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war, hatte ich immer davon gesprochen, mir das Nordlicht anzusehen, also hielt ich eine kleine Übertreibung für gerechtfertigt. Zuerst dachte ich, dass ich vielleicht einfach nur zu viel arbeitete. Es war eine verrückte Zeit, um als Wirtschaftsprüfer für Betrugsverdachtsfälle anzufangen – zwischen dem Börsencrash und der Dodd-Frank-Verordnung gab es so viele Fälle, dass es eine ganze Armee von Wirtschaftsprüfern gebraucht hätte, um sie alle zu bearbeiten. Aber selbst in dieser Zeit arbeitete ich nicht so viel.bNichts im Vergleich zu Dad. Und der hatte nicht einmal die Vorteile von jemandem, der bei einem der Big-Four-Unternehmen arbeitet: Yoga-Kurse im unternehmenseigenen Fitness-Studio, ein Sternekoch auf jedem zweiten Stockwerk, vier Wochen Urlaub (sechs, wenn man die Feiertage mitzählte). Also wusste ich, dass es etwas anderes sein musste als die Arbeit. Zu dem Zeitpunkt war ich schon wegen etwas anderem bei Dr. D. in Behandlung. Ich fragte ihn also, ob er mir auch bei meinen Verzauberungsstörungen helfen könne. Ich solle meine Ferien doch für „Abenteuer“ statt für gewöhnlichere Arten von Tourismus nutzen, schlug er vor – scheinbar wollen glückliche Menschen eher Erfahrungen sammeln als nur konsumieren. In Ordnung, meinte ich. In den folgenden drei Jahren legte ich bei meinen Reisen einen deutlich höheren Gang ein. Ich rannte mit Stieren. Schwamm mit Haien. Spielte das Peruanische Monopoly. Einige andere Stunts, an die ich mich inzwischen kaum noch erinnere – nur dass ich etwas aufs Spiel setzte, meine Grenzen testete.

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2017 Word for Work Workshop ebook  

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