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Andererseits ist ab ca. 1800 die Geschichte des Geldes nicht mehr identisch mit der Geschichte der Münzen: Mit dem Aufkommen von Banknoten und Staatspapiergeld erweitert sich die Welt des Geldes zu jener der Münzen und Geldscheine, zu welcher in unserer Zeit noch Kreditkarten, Mikrochips und andere Zahlungsmittel stossen. Auch ich habe in meiner Sammeltätigkeit zunächst den Schwerpunkt auf die Münzen der Antike gelegt. Die Schönheit der Meisterwerke des Kimon und des Euainetos, das Lächeln der Quellnymphe Arethusa, der eigene Charakter jeder «Eule» von Athen, die grossartigen Porträts auf den Münzen Roms haben mich bezaubert durch ihre Schönheit und Aussagekraft. Die Symbolkraft und Prägnanz der antiken Münzbilder liess sie der späteren Münzprägung ja immer wieder als Vorbild dienen. So orientiert sich der «Eagle» auf den amerikanischen Dollarmünzen beispielsweise am Adler des Göttervaters Zeus, wie er auf den Münzen von Elis und Olympia erscheint.

Länder und Münzen im Spiegel ihrer Zeit

Hier aber sollen die von der Numismatik vernachlässigten Münzen der letzten 150 Jahre für einmal im Zentrum stehen. Dies auch im Bewusstsein darum, dass die Münzen in unserer Zeit vielleicht am Verschwinden sind oder als Kleingeld der Armen zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Doch Münzen bleiben immer Spiegel ihrer Zeit und legen Zeugnis ab von Wirtschaft und Macht. Nicht zuletzt wurden in den letzten 150 Jahren auch bedeutende Weltwährungen geschaffen: der französische Franc, die Goldmark des Bismarckreiches, das englische Pfund, der spanisch-mexikanische Peso, der russische Rubel, der amerikanische Dollar. Mit den jeweiligen Kolonialreichen stiegen sie auf, mit dem Verfall der Weltreiche verloren die einst globalen Währungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder an Kraft – oder mussten dem Euro weichen …

Jürg Conzett «Direktor» MoneyMuseum

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