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JULIAN KORB

FLORIAN Ich hörte das Dröhnen eines Kleinmotors durch die Straßen hallen. Es kam aus der Senke, in der die Stadt eingekesselt lag, und drang hoch zu uns, in die Wohnviertel. Die Gegend kannte ich wie meine Westentasche: Ein Haus nach dem anderen mit flachen Dächern und weitläufigen Erdgeschossen. Auf den Hofeinfahrten glänzten windschnittige Limousinen in der Sonne. Ich sah, wie die Luft über dem ausgetrockneten Teer flimmerte. Eine Brechung im Raum-Zeit-Kontinuum. Der Boden atmete die gespeicherte Hitze des Augusttags aus. Die ganzen Ferien über war es an keinem Tag kühler geworden. „Ich muss hier weg“, sagte Florian immer wieder, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Die Anfälle wiederholten sich, völlig unvermittelt erklärte er mir seine Pläne, nach Kanada zu fliegen und sich allein durch die Wildnis zu schlagen oder als blinder Passagier auf einem Containerschiff über den Atlantik zu reisen. „Würdest du mitkommen?“, fragte er aber ich hatte keine Antwort darauf.

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