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ANALOG


ANALOG


Foto: Rona Keller

IN HALTS VER ZEICH NIS


Historische Fotografen Ansel Adams, 1902 Harry Callhan, 1912 Bruce Davidson, 1933 Guido Mangold, 1934 William Eggelstone, 1939

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Lesestoff Heute noch Analog? Doppel hält besser Spinner 360

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I – II – III – IV Lars Wästfelt, 1971 Emmanuel Rosario, 1989 Rona Keller, 1990 Joe Curtin, 1995

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HEUTE NOCH ANALOG ? 4


Fragte man Betroffene, würden wahrscheinlich viele nostalgische Argumente ins Feld geführt. Aber gibt es auch rationale Erwägungen? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat Leica mit der Einführung der Kleinbildformat-Kamera die Fotografie emanzipiert. War sie zuvor nur Profis und ambitionierten Amateuren vorbehalten, hatte nun bald jeder eine Kamera, die ohne besondere Kenntnisse bedient werden konnte und ausreichend gute Bilder schoss. Eine wahre Revolution, die nicht nur ein echter Beitrag zur menschlichen Kultur war, sondern auch die Voraussetzung vieler moderner fotografischer Genres. Die digitale Epoche trieb diese Emanzipation nun auf die Spitze. Sie befreite die Fotografie aus ihrer chemisch silbrigen Abhängigkeit. „You press the button. We do the rest.“ Das war einst der Slogan eines Weltkonzerns. Den hat nun die neue Zeit in die Knie gezwungen – es gibt eben keinen „Rest“ mehr zu tun. Die digitale Fotografie ist immanenter Bestandteil der modernen Gesellschaft. Jeder kann beliebig oft und ohne Limit, Aufwand und Kosten Bilder produzieren, und so entstehen sie milliardenweise und täglich. Warum macht man sich nun die Mühe und fotografiert analog? Analoge Fotografie ist teuer. Sie kostet viel Geld, Aufwand und Zeit. Man braucht Platz, es stinkt mit unter und man muss einmal im Quartal mit Kanistern zum Sondermüll. Gemessen an den objektiven Parametern der technischen Qualität bei Auflösung und Print, hat auch die digitale Fotografie die Analoge schon längst hinter sich gelassen. Wozu also all die Liebesmüh? Zunächst einmal braucht es einen Faible zur Fotografie. Analoge Fotografie ist eine Mischung aus Geist und viel Handwerk. Letzteres wurde durch das Digitalzeitalter in großen Teilen redundant. Dort arbeitet man eher auf einer virtuellen Ebene, digital eben. Digital von der Aufnahme bis zum Print, wobei letzterer wohl sicher im Promille liegen dürfte, da es die meisten digitalen Bilder gar nicht bis zum Print schaffen und so im digitalen Nirvana ein dürftiges Dasein führen. Diese virtuelle Arbeitsweise ist zwar immer noch komplex aber dennoch eher eindimensional was die beteiligte Sinneswelt zum Medium angeht. Man glotzt eben immer auf ein Computer-Screen. Das führt zur “fotografischen Depravation”. Man spult keinen Film ein, man „zieht“ die Kamera nicht auf, na und oft genug schaut man nicht einmal mehr durch einen Sucher. Es gibt keine Latenz zwischen Auslöser

und Bild; alles ist instantan. Es gibt keine geistige Brücke zwischen dem was man sieht und dem, was man auf dem Papier erwartet. Fotografiert man analog, beginnt nach dem Auslöser erst einmal die Arbeit. Der ganze Körper ist beteiligt. Man braucht Fingerspitzengefühl, um den Film im Dunkeln zu öffnen und in die Spule zu ziehen. Man muss die Chemie abmischen, in Tabellen nachschlagen und Zeiten messen. Man schaut dem Film beim Trocknen zu und übersetzt die Negative in Gedanken schon in Positive. Man selektiert auf dem Leuchtisch. Dann setzt man noch mehr Chemie an und überlegt sich schon mit welchen Techniken das Positiv entwickelt wird. Man wird nass. Man riecht den beissenden Fixierer oder den stinkenden Toner. Irgendwann hängt oder zieht man die Bilder zum Trocknen auf und schaut sich zufrieden sein Werk an. All diese körperlichen Sinneseindrücke und Empfindungen überspringt man, wenn man digital fotografiert – also Geist ohne Körper. Aber was macht der Geist ohne die Reize des Körpers? Descartes hat ihn damals vom Körper getrennt, als er dachte zu sein weil er es dachte. Aber wird der Geist stimuliert, wenn er körperlich nicht reflektiert? Könnte ein Musiker viel kreativer sein, wenn er das Handwerk am Instrument nicht bräuchte? Könnte ein Maler besser malen, wenn er sich weder mit dem Mischen von Farben noch mit Material auseinandersetzen müsste – endstünden vielleicht auf einem Tablet-PC die besseren Gemälde als auf Leinwand in Öl? Oder wären Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle noch ausdrucksstärker, wenn er nicht kopfüber im feuchtkalten Dreck und unter miesesten Bedingungen gearbeitet hätte? Ich denke es ist diese sinnliche Reflektion, die den Unterschied macht. Analogfotografie spürt man einfach. Es ist die menschliche Unvollkommenheit in der Prozesskette, die ein analoges Bild individuell macht. Keinesfalls aber soll dieser Artikel als Plädoyer gegen digitale Fotografie aufgefasst werden. Das wäre mir zu fundamentalistisch. Ich genieße es beide Welten zu nutzen oder zu verschmelzen und suche mir das beste davon aus. Andererseits musste ich feststellen, dass meine geplanten, konzeptionellen Fotos (fast) immer analog sind. Woran das wohl liegt?

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Historische Fotografen: Ăœberblick

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FOTOGRAF & AUTOR

ANSEL ADAMS Kalifornien, USA – * Februar 1902 – †April 1984

Ansel Easton Adams war ein US-amerikanischer Fotograf, Autor und Lehrer der künstlerischen Fotografie. Er wurde vor allem bekannt durch seine eindrucksvollen Landschafts- und Naturfotografien aus den Nationalparks, National Monuments und den Wilderness Areas im Westen der Vereinigten Staaten, für deren Erhalt er sich zeitlebens aktiv einsetzte. Als Mitbegründer der Gruppe f/64 zählt er zu den Pionieren der straight photography und gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Fotografen. Adams verfasste zahlreiche Lehrbücher zu Theorie und Praxis der Fototechnik. Das von ihm zeitgleich mit Fred Archer formulierte Zonensystem wurde wegweisend für die künstlerische Schwarzweißfotografie.

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Historische Fotografen: Ansel Adams


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Historische Fotografen: Ansel Adams


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FOTOGRAF

Detroit, USA – * Oktober 1912 – † März 1999

Callahan studierte von 1931 bis 1933 Ingenieurwesen am Michigan State College. 1938 begann er als Autodidakt zu fotografieren. 1941 wurde er Mitglied bei der Fotografenvereinigung Detroit Photo Guild und von 1944 bis 1945 arbeitete er im Fotolabor von General Motors. Von 1946 bis 1961 wurde er, entdeckt von László Moholy-Nagy, Dozent für Fotografie am Institute of Design in Chicago und begann sich in dieser Zeit mit der Fotografie des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit auseinanderzusetzen. 1968 hatte er eine bedeutende Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York City. Von 1961 bis 1973 war er Leiter und später Lehrer der Fotoabteilung der Rhode Island School of Design. Henry Callahan wird als einer der innovativsten und einfluss-

Historische Fotografen: Harry Callahan

reichsten Fotografen der modernen amerikanischen Fotografie angesehen. Sein Œuvre umfasst ein

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großes Spektrum an Sujet von der Aktfotografie über Landschaftsaufnahmen bis zu Stadtbildern und anderen Szenen, die er in einer Reihe unterschiedlicher Bearbeitungsformen hinterlassen hat.


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Historische Fotografen: Harry Callahan


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Historische Fotografen: Harry Callahan


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FOTOGRAF

BRUCE DAVIDSON Oak Park, Illinois, USA – *Juli 1933

Davidson begann bereits mit 10 Jahren zu fotografieren. 1949 gewann er den „Kodak National High School Wettbewerb“. Daraufhin machte er eine Lehre und studierte Fotografie. Nach Absolvierung des Militärdienstes arbeitete er kurze Zeit als selbstständiger Fotograf für LIFE, 1958 wurde er bei Magnum aufgenommen. 1963 wurde Davidson im „Museum of Modern Art“ in New York eine Einzelausstellung gewidmet. 1966 erhielt er ein Stipendium von der „National Endowment for the Arts“, woraufhin er zwei Jahre in Spanish Harlem in New York verbrachte. Dort fotografierte er das Leben in und um einen Wohnblock, die entstandenen Aufnahmen erschienen 1970 unter dem Titel „East 100th Street“. Bei seiner ersten Serie in Farbe widmete er sich der New Yorker U-Bahn. Die unter dem Titel „Subway“ (1986) veröffentlichten Aufnahmen zeigen die Unterschiedlichkeit der Fahrgäste. Familien, Geschäftsmänner, Obdachlose oder Touristen wurden zum Mittelpunkt seiner Bilder. Davidson wollte damit die einzelnen Persönlichkeiten darstellen, die Tag für Tag ein Verkehrsmittel benutzen, das für viele der Inbegriff von Anonymität und Alltag ist.

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Historische Fotografen: Bruce Davidson


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Historische Fotografen: Bruce Davidson, Serie „Subway“


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FOTOGRAF UND FOTOJOURNALIST

GUIDO MANGOLD Ravensburg, Deutschland – *1934

Noch während seiner Konditorzeit in Deutschland begann Mangold zu fotografieren und in Vancouver erwarb er sich weiteres Wissen indem er in einem Porträtatelier aushalf. 1957 kehrte Guido Mangold nach Deutschland zurück um Bildjournalismus an der Schule für Kunst und Handwerk zu studieren. Dann 1958 der Wechsel mit Otto Steinert an die Folkwang-Schule in Essen, die er 1960 mit Examen und dem Folkwang Leistungspreis abschloss. Von 1961 an arbeitete er als Fotograf für United States Information Service in Bad Godesberg. Nach einer Bildstrecke in der Zeitschrift Kontraste wurde Willy Fleckhaus auf ihn aufmerksam und Guido Mangold erhielt von 1963 einen Mitarbeitervertrag bei der Illustrierten Quick für die er als Bildjournalist weltweit unterwegs war.

Historische Fotografen: Guido Mangold

Nach dem Verkauf von Quick arbeitete Guido Mangold ab 1966 als freier Mitarbeiter bei deutschen

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Magazinen: twen, Eltern, Playboy, Jasmin, Stern, ab 1976 für GEO und Merian, für die er auch Bildbände publizierte und seit 1993 für Focus. Für Werbeproduktionen war er in den 70er Jahren u.a. tätig für Coca-Cola, Stuyvesant, Camel sowie für Hersteller vom Kosmetik und Mode.


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Historische Fotografen: Guido Mangold


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Historische Fotografen: Guido Mangold


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FOTOGRAF

WILLIAM EGGLESTON Memphis, Tennessee, USA – *Juli 1939

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William Eggleston, der aus einer wohlhabenden Südstaaten-Familie stammt, wuchs auf einer der Baumwollplantagen (Mayfair) seiner Familie, nahe Sumner in Mississippi auf und begann bereits mit zehn Jahren zu fotografieren. Während seines Studiums an der Vanderbilt University und der University of Mississippi setzte er sich intensiv mit Fotografie auseinander. Ab Ende der 1950er Jahre arbeitete er als freier Fotograf in den Südstaaten und in Washington, District of Columbia. Nachhaltig beeindruckten ihn 1959 Ausstellungen von Schwarz-Weiß-Fotografien von Henri Cartier-Bresson (The Decisive Moment), Robert Frank und Walker Evans (American Photographs). 1965 begann er mit Farbfotos zu experimentieren und benutzte Dia-Filme, 1967 wechselte er zu Farbnegativen. Eggleston lernte in New York führende Fotografen seiner Zeit wie Diane Arbus, Lee Friedlander und Garry Winogrand kennen und begegnete 1967 John Szarkowski, den damaligen Kurator der Fotografie-Abteilung des Museum of Modern Art. 1976 richtete Szarkowski ihm eine Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art aus: Photographs by William Eggleston, die Egglestons Ruhm begründete und bis heute zu den Meilensteinen der Fotografie zählt – ebenso wie der gleichzeitig erschienene, inzwischen als Reprint erhältliche William Eggleston‘s Guide. Obwohl die Ausstellung von den Kritikern missverstanden wurde (die New York Times bezeichnete sie als die „meistgehasste Schau des Jahres“), sollte sie Geschichte schreiben und den Beginn der modernen Farbfotografie markieren. Seither gilt William Eggleston als „Vater der Farbfotografie“. Damit ist keine technische, sondern künstlerische Innovation gemeint. Er wandte sich früh schlichten, nicht bildwürdig geltenden Motiven zu – vergleichbar dem Maler Edward Hopper. Die Abzüge ließ er im kommerziellen Dye-Transfer-Verfahren herstellen, das bis dahin nur für Zeitschriften und Werbeanzeigen benutzt wurde. Ein Beispiel ist das Bild der roten Zimmerdecke Greenwood, Mississippi (1973), das für spätere Fotografen stilprägend wurde.[1]. Die Farbgebung wirkt aufgeputscht, der Blickwinkel aus der Froschperspektive unkonventionell, wie ein Schnappschuss. Die Historische Fotografen: William Eggleston

Lampe ist nur eine Fassung für eine nackte Glühbirne, zu der der aber drei weiße Kabel

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führen – das irritierende Detail. Die Anordnung der Kabel und Raumkanten bewirkt eine ausgewogene Bildkomposition. Mit der Einführung der Farbe als selbstverständliche Wahrnehmungsbedingung beeinflusste er die internationale zeitgenössische Fotografie entscheidend: Juergen Teller, Andreas Gursky, Sofia Coppola und David Lynch beziehen sich auf ihn.


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Historische Fotografen: William Eggleston


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„DOPPELT HÄLT BESSER“ Fotografen: Rona Keller & Daniel Schmitt Autor: Aileen Wessely Artikel von kwerfeldein.de, Februar 2011 Zum Teil gekürtzt. URL: http://kwerfeldein.de/2011/02/28doppelt-haelt-besser/ 40


Wie entsteht eine Doppelbelichtung? Ganz unabhängig von der verwendeten Kamera werden bei einer Doppelbelichtung zwei Bilder auf das gleiche Stück Film belichtet. An jeder Stelle addieren sich also die Lichtmengen, die auf den Film treffen. Und im Falle eines Farbfilms vermischen sich dort auch die Farben der zwei Belichtungen entsprechend den Gesetzen der additiven Farbmischung. Warum sieht eine Doppelbelichtung meistens nicht so aus wie man es von zwei übereinandergelegten Bildern erwartet? Das Filmmaterial hat eine gewisse “Kapazität” für Licht. Das heißt, dass zwei Stellen auf dem Film, die bei der Belichtung mehr als eine bestimmte Menge Licht abbekommen haben, beide nach der Entwicklung reinweiß erscheinen, auch wenn sie in Wirklichkeit eine unterschiedliche Helligkeit hatten. Fotografiert man also bei einer Belichtung etwas, das allein schon hell genug ist, dann kann man darauf das Motiv der anderen Belichtung nicht mehr sehen, denn weiß bleibt weiß. Anders herum ist auf einer Stelle, die von einer Belichtung durch zu wenig Licht praktisch unbelichtet gelassen wurde, nur das Motiv der anderen Belichtung zu sehen. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es natürlich auch die Zwischenstufen: Beide Belichtungen haben den Film etwa gleich stark belichtet, dann scheinen sie wirklich übereinander zu liegen. Oder es sind beide Belichtungen sichtbar, eine aber etwas stärker als die andere. So entsteht der typische Charme einer Doppelbelichtung, bei der die zwei Ebenen nicht gleichberechtigt übereinanderliegen, sondern sich stellenweise durchdringen, hervortreten und unsichtbar werden. Soviel zur Theorie. Wie sieht das in der Praxis aus? Damit die geplante Doppelbelichtung hinterher die richtige Helligkeit hat, muss jede der beiden einzelnen Belichtungen die Hälfte zur Gesamthelligkeit beisteuern. Die Lichtmenge lässt sich halbieren, indem Belichtungszeit, Blende oder Filmempfindlichkeit angepasst werden. Man kann sich also aussuchen, an welchem der Rädchen man drehen möchte, um korrekt halb so stark zu belichten. In den meisten Fällen ist es am bequemsten, die Filmempfindlichkeit am Belichtungsmesser zu ändern, damit man nicht jedes Mal kopfrechnen muss. Das übernimmt dann der Belichtungsmesser für uns, der die Änderung der Filmempfindlichkeit auch nur nach diesen Regeln in eine Änderung von Belichtungszeit und Blende umrechnet. Ebenso kann man gezielt eine Belichtung schwächer machen, sodass sie nur schemenhaft erscheint, indem z.B. eine Belichtung 2/3 und die andere nur 1/3 zur Helligkeit beitragen. Wie verklickere ich meiner Kamera, dass ich zweimal die gleiche Stelle des Films belichten möchte? Das ist die schwierigste technische Frage, denn das richtet sich sehr stark nach dem verwendeten Kameramodell. Während einige über einen extra Knopf für genau diesen Zweck verfügen oder von ganz allein doppelt belichten, wenn man vergisst, den Film weiterzuspulen, müssen andere überlistet werden. Bei (gewöhnlichen) Kleinbild-Kameras ohne Motor ist der Filmtransport mit dem Verschlussspannen kombiniert. Sie verfügen über einen Rückspulknopf, der den

Filmtransport aussetzt und den man drückt, wenn der Film gefüllt ist und zurückgespult werden soll. Diesen drückt man nach der ersten Belichtung und spannt den Verschluss. So wird nur gespannt, der Film aber nicht transportiert. Der Rückspulknopf springt dann von allein wieder heraus, sodass nach der zweiten Belichtung der Film normal weitertransportiert werden kann. Hierbei ist es auch hilfreich, den Film während des Spannens mit der Rückspulkurbel in der Kamera festzuhalten (vorsichtig zurückdrehen, bis der Restfilm in der Patrone aufgerollt ist, man merkt dann einen leichten Widerstand), damit er nicht doch ein kleines Bisschen verrutscht. Nachdem wir so viel darüber wissen, wie eine Doppelbelichtung hergestellt wird, ist es allerhöchste Zeit, sich zu überlegen: Warum eigentlich das alles? Der Reiz von Doppelbelichtungen lässt sich kaum kurz zusammenfassen, denn durch diese Technik sind Bildkombinationen möglich, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise interessant werden. Ähnlich wie bei Diptychons und anderen Collagen kann man mit mehreren Bilder unterschiedliche Blickwinkel auf das gleiche Motiv zeigen oder ganz Fremdes zueinander in Bezug setzen. Dabei lassen sich aber viel surrealere Bildwelten erzeugen, denn beispielsweise löst das Portrait eines Menschen, neben dem ein Wald abgebildet ist in uns andere Assoziationen aus als ein Bild, auf dem der Wald aus dem Kopf des Portraitierten herauszuwachsen scheint. Auch Einzelkinder können auf Bildern plötzlich einen Zwilling haben oder über dem Horizont schwebt kopfüber eine zweite Welt. Zur Spannung, ob interessante Doppelbelichtungen entstanden sind, kommt auch noch die große Überraschung dazu, welche Motive wir da miteinander kombiniert haben und ob sie gemeinsam eine Geschichte erzählen würden oder zumindest interessante Formen und Farben aufeinander treffen. Das war für mich auch deshalb eine tolle Erfahrung, weil ich mich zu dem Zeitpunkt schon sehr auf Portraits konzentriert hatte. Bevor ich Menschen portraitiert habe, war mein Blick beim Gang durch die Stadt immer offen für Details. Sie waren es, die ich festhalten wollte, die mich fotografieren ließen. Mit der Konzentration auf meist langfristig geplante mehrstündige Portraitshootings ist mir dieser offene Blick schnell verloren gegangen. Ein Projekt wie die konzeptlose Doppelbelichtung mit einer Freundin war genau das Richtige, um mich wieder einmal ganz ohne Ziel durch die Gegend streifen und nach Kuriositäten Ausschau halten zu lassen. Dabei muss man auch nicht zwangsweise darauf achten, dass man die Belichtungen exakt übereinander legt, denn der Bildzwischenraum der einen Belichtung fällt meist kaum auf, wenn er bei der anderen Belichtung mitten im Bild liegt. Im Gegenteil führt das manchmal dazu, dass eine Doppelbelichtung sogar mehr als zwei Ebenen zu haben scheint und der Betrachter lange ins Bild versunken ist, während er versucht, die verschiedenen Motive zu erkennen, die dort ineinander verschlungen sind. Oder man belichtet den Film selbst nacheinander zweimal mit Zufallsmotiven. So liegen bei mir Blüten in den Regalen einer Drogerie oder aus einem Strauß Blumen ragt auch ein Treppengeländer. Gerade diese Bilder sind es, die mich faszinieren: Bei denen zufällig die Richtungen und Flächen im Bild miteinander funktionieren.

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Doppelbelichtungen: Bilderserie


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Doppelbelichtungen: Bilderserie


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Doppelbelichtungen: Bilderserie


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Aktuelle Fotografen: Ăœberblick


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Aktuelle Fotografen: Lars W채stfelt


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Aktuelle Fotografen: Lars W채stfelt


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Aktuelle Fotografen


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Aktuelle Fotografen: Emmanuel Rosario

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Aktuelle Fotografen: Emmanuel Rosario


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Aktuelle Fotografen: Emmanuel Rosario


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Aktuelle Fotografen: Rona Keller


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Aktuelle Fotografen: Rona Keller

I am 24 living in Harlem, New York, in high school I took some photography classes, but I did not take them too serious. After High School, I bought myself a Nikon and to be honest hardly used it until two years ago, when I started to take photography seriously. What motivated me to start taking photography seriously? Well, my friends saw some of my past work and encouraged that I would pick it up again, and so I did ... two years later here I am.

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Aktuelle Fotografen: Joe Curtin


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LOMOGRAPHY „SPINNER 360“

Fotograf und Autor: Michael Schulze Artikel von kwerfeldein.de, Oktober 2012 URL: http://kwerfeldein.de/2012/10/23/panorama/

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Was mich bisher an der Panoramafotografie abschreckte, waren zusammengenommen die Worte „Stativ“, „Nodalpunktadapter“ und „Stitching-Software“. Dieses Gebiet der Fotografie schien mir viel zu wenig den Moment festhalten zu können, zuviel Zeit bei Aufnahme und Nachbearbeitung abzuverlangen, als dass ich mich damit näher beschäftigen wollte. Umso begeisterter war ich, als ich eine erschwingliche 360-Grad-Panoramakamera entdeckte, die es ermöglichte, im Bruchteil einer Sekunde die Welt ringsherum einzufrieren. Mit dem Lomo Spinner 360° und den ersten Rollen Film im Gepäck zog ich mit ein paar Freunden auf eine Fototour an die Ostsee, um dort das neue Spielzeug auszuprobieren. Ich erwartete nicht allzuviel von den ersten Aufnahmen, denn immerhin musste ich ja erst ein Gefühl entwickeln für diese doch andere Art und Weise der Bildaufnahme und herausfinden, welche Szenerien sich für diese Art von Panoramen eignen.Viel zu schnell waren die ersten Filme belichtet, auf einen 36er Kleinbildfilm passen nur 7-8 Aufnahmen. Zudem machte ich einige Aufnahmen lieber doppelt, weil ich die Kamera „falsch“ gehalten hatte oder die Hand im Bild war. Am Ende stellte sich beim Betrachten der Bilder jedoch heraus, dass oft der vermeintliche Fehler ein Bild erst interessant macht: Eine nicht exakt

ausgerichtete Panoramaaufnahme verwandelt die Welt in eine Berg- und Tallandschaft oder der „Auslösefinger“, der versehentlich im Bild gelandet ist, wird in ungewollt kurioser Weise zum Bestandteil der abgelichteten Szenerie. Aber auch für das Panoramaformat eher ungewöhnliche und so gar nicht in unsere Sehgewohnheiten passende Bilder sind entstanden. Hochkant gestaltete Panoramen zeigen eine Welt, die gleichzeitig richtig herum und auf dem Kopf steht. Man kann sich manchmal nicht so richtig entscheiden, wie herum man ein Bild halten, wo oben und unten sein soll. Der Betrachter wird eingeladen, sich in die fremdartig erscheinende Welt zu denken, sie zusammenzubauen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten fand ich so wieder zurück zur Analogfotografie, experimentierte mit Redscale-Filmen und Crossentwicklung und den damit verbundenen surrealen Bildeindrücken. Im Laufe der letzten Jahre entwickelte ich einen Blick für die Verschrobenheiten dieser Art der Fotografie und es entstanden eine ganze Reihe von verschiedenartigen Bildern: Eigentümlich verzerrte Landschaftspanoramen, eingefrorene Rundummomente, Selbstportraits aus eigenartigen Blickwinkeln, genauso wie Erinnerungsfotos, in denen man gleichzeitig Fotografierender als auch Fotografierter ist.

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Lomography: Spinner 360


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II 2014

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NÄCHSTE AUSGABE: 4. APRIL

ANALOG In der nächsten Ausgabe geht es um das Thema Vergangenheit mit dem Schwerpunkt auf das Fotografieren von Orten, die schon seit Jahrzehnten von der Menschheit verlassen und aufgegeben wurden. Auf der ganzen Welt stehen Gebäude, teils einfache Wohnhäuser, teils prunkvolle Villen und Schlösser, aber auch Industriebauten und öffentlichte Eichtichtungen leer, sind verlassen und verfallen zusehends. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, und mit dem Betreten dieser Bauten treten Fotografen und andere Erkunder in eine andere, in der Zeit verschobene, teils surreale Welt hinein. Fotografen auf der ganzen Welt erkunden diese Gebäude, ein besonderer Reiz liegt darin noch heute Analog diese Erkundung zu fotografieren.

DANIEL SCHMITT – PROJEKT: MAGAZIN – WS 2013/14 (III)

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Analog