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Ausgabe Tourismus und Kultur Ziele, Events & Projekte

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das magazin für die donauländer

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Verborgene Schätze Entdeckungen zwischen Quelle und Delta

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Jubiläum: Das 10. Internationale Donaufest bietet wieder zahlreiche Kulturveranstaltungen und den facettenreichen Markt der Donauländer. Vorfreude auf Austausch und Kooperation zwischen den 10 Donauländern. Anniversary: The 10th International Danube Festival holds many cultural events and the rich market of the Danube countries. We’re looking forward to exchange and cooperation between the 10 Danube countries.

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www.donaufest.de www.facebook.de/Internationales.Donaufest


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

O

danube connects gibts auch auf Facebook und Twitter!

ffene Grenzen und Reisefreiheit sind eine Selbstverständlich-

keit geworden im heutigen Europa. Meine erwachsenen Kinder kennen den „Eisernen Vorhang“ nur noch aus Erzählungen in der Familie und aus dem Geschichtsunterricht. Ich selbst stand noch mit der Familie

nach dem Urlaub in kilometerlangen Autoschlangen an der ungarischen Grenze. Und mein Großvater hat sich jedesmal vor den Grenzkontrollen gefürchtet, wenn wir einen Kofferraum voller

Gastgeschenke aus Ungarn mit nach Hause brachten. Angesichts zahlreicher Probleme in Europa

Wir bieten täglich mehrsprachige aktuelle Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Tourismus aus den Donauländern. Zudem informieren wir über Projekte der EU-Donauraumstrategie und geben Hinweise auf Veranstaltungen entlang der Donau. Am besten, Sie schauen gleich mal vorbei!

wie Flüchtlinge, Eurokrise, Jugendarbeitslosig-

keit oder Naturkatastrophen sind Solidarität und

Kommunikation mehr denn je gefragt – zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft wie

auch zwischen den Regierungen. Reisen bildet, Kultur überwindet Grenzen. Wenn sich Tourismus und Kultur noch stärker verbinden, entstehen neue persönliche und wirtschaftliche Chancen. Praktische Beispiele sind

die Berichte über Stadtrundfahrten im Fićo durch Belgrad (S. 14/15) oder die Initiative „Gutes aus Viscri“ (S. 18/19).

Nur wenn ich meine Nachbarn wirklich kenne, lässt sich Vertrauen

aufbauen. Deshalb will unsere neue Ausgabe des Magazins mit dem

Sie haben interessante Infos über den Donauraum?

den, unsere Nachbarländer an der Donau und ihre Bewohner persönlich

Schicken Sie den Link einfach an info@danube-connects.eu.

Schwerpunkt „Tourismus und Kultur“ alle Leser und Leserinnen einlakennenzulernen. Jugendliche und Studenten wie die Teilnehmer am

Projekt „Creative Danube“ (S. 20/21) zieht es bereits verstärkt Richtung Südosteuropa; sie finden Städte wie Bratislava, Budapest oder Belgrad einfach cool.

Lassen Sie sich einladen, freuen Sie sich auf interessante Begegnungen und Entdeckungen entlang der Donau. Willkommen! Dobrodošli!

das magazin für die donauländer

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Tel. +49 (0)731 153 75 05 Fax +49 (0)731 153 75 06 info@danube-connects.eu

Sabine Geller,

www.danube-connects.eu www.facebook.com/danube.connects twitter.com/DanubeConnects

Chefredaktion und Initiatorin, danube connects


KULTUR >>

DIE DONAUQUELLE ERSTRAHLT IN FRISCHEM GLANZ

Wo die Geburt der Donau live zu erleben ist.........................6–8

600 INDIVIDUELLE FAHNEN ALS ZEICHEN DER PROGAMMVIELFALT

So feiert das Int. Donaufest Ulm/ Neu-Ulm sein 10. Jubiläum.......10–11

DIE ZUKUNFT LIEGT IM UNENTDECKTEN

Studenten aus Osijek und Stuttgart recherchieren die Kreativszene.......................20–21

´ – EIN AUTO WIE DAS LEBEN FICO

Wie sich eine Zeitreise durch Belgrad anfühlt............................14–15


<< TOURISMUS

DER „AMAZONAS EUROPAS“

Auf Entdeckungsreise durch den Naturpark Kopacki ´ rit............22–23

500 JAHRE REINHEITSGEBOT

So feiern Städte wie Ehingen und Ingolstadt ihr Kulturgut „Bier“.......................9

KOPACKI RIT– Netzwerk des Naturschutz

KUNST UND KULTUR AUCH ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

Initiative für ein Netzwerk aus Künstlern im Donauraum.............12

OFFENE GESELLSCHAFT IM DONAURAUM

Neue Wege gesucht zur Zusammenarbeit über Grenzen hinweg......................................... 13 MARKETING FÜR DIE DEUTSCHE DONAU Interview mit der Tourismusfachfrau Raissa Benchoufi........7– 8 UNDER THE BRIDGE Ein Fotoprojekt zeigt die Welt der Obdachlosen...........................11

SO SCHMECKT FREUNDSCHAFT

TERMINE....................................19 IMPRESSUM.................................8

MIT FILZPANTOFFELN IN DIE ZUKUNFT

Wie Roma-Frauen gegen die Armut kämpfen................18–19

© Illustration: Ida Mayer

BÜCHER.......................................25

Brot, Kräuter, Wein beim Donaubrückenfrühstück..............24


Donauquelle

Die Donauquelle erstrahlt in frischem Glanz Großes findet seinen Anfang immer im Kleinen. Die Donau ist eine feste Größe in der europäischen Geschichte, entspringt jedoch in einer beschaulichen Gegend in Deutschland. Seit Kurzem kann man diesen paradiesischen Ort wieder besuchen. Die Donauquelle ist nun saniert, barrierefrei und erwartet diejenigen, die den Ursprung dieses großen, ostwärts fließenden Stroms entdecken wollen. Um das Ende der Renovierungsarbeiten an der Donauquelle zu feiern, lädt die Stadt Donaueschingen ihre Einwohner und Besucher zum Donauquell-Fest ein. Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 25. Juni 2016, um 11 Uhr. Große Investitionen waren notwendig, um die Donauquelle in ihren aktuellen Zustand zu versetzen. Die Arbeiten begannen 2013 und wurden Ende 2015 abgeschlossen. Handwerker und Restauratoren, Geld und die Geduld der Anwohner trugen allesamt zur Sanierung der Sehenswürdigkeit bei. Das Ensemble an der Donauquelle umfasst die Quelle selbst und 16 weitere Elemente, darunter die zwölf Sternzeichen, das steinerne Geländer und die Statue der „Mutter Baar“, die ihrer Tochter Donau den Weg zum Schwarzen Meer weist. „Die Sanierung der Donauquelle war sehr wichtig, denn die Umfassung der Quelle war mit Wasser gesättigt. Nach so vielen Jahren kam Wasser trotz der vorherigen Behandlung des Steins durch die verschiedenen Bestandteile der Gruppe durch. Nicht das Wasser von oben, der Regen, sondern das aus dem Boden“, erläutert Annika Engel vom Amt für Kultur, Tourismus und Marketing der Stadt Donaueschingen. Da das gesamte Ensemble Wasserschäden aufwies, wurde alles in seine Einzelteile zerlegt, getrocknet und von Steinmetzen aufgearbeitet. Zu stark beschädigte Teile wurden durch identische neue Stücke ersetzt. Umfassende

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Arbeiten gab es auch an der Mauer, die die Kirche Sankt Johann stützt. Die Stadt Donaueschingen investierte ferner in einen barrierefreien Zugang, der mit dem traditionellen Erscheinungsbild der Quelle harmoniert, der wohl bedeutendsten Touristenattraktion an der Jungen Donau. „In Donaueschingen haben wir rund 200.000 Übernachtungen im Jahr, was ziemlich viel ist, und wir haben Tagestouristen. Während der Sanierungsarbeiten wurde gefragt: „Was kann ich hier unternehmen? Wo können wir die Donauquelle sehen?“, berichtet Annika Engel. „Wir haben informiert, weshalb die Quelle renoviert werden muss, und dass unweit der Stadt sich Brigach und Breg zur Donau vereinen. So gab es dennoch einen Ort, an dem die Geburt der Donau beobachtet werden konnte“. Aber am „Ort, wo die Donau beginnt“ gibt es für Touristen noch viele andere Attraktionen: die sehenswerten alten Gebäude, den Diana- und den Hanselbrunnen, das Fürstlich Fürstenbergische Schloss mit seinem reizvollen Park, alte Kirchen und moderne Gebäude wie das Kinder- und Jugendmuseum. Dort kann man Wissenschaft und technologische Experimente selbst erleben – nicht zu vergessen die bekannten Kulturevents!

Indem es zeitgenössische Kultur mit historischen Denkmälern verbindet, beweist Donaueschingen, dass es trotz seines hohen Alters auf der Höhe der Zeit ist. In diesem Sommer steht nun das erste Donauquell-Fest auf dem Programm, dessen Besucher sich auf musikalische und kulinarische Höhepunkte freuen können. Laura Piperiu, Journalistin


Die junge Donau

Das Magazin danube connects sprach mit Raissa Benchoufi, Leiterin der Tourismusorganisation "Die deutsche Donau" über deren Ziele. Wer bestimmt die Inhalte, wer finanziert die „Deutsche Donau“, wer sind die Mitglieder? Die touristische „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau“ kümmert sich um die Vermarktung des deutschen Donauverlaufs. Bei den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau handelt es sich um touristische Organisationen der Städte und Landkreise des bayerischen und baden-württembergischen Abschnitts entlang des Flusses. Die Mitglieder finanzieren die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau durch Jahresmitgliedsbeiträge und bestimmen das Produkt „Donau“ stetig mit. Auf Arbeitsausschusssitzungen kommen insgesamt 15 Donau-Akteure und Vertreter der Regionen und Städte, gemeinsam mit dem Vorstand und mir, alle vier Monate zusammen, um Marketingkonzepte zu besprechen und das Produkt stetig zu verbessern.

Schmuckstück im fürstlichen Park: der frisch sanierte Quelltopf der Donau.

Zusammenfluss von Brigach und Breg zur Donau.

Welche Rolle will die Arbeitsgemeinschaft spielen im Konzert der zahlreichen Akteure in der Tourismuswerbung entlang der Donau und welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau ist die Kontaktstelle, die alle Donau-Akteure in Deutschland verbindet und die gesamte Donauregion in Deutschland als eine Destination vermarktet. Selbstverständlich vermarkten die Mitgliederorte und Regionen ihre Destinationen und Attraktionen ebenfalls separat durch eigenes Marketing vor Ort. In der überregionalen und internationalen Vermarktung einer Region ist jedoch eine gemeinsame Darstellung der deutschen Donauregion von Vorteil. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, durch Themenmarketing jede

Region und jede Stadt individuell und besonders darzustellen. Wir möchten keine Aufzählung von Kirchtürmen in jedem Ort – wir zeigen dem Endverbraucher, was das Alleinstellungsmerkmal in jedem Ort ist. Wir zeigen themenbezogene Routen, je nachdem ob man sich für Kurz-oder Langurlaub, Städtetourismus, Wander-, Radtourismus oder Entschleunigung und Wellnesstourismus interessiert. Die Donauregion in Deutschland ist nicht nur für eine Zielgruppe interessant, sondern ist vielseitig und vor allem eine absolute Trendregion, fernab vom Massentourismus, mit unentdeckten Schätzen.

Raissa Benchoufi vermarktet die Donau von Ulm aus.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit? Nachdem im letzten Jahr im Mai die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau nach mehr als 25 Jahren von Neuburg an der Donau nach Ulm gezogen ist, wünschten sich die Mitglieder frischen Wind und moderne Vermarktungsstrategien. Neben einer Neustrukturierung, einem Imagewechsel und einer neuen Printbroschüre, können wir zudem die Zusammenführung mit der Kampagne „Die Junge Dodanube connects 01I 16

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nau“ vorweisen. Die umfangreiche Marketingkampagne wurde initiiert von der Tourismus-Marketing GmbH BadenWürttemberg, der Bayern Tourismus Marketing GmbH und der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V., welche dann gemeinsam mit den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau gestaltet wurde. Die Kampagne „Die Junge Donau“ vermarktet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft den Donauraum in Deutschland. In unserer neuen Printbroschüre und auf der Webseite www.die-junge-donau.de können sich Endverbraucher selbst ein Bild über die Attraktionen des Donauraumes machen. Derzeit arbeiten wir mit dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und der Ulm/ Neu-Ulm Touristik an Projekten mit Bloggern, die das Internationale Donaufest sowie die Donauregion in Deutsch-

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land erkunden werden. Zudem wird es während des Donaufests einen Donauworkshop in Ulm geben, der alle Donauakteure, Bürgermeister wie Tourismusverantwortliche, zusammenbringt, um Tourismus und Kommunikation zu fördern. Zudem präsentiert die Arbeitsgemeinschaft die Donauregionen durchgehend einem Info-Stand im Tourismuszelt auf dem Donaufest. Ein weiteres großes Projekt ist die Verbesserung des Donauradweges in Deutschland, welcher sich ab 2017 voraussichtlich als ADFC klassifizierter 4-Sterne Radweg betiteln darf. Ihr persönlicher Lieblingsplatz an der Donau? Für mich ist die Donaupromenade in Ulm und Neu-Ulm besonders. Sicherlich weil ich in Ulm wohne und dort

jeden Tag eine schöne Runde mit dem Hund spaziere. Auch mein Büro ist nur wenige Minuten von der Donaupromenade entfernt und nichts ist erholsamer und inspirierender als eine Mittagspause in der Sonne am Donauufer. Das Interview führte Thomas Zehender, Journalist, danube connects


Braukunst

500 Jahre Reinheitsgebot Das Reinheitsgebot wird dieses Jahr 500 Jahre alt. Den Geburtstag nehmen Regionen und Donau-Städte wie Ehingen in Baden-Württemberg oder Ingolstadt in Bayern zum Anlass und feiern ihr weltweit berühmtes Kulturgut „Bier“. Schon im alten Ägypten und bei den Sumerern schätzte man den gegorenen Saft. „Den ersten Nachweis für Bier laut Definition, d.h. Gärung aus stärkehaltiger Rohfrucht, stammt eigentlich aus China. Vergleicht man das Bier mit dem uns bekannten Getränk, also mit Gerste als Rohfrucht, dann weiß man nicht, ob es zuerst aus Syrien oder Ägypten kommt. Bei beiden stammen erste Belege von etwa 3500 v. Chr.“, erzählt Ägyptologin Barbara Link, die zur 500. Feier das Bier wie zur Pharaonenzeit herstellte. Geschmacklich unterscheidet sich das ursprüngliche Bier von dem heutigen sehr, denn Hopfen fehlte und es war nicht kohlensäurehaltig.

Bierkulturstadt Ehingen „ ... als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden ...“ So steht es in der Landesverordnung, die am 23. April 1516 vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt erlassen wurde und bis heute noch gilt. „Das Reinheitsgebot ist mit seiner Schlichtheit, Einfachheit und Verbrauchersicherheit wahrscheinlich aktueller denn je, indem es höchste Bierqualität garantiert und einen willkürlichen Einsatz von Rohstoffen verhindert“, erklärt Ulrich Zimmermann von der Berg Brauerei in Ehingen. Touristen, die dieses Jahr Deutschland besuchen, sollten nicht verpassen, Bier zu kosten. Auch diejenigen, denen die Welt des Bieres fremd ist. „Einem Anfänger würden wir ein Bier-Quartett an

Lebendige Geschichte und traditionelles Handwerk: Braukunst entlang der Donau.

bieten. Export, Pils, Naturtrüber Export und Weizenbier sind immer ein guter Einstieg“, erklären Ulrich Zimmermann von der Berg Brauerei und Karl Miller von der Brauerei Schwanen in Ehingen.

Jubiläumsjahr in Ingolstadt Das Jubiläum „500 Jahre Reinheitsgebot“ wird zwar an vielen Orten gefeiert, aber in Ingolstadt ganz besonders – aus gutem Grund: Schließlich wurde das Bayerische Reinheitsgebot für Bier in Ingolstadt verkündet. Auf Touristen warten zahlreiche Aktionen und Events das ganze Jahr über, die das Thema unterschiedlich aufgreifen: mal eher künstlerisch in Form von Sonderausstellungen in den Museen, mal vom kulinarischen Gesichtspunkt her, wie bei den Bier- und Volksfesten. Bei der regelmäßig stattfindenden Verkündung des Reinheitsgebots mit anschließendem kostenlosen Bierausschank am Bierbrunnen Ingolstadt können Besucher Geschichte live erleben. Übrigens war die Donau schon immer eng verknüpft mit der Brautradition: Die ältesten schriftlich belegten Quel-

len des Hopfenanbaus stammen aus dem frühen Mittelalter. Der Hopfenanbau wird darin erstmals im Jahre 736 n. Chr. bei Geisenfeld in der Hallertau erwähnt. Schließlich wächst Hopfen bevorzugt an stickstoffreichen Standorten mit höherer Bodenfeuchte, wie zum Beispiel in Auwäldern, wie sie entlang der Donau und besonders in der Gegend um Ingolstadt vorherrschten. Mirella Sidro, Journalistin, danube connects

Feste und Veranstaltungen im Überblick EHINGEN: www.bierkulturstadt.info Ulrichsfest in Ehingen-Berg 8. bis 11. Juli Freilufttheater auf dem Berg in Ehingen-Berg 20. Juli bis 4. August INGOLSTADT: www.reinheitsgebot-ingolstadt.de Schanzer Biertour: 9.7./23.7.30.7./6.8./20.8./3.9./17.9./1.10/15.10. Ingolstädter Herbstvolksfest mit Festumzug und Bierspezialitäten 23. September bis 3. Oktober

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Kultur

600 individuelle Fahnen als Zeichen der Progammvielfalt Umfangreicher und vielfältiger als je zuvor präsentiert sich das Programm des 10. Int. Donaufests Ulm/Neu-Ulm, das weit mehr ist als ein Festival für Kulturinteressierte. So greift eine Fachtagung die Chance der Kreativszene für wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung auf. Und angesichts der jüngsten nationalistischen Tendenzen in einigen Donauländern gewinnt der Begegnungscharakter des Donaufests in diesem Jahr noch mehr an Bedeutung. Kein Donaufest ohne künstlerisch gestaltete Festfahnen! Nach Vladimir Frelih aus Osijek (Kroatien) im Jahr 2012 gestaltet nun Dragan Matić aus Novi Sad (Serbien) die Fahnen für das Donaufest. Matić, Jahrgang 1966, hat seine künstlerische Ausbildung an der Kunstakademie in Novi Sad absolviert, wo er nun als Professor in der Abteilung für bildende Kunst lehrt. Er gehört den Künstlergruppen Multiflex und Happy Trash an, seine Arbeiten waren auch international zu sehen bei zahlreichen Ausstellungen, Kunstprojekten und Filmfestivals. Bei der Gestaltung der Festfahnen verbindet Matić die Nationalfarben der Donauländer mit sich rhythmisch wiederholenden Fischgrät-Motiven. „Meine Absicht ist es, eine Installation zu schaffen, die verständlich und optisch anziehend ist“, erläutert Matić das künstlerische Konzept, das er gemeinsam mit

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Studenten der Kunstakademie verwirklicht hat. Alle 600 Donaufestfahnen sind Unikate: einzeln gestaltet, angefertigt und von Hand bemalt.

Prof. Matic ´ aus Osijek mit Studenten vor einem Meer aus Donaufestfahnen.

Nach dem Fest werden die wetterfesten Fahnen am Dienstag, 12. Juli, ab 17 Uhr auf dem Ulmer Münsterplatz verkauft.


Kultur Bei Obdachlosen:

„Under the bridge“ Obdach- und Heimatlosen, aus unterschiedlichster Herkunft und allen Kulturkreisen hat er zugehört, nach den Ursachen ihres persönlichen Absturzes befragt und oftmals die gleichen Antworten erhalten: Alkohol und Drogen, der Verlust des Jobs oder der Familie gingen voraus. Und schon nach drei Monaten in der Obdachlosigkeit fällt der Weg zurück ins normale Leben äußerst schwer. Das typische Klischee des Obdachlosen trifft nach Eberls Erfahrung nur bedingt zu. „Diese Menschen leben zwar in einer Parallelwelt, haben aber sehr strukturierte Tagesabläufe.“ Auch deshalb hat er während seiner Recherche-Reisen oft mit Streetworkern zusammengearbeitet, um mit Obdachlosen besser in Kontakt zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Udo Eberl hat ausschließlich im Einverständnis mit den Menschen fotografiert, den Aufnahmen gingen oft bis zu halbstündige Gespräche voraus. „Die Bilder sind niemals voyeuristisch und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, eine Schicht tiefer zu gehen“, berichtet Eberl. Begonnen hat er mit seinem Fotoprojekt „Under the bridge“ schon vor längerer Zeit, ist dann nach eigenen Worten „mitten hineingekommen“ in das Flüchtlingsthema und hat sich gefragt, ob es nicht Wichtigeres gebe als Obdachlosigkeit. Die Fotografien beantworten diese Frage auf ihre Weise, denn sie zeigen vielfältige Seite der Armut – mitten in Europa. Nach dem Donaufest wird „Under the bridge“ für Udo Eberl nicht abgeschlossen sein. Er will seine Recherche-Reisen unter anderem auf Bulgarien ausdehnen und denkt an eine gemeinnützige Aktion. „Dieses Thema ist für mich nicht durch“, sagt er. Thomas Zehender, Journalist, danube connects, Ulm

Wien, Bratislava, Budapest, Belgrad und Bukarest waren einige der Städte, die der Ulmer Journalist Udo Eberl für sein Fotoprojekt „Under the bridge“ besucht hat.

Gezeigt werden Eberls Fotografien in zwei miteinander kommunizierenden Ausstellungen:

VERNISSAGE AM 4. JULI

Eröffnet wird die Foto-Ausstellung „Under the bridge“ am Montag, 4. Juli, um 19 Uhr im Edwin-Scharff-Haus in NeuUlm. Udo Eberl wird Texte über seine Recherchereise lesen, begleitet vom österreichischen Drehleierspieler Matthias Loibner. Die Fotografien sind zudem als open air-Ausstellung während des Donaufests zu sehen, verteilt über verschiedene Standorte in Ulm und Neu-Ulm.

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Kultur

Kunst und Kultur auch als Wirtschaftsfaktor Mit seinem Anspruch als internationale Veranstaltung für Kunst, Kultur und Begegnung will das Donaufest auch die Kreativszene in den Donauländern stärken. Dazu dient die Fachtagung „Kreativ-Quelle: Design und zeitgenössische Kunst im Donauraum“ (8. Juli, 10 bis 17.30 Uhr, Hochschule für Kommunikation). Gefördert wird die Tagung durch das Programm „Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft“ der Baden-Württemberg Stiftung.

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Statt unverbindlicher Resolutionen soll als Ergebnis ein Netzwerk aus Künstlern entstehen, „dem eine gemeinsame Entwicklungsperspektive und ein Kommerzialisierungsinteresse zu Grunde liegen.“ Anders gesagt: Die Kunst- und Kreativszene – von Design- und Marketingbüros über Galerien und Künstleragenturen bis zu IT-Unternehmen – gilt als Chance für wirtschaftlichen Erfolg und nachhaltige Beschäftigung.

Dr. Oliver Herwig. Dazu eingeladen sind Professoren der Kunstakademien aus Sofia, Osijek und Pécs. Auch der rumänische Komponist und Geiger Alexander Balanescu soll daran teilnehmen. Balanescu hat eigens für das Donaufest ein choreografisches Musiktheater für Solo-Violine, Streichquartett, Orchester, Tänzer und Gesangssolisten komponiert, das am 1. Juli im Ulmer Theater seine Uraufführung erleben wird.

Deshalb richtet sich diese Veranstaltung vor allem an Künstler, Vertreter der Kreativwirtschaft und Lehrpersonal. Konkret wird es um die folgenden vier Themenbereiche in Bezug auf die Donauregion gehen: Ausbildung und Lehre, Kunst und Design in der Praxis, Nutzen und gesellschaftliche Resonanz von Kunst und Design sowie Potenzial für gemeinsame Netzwerke. Im Vergleich zu manch‘ anderen Netzwerken wird mehr angestrebt als ein Verzeichnis im Internet, das Akteure und Projekte auflistet: Erfahrungen aus der Praxis sollen ausgetauscht werden wie zum Beispiel Lehransätze und -Inhalte, Kooperationspartner zusammengeführt werden. Den Abschluss bildet eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Professoren der Kunstakademien, moderiert vom Münchner Architekten und Journalisten

Die Podiumsdiskussion wird einerseits eher abstrakte Fragen behandeln wie die Rolle von Design und Kunst als identitätsstiftende Faktoren. Andererseits werden sich die Podiumsgäste an einer konkreten Bestandsaufnahme und Bewertung der Umbrüche im Donauraum versuchen, vor allem im Blick auf mögliche Chancen für die Design- und Kunstszene. Diese ist ebenso wie andere Wirtschaftsbereiche in den südöstlichen Donauländern von einem brain drain betroffen; Grund genug zu fragen, was die Beweggründe jener Künstler und Designer sind, die sich stattdessen bewusst entschieden haben, in ihrem Heimatland zu bleiben und zu arbeiten.

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Die Fachtagung „Kreativ-Quelle: Design und zeitgenössische Kunst im Donauraum“ ist übrigens eine gemeinsame

Veranstaltung von Donaubüro Ulm/ Neu-Ulm, Hochschule für Kommunikation Ulm, der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, dem HfG-Archiv Ulm, der Hochschule für Medien in Stuttgart und den Kunstakademien Pécs (Ungarn), Osijek (Kroatien) und Sofia (Bulgarien). Während des Donaufests wird ebenfalls an der Hochschule für Kommunikation die Wanderausstellung „Projektraum Donau“ gezeigt, die 53 Kunstwerke von 39 Künstlern aus sechs Donauländern umfasst. Die Kunstformen reichen von Fotos über Collagen bis zu klassischen Gemälden, wobei speziell die Video-Arbeiten mit herausragender Qualität auf sich aufmerksam machen. Für das von der Baden-Württemberg Stiftung geförderte Projekt kooperieren das badenwürttembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm; sie werden unterstützt vom Ungarischen Kulturinstitut Stuttgart und dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm. Thomas Zehender, Journalist, danube connects, Ulm


Zivilgesellschaft

Austausch, Zusammenarbeit und Vernetzung: offene Gesellschaft im Donauraum Wie können gute Zusammenarbeit und eine vielfältige, lebendige Zivilgesellschaft im Donauraum gelingen? Antworten liefern soll die von der Baden-Württemberg Stiftung veranstaltete Fachkonferenz „Offene Gesellschaft im Donauraum“, die in das Programm des 10. Internationalen Donaufests Ulm/Neu-Ulm eingebunden ist . Mit dem Edwin-Scharff-Haus in NeuUlm als Veranstaltungsort ist die Konferenz auch räumlich in der Mitte des Donaufests angesiedelt. Bereits am Vorabend eröffnet dort die Ausstellung „Under the Bridge“ des Künstlers Udo Eberl. Die Konferenzteilnehmer – vor allem aus Zivilgesellschaft und Politik des Donauraums – können sich am Dienstag, 5. Juli, auf ein Vortragsprogramm ausgewählter, internationaler Experten unterschiedlicher Fachrichtungen freuen. Als Hauptredner wird Professor Dr. Reinhard Johler die Gemeinsamkeiten und Differenzen innerhalb des Donauraumes herausarbeiten, welche seiner Meinung nach verbindende Potenziale besitzen. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen. Anthony Soares vom Center for Cross Boarder Studies, Nordirland, das sich auf grenzüberschreitende und transnationale Studien spezialisiert hat, wird die Möglichkeiten der Konfliktbewältigung aufzeigen und die Bedingungen der Zusammenarbeit sowie einer friedlichen Zukunft diskutieren.

Mit dem Projekt Mikser House Belgrad präsentieren Ivan Lalić und Professor Dr. Boris Kühnle ein trendiges Beispiel für ein kreatives Zentrum im Donauraum, das einerseits global ausgerichtet und gleichzeitig stark lokal verankert ist. Am Modell des angesagten, multifunktionellen Kreativraums in Serbiens Hauptstadt werden die Potenziale, Chancen und Herausforderungen der kreativen Szene im Donauraum erörtert. Professorin Dr. Ellen Bos lehrt seit 2004 an der Andrássy Universität Budapest und verfolgt die Entwicklung der EU-Donauraumstrategie seit ihren Anfängen. In ihrem Beitrag wird sie die Voraussetzungen für grenzüberschreitende Kooperationen vorstellen. Interaktiv einbezogen werden die Teilnehmer am Nachmittag in Form eines sogenannten World Cafés. Dort sollen sie gemeinsame Ideen entwickeln und diskutieren. Angeleitet durch einen Moderator, können die Konferenzteilnehmer aus dem Donauraum in wechselnden Kleingruppen ihr Wissen vernetzen, interdisziplinäre Erfahrungen austauschen, Beziehungen und Netzwerke aufbauen oder vertiefen und gemeinsame Lösungen finden. Ebenso soll dem Thema Projektfinanzierung ausreichend Raum gegeben werden. Die Veranstaltung, die unter dem Dach des Programms „Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft“ der Baden-Württemberg Stiftung stattfindet, wird in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium Baden-Württemberg, der Bayerischen Staatskanzlei und dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm organisiert. In der abschließenden Dis-

kussionsrunde gibt es die Möglichkeit zum Austausch über die Konferenzergebnisse mit Dr. Beate Merk (Bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen), und Gisela Erler (Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg. Mit der interessanten Mischung aus interdisziplinären Fachvorträgen, dem angeleiteten Austausch zwischen den Teilnehmern und dem Dialog mit den politischen Vertretern bietet die Fachkonferenz eine Plattform für Austausch, Zusammenarbeit und Vernetzung. Doris Orgonas, Diplom-Kulturwirtin

Christoph Dahl, Geschäftsführer Baden-Württemberg Stiftung:

„ Ganz besonders wichtig ist

uns bei dieser Konferenz, nicht nur fachlich hervorragende Impulse durch Expertenvorträge zu setzen, sondern auch Raum für Dialoge und Diskussionen zu schaffen."

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Reisen

´ Fico ´ zu besichtigen, ist Die serbische Hauptstadt Belgrad mit einem Fico eine Reise in die Vergangenheit. Der legendäre jugoslawische Wagen erlebt gerade ein Revival. Und ist mindestens genauso beliebt wie zur Zeit Titos in allen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. wurde in einer Familie an die nächste Generation weitergegeben“

Mein Reiseführer Neno startet seinen Wagen. Schon brummt er los. Wir sind in Belgrad unterwegs. Ich bin gespannt und aufgeregt, denn ich habe das Glück, die Hauptstadt Serbiens und ehemals Jugoslawiens mit einem Fićo zu erkunden. Fićo, in Serbien auch Fića, in Kroatien und Slowenien Fićek genannt, ist der Spitzname für Typ 600 und später 750 der jugoslawischen Automarke Zastava. Es ist ein Lizenznachbau des Fiat 600. Vergleichbar mit dem VW Käfer in Deutschland wurde er schnell von der Bevölkerung Jugoslawiens angenommen. Ab 1955 war er zu haben. Die Version, wie sie heute bekannt ist, wurde von 1968 bis Oktober 1985 gebaut. „Ein Faktor des Erfolgs war sicherlich, dass er günstig war", erzählt Peđa Milosavljević, Präsident des Belgrader Vereins der Fićo Fahrer (Beogradsko Udruženje Fićista – BUF). „So war Fićo war nicht nur das erste Auto vieler Jugoslawen, das nur als Transportmittel diente. Mit dem Fićo fuhr man zur Familie und zu Verwandten oder in den Urlaub im In- und Ausland. In ihm fand die erste Liebe statt, er diente zur Hochzeit und Beerdigung. Und ein Fićo

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Es ist schon dunkel. Ich bin überrascht, wie gemütlich und geräumig der Fićo ist. Immer wenn wir an einer roten Ampel halten müssen, stehen schon Menschen am Auto, winken uns zu und machen Fotos. Auch Verkehrspolizisten, die einfach mal freudestrahlend einen Blick in die Knutschkugel werfen möchten. „Jeder Tag mit ihm in der Stadt bringt eine neue Sternstunde für die Ewigkeit. Eine Ausfahrt pro Tag ist meine gute Tat für meine Mitbürger“, grinst Neno sichtlich glücklich und zufrieden. Wir parken den Wagen in der Innenstadt. Es tut mir leid, ihn zurückzulassen. Doch ich werde belohnt. Unser Ziel ist das Bohèmeviertel Skadarlija in der Altstadt. Mit all seinen Restaurants und seiner Musik ist es mit dem Pariser Montmartre vergleichbar. „Woher kommt ihr?", fragt mich Marko, der Harmonika-Spieler. „Aus Sarajevo", antworte ich. „Aaaaahhh, dann werden Euch Eure Zigeuner ein paar schöne Sevdalinke spielen", strahlt er mich an und sagt: „Du bist nicht auf dem Balkan aufgewachsen, stimmt's?" Ich nicke. „Für uns ist Zigeuner-Musik kein Schimpfwort, mach' Dir keine Sorgen", zwinkert er mir zu und fängt mit seiner Band alte bosnische Musik an zu spielen. Am nächsten Tag bin ich erstaunlicherweise gut drauf. Heute ist eine Stadt

rundfahrt auf dem Plan. „Dann schauen wir mal, ob er uns überall hinbringt.“ Das ist tatsächlich keine Floskel. Ein Fićo kann einfach mal stehenbleiben. Doch das ist für einen FićoFahrer nicht schlimm. Im Gegenteil. „Er ist handlich und übersichtlich. Keine überflüssige Elektronik, keine Helferlein. Wenn was kaputt geht, kann man es meistens direkt noch an Ort und Stelle richten“. Wir bleiben unterwegs nur ein einziges Mal stehen und tatsächlich ist der Schaden schnell behoben. Wir fahren zum Haus der Blumen, Titos Grab, das im Nobel-Viertel Dedinje liegt. Und wieder ist es eine Reise in die Vergangenheit. Die Villa wurde 1975 erbaut und ist weitläufig und hell. Doch auch sie bleibt vom Zerfall nicht bewahrt. An einer Wand ist eine Kurve zu sehen, wie sich die Besucherzahl


Reisen

– ein Auto wie das Leben

veränderte. Sie ist während des Balkankrieges vor 25 Jahren und danach fast konstant bei Null. Die letzten paar Jahre steigt sie steil nach oben. Der Fićo trägt zu dieser Nostalgie bei. „In Jugoslawien haben wir Frieden und Wohlstand genossen. Dann kam der Balkankrieg. So verwundert es nicht, dass die Menschen diesen kleinen Wagen mit der Zeit verbinden, in der sie glücklich und sorglos lebten“, erklärt mir Peđa Milosavljević vom BUF in Belgrad und fügt noch hinzu: „Der Fico zeigt uns, was für eine Dummheit wir vor 25 Jahren gemacht haben.“ Nun geht es weiter zum Lieblingsort von Neno, dem Auto-Museum von Belgrad. Es ist ein absoluter Geheimtipp! Gegründet wurde es vom Autosammler Bratislav Petković und etwa 100 Objekte aus allen Epochen sind in der ältesten Autogarage Belgrads untergebracht. Natürlich steht da auch ein Fićo. „Aber der ist nicht so schön wie meiner", betont Neno. Danach fahren wir weiter zum TeslaMuseum, das in einer wunderbaren Villa aus dem Jahre 1929 in der Stadtmitte untergebracht ist. Hochgewachsen und schlank war Nikola Tesla

(1856 – 1943), wie man am ausgestellten Anzug erkennen kann. Der Name des genialen Erfinders Physikers und Elektroingenieurs ziert inzwischen die wegweisenden Elektroautos eines amerikanischen Unternehmens. Abschließend landen wir in der Prachtund Einkaufsmeile Knez Mihajlova. Die Gebäude in der Fußgängerzone wurden zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. „Siehst Du diesen Brunnen? Er hat dieselbe Bedeutung, wie Eurer in Sarajevo. Wenn Du einmal davon trinkst, kommst Du immer wieder nach Belgrad“, erklärt mir Neno. Ich trinke gerne daraus, und das nicht nur einmal. Der letzte Tag vor meiner Abreise aus der Donaustadt ist dem Wasser gewidmet. Unser erstes Ziel ist Ada Ciganlija, eine Insel am Südufer des Flusses Sava, welcher in die Donau in Belgrad mündet. Breite Strände laden zum Sonnenbaden ein. Wir leihen uns Fahrräder aus und fahren entlang des Ufers. Einen wunderbaren Blick auf beide Flüsse, wo sie ineinanderfließen, erhält man von der Zitadelle Kalemegdan aus.

Wir lassen den Tag in einem Café in historischen Gemäuern ausklingen. Neno erklärt mir das Leben anhand des Fićo: „Ihn zu fahren kommt dem Leben am nächsten. Entweder er fährt oder er bleibt mal stehen. Wie bei uns. Mal steht man, mal fällt man.“ Ich nicke ihm zu. Und dann lächle ich wieder. Bekanntlich ist ein Fićo schnell wieder repariert und dann geht die Reise zum gewünschten Ziel weiter. Wie im wahren Leben auch. Mirella Sidro, Journalistin, danube connects

Durch die Straßen von Belgrad: unsere Autorin Mirella Sidro als Beifahrerin im Fićo von Neno www.youtube.com/watch?v= C5Ki83gX1Nw Kontakt Neno: zubic@msn.com danube connects 01I 16

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Reisen

Römische Kaiser und die Donau-Weinroute Die Kulturroute der Römischen Kaiser mit der Donau-Weinroute verbindet 20 archäologische Fundstätten und 12 Weinregionen in vier Ländern im mittleren und unteren Lauf der Donau: Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien. Sie wurde von dem Europäischen Institut für Kulturrouten (EICR) als einer von Kulturwegen des Europarates zertifiziert.

Der Weinbau hat ebenfalls eine tausendjährige Tradition auf dieser Route. Im 19. Jahrhundert wurden die Weine, die hier produziert wurden, zu den besten in ganz Europa gerechnet! Ein Blick auf die herrlichen Weinberge reicht aus,

len kleinen Weingütern schenken. Diese garantieren Ihnen ein unvergleichliches Erlebnis – die lokalen Weine und Speisen können selbst die kritischsten Feinschmecker und Weinkenner überzeugen!

um Sie davon zu überzeugen, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht nur dem Wein, sondern auch den Speisen aus dieser Region schenken sollten. Zahlreiche jahrhundertealte Weinkellereien, in den letzten Jahren mit viel Liebe zum Detail restauriert und modernisiert, bieten Kellerführungen und Weinverkostungen an. Neben den berühmten Sorten und großen Produzenten sollten Sie Ihre Aufmerksamkeit unbedingt auch zumindest einigen von den vie-

Dies ist aber noch lange nicht alles. Die sprichwörtliche Gastfreundschaft und Freundlichkeit Ihrer Gastgeber und der ganzen Bevölkerung werden dafür sorgen, dass Sie sich entlang der ganzen Kulturroute mehr als willkommen fühlen.

Die Donau ist nicht nur der aufregendste, sondern auch der zweitlängste Fluss Europas. Die einzigartige Naturschönheit und die aufregenden Sehenswürdigkeiten an ihren Ufern werden Sie bestimmt bezaubern, egal ob Sie sich die Zeit dafür nehmen können, die ganze Region von der Adria bis zum Donaudelta ins Schwarze Meer kennenzulernen oder, ob Sie nur bestimmte Strecken auf dieser Kulturroute entdecken möchten. Ganz egal, ob Sie wandern, Rad fahren, die Region mit dem Auto erkunden, sich für eine Schiffs oder Zugreise endscheiden, oder aber all diese Möglichkeiten miteinander kombinieren möchten, jede Reise entlang des Römischen Donaulimes wird Ihnen die einmalige Möglichkeit bieten, die atemberaubende Schönheit der Donau kennenzulernen und die zahlreichen historischen und archäologischen Denkmäler zu besichtigen, die im Westen und Norden Europas größtenteils noch vollkommen unbekannt sind. Einige der Fundstätten auf dieser Kulturroute wurden nämlich erst während der letzten zwei Jahrzehnte entdeckt, ausgegraben und erforscht! Die historische und kulturelle Bedeutung zahlreicher Denkmäler aus der Römerzeit wird Sie daher bestimmt nicht nur überraschen, sondern auch begeistern.

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Danube Competence Center, Belgrad

Tourismus-Projekte des Donau-Kompetenzzentrums Das Donau-Kompetenzzentrum (DCC) in Belgrad macht sich zum Anwalt eines nachhaltigen Tourismus in der Donauregion auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Es entwickelt und verwirklicht Projekte zur Förderung des Tourismus, für die Vermarktung touristischer Dienstleistungen und der gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder. Das DCC arbeitet mit 70 Mitgliedsorganisationen zusammen,

die in die Tagesarbeit eingebunden sind – von nationalen Tourismusorganisationen bis hin zu Naturschutzorgansiationen, der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD), Danube Parks, dem Europäischen RadfahrerVerband, Familienweingütern, Pensionen, Informationszentren und Nichtregierungsorganisationen..


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Roma-Projekt

Mit Filzpantoffeln in die Zukunft Eine Musterlösung für sie gibt es nicht. Nur einen Weg vieler kleiner Schritte. Annette Schorb erzählt, wie vor 15 Jahren alles begann: mit einem Paar Socken aus aufgetrennter Pulloverwolle als Tausch gegen Lebensmittel. Heute stricken und filzen 80 Frauen im Verein „Viscri incepe“: Socken, Mützen, Hüte und bunte Hausschuhe aus Naturwolle werden im Ladencafé hinter der Kirchenburg verkauft oder nach Deutschland geschickt. Für viele ist es das einzige Einkommen der Familie.

Sockenstricken, Filzen und Synergie-Effekte: Das Dorf Viscri in Rumänien ist Vorbild im Kampf gegen die Armut.

Ein Pferdewagen nach dem anderen biegt in die gepflasterte Straße in Richtung der rumänischen Stadt Kirchenburg ein, deren Ortskern zum UNESCO-Welterbe gehört, dahinter grüne Hügel bis zum Horizont. Viscri ist eine Zeitreise ins Mittelalter – aber auch ein Vorzeige-dorf, in dem vieles anders ist: Hier wird nicht gebettelt, von Ausgrenzung der Roma nichts zu spüren. Der Pferdewagenkutscher, die strickende

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Frau am Straßenrand, sie begegnen einem auf Augenhöhe. „Fast alle Kinder gehen hier zur Schule, was uns von anderen Dörfern unterscheidet“, freut sich Tina Bing. Sie und Annette Schorb – zwei deutsche „Aussteigerinnen“, die es auf der Suche nach dem einfachen Leben hierher verschlagen hat – engagieren sich vor Ort für sozial schwache Menschen. Früher war vieles noch anders in Viscri. Anfangsprojekte, wie Straßenschule oder Armenküche sind längst überholt. Seit dem Ende des Kommunismus leben ca. 70 Prozent Roma in Viscri. Mangelnde Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten und fehlende Verkehrsanbindungen halten sie im Teufelskreis der Armut fest – oder treiben in den Westen. Viscri ist kein Einzelfall. „Doch man müsste den Leuten in Deutschland mal sagen, wie heimatverbunden die Menschen hier sind“, meint Tina Bing. „Die meisten würden sehr viel dafür geben, Zuhause leben zu können!“

Unterstützung aus Deutschland kam 2007 durch den Verein InSoPro aus Stegen. „Zufall oder Schicksal – ich kam genau zu dem Zeitpunkt, als die Gründer von „Viscri Incepe“, Maria und Harald Riese, wieder nach Deutschland gingen“, erinnert sich die Leiterin Gabriele Gottschall. Dank ihr wird das Projekt unter dem Namen „Gutes aus Viscri“ von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert . Nun soll der Verkauf ausgebaut und auf stabile Beine gestellt werden: Internet-Plattform, Marketing und Vernetzung mit anderen Projekten - z.B. mit Stejarişu, wo seit letztem Jahr auch gefilzt wird. „Wir sind offen, auch wenn das theoretisch Konkurrenten sind“ erklärt Tina Bing. Dass man nur gemeinsam stark ist, haben auch die Frauen von „Viscri incepe“ begriffen und bringen Neulingen das Filzen bei. Clan-orientiertes Denken ist einem neuen Zusammengehörigkeitsgefühl gewichen. „Das Wichtigste aber ist, dass die Frauen lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen“, betont Annette Schorb. In Seminaren lernen sie Marketing, Kommunikation, Organisation. Synergie-Effekte gibt es durch Jugendarbeit, Hausaufgabenbetreuung und Unterstützung des Schultransports, sogar eine Krankenschwester wurde an-


Tag der offenen Tür in der alten Spinnerei: Der Regen hat die Straße in Schlamm verwandelt. Besucher drängen in den Hof des Gebäudes, das als Jugendzentrum und Treffpunkt für die Frauen dient. Ein Mädchen führt vor, wie das Filzen geht, ein anderes zeigt

das neue Warenlager. Wer hier nur auf die Fassade blickt, sieht hier nicht weit genug, denn in den Augen der Menschen spiegelt sich viel mehr: Stolz. Freude. Hoffnung!

Termine 2016 2016

Events 2016

gestellt, die täglich Hausbesuche macht. Das Besondere ist die Breite der Angebote und der Beginn einer Vernetzung mit anderen Dörfern. In der Jugendarbeit mit Behinderten will man bald auch mit einem Partnerverein in Cobor und einer Selbsthilfegruppe in Daişoara kooperieren. „Ein spezieller und seltener Ansatz ist, dass wir hier kein reines Roma-Projekt haben“, erläutert Tina Bing.

24. – 26.06.

33. Donauinselfest Wien

25. 06.

DonauquellFest mit Einweihung der sanierten Donauquelle, Donaueschingen

24. – 26.06.

33. Donauinselfest Wien

29. 06.

International Danube Day

30.06. – 23.10

soundweaving, Ausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum, Ulm

01. – 10. 07.

10. Internationales Donaufest Ulm/Neu-Ulm

06. – 26. 07.

Eulenspiegel Zeltfestival, Passau

07. – 10. 07.

EXIT Festival, Novi Sad (Serbien), Festung Petrovaradin

14. – 16. 07.

Sea Dance Festival, Jaz Beach (Montenegro)

18. 07.

Stadtfeiertag Schwörmontag, Ulm

29. – 30.07.

Takttraumfestival, Klenzepark, Ingolstadt

11. – 13.08.

ˇ Guca-Trumpet-Festival

10. – 17. 08.

Sziget-Festival, Budapest

01. – 20. 08.

Sarajevo Film Festival, Sarajevo

25. – 30.09.

Danube Summer School, Ulm

02. 11.

3rd Participation Day of Danube Civil Society Forum, Bratislava (Slovakia)

03. – 04.11.

5th Annual Forum of the EU Strategy for the Danube Region, Bratislava

Nina May, Journalistin, Bukarest

Info: www.viscri.de oder www.viscrisocken.insopro.org

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Creative Industries

Creative Danube:

Die Zukunft liegt im Unentdeckten Studierende aus dem kroatischen Osijek und Stuttgart haben ein Jahr lang zusammen gearbeitet, 40 Adressen in 14 Städten besucht und sich mit vielen kreativen Menschen getroffen. Dabei entdeckten sie eine ganz neue Welt voller Orte und Cafés mit anregender künstlerischer Atmosphäre. Ihre Reise war Teil des von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten Projekts „Creative Danube“ („Kreative Donau“), das die Kreativwirtschaft in den Künstlervierteln entlang der Donau fördern soll. Im Belgrader alternativen Kulturzentrum „Mikser House“ feierten die Studierenden den Abschluss ihres Projekts und stellten ihre Ergebnisse vor.

Die Studierenden hatten sich auf Spurensuche gemacht in Ulm, Regensburg, Pilsen, Linz, Wien, Bratislava, Budapest, Pécs, Maribor, Zagreb, Osijek, Novi Sad, Belgrad und Temeswar. Ihre Recherche werteten sie für ein Buch aus und entwickelten zudem eine App, mit der Touristen Informationen zu diesen Städten finden können – aber das ist nicht alles. Das Hauptziel des Projekts war es, Donauländer über die Kunst miteinander ins Gespräch zu bringen.

Von der Idee zur Entdeckung Am Anfang des Projekts stand eine spezielle Aufgabe von Professoren der Hochschule der Medien in Stuttgart, die dafür Studierende um sich scharten mit Interesse an Kunst, aber auch mit Neugier und Begeisterung für Aben-

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teuer und Forschung. Jeweils zwei Studierende besuchten die Städte, erkundeten die versteckten Winkel mit ihrer Alternativ- und Untergrundkultur. Diese kreativen Stadtteile sind oft noch unbekannt. Jetzt sind Kunstwerkstätten, Cafés und die Künstler selbst in greifbare Nähe gerückt. Wer ein KonzeptCafé mit vielen Büchern in Bratislava, eine Regensburger Galerie oder Untergrundclubs in Temeswar sucht, findet sie nun alle gesammelt in der App, die als Reiseführer und Notizbuch dient. Für viele Studierende war das Projekt eine Herausforderung. Jessica Turk aus Stuttgart etwa sollte das slowenische Maribor besuchen. Sie sagt, das Reisen an sich sei nicht besonders schwierig gewesen, schließlich sei Maribor für

sein Kulturerbe bereits bekannt. „Aber was ist Kreativität überhaupt? Ich fuhr nach Maribor, hatte aber keine Vorstellung davon, was mich dort erwartete. Wir fanden eine Kulturszene, die ganz anders als die deutsche ist. Es war nicht einfach, alle zwölf Menschen, die wir getroffen, und alle Orte, die wir besucht haben, in einem kleinen Bericht unterzubringen.“, berichtet Jessica Turk. Tanja Weber hatte mit ihrer „Mission Temeswar“ eine spannende Aufgabe, denn die alternative Szene in dieser rumänischen Stadt ist gut versteckt. „Mit Menschen vor Ort über kreative verborgene Orte zu sprechen, war eine journalistische Bewährungsprobe“, erzählt sie. Auch Ivona Maršić aus Osijek hat am Projekt teilgenommen. Für sie war es


Creative Industries

etwas einfacher, führte sie ihre Aufgabe doch in die bekannte slowakische Hauptstadt Bratislava. „Mir ist klar geworden, dass die Menschen, die in Bratislava leben und arbeiten, mir am besten sagen konnten, wie hier alles läuft und wo ich gemütliche Ecken finden kann. Die Designerin Dana Kleinert hat mir am meisten geholfen. Sie zeigte mir die „Brücke“, einen Ort, an dem slowakische Künstler gemeinsam Inspiration suchen. Und es gibt das Gorilla Café, eine tolle Mischung aus Café, Bücherei und Buchladen“, sagt Ivona.

Die Zukunft der Kreativwirtschaft Neben dem Kunsttourismus konzentrierte sich das Projekt auf die Entwicklung der Kreativwirtschaft in den Städten des Donauraums. Die Initiatoren des Projekts der Stuttgarter Hochschule für Medien erkannten die Bedeutung kleinerer kreativer Stadtteile und solcher Künstler, die bezahlbare, jedoch der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Kunst schaffen. Den Hauptvortrag des Abschlusstreffens hielt Sanda Šimić, eine Mitarbeiterin des serbischen Büros für europäische Integration, die für IPA-Projekte (IPA: Instrument für Heranführungshilfe) zwischen Serbien und anderen Ländern der Region zuständig ist. Sanda erklärte, warum es höchste Zeit ist, Projekte zu schaffen, besonders solche mit kulturellen Themen.

Das Treffen bot den Teilnehmern auch die Gelegenheit, eigene Projektideen zu entwickeln, wie Iva Nenadić sagte, eine der Mitorganisatorinnen der Veranstaltung im Mikser House. „Dieses Treffen ist die letzte Stufe von „Creative Danube“, aber nicht das Ende des Projekts. Die hier versammelten Künstler können ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Im Buch und in der App gibt es alle Geschichten, die die teilnehmenden Studierenden über die Städte und Künstler gesammelt haben. Die Studierenden haben die gesamte Gegend bereist und Berichte darüber verfasst. Sie suchten und fanden Menschen, die etwas Anderes tun als das, was man normalerweise sieht, und sie fanden außergewöhnliche Orte“, meint Iva.

„Creative Danube – Places to see, places to be“ ist ein Projekt, das sich mit der Kultur- und Kunstszene im Donauraum beschäftigt hat. Es wurden Verbindungen zwischen jungen Leuten hergestellt, außergewöhnliche Künstler und Orte entdeckt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Dank des Einsatzes einer Gruppe neugieriger Studierender und ihrer Mentoren hat die Alternativkultur einen weiteren Verbündeten und eine Chance auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit gewonnen. Nataša Šaru, Journalistin, Novi Sad

Professor Boris Kühnle von der Hochschule für Medien Stuttgart ist einer der Initiatoren von „Creative Danube“. Das Projekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Prof. Kühnle berichtet, dass die Studierenden bei ihrer Erkundung des Donauraums Orte mit wirtschaftlichem Potenzial finden sollten. Das Projekt sollte die öffentliche Wahrnehmung der erwähnten Orte und ihrer Bewohner steigern. „Creative Danube“ ist eine Gelegenheit, kreative Orte und Menschen vor der eigenen Haustüre kennenzulernen. Das Projekt hat zu vielen Entdeckungen beigetragen. “, gab Kühnle zu bedenken.

Prof. Kühnle und Iva Nenadic beim Projekt "Creative Danube"im Mikser-House, Belgrad.

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Der „Amazonas Europas“

Kroatien ist berühmt für seinen Wasserreichtum, der bereits seit 1891 unter gesetzlichem Schutz liegt, und seine grünen Naturgebiete allgemein. Das wohl schönste und interessanteste davon ist ´ rit, eines der größten Feuchtbiotope Europas im ein Naturpark, der beides vereint: Kopacki Dreiländereck Kroatien-Ungarn-Serbien.

Das Wasser bahnt sich über die weiten Felder seinen Weg, die Natur nimmt sich ihren Platz. Vögel gleiten entweder über das Nass oder sitzen zu Scharen in den Bäumen. Hier sieht und spürt man, dass Tier- und Pflanzenwelt durchatmen und Kraft tanken. In Slawonien, bei der Mündung der Drau in die Donau, beim 600 Einwohner kleinen Dorf Kopačevo (ung. Kopács) befinden sich die aus Sumpfland, Wäldern und Überschwemmungsgebieten bestehenden Kopački Rit („Auen von Kopač“). Aufgrund der regelmäßigen Fluten blieb ihr ursprünglicher Charakter erhalten, zusätzlich ist der als „Amazonas Europas“ bezeichnete Teil des Biosphärenparks Mur-Drau-Donau ein streng geschütztes Gebiet: die über 23.000 Hektar große Fläche genießt seit 1993 den Schutz gemäß der RamsarKonvention und wurde 1999 für die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes nominiert.

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Im Park wurde ein 7.700 Hektar großes zoologisches Reservat geschaffen, in dem menschliche Eingriffe verboten sind; selbst Experten dringen nur einzweimal im Jahr hier ein. Dank dieser Ruhe erfreuen sich die Auen einer reichen Tierwelt, die über 2.000 Arten umfasst. Am auffälligsten ist die Vogelvielfalt: Experten registrieren 300 verschiedene Arten, darunter seltene wie Seeadler, Waldstorch oder Moorente. Für Wandervögel stellen die Auen einen wichtigen Ort zum Ausruhen und Fressen dar. Zugleich gibt es über 55 verschiedene Fischarten, etwa den seltenen Stör. Biber und Otter sind ebenso am Wasser beheimatet, in den Wäldern Hirsche, Wildkatzen und Grauwölfe. An der Donau findet man vor allem Auenwälder und Silberweiden, bei der Drau Weichholzwälder, beim im Norden des Parks gelegenen Schloss Tikveš Harthölzer. Touren zu Fuß, Wasser oder Rad Den Eingang zum Naturpark bildet sein Besucherzentrum, das erst 2015

Auf den Lehrpfaden kann man die Kopacki ´ rit nah am Wasser erkunden, ohne nasse Füße zu bekommen.

um ein direkt über dem Wasser verlaufendes System aus Holz-Wanderwegen erweitert wurde. Von hier lassen sich geführte Touren zu Fuß oder per Boot bzw. Kanu starten, auch gemischte Land- und Wassertouren sind möglich. Die Auen liegen auf der Strecke zweier internationaler Radwege („Pannonischer Frieden” und „Donau-Route”), weshalb man sie auch zu Rad erkunden kann. Für ausgewiesene Stellen kann man eine Jagd- oder Angelerlaubnis erhalten. Das Angeln ist verboten trotz einer großen Tradition: die namensgebende Ortschaft Kopačevo wurde im 13. Jahrhundert als Fischerdorf gegründet. Seitdem lebten die Bewohner vom Fischfang, selbst während des Osmanen-Einfalls. Erst eine Flussbegradigung im 19. Jahrhundert und die Gründung des ge-


Natur

schützten Naturparks 1967 schränkten sie ein, 1982 wurde ihre Tätigkeit ganz untersagt. Heute leben die Bewohner vom Gemüseanbau und Tourismus. Eine Klammer zur Tradition bilden die „Angeltage in Kopačevo“, ein seit 1998 jedes Jahr im September ausgerichtetes zweitägiges GastronomieFestival mit lokalen Spezialitäten wie Fischgulasch oder gegrillten Fischen. 2012 errangen Naturschützer einen wichtigen Sieg: über 20.000 unterschrieben aus Protest gegen Pläne des kroatischen Umweltministeriums eine Petition zum Schutz der Auen. Laut den Aktivisten hätte die geplante Flussbegradigung entlang des kroatisch-serbischen Grenzabschnitts die sensible Verbindung der Donau zu den Auen in Gefahr gebracht. Dank des anhaltenden internationalen Protests zog das Ministerium im Frühjahr 2014 die Pläne zurück. Grenzübergreifende Kooperation – auf dem Weg zum „Internationalpark“? Die 25 km von der ungarischen Grenze gelegenen Auen gelten laut Experten als „natürliche Fortsetzung“ des ungarischen Nationalpark Donau-Drau, eigentlich erstrecken sich die Auen über ein sogar noch größeres Gebiet bis nach Ungarn und dem serbischen Naturreservat Gornje Podunavlje („Obere Donauniederung“); trotzdem bildet dieses noch kein zusammenhängendes Schutzgebiet. Daran arbeitet etwa das ungarisch-kroatische Teilprogramm des EU-Kooperationsprogramms „Instrument für Heranführungshilfe“ (IPA) der Förderperiode 2007-2013. Gemeinsame Projekte gab es auf den Gebieten Naturschutz, (Öko-)Tourismus, Infrastruktur, aber auch zur „Bereinigung“ von Minenfeldern zu beiden Seiten der Grenze - Überbleibsel der Jugoslawienkriege. Neben dem Radweg-Projekt „Green-

way Baranya“ (eine 247 km lange Tour von Osijek quer durch den Naturpark die Donau entlang über die Universitätsstadt Pécs bis Bakonya) wurde September 2014 bis November 2015 ein grenzübergreifendes Naturschutzprojekt zur Entwicklung der Landschaft im Biosphärenparks MurDrau-Donau – zudem auch die Auen gehören - von sechs kroatischen Gespanschaften und der Verwaltung des ungarischen Nationalparks DonauDrau durchgeführt. Zum Budget von 930.000 Euro (davon 791.000 Euro EUFördermittel) gehörte die Rehabilitation der Landschaft, das Schaffen eines Monitoring-Systems und Kreieren neuer Anlagen sowie Möglichkeiten des Ökotourismus. Die Wandervögel scheinen schon länger grenzübergreifend zu denken: Die von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen ausgearbeitete Vogelzugslinie verläuft u.a. über den Nationalpark Duna-Dráva in Ungarn, die Kopački rit in Kroatien und die Gornje Podunavlje in Serbien.

Über 23.000 Hektar überflutete Flächen bilden die Lebensgrundlage zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

Daniel Hirsch, Journalist, Budapest

Übernachtung: Ein bekanntes Hotelbuchungsportal findet spontan 40 Unterkünfte in Umgebung der Kopacki Rit, darunter die 4 Sterne-Hotels „Hotel Osijek“ (175 Euro/Nacht) und „Apartman Cesaric“ (87 Euro) in Osijek bzw. „Hotel Lug“ in Bilje (47 Euro), aber auch das „Apartment Vunica“ (65 Euro) und „B&B Majhen“ (75 Euro) in Kopacevo.

Fahrradverleih: Im Park können Fahrräder für eine Leihgebühr von ca. 10 Kuna/Stunde ausgeliehen werden und den Park auf zwei Rädern auf den zahlreichen Radrouten zu erkunden.

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Zivilgesellschaft

So schmeckt Freundschaft hinzufügten und traditionell weiterverarbeiteten. So entstand ein vielfältiges kulinarisches Freundschaftsband entlang der Donau. Und wie überbrückt man Vorurteile und Unwissen am besten? Bei Speis und Trank! Daher findet am 10. Juli 2016 ein Donaubrückenfrühstück auf der Herdbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm statt. Hier können sich Teilnehmer aus ganz Europa beim Teilen der verschiedenen Brotarten besser kennenlernen.

Die Pädagogin Carmen Stadelhofer vom Institut für virtuelles und reales Lernen in der Erwachsenenbildung an der Universität Ulm (ILEU) e.V. und Danube-Networkers for Europe (DANET) e.V. veranstaltet das von der BadenWürttemberg Stiftung geförderte Projekt "Tastes of Danube", das zahlreiche Partner entlang der Donau kulinarisch miteinander verbindet. „Unser tägliches Brot gib uns heute ...“ heißt es im Vaterunser. Doch für die meisten von uns ist Brot zur alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden. Dabei ist die Backware gerade in Europa mehr als nur ein Nahrungsmittel. So lag es auf der Hand, dass Carmen Stadelhofer das Projekt „Tastes of Danube. Bread. Wine. Herbs“ unter anderem dem Brot widmete. „Wir suchten nach einem Thema, das international anspricht, intergenerationell und kulturell ist, und bei dem alle mitmachen können. So sind wir auf das Thema „Brot, Wein, Kräuter“ gekommen. Brot spielt in Europa eine große Rolle als Grundnahrungsmittel, in religiösen Riten und kulturellen Traditionen“, erklärt sie. Die Donau ist mit 2900 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas und verbindet West mit Ost. Die Region ist Heimat verschiedenster Kulturen, die jedoch oft noch nicht genug miteinander kommunizieren. „Durch den Eisernen Vorhang wurde uns suggeriert, dass ‚die’ auf der anderen Seite anders sind. Nun entdecken wir im Projekt,

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dass wir sehr viele Gemeinsamkeiten haben. Das sieht man vor allem am Brot, welches in allen Ländern ein wichtiges Nahrungsmitel darstellt. Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur eine große Individualität und Diversität haben, sondern auch Gemeinsames miteinander teilen. Das Projekt soll auch die Zusammenarbeit der Länder entlang der Donau vertiefen und durch ein näheres Kennenlernen zum friedlichen Donauraum beitragen. Am Projekt, das im Januar 2016 seine Arbeit aufgenommen hat, können zivilgesellschaftliche Einrichtungen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und Umwelt, aber auch Hochschulen und Schulen partizipieren. Menschen jeden Alters und verschiedener Ethnien aus zwölf Donauländern nehmen am Projekt teil. Die Bäckerlehrlinge der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm etwa stellten den Grundteig des Brotes her. Dieser „Urteig“ wurde in Gläser gefüllt und an die Teilnehmer entlang der Donau geschickt, die landestypische Zutaten wie etwa Kräuter

„Auf menschlicher Ebene wünsche ich mir, dass wir ein kleiner Baustein sind, der zu einem friedlichen Europa beiträgt“, sagt Carmen Stadelhofer. Mirella Sidro, Journalistin, danube connects


Buchtipps

Sundance

von Natalija Ribovic Eine kreative Hymne an die Sonne Das Buch der Künstlerin Natalija Ribovic aus Novi Sad in Serbien erinnert den Leser daran, dass ohne die Energie der Sonne kein Leben auf der Erde existieren könnte. Es ist nur in Verbindung mit Sonnenstrahlen lesbar, da der Inhalt mit einer technisch hoch entwickelten Farbe verfasst ist, die nur im Zusammenhang mit der Natur funktioniert. Die dreisprachigen Gedichte mit Zeichnungen verfasste die Künstlerin nach ihrer Rückkehr aus Japan, das sie nach der Fukushima-Katastrophe verließ.

Das Werk ist ein Aufruf zu mehr Respekt an die Natur, ohne die moderne Technik außer Acht zu lassen.

Sommer vorm Balkan von Danijela Pilic Eine Liebeserklärung an Jugoslawien

Komm, entdecke, erzähle weiter... wonien

Skizzen aus Sla Skice Slavonije vonia Sketches of Sla Damir Rajle

Wie war es für Danijela Pilic, im ehemaligen Jugoslawien zu leben und aus der Heimat wegzuziehen? Wie ist es nun als Ex-Jugoslawin im Ausland zu leben? Mit welchen Vorurteilen hat(te) sie zu kämpfen? Was unterscheidet den Balkan von Deutschland? All das erklärt die Autorin in „Sommer vorm Balkan“. Bei dem Buch darf gelacht und geweint werden. Dieses Buch ist ideale Literatur für all diejenigen, die den Balkan lieben und kennenlernen möchten. an Studium der Geodäsie Kroatien, geboren, er im Jahr 2000 als Foto1970 in Osijek, nell beginnt Damir Rajle. zu arbeiten. in Zagreb. Professio Slavonije“ freiberuflich bekannten „Glas der Universität Tageszeitung von nahezu allen ften. graf für die lokale Zeit bekommt er Aufträge und Zeitschri kurzer von Wochenzeitungen en NationaltheBereits nach ungen sowie Kroatisch Fotograf des kroatischen Tageszeit tur Vuga Rajle offizieller eigene Fotoagen und Seit 2004 ist Damir seit 2006 betreibt er seine Raums“ und e des „offenen aters in Osijek gilt der Fotografi in Kroatien und Deutschland Leidenschaft stellungen Konti(Oriole). Seine n auf allen sechs umentation. Einzelaus der Reisedok chaftsausstellunge ng an Gemeins sowie Beteiligu y nenten. at the universit studied Geodesy pher for the 1970 in Osijek, photogra He was born Damir Rajle. to work as a freelancethen he has been provi2000 he started ” and since of Zagreb. In daily and weekly er “Glas Slavonije some foreign Osijek daily newspapto nearly all Croatian and official photogra he has been the ding photo services prefers “open magazines. Although in Osijek since 2004, he newspapers and own busiNational Theatre has started his s pher of the Croatian e photography. In 2006 he had single exhibition pher. Damir Rajle space” and travelogu s on all six photogra exhibition as freelance common ness “Oriole” participated in Germany. He in Croatia and continents. je završio srednju Fotou Osijeku, gdje ¯ je 1970. Godine . Ve´c se tada, u sklopu predmeta Roden je Damir Rajle. geodezija interes produblju školu, smjer Kasnije se taj ¯ Gradevinsku Godine 2000. za fotografiju. ceo zanimati fakultetu u Zagrebu. Slavonije i od om grametrija, po´ kolegiju na Geodetskckim dnevnim listom Glas na istoimenom stranih dnes osje´ ¯ o suradivati hrvatskih i nekih fotograf po´cinje honorarn dopisništvima gotovo svih danas službeni s ¯ najje od 2004. do tada je suradivao mu je i danas i magazina. Iako ´ce re´ci da u fotografiju. vnih listova, tjednika kazališta u Osijeku, za što putopisn i Hrvatskog narodnog fotografiju “otvorenog prostora” alno djeluje kao koji profesion a ve´ci izazov, preferirace obrt “Vuga” (Oriole) kroz oj i Njema´ckaj, pokre´ imao je u Hvrvatsk ata. Godine 2006. Samostalne izložbe kontinen slobodni fotograf. izlagao je fotografije na šest kroz skopne izložbe

Verlag 2016 danube books .eu www.danube-books 046-02-8 ISBN 978-3-946 28,00 EUR (D)

256 Seiten, Taschenbuch, broschiert ISBN 978-3-442-15795-2, Goldmann Verlag

68 Seiten, Softcover, dt/ital./engl. ISBN 978-3-95763-312-5. Revolver Publishing Verlag

Skizzen aus Slawonien von Damir Rajle – Eine Bildreise durch die Kornkammer Kroatiens „Manche sagen im Spaß, dass man, wenn man sich auf einen etwas größeren Kürbis stellt, ganz Slawonien sehen könne.“ Nicht umsonst wird die Region im Osten Kroatiens als Kornkammer des Landes bezeichnet. Der aus Slawonien stammende Damir Rajle zeigt im seine persönliche Sicht der Heimatregion. Dem Betrachter eröffnen sich wunderbare Fotografien von Mensch, Tier, Natur und ihrer Beziehung zueinander.

von Amel Salihbasic – Ein ungewöhnlicher Reiseführer über Bosnien-Herzegowina Blättert man die Seiten des etwas größeren Reiseführers durch, in dem 30 Destinationen vorgestellt werden, ist Fernweh garantiert. Während in einem klassischen Reiseführer der Text dominiert und die Bilder eher eine Nebenrolle spielen, ist es bei diesem Format anders. Es ist Bildband und Reiseführer in einem, dessen Fotos von kurzen, informativen Texten begleitet werden. 208 Seiten, Softcover, ISBN 978-3950378511

116 Seiten, Hardcover ISBN 978-3-946046-02-8, danube books Verlag danube connects 01I 16

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danube connects – das magazin für die donauländer, 1/2016  

Sonderausgabe zu Tourismus & Kultur: Ziele, Events und Projekte.

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