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Ikonografie auf

Münzen Eine PowerPoint-Präsentation des MoneyMuseums

Das Kapitel Ikonografie besteht aus zwei Teilen. Der vorliegende 1. Teil beschäftigt sich mit folgenden Themen: Was ist Ikonografie? Und: Welche Bedeutung haben die Darstellungen auf den Schweizer Münzen? Der 2. Teil zeigt die Ikonografie der amerikanischen 1-Dollarnote, die aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt. Und: Wie hat sich der Gebrauch von Ikonografie auf dem Geld in den letzten 150 Jahren verändert? Dies zeigen wir anhand der 2002 eingeführten Euro-Münzen der Schweizer Nachbarländer.

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Einleitung: Was ist

Ikonografie?

Definition: Unter Ikonografie versteht man den Versuch, einen Sachverhalt nicht mit Worten, sondern mit Bildern wiederzugeben. Das Wort ist zusammengesetzt aus den griechischen Begriffen «Eikon» (= Bild) und «graphein» (= schreiben).

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Einstiegsübung zum Thema Ikonografie: Die meisten von uns können sich unter Ikonografie nichts vorstellen, obwohl uns allen die Deutung von Bildern, zum Beispiel in Comics oder der Werbung, vertraut ist. Eine einführende Übung zum Thema Ikonografie könnte darin bestehen, den Unterschied zwischen Donald und Dagobert Duck beschreiben zu lassen (Donald trägt eine Matrosenmütze, Dagobert einen Zylinder, Donald trägt einen Matrosenanzug, Dagobert einen Frack, Dagobert hält in seiner Hand einen Stock, um auf sein Alter hinzuweisen...). Oder es könnten die Attribute beschrieben werden, mit denen in der Werbung zum Beispiel ein Arzt oder ein Manager dargestellt wird (weisser Kittel, Stethoskop, bzw. Anzug und Krawatte, Aktenkoffer, Handy). Der Versuch, einen Sachverhalt nicht durch eine schriftliche Benennung zum Ausdruck zu bringen, sondern durch Attribute, fällt bereits in den Bereich der Ikonografie.

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I. Teil:

Ikonografie auf

Schweizer Münzen

Wir gehen täglich mit Münzen und Geldscheinen um, ohne die Bilder darauf wahrzunehmen. Überflutet mit Bildern, wie wir es heute sind, können wir uns nicht vorstellen, dass Menschen früher das Geld genau betrachteten, und die Darstellungen darauf zu deuten wussten. Deshalb wurden die Botschaften, die Münzbilder vermitteln sollten, sorgfältig gewählt. Auch auf den Schweizer Münzen geben die Symbole einen Einblick in das Bild, das unsere Vorfahren von ihrer Heimat hatten, und wie sich die Schweiz im 19. Jahrhundert offiziell präsentierte.

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Die Kleinmünzen:

5, 19 und 20 Rappen

Einstieg: Bitten Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmerin sich vorzustellen, dass jeder Fernsehschirm, jede Kinoleinwand dunkel wird. Alle Computer sind abgeschaltet, die Plakatwände abgebaut. Museen mit Bildern gibt es keine, ebenso wenig Broschüren, Illustrierte und regelmässige Zeitschriften. Fragen Sie dann, was an Bildern noch übrig bleibt (z. B. Buchillustrationen, Bilder in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen, Tafeln der Moritatensänger auf Jahrmärkten und eben Münzbilder). Ziel dieser Übung ist es, den Teilnehmenden klarzumachen, dass in einer fast bilderlosen Welt der Abbildung eine viel grössere Bedeutung zukommt. Während heute das menschliche Auge darauf geschult ist, das Wesentliche eines Bildes sofort zu erfassen, verwandte der Mensch früher viel Zeit darauf, es genau zu betrachten und zu deuten. Bitten Sie nun die Teilnehmenden möglichst genau zu beschreiben, was auf dem Schweizer 20-Rappenstück abgebildet ist, ohne sich vorher eines anzusehen.

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Seit fast 130

Jahren schmückt ein Frauenkopf die Vorderseite der 5-, 10- und 20-Rappenstücke.

Das 5- und das 10-Rappenstück wurden zum ersten Mal 1879 ausgeprägt, das 20Rappenstück folgte zwei Jahre später, 1881. Seit damals blieben die schweizerischen 5-, 10- und 20-Rappenstücke unverändert – sie zeigen also seit fast 130 Jahren dasselbe Motiv. Die Vorderseiten sind bei allen drei Münzen identisch; sie wurden nach dem Entwurf eines aus Württemberg stammenden Medailleurs namens Karl Schwenzer gestaltet.

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Schweiz, 20

Rappen 1968.

Die 5-, 10- und 20-Rappenstücke zeigen einen weiblichen Kopf mit einem Diadem, auf dem das Wort LIBERTAS (lat. Freiheit) zu lesen ist. Der Frauenkopf verkörpert einerseits die Freiheit, und ist auf der anderen Seite auch ein Symbol für Helvetia, die mit der Krone der Freiheit geschmückte personifizierte Schweiz. So betont die Vorderseite unserer Münze die enge Verbindung zwischen der Schweiz und dem Ideal der Freiheit. Mit anderen Worten, die Schweiz stellt sich mit diesem Münzbild als ein Staat dar, in dem die Freiheit eine besonders wichtige Rolle spielt.

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Schweiz, 20

Rappen 1968.

Sowohl die Aufschrift LIBERTAS als auch CONFOEDERATIO HELVETICA (Schweizerische Eidgenossenschaft) sind in lateinischer Sprache gehalten. Auch dies ist eine typisch schweizerische Erscheinung. Während die Nachbarländer Frankreich, Deutschland und Italien auf ihren Münzen schon längst zur Landessprache übergegangen waren, behielt man in der Schweiz das Lateinische bei, um alle Landessprachen gleich zu behandeln. Ähnliche Erscheinungen sind heute zu beobachten. Im Jahr 1998 suchte die Eidgenössische Münzstätte nach einer neuen Bezeichnung. Man entschied sich für das englische Swissmint, um keine Landessprache zu benachteiligen.

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Auf den Rückseiten der 5-, 10- und 20-Rappenstücke sind

Kränze abgebildet.

Auf der Rückseite aller drei Münzsorten finden wir den Münzwert in einem Kranz. Der Kranz des 20-Rappenstücks besteht aus Alpenblumen, jener des 10Rappenstücks aus Eichenlaub, und der des 5-Rappenstücks aus Weinlaub. Dass die Pflanzen so deutlich zu erkennen sind zeigt, dass es wichtig war, aus welchem Laub ein Kranz gebunden wurde. Seit der Antike wurden Pflanzen bestimmte Bedeutungen zugeschrieben. So trug im antiken Rom der siegreiche Feldherr beim Triumphzug einen Kranz aus Lorbeer. Die «Bürgerkrone» (corona civica), die ein Römer erhielt, wenn er das Leben eines anderen Bürgers unter dem Einsatz seines eigenen Lebens rettete, bestand aus Eichenlaub. Dem Sieger im Wettstreit wurde ein Palmzweig verliehen. Die Schweiz wollte mit den Kränze aus Weinlaub, Eichenlaub und Alpenblumen ganz bestimmte Inhalte vermitteln. Das Eichenlaub steht für Bürgernähe, für eine Abwendung von der Aristokratie des alten Adels. Die beiden anderen Kränze charakterisieren die Schweiz als ein Land der Berge und des Weins, verweisen auf die geografische Besonderheit der Schweiz, deren Landschaft auf der einen Seite durch die eindrucksvolle – und im 19. Jahrhundert durch den einsetzenden Tourismus höchst einträgliche – Bergkulisse geprägt war, auf der anderen Seite durch das fruchtbare Agrarland, auf dem sogar der so anspruchsvollste Wein gedieh. Würde man das Bild zusammenfassen, das die 5-, 10- und 20- Rappenstücke vermitteln, so könnte man ihnen – ohne sonst etwas über die Schweiz zu wissen – entnehmen, dass die Schweiz ein Land ist, in dem die Freiheit einen hohen Stellenwert einnimmt und die Bürger im politischen Leben die wichtigste Rolle spielen. Die schweizerische Landschaft, so die Aussage der Münzen, ist geprägt von Landwirtschaft und Bergen.

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Das 1-Frankenstück

Das Motiv des Schweizer 1-Frankenstücks, das seine Darstellung mit dem 2Frankenstück und dem 50-Rappenstück teilt, ist noch ein wenig älter als das der 5-, 10- und 20- Rappenstücke.

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Schweiz, 1

Franken 1875.

Die Darstellung der stehenden Helvetia stammt aus dem Jahr 1874 und wurde zum ersten Mal 1875 geprägt. Die Illustration wurde von dem bedeutenden Genfer Künstler und Stempelschneider Antoine Bovy (1795-1877) geschaffen. Die stehende Helvetia ziert die Schweizer 1-Frankenstücke seit mehr als 130 Jahren, und ist damit das älteste unverändert gebräuchliche Münzbild der Welt.

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Die Helvetia als Personifizierung der Schweiz.

Helvetia ist durch die Unterschrift eindeutig als Personifikation der Schweiz charakterisiert. Der Brauch, abstrakte Begriffe wie Liebe, Freiheit oder Tugend, bzw. Länder, Völker und Gegenden als Frauen darzustellen, stammt aus der Antike. Besonders die Römer benutzten in ihrer Münzprägung weibliche Gottheiten, welche die Kraft symbolisierten, um einen erwünschten Zustand zu bewirken.

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Römisches Kaiserreich, Claudius, As, ca. 50 n. Chr.

Die Vorderseite dieser Münze aus der römischen Kaiserzeit zeigt Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.); auf der Rückseite ist Libertas abgebildet, die Personifikation der Freiheit der römischen Bürger.

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Libertas, die Personifizierung der Freiheit, mit dem Freiheitshut.

Libertas, die Freiheit, ist gekennzeichnet durch den Pileus, den Freiheitshut – eine Mßtze, die Sklaven im alten Rom bei ihrer Freilassung aufgesetzt wurde.

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Römisches Kaiserreich, Hadrian, Denar, ca. 122 n. Chr.

Nicht nur göttliche Mächte wurden personifiziert. Auch Städte, Flüsse und Provinzen kleideten die Römer in ein menschliches Gewand. So wurde unter Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) ein Denar geprägt, der auf seiner Rückseite die Personifikation der Provinz Germania zeigt.

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Germania, die Personifikation der römischen Provinz Germanien, mit Schild und Speer.

Germania verweist mit ihrem Schild und dem Speer auf die militärische Schlagkraft der Germanen, die ja die römischen Angstgegner schlechthin waren.

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Germania

Helvetia

Vergleicht man die antike Darstellung der Germania mit der Helvetia des 19. Jahrhunderts, dann stellt man fest, dass sich beide sehr ähnlich sind. Auch unsere Helvetia trägt Speer und Schild, ist damit als kriegerisch gekennzeichnet. Schliesslich waren die Schweizer noch im 19. Jahrhundert für ihr Militär und für ihre Söldner berühmt – Schweizer Söldner hatten Jahrhunderte lang fremden Herrschern als Soldaten und Leibgarde gedient. Die bis heute existierende Schweizer Garde des Papstes ist ein Erbe aus dieser Zeit.

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Schweiz, 1

Franken 1875. Vorderseite.

Der Schild ist auf der Münze mit dem Schweizer Wappen versehen, wobei die Farbe des Wappens korrekt wiedergegeben ist – die Stempelschneider hatten im Barock einen Code von Schraffierungen entwickelt, mit denen sie angaben, welche Farbe ein Wappen hatte. Dabei stand das Fehlen einer Schraffierung für weiss, die senkrechte Schraffierung für rot.

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Schweiz, 1

Franken 1875. Vorderseite.

Heute umgeben 23 Sterne die Darstellung der Helvetia. Sie stehen f端r die 23 Kantone der Schweiz. Bis zum Jahr 1982 waren nur 22 Sterne zu sehen, der 23. wurde f端r den Kanton Jura hinzugef端gt, der im Jahr 1979 seine Unabh辰ngigkeit vom Kanton Bern erlangte.

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Schweiz, 1

Franken 1875. Rückseite.

Die Rückseite mit ihrem Münzwert im Kranz kennen wir schon von den Rappenstücken. Auf den 2- und 1-Frankenstücken sowie auf dem 50-Rappenstück ist der Kranz aus Eichenlaub und Alpenblumen zusammengesetzt, verweist also zum einen auf die Bürgernähe des Schweizerischen Staatswesens als auch auf seine Verwurzelung in der Bergwelt der Alpen.

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Schweiz, 1

Franken 1875. Rückseite.

Das kleine B, das unter dem Kranz zu finden ist, bezieht sich auf den Prägeort der Münze, Bern, wo die Swissmint angesiedelt ist. Wollte man die Botschaft der Münzen zusammenfassen, könnte man allein aus der Betrachtung der Münzen erschliessen, dass es sich bei der Schweiz um einen Bundesstaat mit 23 Mitgliedern handelt, der stolz ist auf sein Militär und seine tapferen Soldaten.

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Das 5-Frankenstück

Unser Fünfliber verdankt seinen Namen dem französischen 5-Livrestück, das noch im 19. Jahrhundert in der Schweiz wesentlich häufiger anzutreffen war als das Schweizerische 5-Frankenstück. Erst seit dem 1. April 1927 ist der Gebrauch von nicht-schweizerischen Münzen in der Schweiz verboten.

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Schweiz, 5

Franken 1923.

Die ersten 5-Franken-Stücke mit dem Motiv des Alphirten wurden im Jahr 1922 geprägt. Damals wollte man das Bild der Schweiz modernisieren, indem man nicht mehr eine Personifikation als Symbol für das Schweizer Volk wählte, sondern einen typischen «Vertreter des Volkes».

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Schweiz, 5

Franken 1923. Vorderseite.

Die Wahl eines Alphirten als Motiv für eine Schweizer Münze gab bei der Einführung des 5-Frankenstücks zu vielen Diskussionen Anlass: In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts war der Alphirt aus Uri, der dem Zürcher Künstler Paul Burckhard als Vorbild für seine Münzvorderseite diente, nicht typischer für die industrialisierte Schweiz, als er es heute ist. Es ist bezeichnend, dass der Volksmund den Mann mit der Kapuze bald als Wilhelm Tell interpretierte, als gemeinsame Identifikationsfigur, die als Verkünder des Ideals der Freiheit am Beginn der Entstehung der Schweiz stand.

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Schweiz, 5

Franken 1923. Rückseite.

Die Rückseite zeigt das Wappen mit dem Schweizerkreuz zwischen zwei Zweigen von Alpenblumen. Hier können wir übrigens beobachten, wie seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der vollständigen Alphabetisierung der gesamten Bevölkerung die Kenntnis der Ikonografie abgenommen hat – zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Farbsymbolik der Schraffierungen nicht mehr verstanden, weshalb man bei der Darstellung des Schweizer Kreuzes darauf verzichtete.

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Schweiz, 5

Franken 1923.

Wollte man die Botschaft der 5-Franken-Münze zusammenfassen, dann müsste man daraus schliessen, dass der typische Bewohner der Schweiz männlich ist, einen sportlichen Oberkörper aufweist und in der Landwirtschaft arbeitet. Eine Aussage, die so schon zur Zeit der Entstehung dieser Münze niemand mehr vertreten konnte. Nichts desto trotz schmücken Typen wie unser Urner heute noch die Plakate des Schweizerischen Fremdenverkehrsverbands.

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MoneyMuseum Kurs 4a: Ikonografie Schweizer Münzen  
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