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Die Tatsache, dass Eleanors Zuhause vollkommen kaputt war und sie sich in einer Kultur aufhielt, in der Familie so sehr geschätzt wurde – erwachsene Kinder halten mit ihren Eltern auf der Straße Händchen und man findet das hier nicht komisch, sondern süß – bedeckte ihre Haut wie ein Gift. Sie hatte das Gefühl, dass die fehlende Kommunikation irgendwie ihr Fehler war, und dass das jeden Aspekt ihres Lebens einfärbte. „Mein Vater hat mir letztens eine Karte geschickt?“. Sie sagte es wie eine Frage, ein Angebot an die komische Stille, an die Kulturunterschiede. „Das ist schön“, antwortete Sophie höflich. „Was macht er eigentlich nochmal?“ Eleanor zuckte zusammen und nahm einen neutralen Gesichtsausdruck an. „Gerade lebt er in einer New-Age-Kommune in Arizona. Die Kälte macht ihn depressiv. Und die Nässe auch. Und das Leben allgemein, glaub ich. Aber das passt nicht alles auf eine Postkarte.“ Vom Ufer drang Geschrei zu ihnen herüber. Die anderen waren ins Wasser gegangen. „Bis jetzt scheint Arizona ihn dazu zu bringen, sich weniger umbringen zu wollen, das ist gut.“ Eleanor lachte abwehrend, aber mit dem Kratzen einer Nadel auf einer Schallplatte. Das Lachen blieb ihr im Halse stecken und sie schaute auf ihren Schoß.

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