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Bach kommt in die Oper

Bachs Musik Bachs Musik erklingt heute überall, in der Fußgängerzone, als Klingelton, in der Kirche und natürlich im Konzertsaal, nur in der Oper, da ist sie abwesend. Das liegt natürlich an Bach selbst, denn er hat einfach keine Oper geschrieben. Dabei hätte er es natürlich gekonnt, denn Bach konnte alles, er war ein vollkommener Komponist, er beherrschte das Spektrum von abstrakter Modulation bis hin zur anrührenden Melodie. Von Musikern kommt der Spruch: Mozarts Musik sagt dir etwas über Mozart, Beethovens Musik etwas über Beethoven, aber Bach zeigt Dir ein ganzes Universum der Musik. Bachs Musik ist zutiefst melodisch. Ein Komponist, der sich nur der abstrakten Tondichtung verschrieben hätte würde heute nicht mehr gehört werden. Manche Werke Bachs haben auf You tube mehr Klicks als Elvis Presley, etwa das Prelude der Ersten Cello Suite. Bach ist ein Superstar.


Kantate und Arie Nicht alle Teile von Bachs Musik finden dabei gleiche Beachtung. Aufgrund seines Daseins als angestellter Kirchenmusiker verfasste Bach hunderte Kantaten. Bachs Kantaten werden heute vor allem in den protestantischen Regionen aufgeführt. Zwar gibt es berühmte Kantaten, die in der Musikwelt jeder kennt, etwa „Herz und Mund und Tat und Leben“, aber es gibt auch viele weniger Bekannte, voller schönster Musik. Eine Kantate ist ein vertonter Text, ein Teil davon sind Arien, nicht anders als bei der Oper. Wie bei der Oper das Libretto, so lässt sich auch bei der Kantate der Komponist vom Text inspirieren. Die Kantaten zu Bachs Zeit durften nicht zu opernhaft klingen, die Musik sollte klar ehrlich und direkt anrühren, allerdings meint opernhaft den barocken Zeitgeschmack, Arien voller Ausschmückungen und Verzierungen, die heute weitestgehend vergessen sind. Johann Adolf Hasse etwa, der große Opernkomponist am Hoftheater in Dresden, zu Bachs Zeit in Europa eine Berühmtheit, wird heute kaum mehr gehört. Überschlägt man die Vielzahl an Arien aus Bachs fast 200 erhaltenen Kantaten, dann ergeben allein die Arien zusammengerechnet an die 40 Opern, etwa so viel wie Händel komponiert hat. Bach kann also genauso wie Händel als Komponist von Melodien bezeichnet werden. Die Idee: Die Idee ist es aus Bach Arien und einigen Chorälen eine eigene Bach Oper zusammenzustellen, die als eigenständiges Werk bestehen kann. Eine Kantate ist eine Aufeinanderfolge von Chor, solistischen Rezitativen, Arien und einem Schlusschor. Bach hat sich natürlich bemüht daraus ein harmonisches Ganzes zu schaffen, bei seinen großen Kantaten ist ihm das auch gelungen. Aber bei vielen weniger, denn Bach war gezwungen schnell arbeiten, während seiner ersten Jahre in Leipzig musste er wöchentlich Kantaten liefern. Es gibt also eine Vielzahl von Kantaten, die als gesamtes nicht herausragend sind, aber einzelne Arien daraus sind wahre Perlen, die man durchaus einer Kantate entnehmen und sie in einen neuen Kontext stellen kann. Veränderung der Texte Die Parodie, also die Übertragung einer weltlichen Kantate in eine Kirchliche war zu Bachs Zeit üblich und wurde von Bach auch selbst praktiziert, etwa bei der Kantate des Weihnachtsoratorium „Jauchzet, Frohlocket“, deren weltlicher Text ursprünglich lautete: „Tönet Ihr Pauken, erschallet Trompeten“. Musik ist abstrakt, sie kann nur Stimmungen erzeugen. Es ist also nichts ungewöhnliches Kirchenarien für Opern zu verwenden und dafür deren Texte zu verändern.


Die Oper: Musikalisches Konzept: Bachs Arien sind fast alle für eine einzelne Gesangsstimme geschrieben. Das liegt an der Form der Kantate, es werden ja einzelne Texte vertont, daher eignet sich für eine Übertragung in eine Opernform ein einfacher Handlungsablauf mit zwei Hauptpersonen am besten, einer männlichen und einer weiblichen. Und was könnte naheliegender sein, wenn ein Mann und einer Frau aufeinandertreffen als Liebe und Liebesschmerz. Handlungskonzept: Geschichten aus Ovids Metamorphosen wurden in der Musikgeschichte gerne und häufig vertont. Von Händel gibt es eine Kantate zu Apollo und Daphne und zu Venus und Adonis gibt es eine Oper von John Blow. Wäre Bach nicht in Leipzig gelandet, wäre es durchaus möglich gewesen, dass er selbst eine Geschichte von Ovid vertont hätte. Antike Stoffe waren ihm nicht fremd, Bach hat zu Apollon und Phoebus die weltliche Kantate „Geschwinde Ihr wirbelnden Wind“ geschrieben. Die Oper: Liebesschmerz Die Oper Teilt sich in zwei Akte In beiden Akten geht es um die unerfüllte Liebe. Bei Ovid gibt es dazu zwei schöne Geschichten. 1. Akt Apollo und Daphne Er liebt Sie. Ein Mann (Gott) liebt unerfüllt eine Frau. Handlung: Als Apollon den Liebesgott Eros als schlechten Schützen verspottete, rächte sich dieser, indem er einen Liebespfeil mit einer goldenen Spitze auf ihn und einen mit bleierner Spitze auf Daphne abschoss. Apollon verliebte sich unsterblich in Daphne, während diese, von einem genau das Gegenteil bewirkenden Pfeil Eros’ getroffen, für jene Liebschaft unempfänglich wurde. Als Apollon Daphne bedrängte, floh sie. Erschöpft von der Verfolgung durch Apollon flehte sie zu ihrem Vater Peneios, dass er ihre – den Apollon reizende – Gestalt wandeln möge. Daraufhin erstarrten ihre Glieder und sie verwandelte sich in einen Lorbeerbaum.

Musik: Zwei Stimmen, eine männliche, eine weibliche, und der Chor. Tenor und Sopran Chor Der 1. Akt steht der Tenor im Mittelpunkt. Apollos leidenschaftliche Liebe, von der anfänglichen Schwärmerei und dem Werben bis hin zur rasenden Verfolgung. Alles bleibt dabei heiter, denn der aufdringliche Apollo wirkt natürlich komisch. Mit dabei sind die schönsten Arien, die Bach für den Tenorpart geschrieben hat.


2. Akt Venus und Adonis Sie liebt Ihn. Eine Frau(Gott) liebt unerfüllt einen jungen Mann. Handlung: Die Handlung orientiert sich an Shakespeares Verarbeitung von Ovids Stoff, seinem Versepos Venus und Adonis. Venus hat sich in den schönen Adonis verliebt. Sie ist krank vor Liebe, Doch nichts, was sie tut oder sagt, kann Adonis Verlangen wecken. Adonis kündigt an, dass er am nächsten Morgen auf die Jagd nach einem Eber gehen werde. Venus versucht, ihn davon abzubringen, doch er ignoriert ihr Bitten und stürzt davon. Sie verbringt den Rest der Nacht mit Wehklagen, und in der Morgendämmerung hört sie das Aufbrechen zur Jagd und die bellenden Hunde. Sie findet Adonis’ Körper vor, der von den Hauern des Ebers tödlich durchbohrt worden ist. Sie weint um ihn. Sein Körper schmilzt dahin, an seiner Stelle wächst eine rot-weiße Blume, die Venus pflückt. Venus entschwindet mit Ihrem Wagen und ihrem Silbertaubengespann gen Himmel. Musik: Im zweiten Akt steht Venus im Mittelpunkt, also die weibliche Stimme. Venus ist der aktive Part. Um möglichst viel schöne und passende weibliche Arien Bachs zu verwenden, wird ein Kunstgriff angewandt. Venus wird von zwei Personen gesungen, einmal dem Sopran, sie singt die heiteren melodischen Arien, wenn Venus um Adonis wirbt. Die gebrochene Venus, allein gelassen mit ihrem Liebesschmerz, wird von einer Alt Sängerin gesungen. Die Nymphen, aus Venus Gefolge, stellen den Chor. Der zweite Akt wurde bereits ausgearbeitet. Bühnenbild Da nur wenige Personen die Bühne füllen wird das Bühnenbild kein weiter Raum, sondern sehr intim, zusätzlich wird der Chor in das Bühnenbild integriert, er trägt auch zur Handlung bei, ein Teil des Chors stellt das Gefolge der Venus dar, Nymphen und Grazien. Wichtiges Element wird zusätzlich Videokunst im Stil von Bill Viola, also große Projektionen, die den inneren emotionalen Zustand der Hauptpersonen verbildlichen. Idee und Umsetzung: Daniel Amadeus


Bach Projekt