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Luzern, den 20. Juli 2011

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Aktuell H etGz

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Medien und Werbung : Was sind ihre erfahrungen ? Daniela Manser Daniela Manser ist Kochweltmeisterin. Sie war Mitglied der Juniorenkochnationalmannschaft vom Schweizer Kochverband, das am Culinary World Cup in Luxemburg 2010 den Weltmeistertitel holte. In dieser Eigenschaft warb sie auch gelegentlich für Produkte von Sponsoren. Bei solchen Werbeaufträgen wurde das Team gesponsert, oder die Auftritte waren in Sponsoringverträgen vereinbart. Sie persönlich habe noch nie Geld mit Werbeaufträgen verdient, erklärt die junge Köchin, die zurzeit im Restaurant Metropol in St. Gallen arbeitet. «Meistens machen wir Köche das ja sowieso gratis», fügt sie lachend hinzu. «Ich habe noch nie ein lukratives Angebot erhalten.» Wäre sie interessiert? «Wenn es eine coole Firma und ein gutes Produkt wären, hinter denen ich zu hundert Prozent stehen könnte, würde ich das machen. Ansonsten nicht.» Zudem würde sie auch nicht sofort zusagen. «Wenn mich jemand anruft mit einem solchen Anliegen sage ich immer, dass ich zurückrufe und überlege mir das zuerst. Ich möchte ja nicht in etwas hineinschlittern, das ich gar nicht will», sagt die Appenzellerin.

Der MeDienliebling

Köche sind momentan gefragt in Werbung und Medien. Einer der Jüngsten unter ihnen ist der 22-jährige Micha Schärer. Er beherrscht die Kunst der Selbstvermarktung.

W

essen Kopf dauernd in den Medien ist, hat keinen leichten Stand unter den Berufskollegen. In die Zeitung kommt, wer es verdient hat und wer etwas geleistet hat, lautet die weit verbreitete Meinung. Micha Schärer hat deshalb nicht nur Freunde. Denn er ist in den Medien, macht Werbung und gibt sein in der Profiküche erworbenes Wissen gerne weiter ans breite Publikum. «Blick am Abend» hat mit Micha Schärer die Rezeptserie «Pimp it up» realisiert, die immer am Freitagabend erscheint, wenn die Leute ins Wochenende strömen und vielleicht ratlos vor dem Kochherd stehen. Der Jungkoch präsentiert von ihm kreierte Rezepte für einfache Gerichte aus Convenience-Produkten. «Die Serie richtet sich an Leute, die normalerweise nicht kochen», sagt Micha Schärer.

Messer, Küchengeräte und Bioprodukte In der Funktion als Werbekoch ist Micha Schärer ebenfalls sehr gefragt. Denn Firmen brauchen für ihre Public Relations sympathische «Botschafter», die positive Werte vermitteln. Schärer ist jung, sieht gut aus und hat darüber hinaus eine nette und kommunikative Art. Zulieferer der Gastronomie und Hotellerie sind deshalb auf ihn aufmerksam geworden. Micha Schärer macht Promotion für Kai-Messer, hat einen Dreijahres-Werbevertrag für Siemens-Küchengeräte und wird für Renzo Blumenthals Bioproduktlinie mit Milch- und Fleischprodukten vom Ex-Mister Schweiz werben. Neu ist er auch Max-Havelaar-Botschafter, ehrenamtlich. «Es ist für mich als Junger eine Ehre, neben Andreas Caminada und anderen Spitzenköchen für nachhaltige und faire Produkte einzustehen», sagt er. Nebenher hat Micha Schärer, der sich gerne modisch kleidet, mit einer Bekannten seine eigene Kochjackenkollektion kreiert. «Kochen und edler Lifestyle schliessen sich für mich nicht aus», sagt er dazu. Die Engagements des jungen Kochs, der von 2009 bis 2010 in der Juniorenkochnationalmannschaft war und am Swiss Culinary Cup 2010 das Finalkochen bestritt (vierter Platz), sind nicht einfach Zufall. Das eine ergibt oft das andere. Micha Schärer kennt mittlerweile einige Leute beim Zürcher Ringier-Verlag und bei Coop. Hinter ihm stehen auch einige Profis, die ihn beraten. Fachlich ist es sein ehemaliger Gewerbeschullehrer aus Burgdorf, Michael Ramseier, heute Berufsschullehrer in Bern und Vorstandsmitglied des Kochverbands. «Er hat mich seit Lehrbeginn gefördert und ist mittlerweile ein guter Freund. Er schaut meine Rezepte und Gerichte an und kritisiert mich wenn nötig», erklärt Micha Schärer. Michael Ramseier schaue, dass er auf dem Boden bleibe. Tipps im Marketingbereich gibt ihm Jürg Klopfenstein, ehemals Verband Swiss Ski. Er berät Mike Schmid und andere Schweizer Sportgrössen. Jürg

Klopfenstein prüft die Angebote zusammen mit dem jungen Koch, der ihn einmal spontan angefragt habe, ob er ihn beraten könne. «Micha Schärer ist sehr initiativ, hat viele Ideen und baut sich selbst ein Netz auf, um sie zu realisieren», sagt Jürg Klopfenstein. Er komme sympathisch und authentisch rüber und bleibe sich selbst. Das sei wichtig in der Werbung. Generell rät Klopfenstein jungen Leuten, nur Angebote anzunehmen, die zu ihrem Berufsziel und ihrem Job passten. Eine Werbung für Fastfood würde zum Beispiel nicht zu Schärers Ziel passen, eines Tages in der obersten Liga zu kochen. Leben kann man nicht von diesen Engagements. Micha Schärer hat deshalb nach einem kurzen «Gastspiel» im Direktionsrestaurant UBStairs in Zürich eine feste Stelle in seinem Heimatkanton Bern gefunden. Er arbeitet zu 60 Prozent fürs Catering des Restaurants Mille Sens in der Markthalle Bern. «So bleibt mir genügend Zeit fürs mediale und andere Sachen», sagt Schärer. Neben der Promotion verfolgt Micha Schärer nämlich auch eigene Projekte. So hat er seit Januar eine private Homepage namens www. michaschaerer.ch, wo er Tipps zur gesunden Ernährung mit saisonalen Produkten gibt und eine Rezeptdatenbank aufbaut. Im Herbst erscheint im Werd Verlag das Kochbuch «Promis an den Herd!» Prominente präsentieren ihre zwei Lieblingsgerichte. Die Idee stammt von Micha Schärer. «Promis und Essen, das verkauft sich gut, habe ich mir gedacht.» Er fragte beim Verlag, ob dieser interessiert sei an einem solchen Kochbuch. Dort hiess es: «Bring die Promis, dann sehen wir weiter.» Der Koch fragte rund 30 Prominente schriftlich an, ob sie Interesse hätten. Die meisten hatten – wir werden bald erfahren, was bekannte Sportler, Schauspielerinnen, Moderatoren oder Musikerinnen gerne essen. Die Rezepte hat Micha Schärer mit den Prominenten zusammen verfasst und durch kochtechnische Finessen ergänzt.

Offenheit und Flexibilität gefragt Seine nebenberuflichen Engagements machen Micha Schärer viel Spass. «Es gibt viele Kollegen, die sicher besser kochen können als ich. Aber am Schluss kommt es aufs Verkaufen an und man muss präsentieren können», sagt der Jungkoch selbstbewusst. Was braucht es dazu für Eigenschaften? «Man muss offen sein für die Idee der anderen. Wenn du stur bist und nur deine Linie durchziehen willst, bist du relativ schnell weg vom Fenster in den Medien.» Die Medien hätten ein Konzept von ihrer «Story», die nicht unbedingt der eigenen Vorstellung entspreche. Schärer empfiehlt, bei Zeitungen immer zu fragen, ob man einen Text vor der Publikation gegenlesen könne. «Meistens ist das kein Problem.» Sein absoluter Traum? In einer TVSendung kochen, die Fitness, Wellness und ErnähMarc Benedetti rung miteinander kombiniert.

Ivo Adam Ivo Adam war einer der ersten Köche der jüngeren Generation, die von den Medien und der Werbebranche entdeckt wurden. «Ich habe das nie gesucht», sagt der 34-jährige Geschäftsführer der «Seven»-Betriebe in Ascona. «Die Medien sind auf mich aufmerksam geworden und haben sich wohl gedacht: Er hat ein gewisses berufliches Talent, sieht vielleicht gut aus und ist redegewandt.» Diese drei Eigenschaften seien entscheidend für die Medientauglichkeit. In der Werbung habe er sich die Angebote aussuchen können. «Mein wichtigster Tipp ist: Nimm nicht das Erstbeste. Der eigene Name und das Image sind schnell verbrannt. Du solltest deinen Namen nicht für etwas hergeben, hinter dem du nicht ganz stehen kannst.» Ein weiterer Tipp des Spitzenkochs: Weniger ist mehr. Andreas Caminada zum Beispiel mache das souverän. «Er erscheint wenig in der Öffentlichkeit, dafür dort, wo er erscheine, gut und fundiert.» Ivo Adam empfiehlt, sich marketingmässig beraten zu lassen. Gerade die elektronischen Medien seien heute sehr aggressiv. «Sie drücken dir einen Zettel in die Hand auf dem steht, was du sagen sollst und dafür kriegst du dann ein paar Fränkli.» Er habe deshalb als einer der wenigen Köche in der Schweiz einen Manager, seinen guten Freund Roman Tschäppeler. «Wir haben Verträge mit Werbepartnern und bestimmen, was wir machen und was nicht», sagt der Koch. Momentan wirbt Ivo Adam nur für Coop Fine Food und Feldschlösschen.

Ralph Schelling «Ich mache nur Werbung für Sachen, die ich gut finde», sagt Ralph Schelling. Gut findet der Gewinner des Swiss Culinary Cups 2008 die Förderung von qualitativ hochwertigen Produkten schweizerischer und regionaler Herkunft und Nachhaltigkeit. «Für eine Fertigsauce würde ich mein Gesicht nie hergeben», sagt er, «obwohl die Gagen bei der Industrie sicher gut ausfallen würden.» Es sei denn, die Sauce sei gut, fügt er schmunzelnd hinzu, «doch ich habe noch keine gefunden.» Ralph Schelling hat gerne Aufträge, wo er Rezepte kreieren oder Tipps zu Produkten geben kann. Zum Beispiel für «Vivai», das Nachhaltigkeits-Magazin der Migros «für alle, die gesund und bewusst leben wollen». «Ralph Schelling gehört zu einer Generation, zu deren Lifestyle die Bioprodukte wie selbstverständlich gehören», heisst es in einer Reportage, Schelling wird beim Einkaufen und Fachsimpeln mit Verkäufern gezeigt. Er präsentiert ausserdem regelmässig Rezepte im Migros-Magazin und macht mit bei der Serie «Ecken und Kanten» von Hug in dieser Zeitung. Sonst hat der Ostschweizer unter anderem schon für Kisag, Victorinox, MBT (Berufsschuhe) geworben. Und er kreiert die Rezepte für «Cookits», ein junges Startup-Unternehmen in Zürich, das gestressten Gourmets die Zutaten für ein gehobenes Menü fixfertig nach Hause liefert. Ralph Schelling hat einen Kollegen mit Marketingkenntnissen, der ihn bei Medien- und Werbefragen berät. Was sind die Gagen bei solchen Jobs? Darüber spricht Schelling nicht gerne. Trotzdem verrät der junge Koch, dass er einmal 2.500 Franken mit einem Nebenjob verdiente. Da kochte er aber ein Diner für einen Verlag. Fixe Werbeverträge hat er keine. «Ich möchte Koch bleiben und die Gäste glücklich machen», sagt Ralph Schelling, der Chef de partie ist – bei Andreas Caminada auf Schloss Schauenstein.

Hotellerie et Gastronomie Zeitung 20.7.2011  

Ralph Schelling in Hotellerie et Gastronomie Zeitung

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