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Mozart-Ort

»Wir brauchen die Musik« – Klassische Musik in Zeiten der Krise Im Jahr 1976 war Baubeginn, fünfzehn Jahre später war sie fertiggestellt: die Megaron-­Konzerthalle, auch Heimat auch des Staatsorchesters Athen

von Theodora Mavropoulos »Davon kann man kein Orchester mehr bezahlen«, sagt Posaunist Kostas Avgerinos. Der Mitvierziger spielt seit über 20 Jahren im Staatsorchester Athen. Wie viele andere befindet sich auch dieses Ensemble am Rande der Existenz. Vor fünf Jahren hatte das Orchester noch gut eine Million Euro an staatlicher Unterstützung pro Jahr zur Verfügung, mittlerweile beträgt das jährliche Budget nur noch 6500 Euro. »Mein Gehalt wurde bis heute um fast die Hälfte gekürzt«, berichtet Avgerinos. »Außerdem herrscht ständig die Unsicherheit, dass das Orchester gänzlich geschlossen wird und wir Musiker unseren Arbeitsplatz verlieren«, so der Familienvater. Griechenland befindet sich im siebten Jahr der Rezession. Die Sparmaßnamen im Lande haben auch die Musikszene hart getroffen: Staatliche Budgets für Musikhäuser, Orchester und Konservatorien wurden seit 2010 um über die Hälfte (52%) gekürzt. Im Juni 2013 löste Ministerpräsident Antonis Samaras die staatliche Rundfunkanstalt ERT auf und damit auch ihr Orchester. Dennoch gibt die Musikszene Griechenlands nicht auf: Und so spielt auch Kostas Avgerinos im Orchester »Recht auf Musik« mit, das seit Oktober 2013 quer durch Griechenland zieht, um an Musikgymnasien zu spielen. »Wir wollen den Schülerinnen und Schülern Mut machen, an ihrer Leidenschaft festzuhalten und uns mit ihnen austauschen«, sagt der Posaunist. Doch für eine Zukunft als Musiker sieht es in Grie-

chenland momentan schlecht aus. Auch der Tenor Christos Kechris sieht wenig Chancen, in seiner Heimat beruflich Fuß zu fassen: »Es gibt generell viel zu wenige Konzerthäuser und Orchester – das wird in Zeiten wie diesen natürlich nicht besser«, bedauert der 31-jährige. Seinen Abschluss am staatlichen Konservatorium Athen machte Kechris vor fünf Jahren. Seitdem bekommt er immer wieder Engagements, doch mittlerweile meistens im Ausland. In Griechenland werde man so schlecht bezahlt, davon könne man kaum leben, sagt er. Doch es gibt auch Projekte, die Hoffnung wecken. So etwa die »Oper im Koffer«, bei der auch Kechris mitsingt. Sie wurde vor gut zwei Jahren von Myron Michailidis, dem Intendanten der National­ oper Athens, ins Leben gerufen.

Themen sind im heutigen Griechenland total aktuell. Und das Komödiantische ist eine gute Möglichkeit, um zwar die Probleme aufzuzeigen, trotzdem aber auch unseren Optimismus vermitteln zu können.« Oper bedeute ein bisschen Glanz im oft schwierigen Alltag und das sei besonders in Krisenzeiten wichtig, ist sich Intendant Michailidis sicher. Im Jahr 2011 übernahm er die Nationaloper mit Schulden von ca. 17 Millionen Euro und schraubte diese bis heute auf knapp fünf Millionen Euro herunter. Zwar wurde ihm in dieser Periode die Finanzierung des Hauses um nahezu die Hälfte gekürzt. Trotzdem schaffte es Michailidis, die Produktionen fast zu verdoppeln.

Die »Oper im Koffer« kann dem schwierigen Alltag ein wenig Glanz verleihen

Zum Beispiel indem er dafür sorgte, dass Requisiten und Kostüme umgestaltet und mehrfach verwendet werden – ganz nach seinem Motto: Produktionen müssen nicht teuer, sondern gut sein. Damit überzeugt er auch private Finanziers: Ein Sponsor hat sich gefunden, der die »Oper im Koffer« finanziert. Nach den Stationen in Athen tourt die Truppe durch ganz Griechenland. »Wir brauchen die Musik, weil sie nicht einfach zur bloßen Unterhaltung dient. Die Musik in Krisenzeiten ermöglicht eine kurze Auszeit vom meist schwierigen Alltag,« sagt Michailidis. So können die Menschen wieder auftanken.  ❙

Umsonst und an öffentlichen Plätzen, etwa in Bibliotheken oder in kleinen Stadttheatern, werden bekannte Opern in leicht gekürzter Fassung aufgeführt. Zur Zeit wird Mozarts Don Giovanni gegeben. »In Mozarts Kompositionen und insbesondere in seinen Opern findet ein großartiges Zusammenspiel von dramatischen Elementen und Humor statt«, so Kechris. Mozart kommentiere durch die Oper Themen wie Betrug, Verbrechen und Tod – aber eben auf eine komödiantische Art und Weise. »Diese

Mit einem guten Konzept lässt sich sogar ein Sponsor finden

12Die Seiten der Deutschen Mozart-Gesellschaft

Alle Fotos © Raphael Kominis

Athen

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"Mozart!" Sonderseiten der Deutschen Mozartgesellschaft in crescendo 02/14  

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