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SPEKTAKEL SCHAUSPIEL · MUSIKTHEATER · KONZERT · BALLETT · PUPPENTHEATER

DIE THEATERSEITEN

KOLUMNE

PREMIERE

Ausgabe August/September 2017

Absurdes Theater – bunt, schrill und laut „Le Grand Macabre“ inszeniert von Erfolgsregisseur Herbert Fritsch

Rudolf Hild ist freischaffender Komponist und Arrangeur.

Was führt einen Menschen an die Tankstelle? Der Mangel an Benzin oder Diesel. Was führt einen Menschen in der Nacht an die Tankstelle? Wahrscheinlich der Mangel an richtigen Getränken oder anderen Drogen. Was treibt einen Menschen in der Weihnachtszeit in der Nacht an die Tankstelle? Vermutlich der Mangel an menschlicher Wärme, die Flucht vor der Einsamkeit oder die Angst vorm seelischen Untergang. Solche und ähnliche Fragen hängen über Franz Wittenbrinks „NachtTankstelle“, dem Kultmusical aus Hamburg. Um der großen Publikumsnachfrage gerecht zu werden, zeigen wir die Produktion in der neuen Spielzeit erstmals auf der Bühne im Großen Haus. Als das Stück sich noch in der Planungsphase befand, fuhren wir mit dem Regieteam zum Kennenlernen nach Hamburg. Hier ging die „Nacht-Tankstelle“ als szenischer Liederabend am St.-Pauli-Theater bereits in seine achte Spielsaison. Es war gerade wieder mal Weihnachtszeit und wir standen nach der Vorstellung an der Reeperbahn auf dem Weihnachtsmarkt, mit Glühwein in der Hand, und disputierten, wie wir das Stück logisch nachvollziehbar auf die Meininger Bühne bringen können. Aufgrund seiner sehr eindeutigen und unmissverständlichen lokalen Bezüge hatte es, trotz der großen Erfolgsgeschichte, bis dato noch kein einziges Theater nachgespielt. Wir sollten die ersten sein, die dieses Wagnis wagen! Es wurde viel geredet, aber auch nicht minder viel getrunken. Irgendwann stellte Christian Rinke die Frage nach einem passenden Namen für die Band. Band ist gut – es waren ja nur drei Musiker, inklusive mir, geplant. Irgendwann fiel der Name „Rudis Cover Band“. Das klang erstmal sehr sachlich und nüchtern. Aber weil wir schon lange nicht mehr nüchtern waren, stach uns auch gleich das Potential des Namens ins Auge: RU DISCOVER BAND. Bei entsprechender farblicher Gestaltung, tritt das Wort discover in Erscheinung. „Discover“ – entdecken. Das wollte uns gefallen. Denn zu entdecken gab es bei der Umsetzung sehr viel, wenn man mit drei Musikern auf engstem Raum eine musikalische Stilvielfalt von Bachs Weihnachtsoratorium über ein Schubert-Lied über Herbert-Grönemeyer-Rock bis zum Aggro-Rap bedienen will. Und so entdeckten wir schließlich, wie man aus einem schwarzen Plaste-Eimer eine Bassdrum machen kann, aus einer EGitarre mit Geigenbogen eine Drehleier oder wie Tankstellenutensilien – Benzinkanister, Ölfässer, Bürsten etc. – zu Rhythmusinstrumenten werden. Bei den Proben im Ensemble haben auch wir uns selbst und gegenseitig entdeckt. In dem für uns alle aufregenden und spannungsreichen Probenprozess hat sich ein jeder mit seinen, zum Teil auch bislang unbekannten, Fähigkeiten und Fertigkeiten eingebracht. Das Resultat: eine musikalische Schauspiel-Revue, in der sieben SchauspielerInnen und drei Musiker siebzehn Rollen und dreiundzwanzig Instrumente spielen, darunter u. a. ein A-cappella-Chor, ein Blockflöten-Terzett und 36 Songs – ernste und heitere, berührende und martialische, besinnliche und komische. Freuen Sie sich auf einen zu Herzen gehenden musikalischen Theaterabend, der erahnen lässt, dass zu Weihnachten für den Menschen die Geschenke nicht das Wichtigste sind.

György Ligetis 1977 vollendete und 1996 revidierte aberwitzige Anti-Oper ist in ihrer überbordend barocken Anlage eine groteske Parabel auf den Krieg, angereichert mit Elementen aus absurdem Theater, mittelalterlichem Totentanz und wildem Jahrmarktsspektakel. Sie ist wie gemacht für den hochdekorierten Regisseur Herbert Fritsch und seine Markenzeichen: ungezügelte Spiellust, bildnerische Opulenz, rückhaltlose Energie, krasse Unterhaltung voller Hintersinn, Schalkhaftigkeit und Subversion. Es ist ordentlich was los in dieser grotesken Farce des österreichisch-ungarischen Komponisten György Ligeti (1923 – 2006), der zu den größten der europäischen Avantgarde zählte. Wir befinden uns in einem barocken Wimmelbild inspiriert von Breughel und Bosch, in das der belgische Autor Michel de Ghelderode 1934 die literarische Vorlage „La Balade du Grand Macabre“ verortete. Der Schauplatz Breughelland „im soundsovielten Jahrhundert“ ist Himmel und Hölle in einem, vertraut und grausam zugleich, zart, schön und doch so vulgär. Kometen kreisen, die Posaunen des Jüngsten Gerichts ertönen, Alkohol fließt durch raue Kehlen. In Ligetis rabenschwarzem Totentanz steigt Nekrotzar – der     OPER Eine Kooperation mit dem Luzerner Theater Die Aufführungen werden großzügig unterstützt von Musikalische Leitung: GMD Philippe Bach Regie & Bühne: Herbert Fritsch Kostüme: Bettina Helmi Chor: Mark Daver Dramaturgie: Brigitte Heusinger Mit: Solistinnen und Solisten sowie Chor des Luzerner Theaters; Meininger Hofkapelle PREMIERE: FR, 29.09., 19.30 Uhr, Großes Haus WEITERE VORSTELLUNG: SA, 30.09., 19.30 Uhr, Großes Haus

„Der Triumph des Todes“, Pieter Bruegel der Ältere, Gemälde um 1562

große Makabre – aus seinem Grab. Sein Plan ist es, um Mitternacht die Welt untergehen zu lassen. Doch die Mächtigen streiten, saufen und kopulieren. Der infantile Fürst Go-Go frönt der Fresslust, seine Minister drangsalieren ihn und erhöhen fleißig die Steuern. Das Volk säuft ebenfalls, kopuliert und revoltiert. Selbst Nekrotzar, der Tod, waltet nicht mehr seines Amtes, sondern trinkt sich seinerseits in die Bewusstlosigkeit. Alldieweil rauscht der Katastrophenkomet haarscharf an der Erde vorbei. So muss der Weltuntergang leider ausfallen. Herbert Fritsch, der laut dem Magazin „Der Spiegel“ „der älteste und erfolgreichste Nachwuchsregisseur im deutschsprachigen Raum“ ist, und dessen Arbeiten inzwischen

PREMIERE

von Moskau bis Japan gezeigt werden, trifft auf György Ligetis einzige rasante Oper: Humor auf Humor, absurdes Volkstheater auf pralle, bunte, kraftvolle Interpretation. Ligetis Musik, obgleich tief verwurzelt in den Formenwelten und Klangreden der Tradition – ist komplex gebaut, überladen, originell und geistreich instrumentiert und barock auf seine Art und Weise. Ein Orchesterapparat, in dem das Schlagwerk den Orchesterklang staatstragend bestimmt, und Ligetis Komposition auch ansonsten alle Register zieht: Autohupen hupen und Türklingeln klingeln. Wir hören derbe, abstruse, lautmalerische, persiflierende Effekte, akrobatischen Belcanto, grotesken Sprechgesang, rhythmische Schichtungen und Verschiebungen, angerei-

chert mit vertrauten musikgeschichtlichen Reminiszenzen und Zitaten. Und der am tiefsten in die opulente Ausstattungskiste greifende und lustvoll üppig inszenierende Regisseur und Bühnenbildner Herbert Fritsch steht wohl am meisten für das, was wir heute als „barock“ verstehen könnten. Fritsch macht ernst mit Komödie und verspricht seinen Zuschauern die „Kurzweil, im besten Falle sogar einen Rausch“. Auf die Frage, was er eigentlich tue, antwortet Fritsch: „Ich mache Theater. Mit Leidenschaft, Phantasie und Sehnsucht nach Glück. Den Leuten was vorspielen. Das Raffinement entdecken. Leute zum hysterischen Lachen bringen. Leute betrügen. Mit den Leuten spielen. Die Leute irritieren.“

Ein atemloser Opernkrimi Ansgar Haag inszeniert Giacomo Puccinis „Tosca“

Werbefoto: Camila Ribero-Souza

Sie ist eine gefeierte Sängerin, eine leidenschaftliche Liebende und eine fromme Gläubige: Floria Tosca. Sie und ihr Geliebter, der Maler Mario Cavaradossi, erleben einen rasanten Krimi angetrieben von Intrigen, Folter und Eifersucht, an dessen Ende es die – selbst für tragische Opern – erschütternde Anzahl von vier Toten gibt. Auf die Schauspielvorlage des französischen Dramatikers Victorien Sardou, der „La Tosca“ der berühmten Schauspielerin Sarah Bernhardt auf den Leib schrieb, komponierte Giacomo Puccini seine veristische Oper „Tosca“, was George Bernard Shaw zu dem Ausruf verleitete: „Wie gut, dass ‚Tosca‘ eine Oper geworden ist“, denn das Drama schien ihm sehr „geschwätzig“ und „geschichtslastig“. Von der Historie blieben Zeitpunkt und Ort: 17. Juni 1800 in Rom – Napoleon besetzt Italien und führt in Marengo die Entscheidungsschlacht. Königin Maria Karolina von Neapel-Sizilien, die Schwester der hingerichteten Marie Antoinette, lässt durch ein strenges Polizeiregime Republikaner gnadenlos verfolgen. Machtspiele und Terror waren zum Uraufführungszeitpunkt 1900 genau so aktuell wie auch heute noch. Für die großen Gefühle fand Puccini mitreißende italienische Melodien, allen voran die bekannten Arien „E lucevan le stelle“ und „Vissi d’arte“, und setzte die Gewalt der Handlung in eine kraftvolle Musiksprache um, die Julius Korngold einst als „Folterkammer-

musik“ bezeichnete. Puccini selbst äußerte sich zu den Forderungen nach einer poetischeren Musik: „Die Stimmung der ‚Tosca‘ ist nicht romantisch und lyrisch, sondern leidenschaftlich, qualvoll und düster. Hier haben wir es nicht nur mit guten Menschen zu tun, sondern auch mit abgefeimten Schurken wie Scarpia und Spoletta … Mit ‚Tosca‘ wollen wir das Gerechtigkeitsgefühl der Menschen aufrütteln und ihre Nerven ein wenig strapazieren. Bis jetzt waren wir sanft, jetzt wollen wir grausam sein.“ Intendant Ansgar Haag inszeniert den fesselnden Opernthriller – an seiner Seite steht (wie bereits bei „Die Meistersinger von Nürnberg“) Choreografin Zenta Haerter. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des 1. Kapellmeisters Chin-Chao Lin, für den „Tosca“ nach „Hoffmanns Erzählungen“ die zweite Opernproduktion in Meiningen ist. Für Bühne und Kostüme zeichnen Dieter Richter und Renate Schmitzer verantwortlich, die gerade einen vielbeachteten neuen „Ring“-Zyklus mit Dietrich Hilsdorf an der Deutschen Oper am Rhein begonnen haben, und in Meiningen zuletzt mit Ansgar Haag „Lucia di Lammermoor“ (Schmitzer) und „Katja Kabanova“ (Richter) realisierten. Mit der Titelpartie der Floria Tosca verabschiedet sich die brasilianische Sopranistin Camila Ribero-Souza nach über sechs Jahren aus Meiningen – 2018 tritt sie ein Engagement am Nationaltheater Weimar an. Als ihr

Geliebter Cavaradossi ist Xu Chang alternierend mit dem jungen Gasttenor Nutthaporn Thamati zu erleben, auf eine der grausamsten Figuren der Opernliteratur darf sich Dae-Hee Shin als Scarpia freuen. Mit der Partie des Angelotti stellt sich Ensembleneuzugang Daniel Pannermayr erstmals dem Meininger Publikum vor.

    OPER Musikalische Leitung: Chin-Chao Lin Regie: Ansgar Haag Bühne: Dieter Richter Kostüme: Renate Schmitzer Chor: Martin Wettges Choreografie: Zenta Haerter Dramaturgie: Anna Katharina Setecki Mit: Camila Ribero-Souza, Marianne Schechtel; Marián Krejcˇík, Stan Meus, Mikko Järviluoto, Daniel Pannermayr, DaeHee Shin, Xu Chang/ Nutthaporn Thammathi, u. a., Chor, Extrachor und Statisterie des Meininger Staatstheaters, Kinderchor der Meininger Kantorei, Meininger Hofkapelle MATINEE: SO, 27.08., 11.15 Uhr, Foyer Großes Haus – Eintritt frei PREMIERE: FR, 08.09., 19.30 Uhr und SO, 10.09., 19.00 Uhr, Großes Haus WEITERE VORSTELLUNGEN: MI, 13.09. und FR, 22.09., jeweils 19.30 Uhr, Großes Haus


Schauspiel eröffnet neue Saison im Großen Haus mit „Kleiner Mann – was nun?“ Eine Revue von Tankred Dorst und Peter Zadek nach dem Roman von Hans Fallada

■ IM FOKUS

Durch dieses Buch geht als eine „Lichtgestalt“, als große, tiefe Freude, das Lämmchen. Ihr wisst nicht, wer Lämmchen ist, nicht wahr? Aber ich sage euch, und es ist mir heiliger Ernst, mit dem ich es sage, ihr müsst dieses Lämmchen kennenlernen. Alle, alle. Die Frau ebenso wie die Männer. Von diesem Lämmchen sollt ihr lernen, wie man dieses armselige Leben anpackt und es gestaltet und „Ja“ zu ihm sagt. Wie man sich nicht kleinkriegen lässt, wie man auch im Schlimmsten noch das Gute sieht, das darin oder dahinter verborgen ist. Lest, lest, wie das Lämmchen seinen Mann – den Pinneberg – der bestimmt ein kleiner Mann und manches Mal nur ein halber und schwacher Mann ist, lieb‘ hat, ihn behandelt, mit ihm umgeht, und, was das Wichtigste ist: zurecht kommt. (Aus einem Leserbrief an Fallada, 1932)

Und plötzlich ist die Kälte weg Als der fünfundzwanzigjährige Rudolf Ditzen seinen ersten Roman schreibt, verlangt sein Vater von ihm, dass dessen Veröffentlichung nicht unter seinem Namen geschehen dürfe. So kommt es, dass Ditzen sich nun fortan Hans Fallada nennt. Sowohl den Vor- als auch den Nachnamen entlehnt er Grimm’schen Märchen. Die Auswahl der Namen erfolgt nicht zufällig: Falada (bei Grimm mit nur einem „L“) heißt das Pferd, dem der Kopf abgeschlagen wird, weil es die Wahrheit auszusprechen vermag; und der Hans macht sein Glück, indem er alles verliert. Der 1893 in Greifswald Geborene ist der Sohn eines Landrichters, der schnell zum Kammergerichtsrat aufsteigt. Dessen Wunsch, dass der Sohn ebenfalls eine erfolgreiche Beamtenlaufbahn einschlägt, erfüllt sich nicht. Schon in jungen Jahren legt Rudolf („Hans“) mehrfach Hand an sich. Als das misslingt, greift er schon mit siebzehn Jahren zum Morphium, und diese Sucht begleitet ihn bis zu seinem frühen Tod 1947. Weil er im 1. Weltkrieg für den Militärdienst untauglich ist, schlägt Rudolf Ditzen eine Laufbahn als Angestellter ein, ist u. a. in Berlin bei einer Kartoffelbaugesellschaft und auf mehreren Gütern in Pommern, Westpreußen, Mecklenburg, Schlesien und Brandenburg angestellt. Für die Behandlung der Morphiumsucht muss er sich im Laufe seines Lebens immer wieder in eine klinische Behandlung begeben. Da er für den Erwerb der Droge immer größere Geldmengen benötigt, lässt er sich mehrmals zu Unterschlagungen hinreißen, für die er lange Gefängnisstrafen verbüßen muss. Dennoch – seine Eltern halten zu ihm. Nach dem Ausscheiden aus der Berliner Kartoffelbaugesellschaft finanzieren sie ihm ein „schriftstellerisches Probejahr“. Dass er zum Schriftsteller geboren ist, steht für Fallada schon fest, als er siebzehn Jahre alt ist. Allerdings stellen sich die Erfolge in diesem Beruf erst 1929 mit dem Roman „Bauern, Bonzen und Bomben“ ein. Als einen „grellbunten Bilderbogen aus dem Leben einer norddeutschen Kleinstadt“ beschreibt ihn Hermann Hesse, den Falladas Verleger Rowohlt um eine wohlwollende Rezension gebeten hatte. Noch mehr als von diesem Buch ist Hesse allerdings von dem nächsten Roman angetan, und seine positive Meinung teilen unter anderem Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Jakob Wassermann, Robert Musil. Es handelt sich um „Kleiner Mann – was nun?“, 1932 veröffentlicht. „Eine wunderbar melancholische Liebesgeschichte, die ihren Zauber aus der Absichtslosigkeit und ihre

Werbefoto: Björn Boresch, Meret Engelhardt

Glaubwürdigkeit aus dem persönlichen Erleben bezieht“, schreibt Peter Walther in seiner 2017 erschienenen großartigen Fallada-Biographie. Falladas Kunst speist sich in der Tat nicht aus Erdachtem, sondern Gefundenem:

Der durch die Zeiten wandert

Tankred Dorst

der Befindlichkeit kleiner und mittlerer Angestellter, der Enge der mecklenburgischen Kleinstadt, der Mentalität großer und kleiner „Chefs“ und der Energie der Frauen. Diese vor allem ist für Hans Fallada selbst die ent-

Beim Abschied unseres, wie sich im Nachhinein erweisen sollte, letzten Treffens, sagte Tankred zu mir: „Gute Freunde müssen zusammen arbeiten.“ Und dabei drückte er fest meine Hand. Wir hatten tatsächlich Pläne oder besser gesagt, den konkreten Plan, sein Stück „Korbes“ noch einmal in Berlin auf die Bühne zu bringen. Mit diesem meinem Lieblingsstück begannen auch meine ersten Theatererfahrungen vor nunmehr 20 Jahren. In meiner damaligen Studentenbude probte ich, zusammen mit guten Freunden, die gewaltigen Szenen des Stückes. Die kraftvolle, sinnliche Sprache, die dramatische Zuspitzung und religiöse Weitsicht begeisterten (und begeistern) mich zutiefst. Und so war es kein Zufall, dass ich 2005 die Gelegenheit ergriff, „Korbes“ am Deutschen Theater Berlin zu inszenieren, u. a. mit ebendiesen Freunden. Zu diesem Anlass traf ich erstmals Ursula Ehler-Dorst.

scheidende Lebenshilfe: 1928 lernt er Anna Issel kennen, die er immer nur „Suse“ ruft und die er 1929 heiratet. 1930 wird ihr erstes Kind geboren, der Sohn Uli, den sie „Murkel“ nennen. Ohne Suse hätten sich die enorme Schreibfähigkeit und der liebenswürdige Humor Falladas kaum so entfaltet, dass nach dem überraschendem Welterfolg des „Kleinen Mannes“ in der Folgezeit eine ganze Reihe von Büchern geschrieben werden können, die bis heute gern gelesen werden: „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, „Wolf unter Wölfen“, „Der eiserne Gustav“, die „Geschichten aus der Murkelei“, schließlich nach der bedauerlichen Scheidung von Suse „Der Trinker“ und nach dem Krieg 1946 „Jeder stirbt für sich allein“. Für den „Kleinen Mann“ hatte Fallada seinem Verleger Rowohlt angekündigt, dass er „das Schicksal des kleinen Angestellten ohne besondere Fähigkeiten, eines von Hunderttausenden“ schildern wolle. „Aber doch soll das Buch nicht trübe sein, er ist es ja auch nicht, er hängt am Leben und mit ihm erlebt der Leser die Spannungen seines Daseins wie: Wie kommen wir mit unserem Geld aus? Was macht das Kind? Werde ich gekündigt? Was wird nun? Was in sein Leben reicht, wird gezeigt: die Arbeitgeber, die gleichgültigen, die ausnutzenden, die pedantischen. Die Misere der Krankenkassen, die Tätigkeit Arbeitslossein, die Plage Wohlfahrtsamt, die Wohnungsnot.“ Als das Buch 1932 fertig ist, ist seine reiche Geschichte komprimiert und vor allem konzentriert. Konzentriert auf die Beziehung des Angestellten Johannes Pinneberg zu seiner Freundin und späteren Frau, die er liebevoll „Lämmchen“ nennt. Ohne Zweifel steht hinter dieser tapferen, humorvollen und energetischen jungen Frau Falladas „Suse“. Johannes ist der kleine Angestellte, der zwischen allen Stühlen steht, der sich an Straßenanzug und Stehkragen klammert und doch von allem lassen muss. Der nichts so sehr fürchtet wie das Absinken in den Proletenstand. Fallada hatte, als er den Roman konzipierte, die Studien über die Angestellten von Siegfried Kracauer gelesen. Da stand u. a.: „Die Angestellten nähren ein falsches Bewusstsein. Sie möchten Unterschiede bewahren, deren Anerkennung ihre Situation verdunkelt; sie frönen einem Individualismus, der dann allein sanktioniert wäre, wenn sie ihr Geschick noch als einzelne gestalten könnten. Eine verschollene Bürgerlichkeit spukt in ihnen nach. Die Masse der Angestellten unterscheidet sich vom Arbeiter-Proletariat darin, dass sie geistig obdachlos ist. Zu den Genossen kann sie vorläufig nicht hinfinden, und das Haus der bürgerlichen Begriffe und Gefühle, das sie bewohnt hat, ist eingestürzt, weil ihm durch die wirtschaftliche Entwicklung die Fundamente entzogen worden sind.“ Viele Leser erkennen sich in Johannes Pinneberg wieder, und sie wünschen sich, wie dieser eine Frau wie Lämmchen an ihrer Seite zu haben. Die Kraft und der Humor, die diese Beziehung auszeichnen, sicherten dem Roman den Riesenerfolg, der bis in unsere Tage währt. Der große Romancier Jakob Wassermann schrieb 1932: „Lieber Herr Fallada, um es ohne Umschweife zu sagen: Ihr Buch hat mich entzückt. Sonderbar, bei der völlig naturalistischen Methode, die Sie wählen und die Ihnen glückt wie kaum einem anderen, hat man doch am Schluss den Eindruck, ein

Ihre rotlockige, lebendige Erscheinung hinterließ natürlich einen bleibenden Eindruck. Tankred selbst begegnete ich erst 2016 am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Und seitdem sahen wir uns regelmäßig in Berlin. Schon vor vielen Jahren erzählte mir meine Oma, dass sie Tankred 1942 begegnet war, bei einem Ernteeinsatz der höheren Schulklassen auf einem Feld in der Nähe von Oberlind, Tankreds Geburtsort. Sie waren 16, 17 Jahre alt. Nach dem Krieg ging Tankred zum Studium nach Bamberg, später nach München. Meine Oma begann eine Ausbildung in der Landwirtschaft und blieb in dem Dorf, das ins Sperrgebiet der ehemaligen DDR fiel. Zweihundert Meter hinter unserem Haus begann die innerdeutsche Grenze. Trotz aller Geschehnisse ist ihre Erinnerung an ihn als den stattlichen, klugen, so eigenen jungen Mann lebendig geblieben. Ein dreiviertel Jahrhundert später wird Tankred auch mich weiter begleiten – durch

Volksmärchen gelesen zu haben.“ Robert Musil („Der Mann ohne Eigenschaften“), telegrafiert: „In Falladas Büchern ist Menschengeruch. Das Leben zappelt in ihnen. Es entzückt durch seine Natürlichkeit.“ Carl Zuckmayer lobt in der „Vossischen Zeitung“: „Er hat etwasgeschaffen, was weit über den sogenannten ‚Zeitroman‘ hinausgeht, auch weit über die Kategorie des Nur-Realistischen, Abgeschilderten, Aus-der-Nähe-Gesehenen; – er hat eine Welt voll Enge, Dumpfheit, Muffigkeit, voll schlechter Luft und üblen Odems, so zart gedichtet, so zart und stark, dass sie erlöst wird aus ihrer Finsternis, und Duft, Glanz, Wärme bekommt.“ Schließlich trifft der Theaterkritiker Herbert Ihering das innere Geheimnis der literarischen Leistung: „Fallada gibt der kleinbürgerlichen Enge einen leisen Karl-May-Schimmer, einen leichten phantastischen Dreh, einen kleinen sympathischen Schwindel - und die Wirkung ist märchenhaft. Niemals ist der Erfolg eines Buches erklärlicher gewesen als dieser. Die Mischung hat es gemacht. Die Mixtur aus Lebensschwierigkeit und Lebenshoffnung.“ Kein Wunder ist es, dass Fallada Verfilmungsangebote erhält. Aus den USA und aus Deutschland. Hier soll es Bertold Viertel mit der Musik von Kurt Weill und den damals so riesig erfolgreichen Comedian Harmonists auf die Leinwand bringen. Die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten verhindern diese Besetzung, der Film kommt ohne die jüdischen Künstler zustande. Das berühmte Lied „Kleiner Mann – was nun?“ haben die Comedian Harmonists dennoch für diesen Film geschrieben. Mit den Faschisten will sich Fallada nicht arrangieren, aber er geht auch nicht in den Widerstand gegen sie. Erst nach dem Zusammenbruch des Hitlerreichs setzt er dem Widerstand mit dem Roman „Jeder stirbt für sich allein“ ein berührendes Denkmal. „Kleiner Mann – was nun?“ wird 1967 sehr erfolgreich vom DDR-Fernsehen verfilmt. In der Bundesrepublik bringen der Dramatiker Tankred Dorst (1925–2017) und der Regisseur Peter Zadek den Roman in einer sehr geschickten Bearbeitung auf die Bühne, die sie eine „Revue“ nennen. Für die neue Inszenesetzung des Romans jetzt in Meiningen greift die junge Regisseurin Yvonne Groneberg, 1975 in Hildburghausen geboren und Tankred Dorst sehr verbunden, auf diese Bearbeitung zurück. Groneberg hat sich in mehreren Theaterprojekten, die überregionales Aufsehen erregten, mit dem Schicksal Geflüchteter und ihrer tapferen deutschen Helfer beschäftigt.     SCHAUSPIEL Regie: Yvonne Groneberg Bühne & Kostüme: Kerstin Jacobssen Komposition: Jörg Hauschild Dramaturgie: Hans Nadolny Mit: Meret Engelhardt, Julia Steingaß, Ulrike Walter, Carla Witte, Christine Zart; Peter Bernhardt, Reinhard Bock, Björn Boresch, Matthias Herold, Hans-Joachim Rodewald, Renatus Scheibe, Sven Zinkan, Statisterie des Meininger Staatstheaters MATINEE: SO, 17.09., 11.15 Uhr, Foyer Großes Haus – Eintritt frei PREMIEREN: MI, 27.09., 19.30 Uhr und SO, 01.10., 19.00 Uhr, Großes Haus

seinen Humor, seine Feinheit, präzisen monolithischen Figuren und seine Dramen. Es freut mich ganz besonders, in Meiningen, Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ in seiner Fassung zu inszenieren. „Gute Freunde müssen zusammen arbeiten.“ Yvonne Groneberg Potsdam, 18.06.2017 Tag der Gedenkfeier für Tankred in Berlin

Yvonne Groneberg


August / September 2017

SEPTEMBER 2017 AUG.

AUG.

EINFÜHRUNG ZUM SINFONIEKONZERT 1. SINFONIEKONZERT

Foyer 18.30–19.15 UHR

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MATINEE TOSCA

Foyer 11.15–12.30 UHR Freier Eintritt

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FEIERLICHE ERÖFFNUNG DER SPIELZEIT 2017–2018

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KOSTPROBE THEATER, TOD UND TEUFEL

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mit Werken von F. Mendelssohn Bartholdy, P. Ben-Haim und G. Mahler Dirigent: GMD Philippe Bach, Solist: Itamar Zorman, Violine Meininger Hofkapelle

Großes Haus 19.30–22.00 UHR KA

Großes Haus Kammerspiele 11.00 UHR Kammerspiele 19.00–19.45 UHR Freier Eintritt Großes Haus 19.30 UHR PF

Oper von Giacomo Puccini Premiere Musikalische Leitung: Chin-Chao Lin, Regie: Ansgar Haag, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer, Chor: Martin Wettges, Choreografie: Zenta Haerter Mit: Camila Ribero-Souza, Marianne Schechtel; Marián Krejcˇík, Stan Meus, Mikko Järviluoto, Daniel Pannermayr, Dae-Hee Shin, Xu Chang/Nutthaporn Thammathi, u.a., Chor und Extrachor des Meininger Theaters, Kinderchor der Meininger Kantorei, Meininger Hofkapelle, Statisterie

NACHT-TANKSTELLE

Eine musikalische Nachtrevue nach Franz Wittenbrink Wiederaufnahme Musikalische Leitung: Rudolf Hild, Regie: Johanna Hasse, Ausstattung: Christian Rinke Mit: Evelyn Fuchs, Julia Steingaß, Carla Witte; Björn Boresch, Yannick Fischer, Peter Liebaug, Renatus Scheibe Musiker: Stefan Groß, Rudolf Hild, Uwe Schamberger

ABENTEUER MIT DER MAUS NO 1

Theaterexpedition für Kinder ab 4 Jahren Mit: Mitarbeitern/Künstlern des Meininger Staatstheaters

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FOYER UM DREI

Großes Haus 19.30–22.00 UHR RF

Kammerspiele 11.00–12.00 UHR

Großes Haus 19.00 UHR PS

THEATER, TOD UND TEUFEL

Bühnensaga von Aron Craemer/Mandy Rudski Uraufführung Regie: Aron Craemer, Mandy Rudski, Bühne: Helge Ullmann, Kostüme: Christian Rinke, Komposition/Liedertexte: Aron Craemer Mit: Evelyn Fuchs, Mira Elisa Goeres, Mandy Rudski; Phillip Henry Brehl, Yannick Fischer, Vivian Frey, Peter Liebaug, Statisterie des Meininger Staatstheaters

NACHT-TANKSTELLE

Großes Haus 15.00–18.10 UHR Oper von Jacques Offenbach Wiederaufnahme Einführung 14.15 Uhr Foyer RSen Musik. Leitung: Chin-Chao Lin, Regie: Christian Poewe, Bühne: Christian Rinke, Kostüme: Tanja Hofmann, Chor: Martin Wettges Mit: Elif Aytekin, Carolina Krogius, Monika Reinhard, Camila Ribero-Souza, Christiane Schröter; Mikko Järviluoto, Steffen Köllner, Marián Krejcˇík/ Daniel Pannermayr, Sangjun Lee, Thomas Lüllig, Scott MacAllister, Stan Meus, Dimitar Sterev, Xu Chang; Chor und Statisterie des Meininger Staatstheaters, Meininger Hofkapelle

Kammerspiele 20.00 UHR PK2

MEININGER STAATSTHEATER Bernhardstr. 5 · 98617 Meiningen Intendant Ansgar Haag · Verwaltungsdirektor Ulrich Katzer

Theaterkasse 03693-451-222 oder -137 www.meininger-staatstheater.de · facebook.com/meiningerstaatstheater twitter.com/diemeininger · instagram.com/meiningerstaatstheater

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RONJA RÄUBERTOCHTER

Kammerspie 10.00–11.15 UH

Puppenspiel nach Astrid Lindgren für Zuschauer ab 5 Jahren

TOSCA

Großes Hau 19.30 UH R

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Einführung 18.45 Uhr Foyer

THEATER, TOD UND TEUFEL

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Großes Hau 19.30–22.40 UH R

Kammerspie 20.00 UH

Bühnensaga von Aron Craemer/Mandy Rudski

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HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Kammerspie 11.00–12.15 UH

Oper von Jacques Offenbach

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Foyer 11.15–12.30 UHR Freier Eintritt

RONJA RÄUBERTOCHTER

Puppenspiel nach Astrid Lindgren für Zuschauer ab 5 Jahren Regie & Buch: Dietmar Horcicka, Musik: Ludger Nowak, Figuren: Udo Schneeweiß, Bühne: Janine Hoffmann Mit: Roland Klappstein, Sebastian Putz, Falk P. Ulke

SA

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FR

MATINEE KLEINER MANN – WAS NUN?

Kammerspie 10.00–11.00 UH

Oper von Giacomo Puccini

Großes Haus 19.30–21.45 UHR RD

Kammerspiele 20.00 UHR PK

BLUBB!

Puppenspiel von Maria C. Zoppeck und Jörg Schmidt für Zuschauer ab 4 J. Regie: Jörg Schmidt, Buch: Maria C. Zoppeck, Jörg Schmidt, Ausstattung: Janine Hoffmann, Komposition: Ekkehard Hauenstein Mit: Maria C. Zoppeck

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Eine musikalische Nachtrevue nach Franz Wittenbrink

THEATER, TOD UND TEUFEL

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Großes Haus 19.30 UHR RB

Großes Haus 19.30–22.00 UHR

Bühnensaga von Aron Craemer/Mandy Rudski

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Foyer 15.00–16.00 UHR

Melodramma in drei Akten von Giacomo Puccini

Musical von Andrew Lloyd Webber Wiederaufnahme Musikalische Leitung: Martin Wettges, Regie: Kurt Josef Schildknecht, Bühne: Helge Ullmann, Kostüme: Annette Mey, Choreografie: Julia Grunwald, Chor: Martin Wettges Mit: Monika Reinhard/Carolina Krogius, Julia Steingaß; Michael Jeske, Stan Meus, Sven Zinkan, Chor des Meininger Staatstheaters, Kinderchor der Meininger Kantorei, Ballett des Landestheaters Eisenach, Meininger Hofkapelle

MO

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Oper von Giacomo Puccini Premiere

Theaternachmittag für alle Interessierten Mit: Aldona Farrugia

Ulrike Walth Hans-Joachim Rodewa Wer hat Angst vor Virginia Woo © Marie Lieb

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T h e a t e r k a s s e 0  3 6  9 3  /  4 5 1  2 2 2 o. 1 3 7 w w w. m e i n i n g e r- s t a a t s t h e a t e r. d e

EVITA

Großes Hau 19.00–21.15 UH

Musical von Andrew Lloyd Webber

KLEINER MANN – WAS NUN?

Großes Hau 19.30 UH R

LE GRAND MACABRE

Großes Ha

Eine Revue von Tankred Dorst und Peter Zadek nach dem Roman von Hans Fallada Premiere Regie: Yvonne Groneberg, Bühne & Kostüme: Kerstin Jacobssen Mit: Meret Engelhardt, Julia Steingaß, Ulrike Walther, Carla Witte, Christine Zart; Peter Bernhardt, Reinhard Bock, Björn Boresch, Matthias Herold, Steffen Köllner, Hans-Joachim Rodewald, Renatus Scheibe, Sven Zinkan, Statisterie

Oper von György Ligeti 19.30 UH Eine Koproduktion mit dem Luzerner Theater Premiere P Musikalische Leitung: GMD Philippe Bach, Regie & Bühne: Herbert Fritsch, Kostüme: Bettina Helmi Mit: Solistinnen und Solisten des Luzerner Theaters, Chor des Luzerner EI N ZW Theaters, Meininger Hofkapelle UR UNGE

LE GRAND MACABRE

N ELL ST O V R

Oper von György Ligeti Eine Koproduktion mit dem Luzerner Theater Mit freundlicher Unterstützung von Meininger TheaterFreunde e.V.

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF?

Schauspiel von Edward Albee Wiederaufnahme Regie: Peter Bernhardt, Bühne & Kostüme: Monika Maria Cleres Mit: Ulrike Walther, Carla Witte; Yannick Fischer, Hans-Joachim Rodewald

Großes Ha 19.30 UH

Kammerspie 20.00–22.45 UH

Änderungen vorbehalte

KLEINER MANN – WAS NUN?

LE GRAND MACABRE


F Ü R J U N G E Z U S C H AU E R

August / September 2017

T h e a t e r k a s s e 0  3 6  9 3  /  4 5 1  2 2 2 o. 1 3 7 w w w. m e i n i n g e r- s t a a t s t h e a t e r. d e

■ ABSTECHER

Sie sind wieder da? Willkommen nach der Reisezeit!

Puppentheater auf Festivals und Gastspielreisen

„Ronja Räubertochter“: R. Klappstein, S. Putz Die CD mit den Liedern aus der Inszenierung ist ab sofort für 3 Euro an der Theaterkasse erhältlich.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts reiste das Meininger Theater mit seinen Inszenierungen durch die Welt. Die Gastspieltruppen bestanden aus 70 bis 80 Teilnehmern. Man fuhr mit dem Zug. 15 bis 20 Waggons waren nötig, um die Dekorationen, Requisiten und Kostüme zu den Gastspielorten zu bringen. Heutzutage ist das Meininger Staatstheater mit weniger Gepäck unterwegs. Das Musiktheater und das Schauspiel reisen oft mit einem großen Reisebus, einem kleinen Transporter und ein bis zwei LKWs. Musi-

ker, Darsteller, Bühnentechniker, Beleuchter, Tontechniker, Maskenbildner, Schneider, Inspizienten, Requisiteure – sie alle machen sich immer wieder auf den Weg in die große weite Welt, um unsere Inszenierungen auch andernorts erlebbar zu machen. Ende September geht unsere kleinste Sparte, das Puppentheater, mit noch kleinerem Gepäck auf Gastspielreise. Auch hier werden Requisiten, Schminke, Kostüme, Bühnenbilder, Licht- und Tonanlage, Stative, Samt und Molton und – nicht zu vergessen – die Puppen eingepackt und mit dem Beleuchter,

Techniker, Bühnenmeister, der Inspizientin und den Puppenspielern geht es auf die Reise. Erste Station ist das Internationale Figurentheater-Festival in Husum. Zu den 34. Pole Poppenspäler Tagen werden wir dem dortigen Publikum „Blubb!“, „Ronja Räubertochter“ sowie „Kasper, Wolf und sieben Geißlein“ präsentieren. Danach wird das Reisegepäck samt Reisegesellschaft noch kleiner. Der Großteil des Ensembles fährt wieder nach Meiningen; nur ein Ein-Mann-Ensemble reist in einem Auto weiter nach Lüneburg und Hamburg, um dort „Die großen Abenteuer des kleinen Rit-

■ EXTRA

ter Maus“ zu insgesamt neun Aufführungen zu bringen. Fast zwei Wochen nach dem Aufbruch in den Norden ist dann auch die letzte Puppe wieder glücklich und mit neuen Eindrücken von der Welt im Fundus des Meininger Staatstheaters angelangt und bereit, gemeinsam mit Ihnen in eine aufregende neue Spielsaison zu starten: In den Kammerspielen erforschen wir mit den jüngsten Puppentheaterbesuchern das Element Wasser (Termin „Blubb!“: MO, 18.09., 10.00 Uhr). An den Folgetagen entführen die beiden Räuberkinder Ronja und Birk alle kleinen und

großen Zuschauer zu neuen Abenteuern in den Zauberwald (Termine „Ronja Räubertochter“: MI, 20.09., 11.00 Uhr und DO, 21.09., 10.00 Uhr). Und bald schon wird es wieder auf Reisen gehen. Vielleicht nicht nach Schleswig-Holstein, sondern wahrscheinlich nach Bayern, Hessen und Thüringen.

Nach dem Gastspiel ist vor dem Gastspiel: Für uns ist das ganze Jahr Reisezeit.  Ihr Sebastian Putz Puppenspieler am Meininger Puppentheater

■ JUNGES THEATER

Neue Abenteuer

Lehrertreff zum Schuljahresbeginn

Theatermaus ist zurück

Alexander John, Falk P. Ulke, Susanne Tenner-Ketzer

Im zweiten Teil stellt die Junge Musik ihre Themenschwerpunkte mit den aktuellen Kinder- und Jugendkonzerten in den Fokus. Die Musiker der Meininger Hofkapelle bringen Kostproben ihres Könnens zu Gehör und teilen ihre Erfahrungen zu Orchesterpatenschaften und musikalischen Klassenzimmern in der Schule. An diesem Informationsaustausch werden sich auch die Direktorin der Puppentheaters Maria C. Zoppeck und der Generalmusikdirektor Philippe Bach als Gesprächspartner beteiligen. Die Organisation und Moderation dieser Veranstaltung liegt in den Händen von Susanne Tenner-Ketzer und Alexander John (Leitung Junge Musik) Wir würden uns sehr über Ihr Kommen freuen! Gerne nutzen wir diese Gelegenheit, um Fragen zu den Abo-Möglichkeiten zu beantworten. Termin: MI, 20.09., 17.00 Uhr, Kammerspiele Anmeldung bitte unter: hofkapelle@meininger-staatstheater.de oder 0 36 93 / 451 266.

Lass deiner Fantasie freien Lauf und verpasse mir einen Farbklecks!

Meininger Puppentheater und Junge Musik laden ein

Pünktlich zum neuen Schuljahresbeginn laden das Meininger Puppentheater und die Junge Musik am Mittwoch, dem 20. September um 17.00 Uhr zu einem Treffen mit Grundschul- und Musiklehrern, Sonderschulpädagogen und allen interessierten Lehrkräften in die Kammerspiele ein. Dieser Ort dient beiden Arbeitsbereichen neben zahlreichen Gastspielen als langjährig bewährte und optimale Spielstätte. Alle, die noch nicht die Gelegenheit hatten, die Kammerspiele kennenzulernen, sollten den Lehrertreff nicht verpassen – insbesondere neue Lehrkräfte aus den Südthüringischen Schulen und Umgebung sind herzlich dazu eingeladen. Um 17 Uhr wird die Veranstaltung mit Ausschnitten aus der erfolgreichen AstridLindgren-Puppentheaterproduktion „Ronja Räubertochter“ eröffnet. Eine gute Möglichkeit, um den 110. Geburtstag dieser großartigen Schriftstellerin zu würdigen. Weitere Inszenierungen in der Spielzeit 2017/18 für Schüler und Themen wie Workshops, Projektwochen oder Figurenbau wollen wir im Gespräch mit den Lehrern vertiefen und diskutieren.

„Blubb!“: Maria C. Zoppeck

Seit vielen Jahren schon huscht die neugierige kleine Theatermaus durch die Gänge des Meininger Staatstheaters. Immer wieder entdeckt sie neue faszinierende Dinge und erlebt fantastische Abenteuer hinter den Kulissen. Mit Beginn jeder Spielzeit kommen neue Gesichter, neue spannende Stücke und zahlreiche Veränderungen in das Theater. Für die kleine Theatermaus gibt es somit viel zu beobachten und aufzuspüren. Jede noch unerkannt gebliebenen Ecken des Theaters will die Maus auf ihren Expeditionen ausfindig machen. Auf ihrem Weg macht sie Bekanntschaft mit neuen Mitarbeitern und Ensemblemitgliedern, trifft neue Freunde, die sie auf ihrer Entdeckungsreise begleiten. Einmal im Monat nimmt die kleine Theatermaus Mäuseliebhaber jeden Alters mit auf ihre Ausflüge. Kinder und Familien können in verschiedenen Episoden die Abenteuer hautnah miterleben. Bleibt gespannt und kommt zu den neuen Folgen, um das Theater durch die Augen der Maus zu erleben. Das Mäuseexperten-Team freut sich auf euch! Der Eintritt beträgt 3 €, davon geht 1 € an das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Erfurt. Aufgrund der großen Nachfrage ist eine Reservierung der Karten unter 0 36 93 / 451 - 222 bzw. -137 oder www.meininger-staatstheater.de ausdrücklich empfohlen.     JUNGES THEATER Leitung: Gabriela Gillert Mit: Mitarbeitern/Künstlern des Meininger Staatstheaters TERMIN: SO, 10.09., 11.00 Uhr, Kammerspiele

Liebe Kinder, welches Abenteuer würdet ihr gerne mit eurer Theatermaus erleben? Malt uns ein Bild und schickt es an oeffentlichkeitsarbeit@meininger-staatstheater.de. Unter all den Einsendungen verlosen wir 3x2 Karten für „Die Abenteuer mit der Maus“.


August / September 2017

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■ PREMIERE

THEATER, TOD UND TEUFEL

Ansgar Haag im Gespräch mit dem Autoren- und Regieduo Mandy Rudski und Aron Craemer

■ KONZERT

Meininger Hofkapelle eröffnet neue Konzertsaison

1. Sinfoniekonzert mit Werken von Ben-Haim, Mendelssohn Bartholdy und Mahler

Mandy Rudski, Aron Craemer

„Theater, Tod und Teufel“. Was können wir erwarten, worauf dürfen wir uns freuen? Rudski: Die Zuschauer können sich gefasst machen auf ein großes Bühnenepos, auf große Gefühle und Spaß, auf gruselige Elemente, Übersinnliches und einen Hauch Meininger Theatergeschichte. Wir haben das Stück für das Meininger Publikum geschrieben und hoffen, einen Nerv zu treffen mit etwas, das uns selber Spaß macht. Wie kann ich mir denn das vorstellen – eine Serie fürs Theater? Craemer: Der Reiz einer guten Serie ist, dass man die Figuren immer besser kennenlernt, sie immer mehr mag und versteht. Dass Figuren Geheimnisse haben, die nach und nach ans Licht kommen und dass man viel größere Geschichtsbögen erzählen kann. Der Zuschauer bekommt die Möglichkeit, sich in der Geschichte zu Hause zu fühlen. Wir wollen herausfinden, ob das im Theater auch so funktioniert. Rudski: In einer Serie hast du eine Figur, die du mal so erlebst und dann ganz anders. Mal ist sie gut und mal sind die Dinge, die sie tut, zweifelhaft. Du kannst dich in die Figur wirklich verlieben, gehst mit ihr mit, leidest mit ihr, bist wütend, die ganze Bandbreite. Und du willst wissen, wie es weitergeht. Als Stoff hat euch die Meininger Theatergeschichte inspiriert . . . Craemer: Die Meininger Theatergeschichte ist wahnsinnig spannend! Bei uns assoziiert sie einen Herzog, der stark mit dem The-

ater verbunden ist. Sein Vater hat mit der falschen Partei eine Allianz geschmiedet, woraufhin er abgesetzt wurde. Er ist voller Wut auf seinen Sohn und will dessen Eheschließung mit einer Schauspielerin um jeden Preis verhindern. Er hält die Schauspielerinnen nämlich für Prostituierte. Dann brennt das Theater auch noch ab. Da konnten wir nicht widerstehen. Warum heißt der Ort des Geschehens dann Keiningen und nicht Meiningen? Craemer: Um deutlich zu machen: Dies ist nicht Meiningen. Es handelt sich um eine Parallelwelt, ein „Meiningen hinter den Spiegeln“, in dem alles möglich ist. Einiges ist genauso oder fast genauso wie es in Meiningen hätte gewesen sein können. Anderes ist komplett an den Haaren herbeigezogen. Ihr erzählt nicht nur vom Meininger Hoftheater… Rudski: Das Meininger Hoftheater ist bekannt und berühmt. Unsere Geschichte spielt zu großen Teilen im Volkstheater; auch in Meiningen existierte ein Volkstheater, doch blieb es lediglich eine geschichtliche Randnotiz. Dort wurde Satire aufgeführt, viel Slapstick, Stegreiftheater – alles, was dem Volke gefiel. Wohingegen im Hoftheater fast ausschließlich Shakespeare zur Aufführung kam. Zwischen Historie, Fantasy, Kriminalstory und schwarzer Romantik ist „Theater, Tod und Teufel“ auch eine Komödie. Wann funk-

tioniert für euch Humor, wie sieht euer Humor aus? Craemer: Für mich ist eine Komödie dann lustig, wenn sich alle Figuren in ihren Sorgen und Nöten sehr ernst nehmen und auch die Schauspieler sich und ihre Figuren sehr, sehr ernst nehmen, dann aber in absurde oder groteske Situationen geraten. Daraus entsteht für mich der Witz. Ich glaube, dass man bei Komödie sehr viel genauer arbeiten muss. Und man muss schnell erzählen. Die Sätze geben sich die Hand. Um einen Witz darf nicht gerungen werden. Ich persönlich denke, dass eine Komödie gut ist, wenn sie immer auf zwei Ebenen funktioniert: Man die Handlung spannend findet, auch, wenn man mal über einen Witz nicht lachen kann.     SCHAUSPIEL Regie: Aron Craemer, Mandy Rudski Bühne: Helge Ullmann Kostüme: Christian Rinke Komposition/Liedertexte: Aron Craemer Dramaturgie: Ansgar Haag Mit Evelyn Fuchs, Mira Elisa Goeres, Mandy Rudski; Phillip Henry Brehl, Yannick Fischer, Vivian Frey, Peter Liebaug, Statisterie des Meininger Staatstheaters KOST-PROBE: DI, 05.09., 19.00 Uhr, Kammerspiele – Eintritt frei PREMIERE: FR, 15.09., 20.00 Uhr, Kammerspiele WEITERE VORSTELLUNGEN: SO, 17.09. und SA, 23.09., jeweils 20.00 Uhr, Kammerspiele

Völlig unerwartet und mit einer fadenscheinigen Begründung wurde Paul Frankenburger nach siebenjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Kapellmeister 1931 vom Intendanten des Augsburger Theaters, Erich Pabst, gekündigt. Karl Lustig-Préan hatte bis 1931 das Haus geleitet und sich dabei stark für eine musikalische und dramatische Moderne und gegen Rechts eingesetzt. In einer 1939 erschienen Festschrift hieß es, Lustig-Préan habe Augsburg wie keiner seiner Vorgänger in das internationale Theaterleben eingebaut, sei aber „dem marxistisch-jüdischen Klassentheater seiner Zeit verfallen“. Der neue Intendant Pabst war Mitglied der NSDAP und obwohl er sein Amt unter der Prämisse „absoluter politischer Neutralität“ angetreten hatte, entließ er jüdische Mitarbeiter und passte den Spielplan entsprechend der nationalsozialistischen Gesinnung mit Werken regimefreundlicher Autoren und Klassikern an. Nach seiner Entlassung in Augsburg fand Frankenburger in Deutschland keine Anstellung mehr. 1933 wanderte der 1897 in München geborene Komponist, Dirigent und Pianist nach Palästina aus; sein Nachname wurde in Ben-Haim geändert. Er lebte fortan in Tel Aviv und wurde bald zu einem der gesuchtesten Kompositionslehrer Israels und zu einer zentralen Figur im Musikleben der jüdischen Gemeinschaft. Er dirigierte, trat als Musiker auf und komponierte sehr viel. Bereits in Deutschland war er als Komponist erfolgreich gewesen; seine Jugendwerke sind stark von Mahler und Strauss beeinflusst. Nun ließ er arabisch geprägte sephardische Volksmusik sowie jüdische Melodien der gesamten Diaspora in sein Schaffen miteinfließen, wobei er sich nicht von der europäischen Musiktradition abwandte. Er kreierte einen

neuen musikalischen Nationalstil, der später als Mediterraner Stil in der Israelischen Musik bekannt wurde. 1972 erlitt Paul Ben-Haim einen schweren Verkehrsunfall, durch den er bis zu seinem Lebensende halbseitig gelähmt war. Er starb 1984 in Tel Aviv. Im 1. Sinfoniekonzert erklingen BenHaims Violinkonzert und seine „Drei Lieder ohne Worte“ – letztere kommen im Gedenken an Ulrich Burkhardt zur Aufführung. Als erster Intendant führte er nach der Wiedervereinigung das Meininger Theater in die Zukunft; am 30. August 1997 verunglückte er bei einem Verkehrsunfall. Solist ist der junge in Tel Aviv geborene Geiger Itamar Zorman, der die beiden Werke auswählte: „In meiner späten Jugend habe ich mich in Ben-Haims Musik verliebt. Als ich an seinem Prelude für Streichquartett arbeitete, entdeckte ich, wie reich seine Musik ist. Ich finde, dass seine Kompositionen viel bekannter sein sollten und hoffe, dass möglichst viele Zuhörer genau so emotional von Ben-Haims Musik berührt werden wie ich.“ Außerdem stehen Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre „Ein Sommernachtstraum“ und Gustav Mahlers 1. Sinfonie unter der Leitung von GMD Philippe Bach auf dem Programm.

    SINFONIEKONZERT Dirigent: GMD Philippe Bach Solist: Itamar Zorman (Violine), Mit: Meininger Hofkapelle TERMIN: DO, 24.08., 19.30 Uhr, Großes Haus WERKEINFÜHRUNG: 60 Minuten vor Konzertbeginn

Violinist Itamar Zorman

■ MENSCHEN

Den Weg ins Meininger Theater fand Evelyn Krauße bereits in ihrer Kindheit: Sie sah „Die feuerrote Blume“, das damalige Weihnachtsmärchen, und war verzaubert. Als ein Kinderchor für die Familienoper „Hänsel und Gretel“ gesucht wurde, zögerte die gebürtige Meiningerin, die zu dem Zeitpunkt die 5. Klasse besuchte, nicht lange und wurde prompt als Lebkuchenkind engagiert. Weitere Auftritte im Kinderchor folgten. „Auch meine Facharbeit hatte einen Theaterbezug, ich schrieb über das Tischtheater im pädagogischen Kontext“, erinnert sich die heute 55-Jährige an das Ende ihrer Erzieherausbildung. Zehn Jahre lang betreute sie die Knirpse; dann ereilte das Elternglück auch sie und ihren Mann Mario, der ebenfalls am Theater tätig ist. Nach der Wende wurden viele lokale Kindergärten geschlossen, die Erzieherinnen entlassen. Evelyn Krauße arbeitete zunächst als Tagesmutter, bis sie ans Meininger Theater zurückfand – zunächst als Mitarbeiterin der Poststelle, anschließend in der Theaterkasse. Als das Abendpersonal umstrukturiert wurde, übernahm sie dessen Leitung: „Die Stelle wurde quasi neu für mich gefunden“,

„Es sind die Kleinigkeiten, die zählen.“ Begegnung mit Evelyn Krauße, Leiterin des Abendpersonals erzählt sie. Seitdem empfängt sie zur nahezu jeder Vorstellung Gäste von nah und fern im Großen Haus des Meininger Staatstheaters. „Das Schöne an meinem Beruf ist: Es wird nie eintönig! Alles ist stets im Fluss – wechselnde Produktionen, neue Gesichter. Es ist

immer spannend, vor wie hinter der Bühne“, schwärmt Evelyn Krauße. Ihr Team zählt elf Festangestellte und bis zu zwölf Aushilfen, je nach Veranstaltungsformat. Alle Damen sind in Erster Hilfe geschult,

um in Notfällen sofort die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Auf die Frage, wieso es nur Frauen sind, antwortet sie verschmitzt: „Bis jetzt hat sich noch kein Mann getraut“. Das Aufgabenspektrum des Abendpersonals ist breit gefächert, die wichtigste Mission: Das Wohlbefinden eines jeden Gastes. „Es sind die Kleinigkeiten, die zählen. Die persönlichen Dinge, die einen Theaterabend rund machen.“ Neben dem Einlass, dem Verkauf von Programmheften und Souvenirs sowie der Garderobenbetreuung, wird mal hier ein Parkplatz oder Taxi organisiert, werden mal dort Werbemittel im Haus ausgelegt oder in Zusammenarbeit mit der Theaterkasse auch für die „Rocky Horror Show“ die obligatorischen Mitmachtüten mit Reis, Wasserpistole und Klopapier bestückt. „Wir sind auch die Ersten, die mit der Kritik zu tun bekommen. Auf die Inszenierung als solche habe ich keinen Einfluss, aber ich kann zum besseren Verständnis beitragen, zuhören und bestimmte Anliegen an das Fachpersonal weiterleiten, damit der Gast seine Antworten bekommt. Allerdings entdecke auch ich immer wieder neue Dinge, wenn Zuschauer ihre Geschichten mit mir

teilen. Es ist ein schönes Geben und Nehmen.“ In ihrer Führungsfunktion machen die unsichtbaren Tätigkeiten den Bärenanteil aus: „Ich disponiere und koordiniere alle Einsätze des Abendpersonals und rechne für mich und meine Mitarbeiter die Dienste ab. Meine Arbeit am Abend, das ist Spaß.“

Zurückblickend hat Evelyn Krauße viele Inszenierungen mit ganz unterschiedlichen Handschriften erlebt – unvergessen bleiben die Abende an wechselnden Spielstätten während der Sanierungszeit 2010–2011. Doch einen Favoriten habe sie nicht: „Vieles hat mich berührt. Und umso mehr freue ich mich auf zukünftige Produktionen wie ‚Tosca’ oder ‚Carmina Burana’.“ Die passionierte Leserin ist angekommen, das wird in dieser Begegnung ganz deutlich. Und nach einem erlebnisreichen Dienst, beendet Evelyn Krauße ihre Arbeit mit einem Lächeln: „Es ist jedes Mal ein schöner Tagesausklang, wenn die Gäste im Anschluss an die Vorstellung zu mir kommen, um zu sagen: ‚Ach, es war so schön! Geben Sie es weiter.’“


August / September 2017

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■ MENSCHEN

T h e a t e r k a s s e 0  3 6  9 3  /  4 5 1  2 2 2 o. 1 3 7 w w w. m e i n i n g e r- s t a a t s t h e a t e r. d e

■ DAS SAGT DIE PRESSE

Neue Gesichter

„Evita singt sich in die Herzen“

Willkommen!

Kritik von Siggi Seuß „Das Erfolgsmusical ist nach 28 Jahren wieder am Meininger Theater zu sehen. Die Wiedererweckung ist absolut gelungen. Die Geschichte geht zu Herzen. Ach, diese Süße, diese seelenerweichende C-DurSüße von ‚Don‘t cry for me, Argentina’. Sie dringt so unmittelbar ins Gemüt wie die intravenöse Infusion eines Glückshormonpräparats. Selbst wenn der bekannteste Song aus dem Webber-RiceMusical ‚Evita’ – wie alle Titel – in reichlich unpoetischem Deutsch gesungen wird: Es wird einem ganz warm ums Herz. Und dazu kommt noch diese zeitlos geheimnisvolle Aura charismatischer Frauenfiguren an der Seite mächtiger Männer.

DANIEL PANNERMAYR

MARIANNE SCHECHTEL

Daniel Pannermayr wurde 1988 in der Nähe von Passau geboren und studierte an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz sowie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Zu seinem Konzertrepertoire gehören neben den großen Oratorien und diversen Bach Kantaten auch die Messen von Haydn, Mozart und Schubert, was er in Auftritten von Deutschland über Österreich bis nach Russland unter Beweis stellen konnte. 2013 war er Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes Berlin und ist seit 2014 Stipendiat des Vereines „Yehudi Menuhin Live Music Now“. Von 2015 bis 2017 gehörte Daniel Pannermayr zum Ensemble der Oper Bonn. Ab der Spielzeit 2017/18 ist der Bass festes Ensemblemitglied am Meininger Staats­ theater, wo er als Angelotti in Ansgar Haags „Tosca“-Inszenierung debütiert.

Die Mezzosopranistin Marianne Schechtel wuchs in Lübeck auf und absolvierte ihr Gesangsstudium im Bachelor an der Musikhochschule Lübeck und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Zu ihrem aufgeführten Bühnenrepertoire gehören weitgefächerte Opernpartien von Händel über Mozart bis Britten. Seit 2014 ist sie Stipendiatin des Vereins „Yehudi Menuhin Live Music Now Berlin“. Des Weiteren erhielt sie Stipendien der Possehl-Stiftung Lübeck, der Jungen Oper Lübeck und des RichardWagner-Verbandes Hamburg. Ab der Spielzeit 2017/18 ist sie festes Ensemblemitglied am Meininger Staatstheater und wird u.a. in „Tosca“, „Così fan tutte“ und „Julie“ zu erleben sein.

MIRA ELISA GOERES Mira Elisa Goeres studiert von 2011 bis 2015 Schauspiel an der HFF Potsdam „Konrad Wolf“. Neben Hochschulproduktionen trat sie in diversen Rollen in „Kaspar“ (Regie: Fabian Gerhardt) am Hans–Otto–Theater Potsdam auf. Sie war in Film- und Fernsehproduktionen wie SOKO Wismar „Alles muss raus“, „Das letzte Mahl“, „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ und mehreren Kurzfilmen zu erleben. 2014 erhielt sie den Ensemblepreis beim 25. Theatertreffen deutschsprachiger Schauspielstudierender und 2016 die Goldene Lola für den Kurzfilm „Und Ich so... Äh“ (Regie: Steffen Heidenreich). Ab der Spielzeit 2017/18 ist sie festes Mitglied im Meininger Schauspielensemble. Hier wird sie ihre ersten Rollen in der Bühnensaga „Theater, Tod und Teufel“ spielen.

Mein bisher schönstes Projekt war „La finta giardiniera“ im Bodemuseum Berlin. Das waren acht intensive Monate Mozart mit inspirierenden Kollegen inmitten von antiken Skulpturen!

Mein bisher schönstes Projekt, war ein Märchenfilm, in dem ich eine Aschenputtelfigur spielen durfte, die durch ihren Mut und ihr großes Herz am Ende zur Prinzessin wird.

Wenn ich nicht im Theater bin, bin ich im Kino, frühstücke ausgiebig oder genieße die Sonne.

Wenn ich nicht im Theater bin, übe ich Klavier, bin auf meiner Yogamatte oder koche etwas.

Das Verrückteste, das ich je in meinem Job getan habe, war eine „Zauberflöten“-Vorstellung komplett auf Bayerisch zu sprechen.

Das Verrückteste, das ich je in meinem Job getan habe, war mit jeder neuen Partie über das hinauszuwachsen, was ich vorher für möglich gehalten hätte.

Das Verrückteste, das ich je in meinem Job getan habe, war als ich ein drei Meter langes Boot durch den Spreewald staken musste und dabei fast meine Kollegen ertränkt hätte. Aber es ist alles gut gegangen.

In Meiningen freue ich mich besonders auf die spannende Arbeit in diesem traditionsreichen Opernhaus, die angenehme Atmosphäre und auf die schönen Rollen.

In Meiningen freue ich mich besonders darauf, die Menschen kennenzulernen, die Natur zu entdecken und die dichte Atmosphäre auf der Bühne zu spüren!

In Meiningen freue ich mich besonders auf das Ensemble, aufregende Projekte und lange Spaziergänge im Grünen!

Wäre ich nicht Sänger, wäre ich Arzt.

Wäre ich nicht Sängerin, wäre ich bis auf Weiteres auf Weltreise!

Wäre ich nicht Schauspielerin, hätte ich mich wahrscheinlich im Schreiben versucht.

Mein Lieblingszitat: „Sei du selbst! Alle anderen sind schon vergeben.“ (Oscar Wilde)

Mein Lieblingszitat: „Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, du siehst die Welt so wie du bist.“ (Mooji)

Meine bisher schönsten Projekte waren „Die lustigen Weiber von Windsor“ an der Musikhochschule Hannover und „Don Giovanni“ an der Oper Bonn. Wenn ich nicht im Theater bin, mache ich Sport und entspanne.

Mein Lieblingszitat: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ (Friedrich Nietzsche)

Auto Bru ucker Auto Bru ucker

M E I N I N G E N

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bedrohlich gegen diese unverschämte Aufsteigerin aus dem vierten Stand im Gleichschritt marschiert und steppt, vor allem da spürt man, wie das Räderwerk der Choreografie ineinandergreift und sich mit den harmonisch-süßen, lateinamerikanisch-heißen und poppig-dissonanten Tönen der Meininger Hofkapelle unter Mario Hartmuth synchronisiert. Nur die gelegentlich überlaute Aussteuerung des mikroportverstärkten Gesangs lässt zu wünschen übrig.

Gelingt Regisseur Kurt Josef Schildknecht im Meininger Theater Evitas Wiedererweckung nach dem legendären Erfolg des Musicals 1989/90? Schmelzen die Zuschauer dahin wie das einfache Volk auf der Bühne? Ja, sie schmelzen. Dank einer hinreißenden Julia Steingaß, die sich als Evita stimmlich, schauspielerisch und tänzerisch so souverän durch 16 Jahre Leben im Schatten und im Licht bewegt, dass man den Blick nicht von ihr wenden mag. Neben ihr spielt sich Sven Zinkan als Erzähler Che Guevara in die Herzen der Zuschauer. Michael Jeske mimt passioniert den Machtmenschen Perón. Und Monika Reinhard (alternierend mit Carolina Krogius) als Peróns ehemalige Geliebte und Stan Meus als Tangosänger geben in kürzeren Auftritten ihren Figuren Profil – in einem glänzend aufeinander abgestimmten Ensemble. Bemerkenswert ist zudem die Choreografie von Julia Grunwald. Mit dramaturgischer Raffinesse bringt sie nicht nur das Eisenacher Ballett, den Chor (Leitung: Martin Wettges), den Kinderchor der Meininger Kantorei und die Statisterie in Schwung, sondern auch die Bühnenbretter, die Helge Ullmann mit abstrakten, graukalten Turmfassaden bestückt hat. Vor allem bei Szenen, in denen der gesamte Generalstab (fantasievolle Kostüme von Annette Mey)

Julia Steingaß

Die Inszenierung baut zwar auf differenzierte Akzente von Widersprüchlichkeit und Doppelmoral im Leben der Volksheldin. Aber bald fließt wieder die seelenerweichende Süße von ‚Weine nicht um mich, Argentinien’ ins Gemüt. Dieses Leitmotiv, das alle anderen Songs und Melodien überstrahlt, dieses Leitmotiv wird uns bis in den Schlaf begleiten. Besonders deshalb, weil es Julia Steingaß als Zugabe ein letztes Mal singt – auf Spanisch. Stille im Saal. Dann bricht der Jubel los.“  Quelle: Main-Post, 18. Juni 2017

■ TIPPS UND TERMINE

Zum Lutherjubiläum: „ABENDMAHL“ Theaterchor Teil des transmedialen Großprojektes

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Ein feuriger Spielzeitausklang liegt hinter uns. Herzlichen Dank an unsere Sponsoren für ihre Unterstützung beim Sommerfest! Service

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Inh. Christiane Meyer Sicherheitsfachgeschäft SCHLÜSSEL-MEYER • Unterer Heimstättenweg 1b • 98617 Anton-Ulrich-Str. 20a • 98617 Meiningen Inh. Christiane Meyer SCHLÜSSEL-MEYER • Unterer Heimstättenweg 1b • 98617 Anton-Ulrich-Str. 20a • 98617 Meiningen

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■ IMPRESSUM Herausgeber:

  Das Meininger Staatstheater Sicherheitsfachgeschäft Sicherheitsfachgeschäft Bernhardstraße 5, 98617 Meiningen Inh. Christiane Inh. Christiane Meyer Meyer Anton-Ulrich-Str. 20a • 98617 20a • 98617 Meiningen Meiningen www.meininger-staatstheater.deAnton-Ulrich-Str.

V.i.S.d.P.:

ANSGAR HAAG

Redaktion:

DOMINIKA MITROVIC´

Layout:

HCS Medienwerk GmbH

SCHLÜSSEL-MEYER SCHLÜSSEL-MEYER • Unterer Heimstättenweg • Unterer Heimstättenweg 1b • 986171b • 98617

Texte:  FZML, GABRIELA GILLERT, YVONNE GRONEBERG, ANSGAR HAAG, BRIGITTE ´ HANS NADOLNY, SEBASTIAN PUTZ, HEUSINGER, RUDOLF HILD, DOMINIKA MITROVIC, RALF-MICHAEL SEELE, ANNA KATHARINA SETECKI, SUSANNE TENNER-KETZER Fotos/Grafiken: RICHARD BLINKOFF, FOTO-ED, TALHA ERTAN, KATHARINA GROSS, MARIE LIEBIG, LUMALENSCAPE/FZML, CHRISTIAN MOCK, TORSTEN RÖSSE, BORIS SCHAFGANS, ANTON SVOBODA, CARINE TINNEY, HELGE ULLMANN, DAVID VON BECKER

Feierliche Eröffnung der Spielzeit 2017 – 2018 Im Großen Haus macht unser Ensemble mit musikalischen Kostproben auf die neue Spielzeit neugierig. Parallel gestaltet das Puppentheater in den Kammerspielen ein Programm, sodass Ihre Kinder bestens unterhalten sind, während Sie die Matinee besuchen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit in Biergartenatmosphäre neben dem Theater zu verweilen. Wir freuen uns auf Sie! Termin: SO, 03.09., 11.00 Uhr, Großes Haus/Kammerspiele – Eintritt frei

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums inszeniert das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig gemeinsam mit der Filmproduktion Lumalenscape ein urbanes Großprojekt, an dem unser Theaterchor mitwirken wird. Die gewaltige Installation ist Teil des transmedialen Kunstwerkes „Abendmahl – ‚abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe‘“ des Komponisten und Medienkünstlers Thomas Christoph Heyde. Auf den Marktplätzen in Erfurt, Leipzig und Lutherstadt Wittenberg wird eine 42-Meter-Tafel als Begegnungsort für Anwohner und Touristen aufgebaut und an einem Abend zum Spielort eines der spektakulärsten und komplexesten Werke der Gegenwart: 95 Sängerinnen und Sänger verteilen sich auf den Sitzplätzen und bringen in einem öffentlichen Konzert den lateinischen Originaltext der 95 Thesen von Martin Luther sowie eine Neuinterpretation des „Vaterunser“ zur Uraufführung. Über den Köpfen der Akteure sind Videoleinwände installiert, die von auf dem Tisch fahrenden Kameras gespeist werden. So werden die Aufführungen zu einem musikalischen, fil-

mischen und szenischen Gesamtkunstwerk. All diejenigen, die das betörende Schauspiel aus Musik, Film, Choreografie und Licht verpassen sollten, können sich dennoch an den vor- und darauffolgenden Tagen an der großen Tafel niederlassen und – ganz im lutherischen Sinne – das Gespräch mit ihrem Tischnachbarn suchen. Lassen Sie sich dieses sinnliche Erlebnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht entgehen!

    EXTRA www.abendmahl2017.de Mit: Chor des Meininger Staatstheaters, AUDITIVVOKAL Dresden, ABENDMAHLChor & Sprech-Ensemble AUFFÜHRUNGSZEITRAUM: Leipzig: 02.–05.09.; Konzert 02.09., 20.15 Uhr Erfurt: 05.–13.09.; Konzert 09.09., 20.15 Uhr Lutherstadt Wittenberg: 15.–21.09.; Konzert 16.09., 20.15 Uhr.

Spektakel August-September 2017  

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