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CSS MAGAZIN DOSSIER

Warum ist der angeblich perfekte Männerkörper mit teils extrem trainierten Muskeln bepackt? Muskeln gelten als männliches Attribut schlechthin. Schon von Natur aus hat der Mann wegen des höheren Testosteronspiegels mehr Muskelmasse als Frauen. Diskutiert werden auch gesellschaftliche Gründe: Weil Männer sich durch die Emanzipation der Frauen bedroht fühlen, so die These, berufen sie sich auf ihren biologischen Vorteil. Dass wir mittlerweile meinen, Männlichkeit sei automatisch mit ausladenden Muskeln verbunden, hat aber, so denke ich, in erster Linie mit genormter Wahrnehmung zu tun.

DOSSIER FRAGE

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Ab wann wird es krankhaft?

Inwieweit heizen digitale Medien diesen Körperkult noch an? Die Bilderflut ist enorm. Wer entsprechende Blogs, Fitnessforen oder soziale Medien nutzt, wird pro Woche 2000 bis 5000 Mal mit solchen Körperbildern konfrontiert. Sich deren Wirkung zu entziehen, ist äusserst schwierig.

Obwohl bekannt ist, dass die Bilder meistens nachbearbeitet sind?

Interview: Vera Sohmer

Herr Müller, Fussballer wie Cristiano Ronaldo posieren oft oben ohne, um ihre muskulösen Körper zu zeigen. Zufall ist das nicht, oder?

«Männer stehen seit ungefähr 35 Jahren unter einem ähnlichen Schönheitsdruck wie Frauen.» Roland Müller

Ronaldo scheint dafür tatsächlich jede Gelegenheit zu nutzen. Wie er sich präsentiert, hat vermutlich viel mit seinem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und seiner Eitelkeit zu tun. Aber klar: Solche Bilder verbreiten sich weltweit rasend schnell und werden medial ausgeschlachtet.

Bilder, die nicht nur ein Fussball-Idol, sondern das heutige Körperideal für Männer zeigen? Neu ist das Ideal nicht. Männer stehen seit ungefähr 35 Jahren unter einem ähnlichen Schönheitsdruck wie Frauen. Dabei sind die männlichen Models in den Fitness- und Lifestyle-Magazinen von Jahr zu Jahr muskulöser geworden, was sogar Vermessungen der gezeigten Körper belegen. Ausgabe 4 | 2017

Sich das in jedem Moment bewusst zu machen, ist kaum möglich. Dennoch halte ich es für einen vielversprechenden Ansatz, Kinder und Jugendliche genau darin zu schulen. Keiner möchte sich gerne verschaukeln lassen. Mit manipulierten Bildern passiert aber genau dies. Videos, in denen die Fotos der Models vor, während und nach der Bearbeitung gezeigt werden, finde ich deshalb sehr hilfreich. Die Unterschiede sind verblüffend.

Schon Buben sind mit ihrem Körper unzufrieden. Wie kann das sein? Von Mädchen wissen wir, dass einige bereits mit zehn Jahren zum ersten Mal Diät halten, weil sie sich zu dick fühlen. Bei Buben fängt die Unzufriedenheit zum Teil ähnlich früh an. Durchtrainierte Sportidole oder muskelbepackte Comic-Helden sind aber meistens nicht der alleinige Grund. Die Bilder können dann auslösend wirken, wenn das Selbstwertgefühl bereits Brüche hat.

Was macht das Selbstwertgefühl brüchig? Es sind mehrere Faktoren bekannt: Wenn Eltern ihrem Sohn einreden, er sei zu schmächtig. Wenn ein Bub von Gleichaltrigen gehänselt, als «Lauch» bezeichnet wird. Oder wenn Kollegen bereits ihren

Marco Sieber

Breites Kreuz, stählerner Trizeps, Sixpack: So wollen viele junge Männer aussehen. Der Wunsch nach Muskeln kann aber zur Sucht werden. Wo die Grenze verläuft, weiss Psychotherapeut Roland Müller.

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Was leisten unsere Muskeln? - CSS Magazin 4/17  

Ohne Muskeln kommen wir – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht durchs Leben. Doch allzu viel ist ungesund: Gerade bei jungen Männern ist der...

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