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les cahiers

de l’autonomie

N°6 Juni 2007

Die Haut, die Wunden Haut, mehr > Die als ein Kapital

Übersicht Edito - Herr José Luxen, Direktor des Pflegenetzes Help

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Ergotherapie und Dekubitusprophylaxe, Ergotherapieteam von Help-Doheem Versuergt . . . 2 Hautnah, Frau Regine Arnold, Psychologin

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Gast des Monats, Initiativen des CHL im Bereich der Haut und der Wunden, Frau Erika Martin, Krankenschwester . . . . . . . . . . 6 Körperpflege? So viel mehr als nur Hygiene? Frau Simone Majerus, zukünftige Krankenpflegehelferin im Centre National de Convalescence Emile Mayrisch in Colpach . . . . . . . . . . 8 Einige Ratschläge, Frau Isabelle Rasquin, Ernährungsberaterin im CHEM . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Die Haut ist ein wichtiges Organ,... oft unterschätzt! Doktor Jean Lallemang, Arzt, Generalist, Esch/Alzette . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Die Haut, lebender Bestandteil unseres Körpers mit eigenem Gedächtnis... Doktor Kohl, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Esch/Alzette . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Interdisziplinarität. Und Ich? Was kann Ich tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Die Post der Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14


edito

Edito Die Erhaltung der Unversehrtheit der Haut- eine schwerwiegende Aufgabe für jeden. Das Jahr 2007 beginnen mit einem Thema das uns alle betrifft:

Die Haut und die Wunden Unsere Haut ist ein Kapital, welches wir versuchen ein Leben lang zu erhalten. Unsere Gesundheit spiegelt sich im Zustand unserer Haut wider. Diese ist so manchen Einflüssen ausgesetzt (Sonne, Feuchtigkeit, Trockenheit, Umweltverschmutzung,…) die wir oft nicht ernst genug nehmen. Die Haut hat zahlreiche Vorteile, denken wir zum Beispiel an das Fühlen, sie erlaubt es uns mit anderen Personen in Verbindung zu stehen. Im Laufe unseres Lebens schalten wir so manchen Spezialisten ein, um unsere Haut möglichst schön aussehen zu lassen, aber da das Gewebe sehr empfindlich ist, greifen die Gesundheitsexperten ein, um die Wundauftretung zu verhindern und manchmal auch, um Wunden zu heilen und unserer Haut ihre eigentliche Funktion zurückzugeben: die Schutzfunktion. Die abhängige Person bleibt kompetent und verantwortlich, sie versucht ihr eigenes Geltungsbedürfnis und Zugehörigkeitsgefühl zu befriedigen, auf dem das Gefühl der Identität beruht. Deshalb werden viele Experten ihre Meinung sagen, Ratschläge erteilen und so den Hauptbetroffenen informieren: den Patienten selbst. Allen Lesern, Redakteuren und Pflegern, eine gute Gesundheit. José Luxen, Direktor

Die Rolle eines Ergotherapeuten ist es, die Selbstständigkeit einer älteren Person im Alltag zu unterstützen. Diese Unterstützung erlaubt uns, im physischen, psychischen und sozialen Bereich die Selbstständigkeit zu erhalten, und somit die Abhängigkeit, die Bewegungseinschränkung und manchmal auch das Entstehen eines Dekubitus bei einer älteren Person zu vermeiden oder aber wenigstens hinauszuzögern.

Vorbeugung (Prophylaxe): Im präventiven Bereich arbeiten wir nach fünf Richtlinien. Bei der Dekubitusprophylaxe handelt es sich um folgende Punkte: 1. Das richtige Positionieren im Rollstuhl und/oder im Bett um die Entstehung von Druckstellen zu limitieren • Mobilisation: zum Bewegen stimulieren, öfters Stellung wechseln, Gesässentlastung • Stützmaterial verwenden: zum Beispiel Kissen, Matratze, Überzug, Gleitdecke, Haltegriff Beispiel: Bei der Positionierung im Rollstuhl muss man auf Folgendes achtgeben. Haltung, Gewichtsverteilung (-verlagerung), Gleichgewicht beim Aufstützen. Achtung: Eine Schwächung der Rückenmuskulatur kann die Sitzstellung des Patienten

Redaktionsvorstand: Die Mitarbeiter des Netzwerkes HELP

Die “Cahiers de l’autonomie“ erscheinen 4 Mal pro Jahr.

Verantwortlicher Herausgeber: José Luxen, Direktor Réseau Help

Die Veröffentlichung der Texte geschieht mit Verantwortung der verschiedenen Autoren.

Adresse der Redaktion: 54, rue Emile Mayrisch • L-4240 Esch-sur-Alzette • tél. 26 70 26 Ausführung: Paprika plus • Bascharage • tél. 26 501 775 Druckerei: Watgen • Luxembourg • tél. 43 84 86-1

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Auflage: 6.000 Exemplare.


Ergotherapeutin

Ergotherapie und Dekubitusprophylaxe Das Ergotherapieteam von Help-Doheem Versuergt massgeblich beeinflussen. Verschiedene orthopädische Beschwerden in den Beinen wie beispielsweise eine Bewegungseinschränkung des Oberschenkels hätten ähnliche negative Konsequenzen für das Becken. Praktische Ratschläge: Um die Fersen im Bett zu entlasten werden sie auf Kissen hochgelagert. Die Fersen sind wegen der kleinen Oberfläche und der dünnen Haut extrem gefährdet. Mit Hilfe von Kissen oder Schaumstoff werden sie freigestellt, um so die Druckperioden zu verringern.

Prinzipien bei der Wahl des Materials zur Dekubitusprophylaxe: 1. Wählen sie die richtigen, an das Dekubitusrisiko angepassten Stützen. 2. Befolgen sie genauestens die Gebrauchsanweisung der Stützen. 3. Benutzen sie die passenden Überzüge und respektieren sie die Hygienevorschriften. 4. Vermeiden sie zusätzliche Polsterschichten zwischen den Stützen und der Person. 2. Verlegungstechniken: • Muskulaturverstärkung • korrekte Nutzung der technischen Hilfsmittel: Transferbrett • Reduzieren der Anzahl der Reibungen und der Druckstellen Beispiel: Heben sie nicht systematisch das Kopfende des Bettes! Je höher das Kopfende ist, desto grösser ist die Gefahr einer Hautrötung im Steissbereich. 3. Hygiene und Waschen: Um exzessive Feuchtigkeit der Haut zu vermeiden nimmt der Ergotherapeut auch an der Erhaltung der Kontinenz teil, in dem er beispielsweise aktiv den Gang zum WC oder WC-Stuhl unterstützt, den Umgang mit Windeln lehrt, Urinsonden überprüfen und Säckchen leeren lehrt.

4. Ernährung: Selbstständig essen, ob mit oder ohne technische Hilfsmittel, ermöglicht eine gute Ernährungshygiene (Essen und Essensvorbereitung). Es ist bekannt, dass besseres, gesundes Essen die Dekubitusprophylaxe unterstützt. 5. Aufwertung der Person: Durch erhöhtes Selbstwertgefühl fällt es der Person leichter seine Interessen zu finden und aufzuwerten (Energiequelle und Stimulation). Dies ermöglicht es der Person, sich wieder seiner Möglichkeiten bewusst zu werden, wieder zu sich selbst zu finden, mit seinem Körper im Einklang zu sein, obwohl sie Manches wegen ihrer Beschwerden nicht mehr kann.

Wenn die Wunde da ist: • Jeglichen Druck auf die Wunde vermeiden: Stelle entlasten • Die Mobilisationsmaßnahmen aufarbeiten und die Person stimulieren (regelmäßige Umlagerung, schriftliche Dokumentation,...) • Ernährung überwachen • Alternatingmatratze verwenden • Auf angepasste technische Hilfsmittel zurückgreifen. Eine wichtige Rolle spielt auch die permanente Weiterbildung des Pflegepersonals, sowie die präzise Beratung des Patienten und seiner Familie, ganz speziell im Bereich der Mobilisation: Beispiel: Korrektes Benutzen des Betthaltegriffes, der Haltestangen, der Strickleiter,... um immer wieder Lagerungen zu vermeiden die zu Druckstellen führen. Schlussfolgerung: Die Strategie einer effizienten Dekubitusprophylaxe liegt im Zusammenspiel des Pflegepersonals mit der Familie und muss individuell an die Fähigkeiten und Lebensgewohnheiten eines jeden Patienten angepasst werden. Das Ergotherapieteam von Help-Doheem Versuergt

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Psychologin

Hautnah >

Ich fühle mich gut oder schlecht in meiner Haut, etwas hautnah erleben, ich könnte aus der Haut fahren,...

1. Die Haut: eine schützende Hülle Die Haut ist die Hülle die mich umgibt. Sie schützt und umgibt meine Organe. Sie bildet die Grenze zwischen dem was innerhalb meines Körpers ist und dem was sich außerhalb davon befindet, also nicht mehr mein Körper ist. Sie schützt mich vor Angriffen von Außen.

2. Die Haut: der ureigene Charakter eines jeden. Sie gibt mir meine Identität. Sie unterscheidet mich von ande-

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3. Die Haut: das Spiegelbild meiner Gefühle Sie ist sinnlich; sie bereitet mir Freude (Streicheln, Massieren) und ich habe durch sie die Möglichkeit anderen etwas Gutes zu tun. Ich kann versuchen die andern zu „täuschen“ indem ich sie schminke, indem ich etwas an ihrem Aussehen ändere (Schönheitschirurgie)

ren und von der Umwelt. Sie gibt mir meinen ureigenen Charakter (Fingerabdruck...) Sie reflektiert meine Lebensgeschichte (Narben, Falten...) und spiegelt meinen körperlichen sowie mentalen Zustand wieder. Sie erlaubt es mir in meinem Körper zu leben. Ich kann sie tätscheln, einseifen, pflegen, sie vor äußeren Einwirkungen schützen (Sonne), anziehen, schminken, schmücken, durchlöchern um mir beispielsweise Ohrringe anzuziehen,... Sie erlaubt mir gegebenenfalls meine Angehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe auszudrücken (Tätowierung, Piercing, ...) oder meine kulturelle Angehörigkeit zu zeigen (Hautfarbe).

Trotzdem, ganz gleich was ich tue, sie zeigt meine Gefühle indem sie die Farbe wechselt (rot, bleich) oder die Struktur ändert (Gänsehaut). Ich fühle mich gut oder schlecht in meiner Haut, etwas hautnah erleben, ich könnte aus der Haut fahren,...

4. Die Haut: ein Kommunikationsmittel Mit ihrer Hilfe kann ich Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Bedenke: das Neugeborene nimmt die ersten Kontakte mir der Außenwelt durch die Haut auf, dann erst entwickelt es die Sprache. Außerdem erfährt es die Liebe seiner Mutter durch Streicheleinheiten und durch Massagen. (Schon im Mutterleib mit Hilfe der Haptonomie: Ent-


Bericht von Régine Arnold Psychologin und Diplomorthophonistin, Koordinatorin der psychogeriatrischen Tagesstätte in Steinfort wicklung des taktischen Kontaktes - diese Methode ermöglicht es, unter anderem, von Anfang an eine affektive Verbindung mit dem Heranwachsenden aufzubauen.) Die Haut ermöglicht aber auf jeden Fall immer die Verbindung: Wir können durch Berührungen mir dem Anderen kommunizieren indem wir ihn streicheln, sogar dann wenn die Sprache, die Wörter nicht mehr vorhanden sind. Traut euch Andere zu berühren und von ihnen berührt zu werden.

Schlussfolgerung: Die Haut, diese außerordentliche Hülle, schützt uns und ermöglicht es uns, uns von den Anderen zu unterscheiden. Sie erlaubt dir DU zu sein und deine Angehörigkeit zu einer Gruppe zu zeigen. Durch sie können wir sowohl Behagen erfahren und auch geben. Sie

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verbindet uns mit den Anderen, wir können mit ihnen kommunizieren, sogar dann wenn miteinander reden nicht mehr möglich ist. Es einfach zulassen, dass die Leute die uns lieben uns berühren dürfen. Fingerspitzengefühl ist eine Gabe, die wir alle haben und pflegen sollten.

Es einfach zulassen, dass die Leute die uns lieben uns berühren dürfen.

Tag der offenen Tür... Demnächst... in ihrer psychogeriatrischen Tagesstätte in Steinfort Das Veranstaltungsdatum wird ihnen noch mitgeteilt via Help. Sie sind alle herzlich eingeladen.

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Gast des Monats

Frau Erika Martin Frau Erika Martin, Krankenschwester, Beraterin der Schüler im LTPS, Referentin im CHL – Leader der Gruppe Wunden/Dekubitus – Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe zur Dekubitusprophylaxe der 3 Institutionen Clinique Ste. Thérèse (ZITHA) – Centre Hospitalier de Luxembourg und dem Hôpital Intercommunal in Steinfort. Frau Martin, könnten Sie uns sagen, welches die Initiativen sind, die der ‘Centre Hospitalier de Luxembourg’ in punkto Haut und Wunden, unternommen hat? In der Tat gibt es mehrere Initiativen in dieser Domäne, die wir in zwei grosse Achsen fassen können. An erster Stelle steht die Dekubitusprophylaxe. Eine interinstitutionelle Arbeitsgruppe, zusammengesetzt aus Vertretern der Clinique Sainte Thérèse (ZITHA), des Hôpital Intercommunal aus Steinfort (HIS) und des Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) hat im Jahre 2003 ihre Arbeit begonnen. An zweiter Stelle, auf interner Ebene im CHL, haben wir zur Zeit eine Arbeitsgruppe, die sich mit Dekubitusprophylaxe und dem Behandeln von Wunden befasst. Diese Arbeit wird von Ärzten validiert. In der Tat hat bereits ab den neunziger Jahren eine Gruppe von Pflegern Einsatz bewiesen und eine Fibel der guten Praktiken im Krankenhaus eingeführt, unterstützt von der nötigen Fortbildung. Welches sind Ihre “Schlussfolgerungen/ Aktionen” in punkto Prävention? Am Ende des Jahres 2006 hat die Gruppe ihre Arbeit vorgestellt und einen ersten Fortbildungskursus organisiert, der sich an die Pfleger der drei Krankenhäuser richtete. Hauptpunkt war hier die Bekanntmachung der Fibel der guten Praktiken. Diese einzigartige Fibel, konzis und jedem Pfleger zugänglich, ist erhältlich in französischer und in deutscher Sprache. Ausserdem besteht ein gemeinsamer Leitfaden zur Nortonskala, welcher die Risiken eines Dekubitus berechnet. Ein gesam-

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tes Kapitel dieses Leitfadens befasst sich mit der Notwendigkeit, den Patienten und die Familie mit in diese Pflege einzubeziehen. Wie verhält es sich auf der Ebene der Patienten? Der Patient und seine Familie werden nicht vergessen und die Broschüre “Nein, der Kampf gegen das Wundliegen ist keine hoffnungslose Angelegenheit!” ist für sie bestimmt (Heft das vom CHL und der ZITHA nach Unterlagen vom Centre Hospitalier François Rabelais aus Brüssel hergestellt wurde.) In der Tat muss man wissen, dass die Dauer des Krankenhausaufenthaltes immer kürzer wird und die Patienten immer schneller nach Hause gehen. Wenn der Patient sich nicht bewusst ist, dass dieses Risiko des Wundliegens besteht, ris-


kiert er eher dem Wundliegen ausgesetzt zu sein. Es ist ebenfalls aus diesem Grund, dass wir während dem Krankenhausaufenhalt Ratschläge geben und versuchen ein Maximum an Information zu vermitteln. Die selbe Grundidee der ‘Erziehung’ durch Ratschläge und Information finden wir auf dem Überweisungsformular wieder, welches die Patienten mit nach Hause nehmen.

kerin, einer Stomatotherapeutin, einer Ernährungsberaterin, Krankenschwestern und Hygienikerkrankenschwestern, mit diversen Spezialisierungen, sowie plastischen Chirurgen, die an einer Fibel zur Behandlung der Wunden arbeiteten. Auch die Ergotherapeuten und die Heilgymnastiker wurden miteinbezogen. Diese Fibel wurde Anfang des Jahres 2007 vorgestellt.

Reden Sie ebenfalls über die Pflege der Wunden? In der Tat, gibt es eine interne Arbeitsgruppe des CHL, der zusammengesetzt ist aus einer Apothe-

Die zehn Gebote des Anti-Wundliegens 1

Auf das Vorbeugen sollst Du beharren und in der Mobilisation wirst Du Dir einen Verbündeten schaffen

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Auf eine bequeme Matratze wirst Du mich betten und die Umlagerung wirst Du planen.

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Alle drei Stunden wirst Du mich wenden und mich trocken halten.

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Nie wirst Du meine Ellenbogen, meine Fersen und mein Gesäss vergessen und meine Haut untersuchen.

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Auf der Bettpfanne wirst Du mich nie lange alleine lassen und mich stets mit Wasser und Seife erfrischen.

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Pommaden wirst Du meiden und Verbände werden Dir zum guten Freund werden.

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Mit Beharrlichkeit wirst du mich behandeln und nie sollst Du mich schnell abfertigen.

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Sanft wirst Du mich mobilisieren und du wirst Wert darauf legen, mir eine ausgewogene Nahrung zukommen lassen.

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Du wirst darauf achten, mich mit Flüssigkeit zu versorgen und mich freundlich motivieren.

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Divergierende Ansichten wirst Du nicht hören und nur auf die Pflegegruppe vertrauen. les cahiers de l’autonomie

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Krankenpflegerhelferin

Frau Simone Majerus Zukünftige Krankenpflegerhelferin Centre National de Convalescence Emile Mayrisch in Colpach

Körperpflege? So viel mehr als nur Hygiene! Frau Majerus, gibt es ein Ritual bei der Körperpflege? Diese Bezeichnung kann man sicherlich gebrauchen, denn Körperpflege, egal wie umfassend, ist eine tägliche Handlung, die wir mit viel Sorgfalt durchführen. Die Wahl der dafür verwendeten Produkte, Händewaschen, Waschlappen benutzen, Fenster schließen (damit es schön warm im Raum bleibt und um sich von Anderen abzuschirmen), die Temperatur im Raum etwas höher stellen… sowie der gesamte Ablauf dieser Pflege selbst. Auch ist der erste Kontakt mit der Person ausschlaggebend und es gilt die Wahl der Person zu respektieren. So kann es vorkommen, dass eine Person den vorgeschlagenen Moment ablehnt und fragt, diesen, aus welchen Gründen auch immer, auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.

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Wenn Rede ist von Körperpflege, geht es dann nur um Hygiene? Nein, auch wenn es stimmt, dass Hygiene eines der Hauptaspekte der Körperpflege ist, sollten andere Elemente dabei nicht zu kurz kommen. Es handelt sich auch um einen Moment, der eine intensivere Kommunikation ermöglicht, die die Autonomie fördert und es erlaubt Vorbeugungsmaßnahmen zu ergreifen. Was verstehen Sie unter einem Moment der eine intensivere Kommunikation ermöglicht? In diesem «intimeren» Moment, ist das Verhältnis oft intensiver. Die Person, der geholfen wird– ob sie nun im Bett liegt, am Waschbecken oder unter der Dusche steht – hat Tendenz leichter über das zu sprechen, was am Vortag oder während der Nacht vorgefallen ist. Es

kommt auch häufig vor, dass sie über ihre Schmerzen, Sorgen,… redet. Wir sind uns bewusst, dass wir hier in den intimen Bereich einer Person eingreifen und es somit auch ein Moment des Respekts gegenüber dieser Person sein muss. Wir stellen fest, dass es wenig Personen gibt, die diesen Moment nicht mögen. Sie haben von Förderung der Autonomie gesprochen. Worum geht es da?


Ernährungsberaterin

Frau Isabelle Rasquin Ernährungsberaterin im Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM)

Frau Rasquin, spielt die Ernährung eine Rolle in Bezug auf Haut/Wunden ? Es handelt sich darum, dass die Person sich umfassend an dieser Handlung beteiligt. Wir führen diese nicht anstelle der Person durch und wir suchen zusammen mit der Person nach der jeweils besten Lösung, je nachdem wie müde sie ist, ob sie Schmerzen hat, Lust hat…

Die Ernährung spielt eine kapitale Rolle, denn die Zellen des menschlichen Körpers, die Hautzellen inbegriffen, funktionieren nur dann richtig, wenn die Nahrungszufuhr in Quantität und Qualität ausreichend ist. Natürlich hat jedes Individuum seinen persönlichen Nahrungsbedarf. In der Tat kann also eine ungenügende Nahrungszufuhr andere Funktionen schwächen.

Wie wichtig ist die Untersuchung der Haut?

In Bezug auf dieses Thema, was wären die wichtigsten Ratschläge ?

Sehr wichtig, denn eine gesunde Haut vermeidet andere Probleme und besonders auch Schmerzen.

1. Eine genügende und abwechslungsreiche Lebensmittelzufuhr einhalten, alles reich an Proteinen (Eiweiss) und Vitaminen und man sollte auch an die nötige Flüssigkeitszufuhr denken (Minimum1,5 Liter Wasser pro Tag). In der Praxis heisst das, Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Soja... Dies, ohne die Kohlenhydrate zu vergessen, Hauptquelle der Energie und Antwort auf Entzündungen.

Sobald wir Rötungen feststellen, reiben wir die Haut mit Salbe ein und beruhigen die Person, die uns dazu befragt. Diese Information wird natürlich in dem Tagesbericht und den Pflegeunterlagen eingetragen. Je nach Umfang der Rötungen kann das Team auch weitere Schritte beschließen (Änderung der Position, Benutzung von besonderen Matratzen,...). Als Schlussfolgerung, können Sie die Körperpflege in drei Worten zusammenfassen?

Respekt, Intimität und Kommunikation

2. Entsteht eine rapide und exzessive Gewichtabnahme, so ist es wichtig, dies nicht zu ignorieren. Eine Ernährungsbilanz könnte nötig sein, um Mangelerscheinungen zu erkennen und zu beheben. Die mangelhafte Ernährung ist ein wichtiger Risikofaktor in Bezug auf Wunden und/oder Wundliegen. 3. Wenn Wunden auftreten benötigte der Organismus entsprechend Unterstützung. Man sollte auf eine erhöhte Zufuhr an Kalorien und Proteinen achten. In manchen Fällen muss eine ergänzende hyperkalorische Nahrung, die reich an Zink, Arginin und Antioxidanten ist, verschrieben werden.

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les cahiers de l’autonomie Doktor

Doktor Jean Lallemang Arzt, Generalist Esch/Alzette

Dr Lallemang könnten Sie uns drei wichtige Hautfunktionen nennen ? Sie schützt uns vor feindlichen Umweltfaktoren: Mikroben, die sich auf der Haut befinden, schützen uns vor dem Eindringen von Bakterien, die dem Organismus eventuell gefährlich werden könnten. Weiterhin kann die Haut auf schlimme Erkrankungen innerhalb des Körpers hinweisen und sie kann uns dabei helfen, die Krankheit zu diagnostizieren. Ausserdem spielt sie auch eine wichtige Rolle im Austausch von Substanzen (Mineralsalze) und Wärme zwischen unserer Umgebung und unserem Organismus.

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Können Familie und Pfleger Hautkrankheiten vorbeugen ? Es ist wichtig, dass Familie und Pfleger die Haut regelmäßig am ganzen Körper überprüfen, dies ohne Scham, um ohne Verzögerung bei jeder Veränderung, die sich an der Oberfläche unseres Körpers zeigt, handeln zu können. Es ist sehr wichtig, das schwer zu behandelnde Wundliegen zu vermeiden, indem man die bettlägerige Personen regelmäßig wendet und ihre Position wechselt.

ten sehr lästig sein kann. Außerdem kann sich eine solche unbehandelte Mykose über den gesamten Körper ausbreiten und sie kann zum Eingangstor für Bakterien werden. Das Auftreten bzw. Ausbreiten einer solchen Mykose weist auf eine Immunschwäche hin, und dies muss Anlass für uns sein nach der Ursache hierfür zu suchen.

Die Haut ist ein sehr wichtiges Organ... welches oft unterschätzt wird! 2. Bläschen die gruppiert und lokal an einem Segment des Körpers auftreten und von schlimmen, brennenden Schmerzen begleitet sind, deuten auf eine Gürtelrose hin. Die Schmerzen halten an, selbst wenn die Bläschen bereits verschwunden sind, und stellen oft eine therapeutische Herausforderung dar. 3. Lokale Röte, meistens im Bereich des Beines, begleitet von hohem Fieber, sowie einer allgemeinen Angeschlagenheit des Patienten, kann auf Rotlauf hindeuten, eine Krankheit,

Welches sind die Veränderungen, Alarmsignale der Haut, die Anlass geben, die Person von einem Arzt genauer untersuchen zu lassen ? 1. Eine intensive Rötung in den Falten des Körpers (in den Beugen, unter den Brüsten, in den Achselhöhlen...) sollten die Aufmerksamkeit der Familie und Pfleger auf sich ziehen. Es handelt sich hierbei meist um eine Mykose (durch Pilze hervorgerufene Erkrankung), eher harmlos und leicht zu behandeln, die jedoch für den Patien-

Foto eines Rotlaufs am Bein 10

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Doktor

die nicht zu unterschätzen ist, und die durch eine bakterielle Belastung der Haut und des Gewebes unter der Haut kommt: diese Krankheit muss mit Antibiotikum behandelt werden. 4. Eine lokalisierte Rötung an den Druckstellen des Körpers lässt auf eine Verletzung schliessen, die zum Wundliegen führen könnte und folglich nach einer rapiden Intervention verlangt, um diese progressive und lästige Pathologie dem Patienten als auch dem Pfleger ersparen zu können. 5. Allergien können sich unter verschiedenen Formen zeigen (Röte, Knötchen, Flecken) und treten häufig nach der Einnahme zahlreicher Medikamente ein, denen wir unsere Patienten aussetzen. 6. Die Färbung (bläulich, Zyanose...) der Gliedmassen gibt uns Auskunft über den Zustand von Herz und Gefässen des Kranken und verlangt nach einer Herz- und/oder Lungenuntersuchung. 7. Schlussendlich gibt uns die Haut wichtige Auskünfte über den Feuchtigkeitshaushalt eines Patienten, dessen Gesamtzustand, ohne ersichtlichen Grund abgenommen hat. Schlussfolgernd... Die zwei Sinne, Sicht und Tastsinn erlauben uns in wenigen Sekunden, durch einfachste Mittel, wichtige Informationen über den Gesundheitszustand unseres Patienten zu erhalten und uns das Stellen einer Diagnose zu erleichtern, indem wir diese ersten Informationen zu den Resultaten der ergänzenden Untersuchungen und den klinischen Untersuchungen des Kranken hinzufügen. Es ist von wesentlicher Wichtigkeit von Familie und Pflegern erhaltene Daten an den behandelnden Arzt weiterzugeben!

Doktor Kohl Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Die Haut, lebender Bestandteil unseres Körpers mit eigenem Gedächtnis… Herr Dr. Kohl, können Sie uns mehr über dieses Organ, die Haut, erzählen? Die Haut besteht aus drei Schichten: Die äussere heisst Epidermis, die mittlere Dermis und die unterste Hypodermis oder Fettschicht. Statt jedoch über die sehr komplexe Beschaffenheit zu reden, ist es angebracht die zahlreichen Funktionen hervorzuheben. Ausser der Schutzfunktion und dem Austausch mit der Aussenwelt, bildet die Haut die Begrenzung unseres Körpers – wie sähen wir aus ohne Haut? – und ein sehr komplexes Schutzorgan, lebendig und autonom. Neue Studien haben erwiesen, dass die Haut ein Organ ist, das nicht unbedingt die Unterstützung eines anderen Organs benötigt, um zu leben. Die Haut hat eine Oberfläche von ± 2 m2, je nach Grösse und Korpulenz. Sind wir ähnlich, haben wir alle den gleichen Hauttyp? Nein, auch hier bestimmen die Gene, denn wir werden mit einem bestimmten Hauttyp geboren. Es gibt verschiedene Hauttypen: trockene Haut, Mischhaut, fettige Haut oder auch noch eine helle oder dunkle Haut, um nur diese zu erwähnen. Der Hauttyp hat nur wenig Einfluss auf das Altern der Haut..

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les cahiers de l’autonomie Doktor daraus ergibt sich, dass man sich viel leichter blaue Flecken (Hämatome) einhandelt. Hinzu kommt, dass die Haut dazu neigt, mit zunehmendem Alter auszutrockenen; daher sollten die Feuchtigkeitszufuhr mittels Salben erhöht und die verschiedenen Ratschläge zur Behandlung trockener Haut berücksichtigt werden. Die Sonne ist wichtig für unsere Entwicklung... Aber nur in Maßen...

Personen mit trockener und empfindlicher Haut sind anfälliger für Allergien. In Europa haben 10% - 20% der Kinder eine empfindliche Haut und entwickeln Ekzeme. Der natürliche Schutzfilm der Haut, welcher sich u.a. aus Fettbestandteilen zusammensetzt, ist gestört und kann somit die Haut nicht mehr optimal schützen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten das Austrocknen der Haut möglichst zu unterbinden, wie z. B.: • Feuchtigkeitssalben auftragen • Zu häufiges Waschen meiden • Benutzung von parfümierter Flüssigseife meiden (Duftstoffe neigen dazu die Haut zu reizen. Zudem stellen diese die zweithäufigste Ursache von Kontaktallergien dar, nach dem Nickel [Metall in Uhren, Armbändern,...]). Menschen mit heller Haut (blonde/rote Haare; Neigung zur Rötung der Haut in der Sonne vor der eigentlichen Bräunung) sind sonnenempfindlicher, da die Pigmentierung (=Anteil an Melanin) erniedrigt ist. Die UV-Strahlen werden durch die Melanozyten (=Zellen, welche das Melanin herstellen) weniger aufgenommen und deswegen weitergeleitet – dadurch erhöht sich langfristig das Risiko von Hautschäden, welche zu Hautkrebs führen können. Deshalb sind geeignete Schutzmassnahmen notwendig: • Angepasste Kleidung und / oder Aufenthalt im Schatten (Sonnenschirm usw...) • Sonnenschutzsalbe mit angepasstem UV – Filter • Aufenthalte im Freien meiden, wenn die Sonne am stärksten ist (zwischen 11.00 und 15.00 Uhr) Könnten Sie uns einige Einflüsse des Alters auf die Haut angeben? Mit dem Alter werden die Hautschichten dünner und die Blutadern zerbrechlicher; 12

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Welche vorbeugenden Massnahmen zur Erhaltung dieses Kapitals würden Sie empfehlen? In allererster Linie und dies unabhängig vom Hauttyp sollte man eine kurzfristige intensive Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand) meiden und langfristig die gesamte Sonneneinstrahlung über Jahre bzw. Jahrzehnte mässigen. Jede Rötung der Haut, welche durch Sonneneinstrahlung verursacht wird (und vor allem jeder Sonnenbrand) stellt ein kleines Alarmsignal der Haut dar: Ein Sonnenbrand hinterlässt Spuren, da die Haut diese Aggressionen speichert, sogar jene, welche man in der Kindheit erlangt hat… Zudem sollten wir eine bestimmte Gesamtmenge an Sonne nicht überschreiten; diese „Überdosis“ führt langfristig zu Schäden, welche zu Hautkrebs führen können. Wir könnten auch von anderen Einflüssen sprechen wie die Kälte oder die trockene Luft (geheizte Häuser im Winter), welche die Haut austrocknen; der Tabak , der vor allem Kleinkinder mit empfindlicher Haut angreift; die Umweltverschmutzung, die eine Rolle spielen könnte (wird zur Zeit untersucht…) Zusammengestellt von Sylviane Jeanty

Ein kleines „Nein“ zu falschen Vorstellungen... Ein Muttermal hat keine Wurzeln; es sitzt oberflächlich in der Haut. Der Eingriff zur Entfernung eines Muttermals erfolgt bis zu einer Tiefe von 1,0 cm: Dies ermöglicht das Eindringen bis in die Fettschicht, um somit eine bessere und optisch ansprechendere Heilung zu erlangen. Die Art der Wundheilung ist nur teilweise vom Arzt abhängig; sie ist vor allem auf die genetische Fähigkeit der Haut zur Narbenbildung zurückzuführen.


Interdisziplinarität

Und Ich? Was kann Ich tun? Ich vernachlässige meine Haut nicht... Das Weitergeben dieser Beobachtungen von Familie und Pflegern an den behandelnden Arzt ist wesentlich! Die Toilette: Respekt, Intimität und Kommunikation.

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Fingerspitzengefühl ist eine Gabe, die wir alle haben und pflegen sollten.

Die Sonne ist wichtig für unsere Entwicklung... Aber in Maßen Eine genügende und abwechslungsreiche Lebensmittelzufuhr einhalten, reich an Eiweiss und Vitaminen und an die nötige Flüssigkeitszufuhr denken (Minimum 1,5 Liter Wasser pro Tag ! !).

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Cahiers de l'autonomie n06 - Die Haut, die Wunden