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GRUNDEINKOMMEN Eine Vision rückt näher

DAS GOETHEANUM

wochenschrift für anthroposophie 25. Juni 2011 | nr.25 | € 3.50 | chf 4.50


editorial

WOLFGANG HELD

«Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen.» Dieser Ausspruch des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt kennzeichnet die Armut an Zukunft in den 80er-Jahren. Die beklemmende Losung ‹No future› stand auf den T-Shirts der Generation, der eigentlich die Zukunft offenstand. Und tatsächlich, der Glaube, dass der technologische Fortschritt das Heil der Menschheit bedeuten könnte, begann damals, sein Fundament zu verlieren. Es ist ein Prozess, der sich nun, eine Generation später, mit der Katastrophe von Fukushima abschließt. Noch etwas anderes hat damals in den 80er-Jahren begonnen: die dramatische Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Die amerikanische Zeitschrift ‹The Economist› liefert auf ihrer Internetseite in Echtzeit die aktuelle weltweite Staatsverschuldung. 39 Billionen Dollar oder 27 Billionen Euro werden gelistet und jede Sekunde steigt die Summe um etwa 100000 Euro – unvorstellbare Zahlen. Verständlicher ist die Größe, dass viele Staaten ungefähr in der Höhe ihrer gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet sind. Wieso leben die Staaten, leben wir in solch einem verantwortungslosen Maß über unseren Verhältnissen? Die Erklärungen der Finanzfachleute und Soziologen sind vielschichtig, aber ein Gedanke hat mich besonders ergriffen: Die öffentliche Hand hat weltweit Schulden angehäuft, weil sie die Benachteiligten der Gesellschaft unterstützt, sich aber nicht traut, die Mittel dafür von den Wohlhabenden zu holen. Wir finanzieren die Sozialsysteme über Schulden, das heißt, man holt sich die Summen von den Menschen, die man nicht fragen muss, die keine Wähler sind, weil sie Kinder sind oder noch gar nicht geboren wurden. Der Schuldenberg oder besser das -gebirge ist der Preis für den sozialen Frieden zwischen Arm und Reich. Es ist sicher kein Zufall, dass sich in einer häufig als apokalyptisch bezeichneten Zeit, in der tatsächlich vieles sein wahres Gesicht offenbart, dass in dieser Zeit die Scheinheiligkeit dieses sozialen Friedens sichtbar wird. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zielt auf die Wurzel dieser Frage des menschlichen Miteinanders. Deshalb haben wir nach 2009 erneut dieser Sozialidee eine Ausgabe des ‹Goetheanum› gewidmet und sind froh, mit der Fotografin Liuba Keuch eine Bildreihe bekommen zu haben, die von den großen Motiven erzählt, um die es beim Grundeinkommen geht: der Würde des Menschen und seiner Sehnsucht nach selbst verantworteter Arbeit. Dass wir unsere eigene Würde selbst zu fassen vermögen, hängt davon ab, ob wir sie als Baby, Kind, Jugendlicher von der Gemeinschaft bekommen haben. Dass dieses Geschenk der Gemeinschaft dreifaltig wird, das gehört zum Glanz der Idee eines Grundeinkommens. Die leibliche Fürsorge, Nahrung, ein Dach verleihen physisch die Würde. Vertrauen, Anteilnahme an unserer Entwicklung schaffen den seelischen Boden der Würde. Der Glaube, dass wir ein Glied der menschlichen Gemeinschaft werden, in die wir unseren ureigenen Beitrag geben werden, dass diese Gemeinschaft erst mit unserem Sein diese Gemeinschaft wird, dieser Glaube, der im Grundeinkommen seinen Boden hat, stiftet geistige Würde, die wir den Heranwachsenden geben können. «Wer keine Visionen hat, sollte zum Arzt gehen» wird zum Ratschlag einer Gesellschaft mit Grundeinkommen.

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meldungen

ticker Deutschlands Atomausstieg Am 6. Juni 2011 beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung in Deutschland, die Kernkraftwerke sukzessive bis zum Jahr 2022 abzuschalten. Gerald Häfner, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorstandsmitglied von Mehr Demokratie!, nennt den Beschluss des vollständigen Atomausstieges einen gewaltigen Durchbruch: «Anlass ist Fukushima. Aber der Grund liegt tiefer – in der prinzipiellen Lebensfeindlichkeit und Unbeherrschbarkeit dieser Technik, die untersinnliche Kräfte nutzt, ohne diese voll verstehen oder gar in allen denkbaren Situationen beherrschen zu können. Und er liegt in der jahrzehntelangen Aufklärungsarbeit engagierter Menschen in Deutschland.» Am 7. Juli will das Kabinett über das Gesetzespaket zur Energiewende beraten. Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagte, dass der Import von Atomstrom aus dem Ausland trotz des Ausstiegs weiter möglich bleiben soll. Dagegen forderte der saarländische Landeschef Heiko Maas den Importverbot von Atomstrom. Laut Häfner kann erst geruht werden, wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind. Und selbst dann noch nicht. Denn nirgendwo auf der Welt ist das Problem des – je nach Zusammensetzung – über Jahrhunderttausende strahlenden Atommülls gelöst. «Doch ein Anfang ist gemacht», kommentiert Häfner die Entscheidung der Regierung und erwähnt, dass all den Menschen zu danken sei, die dies möglich gemacht haben, die regelmäßig vergessen würden und die ohne Dank blieben, wenn im Scheinwerferlicht eine Bundesregierung sich einer Tat rühme, die zu verhindern noch bis vor wenigen Monaten eines ihrer vordringlichen Ziele war. Cornelia Friedrich

Jugendsymposion zur Energie Vom 2. bis 5. Juni fand in Kassel das 4. Jugendsymposion statt. 200 junge Erwachsene von Waldorfschulen aus ganz Deutschland arbeiteten mit Rednern und Seminarleitern am Thema Energie. Neben Beiträgen zur Sicherheit der Kernenergie von Christoph Pistner vom Öko-Institut Darmstadt, Fragen zum Klimaschutz von Buchautor Franz Alt, Gerald Häfner und anderen kamen auch Ökoaktivisten wie die Baumfrau Julia Butterfly Hill zu Wort. Meditation, Musik und Eurythmie vervollständigten das Kursprogramm, das den Jugendlichen ermöglichte, philosophische, umweltpolitische oder wirtschaftliche Aspekte des Themas zu vertiefen. Michael Zech, neben Stephan Sigler und Wilfried Sommer einer der Initiatoren des Symposions, Dozent am Waldorflehrerseminar Kassel und Lehrbeauftragter an der Alanus-Hochschule, bemerkt, dass viele Waldorfschüler neben einer hohen Identifikation mit der Waldorfschule auch gleichzeitig ein kritisches Verhältnis zu ihr hätten, weil sie den Schulbereich als eigene geschlossene Welt erlebten und den Zugang zu den virulenten Zeit- und Existenzfragen im Unterricht vermissten. Zech: «Wir wollen eine Öffnung der schulischen Situation für begabte Schüler schaffen, die ihnen ermöglicht, mit offenen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und philosophischen Fragen umzugehen, sie kontrovers zu diskutieren. Nicht eine bestimmte Sicht den Schülern beizubringen, sondern ihnen selbst den Meinungsbildungsprozess anzuvertrauen, ist unser Anliegen. Das ermöglichen wir durch die Begegnung mit Menschen, die etwas zu sagen haben.» Ob sich das Konzept bewährt, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen. Cornelia Friedrich

››› Empowering a new Spirit in Business: Unter diesem Motto trafen sich Entscheider und Vordenker auf der 5. Karma-Konsum-Konferenz am 9. und 10. Juni 2011 in Frankfurt am Main zur Fachtagung und Networking-Veranstaltung für verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltige Lebensstile. www.karmakonsum.de ››› Assoziatives Wirtschaften: Neben dem Schweizerischen Konsumentenverband, dem Konsumentenverein Zürich und Basel fördert nun auch der Konsumentenverein Winterthur/Schaffhausen das assoziative Wirtschaftsleben. www.konsumentenverband.ch ››› Wirtschaft neu denken: Am 21./22. Mai fand ein von Studenten organisiertes Symposion zu Fragen zukunftsweisender Impulse aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft statt. www.wind-symposium.de ››› Menschheit an der Schwelle: Am 24./25. Juni findet eine Tagung an der Freien Hochschule Mannheim statt zur momentanen Situation der Menschheit, die in eine grundlegende Bewusstseinsveränderung hineinwächst. www.freiehochschule-mannheim.de ››› Für biologische Vielfalt: Die GLS-Bank spendet im Rahmen einer Mitgliederaktion bis zum Jahresende zugunsten eines Wald- und Bienenprojektes. www.gls.de ››› Initiative gegen Gentechnik: Mehr als 100 000 Menschen unterschrieben bereits die Petition der Alnatura-Initiative ‹Vielfalt erleben› gegen die Zulassung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen. www.vielfalterleben.info/unterschriftenaktion ››› Aktionstag in Köln: Am 28. und 29. Mai hatten alle auf anthroposophischer Grundlage arbeitenden Einrichtungen in Köln anlässlich von Rudolf Steiners 150. Geburtstag zu einem Aktionstag mit Eurythmie, Infoständen, Kurzvorträgen, Schülerdarbietungen, Podiumsgespräch und Pantomime eingeladen.

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enno schmidt

VOM ZEITGEIST Eine Idee wirkt. Wenn sie etwas geistig Wesentliches ist, dann wirkt sie und kann nicht anders. Frei ist nur der Mensch. – Und kann nicht anders.

«Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist», sagte Victor Hugo. Das galt für die Idee der Aufklärung, der Abschaffung der Sklaverei, der Demokratie, der Menschenrechte, auch für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens gilt es. Sie ist die gleiche, nur heute. «Unglück macht Menschen. Wohlstand macht Ungeheuer.» Auch das ist ein Zitat von Victor Hugo. Eine Idee wirkt. Wenn sie etwas geistig Wesentliches ist, wenn sie wesenhaft ist, dann wirkt sie und kann nicht anders. Sie wirkt in den jeweiligen Verhältnissen der Zeit. Wie sie sich auswirkt und verwirklicht, hängt davon ab, was Menschen ihr entgegenschaffen, wie sie damit umgehen und was sie an ihrer Energie hervorbringen, was sie ihr einverleiben. Das kann heilend sein oder zerstörerisch. Der Mensch ist da frei. Sonst niemand. Eine Idee wirkt und ist nicht frei, das auch bleiben zu lassen. Es ist nicht die Frage, ob ein Grundeinkommen kommt, sondern wie. Das ist für den Menschen eine Bewusstseinsfrage. Auf die Bewusstseinsentwicklung wirkt die Idee des Grundeinkommens ein. Umso mehr Bewusstsein die Menschen entwickeln, umso mehr wird die Vollbeschäftigung deutlich. Oder wie Benediktus Hardorp es ausdrückt: «Es gibt so viel Arbeit, wie es Menschen gibt.» Jeder bringt seine auf die Erde mit. Seine Sensibilitäten, seine Suche, sein Feuer, seine Wahrnehmung und Ziele. Entwicklung ist alle Tätigkeit. Umso mehr Bewusstsein in der Seele, umso mehr rückt auch als Arbeit in den Vordergrund, was vorher als bloßes Leben verlief. Umso mehr Bewusstsein, umso offen individueller auch die Lebenswege. Und umso brüchiger, komplexer und schwieriger, sie für sich selbst zu finden. Umso mehr braucht es Kraft aus eigenem Willen, die Entwicklung intrinsischer Motivation, den Mut auch, selbst zu denken. Und ein Bürgerrecht, welches diese Beweglichkeit frei gibt. Es mag überzogen klingen, aber was da mit der Idee des Grundeinkommens und seiner Einführung auf einen zukommt, ist: Selbsterkenntnis – Welterkenntnis. Das kann einen auch ärgerlich stimmen. Zwar ist das Grundeinkommen, einmal eingeführt, nur ein Grundeinkommen. Auch nicht spannender als die Demokratie, wenn sie Alltag geworden ist. Aber im Stadium der Idee, die noch keine äußere Form im alltäglichen irdischen Verhältnis hat, erscheint sie

besonders deutlich, erscheint sie auch übergroß. Ein Mensch, der noch nicht geboren ist, scheint auch zu groß für die irdischen Verhältnisse. Wie soll das gehen? Was ist, wenn die Verantwortung ihm nicht abgenommen ist? Wenn im Rahmen eines bedingungslosen Grundeinkommens ihm die Verantwortung für sich und sein Tun und Lassen nicht gemildert und gelenkt wird durch Auftragsbestimmung von außen, wenn seine Lebensmöglichkeit nicht fest verbunden ist damit, etwas abzuliefern, was bezahlt wird? Wenn er sich durchschaffen muss zur Unternehmung seines Lebens aus eigener Einsicht? Keine Schonung für Doppelgänger mehr? Das ist risikoreich und anstrengend auch, weil es immer wieder auf das Schwächste rekurriert, das Ich. Das ist nicht zu verwechseln mit der Stärke angeeigneter Selbstverständnisse. Diese Selbstverständnisse bröckeln unter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Und man muss die Welt neu denken, sich selbst auch, und zwar aus selbst erzeugtem Denken, wofür man die eigene Anschauung durchschauen muss, was unbequem ist, weil man sie dann auch erweitern muss. Man kann es auch nicht nur für sich denken, so ein Grundeinkommen, sondern muss es für alle denken. Für andere also auch. Was ganz besonders offenlegt, in welcher Kulturepoche man selbst lebt. Man kann es auch nicht nur als Auszahlung denken, sondern muss es gewissenhaft auch als Einzahlung denken. Man muss Steuern denken, Zusammenhänge denken, Wirtschaft denken – man muss einfach raus aus der Hängematte. Wenn es um Entwicklung geht, sind das einige Punkte von denen, die unvermeidbar sind. Es wäre vernünftig, ihnen Formen entgegenzubringen, die sie ermöglichen. Dass wir im Überfluss leben, wo früher Mangel bestand, liegt heute weniger am fleißigen Einsatz von Menschen und mehr an optimierten Methoden und Maschinen. Was uns abgenommen wird, nutzen wir aber nicht, um uns Wichtigerem zuzuwenden, um diesen Wohlstand aus der alten Arbeit in neue Arbeit zu investieren, in die, wo die Rationalisierung ihre Grenze hat, in die, wo der Fortschritt alte Sozialformen weggeräumt hat und keine neuen schafft, in die Arbeit, die im Gleichschritt mit der Technik Bewusstseinsleistung verlangt bis ins Intimste der eigenen Lebensführung und bis in das hautnah Erlebbare der globalen Geschehnisse für jeden.

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Die Selbstverständnisse bröckeln unter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Man muss die Welt neu denken, man muss sich selbst neu denken.

Der Wohlstand schafft Ungeheuer, wenn man ihn ersäuft zugunsten alter Gewohnheiten. Wenn man ihn ignoriert als Freistellung für das Notwendige. Wenn man die Freiheit ignoriert, in der die Verantwortung wirklicher wird.

ken, sich gebraucht fühlen wollen, sich entwickeln wollen und sich bestätigen, indem sie etwas für andere tun und aus deren Wertschätzung auch sich als sinnvoll erleben? Wie wäre das bei Ihnen? Sie machen schon etwas, was Ihnen sinnvoller erscheint?

Unglück macht nicht Menschen, und Wohlstand macht nicht Ungeheuer, sondern beides stellt die Frage, was der Mensch daraus macht. Das Unglück, welches Victor Hugo in obigem Zitat meint, sind Verlust und Verhinderung, die den Menschen zu sich kommen lassen. In diesem Sinne fördert ein bedingungsloses Grundeinkommen ‹Unglück›, weil einem damit viele Ausreden verloren gehen und es einen doch ein Stück weit auf sich selbst zurückwirft, Verhinderungen bei einem selbst sehen lässt, und weil es gewissermaßen verhindert, dass man selbst dafür nichts kann. Es kann einem aber geholfen werden. Bestimmt nicht mit Sozialleistungen. Nicht mit Zwang, unter dem man Interessen anderer zu dienen hat, nicht mit etwas, worin man nicht das Eigene sieht – und sei es auch noch so anders. Auch nicht einfach mit Geld.

Bei dem Gedanken an das Grundeinkommen darf man nicht die Bodenhaftung verlieren. Es ist nur ein Grundeinkommen. Man darf im Gedanken nicht überrennen, dass sich fast alles mit dem Grundeinkommen nicht ändert. Es ist im Ganzen nicht einmal mehr Geld, denn das Grundeinkommen wird auf die bestehenden Einkommen einwirken. Im Prinzip werden sich die bestehenden Einkommen um den Betrag des Grundeinkommens verringern. Ein weiterer Punkt der Bodenhaftung ist, nicht zu meinen, es gäbe einen Knopf, auf den gedrückt werden kann, und plötzlich ist ein bedingungsloses Grundeinkommen da; für jeden in lebenstauglicher Höhe ein Leben lang. Da ist kein Knopf.

Das Grundeinkommen ist keine Sozialleistung. Es ist auch kein neutraler Geldbetrag, sondern was das Geld ausdrückt, was es intendiert, das eben wird in der Auseinandersetzung um das Grundeinkommen jetzt und später aufgeladen. Nicht, wozu es verpflichtet, sondern was es ermöglicht. Die Moral von der Geschichte. Was es ermöglicht, das ist heute dem Einzelnen schon möglich. Ohne Grundeinkommen. Oder mit einem der Grundeinkommen, die es auch jetzt schon gibt. Die sind nur anders intendiert.

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Was sich mit dem Grundeinkommen verändert, findet schon statt, bevor es so weit ist, dass es auch als Geld ausgezahlt wird. Es findet statt in dem Staunen, im Erleben und wohin einen das führt, in dem Angebot, sich selbst anzunehmen und vielleicht doch denken zu dürfen, was man sich verboten hatte. Es geht nicht anders. Aber das geht. Es führt etwas anderes ein neben der Horizontalen des Tausches, der Bestimmbarkeit des anderen durch eine Gegenleistung, dem Mechanistischen. Es lässt eine Vertikale ein.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein demokratisch bestimmter Einkommensbetrag, den sich alle gegenseitig zusprechen aus der gemeinsamen Wertschöpfung, mit dem sich alle die Teilnahme an der Gesellschaft und das Recht auf Leben als wirtschaftliches Bürgerrecht und Menschenrecht zubilligen. Wohlgemerkt: heute. Und mit Blick auf die Zukunft. Vor hundert Jahren war das noch keine so praktikable Idee. Aber vor hundert Jahren und davor und bisher wurde sehr viel dafür getan, dass sie jetzt dran ist.

Die Idee des Grundeinkommens ist aus dem Gleichen, was auch da wirkt, wo sich Menschen gegen offene Entwicklungen in rückläufige Herrschaftssysteme verkrallen. Sei es in Diktaturen, in der Bildung, in Institutionen, dass man andere Menschen abtreibt, um selbst in alten Vorstellungen bleiben zu können. Maßnahmen zur sogenannten Wiedereingliederung von sogenannten Arbeitslosen sind Maßnahmen zur Verdrängung von Geistesgegenwart. Der Zeitgeist wirkt. Wendet man sich ihm nicht zu, muss man dagegenhalten. Zukunft soll dann Erfahrung aus der Vergangenheit sein. Ein virtuoserer Umgang mit Untauglichem.

Doch wird es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen noch genügend viele Menschen geben, die den alten Wohlstand produzieren? Die zum Beispiel für den Bedarf von Kindern arbeiten, die Bauschutt wegräumen, Elektroautos konstruieren, Ihnen Versicherungen andrehen? Warum sollte es die nicht geben? Wieso sollten Menschen sich nicht erproben wollen, nicht zusammenwir-

Ich möchte auf den Zusammenhang hinweisen, der mit Bewusstsein zu tun hat. Die Formen, die umso gewalttätiger in die Wirklichkeit haken, je mehr die Wirklichkeit sich unter diesen alten Formen wegentwickelt, stehen in Zusammenhang mit der Bewusstseinsentwicklung. Sie sind Auswirkungen. Auswirkungen einer Abgewandtheit.

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Das bedingungslose Grundeinkommen widerspricht dem wichtigsten Strukturelement unserer Gesellschaft, der Gebundenheit unserer Existenz an ein Erwerbseinkommen. Darauf hin wird zur Schule gegangen und studiert, das braucht man, wenn man sich einbringen will, auch wenn man Kinder haben will, dafür werden Arbeitsplätze erhalten, die nicht mehr nötig sind, und dafür werden auch die übelsten Dinge noch lange fortgeführt, damit wird erpresst, korrumpiert, Angst und Unterwürfigkeit verbreitet, weil der kleine Gedanke nicht möglich ist: dass Arbeit und Einkommen zwei Impulse sind. Zwei Funktionen, die sich gegenseitig ermöglichen und bedingen, aber in der Gleichsetzung und Verkettung das Bewusstsein aus- und den Trieb einschalten. Ich kann nicht arbeiten, wenn ich das für mein Einkommen tue. Es ist keinem Menschen bei intaktem Selbstempfinden möglich zu sagen, er oder sie würde für ein Einkommen arbeiten. In der Vorstellung sagen das viele, in der Tatsächlichkeit nicht. Und wenn doch, ist das die Trennung und Isolation des Selbst von dieser wirklichen Welt. Das war zu Zeiten der Selbstversorgung anders. Das freistellende Einkommen in der Höhe des Lebensnotwendigen – nicht darüber hinaus – ist kein totalitärer Handstreich zur Trennung von Arbeit und Einkommen. Keine Ideologie. Es biedert sich auch nicht als Lösung aller Probleme oder als egalitäre Gerechtigkeit an. Aber die Trennung von Arbeit und Einkommen tritt einem mit der Idee des Grundeinkommens persönlich nahe. Ein Einkommen wird als Lebenslegitimation verstanden. Woher kommt die, wenn nicht durch das, was ich dafür gebe, abgebe? Durch das, dass ich bin? Was spricht das in mir an? Nicht die Funktion. Auch nicht den Egoismus. Der Egoismus ist nur eine kurze Irritation am Anfang, wenn man sich mit dem Gedanken auseinandersetzt. Da kann man kurz meinen, das Grundeinkommen sei, dass man mehr

Geld hat und für nichts. Was man übrigens den anderen dann nicht gönnt. Der Egoismus merkt gleich, dass er mit dieser Idee nichts zu tun hat. Indem er dem Grundeinkommen die Förderung des Egoismus (bei den anderen) vorwirft, steigt der eigene Egoismus aus der Idee aus. Steigt man mit ihm mit aus, verhakt man sich in ihm, bemerkt man an sich nicht die Gegenwehr, dass man gerade den egoistischen Charakter aus dieser Idee raus haben will. Weil was? Weil sie das Ich anspricht. Und so geht es weiter an dieser Idee, dass man wieder und wieder das Dranbleiben an einer Forschungs- und Entdeckungsreise üben kann, vor der eigenen Wand steht, immer wieder auf den Rücken fällt und aufstehen lernen kann, Stufen nimmt, an denen man hängen bleiben kann und die wieder und wieder Überwindung im Anschauen, Weiterschauen verlangen. Denken, das aus eigenem Willen sich der Intelligenz öffnet. Da purzelt man über viele Leichen, Gedankenleichen, Vorstellungen, die man nur verschluckt hat, Lieblingsideen, die nicht mit einem mitgewachsen sind, in denen man jung bleiben will. «Ein Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will.» (Victor Hugo) Ein Traum kann auch mit einem bösen Erwachen enden. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens führt zu vielfachem Erwachen aus den heutigen Träumereien. Ob das ein Traum ist?

Enno Schmidt ist freischaffender Künstler, Autor und Filmemacher, Mitinitiator der Initiative Grundeinkommen in der Schweiz. Bild S.4 Dona Isabel ist 93 Jahre alt und bestellt ihr Stückchen Land unter den großen Werbetafeln direkt am Kreisverkehr in Buraca. | Bild S.7 Schutt und natürliches Geröll müssen aus dem Boden heraus, damit er fruchtbar wird.

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Johannes wirz

FÜLLE DES LEBENS Vielfalt und Beziehung sind es, was das Leben ausmacht. Was sagt das Leben zum Grundeinkommen?

Der Versuch, biologische Theorien auf den Menschen zu übertragen, hat im Sozialdarwinismus zur Verachtung von Recht und Würde der Schwachen geführt. Der Grund liegt im Kern dieser Theorie: Er heißt ‹Kampf ums Dasein› und ‹Überleben des Stärkeren›. Wenn hier trotzdem ein Versuch gemacht wird, Vorgänge und Interaktionen in der außermenschlichen Natur als Bild sozialer Beziehungen zu verwenden, dann deshalb, weil eine andere Lesart des ‹biologischen Textes›, ein Ausdruck von Hans Jonas, möglich, ja notwendig ist. Die Vielfalt und Schönheit intakter Landschaften und Lebensräume erstaunen und verzaubern, weil sie sich nicht im Kampf gegeneinander, sondern im Miteinander entwickeln. Das Geheimnis heißt uneingeschränkte Kooperation und bedingungsloses Verschenken von Mehrwerten, die allen zugutekommen, alle Gewinn ziehen. Jedes Jahr mischt sich im Herbst in die Gefühle des Abschiednehmens und in das Erlebnis des Absterbens die Zuversicht, dass die Natur den nahenden Winter dazu verwenden wird, die Ernte des vorangegangenen Sommers für den kommenden Frühling vorzubereiten. Es steht außer Zweifel, dass das Zukünftige nur werden kann, wenn das Vergangene die Bedingungen dafür geschaffen hat. Doch alles Vergangene nützt nichts, wenn Gegenwart das Werden nicht ermöglicht. Wir erleben diese Tatsache in vielen Teilen Europas heute deutlich. Der ausbleibende Regen und der niedrige Wasserstand vieler Flüssen und Seen werden dramatische Ernteeinbußen mit sich bringen, weil viele Kulturpflanzen zu wenig Wasser und damit keine Nährstoffe aufnehmen können. Das Gleiche gilt, auch wenn wir selten daran denken, für Erde, Luft, Licht und Wärme. Auch hier ist die Situation dramatisch. Der jährliche Verlust an fruchtbarem Ackerland durch Erosion aufgrund unsachgemäßer landwirtschaftlicher Praktiken, die Luftverschmutzung und der Klimawandel wirken ebenso bedrohlich auf den Reigen von Werden und Vergehen wie der aktuelle Wassermangel. Allein das Sonnenlicht scheint gesichert – diese geheimnisvolle ‹Substanz›, das Urproduktionsmittel allen Pflanzenwachstums. Unerschöpflich soll es Mensch und Erde noch Jahrmillionen zur Verfügung stehen. Es ist richtig, dass die Sonne als Quelle und Geschenk bildlich gesprochen außer Raum und Zeit existiert. Doch Lebensspenderin kann sie nur sein, wenn sie wie alle Elemente in einen rhythmischen Wechsel eingebettet ist. Der Rhythmus von Tag und Nacht, auf die Minute am Äquator, ins Jahr ausgedehnt an den Polen, ist die Voraussetzung, dass Leben entstehen, gedeihen,

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reifen und vergehen kann. Erst in der uns so selbstverständlichen Beziehung von Sonne und Erde, Tag und Nacht und den Jahreszeiten können Pflanzen, Tiere und Mensch gedeihen! Viele für eines, alle für alle, das ist die Botschaft, die aus der Natur zu uns klingt. Nach diesem Vorbild muss jede soziale Gemeinschaft gebaut sein, wenn sie sich lebendig und nachhaltig entwickeln soll! BEZIEHUNGEN SIND ALLES Es ist einleuchtend, dass Raum-Zeit-Beziehungen, ob zwischen Gegenständen oder Wesen, zu ungeahnter Zunahme von Vielfalt und Komplexität führen. Über die Kombinatorik hinaus bestehen verschiedene Affinitäten – der träge Luftstickstoff reagiert je nach Bedingungen mit Wasserstoff zu Ammoniak oder mit Sauerstoff zu Nitrat. Man kann die Zunahme an Komplexität, das heißt Beziehungen als Überschuss bezeichnen, der in der Natur allen zur Verfügung steht. Vielfalt ist seit dem Erscheinen der ersten Lebensformen auf der Erde das leitende Prinzip der Evolution. Wir wissen heute, oder ahnen es, dass unter Lebensbedingungen ohne Änderung keine neuen Lebensformen entstehen können. Wir wissen auch, dass aus den Wechselwirkungen von Pflanzen und Tieren ungeahnte Mehrwerte entstehen, die auch dem Menschen zugutekommen. Zwei Beispiele: Rinder und Kühe sind, wenn sie art- oder wesensgemäß gehalten werden, geniale Zauberinnen. Dank ihres Pansens (Vormagen) mit seiner reichen Mikroflora und -fauna können sie die Primärprodukte des Lichtstoffwechsels, Zellulose in Gräsern und Kräutern in wertvolle Milch und in Fleisch umwandeln. Das Abfressen durch die Kühe regt das Pflanzenwachstum an. Mit ihrem Tritt legen die Tiere Erde frei, wo Samen von Gräsern hinfallen und, von den Hufen der Tiere festgedrückt, keimen können. Mit ihrem Dung verbessern die Kühe die Wachstumsbedingungen und Fruchtbarkeit des Bodens. Mit einem guten Weidemanagement sind auf diese Weise im schweizerischen Jura blütenreiche Weiden und Wiesen entstanden, auf denen bis heute Tausende von Schmetterlingen den aufmerksamen Beobachter beglücken. Das alles ist möglich, weil Pflanzen und Tiere sich gegenseitig optimale Bedingungen schaffen – Magie einer Kooperation. Ganz anders sieht es unter Bedingungen einer maximalen Produktion aus, die stets weit über dem Optimum der art- oder wesensgemäßen Möglichkeiten liegen. Es entstehen die Landschaften der industriellen Landwirtschaft: Milchseen und Butterberge. «So


what?», werden einige sagen. Die Folgen beschränken sich nicht nur auf das Land, wo solche Überschüsse erzeugt werden, sondern erzeugen weltweit Leid. Zu Dumpingpreisen in die Länder der Dritten Welt exportiert, zerstören diese Überschüsse die Existenz der einheimischen Bäuerinnen und Bauern. Die Gier nach Maximalerträgen führt auch zu ‹Schattenlandwirtschaften› mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur. In Brasilien wächst auf einer Ackerfläche, so groß wie diejenige in der Schweiz, das Soja, das die Bauern ihren Kühen verfüttern. Die Produktion der Sojabohne bedrängt die einheimische Landwirtschaft, oder ruiniert die Gesundheit der Bevölkerung, wenn das Soja in der Cerrado, der brasilianischen Savanne, mit enormen Mengen an Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln (die eigentlich Giftstoffe heißen müssten) produziert wird. In der Schweiz wird der Mist der vielen Tiere zu einem massiven Umweltproblem. Diskussionen über die Wirtschaftlichkeit einer extensiven, biologischen Tierhaltung wirken auf diesem Hintergrund weltfremd und verfehlt. Das zweite Beispiel betrifft die generativen Seite des Pflanzenlebens, die Blüten und die sie besuchenden Insekten: Bienen, Schmetterlinge, Käfer. Ohne Bestäubung ist der Artenreichtum bedroht. Der Blütenbesuch bedeutet Fruchtbarkeit – Samenbildung für eine Unzahl anderer Tiere, und Obst, Beeren und Gemüse. Wie arm wären die Marktstände ohne Bienen und Co! Die meisten Produkte, die einladende Farbigkeit und die enorme Vielfalt an Gerüchen und Geschmacksrichtungen würden verschwinden. Wie im ersten Beispiel entsteht Fülle in einem gleichzeitigen Geben und Nehmen. Die Bestäuber holen Pollen und Nektar für ihren Nachwuchs. Ihr emsiges Geschäft zerstört nicht, sondern vollendet. Die schönen Samenstände der Doldengewächse erinnern noch in der Winterzeit daran. Auch hier hat die Maximierung von Erträgen heute für die blütenbesuchenden Insekten eine große Not hervorgerufen. Der Bericht, den die UNEP, die Umweltorganisation der UNO, veröffentlicht hat, spricht Klartext. Die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren riesigen Monokulturen führt unaufhaltsam zu einem Verlust der Biodiversität, Pestizide setzen allen Insekten zu und Kunstdünger hinterlassen tote Böden, die wegen Erosion durch Wind und Wasser zu Wüsten werden. Der Weg zum Optimum, das heißt zu einer Situation, in der Geben und Nehmen Reichtum und Fülle schaffen, kann nur durch einen biologischen oder biologisch-dynamischen Landbau erreicht werden!

MENSCHENWERK VOLLENDET DAS SCHAFFEN DER NATUR Die beiden Beispiele belegen, dass Leben ohne Beziehung zu anderem Leben nicht möglich ist. Jedem Lebewesen wohnt der Drang inne, sich seinem Gesetz gemäß zu entfalten und zur Erscheinung zu bringen, ohne die Existenz der anderen zu beschneiden. Dafür schaffen Pflanzen und Tiere ein riesiges Entwicklungspotenzial – Samen und Keime, die sich nie entfalten, sondern anderen Existenz ermöglichen. Diese verschwenderische Fülle bringt Vielfalt, Schönheit und Nachhaltigkeit hervor. Im Idealfall schaffen Menschen nicht nach allgemeinen Gesetzen, sondern nach ihren selbst gewählten Intentionen und Zielen. Pflanzen und Tiere bringen sich selbst zur vollständigen Erscheinung, die Menschen durch ihre Werke. Wie alle Lebewesen schaffen auch sie im Idealfall nicht, um zu überleben, sondern aus Liebe und mit Hingabe. Die Werke der handwerklichen, künstlerischen oder geistigen Produktion stehen anderen zur Verfügung. Jeder schafft für die anderen und wird von anderen getragen. Eine ausreichende materielle Grundausstattung ist Folge und Bedingung des schöpferischen und freien Handelns. Dass zu diesem Ideal viele Hürden zu nehmen sind, steht außer Frage. Dass ein Grundeinkommen die Entscheidung für eine Tätigkeit erleichtert, die nicht Beruf, sondern Berufung ist, ist wahrscheinlich. So wenig, wie das Rind sich sorgt, ob genügend Gras wächst, sondern instinktiv darauf vertraut, wird in der Gemeinschaft freier, kreativer Menschen niemand bangen, ob seine Bedürfnisse befriedigt werden. Auch hier wird Vertrauen zum Leitstern und Motor der Entwicklung. Das Schöne wird sein, dass die Krankenschwester nicht weniger Bedeutung haben wird als der Professor, der Bäcker nicht weniger als der Sologeiger – genauso wenig, wie die Biene wichtiger ist als die Mücke oder die Maus weniger als der Fuchs. Im großen Reigen der Natur haben alle Lebewesen ihren unersetzlichen Platz. Ohne jedes Einzelne ist das Ganze nicht möglich. Johannes Wirz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum. Zum Bild: Endlich regnet es. Ein Segen für die Kleinbauern, denn Wasseranschlüsse gibt es nicht im Niemandsland. Jeder Tropfen wird mit ausgeklügelten Systemen eingefangen und in unzähligen Wasserflaschen und Kanistern gesammelt, um den Anbau über die Trockenheiten zu retten.

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martin Barkhoff

GÖTTER UND GRUNDEINKOMMEN Probleme außerhalb der Liebe-Intensivierung gibt es nicht.

Dank Götz Werner und vielen anderen ist Grundeinkommen zu einem großen Thema geworden. Eine überschaubare und doch sehr radikale Idee oder auch Praxis, anhand derer man Gesellschaft interessant neu denken und wollen kann. Wären da nur nicht die Übereifrigen, die leider zugleich auch ziemlich bequem sind. Diese sehen schon die Lösung fast aller Probleme und das Paradies gleich um die Ecke. Sie tun so, als brauchte man eigentlich nur noch fordern und insistieren. Na ja, so bequem und nichtunternehmerisch hat sich Götz Werner das wahrscheinlich nicht gedacht. Um mich selbst zu orientieren, habe ich die Götter gefragt, was sie zum Grundeinkommen sagen – nicht alle Götter, nur die beiden, deren Meinung mir am wichtigsten ist, den Gott, den ich für den Christus halte, und jenen, der mir als sein finsterer Bruder erscheint. Und das ist erstaunlich: Man fragt sie und vernimmt tatsächlich so etwas wie Antworten. Ahriman und Christus, beide sind für die Einführung des Grundeinkommens. Wenn beide dafür sind, dann bin ich überzeugt, dass das Grundeinkommen bald zur Zivilisation gehören wird, so wie fließendes Wasser, Straßenreinigung und Abschaffung des Faustrechts. Aber wollen sie das Gleiche? Worin unterscheiden sich Ahriman und Christus? Der eine löst die Fragen des Lebens technisch, das heißt in der Welt außerhalb des Menschen, und der andere lässt die ganze Welt durch das Innerste des Menschen strömen. Der eine lebt in der Stimmung: Wenn ich das Problem technisch gelöst habe, ist das Problem gelöst. Natürlich kommen weitere Probleme, und die werde ich ebenfalls durch äußerliche Maßnahme lösen. Das ist nicht die Stimmung des anderen. Seine ist: Wenn ich ein ‹Problem› technisch gelöst habe, beginnt das Problem. Denn das Problem ist immer weitere Selbstverwandlung des Menschen. Probleme außerhalb der Liebe-Intensivierung gibt es nicht; es gibt keine Probleme, die wirklich gelöst werden könnten, ohne dass die Menschen ihre Liebe intelligenter und stärker entfalten würden. Ahriman bietet den Gedanken an, dass die Probleme der Menschen letztlich auf wirtschaftlichem Wege gelöst werden können. Das Grundgehalt ist ein sachgerechtes Mittel, die Menschen wirtschaftlich zufriedenzustellen. Darauf ist schon Milton Friedman gekommen. Der technische Friedensfürst kann gar nicht dagegen sein. Um nun den Christus zu vernehmen, muss ich mich von einer ahrimanischen Suggestion lösen, die uns allen sehr lieb geworden ist. Mutig denke ich: «Die Umverteilung von materiellen Gütern allein löst keine Menschenprobleme.» Sozialistische Umverteilungseinrichtungen, die im christlichen Europa eine richtige und wohltätige Errungenschaft darstellen, würden in anderen Gesellschaften

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und Kulturen strukturell und moralisch vernichtend wirken. Sie tun das, wenn sich – anders als in Europa und ähnlichen Gesellschaften – nicht zusätzlich zur Umverteilung ein inneres Wachstum vollzogen hat. Beispiele findet man viele in gut gemeinter Entwicklungshilfe, die in den dortigen Gesellschaften die gewachsenen sozialen Strukturen und Moralkräfte unterspült und an ihrer Stelle zwei hässliche Dinge zurücklässt: eine suchtartige Abhängigkeit von den Gütern der Entwickler und mafiose Strukturen. Die Familie als Not- und Liebesgemeinschaft, als Gemeinschaft, deren Liebe in der Not trägt, das ist die Heimat der Tatmenschen, die das Überleben sicherten. In den weiter zivilisierten Ländern ist an ihre Stelle die Wohlfahrtspflege (oft immer noch staatlich) getreten. Kommt aber das Grundeinkommen, bedeutet dies das endgültige Aus für die alten Kräfte der Weltbewältigung und Weltbewährung. Dann muss der Mensch in seinen Geberkräften viel stärker werden, als er es heute ist. Sonst bekommt er das sinnvolle Arbeiten nicht mehr hin. Absehen von seinen eigenen Ideen, was gut sei, und einfach tun, was andere brauchen oder möchten, damit ist auch der moderne Tatmensch noch überfordert, wenn er nicht wenigstens Geld und Status dafür bekommt. Besser ‹geben› kann er noch nicht. Dazu muss er stärkere neue Liebeskräfte entwickeln. In der Liebe fortzuschreiten von den Blutsverwandten, von denen, die die gleiche Sprache sprechen wie ich, das können wir schon. Schwierig wird es, die zu lieben, die nicht das Gleiche denken wie ich, die nicht zu meiner Denkgemeinschaft gehören. Da knirscht es bereits gewaltig in unserer Zivilisation. Aber wir müssen nicht nur lernen, die Fremd-Denker zu lieben; noch schwieriger ist es, die Fremd-Woller zu lieben, besonders die moralisch Fremden (die Bösen), unsere Feinde. Tja, ‹Arbeitsmotivation aus allgemeiner Menschenliebe› ist keine einfache Sache. Das geht nicht von allein oder durch Zahlung eines Grundgehalts. Viele, die einmal freigestellt waren, um zu machen, was sie wirklich wollten, können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, aus sich auszubrechen. Aus dem Scheitern daran wird Depression noch mehr eine Volkskrankheit werden. Der Christus hat deshalb andere Gedanken: Wenn Einzelne kein Brot haben, ist ihnen mit Brot geholfen; wenn eine Gesellschaft kein Brot hat, braucht sie – die ahrimanischen Geister in mir schreien auf! – eine neue Weltanschauung: neue Motive und neue Einsichten. Die alten Motive und die alten Einsichten brechen weg … und ohne neue bleibt nur die Verelendung. In einer gesellschaftlichen Notlage muss im Innersten der Menschen etwas geschehen. Nur dort entstehen neue Liebe und neue Erkenntnis. Wenn das Überleben als Handlungsmotivation für die Menschen


wegfällt, dann müssen die Menschen entweder durch gewaltige Verwandlungskrisen gehen, um tragfähige Quellen des Gebens, des Schenkens, der ergebenen Hingabe an die Nöte der anderen zu entwickeln – oder der technische Friedensfürst findet Wege, diese Verwandlungskrisen ‹von außen› in den Griff zu bekommen. Es tut weh, wenn der alte Tatmensch nicht mehr in die Welt passt und sterben muss und der neue, stärker eigenmotivierte, liebessichere und weltverständigere Tatmensch noch nicht herangewachsen ist. Aus kindlicher, peinlicher Unfähigkeit muss der neue Willensmensch sich erst mutvoll und schmerzbereit entwickeln. Und das ist kein bloß persönlicher Vorgang, um den herum das Leben weitergeht; in der Krise steckt dann eine ganze Gesellschaft. Für die, denen das zu hart ist, bietet sich Ahriman als Helfer an. So viel Seelentod, Leid, Scham und Angst kann der technische Friedensfürst den Menschen ersparen. Er bringt mit dem Grundeinkommen auch genügend Beglückungsmaßnahmen, Beschäftigungen und Sicherungen. Er erweckt den Eindruck, dass das Grundeinkommen das Glück bringen sollte. Ist es doch die Lösung eines Problems. Ganz anders bei dem anderen Gott. Er verbirgt nicht, dass dem Menschen nur bekömmlich ist, was Kräfte in ihm weckt. Und er weiß, dass diesen Kräften immer größere Aufgaben gestellt werden müssen, damit sie wachsen können. Er kann nicht das Glück der Lösung bieten, sondern nur das Glück der Aufgabe, das Glück des Stirb und Werde. Für ihn geht es nicht um wirtschaftlich-technische Lösungen. Er sieht in den wirtschaftlichen Vorgängen die Keime gewaltiger Liebesströme (Brüderlichkeit), die aber in ihrer heutigen Rohform noch durchtobt werden vom Geistestross seines schwarzen Bruders. Die Wirtschaft ist noch voller ‹technischer› Lösungen; die Liebe in ihnen ist noch Keim, noch ungeboren.

Christus kann den Menschen eine wirtschaftliche Maßnahme wie das Grundeinkommen eben nicht als Lösung aufzeigen. Den neuen Menschen, den man nach Einführung etwa eines Grundeinkommens notwendig, zwangsläufig entwickeln muss, den könnte der Einzelne schon jetzt noch frei, freiwillig, nicht von den Verhältnissen getrieben, entwickeln. Das kann er nicht als das Schlechtere hinstellen. Und er kann nicht verheimlichen, dass gleichgültig, wann man mit dem Opfern des alten Tatmenschen beginnt, ob heute oder ‹dann› (wenn das Grundeinkommen eingeführt ist), er immer nur das Glück der Aufgaben, der wachsenden Aufgaben bereitstellt. Er tut das, weil wir Menschen werden wollen. Der technische Friedensfürst findet es wichtig festzuhalten, dass sein Bruder offensichtlich nicht an durchdachten, tatkräftigen Lösungen, an ‹ergebnisorientiertem Handeln› interessiert ist, sondern zu etwas auffordert, das ihm als eigentümliche, schmerzhafte innere Verrenkungen erscheint. Dazu schweigt der andere. Und man fühlt, zu wie viel Arbeit er anleitet. Wie gesagt: Beide wollen das Grundeinkommen. Der eine als Lösung, der andere als neues Problem. So versteht man die Götter schon; aber wie verzerrt und anfänglich, das muss sich weisen. Moral: Das Ahrimanische möchte gefallen. – Das Christliche kann nicht gefallen. Liebe ist etwas ganz anderes als das Gefällige. Und erst die ganze Liebe: «Die Liebe, die noch nicht ganz Schmerz geworden ist, ist noch nicht die ganze Liebe.» (Antonio Porcia) Martin Barkhoff ist freier Publizist und hat zuletzt ein Buch zur ‹Sonnensprache Rudolf Steiners› geschrieben. Zum Bild: Joana ist Hausangestellte. Der Weg zur Arbeitsstelle ist weit, deshalb hat sie nur am Wochenende Zeit für ihren Garten.

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enno schmidt

KEIN MODELL SONDERN EINE IDEE Das Wesen der Idee ‹Grundeinkommen› ist, alle Vorstellungen und Handlungsmuster zu hinterfragen. Zum Stand der Grundeinkommensbewegung.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist kein Modell, sondern eine Idee. Dies zu erkennen, ist wichtig, wenn man sich eine Vorstellung macht vom Stand der Grundeinkommensbewegung. Das Wesen dieser Idee ist, alle gewohnheitsmäßigen Vorstellungen und Handlungsmuster zu hinterfragen und den Menschen als selbstständig denkend in den Mittelpunkt zu stellen. Eine Idee wächst, wo sie hinfällt, aufgenommen und gepflegt wird. Das braucht Zeit, wie das Leben, kann aber auch plötzlich aus allen Knospen sprießen. Im Frühjahr 2012 wird in der Schweiz die Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen lanciert. Erhält diese Initiative mehr als einhunderttausend Unterschriften, so folgt eine Volksabstimmung. Dabei müssen die Unterzeichner der Volksinitiative nicht unbedingt für ein bedingungsloses Grundeinkommen sein, aber für eine breite öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn die steht dann schweizweit an, wenn es zur Volksabstimmung kommt. Und dass die Bevölkerung eines ganzen Landes mit rechtlicher Konsequenz über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert, das wiederum machte die Idee weltweit publik. Die Idee ist alt. Wie jede Idee. Sie erscheint nur ganz neu in geänderten gesellschaftlichen Umständen und anderer Form. Die zeitgemäße Form fand der deutsche Unternehmer Götz Werner im Austausch mit dem Wirtschaftsprüfer Benediktus Hardorp. Werners öffentliches Auftreten für das Grundeinkommen seit 2005 gab der Bewegung einen entscheidenden Sog. Nicht nur das Gewicht seiner Person, sondern mehr noch die Gestalt der Idee, wie Werner sie vertritt, lässt den Impuls immer weitere Kreise ziehen. Schon vor Werners Auftreten hatte sich etwas getan. Die Gruppe ‹Freiheit statt Vollbeschäftigung› war gegründet, das deutsche

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‹Netzwerk Grundeinkommen› formiert, aus der Katholischen Sozialakademie in Wien kamen Aktivitäten zum Grundeinkommen, und das weltweite Basic Income Earth Network (BIEN) griff sich neu. In Brasilien stand das bedingungslose Grundeinkommen schon im Gesetz. Aber da steht viel. Und lässt auf sich warten. Deutschland wurde zum hauptsächlichen Schauplatz der Vision eines neuen Gesellschaftsvertrages, eines wirtschaftlichen Bürgerrechtes, des Grundeinkommens. Lokale und regionale Gruppen bildeten sich, Veranstaltungen, große und kleine, viele politisch eher linke, viele, denen das Grundeinkommen vor allem Armutsbekämpfung ist. Parteinahe Stiftungen wiesen die Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens nach, ein CDU-Ministerpräsident stellte ein Modell vor, das unter dem Strich noch Einsparung verspricht, eine Tagesmutter reichte eine Onlinepetition zum Grundeinkommen beim Bundestag ein, die binnen kurzer Frist von 50000 Menschen mit unterzeichnet wurde, die FDP propagierte ein Grundeinkommensmodell, das den Arbeitszwang verabsolutiert und die Sozialleistungen streicht. In den Medien ist das Grundeinkommen alle paar Tage, alle paar Wochen. Und natürlich bloggt es und youtubet es ununterbrochen. Auf Facebook hat das Grundeinkommen mehr Freunde als jede politische Partei. Die meisten Infos gibt es auf: www.archiv-grundeinkommen.de/. Hier und da wird es auch wieder stiller um das Grundeinkommen. Manchen verfliegt die Hochstimmung des Neuen, manchen fehlt ein Grundeinkommen, um sich für das Grundeinkommen einzusetzen. In Österreich wurde es still, nachdem sich die verschiedenen Pro-Grundeinkommensgrüppchen auf ein Modell geeinigt hatten. Und noch stiller, nachdem die Mindestsicherung im Lande


eingeführt war. Eine Vereinheitlichung der Sozialhilfe mit scharfen Wiedereingliederungsmaßnahmen. Modelle bröckeln, sind immer falsch, und das schon gestern, doch die Idee schlägt Wurzeln auch im Stillen und verbreitet sich unter den Menschen wie ein Schwelbrand. In Frankreich schlug jüngst der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin ein Bürgereinkommen für alle vor. Nur dass auch er noch im Armutsmodell festhängt und im Steuermissverständnis. Modell oder Idee, das eben ist die Frage.

auch unter ihnen die Meinungen darüber weit auseinander. Im Herbst 2006 fand ein großer Grundeinkommenskongress am Goetheanum statt. Und ein, ja, vielleicht der Initialschlüssel zum Grundeinkommen liegt – wie sollte es anders sein – bei Rudolf Steiner. Wo? In seiner knappen Äußerung zur Steuer: Man müsse von der Besteuerung der Einnahmen wegkommen hin zur alleinigen Ausgabenbesteuerung; alle anderen Steuern seien parasitär. Das ist der Knackpunkt. Der Rest ist Geschichte.

Zwei Leute gründeten am ersten Tag im Jahr 2006 die Initiative Grundeinkommen in Basel. Obwohl nur zu zweit, hauchten sie dem darniederliegenden Grundeinkommensgedanken in der Schweiz neues Leben ein, brachten die Idee in die Medien, Prominente auf Podien und lieferten mit ihrem hundert Minuten langen Film zum Grundeinkommen eine viel zitierte Grundlage für die Diskussion im deutschsprachigen Raum. 2009 war sich ein Zürcher sicher, dass jetzt die Zeit sei, eine Volksinitiative zu starten. Daniel Straub und Christian Müller gründeten in Zürich die Agentur (mit) Grundeinkommen, der Unternehmer Anton Gunzinger und seine Frau Seraina waren mit von der Partie, die Unternehmerin Ursula Piffaretti kam aufgrund des Filmes auf die beiden Basler zu; zu siebt bereiten sie den Weg zur Volksinitiative. Auch andere helfen. Seit ihrem erfolgreichen Kongress zum Grundeinkommen im März 2011 in Zürich gibt es kein Zurück. Die Schweizer Sektion des Basic Income Earth Network blieb noch außen vor. Doch auch in der Schweiz mehrt sich langsam die Zahl der Grundeinkommensaktivisten. Und auch in der Schweiz legen die Gegner zu und zeigen Zähne.

Noch eine Geschichte: In Namibia, in einem Dorf weit ab, wurde das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt. Alle schönsten Erwartungen erfüllten sich, viel Unvorhergesehenes dazu, nichts vom Befürchteten stellte sich ein. – Zu gut, um wahr zu sein? Nein, aber es bricht die Monopole. Die der Weltbank, der Regierung, der Sozialhilfe und der Arbeitgeber, auch die Monopole der Meinung über andere.

In keiner Gruppierung oder Gemeinschaft ist das Grundeinkommen so bekannt wie unter Anthroposophen. Wie überall gehen

Enno Schmidt ist freischaffender Künstler und Aktivist für das Grundeinkommen. Zum Bild: Julio ist Teil einer siebenköpfigen Familie. Da beinahe alle arbeitslos sind, verbringen sie viel Zeit gemeinsam auf den Feldern gegenüber ihres Wohnblocks. Im Februar rodeten sie ein weiteres Stück Land. Die nächsten Monate versprechen Regen und Wärme; im Mai hält Julio die ersten Säcke voll Bohnen im Arm.

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michael opielka

POSTFAMILIÄRE GEMEINSCHAFT Rudolf Steiners soziales Hauptgesetz und die soziale Evolution.

Als vielleicht größte Veränderung der Menschheit im Verlaufe des 20. Jahrhunderts kann der Wechsel von der Außensteuerung auf die Innensteuerung des sozialen Verhaltens gelten. Soziologen und Sozialpsychologen sprechen von der Subjektivierung oder Internalisierung von Motiven und Handlungsorientierungen. Die Psychoanalyse Sigmund Freuds spricht vom ‹Über-Ich›, in dem sich heute die Gesellschaft versammelt. Die Gesellschaft ist also in uns. Eine neuere soziologische Schule, der sogenannte Neoinstitutionalismus, verallgemeinert diesen Prozess, indem sie auf die ‹Skripte› aufmerksam macht, die in allen Institutionen und Organisationen das Handeln steuern. Soziale Veränderung erfordert dann vor allem eine Veränderung dieser Skripte. Auch die Akteure – die Individuen wie die Kollektive – haben solche Skripte, sie sind also keineswegs beliebig frei in ihren Entscheidungen, sondern immer schon ‹geskriptet›, also beschrieben. Das Über-Ich ist beim einzelnen Menschen wohl das wichtigste Skript. Schwierig ist dabei, dass uns nur ein kleiner Teil davon bewusst ist. Ein großer Teil der uns individuell wie kollektiv leitenden Skripte ist vor- und sogar unbewusst. Das bedeutet, dass wir uns nicht leicht Rechenschaft darüber ablegen können, was die Gesellschaft in uns mit uns macht. Wenn wir über die Idee des Grundeinkommens sprechen, sollten diese Zusammenhänge berücksichtigt werden: dass die Gesellschaft in uns lebt und dass uns das Ausmaß leider nur zum Teil bewusst ist. Ein Grundeinkommen als Bürgerrecht jedes Einzelnen auf Existenzsicherung unabhängig von seiner Vorleistung bedeutet eine neue wirtschaftliche Grundgleichheit, die erst die Freiheit des Einzelnen sichert, so die Befürworter dieser Reformidee. Bei der Idee des Grundeinkommens handelt es sich also um eine Idee, die das Verhältnis von Person und Gesellschaft, damit auch von Freiheit und Gleichheit neu fasst. Alain Ehrenberg, ein französischer Soziologe, hat in seinen Büchern ‹Das erschöpfte Selbst› und zuletzt ‹Das Unbehagen in der Gesellschaft› diesen Zusammenhang subtil untersucht und kulturelle Differenzen beobachtet: «Der amerikanische und der französische Individualismus weisen in ihren Konzeptionen von Gleichheit und Freiheit starke Kontraste auf. […] Der Begriff der Autonomie spaltet die Franzosen, während er die Amerikaner vereint. […] In Amerika ist der Begriff der Persönlichkeit eine Institution, während in Frankreich die Berufung auf die Persönlichkeit als Entinstitutionalisierung erscheint.» Die deutschsprachigen Länder sind in dieser Hinsicht unentschieden, die Balance zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft, zwischen Freiheit und Gleichheit ist stets prekär. Wir wollen einmal mehr Frager sein als Antworter und an-

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gesichts der durchaus hitzigen Diskussion pro und contra Grundeinkommen einen geisteswissenschaftlichen Blick befürworten. Was sollte die sozialen Verhältnisse leiten? Platon sprach von vier später als ‹Kardinaltugenden› bezeichneten Werten: Tapferkeit, Besonnenheit, Weisheit und Gerechtigkeit, wobei ihm Gerechtigkeit als der wichtigste galt. Im Christentum finden wir bei Paulus einen auf den ersten Blick anderen Tugendkatalog: Glaube, Hoffnung und Liebe, «die Liebe aber ist die größte unter ihnen» (1. Korinther 13,13). Wie können Gerechtigkeit und Liebe zusammen gedacht werden? Eine Spur findet sich in Rudolf Steiners Vortrag ‹Pfingsten, das Fest der freien Individualität›, den er an Pfingsten 1910 in Hamburg hielt (GA 118). Es ist der Gedanke der ‹allgemeinen Menschheit›, jenes «Zusammengehörigkeitsgefühl, das immer mehr und mehr seit der christlichen Verkündigung in dem Menschenherzen gegenwärtig ist, und das uns sagt: Du bist Mensch mit allen Menschen der Erde!» Was aber bedeutet das in der sozialen Gegenwart? In einem in der Zeitschrift ‹Lucifer-Gnosis› 1906 veröffentlichten Aufsatz mit dem Titel ‹Geisteswissenschaft und soziale Frage› formulierte Steiner das «Soziale Hauptgesetz, welches durch den Okkultismus aufgewiesen wird» – und damit ein moralisches Naturgesetz, das sich der geisteswissenschaftlichen Beobachtung übersinnlicher Wirklichkeit enthüllt. Das ‹Soziale Hauptgesetz› lautet: «Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist umso größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.» Steiner markierte eine Synthese von Gerechtigkeit und Liebe als Leitlinie sozialer Evolution. Das ist natürlich umstritten. Die Mehrheit der heute führenden politischen und wirtschaftlichen Eliten hält die Idee des Grundeinkommens für falsch. Zum Teil liegt dies daran, dass die Idee des Grundeinkommens nicht verstanden wird. Viele glauben, ein Grundeinkommen würde das Leistungsprinzip außer Kraft setzen. Das ist nicht der Fall. Ein Grundeinkommen würde je nach Niveau etwa 50 bis 60 Prozent des Volkseinkommens vorab und damit primär auf alle Bürger umverteilen, darüber hinaus zählen dann Leistung, Macht oder Solidarität. Manche glauben, ein Grundeinkommen würde solidarische Gemeinschaftsbildung erschweren. Das ist insoweit richtig, als mit einem Grundeinkommen keine Gemeinschaften (Familien, Kommunen, Genossenschaften) zur Sicherung des nackten Überlebens nötig sind. Aber liegt nicht darin eine ungemeine Chance: dass Gemeinschaft ganz aus Freiheit und nicht vor allem aus Not gebildet werden kann?


Das Grundeinkommen ist eine Wohlfahrtsstaatsidee. Für viele macht dies sie anrüchig. Sie halten den Staat für grundsätzlich problematisch, Umverteilung für gefährlich und den Markt für die beste Einrichtung sozialer Koordination. Diese grundlegende Kontroverse wird leider so lange nicht beendet, wie Ideologie die Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerrt. Die Wirklichkeit ist eine der ‹organischen Solidarität›. Ein anderer französischer Soziologe, Émile Durkheim, hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Werk ‹Über soziale Arbeitsteilung› auf einen bemerkenswerten Prozess hingewiesen, der die eingangs diskutierte Subjektivierung der Gesellschaft äußerlich vorbereitete: Während in vormodernen Gesellschaften die sozialen Strukturen leicht durch ‹mechanische Solidarität› in Form von gemeinsamen Traditionen und Werten aufrechterhalten werden konnten, bedarf es in neuerer Zeit einer differenzierteren Form des Zusammenhalts. Diese neue Form ist nach Durkheim die organische Solidarität. Sie ersetzt den in Zeiten des Wettbewerbs und steigender Bevölkerungsdichte schwierig gewordenen traditionellen Zusammenhalt durch neue, vertragliche Strukturen einer zunehmend globalen Arbeitsteilung, in denen der Einzelne in verschiedener Weise eingebunden ist. Die Arbeitsteilung in einem Weltmarkt ist hoch effektiv, führt aber zu dramatischer Ungleichheit und damit zu Unfreiheit der Schwächeren. Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaat haben seitdem neue Werte gesetzt, neue Traditionen geschaffen, die Arbeitsteilung und individuelle Freiheit miteinander verbinden sollen. Rudolf Steiners ‹Soziales Hauptgesetz› bildet ein Angebot, um diesen Prozess der Verwohlfahrtsstaatlichung nicht als Bürokratisierung und Freiheitsverlust zu konzipieren und zu verstehen, sondern als Beitrag zu menschlicher Verbundenheit und Freiheit. Er spricht von ‹Heil› und behauptet damit, dass soziale Heilung möglich ist. Die Pointe liegt darin, dass das Verhältnis von Gesellschaft

und Einzelnem nicht mehr als Gegensatz gedacht wird. Das ist kein Harmonismus. Konflikte wird es stets geben. Doch ein Grundeinkommen bildet eine Grundlage, auf der soziale Konflikte anders, womöglich reifer ausgetragen werden. Vieles muss bei dieser Idee noch geklärt werden. Wie lässt sich ein Grundeinkommen in die bestehenden Sozialsysteme integrieren? Was ist die klügste Finanzierung? Soll ein Grundeinkommen pauschal gezahlt werden oder sollen beispielsweise Wohnkosten besonders behandelt werden? Sollten die Bürger in einem Referendum über ein Grundeinkommen befinden? Je nach wohlfahrtsstaatlicher Besonderheit kommen unterschiedliche Antworten zustande. Wollen wir ein Grundeinkommen, dann werden die Skripte vieler Institutionen anders lauten. Schulen und Universitäten werden beispielsweise weit stärker als heute jeden Einzelnen mit der Frage konfrontieren, was er für die Gesellschaft aus Freiheit geben kann, damit sie seine Freiheit garantiert. Heute wird dieses Verhältnis mechanisch interpretiert, entsprechend dem Rhythmus von Kapitalismus und Industriesystem. In einer sozialen Zukunft mit Grundeinkommen sind diese einfachen Antworten schwerer zu geben. Freiheit, Gleichheit und Solidarität müssen immer wieder neu balanciert werden. Das Grundeinkommen kann aber helfen, die Balance für alle zu erleichtern. Michael Opielka ist Professor für Sozialpolitik an der Fachhochschule und Privatdozent für Soziologie an der Universität Hamburg. Zm Bild: Zwischen den Straßen eine kleine Pause; die Säcke mit frischer Ernte sind schwer. Viele selbstangebaute Produkte werden innerhalb von Familie und Freundeskreis weitergegeben oder getauscht- auch ein Brot beim Bäcker oder ein Stück Fleisch kann man manchmal gegen ein Kilo Bohnen erwerben.

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franziska schmidt-von nell

WENN DER INSTALLATEUR FLUGLOTSE WIRD Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gibt es keine Überschwemmung mehr in der Küche. Eine Glosse.

Ich bin für das bedingungslose Grundeinkommen. Seit heute. Weil mein Zeigefinger blutet. Das ist zwar kein moralisch hochstehender Grund, aber das letzte Glied in einer Entscheidungskette, die mich dahin geführt hat, für das Grundeinkommen zu sein. Wenn es nämlich das Grundeinkommen gäbe, dann wäre der freundliche junge Mann mit Übergewicht, der sich heute Nachmittag bei mir zu Hause eine Dreiviertelstunde mit meiner Spülmaschine beschäftigt hat, nicht Kundendienstmitarbeiter einer renommierten Haushaltsgerätefirma geworden, sondern – naja, was ganz anderes bestimmt. Vielleicht Koch. Er sieht so aus, als würde er gerne essen. Oder Fluglotse. Da müsste er sich nicht so viel bewegen. Oder vielleicht Schreiner? Nachdem er nämlich an meiner Spülmaschine, die nicht sauber wäscht, kein Problem feststellen konnte, obwohl er intensiv bestimmt 15 Sekunden in ihr Spülmaul geschaut, alle Knöpfe gedrückt und den Kopf gewiegt hatte («Nichts gegen Sie, vielleicht müssen Sie mal so einen Maschinenreiniger nehmen!» «Äh, das habe ich schon probiert»), fand er plötzlich seine Berufung: die Spülmaschine steht schief! Und zwar in zwei Dimensionen, nach rechts und nach hinten! Da muss etwas unternommen werden! Und in einem unbeobachteten Moment schraubt der gute Mann die Maschine frei, entfernt die Leiste, die oben – nicht ganz fachmännisch, gebe ich zu – angebracht war, zieht einmal kräftig, schraubt ein paarmal heftig an den Füßen und überreicht mir stolz zwei Metallplättchen, die Holzleiste und sieben Schrauben: «Das habe ich entfernt, wenns Ihnen nichts ausmacht!» Strahlen über das ganze runde Gesicht. Vielleicht wäre Zahnarzt auch ein guter Beruf für ihn, er will ja helfen: was den anderen quält, herausrupfen und es ihm in einem weißen Plastikbecherchen mitgeben, als Andenken an die überwundenen Schmerzen. Ich bin etwas verdutzt, bedanke mich und unterschreibe alles, was er will. Mit einem jovialen «Auf Wiedersehen!» mit Betonung auf dem «Wieder» verabschiedet sich der Handwerker.

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Als ich am Abend die fertig gelaufene Spülmaschine öffne und den unteren Geschirrkorb zum Ausräumen herausziehe, da kippt die ganze Maschine nach vorn. Ich verhindere einen Scherbenhaufen, aber ein langer Fluch zerreißt den abendlichen Frieden. Meine Beschwerde muss ich am Montag noch mal vortragen, sagt die Dame am Telefon, dann liegt sicher der Rapport des Handwerkers vor. Wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, dann brechen ja neue Zeiten an. Eigentlich bin ich mit dem, was ich arbeite, sehr zufrieden, aber Haushaltsgerätetechniker wäre noch eine ganz neue Nuance in meinem Leben... Als alles ruhig war heute Abend, habe ich mich vor meine Spülmaschine gesetzt und mir die Sache noch mal betrachtet. Dass sie umfällt, wenn sie geöffnet wird, das lasse ich erst mal, das soll meine Freundin reparieren. Aber ich will, dass das Geschirr sauber wird! Ich habe auch das Rätsel tatsächlich gelöst und mich somit als Spülmaschinenwart qualifiziert. Aber Lehrgeld gezahlt: Als ich zur näheren Untersuchung auf de n Boden des Siebes fasse, sticht mich was in den Finger. Ich fische es raus – es ist die achte Schraube! Mein Techniker hat sie wohl in die geöffnete Maschine fallen lassen. Und nebenbei kommt ein aufgelöstes Stück Papier raus, das zu einer Art Zelluloseschleim aufgeweicht ist und den seltsamen Film auf Geschirr und Maschine verursacht hat ... Jetzt gehe ich hin und schreibe mir eine Rechnung. Ob ich da Schmerzensgeld draufsetzen darf?

Franziska Schmidt-von Nell engagiert sich für Fragen der Familienkultur in der Sektion für Sozialwissenschaften. Sie hat drei Söhne.


christian müller

EINE WELT OHNE GRUNDEINKOMMEN Der Blick aus der Zukunft zurück zeigt, wie merkwürdig die heutige Gemeinschaftsbildung ist.

In Zukunft wird alles anders sein. Wer große Veränderungen nicht mag, sollte sich mindestens der Frage stellen, was die Zukunft bringt, wenn alles gleich bleiben sollte. Ich stelle mir die Zukunft mit baldiger Einführung des Grundeinkommens vor. Manchmal frage ich mich, was ich als alter Mann in vielleicht fünfzig Jahren meinen Enkeln von früher erzählen werde. Wenn ich mir überlege, was mir meine Großeltern aus den Vorkriegsjahren geschildert haben und wie dort alles war, so wird die Welt mit immer höherem Veränderungstempo in einigen Jahrzehnten erst recht anders aussehen. Vielleicht werden in den Feuilletons dereinst zeitgeschichtliche Ausstellungen besprochen, die sich mit den vergangenen Jahrzehnten auseinandersetzen. Und die Journalisten werden die verzweifelte Mühe der Menschen von damals beschreiben, die nicht wussten, wie ihnen geschah, als plötzlich alles möglich wurde. Historiker werden die Epoche Anfang des neuen Jahrtausends aufarbeiten, in der die postindustrielle Gesellschaft zwar alles hatte, aber nicht wusste, wie umzugehen mit dem riesigen Potenzial automatisierter Güterfabrikation. Wenn ich im Jahr 2061 vielleicht als Großvater zusammen mit den Kindern meiner Kinder auf dem Sofa sitze, werde ich von der gewaltigen Gesellschaftserneuerung in den Zwanzigern erzählen. Und davon, dass es davor in der Schweiz tatsächlich Menschen gegeben hat, die in einem unsäglichen Kampf jeden Tag einer aufgezwungenen Tätigkeit nachgehen mussten. Die Enkel werden verwundert fragen, wer denn damals über die Arbeitsprogramme für sogenannte Arbeitslose bestimmte. Ungläubig werden die Kleinen nachbohren und wissen wollen, weshalb es damals Menschen gegeben habe, die nicht arbeiten durften, was sie wollten und was sie am besten konnten. Oder warum es Menschen gab, denen jegliche Tätigkeit untersagt wurde, weil sie in einem Integrationsprogramm der Arbeitslosenversicherung waren. Und dies, obwohl es doch schon

damals Unmengen unverrichteter Arbeit gegeben haben musste. Und ich werde den Knirpsen erklären, dass in jener Zeit das Einkommen noch direkt an die Arbeit gekoppelt war. Ich werde etwas weiter ausholen und aufzeigen, dass damals der Begriff Arbeit noch eine Tätigkeit bedeutete, die vor allem nicht erneuerbare Ressourcen verschliss und sich an quantitativen Merkmalen maß. Ob es denn am Anfang des Jahrhunderts nicht genug Arbeit gegeben habe für alle, werden mich diese jungen Menschen fragen. Und ich werde ihnen die paradoxe Situation erklären, dass es in meiner eigenen Jugend zum Beispiel im Schulwesen an Lehr- und Betreuungspersonal fehlte, dass die Spitäler und Altersheime zuweilen nicht genügend Personal fanden und dass die Landwirtschaft wegen des Preisdrucks mit immer größeren Maschinen produzieren musste. Dass es also in den wichtigsten Bereichen des Lebens an Arbeitskräften fehlte, jedoch niemand bereit war, dafür zu bezahlen. Im Zeitalter, in dem alle ein bedingungsloses Grundeinkommen ausbezahlt bekommen, wird man sich nicht mehr vorstellen können, wie diese zwanghafte und süchtige Gesellschaft von damals überhaupt funktionieren konnte. In fünfzig Jahren wird es selbstverständlich sein, dass jeder unabhängig davon, was er tut, monatlich 2500 Franken zum Leben bekommt. Das Grundeinkommen wird den Enkelkindern dereinst die volle Verantwortung in die Hand geben für das, was sie tun. Vielleicht führt das zu einer indirekten Verpflichtung für jeden einzelnen, nur noch das zu machen, was wirklich gut ist. Christian Müller ist 30 Jahre alt und führt mit Daniel Straub die ‹Agentur[zum]Grundeinkommen›. Zusammen mit der ‹Initiative Grundeinkommen›, der ‹Stiftung Kulturimpuls Schweiz› und weiteren Partnern werden sie im Frühling 2012 eine eidgenössische Volksinitiative zum Grundeinkommen lancieren. Kontakt: info@bedingungslos.ch

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ueli mäder

SOZIAL STATT MARKTLIBERAL Ein Vorschlag, wie ein Grundeinkommen die soziale Sicherheit gewährleisten könnte: über die Ausweitung der Ergänzungsleistungen

Eine alte Idee lebt neu. Alle Mitglieder einer Gemeinschaft erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die Grundbedürfnisse befriedigen und die gesellschaftliche Teilhabe fördern soll. Das Grundeinkommen ist als individueller Rechtsanspruch konzipiert, ohne Arbeitszwang und Nachweis einer Bedürftigkeit. Ich skizziere hier einen Vorschlag, der auch schweizerische Spezifika berücksichtigt. In der Schweiz haben wir ein relativ gut ausgebautes System der sozialen Sicherheit, das allerdings mit dem Wandel der Lebensformen nicht Schritt hält. Obwohl Alleinlebende, Alleinerziehende und Patchwork-Haushalte zunehmen, richtet sich die soziale Sicherung auf klassische Familien und ‹Normalbiografien› aus. Wir haben zwar eine hohe Erwerbsintegration, aber keine Vollbeschäftigung. Ausgesteuerte Arbeitslose sind auf Sozialhilfe angewiesen, die immer mehr auffangen muss, was wirtschaftliche Unternehmen und soziale Versicherungen vernachlässigen. Ein Systemwechsel drängt sich auf. Zwiespältige Konzepte Stellen Sie sich vor, Sie erhalten ein Grundeinkommen. Was würden Sie damit tun: weniger arbeiten, das Geld auf die hohe Kante legen oder in Lotto investieren? Diese Qual der Wahl nehmen wir gerne auf uns. Egal, ob wir lieber Münzen sammeln, antiquarisch Bücher erwerben oder Ausstellungen besuchen. Eine erste Variante des Grundeinkommens will nun allen Erwachsenen monatlich 1500 Franken bezahlen. Die Reichen benötigen allerdings kein solches Grundeinkommen und den Armen reicht es nicht aus. Menschen mit Behinderungen bräuchten weitere Transferleistungen. Die zusätzlichen Kosten würden die Gefahr erhöhen, soziale Ausgaben auf private Träger abzuwälzen. Ein zweiter Vorschlag kam schon während den 1960er-Jahren in den USA auf. Er postuliert, monetaristisch motiviert, eine negative Einkommenssteuer. Das Prinzip ist einfach: Der Staat garantiert allen Haushalten ein Grundgehalt von 3000 Franken. Hat ein Haushalt kein Einkommen, bekommt er diesen Betrag direkt ausbezahlt. Hat er ein eigenes Einkommen von 2000 Franken, erhält er, je nach Lebenslage, etwa 2000 Franken dazu, damit er über 3000 Franken kommt und ein Anreiz zur Arbeit besteht. Wer mehr als

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6000 Franken verdient, muss hingegen einen Betrag für die negative Einkommenssteuer abgeben, die alle bestehenden Wohlfahrtsleistungen ersetzt. Etliche private Unternehmen befürworten diese Variante. Zum einen aus Kostengründen; zum andern, weil sie so einfacher Arbeitskräfte entlassen können. Das verschärft jedoch die Spaltung der Gesellschaft. Zudem liegt das vorgesehene Grundeinkommen unter dem Existenzminimum. Damit erfordert diese zweite Variante ebenfalls zusätzliche Mittel, von denen unklar ist, ob und wie sie sich auftreiben lassen. Alternative Damit die soziale Sicherheit wirklich gewährleistet ist, schlage ich als dritte Variante ein Grundeinkommen vor, das an die vorhandene soziale Sicherung anknüpft und die Ergänzungsleistungen (EL) ausweitet. Wer bei uns pensioniert ist, bekommt eine Altersrente (AHV). Und wer eine Behinderung hat, erhält eine Invalidenrente (IV). Wenn diese Renten nicht ausreichen, kommen die Ergänzungsleistungen zum Tragen. Sie garantieren, dass eine Einzelperson nach Abzug der Ausgaben für das Wohnen und für die Gesundheit monatlich noch mindestens 1500 Franken zur freien Verfügung hat. Leben mehrere Personen zusammen, dann erhöht sich der Betrag nach den gesamten Lebenskosten. Ich schlage vor, allen Haushalten die Existenzsicherung über diesen Anspruch auf Ergänzungsleistungen zu garantieren. Der Ansatz liegt mindestens 500 Franken über der Sozialhilfe. Die zusätzlichen Kosten kämen für alle Familien mit Kindern auf keine vier Milliarden Franken zu stehen. Dieser Betrag entspricht einem Promille der Vermögen, die Schweizer Banken verwalten. Geld ist also genug vorhanden; wobei der Ausbau der Ergänzungsleistungen auch die Sozialhilfe (SH) entlasten würde. Zudem gäbe das Recht auf Ergänzungsleistungen vielen Menschen mehr Unabhängigkeit und Rückhalt, um Neues auszuprobieren und sich sozial, ökologisch oder kulturell zu engagieren.

Ueli Mäder ist Professor für Soziologie an der Universität Basel und der Hochschule für Soziale Arbeit. Er leitet das Institut für Soziologie und das Nachdiplomstudium in Konfliktanalysen. Sein letztes Buch heisst: ‹Wie Reiche denken und lenken›, Zürich 2010.


konstanze Brefin alt

WAS MACHT ATTRAKTIV? Interview mit Daniel Häni, Aktivist in der Verbreitung der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Anfang April traf ich Daniel Häni im ‹unternehmen mitte› in Basel, um von ihm zu erfahren, woran es liegt, dass viele Menschen emotional positiv auf das bedingungslose Grundeinkommen reagieren. Als Wichtigstes beim bedingungslosen Grundeinkommen bezeichnet Daniel Häni das Nachvollziehen der gesellschaftlichen Entwicklungsschritte: «Früher galt: Ich arbeite, um mich und die Meinen zu versorgen mit den Dingen, die wir zum Leben brauchen. Ich arbeite für das, was ich brauche. Für mich und die Meinen. Selbstversorgung. Heute gilt: Ich arbeite, um andere zu versorgen. Dass die etwas zum Leben haben. Dafür bekomme ich ein Einkommen, um andere zu versorgen und um mich von anderen versorgen lassen zu können. Ich habe ein Einkommen, um arbeiten zu können. Einkommen schafft Arbeit. Früher war das Einkommen Ziel meiner Arbeit. Arbeit schafft Einkommen. Heute ist das Einkommen Voraussetzung dafür, dass ich arbeiten kann. Aber durch die Art, wie wir Einkommenszahlungen verstehen, insbesondere bei der Lohnzahlung, tun wir so, als ob wir immer noch für uns selbst arbeiten würden. Und wir meinen beispielsweise auch, wir bekämen die Rentenzahlungen, weil wir dafür gearbeitet hätten. Dieser Irrtum führt uns in die absurde Situation, dass wir trotz materiellem Überflues und bei nicht einmal voll ausgelasteten Produktionskapazitäten mental im Mangel leben. Da steht ein grundlegender Bewusstseinsschritt vor der Türe, und das spüren immer mehr Menschen. Diese Türe öffnet das bedingungslose Grundeinkommen.»

gezahlte Steuerfreibetrag. Ausgezahlt in gleicher Höhe an alle. Das monatliche Startgeld zur emanzipierten Teilnahme in einer demokratischen Gesellschaft im Zeitalter der globalen Arbeitsteilung, Fremdversorgung und Initiativwirtschaft.» Wie ist das mit dem Konsumsteuermodell, das Götz Werner und Benediktus Hardorp vertreten? Ist das das Gleiche? «Ja, aber Werner und Hardorp vertreten in meinen Augen kein Modell. Sie beschreiben, wie wir auch, den Kulturimpuls, wie er sich in die Formen der Steuern inkarnieren will. Besonders interessant dabei ist, dass der Körper schon da ist, aber noch kein Bewusstsein hat. Mit Körper meine ich die Fremdversorgung und dass wir die daraus folgende Konsumbesteuerung faktisch bereits haben: Alle Steuern werden heute schon im Konsum getragen, egal, wo sie erhoben und einbezahlt werden. Nur sehen wir es nicht. Um es zu sehen, muss man unterscheiden können zwischen Steuern einzahlen und Steuern tragen. Wer Einkommenssteuern einzahlt, kann sie nur einzahlen, weil sie vom Kunden in den Preisen getragen werden. Sie sind in die Preise eingerechnet. Eine Bewusstseinsfrage.» Zum Schluss fügt Daniel Häni an «Du willst von mir wissen, was am Grundeinkommen attraktiv ist: Menschen, die Selbstbewusstsein haben, sind attraktiv. Es ist die Selbstermächtigung. Dass es darum geht beim Grundeinkommen, ich glaube, das spüren die Menschen …»

Daniel Häni bezeichnet das Grundeinkommen als Kulturimpuls. Das Grundeinkommen sei attraktiv, weil es Fragen stellt. Zum Beispiel: «Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?» «Wer sich diese Frage einmal gestellt hat», sagt Häni, «kann nicht mehr hinter die Frage zurück. Von dem Moment an ist das Leben nicht mehr wie vorher, lebenslänglich ...» Das Grundeinkommen löst auch die Frage aus: «Wie hoch ist denn nun wirklich der Betrag in unserer Gesellschaft, von dem man menschenwürdig leben kann? Der Steuerfreibetrag ist ja der Betrag, den man als Voraussetzung für die eigene Existenz braucht, von dem man nichts abgeben kann und der deshalb von der Steuer frei sein muss. Das bedingungslose Grundeinkommen ist der aus-

Konstanze Brefin Alt ist Redakteurin der ‹Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in der Schweiz›, Präsidentin des Vereins Medienarbeit Anthroposophie Schweiz und Mitinhaberin der Textmanufaktur Basel.

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konstanze Brefin alt

LIEBESMÜHE Ursula Piffaretti ist Mitglied der Kerngruppe, die eine Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz starten will buchhinweise Auswahl verschiedener Bücher zum Thema Grundeinkommen von Ursula Piffaretti

Ursula Piffaretti, ehemaliges Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, ist über die DVD ‹Bedingungsloses Grundeinkommen› auf die Initiative ‹Grundeinkommen für alle› von Daniel Häni und Enno Schmidt gestoßen. Sie war von diesem Ansatz Arbeit und Einkommen zu trennen überzeugt. Wenige Monate später gehörte Sie zur Kerngruppe, die im Frühling 2012 die Unterschriftensammlung zu einer Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz starten will. Sie ist Stiftungsrätin der Stiftung Kulturimpuls Schweiz, die sich als erstes Projekt dem Grundeinkommen angenommen hat. Zum Thema hat Ursula Piffaretti die Bücherliste zusammengestellt. Begeistert ist sie vom Buch ‹Die Arbeit des Einzelnen und der Geist der Gemeinschaft›. «Umwerfend, denn Peter Selg zeigt auf, wie Rudolf Steiner immer wieder versuchte, im Sozialen Neues anzuregen, und wie das oft zunächst gar nicht gehört und dann manchmal neun, zehn, zwölf Jahre später wieder aufgegriffen wurde. Selg verbindet diese Impulse.» Kaum hat sie angefangen sich für das Grundeinkommen zu engagieren, wurde heftig Kritik an sie herangetragen, weil mit dem Grundeinkommen kaum jemand mehr arbeiten wolle. «Ich wollte wissen, ob das stimmt, obwohl der Film zum Grundeinkommen aufzeigt, dass die meisten denken: ‹Ich würde schon weiter arbeiten – aber der Nachbar nicht.› Nun erinnerte ich mich, an das Buch von Peter Selg. Allein schon seine vielen Anmerkungen und Steiner-Zitate sprachen mich an, und tatsächlich stieß ich auf Seite 110 gerade auf die Aussage von Steiner, ‹dass der Mensch sein

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physisches Leben nicht bloß als Vorbereitung für das Leben nach dem Tode anzusehen hat, sondern … auch als Fortsetzung eines geistigen Lebens vor der Geburt. Dann wird aus einem faulen Menschen, der nichts tun will, ein Mensch, der sich bewusst ist, dass er auf der Erde etwas auszuführen hat, dass er eine Mission hat. Ehe nicht dieser Gedanke die Menschen durchdringen kann, kann es nicht anders werden, als dass die Menschen in den Materialismus hineinversinken.›» Essenziell ist für Ursula Piffaretti «wie Selg belegt, dass die soziale Dreigliederung parziell verwirklicht ist, auch wenn das Geistesleben zumeist vergangenheitsorientiert ist und die Wirtschaft versucht, alles zu dominieren, denn sie lebt nach der egoistischen Maxime: Wenn jeder für sich schaut, gehts allen gut.» Für Ursula Piffaretti beschränkt sich Wirtschaft nicht darauf, Arbeitsplätze zu schaffen, denn der äußere Fortschritt in der Berufsentwicklung führe zur Auflösung der menschlichen Bande. «Die Menschen würden mit ihrer Arbeit ihre Vorteile zu sichern versuchen, und damit bliebe zwischen ihnen nur die Konkurrenz als Beziehung. Mit dieser ‹Konkurrenzerwerbssucht› – so nennt es Steiner – hätten wir die Hölle. Und da sind wir auf dem besten Wege dazu.» Und weil echte Impulse für eine positive Zukunftsentwicklung nicht eher möglich seien, «als dass jeder Einzelne aus sich selbst heraus, aus Liebe für seine Mitmenschen arbeitet, macht es auch wenig Sinn, sie über den Lohn zur Arbeit zu zwingen, damit sie ihr Karma nicht verpassen. Erzwungene Liebesmüh bringt uns nicht weiter.»

Götz W. Werner ‹Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen›, Stuttgart 2006. Gespräche, Interviews und Texte mit Götz Werner, Benediktus Hardorp und anderen. Eine gut lesbare, aus der Praxis beschriebene, vielseitig informative Darstellung von den Fragen, Antworten, Einwänden zur Idee des Grundeinkommens. | ‹Einkommen für alle – der dm-Chef über die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens›, Köln 2007. Das Grundeinkommen als Kulturimpuls und warum es heute aktuell ist; wie Götz Werner dazu kam, sein Unternehmen ganz auf die Eigeninitiative der Mitarbeiter zu stellen, und welche Erfahrungen er daraus gewinnen konnte. Über Geld, Gerechtigkeit, Konsumsteuer. Das fundierte Sachbuch. Paul Mackay, Ulrich Rösch (Hrsg.) ‹Grundeinkommen für jeden Menschen. Eine Herausforderung für Europa?›, Dornach 2007. Vorträge, welche am gleichnamigen Kongress im Herbst 2006 am Goetheanum in Dornach gehalten wurden. Von Ulrich Rösch, Götz Werner, Matthias Spielkamp, Benediktus Hardorp und Götz E. Rehn und Beantwortung der Fragen der Kongressteilnehmer. Die wichtigsten Anliegen zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens werden in aller Kürze dargestellt. Götz Werner, Adrienne Goehler ‹1000 Euro für jeden. Freiheit – Gleichheit – Grundeinkommen›, Berlin 2010. Dieses Buch regt zum Umdenken an: «Ein bedingungsloses Grundeinkommen belohnt keine Leistungen, sondern ermöglicht sie erst.» Es befreit von wirtschaftlicher Existenzangst, es schafft Freiraum für Kreativität und Eigeninitiative, gibt der Arbeit ihren Sinn und den Menschen ihre Würde zurück.


In Dankbarkeit haben wir von

GÜtz Deimann 22. November 1926 (Berlin) – 7. Juni 2011 (Dornach)

Abschied genommen Neben seiner fßhrenden Tätigkeit in der Bauwirtschaft regte er seit Mitte der 1980er Jahre mit Christoph Lindenberg und Karl-Martin Dietz anthroposophische Forschungszusammenhänge zu bewusstseinsgeschichtlichen Entwicklungsfragen an und errichtete Stiftungen, die anthroposophische Forschung fÜrdern. Die FÜrderung konzentrierte sich auf die Forschungsstelle Kulturimpuls, damals in Heidelberg, heute am Goetheanum. Die Mitwirkenden und Kuratoren der Stiftung Kulturimpuls: Michael Blanc, Gerald Häfner, Edda Nehmiz, Johannes Nilo, Bodo v. Plato, Jan Pohl, Urs Pohlman, Robin Schmidt und Uwe Werner.

Eric Patry ‚Das bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz. Eine republikanische Perspektive›, Dissertation der Universität St. Gallen, Bern 2010. Ein politisch-philosophischer Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion um die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens in der Schweiz. Bien-Schweiz (Hrsg.) ‚Die Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens›, zwĂślf Autoren, ZĂźrich 2010. Wie steht es mit den Kosten? Finanzierungsvarianten werden von verschiedenen Autoren – darunter Daniel Häni und Enno Schmidt – entwickelt. Ergänzend dokumentieren fĂźnf Beiträge aus Deutschland, Frankreich, GroĂ&#x;britannien und SĂźdafrika Aspekte der Finanzierungsdiskussion im internationalen Rahmen. Kai Ehlers ‚Grundeinkommen fĂźr alle. Sprungbrett in eine integrierte Gesellschaft›, Dornach 2006. Wie kann durch eine neue Nutzung des Kapitals die Entwicklung zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft stattfinden? Anhand bestehender Projekte und historischer Erfahrungen werden Ideen wie Grundversorgung, Eigenarbeit, Verbrauchergemeinschaft, Armutsbekämpfung, Selbstverantwortung entwickelt, verstanden als Reifungsprozess des einzelnen Menschen und der menschlichen Gemeinschaft. Bernhard Steiner ‚Geld und Karma. Von der Krise zur Neuordnung des Geldwesens›, Dornach, 2010. Eine Betrachtung des Geldes aus anthroposophischer Sicht: vom Utilitarismus im Geldwesen zu Elementen sozialer Heilung (von Mars zu Merkur) und die Kräfte der Mitte. Im Epilog: Betrachtung zur okkulten Dimension von ‚Die Verwandlung von Steinen in Brot› auf Grundlage eines Vortrages von Rudolf Steiner. Vorwort von GĂśtz Werner.

Rudolf Steiner ‚Wirtschaft – Ideen zur Neugestaltung›, Themen aus dem Gesamtwerk, herausgegeben von GÜtz E. Rehn, Stuttgart 2011. Acht Aufsätze, vier Vorträge und Seminarbesprechungen Rudolf Steiners, darunter seine Vorrede und Einleitung zu ‚Kernpunkte der sozialen Frage›, 1920 sowie Rudolf Steiners Fragebeantwortungen zum Thema. | ‚Barometer des Fortschritts. Gesetze des sozialen Lebens›, Dornach 2006. Sammlung wichtigster frßher Aufsätze und sein Vortrag ‚Die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens› von 1921. Peter Selg ‚Die Arbeit des Einzelnen und der Geist der Gemeinschaft›, Dornach 2007. Eine souveräne Fßhrung durch Rudolf Steiners soziale Erneuerungsvorschläge vom modernen Begriff der Arbeit ßber das soziale Hauptgesetz und Gedanken zur sozialen Dreigliederung bis zum Verhältnis von Ich und Gemeinschaft. Mit zahlreichen Zitaten aus 55 Vorträgen und Schriften Rudolf Steiners. Daniel Häni, Enno Schmidt ‚Grundeinkommen – ein Kulturimpuls›, Film 2008. Der Film wurde 500000-mal gesehen und ist das erste filmische Grundlagenwerk zum Grundeinkommen. Der Film kann in der deutschen Originalfassung sowie in einer franzÜsisch synchronisierten Version kostenlos heruntergeladen werden unter: www.kultkino.ch/kultkino/besonderes. Alle aktuellen Filmbeiträge zum Grundeinkommen wie ein Film bei 3Sat, die Beiträge des SF ECO und Interviews mit GÜtz Werner, Klaus Wellershoff, Roger KÜppel, Anna Rossinelli, Judith Giovanelli-Blocher und Enno Schmidt findet man auf www.grundeinkommen.tv.

Neuerscheinung

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VERANSTALTUNGEN AM GOETHEANUM 25. JUNI BIS 4. JULI 2011 Ticket-Schalter: Di–So, 8–18.30 Uhr; Fr–Sa, 8–20 Uhr | Telefonisch: Di–Sa, 14–18 Uhr | Tel. +41 61 706 44 44 | Fax +41 61 706 44 46 | tickets@goetheanum.ch | Änderungen vorbehalten

SAMSTAG, 25.6.

DIENSTAG, 28.6.

14 uhr Goetheanum Führung kartenverkauf am empfang empfang und veranstaltungskoordination

17 uhr eurythmie-aufführung Wochensprüche sektion für redende und musizierende künste

14 uhr Guided tour in english ticket sale at the reception empfang und veranstaltungskoordination

20 uhr aufführung der eurythmie-abschlussklassen von Im-pulse-Eurythmy Austin (australien), von der 4.D-Eurythmie-Ausbildung Hamburg (deutschland) sowie von der Academie für Eurythmie Budapest (ungarn) sektion für redende und musizierende künste

20 uhr eurythmieaufführung Diplomabschluss. 4. Ausbildungsjahr eurythmeum zuccoli SONNTAG, 26.6. 20 uhr mysteriendramen hautnah im unternehmen mitte, Basel 2. drama: Die Prüfung der Seele treffpunkt in der schalterhalle mysteriendramen hautnah

20 uhr mysteriendramen hautnah im unternehmen mitte, Basel. 3. drama: Der Hüter der Schwelle treffpunkt in der schalterhalle 20 uhr eurythmische arbeit für laien mit Barbara mraz an der Michael-Imagination Rudolf Steiners allgemeine anthroposophische sektion

17 uhr aufführungen der eurythmie-abschlussklassen der School of Eurythmy Spring Valley (usa), von Peredur Eurythmy East Grinstead (england) sowie vom Institut für Waldorfpädagogik Witten-Annen (deutschland) mit einer Begrüssung durch margrethe solstad sektion für redende und musizierende künste 27.06.-30.06. 17 uhr internationales abschlusstreffen der eurythmie-ausbildungen sektion für redende und musizierende künste

20 uhr aufführung der dozenten der eurythmieausbildungen sektion für redende und musizierende künste 20 uhr mysteriendramen hautnah im unternehmen mitte, Basel 4. drama: Der Seelen Erwachen treffpunkt in der schalterhalle mysteriendramen hautnah FREITAG, 1.7.

MITTWOCH, 29.6.

19 uhr eurythmie soloperformance «Sol°edad» idee/eurythmie/Bewegung: anna de millas, sprache/schauspiel: matthias hink, cello/Gesang: elisa siber, endregie: melaine macdonald und hans fors, licht: thomas sutter und peter Jackson, kostüm: katja nestle

17 uhr aufführung der Eurythmie-Abschlussklassen Nürnberg (deutschland), vom Eurythmée Lausanne (schweiz) und von der Alanus Hochschule (deutschland).

21 uhr eurythmie soloperformance von Gia van den akker «Tracce» vibraphon: michael kiedaisch, cello: mario de secondi, licht: peter Jackson, kostüm: hélène schaap, coach: hans fors

MONTAG, 27.6. 14:30 uhr Vertiefendes Erleben der Johanni-Zeit mit cornelia friedrich, esther Gerster, agnes und hans-christian zehnter. allgemeine anthroposophische sektion

17 uhr aufführung der eurythmie-abschlussklassen vom Kairos Eurythmy Training Kapstadt (südafrika), der Estnisch-Finischen Ausbildung und der Orpheus-Eurythmy School Jerusalem (israel). sektion für redende und musizierende künste

20 uhr aufführung der eurythmie-abschlussklassen von Eurythmy West Midlands (england), von der Bildungsstätte für Eurythmie Wien (Österreich) und vom Eurythmeum Stuttgart (deutschland) sektion für redende und musizierende künste 20 uhr zweig am Goetheanum Erlebnisse in der Sonnen- und Saturnsphäre aus dem Mysteriendrama «Der Seelen Erwachen» Gespräch, ausblick und abschluss zweig am Goetheanum

18:30 uhr Jahreszeiten-Sprechchor mit Beate Blume sektion für redende und musizierende künste

DONNERSTAG, 30.6.

20 uhr aufführung der eurythmie-abschlussklassen des Eurythmeum Zuccoli Dornach (schweiz), der Eurythmieschule Rom (italien) sowie der Akademie für Eurythmische Kunst Baselland (schweiz) sektion für redende und musizierende künste

16:15 uhr vortrag von Johannes wirz Schädel-Spaziergänge - von der dreigliederung der säugetiere zu den höheren erkenntnisstufen imagination, inspiration, intuition. naturwissenschaftliche sektion

SAMSTAG, 2.7. 14 uhr Goetheanum Führung kartenverkauf am empfang empfang und veranstaltungskoordination 14 uhr Guided tour in english ticket sale at the reception empfang und veranstaltungskoordination 20 uhr eurythmie soloperformance von vera koppehel «25.920 ? ICH» komposition und violino d’amore: paul Giger. metallräume: maler olaf auer. lichtspiel: marc Bott. kostümbild: katja nestle. texte: vera koppehel. sprache: paulina sich. MONTAG, 4.7. 18:30 uhr Jahreszeiten-Sprechchor mit Beate Blume sektion für redende und musizierende künste

IMPRESSUM das Goetheanum, wochenschrift für anthroposophie, wurde 1921 von rudolf steiner mit albert steffen begründet. für mitglieder der allgemeinen anthroposophischen Gesellschaft erscheint ‹das Goetheanum› einmal im monat mit einer Beilage. Herausgeber allgemeine anthroposophische Gesellschaft, vertreten durch Bodo von plato Redaktion wolfgang held, sebastian Jüngel, axel mannigel, ursula remund fink, redaktion@dasgoetheanum.ch Mitarbeit an dieser Ausgabe: konstanze Brefin alt Korrespondenten János darvas, cornelia friedrich, christine Gruwez, achim hellmich, matthias mochner, Bernhard steiner Herstellung axel mannigel Geschäftsführung christian peter Abonnement Jahresabo: chf 130 (ca. € 98), schweiz: chf 160, (in der schweiz inkl. schweizer mitteilungen). das abonnement verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn es nicht vor ablauf der rechnungsperiode schriftlich gekündigt wird. studentenermäßigung 50% (nur bei nachweis einer ganztägigen Berufsausbildung). ein kostenloses probeabo umfasst vier ausgaben. maya meier abo@dasgoetheanum.ch Einzelheft chf 4.50/€ 3.50 Anzeigen/Beilagen verena sutter anzeigen@dasgoetheanum.ch anzeigenschluss: mittwoch der vorwoche 12 uhr. aufträge bitte nur schriftlich (fax/e-mail). es gilt die anzeigenpreisliste 2011/1 Telefon-Service mo-fr 9-12 uhr (ausser mi 10-12 uhr) Rechtliches für unverlangt eingesandte manuskripte wird keine haftung übernommen. mit der einsendung von manuskripten stimmt der autor und inhaber des urheberrechts der vollständigen oder teilweisen veröffentlichung in der zeitschrift ‹das Goetheanum› zu. für die korrekte Bezeichnung geschützter namen wird keine haftung übernommen. nicht bezeichnete abbildungen sind zur verfügung gestellt. nachdruck und übersetzung bedürfen der erlaubnis von autor und redaktion Druck Birkhäuser+GBc aG, ch–4153 reinach Gestaltungsansatz philipp tok Titelzeichnung rudolf steiner Adresse wochenschrift ‹das Goetheanum› | postfach, ch–4143 dornach 1 tel. +41 61 706 44 64 | fax +41 61 706 44 65 |info@dasgoetheanum.ch | www.dasgoetheanum.ch © 2011 allgemeine anthroposophische Gesellschaft, dornach, schweiz. ISSN 1422-7622


DAS GOETHEANUM NR. 25 | 2011 Enno Schmidt VOM ZEITGEIST Eine Idee, die etwas geistig Wesentliches ist, wirkt und kann nicht anders 5 Johannes Wirz FÜLLE DES LEBENS Vielfalt und Beziehung machen das Leben aus 8 Martin Barkhoff GÖTTER UND GRUNDEINKOMMEN Probleme jenseits der Liebe-Intensivierung gibt es nicht 10 Enno Schmidt KEIN MODELL, SONDERN EINE IDEE Die Idee Grundeinkommen hinterfragt alle Vorstellungen und Handlungsmuster 12 Michael Opielka POSTFAMILIÄRE GEMEINSCHAFT Rudolf Steiners Soziales Hauptgesetz und die soziale Evolution 14 Franziska Schmidt von Nell WENN DER INSTALLATEUR FLUGLOTSE WIRD Mit dem Grundeinkommen gibt es keine Überschwemmungen mehr in der Küche 16 Christian Müller EINE WELT OHNE GRUNDEINKOMMEN Ein Blick aus der Zukunft zeigt, wie merkwürdig die heutige Gemeinschaftsbildung ist 17 Ueli Mäder SOZIAL STATT MARKTLIBERAL Ein Vorschlag, wie das Grundeinkommen soziale Sicherheit gewährleisten könnte 18 Konstanze Brefin Alt WAS MACHT ATTRAKTIV? Interview mit Daniel Häni, Aktivist für die Verbreitung der Idee des Grundeinkommens 19 Konstanze Brefin Alt LIEBESMÜHE Gespräch mit Ursula Piffaretti über die Volksinitiative für das Grundeinkommen 20 EIN EDITORIAL 2 NEUN MELDUNGEN 3 ZEHN BUCHHINWEISE 20

fotoGrafien von lioBa keuck

URBANE LANDWIRTSCHAFT Die Bilder in dieser Ausgabe des ‹Goetheanums› hat Lioba Keuck (1983) aufgenommen. Sie erzählen Geschichten der Kleinbauern inmitten der Großstadt Lissabon. Nicht anders als in ihren Heimatländern machen die aus aller Welt Angekommenen das Brachland zwischen zwei Schnellstraßen zu etwas Eigenem, stiften mit einfachen Mitteln Kultur. Das bedingungslose Grundeinkommen wirft viele Fragen nach Sinn und Würde des Lebens auf und manche Antworten dazu scheinen in diesen Bildern zu liegen. Es sei das Licht der Stadt, die Genügsamkeit der Menschen, was Lissabon (= Stadt des Lichts) zu ihrer zweiten Heimat hat werden lassen, sagt die junge Fotografin. «Zu jedem Bild gehört dabei der innere Konflikt: Was gebe ich den Menschen, wenn ich das Bild mitnehme?» Und was sind die Bilder? «Eintrittskarten in eine fremde Welt», beantwortet sie selbst die Frage. Und doch nicht fremd, weil die Bilder von Würde der Arbeit, von Stolz, von Selbstständigkeit und Gemeinschaft handeln, wie sie jeden Menschen angehen. Dona Isabel haben wir eine ganze Seite gewidmet. Sie ist 93 Jahre alt und kämpft sich dennoch oft zu ihrem kleinen Stückchen Land unter den großen Werbetafeln direkt am Kreisverkehr in Buraca. Die Ernten und Wasserflaschen zum Gießen transportiert sie mit einem hölzernen Wägelchen, neben den dahinbrausenden Lastwagen. «Es ist besser als nichts zu tun», sagt sie und lacht.

Zum Bild auf dem Titel: Kulturen treffen aufeinander: Während die Portugiesen Kohl, Kartoffeln und Zwiebeln anbauen, sind für die Kapverdier traditionell Bohnen Teil der Ernährung. Die Beförderung der schweren Ernte nach Hause gehört zum kulturellen Erbe.

Das Goetheanum – Sonderheft Grundeinkommen  

Das Bedingungslose Grundeinkommen bleibt Thema. Auch für das "Goetheanum". Ein Streifzug durch den aktuellen Stand von Ideen, Entwicklungen...

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