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curt stadtmagazin munchen #66 // dezember – februar 2011 ..

.. curt stadtmagazin munchen #66 // dezember – februar 2011 die fette ausgabe

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vorwort Wenn ihr euch mal etwas Gutes tun wollt, zieht los und besorgt euch ein gut abgehangenes Stück Rindfleisch vom Metzger um die Ecke. Der Körperteil ist fast egal, die Wade tut es genauso wie die Lende. Dann noch vom Gemüsemann eine Tüte fest kochender Kartoffeln und eine Handvoll grüner Bohnen. Den Rest habt ihr wahrscheinlich daheim. Und jetzt wird gekocht. Zuerst schneidet ihr das Fleisch in Würfel von der Größe eines Golfballs. Halt, erst macht ihr einen kräftigen Rotwein auf und nehmt einen ordentlichen Schluck. Der Rest kann erstmal atmen oder was Wein eben in der Flasche so macht. Idealerweise habt ihr mindestens drei Flaschen vom gleichen Wein, weil ihr schon eine zum Kochen braucht. Zurück zum Fleisch: Ihr habt jetzt vielleicht vierhundert Gramm gewürfeltes Rind und legt das in eine Schale, die ihr mit Wein auffüllt. Damit dürfte bereits die halbe Flasche leer sein, noch einen Schluck für den Koch, dann passt das. Während das Fleisch im Wein liegt, schält ihr zwei Knoblauchzehen, hackt drei Zwiebeln, legt euch ein Lorbeerblatt zurecht und bindet ein Sträußchen aus Kräutern der Provence. Für Angeber: ein Bouquet garni. Die Bohnen könnt ihr auch schon mal waschen und die Spitzen abschneiden. Jetzt mit einem Schluck Wein rasch Mut angetrunken, denn Fleischzubereitung ist eine aufregende Sache: Gebt reichlich Olivenöl in eine schwere und tiefe Pfanne oder einen gusseisernen Topf und lasst es heiß werden. Zwei der drei Zwiebeln rein und leicht anbräunen lassen, dann das Fleisch – ohne den Wein – dazu und scharf anbraten. Wenn es von allen Seiten Hitze bekommen hat, schmeißt ihr den Knoblauch, das Lorbeerblatt und die Kräuter hinterher, röstet diese kurz mit an und kippt den Wein, in dem ihr das Fleisch gebadet habt, über das Ganze. Noch einen Schluck aus der Flasche genommen, den Rest schüttet ihr ebenfalls in den Topf und kocht das dann unter stetem Rühren auf. Bevor es sprudelt, dreht ihr die Hitze auf mittlere Höhe runter und gebt Salz, Pfeffer, wenn ihr wollt Tomatenmark, auf jeden Fall aber, sagen wir mal, hundert Gramm Butter dazu und macht den Deckel drauf. Jetzt könnt ihr die nächsten ein bis zwei Stunden entweder die Kartoffeln und Bohnen zubereiten, euch ein paar Folgen Futurama auf DVD anschauen oder Sex haben. Mit ein bisschen Übung gehen auf jeden Fall zwei der drei Dinge. Für das Kartoffelgratin jedenfalls heizt ihr den Ofen auf 200 Grad vor, schält die Kartoffeln und hobelt sie in Scheiben. Die schichtet ihr dann in eine mit Butter gefettete Auflaufform und salzt und pfeffert jede Lage. Etwas Muskat schadet auch nicht. Wenn ihr fertig seid, gießt ihr Sahne über die Kartoffeln, bis diese bedeckt sind, gebt geriebenen Käse drüber und schiebt es für eine Stunde in den Ofen. Jetzt ist die perfekte Zeit, die zweite Flasche Wein zu öffnen und eine Zigarettenpause einzulegen. Tischdecken nicht vergessen, denn gleich gibts Essen. Erst müssen aber noch die Bohnen gemacht werden. Dazu einfach die restliche Zwiebel in Öl anschwitzen, die Bohnen dazu geben und ein wenig gehacktes Bohnenkraut, Pfeffer, Salz, ein Glas Wasser drüber und das dann etwa 15 Minuten kochen lassen, bis die Flüssigkeit fast weg ist. Wenn ihr gut wart, ist jetzt das Gratin fertig, der Rotwein zu einer dicken Soße eingekocht und die Bohnen noch bissfest. Sofort auf den Tisch und die Teller damit, die dritte Flasche Wein entkorkt, zugreifen, euch loben, lieben, anhimmeln lassen und euch vollessen. Guten Appetit! Und das Beste daran: Wenn man auf diese Art gemeinsam fett wird, fällts weniger auf. Euer Thomas

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cover #66: tammo vahlenkamp Zu tisch, bitte! chefkoch tammo Vahlenkamp hat für den titel groß aufgekocht. und dass viele Köche den Brei nicht verderben, beweisen wir mit den restlichen fettaugen von Sebastian Hofer. Auch er hat einen wahrlich guten Geschmack. curt wünscht guten Appetit bei der fetten Ausgabe!

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4. curt informiert

fette mythen


fett macht fett Erstmal: Ohne Fett geht gar nichts. Es ist neben Kohlenhydraten und Eiweißen unser wichtigster Grundnährstoff. Mit der, evolutionsbiologisch gesehen, großartigen Eigenschaft, dass es sehr viel mehr Energie als die beiden anderen liefert. Welch Ironie, dass dies heutzutage hierzulande ein Nachteil ist. Wesentlicher Bestandteil sind die Fettsäuren. Diese teilt Otto-Normal-Verzehrer der Einfachheit halber gerne in gute und böse ein: die guten ungesättigten (in der Regel pflanzlichen) gegen die bösen gesättigten (in der Regel tierischen). Während die einen agil und munter recht schnell wieder verschwinden, bleiben die anderen träge an den Hüften hängen. Also doch lieber Margarine statt Butter? Oder lieber gleich: Möglichst gar kein Fett? Nö. Denn: Wer beim Fett spart, isst oft mehr Kohlenhydrate. Und wird schneller wieder hungrig. Also besser mal eine Bratwurst als drei Teller Pasta. Wichtig ist die Kalorienbilanz, was heißt: Iss alles, aber ausgewogen und in Maßen!

fett macht krank Wenn man auf die klinisch Fettleibigen schielt: Ja. Wenn man Lebensmittelfett an sich betrachtet: Nein. Fette und Öle sind nicht nur wichtige Energielieferanten, sondern darüber hinaus Isolatoren gegen Kälte, Bestandteile der Zellwände, Schutzpolster für innere Organe und Lösungsmittel für ausschließlich fettlösliche Stoffe. Dazu zählen die Vitamine A, D, E und K, die der Körper ohne Fett gar nicht oder nur unzureichend aufnehmen könnte. Nüsse, Dressing und Käse zum Salat sind also nicht nur lecker, sondern auch gesund. Und ein saftiges Steak dazu muss auch niemandem schaden. Den viel beschworenen kausalen Zusammenhang zwischen Fettverzehr und Herzinfarkt konnten Wissenschaftler nämlich nicht nachweisen. Ganz im Gegenteil: Im Schnitt leben Menschen mit leichtem Übergewicht länger als Normalgewichtige. Und was ist schon normal?

.. fett macht hasslich Normal ist zum Beispiel nicht, dass 90 – 60 – 90 das Maß aller schönen Dinge ist. Ideale ändern sich mit der Zeit – so ist das eben auch mit dem Körpergewicht. Während heute wieder anorektische Vorbilder durch die Medien geistern (abgesehen von ein paar als exotisch bestaunten Quotendicken), galt während der Renaissance ein Doppelkinn als sexuell attraktiv. Und mal ehrlich: Könnte sich jemand die Venus von Milo, den jahrhundertealten Inbegriff weiblicher Schönheit, mit dünnen Ärmchen und hervorstechenden Rippen vorstellen? Na also. Dann doch lieber rundlich und ohne Arme. Außerdem sind Schönheitsideale nicht nur zeitgeschichtlich, sondern auch kulturell geprägt: Genauso, wie lange Hälse, kurze Füße, Piercings und Intimrasuren hier und dort ihre Reize haben, erregen anderswo Extra-Pfunde die Gemüter. In einigen Regionen Nigerias lassen sich angehende Bräute sogar auf spezialisierten „Fattening Farms“ mästen, um ihren Gatten in spe ein paar handvolle Argumente zu liefern. Fett verführt eben nicht nur in kulinarischer Hinsicht.

fett schwimmt oben Stimmt. Was dagegen?

TEXT: CAROLIN HAGEBÖLLING; FOTO: SEBASTIAN HOFER


6. curt LeBen

TExT: ANDREEA HULA

ich bin fett

unsere andreea mit 3 jahren a ganz a liabs madl

Damit meine ich nicht nur meinen Bauchumfang, sondern vor allem meine attitude. Aber eins nach dem anderen … Ich stamme aus einer Familie von dünnen Menschen. Meine Mutter wog schwanger mit mir weniger als ich jetzt. Doch ich bin keine Tonne! Bei knapp 1,70 Meter, bringe ich 60 Kilo plus auf die Waage. 66, um genau zu sein. So viele Kilos, wie es bisher curt-Ausgaben gab.

haben, mit eher zu viel um die Hüften als zu wenig. 50 Prozent der Dünnen mache ich wahrscheinlich Angst. Die anderen beneiden mich um meine weiblichen Kurven und mein volles Dekolleté. Aber weil ich gerne esse und auf Saucen mit Geschmack stehe – der sich vornehmlich in Kalorien versteckt –, habe ich mich seit Kurzem im Fitnessstudio angemeldet. Und hier kommt die attitude ins Spiel.

Meine Mutter war in ihren Studentenjahren, als mein Vater sie kennenlernte, so dünn, dass die Schwiegereltern in spe die Ehe verhindern wollten. So ein dünnes Gerippe kann schließlich keine Enkelkinder schenken. Aber hier bin ich! Die Schwangerschaft war zwar nicht einfach, ab dem vierten Monat war Bettruhe angesagt. Aber ein kleines Wesen von zarten 2800 Gramm erblickte an einem Nachmittag im Februar das Licht der Welt. Die elfengleiche Figur meiner Mutter bekam ich nicht. Und auch nicht die sportliche Erscheinung meines Vaters, der Nationalspieler in einem Rugby-Team war. Und auch die Gene meines groß gewachsenen Großonkels mit traumhaft langen Beinen, der bis zu seinem Tod Friseur spielte, obwohl er kaum noch etwas sah, gingen an mir vorbei. Ich bekam das Gesicht meiner Mutter mit dunklen Rehaugen, einer perfekten Nase und einem tollen olivefarbenen Teint. Außerdem erbte ich das volle, dunkle Haar aus dem mütterlichen Erbstrang, für das andere töten würden. Dazu bekam ich den impulsiven Charakter meines Vaters, der mir schon so manchen Ärger eingehandelt hat. Und die Figur seiner Mutter. Meiner Oma. Muttis Schwiegermutter.

Weil mein Bauch so rund geworden ist und ich Fitnessstudios eigentlich affig finde, liebe ich es, dort, statt im korrekten Sportdress einzulaufen, meine Band-Shirts zur Schau zu tragen, die ich im Moment nicht mehr öffentlich tragen kann, weil mein Bäuchlein im Weg ist. Black Lips, Mando Diao, Deichkind … Wenn es um fette Tunes geht, wissen meine Freunde, sie können sich auf mich verlassen. Meine Samples sind heiß begehrt. Und auch was die anderen wirklich wichtigen Dinge des Lebens angeht, stehe ich mit Rat und Tat zur Seite. Aus mir ist eine anständige Person geworden, die Highscores bei Videospielen knackt und zu keinem Tequila Gold Nein sagt. Mein Freund würde mich auf Händen tragen – wenn er könnte. Stattdessen nimmt er mich huckepack, damit ich nicht durch Pfützen laufen muss. Als satte, sympathische Frau zahle ich hierfür meinen Preis. Zehn Kilo mehr, als mir lieb sind. Doch ich bin ausgeglichen und glücklich. Und zwar 66-mal mehr als andere.

Ich weiß nicht, wie oft die gute Frau von meiner Mutter für meine unförmigen Oberschenkel schon verflucht wurde. Aber sei’s drum. Früh musste ich erkennen, dass ich mit meinem Wunsch nach einer Modelfigur auf verlorenem Posten war. Ich werde auf immer und ewig eine durchschnittliche Figur

66 ist die Zahl der Stunde! So ehren wir curt #66 mit der fettesten Ausgabe, die es je gab, denn alles, was hier steht, liegt auf unserem Redaktionsradar weit oben. Fette Musik, fette Tags, fette Exzesse, die mit Kotze auf dem Gehsteig enden, und richtig dicke Schinken. Fett ist das Schlagwort zum Jahresende und wir alle freuen uns auf Stollen, Plätzchen, Schokolade. Wer auch mal fett sein möchte, nimmt sich jetzt bitte einen Keks und legt die Ausgabe nicht mehr aus seinen Wurstfingern.

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10. curt VerGLeicHt

fasten Ich wusste schon immer, welche drei Länder zu den Benelux-Staaten gehören. Aber erst viel später wurde mir klar, dass BENELUx kein Eigenname ist, sondern eine Abkürzung, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der zugehörigen Mitgliedsstaaten, nämlich BElgien, NEtherlands und LUxembourg. Darauf muss man erst einmal kommen! Ähnlich erging es mir mit der Süßigkeit Hanuta. HA-NU-TA, in ausgesprochenen Worten die Haselnusstafel, na klar! Bis heute rätsle ich aber über die Abkürzung „NA-NA-NA“, die mir die Gemüsehändlerin mit erhobenem Zeigefinger zurief, als ich gerade versuchte eine Honigmelone in meine Hosentasche zu stibitzen. Mit einem Satz tauchte ich im Getümmel der anderen Passanten unter und flüchtete auf eine Parkbank. Hechelnd saß ich da, die Glieder zitterten, ich fühlte mich so leer, ganz so, als wollte mir mein Körper signalisieren, dass er nicht mehr viel Energie übrig hatte. Ich kaute am Kragen meiner Lederjacke, sinnierte: Wie lange würde ich mein vorweihnachtliches Hunger-Fasten noch durchhalten? Seit sechs Wochen nahm ich nun schon keinen Happen zu mir, und vor drei Wochen erst erklärte mir Hans, dass Wasser trinken während der Fastenzeit erlaubt und absolut unerlässlich sei. Von da an ließen wenigstens die nächtlichen Beschwerden meiner Nachbarn nach, die mein schepperndes Keuchen mit einer nie endenden, betrunkenen Lache verwechselten. Dennoch ließ sich mein dauerhafter Nahrungsverzicht ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit meiner Eitelkeit vereinbaren. Meine langen Unterhosen gingen nicht mehr als moderne Röhrenjeans durch, als Regen-Poncho reichte mittlerweile eine Aldi-Tüte und meine Freunde gaben mir den Spitznamen „Wäsche Hänge-Laine“, in Anspielung auf einen finnischen Skispringer, der während eines Sprungs von einer Windböe erfasst wurde und seither als vermisst gilt. Ja, entschließt man sich einmal zur Askese, sind gesellschaftliche Schwierigkeiten programmiert. Der absolute Höhepunkt war die Tat ein paar älterer Damen, die meinen Blick hinüber zu ihrem Kaffeekränzchen als Provokation missverstanden, mich darauf in einen Hinterhalt lockten, einen Kreis um mich herum bildeten, um mich dort eine volle Stunde lang hin und her zu schubsen – nur so zum Spaß. Das dreckige Gekicher der Damen klingelt bis heute in meinen Ohren. So dear Chris „Brandy“ Weinbrandt, lass uns unser Experiment beenden und please gimme a Leberkässemmel! TExT: MARTIN EMMERLING


.. masten

curt VerGLeicHt .11

Es passierte vor einem halben Jahr in meiner Stammdisco „Zum alten Hut“. Ich schunkelte mich gerade mit ein paar anderen Junggebliebenen zu den zauberhaften Klängen von „Over the Rainbow“ in Trance, als ich plötzlich den Blick der knuffigsten Glubschäuglein dieser Erde erhaschte. Sofort war es um mich geschehen. Mutig sprach ich die von mir Angebetete an und lud sie für den nächsten Tag zu Tisch. Zwei Croissants, drei Maxi-Menüs und vier heiße Apfeltaschen später schwebten wir schon händchenhaltend zu mir nach Hause, wo ich Trixie auch gleich meiner Mutter vorstellte. Mama quengelte irritiert ob meiner ersten Eroberung. Die beiden Grazien kamen sich jedoch bei Cola und Kuchen näher und kicherten mit ihren sahneverschmierten Mäulern um die Wette. Mama, die es seit jeher nur gut mit mir meint, bildete sich im Lauf der Zeit ein, Trixie besäße mehr innere Werte als äußere; man sollte mein possierliches Butterflöckchen am besten wenden. Mir erschien dieser neidische Nonsens eher nichtig. Das Einzige, woran es meinem goldigen Glückskekschen mangelte, war eine gehörige Portion Speck auf ihren spärlichen Hüften. Ohne Umschweife machte ich mich ans Werk. Dabei sah ich mich in der Rolle des rastlosen Künstlers, wie Joseph Beuys, der mit der formvollendeten Fettecke herumexperimentierte. Oder des Dealers, der seinen geliebten Kalorienjunkie stets mit hochprozentigsten Kohlenhydraten versorgt. Aller Umfang ist schwer, aber Trixie, meine von mir vergötterte Eier legende Wollmilchsau, schaufelte alles bedingungslos in sich hinein und fühlte sich sichtlich wohl in ihrer zunehmend schwabbligeren Haut. Noch vor sechs Monaten glich die ausgemergelte Statur meines tapsigen Trüffelstückchens eher einer Hundehütte: in jeder Ecke ein Knochen. Bei Trixies damaligem Anblick hätte man meinen können, es wäre eine Hungersnot ausgebrochen. Heutzutage hat man dagegen das Gefühl, mein voluminöser Nimmersatt wäre maßgeblich schuld daran. Trixie ist zwar jetzt weniger flink, dafür schön wie eine Gazelle, oder wie nennt man das graue Tier mit dem Rüssel? TExT: CHRISTOPH BRANDT; foto: HoLGer WieSenfAHrt


12. curt morDSGeScHicHte

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drei BAuch hAsen Auch eine Mordsgeschichte


Otto war eigentlich Anwalt für Insolvenzfälle und hatte vor Jahren aus einer Konkursmasse den Getränkemarkt gegenüber von meinem Büro übernommen. Seitdem arbeitete er nur noch für gute, sprich abgebrannte Freunde als Anwalt. Außerdem war Otto mein bester Freund, und das größte Arschloch, und er hatte Recht. Sophie war schwanger. Von mir. Meine Freundin war schwanger. Auch von mir. Auch. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten oft über dieses Wort meditiert. Sophies Bauch wuchs. Babs’ Bauch auch. Und meine Probleme auch. Sie wurden richtig fett. Und ich sollte das fetteste Problem werden. Nachdem ich Ottos Ratschlag aus ethischen, jüdisch-religiösen Gründen sowie aus Feigheit vor Babs und Sophie abgelehnt hatte, gingen wir zum Wesentlichen über. I like to get hammered/On Friday night/ Sometimes I can‘t wait/So Monday‘s alright Am nächsten Morgen war meine Stimmung im Arsch und mein Kopf fühlte sich genauso an. Inklusive Mundgeruch. Ich lag neben Babs im Bett und atmete unter die Bettdecke. Babs schätzt es nicht wirklich, wenn ich morgens die Alkoholfahne hisse. „Max, bist du wach?“ Langsam und gleichmäßig ein- und ausatmen, bei der perfekten Tiefschlaf-Simulation darf sich der Brustkorb kaum bewegen. „Max!“ Zeit für ein missmutiges Grunzen und ein kaum merkliches Körperzucken. „Max!!!“ Tief aus- und einatmen, Kopf ein wenig heben und mit möglichst großen Augen Blickkontakt herstellen. „Ich hab gestern was Tolles gelesen. Wusstest du, dass bei den HuicholesIndianern in Mexiko der Kindsvater während der Geburt im Dachgebälk der Geburtshütte

saß? Um seine Hoden war ein Seil gebunden. Bei jedem Wehenschmerz zog die gebärende Frau an dem Seil, damit auch er den Schmerz empfand. Süß, oder?“ Okay, jetzt war ich hellwach. Suchend tastete meine Hand nach unten – alles entfesselt. „Lass mich raten: Der Stamm ist ausgestorben?“ „Jetzt sei doch nicht so. Ich mein ja nur ... Da wird eine Schwangerschaft und Geburt doch noch intensiver, wenn der Mann so mitfühlt ...“ „Ich mein ja nur! Fuck! Mitfühlen! Fuck! Glaub mir, ich fühl jetzt schon total mit!“ Ich saß am Schreibtisch in meinem Ein-RaumAltbau-Büro und studierte die Todesanzeigen. Meine Art der Akquise. Antiquariat aller Art. Besuche die Witwen von gerade verstorbenen Professoren, Oberstaatsanwälten, Ärzten und du machst den Good Deal. Vorausgesetzt, du hast meine Mischung aus Charme, Mitgefühl und Geschäftssinn. Das Telefon klingelte. „Heute Abend?“ „Klar, Schatz.“ Sophie und ich gingen jeden Mittwoch in die kleine Sauna bei mir um die Ecke, wo wir uns kennengelernt hatten. Sophie verströmte die Aura der Unerreichbaren. Ich wirke auf Frauen eher cool wie ein Eisberg; klar, dass das die Neugier auf das lenkt, was unterhalb der Spitze des Eisbergs liegt. Als ich bemerkte, wie sie mich beim Einseifen unter der Gemeinschaftsdusche beobachtete, schmolz das Eis und alles stand klar und deutlich zwischen uns. Das war vor vier Monaten. Und jetzt war Sophie schwanger. „Darf man als Schwangere überhaupt noch in die Sauna gehen?“„Ach Schatz, du bist so süß. Natürlich darf ich das. Wir sollten überhaupt viel mehr zusammen machen, jetzt ...“ „Ja, ja, klar ...“ „Ich mein ja nur ...“ Später am Abend aßen wir bei ihr zu Hause Käsekuchen, Curry King und Kartoffelsalat mit Mayo. So wie bei jedem unserer Treffen von da an ...

TEXT: BOB PFAFFENZELLER; ILLU: HOLGER WIESENFAHRT

„Das müsst ihr wegmachen lassen.“ „Fick dich.“ „Das hättest du dir früher überlegen sollen.“


14. curt mordsgeschichte

Als ich aufwachte, hing Babs mal wieder röchelnd über der Kloschüssel und ich spürte ein Ziehen in der Brust. Irgendwas ging in mir vor. Ich ging ins Bad und betrachtete mein Spiegelbild. Nicht schlecht für mein Alter, und bald zweifacher Daddy. Ich straffte die Brust, und da waren sie deutlich zu sehen: Titten! T-Shirt hoch: Titten! Und Bauch! Noch nicht viel, aber, ähh, irgendwie süß ... Arrrghhh! „Das musst du wegmachen lassen.“ „Fick dich.“ „Das hättest du dir früher überlegen sollen.“ Otto war noch immer mein bester Freund und noch immer das größte Arschloch. Wir standen vor dem Spiegel auf der Toilette des Getränkemarkts, ich hatte mein La-Martina-Shirt hochgezogen und gemeinsam bestaunten wir meine körperlichen Veränderungen. „Darf ich mal anfassen?“ „Otto!“ „Man kann’s ja mal versuchen ...“ „Spar dir deine Sprüche und hilf mir!“ Im Büro googelte Otto: „Als Couvade-Syndrom bezeichnen Wissenschaftler, wenn eine Frau schwanger ist und sich daraufhin Schwangerschaftssymptomatik beim Mann äußert. Es kommt beim Mann zu Symptomen wie Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, anwachsender Bauch, Erbrechen u. Ä.“ „Ich weiß, was du denkst. Quatsch, vergiss es. Unsinn, Bullshit ...“ Sophie und Babs wussten nichts voneinander. Mit Babs war ich seit sechs Jahren zusammen. Als ich Babs das erste Mal sah, trug sie ein hautenges Blümchen-Kleid, das sich um sie rankte wie eine Samthülle um eine Stradivari ... Und als sie sich umdrehte und über ihrem atemberaubend bleichen Blümchen-Dekolleté ein kleiner, roter, gerade zu einem eitrigen Köpfchen changierender Pickel erblühte, da wusste ich: die, und dann im ganzen Leben keine andere mehr.

*Neurolinguistisches Programmieren

„I love your mixed pickles.“ Das war NLP*-mäßig natürlich erste Sahne, flirttechnisch allerdings etwas außer der Reihe. Ihre rehbraunen Augen verschlangen mich wütend und ich verschlang ihre weiße Büste, gierig. Später am Abend verschlangen wir uns beide. Mittlerweile stand mein Dekolleté dem von Babs in nichts nach. Was ihr natürlich auffiel. „Du kriegst Titten.“ „Du endlich auch.“ „Du bist so süß!“ Ich wurde täglich schwangerer. Es war Zeit zu handeln. „Otto, hilf mir!“ Otto googelte: „Vor allem besonders mitfühlende Männer würden lt. Forschermeinung zu Parallelschwangerschaften oder Sympathieschmerz neigen. Andere psychologische Thesen vermuten, einige Männer würden insgeheim eine Art Gebärneid hegen und daher psychosomatisch parallele Beschwerden aufweisen. „Du meinst, es wird immer mehr?“„Hoffentlich.“ Otto grinste mit einem Blick auf die faustgroßen Wölbungen unter meinem Shirt. „Otto! Ich bin nicht neidisch! Ich will nicht mitfühlen! Ich will zwischen Brüsten kommen, nicht Brüste bekommen ...“ „Hey, sieh’s mal so: Du kommst zwischen deinen Brüsten, weil du es kannst ...“ „Otto, das muss aufhören. Endgültig. Sofort. Drei Schwangere sind zwei zu viel!“ Und da reifte in mir ein Plan. Bang! Bang! Maxwell´s silver hammer/Came down upon her head/Bang! Bang! Maxwell´s silver hammer/Made sure that she was dead Als erste war Sophie dran. Nicht weil ich sie etwa weniger mochte. Ich hatte einfach genug von Käsekuchen, Curry King und Kartoffelsalat mit Mayo. „Heute Abend Sauna?“ Sophies Standard-Anruf.


curt frAGt .15

„Schatz, ich hab eine Überraschung für dich.“ nicht originell, aber in unserer Situation genau auf dem Punkt. ihrer reaktion nach zu urteilen, freute sie sich auf mich wie Katie middleton auf den thronfolger: „Was? Ja, ja. Ja!“ ich bestellte Sophie zu einem Lokal in der nähe des Schlachthofs. Auf dem Gelände dort gibt es einen container für unverwertbare Schlachtabfälle, der jeden tag unbesehen geleert wird. ich war früher da, hörte rauchend vor dem Lokal die trippelnden Schritte ihrer hochhackigen Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster. „Komm ...“ Am nächsten morgen wachte ich mit Kopfschmerzen auf. nein, ich hatte nicht getrunken. nein, ich hatte keine Gewissensbisse. Vielleicht waren es Schwangerschafts-Depressionen. ich betastete meine Brüste. Wieder größer, voller. ich tastete nach Babs’ Busen neben mir im Bett, voll, rund, mit erigierten Brustwarzen. und kalt. So kalt. ich befühlte meinen Bauch, rund, und da, ja, ich spürte es, es bewegte sich. ich fühlte ein Ziehen in meiner Brust. Zärtlich wickle ich den Draht von ihrem Hals und knote ihn um meine Hoden. ich bin schwanger. fett. Von zwei frauen. Supersize. Das reicht. für immer. ich ziehe zu. fest. fester. So müssen frauen fühlen, wenn sie gebären. ich liege auf dem rücken und blicke über meinen Bauch hinweg zwischen meine Beine. Hecheln, max, hecheln. Doctor Robert/ You‘re a new and better man/ He helps you to understand/He does everything he can/Doctor Robert


WEIHNACHTEN IST, WENN MÄNNER IM KR E IHRER LIEBSTEN FEIE R DMAX WÜNSCHT FROHE WEIHNACHTEN.


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18. curt fettabsaugen

fett weg


curt: Fettabsaugen – was können wir uns darunter vorstellen? Dr. LM: Fettabsaugung hat für mich etwas mit „Sculpturing“ zu tun. Man verringert bestimmte Körperareale vom Volumen und vom Umfang her, die nicht zur Kontur passen. Das kann bei Männern der berühmte mittlere Ring sein, bei Frauen sind es oftmals die Reiterhosen. curt: Was ist in der Praxis machbar? Dr. LM: Ich hatte da gerade eine junge Frau bei mir, die oben herum Konfektionsgröße 34 hat, im Hüftund Oberschenkelbereich eher Größe 46. Sie hat Sport getrieben und alles Mögliche versucht. Doch alleine mit Diätetik, mit Bewegung oder einem spezifischen Aufbautraining bestimmter Muskelgruppen kriegen Sie das nicht hin. Aufgrund der anatomischen Grundlage und der genetischen Fixierung, dieser sogenannten Lipodystrophy, also der unnormalen Fettgewebsverteilung, sind diese Areale unförmig. Leute wie diese junge Frau kommen hierher, weil sie sich seit Jahren die Zähne ausgebissen haben und nichts bewirken konnten. curt: In den 70er-Jahren galt eine Frau mit dickem Po als schön. Ist heute Fett das Trauma unserer neuen Gesellschaft? Dr. LM: Die meisten Leute, die zur Fettabsaugung zu mir kommen, kommen nicht, weil sie einen Sprung in der Schüssel haben, undiszipliniert oder unkritisch sich selbst gegenüber sind, sondern sie haben bestimmte Areale, die sie schon über Jahre stören. curt: Heißt das, genetische Anlagen ade? Dr. LM: Fett ist nur teilweise genetisch bedingt. Auch Männer, meist in den 40ern, stellen fest, dass sie früher ein- oder zweimal zum Squash gingen und dann wieder ihre Ideallinie hatten. So schnell geht

das ab 40 nicht mehr. Das hat mit dem Alterungsprozess und mit der hormonellen Umstellung zu tun. Die männliche Menopause bedeutet dicker Bauch und dünne Beine. curt: Was geschieht ab 40? Dr. LM: Die Testosteronausschüttung nimmt nicht wahnsinnig ab, aber die Sensibilität der sogenannten Rezeptoren für das Testosteron an der Muskulatur, am Fettgewebe verändert sich. Um Muskeln in einem guten Aufbauzustand zu halten und die Ablagerung von Fettdepots zu vermeiden, müssen sie mehr dafür tun. Das ist eine ganz normale Erfahrung und heutzutage oft beruflich bedingt. Man sitzt im Flieger, im Taxi, im Meeting und am Abend beim Italiener zum Geschäftsessen. curt: Was sind denn die am häufigsten abgesaugten Körperpartien? Dr. LM: Bei Frauen sind das die Oberschenkel und die Hüftregion. Bei Männern ist es der Bauch, später auch mal das Doppelkinn. Was jüngst dazukam, ist die moderne Laser-Lipolyse, wo man zum Beispiel mit einem ganz dünnen Kaliber an den herunterhängenden, mit Fett unterfütterten Oberarmen Hand anlegt. Volumen wird reduziert und die Bindegewebsstrukturen, die wie ein Gummiband ausgelatscht sind, werden nach innen hochgeschweißt. curt: Was kostet es denn, meine beiden Arme verschlanken zu lassen? Dr. LM: Dreifünf. curt: Hängt das nicht davon ab, wie viele Liter Fett abgesaugt werden? Dr. LM: Es geht nicht um Liter. Es geht um Umfangreduktion und Hochschweißen. Hört sich vielleicht ein bisschen freaky an.

IINTERVIEW: Angela sandweger; FOTO: Villa Bella

Diktat der Modewelt oder die Lust am eigenen Körper im Wandel der Zeit? Man sagt, die 40-Jährigen sind heutzutage die 30-Jährigen, die 50-Jährigen sind die 40-Jährigen. Jeder von uns, oft schon in früheren Jahren, denkt gelegentlich darüber nach, wie es wäre, den perfekten Körper à la Brangelina zu haben. Doch was ist der Preis dafür? Täglicher Verzicht auf den Schokoriegel und stundenlanges Training im Fitnessstudio? Oder mit Skalpell von der Rubensfrau zur Twiggy? Der Schönheitschirurg Dr. Med. Ludger Meyer von der Villa Bella in München klärt uns über Bat flaps, Reiterhosen, Love-Handles und Waschbrettbäuche auf.


20. curt fettabsaugen


curt: Wie viele Liter Fett gibt ein dicker Bauch her? Dr. LM: Zwei Liter sind schon echtes Holz. Wenn wir dem Körper zu viel an entferntem Volumen zumuten, dann hat man unter der Haut eine RiesenWundfläche. Der Körper kann zum Beispiel mit einer Kreislaufregulationsstörung oder einem Gerinnungsversagen reagieren. Deshalb gibt es eine Grenze, die man nicht überschreiten sollte. curt: Im Film „Fight Club“ klauen die beiden Protagonisten aus einer Klinik das abgesaugte Fett und machen daraus Seife, die sie dann den reichen Damen verkaufen. Was geschieht mit dem Fett? Dr. LM: Das Fett ist Biomüll, wird in sterile Behälter gefüllt und bei viel höheren Temperaturen als zum Beispiel Hausmüll verbrannt. Sämtliche Patientenmaterialien, egal ob ein Knoten aus einer Brust oder das abgesaugte Fett, werden als kontaminiert, egal ob bakteriell oder viral belastet, betrachtet. curt: Wie nachhaltig ist so eine Fettabsaugung? Dr. LM: Sehr nachhaltig. Ich entferne durch die Fettabsaugung Speichergewebe, also die Fettzellen, die die Möglichkeit bieten, Fett zu speichern. Die beiden Schichten sind sich nähergekommen. Dort tritt eine ausgeprägte, feste, straffe Bindegewebeverklebungs-Reaktion ein. Selbst wenn jemand so unvernünftig wäre und sich noch mal mehrere Kilos draufhaut, dann dockt sich das eher da an, wo noch Speichermöglichkeiten sind, nämlich am intakt gelassenen Fettgewebe. Das passiert aber eher selten, denn die Leute passen später auf sich auf. curt: Wem würden Sie denn von einer Fettabsaugung abraten? Dr. LM: Leuten, bei denen die Hautelastizität schon sehr nachgelassen hat. Und Leuten, die sehr übergewichtig sind. curt: Bei einem 300-Kilo-Mann geht das nicht? Dr. LM: Nein, da gehts nur über chirurgische Maßnahmen, z. B. über eine Magenverkleinerung oder eine Darm-Kurzschlusssituation.

curt: Kann denn Eigenfett verwendet werden, um sich die Lippen aufzuspritzen oder das Gesäß aufzupolstern? Dr. LM: Es kann, ist aber eine sehr alte Technik. Die neuen Materialien sind viel sicherer. Früher gab es die synthetisch hergestellten sogenannten „Filler“ noch nicht. Da muss man ganz offen und ehrlich aufklären. curt: Kommen viele Leute zu Ihnen, bei denen etwas schiefgegangen ist? Dr. LM: Ja. Wenn ich es mal überschlage, 10 bis 12 % unserer Fälle sind Korrekturen von auswärts erfolgten Voroperationen, die dann wieder hübsch gemacht werden sollen. Wer billig kauft, kauft zweimal, wie meine Oma sagte. Hinterher die Probleme zu begradigen, ist oft sehr schwierig. curt: Wie finde ich einen Spezialisten? Dr. LM: Über die DGPRÄC, deutsche Gesellschaft für plastische und rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. Das ist unser Fachverband und dort haben wir ein Mitgliederverzeichnis.

Dr. med. Ludger JM Meyer im Gespräch mit curt

Mehr Infos: Villa Bella – Praxisklinik für Plastische Chirurgie Brienner StraSSe 14 // villa-bella.org // dgpraec.de


22. curt liest

dicke schinken Selbst für Leseratten eine Herausforderung: Bücher mit über 1.000 Seiten. Frank Schätzings „Der Schwarm“, die Bibel, Klassiker wie „Anna Karenina“ oder „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett sind

„Mitleid ist nicht Liebe, überlegte Barbie … aber wenn man ein Kind war, musste Nackte zu kleiden ein Schritt in die richtige Richtung sein.“

„Dann warteten beide mit dem Rücken zur Wand, bis Ethel und Lloyd an ihnen vorübergegangen und die Treppe hinaufgestiegen waren.“

„Was auch geschieht, wo und wer sie auch sei.“

„Eigentlich konnte Jack es gar nicht erwarten, ihr zu erzählen, dass er ihn gefunden hatte.“

„Sie wollte Gott nicht langweilen, ihm seine Zeit nicht stehlen.“


vielen bekannt. Aber welche Wälzer gibt es darüber hinaus? Die Redaktionshighlights stellen wir hier vor. Erratet ihr, um welche Oschis es sich handelt? Als kleine Hilfe gibt es den letzten Satz aus jedem Roman.

„Schließlich, morgen ist auch ein Tag.“

„Ich liebte euch so sehr.“

„Zugleich aber erscheint ein schwacher Lichtschimmer von der anderen Seite.“

„Das aber ist eine andere Geschichte.“

„Und als er wieder zu sich kam, lag er flach auf dem Rücken am Strand, aus einem niedrig hängenden Himmel regnete es, und draußen war Ebbe.“


24. curt liest

IDEE & FOTO: ANDREEA HULA

Heyne // 26,95 Euro 1.278 Seiten

L端bbe Hardcover // 28,00 Euro 1.020 Seiten

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26. phat oldschool

t ofor rd s tch2 i i w sky, M gt, ndin auf a a r K f f u t r n hat, “ mi Nach unge eten iter Ein inig i e e b R r e zu fitiaue erv Graf mehr r Bl nstl e ü f l D K u e „ t a i C mi hner ann ch v tion e AB Münc ge d t no nzep d a e o n n r i K e e F b T h d I , e e Ge he en LOOM best n di sem tisc deut a e s e e e m i i i t b d n w u t o e auf nach renz essi ößen is h man e. G chen expr r-Gr ie b n n e d n e ü e h n z M i ü n e S d r a W rt der aber t Sp nnt: sofo S mi hten Dass gena Y n c U a s . e G m i e n e I e i t e fl Kl HBUB denk ZA. inge und MILC in, M ZA ie E n e d e N Marc r n O r ä e D u d g und en n egen igun NOZ wiss ie l rein M d e E v C r r ode tle ame Küns d Sh n u WON


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ERWIN.CALEB.RIC

PIANO.RIC

Tod ihres Leaders, , durch den viel zu frühen Eine Writer-Crew aber ist – 1987 von dem RIC – die REBELZ IN CHROME in Vergessenheit geraten: Kein anderer Münchobenen MITCH2 gegründet. heute fast schon mythenumw der 80er-Jahre den Münchner Letter-Style gte prä ter Wri ool Sch ner Old mit dem gleichen n anderer hatte die Eier, so nachhaltig wie er. Kei egal zu sprühen. Tag (Signet) legal und ill SCIT und PIANO. MITCH2) waren damals MAC, ben (ne r ede gli mit ngs ndu Grü und SAKO hinzu. Später kamen CRAZE, CALEB


SAKO.RIC

MITCH2.RIC

CHROMZ.RIC

PIANO.RIC

CRAZE.RIC

CRAZE.PIANO.RIC

ERWIN.CALEB.RIC


Stylewarz den sogenannten Kings (SprüherStyle-Battels wurden damals zwischen hen. achtstellung in der Szene auszumac Größen) ausgetragen, um ihre Vorm usgefordertste Writer der 80erKing Mitch2 war der am meisten hera sie wollten sich an MITCH2 messen. Jahre. Ob KATMANDO oder COWBOY 69, MITCH2 ein Dorn im Auge. Er verGerade COWBOY69 war der aufstrebende ) zu „dissen“ und crosste (übersprühte suchte ihn, wo immer es nur ging, E, anter ist die Tatsache, dass CRAZ sogar MITCH2-Bilder. Umso interess ME CHRO IN LZ Crew in MITCH2´s Crew REBE ein Schüler COWBOY69, von dessen wechselte.

Legal, illegal, scheißegal. Sprüher haben in der Regel immer zwei Tags: einen für Graffitis an legalen Plätzen wie z. B. in München die Flohmarkthallen an der Dachauerstraße oder der Kulturstation in Oberföhring, den anderen für illegal gesprühte Bilder an S-Bahn-Zügen oder Wänden. Nur einem war das egal: MITCH2. Diese Tatsache brachte ihm zwar eine Menge Ärger ein, aber auch den größten zu erreichenden Fame(maximale Bekanntheit in der Sprüherszene).

fte, alle sozialen Schichten RIC – eine Crew, viele Herkün Schichten innerhalb der Die Konstellation der sozialen ensatz zu den anderen REBELZ IN CHROME hätte, im Geg er sein können. Von EinMünchner Crews, nicht heterogen blemen, die Aufenthaltsgewanderern mit permanenten Pro en, über Sprösslinge aus nehmigung verlängert zu bekomm Vororten bis hin zu Akadespießig-bürgerlichen Münchner ten alle gemeinsam nur ein miker-Kindern – die REBELZ hat Crew! Ziel: maximalen Fame für die


MITCH2.RIC

MITCH2.RIC MITCH2.RIC

MITCH2.RIC

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phat oldschool .31

PIANO.RIC

PIANO.RIC

CRAZE ist mittlerweile zurück in seine griechische Heimat, arbeitet in der Tourismusbranche und ist bis heute immer noch in der Sprüherszene unterwegs, SAKO lebt heute in einem feinen Londoner Stadtteil und arbeitet in der Finanzwelt, ERWIN/CALEB hat sich als freier Kreativer in den Alpenraum zurückgezogen, MAC führt das elterliche Wirtshaus in der Münchner Innenstadt, PIANO lebt in München und arbeitet in der Kommunikationsbranche. Aber die Verbindung untereinander riss nie ab: CRAZE, SAKO, ERWIN/CALEB und PIANO treffen sich bis heute in regelmäßigen Abständen mit vielen anderen zum Old School Sprüher-Stammtisch. Zu SCIT und CHROMZ ist leider der Kontakt abgerissen. Aber einer ist immer anwesend – ganz tief in den Herzen der anderen: KING MITCH2 R.I.P.


MITCH2.RIC

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Sprüher-Model-Kartei Auf der Münchner Bahnpolizei (am Gleis 11 des Münchner Hauptbahnhofs), die in den 80er- und frühen 90er-Jahren noch für Graffiti-Delikte zuständig war, pflegte Hans Schluttenhofer mit seinem Assistenten Mante eine Kartei mit sämtlichen Porträts der Sprüher und deren Werke – keiner der REBELZ IN CHROME fehlt in dieser „Model-Kartei“.


MITCH2.RIC

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36. curt berichtet

Ob früher wirklich alles besser war, sei jetzt mal dahingestellt. Fest steht jedoch: Früher war alles fetter. Und wenn nicht alles, dann zumindest eines: unsere Herrscher. Doch damit scheint mittlerweile Schluss zu sein. Wladimir Putin verbrachte in den letzten Jahren seinen Urlaub am liebsten gemeinsam mit seiner gestählten Brust beim Holzhacken und Tiereerlegen, Nicolas Sarkozy lässt sich mittlerweile vornehmlich beim Joggen fotografieren, unser guter Guttenberg setzt sich zum Gespräch mit seinen Beratern gerne mal jugendlich-behende zwischen seine anzugtragenden Begleiter auf den Fußboden (und lässt dabei selbstredend ebenfalls ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen) und Guido Westerwelle steht schlank und rank auf Empfängen neben seinem Ehemann Michael Mronz, der sein Geld passenderweise als Sportmanager verdient. Die Riege der Menschen, die uns regieren, vermittelt heute Jugendlichkeit, Dynamik, Weltgewandtheit und Sportlichkeit – für uns mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Doch alle vier Jahre, wenn die Wahllokale gerade geschlossen haben, das eifrige Treiben in Parteizentralen und im Bundestag über die Fernsehschirme der Nation geflimmert ist und sich in den Gesichtern aller Kommentatoren und Nachrichtensprecher ein vorfreudiges Glühen abzeichnet, beglückt uns die Führungsriege der Republik mit einer Veranstaltung, die in uns die Erinnerung an alte Zeiten weckt: die Elefantenrunde. Wenngleich sich der Name dieser Runde eher auf die Macht als auf die Körperfülle der Teilnehmer, also der Spitzenkandidaten aller Parteien, bezieht – die Assoziation mit den alten Elefanten wie Helmut Kohl, Franz Josef Strauß und auch noch dem frühen Joschka Fischer sind unvermeidlich. Fischer jedoch, der scheinbar letzte große Landsäuger des deutschen Bundestages, entwickelte sich nach seiner Berufung zum Bundesaußenminister schnell zu einer Gazelle und ebnete den Weg für eine neue Generation von


38. curt berichtet

Politikern. So ist die Elefantenrunde heute gefüllt mit Tigern, Panthern, Rehen, Böcken und Angela Merkel. Doch für was steht dieser Wechsel im Phänotyp unserer Politiker? Stehen unsere Staatslenker stellvertretend für ihr Volk (was bedeuten würde, dass wir alle dünner werden – was jedoch bereits oft wissenschaftlich widerlegt wurde)? Sind sie eher ein Vorbild? Oder sind sie schlichtweg ein Zeichen für den Gürtel, den wir bereits vor einigen Jahren enger schnallen sollten, ein Muskelmasse und Haargel gewordenes Denkmal für die Tatsache, dass die fetten Jahre nun endgültig vorbei sind? Die Antwort ist wohl eine Mischung aus allen dreien. Die Bildhaftigkeit von Macht, Stärke und Energie hat sich gewandelt: War früher die Stabilität ausschlaggebend, sind es heute die Dynamik und Flexibilität. Politiker müssen heute auch, genau wie Firmenchefs, Angestellte und jeder andere, viel schneller auf Veränderungen eingehen können als früher – dementsprechend ist der Erfolgreichste nicht mehr der Stabilste, sondern der Wendigste. Und dass ein Regierungsvertreter, der sein Volk auffordert, den Gürtel enger zu schnallen, selbst keine Hosen in nicht messbarer Übergröße tragen sollte, liegt auf der Hand. Helmut Kohl, Sinnbild des elefantös-machtvollen Politikertypus, merkte einst an, er sei „eigentlich der Kohlkönig. Mehr Kohl kann man sich nicht vorstellen“. Diese klare, aber auch unbescheidene Sichtweise ist heute alles andere als en vogue. Die Zeiten der fetten Fraktionen sind offensichtlich ein für allemal vorbei. Und Änderung ist nicht in Sicht: Angela Merkel hat in Kabinettssitzungen mittlerweile nicht einmal mehr ihre fetten Aktenordner vor sich liegen, um ihre Informationen zur Hand zu haben, sie hat in diesem Bereich deutlich verschlankt. Was stattdessen vor ihr auf dem Tisch liegt? Ein leichtes, schlankes und flexibel verwendbares iPad.


40. curt berichtet

reality-tv

Jakob Schreier 端ber das Schlechte im Fernsehen; ILLUSTRATION: niko burger (www.Knuspermarke.de)


42. curt berichtet

fettleibige, schwangere

teenager .. konnen wir immer gut

gebrauchen ... ... soll eine Casting-Agentin f체r Reality-TV gesagt haben (ZEIT Feuilleton, 5. August 2010). Dem Zuschauer gef채llt das offenbar, obwohl jeder sagt, im Fernsehen laufe nur Schrott.


Weil Marc arbeitslos ist und 9.000 Euro Schulden hat, verkauft er im Internet ein heimlich gedrehtes Sexvideo von sich und seiner 19-jährigen Ehefrau Sandy. Weil Sebastian ein verrückter Typ ist, serviert er seiner Freundin nach einem harten Tag Flaschensammeln im Park Spaghetti mit Ketchup auf seinem nackten Bauch. Und weil die Tauschmutter gesagt hat, er sei asozial, bricht Christian in Tränen aus. Dramen eines deutschen Nachmittags. Selbstverständlich handelt es sich bei all den eben genannten Kandidaten um Hartz-IV-Empfänger, denn obwohl vom Autoschieber bis zum Zoopfleger mittlerweile jeder Berufsgruppe eine eigene Doku-Soap gewidmet wurde, begeistert sich die Quote für nichts mehr als für Menschen ohne Arbeit. Mit Reality-TV wie Frauentausch, We are Family, Mitten im Leben und einigen anderen haben es ProSieben, RTL und Co. geschafft, das Erfolgskonzept der Talkshows zu vollenden: Je asozialer, fertiger und heruntergekommener die gezeigten Leute, desto größer die Menge der Zuschauer, die selbst besser dasteht und sich ein bisschen erhaben fühlen kann. Der Sender spart sich vom Studio bis zum Schauspieler so gut wie alles bis auf ein Kamera-Team und – mittlerweile – auch wieder Drehbuchautoren. Da die Realität dem Hunger nach Reality nicht gerecht wird, schreibt man den gecasteten Hartz-IVlern ihre Elendsgeschichten auf den Leib und drückt ihnen fürs Schauspielern in der eigenen Wohnung ein paar Scheine in die Hand. Scripted Reality nennt sich das und hat einen genialen Vorteil: Das Schauspiel der Laiendarsteller macht alles noch mal schlechter. Der Regisseur weiß das und der Produzent weiß es auch, jeder im Team dieser Sendungen ist sich vollends über deren Qualität bewusst. Das gilt generell fürs Fernsehen. Dieter Bohlen weiß, wie kurzweilig der Höhenflug seiner Stars ist, Heidi Klum weiß, wie lächerlich das Herauszögern ihrer Verkündung ist, und Inka Bause von Bauer sucht Frau weiß, warum ihre Clips auf Youtube so erfolgreich sind. Wer weiß es eigentlich nicht, wenn es sogar der Zuschauer weiß? Fragt man auf der Straße, geben acht von zehn Leuten an, dass im Fernsehen nur Schrott läuft. Was nicht jeder weiß, ist vielleicht nur, dass es jeder weiß. Schlechtes Fernsehen gibt dem Zuschauer das Gefühl, als einziger zu durchschauen, dass nichts echt, alles billig gemacht ist und alle anderen Zuschauer Vollidioten sind. Höchstwahrscheinlich aber gibt es keinen einzigen dieser Vollidioten und alle Zuschauer sehen nur zu, um sich darüber lustig zu machen, nur weil es so blöd ist. Beim Betrachten von Arbeitslosen fühlt sich niemand erhaben. Wenn man sich aber klüger schätzen kann als Moderatoren, Superstars, Topmodels, sämtliche Fernsehmacher und die scheinbar große Mehrheit der Zuschauer, die darauf reinfällt, gibt das jedem etwas, egal auf welchem Niveau er sich wähnt. Man erhebt sich nicht nur über die Dargestellten, sondern über die Darstellenden und die Zuschauenden gleich mit, über das Fernsehen insgesamt und – schaut weiter. Da die Fernsehmacher schlau sind, werden sie uns immer noch schlechtere Kandidaten, noch schlechtere Moderatoren und noch schlechtere Bilder vorführen. Auf dass künftig, ob beim Stammtisch oder Intellektuellenzirkel, neun von zehn verkünden können, zu den Wenigen zu gehören, die erkannt haben, dass im Fernsehen nur noch Schrott läuft. Einer von zehn hat entweder keinen Fernseher oder schaut Musikantenstadl.


44. PHAtte AutoS

.. von menschenaffen und pferdestarken Wir werden von den Normalbürgern schief angesehen. Wir sind Ausgestoßene der Gesellschaft. Grüne Umweltzonen-Plaketten scheren uns einen Dreck. Und auch die Statistiker können uns mal, die da behaupten, dass das Auto nicht mehr Bestandteil der Jugendkultur ist. Angeblich wollen die Jugendlichen lieber ein iPhone als ein Auto. Fahrspaß? Neeeee. Es reicht nicht, dass ein Auto fährt. Es muss nebenbei auch noch das Surfen im Internet ermöglichen – wenn man schon in so eine Schüssel einsteigt. Dann lieber auf Facebook Dinge wie „Hey, ich hab ein stehendes L gekackt!“ posten. Wo ist der „Gefällt mir nicht“-Button, wenn man ihn braucht? Zwei Fragen an die Herren Professoren: 1. Downloaden sich die Kids auch die nächste Großstadt aufs Handy? 2. Wann habt ihr der Realität den letzten Besuch abgestattet? Die Experten sollten mal an den Wörtersee in Kärnten fahren, wenn dort GolfGTI-Treffen ist und die Jugend um lackiertes Blech tanzt. Vollverchromte Motoren. Ledersitze. 20 Zoll große Alufelgen mit so niedrigen Reifen, dass man meint, jemand hat schwarzes Isolierband um die Alus geklebt. Dazu Bass vom Feinsten aus dem Kofferraum und „Airride-Fahrwerke“. Die Autos springen zischend auf und ab, werden mit komprimierter Luft in Gummibälgen in die Höhe geschleudert und per Ventil wieder zu Boden geworfen. Das ist phatt! So wie der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, so wie der Skater, der DJ, der Aktionskünstler, der Star-Wars-Nerd oder der Volltätowierte schief angesehen wird, so wird auf den Autofan gezeigt, wenn er durch die Stadt cruist und sein Leben laut lebt. „Von Menschaffen und Pferdestärken“ titelte mal eine Kärtner Tageszeitung über das Treiben am See. Der Schreiberling hatte nichts begriffen. Wie soll man Mr. Engstirnigkeit begegnen? Ihn mit Argumenten totschlagen? Schließlich heimsen die Wirte rund um den See in dieser einen GTI-Woche rund 20 Prozent ihres Jahresumsatzes ein. Aber das würde nichts bringen. Er hat diese subkulturelle Erscheinung längst in der Schublade „Idioten auf Rädern“ abgelegt. Das Phatt-Potenzial erkennt er nicht. Er hat wahrscheinlich zu denen gehört, die schon in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts über Manta-Witze gelacht haben. Und bei der Meinung ist er geblieben. Soll er doch. Er wird nie den Gummigeruch durchdrehender Reifen genießen können, wird nie das erhebende Gefühl erleben, wenn der 200-PS-Motor, den man in zweijähriger Arbeit mit Turbo und allem Zipp und Zapp getunt hat, zum ersten Mal läuft. Kein Zweifel, das ist der pure Spaß, das ist Lebensinhalt – nach der Arbeit. Denn wir backen Brötchen, putzen Fenster, bohren in Zähnen, leiten Firmen. Wir sind Normalbürger, Mitglieder der Gesellschaft. Aber anders, denn wir sind phatt. Und wenn sie reden, die Spießbürger, dann drehen wir die Musik lauter und treten aufs Gas. Wir hören euch nicht. Wir hören euch nicht.


TEXT UND FOTO: Robert Stahlmenning


46. die curt beschwerde

fetter verzicht Oder: Die Beschwerde einer Schwangeren Mal ganz im Ernst: Ich verstehe die Mütter nicht, die ihre Schwangerschaft als das Tollste der Welt ansehen. Das ist es nicht. Ich bin im vierten Monat und jetzt schon fett, also dick, fett bin ich dann am Ende. Das Schönste ist wirklich der Moment, wenn man den Schwangerschaftstest in der Hand hält und sieht: Okay, wir haben es noch mal geschafft. Sind ja doch ein ganz potentes Pärchen. Danach geht’s los. Wie komme ich am besten vom Nikotin los, wo ich doch gerade wieder zu einer bewussten Raucherin geworden bin? Danach geht’s weiter. Wir wollen in den Biergarten, was auch sonst in München? Oh ja, schön, kein Bier im Biergarten. Stattdessen ein Liter Apfelschorle, da es sonntags nur Litergetränke gibt.

Mir ist schon klar, ich werde für die nächsten 16 Monate weg vom Fenster sein. Ich verzichte einfach mal ein bisschen. Tschüss, ich geh dann mal.

TEXT: KATJA ROLLMANN, FOTO: photo-archiv-schweitzer.de

Nach zwei Wochen, in denen man so ein bisschen zwischen Freude und Zweifel schwankt, fängt die Übelkeit an. Sie begleitet einen schön durch den ganzen Tag. Das Verrückte an der Übelkeit ist, sie geht weg, wenn man was isst. Womit sich natürlich von selbst erklärt, warum Frau so dick wird. Übelkeit und das Beschäftigen damit machen müde. Nach 21 Uhr geht bei mir nichts mehr. Da liege ich im Bett in der Hoffnung, meine Übelkeit wegzuschlafen. Die Freude darüber, legal fett werden zu dürfen, wird durch die ganzen Verbote gebremst. Wenn man eine fürsorgliche werdende Mama ist, dann verzichtet man. Das ist das absolute Schwangerschaftswort: Verzicht! Ich verzichte auf alles, was mir vorher Spaß gemacht hat. Salami ist Vergangenheit. Keine rohe Wurst, kein blutig-saftiges Steak. Auch keinen Rohmilchkäse, weiche Eier sind nicht erlaubt, Majo auch nicht, zu viel Zwiebeln und Knoblauch blähen, bloß keine rohen Meeresfrüchte, Büffelmozzarella ist tabu, kein Kaffee, kein Schwarztee, ich darf auch nicht mit den Fingern in der Erde buddeln, es könnte Katzenkot von den Fingern in meinen Mund gelangen.

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48. curt fragt

die fette (ab ) rechnung


In Ausgabe #62 gab es bereits eine kleine Einführung in die besondere Welt des Polit-Kabarettisten Michael Ehnert. Als gebürtiger Hamburger ist er ein Mann des Horizonts. Eben diesen beweist er stets eindrucksvoll in seinen Programmen, die sowohl politische als auch gesellschaftliche Botschaften, in wunderbaren Humor gekleidet, vermitteln. Es ist diese freundlich-lächelnde Art, mit der er auf der Bühne voller Enthusiasmus dem Zuschauer sein Gedankengut schenkt, sodass man eigentlich gar nicht anders kann, als es erst einmal anzunehmen. TEXT: Sebastian hofer; Foto: Ehnert curt: Wie siehst du dein Verhältnis zum Publikum? Ehnert: Ich hatte schon immer den Anspruch, Theater und Kunst in die Kabarett-Szene zu tragen, um sie um eine Komponente zu ergänzen, die so eigentlich nicht da ist. Mein Publikum ist daher natürlich eher kleiner. Klar spiele ich, wie oft in Hamburg, lieber vor 400 als 40. Aber ich glaube, dass meine Auftritte bei einem Massenpublikum an Besonderheit verlieren würden, weil die Intensität meiner Stücke einfach besser bei einem überschaubaren Publikum rüberkommt. curt: Auf deiner Homepage steht, dass „Das Tier in mir“ dein letztes Solo-Stück sein wird. Warum? Ehnert: Hauptsächlich liegt es wohl an meinem Lebensstil, den Solo-Programme und das damit verbundene Rumreisen mit sich bringen. „Das Tier in mir“ ist nun mein 3. Solo-Programm. Bei 150 Vorstellungen pro Jahr leidet da einfach das Privatleben darunter. Deshalb habe ich mich entschieden, mich breiter aufzustellen, wie z. B. mit dem Schiller-Projekt oder Dreharbeiten in Hamburg und dann auch bald mit einem Duo-Programm mit meiner Frau. Dazu kommt, dass ich das Feedback bekommen habe, dass die Intensität meiner Stücke in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sei. Ich könnte jetzt natürlich mit zwei bis drei ähnlichen Stücken so weitermachen, aber ich lass das mal. So habe ich das eigentlich schon immer gemacht und ich liebe die Vielfalt meiner Arbeit sehr, die durch diese Neuanfänge entsteht. curt: Bei einer Fernsehaufzeichnung fiel auf, dass du das Stück verändert hast. Wie viele Freiheiten nimmst du dir dafür? Ehnert: Tatsächlich verändern sich die Stücke permanent, wenn auch selten so, dass man radikal Szenen

rausschmeißt. Irgendwann jedoch werden die Veränderungen kleiner und das Stück ritualisierter. Bei der Aufzeichnung auf 3sat von Heldenwinter war es allerdings so, dass ich mein Stück auf 60 Minuten kürzen musste. Denn für Kabarett im deutschen Fernsehen ist leider nur sehr wenig Raum. curt: Was wäre, wenn du als der „Ritter auf verlorenem Posten“ einen Posten finden würdest? Was treibt dich an? Ehnert: Ich glaube, dass sich die Frage auch in „Das Tier in mir“ beantwortet. Der Meister, von dem ich dort erzähle, den es tatsächlich gegeben hat, wollte uns nicht ausbilden als Dienstleister fürs Fernsehen. Er wollte vielmehr, dass wir in das Leben als Künstler gehen, die für eine Sache eintreten. Deshalb komme ich natürlich immer wieder in die Situation, mich zu fragen: Was erreiche ich eigentlich mit meiner Arbeit? In dem Stück benenne ich das als kleines Feld, das einem japanischen Haiku entnommen ist. Natürlich sind die Ergebnisse gering, wenn man die Weltrettung vor Augen hat. Aber gleichzeitig gibt es Leute, die wahnsinnig beeindruckt und berührt sind und 20 Jahre, nachdem ich bei ihnen in der Schule gespielt habe, heute zu mir kommen und zeigen, dass sich in ihren Köpfen tatsächlich etwas verändert hat. Das meine ich mit dem kleinen Feld. curt: Wie gehst du mit negativem Feedback um bei einem scheinbar auch persönlich motivierten Thema wie der „Weltrettung“? Ehnert: Ich bin eigentlich was so Pressekritiken anbelangt sehr gut eingedeckt. Die Leute schätzen das, was ich mache, sowohl schauspielerisch, inhaltlich als auch dramaturgisch. Die einzige negative und auch gleichbleibende Kritik seit 20 Jahren ist, dass ich eine Tendenz habe, zu moralisch zu sein. Ich weiß aber, dass das der letztmögliche Tabubruch ist. Ich kann nackt auf der Bühne rumlaufen, mich mit Kunstblut und Kot beschmieren und mir Hakenkreuze irgendwohin malen. Was die Leute aber wirklich anpisst, ist, wenn du ihnen sagst „Das finde ich kacke und ich finde, ihr solltet das ändern!“


wAr 50. curt HÖrt

..

curt hort NEUES QUARTAL, FETTE TUNES – ODER EINFACH NUR EWIGE DAUERBRENNER. DAS LäUFT IN DER REDAKTION.

TWIN ShAdOW – FORGET BereitS erScHienen // LABeL: 4AD/BeGGArS GrouP „forget“ ist eines dieser Alben, das einen von Anfang an gefangen nimmt. Geprägt wird es vor allem durch seine simplen Drumlines und tiefen Bassriffs, welche mit einigen rhythmuswechseln versetzt sind. mit Anlehnungen an morissey oder die Smiths spart twin Shadow aus new York dabei nicht. Wie mister Lewis Jr. selbst tickt, lässt sich ansatzweise aus dem Video zu der ersten Single „Slow“ entnehmen, wo er etwas apathisch und introvertiert wirkt. euer eigenes Bild könnt ihr euch machen, wenn ihr zu seinem Konzert am 11. februar ins feierwerk kommt! teXt: mAX BruDi ZOLA jESUS – STRIdULUm II BereitS erScHienen // LABeL: SouterrAin trAnSmiSSionS für musik, die wirklich berührt, die den Hörer auf eine melancholische, jedoch auch klare Schau seiner selbst mitnimmt, um schließlich das eigene Gefühlsleben zu offenbaren, gab es scheinbar schon lange keinen Platz mehr am musikhimmel. nun steht ein neuer Stern am Himmel der zerrissenen Herzen: Zola Jesus. eindringlich und betörend bezwingt Sängerin nika roza Danilova auf ihrem Album „Stridulum ii“ das Herz des Hörers. Damit dieses Ausnahmewerk wirken kann, ist man gut beraten, in umgebung und Herz genug raum zu lassen für eine sehr ehrliche Begegnung mit den eigenen emotionen. teXt: GunnAr tHeuerKAuff ANNA CALvI – ANNA CALvI 12. JAnuAr 2011 // LABeL: Domino Die junge Londonerin machte sich bereits mit ihrem eigenwilligen cover für edith Piaf’s „Jezebel“ einen namen. Als Support für interpol, Grinderman und mit fans aus der musikwelt wie Brian eno oder nick cave tourt sie momentan durch die Großstädte europas und verdutzt das Publikum mit ihrer lieblichen, aber unglaublich kraftvollen Stimme trotz ihrer kleinen Statur. Das von rob ellis produzierte selbstbetitelte Debütalbum wird 2011 nicht nur fans von PJ Harvey und Get Well Soon umhauen, sondern auch außerhalb der indie-Szene seine Kreise ziehen! teXt: mAX BruDi


SAROOS – SEE mE NOT BereitS erScHienen // LABeL: ALien trAnSiStor Aus dem Duo florian Zimmer (iso68, Jersey) und christoph Brandner (Lali Puna, console) ist seit einiger Zeit ein trio mit max Punktezahl (u.a. the notwist, contriva) geworden. Anscheinend wurde während der Produktion des zweiten Albums „See me not“ lustig Sci-fi-Zeugs geguckt, was die experimentellen, grummeligen, kosmischen, dubbigen Surftunes erklärt. odd nosdam spielt bei der ganzen Sache auch eine rolle, er übernahm nicht nur die Produktion des Albums, sondern wirkte auch spontan als viertes Bandmitglied mit. Alles in allem ein schönes Album. Live sicherlich ein erlebnis, deshalb lasst euch die Saroos-Show am 12. Dezember in der roten Sonne nicht entgehen! teXt: meLAnie cAStiLLo

mASERATI – pYRAmId OF ThE SUN BereitS erScHienen // LABeL: GoLDen AntennA recorDS nach dem tragischen tod des Drummers Jerry fuchs (34) im november 2009, hatten die Aufnahmen des neuen Albums zwar bereits begonnen, aber die Zukunft der Postrocker aus Athens, Georgia war erstmal ungewiss. Die Band hat sich aber zu ehren Jerry fuchs‘ entschieden, das Album doch noch fertigzustellen. Das ergebnis: instrumentaler, treibender Postrock – wie immer schön homogen à la maserati. einfach zeitlos. teXt: meLAnie cAStiLLo curt präsentiert Maserati live am 09. März 2011 im Kafe Kult!


52. 5 frAGen An

tu fawning

INTERVIEW: ANNE MÜLLER; ALBUM-REZENSION: ERIK BRANDT-HÖGE; FOTO: CITy SLANG

Portland, Oregon spuckt ja in regelmäßigen Abständen tolle neue Bands aus und wirft sie – immer mit etwas Verspätung – auf den europäischen Markt. So auch das MultiinstrumentalistenQuartett Tu Fawning, deren Debütalbum „Hearts On Hold“ im Januar bei City Slang erscheint.

curt: Für alle, die Tu Fawning noch nicht kennen, könnt ihr eure Band und euren Sound in drei Worten zusammenfassen? TF: Antique. Gospel. Tribal. curt: Ihr spielt alle in verschiedenen anderen Bands bzw. seid mit Soloaktivitäten beschäftigt – Joe ist beispielsweise eine Hälfte von 31 Knots. Wie kam es zur Gründung von Tu Fawning? TF: Corrina und ich halfen uns gegenseitig bei den Aufnahmen unserer damaligen Projekte und entdeckten dabei das Potenzial für eine eigene gemeinsame Band. curt: Wenn man sich euer Album so anhört, könnte man fast meinen, man hört die Musik zu einem Film. Habt ihr bestimmte Bilder im Kopf, wenn ihr eure Songs schreibt? TF: Interessant, dass du das sagst. Corrina und ich lassen uns sehr von Bildern inspirieren, die sich vor unserem geistigen Auge abspielen. Unsere Songtexte entstehen vielmehr auf der Grundlage dieser Bilder, als aus der Tatsache, dass wir irgendetwas Bestimmtes sagen wollen. Es fühlt sich eher so an, als würden wir einer Geschichte hinterherjagen, die sich erst nach und nach vor unseren Augen entfaltet.

curt: Euer Sound ist sehr rhythmus-betont und die Percussion sehr im Vordergrund. Wie entwickelt ihr eure Songs? TF: Unsere Herangehensweise bei der Produktion war sehr auf die Percussion und die Rhythmen fokussiert. Die meisten Songs des Albums begannen mit einem Beat, den Corrina oder ich im Kopf hatten und um den herum wir anschließend die Melodie schrieben. Für viele der Songs, die während der Aufnahmen entstanden, war dieser ursprüngliche Rhythmus so wichtig, dass wir ihn in der endgültigen Fassung sehr deutlich hervorheben wollten. curt: Auf der Platte passiert musikalisch eine Menge. Wie schafft ihr es, das alles live umzusetzen? Spielt ihr alle jeweils drei Instrumente gleichzeitig? TF: Ja, wir alle spielen ganz schön viel verschiedenes Zeug. Anfangs war das ziemlich verrückt, weil Corrina und ich nur zu zweit waren. Jetzt, wo wir Liza und Toussaint dabeihaben, ist es einfacher. Die zwei haben uns sehr dabei geholfen, die Live-Show zu bereichern, indem sie noch eine Vielzahl anderer Instrumente mitbringen. Das ist wirklich toll. Aber trotz allem müssen wir immer noch in fast jedem Song die Instrumente wechseln!

TU FAWNING – HEARTS ON HOLD // VÖ: 07. JANUAR 2011 Easy-Listening-Musik kann keiner erwarten, wenn vier eigenwillige Musiker zusammen ein Album aufnehmen. Einige Songs entwickeln mit der Zeit hypnotische Kräfte, andere klingen aber auch schon mal anstrengend. Diese Band investiert viel und überrascht vom gekonnten Sampling bis hin zur Zwei-Töne-Trompeterei mit ständig neuen Ideen. Faszinierend. Aber eben auch keine leichte Kost.


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boshi san Boshi San macht Hoffnung für HipHop-Verdrossene: der Münchner Vocalist kombiniert Flow und Intellekt. Seine Platte „H.e.R.B“ erschien darum passenderweise auf „58 Beats“ im April 2010. Neben seinem Soloprojekt treibt sich Boshi San mit Raggasnoda Click und Team Makasi auf Bühnen herum. Außerdem studiert er Literaturwissenschaften, Philosophie und Psychologie an der LMU. Wie zu erwarten, hatte Boshi San auf fünf Fragen von curt fünf geistreiche Antworten parat. TEXT: FLORIAN KREIER; FOTO: Philip Wulk

curt: Du bist Student und Rapper. Machst du Studentenrap? Boshi San: Nein. Manche Leute denken in solchen Kategorien, aber ich versteh den Sinn davon nicht. Was soll Studentenrap denn sein? Rap von Studenten? Oder für Studenten? Oder Rap mit guten Texten? Wäre NAS dann Studentenrap? Die Bezeichnung ist für mich irreführend. curt: Fließt dein Studium in deine Texte ein? Boshi San: Im Literaturstudium bin ich mit verschiedenen Texten und Techniken in Berührung gekommen, das beeinflusst natürlich. Außerdem kann ich meine Seminare nach meinen Interessen legen und Wissen vertiefen in Bereichen, die mich interessieren, insofern also schon. curt: Hat man als Musiker Verantwortung? Boshi San: Auf jeden Fall. Wenn man erwartet gehört zu werden, dann hat man auch Verantwortung für die Inhalte, die man transportiert. Über das Thema mach ich mir vielleicht sogar zu viele Gedanken, aber man sollte immer reflektieren, wer man ist und was man tut. Roger Rekless denkt das Thema weiter und gibt Rap-Workshops für Jugendliche in Neuperlach, das ist natürlich noch besser. curt: Was ist HipHop für Boshi San? Boshi San: Hm, HipHop ist immer ein Spiegel. Am Beispiel Rap wird das sehr deutlich: Da verweisen Leute teils auf ihre Probleme, als Reaktion auf die Gesellschaft, in der sie leben. curt: Angenommen, du könntest auf einmal alles über die Welt erfahren, dürftest dafür aber nicht mehr weiterleben ...? Boshi San: Ich würds nicht wissen wollen (lacht). Das wär langweilig, ich finds lieber selbst raus.


MÜHLBAUER


56. curt erZÄHLt

nonfat Es muss in den 70ern gewesen sein. Ja, muss es wohl. Denn ich war jung, brauchte das Geld und arbeitete als gertenschlankes Kindermodel. Uli war auch jung, brauchte das Geld vermutlich nicht ganz so dringend und arbeitete als Modeschöpfer. Für die Jüngeren unter euch Lesern: Lange bevor Uli Hoeneß Wurstfabrikant war, war er mal Fußballer beim FC Bayern München. Und in dieser Funktion hatte der Uli eine dufte Idee: Eine eigene Modekollektion sollte es sein. Kennt man heute ja auch von Menschen wie Cindy Crawford, die für Deichmann Schuhe entwirft oder zumindest ihren Leberfleck dafür in die Kamera hält: Promis, die Produkte auf den Markt werfen und mit ihrem guten Namen gutes Geld verdienen. Kate Moss hat ein eigenes Pflaumenmus und Uschi Glas eine eigene Hautpflege, wobei möglicherweise in beiden Produkten das Gleiche drin ist. Und Uli Hoeneß, der alte Vorreiter? Der hatte eben damals in den 70ern schon eine eigene Modelinie. Dafür standen Uli und ich dann auf einem Golfplatz in Leonberg und wurden fotografiert – mehr als drei Dekaden später frage ich mich natürlich schon, warum wir stattdessen nicht auf einem Fußballplatz in München standen. Aber der Marketing-Vollprofi Hoeneß wusste damals sicher auch schon, was er tut. Uli Hoeneß trug ein T-Shirt mit dem Namenszug Uli Hoeneß als aparte Bruststickerei. Und jetzt kommt das Mystische: Ich, der gar nicht Uli Hoeneß heißt, trug ebenfalls ein T-Shirt mit dem Namen Uli Hoeneß. Ich, ein Kindermodel in Kindergröße mit diesem gewissen Look, der signalisierte, dass A) Uli und ich schon nach 20 Minuten Fotoshooting für gute Buddies waren und B) die Uli-HoeneßKollektion auch für den kleinen Uli-Hoeneß-Fan erhältlich war. Wobei ich gestehen muss, dass ich vor dem Fototermin kein kleiner Uli-Hoeneß-Fan war, danach aber sehr wohl ein großer. Der Mann war überhaupt nicht eingebildet, professionell und topnett. Nicht nur wegen der Kamera. Und nicht nur, weil er mir danach persönlich per Post drei Eintrittskarten für das Derby gegen die Löwen (die damals noch Fußball spielten) im Olympiastadion (in dem damals noch Fußball gespielt wurde) schickte. Die hart verdiente Modelgage legte ich seinerzeit auf die hohe Kante. Allerdings hab ich dann vergessen, wohin ich die hohe Kante legte. Wie bei vielen jungen Models war das Geld also futsch, verprasst, im Unverstand in Puma-Jupp-Heynckes-Kickschuhe investiert. Uli hatte damals keine eigene Hoeneß-Signature-Serie by adidas – sonst hätte ich das gekauft. Ob Uli auch eine Gage bekommen hat und wenn ja, was er damit angestellt hat, ist mir nicht bekannt. Mit Sicherheit hat er sich aber keine Puma-Jupp-Henyckes gekauft.


teXt unD foto: tHomAS GeiGer // er ist erklärter Stuttgarter, Stuttgarter-Kickers-fan und Stuttgart-21-Gegner und kann gerne auf seinem Blog „funkenflug“ besucht werden: geigertexte.blogspot.com

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M端hlbauer


curt fragt .59

fetter wein Der weltweit tonangebendste Weinkritiker Robert Parker ist total spitz auf sie: Seit den 90er-Jahren überschüttete er die von ihm so geschätzten Gelee-Rebsäfte aus Kalifornien mit positiven Bewertungen, was deren zukünftigen Marktwerk meist erheblich potenzierte. Schnell rochen profitgeile internationale Unternehmen Lunte, sprangen auf den Zug auf und begannen vielerorts Massen an besonders starken, sprich fetten Tropfen zu produzieren. Dem weinbrandt ist dieser grausige Trend gehörig zu Kopf gestiegen. TEXT: CHRISTOPH BRANDT Denn er bevorzugt eher den deutlich gefälligeren, trotzdem äußerst eleganten Stil, wie er etwa bei den französischen Bordeauxwinzern vorherrscht. Dagegen eine Wein-Wuchtbrumme zu genießen – das ist für ihn vergleichbar mit körperlicher Liebe zu einer ziemlich dicken Dame: Es ist möglich, es mag sogar Vergnügen bereiten, aber es erfordert zudem ein gewisses Maß an Masochismus. Mit „Fett“ wird die Konsistenz von Weinen bezeichnet, die in der Regel einen hohen Alkohol- sowie einen geringen Säuregehalt aufweisen. Sie kosten sich freilich voll und ölig im Geschmack, riechen aber oft verkocht und dropsig (Anm. der Red.: nach Bonbons). Im Extremfall kommen sie wie artifizielle Flüssig-Marmelade daher. Einflussfaktoren darauf sind vor allem zu

Der weinbrandt rät: Finger weg von fettem Wein! Und vergebenen Frauen. Da spricht er aus Erfahrung …

warme Gärtemperaturen, biochemisch aufgepimpte Hefen und überreifes Traubenmaterial. Im heißen Ausnahmejahrgang 2003 wurden beispielsweise in mehreren deutschen Anbaugebieten Rote mit knapp 17 Vol.-% hergestellt. Grundsätzlich nichts für den weinbrandt, ihm reicht es völlig, wenn er ab und an durch seinen maßlosen Durst fett ist, fett wie eine Feldhaubitze. Davon weiß er wahrlich ein Trinkliedchen zu singen. Beim Schwenken kann man kräftige Gewächse optisch gut an den langsam an der Weinglaswand herablaufenden Tropfen erkennen. Je dichter die Tränen zusammenfließen bzw. je kleiner die Abstände zwischen den sogenannten „Kirchenfenstern“ sind, desto alkoholischer, intensiver und viskoser ist der Inhalt. Ein deftiges Gericht verträgt sich sicherlich besser mit Weinen, die reich an Säure, Gerbstoff und Alkohol sind. Es kann jedoch auch mit leichten Sorten kombiniert werden. Hier kommt es auf den Kontrast an: Ein spritziger, spürbar fruchtiger Wein mit einem Hauch Süße lockert das Essen auf. Dann passt eine Pfälzer Weißburgunder Spätlese auf einmal wunderbar zur Ente. Diätfanatikern sei übrigens gesagt, dass ein Viertel schwerer Rotwein ca. 160 kcal besitzt und schon fast für sich allein eine Mahlzeit darstellt. Diejenigen, die mit Genuss Fett verbrennen möchten, sollten es deshalb halten wie der weinbrandt: Einfach den Grill anschmeißen!


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fat in japan TEXT UND FOTO: OLIVER ARMKNECHT


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Neun Monate waren es, neun Monate voller Selbstfindungstrips, Glücksgefühle und eigenartigen Essens. Nee, schwanger war ich nicht. Dafür aber vor Jahren als Austauschstudent in Japan. Und das war mindestens genauso prägend … „Wo bin ich? Und was mache ich hier eigentlich?“ Diese Fragen gehen mir durch den Kopf, als ich die erste Nacht in meiner neuen Wahlheimat Tokio verbringe. Schlafen? Keine Chance. Zum einen natürlich wegen Jetlag, denn in Deutschland ist es noch Nachmittag. Außerdem ist mir viel zu warm. Über 30 Grad, mitten im September. Uff. Und wie die Klimaanlage funktioniert, hab ich auch nicht verstanden. Bedauerlicherweise hielten es unsere Vermieter wohl für eine witzige Idee, in Wohnungen für ausländische Studenten ausschließlich japanische Betriebsanleitungen auszulegen. Vor allem aber bin ich noch damit beschäftigt, die Eindrücke des ersten Tages zu verarbeiten. Verwirrende Eindrücke. Das fängt schon mit der Fahrt vom Flughafen zu den Wohnungen an. Die mir entgegenfliegenden Hieroglyphen entziffern zu wollen, gebe ich schnell auf. Dafür ist mein Japanisch einfach noch zu schlecht. Mindestens genauso rätselhaft ist die Straßenführung, denn direkt über unserer verläuft eine zweite mehrspurige Schnellstraße. Also schaue ich mir das Einzige an, was mir bekannt vorkommt: Baseball. Das zeigen sie im Fernseher hier im Taxi. In der Wohnung angekommen, begehe ich gleich die erste Todsünde: Auf der verzweifelten Suche nach einem Lichtschalter versäume ich es, meine Schuhe auszuziehen – was sogleich von einem kollektiven Aufschrei meines japanischen Empfangskomitees quittiert wird. Abends ziehe ich noch mit einem Engländer und zwei Schweden um die Häuser, um etwas Essbares aufzutreiben. Oder etwas, das zumindest nach Essen aussieht. Am Ende wird es eine Suppe mit, hmm, irgendwas. Ehrlich gesagt, hab ich keine Ahnung, was da eigentlich in meiner Schüssel rumschwimmt. Aber es schmeckt. Also verzichte ich darauf, schlafende Hunde zu wecken. Auch wenn die angeblich in Japan nicht auf der Speisekarte stehen. Angeblich. Eines muss man den Leuten an der Uni aber lassen: Sie geben sich große Mühe, dass wir uns hier wie zu Hause fühlen, von der netten Willkommensfeier über diverse Stadtführungen bis zu Ausflügen in die Umgebung. Und immer mit dabei: unsere Volunteers. Meistens Studenten oder Rentner, versuchen sie uns das Einleben im fremden Land zu erleichtern. So nett sie auch sind, am Anfang habe ich große Schwierigkeiten, sie alle auseinanderzuhalten. Denn irgendwie sehen die meisten Japaner für mich gleich aus. Bis auf Q natürlich, eine der Volunteers. Eigentlich heißt sie ja Kyu, unterschreibt aber mit dem Buchstaben, weil der auf Englisch genau so ausgesprochen wird wie ihr Name. Und ganz ehrlich, irgendwie hat sie auch die Konturen von einem Q. Einem besonders großen Q, weshalb sie von manchen in unserer Gruppe auch liebevoll „der Brummer“ genannt wird. Meine Dozentin an der Uni hatte uns vorher gesagt, dass die Japaner zunehmend unsere Essgewohnheiten annähmen und sich das an ihrer Größe und dem Gewicht


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bemerkbar mache. Jetzt verstehe ich, was sie meint. Ob McDonalds, Döner-Laden oder italienisches Restaurant, westliches Essen gibt es in Tokio en masse. Höhepunkt sind die Crêpes, die sie hier verkaufen. Oder das, was sie Crêpes nennen. Bei mir zu Hause sind die ja sehr dünn und mit ein bis zwei Zutaten belegt. Hier nicht. Hier drücken sie einem Pfannkuchen in die Hand, die zu einer Art Wundertüte gerollt und mit allem gefüllt sind, was auch nur irgendwie süß ist: Obst, Sahne, Zucker, Schokolade. Ein Bissen und du musst eine Woche lang Sport machen. Aber treiben Japaner eigentlich Sport? Keine Ahnung. Zumindest weiß ich, dass unsere Volunteers ungern laufen. Wenn auch nur irgend möglich, nehmen sie öffentliche Verkehrsmittel. Als Timo und ich eines Tages entschließen, den Nachhauseweg von unserer Uni zu laufen, anstatt die Bahn zu nehmen, ist unserem Umfeld das Mitleid direkt ins Gesicht geschrieben. „Oh, ihr Armen. Ihr habt euer Monatsticket verloren!“ Kein Einzelfall, wie ich von Tomás erfahre. Der fragte einmal einen Polizisten nach dem Weg. Und als dieser bemerkte, dass nicht der Weg mit der U-Bahn, sondern der zu Fuß gemeint war, versuchte er alles, um Tomás wieder von seinem Plan abzubringen. So, als wäre der gerade im Begriff, sich vom Hochhaus zu stürzen. Wenn schon nicht im Alltag, so zelebrieren unsere Volunteers den Sport aber bei Wettkämpfen. Und von denen sehen wir mehr als genug. Den ersten eher zufällig, als unsere Gruppe einen Schrein und den anschließenden Park besucht. Kyûdô, das japanische Bogenschießen. Langsam, fast meditativ und von einer Eleganz, die ich bei unseren Sportarten so nicht kenne. Und auch Kendô, das sich aus den Schwertkämpfen der alten Samurai ableitet, fasziniert mich mit geschmeidigen Bewegungen und vornehmer Kleidung. Tja, und dann gibt es noch Sumô. Zwei Fleischberge, die sich gegenseitig aus dem Ring werfen müssen. Kein allzu ästhetischer Sport, dafür ideal für Leute mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne. Manche Kämpfe dauern tatsächlich nur Sekunden. Wer regelmäßig bei Tennis und Formel 1 einpennt oder wem selbst Fußball noch zu lange dauert, sollte es vielleicht einmal hiermit versuchen. Und wie man mir sagt, gelten die Kolosse bei den Frauen zudem als absolute Sex-Symbole. Weiß der Himmel, wieso. Ich finde es schon abartig genug, die Wörter Sumô und Sex im selben Satz zu verwenden. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran, dass die Geschmäcker und Gewohnheiten in Japan manchmal ein klein wenig anders als unsere sind. Es wird dann beispielsweise normal, überall Comicfiguren und Maskottchen vorzufinden, sei es auf Verbotsschildern, in Geschäften und Arztpraxen oder bei der Feuerwehr und Behörden. Und wer eine Bahnfahrt in Tokio zur Rushhour überlebt hat, den bringt sowieso nichts mehr aus der Ruhe. Selbst die berühmt-berüchtigten Naturkatastrophen verlieren irgendwann ihren Schrecken und werden genauso Alltag wie Karaoke, eigenartiges Essen, grelle Neonlichter und die notorischen Getränkeautomaten. So werden die regelmäßig wiederkehrenden Taifune der Einfachheit halber


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nicht mehr mit Namen versehen, sondern erhalten eine fortlaufende Nummer, die die bisherige Anzahl an Taifunen im Jahr angibt. Tja, und manche Erdbeben bemerke ich nach einer Weile schon gar nicht mehr. Vielleicht liegt das daran, dass ich früher in der Nähe des Wormser Bahnhofs gewohnt habe. Da gewöhnt man sich an Katastrophen. Und auch an Erschütterungen. Vielleicht verdanken wir unsere Abgebrühtheit aber auch dem „Life Safety Center“, das wir mit der Universität besuchen. Dort lernt man Verhaltensregeln für den Fall der Fälle und darf die dann auch gleich in Simulationen einmal ausprobieren. Die Flucht durch ein stockfinsteres Gebäude auf der Suche nach dem Notausgang ist noch harmlos. Unangenehmer ist da schon der Taifun-Simulator, bei dem eine Menge Wasser und Wind aus Düsen geschossen kommt. Und dann der Höhepunkt: das Erdbebenzimmer. Zu viert nimmt man dort in einer Küche Platz, die schon bald heftig erschüttert wird. „Wie beim Erdbeben von Kobe, bei dem mehr als 6.000 Menschen gestorben sind“, wie uns der Führer stolz erzählt. Na toll. In meinem Fall besteht die Schwierigkeit nicht nur darin, alle potenziellen Gefahrenquellen wie eingeklemmte Türen zu erkennen, sondern auch dem 1,90 Meter großen Hünen, der dummerweise in meiner Gruppe ist, klar zu machen, er möge sich doch bitte nach einem eigenen Tisch umsehen, unter dem er Zuflucht suchen kann. Aber wie gesagt, man gewöhnt sich dran. Der furchteinflößendste Moment meines Aufenthalts ist dann auch nicht, als binnen einer Stunde viermal mein Zimmer bebt oder als Nr. 23 meine tägliche Bahnstrecke unter Wasser setzt, sondern als bei einem meiner Spaziergänge auf einmal jemand neben mir Deutsch spricht. Irgendwann hat man sich so sehr an die Andersartigkeit gewöhnt, dass es einen mit Angst und Schrecken erfüllt, mit Bekanntem konfrontiert zu werden. Vermutlich ist es aber auch dieses direkte Nebeneinander von Bekanntem und Ungewohnten, von jahrtausend alten Moralvorstellungen, eindrucksvollen Naturgewalten und faszinierender Technikspielerei, die den besonderen Charme Japans ausmachen. Wo sonst findet man etwa Rolltreppen innerhalb von Schreinen? Oder Mädels in Comickostümen direkt neben in Kimono gehüllten Kindern? Für die Japaner sind Tradition und Moderne kein Widerspruch. Sie nutzen das ursprüngliche Japan als Ausgleich. Das ist wichtig angesichts der allgegenwärtigen Hektik im Land – sich die Ruhe im Sturm zu verschaffen. Mein Lieblingsplatz ist der Zojo-Tempel, in dem ich – umringt von Dutzenden Kinderstatuen – eine Ruhe finde, die es in Deutschland nicht zu geben scheint. Und so weiß ich, als ich nach insgesamt neun Monaten am Flughafen sitze und auf meinen Anschluss warte, dass ich wiederkommen muss. Und sei es nur, um noch einmal mit einem fetten Crêpes durch die futuristische Stadt zu laufen und anschließend im Tempel zu meditieren.


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70. curt gourmet

„Was „Wasvom vomHendl Hendlübrig übrigblieb“ blieb“ EinEin kulinarischer kulinarischer Streifzug Streifzug über über diedie Theresienhöhe Theresienhöhe imim Oktober Oktober

IDEE & UMSETZUNG: HOLGER WIESENFARTH

„Tomaten-Zwiebel-Reste an Ecke des Hauses“ Lobend zu erwähnen wäre hier der nicht zu knappe Soßenanteil. Für den Gourmet ist auch sehr leicht die abwesende Schwere des Ganges zu durchschauen. Es wäre vorzüglich mit reichhaltigeren Menübestandteilen zu ergänzen gewesen. Magnifique!

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platten, „Schwach angetrocknetes Käfighuhntartar an Beton stzeltbiere“ begleitet von einer erlesenen Auswahl traditioneller Fe kann aber immerhin daraufs Morgen reicht es zwar nicht, man Für das zweite Frühstück am nächsten ies. Schön im Gesamtarrangeein eher hastiges Essverhalten aufw schließen, dass der Pre-Konsument Dessert in Form eines lieblosen das ist end usch Mahlzeit. Als enttä ment ist auch die Zigarette nach der „Bâtonnet glacé“ zu betrachten.

„Oh la la!“

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„Krönungsmoment von deftigem Dessert an einer Hommage von hoffentlich Schokolade zum Ausklan g“

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osität der zusammenspierlich nicht verheimlichen. Die Virtu Die Grande Cuisine lässt sich hier wah ter seines Faches am Herd, erahnen. Hier war ein Chef, ein Meis lenden Aromen ist noch immer zu bespielen vermag. zu e Zung der he hen Geschmacksbereic der die Klaviatur der unterschiedlic

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curt gourmet .73

platte, Variation diversesten Gemüses auf großzügiger Blech begleitet von angetrocknetem, habhaftem Bouillon

rung das herbstlich inszeStunden verfestigte Bouillonanrüh Galertartig umschmeichelt die über hickt erhalten. Raffiniert gesc en bleib ügel Gefl von smomente nierte Endsommergemüse. Verdacht ltes im Weinzelt, zu ntha Aufe n der Umstand eines mögliche macht diese Kombination aber erst Rosé.s. vermuten ist hier der Genuss eines

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74. curt informiert

.. losch-zwerg schneebeben Wenn Berge zittern, weil Busse anrollen, die partywütige Snowboarder und Skifahrer ausspucken, welche Lifte und Pisten entern und nach Sonnenuntergang feiern, als gäbe es kein Morgen ... dann ist das Schneebeben! Und damit es noch besser, lustiger, wilder wird, kümmert sich auch diese Saison wieder das Partybier Lösch-Zwerg um die durstigen Biertrinker. TEXT: Reinhard Lamprecht Mit dem Schneebeben findet man die Antwort darauf, wo und auf welchem Berg man am besten die neue Ausrüstung testen kann. Und vor allem, wie man da am besten hinkommt. Denn an 14 Terminen geht es diese Saison in die besten Skigebiete

der Alpen: Silvretta Montafon Nova und Serfaus Fiss Ladis, Nauders, Galtür, Warth-Schröcken und Samnaun/Ischgl – keines dieser Ziele lässt auch nur einen Wunsch offen. Los gehts an über 40 Abfahrtsstellen in ganz Bayern und dem Großraum Ulm mit komfortablen Reisebussen, die euch relaxed ins Skigebiet fahren. Und das Ganze zu einem sensationellen Preis: einen Tag Pistenvergnügen pur inklusive Busfahrt, Liftticket und einer Après-Ski-Party gibts beim Lösch-Zwerg Schneebeben für nur 46 Euro. Alle Infos zu den Skigebieten, Abfahrtsstellen und zum Lösch-Zwerg Schneebeben findet ihr unter www.schneebeben.de


curtoon: BORIS PURMANN


76. curt HeLD

ottfried f ischer Diese Kolumne ist den wahren Stars dieser Welt gewidmet. Helden aus Musik und Sport, Gesellschaft und Politik. Wer hier erwähnt wird, gehört zu den ganz Großen des Geschäfts – zu unseren curt-Helden. teXt: timo ScHLitZ; iLLu: JoHn HoLL

Ottis Schlachthof im Bayerischen Fernsehen ist ein Urgestein der Unterhaltung. Man muss die Kabarett-Sendung nicht unbedingt mögen, aber sie hat die bayerische – und selbstverständlich auch die münchnerische Unterhaltungskultur ähnlich wie Gerhard Polt oder Helmut Dietls mit seinen genialen Serien Monaco Franze und Kir Royal geprägt. Seit 1995 ist der Schlachthof aus dem Münchner Schlachthofviertel auf Sendung, mehr als 100 Sendungen sind in den vergangenen 15 Jahren entstanden. Aufgetreten sind u. a. Helge Schneider, Harald Schmidt, Christoph Süß, Monika Gruber, Urban Priol oder Frank-Markus Barwasser. Im Vergleich zu dem deutschen ComedyWahnsinn, der sonst die Bildschirme terrorisiert, sind das absolute Hochkaräter. Doch in letzter Zeit geht es mit dem stämmigen Namensgeber aus dem niederbayerischen Ornatsöd bergab. Erst machte Ottfried Fischer für die nervige Möbelhauskette Hiendl einen nervigen Radio-Jingle, dann folgten Kommerzfernsehen (Der Bulle von Tölz, Pfarrer Braun) und schließlich Rotlicht-Affären und angebliche Bestechungsversuche der Presse. Bis vor das Münchner Amtsgericht ging es, da ein nun ehemaliger Bild-Journalist den Kabarettisten im Sommer 2009 beim Stelldichein mit einer Prostituierten gefilmt haben soll. Im Gegenzug gab es ein anbiederndes Interview. Medienarbeit kann anscheinend auch so aussehen. Nun weiß zwar keiner mehr, um welchen grandiosen Reporter oder Mitarbeiter es sich damals gehandelt haben soll, aber alle Welt, dass der dicke Otti bei einer Nutte war. Gut, dafür sollte man keinen Orden verliehen bekommen, aber das ist dennoch Privatsache. Auch bei einem prominenten Menschen. Erinnern wir uns also an den Kabarettisten Ottfried Fischer. Denn der kann als einer der wenigen grantelnden Münchner mit seiner unnachahmlichen roboterartigen Art zu reden durchaus witzig sein. Und ist ein Fan des TSV 1860 München. Der Rest ist seine Sache.

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die schwammigen typen dieser ausgabe: Stefan Neukam. Cheffe. steff@curt.de Melanie Castillo. Gestaltung & leitende Redaktion curt München. mel@curt.de Andreea Hula. Redaktion, Online, Schlussredaktion & alles drumrum. andreea@curt.de Reinhard Lamprecht. Chefredaktion curt Nürnberg. lampe@curt.de REDAKTION: Christoph Brandt christoph@curt.de, Martin Emmerling martin@curt.de, Timo Schlitz timo.schlitz@curt.de, Max Brudi max@curt.de, Florian Kreier, Thomas Karpati, Erik Brandt-Höge, Bob Pfaffenzeller, Angela Sandweger, Oliver Armknecht, Carolin Hagebölling, Jakob Schreier, Gunnar Theuerkauff, Robert Stahlmenning, Konni Faßbinder, Holger Wiesenfahrt, Heiko Zimmermann, Thomas Geiger, Katja Rollmann. FOTO/ILLUSTRATION/BASTELEI/ART: Tammo Vahlenkamp, John Holl, Holger Wiesenfahrth, Sebastian Hofer, Boris Purmann, Wampón, Mathias Vetterlein, Niko Burger, Jan Voss, Andi Stenzel, Jakob Schreier. LEKTORAT: Mirjam Karasek, Hannah Melder DRUCK: Druckerei Mühlbauer BORIS‘ DAUMENKINO IST DER HIT!

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