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Graffiti ist aus der Kunstszene nicht mehr weg zu denken. Überall begegnen uns mehr oder auch mal weniger gute Werke von jungen Künstlern. Es ist schön zu sehen, das sich unter diesen vielen Kidz immer wieder aufstrebende Künstler verstecken, die durch ihr gekonntes Spiel mit Typo und Farben, Formen und Ausdruck immer wieder begeistern. Wenn man sich aber Heute mit dem Thema Graffiti auseinander setzt, kommt man an einem Namen wohl nicht vorbei. Daim gilt bis heute zu den Besten Künstlern die die Szene ausmacht. Er hat wie kein zweiter die Szene geprägt. Auf einen unglaublich Professionellen Level erschafft er Bilder, die durch seine ganz eigene Handschrift geprägt sind. Mit seinen Werken inspiriert er Künstler auf der ganzen Welt. Taped hat ihn dazu mal ein paar Fragen gestellt und wir freuen uns, dass er die Zeit gefunden hat diese auch zu beantworten. Also viel Spaß, beim lesen und dem Anschauen seiner außergewöhnlichen Werke.

Interview bei Julien Philipp Plümicke


“DAIM - all direction“ | Graphic | 2005 Hallo DAIM, wie geht es dir? Es gibt, wie immer eigentlich, viel zu tun und dann geht’s mir immer gut. Etwas, was Writing ersetzen kann, gibt es für dich nicht, oder? Ersetzen nein, ergänzen ja! z.B. Musik, Streetwear, Internet. Du hast 1989 angefangen zu Sprühen. Bist du glücklich mit deinem Weg oder gibt’s noch Ziele, die du erreichen willst? Mit dem Weg bin ich bisher ganz zufrieden aber das heißt ja nicht, dass ich im Ziel bin. Teilweise ist der Weg selbst das Ziel, denn der kreative Werdegang ist letztlich auch Basis für neue Ziele. Immer wieder verzweigt sich der Weg und bietet neue Optionen. Solche Abzweigungen nehme ich meist gerne, um möglichst vielseitig zu bleiben, ohne jedoch die grobe Richtung aus dem Auge zu verlieren. Wie stehst du zu illegalen Graffiti? Beim illegalen Sprühen gehört eine Menge dazu, was die Sache interessant macht. Unerkannt berühmt werden, wo gibt es schon die Möglichkeit so etwas zu erleben?

Es gibt wenig legale Flächen, die eine Gestaltung des wirklich Öffentlichen Raums bieten, da sie meistens in Hinterhöfen liegen. Es ist was anderes an einem Stromkasten zu malen, der im Kontext mit dem Gebäude daneben steht. So etwas erzeugt Spannung. Wenn man durch Altona oder die Schanze läuft, dann kann man diese Spannung erleben. Die Tags, die Schablonen-Graffitis und die Sticker, so etwas funktioniert nicht hinter einer Turnhalle. Es ist extrem wichtig das es Menschen gibt, mit einer Motivation etwas zu machen was neu ist, was bei einen gewissen Teil der Bevölkerung nicht ankommt, was vielleicht illegal ist. Dadurch werden die Gesellschaft und eine Stadt belebt.

„Wer HipHop macht aber nur HipHop hört betreibt Inzest.“ Eißfeldt (Beginner)

Früher, als Graffiti noch neu in Europa war und als Kunstform überhaupt nicht etabliert, kamst Du quasi überhaupt nicht drum herum illegal zu sprühen. Diesen Nervenkitzel hole ich mir heute z.B. bei einem 2000 m² Graffiti am Dock 10 im Hamburger Hafen. Wenn Du dann auf der anderen Seite der Elbe stehst und dieses Teil siehst, ist der Rauschzustand unbeschreiblich. Außerdem ziehe ich auch viel aus der Organisation von Veranstaltungen z.B. der ‚Urban Discipline’ Ausstellungen.


„Red Robot“ | Graphic | 2003


Buenos Aires/Argentina | 2001

Glaubst du, das Sprühen hat dich menschlich weiterentwickelt und gibt dir eine neue Kommunikationsebene? Ich denke, vor allem der Kontakt mit nationalen, aber auch internationalen Graffitikünstlern, hat mich stark beeinflusst und meine Entwicklung geprägt. Man lernt sich auf die Mentalitäten und auch Arbeitskulturen anderer Länder einzustellen und übernimmt vielleicht auch Teile davon. Graffiti ist eine universelle Sprache die auch über landes- und Kontinentgrenzen verstanden wird. Ob du mit Jemand zusammen ein Bild sprühen kannst, hängt von seiner Kreativität, seiner Mentalität und seiner geistigen Einstellung ab. Dies ist klar eine neue „Kommunikationsebene“. Nach 17 Jahren Graffiti-Sprühens und Reisen über den gesamten Globus entwickelt man sich zwangsläufig. Ich sehe in vielen Bildern von dir einen (Zusammenhang)/Bezug zu bekannten Malern. Lässt du dich auch von der klassischen Malerei inspirieren?

„Teilweise ist der Weg selbst das Ziel, denn der kreative Werdegang ist letztlich auch Basis für neue Ziele“ Ich hatte das Glück, mich während meines Kunststudiums in der Schweiz sowohl mit anderen Techniken als auch mit verschiedenen Kunstepochen auseinander setzen zu können. Das hat natürlich Spuren in meiner Arbeit hinterlassen, die sich vielleicht auch unterbewusst als Zitate anderer Künstler niederschlagen. Allerdings glaube ich, dass ich durchaus einen eigenen unverkennbaren Stil entwickelt habe. Ansonsten möchte ich an dieser Stelle gerne Eißfeldt zitieren: „Wer HipHop

macht, aber nur HipHop hört betreibt Inzest.“ Du hast einen Style wie kein Zweiter, deine Bilder wirken eher wie architektonische Meisterwerke als wie normale Graffitis. Erzähl uns bitte, wie sich dieser Stil bei dir entwickelt hat und wann du dich erstmals damit auseinander gesetzt hast? Mein Bestreben besteht darin, neue Facetten von Graffiti aufzuzeigen. Es wird immer Writer geben, die illegal sprühen, aber eben auch zunehmend solche, die andere Medien und Stile nutzen. So kommen neue Ideen hinzu, ohne dass die alten verschwinden. Graffiti kann sich unterschiedlich gestalten. Für mich ist es viel wichtiger, Neues auszuprobieren und dabei den Grundgedanken nicht zu verlieren. Auch wenn Werbung, Comics und Kunstrichtungen wie beispielsweise Pop-Art nach wie vor Einfluss auf Graffiti nehmen – und umgekehrt – so dass sie in einen neuen Kontext gebracht werden, beginnt einfach alles mit der Natur. Alle erdenklichen Formen, Farbgebungen, Muster... man braucht nur die Augen offen zu halten! Wie sehr haben dich deine Reisen geprägt? Ich arbeite gerne an unterschiedlichen Orten. So gestalte ich den jeweiligen Ort mit. Ich versuche dabei alles im Kontext mit Architektur und der Umgebung zu sehen. In welchem Land bin ich? Ich welcher Stadt? Mit welchen Kollegen sprühe ich dieses Bild? Welche Farben habe ich vor Ort? Was für Gegebenheiten habe ich vor


„Rusty Red“

„Frosty“

Die Klamotten von Daim gibt es auf: www.daimshop.de, also los und kauft Ihm die Bude lehr!


Ort? z.B. haben wir in Tijuana den ganzen Tag gemalt, alles war perfekt. Irgendwann ist es dunkel geworden und schlagartig wurde uns klar, dass wir bei Nacht an dieser Ecke nicht mehr stehen sollten. Dann hieß es innerhalb von 5 Minuten einpacken und abhauen. Das kann man nicht mit einer Wand in deinem Stadtteil vergleichen. Beim Inhalt der Arbeiten steht immer mein Name im Vordergrund. Ich fliege nicht nach Mexiko, um dort mexikanisch angehauchte Ornamente zu malen. Das hat nichts mit mir zu tun. Das wäre so als wenn eine mexikanische Musikgruppe nach Deutschland kommen und Bayrische Blasmusik spielen würde. Die könnten denken: „Tun wir den Deutschen ein Gefallen und machen deutsche Musik“. Aber das macht gar kein Sinn, deshalb bringe ich mich mit meinem Stil und mit meiner Identität in die jeweilige Stadt ein. Dadurch zeige ich das ich da war. Du bist der Meister der Typografie, deine Buchstaben ergeben eigene Kunstwerke, und deine Bildsprache ist einmalig! Glaubst du, dass du dadurch neue Trends in der Szene gesetzt hast?

„Ich lasse mich eher durch meine Umgebung und die Natur inspirieren.“ Ganz klar die 3D Effekte räumlicher Tiefe sind mein Markenzeichen. In dem Bereich habe ich viel entwickelt und bewegt. Bin am Anfang auch von vielen dafür gedisst worden, aber das ist, glaube ich, überall so, wenn man was Neues macht. Wie wichtig ist dir der Status bei anderen Kollegen und Fans? Es ist schön, wenn einem Kollegen Respekt zollen und Fans meine Arbeit kennen, aber in Wirklichkeit bin ich meine eigene und zugleich sehr hohe Messlatte. Was nützt es mir, wenn andere meine Sachen super und selbst sie schlecht finde? Oft sind deine Werke ein Spiel aus Licht und Schatten, nutzen den Raum und bilden eine Harmonie, die den Betrachter fasziniert. Was glaubst du, ist dein Rezept für derart gute Werke? Viel Probieren, viel Geduld, viel Spaß an der Sache. Welches ist für dich das interessanteste Medium für deine Arbeiten und warum? Neben meinen Wandarbeiten im öffentlichen Raum und Leinwandarbeiten, die im Atelier entstehen, nimmt die Arbeit am Computer einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch. Dort entstehen meine grafischen Arbeiten. Zudem beschäftige ich mich zurzeit auch stark mit unterschiedlichen Medien, wie Textilien, Drucktechniken aber auch Internet und Film. Die Auseinandersetzung zwischen Technik und Untergrund finde ich sehr spannend, denn ein Bild verändert sich allein durch deren Zusammenspiel.

„Deim“ | Mixmedia on canvas | 61 x 46 cm | 2003


Hamburg | 2002

Tijuana/Mexico | 2003


Nun arbeitest du für große Firmen und erstellst Auftragsarbeiten. Wo liegt dabei für dich der interessanteste Aspekt an diesen Aufträgen? Auftragsarbeiten nehme ich in der Regel nur an, wenn ich dadurch etwas machen kann, was ich alleine nicht hätte umsetzen können. z.B. das DOCK 10 in Hamburg, was ohne die Finanzierung des Sponsors nicht hätte bewerkstelligt werden können. Auch die ersten Textilarbeiten konnte ich nur mit Unterstützung von Labeln wie Carhartt oder Levi´s umsetzten. Mittlerweile habe ich jedoch ein eigenes Label, DAIMartwear, daraus entwickeln können. Inspiration ist wichtig, kommt diese bei dir auch durch Musik und wenn ja welcher Art? Ich lasse mich eher durch meine Umgebung und die Natur inspirieren. Auch gute Architektur gibt mir immer wieder Anstöße. Wie bist du zum Computer als neues Werkzeug gekommen? Angefangen damit habe ich sehr zögerlich vor etwa 10 Jahren. Mittlerweile ist er aus meiner täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken.

„Daim $ ?“ | Spraypaint on canvas | 122 x 183 cm | 2003

Neben deinen Bildern gibt es auch Klamotten. Was Zeichnen diese (Klamotten?) besonders aus? – Und warum sollten die Leserauf www.daimshop.de gehen? Ein solches Shirt ist nicht zum Kaufen, sondern zum Besitzen gedacht. Oder noch besser als Investition. Investition in Kunst, in Wohlfühlen, in Identität. Nicht Mitläufer, sondern Anführer, keine Nachahmer, sondern Vormacher tragen DAIMartwear – daher sollte jeder im Webshop checken, ob die Sachen zu ihm passen. Dann, und nur dann, sollte er sich eines anschaffen.

Die Auseinandersetzung zwischen Technik und Untergrund finde ich sehr spannend, denn ein Bild verändert sich allein durch deren Zusammenspiel. Vielen Dank für das Interview, DAIM. Zum Abschluss noch, wie wird wohl deine Zukunft aussehen? Meine Zukunft wird immer eng mit Graffiti verbunden sein, wie genau wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall kann man gespannt bleiben.

„DEIM - Icecold“ | spraypaint on canvases | 300 x 170 cm | 2004


Mehr zu Daim auf: www.DAIM.org „Apple Pink“ | Graphic | 2003


Impressum Issue#3 Postadresse:

Taped-Mag C/o Julien Philipp Plümicke Lauenburgerstrasse1 47877 Willich Germany

Chefredaktion: Music | Art | Graphics Julien Philipp Plümicke Lauenburgerstrasse1 47877 Willich Germany phil@taped-mag.de Skateboarding | Photo Editor | Andreas langfeld Planckstr.6 47877 Willich Germany andi@taped-mag.de

Layout, Konzept & Artworks by | Julien Philipp Plümicke www.sendusty.com

Mitwirkende Fotografen:

Rasmus Trunz (www.rasmustrunz.de) Eric Mirbach (www.ericmirbach.com) Ingo Schäder (www.fotoingo.com) Andreas Langfeld (www.andreaslangfeld.com Klaus Javier Gastelum Behrens (Gastelum.de)

Infos:

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Julien Philipp Plümicke Andreas Langfeld Eric Mirbach Florian Dreher Thomas Schmidt Nicolas Ohnesorge Dean McNamara Christian Dreher Mirko Suzuki Illustration von Seite 04|

Andrea-Victoria Halbroth ------------------------------------------

Special Thanx to | Frank Schultz Thomas Schmidt Dean McNamara Christian Vogt Nadine Orlean



DAIM Interview im Taped Mag #3 (2006)