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Als dann klar wurde, dass mein ganzes hartes Getue nichts änderte, schlug Dr. D. vor, meine Tage im Urlaub schriftlich zu protokollieren – offenbar zeichnen glückliche Menschen auch eher ihre Erlebnisse auf. In Ordnung, sagte ich. Ich kaufte mir einen Haufen schwarze Notizbücher und hielt meinen Weg durch Syrien darin fest (glücklicherweise bevor es dort ernst wurde). Ich wiederholte das bei den Reisen nach Marokko, Thailand, in die Türkei, usw. Drei Jahre blieb ich dabei, bis letzen Monat, als ich den Fehler machte, alle diese Notizbücher tatsächlich durchzulesen. Was mich zum heutigen Tag führt, als ich zum ersten Mal die schwarzen Notizbücher in Dr. D.s Sitzung brachte. Ich sagte ihm, dass die Lektüre meiner ganzen Reisetagebücher mich nur noch deprimierter über das Reisen gemacht hatte. Sie hatten mir die Tatsache vor Augen geführt, dass, wo ich auch hingehe und was ich auch tue, jeder Reise dasselbe Drehbuch zu Grunde liegt. Man verirrt sich, nur um festzustellen, dass einem die Umwege am deutlichsten im Gedächtnis bleiben. Man kommt Einheimischen näher, was einen daran erinnert, wie vorteilhaft/ beschissen es ist, Amerikaner zu sein. An der Bar kommt man einer bezaubernden Touristin näher, nur um am nächsten Tag zu erfahren, dass man zu viel getrunken und es fertiggebracht hat, sich in einen Teller Kartoffelbrei zu setzen. Dr. D. sagte, mein Gefühl, dass alles nach dem selben Drehbuch ablaufe, sei nicht unbedingt schlecht. Grundsätzlich nähmen Menschen Wiederholungen auf zwei Arten wahr, erklärte er.

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2017 Word for Work Workshop ebook  

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