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Füße traten, sie schlug wild um sich, es war kein Grund mehr unter ihnen. Wörter schwebten in der Luft, völlig deformiert durch die Entfernung. Eine kalte prickelnde Angst stieg ihr wie ein diffus elektronisches Rauschen in den Kopf. Sie stellte sich als kleine Figur vor, blass wie der Mond, verzerrt von dem riesigen Gewässer, in dem sie trieb. Fadenförmige Pflanzen griffen nach ihren Beinen und kitzelten sie, schlangen sich um ihre Zehen. Sie trat noch fester ins Wasser, versuchte zu entkommen. Die Panik, die Macht des stillen, schwarzes Wasser, die Ranken von Tang, wie das Haar eines toten Mädchens: sie hielt an. Sie trat Wasser. Die anderen waren weit weg, ihre Schädel beschienen vom Licht des aufsteigenden Mondes. Unter ihr war der brackige Schlamm, der dicke, erstickende Grund. Und irgendwo das ausgestellte Weiß von Knochen, unentdeckte Leichen zerfielen unter der planschenden, lächelnden, lachenden vollkommenen Ignoranz. Diese Ignoranz, die sie in allen Menschen um sich herum sah – das, was sie als Distanz zwischen sich und anderen fühlte, das, was sie isolierte – vielleicht war es auch überhaupt keine Ignoranz. Was, wenn es gar nicht um das ging, was sie nicht wussten, sondern darum, dass sie sich nicht einfach beirren ließen – es nicht bekämpften, sondern es akzeptierten? So in den See einzutauchen, wie er heute war – klar, schimmernd und tiefschwarz – bedeutete nicht unbedingt, dass man sich nicht um die toten Knochen am Grund scherte. Eleanor war nicht unten im Schlamm, da, wo es keinen Atem mehr gab, sie trieb oben; sie schwamm an der Oberfläche. Und die Leiber, die in diesem Wasser ertrunken waren, waren keine Körper mehr, sie waren ebenfalls Teil des Sees, Teil des Systems

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