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juni bis august 2011 www.crescendo.de

FRANZ LISZT:

Der Mensch hinter dem Komponisten NEUE CDs&DVDs:

Die wichtigsten Alben für den Sommer NACHWUCHS:

Wer sind die Nachfolger von Netrebko & Co.?

z.B. Anna Prohaska? B47837 Jahrgang 14 / 04_2011

Mit Beihefter Class Aktuell

musikfestuttgart

27. August – 18. September 2011 u.a. mit Tan Dun, Thomas Quasthoff, Julian Rachlin, Annette Dasch,Vladimir Ashkenazy, Sabine Meyer, Heinrich Schiff, Olga Scheps


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p r o l o g

viel frischer wind Liebe Leser, viel frischer Frühlingswind weht durch diese Ausgabe. Vielleicht ist es Ihnen schon auf dem Titel aufgefallen: crescendo hat ein neues Logo bekommen, von dem wir finden, dass es einfach gut zu uns passt: Modern, aber gleichzeitig klassisch. Das Magazin hat nun eine klarere Struktur, die mein neuer Geschäftsführungskollege Hans-Jürgen Kuntze mitentwickelt hat: Im ersten Teil unter dem Titel „Künstler“ geht es um die Persönlichkeiten, die wir von den Bühnen dieser Welt kennen – inklusive der Menschen, die den Klassikbetrieb am Laufen halten. Schwerpunkt in dieser Ausgabe sind „die Neuen“, die vielversprechenden jungen Stimmen und Solisten mit großem Potenzial. Vor allem Anna Prohaska, die Ihnen von der Titelseite entgegenstrahlt, sollten Sie im Blick behalten. Der zweite Teil „Hören & Sehen“ widmet sich wie gewohnt den Neuerscheinungen an CDs, DVDs und Büchern. Auch hier läuten wir eine neue Ära ein: Von der bisweilen nörgelnden Haltung der „Musikkritik“, hin zu echten Tipps und Empfehlungen. Aus den über 400 Neuerscheinungen, die sich jeden Monat in unseren Redaktionsräumen stapeln, picken wir nur noch die heraus, die wir Ihnen wirklich empfehlen wollen: Da es geschmackliche Unterschiede gibt, versuchen wir zu erklären, warum wir diese CD ausgewählt haben und wen diese Einspielung begeistern dürfte. Darüber hinaus bietet der Empfehlungsteil nun deutlich mehr Vielfalt. Neben der klassischen Musik finden Sie hier nun auch Jazz, Tanz und Bücher. Danach folgen unter dem Titel „Gesellschaft“ die breiteren Themen aus der Welt der Klassik. Für diese Ausgabe waren wir in Leverkusen und besuchten Michael Schade, den Kommunikationschef der Bayer AG. Im vierten Teil „Lebensart“ – also „Lebensstil mit Haltung“ – finden die anderen schönen Seiten des Lebens ihren Platz: Diesmal machen wir uns auf einen kulturellen Streifzug durch Rom.

Winfried Hanuschik

Herausgeber

Ihre Abo-CD In der Premium-Ausgabe dieser Zeitschrift finden Sie an dieser Stelle die crescendo Abo-CD – eine exklusive Leistung unseres crescendo Premium-Abonnements. Darauf hören Sie die Musik zu den Artikeln, die im Heft mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Eine Inspiration für Ihre Ohren! Mittlerweile ist bereits die 31. CD in dieser Premium-Edition erschienen. Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann testen Sie crescendo Premium! Die erste Ausgabe schicken wir Ihnen kostenlos. Dazu die crescendo Abo-CD und zusätzlich ein klingendes CD-Porträt des Klassiklabels Solo Musica. Ganz ohne Kaufverpflichtung. Bestellen Sie per Telefon: +49-(0)89-85853 548, auf www.crescendo.de/abo oder mit der Postkarte auf Seite 19.

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Den Abschluss bildet das Kapitel „Erleben“. Hier finden Sie viele Tipps und Inspirationen zu sehenswerten Aufführungen, Konzerten und Ausstellungen, die Sie erleben sollten. Sie lesen gerade die crescendoStandardausgabe, sozusagen die „LightVersion“ von crescendo Premium. crescendo Premium ist DAS Premiummagazin für klassische Musik und Lebensart mit unseren schönsten Geschichten, das Sie gerne abonnieren können (siehe Seite 19) und ab sofort auch im ausgewählten Zeitschriftenhandel erhalten. In der aktuellen Premium-Ausgabe erzählt Edda Moser, die berühmte deutsche Sopranistin von den gemeinsamen Abenden mit ihren Freunden Helmut Kohl und Plácido Domingo. crescendoAutor Christoph Schlüren schreibt sehr persönlich über seine langjährige Zusammenarbeit mit Sergiu Celibidache. Mischa Maisky verfasste eine innige Hommage an seine Freundin Martha Argerich. Wir waren für Sie in privaten Wohnzimmern unterwegs, um Hausmusik-Konzerten zu lauschen und gehen der Frage nach, warum sich die heute 20- bis 50-Jährigen selten im Konzertsaal oder in der Oper blicken lassen. Und noch ein Schmankerl: Die direkte Gegenüberstellung der wohl berühmtesten Festspiele der Welt: Salzburg und Bayreuth. Aufgeschrieben von zwei Insidern: Barbara AngererWinterstetter, Wagner-Fan seit ihrem 13. Lebensjahr und Dr. Derek Weber, unter anderem Kulturkorrespondent der „Salzburger Nachrichten“. Das ganze hochwertig gedruckt auf edlem Papier. Ein inhaltlicher, optischer und haptischer Genuß. Jetzt bin ich gespannt auf Ihre Meinung! Darum schenke ich Ihnen die erste Premium-Ausgabe zum Testen – inklusive crescendo Abo-CD und klingendem Label-Porträt (S. 19). Einen schönen Musiksommer wünscht Ihnen

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P r o g r a m m

ODE 1190-2D · 76119511902

2CDs

6 Ein Anruf bei Zuhal Sultan Warum die Schülerin 2009 aus einer Laune heraus das irakische Jugendorchester gründete.

Christoph Eschenbach leitet das National Symphony Orchestra anlässlich des 50. Jubiläums von John F. Kennedys Amtseinführung in Washington.

Tzimon Barto

ist der Solist von George Gershwins brillantem Klavierkonzert in F. Der Live-Mitschnitt enthält auch Werke von Leonard Bernstein und Peter Lieberson. Ebenfalls erhältlich: Werke von Schumann

STandards

03.... prolog Alles neu, macht der Mai. Vor allem die Optik. 06.... ouvertüre Ein Anruf bei der Gründerin des irakischen Jugendorchesters, Elisabeth Kulmans Playlist. 08.... Das virtuelle LiveErlebnis des Sommers. 32.... Kolumne Pascal Morché über die Kleidung des Publikums 37.... Impressum 40....Rätsel des Alltags 50.... bei Anruf hope Der Geiger über den Tod von Bernard Greenhouse. Exklusiv nur in crescendo Premium:

Blickfang Kostüme oder schon Mode ? Star-Couturier Lacroix schneiderte die „Capuletti“-Kleider. Ouvertüre Ein Vergleich der Tenöre Plácido Domingo, Juan Diego Flórez, Jonas Kaufmann und Enrico Caruso.

ODE 1162-2

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EXKLUSIV-VERTRIEB FÜR DEUTSCHLAND: Naxos Deutschland GmbH www.naxos.de Newsletter: info@naxos.de

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14 rising stars – die Jungen kommen Anna Prohaska singt (und tanzt) sich in den Klassik-Olymp.

Künstler

10..... Bestseller Eine Analyse der Biografien zum 200. Geburtstag des Komponisten Franz Liszt. 12..... Porträt Die Sängerin Olga Peretyatko weiss, was sie will – die große Karriere. 14..... Titel: Die Neuen Wer sind die kommenden Stars, und warum? Exklusiv nur in crescendo Premium:

eine Cola mit ... Edda Moser, die sich sehr offen zu Freunden und ehemaligen Weggefährten äußert. J ubiläum Mischa Maisky gratuliert in crescendo Martha Argerich zum 70. Geburtstag. Personalien Alois Mühlbacher – das Wunderkind? Carlos Kleiber – der beste Dirigent aller Zeiten?

21 erwin schrott Wie ist das neue Album „Rojotango“ des uruguayischen Bassbaritons?

hören & Sehen

21 .... DIE WICHTIGSTEN EMPFEHLUNGEN DER REDAKTION 22.... ATTILAS Auswahl Attila Csampai über Mozart, Beethoven, Liszt und Gál. 31..... N eue Musik aus Frankreich Die französische Komponistin Edith Canat de Chizy ist hierzulande noch unbekannt – das dürfte sich ändern. Exklusiv nur in crescendo Premium

DEr Dirigent Unser langjähriger Autor Christoph Schlüren lernte bei Star-Dirigent Sergiu Celibidache – und erklärt dessen Persönlichkeit.  abel-Porträt L Solo Musica Chef Hubert Haas glaubt weiter an die Klassik. PremiumLeser erhalten eine Geschenk-CD mit Werken aus seinem Haus.

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Juni bis August 2011


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Klassik in Zahlen

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nuBox 34 klassik in zahlen Statistik: Im Vergleich zu Musicals ist der Durchschnittspreis für klassische Konzerte geradezu günstig.

38 Rom als Klassikstadt Ein Geiger des Orchestra dell Accademia Nazionale di Santa Cecilia weiht Sie in die Geheimnisse seiner Stadt ein.

46 Partitouren Alles auf eine Karte setzt ­man in Niedersachsen: Mit einem Ticket bucht man Konzerte und Sehenswürdigkeiten.

Gesellschaft

Lebensart

erleben

34.... Klassik IN Zahlen 36.... Tradition verpflichtet Wie die Bayer AG ihre Kulturförderung versteht.

Fotos: privat; Bob Coat; Jason Bell; Jun Dangoy/Fotolia.com; ebraxas/Fotolia.com;

Exklusiv nur in crescendo Premium:

38.... R eise Wie der Parco della ­Musica Rom für KlassikLiebhaber verändert hat. Exklusiv nur in crescendo Premium:

Das GenerationsProblem Auf der Suche nach neuen Konzepten für die 20- bis 50-Jährigen. Konzert Im Wohnzimmer In Thüringen fand die „Lange Nacht der Hausmusik“ statt, wir hatten einen Reporter vor Ort. Lisa Batiashvili Die Star-Geigerin ­kümmert sich um die alte Musikschule in ihrer Heimat Tiflis, crescendo durfte sie begleiten.

7) OVEN (1770-182 2“ I. Adagio sostenuto, Nr. VAN BEETH ti 7 LUDWIG Nr. 14 in cis-Moll, op. 27, Richard Tognet ................................05:02 er Orchestra, „Klaviersonate ................ Australian Chamb ................................................ Dejan Lazic´, ................ (Channel Classics

CCS SA 30511)

(1756-1791)

MOZART AMADEUS 8 WOLFGANG „Ascanio in Alba“ ..03:27 aus: „Ouvertüre“ orchester Basel, Andrea Marcon................................................................ La Cetra Barock hon 00289 477 (Deutsche Grammop

................ 9445) ................ 8)

(1792-186 O ROSSINI Donna del Lago“ 9 GIOACHIN tal momento“ aus: „La ski 07:43 in ............................... a, Marc Minkow „Tanti affetti Sinfonia Varsovi ................................................................ Julia Lezhneva, ................................ (Naïve V 5221)

................

oso, NI (1866-1924) Allegro impetu CCIO BUSO ter op. 35a“ III. ache 10 FERRU 07:08 Geige und Orches moniker, Sergiu Celibid .............................. „Konzert für , Berliner Philhar ................................................................ Siegfried Borries ................ (Audite 21.406)

................................

H (1838-1920) en Motiven, 11 MAX BRUC tra, Jan Kucera ........07:50 56“ nach keltisch Symphony Orches ................................ „Adagio, op. pl, Czech Radio ................................................ ................ Friedrich Kleinha n ARS 38090) (Ars Produktio

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42.... Wasser ist Leben – und Musik! Nass und innovativ: das Musikfest Stuttgart. 44.... w iener klassik in AuGSburg Schwäbische Beziehungen und Mozart im Fronhof. 45.... Mondrian und DE StIJl Die Münchner Ausstellung zeigt einen interdisziplinären Ansatz. 46.... vorschau Die wichtigsten Bühnenerlebnisse in diesem Sommer. 46.... Partitouren Höhepunkt in Herrenhausen ist ein Konzert mit Anne-Sophie Mutter. Exklusiv nur in crescendo Premium:

Mythen & Typen Zwei Insider erklären in einem großen Vergleich die beiden Festspielstätten Bayreuth und Salzburg. 

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lung) (*Weltersteinspie 16.05.2011

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16:13:36

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Ehrliche Lautsprecher


ou v er t ü re

„Mit Burka kann man kein Cello spielen“

Foto: privat

Ein Anruf bei ... Zuhal Sultan, die 2009 aus einer Idee heraus das Irakische Jugendorchester gründete.

Wie kommt man als Schülerin auf die Idee, ein Nationalorchester zu gründen, Frau Sultan? Das war immer in meinem Kopf. Ich wurde Mitglied des „Iraqi Unity Youth Orchestra“ als ich 15 war – 2006. Da waren im Irak bürgerkriegsartige Zustände. Aber im Orchester ­saßen wir alle zusammen und musizierten. Ich war so begeistert von diesem Symbol der Einheit. Trotz Terror probten sie und traten auf. Das hat vielen Leuten Kraft gegeben. Ich dachte, das ist die Möglichkeit, etwas für die Zukunft des Landes zu tun. Und dann kam der Augenblick, in dem ich Paul MacAlindin traf. Er ist der Leiter des Irakischen Jungendorchesters geworden, dass ich 2009 gründete. Ist es nicht noch gefährlich, in Bagdad mit einer Geige unter dem Arm herumzulaufen? Zumindest unangenehm, deshalb habe ich einen Ort in Kurdistan, der sicherer als Bagdad ist, für die Proben ausgewählt. Das allerwichtigste war es aber, Geldmittel aufzutreiben. Sie haben es geschafft, sogar Geld von der irakischen Regierung zu bekommen. Im ersten Jahr habe ich an viele Firmen geschrieben – nur Absagen. Und dann entdeckte

Sebstbewusst, trotz Krieg: Zuhal Sultan­ wird mit ihrem irakischen Orchester beim Bonner Beethovenfest dabei sein.

ich den Twitter-Account unseres Vizepremiers. Ich twitterte ihm sofort: „Ich kann nicht glauben, dass Sie Twitter benutzen!“. Dann habe ich ihm meinen Link geschickt. Am nächsten Abend twitterte er zurück: „Wir sind sehr stolz auf  Sie. Könnten Sie uns ihre Kontaktdaten mitteilen?“ Danach traf ich ihn, und er gab uns sofort 50.000 Dollar. Das war eine große Hilfe.

P L AYL IS T der S ta r s

Erwerben Sie mit den Mitteln auch Orchesterinstrumente? Wir haben eine Menge Geld für Instrumente ausgegeben. Im ersten Jahr hatten wir eine Oboe, die zwei Stunden vor dem Konzert ihren Geist aufgab. Das war schrecklich. Wir versuchten verzweifelt eine Oboe zu organisieren – in einem Land, in dem es höchstens drei gibt. Sie haben es aber doch noch geschafft? Ich machte sehr viele Anrufe. Schließlich gab es in Kurdistan jemanden, der eine Oboe hatte – nicht die beste der Welt, aber eine Oboe! Es war wirklich furchtbar. (lacht) Am 1.10. wird das Orchester sein Debüt im Ausland geben – beim Beethovenfest ... Es ist einfach phänomenal für das junge Orchester, gleich bei einem Musikfestival in Europa dabei zu sein. Es gibt ihnen die Möglichkeit zu spüren, dass sie nicht das einzige JugendOrchester auf der Welt sind. Manchmal kommt man sich im Irak nämlich ziemlich allein vor, als junger Orchestermusiker. So werden sie auch erkennen, wie wichtig sie für ihr Land sind. Die Bundesjugendorchester haben die zentrale ­Rolle bei der Organisation übernommen. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. CM

Royal Rolando Villazón begeisterte in London

Eigentlich wollten wir ihre LieblingsKlassik-Stücke, aber Sopranistin ­Elisabeth Kulman meinte, sie höre vor ihren Auftritten immer die ­Lieder, die sie gerade singe (und das sei ja nicht so interessant), also verriet sie uns ihre „normalen“ Top Five: 1. Herbert Grönemeyer: Alkohol 2. Joe Cocker: With a little help from my friends (Woodstock) 3. Ella Fitzgerald: The man I love 4. Sebo Ensemble: Szerelem (ungarische Volksmusik) 5. Georg Breinschmid: Schnucki von Heanois

Kaum ein Kritiker hatte noch damit gerechnet: Rolando Villazón sang nicht nur, wie geplant, an fünf Abenden im Mai den Werther in Jules Massenets gleichnamiger Oper, er riss mit phänomenal sicherer Stimme das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Üblicherweise kann man den Schlussapplaus im Royal Opera House in Sekunden zählen, doch die Curtain Calls für Rolando Villazón, seine Partnerin Sophie Koch und den Dirigenten Antonio Pappano wollten kein Ende nehmen. Die Financial Times schwärmte gar von der „eleganten, ausdrucksvollen Phrasierung“ und den „Stimmfarben, die ein Portrait malen“ und der Rezensent des Telegraph wusste plötzlich wieder, „wieso dieser mexikanische Tenor vor sieben Jahren bei uns eine derartige Sensation war“. HG

+++ Jetzt hat es Anna Netrebko schriftlich: Ihre Stimme ist 40 Prozent mehr wert, als die von Cecilia Bartoli. Genau um diesen Wert minderte das Landgericht Hannover den Preis einer Kulturreise, weil anstelle der Russin kurzfristig Cecilia Bartoli aufgetreten war +++ Frage: Was haben das Königliche Ballett in Kambodscha und der Polyphone Gesang aus Georgien gemeinsam? Beides gehört zum UNESCO-Welterbe. Genauso wie die ­Peking Oper und der Sybillengesang aus Mallorca übrigens +++ Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint nicht mehr Amerika zu sein, sondern China: Die neueste Entdeckung unter den fernöstlichen Musikerinnen heißt Zheng Guigui. Nichts Besonderes in China? Doch: Die 19-Jährige hat an der rechten Hand keine Finger. Ein Auftritt im Chinesischen Staatsfernsehen motiviert sie nun, professionelle Pianistin zu werden. +++

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Juni bis August 2011


KLASSIK HIGHLIGHTS 2011 | 2012

01.05.12 Frankfurt/Main | 02.05.12 Berlin 03.05.12 Hamburg | 05.05.12 Düsseldorf 07.05.12 Stuttgart | 08.05.12 Leipzig 09.05.12 München |15.05.12 Köln

GÜRZENICH-ORCHESTER KÖLN Dirigent: Claudio Vandelli

Konigsplatz München | Fr, 29.07.11 20.00 Uhr Stadthalle Wien | Sa, 06.08.11 19.30 Uhr Waldbühne Berlin | Di, 16.08.11 20.00 Uhr

Tickets unter www. .de, 01805 Weitere Informationen unter www.deag.de

- 969 000 555*, sowie an allen bekannten VVK-Stellen *(0,14€/Min.

aus dem dt. Festnetz / max. 0,42€/Min. aus dem dt. Mobilfunknetz)


O u v e r t ü r e

Virtuelles LiVE-Erlebnis

Semyon Bychkov dirigiert die Filarmonica della Scala.

So funktioniert das KonzertErlebnis im Internet

Solist Mikhail Ovrutsky crescendo.de überträgt das Eröffnungskonzert der Audi Sommerkonzerte in Kooperation mit Audi tv. Damit Sie das Konzert genießen können, brauchen Sie einen Computer mit schneller Internet-Verbindung. Ihr Gerät sollte mindestens 6000 Kbit pro Sekunde empfangen können („DSL 6000“). Für das richtige Konzert-Erlebnis braucht es dann nur noch ein paar

W

as passiert, wenn ein aufregender, russischer Solist, einer­der renommiertesten russischen Dirigenten der Gegen­ wart und ein weltberühmtes oberitalienisches Orches­ter in eine mittelgoße deutsche Stadt kommen, um Wagner, Mendelssohn­Bartholdy und Tschaikowsky zu spielen? Es entsteht akute Kartennot! Audi tv und crescendo helfen – und übertragen die diesjährige Eröffnung der Audi Sommerkonzerte per Internet. Wer am 1. Juli um 19:30 Uhr auf www.crescendo.de/TV klickt, erlebt Mikhail Ovrutsky unter Semyon Bychkovs Dirigat, begleitet von der Filarmonica della Scala – live!

Die Musik „Blau, von opiatischer, narkotischer Wirkung“, sei das Vorspiel zu Wagners „Lohengrin“ hat Nietzsche geschwärmt. Nun, zumindest wird wohl auch im Festsaal Ingolstadt die Aura des Grals zu spüren­ sein: leise, hohe Streicherklänge schwellen zu einem mächtigen Höhe­punkt an und verschwinden in sphärischem pianissimo. Mendelssohns Violinkonzert barg 1838 kompositorische Neuerungen: „... Eins in e-moll steht mir wohl im Kopfe, dessen Anfang mir keine­Ruhe lässt“, schrieb er einem Freund. So erhielt es eine bis dahin­unübliche nahtlose Überleitung vom ersten zum zweiten Satz. Auch erklingt das Hauptthema des ersten Satzes im Soloinstrument, der Violine, und nicht, wie sonst, im Orchester. Und Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4? Ein Werk der Leidenschaft, hat er es doch „mit echter Inspiration vom Beginn bis zum Ende“ sowie „mit Liebe und glühender Begeisterung“ geschrieben – und seiner Gönnerin Nadeschda von Meck gewidmet.

Der Solist Sohn einer Musikerfamilie aus Moskau, schon im zarten Alter von fünf Jahren als musikalisch hochbegabt gefördert, heute erster Preisträger des Internationalen Wettbewerbs Pablo Sarasate, des Internationalen St. Petersburger Musikwettbewerbes, des Johansen Wettbewerbes von Washington und des UNISA-Wettbewerbs von Preto8

gute Lautsprecher. Einfach auf www.crescendo.de/TV klicken – und schon startet das Live-Streaming. Beginn ist am 1. Juli (Freitag) um 19:30 Uhr. crescendo wünscht allen Lesern einen wunderbaren Konzert-Abend, mit einem Glas Wein im trauten Zuhause.

ria sowie Preisträger des Moskauer Tschaikowsky- und des Queen Elizabeth-Wettbewerbes Brüssel. Voilà Mikhail Ovrutsky, Nachwuchsstar. 2006 erhielt er zudem den „Europäischen Förderpreis“ der Stiftung „Pro Europa“. Dieser Preis, für den der Geiger von Prof. Anne-Sophie Mutter vorgeschlagen wurde, würdigt sein „großes künstlerisches Talent und seine herausragende Leistung“ auf seiner mehr als 310 Jahre alten Violine von Gioffredo Cappa aus Turin.

Der Dirigent ...  ist bekannt für zahlreiche, große CD-Einspielungen. Seit seinem Weggang aus Sankt Petersburg im Jahr 1975 leitete Semyon Bychkov im Rahmen seiner internationalen Dirigentenkarriere einige der weltweit renommiertesten Orchester in den USA, Europa und der früheren Sowjetunion. Er dirigierte unter anderem an der Semper Oper, war Musikdirektor des Orchestre de Paris, feierte Triumphe an der Staatsoper in Wien. Gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, den Londoner Philharmonikern, dem Philharmonia Orchestra, dem Concertgebouw Orchester, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Orchestre de Paris hat er über zwanzig CDs aufgenommen. Semyon Bychkov lebt heute in Europa und ist Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Köln.

Das Orchester Filarmonica della Scala. Das klingt nach Mailand. Das ist ein Stück Mailand. 1982 von Claudia Abbado mit Musikern der Scala als un­ ab­hängiges Team gegründet, wurde das Orchester spätestens vom Chefdirigenten Riccardo Muti von 1987 bis 2005 zu internationaler Größe geführt. Besonders hervorzuheben sind Mutis Beethoven-­ Einspielungen sowie die Rossini Kantaten der Filarmonica mit ­Dirigent Riccardo Chailly. Zur Eröffnung der Saison 2010/2011 stand Valery Gergiev auf dem Podium. Obwohl sie im Teatro alla Scala, einem der weltweit schönsten Konzerthäuser beheimatet ist, geht die Filarmonica gern und häufig auf Tournee – jetzt auch zur Freude der Besucher der Audi Sommerkonzerte. www.crescendo.de

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Juni bis August 2011

Fotos: Luca Piva (2); Manfred Esser

Keine Karten für die Eröffnung der Audi Sommerkonzerte bekommen? Audi tv und crescendo.de helfen: Sehen Sie das Konzert-Erlebnis im Internet!


GREAT SINGERS LIVE mit dem MÜNCHNER RUNDFUNKORCHESTER Die neue Reihe bei BR-KLASSIK ARCHIVE Die Liste der Sänger, die im Lauf von sechs Jahrzehnten bei den Sonntagskonzerten zu Gast waren, liest sich wie ein „Who’s who“ der Opernwelt. Bisher unveröffentlichte Mitschnitte erscheinen nun auf CD!

900303

MIRELLA FRENI singt Arien von Cilea, Puccini, Verdi, Tschaikowsky, Mozart u.a.

NICOLAI GHIAUROV

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singt Arien von Gounod, Bizet, Mussorgsky, Rachmaninoff, Verdi u.a.

MARGARET PRICE

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singt Arien von Mozart, Weber, Bellini, Verdi u.a.

Erhältlich im Handel und im BRshop www.br-klassik.de


k ü n s t l e r

ein Leben wie im Bestseller

Neue Liszt-Biographien und viele Festivals machen neugierig auf den Komponisten und Kosmopoliten, der 2011 seinen 200. Geburtstag feiert. von carlo mertens

„V

ersuchen Sie dagegen zu erreichen, dass sie uns mölichst wenig Briefe schreiben, an mich insbesondere gar keine, ich hasse Briefe über den Tod.“ Der Hass rührte wohl von Abhängigkeit her, denn der Verfasser dieser Zeilen litt an Schreibwut: während seiner fünf Jahrzehnte währenden Karriere als Klaviervirtuose verfasste Franz Liszt über 7000 Briefe. Das sind im Schnitt einundzwanzig pro Woche, die meisten gleich mehrseitig. Doch nicht nur mit der Mutter Anna Liszt, – aus einem Brief an sie stammt dieses Zitat – wurde korrespondiert. Der 1811 Geborene hatte bekanntlich auch viele Affären. Diesem Aspekt seines Lebens widmet sich in aller Ausführlichkeit das Buch „Franz Liszt, Biographie eines Superstars“ von Oliver­Hil-

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mes. Wenn allerdings zu den Geliebten sogar eine­Agentin des Zaren gehören soll, fragt man sich schon, ob der Autor nicht zu viele James-Bond-Filme gesehen hat. Allerdings: Liszts Lebenswandel verführt zu solch verwegenen Thesen. Der fortwährend Reisende war nie verheiratet, hatte aber mindestens fünf Kinder­mit verschiedenen Frauen und wurde­mit Mitte Fünfzig katholischer Geistlicher. „Man hat manchmal das Gefühl, dass sich der ‚echte Liszt‘ hinter Masken versteckte. War das kokette Getue des jungen Snobs im Paris der 1830er Jahre nicht ebenso eine Verkleidung wie 40 Jahre später die Soutane des katholischen Abbé?“ Hilmes geht also auch dem häufigen Rollenwechsel nach, weshalb sein Buch nun doch für Menschen geeignet ist, die an dem Künstler und nicht an amourösen Abenteuern im 19. Jahrhundert interessiert sind.

Diese Abenteuer waren auch für Liszt 1861 zu Ende: In der ewigen Stadt stand er mit seiner zweiten Lebensgefährtin Carolyne von Sayn-Wittgenstein vor dem Traualtar. Allerdings widerrief Papst Pius IX. in letzter Sekunde die Annulierung der ersten Ehe der Fürstin und Liszt blieb Junggeselle. Wer die politischen Hintergründe und Intrigen dazu lesen möchte, sollte sich das Buch „Franz Liszt, Leben und Werk“ von Klára Hamburger zulegen. Sie widmet sich den gesellschaftspolitischen Aspekten in Werk und Leben des Virtuosen. Wer aber nicht nur den Komponisten, sondern auch die Kompositionen kennenlernen möchte, liest besser Wolfram Huschkes „Franz Liszt: Wirken und Wirkung in Weimar“. Die Monographie hat einen wissenschaftlichen Anspruch, und ist sehr gut lesbar. Die Weimarer Jahre waren für den www.crescendo.de

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Juni bis August 2011

Foto: gemeinfrei

Der große ungarische Virtuose und Frauenschwarm Franz Liszt (1811-1886) im Jahr 1858.


Wege zu Liszt Die Liszt-Briefe erscheinen als ­Reprint bei Elibron Classics. „Franz ­Liszt, Biographie eines Superstars“ von Oliver Hilmes ist im SiedlerVerlag erschienen, „Franz Liszt“ von Huschke bei der Weimarer Verlagsgesellschaft. Die CD und das Buch „Franz Liszt. Vom Dorf in die Welt“ von Gerhard Tötschinger werden im Verlag LangenMüller veröffentlicht. In der Reihe Wissen des C.H. BeckVerlages erscheint Dömlings Buch „Franz Liszt“. Klára Hamburgers Buch „Franz Liszt: Leben und Werk“ ist beim Verlag Böhlau zu haben. Das ganze Jahr hindurch kann man Liszt in Bayreuth, Luxemburg, Raiding und Weimar hören.

chert, der erste Platz in der Musikgeschichte gewahrt werden.“ Und der gebührte im Wagner-Clan natürlich nur einem. 2011 kann sich aber auch Bayreuth Liszt nicht verschließen. Im Gegenteil: es möchte, wie schon der Festivalname verspricht „Lust auf Liszt“ machen. Große Namen treten hier auf: Hampson singt Liszt, Hélène Grimaud und Alice Sara Ott spielen ihn auf dem Klavier. Außerdem wird Liszts einzige Oper „Don Sanche“ aufgeführt. Eine Ritterromanze mit fast so vielen Liebesverstrickungen wie in Liszts Biographie selbst. All diese Aufführungen gewähren aber nur einen Einblick

in das Œuvre. Liszt schrieb eben nicht nur den „Liebestraum“ und „Grand galop chromatique“, sondern 13 „Symphonische Dichtungen“, zwei Sinfonien, Messen und Oratorien. Wer das alles hören möchte, muss zu den Wurzeln zurück, zu Liszts Geburtsort, der heute in Österreich liegt. Das „LisztFestival Raiding“ widmet sich vom 12. Juni bis 26. Oktober 2011 dem Dirigenten, Lehrer und Virtuosen. Oder auch nach Luxembourg. Am 19. Juli, nur 12 Tage vor seinem Tod in Bayreuth, gab Liszt sein letztes öffentliches Konzert. Genau 125 Jahre später findet am selben Tag und selben Ort, dem Casino in Luxembourg, ein Gedenkkonzert zu Liszts Ehren statt. Bei einem ähnlich rastlosen Leben wie es der Komponist führte,­kann man sich unter Umständen erst im Auto oder Zug zum Liszt-Ort mit dem briefschreibenden Virtuosen beschäftigen. Dafür bietet sich das ebenfalls 2011 erschiene Hörbuch „Franz Liszt: Vom Dorf in die Welt“ von Gerhard Tötschinger an. Der Autor liest selbst aus seinem unterhaltsamen Taschenbuch. Als Schauspieler kann er das. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht die Briefe von Liszt, sondern Kommentare zu und Anekdoten über ihn. Für die Zugfahrer ist daher noch ein Blick in „Franz Liszt“ von Wolfgang Dömling lohneswert. Er macht uns deutlich, dass Liszt durch seine hohe Bildung und Freundschaft zu führenden Pariser Künstlern wie Berlioz und Balzac in seinen Briefen auch ­etwas mitzuteilen hatte. n

photo: François Zuidberg

rastlosen Komponisten die produktivsten; hier entstanden fast alle großen Orchesterwerke. Eine Ausstellung zum zweihundertsten Geburtstag mit dem Titel „Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar“ erinnert am Wirkungsort bis zum 31. Oktober an die Zeit von 1848 bis 1861. Wer dazu etwas Außergewöhnliches von Liszt hören möchte, sollte seine Weimarreise mit einem Abstecher nach Erfurt verbinden. Im Dom zu Erfurt wird am 9. Juni die „Legende von der Heiligen Elisabeth“, Liszts großes Oratorium, aufgeführt. Die Uraufführung fand allerdings 1867 auf der Wartburg statt, zur Achthundertjahrfeier der Gründung. Dazu muss man sich Liszt mit wallend weißer Mähne und schwarzer Soutane am Dirigentenpult vorstellen. So viel Inszenierung wäre heute im klassischen Konzertbetrieb nicht mehr möglich, wollte man noch seriös wirken. Liszt lebte aber im Zeitalter der Romantik und erst hier entwickelte sich eine Darstellung des Künstlers in der Öffentlichkeit und den Medien. Auf diesem Gebiet war der Pianist und Komponist ebenfalls Virtuose. Deshalb passt das von Hilmes benutzte Etikett „Star“ zu diesem­ Künstler des 19. Jahrhunderts. Liszt erfand sich nicht nur immer wieder neu, sondern pflegte sein Image als ungestümer Nonkonformist im Pressewesen und Konzertbetrieb. Mit Erfolg: Die Damen fielen reihenweise in seinen Konzerten in Ohnmacht.Und das wohl nicht nur wegen seines hochvirtuosen Spiels und der kühnen Chromatik in seinen Klavierwerken. Liszt stilisierte sich zum Idol. Der spätere „Schwiegersohn“ Richard Wagner hat sich aber nicht nur in Bezug auf Selbstinszenierung Vieles bei dem Virtuosen abgeschaut. Liszts Tochter Cosima gegenüber bezeichnete Wagner seine symphonischen Dichtungen sogar als „Diebesnest“. Doch warum gibt es, im Gegensatz zu Wagner, keine Liszt-Jünger? Fehlt es an einem Liszt-Preis oder ähnlich Medienwirksamem? Dieser Frage geht auch Huschke in seinem Buch nach. Zum ersten mal wird hier die Wirkungsgeschichte der Lisztschen Musik­im 20. Jahrhundert in Weimar beleuchtet. Das Kosmopolitische an Liszt – was uns heute fasziniert – erschwerte seine Aufnahme in die nationalen Musikheiligtümer. Sogar nach 1945 ist wenig zu Liszt auf Ungarisch und Deutsch erschienen. Dabei wird erst durch die Betrachtung seines Gesamtwerkes, vom Oratorium bis zur Klaviersonate klar, welche Bedeutung sein Werk für die „Neudeutsche Schule“ um Wagner hatte: Man kann Liszt als den Erfinder der Sinfonischen Dichtung bezeichnen. Nike Wagner schrieb zur Wirkungs­ geschichte der Werke des Ururgroßvaters: „Trotz der engmaschigen Verhältnisse musste die musikalische Rangordnung abgesi-

Saison 2011/12 – Entdecken Sie Luxemburg durch die Musik! Chicago Symphony Orchestra – Royal Concertgebouw Orchestra – The Cleveland Orchestra – Wiener Philharmoniker – Gewandhausorchester Leipzig – London Symphony Orchestra – New York Philharmonic – Orchestre de Paris – St. Petersburg Philharmonic Orchestra – Orchestre Philharmonique du Luxembourg – Israel Philharmonic Orchestra – Il Giardino Armonico – Riccardo Muti – Valery Gergiev – Christian Thielemann – Yuri Temirkanov – Esa-Pekka Salonen – Alan Gilbert – Franz WelserMöst – Riccardo Chailly – Zubin Mehta – Vladimir Jurowski – Philip Pickett – Christoph Prégardien – András Schiff – Truls Mørk – Ian Bostridge – Lang Lang – Emmanuel Pahud – Maria João Pires – Hélène Grimaud – Julia Fischer Grigory Sokolov – Sergey Khachatryan – Christian Gerhaher – Mitsuko Uchida – Artemis Quartett – Anne Sofie von Otter – Rafał Blechacz – Xavier de Maistre – Takács Quartet – Magdalena Kožená – Quatuor Modigliani – Daniel Hope – Diana Damrau – Radu Lupu – Dame Gillian Weir – Quatuor Capuçon – Martha Argerich – Isabelle Faust – David Guerrier Mariza – McCoy Tyner – Souad Massi – Joshua Redman – Zaz – Brad Mehldau – Anoushka Shankar – Joe Lovano – Maria Schneider Orchestra – Cristina Branco – Kodo – Carl Davis – Jason Moran – Berlin Comedian Harmonists – Blechschaden Klangforum Wien – Heinz Holliger – Reinhold Friedl – L’Instant Donné – Ensemble Resonanz – Steve Karier – Hauschka Mehr als 120 Konzerte für ein junges Publikum…

Ticketing (+352) 26 32 26 32 – www.philharmonie.lu


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Die Vorsängerin

Die Sopranistin Olga Peretyatko holte sich ihr erstes Lob von Daniel Barenboim, inzwischen bekommt sie es vom großem Publikum. von tobias Haberl

Sängerin mit Aussicht (auf mehr): Olga Peretyatko.

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Foto: Uwe Arens

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amstagmorgen in einem kleinen Hotel in Ingolstadt; die meisten Gäste scheinen abgereist, vielleicht gab es auch keine, der holzvertäfelte Frühstücksraum ist so gut wie leer – nur eine junge Frau sitzt da, einen Becher Kaffee in der Hand. Ein bisschen sieht sie aus wie Anna Netrebko, slawischer Typ, dichtes, dunkles Haar, ein Gesicht wie das einer Puppe, mit großen, neugierigen Augen. Allein am Frühstückstisch in Oberbayern, eine nervtötend laute Stille umgibt den Raum – das gehört eben auch dazu, wenn man jung ist und auf dem Weg nach oben. Keine zwölf Stunden ist es her, da wusste die junge Frau nicht, welche Hand sie zuerst schütteln soll. Olga Peretyatko, 30, war der Star des Abends, als tags zuvor die Simon Mayr-Festspiele in Ingolstadt mit einer Operngala eröffnet wurden. Die Kolo­ratursopranistin – wie die Netrebko in Sankt Petersburg geboren – sang, begleitet vom Georgischen Kammerorchester, Arien von Donizetti, Rossini und Johann Simon Mayr (1763-1845), der, obwohl lange nicht so bekannt wie seine italienischen Kollegen, einer der ganz großen und vor allem beliebten Komponistenstars des frühen 19. Jahrhunderts war. „Mayr hat schon alle Techniken gezeigt“, sagt Peretyatko, „insgesamt hat er 660 Werke geschrieben, darunter mehr als 60 Opern, okay, vielleicht ist seine Musik ein bisschen naiv, aber dafür sind es schöne Gute-Laune-Melodien, leicht zu hören, ideal, um ein Publikum mitzureißen“, zumal in der Provinz, schwingt da mit, aber diesen Satz sagt sie nicht. Danach habe man gefeiert. Ein Empfang – natürlich. Es war zwei Uhr, als sie endlich ins Bett gekommen sei. Und jetzt frühstückt sie. Um halb 12 geht der Zug nach Dresden, den will sie kriegen. Man kann sich gut vorstellen, wie sich Ingolstädter Bankdirektoren da­ rum gerissen haben, ein paar Worte mit der jungen Russin zu wechseln, vielleicht sogar neben ihr auf einem Foto verewigt zu werden. Gut möglich, dass sie ihr Terminkalender so schnell nicht wieder in Ingolstadt singen lässt.

Olga Peretyatko hat definitiv das Zeug dazu, eine ähnlich große Karriere wie die Starsopranistin loszutreten: Sie hat eine große, eine besondere Stimme, mächtig, aber auch ganz lyrisch und empfindsam, wenn es drauf ankommt. Dazu kommt, dass sie gut aussieht und sich zu verkaufen versteht. Sie weiß, was sie will, und sie weiß, wie sie ihrem Ziel näher kommt. Daniel Barenboim, dem rastlosen Musikgenie, hat sie mal in einer Pause vorgesungen: Er dirigierte den „Parsifal“ an der Staatsoper in Berlin, Peretyatko gab ein Blumenmädchen, als sie ihn fragte, einfach so, zwischen zwei Akten, ob er kurz Zeit für sie habe. „Er hat ja gesagt“, freut sie sich heute noch. „Es war meine einzige Chance, so einer wie Barenboim ist ja immer im www.crescendo.de

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Wie ist ihre CD? Ihr Timbre ist ideal für alle Soubrettenrollen: Mühelos, aber etwas spitz erklimmt Olga Peretyatko die höchsten Höhen, sei es als „Olympia“ in „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach oder bei Johann Strauß als „Adele“ in „Die Fledermaus“. Beide Partien sind hochvirtuos. Das macht Peretyatko aber gar nichts aus. Ihre Technik ist formidabel, die Stimme sehr schlank und jung.

Stress.“ Jetzt hat er sie eben schon mal gehört, kennt ihren Namen, ihr Gesicht, „obwohl er mir gar nicht nützen kann, weil er mein Fach nicht dirigiert“, sagt sie, „aber das ist egal, darum geht es nicht.“ Sie habe auch schon anderen Stars Kostproben ihres Könnens gegeben, erzählt sie, zum Beispiel Plácido Domingo. „Nein gesagt, hat ehrlich gesagt noch nie jemand.“ Olga Peretyatko wird 1980 in St. Petersburg geboren. „Mein Vater ist Chorsänger, ich bin praktisch im Theater aufgewachsen.“ Auch sie hat früh im Chor gesungen, auf der Bühne des MariinskyTheaters stand sie vor 15 Jahren für eine Carmen-Produktion sogar mal mit Anna Netrebko, sie als Teil des Chors, die neun Jahre ältere Netrebko als Micaela. Bevor Peretyatko nach Berlin an die renommierte Hanns-Eisler-Schule geht („die einzige Hochschule, an der ich mich beworben habe“), macht sie eine Ausbildung zur Chordirigentin, von der sie heute noch profitiert: „Tonsatz, Gehörbildung, das alles hilft mir heute, neue Musik schnell zu verstehen und aufzunehmen.“ Um sich den Aufenthalt in Deutschland leisten zu können, organisiert sie kleine Konzerte in Krankenhäusern und Altenheimen. „Wir sind im Quartett aufgetreten“, erzählt sie, „pro Auftritt bekam jeder 40 Euro. Trotzdem war mein Essensbudget nicht üppig, ungefähr 10 Euro pro Woche. Meistens gab es Nudeln in irgendeiner Soße.“ Es folgen zwei Jahre Opernstudio an der Oper in Hamburg, im Grunde steht sie seit sieben Jahren regelmäßig mal mit kleinen, mal mit größeren Rollen auf der Bühne. Man kann schon sagen, dass Peretyatko eine Ausnahmestudentin war, ihre facettenreiche Stimme ist begehrt, vor zwei Jahren unterschrieb sie beim Major-Label Sony,­ wo im August ihr erstes Album erscheinen wird: „La bellezza del canto“, mit Arien von Rossini, Verdi, Massenet, Johann Strauß und anderen, ein buntes Sammelsurium großer Arien, damit sie zeigen kann, was sie mit ihrer Belcanto-Stimme alles anstellen kann. Bald werden Interviews in Frauenmagazinen und Anfragen für Mode­ shootings kommen. Bekannter als in Deutschland ist die junge Sopranistin in Italien. „Ich suche keine leichten Wege“, sagt sie, „bisher habe ich mit jeder italienischen Partie in Italien debütiert.“ Inzwischen lebt sie nicht nur in Berlin, sondern auch in Pesaro, wo sie seit 2006 regelmäßig beim Rossini Opera Festival auftritt. „In Italien kennt man mich inzwischen ganz gut“, sagt sie. Sie hat sogar einen besonders glühenden Fan, der ihr seit zwei Jahren hinterher reist, ein Student der Musikwissenschaften aus Turin. In Ingolstadt sei er auch wieder da gewesen. Sie habe es kaum glauben können, als er auf einmal da gestanden sei. „Aber wer weiß“, scherzt sie, „vielleicht schreibt er ja gerade an einer Arbeit über Johann Simon Mayr.“ Manche Sätze beginnt Peretyatko auf Italienisch, dann wechselt sie ins Deutsche, gelegentlich benützt sie englische Vokabeln, sagt Conductor statt Dirigent. Da hat sich wieder mal eine junge Russin aufgemacht, die Welt der Musik zu erobern. 2011 singt sie noch in der Schweiz, in Spanien, in Paris und Moskau, Anfang 2012 kommt sie nach München. Sie ist auf dem Sprung. Und ja, Olga Peretyatko ist eine attraktive Frau, aber vor allem eine sehr hoffnungsvolle Sängerin – in umgekehrter Reihenfolge, das ist ihr wichtig.  n

Ihr kleiner Urlaub mit Musik! Willkommen bei Ihrem musikalischen Kurzurlaub mit individueller Note! Entdecken Sie die schönsten Seiten des Musikund Reiselandes Niedersachsen und wählen Sie aus mehr als 50 besonderen Konzert-Erlebnissen mit exklusivem Rahmenprogramm Ihre Lieblings-PartiTour(en).

© Hannover Concerts, Foto: Udo Weger, Szene: „Ein Sommernachtstraum“

Für Sie komponiert – Auszug aus dem aktuellen Programm 10.06. – 11.06.11 Oh, là, là – eine französische Landpartie Göttingen „Vive le Baroque!“ bei den Intern. Händel-Festspielen 02.07. – 03.07.11 Was für ein Theater! Hannover Velma Superstar in der Hannoverschen Staatsoper 30.07. – 01.08.11 „Mahlerische“ Klänge im Bauhaus-Stil Alfeld Zu Gast bei den 21. Intern. Fredener Musiktagen 04.08. – 06.08.11 Folklore im Kammerkonzert Hitzacker Familienbande in der musikalischen Weltkultur 12.08. – 13.08.11 Shakespeare im Gartentheater Hannover Hannover „Ein Sommernachtstraum“ als Musical von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig 12.08. – 14.08.11 Königliches Kulturvergnügen in der Kaiserstadt Goslar Weltklassemusik trifft Weltkulturerbe 26.08. – 28.08.11 Ein Schloss voller Musik Jever Auf den Spuren alter Fürsten 24.09. – 25.09.11 Maritimes und Musikalisches bei der MeeresZeit Bremerhaven Die 25. Niedersächsischen Musiktage 30.09. – 02.10.11 Deutsch-deutsche Geschichte zum Hören und Fühlen Duderstadt Mit Jan Josef Liefers bis an die Grenze

Hellhörig geworden?

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Die Neuen! Sie haben sich schon in Stellung gebracht und wittern ihre Chance, in die Fußstapfen der ganz Großen zu treten: Teresa Pieschacón Raphael über die kommende Generation an Künstlern, die in Zukunft die großen Bühnen erobern.

Auf dem Weg nach oben: Die österreichischenglische Sopranistin Anna Prohaska, geboren 1983

In Lauerstellung: Pianist Ingolf Wunder aus Österreich, geboren 1985

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ie haben Entbehrungen hingenommen und manche Demütigung eingesteckt, aber ihr Ziel haben sie nie aus den Augen verloren: endlich auf den Brettern zu stehen, die – buchstäblich – die Welt bedeuten. Doch das alleine reicht nicht mehr. Auffallen heißt die Devise, denn im Musik­betrieb geht es in diesen modernen Zeiten zu wie am Fließband. Kein Konzerthaus mehr ohne Bühne für „Junge­Wilde“, kein Opernhaus mehr ohne Opernstudio; keine Stiftung, Bank und auch kein Konzern, die nicht einen Preis, ein Stipendium ausschreiben. Ein Wettbewerb jagt den nächsten, ob in Brüssel, München, Cardiff oder Bamberg, wo Angelika Kirchschlager im Sommer junge Talente unterrichten wird. Die Konkurrenz ist gewaltig. Julia Lezhneva (Sopran) und Antonio Poli­ (Tenor) beispiels14

weise haben Glück: sie waren im Young Singers Project der Salzburger­ Festspiele, sind damit am „Umschlagplatz“ vieler Karrieren. Beide werden heuer an der Seite von Anna Netrebko in Strawinskys­„Le Rossignol“ und Tschaikowskys „Iolanta“ stehen – ganz im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. „Lezhneva – Netrebko, ein wunderbar abgestimmtes Paar … das ist bereits die halbe Oper“ schwärmt jetzt schon der Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser und „Le Figaro“ feiert die stimmgewaltige Lezhneva als „die neue Callas“. Ein Vergleich, der selten vorkommt. Auch Polis Auftritt in Verdis „Macbeth“ wird mit Spannung erwartet. Wie Plácido Domingo und Juan ­ Diego Flórez wollte er einst Schlagersänger ­werden und die wissen gut, wie man ein Publikum begeistert. www.crescendo.de

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ER BEWEGT SEIN PUBLIKUM MIT DERSELBEN LEIDENSCHAFT, WIE WIR SEIN ORCHESTER. Der Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters Riccardo Chailly sorgt dafür, dass alles präzise funktioniert – auf die Zehntelsekunde genau. Deshalb hat er sich für DHL als Logistikpartner für die Tourneen entschieden. So erreicht das weltgrößte Orchester mit seinen unersetzlichen Instrumenten seine Ziele immer in Bestform. Das nennen wir: Excellence. Simply Delivered.

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Ein eindrucksvoller Blick hinter die Kulissen der Bayreuther Festspiele

Enrico Nawrath · Katharina Wagner BAYREUTH BACKSTAGE Innenansichten vom Grünen Hügel ISBN 978-3-7957-0196-3 / ED 20485 € 29,95 [D] / sFr 49,90* / € 30,80 [A]

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Philippe Olivier »Der Ring des Nibelungen« in Bayreuth Von den Anfängen bis heute

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Am heißesten aber wird in Salzburg der Auftritt von Anna Prohaska gehandelt – beim Eröffnungskonzert der Festspiele und als gewitzte Kammerzofe Despina in Mozarts „Così fan tutte“ unter Mark Minkowski.­ Eine Paraderolle­könnte dies werden für die junge Öster­reicherin, deren Aura halb Göre, halb Frau bereits eine Schar von Kritikern fasziniert – von ihrem lyrischen Koloratursopran, der bis ins Dreigestrichene­ reicht, ganz zu schweigen. Prohaskas Verwandlungskunst scheint phänomenal, für jeden Stil, ob Mozart, Strawinsky oder Pergolesi findet sie den passenden Tonfall, sie ist stimmlich gut trainiert und weiß als Tochter einer berühmten Wiener Musikerfamilie, was es heißt, wenn Musik zum Leben wird. Noah Stewarts Debüt im Bregenzer Festspielhaus in Judith Weirs „Achterbahn“ könnte dem dunkelhäutigen amerikanischen Tenor den Durchbruch bringen, schließlich hat er auf YouTube bewiesen, dass er Puccini Arien a capella präsentieren kann. Intendant David Pountney zu Noah Stewart: „Er hat etwas zu sagen, hat Charisma. Alles stimmt. Der Körper, die Stimme, die Intelligenz. Und er kann gut mit Stress umgehen.“ Das ist sehr wichtig, denn sie alle wissen: Karrieren werden heute im Prestissimo geplant. Heute Konservatorium, morgen die Met. Das birgt Gefahren. „Leider werden die meisten Talente­ zu früh entdeckt und zu Tode­vermarktet“, findet Jan Vogler, Cellist, Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals und Intendant der Dresdner Musikfestspiele.­ Deshalb von ihm wenig Futter zu seinen Favoriten: „Sorry – keine Namen“, sagt er trocken. Es sei heute schwierig, meint Peter­Alward, einst Präsident der EMI, heute­ Intendant der Salzburger Osterfestspiele, „sich in Ruhe zu entwickeln, weil fast alles sofort über Internet, blog und twitter verbreitet wird.“ Schützen will auch Bernd Loebe, Intendant der Frankfurter Oper, seine Künstler. In der Branche nennen sie ihn den „Spürhund für Stimmen“; regelmäßig macht er sich nach New York zu Matthew Epstein auf, der grauen Eminenz des globalen Sängermarkts.

Epsteins Instinkt vertraute bereits Herbert von Karajan, viele seiner Entdeckungen sind heute in jedem Sängerlexikon zu finden. „Frankfurt ist der beste Platz für junge Sänger, um ihre Rollen zu testen“, meint Epstein. „Das Haus hat die richtige Größe, der Intendant versteht etwas von Stimmen.“ Epstein hat Loebe die südafrikanische­Sopranistin ­Elza van den Heever empfohlen und Loebe hat es nicht bereut. „Furor, Koloraturen von Barock bis ... Warmherzige Ausstrahlung“ attestiert er ihr und „glaubwürdige Leidens­fähigkeit, ­dramatisches Potential. Kraft und Eleganz“ als Elsa im„Lohengrin“. Über Martin­ Mitterrutzner (Tenor), der heuer im Tiroler

Rising Stars: v.o.l. im Uhrzeigersinn: Sängerin Michelle­ Breedt, Pianist Jan Liesicki, Sängerin Elisabeth Watts, die Tenöre Maurizio Poli, Martin­Mitterrutzner, Geiger Ray Chen, Sopranistin Elza van den Heever, Dirigent Andrés Orozco-Estrada, Geiger Jonian-Ilia Kadesha, Pianistin Kathia Buniatishvili, Cellist Li-Wei Qin, Sopranistin Julia Lezhneva, Tenor Noah Stewart und Geiger David Aaron Carter (Mitte). Track

Auf der crescendo Abo-CD: ­ Michelle Breedt mit Ivor Gurney‘s „Sleep“ und Julia Lezhneva mit „Tanti affetti“ aus „La Donna del Lago“ (siehe Seite 19)

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20. bis 30. Oktober 2011

Elisabeth Watts und ihr ätherischer Gesang (Shakespeare Festival in Neuss), der 18-jährige Geiger Jonian-Ilia Kadesha (PODIUM Esslingen) und David Aaron Carpenter (Viola) im Abschlusskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Dessen Aura beflügelte Kritiker Jürgen Otten (Frankfurter Rundschau) zu den Worten: „Eine Stunde Lebenszeit kann viel sein oder wenig. Wenn man sich das Resultat der Zusammenarbeit zu Gemüte zu führt, dann bleibt kein Zweifel: Es ist eine Stunde voll mit Sternen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Landestheater auftritt, sagt Loebe: „Ein Edelstein, der jetzt zu hegen und zu pflegen ist“. Empfehlungen sind für Künstler die besten Entrées in die große­ Bühnenwelt. Die Pianistin Kathia Buniatish­ vili hatte gleich vier: ­„Gidon Kremer, Oleg Maisenberg, Elisabeth Leonskaja und Martha­Argerich“ zählt Franz Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavier-­Festival Ruhr, fröhlich am Telefon auf. Dennoch betont einer der einflussreichsten Musikmanager Deutschlands: „Der persönliche Eindruck ist sehr wichtig“ und „das Zutrauen, einen besonderen Weg einschlagen zu können und zu wollen“. Viele Talente hat er frühzeitig verglühen sehen, Buniatishvilis „ungestümes Temperament und Risikobereitschaft“ aber wird sie ganz nach oben bringen. Den Weg zur Carnegie Hall kennt Ohnesorg übrigens bestens: Er war Ende der Neunziger der erste nicht-amerikanische künstlerische Direktor an dem New Yorker Traditionshaus. Aber: „Die Zukunft der Klassik liegt in Asien“,­meint beispielsweise Simon Rattle. Man könnte es glauben, wenn man den prallen Festival-­ Terminkalender von Ray Chen sieht oder den warmen Worten von Matthias von Hülsen, dem Leiter der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, folgt, der über seinen „Preisträger in Residence 2011“, dem Cellisten Li-Wei Qin, sagt. „Er ist erfüllt mit Herzensgüte­und menschlichem Anliegen. Man spürt es, wenn er spielt.“ Ist die Zeit etwa­vorbei, in der asiatische Musiker vornehmlich als reine Technikwunder belächelt wurden? Stephen McHolm vom Honens Internationalen Klavierwettbewerb in Calgary ist skeptisch: „Wir wollen keine tausend Lang Langs, sondern Persönlichkeiten.Wir sind kein Sportplatz, züchten­ nicht Superstars,sondern wollen stabile Karrieren.“­ Seinem Landsmann Jan Lisiecki räumt er gute Chancen ein, da er begabt sei, finanziell abgesichert und künstlerisch wichtige Befürworter habe wie Pinchas Zukerman. Auch wenn der sechzehnjährige Schlacks als Persönlichkeit (noch) keine „Magnetketten in die Massen“ wirft, wie einst Robert Schumann über Paganini schrieb, so zählen die Festivals in Verbier­und Mecklenburg-Vorpommen ihn heuer zur „Jungen Elite“.­ Konkurrenz wird ihm auf dem Klavierfestival-Ruhr Ingolf Wunder­ machen, nicht nur, weil die beiden bei der gleichen Plattenfirma sind. Wunders musikalische Präzision und Empfindsamkeit ist einmalig und dann ist ja noch die Story um den Chopin-Wettbewerb 2010 in Warschau. „Wunder und wer noch?“ titelten die Gazetten, als Wunder entgegen der einhelligen Meinung nur den zweiten Preis bekam. „Der heutige Klassik-Markt ist grausam und ungerecht“, sagt die Münchner PR-Agentin Monika Csampai, die seit zwei Dekaden

Fotos: Anelia Loubser; Windsor Star; Marco Borggreve; Philipp Rohner; Emanuel Altenburger; Uwe Arens; Peter Rigaud; Hochschule für Musik, Würzburg; Ester Haase; Jan Nordhoff; Frank Juery; IMG, Seite 14, 18: Bob Coat (2), Ingo Pertramer.

Die Nachwuchsstars, die man im blick haben sollte:

GEBÄUDE DER ERINNERUNG Do. 20. Oktober | 19:30 Giovanni Bellucci, Klavier Beethoven, Liszt Fr. 21. Oktober | 19:30 Vogler-Quartett Beethoven Sa. 22. Oktober | 19:30 François-Frédéric Guy, Klavier Konzert zum 200. Geburtstag von Franz Liszt Werke von Liszt

HOMMAGE À GYÖRGY LIGETI Di. 25. Oktober | 19:30 Isabelle Faust, Violine Alexander Melnikov, Klavier Teunis van der Zwart, Horn Fauré, Ligeti, Brahms Mi. 26. Oktober | 19:30 Arditti String Quartet Bartók, Ligeti, Nancarrow Do. 27. August | 19:30 GrauSchumacher Piano Duo Liszt, Bartók, Ligeti, Rachmaninow

So. 23. Oktober | 11:00 Europäisches Solodebut Angelina Gadeliya, Klavier Schumann, Brahms, Chopin, Schoenberg, Janáˇcek, Scriabin So. 23. Oktober | 19:30 Pražák-Quartett Janáˇcek, Haydn

NEW YORK ZU GAST Fr. 28. Oktober | 19:30 Wu Han, Klavier Gilbert Kalish, Klavier Lily Francis, Violine Arnaud Sussmann, Viola Nicolas Altstaedt, Cello David Finckel, Cello Beethoven, Crumb Sa. 29. Oktober | 19:30 Wu Han, Klavier Gilbert Kalish, Klavier Lily Francis, Violine Arnaud Sussmann, Viola Nicolas Altstaedt, Cello Ives, Carter, Dvorˇák So. 30. Oktober | 19:30 Wu Han, Klavier Gilbert Kalish, Klavier Lily Francis, Violine Arnaud Sussmann, Viola Nicolas Altstaedt, Cello David Finckel, Cello Beethoven, Schumann, Corigliano, Barber, Gershwin

PHILHARMONISCHES

Programm/Karten: Tourist-Info Bad Reichenhall Wittelsbacherstr. 15 83435 Bad Reichenhall Tel. +49(0)8651 606-0 Fax +49(0)8651 606-133 vorverkauf@bad-reichenhall.de

Mo. 24. Oktober | 19:30 Bad Reichenhaller Philharmonie GrauSchumacher Piano Duo Dirigent: Thomas J. Mandl Mozart, Masanetz, Liszt

Künstlerische Leitung: Klaus Lauer

www.alpenklassik.com

www.bad-reichenhall.de


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Weitere Nachwuchskünstler, Karriere“, meint der ausgezeichnete Kenner den Markt beobachtet. „Er funktioniert die auf den Listen der der Szene. weder nach musikalischen, noch nach äsIntendanten stehen: Schicksal kann so aussehen: Leothetischen oder rationalen Mechanismen. Trio Morgenstern, Jérémie Rhorer und Cernard Bernstein sprang für den erkrankten Karrieren beruhen zum größten Teil auf cle de l’Harmonie, Raphaël Pichon und EnBruno­Walter ein, der Rest ist bekannt. Der Zufällen.“­Ruth Wischmann, seit Jahren für semble Pygmalion (beide Musikfest Bremen), kolumbianische Dirigent Andrés Orozco-­ den ARD-Musikwettbewerb tätig, vermisst Maurice Steger, Blockflöte (Dresdner MusikEstrada bekam 2004 beim Wiener Musik­ „die Differenzierung“. Sie kenne unzählige festspiele), Tamar Halperin, Cembalo (POverein auch so eine Chance – und nutzte sie. fabelhafte Musiker, die regelmäßig mit sehr DIUM Esslingen), Sebastian Manz, Klarinette Für Rudolf Buchbinder, den künstlerischen guten Orchestern konzertieren, aber kaum (Festival „Spannungen“), Han-Na Chang, ­Leiter des Festival Grafenegg, ist „die sobekannt sind. Etwa Michelle Breedt, die mit Cello und Dirigentin. fortige Wieder-Einladung bei den Münchwarm tönendem Mezzo Jahr für Jahr auf den ner Philharmonikern Beweis genug für das Bayreuther Festspielen fasziniert. Gustav­ großes Potential von Orozco-Estrada!“ Sein künstlerischer Ernst Kuhn, Leiter der Tiroler­Festspiele und des Wettbewerbs „Neue überzeugt auch ohne sozialromantische Story um Straßenkinder à la ­Stimmen“ der Bertelsmann-Stiftung sieht es fatalistisch. „Letztlich ­Dudamel, den er übrigens bewundert.  entscheidet das Schicksal, die Vorsehung oder der liebe Gott über eine­ n

ANNA PROHASKA BACKSTAGE Die Sopranistin hat den Weg nach Oben schon fast gefunden. Wir trafen UND fotografierten sie in Berlin

Musiker­familie. Sie ist noch keine Frau, sondern eher ein Mädchen. Ein Mittwoch im Mai. Die Welt von Anna Prohaska besteht in diesem­ Ein Mädchen, das sehr gut singen kann und dies mit einer jugend­ Moment aus einem Berliner Konferenzraum, einem schwarzen Stuhl lichen Leichtigkeit wahrnimmt. Das ZDF möchte wissen, auf welche und einem zotteligen Mikrophon, das ihr jemand vom Fernsehen über großen Namen sie etwas gebe, wessen den Kopf hält. An ihren Augen werden Ratschläge sie bei ihrer „Karrierepladie Wimpern bemalt, eine Dame vom nung“ ernst nehme, aber die junge SänZDF stellt ein paar Fragen, das Magazin gerin lässt die große Kirche von BarenAspekte dreht ein Portrait über die Nachboim und Welser-Möst mit einem Satz wuchs-Sopranistin, die gerade ihr erstes im Dorf, denn es seien eher die ihr verSolo-Album herausgebracht hat. Auf trauten Menschen von früher, auf deren der Bühne stehen und singen ist heute Rat sie viel gebe - ihr erster Gesangslehnicht mehr genug, auch die CDs wollen rer zum Beispiel, ihr Bruder, ihre Eltern. verkauft werden. Das geschieht am besUnd die Schwierigkeiten? Was sind die ten, wenn man Interviews gibt oder sich großen Schwierigkeiten auf dem Weg – wie in diesem Fall für crescendo – für nach oben? Anna wird erstmals ein ein Cover fotografieren lässt. wenig sentimental, nachdenklich soAnna Prohaska ist 27, vor fast zehn Jahgar, ihre Hände geben sich gegenseitig ren hatte sie ihr erstes großes EngageHalt. Sie sagt, bei ihr sei alles sehr glatt ment an der Komischen Oper Berlin gelaufen, harmonisch. Aber dann lässt (Benjamin Britten: „The Turn of the sie doch noch einen Blick auf GeheimScrew“). Im Jahr 2006 sprang sie an der nisse einer jungen Künstlerin zu. Es sei Berliner Staatsoper als Frasquita („Carwichtig, welche Rollen man annehme: men“) ein, der Dirigent hieß damals „Wenn Du als Sängerin das falsche Lied Daniel Barenboim. Sie wurde fortan singst, kannst Du Dir sehr viel kaputt festes Mitglied dieses Hauses, es folgten machen, das ist doch krass, oder?“ Engagements bei den Innsbrucker FestAuch sie weiß inzwischen um ihr wichwochen der Alten Musik, am Luzerner tigstes Kapital: Sie muss ihre Stimme Theater und in Tokio („Moses und schonen, so weit es geht. Das heißt, keine Aron“ unter Barenboim). 2008 sang Veranstaltung oder Party besuchen nach sie als Erste­Waldnymphe in „Rusalka“ Make-up fürs crescendo-Titelfoto: einer großen Aufführung, kaum reden bei den Salzburger Festspielen, Dirigent Anna Prohaska zieht die Lippen nach. danach, einfach immer mit den Worten Franz Welser-Möst zeigte sich hernach haushalten, tagsüber, abends, morgens. Auf ihrem Hocker, mit dem begeistert. Als Poppea durfte sie jüngst in Kostümen von Christian wuscheligen ZDF-Mikro über den Haaren, tut sie in diesem Moment Lacroix in „Agrippina“ in Berlin auftreten. zwar genau das Gegenteil, aber genau das macht sie so sympathisch. Anna Prohaska ist eine der Künstlerinnen unserer Rising Stars, die Als die Augen fertig geschminkt sind, konzentriert sie sich auf das den Weg zur großen Bühne schon gefunden haben. Dass sie noch Foto­shoot, erfüllt die Wünsche des Fernsehteams und erzählt – wie kein Star im Sinne einer Anna Netrebko ist, liegt eher daran, dass sie ein ganz normales Mädchen eben – wo, wie und warum sie gerade Singen als „etwas ganz normales in unserer Familie“ erlebt und daher dieses grüne Kleid gekauft hat.  RK n lieber Mensch als Star sein mag. Prohaska entstammt einer Wiener

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Solo

Erwin Schrott

Der Tango-Chef

Foto: Laurent Philippe

Allen, die Erwin Schrott nur als Ehemann einer schö­ nen Opernsängerin abgespeichert haben, der auch mal ganz passabel einen Leporello singen kann, gibt der ­uruguayische Bassbariton mit seinem neuen ­Album „Rojotango“ einen Satz brandheiße Ohren. Astor ­Piazzollas bekannter Tango „Oblivion“, das glutvolle Zukunftsdrama „Rinascero“ oder Violeta Parras ­„Gracias a la vida“ haben in ihm einen ebenso stil­ sicheren wie leidenschaftlichen Fürsprecher wie ­Carlos Jobims bekannter Bossa Nova „Insensatez“ oder der Zugaben-Rausschmeißer, eine explosive Samba des brasilianischen Liedermachers Caetano Veloso. Dabei klingt er nirgends zu hochgestochen. Für uns das per­ fekte Strandalbum für laue Sommerabende! Mm

Erwin Schrott: „Rojotango“ (Sony)

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h ö r e n & s e h e n

Die wichtigsten CD`s des Monats, ausgewählt von Attila Csampai

18. jahrhundert, zweite Hälfte, erste Sahne Feinstes von Mozart, Beethoven, Liszt und Gál

D

ie Oper ist nicht nur ein „Gesamtkunstwerk“, also die reale, greifbare Synthese aus Musik, Sprache, Gesang, Ausdruck, Bewegung, Raum, Licht, Kostüm und Dekor, sondern sie ist auch die Quelle der großformatigen Instrumentalmusik. Aus der Ouvertüre entwickelte sich die klassische Sinfonie: Und wie sich das in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts rasant entwickelte, kann man etwa an den Ouvertüren Mozarts, wahren Juwelen der Gattung, nachvollziehen: Mozart: „ouvertüren“ La Cetra Barockorchester Basel, Andrea Marcon, (Deutsche Grammophon) Track

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Auf der crescendo Abo-CD: „Ouvertüre“ aus: „Ascanio in Alba“, s.S.1 9

Andrea Marcon, geb. 1963, und seit Jahren eine Ikone des italienischen Historismus, hat mit dem Baseler „La Cetra­Barockorchester“, das er 2009 übernahm, fast alle Opernouvertüren Mozarts in chronologischer Reihenfolge eingespielt, und so einmal auch die kaum bekannte „Vorgeschichte“ der sieben berühmten späten Ouvertüren beleuchtet. So zeichnet er gewissermaßen im „Zeitraffer“ und sehr kurzweilig die schier unglaubliche Entwicklung nach, die Mozart in knapp 25 Jahren vom umherreisenden Wunderkind zum revolutionären Musikdramatiker in Wien vollzog, und man erlebt da schon bei so frühen Werken wie „Betulia liberata“ oder „Ascanio in Alba“ elektrisierende Ausbrüche des Genialen. Während Marcons schlanke, präzise Klangprofile und seine rasanten Tempi Mozarts Jugendwerke durchaus aufwerten, muss er sich bei den späteren Ouvertüren massiver Konkurrenz beugen: Hier klingt sein 40köpfiges Ensemble dann doch nicht so schlagkräftig und virtuos wie manche großen Traditionsorchester. Aber auch die Akustik des Wirtshaus-Festsaals ist eher kühl und kopflastig, also nicht ideal für die Dämonie und Sinnlichkeit seiner späten Ouvertüren. Mozart: „Sinfonien Nr. 39 & 41“ The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner (Soli Deo Gloria)

Da ist auch noch der erfahrene britische Histo­rist John Eliot Gardiner mit seinen seit Jahrzehnten­von ihm geformten English Ba22

roque Solo­ists der geheimnisvollen Aura und dem metaphysischen Zauber von Mozarts Spätwerk in zwei jetzt veröffentlichten Londoner Konzertmitschnitten­aus dem Jahr 2006 viel näher, obwohl er lange zu den radikalsten Köpfen der Szene zählte: Seine Lesart der beiden späten Sinfonien Nr. 39 und 41 wirkt deutlich souveräner, sanguinischer und flüssiger als noch vor 20 Jahren und auch der schroffe Ton seiner früheren Mozart-Aufnahmen weicht nun einem unverkrampften, natürlichen, empfindsamen Erzählfluss, der endlich auch die schwerelose Schönheit dieser Musik zum Zug kommen lässt, und den krachenden Rebellen von ehedem gegen einen weisen Magier eingetauscht hat. Rameau: Orchestersuiten aus „Hippolyte et Aricie” und „Zais” L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg (Crystal Classics) Track

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Auf der crescendo Abo-CD: „Hippolyte et Aricie“ II. Air en Rondeau pour les Amours.

Zu den aufregendsten Barockensembles unseres Nachbarlandes Österreich zählt das 1996 von Studenten gegründete „L’Orfeo Barockorchester“ aus Linz. Unter der Leitung der Barockgeigerin Michi Gaigg haben sie sich zuletzt ganz nach vorne gespielt in der europäischen Alten-Musik-Szene: Ihren internationalen Anspruch unterstreicht auch ihr neuestes, der noch immer unterschätzten Bühnenmusik des französischen Barockmeisters Jean-Philippe ­Rameau gewidmetes Album: Da haben sie die Instrumentalstücke aus der Tragédie lyrique „Hippolyte et Aricie“ und dem heroischen Ballett „Zaïs“ zu zwei 19teiligen Orchestersuiten zusammengefasst. Derart verdichtet, kommt die Schönheit und innere Vielfalt von ­Rameaus farbenprächtiger, ungemein eleganter Orchestermusik fast noch besser zum Vorschein als in den ausladenden Opern. Das ganze Arsenal an Tanztypen, an szenischen Topoi und dramatischen Effekten, das die Versailler Hofmusik auf ihrem Höhepunkt erreicht hatte, wird dabei lustvoll ausgebreitet. Und Michi Gaigg und ihre „orpheischen“ Mitstreiter gehen wieder mit einem tänzerischen Schwung und einer rhythmischen Präzision zu Werke, dass man ­sofort angesteckt wird von ihrer Spielfreude, ihrer glasklaren Dik­ tion, die uns auch etwas vom Lebensgefühl dieser längst vergangenen Kunstform vermitteln.

www.crescendo.de

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Juni bis August 2011


Beethoven „Klavierkonzert Nr. 4“ Dejan Lazic´ , Australian Chamber Orchestra, Richard Tognetti (Channel Classics) Track

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Auf der crescendo Abo-CD: „Klaviersonate Nr. 14 in cis-Moll, op. 27, Nr. 2“ I. Adagio sostenuto, siehe Seite 19, siehe Seite 19

Einen ganz anderen Weg der lyrischen, der spirituellen Annäherung an Beethovens Klavierkosmos wählt der junge, in Amsterdam lebende Kroate Dejan Lazic´ auf seinem neuen Mehrkanalalbum, das er drei besonders geheimnisvollen Werken des ­Wiener Klassikers gewidmet hat: Im Mittelpunkt seines neo-romantischen Ansatzes steht die einzigartige Orpheus-Szene im AndanteSatz des 4. Klavierkonzerts, deren radikale Kontrast-Dramaturgie er im atmenden Dialog mit dem schlank besetzten Australischen Kammerorchester quasi auf das ganze Konzert überträgt, und dieses ständige Wechselbad von zärtlichen und heroischen Gefühlen durch agogische Tempowechsel noch verdichtet. So dominieren hier die utopisch-phantastischen Charakterzüge einer poetischen Traumreise, die dann in einer mit Schubertscher Intimität durchlebten, fast körperlosen „Mondscheinsonate“ ihre Fortsetzung und in der ähnlich innerlichen, geradezu entrückten Metamorphosen-Dramaturgie der abgeklärten späten As-Dur-Sonate op. 110 ihren logischschlüssigen und erschütternd wahrhaftigen Abschluss findet: Hier blicken wir in die tiefsten Seelenabgründe des Meisters. Hans Gál: „Violinkonzert“ Thomas Albertus Irnberger, Evgeni Sinaiski, Israel Chamber Orchestra, Roberto Paternostro (Gramola)

Wer abseits der ausgetretenen Pfade nach unbekannten Juwelen sucht, dem empfehle ich das neue Album des jungen Salzburger Geigers Thomas Albertus Irnberger, der gemeinsam mit dem auf hohem Niveau spielenden Israel Chamber Orchestra und dem Dirigenten Roberto Paternostro das wunderbare, melodiös-empfindsame Violinkonzert des vergessenen österreichischen Spätromantikers Hans Gál ausgegraben und mit Noblesse und Herzblut wiederbelebt hat: Als Jude musste der renommierte Musikologe Gál auf dem Höhepunkt seiner Komponistenkarriere 1938 vor den Nazis aus Wien fliehen, und er verbrachte im schottischen Edinburgh eher zurückgezogen den Rest seines langen Lebens, wobei er seine Kompositionen zurückhielt. Diese Bescheidenheit mutet seltsam an, wenn man sich auf die eingängige Schönheit seiner raffinierten und stets optimistischen Musiksprache einlässt, die auch in den beiden Violinsonaten die Potenziale der Tonalität phantasievoll und auf höchstem handwerklichen Niveau auslotet. Und der 25-jährige Irnberger erweist sich wieder als einer der intelligentesten, stilsichersten, souveränsten Geiger seiner Generation.

Nino Machaidze Romantic arias 2008 war sie die Entdeckung der Salzburger Festspiele an der Seite von Rolando Villazon, im Februar 2011 erhielt sie an der MET standing ovations und jetzt erscheint ihre erste CD bei Sony Classical: Nino Machaidze singt romantische Arien von Donizetti, Rossini, Massenet und Gounod. „Absolute Symbiose zwischen szenischer Glaubhaftigkeit und stimmlicher Finesse“ Opernglas

Termine JUNI Mailänder Scala mit Vittorio Grigolo JULI Münchner Opernfestspiele SEPTEMBER Hamburger Staatsoper DEZEMBER New York, MET

Liszt: „Klavierkonzerte Nr. 1 & 2 u.a.“ Byron Janis, Moskauer Philharmoniker, Kirill Kondraschin; Moskauer Rundfunk-SinfonieOrchester, Gennadi Roschdestwenskij (Newton Classics)

Bleibt zum guten Ende noch ein kurzer Hinweis auf einen der faszinierendsten Klaviervirtuosen Amerikas, dessen frühe Gastspiele in Moskau jetzt bei Newton Classics wiederaufgelegt worden sind: Der 1928 geborene Byron ­Janis war viele Jahre lang eine Ikone wie Van Cliburn, Glenn Gould oder Earl Wild, bevor ihn eine Arthritis-Erkrankung zum Rückzug zwang: Wie er 1962 in Moskau mit den beiden Liszt-Konzerten das russische Publikum zur Raserei trieb, das kann man jetzt endlich staunend nachhören, angereichert mit einem Feuerwerk von Solo­ stücken, die einen fast wehmütig stimmen: Da können viele der heutigen Starpianisten einpacken.  n

www.sonymusicclassical.de

Erhältlich ab 17.06.11


Khatia Buniatishvili ist gleich mit zwei neuen CDs vertreten.

Solo

Kammermusik Khatia Buniatishvili

Piano Trios

Mit Lisztigem Instinkt

Genialisch

„Mir war immer klar, dass meine erste Aufnahme ein Porträt von Liszt werden musste. Nur er gibt mir die Möglichkeit, die vielen Aspekte meiner Seele als Ganzes zu zeigen“, sagt Khatia Buniatishvili über ihr phänomenales Debüt-Album. Man darf es ohne Übertreibung als einen der wichtigsten Beiträge zum wahrlich üppig bedachten Liszt-Jahr be­ zeichnen. Die in der georgischen Hauptstadt Tiflis geborene Ausnahme-­ Pianistin präsentiert ganz unterschiedliche Facetten des Tastenvirtuo­ sen: Das Spektrum reicht vom romantischen „Liebestraum“ über den „teuflisch“ schweren „Mephisto-Walzer Nr. 1“ und die legendäre „h-Moll-Sonate“ bis zum esoterischen Spätwerk „La lugubre gondola“ aus dem Jahr 1882. Buniatishvili spielt alle Werke mit einem untrüg­ lich „lisztigen“ Instinkt, tiefem Verständnis für die Musik und hochkultivierter Anschlagskunst. Nicht nur Lisztianer sollten diese herrliche CD hören, sie gehört in jeden CD-Schrank. BS

Und nochmal ein Drittel Buniatishvili: Das Klaviertrio von Peter Tschai­ kowski ist eines der faszinierendsten und gewichtigsten Kompositionen für diese Besetzung – und eines der schönsten Werke aus der Feder des russischen Romantikers. Herrliche Einspielungen gibt es von diesem Wunderwerk auf CD zu kaufen, nicht zuletzt die, die Kremer selbst mit seinen Freunden Mischa Maisky und Martha Argerich 1999 für die DG aufgenommen hat. Man könnte also meinen, es sei „alles gesagt“. Hört man jedoch die vorliegende CD, will man seinen Ohren zunächst nicht trauen – denn es ist schier unglaublich, welche Nuancen die drei Inter­ preten dem Werk ablauschen und wie authentisch hier musiziert wird. Intensiver lässt sich Kammermusik kaum zelebrieren. Das gilt auch für das Trio von Victor Kissine, das fahlere Töne an­ schlägt. Diese Maßstab setzende ECM-Produk­ tion ist nicht nur ein „must have“ für Tschaikow­ ski-Fans, sondern für alle, die sich für echte Kammermusik begeistern können. BS

Khatia Buniatishvili: „Franz Liszt“ (Sony)

Tschaikowsky/Kissine: „Piano Trios“, Gidon Kremer, Giedré Dirvanauskaité, Khatia Buniatishvili (ECM) 24

www.crescendo.de

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Juni bis August 2011

Foto: Esther Haase/Sony Classical

h ö r e n & s e h e n


Solo

Friedrich Kleinhapl

Ida Haendel

Louis Lortie

Melodisch

Solistisch Top

Glasklar

Viele Klassikhörer verbinden mit dem Namen Max Bruch nur ein einziges Werk: Sein Kon­ zert für Violine und Orchester Nr. 1 in g-Moll – und unter dieser Tatsache hat der Komponist schon zu Lebzeiten gelitten. Diese wunder­ schöne CD mit unbekannten Werken für Cel­ lo und Orchester lädt dazu ein, den zu Unrecht unterschätzen Komponisten neu zu entdecken. Einen besseren Anwalt als Friedrich Kleinhapl hätte selbst Max Bruch sich dafür nicht wün­ schen können. Kleinhapl spielt die durchweg langsamen und melodieseligen Werke mit gro­ ßer Einfühlung und einem fast altmeisterlichen satten, voluminösen Ton, der seinesgleichen sucht. Ein weiterer Pluspunkt: Das hervorra­ gend disponierte Tschechische Radio Sinfonie Orchester sowie die warme, transparente und bis ins Detail austarierte Akustik der CD. Klas­ sikeinsteiger werden die Platte genau so lieben wie fortgeschrittene Romantiker und – Sorry, Herr Bruch – BruchStücke-Sammler. BS

Aller Wirbel um Geigerinnen wie Anne-­­ Sophie Mutter oder Julia Fischer kann nicht ­darüber hinweg täuschen, dass Ida Haendel die ungekrönte Königin des Geigenspiels ist, die „Woman with Violin“, wie der Titel ihrer ge­ suchten Autobiographie lautet. Gleich zwei Kon­ zerte werden hier erst­ mals mit ihr auf Tonträ­ ger veröffentlicht, in Stuttgarter Rundfunkauf­ nahmen der 60er Jahre mit dem Radio-Sinfo­ nieorchester unter Hans Müller-Kray. Und sie spielt das herrlich musikantische, hochvirtuose Konzert von Aram Chatschaturian mit einer Verve, Noblesse und innigen Kraft, die ihresgleichen suchen – ein Referenzdokument höchster Klasse. Auch das zweite BartókKonzert, eines der kompliziertesten Werke der Literatur, ist solistisch herausragend, wenngleich die Feinabstimmung der verschlun­ genen Rubati und abrupten Tempowechsel mit dem Orchester in dieser Live-Aufnahme gelegentlich klappert. Trotzdem grandios. CS

Mit den Ohren sehen ist kein Ding der Unmöglichkeit. „Louis Lortie plays Liszt“ kombiniert beide Sinneseindrücke auf einer CD. Denn in seiner Einspielung der kom­ pletten „Années de Pèlerinage“ bringt der frankokanadische Pia­ nist Impressionen zum Klingen, die Liszt ab 1835 auf Reisen durch die Schweiz und Italien sammelte – vom sanft wogenden See bis zum tobenden Gewitter. Tiefgang bekommen die Kompositionen, weil Liszt nicht nur Gesehenes, sondern zusätz­ lich die dadurch in seiner Seele hervorgeru­ fenen „tiefen Empfindungen“ sowie Gedanken zu Kunst und Literatur des Landes vertonen wollte. Das alles spielt Lortie ebenso hochkon­ zentriert wie glasklar – ein puristischer Hörge­ nuss für laue Sommerabende auf der Terrasse oder als Reisebegleiter von den helvetischen Alpen bis nach Rom. SDE

Max Bruch: „Pieces for Violoncello and Orchestra“, Friedrich Kleinhapl, Czech Radio Symphony Orchestra, Jan Kucˇera (Ars Produktion) Track

„Louis Lortie plays Liszt“ (Chandos)

„Ida Haendel spielt Violinkonzerte von Chatschaturian und Bartók“ (Hänssler Classic)

Auf der crescendo Abo-CD:

11 Max Bruch: „Adagio, op. 56“, s.S. 19 Ildebrando d’Arcangelo

Präsent und Kraftvoll

Foto : Uwe Are ns/DG

Giovanni, Leporello, Guglielmo, Figaro und Conte – Ildebrando d’Arcangelo, der italienische Bass­ bariton mit dem kräftig-dunklen Timbre, hat diese Mozartpartien in den letzten Jahren an den großen Häusern der Opernwelt zwischen Salzburg und London, Paris, New York und Mailand, er­ folgreich gestaltet. Nun glänzt er, nach seinen hörenswerten Händel-Aufnahmen, damit auch auf CD. Präsent und kraftvoll ist sein Stil dabei, agil in den schnellen Passagen, auftrumpfend in der Männlichkeit Giovannis, erwartungsgemäß listig als Figaro und mit weitem Bogen gestaltend in den ergänzenden Konzertarien. Man merkt die Leidenschaft, die er für diese Musik hegt in der Stim­ me, die die leichte Überpräsenz, die ihm die Tonbalance der Aufnahmen verleiht, gar nicht nötig hätte. Hier verkörpert Jemand den Typ einer neuen Sängergeneration nicht nur auf dem Coverphoto, wo er lässig mit Jeans auf einem Barhocker sitzt, sondern auch in der frischen, direkten Art, mit der er Mozart singt. US

Ildebrando d’Arcangelo: „Mozart“ Orchestra del Teatro di Torino, Gianandrea Noseda (DG)

Alte Musik

Emma Kirkby, Bell’Arte Salzburg, Annegret Siedel

Herz Erwärmend Über einhundert Plattenproduktionen mit Emma Kirkby sind momentan auf dem Markt erhältlich – da fragt man sich natürlich, was ausgerechnet an der neuen CD „Salzburg Barock“ so außergewöhn­ lich sein soll, dass sich außer Kirkby-Sammlern jemand dafür interessieren sollte? Kurz und knapp: acht feine Weltersteinspielungen, unter anderem von Heinrich Ignaz Franz Biber! Das 1995 gegründete Ensemble „Bell‘Arte Salzburg“ bringt sie gemeinsam mit der Sopranistin zum Klingen. Allein die ano­ nyme Komposition „Ach kommet von Himmel, ihr göttliche Flammen“ aus dem Benediktinerinnenstift Nonnberg erwärmt das Herz. Mit einer 26strophigen Arie „Ad Pulpitum“ („Aufs Podium“) aus dem­ selben Haus klingt der Entdeckerspaziergang durch die Residenzstadt aus. Jetzt noch einen Wein in einem kleinen Café am Mozartplatz – perfekte Geschichte. MM Track

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Salzburg Barock: „Musik am Hof der Fürsterzbischöfe“ Bell‘Arte Salzburg, Emma Kirkby, Annegret Siedel (Berlin Classics) Auf der crescendo Abo-CD: Heinrich Ignaz Franz Biber „O dulcis Jesu“, siehe Seite 19

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h ö r e n & s e h e n

Foto: Anders Thessing

Jazz

Für Lisa-Ekdahl-Fans ist die „CD & DVD De­ luxe Combo“ sowieso Pflicht. Interessant ist ihre Musik aber auch für Neulinge; als akus­ tischer Absacker nach einer rauschenden Cocktailparty, früh um vier, halb fünf, wenn es schon langsam wieder hell wird, eignet sich der hammondorgel-trunkene Live-­Mitschnitt der quieksigen Schwedin aus dem Pariser „Olympia“­perfekt als Chill-Tapete, das hat der Rezensent (Obacht, Henri-Nannen-Jury) pflichtschuldig am eigenen Körper ausprobiert. Leider nerven die zwischen wirklich genialen

Coverversionen von „Nature Boy“ oder ­ „Tea for two“ eingestreuten Anmoderationen nach zwei-, dreimaligem Hören in Schleife. ­ „It‘s a joy, it‘s a joy, and it‘s truly, truly a ­pleasure to be here ­tonight“ – das darf näch­ stes Mal ruhig draußenbleiben. Auch die DVD betreibt seltsame Heiligenverehrung. ­Regisseur Adam Nilsson hat „durchweg schwarz-weiß gedreht“. MM

Julian & Roman Wasserfuhr

Joshua Redman

Petterson & Bergander

Tills Erben

That‘s Jazz!

50 Jahre her

Was ist eigentlich mit Till Brönner los? Einst die Kreativhoffnung der Jazznation, findet man ihn inzwischen in Fernsehsendungen wieder, die nicht mehr wirklich etwas mit der wunder­ baren Welt der Improvisation zu tun ­haben. Hier schreitet einer zielstrebig in Richtung Adult Pop und hinterlässt so manch feuch­ tes Auge der Nostalgie. Und doch, mit seinem ­Stilwandel macht der Trompeter, der im Mai übrigens seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, den Weg frei für die nächste Generation. Einige stehen in den Startlöchern, Frederik ­Köster zum Beispiel oder auch Julian Wasser­ fuhr. Letzterer hat in Sound und Konzept sogar verblüffende Ähnlichkeit mit dem, was Kollege­ Brönner in den Neunzigern präsentiert hat. Das kann daran liegen, weil beide sich auf ih­ re Weise auf Chet Baker als Vorbild beziehen. Vor allem aber hängt es damit zusammen, dass der junge Trompeter ebenfalls einen sanften, dem Flügelhorn verpflichteten Sound bevor­ zugt, der lyrische Phrasierungen nahe legt. „Gravity“ ist das zweite Album, dass er mit ­seinem Bruder Roman am Klavier verwirklicht hat. Ästhetisch geübt, fein differenziert. RDO

Gleich zum Punkt: „James Farm“ ist eines der bemerkenswertesten Alben dieses Jazzsom­ mers. Das schreibt sich leicht dahin, klingt gar ein wenig nach Werbetext, lässt sich aber an­ hand des Albums belegen. Zunächst treffen mit den Saxofonisten Joshua Redman, dem Pianis­ ten Aaron Parks, dem Bassis­ten Matt Pen­ man und dem Schlag­ zeuger Eric Harland vier Persönlichkeiten der mittleren amerika­ nischen Jazz-Generation aufeinander, die sich keine Sorgen mehr um ihr Profil machen müs­ sen. Jeder der vier gilt als Charakterkopf seines Fachs und hat genügend Einträge in der Refe­ renzenliste, um launische Kritik abschmettern zu können. Auf die Idee hinter „James Farm“ angesprochen, gibt Joshua Redman mit einem Lächeln zu Protokoll: „Ich will Geschichten er­ zählen, die nicht auf andere Weise erzählt wer­ den können. Musik hat für mich eben genau diese Schönheit und Besonderheit. Könnte ich die Geschichte in Worte fassen, dann wäre sie schon nicht mehr die, die ich mit der Musik er­ zählen wollte.“ That‘s Jazz! RDO

Schon die verblichenen Farben des Covers ver­ weisen auf die Jazz-Tradition der 1960er Jahre. Und tatsächlich, die zwölf Songs von Sofia Pet­ tersons neuem Album knüpfen an jenen Sound an, der vor einem halben Jahrhundert in den Clubs zu hören war. In bester Singersongwri­ ter-Tradition präsentiert die hierzulande noch wenig bekannte Schwedin eigene Lieder, zu­ meist lyrisch grundierte Miniaturen, die Petter Bergander am Piano genauso genial begleitet. Nur vereinzelt unterstützen Percussion und Violine in bester Clubjazz-Manier das harmo­ nische Gewand. Sofia Pettersons natürlicher, erzählender Tonfall, der selbst dann swingt, wenn er dem Sprechen nahe kommt, steigert sich immer wieder in groß angelegten Phrasen zu exzellentem Jazzgesang, der zum aufmerk­ samen Zuhören ebenso einlädt, wie er als at­ mosphärisch starke Backgroundmusik einen warmen Sommerabend zu untermalen weiß. Ein Album voll schwedischer Natur und stimm­ licher Überzeugungskraft. US

Lisa Ekdahl

Paris, schwarz-weiß

Julian & Roman Wasserfuhr: „Gravity“ (ACT)

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Lisa Ekdahl: „At the Olympia Paris“ (Sony)

Sofia Petterson & Peter Bergander: „Det liknar ingentning“ (Prophone)

Joshua Redmann: „James Farm“ (Atlantic)

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Juni bis August 2011


Tanz

Sidi Larbi Cherkaoui

Frederick Wiseman

Beatrice Bart

Zeitgenössisch

Formvollendet

Exquisit

Der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui, 1976 geboren im belgischen Antwerpen, ist Sohn eines aus Tanger eingewanderten Marokkaners und einer Flämin. Und alles, was er in dieser Dokumentation erzählt: über die Armut der Familie, das Zerbrechen der elterlichen Ehe, sei­ ne Homosexualität, führt einen auf sehr be­ rührende Weise hin zu seiner Persönlichkeit – und zu seiner Kunst. Aufgewachsen als Gast­ arbeiterkind, als Außen­ seiter, ist Cherkaoui im­ mer wieder auf der Su­ che nach neuen Kulturen, neuen Anregungen für seinen Tanz. Und so folgen ihm die Filmemacher Don Kent und Christian Dumais-Lvowski auf seine aus­ gedehnten Reisen. Im korsischen Calvi tanzt Cherkaoui zu den polyphonen Gesängen eines Männerchores. Man erlebt ihn als Partner ei­ ner Flamenco-Künstlerin, als Schüler einer Kuchipudi-Tänzerin im indischen Madras, im chinesischen Shaolin-Kloster, wo er mit den Mönchen deren traditionellen Kampftanz auf seine eigene zeitgenössische Weise verarbei­ tet. Cherkaoui ahmt nicht nach, sondern findet zu einer Synthese, in der sich beide Seiten wie­ dererkennen können. MG

Die extrem harte Arbeit von Muskeln und Sehnen, die Disziplin, den Schweiß, diese fast übermenschliche Fron am Tanz und – die atem­ verschlagende Schönheit dieser flüchtigen Kunst, das offenbart uns der 80jährige Frede­ rick Wiseman in seiner Meister-Dokumen­ tation „La Danse – Das Ballett der Pariser Oper“. Wiseman, der dieses Elite-Ballett als Gesamt-Institution erfassen wollte, zeigt die Architektur des ehrwürdigen Palais Garnier, die Werkstätten, die Administration, ermög­ licht uns jedoch vor allem eine Art „kreatives Tanz-Miterleben“: vom Entwurf eines neuen Balletts oder einer Neueinstudierung bis zur Premiere. Hochspannend dabei, wie die ex­ quisiten Pariser Tänzer die (deutsch unterti­ telten) Korrekturen von Choreographen und assistierenden Ballettmeistern zur vollende­ ten Form umsetzen. Ob in den alten Klassikern „Nussknacker“ und „Paquita“ oder in den Ar­ beiten von Modern-Dance-Meister Mats Ek, von Tanztheater-­ Legende Pina Bausch und der jün­ geren Garde Ange­ lin Preljocaj, Wayne McGregor und Sa�� sha Waltz. MG

„La petite danseuse“ ist die Geschichte der jungen Ballettschülerin Marie van Goethem, die dem Maler Edgar Degas für seine Statue der „Kleinen vierzehnjährigen Tänzerin“ Mo­ dell gestanden hatte. Choreograph und Ballett­ meister des Pariser Balletts Patrice Bart ent­ rollt zur filmisch angelegten Auftragskomposi­ tion von Denis Levaillant das traurige Schicksal des Mädchens. Angestiftet von der ehrgeizigen Mutter, versucht es, einen Abonné – einen je­ ner Galane, die sich hauptsächlich we­ gen der hübschen Ballerinen im Ballett abonnierten – für sich zu gewinnen, stiehlt seine Geld­ börse, arbeitet nach ihrer Gefängnisstra­ fe als Wäscherin und wird schließ­ lich vom „Mann in Schwarz“, der To­ desfigur, abgeholt. Bart bietet mit versiertem Handwerk eine Menge Tanz: im Ballettsaal, auf dem Opernball, im Cabaret und mit tanzenden Wäscherinnen. Seine Pas de deux und Pas de trois sind gelungen und werden von den Pariser Etoiles exquisit, allerdings etwas unterkühlt­ dargeboten. MG

Patrice Bart: „La petite danseuse“, Ballett und Orchester der Pariser Oper. Dirigent: Koen Kessels (Arthaus Musik)

boe rompete lavier rgel

„Rêves de Babel“ mit Sidi Larbi Cherkaoui, französisch mit deutschen Untertiteln (BelAir Classiques)

Frederick Wiseman: „La Danse – Das Ballett der Pariser Oper“ (Kool Classics)

29. August bis 16. September 2011

Internationaler Musikwettbewerb

60. Internationaler Musikwettbewerb der ARD München

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kultur20 marken11 award Der Wettbewerb im deutschsprachigen Raum. Jetzt bewerben! Einsendeschluss: 15.August 2011 Kulturmarke, Trendmarke, Stadtmarke, Kulturinvestor, Kulturmanager und Förderverein des Jahres

h ö r e n & s e h e n

Orchester

Willem van Otterloo

Originale Aufnahmen Der Holländer Willem van Otterloo (190778) war einer jener Dirigenten, die, vergleich­ bar George Szell oder auch Fritz Reiner, auf der Grundlage ­absoluter kapellmeisterlicher Soli­ dität, ein Höchstmaß an exakter, schlanker und rhythmisch feuriger Ausführung mit ihren Or­ chestern erreichten. Nach einer 13-CD-Box mit dem Residentie Orkest Den Haag lässt Challenge Classics nun 7 CDs folgen, an denen unter anderem auch das Concert­ gebouw Orkest und die Berliner Philharmoniker beteiligt sind. Darauf finden wir neben Seltenem wie César Francks dreiviertelstündigem sym­ phonischem Poem „Psyché“­oder Webers 2. Sinfonie vor allem viel Stan­ dardrepertoire (Beet­hoven, Bruckner, Rachmaninow usw.) in brillanten Darbietungen, und vor allem die flott-schmissigen Märsche (Beethoven, Berlioz, Meyerbeer, Prokofjew)­sind von entfesselter Verve. CS

Willem van Otterloo: „The original recordings“ 1951-66 (Challenge Classics)

Max Reger

Volle Klaviatur Veranstalter:

causales

Förderer :

kultur20 invest11 kongress Der Branchentreff für Kulturmanagement, -marketing und -investment 27./ 28. Oktober 2011, Gebäude des Tagesspiegel, Berlin Frühbucherrabatt bis 31.Mai 2011 Anmeldung: www.kulturinvest.de

Veranstalter:

causales

Präsentiert von:

Das Werk mit der Opuszahl 114 des notorisch unterschätzten Max Reger aus dem Jahre 1910 zählt wahrscheinlich zu den schönsten ­Klavierkonzerten seiner Zeit. Leider gehört es auch zu den am ­wenigsten gespielten Konzerten seiner Art, was nicht zuletzt mit ­seiner hypertro­ phen chromatischen Faktur und den immensen techni­schen Schwierig­ keiten zusammenhängt. Marc-André Hamelin ist genau der richtige In­ terpret für diese unbedingt (wieder) zu entdeckende Klavier-Musik. Der gebürtige Kanadier, der schon seit Jahren zur Weltspitze seiner Zunft ge­ hört, legt hier eine Lesart vor, die über ­alle Zweifel erhaben ist. Auch die „Burleske“ von Richard Strauss wird unter Hame­ lins Händen zum Ereignis. Wer eine pianistische Lücke zwischen Brahms und Bartók schließen will, muss sich diese Referenzaufnahme anschaffen. BS

Max Reger: „Klavierkonzert“ / Richard Strauss: „Burleske“, MarcAndré Hamelin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Ilan Volkov (HYPERION)

Jun Märkl

Klaviermusik im Orchesterklang In der 6. Folge der Orchesterwerke Claude Debussys stellen Jun ­ Märkl­und das Orchestre National de Lyon ausschließlich Bearbeitungen vor. Besonders gelungen ist neben den zwei Klassikern von der Hand Henri Büssers – der wundervoll duftigen „Petite Suite“ und dem feinsinnig abgetönten „Printemps“ – die Orchestration der ­„ Suite bergamasque“: drei Sätze von der Hand Gustave Cloez’, das berühmte „Clair de lune“ von André Caplet meisterlich zart umgesetzt. Dagegen fallen die jüngeren Orchestrationen von Robin Holloway („En blanc et noir“) und Tony Finno (das frühe Sinfonie-Fragment Debussys) bei allem Können stilistisch deutlich ab. Die Aufführungen sind klar gezeichnet und tontechnisch sehr kulti­ viert abgebildet. CS

Debussy: Orchester-Bearbeitungen, „Suite bergamasque“ u.a., Orchestre National de Lyon, Jun Märkl (Naxos) Track

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Auf der crescendo Abo-CD: „Printemps“ Très modéré, siehe Seite 19

Förderer :



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Juni bis August 2011


Oper

Paul Szilard Productions, Inc. N.Y. and Michael Brenner for BB Promotion GmbH proudly present

De Marchi & Pergolesi

Spätbarocke Soap Opera Fast vier Stunden wahre Freude. Das ist Pergolesis Musikdrama „L’Olimpiade“. Eine Geschichte voll der typischen Irrungen, Intrigen und Af­ fekte, die die Oper des frühen 18. Jahrhunderts heute wieder so lebendig und modern werden lassen können. Ein betrügender Athlet, eine Frau als Preis für den Sieger, vertauschte Rollen, Zwillingsgeschwister – das sind nur ein paar der Zutaten dieses einst populären und an die 50 Mal vertonten Stoffes. Eine Soap Opera des Spätbarock, voll abenteuerlicher Situationen für die Kontraste von virtuosen Arien, tief empfundenem Andante-Leid und expressiven, wilden Ausbrüchen. Dazu sieben junge Sänger der stilistischen Extraklasse, energetisch in jedem Moment, getrieben vom Enthusiasmus für diese grandiose Partitur. Alessandro De Marchi, zaubert dazu jenen Sound, der das historisch informierte Musizieren so unge­ heuer attraktiv macht: direkt, knackig, spektakulär in den Klangfarben und schlichtweg schön von der ersten bis zur letzten Minute. Ein Muss für Entde­ cker! US

CULTURAL AMBASSADOR TO THE WORLD

ROBERT BATTLE

Pergolesi: „L’Olimpiade“, Academia Montis Regalis, Allessandro De Marchi (deutsche harmonia mundi)

ARTISTIC DIRECTOR

Masazumi Chaya

ASSOCIATE ARTISTIC DIRECTOR

Michel Corboz

Gounod, schön geistlich

Sakrale Musik

Dass Charles Gounod einen Großteil seines Schaffens der Kirchen­musik widmete, ist heute fast vergessen. Wäre es nach dem Urteil seines Kollegen Saint-Saëns gegangen, wäre ihm bis heute dafür der Ruhm zu Teil geworden und weniger dem Opernkomponisten des „Faust“ oder von „Roméo et Juliette“. Tatsächlich sind Gounods Requiem und die g-Moll Messe, die Altmeister Michel Corboz mit seinem Ensemble aus Lausanne mit viel Gespür für Atmosphäre und hellhörigem Ohr für Klangentwick­ lung eingespielt hat, echte Entdeckungen. Gerade das Requiem gewinnt durch seinen ruhigen, tröstenden, ja bescheidenen Charakter wahre Grö­ ße. Es weist darin, wie in einer Urform, voraus auf die bis heute bekannten und viel gespielten Requien von Fauré und Duruflé. Faszinierend auch die Choralmesse, die mit ihren gregorianischen Anklängen, ihrem bewusst ein­ fach gehaltenen Kontrapunkt und ihrer Chroma­ tik, sehr innig und zärtlich erscheint. Große, in­ tensive Musik für stille Momente. US

TOUR SPONSOR

12.-17.07.11 · Deutsche Oper Berlin 02.-14.08.11 · Kölner Philharmonie

16.-21.08.11 · Alte Oper Frankfurt 23.-28.08.11 · Hamburgische Staatsoper

TICKETS: WWW.BB-PROMOTION.COM · 01805 - 20 01 PRODUCED BY

SPONSOR

(0,14 €/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/Min.)

WITH SUPPORT FROM THE U.S. EMBASSY

A PUBLIC AFFAIRS PROGRAM OF THE EMBASSY OF THE UNITED STATES

2. RUSSISCHES KAMMERMUSIKFEST HAMBURG

Charles Gounod: „Requiem & Messe Chorale“, Ensemble Vocale et Instrumental de Lausanne, Michel Corboz (Mirare) Track

1

Doku

Auf der crescendo Abo-CD: „Requiem in C-Dur“ I. Introitus und Kyrie, siehe Seite 19

Veranstalter: Carlos Kleiber

Frenetische Tragödie Wenn man diese aus Interviews mit etlichen Weggefährten (darunter den Kollegen Muti, Sawallisch und Gielen) und Originaldokumenten geschickt und spannend montierte biographische Spurensuche sieht, kann man ver­ stehen, dass die Welt verrückt nach Carlos Kleiber war und ist. Allzu viele wären gerne so wie er: körperlich hemmungslos, emotional aufpeitschend, von verführerischem Sex, unerschöpflicher Fantasie, Witz, Schlagfertigkeit – und dazu musikalisch wahnsinnig begabt. Würden seine Vergötterer für sich auch die Kehrseite in Kauf nehmen wollen: die Selbstzerstörung dieser überbor­ denden kreativen Kraft, das tragische Scheitern, weil die innere Größe fehlt, das eigene Potenzial zu be­ herrschen? Carlos Kleiber war von einer grandiosen physischen Präsenz und mitreißenden Leidenschaft, sein Spektrum reichte von wolkenbruchartiger Frene­ sie zu selbstverlorenem Genuss. Tolles Porträt! CS

Carlos Kleiber: „I am lost to the world“ (C Major)

7. bis 18. September 2011 Laeiszhalle Hamburg · KulturKirche Altona · Lichtwarksaal

Philharmonisches Streichoktett Berlin David Geringas & Jascha Nemtsov Tanja Becker-Bender & Lilya Zilberstein u.a.

Karten / Informationen: Tel. 040.390 84 81 www.russisches-kammermusikfest.de

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h ö r e n & s e h e n

Noten

Noten

Ravel, nicht nur für Infanten

Romantik pur

Sie ist ein klanglicher Inbegriff des Fin de siècle: die „Pavane pour une infante défunte“. Maurice Ravel komponierte dieses leichte, aber ausdrucksstarke Klavierstück noch während sei­ nes Studiums. Es ist eine Reminiszenz an das Spanien der Habsburger und nun mit elf anderen leichten Wer­ ken wie „Menuet sur le nom d‘Haydn“ oder der „For­ lane“ aus „Le tombeau de Couperin“ in einer schönen Ausgabe bei Bärenreiter erschienen. An den Titeln merkt man: historische Miniaturen waren um 1900 in Paris „en vougue“. Bei Ravel wird daraus aber nicht nur eine atmosphärische Zauberei sondern eine Mu­ sik, die sogar der Spielende genießen kann. CM

Aus einem vierhändigen Klavierspiel wurde so man­ che Liebesbeziehung. Das wohl berühmteste Beispiel sind Clara Wieck und Robert Schumann. Sie wurden sogar zum Inbegriff des romantischen Künstlerehe­ paars. Wer nun in die Rolle von Clara oder Robert schlüpfen möchte, der findet passende und leichte Stücke bei Schott. „Romantische Kla­ viermusik“ heißt das Album, das relativ unbekannte vierhändige Kla­ viermusik von Schubert, Schumann und Mendelssohn vereint. Man kann aber auch schöne Entdeckungen machen, beispielsweise wurde auch eine „Barcarole“ von Carl Reinecke, oder eine „Idylle“ von Cornelius Gurlitt aufgenommen. Wenn dann nicht die Funken zwischen den Hän­ den sprühen, hilft nur noch der Wink mit dem Zaunpfahl. CM

Michael Töpel: „Maurice Ravel: Leichte Klavierstücke und Tänze“ (Bärenreiter)

Reiseführer

Musikstadt Wien

Klaus Börner: „Romantische Klaviermusik“ (Schott)

Tully Potter

Bücher

Buschs Vermächtnis Bald 60 Jahre ist er tot, und jetzt ist erstmals eine große Biographie über Deutschlands bedeutendsten Geiger seit Joseph Joachim erschienen: über Adolf Busch (18911952), vorerst nur auf Englisch auf über 1400 Seiten in 2 Bänden verfasst von Tully Potter, dem un­ angefochtenen Papst des Geigenspiels. Pot­ ter hat mit der ihm eigenen Akribie und Kenntnis alles zusammengetragen, was er­ wähnenswert ist, inklusive acht umfang­ reiche Anhänge, die u.a. sowohl Beiträge von Busch selbst („The Art of Ensemble Playing“) als auch von berühmten Kollegen wie Szigeti, Hanns Eisler, Adrian Boult und Menuhin über ihn umfassen, und natürlich komplette Listen seiner Aufnahmen und Kompositionen. Es ist ein grandioses Buch geworden, das ein klares histo­ risches Panorama entfaltet und den Menschen wie den Musiker anhand von authentischem Material in Wort und Bild anschaulich und intelligent zeichnet. CS

Die Staatsoper finden wohl noch die meisten Wienbesucher. Aber beim Haus, in dem Be­ ethoven die „Eroica“ komponierte, dürfte es auch für Wiener schwierig werden. Hier hat David Nelson mit „Vienna­for the Music Lover“ endlich Abhilfe geschaffen. Und so wird Musikgeschichte wirklich lebendig. Auf den Spuren eines Komponisten zu reisen,­ muss keine staubtrockene Angelegenheit sein. Schließlich hatten auch Komponisten wie Johannes Brahms ihre Lieblingsgasthäu­ ser, die auch im Reiseführer ihre Erwähnung finden. Aber auch die Geschichte­musika­ lischer Institutionen, wie der Hof- und der späteren Staatsoper wird unterhaltsam vor­ gestellt. Dank einer Übersetzung ins Deut­ sche gibt es inzwischen auch für Wiener mit wenig Englischkenntnissen die Möglichkeit bei Gästen Eindruck zu schinden. CM

Tully Potter: „Adolf Busch. The Life of an Honest Musician” (Toccata Press)

David Nelson: „Vienna for the Music Lover“ (Doblinger)

Joel Frederiksen

Die Wiederentdeckung

Neue Welten

Nicht nur für Shaker, Quäker, Zeugen oder Mormonen wird diese neue CD des amerikanischen Lautenisten und Basses Joel Frederiksen eine Er­ weckung sein. Mit seinem Ensemble Phoenix Munich grub Frederik­ sen in der kargen Erde der amerikanischen „Alten Musik“ herum und förderte kleine Schätze zutage. Der Reigen beginnt mit „Lay me low“, einer Verbeugung vor der Gründerin der Shaker-Bewegung, und en­ det mit einem hochexpressiven, kunstvoll vierstimmig gesetzten „O Lord, when I cry“ des Organisten Massah M. Warner. „Ich möchte ein kleines Fenster aufmachen, um etwas Licht auf das reiche Flecht­ werk dieser Musik zu werfen,“ schreibt Frederiksen im Beiheft der CD, und erklärt dazu viel über die Zeit zwi­ schen dem amerikanischen Freiheitskrieg (1775-1783) und dem Sezessionskrieg (1861-1865). Wie oft darf man schon dabeisein, wenn ein musikalisches Zeitalter wie­ derentdeckt wird? MM

„Rose of Sharon – 100 Years of American Music“, Joel Frederiksen, Ensemble Phoenix Munich (harmonia mundi) 30

Franui

Mahler mal anders

Werkgetreu sind die „Mahlerlieder“ von Franui nicht, wollen sie aber auch gar nicht sein. Vielmehr versteht die Musicbanda aus dem Ostti­ roler Dorf Innervillgraten Mahlers Vorlagen als Material, das sie auseinander nahmen und neu zusammensetzen. Und das mit einer „Klangbat­ terie“ aus Holz- und Blechbläsern, Streich- und Saiteninstrumenten von Hackbrett bis Volks­ harfe. Das Ergebnis ist ein Mix aus Salonorche­ ster-, Balkan- und alpenländischen Anklängen, den nur teilweise Gesang begleitet. Und der he­ rausfinden will, wohin man kommt, „wenn man einmal durch die Trauer geht und wieder hi­ naus“. Gemäß den Grundkonstanten des Labels, bunte, außergewöhnliche Musikvisionen zu veröffentlichen, entsteht dabei eine eigenwillig-unkonventionelle CD für Freunde des Experimentellen. AS

Franui: „Mahlerlieder“ (col legno) www.crescendo.de

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Die Dame von Nebenan Die Komponistin Edith Canat de Chizy ist bei uns so gut wie unbekannt – in ihrer Heimat Frankreich aber gilt sie als die führende Komponistin

Foto: C. Daguet/Editions Henry Lemoine

Die neuere Musik in Frankreich bietet weit mehr als die großen inter­ ­Stille und beständigem Aufflackern. Das Massivere, Handfestere, nationalen Namen Dutilleux, Messiaen, Boulez, Grisey oder mittleruntermauert mit Schlagzeugkaskaden, läuft Gefahr, die changieweile Dusapin. Die Musik von Jean-Louis Florentz, rende Freiheit zu verlieren. Bernard Cavanna oder Philippe Hersant ist wenigstens Èdith Canat de Chizy ist eine Meisterin außerebenso attraktiv, oder eben jene der 1950 geborenen gewöhnlicher Instrumentationseffekte mit kraftvoller Édith Canat de Chizy, der wahrscheinlich bekannteseigener Stimme. Es ist keine sinfonisch zusammenten lebenden Komponistinnen unseres Nachbarlanhängende Musik, kein kontinuierlich sich entfaltendes. Mehrere interessante CDs mit ihren Werken (dades Drama, sondern die Verkettung divergierender runter Solokonzerte und Streicher-Kammer­ musik) Eindrücke in sehr bewusst gezeichneter Atmosphäre, sind bereits erschienen, und nun liegen erstmals ihre­ stets aufs Neue überraschend, der Emotionalität keine kompletten Orchesterwerke, entstanden zwischen klare Identifikation bietend. 1989 und 2009, vor. Eindrucksvoll sind insbesondere die zwei länÉdith Canat de Chizy ist eine exquisite Klanggeren Werke: „Yell“ von 1989, in der Transformatikünstlerin, ihr Schaffen bewegt sich permanent im on elektroakustischer Effekte ins pure Orchester CaIrrationalen, Unbekannten. Es ist oft so, als folgten nat de Chizy zufolge eine Art Matrix der folgenden die außergewöhnlichen und transparent farbenWerke, und vor allem „Omen“ von 2006, eine wahrreichen Klangkombinationen wie von selbst aufhaft enigmatische Komposition, wie auch „La ligne einander, gleich Wolkenformationen, die sich mal d’ombre“ (2004). Herrlich im auskomponierenden Édith Canat de Chizy bedrohlich auftürmen und entladen, dann wieder Verebben und Verhauchen der Schluss des aggressizerfransen und zerfasern und stets unvorhersehbaveren „Times“ von 2009. Das re Bilder entstehen lassen. Im Hintergrund sind poetische, philoist ein Komponieren, dessen naturhaft aufsophische, religiöse und synästhetische Konzepte, doch stets wird scheinende Wechselfälle in ihrer temperader spontanen Fantasie freier Lauf gewährt – das Programmatische mentvollen Elastizität die Empfindung wilist, ähnlich einst Debussy, lediglich stimulierender Faktor. Am beder Wetter beschwört. Christoph Schlüren zauberndsten klingt ihre Musik, wenn sie sich in den Regionen des Édith Canat de Chizy: „Times“ Complete Orchestral Works (Aeon) Fragilen, Fluktuierenden bewegt, in den Grenzbereichen zwischen

INGOLF WUNDER CHOPIN Das Debütalbum auf Deutsche Grammophon Ab 17. Juni im Handel! Auch als Download erhältlich!

© Patrick Walter / DG

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Konzerttermine: 26.06. Düsseldorf 31.10. Hamburg 21.11. Berlin 23.11. Münster 25.11. Bielefeld 27.11. Oldenburg 29.11. Hannover

er Beweis +++ Der heimliche Sieger des Warschauer Chopin Wettbewerbs 2010 +++ Seine Karriere ist nicht mehr aufzuhalten +++ Der


k o l u m n e

Hier schreibt pascal morché

Pelze in der Scala, Sandalen in Bayreuth Unser Kolumnist ist empört, aber amüsiert: Die Kleiderwahl des einst klassischen Publikums gerät nun endgültig aus den Fugen.

Diese Geschichte beginnt im Baumarkt. Bei OBI, um genau zu sein. Für Sadomasochisten ist ein Baumarkt das Paradies: Dort gibt es Seile und Karabiner, Ketten und Senkbleie; also „Toys and Tools“ zum Spaß haben, die in SM-Shops wohl ein Vielfaches kosten. Warum ich dies schreibe? Nun, in München gab man im Frühjahr die Spielfilm-Trilogie „Der Herr der Ringe“, und zwar mit Live-Musik, dargeboten von den Münchner Symphonikern. Übrigens, ein musikantischer, höchst sympathischer Klangkörper; ein Orchester, das allerdings in keinem Ranking jemals erscheinen wird. Kein Orchester für Snobs, also. Aber wir waren ja beim Baumarkt. Wenn im 1. Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie die bösen Orks aufrüsten, verlangt Howard Shores Oscar prämierte Partitur einen scheppernden Sound, wie ihn nur Ketten erzeugen, die – um einen Handschuh gewickelt – über Klaviersaiten gezogen werden. Übrigens: Wenn die Nibelungen in Richard Wagners „Ring“

zur Weltherrschaft rüsten, fordert der Komponist im „Rheingold“ immerhin „16 Ambosse von verschiedener Größe“. Musikalisch militärische Aufrüstung führt also häufig zu unkonventionellen instrumentalen Maßnahmen und manchmal eben in den Baumarkt. Wir sind bei den Ketten. Freunde der SM-Szene kaufen da natürlich die richtigen, die schweren. Der Praktikant der Münchner Symphoniker aber kam mit leichten Messingchains zurück. Vor den Ohren der Schlagzeugabteilung fiel dieser Klinkerkram durch, woraufhin sich Orchesterdirektorin Annette Josef bei OBI höchstselbst ums Schwermetall kümmern musste. Als Wagnerianer hab ich mir das Musik­spektakel (250 Mitwirkende!) angehört. Fazit: Tolkins Trilogie „Herr der Ringe“ und zugehörige Filmmusik haben mit Wagners Tetralogie „Ring des Nibelungen“ soviel zu tun, wie eine Tofu-Wurst mit einer italienischen Cacciatore-Salami. Aber, und nun kommen wir zum Punkt, man konn-

Die Gattin als Figaro-Gräfin im RokokoOutfit?

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te etwas Tolles erleben: Es betraf die Kleidung, vielmehr die Verkleidung großer Teile des Publikums. Da kamen manche als Frodo gewandet, andere hatten sich Aragorn zum Vorbild genommen und erschienen in dessen Outfit nebst geschultertem Schwert, an ihrer Seite stilgerecht im Wallekleid: Herzdame Arwen. Da nun Opernfestspiele aller Orten beginnen, also Smokings und Abendkleider wieder aus ihren Plastiksäcken geschält werden, wollen wir uns vorstellen: Wie wäre­es, wenn in Bayreuth plötzlich Siegfriede im Publikum auftauchten? Und zwar so, wie man sich „Siechfried“ vorstellt: Mit einem Wams aus Bärenfell; Schwert und Trinkhorn umgehängt. Oder, wie wäre es, wenn sich jemand für die „Frau ohne Schatten“-Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele rollengerecht als Kaiser aufmantelte? Oder wenn vielleicht die gebotoxte Gattin eines DAXnotierten Unternehmenslenkers als FigaroGräfin stilecht im Rokoko-Outfit erschiene? ... Ein aus dem Publikum vom „Herrn der Ringe“ entwickeltes Gedankenspiel – aber leider funktioniert es nicht! Weil, das www.crescendo.de

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Juni bis August 2011


Spiel heißt „verkehrte Welt“: Siegfried läuft in Inszenierungen des heutigen Regietheaters von Posemuckel bis Bayreuth längst im Jogginganzug oder (ganz, ganz dolle aktualisiert) im C&A-Businessoutfit auf der Bühne herum und der Figaro-Gräfin hat ein Regisseur längst konventions- und standesgemäß ein braves Chanel-Kostümchen verpasst. Das ist nämlich der Unterschied zum „Herr der Ringe“: Dass Opern-Publikum kann sich kleidungsmäßig nicht in Richtung Bühne entwickeln, weil dort die Bühnen­figuren längst so gekleidet sind wie das Publikum unten im Parkett. Und das heißt: Zumeist schrecklich. Kleiner Exkurs: Natürlich gibt es Ausnahmen „auf“ der Bühne. Entweder­ Highend-Ästhetik-Kostümbildner Jürgen­Rose hat gestichelt oder der Intendant eines Opernhauses will sich besonders weit gestreut im Feuilleton­ wieder­finden. Wenn er das will, (und alle­wollen das) dann hat er einen Mode­ designer mit klingendem Namen engagiert: So kreierte der Star unter den japanischen Modemachern Yoshi Yamamoto schon die Kostüme für „Tristan und Isolde“ in Bayreuth, Armani hat in Rom die Sänger einer „Tosca“ ausgestattet und Karl Lagerfeld tobte sich textil bereits auf der Bühne der Mailänder Scala aus. In Bezug auf Marketing und PR ist das für beide Seiten, für Intendant und Couturier, eine klare win-win-­Situation. Das sagte sich auch Intendant Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper und engagierte dort unlängst für die Neuproduktion von Bellinis BelcantoSchinken „I Capuleti­e i Montecchi“ den großen Christian Lacroix als Schneidermeister. Jeder wie er kann: Am Gärtnerplatztheater wurde Janácˇeks Oper „Die Sache Makropulos“ vom eher kleinen Münchner Design-Duo Talbot&Runhof ausgestattet. Solche werbewirksamen Spielereien mit textilem Namedropping auf dem Programmzettel führen dazu, dass die Sänger­und Sängerinnen dann oben auf der Bühne besser gekleidet sind, als das Publikum unten im Parkett. Denn dort herrscht geschmacklich eben meist große, große Not. Es ist schon erschreckend, dass Menschen, die heute zu einer Boutiquen-Eröffnung strömen, die an irgendeinem WeinTasting teilnehmen oder gar zur Präsenta­ tion eines neuen Cabriolets in ein Autohaus geladen werden, dass diese Menschen fast immer besser gekleidet sind als ein Konzertoder Opernpublikum; selbst wenn dieses die Prestigefestspiele in Bayreuth, Salzburg oder München besucht. Wir wollen nicht mutmaßen, dass Shop-Eröffnungen, Wein-Tastings und Cabrio-Präsentationen inzwischen die eigentlichen kulturellen Highlights sind, für

die der Bürger sich noch aufhübscht. Aber ner observiert, hat eher das Gefühl auf einer wir wollen uns fragen, warum Männer mit- bad-taste-party zu sein, als bei einem „Parsiunter in Birkenstocksandalen die Foyers fal“. Eine Eigentümlichkeit läßt sich mitunvon Opern- und Konzerthäusern betreten? ter bei männlichen Wagnerianern erkennen: ­Warum sie nicht endlich (mit Mitte fünfzig) Ein kleiner, goldener Ring am Revers zeugt Abschied nehmen, vom inzwischen deut- vom Hardcore-Fan, der eine bestimmte Anlich zu klein gewordenen Konfirmations- zahl von „Ring“-Vorstellungen besucht hat. anzug? Warum sie zum schlecht sitzenden Nike Wagner sagte­mir einmal, dass ihre FaSmoking grundsätzlich Samba-Schleicher milie angesichts dieses Schmuckstückes vom an den ­Füßen tragen, oder Treter mit Krepp- „Goldenen Arschloch“ spreche. Frauen sind vor Geschmacklosigkeiten sohle der Marke Mephisto? Das sind Geschmacklosigkeiten, die hier wohlgemerkt im Kleidungsstil übrigens auch nicht gefeit: kein ideologisches Postulat der 68er-Gene- Da gibt es immer noch jene Kleider, die von der Hausschneiderin aus dem Vorhangstoff ration sind: 06_2011 Wir sind metropolis richtig unangepasst crescendo 12.05.2011 14:49 Uhr Seite der Grünwalder Villa kreiert wurden; da blitzen Escada-Knöpfe gülden um die Anzeige Wette; da sind nackte Waden nicht depilliert; da gibt es Abendkleider, die ihre WELTPREMIERE & Trägerinnen in dorische Säulen verwandeln. Und Tracht kann nur dann (wie WELTERSTEINSPIELUNG in Salzburg zu sehen) eine sehr schöne, DER REKONSTRUIERTEN Opern und Konzert kompatible KleiORIGINALPARTITUR ZUM dung sein, so sie nicht so vulgär ist, dass STUMMFILMKLASSIKER die Dame darin besser ins Bierzelt passt. VON FRITZ LANG! Außerdem: Die gefühlte Temperatur hat der gelebten Eitelkeit noch nie etwas anhaben können. Wer schon einmal bei einem Hunderennen in der dreckigen mexikanischen Grenzstadt Tijuana war, wundert sich nicht über Pelzmantel tragende Damen bei dreißig Grad im Schatten. An gesellschaftlicher Bedeutung ist das Hunderennen im heißen Tijuana der jedes Jahr am ­7. Dezember anstehenden Eröffnung der Mailänder Scala vergleichbar. Dieser Tag ist grundsätzlich ein „Pelzmantel-­Tag“ – auch wenn es so warm ist, dass im Campari das Eis schmilzt. Die Nagetiere vom Stamme der Chinchillas und Nerze drängt es dann in die Scala und man erkennt die CD: C5066 lombardische Pelzmanteldichte als eine der höchsten der Welt. Kein TheaterpuRUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN blikum auf Erden­scheint so schrill und DIRIGENT: FRANK STROBEL skurril, so teuer und gestylt. Hier sehen IN ZUSAMMENARBEIT MIT ZDF UND ARTE Männer noch wie Onassis aus; hier trifft man Frauen, die das Ableben des Schahs von Persien­offenbar nicht zur Kenntnis IM VERTRIEB DER NAXOS DEUTSCHLAND GMBH · WWW.NAXOS:DE genommen haben. Also: Wie schade eigentlich, dass Opernfestspiele im Sommer stattfinden. Im Winter, kann man und gehen ­deshalb in Jeans in die Oper! viel mehr anziehen und viel besser zeigen, Nein, dass sind Geschmacklosigkeiten, ge- was man hat. Und noch etwas lässt sich an boren aus mangelnder Liebe zum Schönen. der Scala in Mailand lernen: Entweder schrill Warum ist es für Männer, selbst nach 30jäh- oder schlicht. Aber bitte, nicht bieder! Ich hatrigem lifestyle-brainwash immer noch so te eine Freundin, die in Latex gezwängt, mit schwer, sich einen dunklen Anzug zu kau- mir eine Vorstellung von Schrekers „Die Gefen, ein weißes Hemd und eine Krawatte, die zeichneten“ bei den Salzburger Festspielen möglichst nicht mit Ferrarifelgen bedruckt besuchte. Das passte perfekt zum Werk und ist? Übrigens: Das Publikum der Salzbur- die Frau hatte Stil. Eine andere fragt mich vor ger Festspiele ist wesentlich besser (und teu- dem Opernbesuch immer, welche Kleiderrer!) gekleidet, als jenes der Bayreuther. Wer farbe mit Musik und Inhalt harmoniere? Bei auf dem Grünen Hügel in den einstündigen „Wozzeck“ empfahl ich rostbraun; für die A-Dur Seligkeit des „Lohengrin“ metallic-­ Pausen neben der Develey-Senfpumpe für ­ die Bratwurst steht und biedere Wagneria- silbernes, lichtes Blau.  n 33


gesellschaft Besucher öffentlicher Aufführungen von Oper, Ballett, Operette und von klassischen Orchestern in Deutschland 2008/2009:

10.559.878 Klassik in Zahlen

Altersstruktur der Besucher klassischer Konzerte 2009: 40 bis 49 Jahre: ………………………………………………… 10 % 10 bis 19 Jahre: ……………………………………………………… 3 % 50+ Jahre: ……………………………………………………………… 70 % 20 bis 29 Jahre: ……………………………………………………… 8 % 30 bis 39 Jahre: ……………………………………………………… 9 %

Anteil der bis 40-jährigen Mitglieder in Kulturorchestern 2005: ………………………… 39,71% Anteil der bis 40-jährigen Mitglieder in Kulturorchestern 2008: ………………………… 35,41%

Anstieg des Durchschnittsalters in den letzten 20 Jahren: - in der Gesamtbevölkerung: …………………………………………………………………………………………………………………………………… 3,4 Jahre - bei Besuchern klassischer Konzerte und Opern: ………………………………………………………………………………… 11 Jahre

Durchschnittspreis für einen Musical-Eintritt 2009: ………………………………………………… Durchschnittspreis für Oper & Operette: …………………………………………………………………………………………… Durchschnittspreis für ein klassisches Konzert: ……………………………………………………………………………… Durchschnittspreis für ein Disko-Besuch mit prominenten DJ: ………………………………………

Gesamtumsatz aller Tonträger 2001: ……………………………………………………………………… 2365 Millionen Euro Gesamtumsatz aller Tonträger 2010: ……………………………………………………………………… 1498 Millionen Euro Umsatzanteil der Klassik an allen Tonträger-Verkäufen 2001: ……………………………………… 7,4% Umsatzanteil der Klassik an allen Tonträger-Verkäufen 2010: ……………………………………… 7,5%

Altersstruktur der Klassik-Tonträgerkäufer 2009: 10 bis 19 Jahre: …………………………………………………… 2% 40 bis 49 Jahre: …………………………………………………… 21% 50+ Jahre: ……………………………………………………………… 64% 20 bis 29 Jahre: ……………………………………………………… 5% 30 bis 39 Jahre: ……………………………………………………… 9%

… nteil der bis 40-Jährigen am Opernpublikum 1965: ………………………………………………………………… 58 % A Anteil der bis 40-Jährigen am Opernpublikum 2005: ………………………………………………………………… 26 %

Bezogen auf Deutschland. Quellen: Deutsche Orchestervereinigung, Bundesverband Musikindustrie, Deutscher Bühnenverein, GfK, Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft, 8. Kultur-Barometer, Kulturfinanzbericht, Musikinformationszentrum

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Foto: ebraxas/Fotolia.com

59,41 Euro 29,70 Euro 23,61 Euro 10,06 Euro


KLANGSOCHOPIN?

das

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goldene konzert ZVI MENIKER spielt Scherzi, Balladen, Nocturnes und Mazurken im Klang wie zu Chopins Zeit auf einem PLEYEL-FLÜGEL von 1843 5. Juni in Leipzig, Gewandhaus, Mendelssohnsaal, 18 Uhr 7. Juni in Rostock, Barocksaal, 19,30 Uhr 9. Juni in Görlitz, Ehemalige Synagoge, 19.30 Uhr 11. Juni in Erfurt, Rathaus, Festsaal, 18 Uhr 13. Juni in Würzburg, Residenz, Toscanasaal, 11 Uhr 14. Juni in Donaueschingen, Museum Biedermann, 19.30 Uhr

Telefon 089 / 5404118-0 www.internationalestiftung.de


g e s e l l s c h a f t

Fussballer und Chemiker als Kulturarbeiter Der Kommunikationschef der Bayer AG, Michael Schade, über das Verständnis von klassischer Kulturförderung in einem Großkonzern.

Fotos: Bayer

Michael Schade

D

er Festival-Sommer bringt große Klassik-Erlebnisse. Doch von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern bis zu den Münchner Opernfestspielen – ohne die Gelder von Sponsoren wären diese nicht finanzierbar. Kritische Geister wittern Kalkül: „Culturalwashing“ sei nichts anderes als „Greenwashing“ wettern sie. Defizite in der Unternehmenskultur oder Umweltsünden könne man nicht durch Sponsorengelder reinwaschen. Für crescendo Anlass, mit ­Michael Schade, dem obersten Kultur-Entscheider bei der Bayer AG, über das Verständnis von Sponsoring bei einem der ältesten und wichtigsten Kulturförderer Deutschlands zu sprechen. Herr Schade, warum entscheidet bei der Bayer AG der Leiter der Unternehmenskommunikation, wie viel Geld das Unternehmen für Kultur ausgibt? Letztlich entscheidet der Vorstand. Dass wir das Budget verwalten und organisieren, ist historisch gewachsen. Bei Bayer wurde das Engagement für Sport, Kultur und die Vereine schon immer als Arbeit für die Öffentlichkeit gesehen – und gehört deshalb seit einiger Zeit mit all seinen Facetten zur Unternehmenskommunikation. Was kommuniziert Bayer denn über die Kultur? Wir machen ja kein klassisches Sponsoring, sondern aktive Kultur­ arbeit. Mit dem Scheckbuch zu wedeln und ansonsten passiv zu bleiben, ist nicht unsere Sache. Wir veranstalten selbst, entwickeln Kulturangebote vor Ort. Damit wirken wir regional, bestenfalls sogar überregional. Zu Beginn hat Bayer das ausschließlich aus Verantwortung und Fürsorge für die Mitarbeiter getan. Heute geschieht dies im Rahmen unseres sozialen Engagements für die Region. 1906 stellte Bayers erster Generaldirektor Dr. Carl Duisberg ein Haus für „gesellige und belehrende Veranstaltungen“ zur Verfügung, 1907 wurde die „Abteilung für Bildungswesen“ gegründet.­Versteht sich Ihre heutige Kulturabteilung immer noch als Bildungsabteilung? Ja, das mag antiquiert klingen, aber wir sehen Kulturarbeit immer noch als Bildungsarbeit. Das Bayer-Werk ist auf der grünen Wiese­ 36

entstanden. Städte wie Köln und Düsseldorf waren damals weit weg. Von Beginn an wurde in unserem „Erholungshaus“ nicht nur gekegelt, geturnt und Bier getrunken, sondern auch musiziert. Es ging Bayer darum, den Mitarbeitern Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung zu machen. Heute konzentrieren wir uns in unserer Bildungsarbeit in erster Linie auf Kinder und Jugendliche. Wir wollen die Internet-, Facebook- und Twitter-Generation für die Kultur zurückgewinnen. Unsere Education-Angebote sind Selbstläufer. Das nächste Familienprojekt „Piccolo“ war binnen eines Tages ausverkauft – für die nächste Saison wohlgemerkt! Nach unseren Erhebungen sind 13 Prozent unserer Besucher Kinder und Jugendliche. Das entspricht exakt ihrem Anteil in der Bevölkerung. Natürlich nutzen wir dafür auch alle Möglichkeiten des Konzerns ... ... inwiefern? Indem wir uns Experimente trauen, verschiedene Kompetenzen des Konzerns zusammen zu bringen. Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter unseres Hauses wie Zauberei anmutende Experimente der Chemie vorführt – und der Bayer Männerchor dazu singt. Oder wenn unsere Bayer Philharmoniker gemeinsam mit unseren Fußballern auf der Bühne stehen und unter dem Motto „Die Note ist rund, und ein Konzert dauert 90 Minuten“ Kultur und Sport zu einem nachhaltigen Erlebnis vereinen. Mit solchen Experimenten verfolgen wir ein klares Ziel: Wir wollen auf die Jugendlichen zugehen, die sich von der Kultur distanziert haben, und sie wieder einbinden. Aber sind das nicht öffentliche Aufgaben? Musikleben begann bei Bayer in den 20ern – zehn Jahre vor Leverkusens Gründung. Bayer macht Kultur, da macht die Stadt eben weniger? Kultur ist natürlich eine öffentliche Aufgabe. Da stimme ich Ihnen zu. Aber das sollte man nicht aufrechnen. Die Kulturarbeit hier in Leverkusen ist eine Parallel-Entwicklung. Die Stadt macht eigene Veranstaltungen. Und Bayer steht zu seinen historisch gewachsenen Aktivitäten. Das bringt die Bürger in die komfortable Situation eines­ kulturellen Angebotes, das für eine Stadt dieser Größenordnung seines­gleichen sucht  ... www.crescendo.de

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Impressum ... aber führt die Vielzahl kultureller Veranstaltungen nicht zur Übersättigung? Unsere Konzert-Reihen haben eine Auslastung von 97 Prozent und die anderen Veranstaltungen liegen nicht weit darunter. Und was lässt sich Bayer diese Erfolge der Bildungsarbeit kosten? Eine gute Frage, haben Sie noch eine? Verraten Sie uns zumindest die Verteilung. Ihr Kultur-Etat fließt neben der klassischen Musik in Theater, Kino und in bildende Kunst wie die Ausstellungen im „Haus der Erholung“. In unsere Musik-Angebote wie den Sinfonie-Konzertring, den Kam­ mer­musikring, den Klavier-Zyklus, den Ballett- und Tanzring oder die Kinder- und Familienkonzerte fließen etwa 60 Prozent, die restlichen 40 Prozent teilen sich Schauspiel und Bildende Künste. Müssen Sie mit den Controllern im Haus diskutieren, warum es überhaupt so viel Geld für die Kultur sein muss? Ein Unternehmen wie Bayer muss sich bei allen Ausgaben natürlich regelmäßig fragen, ob sie unbedingt notwendig sind. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Mäzenatentum und Sponsoring. Bei Mäzenatentum gibt man ohne Gegenleistung. Bei Sponsoring verlangt schon der Gesetzgeber eine Gegenleistung in Form von Werbung. Wir verwalten hier auch die 25 Millionen für den Fußballklub Bayer Leverkusen. Da kann ich Zahlen vorlegen, die einen vielfachen Werbewert belegen. Das ist für uns ein echter Return-of-Investment in Form von Imagewerbung. In der Kultur, vor allem in unserer regio­ nalen Förderung, ist das natürlich viel schwerer zu bemessen. Aber auch in diesem Bereich ist unverkennbar, dass Sponsoring nachhaltig zur Stärkung des Unternehmens-Images beiträgt. Können Sie Arbeitnehmer-Vertreter verstehen, die in Krisen fragen, bei uns werden Leute entlassen, aber für die Kultur habt ihr Geld? Das habe ich hier noch nicht erlebt. Im Gegenteil: Unseren Arbeitnehmer-Vertretern ist sehr bewusst, für wen wir unsere Angebote machen. Früher war fast jeder zweite Bürger Leverkusens bei Bayer beschäftigt. Nach unseren Besucher-Befragungen kommen die meisten heute noch aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Wir schätzen, dass die Hälfte Bayer-Angehörige oder Bayer-Pensionäre sind. Es würde uns von Arbeitnehmer-Vertretern eher negativ ausgelegt werden, wenn wir uns aus unserem Engagement für die Vereine­und die Kultur zurückziehen würden. Und die Aktionäre? Wollen die nicht lieber höhere Dividenden statt Kasarova sehen? Auch diese Kritik ist noch nicht direkt aufgetaucht. Wir erleben einen­Wertewandel. Es wird heute in der breiten Öffentlichkeit als Aufgabe eines Unternehmens verstanden, sich auch aktiv sozial in der Gesellschaft zu betätigen. Und es ist ein Wert, in der Gesellschaft als sehr soziales Unternehmen wahrgenommen zu werden. Das ist eine Art „Licence to operate“. Vattenfalls Kultursponsoring geriet nach ­Fukushima in die Kritik, weil das Unter­ nehmen sein Geld mit Kernkraft verdient. Spüren Sie Vorbehalte gegen das kulturelle Engagement eines ChemieKonzerns? Die Vorwürfe gegen Vattenfall sind populistische Einzelmeinungen. Dazu will ich mich nicht äußern. Wir machen Kultur- und Sportsponsoring seit über 100 Jahren, lange bevor Themen wie Umweltschutz oder Corporate Social Responsibility aufgekommen sind. Unsere Bemühungen für Umwelt und Sicherheit weisen wir über unseren Nachhaltigkeitsbericht aus – und sie werden hoch anerkannt, wie zahlreiche Auszeichnungen dokumentieren. Unsere Ziele in diesem Bereich gehören weltweit zu den anspruchsvollsten und unser Bericht ist gerade wieder als besonders transparent geehrt worden.  Interview: Hans-Jürgen Kuntze n

Es ist ein Wert als soziales Unternehmen wahrgenommen zu werden

Verlag Port Media GmbH, Senefelderstraße 14, 80336 München Telefon: +49-(0)89-741509-0, Fax: -11 info@crescendo.de, www.crescendo.de Port Media ist Mitglied im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und im AKS Arbeitskreis Kultursponsoring

Herausgeber Winfried Hanuschik | hanuschik@crescendo.de

Geschäftsführung Winfried Hanuschik | hanuschik@crescendo.de Hans-Jürgen Kuntze | kuntze@crescendo.de

Verlagsleitung Petra Lettenmeier | lettenmeier@crescendo.de

Chefredakteur Robert Kittel (verantwortlich)

Art direKtor Stefan Steitz

Chef vom Dienst Michaela Wurstbauer

Autoren Tobias Haberl, Teresa Pieschacón ­R aphael, Christoph Schlüren

Kolumnisten Pascal Morché, Attila Csampai, Daniel Hope

Mitarbeiter dieser Ausgabe Andreas Volleritsch, Carlo Mertens, Martin Morgenstern (MM), Burkhard Schäfer (BS), Sibylle Schäfer, Antoinette Schmelter de Escobar (AS), Uwe Schneider (US), Bob Coat, Fridemann Leipold, Ralf Dombrowski (RDO), Malve Gradinger (MG), Michael Horst, Anders Winter

Projektleitung plus regional Liselotte Richter-Lux | richter-lux@crescendo.de

Verlagsrepräsentanten Tonträger: Petra Lettenmeier | lettenmeier@crescendo.de Kulturbetriebe: L. Richter-Lux | richter-lux@crescendo.de Hifi & Marke: Heinz Mannsdorff | mannsdorff@crescendo.de Marke: Assen Saraiwanow | saraiwanow@crescendo.de Verlage: Hans-Peter Reiter | reiter@crescendo.de

Auftragsmanagement Petra Lettenmeier | lettenmeier@crescendo.de

Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 14 vom 01.09.2010

Druck Westermann Druck Georg-Westermann-Allee 66, 38104 Braunschweig

Erscheinungsweise crescendo erscheint mit sieben Ausgaben pro Jahr und zusätzlichen Themenspecials. crescendo ist im Zeitschriftenhandel, im Abonnement, bei Opernund Konzert­häusern, im Kartenvorkauf und im Hifi- und Tonträgerhandel erhältlich. Copyright für alle Bei­träge bei Port Media GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt die der Redaktion wieder. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen.

Abonnement Das crescendo premium-Abo umfasst sieben Ausgaben, inklusive­„crescendo festspiel-guide“ und zusätzlich sechs exklusive heftbegleitende premium-CDs und kostet 49,90 EUR pro Jahr inkl. MwSt. und Versand (Stand: 1.1.2011) Versand ins Europ. Ausland: zzgl. EUR 10,- Bank-/Portospesen Zahlung per Rechnung: zzgl. EUR 5,- Bearbeitungsgebühr. Kündigung: nach Ablauf des ersten Bezugsjahres, jederzeit fristlos. Abo-Service crescendo, Postfach 13 63, 82034 Deisenhofen Telefon: +49-89-8585-3548, Fax: -362452, abo@crescendo.de Verbreitete Auflage: 71.427 (laut IVW-Meldung I/11) ISSN: 1436-5529

geprüfte Auflage

Beilagenhinweis: Diese Ausgabe enthält das Themenspecial HighFidelity I/2011 sowie CLASS aktuell.

Das nächste crescendo erscheint am 6. September 2011


l e b e n s a r t

Rom aus der Sicht eines Musikers Unser Autor reiste in die ewige Stadt und traf einen Geiger, der ihn einen Tag lang in die ­musikalischen Geheimnisse der italienischen Hauptstadt einweihte. von Michael Horst

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emsiges Getriebe und Geschnatter, die Kaffeemaschine zischt ununterbrochen. Schülergruppen mischen sich mit älteren Damen und Musikern mit ihren Instrumenten­ koffern. Gleich beginnt für Mora eine Probe fürs nächste Kinderkonzert: „Mit Antonio Pappano haben wir einen großartigen Chefdirigenten – für uns ist er der ,Toni‘. Er hat es geschafft, dass wir wieder ein inter­nationales Niveau erreicht haben und zu Tourneen eingeladen werden. Und wir haben ehrgeizige Programme für verschiedenste Altersstufen, bis zu kleinsten Kindern, entwickelt, um neues, junges Publikum in das Auditorium zu locken.“ Eigentlich – das ist die Einschränkung in seiner positiven ­Bilanz, denn zugleich werden allüberall in Italien die massiven ­Kürzungen der Regierung Berlusconi im Kulturbereich beklagt. Das Orchestra di Santa Cecilia ist nur noch eines von zwei (!) natio­nalen Profi-­Orchestern in Italien; immerhin wird ihm neben der Mailänder Scala eine herausragende nationale Bedeutung zuerkannt. Und es hat erfolgreich die Herausforderung angenommen, das Auditorium zu „dem“ Treffpunkt für klassische Musik in Rom zu machen. Die eigenen Programme können mit Top-Gastdirigenten­wie Andris ­Nelsons, Peter Eötvös, Semyon Bychkov oder Kent ­Nagano locken; darüber hinaus treten hier Stars von Claudio Abbado bis Charles Aznavour, Cecilia Bartoli und Maurizio­Pollini auf. JazzSessions, Bücherwochen oder Kinderkonzerte („Tutti a Santa Cecilia!“) füllen die Säle täglich mit quirligem Leben. Und nicht zu vergessen das Amphitheater für 3.000 Menschen, im Zentrum der dreiflügeligen ­Anlage, das im Sommer für Open-Air-Konzerte jeder Art genutzt wird. Und was ist mit der Oper, Signor Mora? „Das Opernhaus hat eine­großartige Tradition“, lautet seine­freundliche Antwort, „und jetzt wo Riccardo Muti das Orchester übernommen hat ...“. Wie wahr, das Teatro dell’ Opera, an der Piazza Benjamino Gigli nahe dem Hauptbahnhof, hat glanzvolle Zeiten erlebt, als hier noch Weltstars wie die www.crescendo.de

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Juni bis August 2011

Foto: Jun Dangoy/Fotolia.com

Schwer zu glaubem aber: erst seit 2002 kann Rom endlich mit den anderen Kulturmetropolen in Europa mithalten: „Durch die Eröffnung des Auditorium hat es einen enormen Schub gegeben“, begeistert sich Alberto Mora, Stimmführer der Zweiten Geigen im Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa­ Cecilia, das mit dem Auditorium endlich ein würdiges Zuhause­bekommen hat. Man stelle sich vor: Eines der ältesten Musik-Ensembles der Welt, gegründet 1585 von Papst Sixtus V., nach dem Ende des Kirchen­staats 1870 in staatlich-­ italienische Hand übergegangen und 1895 als erstes Symphonieorchester des Landes fest installiert, hatte nie einen eigenen Konzertsaal! Immer wieder wurde es im Laufe der Jahrzehnte von einem Gebäude zum nächsten weitergereicht – bis um 1990 endlich ein passender Ort am Rande der Innenstadt und mit Renzo Piano ein hartnäckiger Architekt gefunden wurde, der sich auch von finanziel­len Turbulenzen, den üblichen Bauunterbrechungen und dem im Rom fast zwangsläufigen Fund antiker römischer Bauwerke nicht beirren ließ. Heute thronen die drei Gebäude wie riesige Wale – respek­tive Käfer, Geigenkästen oder Ufos – mitten im Parco della Musica im Stadtteil Parioli, vor den Toren der Piazza del Popolo. Die freigelegten Reste einer römischen Villa hat Renzo Piano brillant integriert, und das viele Grün drumherum vermittelt ein für Rom ungewohntes Gefühl der Natur und Weite. 2.700 Plätze fasst der größte der Säle,­in dem die Symphoniekonzerte stattfinden; die 1.200 Plätze der Sala Sinopoli dienen zumeist der Kammermusik, während die Sala Petrassi die kleineren Veranstaltungen beherbergen kann. Eine Bibliothek und ein Aufnahmestudio runden das gesamte Ensemble ab. „Eigentlich befinden wir uns in einer wunderbaren Situation“, schwärmt der Geiger, der direkt vom Konservatorium den Sprung ins Orchester fand und nunmehr seit 20 Jahren dabei ist. „Damals waren noch sehr viel mehr ältere Herren mit grauen Haaren im Orchester; heute sind die meisten Musiker jung und kommen aus vielen­Ländern. Wir haben neuerdings viele Musikerinnen – und nur noch zehn echte Römer!“ In der Bar dell’Auditorium herrscht

Autor Michael Horst (rechts) spazierte mit Alberto Mora, dem Stimmführer der Zweiten Geigen im Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia durch Rom.


Callas oder Boris Christoff auftraten. Heute ist die Lage prekär, das Haus leidet unter einem großen Defizit und wurde deshalb wie andere Opernhäuser Italiens auch unter Zwangsverwaltung des Kulturministeriums gestellt – der ausgedünnte Spielplan spricht für sich. Gerade hat eine Neuproduktion der Nationaloper „Nabucco“ (die mit dem berühmten Gefangenenchor) zum 150. Jahrestag der Gründung Italiens – mit Star-Dirigent Riccardo Muti am Pult – ein wenig die dunklen Wolken vertrieben. Im Juni dagegen steht wieder eine Uralt„Bohème“ des Regie-Veteranen Franco Zeffirelli auf dem Spielplan.

römische Tipps Konzerte mit klassischer Musik: Die Saison der Accademia di Santa Cecilia endet bereits ­Anfang Juni mit drei Beethoven-Konzerten, Dirigent und ­Violinsolist ist der Grieche Leonidas Kavakos; Beginn der neuen Saison im September (www.santacecilia.it). Wer sonst gerne im Sommer ein Konzert (auch Nicht-Klassisches wie Ricky Martin, Elton John oder Burt Bacharach) im Auditorium Parco della Musica, Viale Pietro de Coubertin, erleben möchte, wird unter www.auditorium.com fündig Oper aus der guten alten Zeit bietet Franco Zeffirellis „Bohème“-Inszenierung an der Oper: www.operaroma.it ­ (von 16. bis 26. Juni) Die wichtigsten ausländischen Kultur­ einrichtungen: American Academy Rome, Villa Aurelia, www.aarome.org Institum Romanum Finlandese, Villa Lante, www.irfrome.org Schweizer. Kulturinstitut, Villa Maraini, www.istitutosvizzero.it www.villamedici.it (Académie de France à Rome, Villa Medici)

Wohin vor oder nach dem Konzert? Am einfachsten ist der Besuch der Bar dell’Auditorium (leckere­Tramezzini!) oder des chic ­gestylten Restaurants im Gebäude selbst. Ebenfalls für den kleinen Appetit bietet sich die Bar auf dem Gelände des ultramodernen Kunstmuseums MAXXI an (nicht in dem Museum, sondern gegenüber dem Eingang). Via Guido Reni, ­ 5. Ein hübscher Platz für einen leckeren Salat ist das Bistro Tiepolo, Via G.B. Tiepolo, 3/5, oder auch das kleine Café, versteckt im Kreuzgang von Santa Maria della Pace in der Via Arco della Pace , 5 – kühl und ruhig.

MÜnCHEnER KAMMERORCHESTER ALEXAnDER LIEBREICH

OSTWÄRTS 2011/12 nuria Rial, Tigran Mansurian, Fazil Say, nils Mönkemeyer, François Leleux, Miklós Perényi, Simone Kermes, Martin Fröst, Toshio Hosokawa, Beat Furrer, Rias Kammerchor, Igor Levit, Christoph Prégardien, Helena Tulve, Yaara Tal, Andreas Groethuysen, Douglas Boyd, Alina Ibragimova, Tabea Zimmermann, Heiner Goebbels, Dai Fujikura, Juliane Banse, Miroslav Srnka, Chor des Bayerischen Rundfunks, nicholas Collon, u.a. www.m-k-o.eu

Fotos: privat

Wo übernachten? Das Auditorium liegt etwas außerhalb, ist aber bestens mit der Tram zu erreichen. In der Nähe gibt es nur wenige ­Hotels, ganz eigenen Charme englischer Art vermittelt das Hotel Villa Glori, Via Bernardo Celentano,11, in einem Häuserblock, den die Römer „Piccola Londra“ nennen. www.hotelvillagloria.it. Zentraler, weil unweit der Piazza del ­Popolo gelegen ist das Hotel Valadier (Via della Fontanella, 15), ein Vier-Sterne-Hotel mit sehr persönlicher Atmosphäre. Hier ist man mittendrin – und der Weg zum Auditorium auch nicht weit! www.hotelvaladier.com

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resonanz

Gewinnen Sie mit Ihrer Meinung

Rätsel des klassischen alltags

Abonnenten halten heute erstmals das auch optisch neue crescendo Premium in Händen. Viele Änderungen sind nach Anregungen der Leser­ schaft umgesetzt. Jetzt wollen wir wissen, wie Ihnen das Heft gefällt. Deshalb liegt crescendo eine Leserumfrage bei, bei der Sie höchst attraktive Preise gewinnen können:

Was verbirgt sich hinter diesem Text?

1. Preis: Erleben Sie zwei Tage bei einem der ­Festival-Highlights dieses Sommers: dem Musik-­ Festival Grafenegg, 40 Kilometer vor Wien. ­Grafenegg präsentiert unter Leitung von Rudolf Buchbinder vom 16. Juni bis zum 7. September ein hochkarätiges musikalisches Programm internatio­ naler Orches­ter, Solisten und Dirigenten auf der Open Air-Bühne­„Wolkenturm“. Die Gewinner erhalten je zwei Eintrittskarten für zwei Höhe­punkte: Am Samstag 27. August gestaltet das Orchestra in Residence (Dirigent: Andrés Orozco-Estrada) einen­Berlioz-Abend bei dem Schauspieler Robert Stadlober als Sprecher mitwirkt. Am 28. August gastiert das Orchestre de Paris, unter seinem neuen Chefdirigenten Paavo Järvi mit Strawinsky und Bartók. Mehr Infos: www.grafenegg.at. Zum Reisepaket gehört auch eine Übernachtung für zwei.

Foto: Werner Kmetisch

Musik-Festival Grafenegg

2. Preis: Ulrich Schreiber: „Opernführer für Fortgeschrittene“, Bärenreiter. 3. Preis: Oliver Bellamy: „Martha ­Argerich, Die Löwin am Klavier“, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann. 4.-8. Preis: Je einmal: „Die berühmten Ouvertüren“ (3 CDs) von Berlin Classics. 9. Preis: Klaus Weiler: „Celibidache, Musiker und Philosoph“, Wißner-Verlag. 10. Preis: Dietrich Fischer-Dieskau: „Jupiter und ich“. Begegnungen mit Furtwängler, bup Verlag. Wie Sie gewinnen können? Einfach den beigelegten Fragebogen ausfüllen und in einem Kuvert mit dem Vermerk „unfrei“ portofrei senden an: crescendo Leserservice, Postfach 1363, 82034 Deisenhofen oder per Fax an +49-(0)89-85853-624 52. Ganz einfach können Sie auch online unter www.crescendo.de/Leserumfrage teilnehmen. Einsendeschluss: 31. Juli 2011. Sie kennen crescendo Premium noch nicht? Dann testen Sie es! Einfach mit dem gleichen Fragebogen ihr persönliches Test-Exemplar bestellen, lesen und beurteilen – Sie nehmen in jedem Fall sofort an unserer Verlosung teil. Wir freuen uns auf Ihre Antworten. Viel Glück!

Wir sind in aller Augen. Sinnbildlich natürlich nur. Obwohl – der Georg soll sich einen von uns mal ins Auge gerammt haben. Andere, nicht minder berühmt, haben sich mit uns die Brille von den Augen gefegt. Und weitere – nicht wahr Leonard?, erinnerst du dich James! – ließen uns im leidenschaftlichen Eifer des molto agitato, des furioso ins Publikum fliegen. Zur Freude der Souvenirjäger. Ausnahmen! Denn man braucht uns gerade beim dolce, beim rubato. Wenn die Instrumente streicheln, liebkosen sollen. Dann locken Maestri mit zarten Bewegungen aus größten Klangköpern die zartesten Töne heraus. Das sieht man im Dunkel der Säle schlecht. Wir verstärken jede Geste. Wir leuchten denen im Graben den musikalischen Weg. Viele von uns sind daher weiß. So wichtig wir sind, fallen wir in der Regel doch kleiner aus: zwischen 20 und 45 Zentimeter lang, 2 bis 4 Millimeter dick. Idealerweise reichen wir vom Ellenbogen bis zum Ansatz des Mittelfingers. Die Traditionalisten unter uns sind aus schönen Hölzern wie der Weißbuche. Leistungssportler hingegen sind aus Fiberglas oder Kohlefaser, oft ist dann nur der Griff aus echtem Walnussholz. Egal, wir halten richtig was aus. Was Kent am besten weiß: Die Biss-Stellen seines

Hundes sind an meinem armen Kollegen zu sehen, seine Katze hat gleich ein Stückchen weggebissen – und zum Schluss ist ihm auch noch ein Cadillac drübergefahren, als er in Eile über einen Parkplatz hetzte. Außer einem kleinen, schwarzen Fleck war davon in München aber nichts mehr zu sehen. Ja, ja, die Hetze moderner Zeiten. Als wir aufkamen, war es romantischer, aber auch nicht ungefährlich. Mannshoch waren­wir damals, hießen baton und wurden auf den Boden gestampft. Was Jean-Baptiste Lully am Hofe Ludwigs XIV. zu Tode brachte. Den eigenen Zeh getroffen, Wundbrand bekommen – auch so zieht man ins Geschichtsbuch der Musik ein. Im Barock bestimmte oft das Cembalo den Einsatz; später nahmen die Konzertmeister dafür ihren Geigenbogen. Beethoven ruderte um 1800 immerhin schon mit der Notenrolle herum – die Partitur praktischerweise immer zur Hand. Erst Mendelssohn führte einen Ahnen von mir 1835 im Leipziger Gewandhaus ein. Genug erzählt. Ohne mich geht es nicht. Auch wenn Pierre und Kurt unsere Zunft verschmähen. Andere sagen, wir seien ja nicht mal ein Instrument. Pah! Wir rufen Musik­hervor – und das schon im Sechserpack ab 3,50 Euro das Stück!

rätsel lösen – und tivoli audio pal gewinnen Wenn ­Sie die Antwort kennen, dann schreiben Sie Ihre Lösung unter dem Stichwort „Alltags-Rätsel“ an die crescendo-Redaktion, Senefelderstraße 14, 80336 München oder per E-Mail an redaktion@crescendo.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir das hochwertige PAL OutdoorRadio von Tivoli Audio. Einsendeschluss: 31. Juli 2011. Viel Glück! Die Gewinner unseres letzten Alltagsrätsels (Lösung: Bühnenvorhang) waren Sophie Wiendl (Nürnberg), Inge Lymant (Lüneburg) und Christiane Brück (Nürnberg). Herzlichen Glückwunsch und viel Freude an Schreibers fünfbändigem „Opernführer für Fortgeschrittene“!

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FÜR ALLE DIE WISSEN, DASS ES BEI MUSIKALISCHEN LECKERBISSEN GERNE MAL EINE „SCHEIBE“ MEHR SEIN DARF.

JOHN SCOFIELD "A MOMENT`S PEACE" Traumhaft schöne subtile Balladen. Der Jazzrocker mal anders.

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JOSEPH CALLEJA "THE MALTESE TENOR" Wieder da und besser denn je. Ein Streifzug durch die Opernliteratur mit Herz und Verstand.

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MARCUS MILLER FEAT. CHRISTIAN SCOTT "TUTU REVISITED-LIVE" Tutu war 1986 mit M.Davis / M. Miller ein Meilenstein der Elektrifizierung des Jazz. Nun die Wiederauferstehung mit jungen Musikern.

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A. NETREBKO "DON PASQUALE" Inszenierung: Otto Schenk. Ein Sensationserfolg! 2010 aus der Met in die europäischen Kinos übertragen. Auch als Blu-ray erhältlich

2 DVDs EUR 18,99


e r l e b e n

Sabine Meyer

Tan Dun

Julian Rachlin

Wasser marsch Das nasse Element prägt nicht nur die Natur in und um Stuttgart, sondern vor allem das Programm des innovativsten Musikfestivals in Baden-Württemberg. V o n A n d e rs W i n t e r

Die künstlerische Beschäftigung mit dem ein-und-alles-Medium Freitag jeweils mittags zum Verweilen an einem der schönsten der Wasser, dem unsere Molch-Urväter einst nur höchst misstrauisch sage und schreibe über 250 Brunnen des Stadtgebiets ein. Ein kleines entstiegen, liegt ja eigentlich nahe. In Stuttgart gilt das jedoch ganz Festival im Festival soll daneben die Konzertreihe Stuttgart - Bäderbesonders, denn – das wissen nur wenige – Stuttgart verfügt über das stadt sein: An drei Dienstagabenden um 22 Uhr bespielt das Musikzweitgrößte Mineralwasservorkommen Europas! Neunzehn Quelfest je eines der drei städtischen Mineralbäder. len, davon dreizehn als Heilquellen staatlich anerkannt, schütten An den gut dreißig Spielorten der Stadt dreht sich alles um täglich bis zu 44 Millionen Liter unterschiedlich mineralisiertes und das lebendige Element Wasser, das Intendant Christian Lorenz stiteilweise kohlensäurehaltiges Wasser aus. Nur in Budapest sprudelt listisch bändigen muss, haben sich doch Komponisten zu allen Zeimehr Mineralwasser aus dem Boden. Das vor drei Jahren neu konten mit Wasser und der musikalischen Umsetzung seines Charakzipierte Musikfest Stuttgart nutzt also 2011 die Gelegenheit, dieses ters befasst. Jeder kann wohl heute aus dem Effeff ein paar Werke nasse Geheimnis zu lüften. Von Adriano Banchieris Madrigaloper davon aufzählen: Händels „Wassermusik“, Vaughan Williams‘ „Sea „Barca di Venezia per Padova“ (1623) über Bachs Kantate „Christ Symphony“, ­Vivaldis „La tempesta di mare“, Ravels „Jeux d’eaux“, unser Herr zum Jordan kam“ bis hin zu Erkki-Sven Tüürs „Aqua“ Franz Schuberts­„Forellenquintett“, Mendelssohns „Meeresstille und (2004) erklingt dieses Jahr fast alles, was mit dem Wasser musikaglückliche Fahrt“, Wagners „Rheingold“-Vorspiel, ja sogar Schuberts lisch in Verbindung steht, und zwar an passenden Spielstätten, ob „Winterreise“ handeln – davon kann sich etwa das Publikum bei Wasserwerk, Theaterschiff oder Schwimmbad. Christian­Gerhahers Auftritt im Mozart-Saal der Stuttgarter Lieder­ So gibt es auf dem Stuttgarter Theaterschiff, das am Cannhalle am 17. September überzeugen – im weiteren Sinne von der statter Mühlgrün vor Anker liegt, so genannDarstellung der verschiedenen Aggregatzustänte „Frühtau-Konzerte“: um 7 Uhr wecken die de des Natur­elements, von seinen Kräften und Musikfest stuttgart vom 27. August bis 18. September ersten Töne die Festivalbesucher, danach geht‘s seinen Bewohnern. Versierte Wegbegleiter sind Informationen und Kartenservice: sympathischerweise zum Frühstück aufs Sonda selbstverständlich: Thomas Quasthoff, Julian Tel.: +49-(0)711-619 21 61, nendeck. Oder die Brunnenmusiken: an fünfRachlin,­Annette Dasch, Dominique Horwitz, Fax: +49-(0)711-619 21 23 www.musikfest.de zehn Festival-Tagen laden sie von Montag bis Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, 42

www.crescendo.de

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Juni bis August 2011


Anzeigen DE 09_crescendo 92x129 12.05.11 11:07 Seite 1

Annette Dasch

Thomas Quasthoff

Fotos: James Salzano; Dubravko Bulic; Thomas Rabsch/EMI Classics; Kai Bienert; Agentur; Harald Hoffmann

Vladimir Ashkenazy

Donaueschinger Musiktage 14.–16.10.2011

Kartenbestellung unter www.swr.de/donaueschingen bzw. bei ticketonline unter 01805 4470777 gefördert durch

Vladimir Ashkenazy, Sabine Meyer, Heinrich Schiff und Olga Scheps begleiten die Hörer auf der Reise zum und durchs Wasser. Und auch ein neues Werk, das die venezolanischen Komponisten Alberto und Gonzalo Grau im Auftrag der Internationalen Bachakademie Stuttgart schufen, werden die Zuhörer erleben können: ihr fünfteiliges Oratorium „AQUA“ kommt am 3. September zur Uraufführung. Genannt werden muss spätestens jetzt der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun, der Artist in Residence des Musikfest Stuttgart 2011. Kein anderer Komponist hat sich so intensiv mit den Klangmöglichkeiten des Wassers beschäftigt. Die „Water Passion“­ des Jahres 2000, ein Auftragswerk der Internationalen Bachakademie, markiert den Höhepunkt dieser Auseinandersetzung (dieses Jahr erklingt sie im Abschlusskonzert des Festivals am 18. September), aber auch das „Water Concerto“ und die „Ghost Opera“ erforschen die Klänge des nassen Elements. Tan Dun ist ein Grenzgänger zwischen asiatischer und westlicher Kultur, zwischen den archaischen und spirituellen Traditionen seiner Heimat und den avantgardistischen und experimentellen Tendenzen westlicher Musik. Mühelos verbindet er westliche Orchesterund Kammermusikbesetzungen mit östlichem Instrumentarium, aber auch die klassische Musik mit den neuen Medien. Er schreibt Filmmusiken, mischt die Traditionen von Peking Oper, westlicher Oper und Puppentheater und verfasste eine Internet Symphony im Auftrag von Google und Youtube. Kleinere Werke in klassischen Besetzungen ergänzen das ungewöhnliche Schaffensspektrum. Für den in China geborenen und in New York lebenden Tan Dun ist das Wasser eine von mehreren Möglichkeiten, mit „organischen“ Mitteln Musik zu machen. Auch Papier, Steine und Ton inspirieren den Komponisten zu faszinierenden Werken, die eine eigen­ tümlich spirituelle Qualität besitzen. Zwei Wochen lang wird Tan Dun Gast des Musikfest Stuttgart sein, eigene Werke dirigieren und in zwei Musikfestcafés Auskunft über sein Denken und Komponieren geben. In Konzerten und Gesprächen stellt das Musikfest einen wahrhaft globalen Künstler – und den Klang des Wassers vor. n

Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft

MSKG_Crescendo_92x129_4c:Layout 1 10.05.2011 12:22 Seite 1

Auslobung Gesucht: Ideen und Konzepte für partizipatorische Kunstprojekte Zur Teilnahme eingeladen sind KünstlerInnen aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater oder auch spartenübergreifend arbeitende Akteure. Wünschenswert ist eine Kooperation mit kulturellen und/oder sozialen Vereinen, Institutionen und Organisationen.

Einsendeschluss: 1. September 2011

www.faktor-kunst.com


e r l e b e n

Konzertstimmung im Fronhof der Mozartstadt Augsburg

Fotos: Theatergemeinde Augsburg, Peter Schaaf

Janina Fialkowska

Wilhelm F. Walz

Mozart, der Schwabe „Mozart und die Wiener Klassik“ ist der Titel der diesjährigen Konzerte im Fronhof. Das ist kein Zufall: die Beziehungen des Wiener Künstlers zu Augsburg sind zahlreich. Von carlo Mertens

Mozart als Schwaben zu bezeichnen, scheint gewagt. Aber welche­ und J­ohannes Martin Kränzle Solisten gewinnen, die sich seit Jahren­ Stadt würde diese Verwandschaftsbeziehungen nicht für ihre Kulturan der MET oder bei den Salzburger Festspielen etabliert haben. Die veranstaltungen nutzen? Aus Augsburg stammen schließlich nicht Chorpartien singen auch 2011 die Augsburger Domsingknaben. Sogar­ nur Vater Leopold, sondern auch Mozarts erste Geliebte, Anna Maria vor Papst Benedikt XVI. durften sie auftreten. Da werden sie bei der Thekla Mozart. Da darf man in der Schwabenmetropole dem SalzInter­pretation von „Gefangenen“ und „Volk“ keine Probleme haben. burger und seinen berühmten Künstlerkollegen aus Wien schon eine Unter dem Titel „Von Mozart bis ‚MOZ-ART‘“ ­singen sie auch am Konzertreihe widmen, findet Wilhelm F. Walz. Er leitet die „Konzerte Samstag, den 23. Juli und verhelfen dem innovativsten Wiener Klassiker­ im Fronhof“ bereits seit 13 Jahren mit Erfolg. „Mozart und die Wiezu seinem Recht: Joseph Haydn. Die Domsingknaben überschreiten ner Klassik“ ist der diesjährige Titel. Das Open-Air-Ereignis findet aber auch die Grenzen der Klassik und werden Songs der „Comedian vom 22. bis 24. Juli vor der spätbarocken Kulisse der fürstbischöfliHarmonists“ zum Besten geben. Beim Abendkonzert am gleichen Tag, chen Residenz statt – ein stilistisch perfekter Rahmen für Mozarts wird im stimmungsvollen Hof auch wieder Beet­hoven gehuldigt. Zu ­„g-Moll-“ und „Jupitersinfonie“ am 23. Juli. den bereits erwähnten Mozart-Sinfo­nien erklingt sein viertes KlavierNachdem in den letzten Jahren alle großen Mozart-Opern zur konzert – jugendlich und pathetisch zugleich. Die Solis­tin ist Janina­ Aufführung kamen, wird das diesjährige Festival eigentlich von einem Fialkowska. Sie hat bereits mit vielen großen Orchestern, wie dem „Möchtegern-Schüler“ beherrscht: Mozart starb, London Philharmonic konzertiert. Am Sonntag Konzerte im Fronhof bevor Beethoven nach Wien zurückkehren und gibt es dann Vormittags wieder eine­Grenzübervom 22. bis 24. Juli 2011 seinen Unterricht bei Mozart aufnehmen konnte.­ schreitung. Bei „Jazz Meets Classic“ werden Arien­ Informationen und Kartenservice: Ein Vorspiel im Jahr 1787 reichte aber, um den zu Jazz-Songs. An dieses Experi­ment wagt sich Tel.: + 49-(0)821-309 84 Salzburger zu der legendären Aussage zu bewedas „Wolfgang Lackerschmid Quintett“. Im wunFax: +49-(0)821-349 11 40 Karten auch unter: gen: „Auf den gebt acht, der wird einmal in der derbaren Rokokosaal der Residenz tritt schließwww.konzerte-im-fronhof.de Welt von sich reden machen.“ Zu Beginn und Enlich am gleichen Tag die preisgekrönte Bratschisde des Festivals steht das wohl herausforderndste tin Teresa Schwamm in ihrer Heimtstadt auf. Sie Werk Ludwig van Beethovens auf dem Programm: „Fidelio“,­in der wird mit Werken von Dittersdorf und Brahms zu hören sein, zwei dritten Fassung. Doch konzertant kann die Oper viel mehr überWahlwienern. Ersterer war ein Zeitgenosse von Mozart, wird aber zeugen, als auf der Bühne. Wilhelm F. Walz, der bei den „Konzerten­ nur bedingt zu den Wiener Klassikern gerechnet. Dass sich Augsburg im Fronhof“ das tschechische Spitzenensemble und „Orchestra-in-­ hingegen wirklich zu den Mozartstädten zählen darf, wird durch ProResidence“ SUK-Symphony Prag leitet, konnte mit Gerhard Siegel gramme wie die Konzerte im Fronhof auf das Schönste bestätigt.  n 44

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Juni bis August 2011


Mit Gefühl und „Stijl“ 15. JULI - 3. SEPTEMBER 2011

Mondrian und die Künstlergruppe „De Stijl“ waren zu ihrer Zeit radikal modern. Heute sind ihre Werke zeitlos. Jetzt ist ihnen eine Ausstellung in München gewidmet.

«FIRE AND SUN» Israel Philharmonic Orchestra, Zubin Mehta, Gstaad Festival Orchestra, Kristjan Järvi, Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer, Le Concert des Nations, Jordi Savall, Renée Fleming, Nikolaj Znaider, Sol Gabetta, Hélène Grimaud, Katia und Marielle Labèque und viele mehr…

Von carlo Mertens

www.menuhinfestivalgstaad.com Vorverkauf Tel. +41 (0)33 748 81 82

Operette von Urform des Roboters: die mechanisch tanzende Figur

Emmerich Kalmán

Text von Leo Stein und Béla Jenbach

DIE

CSÁRDÁS FÜRSTIN

Von Baumästen zum abstrakten Gitternetz: Diesen Entwicklungs06.09. prozess nahmen vor genau hundert Jahren die Ölgemälde von Piet Mondrian. Es war die Geburtstunde der Abstraktion in der bildenden Kunst. Dem Niederländer und der Künstlergruppe „De Stijl“ ist nun im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses eine sehr sehenswerte Ausstellung gewidmet. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Städtischen Galerie Münchens mit dem Gemeente museum in Den Haag und wird durch die Kulturförderung von E.ON möglich gemacht. „Mein persönliches Highlight ist die mechanisch tanzende­Figur,­ die Anfang der Zwanziger Jahre auf einer Dada-Tournee tanzte,“­antwortet die Museums-Mitarbeiterin Felicia Rappe auf die Frage nach ihrem Lieblingsstück. Sie erklärt auch, warum die Künstler der Gruppe „De Stijl“, wie Vilmos Huszár, sich auf die zeitgenössische Musik bezogen, um ihre abstrakten Gemälde zu rechtfertigen. Diese würden, so Huszár, schließlich auch figurative Titel tragen, aber nur die ästhetische Erfahrung eines Baums hörbar machen. Mondrian benutzte ab DEUTSCHES THEATER MÜNCHEN 1920 nur noch die Farben Rot, Gelb, Blau und setzte diese in einen Werner-Heisenberg-Allee 11 asymmetrischen schwarzen Gitterrahmen­auf weißem Grund. Mehr 80939 München · U6 Fröttmaning www.deutsches-theater.de Reduktion ist kaum möglich. Doch nicht nur Reduktion spielte in der Tickets: 089-55 23 4444 Ästhetik von „De Stijl“ eine große Rolle. Hinzu kam eine Begeisterung für Technik. Dies wird bei der „tanzenden Figur“ deutlich. Sie ist als eine Urform des Roboters zu verstehen. Ihr schwarzer Körper wird von roten­und grünen Glaselementen durchzogen. Durch geschickt verborgene ­Pedale im Sockel lässt sich die Figur unauffällig bewegen.Crescendo92x129+3mm.indd 1 In der Ausstellung wurde zum ersten Mal die Performance aus Bewegungen und Musik rekonstruiert. Zu den archaischen Gesten der Figur erklingt der „Trauermarsch für ein Vögelchen“ von Vittorio Rieti. Eine Kampf­ansage an üppige Klänge der Romantik, an die Programmmusik­des 19. Jahrhunderts, denn anstatt eines Zwitschern vernimmt man metallisches Dröhnen und Quietschen – radikale Reduktion auch hier. Dazu bewegt sich die Figur nicht nur, nein sie scheint auch die Posi­ tion zu wechseln. Bewegliche Elemen­ Mondrian und de STijl vom 16. April bis 15. August 2011 te am Kopf suggerieren einmal Informationen und Kartenservice: eine Frontalansicht, einmal das Tel.: + 49-(0)89-233 32 00-0 Profil.­Mondrian ist wohl zum Fax: +49-(0)89-233 32 00-3/4 Infos auch unter: ersten Mal in München – aber www.lenbachhaus.de sicher nicht zum letzten Mal.n

- 14.09.2011

15.09. + 16.09.2011

13.05.2011 16:26:21

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kl a s s i k

erle b e n

juni bis august Diese Termine sollten sie nicht versäumen

Premieren

13.6.

Schloss Marienburg – eine sehenswerte Perle bei den PartiTouren.

Hamburg/Opernloft

31.5.

Oh, tell O.!/Verdi, Rossini (UA) 1.6.

Berlin/Komische Oper

Genf/Grand Théâtre de Genève (CH) L‘Amour de trois

13.6.

Oranges/S. Prokofjew

The Familiar Stranger (Arbeitstitel)/ Galili (Ballett, UA)

Der Graf von Luxemburg/Lehár Jump Start (Ballett)

3.6. Meiningen/Englischer Garten Rienzi/Richard Wagner 3.6. Saarbrücken/Saarländisches Staatstheater

18.6. Foto: PartiTouren

Nürnberg/Opernhaus

Tosca/Giacomo Puccini

Zürich/Oper (CH)

Von wegen „platt“!

Aus einem Totenhaus/Leoš Janácˇek Palestrina/Hans Pfitzner

Dresden/Semperoper

6.6.

Anna Bolena/G. Donizetti Bonn/Theater

8.6.

F.A.R./Ben Frost (Ballett) 9.6.

Ulm/Theater

Don Carlo/Verdi

10.6. Bremen/Theater Perpetuum Mobile/Urs Dietrich (Ballett, UA) 10.6.

Wiesbaden/Gr. Haus

Gilgamesch-Eine Stadt macht Musik­ theater/C. Hummel, E. A. Klötzke (UA) Karlsruhe/Badisches Staatstheater Katja Kabanowa/

11.6.

Leoš Janácˇek 11.6.

Kassel/Opernhaus

Don Pasquale/Gaetano Donizetti 11.6. Kiel/Theater Hoffmanns Erzählungen/Jacques Offenbach 12.6.

Berlin/Deutsche Oper

Macbeth/Giuseppe Verdi 12.6.

Hannover/Staatsoper

Götterdämmerung/R. Wagner

Wie wäre es, nicht nur ein oder zwei schöne Konzerte zu genießen, sondern auch noch beeindruckende Sehenswürdigkeiten zu besuchen – alles mit nur ­einer E­ intrittskarte? Das funktioniert: ­ In Niedersachsen geht das Projekt ­„ PartiTouren“ in die zweite Runde. Viele Touren machen in Hannover halt, wo die Konzerte der KunstFestSpiele Herrenhausen zahllose musikalische Perlen bieten. Höhepunkt dort ist ein Konzert mit Anne-Sophie Mutter. ­Jeder Konzertbesucher reist individuell an, wie bei einem privaten Kurz­urlaub. Für Katrin Kuhn, Mitarbeiterin des Tourismus­marketing in Niedersachsen, ist besonders die Tour „Die Orgelschätze der Nordseeküste – Mit allen Regis­ tern genießen“ ein Höhepunkt. „Die Konzerte sind dort besonders stimmungsvoll. Ich würde aber auch sehr

Franz Liszt in erfurt Es ist ein religiöses Mammutwerk: Sechs Solisten, zwei Chöre, großes Orchester und Orgel. Deshalb ist „Die Legende von der Heiligen Elisabeth“ von Franz Liszt selten im Konzert zu erleben. Zum Liszt-Jahr wird sie nun in Erfurt aufgeführt, und zwar im perfekten Rahmen: dem Erfurter Dom. Unter der Leitung von ­Howard Arman und mit dem MDR Sinfonie­ orchester wird die wunderbare elegische ­Musik von Liszt, die eher an ein romantisches Musikdrama erinnert, sicherlich auch so manchen Wagnerianer ansprechen. Es singen der MDR Rundfunkchor und der MDR Kinderchor. Erfurt, Dom St. Marien, 9.7. www.liszt-2011.de

Lust auf „Boccaccio“? Der Kurort Baden bei Wien war im 19. Jahrhundert „die“ Sommerfrische. Kaiser und Könige, Beethoven und Brahms machten hier

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gerne die Konzerte von ‚Maritimes ­ und Musikalisches bei den Meereszeiten‘ besuchen.“ Dort werden Debussys „La Mer“ und Rimski-Korsakows „Scheherazade“ in der Schiffbauhalle der Motorenwerke Bremerhaven vom NDR-Sinfonieorchester gespielt. „Aber alle PartiTouren sind schön. Es kommt darauf an, was man mag.“ sagt Kuhn. Das Angebot in Sachen Kunstmusik reicht vom 16. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Komponistin ­Sofia Gubaidulina. So werden „The King’s ­Singers“ im Großen NDR-Sendesaal ­ihre Stimmkünste an K ­ ompostionen von William Byrd und Thomas Tallis beweisen. Niedersachsen präsentiert sich von seiner musikalischsten Seite. Niedersachsen, verschiedene Orte, bis Januar 2012 www.partitouren-niedersachsen.de

Urlaub und ließen sich von der bezaubernden Landschaft inspirieren. Das sind doch perfekte Vorraussetzungen für ein Operettenfestival, dachten sich die Veranstalter der „Sommer­arena – Bühne Baden“. Sie hatten Recht: Jedes Jahr begeistern das besondere Programm und das Ambiente des „Operettensommer im Kurpark“ von Neuem das Publikum. „Boccaccio“, Suppés wohl schönste Operette, steht diesen Sommer auf dem Programm, und wer bei Operette an verstaubte Rüschen denkt, der sollte sich unbedingt „Die Dollarprinzessin“ von Leo Fall ansehen. Baden, Sommerarena (A), 18.6.-10.9., www.buehnebaden.at

Foto: www.christian-husar.com

Hamburg/Staatsoper

5.6.

Duisburg/Theater

Così fan tutte/W. A. Mozart

Der Cid/Th.Gouvy(UA)

4.6.

Graz/Studiobühne (A)

17.6.

the last future/Xin Peng Wang (Ballett)

4.6.

Dresden/Staatsoperette

17.6.

Dortmund/Gr. Haus

2.6.

Erfurt/Großes Haus

Lulu/Alban Berg

18.6.

Linz/Landestheater (A)

Rumi-In Flammen/J. Ulrich (Ballett, UA) Aachen/Theater

19.6.

La Cenerentola/Gioacchino Rossini Nürnberg/Pocket Opera

19.6.

Der Gesang der Schiene/George Gershwin, Lennon, Berberian (UA) Berlin/Staatsoper im Schillertheater Candide/

24.6.

L. Bernstein

Innsbruck/Großes Haus (A) Dialogues des Carmélites/

24.6.

F. Poulenc 24.6.

Plauen/Parktheater

Die drei Musketiere/R. Benatzky (Operette) Dessau/Anhaltisches Thea­ter Così fan tutte/Mozart 25.6. Trier/Großes Haus 25.6.

Der Barbier von Sevilla/G. Rossini Münster/Städtische Bühnen Die englische Katze/

26.6.

H.W.Henze 28.6.

München/Pavillon 21

Make no noise/Miroslav Srnka

München/Staatstheater am Gärtnerplatz Der geduldige

30.6.

Sokrates/Georg Philipp Telemann 30.6.

Stuttgart/Staatsoper

Die Ballade von Garuma/Ad de Bont 2.7.

Essen/Aalto Theater

Je suis Enchanté „Klang so Chopin?“ Diese Frage versuchen „Die Goldenen Konzerte“ zu beantworten. Zvi Meniker spielt in der Konzertreihe, unter anderem in Leipzig, Würzburg und Donaueschingen, Scherzi, Balladen, Nocturnes und Mazurken des großen Polen – auf einem Pleyel-Flügel von 1843. Meniker ist als Professor an der Musikhochschule Hannover ein Fachmann, wenn es um historische Tasteninstrumente geht. Und Chopins Musik ist noch viel schöner, wenn sie so filigran gespielt wird. deutschlandweit, 5.-14.6., www.internationalestiftung.de

Auf den spuren Wer ist der Komponist Georg Friedrich Haas? Bei der „Nachtmusik der Moderne“ wird das Münchener Kammerorchester mit Teodoro Anzellotti und Kelvin Hawthoren versuchen, diese Frage zu beantworten – auf hohem musiwww.crescendo.de

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Juni bis August 2011


L´elisir d´amore/ Gaetano Donizetti 2.7.

Stuttgart/Staatsoper

3.7.

Augsburg/FreilichtbĂźhne

Fremd/Hans Thomalla (UA)

Verdi, Rossini, Donizetti, Bellini Leipzig/Gewandhaus

5.6.

Zvi Meniker: Klang SO Chopin? 5.6.

Wien/Musikverein (A)

6.6.

Bremen/Glocke

6.6.

DĂźsseldorf/Tonhalle

7.6.

MĂźnchen/Herkulessaal

7.6.

Rostock/Barocksaal

8.6.

Dortmund/Konzerthaus

23.7.

8.6.

Hamburg/Laeiszhalle

auf!/A. L. Tottola (DEA)

9.6.

Il Trovatore/G. Verdi

Berlin/Staatsoper unter den Linden Tri Sestri/Peter EĂśtvĂśs 9.7. Baden/Sommerarena (A) 3.7.

Boccaccio/F. von SuppĂŠ (Operette)

Karlsruhe/Badisches Staatstheater Monolog/W. Rihm

9.7.

(UA) & Dantons Tod/G. von Einem Berlin/Deutsche Oper

12.7.

Tourneestart Alvin Ailey American Dance Theater Riom/Burgtheater (CH)

15.7.

Mikael (UA)

Wiener Philharmoniker, Valery Gergiev/Liszt & Mussorgski

AndrĂĄs Schiff/Mozart, Mendelssohn, Beethoven, Haydn & Schumann

Neuburg a. d. Donau/ Stadttheater Männer! Augen

Jazz mit Brad Mehldau Solo

waldmädel/Leon Jessel (Operette)

Basel/RĂśmisches Theater (CH) Alexanderfest oder Die

20.8.

Macht der Musik/G. F. Händel

MĂźnchen/Deutsches Theater CsĂĄrdĂĄsfĂźrstin/E. KĂĄlmĂĄn

7.9.

Konzert 1.6.

Berlin/Konzerthaus

Faure Quartett/Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy & Reger 2.6. Leipzig/Gewandhaus Gewandhausorchester, Chr. Eschenbach/Dutilleux & Saint-Saens 3.6. Appenzell/Kunsthalle Zie­ gel­hßtte (CH) Schweizer Klavier-

trio mit Werken von R. Schumann

3.6.

Hannover/Orangerie

Mßnchener Kammerorchester, ­Christiane Oelze & Lawrence Zazzo 4.6. Wßrzburg/VCC BalthasarNeumann-Chor/Mozarts Idomeneo 5.6.

Eltville/Kloster Eberbach

Italienische Operngala: Puccini,

9. bis 11. September 2011

Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain Telefon +49 (0) 8651 606-0 ¡ www.bad-reichenhall.de

Zvi Meniker: Klang SO Chopin?

AndrĂŠ ChĂŠnier/Umberto Giordano

12.8. Titisee-Neustadt/Hochfirstschanze Open Air Schwarz-

Tage

Ohren auf Europa - Biennale der neuen Musik

Concentus Musicus Wien & N. Har­ non­court/Haydn, Schubert & Lanner

Bregenz/Festspielhaus (A)

20.7.

StrauĂ&#x; Johann

“sagenhaft orientalisch“/Bremer Philharmoniker, Markus Poschner

   

Essen/Philharmonie

Daniel Barenboim & Staatskapelle Berlin; Ltg: Pierre Boulez MĂśnchengladbach/Theater Niederrheinische Sinfoniker &

10.6.

Graham Jackson. Ch. Seither: „Recherche sur le fond“ fĂźr Orchester (UA)

Bad Kissingen/Schmuckhof Schubert-Abend 11.6. Dresden/Semperoper 11.6.

Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann/Brahms & Reger 11.6. Leverkusen/Bayer Kulturhaus u.a. Vesselina Kasarova,

Kammerphilharmonie AmadĂŠ 12.6.

Berlin/Philharmonie

Rundfunkchor Berlin & Vladimir Jurowski/Strawinsky & Mahler 12.6. Mßnchen/Schloss Nymphenburg Vivaldis „Vier Jahres­

zeiten“ & Beethovens „PathĂŠtique“ Brandenburg/GroĂ&#x;es Haus Konzert zum Mahlerjahr

13.6.

2011 mit den Brandenburger ­Symphonikern

14.6. Donaueschingen/Museum Biedermann Klang SO Chopin?

kalischem Niveau. Das Konzert findet im stimmigen Rahmen der Pinakothek der Moderne statt. Es dirigiert Alexander Liebreich. MĂźnchen, 4.6., www.m-k-o.eu

Di, 4. Oktober 2011 Korngold, Igor Stravinsky, Shakespeare-Liederabend Michael Tippett u. a. Evelyn Tubbs | Sopran Daniel Johannsen | Tenor Michael Fields | Laute Tara Stafford | Sopran Eduardo Vallejo | Klavier Verena Krause | Sopran Andrew Ashwin | Bariton So, 2. Oktober 2011 Mi, 5. Oktober 2011 Burkhard Kehring | Klavier Kirchenkonzert ÂťEin SommernachtsAnton Bruckner, traumÂŤ Sa, 8. Oktober 2011 Adagio Ges-Dur aus dem in der neuen dramaturFestliche Operngala Arien und Ensembles aus Streich-quintett F-Dur gischen Bearbeitung von Anton Bruckner, Shakespeare-Opern von Florian Prey Messe Nr. 3, f-Moll Purcell, Rossini, Bellini, Anna Prohaska | Sopran Susanne Bernhard | Sopran Florian Prey | Bariton und Gounod, Nicolai, Verdi Gerhild Romberger | Alt u. a. Lesung Christian Elsner | Tenor Michael Spyres | Tenor Diogenes-Quartett Thomas Bauer | Bariton Elisabeth Woods | Sopran Andreas Kirpal | Klavier Deutsche StaatsphilharmoTara Stafford | Sopran nie Rheinland-Pfalz Andrew Ashwin | Bariton Do, 6. Oktober 2011 Mainzer Bachchor Craig Smith | Bariton Kammerkonzert Werke von Haydn, Leitung: Ralf Otto WĂźrttembergische Schubert, Mendelssohn Philharmonie Reutlingen und Brahms Mo, 3. Oktober 2011 Leitung: Ola Rudner Wolfgang Meyer | Klarinette Moderation: GĂśtz KlaviermatinĂŠe Oleg Maisenberg spielt u.a. Schuricke Werke von F. Schubert und F. Liszt Fr, 7. Oktober 2011 Meisterkurs Werner GĂźra Die groĂ&#x;e ÂťWilliamMo, 3. Oktober 2011 Shakespeare-LiederTheaterabend nachtÂŤ William Shakespeare Lieder, Duette und TerÂťWie es Euch gefälltÂŤ zette von Ralph Vaughan MĂźnchner Sommertheater Williams, Erich Wolfgang Sa, 1. Oktober 2011 ErĂśffnungsabend Ludwig van Beethoven Mannheimer Streichquartett Detlev Eisinger | Klavier

Stand Mai 2011 | Ă„nderungen vorbehalten Karten, Prospekte | Herbstliche Musiktage Bad Urach | Stiftung des BĂźrgerlichen Rechts Hermann-Prey-Platz 1 | 72574 Bad Urach | Telefon 07125 9460-6 | Fax 07125 9460-80 info@herbstliche-musiktage.de | www.herbstliche-musiktage.de

MĂšsica und Musi

Foto: Paul Joseph Brown

ÂťWilliam Shakespeare und die MusikÂŤ 1. bis 8. Oktober 2011

Es wird heiĂ&#x;, beim diesjährigen „Oberstdorfer Musiksommer“. Nicht nur real, sondern auch thematisch: Afrika und Lateinamerika stehen auf dem Programm. Das Ensembles „Cuarteto SolTango“ feiert ein Fest argentinischer Tangomusik, und mit den „African Tales“ grĂźĂ&#x;t Afrika die Allgäuer Alpen. AuĂ&#x;erdem wird das afrikanische Heldenepos „Sundiata Keita“ aus der Taufe gehoben. Richtig heimisch wird es dann wieder bei „Opern auf Bayerisch“ von „Carmen“ bis zur „ZauberflĂśte“. Oberstdorf, 28.7.-18.8., www.oberstdorfer-musiksommer.de

Al

ne usik te M

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ben!

Rund 40 Konzerte an zehn Wochenenden in den schĂśnsten SchlĂśssern, Kirchen, Burgen, KlĂśstern und InnenhĂśfen Mittelfrankens, z.B.: Christina Pluhar und L’Arpeggiata, Emma Kirkby und London Baroque, Ensemble OďŹƒcium, Benjamin Bagby, The King’s Singers, Izmir Barok, Amphion Bläseroktett, Pera Ensemble, Lautten Compagney Nordic Voices, Christine Schornsheim, „The Tempest“- Der Sturm (Oper von J. Chr. Smith nach W. Shakespeare, an drei fränkischen FreiluftbĂźhnen)

Carmina Burana

7. Juli bis 17. September

11

1: Im Mittelpunkt 201 Minnesang und eare kesp Musik um Sha

Veranstaltet vom

Karten an allen freigeschalteten Ticket-Online Vorverkaufsstellen oder: Telefon: 0981 / 46 64 50 11 (Kulturreferat des Bezirks Mittelfranken), 09123 / 954 49 31 (Bßro Fränkischer Sommer) www.fraenkischer-sommer.de

47


kl a s s i k

Luxemburg/Philharmonie

Martha Argerich & Lilya Zilberstein/ Rachmaninow, Liszt & Bartók

16.6.

Leipzig/Nikolaikirche

19.7.

Evgeny Kissin spielt Liszt

Al Ayre Español J. S. Bach: ­Johannes-Passion, BWV 245

Quedlinburg/Marktkirche St. Benedikti Münchner

18.6.

Bach­orchester & Hansjörg Albrecht 20.6.

Hamburg/Laeiszhalle

21.6.

Dortmund/Konzerthaus

Philharmoniker Hamburg, Staatlicher Chor Latvija & Simone Young/ ­Gubai­dulina & Mahler Dortmunder Philharmoniker/ Schubert, Jost & R. Strauss 23.6.

Luzern/KKL (CH)

24.6.

Passau/Studienkirche

Luzerner Sinfonieorchester, James Gaffigan & Hüseyin Sermet Münchner Bach Chor

25.6. München/versch.Orte

UniCredit Festspiel-Nacht, Auftakt­ veranstaltung der Münchner Opernfestspiele, Eintritt frei! 26.6.

Weimar/Nationaltheater

28.6.

München/Philharmonie

Sinfoniekonzert der Staatskapelle Weimar, Stefan Solyom & Catherine Manoukian/Elge & Holst Münchner Rundfunkorchester & Ulf Schirmer/Holländer, Bernstein, Barry & Herrmann

Lauf/Dehnberger Hoftheater Stefan Grasse solo 2.7. Nürnberg/Katharinenruine 30.6.

16. Nürnberger Gitarrennacht

Ettersburg/Schlosskirche

3.7.

Weihe d. Peternell-Orgel & Konzert 3.7. Trier/Großes Haus Operngala u.a. mit Franz Grundheber 7.7. München/Brunnenhof der Residenz Jacques Loussier Trio 9.7. Dresden/Frauenkirche

Dresdner Philharmonie, Kristjan Järvi & Angelika Kirchschlager 9.7.

Erfurt/Dom St. Marien

Liszt-Oratorium: Die Legende von der Heiligen Elisabeth 13.7.

München/Liebfrauendom

José Enrique Ayarra/Orgelkonzert

Foto: Lisa Kohler

14.7.

Dortmund/Konzerthaus

Luxemburg/Casino

Liszt-Gedenkkonzert

München/Brunnenhof der Residenz Quadro Nuevo 31.7. Wien/Musikverein (A) 20.7.

Ungarisches Symphonieorchester Bu­ da­pest, Henri Shek, Cheng Wing Fan 16.8. Berlin/Waldbühne Gipfeltreffen der Stars/Jonas Kaufmann, Anna Netrebko, Erwin Schrott 16.8.

Eberbach/Klosterbasilika

Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott, Waltraud Meier, Michael König/­ Mahlers Lied von der Erde

FESTSPIELE/ FESTIVALS Liszt-Jubiläum Bayreuth Schwetzinger SWR Festspiele 30.4. - 13.7. Musikfestspiele Saar 1.5. - 31.10. Festival Echternach (L) 6.5. - 22.7. Klavier-Festival Ruhr 13.5. - 13.6. Bodenseefestival 13.5. - 19.6. Wiener Festwochen (A) 14.5. - 13.8. Riom, Origen Festival Cultural (CH) 17.5. - 20.8. Burgfestspiele Mayen 18.5. - 5.6. Dresdner Musikfestspiele 20.5. - 28.7. Ludwigsburger Schlossfestspiele 21.5. - 2.10. Klosterkonzerte Maulbronn 25.5. - 5.6. Feldkirch Festival (A) 27.5. - 19.6. KunstFestSpiele Herrenhausen 27.5. - 3.7. Mozartfest Würzburg 28.5. - 7.8. Carl Orff-Festspiele Andechs 28.5. - 25.9. Ottobeurer Konzerte 29.5. - 31.7. Opernfestspiele Heidenheim 1.1. - 31.12.

29.4. - 14.6.

29.5. - 9.8.

Drottningholm Slottsteater (S) 1.6. - 31.5. PartiTouren Niedersachsen 2. - 4.6. Int. Kammer­musikfest Lübeck

Klavier-Gipfel mit AusreiSSer Köln auf. Sie spielt Beethovens Es wäre einfach zu schön, würKlavierkonzert Nr. 4. den diese Pianisten miteiExperimenteller wird es nander musizieren: Franz mit dem geistreichen Liszt und Alfred Brendel. ­Pierre-Laurent Aimard. Beide feiern dieses Jahr Er wird musikalische einen runden Geburts­Geburtstagsgrüße namtag, beide begannen ihhafter Komponisten an den re Karriere in Wien und Tondichter György Kurtág gelten als die besten Beet­ uraufführen. Die dieshoven-Interpreten ihElisabeth Leonskaja jährige Preisträgerin rer Zeit. Beim Klavier-­ des ­Klavier-Festivals ist Festival Ruhr stehen sie zusammen im Mittelpunkt: Innerhalb des ­Elisabeth Leonskaja. Ihr hochelegantes Spiel kann an Werken von Liszt und Liszt-Programms gibt es vom 14.-19. Juni Schumann bewundert werden. in Mühlheim eine Brendelreihe zum 80. Aber es gibt auch einen thematischen Hier wird er selbst bei einer Lesung seiAusreißer im Programm: einen Recitalnen ganz persönlichen Zugang zu Liszt­ Abend mit Weltklasse-­Geigerin Anneerklären. Sophie Mutter. Sie spielt in Begleitung Ebenso hochkarätig: András Schiff spielt von Lambert Orkis Kompositio­nen, die Mendelssohns „Variations sérieuses“ weder etwas mit Liszt noch mit Brenund Robert Schumanns sogenannte del zu tun haben: Debussys „Sonate „Geistervariationen“. Die Grande Dame pour ­violon et piano“ und Mendelssohns des Klaviers, Martha Argerich, spielt mit Lilya Zilberstein Liszt, Rachmaninow und ­„ Sonate für Violine und Klavier“. Bartók. Kurz darauf tritt Hélène GriRuhrgebiet, 6.5.-22.7., maud mit dem WDR-Sinfonieorchesterwww.klavierfestival.de

Halle/S., Händel-Festspiele Meininger Theatersommer 4. - 10.6. Richard-Strauss-Festival Garmisch-Partenkirchen 4. - 13.6. Oldenburger Promenade 4.6. - 9.8. Festspielsommer Bergwaldtheater Weißenburg i. Bay. 8.6.. - 2.7. Zwickauer Schumann-Fest 10. - 12.6. Pfingstfestival Gotha 10. - 13.6. Barocktage Stift Melk (A) 10. - 13.6. Pfingstfestspiele Salzburg (A) 10. - 15.6. Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf 10. - 19.6. Bachfest Leipzig 10.6. - 2.7. KLANGVOKAL Dortmund 10.6. - 11.9. Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 2. - 12.6.

11. - 26.6.

3.6. - 28.8.

Sanssouci

Liszt Festival Raiding (A) KultursommerNordhessen 17.6. - 10.7. Zürcher Festspiele (CH) 17.6. - 17.7. KISSINGER SOMMER 17.6. - 24.7. Schlossfestspiele Schwerin 17.6. - 6.8. Bad Hersfelder Festspiele 18. - 25.6. St. Moritz, RESONANZEN (CH) 13.6. - 18.8.

18.6. - 3.7. u. 27.8. - 11.9.

Schubertiade Schwarzenberg (A) 18.6. - 10.7. Thüringen, Überlisztet? 18.6. - 9.8. Greifenstein-Festspiele 18.6. - 14.8. Opernfestival Gut Immling 18.6. - 10.9. Sommerarena Baden (A) 19. - 25.6. Elmau, Swing-Festival

Minne auf der Al’ud

Dieses Jahr steht beim „Richard-Strauss-­ Festival“ nicht nur der Künstler, sondern auch der Privatmann im Mittelpunkt. In GarmischPartenkirchen hat man dazu die besten Möglichkeiten, war es doch der langjährige Wohnort des Komponisten. Brigitte Fassbaender und Thomas Quasthoff werden aber nicht nur über die Person, sondern auch über das Werk sprechen. Auf dem Programm steht die witzige Oper „Intermezzo“. Außerdem sind Thomas Quasthoff, Lilya Zilberstein und viele andere in Konzerten zu genießen – nicht nur ein Muss für Strauss-Fans. Garmisch-Partenkirchen, 4.-10.6. www.richard-strauss-festival.de

In Franken hatte er seine besondere Blüte: der Minnesang. Deshalb steht er beim Festival „Fränkischer Sommer“ im Mittelpunkt. In Thannhausen werden beispielsweise Stücke früher Troubadoure aufgeführt. Doch nicht nur die Ursprünge in Frankreich, sondern auch die arabischen Vorbilder des Minnesangs kann man genießen, gleich bei der festlichen Eröffnung im Nürnberger Rathaus. Der Bogen des Programms spannt sich vom Hochmittelalter bis zu Shakespeare. In Weißenburg, Lauf und Feuchtwangen wird dessen Alterswerk „The Tempest“ als Oper zu erleben sein. John Christopher Smith vertonte sie vor über 200 Jahren. Mittelfranken, 7.7.-11.9., www.fraenkischer-sommer.de

Händel in Haute Couture Vivienne Westwood gibt sich in Herrenhausen die Ehre. Sie wird zu Musik von Händels Oratorium „Semele“ neue Kreationen präsentieren

Arolser Barock-Festspiele München, Tollwood 23.6. - 31.7. Europäische Wochen ­Passau 24.6. - 2.7. Bantry, West Cork ­Chamber Music Festival (IRL) 24.6. - 9.7. Thüringer Schlossfestspiele Sondershausen 24.6. - 12.7. 60. Int. Musik- und ­Tanzfestspiele Granada (E) 24.6. - 24.7. Graz, STYRIARTE (A) 24.6. - 9.8. Academia Vocalis Konzerte und Wettbewerb Wörgl (A) 24.6. - 3.10. Mosel Musikfestival 25.6. - 9.7. Opera St. Moritz (CH) 25.6. - 30.7. Freilichtbühne Augsburg 25.6. - 31.7. Festival de Wiltz (L) 21. - 26.6.

22.6. - 17.7.

12.6. - 26.10.

Richard Strauss privat

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Musikfestspiele Potsdam

und damit die KunstFestSpiele eröffnen. Außerdem singt Patricia Petibon Arien der Händelzeit – und das in einem der schönsten Barockgärten Deutschlands. Zum Ende tritt schließlich Klaus Maria Brandauer in Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf. Hannover, Herrenhausen, 27.5.-19.6., www.kunstfestspiele.de

„Das Schloss der LIebe“ Sie findet immer mehr Anhänger: die französische Opéra des 19. Jahrhunderts. Auch Franz Liszt komponierte für diese Gattung. Sein „Don Sanche oder das Liebesschloss“ kann sich problemlos mit frühen Opern Meyerbeers messen. Obwohl der Komponist erst 13 Jahre alt war! Es spielt das Loh-Orchester. Die konzertante Aufführung findet dazu an einem ganz besonderen Ort statt: dem Achteckhaus von Schloss Sondershausen. Sondershausen, 8., 11., 18.6., www.liszt-2011.de www.crescendo.de

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Juni bis August 2011

Foto: Jo Schwarz

15.6.

erle b e n


Münchner Opernfestspiele 25.6. - 13.8. Rheinsberg, Festival junger Opernsänger 25.6. - 27.8. Rheingau Musik Festival 1.7. - 2.8. Audi Sommerkonzerte Ingolstadt 3.7. - 12.8. RheinVokal am Mittelrhein 6. - 16.7. Oleg Kagan Musikfest Kreuth 7. - 19.7. flimserstein.ch Flims (CH) 7. - 31.7. Tiroler Festspiele Erl (A) 7.7. - 11.9. Fränkischer Sommer Musica Franconia Mittelfranken 8. - 24.7. Griebenow, OPERNALE 8.7. - 14.8. St. Moritz, BSI Engadin Festival (CH) 9. - 31.7. Musikforum Viktring (A) 9.7. - 27.8. Ascona Music Festival 9.7. - 28.8. Schleswig-Holstein MusikFestival 11. - 24.7. Herrenchiemsee Festspiele 15. - 31.7. Verbier Festival (CH) 15.7. - 7.8. Schwäbisch-Gmünd, Festival Europäische Kirchenmusik 15.7. - 21.8. Festwochen Gmunden (A) 15.7. - 3.9. Menuhin Festival ­ Gstaad (CH) 16.7. - 24.7. Domleschger Sommer­ konzerte Tomils (CH) 18. - 24.7. Sommerfestspiele Baden-Baden 19.7. - 28.8. Opernfestspiele St. Margarethen (A) 20.7. - 21.8. Bregenzer Festspiele (A) 22. - 24.7. Augsburg, Konzerte im Fronhof 22. - 31.7. Waldhaus Konzerte Flims (CH) 22.7. - 14.8. Musikalischer Sommer Ostfriesland und Groningen (D/NL) 23.7. - 6.8. Davos Festival (CH) 24.7. u. 6.8. Nürnberg, Klassik Open Air/Picknick im Park 25.7. - 28.8. Bayreuther Festspiele 26. - 30.7. Arosa Musik Theater (CH) 27.7. - 30.8. Salzburger Festspiele (A) 28.7. - 7.8. Darmstädter Residenzfestspiele 25.6. - 31.7.

Internationales Klassikfestival Oberstdorfer Musiksommer 29.7. - 7.8. Bachwoche Ansbach 29.7. - 7.8. Int. Fredener Musiktage 29.7. - 13.8. OperettenSommer Kufstein (A) 29.7. - 14.8. Monschau Klassik 29.7. - 15.8. donauFestwochenGrein(A) 30.7. - 7.8. Sommerliche Musiktage Hitzacker 30.7. - 27.8. Wernigeröder Schlossfestspiele 5. - 21.8. Berlin, Young Euro Classic 5.- 24.8. Schlossoper Haldenstein (CH) 7. - 21.8. Moritzburg Festival 9. - 14.8. Augio/Calancatal, Demenga Festival (CH) 10. - 28.8. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (A) 10.8. - 18.9. LUCERNE FESTIVAL Sommer (CH) 11. - 21.8. Bonner Sommerkino Internationale Stummfilmtage 11. - 28.8. 1. Seefestspiele Berlin 19. - 21.8. Hannover, Musik 21 19. - 29.8. Haydn-Festival Brühler Schlosskonzerte 19.8. - 7.9. Musik-Festival Grafenegg (A) 19.8. - 11.9. Kunstfest Weimar 20.8. - 4.9. Erfurt, Domstufen-Festspiele 24.8. - 3.9. Füssen, Festival vielsaitig 26.8. - 4.9. Irsee, KLANG & RAUM 26.8. - 9.10. Ruhrtriennale 27.8. - 4.9. Musiktage Mondsee (A) 27.8. - 17.9. Musikfest Bremen 27.8. - 18.9. Musikfest Stuttgart 29.8. - 16.9. Internationaler ARD Musik­ wettbewerb 31.8. - 14.10. Ascona, Settimane Musicali (CH) 1.9.-10.10. Frankfurt a.M./Alte Oper, „Auftakt“ Veranstaltungsreihe 2.-20.9. Musikfest Berlin 4.-18.9. Domkonzerte Königslutter 28.7. - 18.8.

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Foto: Kammerakademie Potsdam

Badehose und Zauberflöte Bei so prominenten Namen kann nichts schiefgehen: Mozart, Thalbach, Kammerakademie Potsdam. Gegeben wird openair am wunderbaren Wannsee“. Katharina Thalbach hat Mozart bereits mit Erfolg in Berlin inszeniert. Wenn das mal kein Grund ist, nicht nur die Badehose, sondern auch noch das Opernglas einzupacken! Berlin, 11.-28.8., www.seefestspiele-berlin.de

Bestimmen wie ein fürst Wer möchte nicht einmal Fürst sein und bestimmen, was sein Lieblingsorchester spielt? In der mondänen Kulisse von Bad Reichenhall gibt es jetzt die Möglichkeit dazu: beim Philharmonischen Sommerwind. Die Bad Reichenhaller Philharmoniker spielen unter freiem Himmel, tagsüber oder bei romantischer Illumination, was die Hörer begehren. Das ganze findet noch dazu in der Konzertrotunde des bezaubernden Kurgartens in Bad Reichenhall statt. Bad Reichenhall, 28.7.-13.8., www.bad-reichenhaller-philharmonie.de

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d i e

l e t z t e

s e i t e

Geiger & crescendo Kolumnist DANIEL HOPE

„Welch charmanter Mensch!“ Ein Anruf bei unserem Kolumnisten, der sich mit großen Emotionen an den Cellisten Bernard Greenhouse erinnert. Greenhouse starb am 13. Mai im Alter von 95 Jahren.

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gab. Nach dem Konzert, gegen elf, ich war natürlich noch viel müder, sagte Greenhouse „ich habe riesigen Hunger, lass uns was Essen gehen.“ Es war Sonntag Abend und das einzige Lokal, das uns noch was kochen wollte, war das Blockhouse, diese Steakhouse-Kette. Greenhouse im Blockhouse, ich nehme an, es gab Steak? Natürlich. Greenhouse bes­tell­­ te sich ein großes Steak und Whisky­dazu. Ich glaube, wir saßen bis morgens um zwei dort. Irgend­wann habe ich GreenBeaux Arts Trio Wiedersehen in Tanglewood house gefragt,­wie lange er eigentlich in Ham2008 (v.l.): Daniel Hope mit Bernard Greenhouse, burg bleibt und er sagte, sein Flieger nach Antonio Meneses und Menahem Pressler. Hause gehe um sechs, also in ein paar Stunden, zuerst nach Frankfurt, dann nach Boston wir damals, aber so schön. Er war so ein charund von dort in sein Nest in Cape Cod. Man manter, unglaublich interessierter Musiker, muss an dieser Stelle betonen, dass der Mann auch sehr harmoniesuchend. Und dann sind damals­93 Jahre alt war! wir mit allen Essen gegangen und es kamen natürlich die ganzen Geschichten von früher Wie haben Sie von seinem Tod erfahren? hoch. Da sitzt man da, hört zu und ist einfach Ich kam gerade von einem Konzert im nur dankbar, dass man dabei sein darf. Musik­verein Wien zurück und bin ein wenig­ durch das Internet gesurft, da sah ich die Wann haben Sie sich das letzte Mal Meldung. Zwei Minuten später erreichte­ getroffen? mich eine E-Mail von David Finckel, der Das war im September 2009, eine etwas unmich persönlich darüber informieren wollte.­ gewöhnliche Begegnung. Ich war gerade aus Und dann sandte er mir dieses Foto von Tokio zurück nach Hamburg geflogen und Tanglewood und ich hatte diese emotionalen­ David Finckel und Wu Han riefen mich an Erinnerungen. Er war ein großartiger Musiund sagten, ich müsse unbedingt noch zu eiker. Ich werde ihn nicht vergessen. RK nem Konzert kommen. Sie meinten, Bernard n Greenhouse sei da, also bin ich – trotz großer Müdigkeit – hin und wir trafen uns in der Lobby. Da spürte ich wieder die Wärme Der Geiger Daniel Hope lebt in Wien und dieses Mannes, der einen immer sofort in sein vielen Hotelzimmern dieser Welt und schreibt Herz schloss und seine volle Aufmerksamkeit seit mehreren Jahren regelmäßig in crescendo.

Foto: privat

Daniel Hope war sechs Jahre­ (von 2002 bis 2008) Mitglied des legendären Beaux Arts Trio. Einer der Gründer der histori­ schen Truppe, der Cellist Bernard Greenhouse, verstarb nun im Alter von 95 Jahren in seinem Haus im amerikanischen Cape Cod, in der Nähe­von Boston. Hope hatte Greenhouse­erst vor wenigen Jahren kennen gelernt, aber sich – wie er sagt – „sofort in ihn verliebt“. crescendo: Herr Hope, eigentlich wollten wir an dieser Stelle immer über lustige Themen sprechen, aber nun sprechen wir über den Tod eines großen Musikers ... DANIEL HOPE: Das ist wahr. Wir sind alle traurig über diesen Verlust, aber man kann nicht sagen, dass Bernard Greenhouse ein trauriges Leben geführt hat. Wann haben Sie ihn kennen gelernt? Leider erst sehr spät. Es war 2008, das letzte Konzert des Beaux Arts Trios in Amerika, in Tanglewood, an dem Ort, an dem alles angefangen hatte. Ich war wahnsinnig nervös, weil ich wusste, dass Greenhouse im Publikum sitzt. Die letzte Zugabe haben wir ihm gewidmet und dann hat Menahem Pressler über das Mikro gesagt, heute sei sein Freund Greenhouse hier. Greenhouse ist aufgestanden, und es gab natürlich standing ovations und er winkte mit seinen Krücken, ein unglaublicher Moment. Haben Sie ihn nur im Publikum gesehen? Nein, nach dem Konzert haben wir uns dann hinter der Bühne getroffen. Was für eine Begegnung! Er war so euphorisch, er meinte nur, ihr spielt zwar ein bisschen anders als

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Juni bis August 2011


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crescendo 4/2011, Ausgabe Juni/August 2011