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International

Daniela Krautsack, Cows in Jackets, sprach für HORIZONT im Rahmen ihrer Shanghai-Reise mit Oliver Lorenz, CEO Montfort Shanghai Advertising

bekommen, wenn man gute Beziehungen zu den Lieferanten aufbaut. Ein weiteres unserer Erfolgsrezepte: Gesetze werden von der Regierung oft geändert, aber wir werden regelmäßig darüber informiert und halten uns rigoros an die neuen Bestimmungen. HORIZONT: Wie funktioniert New Business in China?

Daniela Krautsack für HORIZONT: Wer ist Montfort Werbung? Und was bringt Sie nach Shanghai? Oliver Lorenz: Montfort Werbung wurde 1981 in Klaus in Vorarlberg gegründet. Wir sind eine der wenigen privat geführten Agenturen in Europa, die international tätig sind. Ich bin seit elf Jahren bei Montfort Werbung, habe als Projektleiter für Messen und Events für Nord- und Südamerika angefangen und bin dann ins New-BusinessDevelopment gewechselt. Vor etwa sechs Jahren bot mir mein Chef an, die Montfort-Niederlassung in Shanghai aufzubauen. Wir arbeiteten davor mit asiatischen Partneragenturen zusammen, wollten dann aber etwas Eigenständiges aufziehen. HORIZONT: Wird man am Markt als neues Unternehmen rasch akzeptiert? Lorenz: Man muss sich hier anpassen. Dann hat man in China ein relativ einfaches Leben. Ich habe mir von Anfang an vorgenommen: „Bleib ruhig, irgendwie wird es schon funktionieren.“ Wenn man Dinge falsch macht, lernt man einfach dazu. Während es in Europa gang und gäbe ist, Fehler einzu-

Montfort Werbung Gegründet 1981 in Klaus in Vorarlberg, hat Montfort Werbung inzwischen ein Büro in Chicago, eines in Liechtenstein und eines in Shanghai. Der Fokus liegt am B2B-Marketing. Kunden sind unter anderem Gildemeister, Reinhausen, IGM und Kordsa Global. Montfort bietet Full-Service-Marketing, von Print, Online und Direct Mailings bis hin zum Geschäftsbericht. Auch Kreation, Eventmarketing, Mediaplanung zählen als Dienstleistungen. Monfort ist ein unabhängiges Agenturnetzwerk.

gestehen, ist die Angst, „das Gesicht zu verlieren“, hier ein Phänomen, an das ich mich erst gewöhnen musste. Zu mir kann jeder meiner Mitarbeiter mit seinen Problemen kommen, was in China sonst durchaus nicht Regelfall ist. Ich habe neun Mitarbeiter, daher ist es möglich, zu jedem ein persönliches Verhältnis aufzubauen. Wir akzeptieren lokale Traditionen. In China haben Nummern und Farben eine besondere Bedeutung. Die Zahl Acht bringt zum Beispiel Glück, weshalb die Olympischen Spielen am 8.8. um 08.08 Uhr eröffnet wurden. Die Zahl Vier wird hingegen als negativ angesehen. Bei uns in der Hausanlage gibt es keine Vier. Die Handynummern mit vielen Vierern sind günstiger zu bekommen. Oder: Die Nationalflagge darf nicht auf Drucksorten verwendet werden. Rote Headlines sind ein „No-go“, weil man diese von Regierungsmitteilungen kennt. Die junge Generation schenkt diesen traditionellen Codes aber weniger Beachtung. Sie wollen international sein in ihrem Denken und Handeln. HORIZONT: Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit in diesem Kulturkreis? Lorenz: Man lernt in der asiatischen Kultur täglich immens viel dazu. Zum Beispiel bekommst du ein gutes Gefühl für Distanzen, unterschiedliche Mentalitäten und für Arbeitsweisen. Du bewegst dich mit dem Wachstum der Region, mit dieser rasanten Geschwindigkeit, die hier vonstatten geht. Kundenservice wird großgeschrieben. Ein Beispiel: Wir mussten für unser Headquarter in Europa über Nacht Drucksamples herstellen. Es gibt hier sehr viele Druckereien – die Konkurrenz ist groß, jeder will das Geschäft machen. Die Druckerei stellt also extra Leute ein, druckt über Nacht oder am Wochenende und ist so flexibler als bei uns in Europa. Man kann über Nacht fertige Drucksamples

Gastkommentar zur Expo in Shanghai

‚Wenn jemand eine Reise tut, …‘

Vom Ländle ins Reich der Mitte

Oliver Lorenz, CEO Montfort Shanghai Advertising Co., Ltd.: „Eines unserer Erfolgsrezepte: Wir halten uns rigoros an neue Gesetzesbestimmungen.“ © Krautsack

HORIZONT No 38

Marketing · Werbung · Medien

Lorenz: Der klassische „Cold call“, ich rufe an und bemühe mich um einen Termin, funktioniert nicht. Man versucht eher, auf so viele NetworkEvents wie möglich zu gehen. Am Morgen danach sortiert man die Visitenkarten und fokussiert auf die wichtigsten zehn Kontakte. Unsere Kunden sind ausschließlich Europäer, da es sehr schwierig ist, an chinesische Firmen heranzukommen. In Shanghai werden Network-Events meist von Geschäftsführern lokaler europäischer Unternehmen besucht. Die Geschäftsführer der chinesischen Firmen kommen selten zu diesen Veranstaltungen, sie schicken Repräsentanten. Daher ist es relativ schwierig, die Entscheider zu erreichen. Hier läuft das Geschäft im Normalfall über Beziehungen. HORIZONT: Wie hat die Expo Shanghai verändert? Lorenz: Die Straßen wurden gesäubert, es gibt mehr Grünstreifen, zusätzliche Parks wurden angelegt, die Straßenschilder zweisprachig beschriftet. Als vor zwei Jahren die Expo-Promotion mit dem Slogan „Better City, Better Life“ begonnen hat, war ich skeptisch. Die Regierung hat ihr Programm aber durchgezogen, und es hat sich extrem viel getan. Vor kurzem hatten wir fünf U-Bahn-Linien, jetzt sind es 13. Es gibt auch vieles, was im Laufe der letzten Jahre verboten wurde, zum Beispiel auf die Straße zu spucken. Man hat während der Olympics in Peking ein generelles Hupverbot eingeführt. Weil viele Ausländer in der Stadt sind, wird versucht, das Image Chinas zu heben. Auch die Bankenregelung ist während der Expo gelockert worden. Seit sechs Monaten sind internationale Banktransfers deutlich einfacher durchführbar. Auch Montfort hat von der Expo profitiert: Wir produzierten Drucksorten für die Stadt Freiburg und ihre Partner.

In welche Gehirnrinde ich diese eindrucksvolle Reise ablege, überlegte ich auf meinem Rückflug nach Wien. Da unterbrach der Finnair-Captain mein Gedankenskript: „Zu Ihrer Rechten können Sie einen Lufthansa Airbus 380 beim Abheben beobachten.“ Da war es wieder, dieses stille Glücksgefühl vollkommener Begeisterung. Und hunderte Augenpaare sahen dem Riesenvogel zu, wie dieser nahezu in Zeitlupe gen Himmel abhob. Schon zieht mich die Erinnerung zurück auf die Straßen Shanghais, wo hinter jeder Straßenecke ein neues „Wow!“ meinen Trip prägte. Grund für meine Reise war der Besuch der Expo, von der ich mir, in Gedanken bei der Weltausstellung in Paris 1889, für die der Eiffelturm als temporäres Turmfachwerk gebaut wurde, interkreative Eindrücke aus dem Designbereich, der Architektur, Kunst und Technologie erhoffte. Am Ende des Aufenthalts, und noch immer auf der verzweifelten Suche nach der sehnsüchtig erwarteten Expo-Sensation, zog ich eine harte Bilanz, und die lautete schlicht: „Außen hui, innen pfui.“ Ich frage mich noch immer, welche wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen die teilweise spektakulär entworfenen Pavillons mit länderspezifischen Kultur-Highlights wie Musikkonzerten samt ArnoldSchwarzenegger-Besuch im ÖsterreichPavillon, dem Panorama-Sessellift, den sich die Schweiz ausdachte, und der Flamenco-Darbietung der spanischen Delegation auf die teilnehmenden Staaten und das Gastgeberland China haben. Rechtfertigt dieser Event die Absiedelung der 18.000 Familien, die zuvor am Expo-Gelände gelebt hatten? Mein leises Expo-„Wow!“ verdanke ich der inspirierenden Darbietung Mexikos und Chiles, die sich zum Motto der Weltausstellung, „Better City, Better Life“, wirklich Eindrucksvolles überlegten. Unerwartet prasselten also eher jene „Wow!“-Momente auf mich ein, die ich auf den Straßen der Millionenmetropole entdeckte. Bei der nächtlichen Fahrt durch Pudong, wo Shanghais brandneue architektonische Meisterwerke, inszeniert durch feuerwerkähnliches Lichtorchester, thronen, da vergisst du, zu atmen. Die Hauptverkehrsadern und stark frequentierten Einkaufsmeilen werden, wie bei uns nur zur Weihnachtszeit, in farbenfrohes und

Lighting Books von Airan Kang bei der Shanghai Contemporary 2010.

Gebäudeverhüllung, Louis-VuittonRetrospektive Paris 1867, Shanghai 2010. © Daniela Krautsack (3)

als abendliche Wegweiser fungierendes LED-Design in Regentropfen- und Gänseblümchenoptik getaucht. Skurril das nächste „Wow!“, weil das Licht jede Nacht um exakt 23.30 Uhr ausgeht. Allein der Besuch der Shanghai Contemporary Art Fair, der Kunstzonen M50 und Red Town und das Interview, das ich mit dem bedeutendsten Galeristen chinesischer Gegenwartskunst, ShangART-Gründer Lorenz Helbling, führen durfte, war die Reise in diese faszinierende Stadt wert. Oh, fast hätte ich das Ambient-Media„Wow!“ meiner Reise vergessen: Eine Louis-Vuitton-Kofferinstallation, die ein ganzes Gebäude einkleidete. Als Baustellenverhüllung getarnt, verbarg sich im Inneren eine Retrospektive der Marke zur Weltausstellungen 1867, als sich das Unternehmen erstmals global der Weltöffentlichkeit präsentierte. Wenn ich also während der Medientage in der Ambient-Media-Diskussionsrunde sitze, gilt es, das kostbare „Wow!“ zu verteidigen. Wer wagt es schon, anzuzweifeln, dass eine Werbebotschaft begeistern kann? Daniela Krautsack, Cows in Jackets www.cowsinjackets.com

HORIZONT: Können Sie Shanghai als Arbeitsmittelpunkt empfehlen? Lorenz: Absolut! Ich empfehle es jedem, der eine Herausforderung sucht. Wenn man die Gelegenheit hat, nach Shanghai zu kommen, sollte man sie ergreifen. Chinesisch zu sprechen, ist ein Vorteil, aber kein Muss. Ich werde hier zwar nicht in Pension gehen, fühle mich aber wohl in dieser Stadt. Interview: Daniela Krautsack

LED-Lichtinstallation, die Nanjing Road in Shanghai entlang.

HORIZONT Impressum: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Brunner Feldstraße 45, 2380 Perchtoldsdorf Internet: www.manstein.at Tel.: +43/1/866 48-0 Fax: +43/1/866 48-100 Gründer: Hans-Jörgen Manstein Geschäftsführerin: Mag. Dagmar Lang, MBA Aufsichtsrat: Hans-Jörgen Manstein (Vorsitz), Klaus Kottmeier, Peter Ruß und Peter Kley Herausgeberin: Mag. Dagmar Lang, MBA (dl) Chef redakteur: Sebastian Loudon (sl, DW 601) Chefredakteur-Stellvertreter: Clemens Coudenhove (cc, DW 612) Chef vom Dienst: Rainer Seebacher (rs, DW 613) Redaktion: Mag. Julia Eder (jed), Dkfm. Milan Frühbauer (üh), Andreas Hochmair (ah), Mara Leicht (ml), Lisa Mang (lm), Mag. Sarah Obernosterer (so, DW 229), Dipl.-BW Doris Raßhofer (dodo, DW 602), Mag. Birgit Schaller (bis, DW 628), Herwig Stindl (hs), Teresa Wiltsch (tw), Gudrun Wolfschluckner (gud, DW 609) Redaktionsassistenz: Brigitte Löffler (lö, DW 607) Ständige freie Mitarbeiter: Dr. Walter Braun (br) Anzeigenleitung: Martina Hofmann (DW 621) Anzeigenberatung: Sabine Vogt-Kraußler (DW 623), Martin Kaindel (DW 625) Anzeigen-Sekretariat: Ariane Schlosser (DW 626), Carolin Daiker (DW 622) Vertrieb: Gertrude Mayer (DW 511) Lektorat: Lisa Mang, Rocco Prumer Grafisches Konzept: section.d/Albert Exergian Layout: Lisa Eigner Elektronische Pro duktion: DTP-Abteilung Manstein Verlag Anschrift: Verlagssitz, Geschäftsführung, Verwaltung Redaktion: Brunner Feldstraße 45, 2380 Perchtoldsdorf, Tel.: +43/1/866 48-0, Fax: +43/1/866 48-600, E-Mail: horizont@manstein.at Druck: Ueberreuter Print GmbH, Industriestraße 1, 2100 Korneuburg Erscheinungsweise: wöchentlich, mindestens 46 Mal im Jahr Einzelpreis: € 2,50 Abo: € 85,– (exkl. MwSt.) Auslandsabo: € 135,– (exkl. MwSt.) Studentenermäßigung: 50 % Auflage: 14.400 Stück, DVR-Nr. GZ 02Z031577 W, Mediadaten auch unter www.horizont.at Abo-Hotline: +43/1/866 48-930, E-Mail: vertrieb@manstein.at Web: www.manstein.at


Horizont Guest Commentary 'Shanghai'  

Article about a visit to Shanghai in 2010.

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