Page 250

des Lebens, das alles Tote in sich aufnahm. Der Schmerz, den sie im Sterbens gefühlt hatten, war ein Teil der Geschichte dieses Ortes, aber das war im Moment nicht wichtig. Es regte die Oberfläche nicht. Während diese Gedanken weiße Gischt in Eleanors Innerem aufwühlten, schwebte ihr Körper instinktiv, er verbrauchte Energie wie ein Auto im Leerlauf. Die Umrisse von Skeletten, ihre Freunde, kletterten am gegenüberliegenden Ufer aus dem Wasser. Sie erkannte sie nicht wieder, nicht nachts, nicht im Dunkeln. Was nützte es, so viel zu denken oder zu fühlen, dass sie immer versuchte, alles anzuhalten, wenn nichts jemals wirklich anhielt? Mit einem kraftvollen Tritt verschränkte sich Eleanor mit dem Wasser. Sie stieß sich vorwärts – tretend, drückend, ziehend, und atmend, atmend – denn so lange sie sich auf das konzentrierte, was sie am Leben hielt, konnten die Knochen ihr nicht in den Kopf kommen. Als sie sich auf der anderen Seite aus dem Wasser schleppte, war sie erschöpft und euphorisch. Ein strahlendes Lächeln stieg ihr tief aus dem Bauch ins Gesicht. Einer von Sophies Schulfreunden pfiff anerkennend. Als sie wieder deutlich sah, erblickte sie Peter. Die Nacht hatte ihn eingefärbt. Seine nassen Haare waren ein dunkler Vorhang über seiner Stirn; seine blauen Augen verborgen in dunklen Schatten. Er starrte sie mit schauriger Eindringlichkeit an, die Lippen leicht geöffnet. Sie hörte das stille Zirpen von Insekten in den Bäumen ringsum.

250

Profile for cusoa

2017 Word for Work Workshop ebook  

2017 Word for Work Workshop ebook  

Profile for cusoa