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ZAGORA

Ein kulturhistorischer FĂźhrer durch das Hinterland der Gespanschaft Split-Dalmatien


DIE DALMATINISCHE HINTERLAND Joško Belamarić


DIE DALMATINISCHE HINTERLAND Ein kulturhistorischer Führer durch das Hinterland der Gespanschaft Split-Dalmatien Zagora

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Cetinska krajina

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58 Biokovo, Imotski, Vrgorac

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DIE DALMATINISCHE HINTERLAND Ein kulturhistorischer Führer durch das Hinterland der Gespanschaft Split-Dalmatien Am Rande des dinarischen Gebirgszugs, in der Gemeinde Klis, trennten sich Jahrhunderte lang die Mühen der rauen Unwegsamkeit des dalmatinischen Landesinneren von den Weiten des Meeres, die in die glänzende Welt hinaus führten. Das Erlebnis des Abschieds von der dünnen Linie Dalmatiens, die sich unterhalb der Berggipfel erstreckte, welche vom Meer aus an Atlas’ Brüder erinnern, wiederholt sich, nicht ohne poetisches Pathos, in Dutzenden von Reisebeschreibungen. Die kulturellen Grundlagen der Zagora zu bestimmen, ist noch heute eine schwierige Aufgabe, denn die anthropologischen Funde des weiteren dalmatinischen Hinterlandes werden noch immer oft durch die Optik der Renaissanceidylle, des Zynismus der Aufklärung oder der romantischen Übertreibung der kulturellen Wiedergeburtsperiode gesehen. Hier hat das Leben nach der Zerschlagung der feudalen Strukturen des Mittelalters so viele Male von neuem begonnen, aber späteren Betrachtern schien es, als ob die Volksbräuche in irgendeine ungestörte Vorgeschichte zurückreichten, in der das Schweigen des Karstes der Hochebene, die sich hinter dem Biokovo-Gebirge in Richtung auf den Höhenzug Promina hinzieht, das Murmeln der lebendigen Flüsse Zrmanja, Krka, Čikola und Cetina und das Blinken der Ähren auf den Ebenen Petrovo Polje, Hrvatačko

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Polje und Vrgoračko Polje, in der schweren Erde bei Strmica und Sinj, einen idealistischen Rahmen für das schöne Gesicht, das fröhliche Herz und die ehrliche Moral der dortigen Bewohner boten, über die, jeder aus seiner Sicht, der Abt Fortis und Ivan Lovrić im Barock schrieben und vor weniger langer Zeit Dinko Šimunović und Ivan Raos, sowie heute, auf ihre Art, Ivan Aralica und Miljenko Jergović.

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Name und allgemeine Geschichte Der Name „Dalmatien“ kommt von dem Wort, mit dem die Römer zu Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus ihre Provinz Illyricum bezeichneten (ursprünglich Delmatia – z.B. bei Plinius und Dion), nach der kriegerischen Stammesgemeinschaft der Delmater, die in historischen Quellen in dem Gebiet zwischen den Flüssen Krka und Cetina erwähnt wird und nach ihrer Hauptstadt Delminium so genannt wurde, deren Name sich im Namen der Ebenen Dumno oder Duvno erhalten hat (nahe dem heutigen Tomislavgrad). Die Delmater leisteten ihnen einen so starken Widerstand, dass die Römer sie mit anderen Stämmen der Region gleichsetzten, was den erheblich erweiterten Umfang des Territoriums erklärt, das die erwähnte Provinz im Vergleich zum ursprünglichen delmatischen Raum einnahm. Ihr Name sowie auch Tausende von Steinhaufen auf dem Festland und den Inseln weist auf ihre Hauptbeschäftigung hin: Delm oder Dalm heißt im Altillyrischen – Schäfer, Hirte, Stall, Schaf; daher Delminium = Weideplatz, Weide. Und delmë – dalme heißt noch heute in der albanischen Sprache Schaf. Die Delmater waren jedoch auch berühmte Seefahrer und Piraten, und das ganze Territorium Illyriens war am Ausgang der Antike für Rom das, was Preußen im 19. Jahrhundert für Deutschland

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war – das Gebiet, das die Soldaten und Kaiser hervorbrachte, die wie Diokletian versuchten, die rigorose Disziplin und die ursprünglichen römischen Tugenden wiederzubeleben. Im Raum des dalmatinischen Hinterlandes wurden einige der wichtigsten Seiten der frühen kroatischen Geschichte des 9.-11. Jahrhunderts geschrieben, wovon die erhaltenen Denkmäler von der Quelle bis zur Mündung der Cetina am besten zeugen. Der territoriale Rahmen Dalmatiens änderte sich erheblich, und so auch sein Hinterland, vor allem in Richtung auf das gebirgige Landesinnere. In diesem Raum berührten sich gegen Ende des Mittelalters zweieinhalb Jahrhunderte lang die christliche und die islamische Sphäre. Den größten Teil der Zagora in der Gespanschaft Split-Dalmatien nimmt der einstige Kern, die so genannte dalmatinische Krajina ein – die Region des kontinentalen Dalmatien, die einst das Zentrum der kroatischen Staatlichkeit war, mit Knin, Sinj, Imotski, Klis und der Makarska Riviera, das dann zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter osmanische Herrschaft geriet und nach

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den venezianisch-türkischen Kriegen im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts den venezianischen Besitzungen in Dalmatien einverleibt wurde. In diesen Kriegen spielte das einheimische Volk unter der Führung seiner Serdare, Harambaschas und Fürsten eine wichtige Rolle. Auf einer neuen Demarkationslinie wurde Dalmatien gegenüber den Türken 1699 durch eine Reihe strategischer Punkte und Festungen von Zvonigrad über Knin, Vrlika, Sinj, Zadvarje, Vrgorac bis nach Čitluk an der Neretva abgesteckt. In den folgenden kriegerischen Operationen zwischen 1714 und 1718 mussten die Türken, obwohl sie die Peloponnes eroberten, im Hinterland der kroatischen Küste auch Strmica, Trilj und die Region Imotski aufgeben. Die neue Grenzlinie von 1721 gab dem Landesinneren von Dalmatien die Form, die es noch heute hat. Die Rückkehr des Lebens in den Raum der Zagora, die Jahrzehnte hindurch von der einen wie von der anderen Seite systematisch verwüstet worden war, war keineswegs einfach. Die Republik Venedig verteilte durch Gesetzbücher von 1755 und 1756 größere Parzellen auf dem Gebiet „der Neuen und Neuesten Eroberungen“ an verdiente Persönlichkeiten und je zwei „Paduanische Kamp“ Ackerland an jeden Bauern mit der Auflage, sie in männlicher Linie weiterzuvererben, ohne das Recht, sie zu verkaufen, und bei Abgabe eines Zehnten für die Nutzung des Landstücks. Von den Bauern wurde auch zwingend gefordert, auf dem Land mindestens vier Obst-, Oliven- oder Maulbeerbäume zu pflanzen. Offensichtlich wollte man dieses unzuverlässige, nomadische


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Morlakenvolk auf ähnliche Weise sesshaft machen, auf die in der Antike römische Kriegsveteranen an ihr Land gebunden worden waren. Über diese Gesetze hat die Historiographie das letzte Wort noch nicht gesprochen und steht vielleicht auch unter dem Einfluss des einstigen Sprichwortes: La proclama zaratina dura de la sera a la matina. (Ein Dekret aus Zadar gilt vom Abend bis zum Morgen). Auch die einheimischen akademischen Physiokraten (vor allem Radoš Ante Michieli Vitturi, der Gründer der Trogirer Landwirtschaftsakademie in Lukšić) kämpften gegen dieses Gesetz, da sie der Meinung waren, dass es die rohe Morlakenmentalität zu wenig berücksichtige und eine vernünftige Besitzakkumulation verhindere. Dennoch wurde die Trockenlegung der Sümpfe um Knin und Sinj, Nadin und Ostrovica und später auch rund um Vrgorac und Rastok sowie um Imotski mit Tausenden beschäftigter Schwerarbeiter in Angriff angenommen. Allmählich formten sich Dörfer und Siedlungen (es wurde vorgeschlagen, diese nach dem Vorbild derer in der Lika anzulegen!); der Bau von Straßen und Brücken wurde begonnen, die ersten

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Industrien errichtet, die ersten Gruben eröffnet. Einen bedeutenden Entwicklungsimpuls gaben die Straßen, die zur Zeit der französischen Herrschaft am Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, als Dalmatien bereits 308.108 Einwohner hatte gegenüber 50.000 im Jahre 1650 und 108.090 im Jahre 1718. Der demographische Zuwachs in den achtzig Jahren nach dem Frieden von Passarowitz betrug nicht weniger als 150 Prozent, und das trotz der Tatsache, dass von zehn Jahren etwa sieben Hungerjahre waren! Die Zagora erwies sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht nur als viel versprechende wirtschaftliche Resource, sondern auch als zivilisatorische Niststätte inmitten des aufgeklärten Europa. Hier genügt es, an die Berichte von Albert Fortis und seinem Opponenten Ivan Lovrić zu erinnern. Die Venezianer nannten das Volk des kontinentalen Dalmatien (außerhalb der Städte und Siedlungen) Morlaken – nach den Morovlachen, einer eigenen Gruppierung unter den Walachen, deren Name von der schwarzen Farbe ihrer Kleidung herrührte. Durch Fortis wurde diese Bezeichnung in ganz Europa eingebürgert, wo die Morlaken zu einer der wichtigen vorromantischen Entdeckungen einer von zivilisatorischen Konventionen unverfälschten Oase wurden. Es blieb lange eines der zurückgebliebensten und ärmsten Besitztümer Venedigs und später Österreichs. Das beherrschende patriarchalischheroische Ethos, das Jahrhunderte lang die Mentalität der Bergvölker prägte, fand seinen klassischen Ausdruck in den Werken der Volkss-


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chriftsteller wie Fra Filip Grabovac und Fra Andrija Kačić-Miošić. Das innere Dalmatien bis zur Grenze mit der Lika und Bosnien-Herzegowina lebt teilweise noch heute wie ein Teil einer großen dinarischen ethnographischen Einheit. Unter den älteren Bräuchen sind insbesondere die Entführungen junger Mädchen häufig beschrieben („umicanje“ – meistens fingiert), Blutrache und Versöhnung („vražda“), die bis ins 19. Jahrhundert hinein bestanden hat, und das „Ojkanje“ – ein Gesang, der aus den ältesten ethnographischen Schichten der altmediterranen und der altbalkanischen Kultur stammt. Die charakteristische Teilung der Siedlungen in größere oder kleinere Familienstämme (Bruderschaften einer engeren Gruppe von Verwandten desselben Familiennamens) besteht an vielen Orten noch heute. Typisch für die Zagora sind ihre Städtchen, dicht gedrängte Siedlungen, die auf den Hauptebenen entstanden sind, meistens unterhalb alter Festungen (Knin, Drniš, Sinj, Imotski, Vrgorac) mit einem Marktplatz in der Mitte. Die Bedeutung dieser Verwaltungs- und Wirtschaftszentren konn-

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te man auf den sonntäglichen Märkten am besten erkennen. Sie verlor sich jedoch zwischen den Weltkriegen durch die verbesserten Verkehrsverbindungen mit den Küstenstädten. Auf der anderen Seite ist der „zergliederte“ Typ von Dörfern charakteristisch, die in Nachbarschaften mit Stammesbezeichnungen zerfallen, oft mit Hütten aus Trockenmauern ohne Mörtel, gedeckt mit Getreidestroh, die an den Rändern der Ebenen bzw. der Flyschgürtel lagen. Das Leben gründete sich auf die Viehwirtschaft und den Wein- und Olivenanbau. Einen erheblichen Entwicklungsschub erlebte die Zagora in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Konjunktur der dalmatinischen Weine. Aber die erste so genannte „Weinklausel“ (ein Vertrag zwischen Österreich-Ungarn und Italien, durch den der italienische Wein bei der Einfuhr zollbefreit war), sodann der Befall mit Mehltau und Reblaus, der auch die dalmatinischen Weinberge erfasste, und letztlich der Erste Weltkrieg und die politischen Umstände des 20. Jahrhunderts haben die Auswanderungen nach Amerika, Australien und nach den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch nach Deutschland für viele Bewohner der Zagora zum einzigen Ausweg aus der Armut gemacht. Das Erwachen des kroatischen Nationalbewusstseins in der katholischen Bevölkerung und die Wendung zur serbischen Option unter den Orthodoxen führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ethnischen Konflikten, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und am Ende des


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20. Jahrhunderts tragische Formen annahmen. Im neuen kroatischen Staat sucht die Zagora neue Entwicklungswege, die sich zu einem guten Teil auf den Tourismus gründen. Ihm öffnet sie ihren ganzen Raum und die außerordentliche landschaftliche Vielfalt, die sie zu einem einzigartigen kulturhistorischen Gebiet und Naturpark machen.

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KLIS Die strategische Bedeutung der Festung über dem Gebirgssattel (340 m) zwischen Kozjak und Mosor, besser gesagt zwischen dem SolinSpliter Becken und dem Landesinneren Dalmatiens, war in prähistorischer und antiker Zeit außerordentlich groß. Konstantin Porphyrogenetos erwähnt Klis im 10. Jahrhundert als Verwaltungssitz der altkroatischen Küstenregion (Parathalassia), die sich vom Trogirer Pantan bis nach Žrnovnica mit dem dazugehörigen Hinterland erstreckte. Mit einer Volksethymologie leitet dieser kaiserliche Autor den Namen Klis vom griechischen KLEIS mit der Bedeutung Schlüssel her, was tatsächlich der Bedeutung dieser Position und dieser Festung als „Schlüssel Dalmatiens“ entspricht. Der kroatische Fürst Trpimir gab 852 eine Urkunde aus, in der er „curtis nostra que Clusa dicitur“ erwähnt, und hier konnte der sächsische Gast des Fürsten, Gottschalk, einer der bekanntesten Theologen und Denker seiner Zeit, für zwei Jahre Zuflucht finden, als er aus den fränkischen Ländern vertrieben war. Er beschreibt, wie Trpimir 846 – 848 gegen die romanischen Städte an der Küste und ihre byzantinische Schutzmacht Krieg führte. Im 13. Jahrhundert bekamen die Templer die Festung als königliches Lehen, und später die kroatischen Feudalherren der Familien Šubić und Nelipić. In Klis verschanzte sich der 14


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Römische Straßen. Über den Bergsattel von Klis führten drei römische Straßen aus der Zeit des Statthalters P. Cornelius Dolabella (legatus Illyrici superioris von 14 bis 18 n. Chr.) in das Landesinnere. Die Straße, die über Klis, Dicmo, Sinj, Čitluk, Vrlika, Knin und das Butišnica-Tal „usque ad imum montem Ditionum Ulcirum“ führte (und das ist das Dorf Grab hinter den Dinarischen Alpen), war 77.500 römische Schritte lang. Die zweite ging von Salona über Klis nach Čitluk und weiter über Prolog hinaus; die dritte führte nach Trilj und weiter über Aržano und Buško Blato nach Bosnien.

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kroatisch-ungarische König Bela IV. mit seinem gesamten Hofstaat auf der Flucht vor den Tataren in den Jahren 1241 und 1242. Hier wurde die hl. Margarita von Klis, seine Tochter, geboren. Es war auch der Sitz des bosnischen Königs Tvrtko und kroatischer Banen, bis es 1537 trotz der viel besungenen heroischen Verteidigung durch den Senjer und Kliser Heerführer Petar Kružić in türkische Hände fiel. Es wurde die Verwaltungshauptstadt des Sandschaks für das mittlere Dalmatien und einen Teil Bosniens, bzw. für das Gebiet, das als „Vilayet Hrvati“ bekannt war und das den größten Teil des mittelalterlichen Königtums Kroatien umfasste. Die Grenze zwischen dem türkischen und dem venezianischen Teil Dalmatiens verlief in dieser Zeit am Jadro in Solin. Split wurde zu einer kleinen christlichen Enklave am Rande des Osmanischen Reiches ohne irgendwelche agrarischen Ländereien auf dem Festland, und so ist es vielleicht kein Wunder, dass Ende des 16. Jahrhunderts ein venezianischer General der Regierung vorschlug, Split und den mittleren Küstenabschnitt den Türken zu überlassen! Die Festung von Klis befreite General Leonardo Foscolo in der Zeit des so genannten Kretischen Krieges am 31.III.1648. Die unregelmäßige polygonale Form der Festung (304 m Länge in Richtung W-E und nur 53 m Breite in Richtung N-S) ist durch die geomorphologische Form des Felsens bestimmt, der sich bis auf 358 Meter steil über das Meer erhebt. Die Anlage hat drei Mauerringe. Sie 16


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gewann ihre Gestalt in der langen Zeitspanne von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert, wobei viele Elemente der mittelalterlichen Festung erhalten blieben. An der höchsten Stelle steht der Kružićturm. Die venezianischen Ingenieure Magli und Santini planten in der Mitte des 17. Jahrhunderts einige Bastionen innerhalb des ersten und dritten Mauerrings der Festung und legten auch neue Zisternen, Waffenkammern und Mannschaftsquartiere für die etwa 300 Offiziere und Soldaten an. Nach dem Abzug der Türken entstand auf der Südseite eine Unterstadt. In der Pfarrkirche gibt es Fresken von V. Parać mit Motiven aus der Geschichte von Klis. Mit ihrer Lage zwischen dem Becken von Salona und der Cetinska Krajina waren die Karstfelder von Dicmo und Muć bereits in prähistorischer und antiker Zeit von größtem strategischem Wert und besaßen eine wichtige Bedeutung für den Verkehr, wovon die Kämpfe zeugen, die hier in der Zeit von Batons illyrischem Aufstand gegen Augustus’ Legionen zu Beginn des 1. Jahrhunderts geführt wurden. An den Nordhängen des Mosor liegt die Höhle Vranjača, die 1929 für Publikumsbesuche geöffnet wurde und die über Dugopolje und das Dorf Kotlenica zugänglich ist.

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Den Namen des Gebirgszugs Mosor leitet eine Volksethymologie vom Mons Aureus her, gemäß der Überlieferung von einstigen Goldminen oder einem vergrabenen Schatz, während er von einem illyrischen Wort mit der Bedeutung eines einsamen Berges stammt (es gibt auch eine illyrische Gottheit namens Masser). Dieses beeindruckende Massiv erstreckt sich oberhalb einer weiten Karstebene auf einer Länge von 25 km vom Kliser Pass bis zur Cetina, die ihn mit ihrer Schlucht wie eine Insel umgrenzt. So werden mit dem Begriff mosor in der Geomorphologie (selbst in anderen Sprachen) alle Gebirge in isolierter Lage bezeichnet. Die Erforschung des Mosor begann der Botaniker R. Visiani (1824), geologisch beschäftigte sich mit ihm F. Kerner in seinem Hauptwerk (1904), anthropologisch F. Ivanišević (1903), speleologisch R. Bujas und U. Girometta zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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Dugopolje Dugopolje – nicht einmal zehn Kilometer von Salona entfernt lag es an der Gabelung der wichtigen römischen Verkehrswege nach Norden (Aequum – das heute Čitluk) und Nordosten (Pons Tiluri – die Brücke über die Cetina beim heutigen Trilj unterhalb von Gardun, wo das Heerlager der VII. römischen Legion Tilurium lag, vermutlich an der Stelle einer früheren illyrischen Befestigung, und weiter in Richtung Narona). Die Bedeutung der Position belegen die reichhaltigen archäologischen Funde, die im Archäologischen Museum von Split ausgestellt sind.

Blizna Blizna liegt in der arkadischen Landschaft des Trogirer Hinterlandes, das einst zu Parathalassia gehörte, einer der vierzehn kroatischen Gespanschaften, die sich zwischen dem Mosor, bzw. Klis, und Trogir bis nach Labin (einschließlich Radošić) erstreckte. Ihre Ostgrenze lag in Žrnovnica und in Richtung Split in Suhi Most in Dujmovača. Für die jüngste Renovierung der Kirche der Hl. Maria wurden Untersuchungen durchgeführt, bei denen ihre halbrunden äußeren Stützpfeiler gefunden wurden, die denen der Kirche Sv. Spas an der Cetina-Quelle oder der Kirche in Lopuška Glavica im Bistum bei Knin aus dem 9. Jahrhundert ähneln. Die Kirche in Blizna hatte eine Vorhalle mit 20


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einem Turm vor der Fassade mit einer Außentreppe. Unter den Intarsienelementen der Altarwand liest man auch eine Gedenkinschrift für einen noch immer unbekannten kroatischen Gespan der alten Cetiner Gespanschaft.

Hinter dem Kozjak Die neue Autobahn lässt uns die herbe Schönheit der Landschaft im tiefen Hinterland des Kozjak-Gebirges entdecken. Geschichtlich wurde das Gebiet erstmals zur Zeit der römisch-dalmatischen Kriege erwähnt. In der Schlucht bei Sinodium (bis heute unerforschte Lokalität), zwischen dem Promina-Gebirge (Promona) bei Drniš und Muć(Andetrium) erlebten die Legionen Cesars unter der Führung von Konsul Aulus Gabinius im Jahre 48-47 v. Chr. eine schreckliche Niederlage: Über 2000 Soldaten blieben auf dem Schlachtfeld, und die Kriegsfahne fiel in die Hände der Dalmater. In dem Gebiet wurde später unter Tiberius die wichtige Via Gabiniana trassiert, die von Salona nach Muć und weiter führte. Zahlreich sind die Spuren eines bescheidenen pastoralen Lebens, das sich hier abwickelte und das seine Form durch die Jahrtausende bis heute nur unwesentlich verändert hat. Neben den schmalen, kleinen Feldern entstanden Dörfer, die sich selten, wie in Konjsko, um das pittoreske Kastell der Spliter Adelsfamilie Tartaglia (ursprünglich 22


BRANIMIRO COMMES DUX CRVATORVM

Außer in den Berichten der päpstlichen Schriften wurde der Name Branimirs erstmals auf einem Bruchstück eines Steinbalkens der Chorschranke in der

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Im Mai 879 wird Fürst Branimir zum Herrscher über das küstenländische Kroatien (Primorje), nachdem er es endlich von der fränkischen und byzantinischen Herrschaft befreit hatte. Für sein politisches Projekt erhielt er den geistlichen Schutz von Papst Johannes VIII. (wovon mehrere Schriftstücke zeugen). Danach ordnete er seine Beziehungen mit Byzanz (was die Tatsache bestätigt, dass es ihm gelang, seinen „Schützling“, den früheren Bischof Teodosius von Nin zum Erzbischof von Split zu machen). Während seiner Zeit wurde die slawische Liturgie in den kroatischen Kirchen eingeführt: Method (slawischer Apostel) hielt sich 880 in Kroatien auf, als er nach Rom reiste, um vor dem Papst die Rechtsgültigkeit seiner Lehre zu verteidigen.

Jakovljević), oder um Pfarrkirchen, wie in Donji Muć (Maria Geburt) und in Gornji Muć (St. Peter) scharten. Zur Römerzeit befand sich hier das Heerlager Andetrium, wovon Grabmäler und Architekturreste zeugen. Unter der heutigen St.-Peters-Kirche (1871) wurden Fundamente einer altkroatischen Kirche aus der Zeit des Fürsten Branimir entdeckt (eigentlich die Adaption eines früheren spätantiken Bauwerks).

St.-Peters-Kirche in Muć, sowie das Jahr 888 erwähnt, wobei es sich um die erste dokumentierte Jahrzahl auf einem kroatischen, mittelalterlichen Epigraphdenkmal handelt. Zusammen mit den übrigen Steindenkmälern, die in der Regel mit dem charakteristischen Flechtwerk verziert waren, zeugen sie von einem aktiven, lebendigen Kultur- und Glaubensleben Kroatiens in frühmittelalterlicher Zeit.

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DIE CETINSKA KRAJINA Der Teil der Dalmatinischen Zagora (ca. 1000 km2), der zwischen den zwei parallelen Bergketten Svilaja und Dinara (einem Massiv bestehend aus Ilica, Dinara, Troglav und Kamešnica) liegt und die Cetina umfasst, die durch ein langes Gebirgstal fließt, dessen Boden aus den Ebenen Cetinsko, Vrličko, Hrvatačko und Sinjsko Polje besteht. Die Täler Koljansko und Ribaričko Polje liegen heute unter der Oberfläche des Sees Peručko Jezero. Die Cetina entspringt aus fünf Karstquellen in der Form eines dunklen Sees am Boden eines tiefen Einschnitts, aus dem gleich der ganze Fluss hervorbricht, 380 m über dem Meeresspiegel zwischen dem Gnjat (1809 m) und der Dinara (1831 m), zwei Kilometer nördlich von Vrlika. Sie bahnt sich ihren Weg durch eine Schlucht und verbreitert sich in der Ebene des Sinjsko Polje, bevor sie in den Schluchten, die das Mosormassiv bis zur Mündung bei Omiš in einem Halbkreis umfassen, an Geschwindigkeit gewinnt. Man nimmt an, dass ihr antiker Name Hippus von der Bezeichnung für den Oberlauf des Flusses stammt – nach dem griechischen „hippos“ = „Pferd“, denn der schnelle, unschiffbare obere Teil des Flusses springt einher wie ein Pferd.

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Mit ihrer großartigen Form und Länge und der Vielfalt ihrer unterirdischen und überirdischen Karstformationen gab die Dinara der größten Bergkette auf der Balkanhalbinsel ihren Namen. Sie bildete Jahrtausende hindurch eine Mauer zwischen der mediterranen und der kontinentalen Welt. In ihrem Namen findet sich die Spur des illyrischen Stammes der Dindarer, die auf der östlichen Seite lebten. In der Antike hieß sie auf Griechisch: Adrion oros. Am beeindruckendsten wirkt sie von der Straße Vrlika – Knin aus, wo sie sich als Wand mit bunten waagerechten Linien zeigt, die von weitem wie eine gigantische Treppe mit Stufen von etwa 2 m Höhe wirken. Sie war das erste kroatische Gebirge, das in die Literatur einging als poetische Inspiration in Petar Zoranićs Planine (1536) – einer bekannten utopischen Reise, der ersten belletristischen Prosa der kroatischen literarischen Renaissance, in der Zoranić sein Land und unser „verstreutes Erbe“ feiert.

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Archäologische Funde (Ruinen in den Bergen und an den Seen und Nekropolen unter Steinhaufen) zeugen davon, dass der Ober- und der Mittellauf der Cetina der zentrale und bedeutendste Teil des delmatischen Territoriums war. Mit der Errichtung der römischen Herrschaft wurden die meisten Bergsiedlungen an den Ebenen entvölkert, und die fruchtbaren Landstücke wurden an Veteranen der VII. Legion (Leg. VII. Claudia pia fidelis) verteilt, die in Gardun stationiert war (das antike Tilurium).


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Ortsnamenskundler gehen davon aus, dass der Name des Flusses Cetina vom phrygischen Wort Zétna stammt, das Tor bedeutet, und dass er demnach eine Beschreibung der Cetina-Mündung ist, die im Steinmassiv einen Weg ans Meer eröffnete. Wenige Flüsse besitzen in einem relativ kurzen Verlauf eine solche Formenvielfalt wie die Cetina. Am beeindruckendsten ist sie in ihrer tiefen Schlucht von Trilj bis Zadvarje, wo sie ihre volle Kraft im Getöse der Wasserfälle Velika und Mala Gubavica zeigt. Mit einem Fall von etwa einhundert Metern sind sie „einer der furchtbarsten Wasserfälle in Europa“; diese Kraft nahm ihm das Wasserkraftwerk Kraljevac 1912. Nachdem sie sich jäh nach Westen gewendet hat, fließt die Cetina unterhalb der Dinara-Berge von Omiš parallel zur Meeresküste. Dann beruhigt sie sich, gesäumt von Pappeln zwischen den Wiesen nahe Zakučac vor dem steinernen Tor zwischen Omiš und dem Meer. In den letzten Jahren hat sich hier das Rafting zur fast obligatorischen Beschäftigung aller Touristen entwickelt.

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Tilurij Tilurij entstand ganz im Südosten des Cetina-Tals an dem Ort, wo die Cetina die Sinjer Ebene verlässt und in die Schlucht des Biokovo-Massivs jenseits des Mosor eintritt, um dann bei Omiš (Oneum) ins Meer zu münden. Hier, wo die Straße von Salona nach Narona und Bosnien den Fluss auf einer Brücke überquert, wurde am Ort einer älteren illyrischen Befestigung spätestens in der Zeit des pannonisch-delmatischen Aufstands von Baton im Jahre 6 oder 8 nach Christus, vielleicht aber auch bereits etwas früher, das Lager der VII. römischen Legion angelegt. Römische Einheiten verließen es zwischen den Jahren 147 und 161. Systematische Untersuchungen, die noch andauern, haben die Dimensionen der Außenwände, die Lage der monumentalen Getreidespeicher und Zisternen und vielleicht auch das Prätorium (die Wohnung des Kommandeurs) ermittelt. Eine Inschrift besagt, dass die VIII. Freiwilligenkohorte um das Jahr 150 für diese Legionsgarnison einen „Turm zur Wasserförderung“ (turrem ad aquam tollendam) angelegt hat. Bisher wurde das Bestehen eines Amphitheaters, wie es in der Regel an einem Legionssitz vorhanden war, nicht nachgewiesen. (Erst unlängst wurde beispielsweise eines in Burnum – Ivoševci oberhalb der Krka entdeckt.) In Gardun arbeitete eine Bildhauerwerkstatt für den Bedarf der Legion, die einen spezifischen Typ von Grabstelen herstellte. Das interessanteste Beispiel hierfür ist die Stele des Jungen Gaius Laberius mit einem

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In der Höhle Gospodska Pećina (bisher sind 1185 m der Gänge erforscht) bei der Cetina-Quelle nahe Vrlika bestand ein paläolithischer Standort. Am Ende der Steinkupferzeit, etwa 1900 v. Chr., bis zur mittleren Bronzezeit, bis ca. 1600 v. Chr., entwickelte sich die so genannte Cetina-Kultur, die mit den zugewanderten indoeuropäischen Hirtenvölkern in enger Verbindung steht, die außer in Höhlen auch in Lehmhütten in den Karsttälern, in Siedlungen an den Gewässern und in befestigten Burganlagen lebten. Keramikgefäße und Waffen aus dieser Zeit sind am besten im Museum der Cetinska Krajina in Sinj (MCK) präsentiert.

Ball in der Hand, die im Hause Petković in der Vrlička Straße in Sinj vermauert ist. Aus Gardun stammt auch das berühmte Tropaeum, ein monumentaler Gedenkstein an den Sieg der VII. Legion über die einheimische Bevölkerung, der um das Jahr 12 n. Chr. aufgestellt wurde (mit den Darstellungen eines gefesselten Delmaters und eines Pannoniers, die unter der Siegessäule knien, an der die eroberten Kriegsinsignien aufgehängt sind). Er wurde 1886 gefunden und ist heute im Archäologischen Museum von Split ausgestellt. 31


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Trilj Bereits in vorgeschichtlicher und späterer Zeit der wichtigste Übergang über die Cetina (Pons Tiluri – benannt nach dem Militärlager in Gardun – ist bereits in antiken Itinerarien erwähnt): eine römische Inschrift aus dem Jahre 184 (im Archäologischen Museum Split) berichtet von der Erneuerung der Brücke, die von mehreren damaligen dalmatinischen Städten finanziert wurde. Seine Wichtigkeit bestätigt auch eine Schenkungsurkunde des Kaisers Justinian (6. Jh.), in der er die Pons Ciluri


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dem berühmten Kloster auf dem Monte Casino schenkt. Heute ist dies ein idyllischer Ausflugsort, der besonders bei Gastronomen in hohem Ruf steht und von wo aus man zum Rafting, Reiten… aufbrechen kann. Zu den interessantesten Ausflugszielen in der Umgebung gehören die Mühlen am klaren Flüsschen Grab mit seinem reichen Forellenbestand. Hoch über der Straße, auf der man von Trilj nach Bosnien gelangt, inmitten eines perfekt erhaltenen Naturreservats, liegt die Festung Čačvina. Sie wurde erstmals im Jahre 1371 als Burg des Cetiner Fürsten Ivan II. Nelipić erwähnt. Von ihr aus eröffnet sich ein einzigartiger Blick auf die Cetinska Krajina und das Amphitheater der Gebirgszüge, die sie umgeben.

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Otok Am Westrand der Ebene Sinjsko Polje. Auf dem Gebiet von Priblace und Dugiš wurde eine größere prähistorische Siedlung entdeckt. Oberhalb des Weilers Šuste liegt eine prähistorische Ruine, die später zur spätantiken Festung wurde, und am Ort Mirine befinden sich die Überreste einer bedeutenden frühchristlichen Basilika mit Taufbecken. Unweit des heutigen Sinj (des delmatischen Osinium) befand sich die geplante Stadt Aequum (d.h. eine Stadt ohne die Fundamente einer früheren illyrischen Siedlung), das heutige Čitluk, eine landwirtschaftliche Kolonie römischer Veteranen, die von Kaiser Claudius gegründet worden war (Colonia Claudia Aequum). Dies ist die einzige Siedlung von kolonialem Charakter innerhalb der römischen Provinz Dalmatien. Nur ihr von einem Säulengang eingefasstes Forum in der Stadtmitte und die Kreuzug der zwei Hauptverkehrsachsen wurden teilweise erforscht. Das Kapitol befand sich an der Nordseite. Leider wurde diese Fundstelle nie systematischer untersucht oder präsentiert. Die berühmten Marmorstatuen der Göttinnen Fortuna und Hekate, der Kopf des Herakles und andere Artefakte aus Čitluk sind heute im Museum des Franziskanerklosters und im Museum der Cetinska Krajina in Sinj ausgestellt.

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Sinj In Ruduša unterhalb der Burg von Sinj wurden Grabplatten ausgegraben (heute im Muesum der Cetinska Krajina), aus denen sich Abkürzungen magischen Charakters aus der ursprünglichen Delmaterregion erkennen lassen (zusammenhängend mit dem Sonnenkult und dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele). In römischer Zeit befand sich an den Südhängen unterhalb der Burg eine Siedlung der delmatinischen Osiniater: daher Osinium, das im Mittelalter als Fsini (1341), Zyn (1345, als der kroatisch-ungarische König Ludovik der Große es dem Kniner Fürsten Ivan Nelipić als Sitz schenkte), Syn, Syngh, Wssyn und schließlich als Sinj erscheint. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besetzten die Osmanen das gesamte Gebiet der Krajina und gründeten die Cetiner Nahia mit Sitz in Sinj. Nach dem Verlust Sinjs 1698 versuchten die Türken 1715 erneut, die Stadt zu erobern, aber sie erlebten genau am Tage von Mariae Himmelfahrt am 15. VIII. eine schwere Niederlage. Zur Erinnerung an den heldenhaften Sieg, der durch die Fürsprache der Jungfrau Maria erreicht worden war, veranstalten die Sinjer seit Generationen das Ritterspiel der Sinjska Alka.


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Im frühen Mittelalter wurde um Sinj und am Mittellauf der Cetina die Gespanschaft Cetina eingerichtet, eine von 11 altkroatischen Gespanschaften. Davon zeugen vor allem die Überreste einer Reihe von Kirchen mit reichem steinernem Mobiliar (Sv. Spas an der Cetina, Koljane, Hrvace, Grab, Udovičići, Brnaze) und die Nekropolen, die in Kijevo, bei Vrlika, in Potravlje und an anderen Orten gefunden wurden. Im mittelalterlichen Kroatien wurde die Gespanschaft Cetina zum Fürstentum, das im 14. und 15. Jahrhundert unter den angesehensten Adelsgeschlechtern vererbt wurde: den Šubićs, den Frankopans, den Talovacs und den Nelipićs, die in Glavaš am Fuße des DinaraGebirges, in Vrlika, in Potravlje, in Sinj, in Čačvina (erstmals erwähnt im Jahre 1372) und in Nutjak Festungen und Burgen errichteten, Festungen, über die der Poljicer Fürst Žarko Dražojevic herrschte, der 1508 in einem Hinterhalt umkam, als er versuchte, dem belagerten Sinj Lebensmittel zu bringen. Die Wunderikone unserer Lieben Frau von Sinj, die die Franziskaner der Überlieferung zufolge aus Rama mitbrachten, befindet sich auf einem Marmoraltar (Pio und Vicko Dell’Acqua, Ende des 18. Jh.). Sie zieht zu Mariae Himmelfahrt am 15. August eine große Zahl von Gläubigen aus ganz Dalmatien an. Bei einer kürzlichen Restaurierung zeigten Röntgenaufnahmen, dass das Bild (auf Leinwand) tatsächlich mehrfach gefaltet gewesen ist, offensichtlich, damit man es auf der Flucht transportieren konnte.

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Seine urbanistische Gestalt gewann das heutige Sinj am Ende des 17. und im 18. und 19. Jh., als sich die malerische Siedlung an den Hängen des Burgberges entwickelte, an dem gerade jetzt die imposanten Ruinen der mittelalterlichen Burg untersucht werden (an dem Ort, an dem sich ein spätantikes Kastell aus dem 6. Jh. befunden hat.)


Nur unbescholtene Bürger aus Sinj und der Cetinska Krajina können Alkari sein, sie müssen hier geboren sein und aus einer Cetiner Familie stammen. Die Alka wird nach dem Muster mittelalterlicher Ritterturniere (die Alka wurde einst auch in Ungarn, Split und anderswo geritten) zum Ruhme der Muttergottes, die der Legende zufolge die Stadt rettete, und zur Erinnerung an den Sieg der 700 Sinjer Ritter über ein weitaus stärkeres türkisches Heer (60.000), das Sinj im Jahre 1715 belagerte, an jedem ersten Sonntag im August veranstaltet. Ebenso beeindruckend wie der Wettkampf der Alkari ist auch die feierliche Prozession der Alkariführer mit ihrem Gefolge, der Harambaschas und der Truppen der jungen Alkari, der Streitkolbenträger, der Führer der Zdeke (Pferd ohne Reiter mit der trophäenhaften Ausrüstung, die dem türkischen Heerführer, dem Serasker Mehmed-Pascha Ćelić gehörte), des Fahnenjunkers mit Begleitung und am Ende des Alajčauš der Alkaren (des Befehlshabers der Alkaritruppe, der auch selbst an dem Wettbewerb teilnimmt). Sie alle folgen der Prozession in den authentischen üppigen Rittertrachten.

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Die Alka. Ein Ritterspiel, bei dem die Reiter, die „Alkari“, auf ihren Pferden im vollen Galopp (die Geschwindigkeit darf nicht weniger als 45 km/h betragen) mit langen Lanzen nach einem eisernen Ring, der „Alka“ zielen, die an einem in 3,22 m Höhe über den Parcours gespannten Seil hängt. Die Alka (von arab. Halqua = Ring) besteht aus zwei konzentrischen Ringen, die durch drei Stäbe verbunden sind. Ein Treffer im mittleren Ring bringt 3 Punkte, im oberen Segment 2 und in den zwei seitlichen Segmenten je 1 Punkt. Ein Treffer in die Mitte wird mit Musik und „mačkule“ gefeiert, Kanonensalven aus Kamičak. Sieger ist derjenige, der in drei Durchgängen die meisten Punkte sammelt. Oft findet ein Stechen der Alkari statt, die am Ende die gleiche Punktzahl haben. Der ruhmreiche Sieger erhält einen reichen symbolischen Preis und Geld, das er ausgibt, um alle Teilnehmer des Wettkampfs zu bewirten. Ein großes Publikum versammelt sich auch bei den Hauptproben: am Freitag findet die „bara“ statt und am Samstag die „čoja“. Hier wird ohne die feierlichen Uniformen angetreten.

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Das Franziskanerkloster wurde bereits 1699 gegründet, als die Franziskaner gemeinsam mit dem Volk aus Rama nach Sinj flüchteten. Gebrandschatzt 1714 und 1769 bei einem Erdbeben beschädigt, wurde die Kirche 1862 von Grund auf neu gestaltet. Der Glockenturm wurde in den Jahren 1896 – 1926 errichtet. Auf dem Areal des Klosters befindet sich ein Museum mit den wertvollen archäologischen Funden aus Aequum und einer ethnographischen und einer naturwissenschaftlichen Sammlung. Im Jahre 1713 wurde die Zitadelle Kamičak erbaut (1890 erneuert), und unter ihr Unterkunftsquartiere der venezianischen Armee. (In ihr werden bald Alkarski Dvori mit einer Museumssammlung eingerichtet.) Das einzige vollkommen erhaltene Wohngebäude aus dieser Periode ist der Komplex der Lovrić-Häuser. Am südlichen Zugang zur Stadt wurde 1784 „zur Förderung des Handels“ eine Brücke über das Flüsschen Goručice angelegt. Sinj stand damals tatsächlich im Rufe eines Marktfleckens und entwickelte sich im Laufe des 19. Jh. besonders schnell: Damals wurde es zum Verwaltungszentrum der Gemeinde, und zum Sitz der Gebietsregierung und eines Gerichts; im Franziskanerkloster wurde ein klassisches Gymnasium eröffnet, die erste höhere Schule in der österreichischen Monarchie mit Kroatisch als Unterrichtssprache (1853); die erste Schmalspurbahn (die berühmte Rera) nahm den Betrieb auf, und Wasser kam aus der Quelle Kosinac etc. Es wurden öffentliche Parks angelegt.


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Die Franziskaner der Provinz Bosna Argentina (Bosna Srebrena, nach Srebrenica in Bosnien) bekamen bereits 1463 eine „Ahdname“ von Sultan Mehmed II., ein Privileg, das ihnen erlaubte, seelsorgerische Dienste in Bosnien und im türkischen Dalmatien auszuüben. Bis zum Beginn der österreichischungarischen Verwaltung gab es keine andere katholische Geistlichkeit dort. Das türkische Dalmatien blieb bis 1734 unter der geistlichen Jurisdiktion dieser bosnischen Franziskanerprovinz, als die neue Franziskanerprovinz des Allerheiligsten Erlösers mit Sitz in Sinj gegründet wurde. Ihre Klöster waren mehrere Jahrhunderte lang die einzigen Zentren religiösen Lebens und die einzigen Bildungs- und Kultureinrichtungen in partibus infidelium. Die Brüder waren die Mentoren des Volkes in geistlichen, aber auch in materiellen Angelegenheiten und wurden daher Onkel genannt. Sie pflegten dieselben Heldentugenden. Die Franziskanerliteratur, die anfangs in einer westlichen Variante der kyrillischen Schrift gedruckt wurde, in der so genannten Bosančica, besaß überregionalen Charakter und bereitete den Boden für die Entstehung der stokavischen lite-

ratursprachlichen Norm der kroatischen Sprache. Ihren Höhepunkt erreichte sie mit dem Werk Fra Andrija Kačić Miošićs Razgovor ugodni naroda slovinskoga (1759), das den Armen, den Beladenen und den Hirten gewidmet war. Kačićs barocke Verse, die mit mittelalterlichen Zügen und Folkoreelementen durchsetzt waren, haben durch jahrzehntelange Überlieferung die Denkungsart des Bergvolkes geformt und eine Volkstradition aufgebaut, indem sie im literarischen Erbe Kroatiens einen Gegenpol zum gelehrten „Osmanen“ Gundulićs bildeten.

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Cetina Cetina ist der Name eines heute unscheinbaren Dorfes an der Quelle des Flusses. In altkroatischer Zeit jedoch, im 9. – 11. Jahrhundert, war es das Zentrum der Region Vrhrika (Verchrecha – im Sinne von Gipfel, Flussquelle). Sie umfasste die Städte Glavaš, Prozor, Sinj, Trilj, Stolac, Gradac, Nutjak und Tugare sowie die Poljička Župa. Von den fünf altkroatischen Gespanschaften (Imota, Zminja, Klis, Drid), die sich auf dem Gebiet der heutigen Gespanschaft Split-Dalmatien befanden, war die Gespanschaft Cetina die größte. Im 16. Jh. flüchteten die Bewohner von Vrhrika vor den Türken in die Festung Prozor und brachten den Ortsnamen ihrer früheren Siedlung mit, die sich seitdem Vrlika nennt. Prozor wurde zu Beginn des 15. Jh. von Hrvoje Vukčić Hrvatinić erbaut, und 1421 vom kroatisch-ungarischen König Sigmund von Luxemburg Mikac Vitturi geschenkt, der der Statthalter des Königs in Trogir war, aber ein Jahr zuvor von dort hatte flüchten müssen (nach dem Einfall des venezianischen Heeres in die Stadt und nachdem seine Besitztümer konfisziert worden waren.) Die Pfarrkirche der Gospa von Ružarija wurde Ende des 19. Jh. an der Stelle einer älteren Kirche errichtet. Die darin befindlichen Bilder (C. Medović, B. Bulić) wurden 1992 während der serbischen Besetzung von Vrlika ebenso zerstört wie auch das Bronzedenkmal für Fra Filip Grabovac vor der Kirche. Vrlika ist der Geburtsort des Schrift-

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Der Vrlicko Kolo, einer der beeindruckendsten Volkstänze überhaupt. Aber Ähnliches musste auch anderswo an der kroatischen Küste existieren, was uns der Šibeniker Humanist des 15. Jh. Juraj Šižgorić bestätigt. Der wertvolle Übermittler der Šibeniker Liebes- und Hochzeitslieder und Hochzeitstänze, die wir heute als ethnographisches Erbe betrachten würden, stellt fest, dass „sie beim Tanz des Kolo nach dem Rhythmus des Liedes mit den Füßen stampfen“… Natürlich verleitet ihn seine humanistische Bildung, das, was er sieht, mit Referenzen von antiken Autoritäten zu deuten. Er bezieht sich auf einen der Erzieher des Sohnes des kroatischungarischen Königs Matthias Corvin, der in denselben frühen Renaissancejahren beobachtet, wie die Kroaten all’antica tanzen (und sagt: „Wenn sie nämlich im Tanz innehalten, stampfen sie alle gleichzeitig mit dem Fuß auf die Erde“). Das erinnert Šižgorić an einen Vers von Horaz, der weit entfernt von den rauen illyrischen Gefilden in einem intellektuellen Florentiner Kreis als Vorbild der berühmten Primavera von Botticelli diente.

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Die Kirche Sv. Spas an der CetinaQuelle wurde im 9. Jh. vom Cetiner Gespan Gastika zur Erinnerung an die Mutter Nemira und ihre Söhne erbaut. Die Kirche hatte ursprünglich einen Altarraum mit drei Apsen und auf der Westseite eine Vorhalle – Westwerk (mit einer Privatkapelle im ersten Stock), sowie einen Glockenturm an der Frontseite (den besterhaltenen Glockenturm der frühmittelalterlichen Architektur Kroatiens). Daneben befindet sich ein großer Friedhof (1.102 erforschte Gräber aus dem 9. bis 14. Jh. mit wertvollen Fundstücken). Unter den größten Steinblöcken sind die angesehensten Bürger des damaligen Vrh Rika begraben: Hier war die Heimat der Čubretićs und der Berislavićs (die zwei Banen stellten) – berühmter kroatischer Adelsfamilien des 14. und 15. Jahrhunderts.

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stellers Milan Begović, und der malerische Brunnen am Ostrande des Städtchens ist die ursprüngliche Szenerie der beliebtesten kroatischen Oper, „Ero der Schelm“ von Jakov Gotovac. Aus der Reihe der anderen bedeutenden Örtlichkeiten in der Nähe dieses Kurorts muss man die einzigartige „Plattenbrücke“ über die Cetina besichtigen, die im 18. Jahrhundert aus Grabplatten eines aufgelösten mittelalterlichen Friedhofs konstruiert wurde, wahrscheinlich aus dem Friedhof der Siedlung Preočani an der Cetina am Südrand er CetinaEbene.

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Glavaš Die spätmittelalterliche Festung aus dem 14./15. Jh. (mit einem gut erhaltenen dreistöckigen Rundturm) errichtet am Pass in Richtung Unište oberhalb des alten Weges ins Innere Bosniens, wird in späteren Karten mit dem Namen Dinarić bezeichnet.

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Ero der Schelm. Die Volksoper von Jakov Gotovac (Split 1895 – Zagreb 1982) „Ero der Schelm“ erreichte über 80 Musikbühnen Europas und wurde in neun Sprachen inszeniert. Die Oper wurde am 2. November 1935 im Kroatischen Nationaltheater in Zagreb uraufgeführt und blieb bis heute das meist aufgeführte musikalische Werk Kroatiens, obwohl die erste Kritik schloss: „Wieder einmal hat ein kroatischer Komponist eine Oper umsonst geschrieben.“ In dem hervorragenden Libretto von Milan Begović fand Gotovac eine lebendige Vorlage, auf der er seine Neigung zu Komik und Humor beweisen konnte. Die musikalische und literarische Basis für diese Oper fanden die beiden in der südslawischen Folklore – von der Folklore der dalmatinischen

Potravlje Ein Dorf 11 km nördlich von Sinj, beherrscht von den Überresten der Festung Travnik, die der Cetiner Fürst Ivaniš Nelipić zu Beginn des 15. Jh. am Gebirgszug Svilaja errichtete. In dem Dorf wird noch heute Keramikgeschirr nach altertümlicher Technologie produziert.

Zagora (der beeindruckende Schlussreigen) bis zu den Mädchenliedern des Kosovo (der Eröffnungschor der Mädchen „Duni mi, duni, ladjane“).

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Poljica Eine Mikroregion um Omiš an der Cetina-Mündung, zu der aber diese Stadt geschichtlich nie gehört hat, die sich aus dem römischen Oneum am linken Ufer der Cetina-Mündung an der Grenze zwischen den beiden größeren illyrischen Stammeseinheiten der Delmater und der Daorser entwickelt hat, die zwischen der Cetina und der Neretva lebten. Im Mittelalter befand sich im Ort Oneum ein fester Stützpunkt der Neretvapiraten. Hier war der Sitz der Kačićs, die allen Adriastädten Kopfschmerzen bereiteten, so dass diese sich bemühten, mit ihnen Friedensverträge zu schließen (Kotor 1167; Dubrovnik 1180). „Schon die natürliche Lage ihrer Städte allein führte sie in die Versuchung, Piraterie zu betreiben“, sagte ein barocker Reiseschriftsteller. Das Ausflugslokal Radmanove Mlinice mit seinen Jahrhunderte alten Platanen und seinen Forellengründen ist ein beliebtes Ausflugsziel (und ein Badeort), zu dem man am schönsten von der Cetina-Mündung aus Omiš mit einem Boot gelangt. Auf dem Felsen oberhalb des Flusses befand sich das befestigte Viseć (14./15. Jh.). In der Nähe, entlang der ganzen Bergkette der Küste, die das untere und das mittlere Poljica voneinander trennt, sowie entlang der Omišer Dinaren und im unmittelbaren Hinterland wurde ein Kranz von illyrischen Steinhaufen und Ruinen registriert (wie Grac oberhalb von

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Zakučac und die Ruine an der Stelle der mittelalterlichen Festung Starigrad oberhalb von Omiš). Eine enge Straße, die in die Felsen oberhalb von Zakučac über der Cetina geschlagen wurde, passiert das Denkmal

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Mila Gojsalićs (eine Arbeit von Ivan Meštrović), die der Überlieferung nach dafür gefeiert wird, dass sie 1570 heldenhaft umkam, nachdem sie ein Lager des türkischen Heeres angezündet hatte. In Gati (Mittleres Poljica) befinden sich die Überreste einer frühchristlichen Kirche (6. Jh.) des zentralen Typs eines so genannten doppelten Mauerrings mit einem umlaufenden Gang und drei Apsen sowie einem Narthex, der, ebenso wie die heutige Pfarrkirche, wahrscheinlich dem hl. Cyprian geweiht war. Ihre Entdeckung deutet auf das Bestehen einer Siedlung hin, die nach den schriftlichen Quellen der Zeit mit dem spätantiken Gedate identisch sein könnte. Bei der Kirche befindet sich das kleine Historische Museum von Poljica, in dem unter anderem die Tracht eines Poljicer Großfürsten ausgestellt ist. Nahe der Kirche liegt auch ein Denkmal für die Opfer des schrecklichen Tschetnikmassakers das unter dem Schutz italienischer Faschisten am 1.X.1942 stattfand. Unweit davon, in Ostrvica, sieht man die Ruinen des Jagdschlosses eines unbekannten spätantiken Würdenträgers, mit dem wahrscheinlich auch der Bau der Kirche in Gati in Verbindung steht. Die archäologische Erforschung dieser wichtigen Fundstätte befindet sich in der Planung. Aus Gati führt ein Bergpfad in einer vierstündigen Wanderung über Dubrava zum Kozik, einem Gipfel der Mosorgebirges (1318 m, Sv.

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Am rechten Ufer der Cetina, an der Mündung des Flusses, liegt die Kapelle Sv. Petar na Priku, eines der bedeutendsten altkroatischen Bauwerke aus dem 9. – 11. Jahrhundert. Es ist eine einschiffige Kirche mit einer Kuppel und von innen und außen sorgfältig gegliederten Mauern. Um sie herum befand sich wahrscheinlich ein Benediktinerkloster. Hier fanden 1074 und 1080 Besitzstreitigkeiten statt, in denen König Slavac (Slavizo rex), einer der Herrscher der Neretva-Region, die Entscheidung traf. Hier befand sich auch ein glagolitisches Seminar (Seminarium Illyricum), dass 1750 zur Ausbildung einer Geistlichkeit in kroatischer Sprache gegründet und 1879 aufgelöst wurde. Auch Don Frane Bulić besuchte dieses Seminar.

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Jure, nach einer alten Kapelle, die dem Schutzheiligen von Poljica gewidmet ist). Zwischen dem Mosor und dem Meer erstreckt sich ein langer Gebirgszug, der das Mittlere Poljica vom Küstenpoljica trennt (zum Mittleren Poljica gehören Žrnovnica, Sitno Gornje und Donje, Srinjine, Tugare, Dubrava; zum Zagorska Poljica XXX) Jedes Dorf an den Berghängen nennt seinen Teil des Gebirges mit einem eigenen Namen, meistens nach den Patronen alter Kirchen oder Gottheiten (Perun oberhalb von Žrnovnica war der slawische Donnergott). Am Ende des Flyschgürtels direkt unterhalb der Bergkette befindet sich eine Reihe malerischer alter Dörfer (Podstrana, Jesenice, Duče). Zum östlichsten Punkt von Poljica, Podgradje, gelangt man über Zvečanje und Kostanje. Oberhalb davon befindet sich das Gebiet der Kostanjska Ljut mit seinen Miniaturweinbergen, in denen eine ursprüngliche Rebsorte mit dicken niedrigen Stämmen bewahrt wurde, mit denen sie der Bora des Mosor widersteht. Am Fluss liegt der Ausflugsort Studenci mit seinen alten Mühlen. In Kostanje lohnt sich ein Besuch der Gojsalić-Höfe, in denen demnächst eine Memorabiliensammlung der Poljicer Judith angelegt werden soll, der Heldin Mila Gojsalić.

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Die Republik Poljica. Die Bevölkerung der Mosordörfer ist besonders stolz auf die Geschichte ihrer Republik Poljica (der „Bauernrepublik“), einer eigenen mittelalterlichen Staatsorganisation aus 12 ländlichen Gemeinden, die jede von einem Fürsten regiert wurde. Die Poljicer zahlten den Türken Steuern und den Venezianern Abgaben (ihnen stellten sie auch Soldaten), aber das Fürstentum hatte eigene Gesetze (das Poljicer Statut), von denen man annimmt, dass sie den englischen Humanisten Thomas Morus (1478 – 1535) zur Abfassung seiner „Utopia“ inspirierten. Es handelt sich um ein kodifiziertes Allgemeinrecht auf der Basis überraschend demokratischer Normen, aber auch einer Reihe von stammesrechtlichen Überlieferungen, durch die die adligen Geschlechter und Landbesitzer gegenüber den Bauern und dem dienenden Volk privilegiert wurden. Neben dem Gesetzbuch von Vinodol ist das Poljicer Statut das interessanteste rechtshistorische Dokument Kroatiens. Das Fürstentum hatte auch einen Großen Rat unter der Leitung eines Großfürsten, der bei der Kirche in Gradac (hervorragender Aussichtspunkt) am St. Georgstag, dem 24. April, für ein Jahr gewählt wurde. Amtssprache war der tschakawische Dialekt des Kroatischen mit der „Bosančica“ als Schrift (einer kroatischen Variante des Kyrillischen). Ihr Territorium war begrenzt durch den Fluss Žrnovnica, das Meer und das Knie der Cetina. Sie bewahrte ihre Autonomie bis zur blutigen Schlacht von Strožanac 1807 im Aufstand gegen das napoleonische Heer. Der letzte Poljicer Fürst Ivan Čović floh auf einem russischen Schiff nach Russland.

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Unweit von Sitno (daher stammt die Familie von Antun Mihanović, dem Autor der kroatischen Nationalhymne Lijepa Naša) liegt die achteckige gotische Kirche des hl. Clement, die als kleineres Pendant nach dem Vorbild der Spliter Kathedrale errichtet wurde. In Dubrava (Oberes Poljica) befindet sich die Kirche des hl. Lukas, ein malerischer Komplex, der sich zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert entwickelte, mit dem Grab des Bischofs Nikola Ugrinović. Auf dem Weg nach Tugare (das 852 erstmals erwähnt wird) ist die Kapelle des hl. Arnir an dem Ort, an dem die Poljicer den Spliter Erzbischof der Überlieferung zufolge steinigten, als er 1180 kam, um die Einkünfte von seinen Besitzungen in Poljica einzufordern. Die Dörfer im Hinterland des Mosor gruppieren sich um kleine Karstfelder wie z.B. die malerischen Siedlungen von Donji Dolac, in denen es neben der Kirche des hl. Martin auch einen schönen barocken Glockenturm gibt. Auf dem Friedhof ist ein Stein zu Ehren einer anderen Poljicer Heldin errichtet, Mara Žuljević, die im Kampf mit den Türken gefallen ist. Hier gibt es auch ein Mahnmal für die 426 Opfer der Nazis, die am 26.III.1944 ermordet wurden. Die Poljicer haben sich im Kampf gegen die Türken als Vorbilder erwiesen. Besonders bekannt ist Žarko Dražojević (gest. 1508, Grab in der Kathedrale von Split), der nach einer Reihe von heldenhaften Angriffen, die Marko Marulić besungen hat, in einem Hinterhalt

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Die dalmatinischen Flüsse lassen sich in drei Gruppen einteilen. Zur ersten gehören die, die an der Grenze zwischen dem Flyschgürtel der Küste und den Kalkgebirgen entspringen: obwohl sie nur kurze Läufe besitzen, sind sie sehr wasserreich (Jadro, Dubrovačka, Škudra sowie eine Reihe kleinerer und nur zeitweilig bestehender Bäche). Zur zweiten Gruppe gehören die Flüsse, die am Fuße der größten dinarischen Gebirgszüge entspringen; ihr Wasser erhalten sie überwiegend von den undurchdringlichen Wänden um ihre Oberläufe, und in den Kalkplateaus formen sie Schluchten. Die Quellen von Zrmanja, Krka und Cetina liegen sehr nahe beieinander, aber die Flüsse fließen von dort aus radial nach Westen, Südwesten und Südosten. Diese Flüsse müssen auf kurze Länge einen großen Höhenunterschied überwinden (die Zrmanja auf 63,9 km 395 m, die Krka auf 75,4 km 310 m, die Cetina auf 100,5 km 380 m). Sie bilden Wasserfälle und Stromschnellen, die wichtige Energiequellen sind, obwohl die Schwankungen des Wasserstands infolge ausbleibender Niederschläge und der schnellen Zirkulation des Wassers im Karst ihre Bedeutung vermindern. So kann die Cetina bei Zadvarje zwischen 12m3/sec beim niedrigsten und 1200 m3/sec beim höchsten Wasserstand schwanken.

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umkam. Er erbaute die Befestigungen Nutjak (unterhalb von Trilj) und Kunjak (Kučiće jenseits der Omišer Dinaren). In Richtung Südosten, jenseits der Cetina-Schlucht, erstrecken sich die Dinara-Berge von Omiš und münden bei Dupci / Vrulja in die Ausläufer des Biokovo. „Vruja“ (benannt nach den starken Unterwasserquellen) ist der Ort, wo die Omiš Riviera und die

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Makarska Riviera aufeinander treffen und wo einer der wenigen Wege in die Zagora seinen Ausgang nimmt.

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Geologische Vergangenheit. Nach der dinarischen Faltung trat auf dalmatinischem Boden eine lange Beruhigung der inneren Bewegungen der Mutter Erde ein. Die Ausdehnung der Flyschschicht war wesentlich größer als heute, und die Flüsse waren wesentlich wasserreicher. Da sie viel Kies, Sand und Schlamm mit sich führten, besaßen sie eine große Erosionskraft, und als Resultat der lange anhaltenden Flusserosion sehen wir als interessanteres Element des dalmatinischen Reliefs heute ausgedehnte Ebenen wie den “podska zaravan“ um die Ebene von Sinj, den „ugljanska“ bei Ugljan und Cista, und besonders beeindruckend den „zadvarska“ rund um Zadvarje. Wegen der Kalkhaltigkeit des Felsens lagen diese Plateaus zur Zeit ihrer Entstehung fast auf Meeresniveau, als das Dinara-Gebirge noch niedriger war, das Land noch relativ sumpfig und die Flüsse langsam und gewunden (wie die heutige Neretva vor der Mündung). Mit der Anhebung des Landes begannen die Flüsse, sich in das Land hineinzuschneiden. Vom Kalkuntergrund wurden die Schichten der Flusssedimente abgetragen, und in dem entblößten Untergrund begannen sie, Karstformationen zu bilden. Allerdings blieben nur die Flussläufe erhalten, die reich an Wasser, Kies und Sand waren und die sich tiefe Schluchten bahnen konnten wie die Zrmanja, die Krka, die Cetina und die Neretva.

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BIOKOVO, IMOTSKI UND VRGORAC Mit dem Biokovo-Massiv kommt die Kette der Dinariden dem Meer am nächsten und übertrifft durch die Breite ihrer Wände, die sich in dem Kanal spiegeln, der sie von Brač, Hvar und Pelješac trennt, sogar die Alpen an Imposantheit. Die Küste von Makarska wird im Westen von Vrulja und im Osten gegenüber der Neretva-Mündung von Baćina begrenzt sowie durch die Höhen des Biokovo. Nach den Regionen Dubrovnik und Pelješac ist die Makarska Riviera der idyllischste Küstenabschnitt der Adria. Bis zu den hohen Felsen war noch bis vor kurzem alles mit Weinreben, Olivenbäumen und Obstbäumen bestanden. Lediglich das große Rogoznička Vrulja, das im Winter die wütende Bora des Biokovo hervorbringt, erinnert daran, dass auch hier der Frühling nicht ewig dauert.


Mit der Vielfalt seines Reliefs aus netzartigem Karst, Felsen, Quellen, Spalten und Gipfeln sowie auch seiner von Tageszeit und Jahr abhängigen Farbe ist

das Biokovo ohne Zweifel unser schönstes Gebirge. Sein Fuß ist, wenn man das Profil betrachtet, eine leicht geneigte Flyschebene, die sich beim Dorf Bast unterhalb des gigantischen Amphitheaters der Felsen von Sv. Ilija und Šibenik, die etwa 1000 m hoch sind, öffnet und einen einzigartigen landschaftlichen Eindruck bietet. Vor diesem Hintergrund wirkt

der Gürtel aus üppigen immergrünen Kiefern und Olivenbäumen, und aus Flaumeichen und Hopfenbuchen am Felsen selber, noch schöner, was umso bedeutender ist, da das Biokovo an anderen Stellen durch die Abholzung sehr vegetationsarm geworden ist, wodurch die Humusschicht großteils bis zum Stein abgewaschen wurde, obwohl sein Höhengürtel wegen der Tertiärrelikte für seine Flora bekannt ist (einheimische Flockenblume, Narzisse, Becherglocke…) Aus all diesen Gründen hat das Biokovo bereits früh bedeutende Forscher angezogen. Eine Reihe berühmter Botaniker beschrieb die Biokovo-Vegetation, und schon 1838 bestieg es der gelehrte sächsische König Friedrich August, ein deutscher Schriftsteller und DanteÜbersetzer (der sogar sein Monogramm in eine Buche einritzte), wie auch der Šibeniker Roberto Visiani, der Gründer des berühmten botanischen Gartens der Universität von Padua.

Biokovo, Imotski, Vrgorac

Das Biokovo. Der höchste Gipfel des Biokovo steht weithin sichtbar 1762 m über dem Meeresspiegel. Seinen Namen erhielt er nach der Kapelle Sv. Jure, die 1964 für den Bau eines Fernsehfunkturms etwas nach unten versetzt wurde, die aber noch immer am letzten Samstag im Juli jedes Jahres Pilger und zufällige Besucher anzieht. Die meerseitige Straße zum Gipfel ist vollständig asphaltiert, aber das Befahren ist nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gestattet.

Auf der meerabgewandten Seite haben sich in bedeutenderem Umfang Buchenwälder erhalten. Man muss unbedingt betonen, dass diese Seite des Biokovo nicht weniger wertvoll ist als die Südseite. Gerade um den „Zagoški Pod“ (das Plateau, auf dem Zagvozd liegt) und die „Schichtstufe“, auf der sich die Kirche sv. Križ befindet, beschreiben Geologen einige der interessantesten Karstprozesse, wenn sie die Geschichte des Entstehens und Verschwindens eines alten Rastovacer Flusses beschreiben, der von Südosten nach Nordwesten zum Cetina-Becken floss.

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Der Berührungspunkt zwischen dem Meer und dem Landesinneren bei Dupci und am großen Knie der Cetina war von jeher ein äußerst wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Über diesem alten Durchgang von der Küste ins Hinterland und oberhalb des einst berühmten Wasserfalls von Gubavica ragt die spätmittelalterliche Festung Dvare, nach der Zadvarje seinen Namen trägt, heute bekannt durch den Markt „na Bartula“ (24. August). Zadvarje war eine mittelalterliche Stadt und der Schauplatz blutiger Kämpfe mit den Türken im Kretischen Krieg im 17. Jahrhundert. Unten an der Cetina wurde in der Zeit von 1908 bis 1912 das Wasserkraftwerk Kraljevac erbaut, eines der interessantesten Beispiele der kroatischen Industriearchitektur. Im Hinterland von Vruja unweit des Wasserfalls liegt Slime, das Dorf des tragisch ums Leben gekommenen Dichters Josip Pupačić, in dessen Geburtshaus sich heute eine Gedenkausstellung befindet.


Biokovo, Imotski, Vrgorac

In prähistorischer Zeit wurden wie ein Kranz derartiger Lokalitäten im Hinterland des Biokovo in Richtung auf die Ebene von Imotski und auf Vrgorac auf fast allen bedeutenderen Anhöhen Steinhaufen oder Befestigungen angelegt. Dieser Gebäudetyp mit einem Grabhügel ist typisch für das Delmatergebiet. Immer deutlicher sind auch die direkten Verbindungen des Netzes dieser Lokalitäten mit ähnlichen an der Küste und auf den benachbarten Inseln, die auch auf die Zirkulationsrichtungen der Zivilisationskontakte in jener Zeit hinweisen. Stećci (Stećak = Grabstein). Die berühmten mittelalterlichen Grabsteine waren ursprünglich häufig farbig wie Stoffe oder Teppiche. Die Inspiration ihrer Reliefs zielte oft mehr auf die Illustration des adligen Lebens und seiner Vergnügungen (Reiterparaden, Jagdszenen, gotische Duelle) als auf verborgene symbolische Motive einer angenommenen bogumilischen Gnostik. Dieser ausgesprochen dekorative Aspekt der Darstellungen auf den Stećci resultiert aus der Reduktion der Motivik der damaligen Tapisserie, bzw. der einfachen „Jagdteppiche“ (z.B. der Jagdteppich aus Wienhausen vom Beginn des 15. Jh.).

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Biokovo, Imotski, Vrgorac

Imotski Die Festung und die Stadt am Hang des Berges Podi, am Nordrand der weiten Ebene von Imotski gaben dem alten kroatischen Bezirk Imota (10. Jh.), der sich an der Grenze von Dalmatien und Bosnien-Herzegowina erstreckt, seinen Namen. Die Festung „Topana“ am Felsen oberhalb des Sees Modro Jezero hat einen eindeutig mittelalterlichen Bauabschnitt innerhalb der Einheit, die in der Zeit der türkischen Herrschaft geprägt wurde. Am Eingang zur Festung wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Kirche der Muttergottes von den Engeln errichtet, der Schutzheiligen der Stadt und der ganzen Krajina, was mit dem historischen Datum der Befreiung der Stadt von den Türken (2. August 171?) zusammenhängt. Der Grundstein des Franziskanerklosters wurde 1738 gelegt, seitdem aber wurde es mehrfach umgebaut. Sein Schicksal war kompliziert: Gegründet wurde es um 1300 von der kroatischen Adelsfamilie der Nelipićs an der Quelle der Vrljika in Proložac, musste aber später nach Kamenmost umsiedeln, und dann erneut nach Otok im Sumpfgebiet Prološko Blato, nach Podgradje, Dobrče in Rogoznica und Omiš. Die Kirche des hl. Frane stammt aus dem Jahre 1900. In der musealen Sammlung des Klosters sind neben zahlreichen ethnographischen Gegenständen auch Fragmente des steinernen Mobiliars einer frühchrist-

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Walache. Mehrdeutiger Begriff. Ursprünglich nannte man so einen Italiener oder einen Vertreter irgendeines anderen romanischen Volkes, aber vorrangig bezog er sich auf die romanisierten Illyrer, die auch nach der Ankunft der Slawen ihr nomadisches Hirtenleben im Landesinneren des balkanischen Subkontinents fortführten. Im türkischen Bosnien bezeichnete er alle Orthodoxen, in Dubrovnik jeden Bauern; die Einwohner der Küstenstädte und der tschakawischen Dörfer benannten mit diesem Terminus zeitweilig die Bauern und Hirten im Landesinneren, die den stokawischen Dialekt sprachen. Einige Insulaner nennen so jeden Festlandsbewohner, und die autochthone Bevölkerung bezeichnet damit die Zuwanderer, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Und schließlich nutzten die Spliter den Namen „Vlaj“ spöttisch für die Bevölkerung der Zagora.

Biokovo, Imotski, Vrgorac

Ojkanje. Ein Gesang, der noch keine entwickelte Tonalität und Harmonielehre besaß, und auch keinen Sinn für eine richtige Note, und für den noch niemand eine Parallele in einer alten Gesangstradition gefunden hat! Der geringe Umfang der Tonleiter zeugt vom Alter der Tradition. Charakteristisch ist die Zweistimmigkeit, in der es noch keinen Parallelismus in Terzen (oder Sexten) gibt, den wir in unmittelbarer Nähe an der Küste hören, sowie auch das Verweilen einer Stimme auf einem Ton, der häufige Gebrauch der Sekunde oder sogar die häufigen parallelen Sekundsprünge. Die gleiche zweistimmige Technik wenden auch die Guslaspieler und die Spieler der Rohrflöte („svirale“) und der Doppelrohrflöte mit und ohne Balg („mišnica) an.

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Biokovo, Imotski, Vrgorac

lichen Kirche ausgestellt, der unlängst erforschten und präsentierten Basilika mit zwei Taufbrunnen auf dem Hügel Dikovača in Zmijavci 8 km südlich von Imotski. Auf dem Hügel befindet sich auch eine Nekropole aus Grabsteinen (stečci). Das Denkmal des kroatischen Dichters des XX. Jh. Tin Ujević ist ein Werk des Bildhauers Kruno Bošnjak (1980). Beabsichtigt ist auch die Errichtung eines Denkmals für die Hasanaginica, die tragische Heldin, die ein in der Region Imotski entstandenes Volkslied besingt. In der weiteren Umgebung von Imotski beeindrucken die Funde spätantiker Festungen auf dem Vitrenik und der Nezgriva und die spätantiken Siedlungen oberhalb von Lovreć und in den Ruinen von Kokić in Proložac (Epilentium?) sowie die Funde größerer Komplexe mit Basiliken in Cista Velika (Tronum?) und in Zmijavci (Dikovača) und Proložac sowie auch auf der Gorica in Sovići – allesamt wichtige Lokalitäten, alle mit wunderschönen Panoramen, im Verlaufe der gut dokumentierten Trasse einer römischen Straße, die von Trilj, Provo, Krivodol (Imotski) bis nach Narona führte und sich bis heute in gleicher Lebendigkeit erhalten hat.

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göttlichen Richters und öffnete den Himmel mit himmlischem Licht. Er verfluchte Gavan, die Gavanuša, ihre Kinder, Gäste und alle Schlösser Gavans und flog zurück in die himmlischen Höhen. In diesem Moment kamen Blitze vom Himmel, Donner grollten, und die Erde bebte fürchterlich, öffnete sich und verschluckte die Schlösser, Gavan, die Gavanuša, ihre Kinder und alle Gäste. An diesem Ort entstand der Crveno Jezero. Noch heute stehen am Ufer des Crveno Jezero Mauern, von denen man sagt, dass sie die Überreste von Gavans großem Schloss sind.“

Biokovo, Imotski, Vrgorac

Besondere Aufmerksamkeit erregen die Karstphänomene der Seen Modro und Crveno Jezero (Blauer und Roter See) in unmittelbarer Nähe der Stadt. Der Grund des Crveno liegt nur 19 Meter über dem Meeresspiegel, und der Wasserspiegel schwankt zwischen 285 und 320 Meter, womit er der tiefste See Europas ist. Sein Name stammt von den roten, fast senkrechten Felsen. Er fand auch Eingang in die Volkslegende über den reichen und grausamen Gavan und sein herrschaftliches Schloss. „Noch schlimmer war seine Frau Gavanuša, schlechter und gieriger. Sie kannte Gott nicht und half nie den Armen, sondern verspottete und verlachte sie nur, wenn sie sie von den Toren ihres Schlosses verscheuchte. Eine schlimmere Frau gab es nicht unter der Sonne. Gavan hatte viele Söhne und Töchter und dachte, dass er seine Tage mit ihnen für immer im größten Luxus und in größter Zufriedenheit verbringen und ihnen seinen Reichtum hinterlassen werde… Aber ein solches herzloses Verhalten erzürnte den Engel, er warf die zerfetzte Kleidung von sich, ergriff mit der rechten Hand das Feuerschwert des gerechten

Der Modro Jezero ist mit der Legende verbunden, die im Volkslied über die Hasanaginica besungen wird, deren Grab man in der so genannten „Gaj“-Region vermutet.

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Biokovo, Imotski, Vrgorac

Donji Proložac Donji Proložac liegt nordwestlich von Imotski. Eine besonders wertvolle archäologische Zone befand sich Jahrhunderte lang in der Nähe der Schlucht Badnjevice in Proložac im Nordwestteil der Ebene von Imotski. Davon zeugen die Überreste der mittelalterlichen Festung des Stjepan Vukčić Kosače (erwähnt im Jahre 1444), die unter den Türken ausgebaut wurde, sowie die Überreste eines spätantiken Castrums, das auf einer prähistorischen Ruine auf der Anhöhe von Kokić errichtet wurde. Bei Grabungen auf dem örtlichen Friedhof wurden die Fundamente einer dreischiffigen frühchristlichen Basilika mit Taufbecken und die Überreste einer altkroatischen Kirche gefunden. Hier wurden auch mehrere römische Grabstelen entdeckt. Eine von ihnen trägt den Namen des Maximinus, des ältesten namentlich bekannten Bildhauers im Landesinneren Dalmatiens (2. Jh.). Auch an der Quelle des Flusses Vrljika wurden die Überreste einer mittelalterlichen Kirche gefunden. In Runovići, in einer Ebene südöstlich von Imotski, befand sich die römische Siedlung Novae (ad Novas). Am Boden der Pfarrkirche und der Friedhofsumfassung wurde eine Inschrift zu Ehren der Kaiser Gallienus und Valerian gefunden (ca. 253 – 59) sowie auch einige Grabstelen.

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Biokovo, Imotski, Vrgorac

Das Sumpfgebiet Prološko Blato. In ihren Arten von Karstformationen sind das Prološko Blato und der Westteil der weiträumigen Ebene Imotsko Polje neben dem Baikalsee die vielfältigsten hydrologischen Phänomene der Welt. In der Reihe der Karstseen stechen der Modro und der Crveno, Dva Oka, der Prološko Jezero, Galipovac, der Knezovića Jezero, Provalija, Krenica, Jezerina und der Lokvičićko Jezero hevor, die aus Felsspalten, vom Fluss Vrljika und bisweilen auch vom Flusslauf der Suvaja genährt werden. Besonders interessant ist die Vrljika, eine Spalte von schwankendem Wasserstand und einer Länge von 20 km, die in den See von Nuga mündet. Das Quellgebiet (ca. 50 ha), das von den Quellen Modro Oko, Utopišće, Opačak und Jauk gespeist wird, und der Lauf des Flusses bis nach Kamenmost sind seit 1971 als ichthyologisches Reservat geschützt, denn hier lebt die endemische Weichmaulforelle. Im Prološko Blato bestand einst auch ein Franziskanerkloster, der Vorläufer von dem in Imotski. In den Wintermonaten und zu Beginn des Frühlings sind alle Quellen in Studenci und Ričice besonders aktiv, und gemeinsam mit dem Regen bringen sie enorme Wassermengen, die sich in den Westteil der Ebene Imotsko Polje ergießen und die Oberfläche des Sees Prološko Jezero vergrößern. Der jüngste natürliche See der Region Imotski, der den Namen Bućuša trägt, entstand durch den Einbruch des Südwestteils des Imotsko Polje in der Gemeinde Lokvičići im Herbst 2004. Diese ganze Karstregion ist geologisch noch immer sehr aktiv!

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Biokovo, Imotski, Vrgorac


Biokovo, Imotski, Vrgorac

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Biokovo, Imotski, Vrgorac

Vrgorac Vrgorac war zur selben Zeit wie auch Imotski, im 10. Jh., Hauptstadt eines kroatischen Verwaltungsbezirks. Unter türkische Herrschaft geriet es von 1477 bis 1694, und blieb bis in jüngste Zeit ein Grenzort, der für seine Märkte bekannt war. Auf dem Motokit (1063 m), dem Gipfel, nach dem die Stadt ihren Namen trägt, dominiert eine Festung, ein glänzender Aussichtspunkt, der ebenfalls gerade restauriert wird. Unterhalb der Festung liegt die neohistorizistische Pfarrkirche Mariae Verkündigung (1913-21). Sie befindet sich an der Stelle einer älteren Kirche, die in türkischer Zeit als Moschee genutzt wurde. Im Komplex der einstigen neohistorizistischen Tabakverwaltung liegt ein verwilderter, aber sehr interessanter Park, der in den Jahren um 1900 angelegt wurde. Vrgorac ist der Geburtsort eines der größten kroatischen Dichter, Tin Ujević. Unlängst wurde das Gebäude restauriert, in dem der Dichter am 5.VII.1891 als Sohn eines örtlichen Lehrers geboren wurde (Fratrova Kula oder Cukarinovića Kula oder Kapetanova Kula, wie es in Vrgorac genannt wird). Es ist einer der vier erhaltenen Wohntürme aus der Barockzeit (die anderen sind Raosova, Pekarova und Mumin-agina).

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Fleiß war so groß, dass die Baustellen immer zwei oder drei Tage leer standen. Drei solcherart gesparte Tage bereiteten ihnen eine enorme Freude, die man gar nicht beschreiben kann.“ In Turija zwischen Zagvozd und Župa befindet sich ein großer Gedenkstein, auf dem geschrieben steht (Konservatoren erneuerten eine Inschrift, die Österreich ausgemeißelt hatte): „Während der Herrschaft Napoleons des Großen, unter dem Schutz des italienischen Königs Eugenius, zur Zeit des Generalprovidurs Vicko Dandolo und des Militärbefehlshabers Marschall Marmont, unter der technischen Leitung von General Blanchard, dem Ingenieur Gelić und dem Unteringenieur Zavoreo, unter Mitwirkung des ganzen Festlands- und Küstendalmatiens wurde diese Straße von der Grenze Kroatiens bis nach Albanien mit einer Länge von 250 geographischen Meilen in den Jahren 1806, 1807, 1808, 1809 angelegt. Zum Zeichen des ewigen Angedenkens und des Dankes für den genossenen Schutz durch den hohen Herrscher erhielt dieser Weg den Namen ‚Straße Napoleons’.“

Biokovo, Imotski, Vrgorac

Die napoleonische Straße. Den Plan für das berühmte Straßennetz, dessen Bau Marschall Marmont während der französischen Herrschaft über Dalmatien in Angriff nahm, hatte bereits 1787 ein Pionierhauptmann, der Šibeniker Frano Zavoreo, erstellt, der später mehrere Jahrzehnte lang die öffentlichen Arbeiten in Dalmatien beaufsichtigte. Marmont selbst schreibt in seinen Memoiren bei der Beschreibung der Transportprobleme, mit denen seine Armee auf ihren langen Märschen durch den gewaltigen Raum ohne Straßen kämpfte: „Den Venezianern kam dieser Zustand entgegen. Auf dem Meer die Herren, aber zu Lande immer in einer Verteidigungslage, verkehrten sie mit Dalmatien ausschließlich mit Hilfe von Schiffen …“ Marmont leitete die öffentlichen Arbeiten nach dem Vorbild der römischen Armeen, die so gewöhnlich ihre freie Zeit überbrückten. Er wollte eine Landverkehrsverbindung zwischen Zadar und Dubrovnik durch die Region im Landesinneren und entlang der Küste einrichten. Er führte eine allgemeine Registrierung der arbeitsfähigen Männer durch. Jeder Arbeiter erhielt täglich ein Kommissbrot oder zwei Rationen, „mehr Brot, als er je zu Hause essen würde.“ Wenn die Aufgabe nicht innerhalb von 15 Tagen vollendet war, blieben sie dort trotz der Ankunft ihrer Kameraden. Umgekehrt, wenn sie vor der vorgesehenen Frist fertig wurden, verließen sie die Baustelle vor dem fünfzehnten Tag und erhielten die vollen Brotrationen für fünfzehn Tage als Entlohnung, Ermutigung und Entschädigung für die aufgewandte Mühe. „Diese Anerkennung war ausreichend, denn der

Als der österreichische Kaiser Dalmatien im Jahre 1818 besuchte, sagte er angeblich: „Es ist sehr schade, dass Marschall Marmont nicht zwei oder drei Jahre länger in Dalmatien geblieben ist.“ Man muss jedoch auch erwähnen, dass die österreichische Regierung den Plan Zavoreos nicht eher ausgeführt hat, da sie im Gegensatz zu Marmont der Meinung war, dass man das Land, durch das die Trasse führen würde, bezahlen müsse.

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Biokovo, Imotski, Vrgorac


Tin Ujević (1891 – 1955) ist der Dichter mit dem bedeutendsten lyrischen Werk des 20. Jahrhunderts in Kroatien. Wie sein Landsmann Ivan Meštrović, der es sich zur Aufgabe machte, der kroatischen Skulptur die Traditionen der ägyptischen, griechischen, römischen, romanischen und der Renaissanceplastik zurückzugeben, so hat auch Tin, auf sehr viel feinere Art mit weniger Aufhebens und mehr kosmopolitischer Feinfühligkeit, die moderne kroatische Dichtung an den Nerv des modernen Petrarcismus und Messianismus, an die Schlagader des damals aktuellen Vitalismus und

Die Ballade berichtet die Geschichte einer Frau, die der empfindliche Ehemann verstieß. Er nahm ihr ihre fünf Kinder weg und brachte sie zurück zu ihrer Mutter und ihrem Bruder, Beg Pintorović, der in Klis lebte und dort der Vertreter des Kliser Sandschak war. Viele bewarben sich um die schöne Hasanaginica, und ihr Bruder verheiratete sie gegen ihren Willen mit dem Richter von Imotski. Die Brautführer brachten die unglückliche Hasanaginica nach Imotski, und dort bat sie, ihr zu erlauben, ihre Kinder noch einmal zu beschenken. Als sie den lauten Vorwurf ihres Mannes aus dem Fenster hörte, fiel sie tot um. „Die Kinder bleiben ohne Mutter, Hasan ohne seine geliebte Frau und die Hochzeit ohne ihre Braut.“ Die Ruinen des Wohnturms des Hasan-Aga in Vrdol, dem heutigen Zagvozd, bestehen noch heute wie auch der Ort, wo die Hasanaginica angeblich begraben liegt. In der Nähe liegen drei Brunnen, aus denen die Hasanaginica ihr Wasser holte, und aus dem mittleren Brunnen wächst eine Eiche.

Biokovo, Imotski, Vrgorac

Die Hasanginica. Ein Volkslied aus der Region Imotski, das der gelehrte Abt Alberto Fortis 1774 niederschrieb, vermutlich nach einem Diktat des Spliter Polyhistors Julije Bajamonti. Seine romantischen Zehnsilber übersetzte Johann Wolfgang Goethe selbst schon 1775 ins Deutsche, der Dubrovniker Đuro Ferić ins Lateinische, sodann Walter Scott ins Englische, Prosper Merimee und Gerard de Nerval unabhängig voneinander ins Französische, Alexandar Sergejevic Pushkin ins Russische, Adam Mickiewicz ins Polnische…

Pantheismus, des Neuplatonismus und des Avantgardismus… herangeführt. Er war ein Symbolist und Parnassist, ein Surrealist und Überromantiker und vieles andere mehr, ein Rebell mit Grund, ein Abtrünniger, ein Dichter des Pessimismus und ein Dichter der orphischen Freude. Nur ein solcher Gesellschaftsdichter konnte das geniale Werk Pobratimstvo lica u svemiru („Bruderschaft im Weltall“) schreiben.

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Verleger:

Tourismusverband der Region Mitteldalmatien (Region Split-Dalmatien) Region Split-Dalmatien

Für den Verleger:

Joško Stella Mili Razović

Redakteure:

Joško Belamarić

Text:

Joško Belamarić

Die Uebersetzung:

SPES, Zagreb

Design:

Mario Brzić

Fotos:

Joško Belamarić Mario Brzić Raul Brzić Andrija Carli

Grafische Gestaltung:

Studio Tempera


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