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n rdland rdland Nr. 14  Herbst 2017  CHF 7.80 

Das Reisemagazin von Kontiki

8 sten Trekkingtour für Abenteuerlustige Seite Zu Fuss durch Islands wilden We neue Erlebnisse Grenzenlose Natur, viel Platz und tte pla en Se en ch nis Fin r Familienferien in de

Die Inseln der Wikinger Auf den Spuren der berüchtigten Nordmänner Seite 18

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Denken Sie an uns, wenn Sie in den Ferien an nichts denken wollen. Verschwenden Sie keinen Gedanken ans Fliegen — das machen wir für Sie. Deshalb ist bei Edelweiss auch von der Verpflegung bis zum Gepäcktransport alles inklusive. Was Ihnen aber sicher im Gedächtnis bleiben wird, ist der ausgezeichnete Service, den wir auf all unseren Flügen zu über 60 Traumdestinationen anbieten.

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EDITORIAL

FÜR KLEINE UND GROSSE EROBERER Liebe Leserin, lieber Leser Meine erste Begegnung mit Wikingern hatte ich als Kind – vor dem Fernseher. Damals verpasste ich kaum eine Sendung von «Wickie und die starken Männer»; später kamen die Comics um Hägar dem Schrecklichen dazu. Dass die nordischen Krieger im Mittelalter nicht so harmlos, nett und lustig wie in den Unterhaltungsprogrammen waren, erfuhr ich später auf meinen ersten Reisen in den Norden. Die Faszination für die Eroberer – und besonders für den Norden – aber ist geblieben und lässt mich immer wieder auf ihre Spuren zurückkehren. Diese Faszination erlebte unsere Nordland-­ Redaktorin Franziska Hidber auf ihrer Reise auf die schottischen Inseln Shetland und Orkney. Die beiden Wikingerhochburgen identifizieren sich heute noch mit den Nordmännern, die nebst Schrecken auch Handwerk, Fische und Handel und damit bessere Lebensbedingungen brachten. Auf der nördlichsten Shetland-Insel Unst werden die Herrscher über die Meere am Wikingerfestival wie Helden gefeiert – «Zieh fest die Segel an», heisst es ab Seite 18. Auf eine heldenhafte Herausforderung liess sich Bernard van Dierendonck in Island ein. Wie ein Wikinger – allerdings ohne Schiff – machte er sich zusammen mit anderen Mutigen auf, unbewohntes Land zu erkunden: Mit Wanderschuhen, Rucksack und Zelt ausgerüstet, eroberte er die beinah unberührte Halb­insel Hornstrandir in den isländischen West­f jorden. Seine Erlebnisse hat er in Wort und Bild für Sie festgehalten, das Abenteuer beginnt auf Seite 8.

Es gibt unzählige Arten, den Norden zu erobern: Chefredaktorin Nadja Hänni war im Sommer mit dem Velo in Schweden unterwegs.

Deutlich mehr Gelegenheit zum Ausspannen ­bieten da Blockhausferien in der Finnischen ­Seenplatte. Dass dabei das Abenteuer nicht zu kurz kommt, kann unsere Autorin Esther Kern bestätigen: Sie verbrachte mit ihrer Familie eine Woche im Süden Finnlands sowie einen SurvivalTag mitten in der Natur. Was die Familie dabei gelernt hat und weshalb ihr Sohn weder die ­A ngelrute noch sein finnisches Messer wieder ­abgeben wollte, erzählt sie Ihnen ab Seite 24. Nun wünschen wir viel Freude beim Erobern dieser Ausgabe. Herzlich

Nadja Hänni

IMPRESSUM: Herausgeberin: Kontiki Reisen, Bahnhofstrasse 31, 5400 Baden, www.kontiki.ch; Chefredaktion: Nadja Hänni, Produktion/Redak­t ion: Franziska Hidber; Redaktio­nelle Mitarbeit: Stefan Doppmann, Sarah Ganzmann; Gestaltung: CreaOcchio; Cover: Roger Cracknell/Alamy Stock Photo; Korrektorat: Claudia Scherrer, Tipptopp; Kontakt und ­A nzeigen: nadja.haenni@kontiki.ch; ISSN 2296-9780; «Nordland» erscheint zweimal jährlich; Auflage: 45 000; 7. Jahrgang; www.nordland-magazin.ch

KOSTENLOSES ABO Jetzt bestellen: www.kontiki.ch/kataloge oder 056 203 66 66.

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Foto: Lernidee

LESESTOFF

UNTERNEHMEN

  6 WISSEN: Traumjobs auf See

36 KONTIKI-EINBLICK: Ein ausgezeichneter Arbeitsplatz

Hurtigruten bekennen sich zu Norwegen.

Kontiki gehört zu den besten Arbeitgebern

  8 ISLAND: Zu Fuss durch den wilden Westen

der Schweiz.

 Mit Rucksack und Zelt durch Hornstrandir.

18 SCHOTTLAND: Die Inseln der Wikinger

38 KONTIKI-WEITBLICK: Sie machen jede Reise zum Erlebnis

Wie Kontiki seine Reiseleiter aussucht.

Wie die Nordmänner Shetland und Orkney prägten.

22  PORTRÄT: Eine Schweizerin auf den Färöern

Karin Visth erobert als erste Sommelière die

«Schafsinseln».

24 FINNISCHE SEENPLATTE: «Mama, hier ist es so still!» Bilderbuch-Ferien in Finnlands Natur.

SERVICE 17 TIKIPEDIA: Inseln im Nordatlantik Reisetipp: Exklusive Seereise «Atlantische Inseln».

32 NOTIZEN AUS DEM NORDEN Agenda, Schnellkur gegen Nordweh und Häppchen.

31 TIKIPEDIA: Finnische Seenplatte Reisetipp: Blockhäuser für Familien und

34 REISETAGEBUCH: Im schwedischen Robinsonland

für Romantiker.

Kanutour statt Internet in Värmland.

41 RÄTSEL 42 IM ZIEL: Hans Blaser Von «Mister Iceland» zu «Mister Kontiki».

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Traumreise nach Finnisch-Lappland

zu gewinnen.


INHALT

Jeden Sommer verkehrt der Zarengold – der Sonderzug der Transsibirischen Eisenbahn – fünfmal zwischen Moskau und Peking. Das sind 7923 Kilometer pro Strecke, also fast ein Viertel des Erdumfangs. 50 Angestellte kümmern sich um die 150 Passagiere während der spektakulären Fahrt durch Sibirien, die Wüste Gobi, die «mongolische Schweiz» mit ihrer Bergwelt und dem Baikalsee entlang – er ist rund 25 Millionen Jahre alt. Wer von Peking aus Richtung Moskau reist, durchquert fünf Zeitzonen und geniesst damit jeden Tag eine zusätzliche Stunde in der nostalgischen Bahn.

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Foto: Trym Ivar Bergsmo


WISSEN

TRAUMJOBS AUF SEE «Mine damer og herrer, vi kommer til Polarsirkelen»

– so wird der nahe Polarkreis auf den Hurti­gruten angekündigt. Zuerst auf Norwegisch, erst dann auf Englisch, Deutsch und Französisch. Seit 1893 fährt die norwegische Postschifflinie unter der könig­ lichen Krone, und seither behauptet sich Norwegisch als erste Bordsprache. Es ist nicht das einzige Bekenntnis zu Norwegen: Auf der Brücke stehen – mit wenigen Ausnahmen – norwegische Kapitäne. Und woher kommen die Turleder, wie die Reiseleiter hier heissen? Aus ­Norwegen und Skandinavien natürlich. Oder sie wohnen schon so ­lange in ihrer Wahlheimat, dass sie von den Einheimischen nicht mehr zu unterscheiden sind – wie der Schweizer Heinz ­Erbacher. Beim Servicepersonal sind kaum Arbeitskräfte aus Billiglohnländern zu finden. Hingegen sind die Hurtigruten die wichtigste maritime Berufsbildnerin im Land: Durchschnittlich 150 junge Leute lernen ihren Traumberuf auf einem der zwölf Schiffe – im Maschinenraum und an Deck, in der Küche und im Service, an der Réception und als Tourguide. Dass die Ausbildungs- und Arbeitsplätze bei den Hurtigruten begehrt sind, überrascht nicht. Wer sonst kann von seinem Arbeitsplatz aus Wale beobachten, Nordlichter sehen und direkt in die Mitternachtssonne schauen? Mindestens so einzigartig sind die Arbeitsbedingungen: Jedes Besatzungsteam übernimmt die Rundreise von Bergen nach Kirkenes und zurück zweimal am Stück – das sind 22 Tage auf See. Auf den Schichtwechsel in Bergen folgen 22 Freitage. Weltweit beschäftigt die Hurtigruten-Gruppe rund 2400 Angestellte. Neben dem Hauptquartier in Tromsø betreibt die Reederei Agenturen in Kirkenes, Oslo, London, Hamburg, Paris, Tallinn, Hongkong und Seattle.

Die Hurtigruten zelebrieren ihr Bekenntnis zu Norwegen überzeugend lustvoll – von der Bordsprache über die regionalen Speisen bis zur vorwiegend norwegischen Belegschaft.

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ISLAND

ZU FUSS DURCH ISLANDS WILDEN WESTEN Das Naturreservats Hornstrandir ist der abgelegenste Fleck Islands. Das Trekking mit Rucksack und Zelt durch die arktische Schönheit bedeutet selbst für wetterfeste Wanderer ein heldenhaftes Abenteuer. Doch beim Anblick der spielenden Polarfuchskinder sind nasse Füsse rasch vergessen. Text und Fotos: Bernard van Dierendonck

Das Trekking führt über Schneefelder, Geröllhalden, saftige Wiesen – und in Unterhosen bei bester Laune durch den Fljótsvatn.

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K

ein Windhauch streicht um die Zelte. Die Wasserober­ fläche im breiten Fjord von Aðalvík ist spiegelglatt. Eine Möwe ruft klagend – oder ist es gar das Bellen eines Polarfuchses? Auf dem Benzinkocher dampft ein mit Nüssen und ­Trockenfrüchten angereicherter Porridge. Carla, unsere Wanderführerin, empfiehlt dazu einen grossen Klecks Erdnussbutter: «Das gibt Energie für den Wandertag und schmeckt erstaunlich gut.» Carla stammt ursprünglich aus Deutschland, arbeitete einige ­Jahre als Wissenschaftlerin und lebt nun als Guide in Ísafjörður, dem Hauptort der Region Westfjorden. Unlängst trekkte sie ­a lleine wochenlang durch Patagoniens Wildnis. «Wie hast du geschlafen?», erkundigt sie sich bei Chris. Der Amerikaner hat gerade seine erste Nacht im Zelt hinter sich. Zufrieden streckt er den Daumen hoch. Nach einem Schluck Kaffee aus der Plastiktasse ergänzt er: «Nur diese Stille in der Nacht, das fand ich

Die erste Nacht im Zelt im breiten Fjord von Aðalvík – idyllisch und ungewohnt still.

unheimlich. Darum konnte ich lange nicht einschlafen.» Der sportliche Mann hat die Trekkingwoche durch Islands Naturreservat Hornstrandir seinem 18-jährigen Sohn Robby zum Schulabschluss geschenkt. Anders als der Vater wandert der Jugendliche praktisch jedes freie Wochenende durch die amerikanische Wildnis. Zur Vorbereitung hatte Robby seinem Daddy denn auch zu einem mehrmonatigen Training geraten. Intensives Springseilen zur Stärkung der Fussgelenke, Krafttraining für die Rücken­ muskeln und schnelle Spaziergänge standen auf dem Programm. «Ohne diese Vorbereitung hättest du bereits bei der ersten Tagesetappe schlapp gemacht», meint Robby. Keine Konditionsprobleme kennt das junge Ehepaar in unserer kleinen Reisegruppe. Die beiden dienten als Rettungsleute in der amerikanischen Navy und haben heute neben ihren intensiven Bürojobs das sportliche Training beibehalten. Stille und Entbehrung sind genau das, was der gross gewachsene Ehemann Randy sucht: «Totaler Detox ist mein Ziel: kein Handy, kein Kaffee, kein Schwarztee, kein Alkohol und maximale Abgeschiedenheit.» Kostbare trockene Kleider Über uns ist der Himmel blau. Trotzdem halten wir uns beim ­Packen der Rucksäcke an Carlas Ratschlag, alle Kleider und vor allem den Schlafsack wasserdicht zu verstauen. So sagte uns die Wildnisfrau schon bei der Vorbereitung tags zuvor: «Trockene Kleider hüte ich wie einen Schatz. Denn nasse Sachen trocknen in diesem feucht-kühlen Klima nie mehr.» Die Vorstellung, nach ­einem langen Wandertag in einen nassen Schlafsack zu kriechen, ist gruselig. Ein weiterer Tipp: Alles, was man zum Wandern ­benötigt, soll griffbereit verstaut sein. Dies gilt nicht nur für den Proviant, sondern auch für den Regenschutz. Denn in Island lebt man nach dem Motto: «Gefällt dir das Wetter gerade nicht, dann warte doch zehn Minuten.» Selbstverständlich funktioniert dieser Spruch auch umgekehrt, zum Beispiel jetzt: Tatsächlich hängt über unserem ersten Etappen­ziel, dem Tunguheiði-Pass, bereits eine dicke Wolkenschicht. Hornstrandir heisst die nördlichste Spitze der Region Westfjorden. Die wild gefächerte Halbinsel ist lediglich über eine schmale Landbrücke mit der Hauptinsel Island verbunden und ragt weit ins Nordmeer hinaus. Island ist das Land der Geysire, der ungestümen Vulkane und der gigantischen Wasserfälle. Auf Hornstrandir gibt es das alles nicht, darum wird dieser zerklüftete Fortsatz wohl nie ein Ziel der grossen Touristenströme werden. Die

«Nur diese Stille in der Nacht, die fand ich unheimlich.»

Wanderführerin Carla weiss, wann es Zeit für einen Kaffee mit frischem Quellwasser ist.

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Kontiki Reisen

Gegend ist seit 1975 als Naturreservat geschützt und nur per Schiff oder zu Fuss erreichbar. Wahrzeichen des Parks ist die Felsklippe Hornbjarg. Der schmale, teils überhängende und durch und durch mit Gras überwachsene Grat ragt über 500 Meter hoch und mehrere Kilometer weit ins Meer hinaus und ist auch das Wanderziel unseres sechstägigen Trekkings. In den Steilwänden brüten Abertausende


ISLAND

Abseits von Touristenströmen bietet das Naturreservat Hornstrandir an der nördlichsten Spitze der Region Westfjorden eindrückliche und farbenfrohe Naturschauspiele.

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Imposante «Steinmänner» weisen den Weg und einmal mehr bewahrheitet sich Islands erste Regel: «Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte zehn Minuten.»

Lummen, Papageitaucher und Eissturmvögel. Bekannt ist das ­Naturreservat auch für den Polarfuchs. Seit über 20 Jahren darf er hier nicht mehr gejagt werden. Das einzige einheimische Land­ säugetier Islands kennt praktisch keine Scheu vor dem Menschen.

Wer hier wandert, kann Karten lesen. Für mich ein Grund, das schwere Teleobjektiv durch die Wildnis zu schleppen – so gerne möchte ich dieses schöne Raubtier formatfüllend fotografieren! Von 500 auf 0 Einwohner Einsam, wild und still war es auf Hornstrandir nicht immer. Als 1914 die ersten grossen Heringschwärme vor der Küste auftauchten, wurde der Fang sofort in einer flugs auf der Halbinsel gebauten Fabrik verarbeitet. Schon lange zuvor hatten sich in den ­Fjorden Bauern niedergelassen. Einer von ihnen war als besonders

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Kontiki Reisen

robust und stark bekannt. Man lud ihn nach Reykjavík zu einem Radiointerview ein. Auf die Frage, ob denn das Leben dort draussen nicht grausam hart sei, antwortete der Mann: «Nein, auf Hornstrandir gibt es immer genug zu essen. Auch in schlechten Zeiten fangen wir noch Fische, und zur Brutzeit ernähren wir uns von Seevögeln und ihren Eiern.» Als jedoch die Heringsschwärme unverhofft ausblieben und das Wiederaufbauprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg viele Arbeitsmöglichkeiten in den grösseren Ortschaften schuf, entvölkerten sich die Fjorde. Von 500 Einwohnern sank die Zahl auf null – Hornstrandir geriet in Vergessenheit. Farmen zerfielen, einige wurden später wieder als Ferienhäuschen aufgebaut. Vom saftigen Grün in den Schnee Die isländische Zehnminuten-Wetterregel gilt auch heute. Als wir die Rucksäcke mit Campingausrüstung und Essen für die nächsten Tage schultern, haben sich die Regenwolken über dem Tunguheiði-Pass verzogen. Wir starten auf der alten Schotter­stras­se, bis ein schmaler Pfad nach Westen abzweigt. Kein Schild weist den Weg. Wer hier wandert, kann Karten lesen. Die Wege sind teils gut sichtbar, teils verlieren sie sich im Geröll oder sind


ISLAND ISLAND

Einsam, wild und still: Auf jeden Aufstieg folgt als Belohnung der Blick in die Tiefe auf den nächsten menschenleeren Fjord.

von Schneefeldern überdeckt. Zur Orientierung haben die Bauern grosse Steinmänner gebaut. Die weit über 100 Jahre alten und kunstvoll geschichteten Kegel sind gerade bei Nebel eine willkommene Orientierungshilfe. Guide Carla kickt mit den Bergschuhen Tritte in ein steiles Schneefeld. Noch keine zwei Stunden sind wir unterwegs. Die Vegetation hat vom saftigen Grün und von süss duftenden Feldern mit Kerbeln

Die Vorstellung, nach einem langen Wandertag in einen nassen Schlafsack zu kriechen, ist gruselig. zu hochalpin gewechselt. Auf Schneefelder folgen Schutthalden. Polster von rosarotem Steinbrech sind seltene Farbtupfer, weiss­ gelber Islandmohn zittert im Wind. Ein letztes Steilstück und die

felsige Hochebene ist erreicht. Vor uns liegt das Tagesziel – der Fljótsvatn. Der See liegt begrenzt von einer Bergflanke auf der ­einen und ausgedehntem Schwemmland auf der anderen Seite in einem von Gletschern breit geschliffenen Tal. Ein Bach mäan­ driert durch Wiesen und Sümpfe. Geröllstreifen sind Zeugen der letzten Eiszeit. An einem windgeschützten Ort machen wir Pause. Carla, die zur Erkundung den Trekk in der Woche zuvor abgelaufen ist, erklärt den weiteren Weg. Er führt durch den breiten See. In dieser Wildnis gibt es keine Fussgängerbrücken: «Letzte Woche musste ich lange suchen, bis ich die richtige Watstelle gefunden hatte. Das Wasser wird uns bestimmt bis über die Knie reichen, aber hoffentlich nicht bis zur Hüfte!» Kulinarisches Neuland Zuvor gibt es Mittagessen. In meinem Rucksack befindet sich der Gruppenproviant für diesen zweiten Tag. Unser Guide hat bei der Zusammenstellung des Essens nicht nur auf den Nährwert ­geachtet. Neben Schokolade, Käse und Hummuspaste versteht sich der Inhalt des Zippbeutels auch als kulinarische Exkursion in den hohen Norden. Während alle begeistert von der isländischen Wurst essen und sich Chris überlegt, wie viel er vom Flatbrauð,

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den dünnen Roggenbrotfladen, mit nach Amerika nehmen möchte, rümpfen die meisten die Nase beim Anblick der Kaviarpaste aus der Tube. Und als ich die Packung mit getrocknetem Dorsch aufschneide, ist die Begeisterung vollends verflogen. Der Harðfiskur riecht streng – wer sich doch dazu überwindet, muss lang auf

Lustig spritzt das Sumpfwasser zwischen den Zehen hoch. den blättrig getrockneten Fischstücken kauen, bevor man sie ­endlich schlucken kann. «Dieser Fisch hat einen super Nährwert und ist lange haltbar. Darum war er früher auf Schiffsreisen sehr beliebt», erklärt Carla lachend und lehnt selber dankend ab. Zur Versöhnung holt sie aus einer nahen Quelle Wasser und kocht uns einen Kaffee.

Kostbare Schönheiten: Die Wassertropfen im Moos werden aus gutem Grund «isländische Diamanten» genannt.

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Unten auf der Schwemmebene gleicht der Untergrund einem vollgesogenen Schwamm. Noch sind die Schuhe trocken, darum laufen wir barfuss weiter. Lustig spritzt das Sumpfwasser zwischen den Zehen hoch. Durch den Fljótsvatn waten wir in Unterhosen. Nur die gross gewachsenen Männer hoffen, dass das Hochkrempeln der Hosenbeine reicht. Anfangs ist das Wasser auf dieser 500 Meter langen Watstrecke knöcheltief – und nicht so kalt wie befürchtet. Zuversichtlich geht Chris voraus, bis er plötzlich hüfttief im Wasser steht. Unerschrocken stapft er weiter. Wir anderen sondieren mit den Wanderstöcken und finden weiter rechts eine Passage, die das Durchkommen mit trockenen (Unter-)Hosen doch noch ermöglicht. Kaum laufen wir am anderen Ufer mit Schuhen und Hosen weiter, erwartet uns das nächste Ungemach. Wütend kreischend steigen zwei Küstenseeschwalben von ihrem Nest auf und stürzen sich auf uns. Man sagt sich, dass diese pfeilschnellen Vögel je nach Gemütslage schmerzende Kratzer auf der Kopfhaut zurücklassen. Zum Schutz strecken wir die Wanderstöcke wie Antennen über unsere Köpfe. Das hilft, wir erreichen unbeschadet in der warmen Abendsonne den nächsten Zeltplatz auf einer trockenen Wiese.

Einst gab es in Hornstrandir 500 Einwohner, heute gehört das Reservat den Tieren – und den wenigen Wanderern.


ISLAND

In Ruhe fotografiere ich eine der leuchtend gelbgrünen Pflanzen – aber ist da nicht jemand? Bis auf diese Begegnung war Islands Tierwelt bisher zurückhaltend. Gerade die Füchse lassen sich nicht blicken. Habe ich das schwere Objektiv vergebens eingepackt? Immerhin entdeckten wir Kot und Spuren. Es verbleiben noch vier Wandertage. Auch wenn die Landschaft karg ist, so sind die Wanderetappen von sechs bis acht Stunden Länge abwechslungsreich. Die Übergänge von einem Fjord zum nächsten bieten immer wieder neue Ausblicke. Unsere Route führt vorbei an Bergseen voller Eis und durch endlose Sümpfe. In Geröllfeldern leuchten phosphorgrüne Moosflächen. Sie säumen Quellen, die zwischen den Steinen sprudeln. Im Moos stecken Islands Diamanten – so nennt man hier die glasklaren Wassertropfen. Lange wandern wir über Strände. Runde Kieselsteine rauschen in der Brandung und überall liegen Baumstämme. Dieses von Wind, Wasser und Eis geschälte Treibholz wurde vom fernen Sibirien angeschwemmt. Nachdenklich stimmt der viele Plastikmüll – der überwiegende Anteil sind Netze und Markierungsbojen aus der Fischerei. Die Passhöhe des steilen und windigen Skálarkambur erreiche ich weit vor der Gruppe. In aller Ruhe fotografiere ich eine der leuchtend gelbgrünen Pflanzen – aber ist da nicht jemand? Langsam drehe ich mich um. Direkt

hinter mir sitzt ein Polarfuchs! Neugierig mustert er mich mit seinen gelben Augen. Das dunkelbraune Fell ist mit Strähnen des weissen Winterpelzes durchsetzt, der lange Schwanz ist buschig weiss. Plötzlich springt er auf und hüpft davon. Immer wieder blickt er zurück, schlägt einige Haken, als möchte er spielen. Neben einem Steinmann putzt er sein Fell und verschwindet dann so geheimnisvoll, wie er gekommen ist. Der Fuchsbann ist gebrochen – die Polarfüchse tauchen nun überall auf. So auch im fixen Basislager, das der Anbieter unserer Trekkingreise in der Nähe der spektakulären Vogelklippe Hornbjarg aufgebaut hat. Dort schauen die ­katzengrossen Tiere schon mal beim Küchenzelt vorbei oder balgen sich zwischen den Zelten. Kampf um die Beute Auf der zweitletzten Etappe zur Vogelklippe gilt Islands Zehnminutenregel leider nicht mehr. Trotz guter Wetterprognose verhüllt eine bleierne Wolkenschicht die Berge. Es regnet pausenlos. Zum Glück ist das Essenszelt im Basislager geheizt – so fällt es uns trotz der garstigen Verhältnisse leicht, eine Wanderung zur Klippe zu wagen. Der Weg führt nach einer stechend kalten Flussdurchquerung

Zunächst lassen sich die Polarfüchse nicht blicken – doch dann kommen die Wildtiere ohne Scheu auf die Trekkinggruppe zu.

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Mama oder Papa Polarfuchs unterwegs mit der Beute zum Nachwuchs.

Mit Schaudern schauen wir dem Schauspiel zu, wie diese schnuckeligen Tierchen plötzlich so skrupellos um die Beute kämpfen. durch violettgelbe Blumenwiesen, vorbei an schmalen Felsblöcken aus schwarzem Basalt. Das ganze Land tropft und trieft. Von den Hängen stürzen Wasserfälle. Mit jedem Höhenmeter wird der Nebel dichter, zuoberst an der Klippenkante können wir den Abgrund nur erahnen. Die vielen Vögel nehmen wir aufgrund des Geruchs war. Mangels anderer Sujets vertiefe ich mich erneut in die Blumenfotografie. Da flüstert Chris leise: «Schau, wer da kommt!» Ein ­Polarfuchs mit einem riesigen Vogel in der Schnauze läuft an uns vorbei. Das Raubtier winselt, und schon stürzen aus dem Nebel dunkelbraune Knäuel auf ihn zu. Die ­sieben Welpen zerren und rupfen am Vogel. Die Federn fliegen. Die Fuchskinder rollen keifend mit der Beute über den Grashang. Mit Schaudern schauen wir dem Schauspiel zu, wie diese schnuckeligen Tierchen plötzlich so skrupellos um die Beute kämpfen. Als wir eine halbe Stunde ­später den glitschigen Weg weiter zum messerscharfen, überhängende Vogelfelsen laufen, fragt Chris: «Was hättest du ­lieber, die Fuchsfamilie oder eine klare Sicht?» Vielleicht sollten wir nochmals zehn Minuten warten …

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Kontiki Reisen

PER SCHIFF NACH HORNSTRANDIR Wer die unberührte Landschaft des ­Naturreservats Hornstrandir auf einer geführten Tageswanderung kennen­ lernen möchte, hat auf der exklusiven Kontiki-Traumreise «Atlantische Inseln» (Seite 17) Gelegenheit dazu. Mit der MV Spitsbergen gelangen Sie direkt ins Naturparadies, und nach einer erlebnisreichen Tour entspannen Sie an Bord bei einem gediegenen ­Dinner und später in der behaglichen Kabine.

Das war die Trekkingreise: www.kontiki.ch/island/abenteuer-wildnis


WIE EINST DIE WIKINGER ... Spitzbergen

Die Inseln des Nordatlantiks sind weitgehend unbekannt und werden selten bereist – zu Unrecht. Begeben Sie sich mit der neuen Traumreise «Atlantische Inseln» an einsame Plätze wie Nordland-Reporter Bernard van Dierendonck (ab Seite 8) oder auf die Spuren der Wikinger auf Shetland und Orkney wie Franziska Hidber (ab Seite 18).

FASZINIERENDE INSELN IM ATLANTIK

Grönland

Island

Schweden

Reykjavík Finnland

Norwegen Färöer Shetland Orkney Schottland

Geplante Route Auf den Spuren der Wikinger Während Sie schlafen, setzt das Schiff seinen Weg fort, sodass Sie die Inselwelten bei Tag intensiv entdecken können.

Dänemark

Fachbegleitung durch Stephan Klapproth

Baltikum

Edinburgh

Erleben Sie die bezaubernde Inselwelt des Nordens: Island – das Land der Kontraste – fasziniert seine Besucher mit den unendlichen Gletschern, den zischenden Geysiren und der einzigartigen Vulkanlandschaft. Die wilden Färöer-Inseln sind ein nahezu unbekanntes Eiland mit fast doppelt so vielen Schafen wie Einwohnern. Und auf den schottischen Orkney- und Shetland-Inseln können Sie zahlreiche Spuren der Wikingerbesiedelung verfolgen. Diese Reise wurde neu zusammengestellt und erfährt 2018 ihre Premiere. 17.08.–28.08.18, exklusive Kontiki-Traumreise 2018 mit MS Spitsbergen, inkl. Direktflug und fachlicher Begleitung durch Stephan Klapproth, ehemaliger 10vor10-Moderator.

  SPRACHFÜHRER ATLANTISCHE INSELN

KONTIKI-SERVICE

Die Isländer, Färinger und natürlich die Schotten sprechen zwar allesamt Englisch, sie freuen sich trotzdem, wenn Besucher sich in ihrer Sprache versuchen. Folgende Wörter sind ideale Eisbrecher, um mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

Island Färöer Shetland Orkney

Hallo hae/halló góðan dag

noo dan, whit laek

aye-aye / whit laik

Auf Wiedersehen

bless

efter

cheerio noo

Ja

já ja yeah yas

Nein

nei nei nah

nuh

Danke

takk

takk

cheers min

thanks/ta

Bitte

gjörðu svo vel

eingin orsøk

echeers tae de

nae bother

farvæl

Profitieren Sie von den exklusiven Leistungen auf der Traumreise «Atlantische Inseln»: • Direktflug Zürich–Reykjavík und Edinburgh–Zürich • Kontiki-Reiseleiter und Fachexperten • Neustes Hurtigruten-Schiff, exklusiv für Kontiki reserviert • Bordsprache Deutsch

Bestellen Sie jetzt die informative Spezialbroschüre «Island–Färöer– Schottland» mit allen Details und Informationen. www.kontiki.ch/ kataloge oder 056 203 66 11

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DIE INSELN DER WIKINGER 700 Jahre herrschten die Wikinger auf Shetland und Orkney – und haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Zwischen spektakulären Klippen, weidenden Schafen und sanften Hügeln wird das Vermächtnis der berüchtigten Nordmänner lebendig. Text und Fotos: Franziska Hidber

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SHETLAND UND ORKNEY

D

ie Stimmen kommen näher. «Hu-oh, hu-oh. Hu-oh!» Laut und bedrohlich klingt dieser tiefe Singsang oder ist es ein Kriegsruf? – Jetzt ist das Segelschiff zu sehen, es gleitet direkt auf die Anlagestelle zu, das gestreifte Tuch flattert im Wind, gelbe Grashalme zittern im Wind, ein braunes Shetlandpony hebt verwundert den Kopf – und schon ertönt es wieder, kein Singsang mehr, vielmehr ein Brüllen: «Hu-oh! Hu-oh! Hu-ho!» – Kaum hat das Boot den Steg erreicht, springen Männer mit Helmen, runden Schildern und Schwertern heraus und entern mit wehenden Haaren und viel Geschrei die kleine Bucht von Haroldswick auf der nördlichsten Shetland-Insel Unst. Gekreisch, Gelächter, schliesslich klatschen die Zuschauer des Wikingerfestivals begeistert Beifall. Gäbe es das Publikum nicht, könnte diese Szene vor rund 1200 Jahren so gespielt haben. Damals, als die gefürchteten Nordmänner das Eiland an der nördlichsten Spitze des heutigen Grossbritanniens entdeckten, 170 Kilometer nordöstlich vom Festland entfernt. Sie kamen aus Bergen in Norwegen und landeten nach 200 Seemeilen westwärts auf diesem kargen Fleckchen Erde, das sie von Stund an als ihr Eigentum betrachteten. Typisch Wikinger – sie machten ihrem Namen als Seeräuber alle Ehre. Junge Männer auf Raubzug Val Turner lacht. Die Archäologin fährt sich durch die Haare, die der Wind immer wieder neu ordnet, und legt einige Silbermünzen fürs Wikingerschachspiel bereit: «Das muss man differenzierter sehen: Tatsächlich waren die ersten Wikinger, die auf die Shetlandund Orkney-Inseln kamen, vor allem junge Männer auf Raubzug.

«Wikinger als Piraten zu bezeichnen, greift zu kurz.» Ob sie dabei brutaler vorgingen als andere in dieser Zeit, ist umstritten.» Unbestritten jedoch sei: Die Wikinger hatten die besten Schiffe und beherrschten die Seefahrt wie sonst niemand. Val Turner geht voraus zum grossen Wikingerschiff auf dem Festivalgelände – der lange Holzbau ist eine Replik des Gokstad-Schiffs aus dem 9. Jahrhundert, das 1880 in Norwegen entdeckt wurde. Die Ausmasse lassen erahnen, weshalb die Wikinger als Könige der Meere galten: Ihre Schiffe waren robust, bis 36 Meter lang, boten Platz für 60 Leute und erreichten eine Geschwindigkeit von 11 Knoten pro Stunde. «Sie waren Meister im Bootsbau», sagt die Mitorganisatorin des Festivals und schaut mit einem Schmunzeln auf die Kinder, die lachend und kreischend auf dem langen Schiff herumturnen. «Doch die Wikinger als Piraten zu bezeichnen, greift zu kurz. Denn nach den ersten Plünderern kamen die Siedler nach Shetland – Wikinger, die sich hier niederliessen, Häuser bauten und ihren Tätigkeiten nachgingen.» Wir schlendern zum Langhaus hinüber, dem typischen, langen Wikingerhaus aus Stein, in dem eine oder mehrere Familien zusammenlebten und arbeiteten, und treten ein in längst vergangene Zeiten. Ein Mann schmiedet gerade ein Hufeisen über dem Feuer,

nebenan entsteht filigraner Silberschmuck, Fleisch ist zum Trocknen aufgehängt, weiter vorne weben zwei Frauen an ihrem Teppich. Wie der Alltag damals aussah, weiss man aufgrund der zahlreichen Funde und Überresten der Häuser. Viele davon wurden auf den Shetland-Inseln entdeckt, die meisten hier auf Unst, aber auch auf der prähistorischen Stätte Jarlshof ganz im Süden der Hauptinsel. Forsche Übernahme «Nicht gesichert ist, wie die Übernahme damals gelaufen ist», ­erzählt Val Turner, die selbst Wikingerblut in ihren Adern hat. «Da sich jedoch Handwerk, Sprache und Kultur auf Shetland ­rasend schnell veränderten – auch das weiss man anhand analysierter Fundstücke – vermutet man, dass die Wikinger forsch vorgingen.» Andererseits hätten die neuen Herrscher den Inseln zum Fortschritt verholfen: dank besserer Fischerträge, ihrem Faible fürs Handwerk vom Töpfern übers Schmieden bis zum Weben und ihrem goldenen Händchen für den Handel. Bis nach Bagdad und Kanada reichten ihre Handelstouren. Shetland und Orkney erwiesen sich dabei als ideale Stützpunkte auf dem Weg von Norwegen Richtung Süden – es ist die gleiche Route, die auch die Zugvögel nutzen. Kein Wunder, gelten die Inselgruppen als Paradies für Ornithologen – nicht nur wegen der Papageitaucher und Basstölpel. Würde man hier mit Kurs auf Norden ablegen, käme man direkt zum Nordpol. Nordwestlich liegen die Färöer und ­Island, wo die Wikinger auf ihren Touren nach Grönland oder Kanada gerne Halt machten. Der Handel, den die Nordmänner auf Shetland ins Leben gerufen haben, ist auch heute die pulsierende Lebensader auf der nördlichsten Inselwelt Grossbritanniens: Hier gibt es Erdöl und Fisch, Wolle, Schafe und die weltbekannten Shetlandponys. Doch die Wikinger haben weit mehr hinterlassen: die Sprache zum Beispiel, das Old Norn. Haroldswick etwa heisst Haralds Bucht, die Kirche

Vor dem «Langhaus», dem Wikingerhaus in Unst, üben sich junge Fans der einstigen Eroberer im Wikingerschach.

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Doch die Wikinger haben weit mehr hinterlassen, die Sprache zum Beispiel. noch immer Kirk, die Farm Setter. Und die in Grossbritannien ­t ypischen langen «Blackhouses» sind nichts anderes als die Weiterentwicklung der wikingischen Langhäuser. Am deutlichsten aber, und das wird bei jedem Gespräch spürbar, ist das Vermächtnis der Wikinger bei den Menschen. Val Turner kann das nur bestätigen: «Schottland? Nein, das ist weit weg. Wir fühlen uns skandinavisch, orientieren uns an Norwegen – wir sind Wikinger!» – «Schotte? Nein, nein. Ich bin Shetländer!», sagt kurz darauf auch Bruce, den ich am Fährenterminal von Yell treffe, eine der 16 von 100 bewohnten Inseln des Archipels. Wobei man «bewohnt» ­deklarieren muss – auf Shetland leben weit mehr Schafe als Menschen. Gerade auf Yell. Ich bin quer über die Insel gefahren, die Sonne tauchte die Hügel in Gold, das Nordmeer lag still und ­dunkelblau da, und ich begegnete keiner Menschenseele, nur den Schafen. Sie starrten mich freundlich an und trabten danach gemächlich über die Strasse. Bruce nickt wissend: «Eile kennen sie und wir nicht.» Er ist einer von 60 Einwohnern der Nachbarinsel Fetlar: «Das ist Friede pur, Stille und Natur», meint er und schaut sofort für mich nach, wann die nächste Fähre nach Toft auf Mainland, der Hauptinsel, ablegt. Als käme Harry Potter Dort, in der Hauptstadt Lerwick, lebt ein Drittel der insgesamt 23 000 Shetländer. Das pittoreske Hafenstädtchen mit seinen

s­ pitzen Dächern und den Steinhäusern sieht aus, als sei es einer Märchenwelt entsprungen. Man würde sich nicht wundern, käme demnächst Harry Potter um die Ecke. Sanft schlagen die Wellen an die Hafenmauer, wo jeweils die grossen Schiffe vom Festland eintreffen, sonst ist alles still. «Komm mal Ende Januar», grinst ein junger Einheimischer, «dann feiern wir hier ‹Up Helly Aa›, das ­grosse Wikingerfest, bei dem ein Wikingerboot verbrannt wird (Agenda Seite 33). Das ist ein riesiges Spektakel. Die meisten ­Männer lassen sich jetzt schon ihre Bärte wachsen.» Wie die ersten Wikinger, die Shetland enterten, reise ich ­südwärts weiter nach Orkney. Die Nachbarinseln teilen die Vergangenheit und ein ähnliches Klima – Golfstrom sei Dank ist es erstaunlich mild für den 60. nordischen Breitengrad, aber oft ­stürmisch mit dramatisch-schönen Stimmungen, wenn der Wind die Wolken über den endlosen Himmel jagt. Beide sind reich an spektakulären Klippen und lieblichen Buchten, die mit ihrem ­hellen Sand an die Karibik erinnern. Beide haben ihren ursprünglichen Charakter bewahrt. Und doch gibt es Unterschiede: Shetlands karges ­Gebirge versprüht herben Charme, Orkney dagegen ist eine Saftwurzel mit gut organisierter Landwirtschaft und grünen, satten Hügeln. Die Wikinger haben den Vorteil des frucht­baren Farmlands auf Anhieb erkannt. Sie erkoren Orkney zum Aussenposten von Shetland, züchteten Rinder und Schafe, bauten Getreide an und tauschten es auf ihren Handelstouren gegen Holz für ihre

1) Schnell, robust und unsinkbar: Die Wikinger waren Pioniere im Bootsbau – hier eine Replik aus Norwegen. 2) Auf der prähistorischen Stätte Jarlshof im Süden von Shetlands Hauptinsel wurde eine ganze Wikingersiedlung entdeckt. 3) Archäologin Val Turner hat das erste Wikingerfestival auf Unst organisiert. 1

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SHETLAND UND ORKNEY

Boote ein. Denn Bäume gibt es hier kaum – dafür bläst der Wind zu heftig. Das macht die Inselgruppen so weit und öffnet den Blick aufs Meer von beinahe jedem Punkt aus. Ein Münster für Magnus Wie am Hafen von Kirkwall, Orkneys lebhafter Hauptstadt mit rund 8500 Einwohnern. «Hier luden die Wikinger ihre Ware auf die Schiffe, da hinten wurde getauscht und gehandelt», erklärt Jane, meine Stadtführerin, und deutet auf die Hafenmeile. Wir stehen am pulsierenden «Shore» mit seinen zahlreichen Cafés, Pubs und kreativen Shops. Jane führt mich durch die malerischen Gässchen zur mächtigen Wikingerkathedrale Sankt Magnus ­hinauf, ein Prachtsbau aus rotem Sandstein und mit bunten Glasfenstern, den man eher in einer Metropole wie London vermuten würde. «Das hat mit der Beliebtheit des Heiligen Magnus zu tun», sagt Jane, als sie meine Verblüffung bemerkt. «Er war im frühen 12. Jahrhundert Graf von Orkney, zusammen mit seinem Vetter Haakon. Die beiden zerstritten sich, und bei einer Aussprache auf der Insel Egilsay befahl Haakon seinem Koch Lifolf, Magnus mit der Axt zu töten. Magnus starb betend. Sein Neffe Rognvald versprach dem Volk von Orkney, dass er Magnus zu Ehren ein ‹grossartiges Münster aus Stein› bauen werde. 1137 wurde der erste Grundstein gelegt, der Bau zog sich über drei Jahrhunderte hin.» Heute gehört die Kirche den Bewohnern der Orkney-Inseln und wird von diesen

verehrt, mehr noch, «geliebt», wie Jane betont. Und während die Magnuskathedrale Meter um Meter wuchs, schwand die ­starke Position der Wikinger. Nach 700 Jahren ­zogen sie von Orkney und Shetland ab, wo sie länger herrschten als irgendwo sonst in Schottland. Apropos Schottland: Hätte der dänisch-norwegische

«Schottland? – Nein, das ist weit weg.» König 1469 genügend Geld gehabt, stünden die Archipele wohl heute noch unter skandinavischer Krone. Aber sein Vermögen war schmal, also gab er die beiden Inseln als Pfand für die Hochzeitsmitgift seiner Tochter Margarethe an den König von Schottland. Während zweier Jahrhunderte versuchten die Skandinavier immer wieder, «ihre Inseln» zurückzukaufen – vergeblich. Seither gehören Shetland und Orkney mit ­ihrer nordischen Vergangenheit zu Schottland. «Auf dem Papier vielleicht», bemerkt Jane Cook trocken. «Im Herzen sind wir ­Wikinger.» Die exklusive Kontiki-Reise «Atlantische Inseln – auf den Spuren der Wikinger», finden Sie auf Seite 17.

4) Wie aus einer anderen Zeit: Lerwick, Shetlands Hauptstadt, im Abendlicht. 5) Viele der Besucher des Festivals auf Unst haben selber Wikinger unter den Vorfahren. 6) In Wahrheit hatten Wikingerhelme keine Hörner – das wäre im Nahkampf viel zu gefährlich gewesen. 3

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Foto: Høgni Heinesen

«ICH FÜHLE MICH IM NORDEN ZUHAUSE» Karin Visth aus dem bernischen Huttwil arbeitet als erste Sommelière überhaupt auf den Färöer-Inseln, wo es kaum eine Weinkultur gibt. Und obwohl die Färinger nicht verstehen, dass sie mit Wein ihr Brot verdient, hat die Hotelfachfrau die schroffen Inseln samt ihren Menschen und Schafen ins Herz geschlossen. Text: Fabienne Wüthrich

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Karin Visth behauptet sich seit vier Jahren als Geschäftsführerin und Sommelière auf den Färöern – ihre Zukunft sieht sie hier.


EINE SCHWEIZERIN AUF DEN FÄRÖERN

«Einen Monat später stand ich mit meinem Gepäck hier.»

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Foto: Beinta à Torkilsheyggi

Ihre Laufbahn begann mit der Kochlehre im bernischen Münätte ihr der Gastrokritiker einst nicht das Restaurant chenbuchsee, als 20-Jährige zog sie nach Norwegen, in die Heimat KOKS auf der Färöer-Insel Streymoy empfohlen, wüsste ihres Vaters, arbeitete im Süden des Landes in einem Gourmetres­K arin Visth wohl noch immer so wenig über die Inseltaurant, darauf folgte die Hotelfachschule in Zürich. Doch schon gruppe im Nordatlantik zwischen Norwegen, Island und Schottdamals war für die heute 30-Jährige klar: «Ich kehre nach dem land wie damals, vor vier Jahren, nämlich «nicht viel». Aber: Abschluss in den Norden zurück.» So hiess das nächste Ziel Däne«Einen Monat später stand ich mit meinem Gepäck hier», sagt mark, wo sie während zwei Jahren die Ausbildung zur Sommelière die Huttwilerin und lacht. absolvierte. Und dann kam die Empfehlung des Gastrokritikers, Hier, das ist Kirkjubøur – eine kleine Kirche, bunte Häuser mit Karin Visth liess sich auf das Abenteuer Färöer ein – und fand sich Grasdächern, unzählige Schafe, gegenüber liegen die Inseln in einer komplett anderen Sandoy und Hestur. Und Kultur wieder. hier, das ist das Gourmetres«Sie ist konservativer», findet taurant KOKS, seit vier Jahren sie, und sieht darin auch VorWirkungsort der Geschäftsteile: Traditionen wie die eiführerin und Somme­lière mit gene Sprache oder das Handden braunen Haaren und der werk werden gelebt. «Vieles ­Ponyfrisur. wird so gemacht, wie es Jetzt steht sie im charmant ­immer gemacht worden ist.» eingerichteten Raum und Die Kehrseite: «Die Färinger verweist auf die Karte mit kennen das Moderne, Neue dem 17-gängigen Menü: Dahäufig nicht.» Zum Beispiel für hat sie den Wein eingedie Weinkultur, die hier fast kauft und die Karte angefergänzlich fehle. «Manche sind tigt. Vorher aber prüfte sie auch aus christlichen Grün­gemeinsam mit Küchenchef den gegen den Wein­genuss.» Poul Andrias Ziska jeden Dennoch habe sie sich vom Gang, jede Flasche, die beiersten Tag an wohlgefühlt, den wägten ab, was zusamprivat schnell Anschluss gemen passt. Das ist es, was sie funden. Dabei half auch ihr an ihrem Beruf besonders Freund, ein Einheimischer, mag: «Die Finesse mit den Arbeitsplatz mit Aussicht: das Restaurant KOKS, beliebt bei Gästen der als Koch und Schreiner ­Geschmäckern im Wein in aus aller Welt – und den Einheimischen. tätig ist. Im vergangenen Jahr Kombination mit dem Essen.» hat sich das Paar in Velbastaður Und natürlich den Kontakt ein Haus gekauft. Was sie mit den Gästen. vermisse? Ihre Familie. Doch Eltern und Geschwister seien glückMit den Färöern hat sich die Tochter einer Schweizerin und eines licherweise oft zu Besuch. «Sie lieben die Färöer-Inseln.» Nicht nur Norwegers eine echte Herausforderung ausgesucht. Denn: «Vor sie: «Der Tourismus hat in den vergangenen Jahren zugenommen», mir gab es hier noch nie einen Sommelier.» Auf den Inseln sei eine sagt die Auswanderin. Ihr selber gefalle die Natur auf den Färöern Weinkultur kaum vorhanden. Nichtsdestotrotz zeigten sich die mit den schroffen Felsen, den Wasserfällen, den Klippen. Und: Färinger offen gegenüber ihrer Weinauswahl, auch wenn sie nicht Die Schafe, die «die 18 Inseln regieren». Die Insel Suðuroy ist ihr verstehen, wie «jemand mit Wein sein Brot verdienen kann». Der Lieblingsort. Ihre Zukunft sieht sie auf den Färöern. Zwar könnte Gedanke ist auf den Färöern so neu wie ein Gourmetrestaurant sie sich gut vorstellen, einige Monate in der Schweiz zu leben. Aber auf diesem Niveau: Sechs Jahre nach der Eröffnung hat das KOKS nur, um dann zurückzukehren. Denn nach vier Jahren steht für heuer den ersten Michelin-Stern erhalten. «Wir haben Gäste aus die mutige Sommelière ausser Frage: «Meine Basis bleibt hier. Ich aller Welt, aber auch die Einheimischen kommen gerne», sagt die fühle mich im Norden zu Hause.» Gastronomin.

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FINNISCHE SEENPLATTE

«MAMA, HIER IST ES SO STILL!» Ein Daheim mitten im Birkenwald, mit eigenem Steg zum See – die Finnische Seenplatte entpuppt sich als ideales Ziel für Laurin und seine Eltern. Grenzenlose Natur, genussvolle Ruhe, helle Nächte, viel Platz zum Spielen und Abenteuer mit Einheimischen eröffnen der ganzen Familie eine neue, faszinierende Welt. Text: Esther Kern; Fotos: Patrick Schürmann

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«Die Fische beissen hier an wie wild, am Haken zappeln kleine Eglis.»

«B

irkenzweige in der Sauna? Nein, das ist Geschichte», sagt der Hausbesitzer, als er uns die Sauna in unserem Ferienrefugium zeigt. Einige Tage danach werden wir trotzdem mit Birkenzweigen in der Sauna sitzen und uns damit abklatschen – doch dazu später. Das Haus, in dem der emeritierte Professor aus Helsinki mit seiner Familie jedes Jahr Sommerferien und Weihnachten verbringt, wird unser Daheim für eine Woche. Die Lage ist einmalig: Blicken wir aus dem Fenster, sehen wir flatternde Birkenblätter. Und einen Steg, der über den hauseigenen Sandstrand ans Wasser führt. Der Höytiäinen-See wartet mit Temperaturen von rund 22 Grad auf. Normalerweise, so haben wir uns sagen lassen, wäre das Wasser wärmer, oft 25 Grad. Doch dieser Sommer war eher kühl. Unser See ist einer von Tausenden in der Finnischen Seenplatte. Hier, in der Region Karelien, verbringen viele Finnen ihren Sommer. Manche haben ihr eigenes Haus, fast jedes ist mit Sauna und Ruderboot ausgestattet. «Finnen lieben das Rudern», wird uns später jemand erzählen. Auch wir rudern quer über den See, legen an einem kleinen Strand an, erkunden den Wald. Und geniessen die Ruhe. Sogar unser Sohn Laurin sagt: «Mama, hier ist es so still.» Wir versuchen, die Stille in Worte zu fassen. «Zeit stehen geblieben», kommt als Assoziation. «Wie ein Naturparadies unter einer grossen Käseglocke.» Eines ist klar: In die Finnische Seenplatte reist man, um genau diese Ruhe und die Natur zu geniessen. Die kleinen Städte in der Region – in unserem Fall etwa Joensuu mit über 70 000 Einwohnern – dienen mehr zum Einkaufen denn als Touristenmagnet.

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Wir möchten mehr über die Natur hier in der Seenplatte erfahren und verbringen einen Tag im Wald mit erfahrenen Guides. Mikko Kettunen von Karu Survival holt uns am Morgen ab. Über Sandpisten – die sind in Finnland gängig und offenbar bei jedem Wetter befahrbar – gelangen wir zu einem anderen See. An der grossen Feuerstelle lodern bereits Flammen. Juhani Schroderus, Mikkos Geschäftspartner, hat eingeheizt, auch im Holzhaus mit offener Feuerstelle. Mikko erklärt uns sogleich das Prinzip der öffentlichen Waldhäuser, in denen man auch übernachten kann. «Wer zuletzt eintrifft, darf an den warmen Platz am Feuer. Schlimmstenfalls müssen diejenigen, die zuerst da waren und sich schon aufwärmen konnten, zum nächsten Waldhaus ziehen», erklärt er. «Aber meist hat es schon genug Platz und man rückt zusammen.» Juhani Schroderus hat eine einfache Angelrute mitgebracht, dazu Silch, Haken, Schwimmer. Laurin wird heute erstmals fischen. Juhani befestigt Regenwürmer am Haken und wirft diesen ins Wasser. Etwa vier, fünf Meter vom Ufer entfernt hüpft der orange Schwimmer auf der Wasseroberfläche. Kaum ist er drin, wird er auch schon unter Wasser gezogen – die Fische beissen hier an wie wild. Am Haken zappeln kleine Eglis. In Finnland werden sie auch gegessen, wenn sie noch nicht ausgewachsen sind. Nur Fische, die kleiner als etwa 15 Zentimeter sind, setzt Juhani wieder aus. Die anderen erlegt er zusammen mit unserem Sohn. Der Sechsjährige ist fasziniert vom Fischen und möchte die Angelrute, die er von Juhani bekommen hat, nicht mehr teilen. Apropos teilen: In Finnland gilt das Jedermannsrecht. Man darf – mit wenigen Ausnahmen – überall campieren, Beeren und Pilze


HURTIGRUTEN REPO 3

suchen. Fischen mit der einfachen Angel ist jedem erlaubt. Nur Fischer, die mit elaborierterer Ausrüstung oder beispielsweise mit mehreren Angeln unterwegs sind, müssen teilweise Gebühren zahlen. Als Delikatesse gelten hierzulande Muikku – Fische, so klein wie Sardinen (kleine Maränen, verwandt mit der Felche). Klassische Zubereitungsform: Die Fische in leicht gesalzenem Roggenmehl

«Wir trinken das Wasser direkt aus den Seen.» wenden, in Butter ausbraten. Genau so bereitet Mikko auch die von unserem Sohn geangelten Mini-Eglis zu. Man kann sie mit Gräten verspeisen – oder nur das Fleisch abzutzeln. So oder so schmecken sie himmlisch.

Premiere für Laurin: In Finnland lernt er unter der fachkundigen Anleitung von Guide Juhani Schroderus fischen – und fängt prompt mehrere kleine Eglis.

Backen in der Natur Mikkos Pfanne ist auch Backform für ein kanadisches Trapperbrot, genannt Bannock. Das Wasser für den Brotteig aus Mehl, Backpulver, Salz und Zucker holt Mikko aus dem See. «Wir trinken es direkt aus den Seen», sagt er dazu. «Allen, die es nicht gewohnt sind, empfehle ich, es kurz abzukochen.» Nachdem der Teig geknetet ist, gehen wir mit Mikko in den Wald und sammeln

Mikko Kettunen zeigt, wie schnell ein kanadisches Trapperbrot in der Pfanne mitten im finnischen Wald gebacken wird – das Wasser stammt aus dem See, die Heidelbeeren sucht man gleich nebenan. Nordland 14/2017

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Die Kuksa, die Birkenholztasse, begleitet Mikko ebenso wie sein finnisches Messer. WANDERUNG AUF DEN BERG KOLI Die Finnische Seenplatte teilt sich in Nord- und Südkarelien auf. Höchster Punkt Nordkareliens ist der Koli, eine Erhebung von 347 Metern über Meer. Der Berg und die Landschaft gelten als nationales Symbol.

Foto: Visit Finland/Hernan Patino

Viele Künstler liessen sich hier inspirieren, unter anderem der Komponist Sibelius, dessen Symphonie Nr. 4 nicht zuletzt ein Versuch war, die gewaltige Naturlandschaft Nordkareliens in Töne zu fassen. Der Berg Koli liegt mitten im Koli-Nationalpark, einem 30 Qua­dratkilometer grossen Gebiet. Kontiki lädt einmal wöchentlich zu einer begleiteten Wanderung auf den Koli ein. Geführt werden wir von Irja Tanskanen, einer erfahrenen Out­door-Trainerin aus der Gegend. Nach leichter Steigung zu Beginn führt der Weg auf den Koli durch liebliche Heidel­beerhaine und verträumte Wäldchen. Aus diesen erheben sich verschiedene, glatte Felsen, die man auch mit Kindern ganz leicht ersteigen kann und von denen man fast eine 360-Grad-Sicht auf Wälder und Seen hat. 100 Kilometer lang sei der Pielinen-See am Fuss des Koli, erzählt Irja Tanskanen. Im Winter gibt es darauf eine Eisstrasse.

Heidelbeeren, um sie in den Brotteig einzuarbeiten. Dieser wird in der Pfanne mit Öl angebraten, so lange, bis die untere Seite gut gebräunt ist. Nun die Pfanne an den Rand des Feuers stellen und warten, bis die obere Seite auch gebräunt ist. Fertig ist unser Heidelbeerbrot. Dazu serviert Mikko Zwiebeln, Peperoni und Steaks, alles direkt auf den Kohlen gegart. Er hat selber einen knapp vierjährigen Sohn und ist stolz darauf, dass dieser im Wald die Beeren schon kennt und oft mit blau verschmiertem Mund aus den Büschen auftaucht. Auch in Finnland, sagt er, gebe es viele Kinder, die den Bezug zur Natur immer mehr verlieren. Das ist auch der Grund, weshalb er und Juhani mit Schulkindern arbeiten. Mikko trinkt den Tee aus seiner Kuksa, der klassischen finnischen Birkenholztasse, ein ganz persönliches Stück, das man stets nur mit Wasser ausspült und nie mit Seife wäscht. Sie begleitet Mikko ebenso wie sein finnisches Messer. Gute Messer sind aus Kohlenstoffstahl geschmiedet, was auch heisst, dass sie rosten können, der Griff ist oft aus Birkenholz gefertigt. Weil wir Laurin tags zuvor ein solches Messer gekauft haben, zeigt ihm Juhani auch gleich, was man damit machen kann: Beispielsweise feine Holzspäne abschneiden, um ein Feuer zu entzünden. Für uns als Familie ist das eine wunderbare Gelegenheit, etwas zusammen zu erleben, Neues zu entdecken – und dabei ­inspiriert zu werden, vielleicht auch Zuhause mal wieder im Wald ein Brot zu backen, Beeren zu sammeln oder zu schnitzen.

Leben wie die Finnen im Sommerhaus mit Sauna am See, wo es viel Platz zum Spielen und Tollen gibt.

Unterwegs finden wir Heidelbeeren und Eierschwämmchen. Das blühende Erikakraut könne zu Tee aufgegossen werden, erklärt unsere Wanderexpertin. Tags zuvor sammelte sie Moltebeeren. Die orange Beere, verwandt mit der Brombeere, gilt als «Gold des Sumpfes» und ist eine der teuersten Beeren überhaupt. Sie wächst nur wild und die Sammelplätze hält man geheim – wie andernorts Pilzfundstellen.

Der kleine Ausflug mit Irja Tanskanen gibt uns einen guten ersten Eindruck von der Landschaft. Und von den Leuten. Auch für nicht so wandererprobte Gäste und Kinder ist die knapp zweistündige Koli-Tour mit vielen Pausen und Fragerunden problemlos machbar. Und wer in Nordkarelien ist, sollte sich den Fleck Erde, der schon unzählige Künstler inspiriert hat, nicht entgehen lassen.

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Kontiki Reisen

Foto: Kontiki

Irja Tanskanen gehört zu den Menschen, die schon unzählige Male Elche gesehen haben. Wölfe und Bären aber hat auch sie noch nie zu Gesicht bekommen. Sie führt, wie auch die Experten von Karu Survival (siehe Haupttext), im Sommer und Winter Gäste durch die Landschaft.


REPO 3

Laurin geniesst die Pulla – finnische Zimtschnecken – stilecht auf dem eigenen Steg zum See.

Der finnische Wald bietet alles, was es für ein kleines, feines Abenteuer braucht. Und wie steht es mit den wilden Tieren? Zwar gibt es Bären in Karelien. Doch keiner, den wir fragen, hat schon einen gesehen. Etwas vorsichtig sollte man im Frühjahr sein, wenn die Bären Junge haben. Elche sehen die Finnen hin und wieder, doch diese sind für den Menschen keine Gefahr, ausser man ist mit dem Auto unterwegs und kollidiert mit einem Tier. Wie in der

Naturnaher geht es nicht mehr: Mikko beherrscht die Kunst des Feuermachens ohne Zündhölzli, und die Fische zum Zmittag sind selbst gefangen.

«Und wo, wenn nicht in der Sauna, kommt man sich als Familie näher?» Schweiz auch kann man sich Zecken einfangen und sollte sich nach einem Tag im Freien darauf absuchen. Grosses Thema sind natürlich die Mücken. Je nach Wind hat es mehr oder weniger. Unsere beiden Guides nutzen keine Mücken­sprays. Sie leben ganz einfach mit den Stichen. Laurin möchte auch auf den Spray verzichten, beklagt sich allerdings anderntags «über die blöden Mücken», die ihn zerstochen ­haben. Wir haben uns mit Spray beholfen und blieben weit­gehend von Stichen verschont. Abklatschen mit Birkenzweigen Nach einem entspannten, abenteuerreichen Tag fahren wir mit Mikko zurück in unser Haus am See. Doch nicht, bevor wir uns erklären lassen, wie Finnen saunieren. Denn neben unserem Feuerplatz im Wald finden wir zusammengebundene Birken-

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«Für uns als Familie ist das eine wunderbare Gelegenheit, etwas zusammen zu erleben und Neues zu entdecken.» zweige. Hier habe jemand mal eine Outdoor-Sauna eingerichtet, vermuten Mikko und Juhani. Also brauchen Finnen die ­Birkenzweige doch? «Aber ja, natürlich», erklärt Juhani. Nimmt die Zweige und demonstriert, wie man sich damit am ganzen Körper abklatscht in der Sauna. «Das ist wunderbar», schwärmt er. Zurück an unserem Privatstrand setzt leichter Regen ein. Das perfekte Wetter, um die Sauna einzuheizen. Mit dem finnischen Messer unseres Sohnes schneiden wir draussen an ­einem Baum einige Birkenzweige ab und befeuchten diese mit heissem Wasser, bevor wir sie als Wellness-«Peitsche» einsetzen – so, wie es uns Mikko und Juhani erklärt haben. Und tatsächlich: Das Abklatschen hat was, vor allem der Duft, der von den Zweigen ausströmt, ist verführerisch. Auch Laurin findet das mit den Zweigen lustig. Und wo, wenn nicht in der Sauna, kommt man sich als Familie näher? Da gibt es keinen Fern­ seher, kein Buch, keinen Gameboy, kein Handy – das bleibt alles draussen! Was zählt, ist das gemeinsame Erlebnis. Absolute Ruhe Wie immer nach der Sauna kühlen wir uns im See ab. Wundern Sie sich nicht, wenn vom Nachbarhaus aus plötzlich nackte Menschen ins Wasser rennen. Jeder geniesst hier sein Sommerhaus so, wie er es gerne will. Es gibt reichlich Platz für alle und man lässt sich in Ruhe. Ausser dem Lachen von Kindern, die auch bei nicht allzu sommerlichen Temperaturen stundenlang im Wasser planschen, hören wir kaum etwas. Hin und wieder tuckert ein kleines Motorboot über den See. Sonst geben vor allem die Birkenblätter im Wind den Ton an oder auch mal die Wellen des Sees. Meist allerdings ist bei ­unserem Aufenthalt die Wasseroberfläche eine einzige, glatte Weite. Wenn sich darin spätabends die Sonne spiegelt, lohnt es sich, mit einem Ruderboot in See zu stechen und diese ­absolute, kaum beschreibbare Ruhe und das fantastische, ­ungewohnte Abendlicht zu geniessen.

Naturnahe Ferien für aktive Familien bietet auch das schwedische Värmland – lesen Sie das Reisetagebuch auf Seite 34.

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NEU: SPIELTASCHE FÜR DIE SOMMERFERIEN Leichtes Gepäck auf einer Flugreise ist mit Kindern oft ein Ding der Unmöglichkeit. Das Nuschi muss mit, das Autöli oder die Lieblingspuppe. Also bleiben Spiele oft auf der Strecke. Wir mussten trotzdem nicht darauf ­verzichten. Denn beim Abholen des Mietautos erhielten wir von Kontiki eine wasserfeste Tasche mit Spielen und Picknickdecke drin. Sie hat uns die ganze Woche begleitet und gute Dienste ­geleistet, drinnen und draussen. Als das Wetter einmal nicht mitspielte, hat das Kontiki-­ Memory unsere Hirnzellen auf Trab gehalten (natürlich ­gewannen nicht immer die Erwachsenen, im Gegenteil). Und als wir mit dem Ruderboot in See stachen, half uns die wasserdichte Tasche, Kamera und Snacks sicher aufzubewahren. Die Picknickdecke wiederum bescherte uns beim kurzen Ausflug in den Wald einen gemütlichen Sitzplatz. Und natürlich kam auch der aufblasbare Ball zum Einsatz: Fast alle Ferienhäuser in Finnland haben einen grossen Umschwung, der geradezu für gemeinsames Spielen als Familie im Freien gemacht ist. In den Blockhäusern von Kontiki finden Familien ausserdem ein Mölkky: Das beliebte finnische Kegelwurfspiel begeistert Gross und Klein. Produziert werden die Mölkkys in einem gemeinnützigen Unternehmen in der Nähe von Joensuu.


SCHWEDEN

EIN ANGEBOT FÜR FAMILIEN UND ROMANTISCHE FERIEN ZU ZWEIT Ein Haus am See, ein Ruderboot am Ufer, ein gemütliches Feuer im Kamin: Hier werden Sommerträume wahr. Geniessen Sie erlebnisreiche Ferien wie Esther Kern und ihre Familie (ab Seite 24) im komfortablen Ferienhaus. Wer lieber romantische Ferien zu zweit sucht, den bezaubern unsere Bilderbuch-Blockhäuser.

1 FAMILIENBLOCKHAUS TAPION TUPA

en

Juuka Koli N. P.  Juurusvesi Kuopio

  KINDERFREUNDLICHES KUOPIO Eine Stadt ist nichts für kleine Kinder? Navina Fechtig, Mitarbeiterin Backoffice, hat in Kuopio das Gegenteil erlebt: Der Kinderspielplatz und das Tretkarussell liessen die Herzen ihrer Zwillinge höherschlagen. «Diesen Sommer genossen wir Blockhaus­ ferien mitten in der finnischen Natur. Unglaublich, was die Seenplatte alles zu ­bieten hat, besonders auch für die Kinder – sie genossen den grandiosen Spielplatz im Wald und am See. Trotzdem ging es für

einen Tag mal raus aus der Natur und rein in die Stadt. Und siehe da, Kuopio hat uns überrascht und begeistert! Sind Städtebesuche mit Kindern oft eher anstrengend, so gibt es in Kuopio einige Plätze, die ich ­Familien nur empfehlen kann. Zum Beispiel den tollen Kinderspielplatz am Hafen – er hat alles, was das Kinderherz begehrt. Oder das Tretkarussell gleich neben der sehenswerten Markthalle. Während wir im schönen Café davor sassen und äusserst leckeren Cappuccino tranken, drehten unsere Zwillinge Runde um Runde und wollten nicht mehr aufhören.»

Glückliche Zwillinge: Das Tretkarussell in Kuopio war ihr grosser Spass, während die Eltern entspannt Cappuccino tranken.

Noch mehr erprobte Tipps unserer Spezialisten erhalten Sie in Ihren persönlichen Reiseunterlagen.

Lieksa 50 km

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Was gibt es Schöneres, als die gemeinsame ­Auszeit in einem Rundholzblockhaus an traumhafter Lage zu geniessen? Die Villa ­Wäinolä ­bezaubert die Bewohner mit ihrer heimeligen Atmosphäre, die separate Sauna lädt zur Entspannung und der Sprung in ­ den Kermajärvi-See zur anschliessenden ­Abkühlung ein.

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SCHNELLKUR GEGEN NORDWEH Roggen gehört zu Finnland wie der Weihnachtsmann. Das ­Getreide wird nicht nur zu Brot verarbeitet, auch die kareli­ schen Piroggen (Karjalanpiirakka) zählen zu den Klassikern der finnischen Küche. Traditionell werden die Teigtaschen aus Roggenmehl mit Milchreis gefüllt und zu Eibutter gereicht. Hyvää ruokahalua. Foto: fotolia

Endlose Wälder, einsame Strände und kaum ­Steigungen – im Baltikum wird das Wandern für alle zum Vergnügen. Im ­September 2017 wurde die längste Wanderroute – Teil der neuen Europäischen Fernwanderwege – erschlossen: Sie führt der Ost­see­ küste entlang von Nida an der litauisch-lettischen Grenze bis nach Tallinn, insgesamt 1100 Kilometer. Die Zahl soll ­niemanden abschrecken – ein Abschnitt ist durchschnittlich 20 Kilometer lang. Zur Zeit wird die S ­ trecke mit GPX-Dateien, Schildern und Markie­ rungen versehen.

Ka rj a la np iira kk a

(Karelische Piroggen) Zutaten: Piroggenteig

1 TL Salz 70 g Roggenmehl 35 g Weizenmehl 1 dl Wasser et was Butter zum Bestrei ch en

Füllung 1 Liter Milch 200 g Reis Salz

So geht’s: Reis in Milch 40 Minuten zu eine m mit Salz würzen und abkühlen dicken Brei köcheln, lassen. Das Mehl auf ein Brett geben, das gesa lzen hinzufügen und all es zu eine e Wasser langsam m fest 30 Minuten in der Wär me ruhen en Teig kneten. lassen, dann zu einer Rolle formen und 12 bis 14 Scheiben abschneiden. Fläche mit Mehl bestäuben un d die ausrollen, Reisfüllung in die Mi Scheiben dünn tte geben und die Ränder einschlagen. Au f ein eingefettetes Backblech legen und bei 250° 15 Minuten ba goldbraun ist. Mit zerlassener cken, bis der Teig Butter bestreichen.

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Längste Wanderroute im Baltikum erschlossen

Kontiki Reisen

ENDLICH BESSERE REISEFOTOS! Gibt es etwas Schöneres, als nach den Ferien die Erinne­ rungen mit Fotos aufleben lassen? Wenn man nur das Nordlicht besser sehen könnte, wenn der Elch bloss nicht verwackelt wäre, und weshalb ist der Guide so dunkel ­geworden? Gut gibt es die beliebten Fotokurse bei Marcel Grubenmann – der langjährige Reise- und Reportagefotograf für internationale Magazine holt alle Fotointeressierten auf ihrem Niveau ab – vom Einsteiger bis zum Crack. Egal, ob jemand mit einer schweren Spiegelreflexkamera oder einem kleinen Pocket-Gerät unterwegs ist – mit Fachkenntnis, pädagogischem Geschick und Geduld zeigt ­Marcel, wie man besser fotografiert und sich von der Will­ kür der Automatik befreit. Dabei geht er individuell auf ­Fragen und Problemstellungen ein. Beginner (auch ohne Kamera!) wählen den Basiskurs, Fortgeschrittene finden ihren Wunschkurs im praktischen Modulsystem. Marcels Kurse sind praxisnah, ganz persönlich und finden zum grossen Teil draussen statt – beim kurzweiligen ­«learning by doing» verknüpft er die nötige Theorie ele­ gant mit spannenden Erlebnissen in einer lockeren Atmo­ sphäre. Genau richtig für alle, die nach der nächsten Nordenreise noch schönere Bilder im Gepäck haben wollen. Kursorte: Baden, Winterthur und Zürich, Event-Fotografie­ module in der ganzen Schweiz. Mehr Informationen unter www.noch-besser-fotografieren.biz oder telefonisch unter 079 663 35 72.

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Tipp


NOTIZEN AUS DEM NORDEN

AGENDA 2017/18 Weitere Events: www.nordland-magazin.ch Tuomaan-Markkinat in Helsinki, Finnland 02. bis 22. Dezember 2017 Für alle, die Weihnachtsmärkte lieben, lohnt sich ein Besuch beim «Tuomaan-Markkinat», dem ältesten und grössten Weihnachtsmarkt Finnlands auf dem Senatsplatz in Helsinki. www.tuomaanmarkkinat.fi Kontiki ist an den Ferienmessen 14. bis 28. Januar 2018 Wir ­haben viele Ideen, wie Sie die schönsten Tage im Jahr verbrin­ gen können. Träumen Sie schon immer von einer Nordlichtjagd oder von einer spektakulären Fahrt mit der Hurtigruten? Wir ­beraten Sie gerne und freuen uns auf Ihren Besuch an den Ferien­ messen: Bern, 11.–14. Januar 2018; St. Gallen, 19.–21. Januar 2018; Zürich, 25.–28. Januar 2018. www.kontiki.ch/news Jokkmokks Marknad, Schweden 27. Januar bis 03. Februar 2018 Markt der Sami mit über 400-jähriger Tradition. Bewundern Sie die wunderschönen Trachten, essen Sie lokale Leckereien und ­erleben Sie den Rentierschlittenumzug. www.jokkmokksmarknad.se

Ein Wiederlesen mit Harry Hole Darauf haben alle Nesbø-Fans sehn­ lichst gewartet: Der norwegische ­Erfolgsschriftsteller setzt nach jahre­ langer Pause mit «Durst» seine Serie um den Serienkillerspezialisten Harry Hole fort. Der wollte eigentlich in Ruhe an der Polizeischule unterrichten, wird aber von der ratlosen Osloer Polizei geholt. Ein Serienkiller versetzt die Stadt in Angst und Schrecken, die Opfer findet er auf der Dating-App Tinder. Spätestens als die Kellnerin aus Holes Stammlokal verschwindet, weiss der ungewöhnli­ che Ermittler, dass die Mordserie an ihn gerichtet ist. Neben brillanten Figuren und einem ausgeklügelten Plot punktet Nesbø mit detailgetreuem Lokalkolorit – ein Lese­ schmaus für alle, die Norwegen lieben.

ROOFTOP IN EDINBURGH Bei Rooftops denkt man gerne mal an New York. Was viele nicht wissen: Auch in Edinburgh lässt es sich wunderbar von oben auf die Stadt schauen, und erst noch kostenlos. Im ­National Museum of Scotland in der Altstadt nimmt man einfach den Lift auf die Dachterrasse im siebten Stock – nur den Drink muss man sich dazudenken.

Up Helly Aa in Lerwick (Shetland), Schottland 30. Januar 2018 Grösstes Festival der Shetland-Inseln. Ein riesiges Wikingerschiff wird durch die nur mit Fackeln erleuchteten Strassen Lerwicks zum Meer gezogen. Dort wird es feierlich verbrannt. www.uphellyaa.org Food and Fun in Reykjavík, Island März 2018 Islands grösstes Gourmet- und Genussfestival. Schmecken und riechen Sie, was sich aus isländischen Zutaten von talentierten Köchen zaubern lässt. www.foodandfun.is Europäischer Saunamarathon in Otepää, Estland 04. März 2018 Die Strecke ist nicht 42 km lang, dafür ist der Temperaturwechsel eindrücklich. Über 20 Saunen wollen gefunden und benützt werden – das Baden in Eislöchern zwischendurch gibt Extra­ punkte. Bringen Sie Ihren Kreislauf in Schwung. www.visitestonia.com/de/der-otepaa-saunamarathon Winter Swimming World Championships 2018 in Tallinn, Estland, 06. bis 10. März 2018 Bereits zum elften Mal werden die Weltmeisterschaften im Win­ terschwimmen ausgetragen. Wer sich zu den hartgesottenen Sportlern zählt, macht am besten mit, ansonsten lässt sich der Event auch gemütlich warm eingepackt vom Ufer aus verfolgen. www.winterswimming.world Yukigassen in Vardø, Norwegen 07. bis 11. März 2018 Sportliche Schneeballschlacht: Immer zwei Teams treten gegen­ einander an und verschiessen ihre 90 Schneebälle. Feuern Sie die Mannschaften an oder versuchen Sie selbst Ihr Glück beim «Schneeball-Präzisionswerfen». Der beste Werfer gewinnt den «Goldenen Handschuh». www.yukigassen.no

Foto: Franziska Hidber

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Sieben Tage im schwedischen Robinsonland

Teamwork-Test für die ganze Familie im Kanu: Kommunikation und Koordination wollen geübt sein.

Das Internet vermisse n? Keine Sekunde. Wand ern? Ja, gerne. In Värm und Serafin mit ihren Elt land erforschen Elias ern die geheimnisvolle Natur, bestehen den Fa Kanufahrt, lassen sich milientest auf der auf dem Floss treiben un d fühlen sich wie Robin son. Text und Fotos: David Cou

«D

lin

er schwedische Ka ffee mag zwar dünn und bitter sein, daf ür ist bei uns Wifi ­inbegriffen.» – Dieser Besche id im erstbesten Stockholmer Restaura nt erhellt die Mienen unserer Kinder Elias und Ser afin entschieden mehr als die von uns Eltern. Nur: Dreihundert Kilometer weiter westwärts, in unserem Ferienzuhause in der Region Värmland nahe der nor wegischen Grenze, da schmeckt der Ka ffee auc h schwedisch, aber es gibt kein Wifi. «Das haben wir vor zwei Jahren ­abgestellt», sagen Erik und Vanessa, auf deren Landsitz wir zu Gast sind. Elias und Serafin vermissen es keine Sekunde. Denn es gib t da Bä lle und Uni­ hockeygoa ls, ein Tra mpolin und Basketballhandschuhe – und vor allem and ere Kinder, die auch mit ihren Eltern da sind, um Spass zu haben und Abenteuer zu erleben. So durchstreifen wir gemein sam mit einer anderen Familie die schwedischen Wä lder. Wir lassen uns auf dem bemoosten Wa ldb oden nieder; pflücken Heidelbeeren, suchen Eiersc hwämmchen, erkunden das morsche und vermoost e Unterholz. Es erstaunt uns nicht, dass die berühmt e Autorin Selma Lagerlöf – auch sie eine echte Vä rmländerin – ihren Nils ­Holgersson Schweden aus der Zwergenperspektive hat entdecken lassen. Da sol l es schliesslich neben Elchen, Wölfen und Bären auch Feen geben. Zwar sehen wir weder Feen noch Wölfe, Bären oder Elche. Da für baden wir in einigen der über 10 000 warmseichten Seelein von Värmland. Wir lassen uns auf Flossen den tief kalten Fluss Klarälven bis zu einer kleinen Insel hin untertreiben, auf der zwischen Bäumen Zelte ver borgen sind. Erik be-

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kocht uns über dem offene n Feuer mit Kartoffeln und Wursträdchen und Ge müse, die Kinder spielen mit Stecken und füh len sich wie Robinson. Am vierten Tag folgt dann der Chara ktertest für unsere Familie: Schaffen wir es, so zu paddeln, ­damit sich unser Kanu gerade aus bewegt? Um ehrlich zu sein, müssen wir sch on ein bisschen üben, bis Kommunikation und Ko ordination klappen. Dann aber rudern unsere Jun gs nicht mehr zick zack, sondern zackzack, und wir haben unseren Spass daran. Es gibt noch mehr unverges sliche Erlebnisse: Velofa hren, und schwedisch essen mit süss-saurem Beigeschmack – eine kulina rische Eigenheit, die ­gemäss Erik der Freundschaf t des schwedischen mit dem thailändischen König shaus zuzuschreiben ist. Nachts schlafen wir wie die Bären in unserer heimeligen Lodge im umgebauten Sta llgebäude. Vor allem aber saugen wir sieben Tag e lang die oft menschenleere Natur Mittelschweden s in uns auf. Nun sind wir zurück in der Schweiz, die Woche im Robinsonland ist Vergangen heit. Was blieb hängen? «Ich habe alle Muskeln traini ert», sagt Elias. «Das draisinenartige Gefährt auf dem Hof war super, obwohl ich damit in den Strass engraben gefallen bin», meint Serafin. «Mir gefielen die vielen Kontakte und die Helligkeit bis tief in die Nacht», sagt meine Frau Barbara. Und ich erinnere mich immer wieder an die goldgelben Kiesbänke. Zurückblättern auf Seit e 24: Familienfreundliche Ferien im Blockhaus in Finnland .


REISETAGEBUCH

Geschafft! Schon bald rudern die Jungs nicht mehr im Zickzack. Gastgeber Erik und Vanessa auf ihrem Landsitz, für eine Woche das Zuhause der Familie Coulin-Gisler.

Auf der Robins oninsel bereite t Erik auf dem das Essen für Feuer alle zu, währe nd Serafin ... ... mit seiner Familie noch den Fluss Klarälven hinunterpaddelt.

Persönlich ...

David und Barb ara Coulin-Gisle r aus Weggis LU verbringen mit ihren Kindern Elia s (11) und Serafin (9) ihre Ferien vor allem in den Schweize Bergen . Je älter r die Kinder jedo ch werden, dest mehr nimmt di o e Lust der Famili e zu, Neues und anderes zu entd ecken. Wohin di e Reise auch geht: Badehose n sind immer da bei.

Keine Feen, Bären oder Wölfe – dafür gibt es sonnengewärmte Heidelbeeren direkt ab Busch, und das Wandern macht plötzlich Spass.

Das war die Reise: «Spass für die ganze Familie», 8-tägige Aktivferien in Värmland www.kontiki.ch/skandinavien/schweden/ spass-fuer-die-ganze-familie

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Foto: Johannes Diboky

Freude bei Kontiki: Erstmals für die «Great Place To Work»Auszeichnung beworben – und gleich auf Rang vier gelandet.

EIN AUSGEZEICHNETER ARBEITSPLATZ Kontiki zählt aktuell zu den besten Arbeitgebern der Schweiz: Das Label «Great Place to Work» ergänzt die bisherigen Auszeichnungen von TourCert und den Swiss Travel Award. Die Trophäe macht stolz, bringt aber auch einiges ins Rollen.

Text: Sarah Ganzmann

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er bei Kontiki arbeitet, hat Ende Juni nie Zeit. Das Datum der Sommersonnenwende wird in der Geschäfts­ agenda mindestens so dick angestrichen wie in Schweden, wo Midsommar als zweitgrösstes Fest nach Weihnachten gefeiert wird. Eingeladen sind Familie, Freunde und Bekannte. Bei Kontiki gehört der Abend den Bürokollegen; es wird gemeinsam getanzt, gegessen, gespielt. Typisch Norden eben. Oder: typisch Kontiki! Die Leidenschaft für den Norden geht weit über das Arbeitspensum hinaus, das macht Kontiki zu einem der besten Arbeitgeber der Schweiz. Für die Auszeichnung «Great Place to Work» hat sich das Unternehmen dieses Jahr erstmals beworben – und unter den mittelgrossen Unternehmen gleich Platz vier belegt. «So ein Gewinn spornt einen natürlich an», sagt Selina Gartler, Personalverantwortliche bei Kontiki Reisen. Allerdings liegt der Grund zur Teilnahme vor allem in der Standortbestimmung: «Wir wollten sehen, wo wir stehen und wohin wir uns noch bewegen könnten.»

Einmalige Teamausflüge Für Sabina Volker ist Kontiki schon seit bald 25 Jahren ein «Great Place to Work». «Das Team ist toll, die Arbeit macht Spass und Kontiki bietet den Mitarbeitenden vieles, was andere Firmen schon lange nicht mehr machen.» Dazu zählen Erfolge, die gefeiert werden, ebenso wie erlebnisreiche Teamausflüge, zum Beispiel nach Finnisch-Lappland. Doch ins Gewicht fallen auch die freundliche Arbeitsplatzatmosphäre, der familiäre Umgang ­miteinander und die laut Umfrage zu 100 Prozent flachen ­Hierar­chien. «Ein sensationeller Wert», freut sich Selina Gartler.

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Kontiki Reisen

Mit 6000 Befragten jährlich ist «Great Place to Work» die grösste und bekannteste Initiative zur Verbesserung der Arbeitsplatzkultur. In der Schweiz wurden 123 Unternehmen bewertet, 29 davon ausgezeichnet. Um die Qualität der Arbeitsplatzkultur zu messen, haben die Kontiki-Mitarbeitenden anonym 59 Fragen zu Arbeitsplatzbeziehungen und Vertrauenskultur beantwortet. Das Ergebnis wurde zu zwei Dritteln gewertet, die zugehörige Kulturanalyse zu einem Drittel. Die bekanntesten Gewinner von «Great Place to Work» sind in der Kategorie der grossen Unternehmen zu finden, darunter auch Google Schweiz und Ikea. Kundenkontakt im hohen Norden «Jeder Kontiki-Tag ist wie ein Ferientag!»: Diese Aussage stammt von einem langjährigen Mitarbeiter. Eine Ansicht, die nicht alle teilen – bei aller Begeisterung für den Job. Tatsache aber ist, dass die meisten Angestellten ihre Ferien im Norden verbringen, die Destination auf Studienreisen besser kennenlernen und voller ­Begeisterung miteinander anstossen, wenn es etwas zu feiern gibt.


KONTIKI EINBLICK

ZURÜCK AUS ... ... NORDNORWEGEN

Typisch Kontiki: An Midsommar 2017 wurde gelacht, gespielt und getanzt – wie im Norden.

Sofern es die Arbeitsbelastung zulässt, können die Mitarbeitenden von Einsätzen als Gästebetreuer profitieren. Benjamin Schweizer durfte diese Erfahrung im vergangenen Sommer in Island machen. «Ich erlebte die Kontiki-Welt von einer ganz anderen Seite», schwärmt er. Fast rund um die Uhr war er zuständig für die Bedürfnisse der Gäste und fand mit seinem Team überzeugende Lösungen – ob es nun um einen Flug ging, den Gepäcktransport oder Ausflüge. Den Einsatz bezeichnet er zwar als Herausforderung, aber gleichzeitig auch als einmaliges, unvergessliches Erlebnis. Verbesserungsprogramm gestartet Worin liegt Kontikis Erfolgsgeheimnis? Einerseits setzt sich der Reisespezialist für einen fairen Austausch mit den Partnern im hohen Norden ein, achtet auf Nachhaltigkeit und ermöglicht echte Ferienerlebnisse. Das «TourCert»-Label und der Swiss Travel Award bestätigen den richtigen Weg im Umgang mit Kunden und Partnern. Andererseits verfolgt Kontiki das Ziel, «auch für unsere Mitarbeitenden unvergessliche Erlebnisse zu schaffen», erklärt Selina Gartler. Wie überall gibt es aber auch Verbesserungspotenzial: Sabina Volker vom Backoffice fände es schön, wenn Auslandseinsätze allen Mitarbeitenden ermöglicht würden – solange es die Personalkapazität zulässt. Um das Unternehmen weiterzubringen und auf das Feedback einzugehen, hat Kontiki ein Verbesserungsprogramm gestartet. Hier können alle ihre Vorschläge einbringen, betroffen sind vor allem die Themen Kommunikation, Führung, Arbeitsbelastung und Entwicklungsmöglichkeiten. Benjamin Schweizer vom Flugwesen etwa bemängelt die teils bürokratischen Arbeitsschritte. Es gebe zu viele Hintergrundarbeiten; seiner Meinung nach brauche es aber noch mehr Kontakt mit dem Produkt und den Kunden. «In Zukunft ist es nämlich genau dieser Aspekt, der Kontiki nachhaltigen Erfolg bringen wird», ist er sich sicher.

Von Lausanne nach Norwegen: Kontiki-Reiseberaterin Lorena D’Amario beim Wandern auf den Lofoten.

Meine Wahl fiel auf Nordnorwegen, weil … … ich schon ein paar Mal in Nordnorwegen war, aber immer nur geschäftlich. Mir fehlte bisher die Zeit, die Inseln und die Region in Ruhe zu entdecken. Weil mich aber das Panorama sehr beeindruckte, wollte ich unbedingt wieder hin. Unterwegs im Campingbus konnte ich diesmal die Zeit ausschöpfen und geniessen. Die Route Wir sind in Tromsø gestartet, fuhren nach Sommarøy, Senja, auf die Vesterålen, Lofoten und von Harstad aus mit den Hurtigruten zurück nach Tromsø. Unterwegs haben wir auf verschiedenen Campingplätzen übernachtet, manchmal halb wild. Auf den Lofoten zum Beispiel waren wir ganz allein auf dem Platz – abgesehen von unseren Nachbarn, den Schafen. Der speziellste Moment Davon gab es viele. Aber einer der Lustigsten hat mit den Schafen auf dem Campingplatz zu tun. Am Morgen wurden wir früh wach, weil unser Campingbus wackelte. Als wir rausschauten, sahen wir, wie die Schafe sich an unserem Fahrzeug kratzten. Mein schönstes Erlebnis Das war die Zeit auf Senja, wo es kaum Leute gab, dafür traumhafte Kontraste – die Insel hat mich begeistert. Auch Harstad überraschte mich mit einem traumhaften Panorama – auf einer Wanderung entdeckten wir die wunderschöne Natur. Mir war nicht bekannt, dass man auf Harstad so gut wandern kann. Nie vergessen werde ich ... ... die ganze Reise! Ein sehr schöner Moment war das Saunieren am Strand. ­Danach haben wir uns im Meer abgekühlt. Der weisse Strand und das tiefblaue Wasser – es war einfach perfekt. Mein persönlicher Tipp Ich finde, die Strandsauna ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Sie gehört zum Campingplatz des Stave Camping auf den Lofoten. Aber auch für Durchreisende sind Tageseintritte erhältlich. Neben der Sauna stehen übrigens auch Hot Pots ­bereit.

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Für einmal ohne Gäste: Die Reiseleiterinnen und Reiseleiter von Kontiki bilden sich auf den Hurtigruten weiter.

SIE MACHEN JEDE REISE ZUM ERLEBNIS Gute Reiseleiter sind das A und O für Kontiki: Sie kennen Land und Leute, überzeugen mit Wissen, Erfahrung und Leidenschaft. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Auswahl und regelmässige Weiterbildung. Davon profitieren alle – die Kunden, die lokale Bevölkerung und die Natur im Norden.

Text: Stefan Doppmann

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ie legen die Kinder von den weit verstreuten schwedischen Bauernhöfen eigentlich ihren Schulweg zurück? Haben die Rentiere natürliche Feinde? Welches Souvenir soll ich aus Finnisch-Lappland nach Hause bringen? Mag die Frage noch so knifflig sein – die Reiseleiter wissen die richtige Antwort. Doch ihre Fähigkeiten reichen viel weiter: So kennen sie auch in schwach ­besiedelten Regionen Skandinaviens die besten Anlaufstellen für einen Kaffeehalt. Ihre Gruppen führen sie mit Rücksicht auf die einheimische Pflanzen- und Tierwelt, und kommt es zu einem Notfall, behalten sie den Überblick und passen ihre Massnahmen an die Situation an. Ergänzung aus dem Netzwerk Das ist kein Zufall. «Wir suchen unsere Reiseleiter sehr sorgfältig aus», betont Manuela Fischer, bei Kontiki zuständig für Auswahl und Einsatzkoordination der Tourguides. Alle diese Spezialisten sind entweder in Nordeuropa aufgewachsen oder sie leben seit vielen Jahren dort. Zudem haben die

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Kontiki Reisen

meisten eine Ausbildung im Tourismusbereich absolviert. «So ist garantiert, dass sie Kultur, Land und Leute kennen und mit der lokalen Flora und Fauna ­bestens vertraut sind», führt sie aus. ­Voraussetzung ist, dass ein Kontiki-Reiseleiter mindestens eine oder mehrere skandinavische Sprachen beherrscht, sich mit den Gästen aber auf Deutsch und bei Bedarf auf Französisch unter­ halten kann. Geeignete Leute findet Kontiki zumeist auf Empfehlung aus dem hauseigenen Netzwerk. Kandidatinnen und Kandidaten werden in die Schweiz eingeladen und hier mit den Werten von Kontiki vertraut gemacht. «Unsere Reise­ leiter sind die Visitenkarte von Kontiki. Daher ist es wichtig, dass sie zu uns passen», unterstreicht Manuela Fischer.

An den Weiterbildungstreffen kommen die Reiseleiterinnen und Reise­leiter zusammen, tauschen sich aus und entwickeln neuen Ideen.

Wertvoller Erfahrungsaustausch Damit die sorgfältig aufgegleiste Zusammenarbeit auch auf Dauer fruchtbar bleibt, organisiert Kontiki jedes Jahr mehrtägige Weiterbildungen. Im Wechsel


KONTIKI WEITBLICK

SERIE «WEITBLICK» In dieser Rubrik porträtieren wir vorbildliche Partner und Projekte von Kontiki Reisen.

treffen sich die rund 20 Guides im Norden oder in der Schweiz zum ­Gedanken- und Erfahrungsaustausch. «Diese Seminare ­bieten die Gelegenheit, die ­gemeinsame Basis zu stärken, ­einander zuzuhören und ­voneinander zu lernen, um in der Folge die Reiseangebote und den Service von Kontiki weiterentwickeln zu können», erläutert Emma Arvidsson, Nachhal­tigkeitsbeauftragte von Kontiki. Immer interessant seien die Rückmeldungen der Reiseleiter zur Feinjustierung der von ihnen geführten ­Touren, zum Beispiel Vorschläge für neue Ausflüge oder praktische Hinweise wie die Verschiebung von Abfahrtszeiten. So könne Kontiki die Reiseange­ bote dank der Erfahrung der Profis vor Ort optimieren. Umgekehrt seien diese aber auch empfänglich für Informationen über die Mentalität und Eigenheiten ihrer Schweizer Gäste. Das erleichtere es ihnen, noch besser auf deren ­Bedürfnisse einzugehen. «Gemeinsam arbeiten wir so daran, unseren Kunden eindrückliche Naturerlebnisse und authentische Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung zu ermöglichen. Zudem wollen wir die lokale Wertschöpfung steigern, soziale Strukturen stärken und dabei bestmöglich auf die Umwelt Rücksicht nehmen», formuliert Emma Arvidsson die Vision von Kontiki, für die sich auch die Reiseleiterinnen und Reiseleiter einsetzen.

KONTIKI FÖRDERT VERANTWORTUNGSVOLLES REISEN Kontiki Reisen will eindrückliche Natur­er­leb­nisse und authentische Begegnun­gen mit der einheimischen Bevölkerung ermög­lichen. Und zwar nicht nur heute und morgen, son­dern möglichst auch noch in vielen Jahren. Deshalb setzt sich Kontiki für einen verantwortungs­vollen Umgang mit der Natur und für den Erhalt gesunder sozialer Strukturen in den Destinationen ein. Für dieses Engagement und die bereits erreichten Ziele wurde das Unter­­nehmen 2013 als einer der ersten Akteure der Schweizer Reise­branche mit dem angesehenen Siegel TourCert – «CSR-Tourism certified» – ausgezeichnet, 2015 erfolgte die erfolgreiche Rezertifizierung. Darauf aufbauend will Kontiki zu einer mass­vollen Entwicklung an den Reisezielen beitragen und den Kunden durch transparente Informationen sowie zielgerichtete Angebote das verantwortungs­volle Reisen näherbringen.

«EIN GLAS BEERENSAFT UNTER FREIEM HIMMEL»

Reiseleiterin Angelika Gawell bringt ihren Gästen ihre Wahlheimat näher – und sorgt für unvergessliche Erlebnisse.

Angelika Gawell kam 1990 im Dienst des österreichischen Aussenministeriums nach Stockholm. Dort verliebte sie sich ins Land und «in einen grossen Blonden». Schweden wurde so bald zu ihrer zweiten Heimat. Auf zahlreichen Reisen lernte sie nach und nach auch die Nachbarländer Norwegen und Finnland kennen. «Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sich die Menschen nördlich des Polarkreises den Herausforderungen des harten Klimas stellen», beschreibt sie ihre dabei gemachten Erfahrungen. Zuerst begann sie 2009 nebenberuflich mit Führungen in der schwedischen Hauptstadt. Zwei Jahre später nahm die Mutter einer Tochter das Angebot von Kontiki an, auch Gruppenreisen zu begleiten. «Diese Aufträge bereiten mir grossen Spass», hält Angelika Gawell fest. Die Schweizer Gäste seien meist sehr aufgeschlossen gegenüber der lokalen Kultur und interessiert am Alltag der Nordländer. So freue sie sich immer wieder, die von ihr geführten Gruppen mit Einheimischen zusammenzubringen. Und sie findet stets Wege, ihre Reisegruppe die Natur direkt erleben zu lassen. «Auch kleine Dinge können Freude bereiten. Ein Halt unter freiem Himmel, bei dem wir ein Glas selber gepressten Beerensaft ausschenken, prägt sich vielen Gästen als unvergessliche Erinnerung ein.» Über ihre Erfahrungen tauscht sich die Skandinavien-Expertin mit Kolleginnen und Kollegen bei den von Kontiki organisierten Treffen aus (Text links). «Diese Begegnungen sind sehr informativ und stärken die Beziehungen untereinander. Davon profitieren wir das ganze Jahr über», freut sie sich.

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RÄTSEL

GEWINNEN SIE IHRE TRAUMREISE Machen Sie bei unserem Preisrätsel mit und gewinnen Sie eine Mietwagenrundreise für 2 Personen in Skandinavien im Wert von Fr. 4000.–*. Einsendeschluss ist der 10. März 2018. * Der Preis muss mit dem Kontiki-Direktflug nach Finnisch-Lappland angetreten werden und beinhaltet Direktflug (W-Klasse), Mietauto und Unterkünfte für eine Woche gemäss Reiseausschreibung. Saisonbedingte Zuschläge werden in Rechnung gestellt. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt. Mitarbeitende von DER Touristik Suisse AG sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Lösung lautet:

Senden Sie die Lösung des Kreuzworträtsels per E-Mail an info@kontiki.ch oder per Post an Kontiki Reisen · Bahnhofstrasse 31 · 5400 Baden. Der Gewinner aus «Nordland» Nr. 13/2017 ist André Studer aus Sursee. Herzliche Gratulation!

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IM ZIEL MIT KONTIKI-GÄSTEBETREUER HANS BLASER Aufgezeichnet von Franziska Hidber

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rsprünglich war ich Post­ beamter, aber ich merkte schnell: Ich muss an die frische Luft, etwas erleben, sonst vertrockne ich wie eine Büropflanze. Also ­absolvierte ich die Reiseleiterausbildung. Gereist bin ich schon immer gerne, früher allerdings nur in den Süden. Heute ist der Norden zu meiner zweiten Heimat ­geworden. Es begann damit, dass mir mein Lehrer an der Reiseleiterschule Kontiki empfahl, damals hiess es noch Saga-Reisen. Meine Einführungsreise vor bald 40 Jahren ging nach Grönland – ui, die vergesse ich nie mehr: Das Wetter spielte so verrückt, dass wir auf dem winzigen Flughafen in Húsavík an Islands Nordküste notlanden ­mussten. Dann war die Flugzeugtreppe zu kurz! Wir behalfen uns mit Bierkisten, damit alle heil auf dem isländischen Boden ankamen. Es war hell und gleichzeitig regnete es, und diese spezielle Landschaft hat mich sofort in den Bann gezogen. Doch zum Staunen blieb keine Zeit, schliesslich mussten wir blitzschnell Zimmer und ­Essen für 150 Leute organisieren – und da erlebte ich zum ersten Mal die unglaubliche Hilfsbereitschaft der ­Isländer. Alle Gäste, obwohl ungeplant auf der Insel, ­bekamen ein Bett und frischen Fisch.

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Die Reise nach Grönland konnten wir dann fortsetzen, und direkt danach begann ich meine erste von 35 Sommersaisons als Gästebetreuer in Island. Zu Beginn ­arbeiteten wir in einem Schulzimmer, das Programm schrieben wir einfach an die Wandtafel. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, aber es hat funktioniert. Weil es damals kaum Hotels gab, brachten wir die Gäste bei den sogenannten Landladies unter. Ich schwitzte auf den Transfers immer Blut, weil ich nie wusste, ob die Gastgeberinnen wieder verschlafen hatten und verstrubbelt im Nachthemd die Tür öffnen würden. Island habe ich sofort ins Herz geschlossen. Das liegt nicht nur an der Vulkanlandschaft, die einem vorkommt wie von einem anderen Planeten. Das liegt vor allem an den Menschen. Die Isländer mögen wortkarg wirken, doch sie sind die besten Freunde, die man sich wünschen kann. Sie geben dir einfach den Schlüssel für ihr Haus, weigern sich, Geld anzunehmen, und sind immer da, wenn du sie brauchst. Manche Freundschaften bestehen schon seit 35 Jahren. Ehrensache, dass ich auch jetzt noch, als frisch Pensionierter, meine Freunde in allen Ecken der Insel besuche. Ich dachte immer, Island sei als Lieblings-

Persönlich ... Hans Blaser, 63, ist waschechter Emmentaler. Einerseits. Andererseits kennt man den Gästebetreuer von Kontiki auch als «Mister Iceland» und «Mister Kontiki». 35 Sommer lang hat der ausgebildete Reiseleiter alles für die KontikiGäste in Island getan und bereits 12 Wintersaisons als Gästebetreuer in FinnischLappland verbracht. Zur Freude vieler Stammgäste wird er auch diesen Winter in Luosto zwischen Nordlichtern und Rentieren nach dem Rechten schauen – Pensionierung hin oder her.

land konkurrenzlos. Doch dann schickte mich Kontiki Reisen für die Wintersaison nach Finnisch-Lappland – der Hammer. Noch nie im Leben konnte ich so gut runterfahren. Die Stille wirkt wie Balsam. Zwölf Wintersaisons habe ich bereits in Lappland verbracht, eine grossartige Zeit. Eigentlich wäre ich jetzt ja pensioniert. Im Dezember reise ich trotzdem als Gästebetreuer für die nächste Saison nach Luosto. Einen Winter ohne diese Märchenwelt kann ich mir nicht mehr vorstellen – es ist eine Sucht.»


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Die Inseln der Wikinger Zu Fuss durch Islands wilden Westen Ferien in der Finnischen Seenplatte

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