Page 202

„Was könnte denn schlimmstenfalls passieren?“, fragte er. „Wenn man bedenkt, dass Sie vor allem durch Entwicklungsländer reisen, dann hätten die Menschen, selbst wenn Sie das Tagebuch auf der irgendeiner Dorfstraße verlieren, doch wohl Besseres zu tun, als sich mit den psychischen Problemen eines Wirtschaftsprüfers aus NYC zu beschäftigen, sofern sie überhaupt in der Lage sind, Englisch zu lesen.“ „Genau das meine ich“, erwiderte ich. „Ich habe immer geglaubt, dass Probleme der Ersten Welt ihren Platz haben, aber nie, dass dieser Platz die Dritte Welt ist.“ Dann erklärte ich ihm, wie der Dorftrottel mein Tagebuch am Straßenrand finden könnte. Wie es dem Dorftrottel dann, auf dem Weg nach Hause, wo er es seiner Mutter zeigen will, vom Metzgerssohn geklaut wird. Wie mein Tagebuch nach und nach im Ansehen steigen würde, weil es bei den Bemühungen, jemanden für eine Übersetzung zu finden, durch die Hierarchie des Dorfes hochwanderte. Wie es schließlich in die Hände der Dorf-Intellektuellen geriet, die, obwohl auch außerstande, es zu lesen, sich in der Ortsschenke um mein Tagebuch drängen würden, bei dem Versuch zu enträtseln, was es war, wer ich war. „Es ist ganz offensichtlich kein Schulbuch“, würde vielleicht der Dorflehrer sagen, „also was es auch immer ist, das diesen erwachsenen Mann, John Novak aus 1221 Crescent Street, New York, NY, USA, dazu gebracht hat, drei Monate lang jeden Tag Abschnitt für Abschnitt reinzuschreiben –es ist eindeutig wichtig.“

202

Profile for cusoa

2017 Word for Work Workshop ebook  

2017 Word for Work Workshop ebook  

Profile for cusoa