeit in Weißenfels ein inniges Verhältnis zu seinem Gegenstand entwickelte, kann sich unendlich begeistern über die Unvergleichlichkeit von Versen und Sätzen und vermag uns mit dieser Begeisterung anzustecken. Was, wie er uns zeigt, diesen Dichter zu einem Seltenen macht, ist schon die Struktur seiner Persönlichkeit und seines Schaffens: »Er ist zugleich Dichter und Techniker, zugleich Philosoph und Naturwissenschaftler.« Es ist diese frühromantische Universalität: alle Weisen der Weltbetrachtung noch einmal zusammenzuholen unter das Dach der Poesie, just zu der Zeit, als das auseinanderstrebt. Er hat es noch gekonnt: das selbst zu leben. Hat Jura, Mathematik, Philosophie studiert, dann Montanwissenschaft an der Freiberger Bergakademie. Aber schon als Junge klassische Lyrik und Epik aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt, wie uns der Biograf verrät. Auch später ist das immer parallel gelaufen: die Arbeit als Salinenassessor in Weißenfels, niemals nur Brotberuf, und die Dichtung. Wolfgang Hädecke betrachtet beides; das erweist sich als Stärke seiner Biografie. Er führt uns durch Novalis’ Gedichte und Prosa, lässt uns aber auch hineinblicken in seine – wir würden sie heute »Fachtexte« nennen. Gut, den üblichen

56 | Publikation


devoten Kanzleistil beherrschte er auch, wenn’s drauf ankam. Aber seine Berichte über »Erdkohlenfeuerung«, Salzgewinnung, Pumpen, »Kunstgestänge«, Wettereinflüsse – über staubtrockne technische, ökonomische Gegenstände also – und dann macht er geradezu anmutige Prosa draus. Auch als Salineningenieur ist er Dichter und Philosoph, praktiziert »poetisierte Wissenschaft«, eine »Unio poetica et technologica«. Er vermag sich auf gegensätzlichen Feldern zu bewegen, ohne Konflikte: Gradierwerk und die Phantasie von Klingsohrs Märchen im Roman »Heinrich von Ofterdingen«. Welch faszinierender »Dichter-Ingenieur« begegnet uns hier. Einer, der weit vorausgreift. Hädecke sieht in seinen Berichten die »Vorschule einer Ästhetik der Arbeitswelt«. Die über 160 Jahre später zum Beispiel Dichter wie Franz Fühmann oder Volker Braun beschäftigte. Was der Biograf ebenfalls bewundert: Novalis brauchte keine Weltreisen, um universal zu werden. Den Zirkel seines Lebens darf man eng nennen. Oberwiederstedt, Jena, Leipzig, Wittenberg, Weißenfels, einmal nur zur Kur nach Teplitz, was schon der fernste Ort ist. Trotz Regionalität: »Inmitten deutscher Klein- und Mittelstädte errichtet Novalis Denk- und Dichtungs-Gebäude mit Welthorizont«. Schreibt sich ein in die »Weltfamilie« der Poesie. Wolfgang Hädecke: Novalis. Carl Hanser Verlag. 399 S., 24,90 Euro Thomas Gärtner

Publikation | 57


Publikationen Fichtner, Klaus-Dieter: Schulpforte. Geschichte und Geschichten, Schulpforte: Pförtner Bund, 2011 Als Ergebnis heimatgeschichtlicher Erforschung der Landesschule Schulpforta und ihrer unmittelbaren Umgebung, veröffentlicht in ausgewählten Beiträgen des Naumburger Tageblatts über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten, erschien zum Schulfest 2011 ein abwechslungsreiches Lesebuch. Es stellt in 45 Einzelteilen die Geschichte unserer Schule dar, bezieht sorgfältig ermittelte Fakten sowie Anekdoten ein – schließt damit eine Lücke in der bislang publizierten Literatur (B. Westermeyer). Im Detail stützt sich der Autor nicht nur auf seinen Archivbestand, sondern bezieht wertvolle Informationen alter Pförtner, wissenschaftlicher Gesprächspartner verschiedener Ebenen und Unterhaltungen mit Vertretern des Zisterzienserordens ein. Dabei erhielt das Kolorit der Erzählungen neue Farbtöne. Der Vorstand des Pförtner Bundes übernahm die Ausgabe als Dank und Anerkennung für die langjährige Tätigkeit des Autors und zugleich seines Archivars. Die Erscheinung erfuhr bereits eine große Nachfrage im Territorium und ist erhältlich über die Stiftung Schulpforte, Haus 22, die Tourismus-Informationen in Bad Kösen und Naumburg. (Preis: 11 Euro)  Dorfmüller, Petra: Die Zisterzienser und das Kloster Pforte. Schulpforte: Pförtner Bund, 2011 1998, zum 900-jährigen Bestehen des Zisterzienserordens, hatte der damalige Rektor Karl Büchsenschütz angeregt, dieses Jubiläum mit einer Ausstellung in Pforte zu würdigen. Die daraufhin von Petra Dorfmüller geschaffenen 17 Ausstellungstafeln, die noch immer in der ehemaligen Klosterkirche von Schulpforte zu sehen sind, fanden so großes Interesse bei den Besuchern, dass beschlossen wurde, sie in einer kleinen Broschüre zu veröffentlichen. Wie auf den Ausstellungstafeln werden auch in der Broschüre jeweils themenweise sowohl die allgemein für den Orden gültige Entwicklung als auch speziell die zum Kloster Pforte bekannten Fakten dargestellt. Dadurch ergibt sich einerseits ein Überblick über Entwicklung, Tätigkeit und Wirken des

58 | Publikationen


Zisterzienserordens, zugleich aber auch über das Kloster Pforte. Die einleitende allgemeine Darstellung erleichtert die Zuordnung der konkreten regionalen Entwicklung bzw. spezieller Erscheinungsbilder in Pforte. Völlig identisch sind Ausstellung und Broschüre jedoch nicht. Angesichts der nach 1998 durch die Geschichtsforschung gewonnenen neuen Erkenntnisse erwies sich die damalige Darstellung zur Gründungsgeschichte des Klosters Pforte als überholt und musste überarbeitet werden. Auch der neue Aspekt der Urkundenfälschungen der Pförtner Mönche wurde der Broschüre hinzugefügt. Außerdem erhielt angesichts der gegenwärtigen Bemühungen der Landesschule Pforta, einen Teil der ursprünglichen Verglasung der Kirchenfenster aus der Klosterzeit wieder am originalen Platz zu zeigen, auch die Glaskunst der Zisterzienser in dieser Darstellung mehr Raum. Ansonsten sei darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine streng wissenschaftliche Publikation handelt und mit der Übernahme der Ausstellungstexte, die keine Fußnoten enthalten, auf einzelne Nachweise verzichtet wurde. Zahlreiche farbige, bisher nicht veröffentlichte Abbildungen und die durch die Druckerei Mächler in Hassenhausen geschaffene, äußerst ansprechende Gestaltung runden die Publikation ab. Zum Preis von 8,50 Euro ist sie bei der Stiftung Schulpforta erhältlich.  Weitere Veröffentlichungen zu Schulpforte: Alltagswelten im 18. Jahrhundert: lebendige Überlieferung in Museen und Archiven in Sachsen-Anhalt/Simone Bliemeister. – Halle (Saale): Mitteldt. Verl., 2010. Darin: Dorfmüller, Petra: Schüleralltag in der Landeschule Pforta im 18. Jahrhundert: vorgestellt anhand der Aufzeichnungen von Wilhelm Traugott Krug. S.169 – 183 Beier, Stefan: Klosterlandschaft Sachsen-Anhalt. Dößel: Stekovics, 2011. Darin: Schulpforte. S. 208 – 213 Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt, Bd. 18 (2010), 2, Darin: Bettauer, Walter: Das Fürstenhaus in Schulpforte: Bauforschung u. Umbau zum Internatsgebäude, S.20 – 37 und Ullrich, Petra: Die Grisaille-Glasmalereifenster der ehemaligen Klosterkirche in Schulpforte: Ergebnisse d. Bestands- u. Zustandsuntersuchung, S.64 – 75 Handbuch Schulentwicklung: Theorie – Forschungsbefunde – Entwicklungsprozesse – Methodenrepertoire/Bohl, Thorsten. – Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 2010. Darin: Westermeyer, Bernd: »Schola est semper reformanda« - Entwicklungsprozesse an der Landesschule Pforta. S. 410 – 417

Publikationen | 59


Klimt, Karlheinz: Eine neue Klasse: Erinnerungen und Wertungen eines in Schulpforte Dabeigewesenen. – 1. Aufl. – Halle (Saale): Projekte-Verl. Cornelius GmbH, 2009 Kling, Angelika: Die Abtskapelle im ehemaligen Kloster Pforta. – Kromsdorf: VDG Weimar, 2011 Knape, Rose-Marie: Straße der Romanik: eine Entdeckungsreise ins Deutsche Mittelalter / Hrsg. Antz, Christian. - 5., überarb., aktualisierte, erw. Aufl. - Wettin : Stekovics, 2010. Darin: Schulpforte: Zisterzienserkloster Sanctae Mariae ad Portam, S. 214 – 217 Kulturgeschichten aus Sachsen-Anhalt/ Meller, Harald Hrsg. - Halle (Saale) : Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie SachsenAnhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2011. Darin: Dorfmüller, Petra: Kloster St. Marien zur Pforte. Westermeyer, Bernd: Landesschule Pforta. S.306 – 313 Lesewelten – historische Bibliotheken: Büchersammlungen des 18.  Jahrhunderts in Museen und Bibliotheken in Sachsen-Anhalt/ Dziekan, Katrin. - Halle (Saale): Mitteldt. Verl., 2011. Darin: Dorfmüller, Petra: Die Historische Bibliothek der Landesschule Pforta. S. 50 – 63 Menschenbilder im 18. Jahrhundert: Spurensuche in Museen und Archiven Sachsen-Anhalts/Dziekan, Katrin. - Halle (Saale) : Mitteldt. Verl., 2011. Darin: Dorfmüller, Petra: »Schattenriß meines Lebens«: Lebensläufe von Schülern in der historischen Bibliothek der Landesschule Pforta. S. 139-149 [Der] Naumburger Meister: Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen; Naumburg, 29. Juni 2011 bis 02. November 2011, Dom, Schlösschen und Stadtmuseum Hohe Lilie; Ausstellungskatalog / herausgegeben von Hartmut Krohm und Holger Kunde. - Petersberg : Imhof, 2011 [Ausstellungskatalog] Darin zwei ausführliche Artikel zur Baugeschichte der Kirche und im Katalogteil die Beschreibung der Exponate aus Pforte Brachmann, Christoph: Der gotische Neubau der Zisterzienserkirche Pforte. S. 663 – 676

60 | Publikationen


Donath, Günther; Donath, Matthias: Zeugnisse mittelalterlicher Bauplanungen und Bauprozesse an den Chorbauten von Naumburg, Schulpforte und Meißen. S. 1275 – 1290 Transformation und religiöse Erziehung: Kontinuitäten und Brüche der Religionspädagogik 1933 und 1945./Hrsg. Michael Wermek. – Jena: IKS, 2011 (Arbeiten zur Historischen Religionspädagogik; 9) Darin: Flöter, Jonas: Von der Landesschule zur Nationalpolitischen Erziehungsanstalt – Transformationsprozesse in Schulpforte und deren Rückwirkungen auf den Religionsunterricht. S. 35 – 52 Mit dem Buch »Kulturgeschichten aus Sachsen-Anhalt« ist eine neue Publikation vorgestellt worden, die in Wort und Bild einen Einblick in das reiche kulturelle Erbe Sachsen-Anhalts bietet. 66 Autoren haben zum Entstehen des nahezu 400 Seiten umfassenden Bandes beigetragen, der rund 120 Denkmäler an 77 Orten vorstellt. Durch das Buch zieht sich die Grundidee, die Denkmäler mit wichtigen historischen Persönlichkeiten, Ereignissen oder Entwicklungen oder auch mit sagenhaften Gestalten zu verbinden. Präsentiert wurde das Buch von den beiden Herausgebern, Prof. Dr. Harald Meller und Dr. Alfred Reichenberger, vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle. Bei der Buchpräsentation zugegen waren auch Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff und der Staatssekretär im Kultusministerium, Dr. Valentin Gramlich. Sachsen-Anhalt ist eines der an Kulturdenkmälern reichsten Bundesländer in Deutschland. Mit seinen unzähligen Baudenkmälern und archäologischen Fundstellen sucht es in ganz Mitteleuropa seinesgleichen. Die facettenreiche Auswahl der Monumente, die unterhaltsamen und dennoch informativen Texte sowie nicht zuletzt die herausragende Bebilderung machen den Leser neugierig und laden ihn zur persönlichen Erkundung des kulturellen Reichtums Sachsen-Anhalts ein. Das Buch ist zum Preis von 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-939414-57-5).

Publikationen | 61


Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung des Pförtner Bundes e. V. am 8. Mai 2010 Versammlungsort und -zeit: Schulpforte, Kleiner Festsaal, 11.00 – 12.00 Uhr Protokollant: Paul Pasieka Versammlungsleiter: Matthias Haase Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht in der Pforta Information Nr. 34, April 2010 sowie auf der Homepage des Pförtner Bundes e.V. im Internet.

V

BegrüSSungen

Matthias Haase begrüßt als Versammlungsleiter die Anwesenden. Bernd Westermeyer, rector portensis, begrüßt die Anwesenden und informiert über neueste Entwicklungen an der Landesschule. Abstimmung über Redeleitung durch M. Haase: einstimmig angenommen Abstimmung über TO: einstimmig angenommen

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Maser Der Vorsitzende begrüßt rect. port. Westermeyer, die Vereinsmitglieder und die anwesenden Gäste. Seit dem Amtsantritt des Rektors 2007 gibt es gute und vielfältige Kontakte zwischen ihm und dem Vorstand des Pförtner Bundes, so beispielsweise durch die Teilnahme Westermeyers an den Vorstandssitzungen. Seit Januar ist Maik Reichel (geb. 1971, seit 2001 ehrenamtlicher Bürgermeister von Lützen, 2005 – 2009 MdB) neuer Prokurator der Stiftung Schulpforta. Der Umzug des Vereins in das Zentrum Pförtner Bund hat sich auch mit Blick auf die umfangreiche Neugestaltung des gesamten Gutsgeländes gelohnt. Im Archiv werden 4454 Bücher und Schriften, 3524 Photos und Bilder, 246 Duplikate, Schülerdaten von 1543 – 1996 und Lehrerdaten von 1543 – 1990 aufbewahrt. Dabei wurden die Daten ab 1945 von Dr. Fichtner selbst ermittelt, dem für diese Arbeit

62 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung


an dieser Stelle gedankt werden soll. Seit der Ausgabe Nr. 59/2006 erscheint die »PFORTE« in einem neuen Design und mit einer vorsichtigen inhaltlichen Profilierung, was bisher durchweg positiv aufgenommen wurde. Das Erscheinen der neuen Ausgabe verzögert sich, sodass die letzte erschienene Nummer 61/2008 (erschienen 2009) ist. Um die Arbeitsbelastung des Redakteurs David Ortmann zu verringern, wird in Kürze ein Redaktionsteam gebildet. Die Pforta-Information erscheint regelmäßig halbjährlich, wofür allen Beteiligten und insbesondere Petra Dorfmüller gedankt sei. Nach einem Prozess des langwierigen Abwägens haben Rektor, Schulelternrat, Personalrat, Schülervertretung und Pförtner Bund e. V. eine gemeinsame Stellungnahme zur Mißbrauchsdiskussion verfasst. Dabei wird festgehalten, dass der Mißbrauch nicht internatstypisch sei bzw. dass diese Schulform besondere präventive Rahmenbedingungen bietet. Soweit bekannt, gab es keine Missbrauchsfälle an der Landesschule, jedoch ist es nicht möglich, über diese Frage hundertprozentige Sicherheit zu erlangen. Das Durchschnittsalter des Vorstandes beträgt 52 Jahre, dabei reicht die Altersstreuung von 81 bis 21 Jahren. Es finden regelmäßige Vorstandssitzungen statt. Insbesondere die Alltagsgeschäfte des Vorsitzenden sind sehr vielfältig und reichen von einer intensiven Kontaktpflege mit verschiedenen Institutionen bis zur Begrüßung neuer Mitglieder und dem Verfassen von Kondolenzschreiben. Der Pförtner Bund hat 620 Mitglieder, die mittlerweile, nach einem Konzept von Matthias Haase und praktischer Umsetzung durch die Fa. WebEsprit Erfurt, onlinebasiert verwaltet werden. Dies ermöglicht nicht nur den Mitgliedern, sondern auch Nutzern und Vorstandsmitgliedern vielfältige Möglichkeiten. Es sei Matthias Haase an dieser Stelle gedankt. Der Pförtner Bund e. V. unterstützt wieder die Melanchthon-Stiftung mit 2000 Euro jährlich und beteiligt sich somit indirekt an der Stipendienvergabe an der Landesschule. Der Verein ist durch Anne Hultsch, Peter Maser und Wolfgang Knackstedt im Kuratorium der Melanchthon-Stiftung vertreten. Im Mittelpunkt der Arbeit wird auch zukünftig die fortlaufende Unterstützung der Arbeit der Landesschule im Verbund mit der Stiftung Schulpforta sein, dabei werden der Vorsitzende und der Prokurator der Stiftung in Absprache mit der Landesschule eine Neuformulierung der Förderrichtlinien vornehmen. Alle Aktivitäten finden auch weiterhin nur auf Aufforderung bzw. mit Wissen des Rektors und unter Beteiligung des Vorsitzenden statt.

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung | 63


TOP 2: Bericht der Schatzmeisterin Claudia Pohland Die Schatzmeisterin hat ihr Amt im Nov. 2008 übernommen. Seitdem gab es zwei Neuerungen: Zum einen wurde die Finanzverwaltung an ein Steuerbüro übergeben. Außerdem wurde eine onlinebasierte Mitgliederdatenbank eingerichtet, die erhebliche Erleichterungen in der Mitgliederverwaltung ermöglicht. Adress-Aktualisierungen sollen nach Möglichkeit nun online erfolgen, können aber auch auf dem bisherigen Wege vorgenommen werden. Es wird ein Überblick über wesentliche Ausgaben der letzten zwei Jahre gegeben. Die Auflistung liegt als Anlage bei. Der Haushaltsbericht der Schatzmeisterin liegt ebenfalls bei. Aus den Reihen der Mitglieder wird angeregt eine Liste über die eingegangenen Spenden bei Mitgliederversammlungen auszugeben.

TOP 3: Bericht der Rechnungsprüfer für die Haushaltsrechnungen 2008 und 2009 Die Kassenprüfung erfolgte durch Karl Büchsenschütz rect. port. em. und Pfarrer em. Martin Meyer. Letzterer trägt den Prüfbericht vor und bestätigt eine ordnungsgemäße Kassenführung. Der Bericht liegt als Anlage bei. Bei 2 Enthaltungen werden die Kassenprüfer von der Mitgliederversammlung in ihrem Amt bestätigt.

TOP 4: Entlastung des Vorstandes für die Jahre 2008 und 2009 Bei einer Stimmenthaltung wird das Vorgehen einer Abstimmung über die gemeinsame Entlastung alle Vorstandsmitglieder angenommen. Bei 15 Enthaltungen und ohne Gegenstimme wird die Entlastung des Vorstandes angenommen.

64 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung


TOP 5: Vorstandswahlen Wilfried Seifart scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand des Pförtner Bundes e. V. aus. Ihm wird für seine jahrelange Mitarbeit gedankt. Die Mitglieder sprechen sich bei 5 Enthaltungen und 3 Gegenstimmen für eine gemeinsame Wahl aller Vorstandsmitglieder aus. Diese werden bei 5 Enthaltungen in ihrem Amt bestätigt. Die Vorstandsmitglieder nehmen ihre Wahl an. Damit besteht der Vorstand aus: Vorsitzender: Peter Maser stellv. Vorsitzender: Wolfgang Knackstedt Schatzmeisterin: Claudia Pohland Schriftführerin: Anne Hultsch Beisitzer: Matthias Haase, David Ortmann, Petra Dorfmüller, Helmut Heimbürge, Klaus-Dieter Fichtner, Dagmar Sommer, Alexander Pape, Christoph Democh, Paul Pasieka

TOP 6: Verschiedenes Es wird angemahnt, die TO der Mitgliederversammlung früher zu verschicken, was bei der nächsten Versammlung auch geschehen soll. Dabei wird darauf verwiesen, dass die TO bereits einige Zeit vor ihrer Versendung im Internet auf der Homepage des Vereins einzusehen war. Die Protokolle der Vorstandssitzungen werden trotz Kritik einzelner Mitglieder aus verschiedenen Gründen weiterhin nicht veröffentlicht. Jedoch versucht der Vorstand, wesentliche Beschlüsse zeitnah über die Homepage zu kommunizieren, und wird diese Bemühungen verstärken.  Leipzig, den 24. Mai 2010 Paul Pasieka

Peter Maser - Vorsitzender -

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung | 65


Adlatus trifft adlatus

D

Das Internet gibt gern Auskunft: Adlatus – heute meist nur noch mit ironischem oder sogar abschätzigem Unterton gebraucht, ist Helfer oder Gehilfe. Neu ist das nicht. Schon spannender für Lateiner die Frage nach der korrekten Pluralbildung. Aber aufregend erst die Frage, wie viele solcher Gehilfen könnte das Kirchenschiff in Schulpforta bis zur kompletten Bestuhlung noch gebrauchen?

Spaichingen im südlichen Baden-Württemberg. Das Zwölftausend-SeelenStädtchen unweit des Bodensees ist die Heimat der Kirchenstuhlmanufaktur Gebrüder Hauser. Kirchenbänke, Stapelstühle, Sedilien – also kleiner Höcker für den gottesdienstlichen Gebrauch – das ist das Portfolio des Handwerksbetriebs. Inhaber Martin Hauser hat seinen Kirchenstuhlmodellen konsequent lateinische Namen verpasst. Septem, Octo, Novem, Amicus – in Schulpforte entschied man sich für das Modell Adlatus. Massive Eiche, rechteckige Stuhlbeine, die Rücklehne massiv und ergonomisch ausgearbeitet, die Sitzfläche stabil geflochten. Ein gutes Stück Qualitätsarbeit aus dem Ländle und schon zu Tausenden in alle Teile der Republik versandt. Die Referenzliste führt durch die Sakralbauten Baden-Württembergs, Bayerns und darüber hinaus. Das Möbelstück in der Hand lässt keinen Zweifel. Dieser Stuhl hat seinen Preis, und der liegt, je nach Bestellmenge, bei rund 200 Euro. Dann allerdings bereits mit Filzgleitern, um laute Schiebegeräusche zu vermeiden und die wertvollen Steinböden zu schonen. Die Anlieferung der Sitzgelegenheiten inklusive. Eine institutionelle Großspende hat im Jahr 2010 die erste Bestellung ermöglicht. Seither müssen sich die weniger schönen Alt-Bestände mit den hinteren Reihen begnügen. Vorn führen die Adlaten (oder doch Adlatusse oder gar Adlati?) bereits das Regiment. Ein Anblick, den das Auge goutiert. Die Stuhlreihen drängen sich nicht auf. Der einzelne Stuhl wirkt unaufgeregt und zeitlos, dennoch wertig. Konzertbesucher, so sie denn einen Platz in den ersten Reihen erhaschen, berichten von durchweg positiven Sitzerlebnissen. Und es soll nicht bei ersten Reihen bleiben. Im Frühjahr 2011 rief der Vorstand auf, mit einer 200-Euro-Spende, einen zusätzlichen Stuhl zu finanzieren. Als Dank werden auf Wunsch Spenderplaketten auf der Stuhlrückseite angebracht. »Der beste Platz trägt Ihren Namen!« lautet seither der griffige Slogan für die Spendenaktion des Pförtner Bundes. Nun ist es Zeit, den bisherigen Spendern Dank zu sagen. Erste Plaketten sind seit den Weihnachtskonzerten 2011 ange-

66 | Adlatus trifft Adlatus


bracht. In Etappen werden die nächsten Spendenschildchen montiert. Und die Spendenaktion geht auch 2012 weiter. Ziel ist natürlich, auch den letzten unbequemen Alt-Stuhl aus dem Kirchenschiff zu verbannen. Vor allem ehemalige Schüler sind von der Idee angetan, sich per Spendenschild in Pforta verewigen zu können. Wo der »eigene Stuhl« in den Reihen steht, lässt sich übrigens nicht verhandeln. Je nach Bestuhlung wird dies immer wieder variieren. Fakt ist: Wer künftige Veranstaltungen in der Klosterkirche besucht, wird als finanzieller Adlatus seinen »eigenen« oder die gespendeten Stühle ehemaliger Mitschüler finden und gern darauf Platz nehmen. Nach Redaktionsschluss gingen weitere Stuhl-Spenden ein – und auch heute die Bitte, spenden Sie weiter. Schon bald wird Tischler Martin Hauser in Baden-Württemberg seine Maschinen wieder für das Modell »Adlatus« einrichten. Eiche massiv, mit Korbgeflecht – als Auftrag für die Klosterkirche in Pforta. Nur am Rande: Ob Deutschlands erster grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch einen hölzernen Adlatus hat, wer weiß – aber auch er kommt aus Spaichingen. Danke für Ihre Stuhlspende – und bleiben Sie weiter so spendenfreudig! Konto des Pförtner Bundes e.V. Nr. 646 337 600 BLZ 860 700 24 Deutsche Bank Naumburg Verwendungszweck: »Stühle für Pforta«

Adlatus trifft Adlatus | 67


Bis Redaktionsschluss erreichten uns die Spenden von: Klaus Schiller al. port. 1934 - 1939 Ulrich Schiller al. port. 1929 – 1935 Frank Schmolz al. port. 1990 – 1994 Raimund Nagel al. port. 2000 – 2003 Hans-Joachim Richter al. port. 1948 – 1950 Prof. Dr. Peter Maser al. port. 1957 – 1959 Dr. med. Helmut Ramisch al. port. 1955 – 1959 Ulrich Schlase al. port. 1948 – 1950 Dr. Gernot Vaerst al. port. 1980 – 1984 Grit Vaerst al. port. 1982 – 1986

68 | Adlatus trifft Adlatus

Dr. Hans-Curt von Pannwitz Hans Rettkowski al. port. 1936 – 1942 Dr. Karl-Heinz Meyer al. port. 1947 – 1953 Familie Marsch Klein Toitin Hans-Peter Spengler al. port. 1977 – 1981 Claudia Spengler al. port. 2002 – 2007 al. port. Jahrgang 1961 zum Goldenen Abitur Familie Meyer zu Wendischhoff Nentershausen Friederike Meyer zu Wendischhoff al. port. 2003 – 2007 Beate & Stephan Siegmund Döbeln


Hartmut Riebe al. port. 1951 – 1955 Hans-Julius Giesen al. port. 2007 – 2011 Valerie Giesen al. port. 2005 – 2009 Christine Lamm al. port. 2003 – 2007 Dr. Werner Jaritz al. port. 1948 – 1951

Adlatus trifft Adlatus | 69


Gänsegedicht

B

Eine gänslich tragische Romanze

Bevor ich sie traf, war ich einsam, Einsamer als ihr euch denkt. Ich litt so mein Dasein in Ödnis Und hätt’ mich am liebsten erhängt.

In Rührung und gleichsam in Leiden, Doch nicht Leiden, wie ich es gekannt – Als wär’ Leiden die süßeste Regung, So bin ich in Liebe entbrannt.

Kein Mensch, keine Seel’, die mich liebte – Nicht einer von euch stand mir bei! Ich hätt’ nie geglaubt, dass im Leben Noch Glücke beschieden mir sei.

Diese Liebe, sie galt einer Schwänin, Einer Schwänin, so hatt’ ich gedacht – Genauer gesagt war’s ein Gänslein, Das dieses mein Feuer entfacht, Ein wundersam bildhübsches Gänslein, Das mir den Frühling gebracht, Das lieblichste unter den Gänslein, Das da ich beschaute ganz sacht.

So lebt ich dahin alle Tage Jeder Tag dem anderen gleich. Tief im Herzen erklang eine Klage Und die Tränen, sie rannen so reich, Weil im Herzen erklang eine Klage, Drauf die Knie wurden mir weich – Denn im Herzen lautet die Klage: Ertränk’ dich nur ruhig in dem Teich! -

Vergessen war des Todes Kuss – Küssen wollt’ ich das Gänslein, Und so tat ich denn, was ein Mann tun muss Und bat es geschwind um ein Tänzlein:

In dem Teich aus eigenen Tränen, Der nunmehr ward abgrundtief. Wir tanzten im Reigen des Frühlings, Und ich neigt’ mich hinab zu dem Teiche, Da alle Knospen sprangen, Zu dem hin der Tode mich rief. Und zwar nicht nur die Knospen der Sträucher, Da schien es besiegelt, mein Ende: Sondern Knospen vor lauter Verlangen. Dem Tode ich blickt’ ins Gesicht. Doch mein Schicksal, es nahm eine Wende.Ein inniger Kuss auf den Schnabel, So sollte ich sterben noch nicht. Die Umarmung war federweich zart. Es gibt nicht auf Erden ein Mädchen, Anstatt des Sensenmanns Fratze Das so zu küssen vermag! Erblickte ich, tränenbenetzt, Ein Antlitz von ewiger Schönheit, So blieben wir eng umschlungen – Die jeden in Rührung versetzt – Fast wurden zwei Herzen eins – Von beflügelnder Liebe durchdrungen, auf der Flucht vor den Grenzen des Seins.

70 | Gänsegedicht


Einen ganzen Sommer hindurch War die Erde uns Paradeis, Doch der Sommer wich bald dem Herbste Und wir schieden auf sein Geheiß. Denn mein Gänslein musste fliegen Gen Süden – wie weinte ich sehr! Und ich habe’s seitdem gesehen Kein zweites Male mehr. Mein Gänslein flog in den Süden – Ein Jahr schon ist es nun her – Und die Hoffnung, zu finden mein Gänslein, Trieb zu Martini mich her.

Wie auch die Gans zerrissen Und drauf geröstet ward Durch Züngeln der Höllenflammen. Wie hat mich die Hoffnung genarrt! Zu glauben, sie wiederzusehen, Welch eine Illusion war dies! Nun ist verloren mein Gänslein Und mit ihm das Paradies. Itzt soll der Qualen Glut erlischen – So endlos ist mein Tränenfluss. Ich wollt’ doch nur mein Gänslein küssen Und seht, mich traf des Todes Kuss -

Sagt, habt ihr gesehen mein Gänslein, Ihr fleißig Speisenden, Sagt, was ist auf euren Tellern Dort diese Speise denn?

Und dieser soll auch euch ereilen, Kannibalen, die ihr seid, Einst wird strafen euch das Schicksal Mit vernichtender Gewalt.

Sie ähnelt gar sehr meinem Gänslein, So sehr, als dass es mich dünkt, Ihr äßet soeben mein Gänslein – Für wahr – und der Wein, den ihr trinkt, Ist nichts als das Blut meines Gänsleins, Sein Blut, einst wallend und rein, Ihr trinkt es, das Blut meines Gänsleins, Und glaubet dabei, es sei Wein!

Wie ich blute, sollt ihr bluten, Wie ich leide, leidet ihr Eines Tages bitt’rer Zeiten Wird gerächt das Gänsetier.

Ihr fresst mir das Herz aus dem Leibe, Da ihr meine Liebe verspeist, Ich kann nicht ertragen den Schmerzen, Der mich nun in Stücke reißt –

Nun will ich von Erden scheiden – Ihr beseht’s mit Seelenruh’. Welch ein Frevel ward begangen, da ihr schließt die Herzen zu. Kaum noch dringen meine Worte An der Kannibalen Ohr, Schon erstickt die Flut von Tränen Wort und Atem, steigt empor, Steigt empor bis an die Decke, Türmt zu ries’gen Welle sich, Die verschlingen wird in Bälde

Gänsegedicht | 71


Dich und dich und dich und dich. Alle seid ihr des Verderbens, Da des Schicksals Zorn euch blüht. Stürzt die Sintflut auf euch nieder – Tränenmeer, wohin man sieht – Wird nur eine Seele schweben Über’m biblischen Gescheh’n: Meines Gänsleins arme Seele Wird ins Jenseits übergehn, Und mich treulich mit sich nehmend, Einzigen, der sie geliebt, Wird sie endlich euch verlassen, Euch, die ihr zurücke blieb’t. Hier nun ende die Geschicht’ Und mit ihr mein traurig Lied. Vergesset ja des Gänsleins nicht Und nun guten Appetit!

 Bastian Böttcher, 11n

72 | Gänsegedicht


Tabula Gratulatoria Vorname Karl-Heinz Kurt Werner-Rolf Fritz Ruth Werner

Name Klemmt Gutmann Pick Hacker von Dufving Schiffmann

Pforta 26 – 29 27 – 34 v. 26 – 32 v. 29 – 34 v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 14.10.1910 01.02.1913 25.08.1913 26.09.1913 03.12.1913 14.02.1916

Alter 101 99 99 99 99 96

Friedrich Dieter Elisabeth

Meyer Koch-Weser Axthelm (geb. Fürbringer) Dreckmann Frühbuß Seboldt Bindemann Schmidt Schulz Klimke Merkel Hanstein

29 – 35 28 – 35

MDP MDP MDP

29.05.1916 13.07.1916 06.12.1916

96 96 96

31 35 32 32 34

MDP

01.02.1918 24.12.1918 05.01.1919 29.03.1919 20.07.1919 23.08.1919 07.09.1919 22.09.1919 30.10.1919

94 94 93 93 93 93 93 93 93

MDP

09.02.1920 12.06.1920 27.08.1920 08.12.1920 05.02.1921 26.03.1921 27.04.1921 11.07.1921

92 92 92 92 91 91 91 91

MDP MDP MDP

12.07.1921 27.08.1921 16.10.1921

91 91 91

MDP

13.12.1921

91

Margarete Christian Leonhard Wolf-Dietrich Martin Anton Hans Ulrich Wolfgang Karl H. Hans-Eberh. Frh Karl-Heinz Karl-Heinz Frank-Dieter Charlotte Heinrich Wolf-Dieter Hans Joachim Heinrich Brigitte Ilse Rose Christian

Bickmann Kühne Gerhardt Kaiser-Dieckhoff Zander Kreide Doege Heitmann Franke Hossfeld Drechsler (geb. Feiertag) Hübener

– – – – –

38 v. 38 v. 36 34 37

MDP MDP MDP

35 – 37 35 – 37 v. 36 – 39 v. 34 – 35 34 – 39 v.

33 35 36 34

– – – –

39 v. 39 v. 39 v. 35

33 – 34

MDP MDP

MDP

Tabula gratulatoria | 73


Vorname Brigitte Hans Ingeborg Lothar Hannelore Werner Erich-Otto Horst Peter Rainer Ernst Helga Helmut Heinz Günter B. Klaus-Dieter Hans Helmut Peter Martin Marianne Werner Rudolf Gottfried Dieter Jürgen Wolfdietrich Otto FriedrichWilhelm Dieter Werner Rüdiger Eduard Albert

Name Rodatz (geb. Philippi) Rettkowski Benkner (geb. Gellendien) Schaarschmidt Arnold (geb. Brand) Leich Schesky Lehmann Vollrath Wohlfeil Schubert Röhling (geb. Peters) Pilch Winkler Olzscher Hahne Nöll Reeh Schmidt String Sauer (geb. Röseler) Scheel Förster Stefke Stüber Wenderhold von Kloeden Leiser Eigler

Pforta

MDP

Geburtstag 09.04.1922

36 – 42 v.

MDP MDP

14.05.1922 22.08.1922

90 90

MDP

11.12.1922 31.01.1927

90 85

31.01.1927 05.02.1927 11.02.1927 21.02.1927 27.04.1927 17.06.1927 26.07.1927

85 85 85 85 85 85 85

21.09.1927 30.09.1927 05.10.1927 09.10.1927 01.12.1927 28.01.1932 18.02.1932 29.02.1932 03.03.1932

85 85 85 85 85 80 80 80 80

45 45 45 50 v. 51 v. 50 45 49

MDP MDP

15.03.1932 20.03.1932 27.03.1932 09.04.1932 23.04.1932 02.05.1932 10.05.1932 10.05.1932

80 80 80 80 80 80 80 80

Hempel Lehmann Rollert Künstner Astalosch

42 – 45 46 – 52 v. 42 – 45 – 50 v. 46 – 52 v.

MDP MDP

30.05.1932 02.06.1932 15.06.1932 25.06.1932 21.07.1932

80 80 80 80 80

74 | Tabula gratulatoria

35 – 37

37 37 37 37 38 40

– – – – – –

39 45 45 45 45 42

41 38 38 38 39 46 47 45

– – – – – – – –

45 41 45 45 45 49 49 49

v. v. v. v.

v. v. v. v.

MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP

MDP 42 42 42 47 47 48 42 48

– – – – – – – –

MDP MDP MDP MDP

MDP

Alter 90


Vorname Achim Eberhard Günther ChristianErdmann Martin Peter Armin Klaus Günter Theresia Karl-Heinz Ernst Hartmut Klaus Walter Brigitte Horst Peter Ingrid Reinhard Erika Jürgen Karl-Heinz Lothar Walter Siegbert Wolfgang Helma Luise Adolf Otto Winfried Peter Rainer

Name Laudamus Lühe Schmidt Schott

Pforta 43 – 45 43 – 45 46 – 49 v. 45 – 47

MDP

Geburtstag 27.07.1932 08.08.1932 10.08.1932 13.08.1932

Alter 80 80 80 80

Meyer Woller Bonitz Hübschmann Dreyer Schnuppe (geb. Peretzke) Wohlert Uhl Vahl Poser Finnern Künzel (geb. Lehmann) Weltrowski Emmerling Thiele Tauchmann Schüttler Meier Müller Lattner Ramisch Woywode Dalitz Gröbner (geb. Meyer) von Kölichen (geb. String) Koschitzki Pfeiffer Pfirschke Ziller Hartung

48 – 50 v. 49 – 51 v.

MDP

23.08.1932 03.09.1932 03.09.1932 05.09.1932 24.09.1932 01.10.1932

80 80 80 80 80 80

09.10.1932 27.10.1932 31.10.1932 12.11.1932 24.11.1932 02.01.1937

80 80 80 80 80 75

04.01.1937 11.01.1937 16.01.1937 24.01.1937 28.01.1937 05.02.1937 21.02.1937 26.02.1937 28.02.1937 28.02.1937 18.03.1937 21.03.1937

75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

49 – 55 v.

09.04.1937

75

51 49 51 50 51

23.04.1937 02.05.1937 04.05.1937 10.05.1937 12.05.1937

75 75 75 75 75

45 – 50 v. 43 – 45 49 – 52 v.

MDP MDP

MDP MDP MDP

43 47 43 43 43 51

– – – – – –

45 51 v. 45 45 45 55

51 49 51 49

– – – –

55 55 55 55

v. v. v. v.

MDP

49 50 51 50 51 51 51

– – – – – – –

55 55 55 54 54 55 53

v. v. v. v.

MDP MDP

– – – – –

56 55 53 55 55

MDP

MDP

v.

v. v. v. v.

MDP

Tabula gratulatoria | 75


Vorname Monika Lothar Jürgen Wolfgang Oswald Rembert Gertrud Siegward Jan Robert Gerd Peter Dietrich Klaus Peter Siegfried Gerd Rainer Christa Wolfgang Jürgen Otto Hans-Helmut Hans Dietrich Otto Regine Alfred Vera Gerhard Eberhard

Name Tauchmann (geb. Spengler) Friebner Bergmann Werner Glawion Behrendt Klinger (geb. Cachay) Ruhm Bloch Weber Stüber Dettmer Werner Bender Heßmann-Erbsmehl Eichert Dennhardt Bensch (geb. Tampe) Grasshoff Krautheim Wage Brade Methfessel Berger Großhans (geb. Landgraf) Dell Hempel (geb. Rocktäschel) Weise Lochmann

Pforta 51 – 55 v. 51 50 50 52 46 52

– – – – – –

56 55 56 56 54 56

v. v. v. v. v. v.

51 54 52 51 49 52 49 52

– – – – – – – –

55 55 56 55 55 56 51 56

v. v. v. v. v. v. v.

49 – 55 v. 50 – 54 51 – 55 v. 51 50 52 45 49 51 51

– – – – – – –

55 53 56 55 55 55 55

v. v. v. v. v. v. v.

MDP

Geburtstag 31.05.1937

Alter 75

09.06.1937 19.06.1937 23.06.1937 03.07.1937 09.07.1937 17.07.1937

75 75 75 75 75 75

05.09.1937 10.09.1937 12.09.1937 12.09.1937 17.09.1937 17.09.1937 17.09.1937 23.09.1937

75 75 75 75 75 75 75 75

MDP MDP

25.09.1937 18.10.1937 28.10.1937

75 75 75

MDP MDP

13.11.1937 14.11.1937 16.11.1937 16.11.1937 17.11.1937 26.11.1937 09.12.1937

75 75 75 75 75 75 75

12.12.1937 18.12.1937

75 75

22.12.1937 22.12.1937

75 75

MDP MDP

MDP

MDP MDP MDP

52 – 56 v.

MDP 52 – 57 v. 52 – 56 v.

MDP

MDP = Mitglied des Pförtner Bundes

76 | Tabula gratulatoria


V

EcceFeierstunde 2011

Verehrte Anverwandte der von uns Gegangenen! Liebe Pförtner und Pfortenser! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! Auf das Geheimnis des Lebens und Sterbens angesprochen, bemerkte der römische Philosoph Seneca: »Das Leben ward uns gegeben mit der Bedingung des Sterbens. Es ist ein Gang zum Tode. Den Tod zu fürchten ist darum töricht. Das, was gewiss ist, erwartet man. Nur Ungewisses hat man zu fürchten. Der Tod ist eine Notwendigkeit. Denke immer an den Tod, und du wirst ihn niemals fürchten. Der Tod unterbricht unser Leben, aber raubt es uns nicht. Es kommt der Tag, der uns wieder zum Lichte zurückführt. Alles, was zu vergehen scheint, wird nur verwandelt. Vor der letzten Stunde erzittere ich nicht. Ich habe mich schon darauf vorbereitet.« Mit dieser stoischen Aussage kann man unter Umständen gut leben, aber hilft sie im Umgang mit dem Tod, wenn er anderen Menschen in unserem Umfeld und schließlich auch uns selbst real begegnet? In einer Zeit beinahe unbegrenzter technischer und medizinischer Möglichkeiten ist der Tod für viele Zeitgenossen offenbar nicht länger eine gelassen zu erwartende Selbstverständlichkeit, sondern eher eine inakzeptable Provokation der Natur. Jenseits des »Wann?!« machen sich allerdings auch Menschen, die an ein Weiterleben nach dem Tode glauben, zunehmend Gedanken über das »Wie?« des Sterbens: Was soll an uns in den letzten Augenblicken des Lebens noch getan werden und was nicht? Die Frage ist ein Beleg dafür, dass der Tod längst nicht mehr als Privatangelegenheit betrachtet werden kann. Nicht ich sterbe, sondern ich werde entlang strenger juristischer Vorgaben mehr oder weniger aufwändig gestorben. Im Gegensatz zu den Menschen der Antike hat die Moderne ganz offenbar vergessen, dass man die Stunde seines Todes versäumen kann: Wenn man im Deutschland des 21. Jahrhunderts bei einem Unfall kritische Verletzungen da-

Ecce-Feierstunde 2011 | 77


vontragen sollte, wird man sich innerhalb weniger Minuten auf einer Intensivstation wieder finden. Dort wird man dann gewissermaßen zur »End-Behandlung« an so genannte »Experten« übergeben bzw. abgegeben. Zeit für familiären Abschied und würdevolles Sterben außerhalb besonderer Hospize ist somit nicht mehr vorgesehen. Trost können immerhin besondere Orte der Erinnerung spenden. Orte, an denen verstorbene Familienmitglieder, Freunde und Schulkameraden in der gemeinsamen Rückschau wieder Gestalt annehmen und als unsichtbare Gäste unter uns weilen. Unsere Klosterkirche ist nicht nur an diesem Abend der Ecce-Feier ein solcher Ort der Gemeinschaft, denn diesen Ort haben all unsere Toten gekannt, genutzt und in vielen Fällen auch besonders geliebt. Zwei unserer Schüler werden in wenigen Augenblicken die Namen der im vergangenen Jahr verstorbenen Pfortenserinnen und Pfortenser sowie fünf ausgewählte Viten verlesen. Dabei wird deutlich werden, dass der Tod nicht allein ältere Menschen trifft, sondern völlig unerwartet auch sehr junge. Die berühmte Mahnung Memento mori! – »Bedenke, dass Du sterblich bist!« zielte und zielt also nicht allein darauf ab, Menschen vor Größenwahn zu bewahren, sondern auch darauf, dass wir uns gleich welchen Lebensalters der Allgegenwart des Todes vergewissern. Lassen Sie uns jeden neuen Tag unseres Lebens also noch bewusster als Geschenk und Chance wahrnehmen. Als Chance, unsere Welt zu gestalten, als Chance, anderen, aber auch uns selbst, Gutes zu tun, als Chance, über unseren individuellen Umgang mit schwerer Krankheit und Tod rechtzeitig nachzudenken.  Bernd Westermeyer, rector portensis

78 | Ecce-Feierstunde 2011


Ecce 2011 Marianne GROSS, geb. Wiskandt * 4.11.1939 † 13.12.2010 al. port. 1953 – 1957 val. Renate Kuckuck-Arlt * 16.9.1927 † 11.2.2011 Als Witwe des ehemaligen Vorsitzenden des Pförtner Bundes hat sie sich vorbildlich um das Vermächtnis für das Archiv gekümmert. Dr.med.Georg Noack * 4.7.1933 † 17.12.2010 al. port. 1946 – 1951 val., MDP Karl Pantleon *4.10.1921 † 22.10.2009 al. port. 1936 – 39 val. Dr. habil Karl-Walter Perlberg *29.10.1936 † 7.9.2011 al. port. 1948 – 54 val. Ulrike Henriette Petsch *21.9.1988 † 8.8.2011 al. port. 2003 – 2007 val. Gerd Roesner * 18.7.1919 † 2010 al. port. 1931 – 1935 val., MDP und Spender für die Landesschule im Testament Dr. Klaus Schiller * 2.3.1922 † 5.7.2011 al. port. 1934 – 1937 val., MDP Ulrich Schiller * 14.3.1916 † 16.4.2011 al. port. 1929 – 1935 val., MDP Günther Steinacker * 25.11.1926 † 4.9.2011 Pfarrer in Schulpforte bis 1959, MDP Hans-Eberhard Thieme *3.12.1930 † 15.8.2011 al. port. 1941 – 1945 Dr. med. Hans-Joachim Vick *24.2.1932 † 8.1.2011 al. port. 1942 – 1945

Ecce 2011 | 79


Hannelore Winter, geb. Berg * 4.4.1934 † 27.5.2011 al. port. 1949 – 1950 Dr.Werner Ziesch * 6.4. 1936 † 26.1.2011 al. port. 1949 – 55 val., MDP

Künftige Meldungen zu Verstorbenen bitte an vorstand@pforta.de bzw. 03 44 63 275 44 (Dr. Klaus-Dieter Fichtner) oder 03 44 63 351 10 (Petra Dorfmüller) Die Ecce-Feier findet jährlich am Donnerstag vor Totensonntag um 19 Uhr in der Kirche statt. Die Liste der zu Ehrenden kann ab 31. Oktober bei den Vorstandsmitgliedern erfragt werden.

80 | Ecce 2011


Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2010 | 81


PförtnerAbende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Str. 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Frankfurt/M.

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

82 | Pförtnerabende

Karlsruhe/Oberrhein

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

Hannover

zz. nicht besetzt

Leipzig

zz. nicht besetzt

München

Ronny Michael Radke Cecinastraße 68c 82205 Gilching Tel. 08105 | 391172 ronnymichaelradke @web.de

Münster

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 sukreuz@t-online.de

&

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Pforta

Der Vorsitzende des Pförtner Bundes e.V. Prof. Dr. Peter Maser (vgl. Impressum)

Schwerin/Mecklenburg-­ Vorpommern zz. nicht besetzt

Thüringen

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase @t-­online.de

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Straße 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702 webmaster@akel.de

Anschrift der Landesschule Pforta Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 info@landesschulepforta.de


Impressum Herausgeber

Pförtner Bund e. V. vorstand@pforta.de www.pforta.de

Vorsitzender

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 Fax 034463 | 62491 peter.maser@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Friedrich-Nietzsche-Straße 18 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 61963 CPohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 27544

Redaktion und Gestaltung David Ortmann Mendelssohnstraße 9 06844 Dessau-Roßlau Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Gesamtherstellung

Saale-Druck Naumburg GmbH Topfmarkt 7 06618 Naumburg Tel. 03445 | 24370

Konten Pförtner Bund e. V.

Jahresbeitrag zurzeit 40 Euro Postbank Hamburg Nr. 10 584 200 (Beitragskonto) (BLZ 200 100 20) IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC (S.W.I.F.T.): PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg Nr. 646 337 600 (BLZ 860 700 24)

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West Nr. 53 222 601 (BLZ 201 902 06)

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Maik Reichel Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 Beiträge für DIE PFORTE bitte ausschließlich an Zentrum Pförtner Bund, Schul­straße 22, 06628 Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende November 2012


Nr. 64 | 011 2011 2

Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 64/2011  

Die 64. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 64/2011  

Die 64. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

Advertisement