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DIE

Pforte

009

2009 | Nr. 62

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors Aus der Redaktion

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Vergangenes aus der Pforte Hoßfeld: Ein Pfortenser Leben Spiegelscherben II Pforta anno 1944

Aktuelles aus der Landesschule Pfortenser Gesang stoppt Weltpolitik Predigt zum Schulfest in Pforta

Vom Pförtner Bund Gesucht & Pförtnertreff in Hamburg Wieder einmal ausgeflogen Pförtner Bund e. V.: Jetzt mit 600 Mitgliedern Diamantenes Abitur 2008, Nachtrag Festrede zum Goldenen Abitur 2009 Diamantenes Abitur 2009 Neues vom »Goldenen Abitur« Goldenes Abitur 2009 & Frieden Die Ausstellung »…die 59er…« Schöne Tradition setzt sich fort Treffen des Jahrganges 1949 Abiturjahrgang 1955b1 Jahresbericht Berlin 2009 Publikationen Glückwunsch Wolfgang Hädecke zum 80. Geburtstag Tabula gratulatoria Ecce-Feierstunde 2009 Ecce 2009 Vita Gerhard Arnhardt Haushaltsrechnung 2007 Protokoll der Mitgliederversammlung am 31.5.08 Pförtnerabende Impressum


E

Geleitwort des Vorsitzenden

Es hat in diesem Jahr etwas länger mit dem Erscheinen der »Pforte« gedauert, als allen Beteiligten lieb sein kann. Wie sehr das Erscheinen der neuen „Pforte“ ersehnt wurde, haben mir manche drängenden Nachfragen verdeutlicht. Aber nun liegt das neue Heft vor. Unser Redakteur David Ortmann hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet – trotz stärkster beruflicher Auslastung! In der Stiftung Schulpforta hat Herr Maik Reichel, Bürgermeister der Stadt Lützen und Mitglied des Deutschen Bundestages von 2005 – 2009, Herrn Minister a. D. Konrad Keller im Prokuratorenamt abgelöst. Wir haben Herrn Keller für sein engagiertes Wirken zugunsten der Stiftung und der Landesschule sehr zu danken! Seinem Nachfolger wünschen wir erfolgreiche Jahre in Pforta! Der Neubau des Sportplatzes und der Sporthalle auf dem Gelände der Gärtnerei im Gutsgelände, die Errichtung eines Besucherzentrums und der Ausbau von Parkplätzen sowie die Installation eines professionellen Besucherleitsystems sind nur einige wenige Projekte, die der neue Prokurator mit Energie betreut.

Für alle Mitglieder und Freunde des Pförtner Bundes e. V. wird die völlig neue internetbasierte Datenbank, die federführend von Matthias Haase initiiert und konzipiert wurde, wesentliche Arbeitserleichterungen und neue Kontaktmöglichkeiten bringen. Inzwischen sind genau 617 Mitglieder (Stand 15. 5. 2010) mit allen erforderlichen Daten exakt erfasst. Bei der Mitgliederversammlung 2010 wurde der Vorstand des Pförtner Bundes e. V. bestätigt. Wilfrid Seifart (47 – 53) ist aus Altergründen ausgeschieden. Wir haben ihm für jahrelange engagierte Mitarbeit sehr zu danken! Zum Schluss meine übliche Bitte: Werben Sie für den Pförtner Bund! Melden Sie bitte alle wichtigen Änderungen über unsere neue Datenbank möglichst unverzüglich, damit wir immer auf dem neuesten Stand sind. Die Älteren unter uns sollten auch die Einlieferung Ihrer Viten in unser Archiv (Klaus-Dieter Fichtner) nicht vergessen. Für Wünsche und Anregungen sind die Mitglieder des Vorstandes und der Vorsitzende immer ansprechbar. Der Pförtner Bund nimmt Spenden in jeder Höhe und zu jeder Zeit gerne entgegen. Gerade in den nächsten Jahren wird auch der finanzielle Einsatz der Ehemaligen mehr denn je gefragt sein, um die Fülle der neuen Projekte in jenen Bereichen zu unterstützen, wo andere Geldgeber und Förderer sich versagen müssen. Peter Maser (al. port. 57 – 59)

Geleitwort des Vorsitzenden | 3


GruSSwort DES REKTORS

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Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, liebe Freunde der Landesschule, der Bitte David Ortmanns, ein »kurzes Grußwort« für die von ihm erstellte 62. Ausgabe der Pforte zu schreiben, komme ich gerne nach. Zugleich fällt es mir schwer, aus der Fülle der für Sie potentiell interessanten Informationen auszuwählen und selbst zu erinnern, was in den Pforta-Informationen, der Keilzeit oder andernorts bereits bespiegelt wurde. Dass die Landesschule seit zwei Jahren sehr intensiv an einem Bildungskonzept arbeitet und dabei gemäß dem Motto »Gnothi seauton« – »Entdecke Dich selbst!« die aktive Entfaltung der individuellen Persönlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt aller Bemühungen stellt, wird mittlerweile bekannt sein. Darüber hinaus sei letztmalig darauf hingewiesen, dass auf dem Schul- und Stiftungsgelände eine Bau- und Sanierungstätigkeit begonnen hat, die in der Baugeschichte der Landesschule präzedenzlos sein dürfte: Ein neuer Sportplatz mit Tartanbahn, eine moderne Zweifeldersporthalle am Standort des alten Heizhauses sowie das rundum sanierte Fürstenhaus mit rund 50 Internatsplätzen werden bis zum Jahresende an die Landesschule übergeben worden sein. Die Innenrenovierung des über die Jahre sehr verwohnten Internats III sowie die Komplettsanierung des Klausurbereiches (Internate I und IV) werden unmittelbar folgen. Diese öffentlichen Investitionen in unsere Infrastruktur sind sowohl ein Kompliment als auch klares Bekenntnis des Landes Sachsen-Anhalt zur Zielsetzung der Bildungsarbeit der Landesschule Pforta und für die Zukunft unserer bundesweit ausstrahlenden Bildungseinrichtung von existentieller Bedeutung. Die genannten Entwicklungen freuen uns Pfortenser selbstverständlich sehr, das Herz wärmen jedoch auch »Randnotizen«, von denen einige im Folgenden beispielhaft benannt seien: Mittlerweile stellen sich rund 50 Prozent der (Ober- ) Prima zum Abitur der Herausforderung einer »Besonderen Lernleistung« und verfassen eindrucksvolle Arbeiten zu unterschiedlichsten Themen, die zumeist in öffentlichen Kolloquien präsentiert werden. In einem vom Schulsprecher Lukas Eipert organisierten Nachhilfeprojekt für chronisch kranke Kinder, die zum Teil über Jahre im Jugendhaus der KinderReha-Klinik Bad Kösen leben, beweisen 17 Pfortenserinnen und Pfortenser in ihrer Freizeit Verantwortungsbewusstsein und hohe soziale Kompetenz.

4 | Grußwort des Rektors


Die Bewerberzahlen der Landesschule Pforta steigen trotz starker schulischer Konkurrenz im In- und Ausland weiter an, und eine große Zahl von Aspiranten gibt im Rahmen der Aufnahmegespräche an, von Schülern geworben worden zu sein – wer würde sich über diese Art der internen Evaluation nicht freuen? In der Hoffnung, positive Neugierde geweckt und Appetit auf einen Besuch Ihrer alma mater gemacht zu haben, wünsche ich Ihnen und Ihren Familien für den Augenblick alles Gute und verbleibe mit herzlichen Grüßen von der frühlingshaften Kleinen Saale ihr bernd Westermeyer, rector portensis

AUS DER REDAKTION

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Liebe Leser, es wurde von vielen Seiten und zu Recht beklagt, dass DIE PFORTE in diesem Jahr sehr spät, nämlich erst nach dem Schulfest erscheint. Ich kann Sie hierbei nur um Verzeihung bitten – und um Verständnis, dass die ehrenamtliche Tätigkeit für einen Verein wie den Pförtner Bund manchmal hinter den Aufregungen des Berufsalltags zurückbleibt. Trotzdem sollen Sie Verspätungen dieser Art in Zukunft nicht gezeitenartig hinnehmen müssen, und so haben wir auch im Vereinsvorstand darüber nachgedacht, die weit gefächerte Arbeit an einer solchen Ausgabe auf mehreren Schultern zu verteilen. Es gibt dafür bereits erste Ideen, doch auch an dieser Stelle möchte ich aufrufen: Gerade junge Mitglieder des Pförtner Bundes, die beim Sortieren und Lektorieren der eingehenden Artikel helfen können, sind in diesem kleinen »Redaktionsteam« herzlich willkommen! Nun aber erst einmal viel Vergnügen beim Lesen der aktuellen Ausgabe, senden Sie uns bitte weiterhin Ihre Erinnerungen und Artikel zu – bis zum nächsten Jahr in aller Pünktlichkeit! David Ortmann (al. port. 01 – 06 val.)

Aus der Redaktion | 5


Vergangenes aus der Pforte *  *  *


HoSSfeld: Ein Pfortenser Leben

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Am 20. September 2009 wurde im Romanischen Haus in Bad Kösen als Gemeinschaftsprojekt des Museums und der Landesschule Pforta mit finanzieller Unterstützung des Pförtner Bundes e.V. eine Ausstellung eröffnet, die dem Wirken der Künstlerfamilie Hoßfeld gewidmet ist. Anlaß der Ausstellung war der 200. Geburtstag Johann Friedrich Hoßfelds, der von 1845 bis 1880 als Zeichenlehrer an der Landesschule unterrichtete. Seine Werke sind zwar ehemaligen und auch heutigen Schülern und Lehrern sicher bekannt, doch der Künstler selbst vermutlich nicht. Regionale und überregionale Ausstrahlung hatten die Tätigkeit eines Sohnes und eines Enkels von Hoßfeld. Ersterer war im Ministerium für öffentliche Arbeiten tätig und projektierte um 1900 zahlreiche Kirchenneubauten in Deutschland; der Enkel hat mit seinem Wirken als Naumburger Stadtbaurat in den 1920er Jahren das Stadtbild prägende Bauten geschaffen. Auf Grund des guten Besucherzuspruchs wurde die Ausstellung, die eigentlich Mitte Dezember enden sollte, noch bis zum 15. April 2010 verlängert. Im Zusammenhang mit der Ausstellung erschien auch ein Begleitheft, das sich durch wunderbare Reproduktionen der Zeichnungen und Gemälde Hoßfelds auszeichnet. Die Broschüre, die dem Engagement eines emeritierten Professors aus Trier, Herrn Dr. Matthias Lehmann, zu verdanken ist, spannt den Bogen über die Familie Hoßfeld hinaus und beleuchtet auch die Dresdener Künstlerfamilie Kummer, mit der Johann Friedrich Hoßfeld verbunden war, und deren Beziehung zu Caspar David Friedrich. An dieser Stelle soll daraus (etwas verändert) der Lebenslauf Johann Friedrich Hoßfelds wiedergegeben werden, dem die Schule nicht nur die qualitätvolle Kopie des Moritzgemäldes in der Aula verdankt, sondern auch die Porträts der Rektoren Ilgen, Lange, Kirchner, Peter und Herbst sowie die vermutlich schönsten Lithographien von Schulpforte aus dem 19. Jahrhundert. Johann Friedrich Hoßfeld kam am 26. September 1809 in Mölbis bei Leipzig als erster Sohn von Johann Georg Hoßfeld und seiner Frau Johanne Friederike, geb. Richter, zur Welt. Johann Georg Hoßfeld war in Mölbis als Rittergutsgärtner tätig. Bewusst erlebt hat Johann Friedrich Hoßfeld seinen Geburtsort damals jedoch nicht, denn schon zu Michaelis (29.  September) 1811 zogen seine

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Abbildung via Petra Dorfmüller

Eltern nach Schulpforte, weil der Vater hier die Stelle des Gärtners übernahm. »Unbescholtene Treue und Redlichkeit« attestierte die Schule dem Gärtner Hoßfeld, der »nicht nur seine Obliegenheiten durchgehend erfüllt[e]« sondern auch »wegen seiner Brauchbarkeit bey anderen Gelegenheiten namentlich zur Zeit der Kriegsereignisse in den Jahren 1813 u[nd] 1814 vor andern seines Gleichen der Anstalt sehr nützlich gewesen« war. Als die Wirren der Napoleonischen Kriege vorüber waren, kam die ehemals sächsische Landesschule als Folge des Wiener Kongresses unter preußische Herrschaft. Das brachte große Veränderungen mit sich. Unter anderem wurde die bisherige Eigenwirtschaft aufgegeben und die Versorgung der Schule im Jahr 1820 an einen Pächter übergeben. Der Gärtner Hoßfeld hatte Glück. Wegen seiner erwiesenen Treue und Einsatzbereitschaft war er der Einzige aus den Reihen der zahlreichen Schuldienerschaft, den der Pächter in seine Dienste übernahm. Die Familie war seit dem Umzug nach Schulpforte 1811 auf insgesamt fünf Kinder angewachsen. Johann Friedrich Hoßfeld hatte in Schulpforte noch zwei Brüder und zwei Schwestern erhalten. Über seinen Schulbesuch ist nichts bekannt. Auch wenn die Familie in der Landesschule wohnte, besuchte doch keiner der Gärtnersöhne die Anstalt. Aber offensichtlich zeigte sich bei dem jungen Johann Friedrich Hoßfeld ein gewisses Talent zum Zeichnen, denn sein Vater ließ ihn an dem Privatunterricht des Zeichenlehrers der Schule, Christian Johannes Oldendorp, teilnehmen. Wie lange es dauerte, bis das im Unterricht vermittelte Wissen für Johann Friedrich Hoßfeld nicht mehr ausreichte und sein künstlerisches Talent »höhere Befriedigung suchte«, ist nicht überliefert. Von den Fähigkeiten des Sohnes angetan und von Freunden ermuntert, entschloss sich schließlich der Gärtner Hoßfeld, der allen seinen Kindern eine gute Ausbildung zukommen lassen wollte, Johann Friedrich in der höheren Zeichen- und Malerkunst ausbilden zu lassen. Während seines Studienaufenthaltes in Leipzig fand Hoßfeld Quartier bei einem ehemaligen Schüler der Schule, dem berühmten Mathematiker und Astronomen Möbius. Dieser verschaffte dem jungen Kunststudenten vermutlich auch Förderer, denn mit dem Gehalt des Gärtners von Schulpforte, der noch vier Kindern die Ausbildung finanzieren wollte, waren die anfallenden Kosten nicht

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abzudecken. Der junge Hoßfeld setzte trotz großer finanzieller Schwierigkeiten seine Studien an der Kunstakademie in Dresden und ab 1829 bei Karl Wilhelm Wach in Berlin fort. Nach Beendigung seiner Studien ließ er sich 1832 in Dresden nieder und versuchte nun, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. So gab er auch privaten Zeichenunterricht und wurde der Zeichenlehrer eines jungen Mädchens, das seinen weiteren Lebensweg mit bestimmen sollte, denn Lehrer und Schülerin verliebten sich. Luise Kummer war wohl 16 Jahre alt, als Hoßfeld sie 1840 kennenlernte. Sie stammte aus einer wohlhabenden Familie, die künstlerisch interessiert war und deshalb auch generell nichts gegen eine Verbindung der Tochter mit einem Künstler einzuwenden hatte. Ihr Vater, der Münzmeister Friedrich Gotthelf Kummer, zeichnete selbst und war mit Caspar David Friedrich befreundet. Allerdings erforderte eine Eheschließung, dass der Bräutigam auch in der Lage war, seine künftige Frau bzw. Familie zu ernähren. Das war nur mit einem geregelten Einkommen möglich. Ob Hoßfeld, der durch seine Eltern mit Schulpforte in ständigem Kontakt stand, vielleicht schon immer an der Zeichenlehrerstelle interessiert war, ist unbekannt. Er kannte die Stelle aber bestens, schließlich hatte er doch selbst in Pforte Zeichenunterricht genommen, und war nun als Künstler gewissermaßen ein Kollege seines einstigen Zeichenlehrers. Die Stelle eines speziellen Zeichenlehrers gab es in Schulpforte seit 1816, vorher konnten die Schüler nur beim Schreiblehrer Privatunterricht im Zeichnen nehmen. Zwar war noch zu sächsischer Zeit, in der Schulordnung von 1811, festgelegt worden, dass ein Zeichenlehrer eingestellt werden sollte, doch die Umsetzung dieser Bestimmung erfolgte erst unter preußischer Herrschaft. Als erster Zeichenlehrer wurde Anfang April 1816 der oben erwähnte Christian Johannes Oldendorp eingestellt. Er wurde 1772 in Schloß Marienborn geboren. Seine Ausbildung hatte er an der Kunstakademie in Dresden erhalten. Als Oldendorp sich 1816 in Schulpforte um die Zeichenlehrerstelle bewarb, war er bereits als »Feuermaler« bekannt. In den Napoleonischen Kriegen hatte er als Leutnant beim freiwilligen Banner der Sachsen an den Feldzügen 1813 und 1814 teilgenommen und beispielsweise den Brand von Moskau später äußerst eindrucksvoll im Bild dargestellt. Oldendorp gelang es, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung der preußischen Prinzessin Marianne, 1826 den Titel eines Professors zu erhalten, wenn auch die Stelle des Zeichenlehrers dadurch nicht finanziell aufgewertet wurde. Oldendorp starb 1844, im gleichen Jahr bot sich für Hoßfeld zufällig die Möglichkeit, seine Fähigkeiten als Künstler unter Beweis zu stellen. Zum großen Schulfest 1843 hatte der Rektor feststellen müssen, dass die Schule kein Bild ihres Gründers, des Herzogs Moritz von Sachsen, besaß. Der anwesende Staatsminister von Eichhorn sagte dem Rektor in Feierlaune zu, dass die Schule sich ein Gemälde anfertigen lassen dürfe. Mit der Ausführung wurde Hoß-

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Abbildung via Petra Dorfmüller

feld beauftragt. Seine großartige Kopie eines Gemäldes von Moritz von Sachsen führte wahrscheinlich dazu, dass man ihm die vakante Stelle des Zeichenlehrers anbot. Es bleibt offen, ob Hoßfeld die Stelle nur annahm, um endlich heiraten zu können, oder ob auch die Nähe zu seinen Eltern und die Dankbarkeit für die von der Schule erhaltene Unterstützung bei seinen Studien ausschlaggebend waren. Als einer der vier an der Landesschule beschäftigten Lehrer der Künste auf Lebenszeit erhielt der Zeichenlehrer neben seiner Besoldung auch eine kostenlose Dienstwohnung. Großen Wohlstand konnte Hoßfeld seiner Braut damit aber nicht bieten. Hatte Rektor Kirchner 1843 auch die Gehälter der Lehrer der Künste als »sehr anständig« bezeichnet, so verdienten diese im Gegensatz zu den übrigen Lehrerkollegen doch wesentlich weniger, auch weil sie weniger Stunden gaben. Hoßfelds Gehalt betrug 490 Taler im Jahr, wobei er die Möglichkeit hatte, durch Privatunterricht einen gewissen Zusatzverdienst zu erhalten. Inwieweit er auch durch private Aufträge für Gemälde oder Porträts noch Einnahmen hatte, bleibt unbekannt. Der dritte Professor erhielt im Vergleich dazu ein Gehalt von 1129 Talern im Jahr für etwa die doppelte Stundenzahl pro Woche.

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Am 19. April 1846 wurden Johann Friedrich Hoßfeld und Luise Kummer in der Johanniskirche in Dresden getraut. Dann zog die junge Frau mit in die Dienstwohnung ihres Mannes. Diese befand sich im ersten Obergeschoß des alten Gebäudeflügels, in dem sich heute Küche und Studienzentrum befinden. Damals befanden sich neben der Wohnung des Zeichenlehrers die Toiletten der Schüler, im Erdgeschoß darunter lag das Schlachthaus der Schule. Die Räume mit ihren dicken, düsteren Mauern und kleinen Fenstern blieben jedoch nur wenige Jahre das Zuhause der Hoßfelds, denn zu Beginn der 1850er Jahre erhielt die Familie ein eigenes kleines Haus mit Garten. Das war sicher eine Verbesserung der Wohnverhältnisse, denn nach der Geburt des ersten Sohnes 1847 folgten noch drei weitere Kinder bis 1851. An öffentlichem Unterricht hatte Hoßfeld zu Beginn seiner Tätigkeit insgesamt sechs Stunden in der Woche zu geben. Dabei unterrichtete er nur die Schüler der Ober- und Untersekunda, die in drei Klassen unterteilt wurden, von denen jede zwei wöchentliche Lehrstunden erteilt bekam. Am Privatunterricht konnten dagegen alle Schüler teilnehmen. 1856 wurde der öffentliche Zeichenunterricht auf alle Schüler, die »Anlage und Neigung zum Zeichnen« hatten, ausgedehnt und für die Untertertianer zur Pflicht. Eine vierte Zeichenklasse kam seit 1857 dazu, die ebenfalls noch zwei Zeichenstunden erhielt. Im Jahr 1860 nahmen von den insgesamt 202 Schülern der Landesschule 139 Schüler am Zeichenunterricht teil, davon waren 35 Untertertianer. Dadurch erhöhte sich die Zahl der Wochenstunden auf acht und die Besoldung Hoßfelds um 60 Taler. Dennoch reichte das Gehalt nicht zum Lebensunterhalt der Familie, wie in den Akten der Schule noch erhaltene mehrfache Bitten Hoßfelds um finanzielle Unterstützung belegen. Vermutlich waren die 1865, 1869, 1871 und 1873 nachweisbaren Gesuche nicht die einzigen, denn die jahrelange Krankheit von Hoßfelds Frau Luise war für die Familie sicher eine große Belastung. Dem Gesuch von 1869 ist zu entnehmen, dass Luise Hoßfeld 12 Jahre (!) bettlägerig war, bevor sie schließlich 1868 starb. Aber auch die Ausbildung der drei Söhne, die alle die Landesschule besuchten, war mit Kosten verbunden, denn sie erhielten keine Freistellen, sondern lebten als Extraneer im Haus ihrer Eltern. Die finanzielle Not der Familie war so offensichtlich, daß alle genannten Gesuche um außerordentliche Unterstützungen Hoßfelds vom Provinzialschulkollegium bewilligt wurden. Dafür hielt Hoßfeld auch die Stellung als Zeichenlehrer länger, als er ursprünglich geplant hatte. Am 27. Oktober 1879 stellte er das Gesuch um Versetzung in den Ruhestand zu Ostern 1880. Da aber zu Ostern 1880 für die Stelle noch kein Nachfolger benannt war, verschob Hoßfeld sein Berufsende und ging erst am 25. September 1880 in den Ruhestand, um eine Vakanz der Zeichenlehrerstelle zu vermeiden.

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Mit Hoßfelds Nachfolger Erwin Friedrich Clemens Blau erfuhr das Amt des Zeichenlehrers eine Neuerung. Es wurde von 1880 bis 1907/08 mit der Stelle eines eigenen, vor Ort wohnenden Baubeamten der Schule verbunden, während bis dahin der königliche Kreisbauinspektor in Weißenfels für die Bauten zuständig gewesen war. Nun war kein Künstler mehr mit der Ausbildung der Schüler betraut, sondern ein Baufachmann, dessen Ausbildung vermutlich eher auf dem technischen Zeichnen fußte. Hoßfelds Verdienste fanden auch bei den vorgesetzten Behörden Würdigung. Zum 1. Oktober 1880 wurde ihm der Königliche Kronenorden 4. Klasse verliehen. Nachdem er in den Ruhestand getreten war, übersiedelte er laut Melderegister am 29. September 1880 nach Berlin. Hier verbrachte er bei seinem Lieblingssohn Oskar in der Georgenstraße seine letzten Lebensjahre, bis er am 11. Juni 1883 starb.  Petra Dorfmüller (al. port. 82 – 86 val.)

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Spiegelscherben II

I

In der letzten »Pforte« (Nr. 61, 2008, S. 20 – 24) war ein Überblick über die Schülerarbeiten der Landesschule Pforta von 1602 bis 1650 gegeben worden. Hier soll nun der Zeitraum von 1651 bis 1700 folgen. Was hat sich gegenüber dem ersten Abschnitt verändert, was ist geblieben? Was für neue Themen tauchen auf? Das Wort speculum, Spiegel, begegnet übrigens in einer Arbeit von Georg Adam Bürger, in der er in Psyche und virgo das speculum animae sieht (1665), und in einem carmen über Susanna als Spiegel der Keuschheit (1670). Auch in dem Zeitraum von 1650 – 1700 sind die schriftlich fixierten Reden oft mit einem aufwendig gestalteten Titelblatt versehen, bei dem die Freude am schmückenden Beiwerk zu erkennen ist. Besonders in den 50- und 60er Jahren tauchen liebevoll gestaltete, farbige Verzierungen des Titelblatts oder der Schlussvignette und Markierungen im Text auf. Damian Gottfried Metzler hat 1669 auf seiner responsio zu Grabatelius kleine Vögel aufs Titelblatt gemalt. Dass die Arbeiten übrigens nicht nur in der Schule, sondern auch anderswo öffentlich vorgetragen und verteidigt wurden, lässt eine Bemerkung auf dem Titelblatt einer Arbeit von Johann Christoph Köllner von 1696 erkennen, aus der hervorgeht, dass er diese Rede in der Universität von Halle vorgetragen hat, die 1694 eröffnet worden war. Waren in der ersten Jahrhunderthälfte neben den Valediktionsarbeiten auch andere Schülerarbeiten gesammelt worden, sind es jetzt überwiegend die Abschiedsarbeiten der Schüler. Doch gibt es auch Reden zur Begrüßung des neuen Jahres oder aus anderen festlichen Anlässen. Aus dem Jahr 1676 ist eine Gedichtsammlung Pfortenser Schüler in ipsa festivitate aufgenommen. Ein Jahr später formuliert Christoph Gebauer: Porta congratulans de natalibus. Christoph Stephani hält 1659 eine oratio genethliaca (wenig später eine weitere über Leiden, Tod und Begräbnis Jesu und seine griechische Abschiedsrede über das Wort der Vergeltungen). Gottfried Gräff äußert sich 1660 über das gaudium natalitium. Zu den orationes valedictoriae sind häufig die Antworten eines Mitschülers erhalten (und nicht immer korrekt eingebunden). Diese responsoria, calculi (eigentlich: Steinchen), paucula, echus oder propemptica, wie sie später meist genannt wurden, sind ab 1663 (auch schon 1658) im Octavformat geschrieben und mit eigenem Titelblatt versehen. Sie antworten in der Regel in der Sprache, in der der abgehende Schüler seine Rede hielt. Einmal begegnet sogar eine Gegenantwort auf die Erwiderung (Cunaeus 1653). Ein dialogisches Prinzip lässt sich gelegentlich auch bei der Themenwahl der Abschlussarbeiten erkennen: Hält Johann Justus Keuling 1652 eine befürwortende Rede auf die Pilgerschaft, so sein Nachfolger, Tobias Friedrich Breithaupt, gegen sie. Melchior Kühne und

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Auch der eigene Vorname bestimmt noch gelegentlich die Themenwahl: Johann Friedrich Vogel, Johann Christoph Harnisch, Johann Friedrich Lysius und Johann Theophil Schwabe befassen sich mit Johannes dem Täufer (1651, 1652, 1667, 1669), während sich Johann Friderici den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich zum Vorbild nimmt (1674). Auch bei Martin Andreae liefert der Nachname die Anspielung auf den Theologen Jakob Andreae, den Schöpfer der Konkordienformel (1667). Christoph Hoffmann wendet sich Christophorus zu (1651), Andreas Krell dem Apostel Andreas (1667), Paul Winckelmann Paulus (1656), Samuel Schneider dem Propheten Samuel (1668). Emanuel Schwartz lässt sich durch seinen Nachnamen zu einer laus nigredinis, einem Loblied auf das Dunkelwerden, verleiten (1666).

Abbildung via Petra Dorfmüller

Johann Christian Scholler äußern sich hintereinander lobend und tadelnd zur Zeit (1654). Johann Christoph Wagigel und Johannes Kühn beziehen gegensätzliche Positionen zu Astyages, der in Ovids Metamorphosen begegnet. (Letzterer, Sohn des damaligen, gleichnamigen Rektors von Pforta, wurde offenbar besonders häufig zu schriftlichen Arbeiten angehalten: Aus den Jahren 1658/59 sind fünf Arbeiten und zwei Responsorien von ihm erhalten.) 1662 lassen sich zwei Brüder von Bülow gegensätzlich über den Krieg aus, ebenso Johann Garisch und Severin Weise 1668. Ein anderes Brüderpaar Schneider bewertet den Kleiderluxus unterschiedlich (1663). Das Brüderpaar Seebach lässt sich dagegen 1682 zum selben Thema aus. Johann Mengering und Gottfried Rindfleisch tadeln und loben die Hausfrau (1662), Johannes Krey und Christian Wendler Absalom, Johann Gottfried Gottsmann und Jakob Bock die Jurisprudenz (1665). Martius Andreas trägt 1663 erst ein Loblied auf die Monarchie vor und anschließend als Valediktionsarbeit eins auf die Aristokratie. Vor ihm hatte Gottfried Hahn eine columna reipublicae geschrieben.

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Im Vergleich zur ersten Jahrhunderthälfte treten das Griechische und Hebräische gegenüber dem Latein zurück. Hebräisches bezieht sich nicht nur auf das Alte Testament (z. B. zum Tetragramm 1653, zum Sündenfall 1668, zu Mose 1665, Joseph 1662, Salomo 1667), sondern auch auf den Heiligen Geist (1662) oder das Lob des Buchstabens (1657). Christoph Praetorius verfasst 1653 eine hebräische Gedichtsammlung. Wer griechisch schreibt, tut das dann meist in gebundener Sprache, wobei oft alttestamentliche Gestalten bedacht werden (z.B. Mose 1666, Auszug aus Ägypten 1657, Samson 1656, David [mehrfach], Salomo 1675, Jeremia 1658, Jona 1666 und 1667, Hiob 1653). Doch gibt es auch griechische carmina über Christus und seine Heilslehre (mehrfach), das Jüngste Gericht (1658), Lazarus (1656) sowie Pyramus und Thisbe (1656), die Zeit (1660), das »Erkenne dich selbst« (1656, 1665, 1674). Arbeiten zum Lob der griechischen und hebräischen Sprache werden 1660, 1668 und 1677 aber auf Latein gehalten. Auffällig oft werden die jeweiligen sächsischen Landesherren mit Reden bedacht. In diesen Huldigungen zu Lebzeiten spiegelt sich der wachsende Absolutismus. Johann Georg I. stirbt 1656. Das wird von zwei Schülern aufgegriffen, und in späteren Jahren wird fünfmal an ihn erinnert. Seinem Nachfolger Johann Georg II. gelten zu dessen Regierungszeit sieben Reden und später zwei (1683 wird er als Salomo secundus gefeiert). Dem elf Jahre regierenden Johann Georg III. sind zu Lebzeiten bzw. zu dessen Tod sechs Arbeiten gewidmet und eine nach seinem Ableben. Nur drei Jahre dauerte die Amtszeit von Johann Georg IV. Drei Reden auf ihn sind erhalten. 1694 kommt Friedrich August I., der Starke, an die Macht. Bis 1700 sind ihm schon sechs Arbeiten gewidmet. 1697 wurde er zum polnischen König gewählt. Das lenkt den Blick von Michael Filitz, Jakob Vogler und Georg Gottlieb Wiesener auf dieses Land (1694, 1699, 1700). Die jeweiligen Regierungswechsel veranlassen Würdigungen des ganzen Domus Saxoniae (1680, 1693, 1694). Das schließt auch die Ernestinische Linie ein (1700). Konkret wird an Johann Friedrich (wohl I.) erinnert (1674, 1693, 1996). In diesen Kontext gehört auch der sog. Prinzenraub Konrads von Kaufungen im Jahr 1455, an den 200 Jahre später Gottfried Weber erinnert (ebenso 1679 Johann Kaspar Eulenberger). Aus der Albertinischen Linie werden Christian (wohl II., 1682, 1691) und besonders häufig der Schulgründer Moritz gewürdigt. Die Gunsterweisungen sächsischer Kurfürsten gegenüber den Schulen stellen Johann Georg Hartmann und Johann Zacharias Rüdel heraus (1691, 1693). Dass dabei nicht der eigentliche Initiator zur Schulgründung vergessen wird, zeigt die Arbeit von Erdmann Neumeister, dem späteren Kantatendichter, über Georg von Carlowitz (1691).

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Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches regiert von 1658 bis 1705 Leopold I. Ihm sind fünf Schülerarbeiten gewidmet (1691, 1694, 1696, 1697, 1698). Sie würdigen dessen Erfolg, die Machtansprüche Ludwig XIV. (auch ihm gilt eine Arbeit von 1686) zurückzuweisen, und vor allem dessen siegreichen Kampf gegen die Türken. Dieser war 1663/64 wieder aufgebrochen (vgl. die Arbeiten von Christian Wendler und Johannes Schäffer 1664, Karl August Döring 1670, Christian Heider 1682) und erreichte seinen Höhepunkt mit der Belagerung Wiens 1683, die durch die Schlacht am Kahlenberg unter der Führung des polnischen Königs Jan Sobieski und Karls von Lothringen gesprengt wurde. Diesen Sieg preisen Arbeiten von 1683, 1687, 1694, 1695 und 1696. Der Türkenkrieg ruft aber auch Erinnerungen an die Siege Skanderbegs über die Osmanen (1694, 1696) und die Befreiung Budas von den Türken im Jahr 1526 wach (1688) sowie die Niederschlagung der Ungarn durch Heinrich I. 933 (1694, 1695). Auch der Dreißigjährige Krieg und Gustav II. Adolf werden in Erinnerung gerufen (1673, 1674, 1683, 1685). Von zeitgenössischen Herrschern werden noch Wilhelm III. von England erwähnt, der 1688 das katholische Haus Stuart absetzte (1695, 1696, 1697), dem wiederum sechs Reden gelten, stieg England doch in dieser Zeit zur europäischen Großmacht auf. Das trifft auch auf Holland zu, das 1697 mit dem alten Rom verglichen wird, und Russland. Die Grausamkeit Iwans des Schrecklichen wird 1684 getadelt. Die Seeschlacht zwischen Frankreich und England beim Cap de la Hogue von 1692 wird 1695 thematisiert. Auf die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685, das die Hugenottenaustreibung auslöste, wird schon ein Jahr später von Adolph Friedrich Salbach eingegangen. Ganz aktuell wird die Verlobung Maximilian Emanuels von Bayern mit einer polnischen Königstochter 1694 bedacht. Friedrich III. von Brandenburg, der sich 1701 die preußische Königskrone aufsetzte, wird 1695 als Hercules Musageta Germaniae apostrophiert. 1672 war Heinrich Schütz als Dresdener Musikkapellmeister gestorben. Er wird schon 1674 von einem Schüler gewürdigt. Zeitgenössisches spiegelt sich auch in einer Rede über den Ätna wider (1700), dessen verheerender Ausbruch 1669 Catania in Schutt und Asche gelegt hatte. War in der ersten Jahrhunderthälfte neben vielfachem Lob auf Pforta, das auch in der zweiten Hälfte häufig bedacht wird, nur der Stadt Leipzig gehuldigt worden, scheint es jetzt geradezu Mode geworden zu sein, meist seine eigene Heimatstadt oder -landschaft vorzustellen. Neben Leipzig (1659, 1685, 1689) tauchen da Dresden (1662, 1678, 1687), Meißen (1670, 1686, 1687), Naumburg (1661, 1665, 1675), Chemnitz (1683, 1684), Pirna (1658), Wurzen (1688), Zörbig (1690), Pegau (1663), Langensalza (1663, 1675), Bischofswerda (1677), Jena (1681), Sangerhausen (1686), Geusa (1665) und Großenhain (1691) auf. Dem Vogtland wird gehuldigt (1686), Thüringen wird fünfmal gewürdigt, Germania dreimal.

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Die sächsischen Städte Freiberg, Schneeberg und Annaberg werden wegen des Bergbaus erwähnt (1693). Doch auch Städte außerhalb des sächsischen Kurfürstentums werden bedacht und zeigen, dass gelegentlich auch »Ausländer« in der Schule aufgenommen wurden. Johannes Berger stammte aus Bardowiek bei Lüneburg und pries diese Stadt (1657). Zacharias Cramer stellt seine Heimatstadt Stettin vor (1662), Abraham Kintzel seine Heimat Schlesien (1672). Christian Wislicenus kam aus Ungarn und widmete nicht nur diesem Land eine Rede (1681), sondern auch dessen König Ludwig II. (1677). Unter den Arbeiten zu Pforta fallen zwei aus den Jahren 1655 und 1656 auf, die von der translatio des Klosters vom Kösener Berg auf die andere Seite der Saale sprechen. Das alte und neue Porta behandelt Johann Gottfried Böse 1685. Die Bibliothek der Schule wird 1661 von Martin Hartmann gewürdigt. Sonst gilt das Lob aber vor allem der Landesschule. Der sechsjährigen Ausbildung dort widmet Gottfried Lange 1661 eine eigene Rede. Von der pietas Portensis zeugen auch die Nachrufe, die auf verstorbene Schüler und Lehrer gehalten wurden. Zwei Schüler gedenken ihres 1659 verstorbenen Kommilitonen Johann Christian Richter, Matthäus Metziger des 1661 verstorbenen Adam Heinrich Staudius und Christian Heinse des 1677 verstorbenen Andreas Löw. Der Geistliche Inspektor Justus Gutbier starb 1664. Johannes Gutbier, vielleicht ein Neffe, widmet ihm einen Nachruf. 1681 verstarb der Geistliche Inspektor Johannes Barth. Johann Georg Fiedler hält ihm eine Gedächtnisrede. Dessen Nachfolger Christoph Francke, der 1682 seinen Dienst antrat, gratuliert Christian Richter. Georg Friedrich Straube hält 1681 eine deprecatio (Fürbitte) auf Rektor Johann Georg Lorenz (Laurentius); seine Frau hatte eine Totgeburt erlitten. Daniel Müller übernimmt 1694 das Rektorat der Schule. Dazu wird ihm von Christoph Josua Suttinger gratuliert. Die ersten deutschen Wörter tauchen auf! In einer Abhandlung über die Unterwelt von 1660 werden die berühmten Eingangsworte von Dante auf deutsch zitiert. 1662 begegnen in einem sermo über das ewige Leben hebräische, lateinische und deutsche Verse. Zwei Arbeiten von 1663 (zum Kleiderluxus) und 1673 (zum wahren Adel) schließen mit einem deutschen Vers. Wie schwer sich die damaligen Schüler aber noch mit der deutschen Schrift taten, belegen zwei Schreibübungen, die sich auf der Rückseite von Umschlägen erhalten haben (1687, 1693).  Malwine Maser

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Abbildung via Petra Dorfm端ller


Pforta anno 1944

V

Vom Sommer 1944 bis zum Beginn der Osterferien Ende März 1945 war ich als elfjähriger Schüler im ersten Zug der Napola Schulpforta. Nach dem Kriege wurde ich im Sommer 1946 nach einem Jahr Besuch einer einklassigen Volksschule in Thüringen als einer von etwa zwölf ehemaligen Napola Schülern, sozusagen in Gnaden, wieder aufgenommen und wegen des Volksschulbesuches eine Klasse zurückgestuft. Für meine Klasse wurde 1948 kein naturwissenschaftlicher Zweig eingerichtet, und ich ging nach Jena, holte das verlorene Jahr wieder auf und legte 1951 in Jena das Abitur ab. Die mehr als acht Monate Napola sind mir in sehr intensiver Erinnerung geblieben. Der Stolz, als einer der 15 von zuletzt 30 Aspiranten die diversen Prüfungen (eine Woche) erfolgreich überstanden zu haben, verflog im Angesicht der Realität sehr schnell. Ich war im Thüringer Wald und am Rande der Hainleite in ziemlicher Freiheit aufgewachsen, mit einem Förster als Vater. Für einige Erzieher wurde ich schnell zum Objekt »strammer« Disziplinierung. Auf einer Klassenfahrt im überfüllten Zug nach Merseburg setzte ich mich in ein Gepäcknetz, andere folgten. Die begleitende Krankenschwester verpfiff uns, nach Rückkehr veranstaltete Erzieher Pauli »Maskenball« mit der ganzen Klasse: Wir mussten im Primanergarten antreten und über circa eine Stunde in ständigem Wechsel jeweils nach zwei, drei oder fünf Minuten in Badehose, Anstaltsoder Ausgehuniform wieder antreten. Anfangs war ich einer der ersten, die zwei vor mir durften gehen. Das wiederholte sich noch zweimal, dann gab ich auf und kam mit dem Durchschnitt an. Mit vier oder fünf Jungs meines Zuges schlief ich nicht im großen Schlafsaal des ersten Zuges, sondern in einem kleineren, zusammen mit etwa zehn Schülern des dritten Zuges. Die hatten großen Spaß daran, uns ab und zu nachts mitsamt Matratze aus den Betten zu werfen. Manchmal wurde ich mit der Aufforderung geweckt, meinen Spind »richtig« einzuräumen. Der Inhalt lag dann im Zimmer und musste sauber auf Kante wieder einsortiert werden. Diese Dinge wurden weitgehend zur Gewohnheit, bis eines der üblichen Gemeinschaftslieder am Ende des Mittagsessens irgendwann im November den Zeitgeist der Führungsmannschaft stark überforderte: Zumindest für mich völlig spontan, erklang ein Reiter- oder Soldatenlied in deutlich abgewandelter Form, und wir brüllten alle mit: »Wir traben in die Weite, das Stussbuch liegt im Spind, die Enpea macht pleite, weil wir geflogen sind. Und fragen uns die

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Leute, warum zieht ihr nach Haus, dann schreit die ganze Meute, hier hält’s kein Schwein mehr aus«. Zuerst betretene Ruhe. Dann das Kommando: »In zehn Minuten zugweise vor der Anstalt antreten.« Von dort nach Appell im Gleichschritt mit einem Lied auf den Lippen in Richtung Saalehaus, aber nur bis zum Anfang der frisch umgepflügten nassen Felder: »Hinlegen, in den Graben, robben, auf, hinlegen, auf den Acker, robben, auf, marsch marsch, hinlegen, weiterrobben.« Die Gegend zwischen der Straße nach Num (Naumburg) und dem Bahndamm reichte völlig aus, uns gut zwei Stunden in den Dreck zu schicken und immer wieder ein paar Meter laufen zu lassen. Als es dämmerte, mussten wir noch auf den Keppelberg robben, oben antreten und zurückmarschieren. »In einer Stunde in sauberer Uniform vor der Anstalt antreten!«, war der Entlassungsgruß. Fast alle stellten sich in voller Montur unter die Duschen, traten pünktlich total durchnässt wieder an und wurden nach entsprechender Ansprache auf die Zimmer entlassen. Betroffen hat es die Züge eins bis drei (oder vier). Soweit Ältere da waren und sie nicht Einsatz als Flakhelfer hatten, waren sie vorher einzeln befragt worden, angeblich hat von ihnen keiner mitgesungen. Uns war das egal, den Inhalt des Liedes fanden wir ohnehin bestätigt. Im Winter häuften sich die nächtlichen Fliegeralarme. Über jedem Bett-Ende hing der Tornister mit Notverpflegung, Verbandszeug und einer Decke. Den schnappten wir und verschwanden im Keller. Bei einem der Luftangriffe schoss die Naumburger Flak einen amerikanischen Bomber ab, er stürzte irgendwo in der Nähe von Schulpforta auf ein Feld. Die zwölf toten Amerikaner wurden an einem der nächsten Tage auf dem Friedhof von Pforta beigesetzt. Dem ging nach meiner Erinnerung eine Art militärischer Ehrung der toten Feinde voraus, zu der wir an der Abtskapelle antreten mussten. Als sich die feindlichen Fronten den Reichsgrenzen immer mehr näherten und sie überschritten, wurden wir regelmäßig über die sogenannte Frontlage informiert, selbstverständlich mit dem Hinweis, neue Waffen würden das zu unseren Gunsten ändern. Als allerdings die Amerikaner am 7. März 1945 den Rhein bei Remagen überquerten, war der nächste Appell vor der Abtskapelle fällig. Die Ansprache lief darauf hinaus, dass es jetzt ernst würde und auch wir gefordert wären. Fortan wurde nachmittags anstelle von Sport oder Geländespielen an Waffen geübt. Auch unserem Zug wurde die Anwendung der Panzerfaust beigebracht, der kleinen Version für Entfernungen bis dreißig Meter. Unser Zug von elfjährigen Kindern (genannt Jungmänner) wurde jedoch von intensiver Ausbil-

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dung verschont. Erinnern kann ich mich an einen Appell gegen Ende März nahe der großen Plantane, zu dem einschließlich der Lehrkräfte alle zugweise antreten mussten. Außer dem ersten Zug wurden alle für den Endkampf vereidigt, zum Eid musste die rechte Hand gehoben werden. Da wir ganz hinten und etwas erhöht standen, konnte ich recht genau sehen, dass mindestens zwei Lehrer die Hand nicht hoben. Mit Zeugnis vom 26. März 1945 wurden diejenigen, deren Heimatgebiete noch nicht von fremden Truppen besetzt waren, in die Osterferien entlassen. Auf dem Zeugnis stand bei »Wiederbeginn des Dienstes« ein Strich. Rektor Person akzeptierte also sehr wohl, dass das Ende kurz bevor stand. Schon lange vorher hatte er dafür gesorgt, dass Schulpforta keine der Napolas wurde, auf der Hass und Antisemitismus zur Tagesordnung gehörten. Was ich davon mitbekam, stammte jedenfalls nicht aus Schulpforta. Die letzen Tage und die Zeit direkt danach kenne ich nur aus Berichten anderer. Auf dem Keppelberg waren Stellungen ausgehoben und besetzt worden. Als der erste Ami-Jeep aus Richtung Bad Kösen kam, wurde der beschossen. Ein älterer Volkssturmmann mit klarem Kopf schickte sofort danach die Jungens zurück und bewahrte die Anstalt so vermutlich vor Zerstörung. Als die Amerikaner da waren, gruben sie sehr bald ihre Toten wieder aus und verfrachteten sie in die Heimat. Meine Eltern hatten den Strich bei »Wiederbeginn des Dienstes« offenbar nicht wahrgenommen. Sie registrierten nur das Ende der Osterferien, letzter Ferientag war der 12. April. Die US-Armee war nur noch einige zehn Kilometer von unserem Dorf entfernt, aber ich sollte zurück nach Schulpforta! Ich weigerte mich, das nützte jedoch nichts. Meine Mutter eskortierte mich zum Bahnhof im Nachbardorf, und ich erlebte einen der glücklichsten Momente meiner Kindheit: Der Zug kam nicht, er war von Jagdbombern zusammengeschossen worden. Am selben Abend rollte unüberhörbar eine Panzerbrigade auf unser Dorf zu. Wir flohen ins Revier meines Vaters auf die Hainleite und sahen am Waldrand weiter westlich brennende Objekte. Tage später besichtigte ich drei ausgebrannte Panzer. Die einzigen Verteidiger der Gegend, drei junge Soldaten mit einem Pakgeschütz, hatten die Panzer neben sich passieren lassen und von hinten abgeschossen. Ihre Stahlhelme hingen jetzt auf Holzkreuzen neben der Straße. Und ich bin am Nachmittag des 13. April neben einem Waldweg auf der Hainleite auch fast erwischt worden, noch immer in Ausgehuniform der NPEA Schulpforta. Deutsche Soldaten deckten sich an einem vorher von der Artillerie beschossenen Lagerhaus im Wald mit Verpflegung für den »Heimweg« ein. Sie schickten mich zum Waldweg, um zu schauen, ob schon Amis kämen. Sie ka-

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men: Auf einem Jeep stand hinten einer mit einem schwenkbaren MG, neben mir spritzten Einschüsse auf, aber der Schütze schwenkte zu langsam. Ich lief eine enge Kurve und verschwand in einem Granattrichter. Nach wenigen Minuten hatten die Soldaten beider Nationen wohl zuviel Angst voreinander, beide verschwanden, und ich besorgte im Armeelager Zigaretten für meinen Vater. Ich war elf, gerade dem Feind begegnet und empfand den Krieg um mich herum wohl eher als ein zwar gefährliches, aber enorm spannendes Geländespiel. Danach brauchte ich ein paar Jahre, um zu begreifen, was für ein Monstrum das Dritte Reich war. Später, in Jena, zu beginnenden DDR-Zeiten, habe ich zusammen mit Klassenkameraden Flugblätter gedruckt und unter die Leute gebracht. Wir wollten nicht wie unsere Väter tatenlos zusehen, dass sich eine neue Diktatur etabliert. Das war wohl naiv, zwei meiner Klassenkameraden haben Gefängnis und Folter nicht überlebt. Ein paar andere und ich sind dem durch Flucht entgangen. Aber das ist eine andere Geschichte.  Prof. Dr. Eberhard Klitzsch (al. port. 44 – 48)

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *


Pfortenser Gesang stoppt Weltpolitik

E

Es war der 30. September, als sich der gemischte Chor zusammen mit einigen Vertretern des N- und S-Zweiges auf den Weg nach Berlin machte, um sich dort in der Landessvertretung von Sachsen-Anhalt zu präsentieren. Die Landesschule Pforta sollte an diesem Abend vorgestellt werden. Doch der Besuch der Hauptstadt sollte nicht einzigartig bleiben. Aber schauen wir einige Wochen zurück …

Es ist Mitte Oktober und die Vorbereitung auf die Weihnachtskonzerte in Schulpforte sowie die Chorfahrt nach Schloss Holte-Stukenbrock sind bereits in vollem Gange, ein weiteres Konzert in Osterfeld ist ebenfalls geplant. Es ist der Tag einer ganz normalen Chorprobe, als Frau Jende dem gemischten Chor eine gute und eine schlechte Nachricht zu überbringen hat. Leider würde der Gemischte Chor in diesem Jahr nicht in Osterfeld singen. An seiner Stelle würde der Mädchenchor in der gemütlichen Kirche auftreten und sich an Broten, Stollen und Keksen laben können. Ein allgemeines Raunen geht durch den Chor. Protest wird laut. Doch Frau Jende erhebt die Hand zur Ruhe. »Dafür «, beginnt sie, »habe ich heute einen Anruf aus dem Bundeskanzleramt bekommen.« Stille. Unter immer größer werdenden Augen und ungläubig geöffneten Mündern erzählte uns Frau Jende, dass wir eingeladen worden sind, im Bundeskanzleramt zu singen. Am 14. Dezember 2009 würde die Weihnachtsfeier mit der Bundeskanzlerin, dem Personalrat und dem Ministerkabinett stattfinden, bei der wir als »kulturelle Umrahmung« auftreten sollten. Angeregt wurde unsere Einladung von Dr. Oliver Kannler (al. port. 82 – 86), der Schüler der ersten Musikklasse in Pforte war. Seit September 2009 ist er im Inneren Dienst im Bundeskanzleramt tätig und für Einkäufe, Verträge und die Organisation verschiedener Veranstaltungen verantwortlich. So fiel ihm auch die Ausrichtung der diesjährigen Weihnachtsfeier zu. In jedem Jahr wird zu dieser Feierlichkeit ein Chor eingeladen, und als ehemaliger Pfortenser dachte Oliver Kannler natürlich an den gemischten Chor der Landesschule Pforte, »seinen« ehemaligen Chor. Nachdem uns Frau Merkel bereits im Juli 2008 einen Besuch abgestattet hatte und sich durchaus an uns erinnerte, war die Auswahl für die Weihnachtsfeier schnell abgesegnet. In den auf diese Nachricht folgenden Wochen nahm unsere Reise mehr und mehr scharfe Umrisse an. Das Programm wurde festgelegt und organisatorische Fragen wurden geklärt. Dir Chorreise am zweiten Adventswochenende kam und ging und somit rückte unser Konzert in Berlin in greifbare Nähe. Nach zwei recht zufriedenstellenden Konzerten am 3. Adventssonntag starteten wir am Montagmorgen um 7.30 Uhr in Richtung Norden. Die circa vier Stunden Fahrt

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versüßten wir uns mit einem Film, auch die obligatorische Pause auf der altbekannten Raststätte »Fläming« durfte natürlich nicht fehlen.

Nach Umziehen und Einsingen rückte nun der Auftritt immer näher. Wir eröffneten das Konzert traditionsgemäß mit »Machet die Tore weit« und sangen im Anschluss »Wie soll ich dich empfangen«. Eher ungeplant mussten wir allerdings noch zwei weitere Titel aus dem Hut zaubern, da sich die Kanzlerin etwas verspätete. Herr Lachmann kam dann doch etwas ins Schwitzen, als wir den letzten Titel anstimmten, der nicht für das reguläre Programm der Feier vorgesehen war. Doch dann kam Frau Merkel, und bevor wir und alle Mitarbeiter offiziell begrüßt wurden, sangen wir noch drei geistliche Motetten. Freundlich, persönlich und herzlich – so könnte man wohl die anschließenden Worte Frau Merkels beschreiben. Sie bedankte sich bei uns und Herrn Lachmann und empfahl ihren Mitarbeitern, einmal in die alten Gemäuer Schulpfortes zu kommen. Nach dem Konzert, das Herr Lachmann als durchaus zufriedenstellend einschätzte, übergab er die Weihnachts-CD unserer Chöre und es wurde noch fleißig fotografiert. Nach ungefähr einer Stunde, in der wir uns unter Minister und Mitarbeiter mischen und das Weihnachtsbuffet genießen konnten, verließen wir das Kanzleramt und hatten noch etwa zwei Stunden Freizeit, um durch das leuchtende Berlin zu schlendern. Insgesamt kann man unsere von Frau Merkel als »Gegenbesuch« bezeichnete Chorfahrt nach Berlin durchaus eine bereichernde Erfahrung für Chor und Schule nennen, und vielleicht war dies ja nicht unsere letzte Weihnachtsfeier im Kanzleramt.  Elisabeth Rusteberg

Foto via Landesschule Pforta

In Berlin angekommen mussten wir noch einigen Minuten in der Kälte ausharren, bis wir ins Bundeskanzleramt eingelassen wurden. Nach einer Sicherheitskontrolle fanden wir uns alle im Gymnastikraum im Erdgeschoss ein. Dort konnten wir unsere Sachen ablegen und nach einer kurzen Begrüßung wurden unsere Gaumen in der Kantine mit Cannelloni, Steak, Wok-Gemüse und wunderbaren Desserts verwöhnt. Auf dieses Mittagessen unter vielen, sehr wichtig aussehenden Kanzleramtsmitarbeitern folgte eine Führung durch das Gebäude. Wir besichtigten den Kabinettssaal und erfuhren, wo Frau Merkel ihr Büro und ein wenig Raum für persönliche Entspannung hat.

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Predigt zum Schulfest in Pforta Am 17. Mai 2009 (466. Jahrestag der »Neuen Landesordnung«) predigte Pfarrerin Sabine Meinhold aus Eisleben zum Schulfestgottesdienst über 1. Mose 28, 10 – 19 a:

L

Liebe Gemeinde! Wir sind zusammengekommen aus verschiedenen Richtungen, aus verschiedenen Gründen, wir werden verschiedene Dinge mitnehmen, wenn wir wieder fortgehen von hier. Haben Sie sich schon einmal gefragt: Was besitze ich eigentlich, was mich hier an Schulpforte erinnert? Oder haben Sie sich schon einmal gefragt: Was würde ich denn gerne besitzen, was würde ich gerne einpacken, einstecken und zu Hause als Erinnerung aufbewahren? Oder anderen zeigen und erzählen von diesem Ort? Was nehmen wir überhaupt mit von den Orten, an denen wir einmal gewesen sind?

Mir fallen da ganz verschiedene Dinge ein, die ich mitgenommen habe. Von hier oder von da: Von dem Ort, an dem ich geboren bin, Wippra, habe ich z. B. den Namen mitgenommen. Lebenslang wird er in meinen Ausweispapieren zu lesen sein. Obwohl ich selbst eigentlich nur ein paar Tage dort gewesen bin. Als ich den Ort meiner Kindheit, das Pfarrhaus in Sylda, wieder verlassen musste, habe ich ernsthaft überlegt, ob ich nicht das Knallen der Haustür mitnehmen kann. Dieses Geräusch habe ich geliebt. Vielleicht weil es mir gesagt hat: Jetzt bin ich wieder zu Hause. Hier darf ich sein. Hier bin ich richtig. Und ich wollte es eigentlich aufnehmen, damals noch auf Kassette. Aber ich habe es dann doch nicht gemacht. Ich glaube, mir war schon damals bewusst: Manches, was wir in unserem Leben mitnehmen, können wir mit den Händen nicht greifen. Es passt in keine Reisetasche und ist vielleicht gerade deswegen unverlierbar. Aus Naumburg, aus dem Kirchlichen Proseminar, an dem ich eigentlich das Abitur machen wollte, habe ich etwas mitgenommen, was ich seither ständig in meiner Tasche trage: Es ist ein Türdrücker mit einem Vierkant-Loch. Zuerst habe ich damit tatsächlich die Türen der Schule geöffnet, später war er nützlich zum Öffnen der Eisenbahnfenster. Und in den letzten Jahren ist er vor allem noch aus Gewohnheit am Schlüsselbund. Was nehmen wir mit von den Orten, an denen wir einmal gewesen sind? Hier aus Schulpforte habe ich dann letztendlich nur mein Abiturzeugnis wirklich

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mitgenommen. Ein letztes, langes dreizehntes Schuljahr bin ich hier gewesen, da das Naumburger Proseminar zu dieser Zeit schon aufgelöst war. Ein Zeugnis aus Schulpforte. Viel mehr ist von diesem einen Jahr hier nicht geblieben. Aber eben auch nicht weniger. Mit diesem Zeugnis konnte ich Theologie studieren, konnte ich Pfarrerin werden, konnte ich den Beruf ergreifen, den ich mir immer gewünscht habe. Was nehmen wir mit von den Orten unseres Lebens? Als Jakob unterwegs war von Beerscheba nach Haran, hat er wohl nicht viel mitgenommen. Später wird er sagen: »Ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier über den Jordan ging« (Gen 32, 11). Vielleicht hatte er auch noch ein Bündel dabei, ein Bündel mit Brot und etwas Wasser. Das Lebensnotwendige. Mehr wird es kaum gewesen sein. Jakob, der Vater und Bruder betrogen hat, ist mit leichtem Gepäck unterwegs. Wer ins Ungewisse geht, tut gut daran, nicht zu viel mit sich zu tragen. Außerdem – wusste Jakob denn, ob der betrogene Bruder ihn in seinem Zorn nicht verfolgen würde? Schnelligkeit, Laufen ohne Ballast konnte lebensnotwendig werden für ihn. Und das Wichtigste trägt Jakob ohnehin unsichtbar bei sich: Den erschwindelten Familiensegen. Die Lebenskraft des Vaters, die nun übergegangen ist auf den Sohn. Unwiderruflich. Vielerlei Anstrengungen hat Jakob unternommen, um diesen Segen zu erlangen. Nichts hat er dem Zufall überlassen. Und nun, da er ihn bekommen hat, muss er laufen um sein Leben. Jakob ist mit leichtem Gepäck unterwegs. Und doch wird er wohl noch etwas mit sich tragen: Seine Wünsche, seine Träume, seine Hoffnungen für die Zukunft. Denn Jakob war nicht nur auf der Flucht. Jakob war auch ausgezogen, weil er sich eine Frau suchen sollte. Er war ausgezogen, um sein Leben endgültig in beide Hände zu nehmen und erwachsen zu werden. Wovon träumt man auf so einem Weg? Vor ein paar Wochen habe ich einige Schüler hier aus Schulpforte gefragt, was sie sich denn wünschen würden für ihre Zukunft. Und ich habe sehr ernsthafte, sehr tiefsinnige Antworten bekommen: Erfüllung haben sich die jungen Leute, gewünscht. Ein Leben, in dem sie mit sich selbst, und mit Gott, und mit der Welt im Reinen sind. Gelassenheit, Offenheit für Neues, Liebe, Zuversicht Ob Jakob wohl ähnliche Gedanken hatte? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, was er zuerst nicht wusste, ja nicht einmal ahnen konnte: Wir wissen, dass er irgendwann, mittendrin, ungeahnt, noch etwas »Gepäck« dazu bekommen würde. Er würde etwas bekommen, was ein Mensch kaum tragen kann. Etwas, was schließlich ihn trägt.

Predigt zum Schulfest in Pforta | 29


Vieles mag er sich erträumt haben für seine Zukunft. Vieles mag er erwartet haben. Das Eigentliche, das Wichtigste aber wird ihm geschenkt. Jakob begegnet Gott. Es ist eine traumhafte Begegnung. Ein Dach über dem Kopf hatte der Flüchtende in dieser Nacht nicht gefunden. Einen Stein hatte er sich zurechtgelegt. Wohl als Schutz für die Nacht. Vielleicht auch als Nackenstütze. Ein hartes Kissen. Und dort, mitten auf dem Weg, an einem Ort der Lus heißt – Mandelbaum, und Mandelbäume gibt es in Israel wie Sand am Meer – dort, an einem Ort, der überall sein kann, sieht Jakob den offenen Himmel über sich bei Nacht. Durch eine Leiter, wahrscheinlicher durch eine Treppe, vergleichbar mit den großen Stufentürmen von Babylon, sind Himmel und Erde verbunden. Engel steigen hinauf und hinab. Zuerst hinauf. Sie haben Jakob auch auf seiner Flucht immer schon begleitet. Der Himmel steht offen über ihm. Und Gott selbst, der Allmächtige, gibt dem Träumenden seine Zusage: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Jakob, der sich eben noch allein gefühlt haben mag in der Dunkelheit, sieht über sich den offenen Himmel. Und er hört die Zusage: Gott wird ihm schenken, was er braucht, und er wird bei ihm sein. Als Jakob wieder erwacht, hat sich die Umgebung nicht verändert. Sein Stab, sein Bündel, der Stein zu seinen Häupten – alles ist wie vorher auch. Er hat nichts in der Hand. Träume sind nicht greifbar. Man kann sie nicht festhalten und nicht einpacken. Sowie wir aufgewacht sind, werden die Träume unsichtbar. Und doch gibt es Träume, die unvergesslich sind. Auch Jakob hat die Stimme Gottes noch im Ohr, als er erwacht. Und er wird diese Stimme, er wird die Zusage Gottes mitnehmen auf seinen Weg. Er wird die Gewissheit mitnehmen: Gott begleitet ihn. Gott wird ihm nahe sein. Alles, was er sich erträumt haben mag, wird ihm geschenkt. Gott hat ihm, der die menschliche Gesellschaft durch seine eigene Schuld verloren hat, eine neue Gemeinschaft geschenkt. Jakob darf weitergehen mit neuem Gepäck. Sein Bündel ist leicht wie vorher. Und doch ist etwas dazugekommen: der unverdiente, der unbegreifliche, unsichtbare Segen Gottes. Bevor Jakob damit weitergeht, wird er noch etwas anderes tun: Er nimmt den Stein, der zu seinen Häupten lag, und richtet ihn auf als Zeugen. Hier ist der Ort Gottes. Bethel: so wird der Ort fortan heißen: Haus Gottes. Werden die Nachkommenden, werden die, die vorbeikommen an dem Steinmal, dessen Botschaft verstehen? Die Nachkommenden haben die Geschichte von Jakob erzählt. Sie haben die Geschichte erzählt von ihm, der hier schläft, der hier träumt, und dem hier Gott begegnet. Dabei gewesen ist niemand.

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Auch hier von diesem Ort, von Schulpforte, haben die Nachkommenden erzählt: wie die Mönche hierher kamen, wie sie ein Kloster bauten, wie sie den Grundstein für eine Kirche legten. Sie haben die Geschichte erzählt, und sie ist mit diesem Ort verbunden, bis heute. Aber was wissen wir schon davon, wie es dem Einzelnen hier ergangen ist im Lauf der Jahre, der Jahrhunderte? Wer kennt schon den Traum des anderen, den er hier geträumt haben mag? Wer weiß schon von dem anderen, wo sein Bethel – sein Haus Gottes ist, sein Ort, an dem er die Stimme Gottes gehört, an dem er den Himmel offen gesehen hat? Der Stein bleibt stehen. Aber es ist nur ein Stein. Das Eigentliche ist mitgenommen. Die Zusage Gottes, seinen Segen hat Jakob mitgenommen. Die Verheißung des Beistandes bleibt in ihm, sie bleibt nicht an dem Ort. Die Zusage, den Segen Gottes für unser Leben können wir nicht zurücklassen. Wir können auch Gott nicht zurücklassen. Wir können uns abwenden. Wir können auch weglaufen. Er aber kommt uns immer schon entgegen. Und mitten auf unserem Weg, zu einer Zeit, die wir nicht ahnen, an einem Ort, wie es viele gibt, mag er den Himmel öffnen auch über uns. Und wir dürfen weitergehen mit seiner Zusage: Wir sind nicht allein. Das wichtigste Gepäck unseres Lebens ist unsichtbar. Manchmal ist uns das nicht mehr bewusst. Manchmal ist uns nicht mehr bewusst, wie sehr wir von dem leben, was wir nicht greifen können. Was wir wirklich brauchen, können wir uns nicht besorgen, nicht kaufen, nicht erschwindeln und auch nicht erarbeiten: Freunde und Freude, Zeit und Zufriedenheit, Gemeinschaft und Gelassenheit, Bewahrung und Begleitung, den Segen des Allmächtigen. Jakob verdient sich den Beistand Gottes nicht. Er schläft. Das wirklich Wichtige im Leben wird uns geschenkt. Für das wirklich Wichtige im Leben brauchen wir nur ein leichtes Bündel. Vielleicht brauchen wir nicht einmal das. Vielleicht brauchen wir nur ein offenes Auge, um die Treppe zu sehen, die Himmel und Erde verbindet. Vielleicht brauchen wir nur ein offenes Herz, um die Leiter wahrzunehmen, die die Verbindung herstellt zwischen Gott und uns Menschen. Vielleicht brauchen wir nur ein offenes Ohr; um Gottes Stimme zu hören. Vielleicht brauchen wir nur offene Sinne für Gott, der uns begegnen will, auch dann, wenn wir es nicht erwarten. Und der uns reich beschenkt mit dem, was unsere Erwartungen weit übersteigt. Denn sein Frieden ist weit höher als all unsere Vernunft. Er bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Jesus Christus unserem Herrn. Amen. 

Predigt zum Schulfest in Pforta | 31


Vom Pförtner Bund *  *  *


Instrumentalisten gesucht

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Liebe ehemalige Instrumentalisten, nach dem großen Erfolg des Chores der Ehemaligen im vergangenen Jahr hätte ich gern von euch erfahren, wie groß das Interesse an der Gründung einer ähnlichen Orchestervereinigung der Ehemaligen ist. Der neue Chor besteht vorwiegend aus jüngeren Absolventen unserer Schule, ein Orchester könnte ein generationenübergreifendes Instrument werden. Ich denke an ein Zusammentreffen im zweijährigen Rhythmus zwischen den Chorauftritten, die von Matthias Haase wunderbar organisiert sind. Ich bin in froher Erwartung eurer Vorschläge und hätte vor allem gern erfahren, welches Instrument ihr noch spielt. Ihr könnt mich am besten schriftlich über mueller.erbach1@gmx.de erreichen, eventuell auch telefonisch über 07305 22922.  Karl-Heinz Müller

Pförtnertreff in Hamburg

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Zum zwölften Mal beherbergte der Reichshof Hamburg die Nordlichter des Pförtnerbundes; erfreulicherweise diesmal noch mehr jüngere Ehemalige aus der Nach-DDR-Zeit. Dabei erfreuten uns zur Begrüßung die Banana Killers mit einem anrührenden a-capella-Ständchen. Neuigkeiten von der Schule und dem Pförtnerbund wurden ausgetauscht; vielleicht gelingt es in diesem Jahr wieder einmal, ein Vorstandsmitglied an Alster und Elbe begrüßen zu können, wo das nächste Treffen Samstag, 13. November 2010, an gleicher Stelle stattfindet. Die Videofilm-Aufnahmen vom Schulfest 2009 fanden ein ebenso lebhaftes Interesse wie der Mitschnitt der MDR-Fernsehsendung vom Juli 2009 »Innenansichten aus Schulpforta – Ein Leben im Internat«. Der liebevoll in Handarbeit gestaltete Foto-Pforta-Kalender 2010 unseres Ehemaligen Hubert Kinzel fand Erwähnung und konnte wie seine erweiterten »Kreuzgang-Geschichten« (beides im Eigenverlag) bestellt werden.  Gunther Schedlinski (1947 - 1952)

34 | Gesucht & Pförtnertreff in Hamburg


Wieder einmal ausgeflogen, wieder einmal heimgekehrt

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Mit einem Konzert in voll besetzter Aula und begeistertem Publikum ging zum Schulfest am 16. Mai 2009 das erste Ehemaligen-Chor-Projekt zu Ende.

Der Pförtner Bund hatte im Herbst 2008 dieses Projekt beschlossen, und Matthias Haase (al. port. 83 – 87), auf dessen Vorschlag hin diese Idee realisiert wurde, übernahm auch die Organisation. Dem ersten Aufruf folgten innerhalb weniger Tage zahlreiche Anmeldungen. Seit dem Ende des »Florilegiums Portense« warteten bereits viele Chorsänger auf eine neue Gelegenheit, in Pforta und mit früheren Freunden zu singen. Die Anmeldungen wurden bestätigt, Notenmaterial verschickt und als Probenort das evangelische Haus am Seimberg in Brotterode im Thüringer Wald eruiert. Kurz nach Ostern, bei nassem Vorfrühlingswetter sollte das Probenwochenende zu einem Intensiv-Programm für die knapp fünfzig Sängerinnen und Sänger werden. Chorleiter Kersten Lachmann (mag. port.), der seit über zwanzig Jahren den gemischten Chor der Landesschule leitet, konnte vom Pförtner Bund für dieses Projekt gebunden werden und besorgte auch die Programmauswahl. Eine gewisse Sorge war durchaus nachvollziehbar: Wird sich in nur zwei Tagen aus dieser vielschichtigen Gruppe wieder ein homogener Chor formen lassen? Kann man aufbauen auf die Chorerfahrung der Schulzeit? Sitzt die Stimme auch nach zehn oder zwanzig Jahren noch? Und vor allem – bei aller Wiedersehensfreude reicht die Selbstdisziplin für einen intensiven Zehn-Stunden-Probentag? In zwei Tagen soll ein gemischtes Chorprogramm stehen – und das bei einem völlig unsortierten Ensemble in der Altersspanne von 18 bis 40 Jahren. Von Bayern und Baden-Württemberg reisten Chorsänger an. Aber auch ein Alt aus Wangerooge. Nicht nur die weite Anreise nahmen die Teilnehmer auf sich, auch die Kosten für Übernachtung und Verpflegung sind selbst zu tragen; für Studenten allerdings zu einem ermäßigten Tarif. Dafür bietet das evangelische Tagungsheim Haus am Seimberg optimale Arbeitsbedingungen. Bereits nach wenigen Minuten für alle ein Gefühl von Angekommensein. Proben wie früher, zum Teil die gleichen Nachbarn in der Stimmgruppe, die gleichen Macken und Hürden, die gleiche Unnachgiebigkeit des Chorleiters: »Ihr müsst abnehmen, was ich an-

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zeige.« Fünfzig Leute sitzen auf der Stuhlkante, hochmotiviert, manche, weil sie bis heute begeistert in anderen Chören singen, die anderen, weil es einfach sein muss. Erleichterung in der ersten Pause, das Ziel ist schaffbar. Aber die Zeit reicht kaum, um allen ausgiebig Hallo zu sagen. Erst am Abend gibt es, leicht erschöpft, so etwas wie ein Klassentreffen aller Altersgruppen – und selbst manche »Pärchen« bilden sich so, wie vor vielen vielen Jahren. Vier Wochen später in Pforta. Einsingen im Probenraum. Nicht alles, was in den Thüringer Bergen erarbeitet wurde ist sofort präsent, letzte Einzeichnungen werden korrigiert, noch einmal kritische Stellen eingerahmt. Zur gleichen Zeit proben die Instrumentalisten um Prof. Siegfried Pank (al. port., Barockcello) und Claudia Wahlbuhl (al. port. und mag. port.) schon in der Aula die Kantate für Sopran (Katrin Stöck, al. port.), zwei Violinen (Claudia Wahlbuhl, Christiane Max) und basso continuo (Siegfried Pank, Barockcello und Thomas Höhne, Theorbe) »Tu fedel, tu constante« von Georg Friedrich Händel. Im Aulaflur klappern bereits Sektgläser. Dank des Engagements von Christoph Democh (al. port.) konnte ein professioneller Sekt-Empfang organisiert werden, der dankenswerterweise von der Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg finanziert wird. Charmant und in gewohnter Hilfsbereitschaft greifen dabei Bässe und Tenöre den Rotkäppchen-Damen unter die Arme und transportieren Kühlgeräte und Sektkisten zwei Etagen nach oben. Kurz vor elf Uhr. Die Türen der Aula öffnen sich für die Besucher des Schulfestes. Viele Gäste und noch mehr Ehemalige strömen zu den Plätzen und sogar deren Eltern nehmen dort Platz, wo sie zum letzten Mal bei der feierlichen Abiturfeier ihrer Sprösslinge gesessen hatten. Dazu heutige Lehrer der Landesschule Pforta,

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Rektor Bernd Westermeyer und auch Frank-Thomas Gericke, der Begründer des M-Zweiges und Ziehvater des gemischten Chores der heutigen Landesschule. Das a-cappella-Konzert, mit Werken u. a. von Mendelssohn-Bartholdy, Hassler und Golle zeigte einen künstlerischen Querschnitt von mehr als 25 Jahren Chor­ arbeit im Musikzweig. Dazu die barocke Aufführung der Händelkantate, die auch den instrumentalen Werdegang einiger Pfortenser nachzeichnete. In den Schlussapplaus mischte sich bei vielen Mitwirkenden der Wunsch, das Projekt recht bald zu wiederholen.

Matthias Haase (al. port. 83 – 87)

Fotos: Jana Bönisch

Bei Sekt und guten Gesprächen, auch mit M-Zweig-Leiterin Ilona Jende und Rektor Westermeyer, wurde schnell deutlich: So ein Ereignis soll ein guter, aber bewusst sparsam gesetzter Höhepunkt bleiben, der sich durchaus in zwei oder drei Jahren wiederholen könnte. Die Sammlung nach dem Konzert, die Spendenbereitschaft einiger Teilnehmer und das ehrenamtliche Engagement der Organisatoren sorgen dafür, dass der Pförtner Bund keine Ausgaben für dieses Projekt hatte, sondern einen Erlös von mehreren hundert Euro erzielen konntte, der postwendend in neue Vorhaben der Landesschule investiert wurde. So wurde z. B. in den darauffolgenden Monaten eine mobile Beschallungsanlage für Vorträge in der Aula vom Pförtner Bund e. V. finanziert. 

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Pförtner Bund e. V.: jetzt mit 600 Mitgliedern

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Mit Spannung beobachtet Ralph Weigmann seinen Bildschirm. Ein Knopfdruck – und das neue Login-Portal des Pförtner Bundes geht online. Seit dem 20.  November 2009 kann jeder Ehemalige sich komplett online registrieren, seine persönlichen Daten prüfen und aktualisieren. Kurz nach 22 Uhr sind die letzten Begrüßungs-Mails mit persönlichen Passwörtern versandt. Ein neues Zeitalter in der Datenverwaltung des Pförtner Bundes beginnt. Bisher war jede Änderung von Telefonnummer oder Adresse ein kleiner Kraftakt. Jede neue Anschrift, jede neue Mail-Adresse musste von Hand durch die Schatzmeisterin in den Datenbestand eingearbeitet werden. Hin und wieder erreichten Briefe oder Mails den Vorstand nicht oder verspätet. Die Absender erhielten keine Bestätigung, ob ihre Daten aktualisiert worden sind. Und durch die hohe Zahl junger Mitglieder, die ständig auf Achse sind (Auslandspraktikum, Studienortwechsel, neue WG), war die Datenaktualisierung kaum noch zu bewältigen. Deshalb traf der Vorstand des Vereins im Frühjahr 2009 die Entscheidung, die Erfurter Firma Web-Esprit, die auch bisher schon die Webseiten des Pförtner Bundes betreut, mit der Erstellung einer umfangreichen internetbasierten Datenbanklösung zu beauftragen. Bereits wenige Minuten nach dem Knopfdruck die ersten Reaktionen. Der »Traffic« auf dem Server steigt. Das bedeutet: die ersten Nutzer loggen sich ein und checken ihre Daten. Telefonnummern werden aktualisiert, Jahresangaben und Schulzeiten ergänzt. Jeder kann von zu Hause aus prüfen, welchen Status er hat, ob Mitglied im Verein oder nicht, ob Anzeige im Online-Schülerverzeichnis, Buchung des Newsletters. Alles kostenlos, alles mit einem Mausklick. Gegen 23 Uhr, ein Wermutstropfen – mehr als 100 E-Mails kommen postwendend zurück. Die E-Mail-Adressen sind nicht mehr aktuell. Wenn sich die entsprechenden Nutzer nicht von selbst melden, ist der Eintrag wertlos. Positiv dagegen: das Login funktioniert, erste Rückmeldungen treffen schon in der Nacht per E-Mail ein. Bereits im Sommer hatte Vorstandsmitglied Matthias Haase mit studentischer Hilfe die Datenbestände aus Mitgliederdatei und Internetportal vereinheitlicht und aktualisiert, Einträge einzeln abgeglichen und für den Import in das neue

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Wer ein Pförtner Regionaltreffen organisiert, kann sich die Adressen aller Ehemaliger seiner Region, täglich aktuell, ausdrucken, auf Wunsch die E-Mail-Adressen exportieren oder mit einem Mausklick gleich Adressaufkleber erzeugen. Auch die Beitragsbuchung wird durch das neue Verfahren komfortabler. Nicht zuletzt kann jederzeit eine statistische Auswertung wichtiger Daten erfolgen. Und die ersten Ergebnisse sind durchaus spannend. Rund 60 Prozent aller registrierten Ehemaligen sind zum Jahreswechsel 2009/2010 Männer, rund 20 Prozent aller Ehemaliger sind älter als 70. Die mittleren Jahrgänge sind schwächer,

Screenshot: Matthias Haase; Montage: David Ortmann für DIE PFORTE

System vorbereitet. Angaben zu Bundesland und Abiturklasse wurden, wo möglich, ergänzt. Parallel dazu begannen in Erfurt die Programmierarbeiten. Das Web-Esprit-Team um Ralph Weigmann musste ein hochkomplexes System konstruieren, das sowohl Mitgliedern als auch Nichtmitgliedern das Registrieren ermöglicht. Doch auch das »unsichtbare« Ende der Datenbank hat es in sich: Denn auch für die Vorstandsmitglieder soll die Arbeit einfacher werden. Postrückläufer können jetzt einfach online vermerkt werden. Der Nutzer bekommt dann automatisch eine E-Mail, dass er unter der momentanen Adresse nicht erreichbar ist. Sobald er seine Adresse aktualisiert, wird der Sperrvermerk aufgehoben und Post wieder versandt.

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dafür boomt die Zahl der unter 30-Jährigen. Ein positiver Trend, der sich hoffentlich fortsetzt, da das Registrieren nun modern, einfach und flexibel ist. Tipps für Nutzer in Kürze: Sind Sie schon drin? Testen Sie es auf www.pforta.de! In der Navigationsleiste rechts auf »Mein Pforta (Login)« klicken. Haben Sie bereits E-Mail-Adresse und Passwort, dann können Sie Ihre Daten sofort prüfen. Sie sind bereits bei uns registriert, haben aber jetzt erst eine E-Mail-Adresse? Dann mailen sie diese an vorstand@pforta.de. Wir schicken Ihnen Ihr persönliches Passwort zu. Sie sind wahrscheinlich noch nicht registriert? Dann klicken Sie auf »Mein Pforta (Login)« und dann auf »Registrieren«. Haben Sie damit Probleme, wenden Sie sich einfach an uns: vorstand@pforta.de Wir bitten Sie, Ihre Daten stets aktuell zu halten, damit unsere Post Sie jederzeit erreicht und unnötige Kosten vermieden werden. Parallel dazu werden wir den Postversand der Pforta-Information ausschließlich an Nutzer ohne E-Mail-Zugang fortführen. Buchen Sie deshalb in Ihrem LoginBereich den Newsletter und Sie erhalten die Pforta-Info weiterhin zweimal jährlich per E-Mail zugesandt. Wenn Sie nicht über einen Internet-Zugang verfügen, können Sie Ihre AnschriftÄnderungen auch weiterhin postalisch an den Pförtner Bund e.V., Schulstraße 22, 06628 Schulpforte senden. Dann ändern wir die entsprechenden Daten.  Matthias Haase (al. port. 83 – 87)

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Diamantenes Abitur 2008, Nachtrag

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Nach längeren Bemühungen des Archivars gelang es 1996, den Abiturjahrgang 1948 wieder zusammenzuführen und regelmäßig Treffen vorzunehmen. Die elf Teilnehmer besuchten in den folgenden Jahren das Museum in Hassenhausen, in Neuengönna, die Rudelsburg und hörten ein Orgelkonzert ihres Mitschülers Kraner in der Naumburger Wenzelskirche. 1998 kam es zum ersten Mal zu einer Feier des Goldenen Abiturs nach 1945 an der Landesschule in eigener Regie. 2008 konnte erstmals nach Jahrzehnten das Diamantene Abitur des Jahrgangs durch die Organisation des Archivars gefeiert werden. Dr. Seifart(47 – 53 val.) entwarf dazu die Ehrenurkunden und stellte sie auch selbst her. Rektor Westermeyer empfing den Jahrgang 1948 zusammen mit dem Jahrgang 1958 (Goldenes Abitur) in der Aula, würdigte den Weg der Ehemaligen in seiner Ansprache und eröffnete damit eine neue Traditionspflege zum Diamantenen Abitur an der Landesschule, die dann 2009 erfolgreich fortgesetzt wurde. Dazu danken wir dem Rektor und der Landesschule. Die Ehrenurkunde erhielten aus seiner Hand: Propst i. R. Martin Dürr Oberstudiendirektor i. R. Dr. Klaus-Dieter Fichtner Kirchenmusikdirektor Johannes Günther Kraner Professor Dr. Berthold Kühn Professor Dr. Werner Kühne Dr. med. Christoph Polster Dr. Paul String Wegen Erkankung konnten der Musikpädagoge Hagen Landgraf und Dr. Dr. Karl-Heinz Nebe nicht teilnehmen. Es wurde der verstorbenen Ehemaligen gedacht: Professor Jürgen Becker Richter Michael Hertz-Eichenrode Professor Dr.Wolfgang Joppich Professor Dr. Dietmar Müller-Arends Lehrer Robert Schröder Dr.Dr.Karl-Heinz Nebe verstarb im August 2008.

Dr. Klaus-Dieter Fichtner (extr. Port. 46 – 48 val.), Archivar

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Festrede zum Goldenen Abitur 2009

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Sehr geehrter Herr Westermeyer, werte Damen und Herren des Lehrerkollegiums, lieber Herr Gericke und lieber Herr Simon, verehrte Gäste unserer Jubiläumsveranstaltung, liebe Schülerinnen und Schüler der Landesschule Pforta, liebe Jubilare! Auch ich begrüße Sie alle im Namen von uns Ehemaligen sehr herzlich. Es freut uns, dass Sie mit uns diesen denkwürdigen Tag begehen wollen. Ihre Worte, sehr geehrter Herr Westermeyer, haben uns beeindruckt – zugleich aber auch etwas wehmütig und letztlich doch stolz gemacht. Schulpforte hat sich in den letzten zwanzig Jahren tatsächlich stark verändert, worüber auch wir Ehemaligen sehr froh sind. Die Schulanlage macht schon heute einen erfreulichen Eindruck, wenngleich noch viel zu tun ist; das hohe Leistungsniveau ist – wie man es von dieser traditionsreichen Schule erwarten kann – wieder weithin anerkannt.

Über keine Schule in Deutschland wird so häufig wohlwollend – selbst in der kritischen Boulevardpresse – berichtet. Präsidenten, Minister und selbst die vielbeschäftigte Bundeskanzlerin lassen es sich nicht nehmen, unserer Schule die Ehre zu erweisen. Darauf sind auch wir sehr stolz! Beeindruckt haben uns vor allem die ehrgeizigen Ziele, die Sie sich als neuer rector portensis für die Schule und den Ort Schulpforte für die Zukunft gesetzt haben. Ihre Worte haben auch bei uns – wenn ich die Gesichter meiner ehemaligen Mitschüler richtig deute – wieder »Lust auf Schule« geweckt. Wir haben keine Zweifel, dass Sie mit Ihrem jugendlichen Elan und mit Ihrer hoch motivierten Mannschaft und der aufgeschlossenen und leistungswilligen Schülerschaft diese Vorhaben erreichen werden. Es macht uns – die Ehemaligen – glücklich, dass unsere alte Schule, die zu unserer Zeit ohne Rücksichtnahme auf bewährte Traditionen zu einer sozialistischen Durchschnittsschule umfunktioniert werden sollte, heute wieder einen glanzvollen Ruf genießt. Selbstbewusst bekennen wir, dass wir diesen Prozess damals nicht gutgeheißen haben. Wir Schüler konnten ihn aber auch nicht verhindern. Trotzdem waren wir stolz, Schüler dieser Schule zu sein. Als ich vor einigen Tagen Ihre beiden Ansprachen zur Immatrikulation der Neuen und zur Verabschiedung der Abiturienten in der Zeitschrift des Pförtner Bun-

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des las, wurde mir noch deutlicher bewusst, wie stark sich die Verhältnisse an der Schule verändert haben: Auch wir wären vor 54 Jahren gern in einer würdigen Feier als die Neuen begrüßt worden, so wie Sie Ihre Neuen in der Klosterkirche aufgenommen haben. Und wie gern wären wir vor 50 Jahren so verabschiedet worden, wie Sie Ihre Absolventen mit einem ehrlichen und aufmunternden »Leben Sie wohl« aus dem Schutz der Mauern und der Obhut wohlmeinender Lehrer entlassen haben. Wehmütige Gedanken kommen dabei auf – Erinnerungen an unsere eigene Schulzeit, die zwar auch an diesem Ort und in diesen Räumen stattfand, aber so viel anders verlaufen ist. Als wir am 31. August 1955 in diese Schule »eingewiesen« wurden – so nannte man das –, waren wir zwar noch sehr jung, aber längst keine sorglosen Jungen und Mädchen mehr. Wir waren – auch daran möchte ich an diesem Tag einmal erinnern – alle in den Jahren des schrecklichen Krieges geboren und hatten zum Teil schon Schlimmes erlebt. Nicht wenige von uns waren heimatlos, vertrieben oder geflüchtet. Vielen fehlte der Vater, einige waren Vollwaisen. Wohlhabend war kaum jemand, die meisten von uns waren ausgesprochen arm. Wir – die »Kinder des Krieges« – sehnten uns nach einer heilen Welt in Frieden und Freiheit und waren froh, in der Pforte ein neues Zuhause zu finden, mit neuen Freundinnen und Freunden, mit verständnisvollen Lehrern und Erziehern. Wir waren nach den dramatischen Erfahrungen auch für neue politische Ideen und Ideale aufgeschlossen, die uns eine bessere Welt versprachen, eine Welt, in der die Würde aller Menschen respektiert wird, in der Gedanken- und Meinungsfreiheit gilt und in der sich die Regierenden nicht wieder diktatorisch gebärden, sondern sich demokratisch verhalten. Wir hofften auch auf eine Neuordnung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, die allen Bürgern ein menschenwürdiges Leben garantieren, und waren empfänglich für alles Neue, das uns besser erschien; wir waren aber trotz unseres jungen Alters auch äußerst sensibel und kritisch gegenüber allen geistigen Zwängen und staatlichen Anmaßungen; die leidvollen Erfahrungen unserer Eltern waren uns Warnung. Leider erfüllten sich nicht alle Erwartungen! Die Eingewöhnung in das Internatsleben und den Schulbetrieb fiel den meisten von uns nicht schwer. Wir waren aufgeschlossen, wissensdurstig und materiell anspruchslos. Der Umgang mit gleichaltrigen Jungen und Mädchen füllte uns voll aus.

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Viel Neues erfuhren wir von unseren Lehrern und von den älteren Schülern, die sich schon um so Vieles erfahrener und reifer fühlten, und die deshalb von uns Neuen – »Pietze« nannte man uns – Respekt erwarteten. Auch wenn zwischen den einzelnen Jahrgängen und mitunter sogar zwischen unseren Klassen Rivalitäten bestanden, war die Atmosphäre unter uns Schülern harmonisch und konstruktiv. Die Heimleitung achtete auf Disziplin und die Einhaltung der Verhaltensregeln. Aber gerade diese engen Vorgaben reizten uns bald, die Grenzen des Erlaubten auszutesten und die Toleranz der Heimleitungen zu erproben. Es war meist ein reizvolles Spiel, in dem wir uns ausprobierten und das uns Spaß bereitete. Jeder von uns könnte die eine oder andere Episode zum Besten geben. Auch der Unterricht war anspruchsvoller als das, was wir von unseren bisherigen, meist dörflichen Schulen gewöhnt waren. Einige – insbesondere ältere – Lehrer strahlten besonders viel Autorität aus und legten Wert auf schulische Leistungen; andere, die noch wenig Erfahrung im Lehrberuf hatten, taten sich schwerer. Wir spürten bald an den unmutigen Reaktionen älterer Schüler und mancher Lehrer, dass Schulpforte vor grundsätzlichen Veränderungen stand. Mit uns übernahm ein neuer Rektor (Stephan Baar) die Leitung der Schule. Er hatte den Auftrag, aus dem traditionsreichen Schulpforta eine »sozialistische Schule« zu machen. Er ging seinen Auftrag zielstrebig an. Als Erstes wurde eine neue Schul- und Heimordnung beschlossen, die den älteren Jahrgängen gar nicht gefiel. Wir selbst waren noch zu neu und riskierten keine Unmutsäußerungen. Wir nahmen einfach zur Kenntnis, dass ab sofort eine größere Strenge angesagt war, und fanden uns damit ab, dass alles verschlossen und dicht gemacht wurde, um jeden »Ausstieg« zu verhindern. Auch das Torhaus wurde verschlossen und Fremden der Zugang verwehrt. Wir Schüler durften uns anfänglich sogar selbst bewachen. Schulpforte begann sich von der Außenwelt abzukapseln. Damit bekam der Begriff der »Einweisung«, den die Schulleitung bei der Mitteilung über unsere Aufnahme verwandte, seine volle Berechtigung. Um die Eltern stärker »in den Prozess der sozialistischen Erziehung und Bildung einzubeziehen«, wurden die Elternbeiräte neu aktiviert und Elternbriefe gegründet. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an diese schmalen Heftchen, die anfänglich noch sachlich über aktuelle Schulfragen informierten, auch Zahlen und Namen nannten. Später dienten sie vorwiegend der politischen Agitation und der Selbstdarstellung einiger linientreuer Elternvertreter. Wir nahmen sie dann nicht mehr ernst.

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Wenig beliebt war bei den meisten von uns die sogenannte Polytechnische Erziehung, ebenfalls eine Erfindung der sozialistischen Schulpolitik. Sie bestand meist aus Ernte-Einsätzen bei den umliegenden LPG’s, bei denen wir das wahre »Leben der Arbeiterklasse und die Funktionsweise der sozialistischen Wirtschaftsordnung« kennenlernen sollten – so meinte man, uns diese Einsätze als lehrreich anpreisen zu können, obwohl nicht wenige von uns so genannte Arbeiter- und Bauernkinder waren. Wir A- und B-Kinder hatten im Zuge der sozialistischen Umgestaltung einen besonderen Status. Vor unseren Namen stand im Klassenbuch entweder ein A oder ein B. Wer nicht in diese Klassifizierung passte, bekam ein S – oder gar kein Zeichen. Da die früheren Schulleitungen bei der Aufnahme der Neuen angeblich nicht genügend auf den sozialen Status der Bewerber geachtet hatten, war ihnen die Zuständigkeit für die Neuaufnahmen genommen worden. Wir waren – ohne es damals selbst zu wissen – mit die ersten, die nicht von der Schulleitung ausgesucht, sondern von den zuständigen Stellen der Bezirks- und der Kreisleitung ausgewählt und in die Pforte »eingewiesen« wurden. Uns blieb dadurch zwar die gefürchtete Aufnahmeprüfung erspart, was aber nicht unbedingt vorteilhaft für das Schulniveau war. Auch wenn die Neuerungen deutlich spürbar wurden, erlebten wir in den ersten beiden Jahren doch noch so einiges von dem alten Geist und den Traditionen dieser ehrwürdigen Bildungsanstalt. Höhepunkt war das jährliche Schulfest, bei dem wir Schüler der Außenwelt unsere Leistungen präsentieren konnten. Die Theateraufführungen wie auch die Chordarbietungen hatten hohes Niveau. Viele von uns konnten dabei mitwirken. Bei den Sportveranstaltungen zeigten wir, dass wir auch körperlich fit waren. Die Festvorträge – u. a. von unserem berühmten Dr. Robert Pahncke und von dem genialen Herrn Steinrück – waren bedeutend. Die Gäste waren tief beeindruckt von der Qualität der Veranstaltungen und dem harmonisch erscheinenden Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Gar nicht zufrieden waren dagegen die bildungspolitischen Instanzen in der Kreis- und in der Bezirks-Verwaltung mit den Veränderungen in der Pforte. Nach ihrer Auffassung herrschte noch immer ein bürgerlicher Geist, der sich an traditionellen Normen und nicht an den sozialistischen Bildungsprinzipien orientierte. Man fand einen Grund, den amtierenden Rektor 1958 abzusetzen und es mit einem neuen zu versuchen. Er (Herr Reinbothe) vollendete mit willfähriger Unterstützung einiger neuer Lehrer – wobei sich einer besonders hervortat (Herr Hanuschek) – den Auftrag

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der politischen Kader und machte aus Schulpforte die mustergültige sozialistische Oberschule, die sich nun von den anderen vergleichbaren Schulen nicht mehr unterscheiden und schon gar nicht abheben sollte. Und da er schon bei seinem Antritt verkündete, dass das historische Kreuz vom Torhaus verschwinden müsse und stattdessen eine rote Fahne gehisst wird, die man noch in Halle sehen kann – so seine Worte – bezeichnete man Schulpforte in manchen Kreisen bald mitleidig als »Rotes Kloster«. In unserer Festschrift können Sie diese Entwicklung ausführlicher nachlesen. Manche von uns hatten kein Problem mit den Veränderungen. Sie engagierten sich sehr eifrig in der FDJ, waren bald Anführer in der GST und standen bei besonderen Anlässen gern als Vorzeigeschüler für Belobigungen zur Verfügung. Auch der Unterrichtsstoff änderte sich in vielen Fächern und wurde politischer. Ein Lehrer, der für eine Oberschule am wenigsten qualifiziert war und dessen Interpretationen der klassischen Literatur bei uns nur Kopfschütteln auslöste, übernahm bereitwillig die Rolle des Großinquisitors und attackierte alles, was nicht in sein Weltbild passte, das ausschließlich von den Vorgaben seiner Partei geprägt war. Bürgerliche Ideale und christliche Gesinnung waren für ihn schlechthin unvereinbar mit den sozialistischen Lebensformen und sollten um jeden Preis überwunden werden. Sein Kampf gegen die Junge Gemeinde, in dem er auch Schüler ungeniert einsetzte, eskalierte in der denkwürdigen Veranstaltung in dieser Aula, als unser geschätzter Lehrer Schiffmann seinen verlogenen Behauptungen widersprach und daraufhin unter spektakulären Umständen der Schule verwiesen wurde. Dieser Tag, der 21. April 1958, und dieses Ereignis waren meines Erachtens der absolute Tiefpunkt in der neueren Geschichte unserer Schule – und damit unserer Schulzeit. Wir mussten hier in dieser Aula mit ansehen, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Tatsachen verdreht und Unwahrheiten behauptet wurden und mit welcher Rücksichtslosigkeit gegen kritische Lehrer und Schüler vorgegangen wurde. Mir sind die Szene von damals und das mutige Verhalten von Herrn Schiffmann noch immer in bester Erinnerung. Dieser schmächtige Mann – Vater von vier Kindern – hatte Courage bewiesen und einem übermächtigen System mutig Paroli geboten. Insofern war dieser folgenschwere Tag ein stolzer Tag in unserer Schulgeschichte; Herr Schiffmann wurde für viele von uns zu einem Vorbild. Der Kampf gegen uns christlich orientierte Schüler war von nun an rücksichtslos. Mitschüler der Jungen Gemeinde mussten die Schule verlassen, uns Katho-

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liken wurden der Kirchenbesuch und der Kontakt zu unserem Pfarrer untersagt, und der wurde bald darauf von der Staatssicherheit verhaftet. Pastor Steinbauer wurde aus Schulpforte ausgewiesen und durfte nicht mehr das Schulgelände betreten. Die Kirche und die Abtskapelle wurden verschlossen und der Verwahrlosung absichtlich preisgegeben. Unruhe und Ratlosigkeit herrschte bei einigen Lehrern. Manche wurden wegen ihrer politischen Einstellung degradiert und an untere Schulen versetzt, viele zogen die Konsequenzen und verließen heimlich mit ihren Familien die DDR und gingen in den Westen. Und mit ihnen verflogen unsere jugendlichen Ideale und Hoffnungen. Wir Schüler fragten uns in dieser Zeit ständig: Welchem Lehrer können wir noch vertrauen und welcher wird uns als nächster verlassen? Ich vermag nicht zu sagen, wie viele Lehrer damals in den Westen gegangen sind. Insofern sind meine Ausführungen in unserer Festschrift unvollständig. Ich erinnere mich aber noch allzu gut an die traurigen Szenen, wenn uns Lehrer, die wir schätzten, mitteilen mussten, dass sie uns nicht weiter unterrichten dürfen – oder wenn sie plötzlich weg waren. Die Neuen, die für Schulpforte dann ausgesucht wurden, waren bis auf wenige Ausnahmen absolute Neulehrer, zum Teil ohne jede Erfahrung, die meisten aber angeblich politisch zuverlässig. Es fiel uns schwer, zu ihnen Vertrauen zu entwickeln. Schulpforte war zu dieser Zeit, als wir auf unseren Abschluss zusteuerten, nicht mehr die alte ehrwürdige und allseits geschätzte Schule. Der Unterrichtsstoff wurde auf die politische Linie der herrschenden Partei ausgerichtet, traditionelle Veranstaltungen waren abgeschafft. Schulfeste galten als bürgerliche Tradition, Feierlichkeiten durften nur auf Initiative der FDJ veranstaltet werden. Selbst zum Umgang zwischen Mädchen und Jungen, für den wir in der Pforte einen besonderen Begriff pflegten, hatte der neuernannte Direktor merkwürdige Vorstellungen. Über die Abschlussprüfungen will ich mich nicht auch noch auslassen; die schriftlichen fanden zum Teil in dieser Aula statt. An die Übergabe der Abiturzeugnisse kann sich von uns merkwürdigerweise niemand so recht erinnern. Ein richtiger Abiturball, das große Ereignis für alle Schulabgänger, fand nicht statt. Auch er gehörte eben zu den verpönten bürgerlichen Traditionen. Ein ehrliches »Lebt wohl« rief uns niemand zu; man war – so unser Eindruck – froh, uns loszuwerden. Als wir die Pforte verließen, war meines Wissens der Prozess der Umgestaltung der einstigen humanistischen Bildungsanstalt in eine sozialistische Oberschule weitgehend abgeschlossen. Das Kreuz war vom Torhaus entfernt, die kirchlichen Einrichtungen waren abgesperrt. Sys-

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temkritische Lehrer waren ausgeschieden, der Kontakt zu traditionellen Kreisen und Angehörigen des Pförtner Bundes unterbunden. Insofern glaube ich sagen zu können, wir, »die 59er«, waren nicht irgendein Jahrgang – wir waren schon ein besonderer. Wir waren der Jahrgang, der den Umbruch hautnah erlebte – sozusagen die unerfreuliche Wende. Wir waren die Letzten, die noch etwas von der alten Atmosphäre der berühmten Pforte mitbekommen hatten – und leider auch die Ersten, die die Praktiken und Wertvorstellungen der sozialistischen Bildungspolitik erfahren mussten. (Was man unter der sozialistischen Schulpolitik verstand, können Sie in unserer Ausstellung in der Originalausgabe der Deutschen Lehrerzeitung vom 1958 nachlesen.) Aus zahlreichen Gesprächen und schriftlichen Aufzeichnungen weiß ich, dass unsere Erfahrungen und einzelne Vorgänge während unserer Schulzeit durchaus unterschiedlich bewertet werden – was nicht weiter verwunderlich ist, da wir zwar alle ähnlich alt, aber doch sehr verschieden in unserem Wesen und in unseren Lebensvorstellungen sind. Manche von uns litten stärker unter dem streng organisierten Leben und den schulpolitischen Veränderungen als andere und waren froh, als sie nach vier Jahren die Schule verlassen konnten. Andere hatten keine Probleme mit der konsequenten Umstrukturierung und der Politisierung des Schullebens und waren weniger enttäuscht, als die bewährten Traditionen beseitigt wurden. Nach fünfzig Jahren hat jeder von uns seine eigene Meinung über unsere gemeinsame Schulzeit, zumal wir darin übereinstimmen, dass wir insgesamt gesehen eine gute und harmonische Gemeinschaft waren und dass wir wohl alle die damaligen Erfahrungen nicht missen möchten. Wir haben nicht nur zusammen gelernt und in den Heimen gelebt, wir hatten auch viel Spaß und Freude miteinander. Wir waren jung und neugierig auf das Leben; aus zahlreichen Schülerfreundschaften sind Freundschaften für das ganze Leben und sogar stabile Lebensgemeinschaften geworden. Darum sollten wir stolz sein, vier Jahre unserer Schulzeit in Schulpforte erfolgreich verbracht zu haben. Wir haben in dieser Zeit Kenntnisse gewonnen und Erfahrungen gemacht, die für unser weiteres Leben wichtig waren. Wir sind frühzeitig mit Situationen konfrontiert worden, die unseren Charakter und unsere Persönlichkeit formten. Wir haben gelernt, diszipliniert und selbständig zu arbeiten und wussten uns in der Gemeinschaft kameradschaftlich und tolerant zu verhalten. Wir entwickelten Fähigkeiten und Eigenschaften, die uns später von Nutzen waren und die uns vielleicht sogar auszeichnen.

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Kurzum: Wir haben in dieser Zeit etwas in uns aufgenommen, das mit diesem Ort und seiner besonderen Geschichte bleibend verbunden ist und das nicht durch irgendwelche Zeiterscheinungen verdrängt werden konnte. Dieser Geist hat auch uns geprägt. Unsere Wege verliefen danach sehr unterschiedlich. Die meisten Jungen mussten sich zumindest für die Armee bereit erklären, um anschließend das gewünschte Fach studieren zu können. Die Mädchen konnten meist sofort studieren, sofern sie sich für den richtigen Beruf entschieden und die entsprechende Empfehlung der Schulleitung hatten. Einige, die sich aus persönlichen Gründen nicht für die Armee verpflichten wollten oder die wegen ihrer »bürgerlichen Herkunft« oder ihres »politischen Verhaltens« von der Schulleitung keine Empfehlung für ein Studium oder eine ähnliche Ausbildung bekommen hatten und damit für sich keine Perspektive in diesem System sahen, entschieden sich notgedrungen für einen anderen Weg, der – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen - auch nicht leicht und ebenfalls mit Schwierigkeiten und Opfern verbunden war. Umso schöner, dass wir uns jetzt, nachdem unser Land wieder vereint ist, zusammengefunden haben und frei von jeglichen Rücksichtnahmen und Ängsten über unsere gemeinsamen Jahre und unsere Erfahrungen sprechen können. Inzwischen sind wir alle älter und wohl auch reifer geworden und bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr beruflich tätig. Es stimmt uns traurig, dass einige Mitschülerinnen und Mitschüler von damals nicht mehr unter uns sind. Wir werden ihrer gedenken. Jeder von uns hat versucht, mit dem Erlernten und seinen Begabungen das Beste in seinem Leben zu erreichen. Verhältnismäßig viele sind tüchtige Mediziner und engagierte Lehrer geworden, andere wählten technische Berufe oder waren in der weitverzweigten Chemieindustrie tätig. Diejenigen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, dem herrschenden System verpflichtet fühlten und sich vorbehaltlos engagierten, dürften sich inzwischen an die veränderten Verhältnisse in unserem Lande gewöhnt haben. Wenn ich richtig informiert bin, sind keinem von uns bisher die außergewöhnlichen Leistungen gelungen, für die man Nobelpreise erhält oder in Fachbüchern erwähnt wird. Schulpforte muss eben weiterhin mit seinen Geistesgrößen aus vergangenen Jahrhunderten werben – und warten, dass es den jüngeren Generationen gelingt, dem Ruf unserer Schule neuen Glanz zu verleihen. Derartige Feiern verpflichten auch zu Danksagungen. Wir danken unserer alma mater – für alles, was wir in ihren Mauern erlebt und gelernt haben. Diese Jahre

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waren für jeden von uns sehr wichtig – sie haben uns in vielfacher Weise geprägt. Danken möchten wir all jenen Lehrern, die uns Fachwissen vermittelten und uns charakterlich formten. Insofern sind wir besonders glücklich, dass Sie, lieber Herr Gericke, und Sie, lieber Herr Simon, heute an unserer Feier teilnehmen und durch Ihre Gegenwart bezeugen, dass wir ein recht ordentlicher Jahrgang waren. Ihr Deutsch- und Musikunterricht, lieber Herr Gericke, war für mich das Beste, was ich in der Pforte erfahren habe, wenngleich Sie mich nicht in Ihrem Chor gebrauchen konnten. Sie waren für uns und für Schulpforte unendlich wichtig – Sie waren in dieser bewegten Zeit die moralische Instanz, an der wir uns ausrichten konnten. Sie, lieber Herr Simon, zählten zu den so genannten Junglehrern, denen gegenüber wir anfänglich skeptisch waren. Sie haben uns aber nicht zuletzt mit Ihren feinsinnigen Deutungen über die altgriechische Lebensweise bewiesen, dass Sie ein vertrauenswürdiger und fähiger Lehrer waren, der es gut mit uns meint. Wir haben Sie gemocht – obwohl Sie Latein unterrichteten! Ihnen allen, leider sind viele nicht mehr unter uns, die Sie trotz der politischen Pressionen für uns glaubwürdig geblieben sind und sich um unsere Ausbildung ehrlich bemühten, gebührt heute unser Dank. Ein besonderer Dank gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Westermeyer, als dem amtierenden rector portensis, und allen Mitwirkenden für die Ausrichtung unserer Jubiläumsfeier, die mit dem beziehungsvollen Lied enden soll, das man zu unserer Zeit nicht singen durfte – und schon gar nicht in dieser Aula: »Die Gedanken sind frei …«  Hubert Kinzel (al. port. 55 – 59)

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Diamantenes Abitur 2009

Rector portensis, verehrtes Kollegium, liebwerter Coetus, Freunde und Gäste dazu, unsere Klasse voran, diesmal gilt es für uns, ein besonderes Schulfest zu feiern: 60 Jahre ist’s her, dass uns die PFORTE entließ. Dankbar nun kehrten wir heute zurück, in das alte Gemäuer, uns zu erinnern, was hier einst uns für immer geprägt. Eben dem Kriege entronnen, den Bomben, der Flucht, der Vertreibung, nahm die PFORTE uns auf, fanden wir Heimat in ihr. Armut und Hunger und Kälte bestimmten den Alltag, es fehlten Radio und Telefonie, Fernsehen gab es noch nicht, Handy, PC und all diese Dinge, die jetzt unentbehrlich, waren noch nicht in der Welt, Tinte und Stift und Papier waren so schwer zu beschaffen wie Seife und Kleidung und Schuhwerk. Kohlen, Kartoffeln und Brot, Butter und Fleisch waren rar, Holz für die Öfen, wir schlugen es selber und stahlen’s, wenn nötig. Kirschen und Äpfel und Wein klauten wir über dem Fluss, griffen dazu uns vom Fischhaus die Fähre und ließen sie drüben, wo sie zum Rückzug parat lag, falls der Flurhüter käm’. Brennesseln sammelten wir zu Mittag – ein Heringsfäßchen, von der Regierung gesandt, machte ein Schulfest zum FEST. Schlafsäle war’n unterm Dach – für bis zu dreißig in einem. Heimfahren konnten wir kaum – nur zu den Ferien mal. So wuchs unsre Gemeinschaft - aus Schulkameraden wurden Freunde fürs Leben – das hält, wie man hier sieht, noch bis jetzt! Mädchen gab’s nicht, das Backfischaquarium kam, als wir gingen. Davor gab es die Frau hier nur als dienstbaren Geist: STROHMEYER war Sekretärin, Frau HAASE regierte die Küche, DOBRATZ war Dame vom Haus, Wäsche wusch GRÄFEs Marie. Schwester Elisabeth MARTIN, die Emse, versorgte die Kranken: ob es den Körper betraf, oder die Seele: sie half! Treffliche Lehrer erteilten den Unterricht, Montag bis Samstag, dreimal zwei Stunden im Block – und das machte uns Spaß! Streech-Robert PAHNKE, er spielte den Rektor als Interimslösung. HABENSTEIN löste ihn ab, Rektor er kat’ exochen. OELLERICH, Napola-Rest, ein begnadeter Streiter des Wortes, wies in die Alten uns ein – allzu bald musste er geh’n. Väterchen STRING, die BEULE, und MAMIE, sie lehrten uns beide: Griechisch er und Latein, Englisch sie – und Benimm. Hoch zu verehren war REEH auch als Graecolateiner, und dass wir

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schamlos BOCK ihn genannt, das nahm er würdevoll hin. Ganz überragend war SAUTER, der Schauspieler war und Gelehrter: in die Tragödie drum führte er sachkundig ein. DETER, der hölzern nur wirkte, doch feinsinnig war er, und KLIMKE, kleiner Reiter genannt, machten mit Deutsch uns vertraut. ZIMMERMANN, Notenzwerg, Nozi: er brachte Musik uns näher: Chöre studierte er ein, führte sie landesweit auf. Ottchen GÖLDNER, der Turner und Künstler, beherrschte die »Möhle«. HILDEBRAND, KIRSTEN und KÜHN sorgten für Mathematik. HIPPE, der Vierte im Bunde, gab Mathe, Chemie und Physik und sang einen hellen Tenor – öffentlich wie auch privat. Erwin PURR gab Latein, ließ turnen und züchtete Tabak: Dung war Fledermausdreck, davon wurde er stark. ZANDER sah unsere Welt von hoher geschichtlicher Warte; Gegenwart galt ihm nicht viel, war ihm wohl allzu suspekt. LEESCH und NÜRNBERGER hatten die Aufgabe, Russisch zu lehren. Leider waren wir dumm: wehrten uns, und mit Erfolg: Wie die Besatzer zu sprechen, das schien uns verwerflich, drum fuhren wir mit den Bänken umher, bis man uns Russisch erließ. (Damals ging so was noch – in späteren Jahren hätten Kopf wir und Kragen riskiert, hätten wir solches gewagt.) OSTROWITZKI, als Lehrer vorzüglich, doch üblen Charakters, früh schon von Rotlicht verstrahlt, hebelte HABENSTEIN aus. ALBRECHT und KLEMM und STRACK und ZECHEL, sie seien genannt nur: minder bedeutsam für uns, waren sie doch mit im Boot. Dies nun waren die Menschen, die unser Dasein bestimmten. Wie aber schaute das aus? Was wohl trieben wir so? Neben dem Wichtigsten, der Schule, gab’s mancherlei andres: Nahrungsbeschaffung und Sport, Drechseln und Wandern, Musik, und ein Kulturkreis, nach GOETHE und HERDER benannt, absorbierte uns fast über Gebühr – doch war als Tarnung er gut: was wir da munter so dichteten, redeten, sangen und spielten, wurde nach außen verkauft als FDJ-Produktion. Ernsthaft und heiter zugleich: mit Lernen und Arbeit und Singen füllten wir unsere Zeit, langweilig war es uns nie. So wuchsen Leistungsbereitschaft und die, dem andern zu helfen, Schöpferkraft, jugendbewegt, Offenheit und Toleranz, voreinander Respekt und Gewaltlosigkeit, so wurde unsre Gemeinschaft geformt, wie sie bis heut’ existiert.

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Als wir gegangen, begannen die düsteren Zeiten, die ihr, die Nachwendekinder, nicht kennt. Da uns der Zutritt verwehrt war, wissen wir über diese Jahrzehnte nicht viel, wir sahen nur mit Entsetzen am Schluss, was hier so alles verkam. Aber wie Phoenix aus Asche erhob sich die alt-neue PFORTE. Rektor war jetzt ein Mann, passgerecht für diesen Job. BÜCHSENSCHÜTZ war, wenn auch importiert aus dem Westen, bald schon heimisch in diesem Gefild, siedelte fest sich hier an, machte die PFORTE zu seiner Sache, vertrat sie mit Herzblut vor den Thronen im Land, brachte den Aufbau voran. Interimistisch kam DÄUMER – auch er hatte seine Verdienste. Allerdings, was es auch war: irgendwas ging da wohl schief. Nachfolger ist nun Bernd WESTERMEYER, der, jung und dynamisch, seines Vorvorgängers Werk fortführen wird, wie man sieht. Aus Westfalen gebürtig, katholisch drum, damit ein Novum an der PFORTE, die stets rein protestantisch nur war. Magdeburgs Domgymnasium verließ er mit Wehmut und fühlt sich, wie schon so viele vor ihm, rasch hier so gut wie zuhaus: Novum wohl, doch nicht als Fremder: er sieht eine große Familie wesen hier über die Zeit – wie dieser Festakt erweist. Drüben im Gutshof wirken für PFORTA die Prokuratoren, die, bereits emeritiert, opfern doch Zeit noch und Kraft, um die bitteren Folgen der Bodenreform zu mildern, kämpfen um alten Besitz mit sehr schönem Erfolg. KREYSSIG und FEYERABEND und KISSLING und KELLER, in Serie halfen der Stiftung sie auf, die diese Schule mit nährt. Auch Jochen MÄNNIG sei hier noch genannt, der um Kirche und Orgel reichlich verdient sich gemacht, und um viel anderes mehr. Ihr, die ihr heute die PFORTE bevölkert, ihr zieht euren Nutzen daraus, wie sie gewirkt. Seid ihnen dankbar dafür! Allzu lang hin ist es nicht mehr, dann werdet ihr valedizieren. Dann reiht euch ein in den Bund derer, die früher hier war’n. Helft so der Schule und denen, die hier sein werden, denn wisset: Euere Beiträge sind’s, die fürder helfen dazu, dass die Begabten »zur LAHR«, wie es MORITZ gewollt hat, trotz Armut nehmen am Lernen hier teil, werden zu PFÖRTNERN wie ihr. Aber bis dahin benutzt und genießt eure Zeit an der PFORTE. Glaubt einem uralten Mann: später wird’s selten so schön.  Distichen, gebastelt und vorgetragen in der Aula der Landesschule PFORTA am 15. Mai 2009 von MANNE alias Dr. med. Hans Herrman (al. qu. port. 46 – 49 val.)

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Neues vom »Goldenen Abitur«

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Der Festakt zum Goldenen Abitur ist mittlerweile mit Freitag 13 Uhr zum festen Bestandteil des Schulfestes geworden. Die Aula war zu drei Vierteln gefüllt. Es hat sich bewährt, auch einige der bald folgenden »Goldenen« einzuladen und so Erfahrungen zu vermitteln. Der jeweilige Jahrgang organisiert den Festakt nach seinen Vorstellungen: Begrüßung und Übergabe der Urkunden durch den Rektor und die musikalische Umrahmung durch den Musikzweig sind der Beitrag der Schule, der wohltuend ankommt. Diesmal wurde der musikalische Teil ergänzt durch einen Chor der Goldabiturenten zusammen mit ihrem Musiklehrer Frank-Thomas Gericke mit der Schulmeisterkantate von Telemann. Die Festansprache des Vertreters des goldenen Jahrganges hielt Hubert Kinzel. Zum zweiten Mal waren 2009 die Diamantenen dabei. Sie »wurden von den Goldenen getragen«, saßen in der ersten Reihe und erhielten natürlich auch ihre Urkunden. Die Erinnerung an das 60-jährige Abitur hat Dr. Hans-Walther Herrmann als Besonderheit in griechischen Jamben vorgetragen. Zu den schönen Neuerungen zählte, dass die Jubilare zu Orgelmusik einmarschierten, ihren Verstorbenen in einem besonderen Punkt gedachten und zum Klassenfoto mit den übergebenen Urkunden jeweils gleich auf der Bühne blieben. Der zur Jahrgangsausstellung zur Verfügung gestellte Klassenraum hat sich 2009 zum Treffpunkt und Gesprächsmittelpunk der Goldenen entwickelt.  Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 val.)

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Goldenes Abitur 2009

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Am 15. Mai feierten die drei Klassen des Abschlussjahrganges 1959 gemeinsam ihr Goldenes Abitur. Als sie 1955 in die Schule »eingewiesen« wurden (so hieß es damals!), waren es insgesamt 94 Schüler. Das Abschlussjahr erreichten 63 Jungen und Mädchen, von denen 42 jetzt ihr Goldenes Abitur feiern konnten. Die Festrede hielt Hubert Kinzel, der auch die Festschrift »Schulpforte 1955 – 1959« verfasste und zusammen mit seiner ehemaligen Mitschülerin Brigitte Plischke die Ausstellung »… die 59er …« organisierte. Der Jahrgang schenkte der Schule ein von Brigitte Plischke gestaltetes Gemälde und für das geplante »Museum Pforta« zwei komplette Mönchs-Gewänder des Zisterzienser Ordens.  Hubert Kinzel (al. port. 55 – 59)

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Frieden

Die »Rheinpfalz« vom 14. September 2009 berichtete unter der Überschrift »Kriegsveteranen mahnen zum Frieden« von einem Treffen ehemaliger deutscher und französischer Kriegsgegner im lothringischen Grenzort Ormersviller. Einst hatten sie gegeneinander zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gekämpft, dann trafen sie sich Jahrzehnte danach wieder – Ehemalige des deutschen 127. Grenz­infanterie­regiments aus Zweibrücken und des französischen 32. Infan­ terie­regi­ments. Der ehemalige Pfortenschüler Ulrich Schiller, al. port. 29 – 35 val., den Mitgliedern als langjähriger Schriftleiter, Organisator des Klassentreffens und aktiv tätiges Vorstandsmitglied bekannt, Initiator auf deutscher Seite dieser Begegnungen, war in diesem Jahr der einzige Überlebende des Freundschaftstreffens und ließ es sich nicht nehmen, mit dem französischen Vertreter Robert S. Marc einen Gedenkstein zu enthüllen und einen japanischen Gingko-Baum als Zeichen des Überlebens in Hiroshima zu pflanzen.

Ulrich Schiller betonte in seiner Rede, dass der Stein ein »Vermächtnis für alle sein möge, die nach uns kommen, um zu erkennen, wie wertvoll Freundschaft und wie grausam Krieg ist«. Anschließend legten die Teilnehmer gemeinsam einen Kranz in der Kapelle St. Joseph nieder.  Dr.K.D.Fichtner

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Die Ausstellung »…die 59er…«

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Es gehört inzwischen schon zur Tradition, dass die Jubiläumsveranstaltungen der Abiturjahrgänge mit eigenen Ausstellungen begleitet werden, in denen die Ehemaligen an ihre früheren Erlebnisse erinnern und zum Ausdruck bringen, was ihnen ihre »alte Schule« und die Pforte noch immer bedeuten. Die ausgestellten Fotos sind zum vorwiegenden Teil auch schon – wie die Jubilare selbst – mehr als ein halbes Jahrhundert alt und nicht gerade von bester Qualität. Dennoch erzählen sie Geschichte – unsere Geschichte als Jungen und Mädchen, die hier einst gelernt und gelebt haben. Dass wir älter geworden sind, zeigen die wenigen neueren Aufnahmen von gelegentlichen Besuchen in der Schule und bei den Vorbereitungstreffen für unsere Feier. Zwei Ehemalige aus unserem Jahrgang beschäftigen sich schon seit Jahren besonders intensiv mit Pforta, mit seiner wechselvollen Geschichte und seiner eigenen Faszination. Ihre Arbeiten – Bilder und Schriften – zeugen von einer tiefen Verbundenheit mit diesem einmaligen Ort. Brigitte Plischke, geb. Jacobi, studierte Kunstpädagogin und Dozentin an verschiedenen Volkshochschulen, hat vier »Pforta Impressionen« anlässlich des Goldenen Abiturs erstellt. Das Hauptmotiv, das auch die Titelseite für die Festschrift bildet, schenkt der Jahrgang der Schule als Dank und zur Erinnerung. Hubert Kinzel ist Verfasser der Jahrgangs-Festschrift, in der er auch Aufnahmen verwandte, die in der Ausstellung zu sehen sind, die von ihm zusammengestellt wurde. Als passionierter Hobby-Fotograf hat es ihm die Pforte besonders angetan. Eine kleine Auswahl seiner Bilder zeigt die Ausstellung. In seinen »Kreuzgang-Geschichten« erzählt er u. a. auch von unserer Schulzeit und von dem Wiedersehen zum Goldenen Abitur.  Hubert Kinzel (al. port. 55 – 59)

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Schöne Tradition setzt sich fort

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Zum 8. Mal nach 1989 kamen elf Pförtner »Altmannen« des Jahrgangs 1942 – 45 vom 9. bis 11. Juni 2009 zusammen, um den Duft ihrer alten Schule in Pforte nostalgisch einzuatmen. Treffpunkt war wiederum das gemütliche Hotel »Alte Schmiede« in Naumburg. Leider mussten wir aufs Neue einen Toten beklagen: Unser lieber Freund Erich Stöckeler aus Riezlern im Kleinwalsertal hat uns im Juni 2008 verlassen. Er war bis zu seinem Ableben bei vollem Bewusstsein und klarem Verstand, allerdings körperlich sehr gebrechlich. Erich, der sich in Riezlern und Oberstdorf einen beachtlichen Druckereibetrieb aufgebaut hatte, war immer ein belebender Kopf in unserer Runde. Dankenswerterweise hat er unsere schöne Erinnerungsmappe hergestellt und jedem verehrt. Wir gedachten seiner in einem von Otto Leiser gehaltenen ECCE an der Ewigen Lampe. Erich bleibt unvergessen. Unsere Erinnerungsmappe müssen wir nun selbst fortsetzen! Das erste Mittagessen am Mittwoch gab’s zünftig im »Fischhaus«. Dann folgte der Besuch von Schulpforta. Wir wurden wieder von Dr. Fichtner, dem Leiter des Pförtner-Archivs, geführt und über die jüngsten Entwicklungen informiert. Nach dem Friedhofsbesuch, wo wir auch unseres früh verstorbenen Kameraden Siegfried Lau an seinem Grab gedachten, ging’s in die Basilika, die in ihren Dimensionen stets aufs Neue beeindruckt. Der Kaffee wurde mit bester Torte im Café Schoppe in Bad Kösen eingenommen. Abends trafen wir uns bei anregenden Gesprächen – »Weißt Du noch?« – im urigen Gasthaus »Zur Hupe« in Roßbach. Den Schlussakkord setzte am nächsten Tag das Abendessen im idyllisch gelegenen »Fischhaus«. Gespräche und einige raue Lieder – animiert von Jochen Männig auf seinem Akkordeon – belebten die Runde. Wir trennten uns am folgenden Morgen mit dem hoffnungsvollen Versprechen auf ein gutes Wiedersehen in zwei Jahren. Auch in diesem Jahr haben wir den beiden Organisatoren Jochen Männig und Oldwig v. Fischer herzlich zu danken!  Christian Uhlig (al. port. 44 – 45)

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Treffen des Jahrganges 1949

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Der Primus der Klasse 12c des Abiturjahrganges Hans Herrmann (45 – 49v) hatte uns rechtzeitig auf die 60. Wiederkehr unseres Abiturs aufmerksam gemacht, Hotelplätze reservieren lassen und sich mit der Organisatorin des Goldenen Abiturs 2009, Frau Plischke (55 – 59 val.), über das gemeinsame Festprogramm abgesprochen. Auch der Vorstand des Pförtner Bundes e. V wirkte daran mit. So reisten zehn Abiturienten des Abiturjahrgangs 49 zum Jubiläum an. Unser Quartier hatten wir im Hotel Rittergut Kreipitsch. Einige waren mit ihren Ehepartnern gekommen. Am ersten Abend besuchten wir eine Lesung Hochhuths in der Aula der Landesschule und saßen anschließend in gemütlicher Runde im Hotel zusammen. Am nächsten Vormittag nahm ein Teil unsere Klasse an einer Führung Klaus-Dieter Fichtners (45 – 48 val.) durch Kirche und Schule teil, ein andere Teil war bei der Einweihung des Mühlenmuseums dabei. Am Nachmittag fanden wir uns dann zum gemeinsamen Festprogramm mit den goldenen Abiturienten in der Aula ein. Diese Feierstunde mit musikalischen Beiträgen, einer Ansprache des Rektors Portensis, einer Festrede eines Vertreters des Goldenen Abiturjahrgangs, einem Grußwort unseres Primus und der Übereichung der Jubiläumsurkunden hat uns emotionell bewegt. Unsere Klasse spendete 1700 Euro für die Verbesserung der Schuleinrichtung. Hans Herrmann übergab seine Bratsche dem Musikzweig. Den Mittagstisch hatte danach unser Freund und Koorganisator Peter Schmidt (46 – 49 val.) im Fischhaus für uns gedeckt. Abends trafen wir uns wieder zur fröhlichen Runde. Am Sonntag überließen wir uns wieder der ortskundigen Führung Peter Schmidts. Zuerst besuchten wir die Arche Nebra und die Fundstätte der Himmelsscheibe auf dem Mittelbergsplateau bei Wangen an der Unstrut. Alle schafften den Aufstieg auf den 30 Meter hohen Aussichtsturm und genossen den weiten Blick über Wälder und Auen bis zum Kyffhäuser. Anschließend tafelten wir im Schlosshotel Nebra. Am Nachmittag hörten wir uns die Kammermusik in der Aula der Landesschule an und fanden uns im Hotel zum Abschiedsabend zusammen. Wir beschlossen, uns in zwei Jahren zum Schulfest wieder zu treffen. Uns vereinte der Eindruck, dass unsere Individualistenklasse sich bei diesem Treffen deutlich näher gekommen ist. Am Sonntag besuchten einige den Festgottesdienst und das Kreuzgangkonzert der Schulchöre. Wir danken der Landesschule, dem Pförtner Bund, der Organisatorin des Goldenen Abiturs Frau Plischke und unserem Primus Hans Herrmann für diese sehr schönen Tage.  Günter Feyerabend (41 – 49 val.)

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Abiturjahrgang 1955b1

Zu unserem diesjährigen Klassentreffen hatte Wolfgang Bauer für den 15. bis 17. Mai 2009 nach Naumburg/Schulpforte eingeladen. Dieses Treffen war schon zeitlich ins Auge gefasst worden, als man sich das letzte Mal (2007, von Horst Weltrowski organisiert) getrennt hatte. Pünktlich waren sie alle wieder zur Stelle, als die 2009er Begegnung der Klasse b1 des Abijahrgangs 1955 auf der Tagesordnung stand. Der erste Abend war geprägt von guten Gesprächen und vom Austausch von Erinnerungen bei Speise und Trank. Nach gemeinsamem Frühstück startete die kleine Reisegesellschaft mit eigenen Autos (teilweise in Fahrgemeinschaft) zum Anlegesteg am Saaleufer im Blütengrund. Von dort führte die Bootsfahrt die Unstrut aufwärts bis Freyburg, wo wir den Tag vergnüglich verbrachten, u. a. mit einem Aufstieg zur Neuenburg (inklusive Besuch des Burgmuseums). Gegen Abend brachte uns ein Schiff wieder zurück zum Blütengrund, wo uns ein Grill­ abend in Klingers Weinberg erwartete. Auch diese Zusammenkunft in wunderschöner Umgebung fand wieder in vergnügter Ausgelassenheit statt. Der dritte Tag galt unserer Ausbildungsstätte mehr oder weniger in eigener Regie und fand seinen Abschluss im Fischhaus, wo sich die meisten von uns nochmals trafen. Zwischen lebhaften Diskussionen, Erinnerungen und Ausflügen in die reizvolle Umgebung von Naumburg verflogen die Tage unversehens. Obendrein war uns das Wetter durchaus gewogen. Wenngleich sich die Teilnehmer zum allerersten Mai nach langer Zeit zum Goldenen Abitur 2005 wiedersahen, so zeigten die Folgetreffen doch, dass – entstanden aus den Wurzeln der Jugendzeit – das Gefühl der Zusammengehörigkeit und die wachsende Vertrautheit im kurzweiligen Zusammensein unsere Gemeinschaft nachhaltig wachsen lassen. Ich bedanke mich bei W. Bauer sehr herzlich für die Vorbereitung und unterhaltsame Betreuung während der gemeinsamen Tage.  Ingrid Thiele geb. Strauch (al. port. 1951 – 55 val.)

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Jahresbericht Berlin 2009

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Zum Schlössertag am zweiten Januarwochenende besuchten 54 Teilnehmer das Schloss Paretz im Süd-Westen von Berlin. Die gute Wasserumgebung an der Havel lud bei Sonnenschein und leichtem Schnee zum Spaziergang ein. Mit einer interessanten Führung wurde die Zeit des königlichen Paares – Friedrich Wilhelm III. und Luise – lebendig. Kutschen, Schlitten und Sänften aus dem preußischen Königshaus ergänzten den Schlossbereich. Wir hatten auch noch eine Führung in der Dorfkirche, die im Zusammenhang mit der Sommerresidenz vom Königspaar gefördert wurde. Spontan konnten wir hier von unserem Kirchenmusikdirektor Günther Kraner einen Ohrenschmaus von der Orgel genießen. Zum Jahr der Astronomie besuchten wir zum Frühjahrstreffen die Archenhold-Sternwarte in Treptow. Bei der ausgezeichneten Führung durch die Archenhold-Sternwarte am 27. März wurden uns unsere Beziehungen zu den Himmelskörpern sehr anschaulich nahe gebracht. Dazu wurde uns sehr plastisch unser Sonnensystem anhand eines anschaulichen Modells erläutert. Die Geschichte der Astronomie wurde in Erinnerung gerufen. Besonderen Eindruck hinterließ vor allem das 21 Meter lange, größte Linsenfernrohr der Welt. Hintergrund der Themenwahl war auch die Himmelsscheibe von Nebra, zu der es inzwischen ein repräsentatives Besucher- und Informationszentrum (»Arche Nebra«) und einen 30 Meter hohen Aussichtsturm gibt.

Zum Herbsttreffen mit Martinigänseessen am 13. November waren gut fünfzig Ehemalige ins Holiday Inn am Gesundbrunnen gekommen. Es war ein angenehmer Raum, der für unsere Größe zugeschnitten war. Sonst finden dort Seminare und Tagungen statt. Er kann für uns auch vergrößert werden, wenn wir wieder an ein Kammerkonzert denken. Dieses Jahr hatten wir den jungen Pförtnern Gelegenheit gegeben, sich zu präsentieren. Sie haben über eine Umfrage vom Jahresende 2008 bei den Schülern in Pforta informiert. Die Schüler wissen zu wenig vom Pförtner Bund, die Vorstellungen sind verschwommen und die Erwartungen gehen sehr viel weiter als die bisherigen Aktivitäten des Pförtner Bundes. Einige Anregungen der jungen Pförtner wurden schon umgesetzt: Die Neuntklässler haben im September 2009 eine Mappe mit Aktivitäten und Informationen sowie Ansprechpartnern vom Pförtner Bund erhalten. Ein Schaukasten im Eingangsbereich der Schule informiert über den Pförtner Bund. Dank des

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Die jüngeren Pförtner bemühen sich um eigene Treffen als Stammtische an den wichtigsten Hochschulorten, um Mitgliederwerbung in ihrem Kreis und besonders schon bei den Abiturenten. Sie sind dabei, sich auf einer eigenen Plattform im Internet auszutauschen und auch einen Netzwerkzugang für die Schüler zu öffnen: Erfahrungen zu den Studienrichtungen, zu Bedingungen und Wechseln der Fachrichtungen sind im eigenen Kreis wie auch schon für die Schüler von Pforta von Interesse. Informationen zu Nebenjobs und Alltagssorgen der Studenten sollen ausgetauscht werden können. In der sehr lebhaften Diskussion unseres Herbsttreffens wurde deutlich, dass vor allem die jungen Pförtner eine progressive Haltung zum Ehemaligenverein haben. Sie möchten eine direktere Verbindung zu den Schülern und sind bereit, ihre Erfahrungen im Sinne eines Fördervereins für die Schule einzubringen. Viele stehen für Workshops, Betreuung von Projektthemen und Berufsberatungen bereit. In den Mitgliederversammlungen des Pförtner Bundes möchten sie besser zu Wort kommen und ihre Vorstellungen konstruktiv artikulieren können. Insgesamt soll der Ehemaligenverein mehr Aktivitäten entfalten.

Foto: nate bolt (Abdruck unter Lizenz creative commons 2.0, by-sa)

Engagements von Eric Nikodym und Carsta Härtig konnten zum Schulfest 2009 das erste Mal Ehemalige in der Turnhalle übernachten. Hier kann ein Potential für die künftigen Schulfestbesuche gepflegt werden.

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2009 konnten wir unseren Berliner Kreis zu drei weiteren Terminen einladen. Da viele inzwischen eine E-Mail-Adresse haben, geht das ohne großen Mehraufwand. Sieghard Metzner hilft und unterstützt mit seiner Software-Firma. Am 30. September hat sich die Landesschule Pforta in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin präsentiert. Rektor mit Lehrern und Chor haben sich vorgestellt und für die Schule geworben. Über den Kreis der Ehemaligen haben wir geholfen, Interessierte zum Schulbesuch zu vermitteln. Helen und Wolfgang Werner haben den Besuch einer Kunstausstellung initiiert, was am 23. Oktober eine Gruppe von 15 Teilnehmern wahrgenommen hat. Die Allianzversicherung hat die nach 1990 gebauten Gebäude ihrer Berliner Zentrale (»Treptower« ) mit Kunstwerken ausgestattet. Mit einem einheitlichen Kunstkonzept stehen sie unter dem Motto »Struktur, Natur, Kybernetik« und passen sich dem geradlinigen Erscheinungsbild der Gebäude an. Der Galeriebesuch klang im Restaurant »Elsenstein« aus. Eine Gruppe von 16 Teilnehmern fand sich am 1. Dezember – trotz kurzfristiger Einladung – zur Buchlesung von Dr. Berndt Seite, al. port. 54 – 58 val. und Ministerpräsident a. D. in Mecklenburg-Vorpommern, ein. In seinem autobiografischen Buch fließen seine Erfahrungen aus seiner Zeit als Tierarzt und aus der Tätigkeit in der evangelischen Synode (ab 1960) und die daraufhin erfolgten Überwachungen ein. »Schneeengel frieren nicht« ist seine Schilderung der politischen Landschaft nach 1989 und dem Leben in der Politik. Freimütige Äußerungen über Motivationen und Emotionen veranlassen zum Lesen. Der Saal in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern war gut gefüllt. Die anschließenden lebendigen Gesprächen an den Stehtischen wurden durch eine gute Büffetversorgung unterstützt.  Helmut Heimbürge (al. port. 55 – 57 val.)

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Publikationen Stefano Bacin, Fichte in Schulpforta (1774 – 1780). Kontext und Dokumente. Mit einer Übersetzung der Fichteschen Valediktionsrede von Stefan Monhardt (Spekulation und Erfahrung, Bd. II/42), Frommann-Holzboog Verlag, Stuttgart/Bad Cannstatt 2007, ISBN: 978-3-7728-2422-7, 425 S., 168,00 EUR.

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Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen genießen unter den deutschen Gelehrtenschulen einen legendären Ruf. Dies zeigt sich nicht nur am großen öffentlichen Interesse an den heute dort eingerichteten Schulen, sondern auch am Umfang der meist hagiographischen Abhandlungen zu einer oder zu allen drei Schulen in Grimma, Meißen und Schulpforte. Unter ihnen besitzt die Landesschule Pforta traditionell ein besonders hohes Ansehen, das sich sowohl auf die über 465-jährige ungebrochene Schulentwicklung als auch auf das Niveau ihrer Bildungsarbeit und die Exzellenz der Absolventen stützt. Entsprechend groß ist die Zahl der Publikationen über die Landesschule. Dabei ist allerdings festzustellen, dass vor allem Themen zur Schulentwicklung in der Frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert bearbeitet werden, während alle anderen Epochen wenig beleuchtet sind. Eine umfassende Studie über die Entwicklung Schulpfortes im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts liegt genauso wenig vor wie eine Spezialuntersuchung über Fichtes Lehrjahre in Schulpforte. Der Philosoph Stefano Bacin will mit seinem Buch dieses Desiderat schließen. Seine bereits 2003 auf italienisch veröffentlichte Studie »Fichte a Schulpforta (1774–1780). Contesto e materiali« liegt nun in der Übersetzung von Stefan Monhardt auch auf deutsch vor. Bacins Studie ist in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil, »Kontext«, wird das »legendenhafte Bild des jungen Fichte« (S. 13) nachgezeichnet, das, so der Autor, vor allem auf die 1830 von Fichtes Sohn Immanuel Hermann veröffentlichte Biografie zurückgeht. Darüber hinaus werden das schulische Umfeld vorgestellt und dabei die Entstehung und Entwicklung der sächsischen Fürsten- und Landesschulen sowie die im Rahmen des sächsischen Retablissements eingeleiteten Schulreformen beleuchtet. Ferner wird kurz auf das Leben und Werk des klassischen Philologen und Neuhumanisten Johann August Ernesti sowie auf die von ihm entworfene Erneuerte Schulordnung von 1773 und deren Auswirkungen auf die Unterrichtsgestaltung an der Landesschule Pforta eingegangen. Darauf aufbauend stellt der Autor die in Briefform veröffentlichten Erinnerungen des Philosophen Friedrich August Weißhuhn über seine Schulzeit in Pforte vor. Da Fichte selbst keine Notizen über seine Portenser Schulzeit hinterlassen hat, kommt den Aufzeichnungen Weißhuhns, der gleichzeitig mit Fichte die

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Landesschule besuchte, ein besonderer Stellenwert zu. Hinzu kommt, dass sich beide durch ihre gemeinsame Schulzeit für geraume Zeit persönlich sehr verbunden fühlten. Abschließend analysiert Bacin eingehend Fichtes Abschlussarbeit, die sogenannte Valediktionsrede, und zeigt dabei auf, welche philologische und philosophische Literatur dafür herangezogen wurde. Dieser erste Teil der Bacinschen Arbeit beruht weitgehend auf älterer Literatur. Unberücksichtigt bleiben insbesondere die Arbeiten von Detlef Döring. Weiterführend hätte hier vor allem dessen eingehende Studie über die »Fürstenschule in Meißen zur Zeit des jungen Lessing« sein können, in der detailliert die Unterrichtsinhalte und die Lektürepläne der 1740er Jahre untersucht werden. Außerdem greift der Autor auch nicht auf die umfangreichen archivarischen Bestände des Archivs und der Bibliothek der Landesschule Pforta zurück. Bacin spekuliert in »Ermangelung diesbezüglicher Dokumente« (S. 25) darüber, inwieweit Heinrich Erasmus von Hardenberg Fichte unterstützt haben könnte. Eine Untersuchung von Fichtes Bewerbungsunterlagen auf eine Freistelle an der Landesschule hätte hier zweifellos Aufschluss gegeben. Ferner finden sich auch kleinere inhaltliche Fehler. So wurde die Fürstenschule in Grimma nicht 1543, sondern 1550 eingerichtet, in den Nöten des Dreißigjährigen Krieges wurde die Landesschule Pforta nicht evakuiert, sondern vorübergehend geschlossen. Auch wenn zahlreiche Portenser Absolventen später bürgerliche Beruf ergriffen, bestand das Bildungsziel der Fürstenschulen darin, ihre Schüler auf ein Universitätsstudium vorzubereiten (S. 21 – 23). Im zweiten Teil des Buches sind alle bereits veröffentlichten wichtigen Dokumente abgedruckt, die im Zusammenhang mit Fichtes Schulzeit in Schulpforte stehen. Erstens Fichtes Brief an seinen Vater vom 1. April 1775, in dem er über das Verhältnis der jüngeren Schüler zu den älteren berichtet; zweitens ein von Fichte mitverfasster Brief an den Rektor der Landesschule aus dem Jahre 1780, in dem die Schüler der oberen Klassenstufen umfangreichere disziplinarische Befugnisse gegenüber den Unteren fordern; drittens Fichtes Valediktionsrede vom 5. Oktober 1780 im lateinischen Original und in deutscher Übersetzung; viertens das Begleitschreiben Johann August Ernestis zum Entwurf der von ihm verfassten Erneuerten Schulordnung vom 25. April 1766; fünftens die Erneuerte Schulordnung für die drei sächsischen Fürsten- und Landesschulen; und sechstens die dreizehn Briefe Friedrich August Weißhuhns »Über die Schulpforte«. In diesem editorischen Teil ist der eigentliche Wert der Publikation zu sehen. Bacin druckt nicht nur Dokumente ab, die »in vielen deutschen Bibliotheken nicht leicht zugänglich sind« (S. 7), sondern er kommentiert diese ausführlich, erläutert die darin genannten Personen und lässt Auszüge aus weiterführender

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autobiographischer Literatur einfließen. Damit wird dem Leser die Möglichkeit geboten, sich ein Bild über die Lehrinhalte und die Unterrichtsgestaltung in Schulpforte sowie über Fichtes wissenschaftliches Niveau als Schüler zu erarbeiten. Allerdings wird auch hier auf vorhandene, zum Teil vor einhundert Jahren erstellte Editionen zurückgegriffen und auf einen Vergleich mit den Primärquellen verzichtet. Insgesamt hinterlässt die Arbeit von Stefano Bacin einen positiven Gesamteindruck. Ist der Leser bereit, sich durch die publizierten Dokumente und die ausgezeichneten Kommentierungen zu arbeiten, so erhält er ein anschauliches Bild über die Lebensbedingungen an der Landesschule Pforta und durchaus eine genauere Sicht auf Fichtes frühe geistige Formung. Diese hätte durch Studien in den einschlägigen Archiven aber wesentlich vertieft werden können.  Jonas Flöter

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Glückwunsch an einen durch die Musik junggebliebenen

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Lieber Herr Gericke, es ist mir eine besondere Ehre, Ihnen auf diese Weise zu Ihrem 80. Geburtstag herzlich gratulieren zu dürfen. Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit, alles erdenklich Gute und viele musikalische Erlebnisse mit Ihrer lieben Frau in der alten Pforte oder auch in dem immer jungen Weimar. Ihre 42-jährigen Tätigkeit als magister an unserer geliebten Schule, ist sicher das Besondere Ihrer Leistung, aber Ihr Gesamtwerk über diesen langen Zeitraum hatte viel mehr Facetten. Ein besonderer Höhepunkt war wohl die Gründung des Musikzweiges nach 1953. Als einer Ihrer ältesten musikbegeisterten Schüler erinnere ich mich noch genau an das Jahr Ihres Erscheinens 1953, als die Musik in der Pforte nur noch eine Nebenrolle spielte. Durch den Weggang von Musiklehrer »Nozi« Zimmermann und mehrerer anderer Lehrer und vieler Schüler gen Westen und an andere Schulen und durch die Umwandlung der Schule hin in eine sozialistisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Lehranstalt besaß die Musik plötzlich keinen Stellenwert mehr. Die Versuche einiger Lehrer anderer Fachbereiche, die Musik zu neuem Leben zu erwecken, waren gescheitert. Der Chor hatte keine Knabenstimmen mehr, weil der Nachwuchs aus den ehemaligen Klassen 5 – 8 fehlte, und das Orchester bestand aus demselben Grund nur noch aus etwa zwanzig, nicht mehr fünfzig Schülerinnen und Schülern. Die wenigen Mädchen konnten den Mangel an Sopranen kaum ersetzen. Ich kann mir gut vorstellen, wie trostlos diese Szenerie für einen jungen Absolventen der Uni Leipzig gewesen sein muss. Sie haben mir später gestanden, mit welchem Respekt Sie die Aufgabe eines Neuanfangs übernommen haben, aber wir Schüler spürten davon wahrhaftig nichts. Wir waren froh, wieder einen kompetenten Lehrer im Unterricht und den vielen außerschulischen musikalischen Betätigungen erleben zu dürfen. Für Sie war es immer selbstverständlich, eine große Anzahl von Terminen wahrzunehmen, die uns geholfen haben, uns zu verwirklichen. Unvergessen bleiben für mich die Quartett-Spiele mit Ihnen, Christa Friedrich und Karl-Walter Perleberg. Der Cello-Autodidakt bin ich bis heute geblieben. Auch in späteren Jahren hat sich wohl nichts geändert, denn Chor und Instrumentalisten der Landesschule trotzten der Zeit der diktatorischen Strukturen, und die Musik blieb eine Rückzugsmöglichkeit für viele Schüler.

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Herr Gericke half überall und war immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte. Aber nicht nur die Schüler konnten sich auf den innerhalb der Klostermauern wohnenden Lehrer verlassen, sondern auch die Ehemaligen. Ich selbst hatte in der Zeit, als das Betreten der Pforte am Torhaus gestoppt wurde, immer die Möglichkeit, Herrn Gericke zu besuchen, der meine Frau und mich immer freudig empfing. Mit ihm durfte man auch noch einmal im Vorderhaus die flachen weiten Stufen im Zweierrhythmus hinaufstürmen. Unvergessen ist auch ein letzter erschütternder Rundgang mit Ihnen im Frühjahr 1989, als wir lange an der Klosterkirche stehen blieben. Sie war dem Verfall preisgegeben. Die Tauben hatten sich schon im inneren Dachstuhl von außen gut sichtbar eingenistet. Weil wir die DDR verließen, glaubten wir an einen Abschied für immer. In Wirklichkeit war es aber nur einer von vielen schwarzen Tagen in der Geschichte unserer Pforte, die alles überlebt hat und viel schöner wiedererstanden ist, als wir es uns je erträumt hätten. Ihnen war es vergönnt, mit Ihrer großen Erfahrung den Neuaufbau der Schule noch mitgestalten zu können, und nun dürfen Sie erleben, wie Ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger Ihr Erbe bewahren und wunderbar erklingen lassen. Für Ihr Engagement in schwerer Zeit und für Ihr ständiges Bestreben nach Vervollkommnung und Formung der Jugendlichen in der Liebe zur Musik sind Sie mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Nur zwei Jahre durfte ich Sie als Musiklehrer erleben, nicht ahnend, dass auch in meinem Leben die Musik einmal eine große Rolle spielen würde. Und trotz der späteren regelmäßigen persönlichen Kontakte öffnete sich für mich dennoch nur ein kleines Zeitfenster in Ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit für die Pforte. Ich hoffe, dass auch Schüler späterer Jahrgänge über Ihr Engagement berichten werden. Wir danken für die freundschaftlichen Bande über Jahrzehnte. Ihre auch äußerlich gezeigte jugendliche Frische möge Ihnen noch lange erhalten bleiben, damit Sie sich mit Ihrer lieben Frau noch lange an dem erfreuen können, was Sie jung gehalten hat – die Musik!  Herzlichst Ihre

Christel und Karl-Heinz Müller

P.S.: Eine von den Ehemaligen für den 20. März in Pforta vorgesehene Feier mit Kammermusik für Frank-Thomas Gericke kam organisatorisch leider nicht zustande.

Glückwunsch an einen durch die Musik Junggebliebenen | 67


Wolfgang Hädecke zum 80. Geburtstag

F

»Feinzeichner mit spitzem Stift«, so charakterisieren die Dresdner Neuesten Nachrichten heute den Schriftsteller Wolfgang Hädecke.

Über den Schriftsteller zu befinden, kommt mir nicht zu, dazu sind andere berufen. Aber als einer aus dem großen coetus der Schüler, die von dem Lehrer Wolfgang Hädecke profitiert haben, erlaube ich mir, bei jener Charakteristik Anleihe zu nehmen und dankbar daran zu erinnern, dass uns in unserem jungen Deutschlehrer eben kein Grobschmied des Sozialistischen Realismus begegnet ist, sondern einer, dem es gegeben war, Literatur so zu zeichnen, dass uns verstehender Zugang möglich wurde und dauernder Gewinn blieb. Ich denke dabei nicht zuletzt an Autoren und Werke, die man auch in den ideologisch ausgerichteten DDR-Lehrplänen nicht übergehen konnte, die aber kaum greifbar und beispielsweise in der Schülerbibliothek, die ich eine zeitlang verwaltete, nicht vorhanden waren; ganz zu schweigen von Avantgardisten wie Sartre und Camus, die sich nur im privaten Bücherregal des Lehrers fanden und deren Weitergabe an Schüler ein nahezu konspiratives Unterfangen darstellte. In solchem dankbaren Erinnern weiß ich mich eins mit meinen Portenser Mitschülern und möchte auf die liebevolle Würdigung verweisen, die in der »Pforte« zu Wolfgang Hädeckes 70. Geburtstag zu finden ist. Und so darf ich heute nicht nur in meinem eigenen Namen gratulieren, sondern die Grüße und Glückwünsche des Pförtner Bundes überbringen. »Ad multos annos«, so pflegt man dem Geburtstäger zuzuprosten. Freilich, beim Achtzigsten könnte das unbescheiden hoch gegriffen scheinen. Also: ad multos, wenn es denn sein kann, auf alle Fälle jedoch: alles Gute und Gottes Segen für den weiteren Weg, dem in statu nascendi befindlichen neuen literarischen Projekt Erfolg, dem Jubilar Gesundheit und privates Glück, uns aber, dass wir auch künftig an dem partizipieren und von dem profitieren können, was Wolfgang Hädeckes Stift zeichnet. Lieber Wolfgang, Geschenke hast Du Dir verbeten, und Deinen übervollen Bücherschrank zu belasten, wäre wenig vernünftig. So habe ich Dir aus alten Schülertagebüchern ein schmales Blatt zusammengestellt, dass den Lehrstoff auflistet, den Du uns in der Abiklasse vermittelt hast, in der Hoffnung, es könnte Dich interessieren und amüsieren. Dazu ein Wein vom Portenser Köppelberg, zu unserer Zeit noch nicht aufgerebt, für eine ruhige Stunde mit Frau und Tochter, der trinkt sich weg.  Jürgen Bergmann

68 | Wolfgang Hädecke zum 80. Geburtstag


Tabula Gratulatoria Vorname Karl-Heinz

Vorname Klemmt

Pforta 26  – 29 v.

MDP MDP

Geburtstag 14.10.1910

Alter 100

Kurt Werner-Rolf Fritz Ruth

Gutmann Pick Hacker von Dufving (geb. Meichßner) Schiffmann Schiller

27  – 34 v. 26  – 32 v. 29  – 34 v.  

MDP MDP MDP MDP

01.02.1913 25.08.1913 26.09.1913 03.12.1913

97 97 97 97

  29  – 35 v.

MDP MDP

14.02.1916 14.03.1916

94 94

29  – 35 28  – 35 v. 29  – 34

MDP MDP MDP MDP

29.05.1916 13.07.1916 14.11.1916 06.12.1916

94 94 94 94

31 35 32 31 32 34

MDP

01.02.1918 24.12.1918 05.01.1919 29.03.1919 18.07.1919 20.07.1919 23.08.1919 07.09.1919 22.09.1919 30.10.1919

92 92 91 91 91 91 91 91 91 91

09.02.1920 12.06.1920 27.08.1920 08.12.1920

90 90 90 90

Werner Ulrich

Friedrich Dieter Hans-Wilhelm Elisabeth

Meyer Koch-Weser Preller Axthelm (geb. Fürbringer) Margarete Dreckmann Christian Frühbuß Leonhard Seboldt Wolf-Dietrich Bindemann Gerd Rösner Martin Anton Schmidt Hans Ulrich Schulz Wolfgang Klimke Karl H. Merkel Hans-Eberh. Hanstein Frh Karl-Heinz Bickmann Karl-Heinz Kühne Frank-Dieter Gerhardt Charlotte Kaiser-Dieckhoff (geb. Dieckhoff) Liselotte Weihe Wigand Bruns Klausjürgen Miersch Carl Christian Gersdorf Hans-Walter Schmidt

 – 38 v.  – 38 v.  – 36  – 35  – 34  – 37

MDP MDP MDP MDP

35  – 37 35  – 37 v. 36  – 39 v. 34  – 35 34  – 39 v.

MDP MDP

38  – 43 v.

MDP MDP

02.04.1925 15.08.1925

85 85

39  – 43 v. 38  – 43 v.

MDP MDP MDP

27.08.1925 21.10.1925 28.11.1925

85 85 85

Tabula gratulatoria | 69


Vorname Helmut Berthold Paul Fritz Frank-Thomas Hanns-Hagen Hans-Ulrich Hermann Gerhard Hans-Joachim Günther Klaus Klaus Werner Rolf Klaus HansHermann Hartmut Ted Ulrich Hans-Eberhard Hans-Günther Nikolaus Elisabeth Dietrich Ulrich Karl-Heinz Dietrich Peter Bernt Jochen Klaus Klaus Gerhard Renate Dietrich Konrad Manfred Rudolf Wolfgang Harald

Vorname Fellner Kühn String Weidig Gericke Landgraf Schneider Kähler Schreiter Richter Kraner Meyer Gallwitz Kühne Steinberg Berger Oehring

Pforta 37  – 40 46  – 48 v. 45  – 48 47  – 49 v.

MDP MDP

46 40 45 40 48 47 45 48 41 41 43 41

 – 48  – 45  – 47  – 45  – 50  – 48  – 49  – 49  – 48  – 44  – 45  – 41

MDP

Gehlmann Bössenroth Thieme Wegner Uhl Brinkmann (geb. Köppel) Ladicke Goerdten Meyer Volkmann Jungwirth Zetzsche Kittel Schirrmeister Steinrück Kühn Schneider Paetow Bünger Lux Knackstedt Gottstein

45 42 41 45 47 46

 – 49 v.  – 45  – 45  – 49 v.  – 51  – 53

48 50 47 46 47 48 47 47 50

 – 54  – 53  – 53  – 49  – 52  – 54  – 53  – 49  – 52

48 48 46 52 47 48

 – 53 v.  – 52  – 47  – 53 v.  – 53 v.  – 54

70 | Tabula gratulatoria

v. v. v. v. v. v. v.

MDP MDP

MDP

MDP MDP MDP MDP

v.

MDP

v.

MDP MDP

v. v.

MDP MDP MDP

v. MDP MDP MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 29.12.1925 14.02.1930 05.03.1930 19.03.1930 19.03.1930 22.03.1930 05.04.1930 29.05.1930 24.06.1930 28.06.1930 12.07.1930 13.07.1930 14.09.1930 17.09.1930 02.10.1930 02.10.1930 11.10.1930

Alter 85 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

24.10.1930 02.12.1930 03.12.1930 15.12.1930 02.01.1935 02.01.1935

80 80 80 80 75 75

09.01.1935 14.01.1935 19.01.1935 27.01.1935 04.02.1935 08.02.1935 08.02.1935 21.02.1935 02.03.1935 05.03.1935 05.03.1935 11.03.1935 12.03.1935 23.03.1935 23.03.1935 24.03.1935

75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75


Vorname Claus-Dietrich Wilfried Erwin Claus Manfred Christoph Lothar Hartmut Inga Heinz Helmut Eckart Wolfgang Manfred Peter Emil Karl-Hermann Elisabeth Gunther Horst Wilfrid-Klaus Joachim Renate Knut Karl-Georg Karl-Otto Dietrich Dieter Reinhard Friedrich Frithjof Helga

Vorname Pfeiffer Handrock Zawichowski Liesner Gleitsmann Demke Schleiß Schneider Pleul Witulski Wald Fickweiler Eisfeld Langer Ost Draht Illge Palme (geb. Ellmann) Schedlinski Eckert Seifart Friedemann Frankenberger (g. Winkelmann) Dobratz Spanier Beindorf Bolk Rauschelbach Prinz Biehahn Sahnwaldt Braun (geb. Schoenheinz)

Pforta 46  – 51 50  – 52 52  – 53 46  – 47 47  – 53 45  – 50 47  – 53 46  – 50  –  47  – 53 52  – 53 50  – 53 47  – 53 47  – 52 47  – 53

MDP MDP v. MDP v. MDP v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP

MDP MDP

50  – 53 v. 52  – 53 v. 47 52 47 46 48

 – 52  – 53 v.  – 53 v.  – 49  – 50

45 49 47 46 49 48 50 48

 – 51  – 55 v.  – 52  – 47  – 55 v.  – 54 v.  – 52  – 53

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 30.03.1935 03.04.1935 25.04.1935 28.04.1935 29.04.1935 03.05.1935 07.05.1935 09.05.1935 16.05.1935 21.05.1935 22.05.1935 02.06.1935 10.06.1935 26.06.1935 11.07.1935 14.07.1935 13.08.1935 17.08.1935

Alter 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

20.08.1935 10.09.1935 29.09.1935 09.10.1935 14.10.1935

75 75 75 75 75

29.10.1935 05.11.1935 06.11.1935 07.11.1935 13.11.1935 17.11.1935 19.12.1935 24.12.1935 31.12.1935

75 75 75 75 75 75 75 75 75

MDP = Mitglied des Pförtner Bundes

Tabula gratulatoria | 71


EcceFeierstunde 2009

V

Verehrte Anverwandte der Verstorbenen! Liebe Pförtner und Pfortenser! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! »Tod, wo ist Dein Stachel?!«, so fragte provozierend der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther, nachdem er Zeuge der Auferstehung Jesu geworden war. Die große Mehrzahl der heute hier in unserer über 800 Jahre alten Klosterkirche versammelten Gäste, Pförtner und Pfortenser ist in seinem Leben bereits mit dem Tod von nahen Menschen konfrontiert worden, hat den »Stachel des Todes« bereits indirekt gespürt. Heute gedenken wir jener Menschen, jener Angehörigen, Freunde und Schulkameraden, die in Schulpforte gelebt, gelernt und gearbeitet haben und in den vergangenen Jahren verstorben sind. Wir werden darüber hinaus die Viten zweier ehemaliger Schüler hören, die kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ermordet wurden und in Vergessenheit gerieten, bis wir ihnen im August dieses Jahres je einen Stolperstein vor dem Haupteingang der Schule widmeten. Während unserer Gedenkstunde spendet die große Gemeinschaft der Weggefährtinnen und Weggefährten, also der anwesenden Familienangehörigen, der Freundinnen und Freunde, der Klassengemeinschaften Trost. Wir schauen uns um und wir sind nicht allein: geborgen in der Gemeinschaft, und nicht allein mit unseren Gedanken und Erinnerungen. Gewiss werden in dieser Stunde viele Erinnerungen lebendig, und hoffentlich zaubern sie im Dunkel des Kirchenschiffs bei aller Trauer auch ein Lächeln auf das ein oder andere Gesicht. Hinter unserem Umgang mit dem Tod anderer Menschen steht immer auch die Frage des eigenen Umgangs mit der Vergänglichkeit. Manchen macht der Gedanke schaudern, dass dereinst auch der eigene Name in der Vierung dieses Gotteshauses verlesen werden wird. Unbehaglich ist für uns alle, dass niemand absehen kann, wann dies geschehen wird. Wir alle, Alt und Jung gleichermaßen, sind zeitlebens nur einen Wimpernschlag vom Tode entfernt – dies lehrt der Blick in die Zeitungen täglich neu.

72 | Ecce-Feierstunde 2009


Vieles spricht für die These, dass der Tod, die Endlichkeit des menschlichen Lebens und die mannigfachen Vorstellungen von einem möglichen Jenseits vor Jahrtausenden der Ausgangspunkt aller Religionen der Welt war. Nach wie vor aktuell bleibt zugleich die Frage, ob nach dem Tod noch etwas auf uns wartet und, sofern man dies eher bejaht, die weiterführende Frage nach dem »Was?!«. Die genannten Fragestellungen sind auch für jene Menschen interessant, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen, denn hinter diesen Jenseits-Fragen verbirgt sich nicht nur, aber vor allem auch die Frage nach dem Sinn unseres Daseins, unseres Lebens und Schaffens. Wenn man einen positiven Ansatz wählen möchte, gilt es wohl, den Tod als Teil unseres Lebens zu akzeptieren. Dies klingt im ersten Augenblick paradox: Doch wie sollte man sich das Leben als Zustand vorstellen, wenn es nicht einen biologischen Schlusspunkt, den Tod, gäbe? Somit wäre unser eigenes Sterben – ebenso wie Hitze und Kälte, Liebe und Hass, Höhe und Tiefe – Teil eines allgegenwärtigen Dualismus. Sofern man die Bedingtheit von Leben und Sterben als Grundgedanken akzeptiert, sobald man sich das ewige Werden und Vergehen in der Natur vergegenwärtigt, verliert der Tod ein Stück weit seinen Schrecken. Unsere Angst, die Angst des modernen Menschen vor dem Tod, hat vielleicht auch mit der Tabuisierung dieses Teils unseres Lebens zu tun. Wenn wir uns überhaupt mit dem Sterben beschäftigen, benutzen wir meist Euphemismen, die uns allerorten derart floskelhaft begegnen, dass sie eine nüchterne Reflexion der Situation verhindern. Man denke nur an das »Von uns gehen eines lieben Verstorbenen« oder das verharmlosende »Fallen« der Soldaten. Wer sich einmal die Zeit nimmt, aufmerksam über den alten Friedhof gleich hinter dieser Kirche zu spazieren, wird zweierlei gewahr: Zum einen haben sich im Abendschatten der gewaltigen Kirche offenbar nicht nur Christen bestatten lassen. Abgebrochene Säulen und andere nichtchristliche Symbole zeugen vielmehr vom Geist der Aufklärung, der seinerzeit oft radikal mit überkommenen religiösen Traditionen und Vorstellungen brach. Zum anderen wurde unsere derzeitige Turn-Halle vor fast 200 Jahren offenbar am Ort des alten Bein- bzw. Leichenhauses unmittelbar am Rande des alten Friedhofes errichtet. Die Turnhalle war dabei ursprünglich auch an der Südseite, also zum Friedhof hin, mit großen Fenstern versehen – selbst in unserer eher areligiösen Gegenwart eine kaum vorstellbare Pietätlosigkeit. Vielleicht bewertet der stille Betrachter des 21. Jahrhunderts die scheinbar offenbare Verletzung der besonderen Würde des Ortes jedoch zu Unrecht als problematisch: Wäre es denkbar, dass die Menschen den Tod seinerzeit unabhängig

Ecce-Feierstunde 2009 | 73


von ihrer religiösen Überzeugung noch als etwas ganz Natürliches, eben als Teil des Lebens betrachteten? Die Tatsache, dass sich unser kleiner Friedhof von üblichen deutschen Friedhofsanlagen bis heute wohltuend dadurch abhebt, dass man sich nicht auf eingefassten, penibel geharkten Schotterwegen bewegt, sondern über Gras frei zwischen den Gräbern wandeln kann, spricht für eine solche gewollte Gemeinschaft von Lebenden und Toten. Ähnlich lässt sich heute auch unsere mittelalterliche Totenleuchte deuten, die ursprünglich wohl den im Beinhaus zum zweiten Mal bestatteten Toten Trost und Gewissheit spenden sollte. Diese ursprüngliche Funktion der freistehenden Friedhofsleuchte ist über die Jahrhunderte ebenso in Vergessenheit geraten wie die Existenz des mit ihr korrespondierenden Beinhauses am Ort der heutigen Turnhalle. In der Gegenwart des 21. Jahrhunderts erlaubt uns die rund 740 Jahre alte Totenleuchte sowohl einzelnen Verstorbenen als auch Gruppen, wie etwa den Verstorbenen des vergangenen Jahres, zu gedenken. In der Leuchte brannten und brennen noch immer Kerzen, kleine Flammen – oft verloschen, und über die Jahrhunderte doch unzählige Male immer wieder neu angezündet. Mögen die in unserer Totenlampe entzündeten kleinen Flammen, mögen uns die Flammen der Kerzen, die heute in dieser herbstlich-kalten, dunklen Kirche brennen, immer wieder neu Lichter der Hoffnung, der Wärme und des Trostes sein. Dass dieser Wunsch keine leere Formel darstellt, sondern mächtig in uns wirken kann, belegen sehr eindrücklich die folgenden zwei Strophen eines bekannten Liedes, das Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 in der Todeszelle niederschrieb: »Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken / an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz / dann woll’n wir des Vergangenen gedenken / und dann gehört Dir unser Leben ganz. Lass warm und still die Kerzen heute flammen, die Du in uns’re Dunkelheit gebracht. Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.«  Bernd Westermeyer, rector portensis

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Ecce 2009 Prof. Dr. Gerhard Arnhardt  * 12. 1. 1936  † 20. 11. 2008 rec. port. 1969 – 1980 Gerda Below, geb Voigt  * 18. 1. 1935  † 9. 1. 2009 al. port. 1949 – 1951, MDP Dr. Friedrich Bösel Dr. Harald Busse  * 10. 4. 1941  † 14. 8. 2002 al. port. 1955 – 1959 val. Helmut Duckart  * 15. 8. 1930  † 18. 1. 2009 al. port. 1942 – 1944, MDP Otfried Dyroff  * 21. 4. 1929  † 5. 5. 2009 al. port. 1946 – 1947 val., MDP Gudrun Egelkraut, geb. Bergmann  * 13. 3. 1939  † 19. 4. 2009 al. port. 1953 – 1958 Prof. Dr. Peter Feudell  * 30. 9. 1919  † 2. 9. 2006 al. port. 1932 – 1935, MDP Günter Gräfe  † 7. 7. 2008 St. Afra Dr. Richard Granadia  * 17. 1. 1923  † 15. 2. 2009 al. port. 1938 – 1942 Gerhard Grunick  * 23. 12. 1940  † 1981 al.port. 1955 – 1959 val. Adolf Hamacher  * 21. 8. 1927  † 12. 5. 2008 al. port. 1938 – 1945 Peter Hintze  * 29. 8. 1924  † 7. 2. 2009 al. port. 1937 – 1942, MDP

Ecce 2009 | 75


Günter Kaiser  * 14. 5. 1941  † 14. 5. 1973 al. port. 1955 – 1959 v Magdalene Kaempfe, Wtw. F. Walther, MDP Konrad Lampe-Helbig  * 24. 1. 1931  † 27. 7. 2009 al. port. 1945 – 1949 val. Gerlinde Linzmeier, geb. Zweigler  * 18. 10. 1940  † 21. 2. 1994 al. port. 1955 – 1959 val. Peter Lohmann  * 3. 10. 1938  † 28. 5. 2009 al. port. 1952 – 1957 val. Dr. Volkmar Nicolas  * 2. 9. 1933  † 25. 4. 2009 al. port. 1947 – 1951 val., MDP Helga Putze, geb. Elsässer  * 23. 8. 1940  † 16. 11. 1995 al. port. 1955 – 1959 val. Dr. Friedrich Reichel  * 14. 1. 1917  † 4. 3. 2006 al. port. 1930 – 1935 Siegfried Reimer  * 29. 9. 1941  † 22. 2. 2007 al. port. 1957 – 1959 val. Lothar Rodinger  * 5. 8. 1933  † 6. 6. 2009 al. port. 1949 – 1950 Prof. Dr. Roland Schwarze  * 2. 8. 1941  † 15. 1. 2007 al. port. 1955 – 1959 val. Wolf-Rüdiger Schulze  * 4. 3. 1941  † 25. 7. 1997 al. port. 1955 – 1959 val. Ulrike Sieweck, geb. Erben  * 12. 8. 1941  † 17. 3. 2007 al. port. 1955 – 1959 val. Frank Stein  * 20. 8. 1940  † 13. 7. 2002 al. port. 1955 – 1959 val.

76 | Ecce 2009


Erich Stoeckeler  * 7. 11. 1931  † 3. 2. 2009 al. port. 1942 – 1945 Friedhelm Stoermer  * 13. 6. 1920  † 25. 2. 2009 al. port. 1932 – 1945, MDP

Charlotte Werner  † 1. 5. 2007, Wtw. Heinrich Werner

Die Erhöhung der Meldungen und Nachmeldungen ergab sich nach dem Goldenen Abitur 2009 durch Herrn Adolf Werner, Bad Bibra. In der Datei, übergeben von Dr.Weihe, sind die ehemaligen Schüler Bösel und Reimer nicht aufgeführt worden.

Foto: David Ortmann für DIE PFORTE

Regine Strohbusch  † 15. 4. 2009, Wtw. J. Strohbusch

Ecce 2009 | 77


Vita Gerhard Arnhardt

P

Prof. Dr. sc. paed. Gerhard Arnhardt wurde am 12.01.1936 in Salza (später Nordhausen) als Sohn eines Schlossers geboren. Nach dem Abitur in Nordhausen studierte er in Halle Pädagogik in der Fachrichtung Chemie/Biologie. 1956 begann Arnhardt seine Tätigkeit als Fachlehrer an der Zentralen Landschule Klosterhäseler, ein Jahr später erfolgte bereits seine Ernennung zum Direktor. Von 1958 bis 1969 war er in Mertendorf und Naumburg Schulleiter. Nach dem Tod des Pfortenser Direktors Reinbothe 1969 wurde er als dessen Nachfolger an die EOS Pforte berufen. Seine Frau Rosemarie Arnhardt war ebenfalls Lehrerin für Biologie und Chemie und in dieser Zeit auch in Pforte tätig. Arnhardts Amtszeit in Pforte brachte der Schule im Sozialismus eine Blütezeit, denn er verstand es nach Aussagen von Zeitzeugen, durch geschickte Personalführung sein Lehrerkollegium zu höheren Leistungen anzuspornen und damit das Unterrichtsniveau insgesamt anzuheben.

Nachdem Arnhardt 1979 in Jena seine Promotion B erfolgreich verteidigt hatte, verließ er 1980 Schulpforte, um als Dozent an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena zu arbeiten. Anfang September 1982 wechselte er an die Pädagogische Hochschule Dresden, wo er seit 1985 als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Geschichte der Pädagogik innehatte. Zahlreiche Veröffentlichungen zur humanistischen Bildung in der Hochschulvorbereitung Sachsens, darunter auch zur Geschichte der Landesschule, gab Arnhardt vorwiegend in der Zeit bis 1990 heraus. Nachdem er im Oktober 1990 noch zum Dekan der Fakultät für Pädagogische Wissenschaften der Hochschule gewählt worden war, ging er bereits 1992 in den Ruhestand. Er kehrte in den Harz zurück und wohnte bis zu seinem Tod am 20. 11. 2008 in Bad Sachsa.  Petra Dorfmüller (al. port. 82 – 86 val.)

78 | Vita Gerhard Arnhardt


HAUSHALTSRECHNUNG Kalenderjahr 2008 Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726 1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG

EURO

1.1 Einnahmen: Mitgliedsbeiträge einschl. Mehrzahlungen

17.835,84

Spenden, Zuschüsse

64.984,82

Summe des steuerfreien ideellen Bereichs Einnahmen des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Bereichs – Verkauf von Schriften und CDs (Chor), Zinsen Summe der Einnahmen

82.820,66

1.2 Ausgaben: Ideeller Bereich I: Kosten der Vereinsverwaltung Vorstand, Archiv, Mitgliederbetreuung, InformatikInternet Ideeller Bereich II: Beihilfen für Bauten, Bibliothek, Chor, Dornierstiftung, Lehr- und Jugendarbeit, Reisekostenerstattungen Schüler Ausgaben »Wirtschaftlicher Bereich«, Ankauf von Schriften, Chor Summe der Ausgaben

25.917,21 108.737,87

4.652,08

56.792,03 14.377,62 75.821,73

Bestandsveränderung

Fest- und Termin-Konten Sonst. Vermögen Summe der Aktiva Kapital-Vortrag Bestandsveränderung Kapital per 31.12.2008 Rücklagen für geplante Vorhaben und Zweckbestimmung Summe der Passiva

75.821,73 32.916,14

2. VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS Kassenbestand Bank-Girokonten

108.737,87

341,98 78.280,54 144.356,64 88,05 223.067,21

223.067,21

9.491,26 + 32.916,14 6.593,00 174.066,81 223.067,21

223.067,21

Haushaltrechnung Kalenderjahr 2008 | 79


PROTOKOLL DER MITGLIEDER­ VERSAMMLUNG des Pförtner Bundes e. V. mit Neuwahlen am 31. Mai 2008 Versammlungsort und -zeit: Schulpforte, Kleiner Festsaal, 11.00 – 12.30 Uhr Anwesend: 58 stimmberechtigte Mitglieder des Pförtner Bundes e. V. Versammlungsleiter: Peter Maser Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht in der Pforta Information Nr. 30, April 2008

BegrüSSungen Peter Maser als Vorsitzender und Versammlungsleiter begrüßt die Anwesenden und den neuen rector portensis Bernd Westermeyer. Bernd Westermeyer stellt sein Programm für die Schule – pädagogische Konzeption, Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit dem Pförtner Bund – vor und verweist auf erste Schritte zu dessen Verwirklichung.

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden Peter Maser Der Vorsitzende dankt dem geschiedenen Rektor Hans-Jörg Däumer für seine Arbeit und hebt die vielfältigen Kontakte zwischen Pförtner Bund und Schule, zwischen Pförtner Bund und Stiftung und zwischen Vorsitzendem und Kultusminister hervor. Außerdem ist der Pförtner Bund mit drei Vertretern gut in der Melanchthon-Stiftung vertreten. Das Zentrum Pförtner Bund im Obergeschoss des Neugotischen Hauses ist fertiggestellt. Es vereint Pförtner- und Illgen-Archiv unter einem Dach und dient

80 | Protokoll der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008


dem Vorstand zu den zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen als Tagungsraum. Die Pforte hat mit dem Wechsel des Schriftleiters äußerlich und innerlich ein neues Gewand erhalten. Sie erschien ebenso regulär wie die Pforta Informationen und das Anschriftenverzeichnis. Dies steht in engem Bezug zur Mitgliederpflege und erforderlichen -mehrung, die auf vielfältige Weise erfolgen (Kondolenzschreiben, Werbung, »Fanartikel«, Publikationen, Berliner Hochschulnächte, Feiern zu Abiturjubiläen etc.). Der Vorsitzende dankt im Verlauf seines Berichtes: David Ortmann, Petra Dorfmüller, Frau Weinelt, Helmut Heimbürge, Wilfrid Seifart und besonders nachdrücklich Helmut Duckart.

TOP 2: Bericht des Schatzmeisters Helmut Duckart Der Schatzmeister verweist für die erste Hälfte des Berichtszeitraumes (2005/06) auf seinen Bericht in der letzten Pforte. Die Haushaltsrechnung für das Jahr 2007 liegt als gesonderte Anlage vor. Es stehen derzeit 9.500 € eigenes Kapital zur Verfügung. Für die Beiträge und Spenden in Höhe von 24.500 € ergeht ein herzlicher Dank an die Mitglieder. Weil der Schatzmeister nach 15 Jahren aus dem Amt scheidet, gibt er einen Generalüberblick über seine Tätigkeit seit 1993 und die Zuwendungen, die Schule und Stiftung durch den Pförtner Bund erhalten haben. Auch dieser Bericht liegt als gesonderte Anlage vor.

musikalisches Intermezzo als Dank des Musikzweiges an Helmut Duckart für die treuhänderische Verwaltung der Gelder

Protokoll der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008 | 81


Bericht der kommissarischen Kassenprüfer Die Prüfung erfolgte durch Karl Büchsenschütz und Martin Meyer. Letztgenannter verliest den Kassenprüfbericht, in welchem die ordnungsgemäße Kassenprüfung bestätigt und Entlastung erteilt wird. Der Bericht der Kassenprüfer liegt als gesonderte Anlage vor.

Entlastung des Vorstandes für die Amtszeit 2006 und 2007 Auf Antrag des Versammlungsleiters wird dem Vorstand Entlastung bei Enthaltung der anwesenden Vorstandsmitglieder erteilt.

TOP 3: Bericht des Archivars Klaus-Dieter Fichtner Der Berichtzeitraum war besonders von dem Umzug des Archivs aus dem Gebäude Schulstr. 24 in das Zentrum Pförtner Bund geprägt. Die damit verbundenen Arbeiten sind abgeschlossen und das Archiv wieder voll funktionsfähig. Der Bericht des Archivars liegt als gesonderte Anlage vor.

TOP 4: Bericht des Redakteurs der Pforte David Ortmann Der Redakteur der Pforte verweist auf diese selbst, dankt für Reaktionen auf die beiden von ihm betreuten Ausgaben und bittet eindringlich um Zusendungen für die nächsten Hefte.

82 | Protokoll der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008


TOP 5: Bericht über die Stiftung Schulpforta durch Dietrich Müller-Römer In aller Kürze bestätigt Dietrich Müller-Römer die letzten Berichte über die Stiftung – sie funktioniert und es wird viel getan, damit sie ihren Zweck erfüllen kann.

TOP 6: Wahl der Kassenprüfer Die kommissarisch eingesetzten Kassenprüfer Karl Büchsenschütz und Martin Meyer werden zur Wahl zu ordentlichen Kassenprüfern vorgeschlagen. Es gibt keine Gegenvorschläge. Sie werden einstimmig gewählt.

TOP 7: Neuwahlen des Vorstandes Aus dem Vorstand scheiden aus: Helmut Duckart und Jochen Männig Neue Mitglieder im Vorstand: David Ortmann (01 – 06 val.) und Claudia Pohland (88 – 92 val.) Neuer Beisitzer: Paul Pasieka (03 – 07 val.)

Zusammensetzung des Vorstandes: Vorsitzender Peter Maser stellv. Vorsitzender Wolfgang Knackstedt Schatzmeisterin Claudia Pohland Schriftführerin Anne Hultsch stellv. Schriftführer David Ortmann Die Wahl der neuen Vorstandsmitglieder und des neuen Beisitzers erfolgt in Einzelabstimmung. Es gibt keine Gegenstimmen. Die bereits amtierenden Vorstandsmitglieder werden in Gruppenabstimmung ohne Gegenstimmen bestätigt.

Protokoll der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008 | 83


TOP 8: Verschiedenes Dem scheidenden Schatzmeister Helmut Duckart und dem scheidenden Schriftführer Jochen Männig wird für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit im Vorstand auf das Herzlichste gedankt. Beide erhalten die Gedenkmedaille des Pförtner Bundes und je nach eigenem Interesse ein Buch über 1000 Lokomotiven bzw. über die Glockenlandschaft in Sachsen-Anhalt. Nach ihren erwidernden Dankesworten überreicht rect. port. Westermeyer als Zeichen des Dankes auch der Schule die Pforta-Krawatte.

TOP 9: Ernennung Jochen Kreyssigs zum Ehrenvorsitzenden des Pförtner Bundes Der ehemalige Vorsitzende des Pförtner Bundes Jochen Kreyssig wird als Anerkennung für seine vielfältigen Verdienste um den Bund und die »Idee Pforta« unter einhelliger Zustimmung und großem Applaus aller Anwesenden zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In seinem Dank für diese Ehrung erwähnt er, dass er seit 55 Jahren Mitglied des seit 82 Jahren bestehenden Pförtner Bundes ist, dessen Vorsitzender er 12 Jahre war. Die Pforte habe den meisten Einfluss auf sein Leben ausgeübt. Seine sich auf Pforta beziehenden Erinnerungen liegen (noch unter Verschluss) im Archiv des Pförtner Bundes.  Dresden, am 8. Juni 2008 Hultsch

Maser – Vorsitzender –

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Protokoll der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008 | 85


PförtnerAbende Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Str. 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Frankfurt/M.

zz. nicht besetzt

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

Karlsruhe/Oberrhein

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

86 | Pförtnerabende

Hannover

zz. nicht besetzt

Leipzig

Jan Schwartze Lobstädter Straße 13 04279 Leipzig Tel. 0341 | 3390054 Tel. mob. 0176 | 52277505 j.schwartze@poerner.de

München

Ronny Michael Radke Cecinastraße 68c 82205 Gilching Tel. 08105 | 391172 ronnymichaelradke @web.de

Münster

Stephan Kreutz Münsterstraße 54 59348 Lüdinghausen Tel. 02591 | 6852 sukreuz@t-online.de

&

Dr. Wolfgang Knackstedt Rubensstraße 190 48165 Münster Tel./Fax 02501 | 25935 drwoknack@gmx.de

Pforta

Der Vorsitzende des Pförtner Bundes e.V. Prof. Dr. Peter Maser (vgl. Impressum)

Schwerin/Mecklenburg-­ Vorpommern zz. nicht besetzt

Thüringen

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase @t-­online.de

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Carl-Duisberg-Straße 24 53121 Bonn Tel. 0228 | 220702 webmaster@akel.de

Anschrift der Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 landesschule@pforta.de


Impressum Vorsitzender

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 Fax 034463 | 62491 peter.maser@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Friedrich-Nietzsche-Straße 18 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 61963 CPohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Bad Kösen Tel. 034463 | 27544

Redaktion und Gestaltung David Ortmann Mendelssohnstraße 9 06844 Dessau-Roßlau Tel. 0340 | 8591763 Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Gesamtherstellung

Saale-Druck Naumburg GmbH Topfmarkt 7 06618 Naumburg Tel. 03445 | 24370

Konten Pförtner Bund e. V.

Jahresbeitrag zurzeit 40 Euro Postbank Hamburg Nr. 10 584 200 (Beitragskonto) (BLZ 200 100 20) Deutsche Bank Naumburg Nr. 646 337 600 (BLZ 860 700 24)

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West Nr. 53 222 601 (BLZ 201 902 06)

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Maik Reichel Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 Beiträge für DIE PFORTE können Sie per E-Mail an die Redaktion schicken (david.ortmann@gmail.com) oder an das Zentrum Pförtner Bund, Schul­straße 22, 06628 Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende Dezember 2010

Foto (S. 85 und 4. Umschlagseite): David Ortmann für DIE PFORTE

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 62 | 2009 009 2

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Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 62/2009  

Die 62. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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