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70 Jahre E-Werk Dietrichschlag

Franz Sonnleitner Obmann

Vor 70 Jahren wurde das E-Werk Dietrichschlag errichtet und versorgt die Dörfer Dietrichschlag, Kandlschlag, Fuchslug, Ödenkirchen, Mühlwald, Teile von Erlet und ein Anwesen in Stollnberg mit elektrischer Energie. Großer Dank gebührt dabei den Mitgliedern, die bereits in früheren Jahren so vorausschauend gearbeitet und den Grundstein für das heutige E-Werk gelegt haben. Die Aufrechterhaltung der Stromversorgung bis heute ist auf das Engagement der 19 Mitglieder und deren Bereitschaft, die Anlage immer wieder dem technischen Fortschritt anzupassen, zurückzuführen. Um den zukünftigen

Anforderungen Gerecht zu werden, war 2005 eine Revitalisierung des Kraftwerks notwendig. Ich danke auch dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und den Mitgliedern für die gute Zusammenarbeit und den tatkräftigen Einsatz für die E-Werksgenossenschaft. Der Ausbau und die Erhaltung unserer Wasserkraft als eine der saubersten Energiequellen wird weiterhin unser Ziel sein. Ich bedanke mich bei unseren Stromkunden und ersuche sie, uns auch in Zukunft ihr Vertrauen zu schenken. 3


70 Jahre E-Werk Dietrichschlag

Wilfried Kellermann Bürgermeister der Marktgemeinde Ulrichsberg

Das E-Werk Dietrichschlag feiert in diesen Tagen sein 70jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum darf ich als Bürgermeister der Marktgemeinde Ulrichsberg aufs herzlichste gratulieren.

Werksgemeinschaft. Das war zur damaligen Zeit zweifellos eine besondere Errungenschaft mit dem Ziel, die Mitglieder mit dem notwendigen Strom zu versorgen.

Die Gründung des E-Werkes geht auf das Jahr 1943 zurück. Damals wurde in die sogenannte Dietrichschläger Mühle eine Turbine zur Stromerzeugung eingebaut. Dieses neue E-Werk ging in den letzten Tagen des Jahres 1943 in Betrieb und es ist dies somit auch die Geburtsstunde für die damalige E-

Das E-Werk Dietrichschlag stellt ein geschichtliches Kleinod in unserer Gemeinde dar, wenngleich sich die Ausstattung im Laufe der Jahrzehnte durch den technischen Fortschritt verändert hat. Einen ausgezeichneten Einblick in die Geschichte des E-Werks und der Dietrichschläger Mühle gibt die von

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Herrn Neumüller Friedrich im Jahr 2006 herausgegebene Chronik.

ihrer Mitglieder bereit, durch Investitionen für die Zukunft vorzusorgen.

Anlässlich des 70jährigen Jubiläums darf ich auch meinen Dank an die Betreiber des E-Werks Dietrichschlag, das ist die ehemalige E-Werksgemeinschaft und nunmehrige E-Werksgenossenschaft, aussprechen. Allen voran gilt mein Dank den Funktionären und in besonderer Weise dem derzeitigen Obmann Franz Sonnleitner. In umsichtiger Weise führen sie das Werk ihrer Vorfahren weiter und sind auch im Interesse

Für die Zukunft wünsche ich den Betreibern des E-Werks Dietrichschlag alles Gute und viel Schaffenskraft bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit.

Ulrichsberg, im November 2013

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Geschichte Die „Dietrichschläger Mühle“ war der Grundstein für das E-Werk Dietrichschlag. Im Jahr 1879 wurde Herrn Mathias Roth aus Dietrichschlag die Bewilligung zur Errichtung einer Mühle erteilt. Zum Betreiben der Mühle verwendete man den damaligen Kanal, der zur Bewässerung der Wiesen diente. 19 Hausbesitzer aus den Dörfern Dietrichschlag, Kandlschlag, Mühlwald, Fuchslug und Ödenkirchen hatten an dieser Mühle das Mahlrecht. Die Mühlenanteile wurden später weitervererbt und teilweise auch weiterverkauft. Unter anderem kaufte auch Herr Karl Kaar aus Erlet im Jahr 1904 einen Anteil. Familie Kaar war zu diesem Zeitpunkt bereits Besitzer einer Mühle, eines Sägewerks und eines E-Werks. Für den Betrieb stand ihnen damals nur der wenig wasserführende Hintenbach zur Verfügung. So kam der Sohn Karl Kaar auf die Idee, ein E-Werk an der Großen Mühl zu er6

richten. Da das Anwesen zu dieser Zeit seiner Mutter, Frau Anna Kaar, gehörte, stellte diese im November 1941 den Antrag für die Errichtungsbewilligung. 1942 wurde die wasserrechtliche und baupolizeiliche Bewilligung erteilt. Unverzüglich liefen die Bauarbeiten an. Herr Karl Kaar stellte die Hälfte der Baukosten aus eigener Tasche zur Verfügung.


70 Jahre E-Werk Dietrichschlag

Er wurde zum ersten Obmann der E-Werksgemeinschaft ernannt. FĂźr die Bauarbeiten des E-Werks ver-

wendete der Obmann Strom von seinem Elternhaus. Tragischerweise wurde Herr Karl Kaar beim Anklemmen einer Pumpe durch einen Stromschlag getĂśtet.

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Nach dem tödlichen Unfall von Herrn Karl Kaar war es notwendig, jemanden zu finden, der die Bauarbeiten fortsetzte. Folgende vier Männer wurden damit beauftragt. Diese übten auch die Leitung des E-Werks ein Jahr lang aus.

Im Dezember 1943 nahm das neu errichtete E-Werk den Betrieb auf und versorgte die Dörfer Dietrichschlag, Kandlschlag, Fuchslug, Ödenkirchen, Mühlwald, Teile von Erlet sowie ein Anwesen in Stollnberg mit Strom. Um einen ungestörten Betrieb zu garantieren, setzte die Gemeinschaft ab 1943 E-Werk-Wärter ein: 1943 – 1947 Karl Kapfer 1947 – 1960 Franz Lang 1960 – 1967 Fam. Gustav Mitgutsch 1967 – 1972 Fam. Rudolf Thaller 1972 – 1994 Paul Kasper

Josef Pröll Dietrichschlag

Leopold Leitner Dietrichschlag

Johann Löffler Kandlschlag

Alois Nigl Kandlschlag

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Alle Wärter, mit Ausnahme von Herrn Paul Kasper, wohnten in den Räumen des E-Werks.


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1944 wurde Herr Heinrich Kaar (Halbbruder von Karl Kaar) zum Obmann gewählt. Er führte das E-Werk bis Sommer 1953 und war dann noch bis Dezember 1953 als Stellvertreter tätig. Herr Paul Zummer aus Kandlschlag war ab Sommer 1953 der nächste Obmann. Er übte diese Tätigkeit bis 1955 aus. Um eine gerechte Abrechnung des Stromverbrauchs zu ermöglichen, führte man in seiner Obmannzeit Stromzähler ein. 1955 übernahm Herr Adolf Wöss aus Fuchslug das Amt des Obmanns und übte diese Funktion bis 1969 aus. Während dieser Zeit wurde das E-Werk saniert, das

Kammrad generalüberholt, die Schaltanlage erneuert und ein neuer Generator angekauft. Für einen Teil der Kosten mussten die Mitglieder aufkommen.

Erneuertes Kammrad mit Schwungrad und Dieselaggregat

Aufgrund der steigenden Zahl an Elektrogeräten in den Haushalten, stieg klarerweise auch der Stromverbrauch stark an. Um die Versorgung mit Strom auch bei Niedrigwasser und bei Eisbildung aufrecht zu erhalten, wurde ein Dieselaggregat gekauft. Als Anerkennung für seine lange Tätigkeit als Obmann ernannte man ihn zum Ehrenobmann.

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Herr Adolf Schuster aus Kandlschlag wurde 1969 zum Obmann gewählt. 1972 legte er die Obmannschaft aus beruflichen Gründen nieder. Während seiner Tätigkeit als Obmann stellte man das Kassieren der Stromrechnungen auf Überweisung per Erlagschein um. 1972 folgte dann Herr Rudolf Sonnleitner aus Kandlschlag als Obmann. Er nahm die Wahl unter der Bedingung an, dass das E-Werk erneuert wird und so ein Fortbestand gesichert ist. Um den Umbau zu ermöglichen, ging man eine Kooperation mit dem Stift Schlägl ein und errichtete 1973 eine Verteilertrafostation in Ödenkirchen, welche die Ortschaften Ödenkirchen und Kandlschlag über eine neue Niederspannungsleitung versorgte. 10

Leitungsbau 1973 vom Verteilertrafo nach Ödenkirchen

Der Wehrgrabendamm musste verstärkt werden, die alte Turbine ausgebaut und durch eine leistungsfähigere Voithturbine ersetzt, sowie die Schaltanlage angepasst werden. Die Freileitung nach Fuchslug wurde 1982 abgebaut und durch eine 10KV-Leitung vom Verteilertrafo Ödenkirchen ersetzt. Auch die Schalt- und Messanlagen im E-Werk wurden erneuert. 1986 erfolgte die Großreparatur der Wehranlage. Durch den vermehrten Stromverbrauch waren hohe Zahlungen für den Spitzen-


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dieser Plan jedoch als nicht sinnvoll erachtet. In dieser Zeit wurden auch Verhandlungen mit der OKA über eine Netzabgabe an diese geführt. Da die OKA keine Bereitschaft zeigte, das Netz abzulösen, und außerdem für die Stromkunden erhebliche Kosten für den Umbau der Zählerkästen angefallen wären, entschied man sich doch für eine Weiterführung des Verteilernetzes.

Neue Schalt- und Messanlagen, 1973

strom an das Stift Schlägl zu leisten. Man überlegte, unterhalb der Brücke ein zweites E-Werk zu errichten. Nach der Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Landwirtschaftskammer und auch nach Einwänden der OKA wurde

Verabschiedung von Obmann Rudolf Sonnleitner und Kassier Friedrich Leitner, 1992

1992 legte Herr Rudolf Sonnleitner die Obmannschaft zurück. Er wurde für seine 20 jährige Tätigkeit zum Ehrenobmann ernannt. 11


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Herr Franz Sonnleitner ist seit 1992 Obmann. Eine seiner ersten Aufgaben war 1994 die Verlegung des Erdkabels zur Verbesserung der Stromversorgung in Mühlwald. Ebenfalls 1994 kündigte das Stift Schlägl an, die Stromlieferungen wegen Umbau am Hochficht einzustellen. Verhandlungen mit der Energie AG als neuen Kooperationspartner folgten. Die Versorgung der nördlich der Großen Mühl gelegenen Haushalte wurden im Zuge einer Gebietsbereinigung an die Energie AG abgetreten.

Am 12.12.1997 ging die neu errichtete 10KV-Leitung vom E-Werk bis zur Verteilertrafostation Ödenkirchen in Betrieb. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Stromlieferungen vom Stift Schlägl eingestellt und von der Energie AG übernommen. 2001 standen die Wehrgrabensanierung und der Umbau der Stromversorgung auf eine 10KV-Leitung für die Ortschaft Ödenkirchen an.

Wehrgrabenbau im Herbst 2001

Mastenstellen beim Leitungsbau 1997 12

2002 erfolgte die Modernisierung der Schleusenanlage bei der Wehr. Im selben Jahr gab es Gespräche mit der Gemeinde über ein gemeinsames Projekt an der Großen Mühl Richtung Kläranlage. Die Große Mühl sollte zu


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Dank des großen Arbeitseinsatzes der Mitglieder konnte der Umbau in einer knapp vier monatigen Bauzeit abgeschlossen werden. Die Francisturbine wurde durch eine neue Kaplanturbine ersetzt, die Schleusen beim Einlauf und die Rechenreinigungsanlage modernisiert.

Modernisierte Schleusenanlage, 2002

einem See angestaut werden, der als Stausee für ein Kraftwerk und zugleich für Freizeitaktivitäten von der Gemeindebevölkerung genutzt werden sollte. Die Planungsarbeiten wurden bis zur Einreichung fertiggestellt, das Projekt wurde jedoch wegen verschiedener Probleme nicht ausgeführt. Im Herbst 2005 wurde das alte Kraftwerk abgeschaltet und revitalisiert.

Auf Grund der neuen Wasserrahmenrichtlinien ist jeder Kraftwerksbetreiber mit einer Ausleitungsstrecke verpflichtet, eine bestimmte Menge Restwasser abzugeben und einen Fischaufstieg zu errichten. Um das Restwasser zu nutzen entwickelte die Universität Graz eine Restwasserturbine, welche von WWS Wasserkraft gebaut wurde und bei uns eingesetzt wird. Die baulichen Maßnahmen bei der Wehr führte man 2011 durch. Die Restwasserturbine wurde im Frühjahr 2012 eingesetzt. Bei zahlreichen Testläufen fanden Wasser- und Strömungsmessungen statt. Auf Grund der Ergebnisse sind noch diverse Änderungen an der Turbine notwendig, damit sie nach dem Wiedereinbau für eine optimale Abarbeitung des Restwassers eingesetzt werden kann. 13


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Obmann-Stellvertreter der E-Werksgemeinschaft Dietrichschlag 1947 – 1953

1953 – 1953

1954 – 1962

1962 – 1964

Johann Löffler

Heinrich Kaar

Leopold Leitner

Robert Mathe

1964 – 1969 Josef Gahleitner, Dietrichschlag Adolf Schuster, Kandlschlag

1969 – 1987

1987 – 1992

Johann List

Franz Sonnleitner

1992 – 2006 Herbert Märzinger

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Bereits mit der Wahl 1992 zum Obmann, bis zur Gründung der Genossenschaft, führte Franz Sonnleitner mit dem Team Herbert Märzinger, Heinrich Kasper, Adolf Schuster jun. und Ludwig Wöss gemeinsam das E-Werk. In dieser Zeit fungierte Josef Öller aus Dietrichschlag als Schriftführer.


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Im Laufe der Jahre gab es im E-Werk viele Herausforderungen zu meistern:

Franz Sonnleitner beim Reinigen der alten Turbine

Hochwasser im Dezember 1993

Nach dem Eisschwemmen, Februar 1985 MĂźhsam musste der Auslauf im Winter 1996/97 vom Eis befreit werden. 15


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2006 gründete man aus der E-Werksgemeinschaft Dietrichschlag eine Genossenschaft. Die Genossenschaft wird vom Obmann, Obmann-Stellvertreter und zwei weiteren Vorstandsmitgliedern geführt. Als Kontrollorgan fungieren drei Aufsichtsratsmitglieder.

Funktionäre der E-Werksgenossenschaft Dezember 2006 – Dezember 2011

Obmann

Stellvertreter

Franz Sonnleitner

Herbert Märzinger

Vorstand

Vorstand

Josef Gahleitner

Ludwig Wöss

Aufsichtsratsobmann Adolf Schuster

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Stellvertreter Heinrich Kasper

Aufsichtsrat Johann List


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Seit der Neuwahl 2011 setzt sich der Vorstand und Aufsichtsrat wie folgt zusammen:

Vorne links: Josef Gahleitner (Aufsichtsratsobmann), Franz Sonnleitner (Obmann), Erich Hofwartner (ObmannStellvertreter) 2.Reihe: Herbert Leitner (Aufsichtsrat), Thomas Märzinger (Vorstand), Ludwig WÜss (Vorstand), Heinrich Kasper (Aufsichtsratsobmann-Stellvertreter) 17


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E-Werk-Umbau 2005

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E-Werk Dietrichschlag - Festschrift  
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