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nachgeschlagen werden. Deshalb ist in dieser Publikation jeder Karte ein historischer Komjeweiligen Zeit beschreibt. Die Bilder und Texte vermitteln so einen rasch zugänglichen Über-

blick über die Geschichte des Abendlandes – von der Gründung der frühen Reiche in Mesopotamien bis zur Europäischen Währungsunion.

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Money Museum

Kleiner Atlas zur Weltgeschichte

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Money Museum Gerhard Frick

Was historische Karten uns erz채hlen Kleiner Atlas zur Weltgeschichte


2., vollständig überarbeitete Auflage des «Atlas des Geldes» ??? 2010 © MoneyMuseum by Sunflower Foundation Verena-Conzett-Strasse 7 Postfach 9628 CH-8036 Zürich Telefon: +41 (0)44 242 76 54, Fax: +41 (0)44 242 76 78 Kostenlos erhältlich im MoneyMuseum Hadlaubstrasse 106 CH-8006 Zürich Telefon: +41 (0)44 350 73 80, Büro: +41 (0)44 242 76 54 Weitere Informationen finden Sie unter: www.moneymuseum.com und auf der Media-Seite von: www.sunflower.ch Umschlagbilder: ? Karten: Dagmar Pommerening, Berlin Satz: Oesch Verlag, Zürich Druck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Printed in Germany


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Inhalt

Vorwort des Herausgebers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Altertum Frühe Reiche in Mesopotamien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Assyrien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Neubabylonien (chaldäisches Reich) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Perserreich von 525 bis 331 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ägäis und kretisch-mykenische Kultur um 2000 bis 1400 v. Chr. . . . Die griechische Kolonisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Perserkriege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Feldzüge Alexanders des Grossen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Alexanderreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kelten (Gallier, Galater) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Roms Unterwerfung Italiens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hannibals Tollkühnheit und Roms Standhaftigkeit im Zweiten Punischen Krieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Roms Aufstieg zur Weltmacht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adoptivkaiser und Ende der Reichsexpansion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stabilität des Bestehenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diokletians Tetrarchie (Viererherrschaft) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unaufhaltsamer Zerfall des Reiches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Asiatische Anstösse zur germanischen Völkerwanderung . . . . . . . . . Völkerwanderungswirrwarr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Mittelalter Das Frankenreich König Chlodwigs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fazit der Völkerwanderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Justinians Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen . . . . . . Die Ausbreitung des Islams . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die islamische Welt heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Frankenreich der Karolinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Byzanz 565, 1025, 1265 und 1355 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ottos I. Kaiserreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Weltlage vor dem Jahre 1000 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

Die Kreuzzüge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Hohenstaufenreich von 1152 bis 1250 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Europa zur Zeit Kaiser Friedrichs II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Spätmittelalter zur Zeit Karls IV. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Mongolenreiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Osmanische Reich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Italien zur Zeit der Renaissance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die zentrale Verkehrslage Italiens vor den Entdeckungen . . . . . . . . . . Habsburger Herrschaftsgebiete am Ende des Mittelalters . . . . . . . . .

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Neuzeit Europa im 16. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mayakultur und Aztekenreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die iberische Kolonisierung Amerikas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verschiedene Weisen der Kolonisierung Amerikas . . . . . . . . . . . . . . . Die 13 Neuenglandstaaten und die Gründung der USA . . . . . . . . . . . Das Wachstum der USA an Land . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Asien im 16. und 17. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Handelsnetz der Holländer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Holländischer Kolonialismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die anglo-holländischen Kriege von 1652 bis 1673 . . . . . . . . . . . . . . Asien im 18. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Europa in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . Der Spanische Erbfolgekrieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die osteuropäische Mission Habsburg-Österreichs . . . . . . . . . . . . . . Die Ausbreitung des Maria-Theresien-Talers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Ausdehnungsgebiet des spanischen Pesos . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Industrialisierung Englands im 18. und 19. Jahrhundert . . . . . . . . Das napoleonische Reich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Europa nach dem Wiener Kongress . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Einwanderung in die USA im 19. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . Der Sezessionskrieg zwischen Union und Konföderation . . . . . . . . . . Die maritime Expansion Amerikas von 1865 bis 1917 . . . . . . . . . . . . Das britische Empire vor 1900 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Ausbreitung des englischen Pfundes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eisenbahnnetze und industrielle Revolutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Lateinische Münzunion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Einflussgebiet der Lateinischen Münzunion um 1900 . . . . . . . . . Europa 1914 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Ausbreitung des US-Dollars . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Europas Nachkriegsepoche von 1945 bis 1989 . . . . . . . . . . . . . . . . . Europa und grosse Wirtschaftsräume zu Beginn des 21. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Vorwort des Herausgebers

Geografische Karten haben auf den ersten Blick nur wenig mit Münzen und Geldscheinen gemein. Doch sind diese Gebrauchsobjekte beredte Zeugen der Geschichte, sie künden von Entstehung, Blüte und Zerfall von Reichen, von den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Zeit. Karten machen ausserdem sichtbar, wie Grenzen sich im Laufe der Zeit verändern, sei es durch Kriege oder durch gesellschaftliche, demografische und klimatische Entwicklungen. So wie sich die historische Entwicklungen auch im Aufstieg und Niedergang von Währungen spiegeln. Raum und Zeit sind die Dimensionen, in denen sich die Geschichte der Menschheit abspielt. Der geografische Raum beeinflusst Charakter und Handeln seiner Bewohner oft entscheidend. Wer zum Beispiel Griechenland auf einer Landkarte betrachtet, begreift sehr gut, dass die griechische Welt mit ihren zahllosen Inseln und Halbinseln, mit den von schroffen Gebirgen voneinander getrennten Tälern in der Antike zur Bildung von Kleinstaaten prädestiniert war. Auch dass die Ägäis zur Seefahrt lockte und damit Weltoffenheit, Handel und die Verbreitung griechischer Kultur förderte, wird durch den Blick auf die Karte klar. Karten – wie Münzen – sind für den historisch Interessierten aber nicht immer einfach zu lesen. Denn der dazugehörende geschichtliche Zusammenhang muss meist erst mühsam nachgeschlagen werden. Deshalb ist in dieser Publikation jeder Karte ein historischer Kommentar beigesellt, der wichtige politische und kulturelle Entwicklungen und Ereignisse der jeweiligen Zeit beschreibt. Die Bilder und Texte vermitteln

so einen rasch zugänglichen Überblick über die Geschichte des Abendlandes – von der Gründung der frühen Reiche in Mesopotamien bis zur Europäischen Währungsunion. Mit Dr. Gerhard Frick, Historiker und Autor einer vielgerühmten «Weltgeschichte in Zusammenhängen», zeichnet ein ausgewiesener Fachmann für die historischen Kommentare verantwortlich. Fundiertes Wissen, gepaart mit einem sicheren Verständnis für historische Sinnzusammenhänge, erlaubt es ihm, mit wenigen Sätzen pointierte Aussagen zu machen. Dabei zeigt er immer wieder auf, wie Welten (auch Geisteswelten) sich aufeinander zu oder voneinander weg entwickelt und in geografischen Gebilden niedergeschlagen haben. Die Fokussierung auf die grösseren Zusammenhänge bringt es dabei mit sich, dass in diesem Band die «Haupt- und Staatsaktionen» mehr Raum finden als die alltägliche Welt der Leute von einst. Denn gerade bei der Expansion und beim Zerfall von Staaten haben sie – darunter auch die in der heutigen Geschichtsschreibung unbeliebten Kriege – eine massgebliche Rolle gespielt.

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Altertum Frühe Reiche in Mesopotamien

noch übliche Zeiteinteilung (zu 24 Stunden, 60 Minuten etc.) und die Siebentagewoche mit ihren ebenfalls bis heute perennierenden Götternamen.

Die sicherlich nicht vom Menschen verursachte Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit, um 10000 v. Chr., bewirkte, dass die Nomaden aus den Gebieten, die Wüste wurden, zum Wasser drängten – aus der Sahara zum Nil und aus der arabischen Halbinsel zu Euphrat und Tigris. Die dort sich verdichtende Bevölkerung erlaubte Arbeitsteilung, sodass künstliche Bewässerung möglich wurde, dank der die grosse Zahl von Menschen ernährt werden konnte. Dabei hatten sich – wohl notwendigerweise – staatliche Ordnungen (Monarchien) etabliert. Die Arbeitsteilung erlaubte auch höhere Kultur: Die Sumerer (um 3000 v. Chr.) hatten schon früh Schöpfräder und den Gewölbebau erfunden; schliesslich hinterliessen sie unter vielem anderem das Gilgamesch-Epos mit der Sintflutsage sowie die immer

In dem von Meeren, Wüsten und Gebirgen umgrenzten Land mochte Sargon I., König von Akkad, um 2230 v. Chr. glauben, die Welt zu beherrschen, als er sich rühmen konnte, «vom oberen bis zum unteren Meer» (vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf) keinen Feind mehr zu haben. – Erwähnenswerter: Der babylonische König Hammurabi liess um 1700 v. Chr. die älteste erhaltene Gesetzessammlung aufschreiben, die weit mehr Weisheit überlieferte, als ihr von Moses übernommenes und allbekannt gewordenes Prinzip «Auge um Auge, Zahn um Zahn» erwarten lässt. – Assyrer und Perser haben dann aber vor allem die Idee der Weltherrschaft über das Zweistromland hinaus expandiert.

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Assyrien Die Assyrer boten ein erstes Beispiel dafür, wie das Zusammengehörigkeitsgefühl auf Grund gemeinsamer Abstammung (Nationalismus) mit Pseudoreligion vertuscht und überhöht werden kann, sodass scheinbar nicht mehr bloss das egoistische Machtstreben der Völker Geschichte macht, sondern eine angeblich höhere Gewalt. Die Assyrer glaubten, im Auftrag ihres Gottes Assur die Welt erobern zu müssen, und das mit unerhörter Grausamkeit; Gefangene wurden geschunden – im Namen Assurs wurde ihnen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. Vor diesem Gott galt das Abschlachten ganzer Völkerschaften als Ruhm. Und doch haben diese Assyrer eine Bildhauerei von grandioser Erhabenheit kreiert – imposante

geflügelte Stier- und Löwenfiguren mit Menschenkopf wachten vor den Palästen. Mit solchen Werken wurden sogar die babylonischen Lehrmeister übertroffen, die militärisch zwar von den Assyrern besiegt, aber trotzdem den neuen Herren die von den Sumerern geerbte Kultur auch wieder zu vererben vermochten. Sanherib, der um 700 v. Chr. Babylon dem Erdboden gleichgemacht und Ninive gegründet hatte, verleugnete seinen Vater, um sich als Nachkomme des sumerischen Helden Gilgamesch auszugeben. Sein Enkel Assurbanipal hinterliess eine Bi-bliothek von 22000 Tontafeln, darunter Werke über Astronomie und Mathematik sowie eine Fassung eben jenes ältesten Epos, das Gilgameschs vergebliche Suche nach dem ewigen Leben erzählt.


Neubabylonien (chaldäisches Reich)

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Neubabylonien (chaldäisches Reich) Wie die Assyrer Babylon zerstörten, so zerstörten um 700 v. Chr. Chaldäer und Meder Ninive und das assyrische Reich, worauf Babylon um 600 v. Chr. wiederaufgebaut und sogar zur grössten Stadt des Altertums wurde (2 Millionen Einwohner, Rom nur anderthalb). König Nebukadnezar machte die Stadt zur anscheinend uneinnehmbaren Festung mit doppelt geführten, je 8 Meter dicken Mauern und vielen Türmen. Dem Gott Marduk erbaute er den 91 Meter hohen Stufentempel, den «Turm von Babel», seiner Gattin den Palast mit den stellenweise über die Flachdachkante herab-«hängenden Gärten» und sich selbst den Bau, dessen glasierte farbige Ziegel weit über das Land hin leuchteten. Doch 20 Jahre nach Nebukadnezars Tod,

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539 v. Chr., öffneten die Mardukpriester dem persischen Weltreichgründer Kyros die Tore der vermeintlich uneinnehmbaren Stadt, weil der letzte König von Babylon seinen Lieblingsgott Sin (den Mond) über Marduk (die Sonne) gestellt hatte. Der Sohn des letzten Königs Belsazar starb im Verteidigungskampf. – Der Fall Babylons beendete die Babylonische Gefangenschaft der Juden, die 587 v. Chr. bei der Einnahme und Plünderung Jerusalems Widerstand geleistet hatten und deportiert worden waren. Begreiflicherweise hat die Bibel von dieser Zeit äusserst negative Bilder überliefert: Nebukadnezar als wahnsinniger Tyrann und seine Residenz als Inbegriff der sündigen Grossstadt, der «grossen Hure Babylon». Zutreffend schrieb jedenfalls der Prediger Salomo: «Ein jegliches hat seine Zeit (…). Steine zerstreuen und Steine sammeln (…). Es ist alles eitel.»

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Persischer Grösste Ausdehnung des Babylonischen Reiches unter Nabonid (555–539 v. Chr.) Tema

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Das Perserreich von 525 bis 331 v. Chr.

Grösste Ausdehung des Perserreiches

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Das Perserreich von 525 bis 331 v. Chr. Ein bei der damaligen Verkehrstechnik erstaunliches Grossreich schufen die Perser, die ihr um 2000 v. Chr. erwandertes Hochland zur Unterscheidung von der semitischen Umgebung Aryana, «Land der Arier» (der Vornehmen), nannten. Daran erinnert heute noch der Name Iran. Anfangs den Medern untertan, erhoben sich die Perser unter Kyros und wandelten das medische Reich in ein persisches um, erweiterten es und vereinigten dank der religiösen Toleranz des

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Grosskönigs die verschiedensten Völker in einer grossen Ordnung. In den Provinzen wurden Satrapen (Statthalter) eingesetzt, die ihren Verwaltungsbezirk selbständig, aber verantwortlich regierten; sie wurden von geheimen Agenten, «den Augen und Ohren des Grosskönigs» kontrolliert. Feuersignale als eine Art von Telegrafie, vor allem aber vorzügliche Strassen dienten dem Zusammenhalt des Reiches. Auf der Königsstrasse verkehrte die erste regelmässige Post der Weltgeschichte, freilich nur im Dienste der Herrschaft.


Ägäis und kretisch-mykenische Kultur um 2000 bis 1400 v. Chr.

Ägäis und kretisch-mykenische Kultur um 2000 bis 1400 v. Chr.

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oben ohne die Damen – aus dem 2. vorchristlichen Jahrtausend vermitteln. Und tatsächlich standen die Kreter um 1500 v. Chr. nach einer fünf Jahrhunderte dauernden Entwicklung vor dem Ende ihrer Zeit. Um 1400 v. Chr. zerstörten die einwandernden griechischen Achäer die kretischen Städte.

Die erste europäische Hochkultur verdankte ihre Genese der Ausstrahlung des Morgenlandes: «Ex oriente lux.» Das kommt auch in der Sage zum Ausdruck, nach der Zeus in Stiergestalt die phönizische Königstochter Europa nach Kreta und somit in die nach ihr benannte Welt entführte, wo sie seinen Sohn Minos gebar. Tatsächlich bezeugt die kretische, auch minoisch genannte Kultur eine Stiergottheit. Ein Altar erinnert an Stierhörner; und Wandmalereien im prachtvollen labyrinthartig angelegten Palast von Knossos zeigen Jünglinge und Mädchen, die über einen Stier springen. Es ist aber nicht eine urtümlich primitive, sondern augenscheinlich eine späte, lange verfeinerte Kultur, was die Darstellungen der hocheleganten, mit Metallgürteln eng geschnürten Gesellschaft – bartlos die Herren,

Aber wie so oft wurden die militärisch siegreichen Barbaren kulturell ihrerseits besiegt. Die Achäer ahmten die kretische Architektur, freilich vergröbert, nach und bauten auf der Peloponnes nun selber Städte mit wuchtigen Burgen aus mächtigen Steinquadern («Kyklopenmauern»), so Tiryns und, besonders zu erwähnen, Mykene, das für diese minoische Nachfolgekultur namengebend wurde. Homers «Ilias» nennt Agamemnon, den König von Mykene, als Anführer im Trojanischen Krieg. Tatsächlich wurde Troja auch einmal von Achäern erobert. Thrakien

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Griechenland (750 v. Chr.) Küste unter griechischem Einfluss (ungefähres Gebiet)

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Ägypten

Küste unter phönizischem Einfluss (ungefähres Gebiet)

Die griechische Kolonisation Von 800 bis 500 v. Chr. entstanden viele griechische Pflanzstädte vom Schwarzen Meer über manche Strecken der Mittelmeerküsten bis nach Spanien. Viele erinnern heute noch mit ihrem Namen an den griechischen Ursprung: Byzanz (älterer Name von Istanbul) an Byzantion, Rhodos, immer noch gleichnamig, an Rhodos, Syrakus an Syrakusai, Agrigent an Akragas, Marseille an Massalia, Neapel an Neapolis, Tarent an Taras, Reggio an Rhegion. Unteritalien wurde zu «Grossgriechenland». Bis zu ihrem Erstarken

blieben die Tochterstädte von ihren Mutterstädten in Griechenland abhängig. Danach aber entwickelten sie sich selbstständig und verbreiteten damit in Europa die Idee der freien Polis, wie sie in Griechenland beispielgebend entwickelt worden war. Von den Phöniziern, die die südliche Mittelmeerküste stellenweise – ebenfalls bis zur Iberischen Halbinsel – kolonisierten, wirkte nicht ebenso viel Zukunftsträchtigkeit nach, abgesehen von Karthago, das aber schon 146 v. Chr. zerstört wurde.


Die Perserkriege

15

Die Perserkriege Schlachtenszenen und Kriegsverläufe sind heutiger Geschichtsschreibung nicht mehr genehm, oft mit Recht. Die Zurückhaltung darf aber keineswegs die Perserkriege betreffen, weil diese nun einmal einzigartig weichenstellend die Zukunft bestimmten und wohl sogar notwendig waren, damit Europa, das physisch ein ausgefranster Zipfel der asiatischen Landmasse wäre, – den geographischen Definitionen zum Trotz – ein besonderer Kontinent werden konnte. Das bedeutete damals beispielsweise, dass man sich in dem werdenden Europa nicht bäuchlings auf den Boden legen wollte, wie es in dem ungeheuer grossen Perserreich geboten war, wenn einem der Grosskönig eine Audienz gewährte. – Wenn übrigens ein Begriff so allgemein bekannt ist wie der Marathonlauf, dann muss es erlaubt sein, an

jene Schlacht zu erinnern, wo 490 v. Chr. ein kleines Heer dank Intelligenz über ein weit grösseres, besser bewaffnetes triumphierte und wo der Siegesbote, um Athen von Angst zu befreien, sein Leben einsetzte. – Es gibt ein historisches Gebot der Dankbarkeit für die rettenden und opferbereiten Taten früherer Geschlechter. Verdankenswert und erstaunlich ist auch heute noch der geniale Plan des Themistokles, der 480 v. Chr. die Athener dazu brachte, ihre Stadt der Eroberung und Zerstörung durch das persische Landheer preiszugeben und alles Heil auf den Schiffen zu suchen, für Frauen und Kinder auf der Insel Salamis. Denn der dortige, entscheidende Sieg konnte nur in dem engen Sund erhofft werden, wo die Überlegenheit der kleinen und wendigen Schiffe der Griechen über die schwerfällig grossen der Perser zur Geltung kam.

Illyrien

Byzanz

Thrakien

A b d e ra

MARMARAMEER

Makedonien Pella

Thassos

Chalkidike

Phrygien Lemnos

Epirus

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Larissa

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Lesbos

MEER

IONISCHES MEER

Ätolien

Lokris

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Persisches Reich (497 v. Chr.) Persische Eroberung (492 v. Chr.)

Ionien

Attika

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Ephesos

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Kykladen

Neutrale und pro-persische Staaten Griechische Verbündete

Chios A t h e n M a ra t h o n

Lakonien

Milet

Naxos

Weg des Mardonios zu Wasser und zu Lande (492 v. Chr.) Weg des Datis und Artaphernes zu Wasser (490 v. Chr.) Weg des Xerxes zu Wasser und zu Lande (480 v. Chr.)

Ky t h e r a

Rhodos

Karien


16

Die Feldzüge Alexanders des Grossen

Kaspisches Meer

Schwarzes Meer

Donau

Illyrien

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Taschkent

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Mittelmeer Alexandria (vorm. Rhakotis)

Tyros Samaria

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Ägypten

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Weg Alexanders des Grossen (334–323 v. Chr.)

Weg des Nearchos (325 v. Chr.)

Die Feldzüge Alexanders des Grossen Fast unglaublich mutet es an, dass Alexander, als König des kleinen Makedoniens und unerwünschter Feldherr der Griechen, das riesige Perserreich zu erobern vermochte, indem er in den aussichtslos scheinenden Schlachten von Issos (333 v. Chr.), Arbela und Gaugamela (331 v. Chr.) dank unerhört überraschender Taktik siegte und dank der gewaltigen Marschleistung seiner Makedonen (oft 60 Kilometer pro Tag) den Grosskönig Darius III. in nützlicher Frist bis nach Sogdiana (Usbekistan, auf der Karte mit Samarkand angedeutet) und bis in die Gebirge von Baktrien (Afghanistan) verfolgen und beerben konnte.

Bukephala

Ghazni

Pasargadai

Memphis Ammonion

Baktra Herat

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Babylon

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Ekbatana

Samarkand

Nautaka

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Alexandria (Golashkerd) Harmozia

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Sangala Pura Gwadar

Arabisches Meer

327 bis 325 v. Chr. unternahm der wissbegierige Schüler des Aristoteles, begleitet von Gelehrten, einen Indienzug, um die östlichen und südöstlichen Grenzen der bewohnten Welt zu suchen. Eine Meuterei des doch endlich eroberungssatten Heeres zwang ihn zur Rückkehr, die aber doch noch dazu dienen sollte, durch eigens gebaute Schiffe einen allfälligen Seeweg von Indien nach Mesopotamien zu erkunden. Die Flotte unter dem Kommandanten Nearchos fand schliesslich den schmalen Zugang zum Persischen Golf und war gerettet, während vom Landheer in der Wüste Gedrosia (Pura, Belutschistan) viele verdursteten. Alexander soll dort die letzte Flasche Wasser, die ihm gebracht wurde, vor aller Augen ausgeschüttet haben.

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Pattala

Indien


Das Alexanderreich

17

Das Alexanderreich

der Durchdringung des damals bekannten Ostens auch den damaligen Westen erobern. Die einst im mesopotamischen Akkad aufgetauchte Idee der Weltherrschaft erschien im Bereich des Möglichen; denn wo sollte dem einzigartig erfolgreichen Draufgänger entscheidender Widerstand entgegentreten? Rom beherrschte noch nicht einmal Italien und war in peinliche Kämpfe mit dem tapferen Bergvolk der Samniten verstrickt. Der äusserst gefährliche zusätzliche Kampf blieb der Stadt, die später Alexanders Vision weitgehend verwirklichen sollte, erspart; denn Alexander starb 323 v. Chr., 33-jährig, nicht in einer Schlacht, sondern an einem Fieber (wie die Ärzte in Unkenntnis der eigentlichen Krankheit den Tod mit dem Symptom erklärten) in Babylon, der bereits bestimmten Hauptstadt des geplanten griechisch-makedonischen Weltreichs.

Ein verwegenes Unternehmen war es, das Perserreich zu erobern; ein anderes und fast noch schwierigeres war es, dieses Reich mit völlig landesfremden makedonischen Offizieren zu verwalten. Deren Selbstbewusstsein widerstrebte anfänglich dem schlechterdings notwendigen Befehl Alexanders, persische Frauen zu heiraten und sich von den ehemaligen Satrapen beraten zulassen. Mit diesem trotz heftigem Widerstand durchgesetzten Entgegenkommen zugunsten der Besiegten wurde – wie noch oft, aber gar nicht immer in der Geschichte – die Fremdheit der Sieger gemildert, die Ordnung einigermassen gewahrt, und deren kulturelle Vorzüge wurden den neuen Herren auferlegt. Doch damit nicht genug, wollte Alexander nach Iberien

Numidien

Karthago

Italien

Aralsee

Rom

Sizilien

Pella

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Thrakien Schwarzes Gordion

Sardis

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Kreta Zypern

Kyrene

Libyen

Tyros Alexandria

Syrien Gaza

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Indien

Babylon Persepolis

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Grenze des Alexanderreiches (323 v. Chr.) Machtbereich Karthagos

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Sparta

Mittelmeer

Kaspisches Meer

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Sardinien

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Persischer Golf

Arabisches Meer


18

Kelten (Gallier, Galater)

Nordsee Ostsee Elb e

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Rom

Kleinasien Galater Mittelmeer Hauptsiedlungs- und -einflussgebiet der Kelten in der mittleren La-Tène-Zeit (um 200 v. Chr.)

Kelten (Gallier, Galater) Die Kelten (lat. celtae und galli, davon dt. Gallier und frz. gaulois) waren Völker einer indogermanischen Sprachgruppe, die ihr Kerngebiet im westlichen Mitteleuropa hatten und ihren wichtigsten Beitrag an die Kulturgeschichte schon in der Prähistorie – in der Bronze- und in der Eisenzeit – erbrachten (in Mitteleuropa 2000–1200 v. Chr. und nach 1200 v. Chr.). An der Umstellung von Bronze- auf Eisenwerkzeuge und -waffen beteiligten sich die handwerklich geschickten Kelten massgebend; und mit dem Salzabbau, der besonders in den Bergwerken von Hallstatt florierte, ermöglichten sie die Konservierung und damit den überregionalen Transport verderblicher Nahrung. Die Ausgrabungen bei Heuneburg bezeugen Handelsbeziehungen bis zum Mittelmeer.

Delphi

Kleinasien

Namentlich in der jüngeren Eisenzeit nach 500 v. Chr. (auch La-Tène-Zeit genannt, nach dem Fundort eines riesigen Waffenlagers) rückten die Kelten zu kriegerischen Wanderzügen aus, die im Westen bis nach Spanien führten, wo ein keltiberischer Bevölkerungsteil entstand, und im Osten bis nach Kleinasien, wo ein Stadtteil Konstantinopels und ein Brief des Apostels Paulus an die Galater erinnert. Vielfach war der Süden das Ziel. Rom wurde noch 387 v. Chr. vom keltischen Fürsten Brennus gedemütigt und geplündert. Die Poebene wurde Gallia cisalpina. Die keltischen Helvetier gelangten 107 v. Chr. bis an die Garonne, 58 v. Chr. wurden sie allerdings von Caesar heimgeschickt, der danach ganz Gallien eroberte, das bald darauf die Sprache Roms annahm. Keltisch überlebte in Irland (Gälisch), in Berggebieten Schottlands, in Wales (Walisisch) und in der Bretagne.


Roms Unterwerfung Italiens

19

Roms Unterwerfung Italiens

gegeneinander auszuspielen, indem es mit jedem – freiwillig oder gezwungenermassen – bündnisbereiten Partner einen besonderen, bilateralen Vertrag schloss und somit ein multilaterales Bündnis, in welchem Rom keine Sonderstellung gehabt hätte, verhinderte.

Rom, nur eine von mehreren latinischen Städten, verstand es im 3. Jahrhundert v. Chr., die ganze italienische Halbinsel an sich zu binden. Nach erfolgreichen militärischen Aktionen siedelte es jeweils im Gebiet der besiegten Feinde seine besitzlosen Jungbürger an, die dann ihre Bürgerkolonie im eigenen Interesse und mit Roms Hilfe verteidigten und so dessen Macht, Sprache und Kultur verbreiteten. Zudem wusste Rom die vielen verschiedenen Völker Italiens nach dem Prinzip «Divide et impera!» (Teile und herrsche!)

Zum Zusammenhalt des Staatsgebildes dienten wie in Persien die Strassen, vornehmlich die Via Appia, die schliesslich bis Brindisi führte, und die Via Flaminia nach Pesaro. Die Poebene gehörte noch nicht zu Italien.

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Bundesgenossen und tributpflichtige Gebiete

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Römisches Gebiet mit Kolonien (264 v. Chr.)

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20

Hannibals Tollkühnheit und Roms Standhaftigkeit im Zweiten Punischen Krieg

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Carthago Hadrumetum

Hannibals Tollkühnheit und Roms Standhaftigkeit im Zweiten Punischen Krieg Man mag sich wundern, in einer kulturell orientierten Folge von Kartenbesprechungen einen Feldzug beachtet zu finden, der scheinbar nur kriegsgeschichtliches Interesse auf sich zieht. Es ging aber bei Hannibals Feldzug von Spanien (218 v. Chr.) über die Pyrenäen und über die noch fast unbekannten, gefahrvollen Alpen ins Pogebiet keineswegs nur um Macht. Und auch, als der punische Feldherr nach dem verlustreichen Alpenübergang mit dem bereits auf 20000 Fusssoldaten, 6000 Reiter und wenige Elefanten zusammengeschmolzenen Heer in genialen Schlachten die grossen Armeen Roms besiegte und 16 Jahre lang ohne Nachschub die italienische Halbinsel verwüstete, ging es sehr wohl um Kultur. Denn die Frage war gestellt, ob die noch primitiven Entwicklungsgebiete am westlichen Mittelmeer vom nördlichen oder vom südlichen Ufer her erschlossen würden. Auch ohne Werturteil lässt sich sagen, dass die Weltgeschichte jedenfalls anders verlaufen wäre, wenn die damalige Zukunft nicht von Rom mit seinem nüchter-

Rückweg Ha

nnibals (203

v. Chr.)

nen politischen und juristischen Ordnungssinn bestimmt worden wäre, sondern von Karthago mit seiner phönizischen Kultur, die sich von Exzessen, beispielsweise vom Menschenopfer für Baal und Moloch, noch nicht deutlich distanziert hatte. Latein, um 500 v. Chr. die Sprache eines winzigen Gebietes von etwa 800 Quadratkilometern, wäre nicht die Mutter der vielen romanischen Sprachen in aller Welt geworden. Viele Folgen sind nicht auszudenken. In dieser Perspektive – hinsichtlich unserer vertrauten Welt – ist den Römern und ihren Bundesgenossen wohl heute noch für die unvorstellbar gewordene Tapferkeit zu danken. Nach der beispiellosen Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) – über 70000 Römer wurden an einem einzigen Tag in lähmend enger Umfassung hilflos abgeschlachtet – weigerte sich der Senat, den karthagischen Friedensunterhändler auch nur zu empfangen. Das römische Wertbewusstsein hielt stand, bis endlich, 202 v. Chr., die letzte Schlacht und damit der Krieg doch noch gewonnen wurde.


Roms Aufstieg zur Weltmacht

21

Roms Aufstieg zur Weltmacht

Bildung einer starken Armee, welche die uneingeschränkte Macht in Rom selbst erzwingen sollte. Die Aspiranten der Alleinherrschaft – Pompeius, Crassus und Caesar – gründeten 60 v. Chr. das erste Triumvirat. Doch mit Caesars Eroberung Galliens erwarb dieser sich nicht nur ein sieggewohntes Heer, er brachte auch die mediterrane Kultur, namentlich das Latein, aus dem sich später das Französische entwickelte, in die nördlichen Gegenden, und wurde so ein «Vater Europas».

Mit der schon im Ersten Punischen Krieg erkämpften Seeherrschaft über die Karthager erreichte Rom, dass die antike Kultur, die bisher nur im Orient und am östlichen Mittelmeer in grösserem Umfange geblüht hatte, sich rund ums Mittelmeer ausbreitete. Mit Pompeius’ Feldzug im Osten (66–63 v. Chr.) begann eine Reihe von Eroberungskriegen, in denen es dem jeweiligen General nicht nur um die Einverleibung fremden Territoriums ging, sondern vor allem um die

Oceanus Atlanticus (Atlantischer Ozean)

Liger

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Dacia Gallia Cisalpina

Pontus Euxinus (Schwarzes Meer)

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Das Römische Reich zu Beginn der Bürgerkriege (133 v. Chr.) Erwerbungen bis zum Abschluss des 1. Triumvirats (60 v. Chr.) Erwerbungen bis zum Tode Caesars (44 v. Chr.)

ia hyn r.) Bit v. Ch (74

Asia Asia (116 v. Chr.) (133 v. Chr.)

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Von Rom abhängige Staaten

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(49 v. Chr.)

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22

Adoptivkaiser und Ende der Reichsexpansion

Britannia (43 n. Chr.) Londinium

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Augusta Treverorum

Germania

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Pontus Euxinus (Schwarzes Meer)

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Byzantium Neapolis

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Galatia (25 v. Chr.)

ocia pad r.) Cap7 n. Ch (1

Carthago

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Erwerbungen (31 v. Chr. – 117 n. Chr.)

Mare Internum (Mittelmeer)

Vorübergehende Erwerbungen Reichsgrenze (138 n. Chr.)

Adoptivkaiser und Ende der Reichsexpansion Das Römische Reich erlangte seine grösste Ausdehnung unter Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.), der nach relativ raschen Eroberungen 106 die Provinzen Arabia und 107 Dacia (Rumänien) errichtete, schliesslich 115 Armenia und sogar die einstigen Weltreichzentren: Mesopotamia und Assyria. Doch schon der nachfolgende Kaiser, der vom sterbenden Trajan oder – wahrscheinlicher – von dessen Frau in des Kaisers Namen adoptierte Hadrian (117–138) gab die letzten Eroberungen sogleich (noch 117) wieder preis und bekundete damit die Einsicht, dass das Reich nicht noch weiterer Grösse bedurfte. Immerhin hielt er, einem Aufstand zum Trotz, Dakien fest, das sich, wie der Name Rumänien bekundet, romanisieren liess und darum als erfolgreiche, vielleicht sogar sinnvolle Eroberung gelten kann. Den Aufstand der Juden (134/35) unter dem angeblichen Messias Bar Kochba liess der friedliebende Kaiser blutig niederschlagen; die Überlebenden wurden in alle Welt deportiert. Auf Reichsverteidigung bedacht, vollendete Had-

Regnum Parthorum T

igr M is (115 esopo –11 tami 7 n. a C hr.) Euphrates

Sicilia

Mauretania (42 n. Chr.)

Armenia (114–117 n. Chr.)

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Rhodus (74 n. Chr.)

Damascus

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Arabia (105 n. Chr.)

Aegyptus (30 v. Chr.)

rian den Limes, den Grenzwall zwischen Donau und Rhein, und errichtete eine weitere Mauer, den Hadrianswall, an der Grenze Britanniens. Getreu der Regel, die Trajans Adoptivvater Nerva ausgegeben hatte, der Kaiser müsse den tüchtigsten Bürger des Reiches als seinen Nachfolger adoptieren, wählte sich Hadrian den frommen Antoninus Pius zum Sohn: einen Kaiser, der sagte, es sei besser, einen Bürger am Leben zu erhalten, als 1000 Feinde zu töten. Seinerseits adoptierte Antoninus den weisen Stoiker Marc Aurel (161–180), der lehrte, man solle Böses nicht mit Bösem vergelten. Wenn man bedenkt, wie viel Irrtum und Unglück die Frage nach dem rechtmässigen Nachfolger des Machthabers je und je verursacht hat, erscheinen die erwähnten Adoptivkaiser als treffliche Beispiele einer klugen Regelung. Doch schon Marc Aurel, ausgerechnet der Philosoph, verriet das erfolgreiche Prinzip, indem er seinen missratenen Sohn Commodus – vielleicht nur Sohn seiner Frau – als Kaiser einsetzte.


Stabilität des Bestehenden

23

Stabilität des Bestehenden Die Karte des Reiches um 220 n. Chr. wäre nicht unbedingt nötig, da sie sich nur wenig von jener des Reiches um 138 unterscheidet. Doch gerade mit dieser Ähnlichkeit mag sie zeigen, wie stabil dieses Imperium weiter bestand, obwohl es von den Vorläufern der nahenden Völkerwanderung schon seit 105 bedroht war und obwohl die Kraftquellen, die es einst gebildet hatten, versiegt waren. Es war nicht mehr das römische Bauerntum, woraus die Legionen gestellt wurden. Namentlich Hannibal hatte die tiefe Nachwirkung hinterlassen, dass die einst selbstbewussten Kolonisten aus dem verwüsteten Italien nach Rom zogen, um dort für ihr Stimmrecht Brot und Spiele zu konsumieren. Es war nicht mehr das römische Bürgertum, woraus die Caesaren hervorgingen, es waren immer öfter die mehr und mehr germanischen oder syrischen Legionen, die die Kaiser ausriefen.

212 verlieh Caracalla allen Freien im Reich das bisher nur selten gewährte römische Bürgerrecht. So wurde es möglich, dass 218 ein 14-jähriger Baalspriester mit dem Rom-fernen Namen Elagabal römischer Kaiser wurde, der seine Grossmutter regieren liess, während er mit tanzenden nackten Priesterinnen und einem phallusförmigen Götzenbild Orgien feierte, bis ihn Soldaten seiner Garde in einer Latrine ertränkten. Trotz solchen Zerfallserscheinungen hatten die von Hadrian stellenweise befestigten Grenzen noch weit über das Jahr 220 hinaus Bestand, mit einigen Umstrukturierungen bis 375. Denn Verkehr und Handel, die guten Strassen, der De-nar als überall gültige Währung, die lateinische sowie auch die griechische Sprache und das überlegene römische Recht hatten das Reich zur organischen Einheit werden lassen, das im Beharrungsvermögen des Faktischen ruhte.

Hadrianswall

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Oceanus Atlanticus (Atlantischer Ozean) Lutetia Liger Parisiorum

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Vindobona Mediolanum Genua Tagus

Pontus Euxinus (Schwarzes Meer)

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Römisches Reich (um 220 n. Chr.) Limes Hadrianswall

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Damascus


24

Diokletians Tetrarchie (Viererherrschaft)

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Mare Internum (Mittelmeer)

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Aegyptus

Diözesen unter Constantius Diözesen unter Maximian Diözesen unter Galerius Diözesen unter Diokletian Hauptorte der Reichsteile

Diokletians Tetrarchie (Viererherrschaft) Der im Militär aufgestiegene, 284 zum Kaiser ausgerufene Sklavensohn Diokletian verpasste dem von Thronstreitigkeiten geschwächten, von Christen in Frage gestellten und von Germanen bedrängten Römischen Reich eine straffe Bürokratie, indem er es in vier ungleiche Teile gliederte, von denen er einen von einem zweitrangigen und zwei von zwei drittrangigen Mitkaisern regieren liess. Die Reichsteile waren in Diözesen und diese in Kleinprovinzen aufgeteilt, sodass ein Heer von Beamten aus dem Offiziersstand verwendbar wurde. Diokletian, der mit dem Titel «Augustus» in Nikomedia die Herrschaft über den Osten und die Oberhoheit des Gesamtreiches innehatte, adoptierte als drittrangigen

Unterkaiser mit dem Titel «Caesar» den einstigen Hirtenknaben Galerius, der in Sirmium (westlich von Belgrad) regierte, während der zweitrangige Maximian, ebenfalls Augustus, in Mailand residierte und als Caesar den Constantius zu adoptieren hatte, um ihn in Trier einzusetzen. Rom war also nicht einmal mehr Nebenkapitale. Die christliche Weigerung, dem angeblich göttlichen Kaiser Opfer darzubringen, bestrafte Diokletian mit den schlimmsten Christenverfolgungen; viele damalige Märtyrer, wie Sebastian, Florian, Katharina, Mauritius und Pankraz, blieben bis heute in Erinnerung. – Nur Constantius in Trier schonte die kühnen Gläubigen, was seinem Sohn Constantin bald zum Vorteil gereichte.


Unaufhaltsamer Zerfall des Reiches

25

Unaufhaltsamer Zerfall des Reiches

dass Jesus Mensch gewesen sei, verdammt wurde.

Diokletians Adoption des Galerius zum Caesar und Nachfolger und auch seine römisch amtspflichtbewusste Abdankung (305) konnten die befürchteten Nachfolgestreitigkeiten nicht verhindern. Sieger und Alleinherrscher wurde 324 des Constantius’ Sohn Constantin, der sich auf die – trotz oder wegen der Verfolgungen – zur stärksten Kraft gewordenen Christen stützte. Um diese als siegende Kraft zu erkennen, hatte Constantin das Kreuzeszeichen am Himmel mit dem IHS («In hoc signo vinces») gewiss nicht nötig gehabt. Sein Toleranzedikt machte denn auch das Christentum noch keineswegs zur Staatsreligion. Er verzichtete immerhin auf göttliche Verehrung und eröffnete als menschlicher Kaiser (allerdings Kaiser «von Gottes Gnaden») das erste Konzil der nun mächtig hervortretenden Kirche in Nikomedia (325), wo die Lehre, dass Jesus Gott gleich sei («Deum vero de Deo vero»), zum Dogma erhoben wurde und der arianische Glaube (des Bischofs Arius),

Constantin, der seinen pompösen Thron in Byzanz aufschlug, das nun zu Konstantinopel wurde, suchte das Reich durch eine neue Diözeseneinteilung zusammenzuhalten. Doch seine Söhne teilten es in ein westliches und ein östliches, was insofern sinnvoll war, als der eine im Osten sich auf den Kampf gegen die Perser konzentrieren konnte, der andere im Westen auf die Abwehr der Germanen. Es folgten Jahrzehnte der Wirren, schon bevor 375 mit dem Aufbruch der von den Hunnen aufgeschreckten Westgoten die sogenannte germanische Völkerwanderung begann. Dennoch versuchte Kaiser Theodosius von 379 bis 394 die Einheit des Reiches mit Hilfe des Christentums, das nun erst (391) Staatsreligion wurde, wiederherzustellen. Als es ihm gelang, starb er (395) und seine Söhne zogen alsbald wieder die nun definitive Grenze zwischen dem Weströmischen Reich mit Honorius und dem Oströmischen mit Arcadius.

Picti Ostrogothi Scoti

Saxones

Britannia

Augusta Treverorum

Pontus Euxinus (Schwarzes Meer)

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Pannonia

Gallia Mediolanum

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Germania

Aquitania

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Hispania

Nicomedia

Moesia

Mare Internum (Mittelmeer)

Sicilia Syracusae

Tyrus

Alexandria

Carthago

Africa Diözesen des Praefectus praetorio Galliarum Diözesen des Praefectus praetorio Italiae et Africae Diözesen des Praefectus praetorio Illyrici (seit 395 n. Chr., vorher zu lila) Diözesen des Praefectus praetorio per Orientem Grenze zwischen Ost- und Weströmischem Reich (seit 395 n. Chr.)

Cyrene

Aegyptus


Asiatische Anstösse zur germanischen Völkerwanderung

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Berberangriff auf das Römische Reich in Nordafrika

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Karthago

Hsiung-nu und Hunnen

PERSIEN

TIBET Expansion der Tibeter

Awaren

Asiatische Anstösse zur germanischen Völkerwanderung Die sogenannte germanische Völkerwanderung, die sich nach 375 durch eine Kettenreaktion von Volksaufbrüchen von früheren Wanderungen unterschied, war nicht von Germanen ausgelöst worden, sondern von den nichtgermanischen und auch nicht indogermanischen, sondern wahrscheinlich mongolischen Hunnen. Diese nomadisierenden Reiter waren laut – allerdings umstrittener – Forschung die Nachfahren der kriegerischen Hsiung-nu, die schon im 3. vorchristlichen Jahrhundert China bedrängt hatten. Jedenfalls trug dort der Bau der Grossen Mauer dazu bei, dass sich gewaltige Nomadenhorden nach und nach, Landstrich um Landstrich kahlfressend, immer weiter westwärts wandten und schliesslich, um 375, als sogenannte Hunnen das Nordufer des Schwarzen Meeres erreichten. Dort unterlagen ihnen als erstes germanisches Volk die Ostgoten, die fortan den fremden Herren zu folgen und zu dienen hatten. Die Westgoten, die schon im 3. Jahrhundert Siebenbürgen (Dacia) besetzt und durch den Bibelübersetzer Bischof Wulfila das arianische Christentum angenommen hatten, zogen sich vor den Hunnen auf oströmisches Reichsgebiet zurück, wo sie an der unteren Donau von Kaiser

Chang’an

Luoyang

CHINA

Theodosius als Bundesgenossen akzeptiert wurden. Nach dessen Tode im Jahr 395 brachen sie unter ihrem jugendlichen König Alarich wieder auf und plünderten zunächst Athen und Korinth. Kaiser Arcadius, der das von Theodosius geeinigte Reich mit seinem Bruder Honorius geteilt hatte und selber Ostrom regierte, bot den plündernden Goten Land im weströmischen Balkan – also Land seines Bruders, Kaiser Honorius, an. Dieser vermochte die germanischen Eindringlinge mit germanischen Söldnern aufzuhalten, was ihm nur dank seines Reichsverwesers und Feldherrn Stilicho, der selber Germane (Vandale) war, einige Jahre lang gelang. Der Erfolg hatte allerdings den Preis, dass Stilicho 406 die Grenzen im Norden entblössen musste, sodass – auf der folgenden Karte ersichtlich – Franken, Vandalen, Sweben, Alanen, Burgunder und Alemannen ungehindert in Gallien eindringen konnten. Die Vandalen und Sweben setzten den Zug fort nach Spanien, wo sie nach jahrelangen Plünderungen 411 das Recht zur Ansiedelung erhielten. Im 6. Jahrhundert drangen aus Zentralasien auch noch die turktatarischen Awaren in Europa ein, setzten sich um 570 in Ungarn fest und drangsalierten von dort aus immer wieder Italien und Deutschland, bis Karl der Grosse 796 ihr Reich zerschlug.

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Völkerwanderungswirrwarr

27

Völkerwanderungswirrwarr

Um 450 setzten Angeln und Sachsen nach Britannien über.

Die von Stilicho mühsam im Balkan aufgehaltenen Westgoten brachen nach seinem Tode (408) wieder auf und nahmen unter ihrem König Alarich (410) sogar das – freilich bereits tief gesunkene – Rom ein und plünderten es, was immer noch ungeheuren Eindruck machte. Noch im selben Jahr starb Alarich in Süditalien, unterwegs nach Afrika. Nach seinem Begräbnis im Busento machte sein Volk nordwärts kehrt, erreichte um 415 Spanien und von dort wieder rückwärts auch das westliche Gallien. Dabei entstand 418 rittlings über den Pyrenäen das Tolosanische Reich der Westgoten mit der Hauptstadt Toulouse.

Während der Umwälzungen im Westen hatten sich die Hunnen – seit 434 unter Attila – in Osteuropa zahlreiche Völkerschaften unterworfen und einen Machtbereich ausgeweitet, der bis nach Mitteleuropa reichte. Im Unterschied zu den meisten Germanen nahmen sie das Christentum nicht an. Als sie um 450 auch noch in Gallien einfielen, stellte sich die Frage, ob Europa in asiatische Unfreiheit zurücksinken sollte. Doch nun schloss sich unter dem weströmischen Feldherrn Aëtius, wahrscheinlich Sohn einer Römerin und eines Goten, altes und werdendes Europa zusammen. In der sagenhaften Schlacht auf den Katalaunischen Feldern bei Troyes siegten Franken, Galloromanen, Burgunder und Westgoten 451 über Hunnen und ihre Trabanten, darunter Ostgoten und Gepiden, die nun frei wurden. Unter Theoderich eroberten die Ostgoten 493 das restliche Westreich in Italien, das Odoaker 476 dem von ihm abgesetzten letzten weströmischen Kaiser Romulus abgenommen hatte.

429 drangen die Vandalen unter König Geiserich in Nordafrika ein und gründeten ein Reich mit dem 439 eroberten Kathago als Zentrum. Von dort aus, gleichsam zur Vergeltung für die längst vergangene Zerstörung der einstigen Weltstadt, plünderten sie Rom 14 Tage lang (455) und behafteten sich, wie schon in Afrika, mit dem Ruf des Vandalismus. Jü Briten

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Atlantischer Ozean

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29

Mittelalter Das Frankenreich König Chlodwigs

Herrschaft erstrebt, war aber schon 394 gefallen. Nicht zufällig waren es die mit ihrer rheinischen Heimat verbunden bleibenden Franken unter König Chlodwig, die Syagrius und dann die weit gewanderten, entwurzelten Westgoten und Burgunder besiegten und damit Frankreich, den ersten aus der Völkerwanderung erstandenen und bis heute bestehenden Staat, zu formen begannen. Da Chlodwig, angeblich eines Wunders wegen, sicherlich aber auf Grund kluger Berechnung, das römisch-katholische Christentum annahm, stand er der untertanen gallischen Bevölkerung viel näher als die arianischen Westgoten und Burgunder. Im Kampf gegen die relativ sesshaften Alemannen half das Christentum allerdings nicht; die blieben noch lange Heiden.

Als Stilicho, der germanische Verteidiger des Römerreichs, die Legionen aus den nördlichen Provinzen abgezogen hatte, verlor das grosse Gallien seine Einheit. Die aus Osteuropa kommenden Westgoten und Burgunder etablierten sich im Süden, die schon lange benachbarten, langsam infiltrierenden Franken im Nordosten. Erstaunlicherweise konnte sich der letzte römische Statthalter in der Völkerbrandung halten, und noch sein Sohn Syagrius regierte als selbstständiger Fürst im Seinegebiet ein Reich mit unbestimmten Grenzen bis 486. Ihm ähnlich hatte schon der ebenfalls germanische Heerführer Arbogast im Dienste Roms selbstständige

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Herrschaftsgebiet des Syagrius

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Gebiet der salischen Franken zur Zeit Chlodwigs Erobert 486 n. Chr. Erobert 496–506 n. Chr.

Bischofskirchen

Erobert 507–509 n. Chr.

Hauptstädte


30

Fazit der Völkerwanderung

Nordsee Ostsee

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Atlantischer Ozean Paris

Fränkisches Reich

Langobarden

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Slawische Völker

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Reiche der Angelsachsen

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Fazit der Völkerwanderung Das Römische Reich ist nicht – wie Diokletian befürchtet hatte – an den Christen zu Grunde gegangen. In der Völkerwanderung, die Europa kreuz und quer zerriss, liegt die Hauptursache für den Untergang, der aber nur die westlichen Provinzen und Italien betraf, während das Oströmische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz) bis 1453 weiter bestand. Geordnete Staaten sind nun einmal den Menschen und ihrem Geborgenheitsbedürfnis vonnöten. Die Kaiser in Konstantinopel vermochten gegenüber allen Anfechtungen einen relativ grossen Staat zu bewahren, wobei allerdings, wie die Karte zeigt, auch im Osten die von den Parthern (Persern) beschnittenen Reichsgebiete bedenklich knapp geworden waren. Auch Italien hat auf der Karte dank seiner natürlichen Halbinselgrenzen ein ganzheitliches Aussehen, trotz aller folgenschweren Barbareneinfälle. Doch was sich im Westen aus der Masse des untergegangenen Reiches entbindet, sieht noch bei weitem nicht nach stabiler staatlicher Ordnung aus. Natürliche Grenzen

werden – wie die Alpen vom Gebiet der Ostgoten, die Pyrenäen vom Land der Westgoten – weithin überlappt. Ein Glück für die tradierte Kultur war es, dass die Germanen im Unterschied zu den Hunnen bildungsfähig genug waren, das Christentum anzunehmen. So konnte Rom als Sitz des Papsttums in einem höheren, geistlich-geistigen Sinne überleben und wiederum zu einem bleibenden Weltzentrum werden. (Es ist zu hoffen, dass auch die heutige abendländische Kultur noch Kraft genug hat, in den neuerdings wandernden Völkerschaften zu überleben.) Da der Papst in Rom im Unterschied zum Patriarchen in Konstantinopel keinen weltlichen Herrscher in unmittelbarer Nähe neben sich hatte, konnte er zu einem starken Gegengewicht zu den fernen deutschen Kaisern des Mittelalters werden. Und unter diesem spezifisch europäischen Antagonismus der beiden höchsten Machthaber konnte sich – einzigartig in der Welt – Freiheitsspielraum für weitere, zunächst kleinere Mächte bilden.


Justinians Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen

Justinians Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen Der oströmische Kaiser Justinian unternahm es (534–552), das verlorene Westreich zurückzuerobern. Tatsächlich gelang es seinem Feldherrn Belisar, die einstige Herrschaft in Afrika sowie auf Sardinien, Korsika, den Balearen und im Süden Spaniens zu restaurieren. Dabei wurden die im ungewohnten Luxus (Bäder und Spiele) bereits verweichlichten Vandalen nicht nur besiegt, sondern als Volk geradezu ausgelöscht, indem die Überlebenswilligen als Beute in Belisars Heer aufgenommen wurden: die Männer als Soldaten, die jungen Frauen als Geschenk an die Sieger. Darauf führte Belisar den mörderischen «Kampf um Rom», den erst sein Nachfolger Narses mit dem Sieg über die letzten Ostgotenkönige Totila und Teja (552) beendete, sodass Italien byzantinisches Exarchat (Aussenherrschaft) wurde – doch nur bis 568;

Atlantischer Ozean

31

denn dann wurde der kurzfristige Erfolg der langwierigen, Italien verwüstenden Sisyphusarbeit durch den Einbruch der Langobarden bereits zunichte gemacht. – Man kann solche Kriege – von heute aus gesehen – sinnlos finden. Aber die, die damals lebten, hatten ihr Leben in ihnen. Sinnvoll war jedenfalls das andere grosse Konservierungswerk Justinians: die Sammlung römischer Rechtsgrundsätze, das sogenannte «Corpus Iuris Civilis»; es geniesst bis heute Beachtung; Formeln wie «In dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten), «Ne bis in idem» (Dasselbe [Delikt soll] nicht zweimal [vor Gericht kommen]) sind geflügelte Worte geworden. – Und Konstantins grossartiger Kuppelbau der Hagia Sophia in Konstantinopel blieb so dauerhaft erhalten, dass er dann auch die Verfremdung zur Moschee bis heute überstanden hat. – Keinerlei Konservierung erfuhr das Heidentum. Die erstaunlicherweise immer noch bestehende Platonische Akademie in Athen wurde 529 von Justinian geschlossen.

Slawen

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Rückeroberungen durch Justinian (565 n. Chr.)

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Byzantinisches Reich zu Beginn der Herrschaft Justinians (527 n. Chr.)

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32

Die Ausbreitung des Islams Reich der Chasaren

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ARABISCHES MEER

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Die von Mohammed gestiftete nationalistische Religion des Islams machte aus den zerstrittenen Arabern ein Welteroberervolk, das mit seinem Heiligen Krieg umso leichteres Spiel hatte, als die bestehenden Mächte nach der Völkerwanderung noch schwach waren. Die entscheidenden Siege über Ostrom wurden unter den vier ersten Kalifen Abu Bakr, Omar I., Othman und Ali errungen. Das arabische Weltreich kam viel rascher zu Stande und wurde noch grösser als das römische, zerfiel allerdings auch schneller.

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Die Ausbreitung des Islams

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Muslimisches Gebiet 632 n. Chr. Ausbreitung des Islam bis 656 n. Chr. Ausbreitung des Islam bis 750 n. Chr.

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Fast von Anfang an stritten sich zwei Dynastien, die der Omaijaden, die durch Aischa, Abu Bakrs Tochter und Mohammeds Lieblingsfrau, ins Kalifat gelangt war, und die Familie der Abbasiden, die von Ali und Fatima, Cousin und Tochter Mohammeds, abstammte. Die Abbasiden, lange unterlegen und ihre Anhänger als Sekte (Schiiten) verfemt, stürzten um 750 die Omaijaden und rotteten sie aus bis auf den Zweig, der in Córdoba überlebte. In Bagdad etablierten sich die Abbasiden als grausame, Harun ar-Raschid auch als glanzvoller Herrscher.


Die islamische Welt heute

33

Die islamische Welt heute Der Islam, deutsch: «Ergebung in den Willen Gottes», hat sich vor allem in jenem Teil der Erde durchgesetzt, der wie das arabische Ursprungsland an Wüsten und Steppen reich ist, das heisst in Ländern, die klimatisch oft kaum etwas anderes als Ergebenheit zulassen. Diese Länder haben keine Renaissance, keine Reformation und – abgesehen von einigen modernistischen und

laizistischen Reformversuchen (nach 1900) – keine Aufklärung erlebt. In jüngster Zeit ist jedenfalls mit der Abneigung gegen westliche Lebensart eine fundamentalistische Besinnung auf die eigene Identität angebrochen, die in Pakistan, Saudi-Arabien, Ägypten, Libyen, Algerien und im Irak panislamische Bestrebungen mit sunnitischem und im Iran mit schiitischem Herrschaftsanspruch hervorgebracht hat.

Russland Vorwiegend muslimisches Gebiet Gebiet mit starker muslimischer Minderheit

Kasachstan

Syrien

Tunesien Marokko Libyen

Algerien

Westsahara Mauretanien

Mali

Guinea

Niger

Iran

Afghanistan

China

Pakistan

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SaudiArabien

Sudan

Tschad

Nigeria

Benin Kamerun Togo Elfenbeinküste Ghana

Atlantischer Ozean

Irak

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Indien

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Senegal Sierra Leone Liberia

Kirgisien

Turkmenistan

Türkei

Zentralafrikan. Rep.

Eritrea Jemen

Äthiopien Ruanda

Dem. Rep. Kongo

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Sambia

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Brunei Malaysia

Kenia

Tansania Namibia

Philippinen

Komoren

Indischer Ozean Indonesien


34

Das Frankenreich der Karolinger

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Fränkisches Gebiet (um 714 n. Chr.) Ausdehnung des Reichs (bis 814 n. Chr.)

FRIESLAND

Mark (Grenzland) Reichsgrenze (814 n. Chr.)

SACHSEN

Nimwegen

Fränkischer Königssitz

Hamburg

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AUSTRASIEN Ingelheim

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BRETONISCHE MARK

NEUSTRIEN

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Paris

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Frankfurt

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Würzburg

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Regensburg Strassburg

SCHWABEN

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BRETAGNE

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OSTMARK

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Salzburg

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AQUITANIEN

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PANNONIEN KÖNIGREICH DER AWAREN

VENEDIG ISTRIEN

KÖNIGREICH ASTURIEN Arles

PROVENCE

OMAIJADEN-KALIFAT

SPANISCHE MARK

KÖNIGREICH DER LANGOBARDEN (bis 774 n. Chr.)

Barcelona Tortosa

Das Frankenreich der Karolinger Der berühmteste Frankenherrscher, Karl der Grosse, mehrte seine Macht, indem er das Christentum verbreitete. Gegenüber den Sachsen war dies eine überaus kriegerische Mission. Im Jahre 800 gab ihm der hilfsbedürftige Papst Leo III. den Titel des römischen Kaisers, der immer noch grosses Ansehen verlieh. Karls Reich war freilich

Rom

mit dem Römischen nicht zu vergleichen: Es war arm an verkehrsgünstigen Wasserstrassen und von drei Gebirgen – den Alpen, Vogesen und Pyrenäen – zerschnitten, was keine florierende Geldwirtschaft erlaubte. Es war aber doch eine Vereinigung romanisch-germanischer Völker, aus deren rivalisierendem Zusammenspiel Europa hervorgehen sollte.


Byzanz 565, 1025, 1265 und 1355

35

Byzanz 565, 1025, 1265 und 1355

Trotzdem hatten ihm die Venetianer im Vierten Kreuzzug 1204 noch Teile Griechenlands und Kreta weggenommen. Da der Westen keine Hilfe gebracht hatte, arrangierte sich Byzanz mit den Osmanen schliesslich 1355, sodass diese an der Stadt vorbei in den Balkan eindringen konnten und wenigstens der kleine Rest des Oströmischen Reiches gerettet schien. Doch 1453 erstürmte Sultan Mehmed II. das «zweite Rom», das wieder seinen Namen wechselte und (nach Byzantion und Constantinopolis) nun zu Istanbul wurde.

Das vierteilige Kartenblatt zeigt zunächst Ostrom nach dem Untergang Westroms, von welchem Kaiser Justinian bereits grosse Teile zurückerobert hatte. Auf der Karte von 1025 fehlt dem Reich, was die Langobarden bereits 568 erobert und die Franken 754 zum Kirchenstaat gemacht hatten; zudem fehlen die Gebiete, die in Syrien, Ägypten und Nordafrika den Arabern anheimgefallen waren. 1265 war Byzanz in Kleinasien von den osmanischen Türken bereits schwer bedroht. Atlantischer Ozean

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Byzantinisches Reich zu Beginn der Herrschaft Justinians (527 n. Chr.)

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36

Ottos I. Kaiserreich

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Zürich

STEIERMARK KÄRNTEN Königliche Münzstätten von Otto I.

ITALIEN

Ottos I. Kaiserreich Im 10. Jahrhundert stellten die Sachsen, die sich im 8. noch mit Händen und Füssen gegen Chris-tianisierung und Eingliederung ins Frankenreich gewehrt hatten, die Herrscherdynastie, die Deutschland (das heisst die Herzogtümer Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Lothringen) vor den ungarischen Reitereinfällen schützte. Mit Otto I. dem Grossen erlangten sie 962 vom hilfsbedürftigen Papst das Kaisertum. Dieser Titel blieb dem deutschen Reich, das später Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

genannt wurde, bis 1806, als Napoleon die Kaiserwürde für Frankreich beanspruchte. Ottos Macht beschränkte sich aber nicht auf Deutschland, wo er sich gegen die Opposition der Herzöge durch Heiratspolitik und Einsetzung geistlicher Herrscher zu behaupten wusste. Durch Heirat wurde er auch König von Burgund und Italien. Sein Einfluss reichte im Osten bis nach Polen und dank einem entscheidenden Sieg bis nach Ungarn, wo die nomadisierenden Reiter nun sesshaft wurden. Doch schon 1002 starb die Dynastie der Ottonen mit Otto III. aus.


Die Weltlage vor dem Jahre 1000

37

Die Weltlage vor dem Jahre 1000 Die arabisch-islamische Welt erscheint hier mächtiger als die byzantinisch- und die abendländisch-christliche. Tatsächlich dominierte sie durch ihre absolute Seeherrschaft im Mittelmeer den Verkehr, den man damals als Welthandel ansprechen konnte. Die Zukunft gehörte aber trotzdem den vergleichsweise kleinräumigen und armen Staatsgebilden der romanisch-germanischen Völker, die auf der Karte nur gestreift werden und deren Kleinheit und Vielzahl das einheitliche Grün verdeckt. Freilich, im 10. Jahrhundert war West-

und Mitteleuropa noch häufig Opfer von seefahrenden Normannen und reitenden Magyaren und Slawen; und es ist nicht ganz unverständlich, dass da viele Christen vom Jahr 1000 den Weltuntergang erwarteten. 100 Jahre später, 1096, sollten Ritter und Bürger der romanisch-germanischen Völker in erstaunlicher Einigkeit zum ersten der Kreuzzüge aufbrechen, zu jenen europäisch selbstbewussten, die überseeischen Entdeckungen probenden Machtdemonstrationen, die man wohl der Kirche, aber nicht der Religion des Christentums zum Vorwurf machen kann.

Venedig Montpellier

Zara La Garde-Freinet

Barcelona

Korsika

Konstantinopel

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Valencia

Sardinien

Brindisi

Balearen

Sizilien Tripoli

Syrakus Zypern

Kreta Mahdia

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Christlich-abendländisches Gebiet Byzantinisches Reich Islamisches Gebiet

Alexandria


38

Die Kreuzzüge

Erster Kreuzug (1096–1099) Vierter Kreuzug (1202–1204)

WALACHEI SCHWARZES MEER

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Konstantinopel Nikomedia

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Grenze des Reichs (1180)

Europa zur Zeit Kaiser Friedrichs II. Der sieben spezifisch mittelalterlichen Kriege, die um die Herrschaft in Jerusalem geführt wurden, waren zunächst durch Reliquienkult veranlasst: Das Grab Jesu sollte nicht in der Hand der seldschukisch-muslimischen «Heiden» bleiben. Hinter der religiösen Idee verbarg sich aber der politische Machtanspruch des Papstes. Denn in der Tat konnte dieser zum Weltenherrscher zumindest in der Christenheit aufsteigen, wenn es ihm gelingen würde, die abendländischen Streitkräfte vereint in den Kampf gegen den Islam auszuschicken. Im Ersten Kreuzzug (1096–99) zogen Normannen aus der Normandie, Franzosen, Franken, Flamen, Lothringer und allen voran die Normannen Süditaliens zunächst auf verschiedenen Wegen nach Konstantinopel, von dort unter Strapazen

Jerusalem

über das hart umkämpfte Antiochia nach Jerusalem, das 1099 in einem entsetzlichen Blutbad mit nachfolgenden Bussgebeten erobert wurde. Jerusalem fiel zwar schon 1187 an den muslimischen Sultan Saladin zurück; doch zeigten sich trotzdem nachwirkende Ergebnisse der Kreuzzüge, vor allem im Aufblühen der italienischen Handelsstädte. Der von Venedig finanzierte Vierte Kreuzzug (1202–04) führte schon gar nicht mehr nach Jerusalem, sondern begnügte sich, Zara, Venedigs Konkurrenzstadt an der dalmatinischen Küste, vom Erdboden verschwinden zu lassen und Konstantinopel zu plündern. Dies bekundet die dort geraubte Quadriga noch heute auf dem Markusdom in Venedig. Aus dem für Europa lebensnotwendigen Byzantinischen Reich machte der Vierte Kreuzzug das Lateinische Kaisertum und weitere Kreuzfahrerfürstentümer, die aber nur bis 1261 Bestand hatten.


Das Hohenstaufenreich von 1152 bis 1250

39

Das Hohenstaufenreich von 1152 bis 1250

Friedrich Barbarossa seine Macht in den reichen oberitalienischen Städten kriegerisch zu stärken. Dies misslang jedoch – auch wegen dem Widerstand des Papstes. Dafür gewann Barbarossa diplomatisch das Königreich Neapel-Sizilien, wo die Normannen die Araber vertrieben und bereits einen straffen Beamtenstaat organisiert hatten: Er warb für seinen Sohn Heinrich VI. Constanze, die Tochter des letzten Normannenkönigs, als sie zwar bereits etwas ältlich, dafür aber Alleinerbin geworden war, zur Frau.

Da die sächsische und darauf eine fränkische Herrscherdynastie bald ausstarben, wählten die Kurfürsten im 12. Jahrhundert die schwäbischen Hohenstaufenherzöge zu Kaisern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Kaiserwürde war aber nicht erblich und bedeutete nur eine prekäre feudale Oberhoheit über mächtige Vasallen (die mangels Geldwirtschaft nicht besoldet und darum auch nicht leicht absetzbar waren). Deshalb versuchte Kaiser KÖNIGREICH DÄNEMARK

Ostsee

Nordsee

DEUTSCHER ORDEN

Lübek

Hrzgt. POMMERN

Bremen

(seit 1226/30)

Brandenburg

Hrzgt. SACHSEN

KÖNIGREICH POLEN

Mgfsch. BRANDENBURG

Goslar Brüssel

Nordhausen

Aachen

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Hrzgt. BRABANT Gfsch. HENNEGAU Kaiserslautern Trifels

Mainz

Hrzgt. SCHWABEN Strassburg

Hrzgt. OBERLOTHRINGEN Basel

Eger

Prag

Würzburg

KÖNIGREICH BÖHMEN

Nürnberg Hohenstaufen

Regensburg

Hrzgt. SCHWABEN

München

Mgfsch. MÄHREN

Hrzgt. ÖSTERREICH

Hrzgt. BAYERN

Ulm Augsburg

Wien

Salzburg Hrzgt.

STEIERMARK

(1192 zu Österreich)

Zürich

BURGUND

Hrzgt. KÄRNTEN

TIROL

Vicenza

Mailand

KÖNIGREICH BURGUND

KÖNIGREICH UNGARN

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Frankfurt Gelnhausen

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KÖNIGREICH SERBIEN

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Korsika

Adriatisches Meer

Rom Castel des Monte Neapel

Mittelmeer

Wichtige Pfalzen und Burgen der Staufer Reichsgrenze Mitte 12. Jh. Reichsgrenze Mitte 13. Jh.

KÖNIGREICH SIZILIEN Sardinien

Messina

Sizilien Syrakus


40

Europa zur Zeit Kaiser Friedrichs II. Estland

Kgr. Norwegen

Kgr. Man Kgr. Schottland

Ostsee

Nordsee

Irland

Schwertbrüderorden/ Deutscher Orden

Kgr. Schweden

Kgr. Dänemark

Hrzgt. Pomerellen

Litauen Deutscher Orden

Russische

Kgr. England Welfen

Fürstentümer

Atlantischer Ozean

Askanier Wettiner

Heiliges Römisches

Kgr. Polen

Kgr. Böhmen

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Hrzgt. Österreich

Reich

Kgr. Frankreich

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Kgr. Aragón

Schwarzes Meer

Republik Venedig

Reich von Trapezunt

Kgr. Serbien

Kgr. Bulgarien

Lateinisches Kaiserreich

Sultanat Rum

Kaiserreich Nikaia

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Despotat Epirus

Reich der Almohaden

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Europa zur Zeit Kaiser Friedrichs II. Der in Süditalien geborene Sohn Constanzes und Heinrichs VI. von Hohenstaufen, Friedrich II., regierte das sizilianische Reich als König mit raffinierter finanzieller Ausnützung seines fortschrittlichen Beamtenstaates. An Deutschland war er als Kaiser wenig interessiert. Er lernte erst mit 20 Jahren die Sprache seiner schwäbischen Ahnen. Den deutschen Städten, deren Herrschergeschlecht zu dieser Zeit ausstarb, gewährte er anfangs grosszügig die Reichsfreiheit, in der sie nur seinem fernen Kaisertum, das heisst praktisch niemandem unterstellt waren.

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Frst. Achaia

In Spanien hatte die Reconquista die Araber bereits bis Córdoba und Granada an den Südrand zurückgedrängt. Frankreich unter dem weisen König Saint-Louis IX., der nur Münzen im Wert ihres Metallgehalts prägen liess, war zu der Zeit wenig expansiv und dafür in einem kulturellen Aufschwung begriffen. Im Osten bestanden neben dem Sultanat von Rum (Ikonion) bis 1261 das Lateinische Kaisertum und die übrigen Fürstentümer, die an Stelle des Byzantinischen Reiches durch den Vierten Kreuzzug für kurze Zeit möglich geworden waren.

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Kgr. Zypern


Das Spätmittelalter zur Zeit Karls IV.

41

Das Spätmittelalter zur Zeit Karls IV.

Zeit auch Markgraf von Brandenburg –, Karl IV. aus dem Hause Luxemburg, Kaiser wurde, hütete er sich, die nichterbliche kaiserliche Reichshoheit zu stärken, vielmehr nutzte er diese, um die erbliche kurfürstliche Hausmacht – natürlich auch der andern Kurfürsten – auszubauen. Er erliess 1356 die Goldene Bulle, ein Reichsgesetz, das die Kurfürstentümer als unteilbar erklärte und ihnen die höchste Gerichtsbarkeit gewährte, gegen die nicht an das Reichsgericht appelliert werden konnte. Seine Residenz in Böhmen machte Karl IV. mit dem Bau von Hradschin und Veitsdom und mit der Gründung der ersten deutschen Universität zum Goldenen Prag.

Die Karte zeigt die zunehmende Zersplitterung Deutschlands im 14. Jahrhundert. Da das Heilige Römische Reich Deutscher Nation eine Wahlmonarchie war und die Kaiserwürde – zumindest beim Aussterben einer Dynastie – von den Kurfürsten verliehen und lange Zeit auch vom Papst bestätigt werden musste, konnten die Kaiser die Vasallen, von denen sie abhängig waren, nicht zu einer straffen Unterordnung zwingen. Die vielen fürstlichen Familien konnten auch von niemandem gehindert werden, ihre Gebiete durch Erbteilungen zu zerstückeln. Als 1346 der mächtigste Kurfürst, der König von Böhmen – zu der Kgr. Dänemark Hrzgt. Schleswig

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42

Die Mongolenreiche

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Khanat Tschagatai (später islamisiert)

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Lhasa Yunnan

Kerngebiet der II-Khane (später islamisiert) Khanat der Goldenen Horde (später islamisiert) Kerngebiet der von Dschingis Khan bis 1206 geeinten Steppenvölker Gebiet der Grosskhane nach Unterwerfung des nord- und südchinesischen Reiches Angkor

Kanton


Die Mongolenreiche

Die Mongolenreiche Die Karte zeigt die gewaltige Ausbreitung des Machtbereichs, den die von ihrem Dschingis Khan (Grossen Herrn) geeinigten Mongolen nach 1206 durch grausame und kulturverwüstende Feldzüge «zusammeneroberten». Die Kartenlegende nennt in merkwürdiger Reihenfolge erst an vierter Stelle das hellbraun getönte Gebiet ungefähr der heutigen Mongolei, aus dem Dschingis Khan (ursprünglich Temüdschin) seine ungeheuren Kriegszüge anfing: zunächst nach Peking und Korea, dann westwärts durch ganz Kasachstan bis ans Kaspische Meer. Lähmenden Schrecken verbreitend – die Leichen aus den eroberten Städten wurden vor den weiterhin zu erobernden pyramidal aufgetürmt –, vernichtete er in Turkestan für alle Zukunft die bis dahin aufgekeimte islamische Kultur, die Bagdad in seiner Blütezeit hervorgerufen hatte. Allerdings, die islamische Religion, jedenfalls ihre bedenklichste Lehre vom Heiligen Krieg, die übernahm der «Grosse Herr» und nannte sich fortan auch «Geissel Gottes». Aus Iran und Mesopotamien vertrieb er die türkischen Seldschuken, die hier im 11. Jahrhundert eine seither milde gewordene Ordnung etabliert hatten. Städte wie Herat und Bagdad, die trotz allen früheren Invasionen immer noch Weltstädte waren, wurden beinahe menschenleer. Das Zweistromland, seit der Antike dank künstlicher Bewässerung eine Gartenlandschaft, wurde durch Temüdschin und weitere Mongolenstürme zur Wüste und ist es bis heute zum grössten Teil geblieben.

43

Die Kartenlegende nennt die Teilreiche, die Dschingis Khans Unterfeldherren und Nachfolger errichteten: das Khanat Tschagatai mit den Städten Buchara, Samarkand, Taschkent u.a., ferner die Herrschaft der Il-Khane (oder Ilchane) in Iran und Mesopotamien, des Weiteren das Khanat der Goldenen Horde, dem ein grosser Teil Russlands, inklusive Moskau und Kiew, tributpflichtig wurde (auch zur Abgabe von Sklavinnen verpflichtet) sowie das Grosskhanat, das Temüdschins Enkel Kubilai – als bereits kultiviert auftretender Kaiser – 1259 in China schuf. Ende des 14. Jahrhunderts brachte der Mongolenführer Tamerlan, ursprünglich Timur-i Läng (der Lahme), das Unglaubliche fertig, mit seinen Feldzügen von der Chinesischen Mauer bis ans Mittelmeer und nach Indien die Gottesgeissel des «grossen» Dschingis Khan an Grausamkeit zu übertreffen. Für seine Schreckenspyramiden nahm er nur noch die Köpfe der getöteten Feinde; bei der Eroberung Bagdads sollen es mehrere Zehntausend gewesen sein. Gleichwohl schrieb er hochmoralische «Denkwürdigkeiten».


44

ÖSTERREICH

Das Osmanische Reich

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Wien Budapest

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Ausdehnung bis 1326 Ausdehnung bis 1451 Eroberungen bis 1481 Eroberungen bis 1520 Eroberungen bis 1566 Eroberungen bis 1683 Zeitweise unter osmanischer Herrschaft

Jerusalem Alexandria

PALÄSTINA

Kairo ÄGYPTEN Nil

TRIPOLITANIEN

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Zypern

Das Osmanische Reich Als die Mongolenstürme Dschingis Khans und seiner Nachfolger das Reich der türkischen Seldschuken, das Sultanat von Rum mit der Hauptstadt Ikonion, zertrümmert hatten, gründete um 1300 wiederum ein türkischer Hordenführer, Osman, ein Sultanat, das als Osmanisches Reich bis 1922 seinen Namen trug und in welchem Kleinasien schlechthin zur Türkei wurde. Der Ori-

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Suez

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SINAI R o t e s M e e r

AL-HASA

ent und Ägypten ertrugen die türkische Herrschaft jahrhundertelang. Doch in Europa erhob sich Widerstand, der jedoch fürs Erste furchtbare, aber nie vergessene Niederlagen eintrug: den Serben 1389 auf dem Amselfeld (Kosovo), den Bulgaren 1393 und schliesslich 1453 dem letzten Rest des Byzantinischen Reiches, dessen Hauptstadt Konstantinopel nun zu Istanbul wurde. Erst vor Wien wurde 1683 der muslimische Vormarsch zurückgeschlagen.


Italien zur Zeit der Renaissance

45

Italien zur Zeit der Renaissance

nale Bankwesen. Der für Europa beispielhafte Gulden wurde als Floren (fiorin) 1252 erstmals in Florenz geprägt und wird in Holland heute noch mit fl. abgekürzt.

Die Kreuzzüge, auch wenn sie schliesslich scheiterten, ermöglichten dennoch für einen glanzvollen Zeitraum ein venezianisches Kolonialreich, das an der adriatischen Küste bis nach Griechenland und nach Kreta reichte und das durch Shakespeares «Othello» sogar in die Weltliteratur einging. Der Handelsaufschwung, den die Kreuzzüge den italienischen Städten bescherten, erstreckte sich aber nicht nur auf das Mittelmeer. Die mühsame Verbindung mit den weit entfernten Städten der Champagne und Flanderns liess florentinische, sienesische und genuesische Kaufleute auf die Idee kommen, statt gefährlich schweres Geld zu transportieren, Guthaben hier gegen Schulden dort auf Wechselpapieren zu verrechnen. So entstand um 1200 das internatioND- SE EI OS T N F GE CHA S

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Während der Adel verarmte, wurde das Bürgertum, namentlich der italienischen Stadtstaaten, nicht nur reich, sondern auch von einem kulturellen Hochgefühl ergriffen, das die Mäzene der grossen Renaissancekünstler hervorrief. Das Erstaunlichste ist aber, dass die genialen Künstler selbst gerade zu dieser Zeit in hellen Scharen, besonders dicht in der Toskana, geboren wurden. Auch die Grössten waren ihrer so viele, dass man kaum wagt, nur eine kleine Auswahl zu nennen; vielleicht Beato Angelico, Masaccio, Piero della Francesca, Pinturicchio, Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael und Tizian.

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46

Die zentrale Verkehrslage Italiens vor den Entdeckungen

London 27 Tage

16 Tage Brüssel

Nürnberg

12 Tage Wien

Augsburg 10 Tage

Paris

Lyon 12 Tage

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Toulouse

Valladolid 29 Tage

Lissabon 46 Tage

Neapel 9 Tage

Barcelona

Valencia

Damaskus 80 Tage

Palermo 22 Tage

Granada

Mittelmeer

Die zentrale Verkehrslage Italiens vor den Entdeckungen Um 1500 war der Wohlstand in den Städten, vor allem in Italien, rund um das Mittelmeer konzentriert. Hier lagen, Paris ausgenommen, die Städte mit über 100 000 Einwohnern: Neapel, Venedig, Mailand und Konstantinopel. Arabische Karawanen brachten Gewürze, Drogen, Seide und Baumwollstoffe aus Asien und der Levante; und quer durch die Sahara kamen Gold und Elfenbein. Das Mittelmeer, um das herum sich in der Antike die orientalische Kultur von Ost nach West verbreitet hatte, erlebte gegen Ende des Mittelalters noch einmal eine hohe Zeit als Mitte der von

Alexandria 65 Tage

belebendem Verkehr erschlossenen Welt. Denn nur Wasserstrassen waren günstige Handelswege. Landstrassen, von der Brauchbarkeit, wie sie die Römer hinterlassen hatten, wurden bis ins 19. Jahrhundert keine mehr gebaut. Gebirge und Sümpfe, Wegelagerer und zahllose Binnenzölle erschwerten die Landreisen. Venedig, als Handelsstadt noch zentraler im Mittelmeer gelegen als Genua, hatte auch auf dem Land relativ kurze Wege nach Nord und Süd sowie Ost und West, die auch durch viele schiffbare Flüsse und günstige Alpenpässe vorteilhaft waren. Deshalb mussten die überseeischen Entdeckungen, die Venedig an der Adria plötzlich an das hinterste Ufer des Nebenmeers eines Nebenmeeres versetzten, hier beinahe einen Weltuntergang bedeuten.


Habsburger Herrschaftsgebiete am Ende des Mittelalters

47

Habsburger Herrschaftsgebiete am Ende des Mittelalters

Sohn Philipp der Schöne heiratete die Erbtochter von Kastilien und Aragon, Johanna die Wahnsinnige. Somit wurde deren Sohn Karl V. auch König von Spanien, von Sizilien, Sardinien und im Gefolge der Entdeckungen auch König von Mexiko und Peru etc. 1519 zum Kaiser gewählt, erbte er 1526 noch Böhmen und Mähren; und als die Spanier auf den 1521 entdeckten Philippinen Fuss fassten, konnte er füglich sagen, dass in seinem Reich die Sonne nie untergehe.

Das Haus Habsburg wurde durch Heiraten der mächtigste Personenverband, den es als Familie je gegeben hat. Sein Repräsentant Maximilian als römisch-deutscher Kaiser (1493–1519), Herzog von Österreich und der Steiermark, Graf von Tirol etc. war mit Maria von Burgund, der Tochter Karls des Kühnen, verheiratet. Dadurch erbte er die Niederlande (Holland und Belgien). Sein Habsburger Gebiete Unter habsburgischen Kaisern

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49

Neuzeit Mayakultur und Aztekenreich

rika sowie im Pazifik übergab er seinem Sohn Philipp II., die Kaiserwürde über Deutschland mit Österreich, Böhmen und dem Anspruch auf Ungarn übertrug er auf seinen Bruder Ferdinand I. Bald darauf, 1558, starb Karl, geplagt von Gewissensbissen, weil er – gewissenhaft! – das Luther versprochene freie Geleit nicht widerrufen und den Reformator nicht verbrannt hatte.

Wias Jahrhundert, das durch Reformation und Gegenreformation den katholisch-christlichen Glauben spaltete, brachte auch die Kulmination von Renaissance und Humanismus. «O Jahrhundert, die Geister erwachen, die Künste erblühen; es ist eine Lust zu leben!», hatte Ulrich von Hutten ausgerufen, bevor er an seiner Syphilis qualvoll dahinsiechte.

Zwischen den habsburgischen Erben in Wien und in Madrid lag – einstweilen selber noch von Glaubenskriegen zerrissen – das im Katholizismus verharrende Frankreich, das im nächsten Jahrhundert, um Habsburg zu schwächen, die deutschen Protestanten unterstützen und vor der Vernichtung retten sollte – doch nicht ihretwegen, sondern um erste Weltmacht zu werden. Mayakultur und Aztekenreich

Der scheinbar mächtigste Herrscher aller Zeiten, der Habsburger Kaiser Karl V., der sagen konnte, in seinem Reiche gehe die Sonne nie unter, verzichtete 1556 auf die ungeheure, ihn selber deprimierende Macht und Verantwortung: Die reichen Niederlande, Spanien und die von dort aus gegründeten Kolonien in Mittel- und Südame-

Finnland Kgr. Norwegen Kgr. Schottland

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Grossfürstentum Moskau (bis 1547, 1547–1721 Zarentum Russland)

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Kgr. Irland (1541–1801)

Atlantischer Ozean

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50

Mayakultur und Aztekenreich

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Golf von Mexiko

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El Tajín Tenochtitlán (Mexiko)

Golf von Campeche Mayapán

Chichén Itzá

Tlaxcala

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Teotitlán Monte Albán Mitla

Pazifischer Ozean

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Golf von Honduras

Aztekenreich (1519)

Gebiet der Maya (1524)

Mayakultur und Aztekenreich Wie in Afrika und Asien entstanden auch in Amerika die frühen Hochkulturen in heissen Zonen, deren Hitze durch Gebirge oder Gewässer gemildert war. Auf der Halbinsel Yucatán erbauten die Maya monumentale Tempelstädte, so um 800 ihre Hauptstadt Chichén Itzá, mit einer imposanten Stufenpyramide, die an babylonische Turmbauten erinnert, und einem Brunnen, in welchem Mädchen geopfert wurden. Die priesterlichen Herrscher stützten sich als Regenmacher auf einen genauen Kalender; sie hatten eine Bilderschrift, Zahlzeichen und geometrisch anmutende Kunst.

Xoconocho

Zaculeu

Im 14. Jahrhundert unterwarf das Kriegervolk der Azteken von der Inselstadt Tenochtitlán (Mexiko) aus Mittelamerika, abgesehen von wenigen unabhängig bleibenden Enklaven. Ungezählte Indianerstämme wurden zu Tribut an Kakao, Mais und Menschenopfern verpflichtet. Dem Sonnengott Huitzilopochtli war das Herz der Opfer noch zuckend darzubringen. Der aztekische Ackerbau aber gereichte zur Verbesserung der Landwirtschaft Europas: Pataten, Tomaten, Kakao, Tabak sind nicht nur der Sache, sondern auch dem Namen nach aztekischen Ursprungs.


Die iberische Kolonisierung Amerikas

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Die iberische Kolonisierung Amerikas

Die Inka, ein Geburts- und Bildungsadel, regierten im heutigen Peru und Chile zahlreiche Völker durch Zwang (Arbeitsdienst), soziale Fürsorge (Armen- und Altersbetreuung) und Religion. Der oberste Inka galt als Gott. Dem Zusammenhalt des Reiches (mit der Hauptstadt Cuzco) dienten auch zwei 6000 Kilometer lange, kunstvolle Strassen mit Viadukten, Tunnels und Treppen (da das Rad hier nicht bekannt war). Der Eroberer Francisco Pizarro nahm den Inkagott Atahualpa völkerrechtswidrig bei Verhandlungen gefangen und ermordete ihn, nachdem er eine ungeheure Menge Gold erpresst hatte. Als Sitz der spanischen Verwaltung erbaute er Lima.

Die spanischen Entdecker hätten in Amerika sozusagen «live» eine immer noch weitgehend steinzeitliche Kultur mit hervorragender Astronomie und hoch entwickelter Mathematik kennenlernen können. Sie zogen es vor, das interessante Ergebnis einer einzigartigen Entwicklung zu vernichten, um an seiner Stelle ihr machttrunkenes Christentum den Indios, wie sie die Bevölkerung fälschlich nannten, gnädig und mit roher Gewalt aufzudrängen. Das Aztekenreich des Kaisers Moctezuma mit 200'000 sieggewohnten Kriegern wurde 1519 bis 1521 vom spanischen Conquistador Hernando Cortez erobert, obwohl dieser nur 500 Mann kommandierte. Es waren eben auch 14 Kanonen dabei – Tapferkeit verhöhnendes Frühprodukt moderner Technik – und 24 Reiter, die hier, wo das Pferd noch nicht bekannt war, mit den Reitern zusammen den Eindruck von Göttern machten.

Als 1500 der Portugiese Cabral auf einer Indienfahrt im Atlantik westwärts abgetrieben wurde, erlangte Portugal auch in Südamerika Kolonialmacht. Im Vertrag von Tordesillas einigte es sich 1506 mit Spanien über seine Einflusssphäre.

Lissabon

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der im Vertrag von

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Entdeckung Brasiliens durch Cabral (1500)

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52

Verschiedene Weisen der Kolonisierung Amerikas

Grönland

Rupert’s Land

(Hudson’s Bay Company)

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Von Russland und Spanien beanspruchte Gebiete

Nova Scotia

Louisiana Die 13 Kolonien

Innere Provinzen

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Kuba

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Venezuela Guyana Neugranada

Britisches Gebiet (1763) Französisches Gebiet

Brasilien

Spanisches Gebiet Niederländisches Gebiet

Peru

Portugiesisches Gebiet Unerforschtes Gebiet

Hochperu

Internationale Grenzen Provinzgrenzen

Río de la Plata

Wege der Kolonisierung:

Chile

Spanisch Portugiesisch Britisch Russisch Französisch

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Verschiedene Weisen der Kolonisierung Amerikas

Verschiedene Weisen der Kolonisierung Amerikas Die Spanier, die dank Kolumbus und ihrer Königin Isabella 1492 die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit gebracht und eine neue Welt erschlossen hatten, nützten ihren Vorsprung bei der Besiedelung Mittel-, Süd- und Nordamerikas weithin aus, begierig, als rechtgläubige Eroberer und goldgierige Glücksritter die verachteten Heiden zu missionieren, auszubeuten und im Fall von Widerstand auszurotten. Die Engländer beteiligten sich anfangs zurück haltend am kolonisatorischen Wettlauf. John Cabot, der allerdings in englischem Auftrag 1497 die nordamerikanische Ostküste entdeckte, war ein geborener Italiener: Giovanni Caboto. Ihm folgten lange Zeit nur wenige Siedler; und noch die erste organisierte englische Kolonie, die 1585 von Raleigh gegründete und zu Ehren der jungfräulichen Königin Elisabeth Virginia genannte Kolonie, musste 1606 nochmals neu gegründet werden. Dann aber sorgte religiöse Intoleranz in Europa dafür, dass die schmale Ostküste zwischen Atlantik und Appalachen relativ dicht besiedelt wurde, und das nun nicht von Abenteurern und Goldjägern, sondern vor allem von verfolgten Puritanern, Täufern, Katholiken und Juden, die arbeitsamen Erwerb im Landbesitz suchten. Auch sie begingen schweres Unrecht, indem sie die Indianer verdrängten. Als selber Verfolgte taten sie das aber notwendigerweise – gewissermassen im Krieg, der ihnen aufgezwungen war. Ganz anders wiederum bei den Franzosen: Die Kolonie, die unter dem «bon roi» Henri IV. 1608 in Kanada gegründet worden war, hatte nur in der Provinz Québec eine beträchtliche Bevölkerung. Von dort aus entdeckte der Sklavenhändler Lasalle den Oberlauf des Mississippi, den er auf einem zerbrechlichen Kahn hinunterfuhr, um nach Monaten in den Golf von Mexiko zu gelangen, worauf er 1682 das in seiner Ausdehnung noch unbekannte Stromgebiet, das bisher zur

53

spanischen Provinz Florida gehörte, für Frankreich in Besitz nahm und es auf den Namen des Königs Ludwig XIV. Louisiana taufte. Die Besiedelung war so dürftig, dass sie 1699 erneuert werden musste. Paris schickte ab und zu ein Häuflein Soldaten, das ein Fort errichtete und eine Fahne hisste. Frankreich und Spanien setzten ihren Kampf um den Rang der ersten Weltmacht, den sie in Europa führten, in Amerika fort.


54

Die 13 Neuenglandstaaten und die GrĂźndung der USA

Hudson’s Bay Company Nova Scotia

New Hampshire Massachusetts

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Indianerreservat

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Westflorida Die dreizehn Kolonien

Ostflorida GOLF VON MEXIKO

Weitere britische Besitzungen Spanisches Territorium Quebec Indianerreservat


Die 13 Neuenglandstaaten und die Gründung der USA

Die 13 Neuenglandstaaten und die Gründung der USA Nicht zufällig schlug die neue, demokratische Grossmacht, die in Amerika entstehen sollte, ihre Wurzeln dort, wo englische Staatsrechtstradition (mit einem Parlament) und calvinistisches Gemeindeleben (mit der Wahl von Ältesten) aus der Alten Welt überliefert waren. 1620 waren 102 von König James I. vertriebene Puritaner, die sich Pilger nannten, an der noch unbesiedelten Küste (südlich von Boston) gelandet. Bevor sie ihre Mayflower verliessen, hatten sich die 41 Pilgerväter in einem feierlichen Vertrag versprochen, gemeinsam für Ordnung, Recht und Wohlfahrt in der neuen Heimat zu sorgen. – Das war die Gründung eines Staates, des kleinen demokratischen Staates New Plymouth, der zwar bald in der Kolonie Massachusetts aufging, aber gleichwohl noch für weitere Staatsgründungen vorbildlich wurde. – Bis 1733 entstanden 13 Neuenglandstaaten. Die dünne militärische Besetzung des riesigen französischen Kolonialreichs in Kanada und Louisiana genügte, um den Go-West-Drang der Neuenglandstaaten zu blockieren. Die Blockade konnte mit Hilfe des englischen Mutterlandes gesprengt werden, als dieses im Siebenjährigen Krieg (1756–63) Preussen gegen Österreich und Frankreich unterstützte, sodass in Amerika von den viel kleineren, dichter besiedelten Kolonien aus der Sieg über den grossen, aber dünn besiedelten Raum möglich wurde. Kanada, Ohio und das östlich des Mississippi gelegene Louisiana mussten 1763 von Frankreich an England abgetreten werden, während das westliche Louisiana einstweilen an Spanien fiel.

55

Zur grossen Enttäuschung der amerikanischen Sieger proklamierte das Mutterland ein sehr human gemeintes, aber gerade hier kaum mögliches Indianerreservat. England glaubte auch, zum Dank für seine Hilfe von den 13 Kolonien Steuern einziehen zu können, ohne ihnen Einsitz im englischen Parlament zu gewähren. Doch just das Wegfallen der französischen Bedrohung erlaubte den Neuengländern nun, sich gegen die Steuern und viele weitere wirtschaftlichen Schikanen der königlichen Regierung zu erheben.


56

Das Wachstum der USA an Land

Oregon Country 1846 (amerikanischer Teil) 1803 von Frankreich gekaufter Teil von Louisiana ss

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1848 von Mexiko abgetretene Gebiete

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Vereinigte Staaten von Amerika 1783

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1845 annektiertes Texas

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1853 gekaufter Gadsden-Streifen

1819 von Spanien abgetretenes Florida

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Ausdehnung der besiedelten Gebiete: 1750 1790 1850 1890 1890 weitgehend unbesiedelt

Das Wachstum der USA an Land 1783, nach siegreicher Beendigung des Unabhängigkeitskrieges, nahmen die Vereinigten Staaten England Louisiana (östlich des Mississippi) ab, das westliche Louisiana kauften sie 1803 von Napoleon für 15 Millionen Dollar. Von Spanien kauften sie (unter Präsident Monroe) 1819 Florida für 5 Millionen Dollar. Der Gründer der Demokratischen Partei, Präsident Jackson

(1829–37), förderte die Infiltration von Siedlern ins damals noch mexikanische Texas. Die Einwanderer erstritten in einem Aufstand 1835 ein unabhängiges Texas, das sich aber 1845 den USA anschloss. Darauf reagierte Mexiko mit einem Krieg, durch den es 1848 auch noch Neumexiko, Arizona, Utah und Kalifornien verlor. Oregon wurde 1846 nach langem Streit vertraglich von England erworben, Alaska 1867 durch Kauf von Russland für 7 Millionen Dollar.


Asien im 16. und 17. Jahrhundert

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Asien im 16. und 17. Jahrhundert

golen, Tibeter) sowie durch das Chinesische Reich unter den Ming-Kaisern (1368–1644). Die Letzteren mussten im Jahre 1644 den von Nordosten her vordringenden Mandschu (1644– 1911) weichen, welche als Qing-Kaiser die letzte Herrscherdynastie in China begründeten.

Die Situation in Asien während des 16. und 17. Jahrhunderts wurde im Wesentlichen bestimmt durch die Expansion Russlands nach Osten hin, durch das Reich der Osmanen in weiten Teilen des Mittelmeers, der Schwarzmeerregion und Vorderasiens, durch das Persische Reich der Safawiden, durch das Mogulreich auf dem indischen Subkontinent, durch verschiedene innerasiatische Herrschaftsgebiete nomadisierender Steppenvölker (Kasachen, Kalmücken, Mon-

An den Küsten Asiens und auf den vorgelagerten Inseln errichteten während dieser Zeit europäische Staaten erste Handels- und machtpolitische Stützpunkte, die als Basis zukünftiger kolonialer Bestrebungen dienten.

Russisches Reich

Kasachstan

Osman. Reich

Japan

Urga

Mongolei Chiwa

Bagdad

Buchara Tabris

Persien

Samarkand Herat Kabul

Nanking

Tibet

Delhi Maskat

Indien (um 1605)

Oman

Seoul

Peking

Kandahar

(1550–1650 port.)

Edo (Tokio)

Hotan

Lahore

Arabien

(1637 chines. Vasallenstaat)

Herrschaftsgebiet nomadischer Steppenvölker

Kaschgar

Ormuz

(1515–1622 port.)

Korea

Taschkent

Nepal

Amoy

Schigatse

Assam

Chandernagore

(1678 franz.)

Bombay

(um 1700)

(1698 engl.)

Arakan

Cochin

(1663 ndl.)

Colombo (1656 ndl.)

(1624–62 ndl. Stützpunkt 1683 chines. Stützpunkt)

Macao

Hanoi

Ava

(1557 port.)

Annam

(1666 chines. Vasallenstaat)

Siam Madras (1639 engl.) Pondicherry (1674 engl.) Tranquebar (1616 dän.)

Formosa

Kanton

Burma

Kalkutta

(1661 engl.)

Chinesisches Reich

Lhasa

Philippinen

Ayutthaya

(1564 span.)

Phnom Penh

Mindanao (1596 span.)

Kambodscha

Ceylon

(1518 port. 1658 ndl.)

Malakka

(1641 ndl.)

Padang

(1685 engl.)

Sukadana

Sumatra

Benkulen

(1685 engl.)

Borneo

Molukken Celebes

(1512 port. 1601/84 ndl.)

(1657/77 ndl.)

(1699 ndl.)

Batavia

(1619 ndl.)

Java

Makassar (1667 ndl.)

Timor

(1655 ndl.)


58

Das Handelsnetz der Holländer

PAZIFISCHER

OZEAN

Gold

Japan

Silber Gewürze

Philippinen

Diamanten Borneo

Kanada

Mexiko

Zucker

Macao

Russland

China

Java Malaya

Neu-Amsterdam Kuba

Boston

Sumatra

(New York)

Häute Kaffee Kakao

Palembang

Indien

Tee Tabak

Amsterdam Osmanisches Reich

Pelze

Reis

Bombay

Fisch

MITTELMEER

Bauholz Peru

Baumwolle

Neu-Amsterdam

Baumwollstoffe

(Georgetown)

Seidenerzeugung Sklavenküste

Seidenstoffe Farbstoffe

Brasilien

INDISCHER Rio de Janeiro OZEAN Kapstadt

Das Handelsnetz der Holländer Der Freiheitskampf gegen Spanien, den die Holländer im 16. Jahrhundert vor allem für ihren reformierten Glauben führten, machte den Bau einer starken Flotte notwendig. Da das spanische Weltreich auf allen Meeren angreifbar war, entwickelte sich der Freiheitskampf zum Kolonialkrieg. Der Name Neu-Amsterdam wurde im

16./17. Jahrhundert gleich dreimal vergeben: an eine Insel im Indischen Ozean 5000 Kilometer südlich der Südspitze Indiens (auf der Karte nicht angegeben), an eine Siedlung an der südamerikanischen Küste, die zu Georgetown (Guyana) wurde, und – am bedeutendsten – an die holländische Gründung auf Manhattan, die 1664 von den Engländern zu New York gemacht wurde.


Holländischer Kolonialismus

59

Holländischer Kolonialismus

diesem lukrativen Geschäft. Besonders erfolgreich bemächtigten sich die Holländer portugiesischer Stützpunkte auf den indonesischen Inseln von Sumatra bis zu den Molukken (Gewürzinseln), gründeten 1602 die Ostindische Handelskompanie, errichteten 1619 an der Stelle von Jakarta ihren Regierungssitz Batavia und wurden trotz ihres gleichzeitigen Krieges gegen Spanien ein schwerreiches Handelsvolk. Die Bezeichnung «Pfeffersäcke» als Inbegriff des Reichtums wurde auf deren Besitzer übertragen.

Die Araber, die im Mittelalter den Mittelmeerhandel und damit den Landweg nach Indien kontrollierten, verkauften die asiatischen Gewürze so teuer, dass diese zum kulinarischen Wunschtraum wurden, dessen Realisierung sich die meisten Europäer gar nie leisten konnten. Als aber den Portugiesen – nicht zuletzt um des Gewürzhandels willen – die Umschiffung Afrikas geglückt war, beteiligten sich weitere Seefahrervölker an Ayutthaya

Niederländische Stützpunkte

PHI LI PPI NEN

Edelhölzer

M I NDANAO Pattani

JOHORE

Kota Radja

SU

MA

BORNEO

Malakka

TR

Manado Sambas

A

Padang

M OLUKKEN Sukadana

CELEBES

Banjarmasin

AM BOI NA

Palembang Batavia Bantam

Makassar

FLORES JAVA

TI M OR

Reis

Pfeffer

Zucker

Diamanten

Elfenbein

Muskat

Zinn

Nelken


60

Die anglo-holländischen Kriege von 1652 bis 1673

Englischer Sieg

Holländischer Sieg

Nordsee

Amsterdam

K gr. Engla nd Rotterdam

R ep u b l i k d er London

Vereinigten Provinzen Brügge

Antwerpen

Portsmouth

Ärmelkanal

Le Havre

K g r. F ran krei ch

Die anglo-holländischen Kriege von 1652 bis 1673 Als der revolutionäre Herrscher Englands, Oliver Cromwell, 1651 mit seiner Navigationsakte verfügte, dass fremde Schiffe britische Häfen nur noch für ihr eigenes Land und nicht mehr als Zwischenhändler anlaufen durften, wehrten sich die Holländer für ihre internationalen Geschäfte. Es kam zu drei schlachtenreichen Kriegen, in denen die Admirale Blake und de Ruyter als «Seehelden» grossen Ruhm erwarben, der nun heutiger Friedensliebe freilich nicht mehr viel bedeutet. Doch das Ergebnis jener Kriege, die

englische See-Weltherrschaft, war von grosser und folgenreicher Bedeutung, auch in kultureller Hinsicht. Auf die jahrzehntelange Rivalität zwischen Holland und England folgte fruchtbares Zusammenwirken. Das Ausgreifen Frankreichs unter Ludwig XIV. und dessen Verfolgung der Hugenotten einigte die protestantischen Kräfte. Unter der Führung Wilhelms von Oranien, der nach der Revolution von 1688 und der Absetzung Jakobs II. den englischen Thron bestieg, kam es zur grossen Allianz gegen Frankreich.


Asien im 18. Jahrhundert

61

Asien im 18. Jahrhundert

Gebiet der innerasiatischen Nomaden reduziert; Tibet ist chinesisches Protektorat geworden; die Mongolei, die Wiege der mittelalterlichen Völkerstürme, ist so gründlich pazifiziert, dass von dort her keine kriegerische Völkerwanderung mehr denkbar ist.

Wie es schon im 16./17. Jahrhundert zu erwarten war (siehe «Asien im 16. und 17. Jahrhundert», S. 57), haben bäuerliche russische Siedler Sibirien und damit den ganzen Norden des grossen Kontinentes durchdrungen. Das nordöstlichste Ende hat im Dienste des Zarenreiches der dänische Forschungsreisende Bering 1728 erreicht. Die von ihm entdeckte Meerenge trägt seinen Namen (auf der Karte nicht ersichtlich).

Deutlich sichtbar ist an den Küsten das Eindringen der europäischen Kolonisten. Das Reich der Grossmogule auf dem indischen Subkontinent wird namentlich von den Engländern angegangen. Auf der indonesischen Inselwelt drängt vor allem die Ostindische Handelskompanie der Niederländer die muslimischen Sultanate durch Verträge, aber auch durch Eroberungen zurück. Asien im 18. Jahrhundert

China ist unter den Ch’ing- (oder Qing-)Kaisern, die aus der Mandschurei stammen, sich aber die Kultur der unterworfenen Chinesen völlig einverleibt haben, gewaltig expandiert. Dafür ist das

Reich

Russisches

Kasachstan

Osman. Reich

Mandschurei Japan

Urga

Mongolei Chiwa

Bagdad

Edo (Tokio)

Korea

Dsungarei

Taschkent Buchara

Tabris

Samarkand

Persien

Herat Kabul

Bender Abbas

Afghanistan

Kaschmir Sikh-Reich

Delhi

Maskat

Nanking

Chinesisches Reich Tibet Nepal

MarathenStaaten

Oman

Sinkiang

Hotan

Mogul-Reich

Belutschistan

Arabien

Seoul

Peking

Kaschgar

Schigatse

Lhasa Amoy

Assam Chandernagore

Burma

Kalkutta

Bombay

Arakan

Ava

Macao

Hanoi

Annam Siam

Cochin Colombo

Madras Pondicherry Tranquebar

Philippinen

Ayutthaya Phnom Penh

In spanischem Kolonialbesitz

Mindanao

Kambodscha

Ceylon Malakka

In britischem Kolonialbesitz Staaten unter britischer Oberherrschaft In niederländischem Kolonialbesitz

Formosa

Kanton

Padang

Sukadana

Sumatra

Benkulen

Borneo

Molukken Celebes

Makassar Batavia

Java

Timor


62

Europa in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Grfrst. Finnland

Kgr. Norwegen

Kgr. Schweden Livland

Schottland

Nordsee

Hrzgt. Kurland

Kgr. Dänemark

Irland

Königreich Grossbritannien

. Kgr en uss

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Hessen

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de

Paris

Sachsen

HEILIGES Pfalz RÖMISCHES REICH Hrzgt. Erz h

Bayern

Kgr. Frankreich

ich

r. N

Kgr. Polen Kgr. Galizien

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Hannover Brandenburg

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Ös

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Atlantischer Ozean

te inig Vere vinzen o r P

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England London

Pre

Kgr. Ungarn

n

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Sa

Bern Eidgenossenschaft Pa Re rm p a Mantua . Ve ne Mod. dig a nu . Ge Lucca p e R ep. Grhrzgt. R Toskana KirchenKorsika staat

l

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r. P

Madrid

Kg

Lissabon

(genues.)

Kgr. Spanien

Kgr. Sardinien Balearen

Rom

Osmanisches Montenegro

Reich

Kgr. Neapel

(savoy.)

Mittelmeer Kgr. Sizilien

Athen

Algerien Kgr. Marokko

Europa in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Die Karte zeigt einleuchtend, dass Frankreich und Spanien mit ihren kompakten europäischen Kernlanden um 1700 die ersten Weltmächte sein konnten, wobei Frankreich im Dreissigjährigen Krieg begonnen hatte, Spanien zu überflügeln. Andererseits verrät die Vielfalt kleiner Flecken die Zerstückelung der einstigen Vormacht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dessen Zerstückelung war in Wirklichkeit noch schlimmer, denn die Karte kann die vielen Hunderte von fürstlichen und städtischen Staatsgebilden im Reiche unmöglich wiedergeben. Das stärkste Glied, Österreich, dessen habsburgische Herrscherfamilie die Kaiserwürde seit

Tunesien

1438 immer wieder zugesprochen bekam, richtete seinen Machtwillen über Ungarn, das nicht zum Kaiserreich gehörte, auswärts, gegen die Osmanen im Balkan. Preussen, das noch in diesem 18. Jahrhundert durch Friedrich den Grossen zur neuen europäischen Grossmacht werden sollte, bestand einstweilen zur Hauptsache aus dem Kurfürstentum Brandenburg, und der Name Preussen bezog sich auf das nachmalige Ostpreussen, für das der Kurfürst, weil es nicht zum Kaiserreich gehörte, 1701 den Königstitel annehmen konnte. Relativ grossflächig erscheint auch Grossbritannien, das als Insel weitgehend vor Einmischung aus dem Kontinent geschützt war, aber durchaus in der Lage, sich seinerseits dort einzumischen, um ein freiheitsförderliches Kräftegleichgewicht in Europa zu erhalten.


Der Spanische Erbfolgekrieg

63

Der Spanische Erbfolgekrieg

Enkel Ludwigs XIV., durften aber nicht mit Frankreich vereinigt werden. Ihr König Philipp (Felipe) V. gründete die spanische Bourbonendynastie, der auch der heutige König Juan Carlos entstammt. Savoyen bekam zunächst Sizilien (1714), musste es aber auf Wunsch Österreichs schon 1720 gegen Sardinien eintauschen. Dies war insofern bedeutsam, als der Herzog von Savoyen für Sardinien den Königstitel annehmen konnte, der seinem Nachfolger bei der Einigung Italiens von Nutzen war. Österreich erhielt unter anderem Neapel, das Kaiser Karl VI. aber 1735 zusammen mit Sizilien an einen Zweig der nun bourbonischen Königsfamilie Spaniens abtrat. England begnügte sich mit dem kleinen, aber gut gelegenen Gibraltar, neben Menorca, Neufundland und der Hudson Bay. Holland, obwohl am Krieg gegen die französische Bedrohung bis zur Erschöpfung beteiligt, ging leer aus.

Als 1700 die spanische Linie des Hauses Habsburg ausstarb, meldeten sich neben der österreichischen Linie weitere Erben, vor allem der «Sonnenkönig» Ludwig XIV. Wenn sein Frankreich ganz Spanien mitsamt Kolonien geerbt hätte, wäre eine ungeheure Machtballung entstanden. Dies wollte der englische König William III. als Hüter des europäischen Gleichgewichts nicht dulden. Er brachte mit Österreich, Holland, Preussen, Portugal und Savoyen eine Koalition gegen Frankreich zu Stande, die im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–14), namentlich dank Prinz Eugen und John Churchill, dem Vorfahren Winstons, eine französisch-spanische Übermacht verhinderte. Spanien und die Kolonien kamen zwar an einen Kgr. Grossbritannien

Kgr. Preussen

Vereinigte Provinzen Österr. Niederlande

Sachsen Frankfurt

Heiliges Römisches Hrzgt. Bayern Reich

Kgr. Frankreich

Erzhrzgt. Österreich und Kgr. Ungarn

Schweiz. Eidgenossenschaft

Rep. Venedig Mailand (österr.)

Hrzgt. Savoyen

Turin Rep. Genua Toulon

Nizza

Kirchenstaat

Korsika

Kgr. Spanien

Kgr. Neapel

(genues.)

Barcelona Menorca (1708–83 brit.)

Kgr. Sardinien

(1714–20 österr., 1720–1861 savoy.)

Kgr. Sizilien

(1714–20 savoy., 1720–35 österr.)

Gibraltar (1704 brit.)

Spanisch (Haus Bourbon)

Österreichisch

Savoyisch


64

Die osteuropäische Mission Habsburg-Österreichs NEUOSTPREUSSEN Habsburger Erbgebiet 1525 Erwerbungen 1526–1648 Erwerbungen 1648–1699

SÜDPREUSSEN

Erwerbungen 1699–1772

WESTGALIZIEN

Erwerbungen 1772–1805

(1795–1805)

SCHLESIEN

RUSSLAND

(1526)

KGR. GALIZIEN und LODOMERIEN (1772)

Prag KGR. BÖHMEN (1526)

Mgfsch. MÄHREN (1526)

Hrzgt. BUKOWINA

IN

NV (1 IE 77 RT 9) EL

H r z g t . B AY E R N

(1775)

Wien Erzherzgt. ÖSTERREICH

Gfsch. TIROL

Hrzgt. SALZBURG (1803–05)

Hrzgt. STEIERMARK

Buda (Ofen)

KGR. UNGARN (1699)

Hrzgt. KÄRNTEN 6) 52

EN TI

Venedig

OA

Mailand

Hrzgt. MANTUA (1708)

Hrzgt. KRAIN

(1

VENEDIG (1797-1805)

(1714)

KR

Hrzgt. MAILAND

Frst. SIEBENBÜRGEN (1699)

SLAWONIEN (1699)

Parma H r z g t . PA R M A

B A N AT (1718)

Belgrad SERBIEN

(1735–48)

D A L M AT I E N

KLEINE WALACHEI (1718–39)

(1718–39)

(1797–1805)

Die osteuropäische Mission Habsburg-Österreichs

zunehmende Bewusstsein von der abendländischer Bedeutung Wiens.

Druck erzeugt Gegendruck: Die Donaumonarchie bildete sich im Widerstand gegen die Bedrohung durch die osmanischen Türken. Denn nachdem Konstantinopel 1453 von Sultan Mehmed II. erobert worden war, musste Wien das Bollwerk Europas werden. Als die Türken Ungarn eroberten, schlossen sich 1526 Österreich, ein Teil Kroatiens und Böhmen samt Mähren endgültig (bis 1918) zusammen. Dass bei der Belagerung Wiens durch den Grosswesir Kara Mustafa 1683 Herzog Karl von Lothringen, König Johann Sobiesky von Polen, der jugendliche Prinz Eugen von Savoyen, Kurfürst Max und Markgraf Ludwig von Baden für die Kaiserstadt Hilfe brachten, zeigt das

Die zurückgeschlagenen Türken wurden 1687 von den badensischen Fürsten bei Mohacz nochmals besiegt. Schon 1686 hatte Karl von Lothringen Ofen (Buda) erstürmt. 1697 siegte Prinz Eugen an der Theiss. Darauf erhielt Österreich fast ganz Ungarn, Kroatien, Slawonien und Siebenbürgen (Transsylvanien). Die Donaumonarchie war errichtet. 1716 gewann Prinz Eugen Banat, die Kleine Walachei und Nordserbien mit Belgrad (1739 wieder verloren). 1740 ging Schlesien an Preussen verloren; dafür wurden durch die Teilungen Polens von 1772, 1775 und 1795 trotz Maria Theresias Scheu vor ungerechtem Landerwerb Galizien und die Bukowina gewonnen.


Die Ausbreitung des Maria-Theresien-Talers

65

Die Ausbreitung des Maria-Theresien-Talers

schon im 18. Jahrhundert nachgeahmt. Seit 1935 konnte Österreich nicht verhindern, dass er auch in Rom, Paris, London und Brüssel hergestellt wurde. Zur Bezahlung der Truppen in Ostafrika und der Partisanen in Äthiopien prägten die Briten 1940 den Maria-Theresien-Taler sogar in Bombay.

Dem heutigen kleinen Binnenstaat Österreich traut man kaum mehr zu, dass er Ausstrahlung auf andere Kontinente hatte. Und dies nicht nur deshalb, weil die Kolonialmacht Spanien habsburgische Könige hatte. Die von 1381 bis 1918 (abgesehen von kurzen Unterbrüchen) zu Österreich gehörende Hafenstadt Triest war im östlichen Mittelmeer beinahe so gut gelegen wie Venedig.

Sein Geltungsbereich war somit riesig. Arabische Kaufleute verbreiteten die Münze im ganzen Osmanischen Reich, in Nordafrika, aber auch bis auf die Azoren und ins Zentrum Afrikas, nach Niger, Tschad und Sudan, sowie der Ostküste entlang nach Sansibar und Moçambique. Noch im 20. Jahrhundert beherrschte dieser Taler den Geldumlauf auf der arabischen Halbinsel. In Äthiopien war der Maria-Theresien-Taler offizielle Landeswährung bis zur italienischen Besetzung 1936. Die Münze Österreich, das ehemalige Hauptmünzamt in Wien, verkauft den Taler noch heute.

Durch den Kaffeehandel erfuhr der Maria-Theresien-Taler eine bedeutende Verbreitung. Der Bedarf für den Handel mit dem Orient war so gross, dass die Hofkammer 1783 verordnete, den Taler mit dem Bild der Kaiserin auch nach ihrem Tod 1780 mit dieser Jahreszahl weiterzuprägen. Noch 1927 wurden von Wien aus über 15 Millionen Taler nach Arabien exportiert. In Venedig, der Toskana und in Preussen wurde er

Ausbreitung bis 1900

10

Nordsee

9 12 11 20

15

13

Ausbreitung bis 1945

1 17 5 19 6 18 21 8

7 2

3 4

22 23

Mittelmeer 24

26 14

25 27 28 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Münzstätten Günzburg 1780–1802 Wien 1780–1802, seit 1946 Kremnitz 1781–1786 Karlsburg 1785–1803 Mailand 1789–1802, 1820–1859 Venedig 1820–1866 Prag 1836–1842 Rom 1935–1939 London 1936–1961 Birmingham 1949–1955 Paris 1935–1946 Brüssel 1937–1938 Utrecht 1939 1940–1941 Bombay

Handelsstädte 15 Azoren 16 Java 17 Augsburg 18 Genua 19 Triest 20 Marseille 21 Livorno 22 Konstantinopel 23 Smyrna 24 Kairo 25 Timbuktu 26 Dschidda 27 Aden 28 Addis Abeba

16


66

Station 1

Japan

da Kana

e erika inigt Vere n von Am te Staa

Mexiko (1. M체nzst채tte 1535)

China

Indien

PAZIFISCHER OZEAN

PAZIFISCHER OZEAN

ATLANTISCHER OZEAN INDISCHER OZEAN Lima

(M체nzst채tte 1565)

Brasilien


Ein erster Kontakt der Kelten mit griechischem Geld

Das Ausdehnungsgebiet des spanischen Pesos Der spanische Taler, der Peso zu 8 Reales, ist von Karl V. geschaffen worden. Der Name Peso («peso» heisst auf Spanisch «Gewicht») soll daher stammen, dass die Spanier ursprünglich Silberbarren, in gleichgewichtige Stücke geteilt, als Geld verwendeten und diese Geldstücke Pesos nannten. Um die grossen Silbervorkommen aus den Bergen von Mexiko auszumünzen, wurde dort 1535 eine erste Münzstätte eingerichtet. Bald wurden auch Münzstätten in Lima (Peru) und in Potosí (Bolivien) eingerichtet. Das Gepräge des Pesos zeigt auf der einen Seite den spanischen Wappenschild oder die beiden Säulen des Herkules mit der Devise Karls V. «Plus ultra» (Darüber hinaus), dazwischen zwei Erdkugeln mit je der östlichen und der westlichen Hemisphäre. Der Peso wurde auf dem ganzen amerikanischen Kontinent zur Hauptwährungsmünze. In Nordamerika wurde er spanischer oder mexikanischer Dollar genannt. Ab 1776 gab die Regierung der neu gegründeten USA die ersten Banknoten aus, die gegen mexikanische Dollars, also Pesos, einlösbar waren. Diese Noten wurden nur noch Dollar genannt und mit den Dollarmünzen im ersten Münzgesetz der Vereinigten Staaten von 1792 zur Hauptwährung erklärt. In Kanada war der ebenfalls meist Dollar genannte Peso schon

67

nach dem Ende der französischen Herrschaft 1763 die Hauptmünze. In Ostasien verstand man unter «Dollar» die verschiedenen amerikanischen Dollars und Pesos. Der mexikanische Peso mit dem Adler wurde im 19. Jahrhundert die Hauptmünze Chinas. Genannt wurde sie dort Yuan, was so viel heisst wie «runde Münze». Die Japaner vereinfachten die chinesische Bezeichnung zu «Yen», als sie 1871 ihre eigene Währung schufen.


68

Die Industrialisierung Englands im 18. und 19. Jahrhundert

Bevölkerungsdichte um 1801 in Einwohnern pro Quadratmeile (= 2,59 km2) (Werte beziehen sich auf die Grafschaften):

bis 150 150 bis 260 260 bis 800

Newcastle upon Tyne

Holyhead

(nach Dublin)

Bleigruben Steinkohlegruben Eisenerzgruben

Hull

Liverpool Manchester Sheffield Stoke-on-Trent Derby Nottingham Birmingham

Bridgnorth

Norwich Worchester

Milford Haven

Cambridge

(nach Waterford)

Gloucester

Bristol Bath

Exeter

LONDON

Southampton

Dover

(nach Calais)

Plymouth

Die Industrialisierung Englands im 18. und 19. Jahrhundert Die sogenannte erste industrielle Revolution war weitgehend durch die 1775 erfundene effiziente Dampfmaschine des Engländers James Watt verursacht. Diese wurde zunächst vor allem für den Betrieb von Spinn- und Webmaschinen genutzt. Und schliesslich, im 19. Jahrhundert, wirkte sie sich auch im Bau von Schiffsmotoren, Lokomotiven und Eisenbahnen weltverändernd

aus. Die erste Industrialisierungswelle vollzog sich vorrangig und beispielgebend in England, das landwirtschaftlich wenig ertragreich war, jedoch mit seiner Schafzucht und seinem Bergbau zur Herstellung von Textilmaschinen prädestiniert war. Namentlich, wo verschiedene Bodenschätze vorkamen – Eisen und die zum Schmelzen notwendige Kohle –, entstanden die neuen Industrielandschaften, in denen sich die Bevölkerung sprunghaft, aber zunächst in Armut vermehrte.


Das napoleonische Reich

69

Das napoleonische Reich

Bonaparte wurde 1808 Königin von Neapel. 16 willfährige deutsche Fürsten, allen voran die Könige von Württemberg und Bayern, liessen sich von Napoleon zum Rheinbund vereinen. Als die gegen England befohlene Kontinentalsperre, namentlich in Holland, in Dalmatien und im Kirchenstaat, nicht eingehalten wurde, deklarierte der Kaiser diese Gebiete kurzerhand als französisches Territorium.

Wie ein mittelalterlicher Feudalherrscher suchte Napoleon seine Macht auch durch Familienpolitik über Europa auszubreiten. Seinen Bruder Louis Bonaparte setzte er 1806 als König von Holland ein, den Bruder Joseph als König von Spanien; Jérome Bonaparte erhielt 1807 das Königreich Westfalen und die Schwester Caroline Murat-

Kgr. Norwegen

Direkt von Paris aus regiertes französisches Territorium (um 1810) Von Angehörigen der Familie Napoleons regierte Staaten (um 1810) Sonstige von Napoleon abhängige Staaten (um 1810)

Nordsee Vereinigtes Kgr. Grossbritannien und Irland

Kgr. Dänemark

Kgr. Westfalen

Kaiserreich Russland

Grossherzogtum Warschau

Brüssel

Atlantischer

Frankfurt

Ozean

Prag

Paris

Rheinbund

Kaiserreich Frankreich

Kaisertum Österreich

Schweiz Illy

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Frst. Korsika Piombino

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Kgr. Sardinien M i t t e l m e e r (savoy.)

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Kgr. Spanien

Wien

München

Kgr. Italien

Gibraltar

Ostsee Kgr. Preussen

London

Kgr. Portugal

Kgr. Schweden

Kgr. Neapel

Kgr. Sizilien (span.)

Osmanisches

Reich


70

Europa nach dem Wiener Kongress Grfrst. Finnland

Kgr. Norwegen

Kgr. Schweden

Estland

Schottland

Nordsee Vereinigtes Kgr. Grossbritannien und Irland

Holstein

Atlantischer Ozean

rla iede

Luxemburg

Kgr. WürttemGrhrzgt. berg Baden

Kaisertum Österreich

Tirol

Walachei Serbien

Schwarzes Meer

Kirchenstaat

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Kgr. Böhmen

Kgr. LombardoVenetien Hrzgt. Parma

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Kgr. Polen

Sachsen

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Kgr. Frankreich

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Livland

Russisches

Kgr. Mecklenburg Hannover

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England

Kurland

Kgr. Dänemark

Osmanisches

Korsika

Kgr. Spanien Kgr. Sardinien Balearen

Kgr. beider Sizilien

Reich

(savoy.)

Mittelmeer

Sizilien

Neue oder wiedergewonnene Staaten

Europa nach dem Wiener Kongress Der auf Einladung der vier Siegermächte Österreich, England, Preussen und Russland abgehaltene Wiener Kongress im Jahre 1814/15 führte unter den fünf Grossmächten zu einer Neuordnung der Territorialverhältnisse in Europa nach den letztlich gescheiterten Eroberungskriegen Napoleons I. England behielt die im Krieg besetzten Inseln Helgoland und Malta, Russland

annektierte Finnland, Bessarabien und Teile Polens, Österreich erhielt Venetien sowie die Lombardei und bekam die in den Jahren 1807 und 1809 verlorenen Gebiete (besonders bedeutsam: Tirol) zurück. Preussen vergrösserte sich mit der Rheinprovinz und mit Westfalen sowie mit Westpreussen und Posen. Das besiegte Frankreich wurde grosszügig in seinen Vorkriegsgrenzen von 1792 wiederhergestellt.


Ein erster Kontakt der Kelten mit griechischem Geld

Die Einwanderung in die USA im 19. Jahrhundert Es fällt auf, dass der Anteil der Briten an der Einwanderung zumeist kaum grösser war als der 1821–40

1841–60

Briten Iren

Deutsche Skandinavier Polen Russen

Italiener

Sonstige

= 0,2 Millionen Menschen

1861–80

71

anderer Nationalitäten, zuzeiten war er entschieden kleiner. Dass sich die englische politische Tradition und Sprache dennoch durchgesetzt haben, liegt an der prägenden Kraft der Neuenglandstaaten. 1881–1900

1901–20


72

Der Sezessionskrieg zwischen Union und Konfรถderation

WashingtonTerritorium

Maine

Minnesota

Vermont Mic

Oregon

Nebraska-Territorium

hig

Wisconsin

New York

Pennsylvania Ohio

In

Io wa

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Nevada

New Hamp.

an

an

Illinois

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Utah-Territorium Kansas Kalifornien

Kentucky Tennesse

am

Georgia

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Texas

ab

Mississippi

North Carolina

South Carolina

Arkansas

Louisiana

Unionsstaaten Sklavenstaaten in der Union Konfรถderierte Staaten Nicht beteiligte Staaten

Connecticut New Jersey

Maryl. Delaware

Virginia

Missouri

Al

New-Mexico-Territorium

Indianerterritorium

West Virg.

Mass. Rhode Isl.

Florida


Der Sezessionskrieg zwischen Union und Konföderation

Der Sezessionskrieg zwischen Union und Konföderation Im Osten der USA gab es um 1850 in den nördlichen Staaten bereits eine aufstrebende Industrie, die allerdings noch gegen die englische Konkurrenz zu kämpfen hatte, während in den südlichen Staaten Plantagenarbeit von farbigen Sklaven erbracht wurde. Für Abraham Lincoln, der 1860 zum Präsidenten gewählt wurde, war die Befreiung der Sklaven gewiss ein hohes Ziel. Es ging aber im äusserst harten Sezessionskrieg, der von 1861 bis 1865 zwischen den Nord- und den von ihnen sich trennenden (sezessionierenden) Südstaaten geführt wurde, noch um ganz andere Fragen: Damit der Gesamtstaat Gesetze erlassen konnte wie zum Beispiel für die Sklavenbefreiung, musste die Union mehr Macht bekommen. Dies war ein Ziel der von Lincoln erneuerten Republikanischen Partei. Die Industrie erwartete von der gestärkten, engeren Union auch Schutzgesetze für ihre Produkte. Dem widersetzten sich die mit England Handel treibenden Südstaaten: Sie wollten nicht enger vereinigte (united), sondern nur verbündete (confederate) Staaten. Die elf Südstaaten, obwohl nur 9 Millionen Einwohner, davon 4 Millionen Sklaven umfassend, waren den 23 Nordstaaten mit 22 Millionen Einwohnern militärisch

73

lange überlegen. Besonders litten die Grenzstaaten, die zur Union hielten, obwohl sie auch Sklaven hatten. Schliesslich siegte der Norden dank seiner Industrie, die bald auch die Maschinen lieferte, welche die Sklavenarbeit erübrigten.


74

Die maritime Expansion Amerikas von 1865 bis 1917 KĂśniginCharlotteInseln (1867 von Russland gekauft)

Alaska

Mandschurei Korea

Portland Japan

Vereinigte Staaten von Amerika

San Francisco

China

Midway-Inseln

Kuba Haiti

(1897 von den USA annektiert)

Formosa

Mexiko

Pearl Harbor Wake-Inseln

Luzon

(1899 von den USA annektiert)

(1887 von den USA annektiert)

Ha waii-Inseln

(1898 von den USA annektiert)

Guam

Manila Philippinen

Puerto Rico

Jungferninseln

Nicaragua Venezuela

(nach dem Span.-Amerik. Krieg 1898 an die USA abgetreten)

Kolumbien

(nach dem Span.-Amerik. Krieg 1898 an die USA abgetreten)

Mindanao

Besitzungen der USA Einfluss der USA Protektorat der USA US-Militäraktion Tutuila und Samoa

(1878 von den USA annektiert)


Die maritime Expansion Amerikas von 1865 bis 1917

Die maritime Expansion Amerikas von 1865 bis 1917 Im Sezessionskrieg hatte die Kriegsflotte der Nordstaaten mit ihrer Blockade der Südstaaten eine bedeutende Rolle gespielt. Gleich nach Kriegsende, 1866, mischte sich diese Flotte in den mexikanischen Bürgerkrieg zwischen Liberalen und Klerikalen ein und half dem liberalen Rechtsanwalt Juarez, den von Napoleon III. als Kaiser von Mexiko eingesetzten Habsburgerprinzen Maximilian zu stürzen (1867). Die hohe, von den besiegten Südstaaten erpresste Kriegsentschädigung erlaubte (ebenfalls 1867) für nur 7 Millionen Dollar den Kauf Alaskas, das seit Berings Landnahme (siehe «Asien im 18. Jahrhundert», S. 61) russisch gewesen war. Folgenreich war 1898 der Aufstand von Spaniens letzter westindischer Kolonie: von Kuba. Nicht ohne Pathos erklärten die US-Amerikaner Spanien den Krieg, um auch hier den Kampf für die Freiheit zu beflügeln. Diese Freiheit wurde Kuba dann allerdings nur im Status eines amerikanischen Protektorats (1898–1933) zuteil. Ausserdem übernahmen die siegreichen USA von Spanien gleich auch die Hawaii-Inseln mit Honolulu und Pearl Harbor sowie Guam und die Philippinen.

75

Seemachtbegeisterter Zeitgeist bewog Präsident Theodore Roosevelt 1903 sogar zu dem «imperialistischen Bubenstück», einen Aufstand der noch zu Kolumbien gehörenden Panamesen anzustiften. Das derart «unabhängig» gewordene Panama dankte mit der Abtretung eines Gebietsstreifens, durch den der damals höchst notwendig scheinende Kanal gebaut werden konnte. Als die deutsche Regierung 1917 ihren U-Booten erlaubte, auch neutrale Handelsschiffe zu versenken, wenn diese feindliche Häfen anliefen, traten die USA in den Ersten Weltkrieg ein.


76

Das britische Empire vor 1900

Alaska

Russland

Grossbritanien Irland

Kanada

China

Vereinigte Staa ten von Amerika

Gibraltar

Malta

Zypern Palästina Belutschistan

Mexiko Gambia BritischGuay ana

Sierra Leone

Nigeria

Südwestafrika

Arge

Chil e ntin ien

Sudan

BritischIndien

Oberburma

Hongkong Britisch-Malaya

Aden

Britisch- Somalia Ostafrika

Goldküste

Brasilien

Mutterland Erwerbungen bis 1783 Erwerbungen bis 1837 Erwerbungen bis 1901 Erwerbungen bis 1923

Äg ypten

Sahara

Ja pan

Kaschmir

Ceylon

Nordborneo Brunei

Singa pur Sarawak

Neuguinea Pa pua

Njassaland Mauritius

Transvaal

Australien

Ka pkolonie Tasmanien

Falklandinseln

Das britische Empire vor 1900 Wie in der ersten industriellen Revolution war England im Imperialismus, das heisst in der Kolonialreichbildung, lange Zeit einsame Spitze. Als Seemacht gründete es sein Empire weniger auf riesige Landmassen als vielmehr auf relativ kleine, aber strategisch wichtige Stützpunkte wie

Gibraltar, Malta, Aden, die Kapkolonie, Singapur, Hongkong, die Falklandinseln etc. Nach der längst vergangenen Pax Romana konnte man zwischen 1815 und 1914 endlich wieder von einer selten durchbrochenen Friedenszeit, von der Pax Britannica, sprechen, was päpstliche, deutsche, spanische und französische Weltherrschaftsbestrebungen nie erreicht hatten.

Neuseeland


Die Ausbreitung des englischen Pfundes

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Die Ausbreitung des englischen Pfundes Im Jahre 1813 übernahm das englische Bankhaus Baring Brothers die führende holländische Bank Hope & Co. Diese Übernahme war das äussere Zeichen dafür, dass sich der Schwerpunkt des internationalen Bankgeschäftes von Amsterdam nach London verlagert hatte. 1821 garantierte England als erstes europäisches Land die Einlösbarkeit von Banknoten in Gold. Das Pfund war die Leitwährung der Welt geworden. Es hielt diese Stellung bis nach dem Ersten Weltkrieg.

Der Begriff «Pfund» ist vom lateinischen Wort «pondus» abgeleitet und greift zurück auf eine römische Gewichtsbezeichnung. Karl der Grosse legte fest, dass aus einem Pfund Silber 240 Pfennige geschlagen werden sollten. Seit der Zeit der Angelsachsenkönige bis zum heutigen Tag ist das Pfund die Währungseinheit Englands und während Jahrhunderten auch die des gesamten British Commonwealth. In Gold ausgemünzt nennt man das Pfund seit Elisabeth I. (1558–1603) auch Sovereign.

Grönland Russland Grossbritannien

Kanada

Irland

Ve r e i n i g t e S t a a t e n von Amerika

China Bermudas

Gibraltar

Zypern

Bahamas

Japan

Pe r s i e n

M

Arabien

BritischIndien

Hongkong

ex ik o Britisch-Honduras

Jamaika

Antigua Barbados To b a g o B r i t i s c h - G u a ya n a

Sierra Leone

Nigeria

Malediven Ko n g o Fr e i s t a a t

Pe r u

Brasilien

Singapur

Britisch-Nordborneo

Seychellen Britisch-Neuguinea

Ascension

FidschiInseln

Mauritius

St. Helena

Australien

A rg e n ti n e Chil

Tr i s t a n d a C u n h a

ie n

Mutterland Kronkolonien

Kapkolonie

Neuseeland Fa l k l a n d i n s e l n


78

Eisenbahnnetze und industrielle Revolutionen

Schottland

Nordsee

Schweden Dänemark

Leeds

Wales

England Yarmouth

Plymouth

Amsterdam

London

Königsberg

Holland

Southampton

Magdeburg

Brüssel

Paris

Reims

Berlin

Deutschland

Belgien Le Mans

Danzig

Bremen

Posen

Warschau

Frankfurt/ Main

Luxemburg

Orléans

Stuttgart

Basel

Frankreich

Krakau

Wien

München Zürich

Lyon

Habsburgerreich

Schweiz Budapest Turin Mailand

Avignon

Spanien

Marseille

Venedig Triest

Florenz

Eisenbahnnetz (um 1850) Kohlegruben Eisenerzgruben


Eisenbahnnetze und industrielle Revolutionen

Eisenbahnnetze und industrielle Revolutionen Die Eisenbahnen sind das sorgsam und langwierig ausgereifte Produkt der ersten industriellen Revolution, welche mit der Erfindung der vieltauglichen Dampfmaschine (1765) begann. 1830 konnte als erste Bahn für den Personenverkehr die Linie Manchester–Liverpool gefeiert werden, 1835 Nürnberg–Fürth. Ihrerseits trugen die Eisenbahnen wesentlich zur Entwicklung der zweiten industriellen Revolution bei, die schwungvoll um 1860 einsetzte. Es fällt jedenfalls auf, dass sich an der zweiten industriellen Revolution alle technisch interessierten Völker beteiligten, während die erste fast ausschliesslich in England vollzogen wurde, dessen Verkehr von vielen Schiffen belebt war, während auf dem Kontinent, abgesehen von den schiffbaren Flüssen, auch im 19. Jahrhundert immer noch nur die Römerstrassen verkehrsgünstig waren. Die Eisenbahnen vermehrten den Gedankenaustausch, beschleunigten den Zugang zu den Städten, demonstrierten auch auf dem Land den technischen Fortschritt, brachten für viele mehr Freizeit, Freiheit, Zuversicht und kühneren Lebensgenuss. Die Erfindungen der zweiten industriellen Revolution – verbesserte Stahlherstellung, chemische Produkte und elektrische Apparate – erleichterten als schnellere Bahnen das Reisen, verlängerten als Medikamente die Lebenszeit und bereicherten als Glühbirne, Phonograph, Fotografie, Telefon, Kinematografie etc. die Lebensgestaltungsmöglichkeiten.

79

Die Karte zeigt (wie schon jene zur «Die Industrialisierung Englands im 18. und 19. Jahrhundert», S. 68) den Zusammenhang von Kohle- und Eisenvorkommen mit den industriellen Revolutionen. Sie ist insofern nicht ganz korrekt, als sie – obwohl auf 1850 datiert – die Eisenbahnen, die erst nach 1850 von Napoleon III. in Auftrag gegeben wurden, zur Geltung bringt, während die Bahnen, die Alfred Escher in der Schweiz ebenfalls schon in den 50er Jahren bauen liess, ignoriert sind und nur die Spanisch-Brötli-Bahn Zürich– Baden vermerkt ist. – Und sehr vereinfachend ist Italien bereits in der Vereinigung von 1860 wiedergegeben.


80

Die Lateinische Münzunion

Lateinische Münzunion (1868)

Belgien

Frankreich

Schweiz

Italien

Griechenland

Die Lateinische Münzunion Die Lateinische Münzunion war ein Münzvertrag aus dem Jahre 1865 zwischen Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz. 1868 trat Griechenland dazu. Die französische Gold-Silberwährung auf der Basis des Franc war die Grundlage des Vertrages. Die Länder Belgien, Schweiz und Italien hatten ja schon vorher den Franc als Nationalwährung nach dem französischen Vorbild eingeführt. Der Vertrag sollte

Präge- und Umlaufbestimmungen der Münzen in den Teilnehmerstaaten regeln und einen gemeinsamen Standard für den Feingehalt der Münzen festlegen. Das Frankensystem war in halb Europa gängig. Wer weiss heute noch, dass damals nur gerade 3 Prozent der in der Schweiz umlaufenden Fünfliber schweizerischen Ursprungs waren, 97 Prozent stammten aus den Mitgliedstaaten. Keiner störte sich an diesem Umstand; Geldwechsel war eine überflüssige Sache.


Das Einflussgebiet der Lateinischen Münzunion um 1900

Das Einflussgebiet der Lateinischen Münzunion um 1900 Die Franc-Währung weitete sich aus und fand um 1900 ihre grösste Verbreitung: Finnland, Spanien, Österreich, Rumänien, Serbien und Bulgarien prägten (teilweise) nach den Normen des Franc-Systems, ebenso viele Staaten in Südamerika und die Kolonien der Vertragsstaa-

Nordamerika

81

ten. Eine übergeordnete Kontrollinstanz war jedoch nicht eingerichtet worden; Sanktionen bei Verletzung der Vertragsregeln fehlten. Die Hauptziele des Münzbundes konnten so nie dauerhaft erreicht werden. Die Münzunion scheiterte an den grossen Unterschieden der Teilnehmerstaaten und ihren Schulden und Haushaltdefiziten. Sie erlosch 1927.

Europa

Atlantischer Ozean

Indischer Ozean Südamerika

Pazifischer Ozean

Afrika


82

Europa 1914 Grfrst. Finnland Norwegen Schweden Schottland Moskau

Nordsee

Grossbritannien und Irland

Dänemark

Russisches

Irland

Reich nde

la der Nie Belgien

London

Atlantischer Ozean

Berlin

Deutsches Reich

Luxemburg

Paris

Frankreich

Wien Bern

Österreich-Ungarn

Schweiz

Schwarzes Meer l ga tu r Po

BosnienHerzegowina

Italien Korsika

Madrid

Lissabon

Rom

Serbien

Montenegro

Al

ba

Spanien

Sardinien

Bulgarien

Konstantinopel

Osmanisches

nie

n

Reich

Balearen

Griechenland

Mittelmeer

Sizilien

Athen

Algerien Tunesien Marokko

Europa 1914 Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war die politische Atmosphäre Europas nach Jahrzehnten des imperialistischen Wettlaufs um die vermeintlich «endgültige Verteilung» der Welt von eifersüchtigem Nationalismus erhitzt. Vermeintlich der Friedenserhaltung dienende Politik hatte zu bedenklich verpflichtenden Bündnissen geführt, einerseits zum sogenannten Dreibund Deutschlands mit dem von Nationalismen aufgewühlten Österreich-Ungarn und der altersschwachen Türkei, andererseits zu der faktischen Triple Entente

Frankreichs mit Grossbritannien und Russland, der gegenüber sich Deutschland – vor allem sein ehrgeiziger und aggressiver Kaiser Wilhelm II. – eingekreist und bedroht fühlte. Nach der unverzeihlichen, von Serbien gedeckten Ermordung des österreichischen Thronfolgers trieben die vermeintlich den Krieg verhindernden Massnahmen, wie Hilfsversprechen, Kriegspläne, Mobilmachungen und Ultimaten, in ihrer zwingenden Konsequenz zur ebenfalls unverzeihlichen deutschen Kriegserklärung, die aber nicht mit tragischem Bewusstsein, sondern leichtfertig und unter allseitiger chauvinistischer Begeisterung erfolgte.


Die Ausbreitung des US-Dollars

83

Die Ausbreitung des US-Dollars Wie sein Name verrät, ist der Dollar vom Taler abgeleitet, welcher schon im 16. Jahrhundert, als Kaiser Karl V. zumeist von Brüssel aus sein Weltreich regierte, eine internationale Währung war. Da England seinen neuenglischen Kolonien die Münzprägung verbot, bevorzugten diese nichtenglische Währungen, besonders eben den niederländischen Taler, zu dem sich auch ein spanischer Dollar gesellte. Der amerikanische Dollar, der dann von den 1776 unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten geprägt wurde, erlangte internationale Geltung dank der zahlreichen Immigranten aus aller Welt und dank dem enormen Wirtschaftswachstum, das bald

nach dem Ende des Bürgerkriegs (1865) einsetzte. 1944 wurde der Dollar mit der Gründung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds schlechthin zur internationalen Leitwährung. Der Marshallplan (1948) trug zu seiner wirkungsvollen Verbreitung bei. Er wurde das Zahlungsmittel für wichtige Rohstoffe, besonders auffällig beim Erdöl. Ganz Süd- und Mittelamerika sowie grosse Teile Asiens sind weitgehend von dieser Währung abhängig. Der seltene Umstand, dass Dollarmünzen und -banknoten nie eingezogen wurden, um durch neue Prägungen ersetzt zu werden, rief ganz besonders Vertrauen und Nachfrage hervor.

Japan

a

Kanad

igte erika Verein n von Am e Staat

o Mexik

China

Indien

Brasilien


84

Station 1

Finnland Norwegen Schweden Schottland Moskau

Nordsee

Nordirland

Irland

Dänemark

Grossbritannien

Sowjetunion 1990

Wales

de

de Nie

Atlantischer Ozean

Belgien

Bundes-

Luxemburg

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Polen

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Tschechoslowakei Wien

Frankreich

Bern

Österreich

Schweiz

Ungarn

Rumänien

Schwarzes Meer l

ga

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P

Lissabon

Jugoslawien

Italien Korsika

Madrid

Bulgarien

Rom

Al

ba

Spanien

Sardinien

nie

n

Türkei

Balearen

Griechenland

Mittelmeer

Marokko

Algerien

Tunesien

Sizilien

Istanbul

Athen


Europas Nachkriegsepoche von 1945 bis 1989

Europas Nachkriegsepoche von 1945 bis 1989 Noch vor Kriegsende, im Februar 1945, bestimmten Churchill sowie der bereits todkranke Roosevelt und – vor allem – Stalin in Jalta weitgehend die Weltordnung, die mehr als 40 Jahre Bestand haben sollte. Der machthungrige Stalin, dem Roosevelt zum Ärger Churchills blind vertraute, behielt die im Krieg besetzten baltischen Staaten Litauen, Lettland, Estland zur Bildung von Sowjetrepubliken, desgleichen den Osten Polens, das den Verlust im Westen mit deutschem Territorium zu kompensieren hatte, sodass ganz Polen auf der Landkarte um rund 200 Kilometer westwärts verschoben wurde, doch nicht nach Königsberg, das für den alten russischen Drang nach Hafenstädten ausgespart werden musste. (Die Karte ist hier ungenau; sie schmälert in ihrer Mitte die Territorien von Schweden bis Süditalien.) Von den Besatzungszonen Deutschlands, welche für die – mit Frankreich – vier Siegermächte vorgesehen wurden, war die russische so gross vereinbart, dass sich die amerikanischen Truppen am Kriegsende aus dem bereits eroberten Leipzig zurückziehen mussten, um den Russen das Feld zu überlassen. Als 1949 die USA, Grossbritannien und Frankreich ihre westlichen Besatzungszonen zur Bundesrepublik Deutschland werden liessen, der sie im Vertrauen auf Bundeskanzler Adenauers freiheitliche Politik 1955 die volle Souveränität einräumten, gewährte Stalin der Ostzone ebenfalls den staatlichen Status als Deutsche Demokratische Republik, aber nur dem Scheine nach: Die DDR wurde ein Satellitenstaat Russlands, wie es die andern von den Sowjetarmeen «befreiten»

85

Staaten Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, bis 1948 auch Jugoslawien, bereits waren. 1948 wurde sogar die Tschechoslowakei versklavt und – wie Ungarn 1956 – noch 1968 nochmals unterdrückt. Österreich jedoch erlangte trotz westlicher und östlicher Besatzung 1955 die Unabhängigkeit. Vor den Satelliten aber ging, mit Churchills Worten, der Eiserne Vorhang nieder, auch vor dem im Fernen Osten «befreiten» Nordkorea. Der West-Ost-Konflikt spaltete nicht nur Europa, sondern die Welt.


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Europa und grosse Wirtschaftsr채ume zu Beginn des 21. Jahrhunderts

EU USA

Japan

China Indien

USA

EU

Brasilien

Indien

China

Japan

Brasilien

304 Mio. Einw. 491 Mio. Einw. 196 Mio. Einw. 1148 Mio. Einw. 1330 Mio. Einw. 127 Mio. Einw. BNE in USD: 13,8 Mio. BNE in USD: 13,5 Mio. BNE in USD: 1,1 Mio. BNE in USD: 1,1 Mio. BNE in USD: 3,1 Mio. BNE in USD: 4,8 Mio.

Quelle Einwohnerzahlen: The World Factbook 2008, CIA Library Quelle BNE: Weltbank-Statistik 2007, 체berarbeitet im September 2008


Europa und grosse Wirtschaftsräume zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Europa und grosse Wirtschaftsräume zu Beginn des 21. Jahrhunderts Die Karte ist sehr geeignet, den fundamentalen Unterschied zwischen den grossen Wirtschaftsräumen vor Augen zu stellen, nämlich: dass Europa schon aus geografischen Gründen nie solch eine Einheit sein kann wie die USA, Brasilien, China oder auch Indien. Europa, eigentlich gar kein besonderer Erdteil, sondern bloss ein ausgefranster Zipfel des riesigen eurasiatischen Kontinentes – mehr als 2000 Jahre hat es sich gerade deswegen sichtbar ausgezeichnet, weil seine Kleinräumigkeit dank vieler Inseln, Halbinseln und Gebirge Schutz vor egalisierenden Grossreichen ermöglicht und Freiheit sowie – auf den lange Zeit einzig verkehrsgünstigen Wasserstrassen – zivilisatorischen Austausch und Kultur errungen hat. Diesem Europa droht nun die Kleinräumigkeit zur Gefahr zu werden, wenn es wahr ist, dass in der unweigerlich sich globalisierenden Welt nur grossräumige, wirtschaftlich ausgedehnte Gebilde auf Dauer überleben können. Wenn diese Trenddeutung wirklich wahr ist, so ist erst recht wiederum zum Ruhm Europas zu sagen, dass die seit dem Zweiten Weltkrieg vorangetragenen Bestrebungen nach einem geeinten Europa nochmals einen grandiosen Aufschwung dieses Abendlandes sogar gegen sein bisheriges Wesen bedeuten. Zur Vermeidung künftiger Kriege durch übernationale Kontrolle der Kohle- und Stahlbergwerke gründeten vor allem Schuman, Adenauer und Spaak 1951 die Montanunion von Frankreich, Deutschland, Italien und Benelux, die sich 1957 zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) erweiterte. Um nicht nur wirtschaftliche Gemeinschaft zu bieten, wurde 1972 das W in der Namensabkürzung weggelassen, worauf sich Grossbritannien, Irland und Dänemark dieser EG anschlossen; 1980 bis 1985 folgten Griechenland, Spanien, Portugal, 1995 Österreich, Finnland und Schweden. Doch alle Beitritte brachten wenig neuen

87

Schwung und auch der strenge Maastrichter Vertrag von 1989, der verbal an die Stelle der Gemeinschaft (EG) die Union (EU) setzte und eine gemeinsame Aussenpolitik verordnete, vermochte dem immerhin wirtschaftlich bereits starken Konstrukt nicht effizientes politisches Gewicht zu geben, was angesichts des mörderisch zerfallenden Jugoslawien, wo Amerika eingreifen musste, peinlich deutlich wurde. Gleichwohl hat es etwas Imposantes, was – trotz Rückfällen in den Nationalismus, trotz enttäuschenden Abstimmungen und zu Recht beklagtem Demokratieverlust – erreicht wurde.

Hist karten d  

G. Frick Historische Karten

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