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Industriekultur in Augsburg „Deutsches Manchester“ nannte man Augsburg im 19. und 20. Jahrhundert wegen seiner vielen Textil- und Maschinenfabriken. Hier entstanden einige der frühesten Industrien Deutschlands: Im Augsburger Textilviertel reihte sich ein Fabrikschloss ans nächste. In Augsburg wurden Innovationen wie Flugdrachen und die erste Zentralheizung Deutschlands, die früheste deutsche Zeitungsrotationsdruckmaschine und der von Rudolf Diesel entwickelte Motor geschaffen. Das Augsburger Wasserwerk war eine europaweit bestaunte technische Sensation, das ehemalige Gaswerk ist heute in ganz Europa einzigartig. Vom Lech bei Augsburg ging die Elektrifizierung der Region mit Strom aus Wasserkraft aus. Sehenswert sind noch immer viele Bauten, die nicht nur den Glanz der Fabrikschlösser, sondern auch die Bedürfnisse der Bewohner einer großen Industriestadt widerspiegeln: Direktorenvillen, Arbeiterquartiere und eine Gartenstadt, das prächtige Kurhaustheater, ein Jugendstilvolksbad, eine einzigartige Jugendstilkirche und eine der schönsten Synagogen Europas. Karl Ganser, „der Architekt des neuen Ruhrgebiets“, erklärt die Geschichte der Industriemetropole Augsburg und führt zu „Architektur-Perlen“ und Museen. Der international bekannte und ausgezeichnete Experte verbindet damit ein ebenso persönliches wie leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung und sensible Nutzung der Zeugnisse einer innovativen, häufig jedoch unterschätzten Epoche. 216 Seiten, 169 Abbildungen EUR 14,80 ISBN 978-3-939645-26-9

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17.11.2010

KARL GANSER | Industriekultur in Augsburg. Pioniere und Fabrikschlösser

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REGIO AUGSBURG

TOURISMUS

Industriekultur in Augsburg Pioniere und Fabrikschlösser

Karl Ganser | context verlag


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Die Kongresshalle wurde 1972 als eine der modernsten Hallen Europas eröffnet. Seit Mai 2010 wird der in die Jahre gekommene Bau, der fast 40 Jahre lang neben Kongressen und Tagungen auch Konzerten, Bällen, Sportveranstaltungen das passende Ambiente bot, rundum erneuert. Ab Mai 2012 soll das Kongresszentrum dann – nach modernsten Maßstäben auf den neuesten Stand der Technik und Energieeffizienz gebracht – wieder für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung stehen. Das Baujuwel aus den 70er Jahren wird künftig den Namen „Kongress am Park Augsburg“ tragen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die spannende Architektur, die Kontraste von hartem Beton und weichem Holz, klaren Linien und verspielten Lichtelementen geben einen einzigartigen Rahmen für Veranstaltungen. Die zentrale Lage, umgeben vom Wittelsbacher Park und das direkt angrenzende Hotel „Dorint An der Kongresshalle Augsburg“ mit 180 Zimmern, sind weitere Gründe, die für dieses Kongresszentrum sprechen.

Kongress am Park Kongresshalle Augsburg Betriebs GmbH Gögginger Straße 10 | 86159 Augsburg Telefon 0821-324 2348 | Telefax 0821-324 2363 www.kongress-augsburg.de | info@kongresshalle-augsburg.de


Karl Ganser

Industriekultur in Augsburg Pioniere und Fabrikschlรถsser

Hrsg. Regio Augsburg Tourismus GmbH

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Karl Ganser

Industriekultur in Augsburg Pioniere und Fabrikschlรถsser

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INDUSTRIEKULTUR Der Autor Karl Ganser, Dr. rer. nat., Dr. habil., Dr. h. c., MinDir i. R., geboren 1937 in Mindelheim (Schwaben) Studien der Chemie, Biologie, Geologie und Geografie an der Universität München und an der Technischen Hochschule München · 1964 Promotion zum Dr. rer. nat. an der TU München · 1967 befasst mit dem Aufbau der Stadtentwicklung bei der Landeshauptstadt München · 1968 Habilitation und außerplanmäßige Professur an der TU München · 1971 Leitung der Bundesforschungsanstalt für Landeskunst und Raumordnung in Bonn · 1980 Abteilungsleiter im Städtebauministerium des Landes Nordrhein-Westfalen mit Zuständigkeiten für Stadterneuerung, Denkmalschutz, kommunalen Straßenbau und Bauleitplanung · 1989 bis 2000 Geschäftsführer der Gesellschaft Internationale Bauausstellung Emscher Park mbH · 2000 bis 2004 Vorstand des Deutschen Architektur Zentrums (DAZ) in Berlin Ehrungen: · 1975 Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung · 1986 Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung · 1995 Bürger des Ruhrgebiets · 1996 Umweltpreis des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) · 1997 Deutscher Preis für Denkmalschutz (Karl-Friedr.-Schinkel-Ring) · 1998 Fritz-Schuhmacher-Preis für Städtebau und Landesplanung · 1999 Ehrenpromotion der Universität Bochum · 1999 Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA) · 1999 Städtebaupreis „Sir Patrick Abercrombie Prize“ der Internationalen Architektenunion (UIA) · 2000 Preis der Sikkens-Foundation für Architektur, Rotterdam · 2001 Preis des Deutschen Kulturrats „Kulturgroschen“ (abgelehnt) · 2004 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen · 2004 Heinz-Schmitz-Gedächtnismedaille des BDB · 2006 Preis der Obayashi Foundation Tokyo für zukunftsfähige Stadtentwicklung · 2006 Bürgermedaille der Stadt Augsburg · 2007 Naturschutzpreis Bayern · 2008 Schickhardt-Ehrenring der Stadt Freudenstadt · 2010 VDRJ-Preis der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten „Impulsgeber für Kulturhauptstadt 2010-Ruhr“ 4


EINLEITUNG Vorwort Salve. Sei gegrüßt Reisender! Der Reisende sucht den fernen Ort und die fremde Welt, will sehen, staunen, verstehen und um Erfahrungen reicher heimkommen. Der Tourist wird Last Minute vermittelt, um dann die überall gleichen Hotels, Strände, Geschäfte und Leute anzutreffen. Sein Handy sorgt dafür, dass er nicht wirklich weg war. Es gibt sie noch, die Reisenden, und ihre Schar wird größer. Ich lade Sie ein nach Augsburg, um in dieser Stadt das Industriezeitalter zu besichtigen. Für die meisten Menschen ist das 19. Jahrhundert ein ferner Ort und eine fremde Welt. Es war eine grandiose Zeit in Glanz und Elend, und Augsburg war mittendrin. Die Stadt zählte zu den großen Akteuren am Beginn des Industriezeitalters. Aber Achtung! Diese Besichtigung ähnelt der einer antiken Grabungsstätte. Wenige Steine, Fundamente und Mauerreste müssen kraftvoll genug sein, um das Bild dieser Epoche, die verloren gegangenen Bauten und die Protagonisten früherer Epochen lebendig zu machen. Das Lesen ist die Grundlage dafür, dass das Reisen bildet und die Spurensuche einen Sinn erhält. Dieses „Reiselesebuch“ ist eine Skizze der Industriezeit in Augsburg. Es soll nicht zuletzt dem „Fremden” Lust machen, das „Deutsche Manchester“ kennenzulernen. Die Menschen aus Augsburg und Umgebung sind ohnehin eingeladen, zu sich „nach Hause“ zu reisen. Denn nur wer mit seiner eigenen Stadt vertraut ist, wird auch ein guter Gastgeber sein. Am Ende kann man sich fragen, weshalb so wenig aus dem Industriezeitalter bewahrt wurde und warum das danach Zugebaute so wenig Charakter hat. Dennoch: Positive Beispiele gibt es in Augsburg immer noch weitaus mehr als anderswo zu sehen. Herzlich willkommen Karl Ganser 5


INDUSTRIEKULTUR Kapitel I: Zwölf Perlen der Industriekultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Denkmäler des Industriezeitalters

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1 Die Schüle’sche Kattunmanufaktur

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2 Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS) 3 Der Glaspalast

6 Die Synagoge

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7 Die Herz-Jesu-Kirche 8 Das Kurhaus

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4 Rudolf Diesel und die MAN 5 Das Gaswerk

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9 Der Hochablass und das Wasserwerk 10 Der Bahnpark Augsburg

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11 Der Schlacht- und Viehhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 12 Das Lechmuseum Bayern in Langweid

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Kapitel II: Augsburger Standortvorteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Die Standortgunst der Stadt

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Faktor 1: Augsburg und seine einzigartige Lage

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Faktor 2: der Lech und die Wasserkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Faktor 3: der Wasserweg und die Eisenbahn . . . . . . . . . . . . . . . 30 Faktor 4: der Finanzplatz Augsburg

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Faktor 5: die Stadt der Industriezeit

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Friedrich List (1789–1846)

Um 1850: Augsburger Fabriken, Münchner Tempel

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INHALT Kapitel III: Fünf Wege durch die Industriestadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Zu Rudolf Diesel und Bertolt Brecht

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40

Acht Stationen von Oberhausen bis zur Altstadt: Leuchtgas und Motoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 1 Das Gaswerk

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Die Wunderwelt der Gasbehälter 2 Die Schuhfabrik Wessels

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3 Maschinen- und Bronzewarenfabrik Riedinger 4 Die Riedinger-Buntweberei

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Ludwig August Riedinger (1809–1879) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 5 Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN)

Das MAN-Museum

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60

Heinrich von Buz (1833–1918)

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Von der Hochdruck-Rotation zu „manroland“ . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Rudolf Diesel (1858–1913)

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Glühende Geburt eines Giganten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 6 Die Baumwollspinnerei am Stadtbach

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7 Die Papierfabrik Haindl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

Georg Haindl (1816–1878) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 8 Die Arbeiterkolonien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76

Die Haindl-Häuser und die Familie Brecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 9 Das Alte Stadtbad

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Textilkrisen, Abrisse und Denkmäler

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Textilviertel: Von der Schüle‘schen Kattunmanufaktur zum Fabrikschloss

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1 Die Schüle’sche Kattunmanufaktur

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Die Faszination des Kattundrucks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 2 Spinnerei und Weberei am Sparrenlech

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3 Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK)

200 Jahre Stoffmuster

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INDUSTRIEKULTUR 4 Mechanische Weberei am Fichtelbach 5 Die Haag-Villa

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Wie Direktoren residierten

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6 Die Baumwoll-Feinspinnerei

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7 Die Mechanische Baumwoll-Spinnerei und ..........

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Weberei Augsburg (SWA) – Werk I „Altbau“ SWA – die Große Fabrik

8 Der Schlacht- und Viehhof 9 Das Proviantbachquartier

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Arbeiterquartiere und Wohnsiedlungen 10 Die Osram GmbH

11 Das SWA-Werk III („Fabrikschloss“)

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12 Das SWA Werk IV „Aumühle“ („Glaspalast“)

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122

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126

Drei Kunstmuseen im Glaspalast 13 Der Martini-Park

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14 Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS)

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130

15 Das Staatliche Textil- und Industriemuseum

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135

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140

16 Der Färberturm

Die Manufaktur – auf dem Weg zur Fabrik . . . . . . . . . . . 141 Die Soziale Frage in Augsburg

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Eine Gedenktafel für das Textilviertel Gedenktafel 1 – Die Pioniere

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Gedenktafel 2 – Die Sterbetafel Gedenktafel 3 – Die Verwerter

Im Dreieck des Eisenbahnzeitalters . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Vom Augsburger Hauptbahnhof über den Bahnpark zum Alten Bahnhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 1 Der Augsburger Hauptbahnhof

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153

2 Das Brauhaus S. Riegele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 3 Die Synagoge

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4 Die Gartenstadt im Thelottviertel

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Das Architekturmuseum Schwaben 8

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INHALT 5 Der Bahnpark Augsburg

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Die Augsburger Localbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 6 Alter Bahnhof

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Industrie und Luxus in den Vororten Zwischen Göggingen und Pfersee zu Nähfaden, Heilkunst und Theater

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1 Die Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen

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Am Weg nach Göggingen: die RENK AG . . . . . . . . . . . . . . . 173 ............................

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Besser wohnen in der Fabrik An der Singold

Johann Friedrich von Hessing (1838 – 1918) . . . . . . . . . . 177 2 Das Kurhaus

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Jean Keller (1844 –1921)

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3 Das Kaltwalzwerk Eberle

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184

4 Die Mechanische Weberei am Mühlbach 5 Die Herz-Jesu-Kirche

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186

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188

Stromgewinnung und reines Wasser . . . . . . . . . . . . . . 190 Im Lech und am Lech: Trinkwasser und Wasserkraft

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1 Das Wasserwerk am Hochablass

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194

2 Der Hochablass

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196

3 Die Lechbäche

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200

4 Das Lechmuseum Bayern in Langweid

Bernhard Salomon (1855 – 1942)

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207

Augsburg und das elektrische Licht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210 Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .212 ......................................................

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Impressum Dank

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Kapitel I: Zwölf Perlen der Industriekultur „Deutsches Manchester“ wurde das Augsburg des Industriezeitalters genannt. Dies war damals nur positiv gemeint. Prachtvolle Fabrikschlösser waren entstanden. Webereien, Spinnereien und Färbereien gaben etlichen tausend Textilarbeitern Lohn und Brot. In Augsburg wurde der Dieselmotor zum Laufen gebracht, hier wurden die schnellsten Druckmaschinen Deutschlands gebaut. Die Gasbeleuchtung in den Straßen strahlte noch vor der in München. Von den ersten Wasserkraftwerken am Lech ging die Elektrifizierung der ganzen Region aus. Industrien und industrielle Prachtbauten sind heute großteils verschwunden. Doch was noch vorhanden ist (wie das Gaswerk in Augsburg-Oberhausen), lädt zum Staunen ein.

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INDUSTRIEKULTUR

Werk I der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg ist abgerissen. Andere Fabrikschlösser blieben erhalten.

Denkmäler des Industriezeitalters Wo soll ich einsteigen in die Industriezeit der Stadt? Wo die Textilindustrie ihren Anfang hatte: Mit von Schüles Manufakturpalast. Er kündet von der einstigen Herrlichkeit und dem späteren Niedergang. Zu sehen ist jetzt eine neue Fachhochschule und noch ein bisschen Kopfbau zur Erinnerung. Aber unweit davon blieb die ehemals großartige Augsburger Kammgarn-Spinnerei erhalten. Dort ist der Glanz der Epoche im Staatlichen Textil- und Industriemuseum aufbewahrt. Das Interesse ist geweckt, aber wohin weiter? Zu den Zeugen der Fabrikschlösser von damals. Der Glaspalast oder das Fabrikschloss bieten sich an. Der Glaspalast ist heute ein Museum für moderne Kunst. Das Fabrikschloss ist nun ein Einkaufszentrum. Man kann den Weg auch zum ersten Dieselmotor ins MAN-Museum nehmen, zum letzten komplett erhaltenen Gaswerk in Europa oder zu einem Wasserwerk am Lech. Zwölf Perlen der Industriekultur sind auf einen Faden gefädelt, der die Zeit von 1770 bis 1914 durchzieht. 1

Die Schüle’sche Kattunmanufaktur

Feinste ostindische Kattune und heimische Gewebe wurden in der Manufaktur bedruckt. Diese Luxusware rief in ganz Europa Bewunde12


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Die Schüle’sche Kattunmanufaktur war eines der frühesten Fabrikgebäude Deutschlands. Heute ist nur noch der Kopfbau erhalten. rung hervor und für die „allerhöchste“ sorgte Kaiser Joseph II.: Er erhob den Unternehmer Schüle in den Ritterstand. Johann Heinrich von Schüle ließ 1770 am Roten Tor vor den Stadtmauern ein „Schloss“ erbauen, um die neue Zeit zu adeln. Eingewandert und eingeheiratet, ging Schüle mit dem alten Weberhandwerk nicht zimperlich um. Es gab Proteste gegen die überlegene Kattunmanufaktur. 1811 – nach dem Tod des Gründers – erlosch das Unternehmen. Es folgten viele neue Besitzer, bis 1989 auch der letzte aufgab. Nun blieb nur noch die „Verwertung der Immobilie“. Die neue Fachhochschule sieht ganz gut aus. Von der Pracht der Schüle’schen Kattunmanufaktur zeugt jedoch nur noch der Kopfbau von 1772 – hier beginnt man sich zu wundern.

Schüle‘sche Kattunmanufaktur (siehe Seite 88 ff.) Friedberger Straße 2, 86161 Augsburg 2

Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS)

Drei „Grazien“ zur Begrüßung. Überlebensgroße Frauenfiguren mit einer beneidenswerten Garderobe ziehen in Sekunden immer wieder neue Kleider an. Die schönsten Muster aus einer Sammlung von 1,3 Millionen Motiven, gebunden in 555 Folianten, werden elektronisch auf den Faltenwurf projiziert. Das ist das Schauspiel im neuen Textilund Industriemuseum. 13


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INDUSTRIEKULTUR

Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei beherbergt das Textil- und Industriemuseum. 1836 wurde die Augsburger Kammgarn-Spinnerei gegründet, um 1900 produzierte sie mit über 1000 Mitarbeitern. Von der wahrhaft stattlichen Anlage ist so viel erhalten, dass die seinerzeitige Größe noch abzulesen ist. Dort also ist nun das „tim“, wie es kurz genannt wird, eingezogen. Man ahnt die Atmosphäre in den ehemaligen Spinnsälen und staunt über die Leichtigkeit unter den Sheds – flache Maschinenhallen der Weberei – aus der Zeit um 1950. Wer beim Abschied über das Gelände blickt, sieht die Weite mit den noch ungenutzten Bauwerken. Halten Sie die Daumen, dass diese stehen bleiben.

Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (siehe Seite 135 ff.) Provinostraße 46 | 86153 Augsburg Telefon 08 21/8 10 01-50 | www.tim-bayern.de 3

Der Glaspalast

Das erste Werk der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei (SWA) – der „Altbau“ – wurde von 1837 bis 1840 fünf Geschosse hoch und 155 Meter lang errichtet. 1968 wurde es abgebrochen. Werk II, die „Rosenau“, entstand 1887/88 – abgebrochen 1972. Werk III, das (noch erhaltene) „Fabrikschloss“ am Proviantbach, folgte 1896/98. Das Werk IV „Aumühle“ wurde 1909/10 auf einem freien Gelände mit 22 Hektar gebaut. 60 000 Spindeln fanden im fünfstöckigen Spinnerei14


ZWÖLF PERLEN

Der Glaspalast – einstmals ein innovativer Industriebau, heute ein Haus der zeitgenössischen Kunst. hochhaus Platz. Die ebenerdigen Sheds überdachten 1000 Webstühle. Die Spinnerei war damals eine der ersten Konstruktionen aus Stahlbeton. Die damals innovative Skelettbauweise machte weite Fensterflächen mit hellen Spinnsälen möglich. Staubturm, Wasserturm und Aufzugsturm markieren den großen Glaswürfel. Werk IV „Aumühle“ der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei – genannt der „Glaspalast“ – glänzt heute zwar als Standort von drei Museen zeitgenössischer Kunst. Doch in seiner banalen Umgebung wirkt dieser Palast der Moderne nunmehr seltsam verloren.

Glaspalast (siehe Seite 122 ff.) Beim Glaspalast 1 | 86153 Augsburg Telefon 08 21/8 15 11 63 | www.glaspalast-augsburg.de 4

Rudolf Diesel und die MAN

Theodor Diesel war Buchbinder in Augsburg. 1858 wurde sein Sohn Rudolf in Paris geboren. In den zwei Jahren von 1893 bis 1895 brachte er einen neuartigen, heute nach ihm benannten Motor zum Laufen. Er ist im Original im MAN-Museum zu sehen. Die Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN) gab Diesel die Werkstatt, Freiraum und Vertrauen für die Verwirklichung seiner visionären Idee. Ende 1895 lief der mit Petroleum betriebene Motor 17 Tage lang im Dauerbetrieb. 15


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INDUSTRIEKULTUR

Ingenieur Rudolf Diesel und sein Werk: Den Versuchsmotor besichtigt man im MAN-Museum in Augsburg. Der Name Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg entstand 1908, weil die Maschinenbauer aus Augsburg und Nürnberg 1898 zusammengegangen waren. Der Augsburger Zweig wurde 1840 von Ludwig Sander gegründet. Dann begann ein furioser Aufstieg des Maschinenbaus: 1858 zählte man um die 300 Beschäftigte, 1898 rund 2900. Heute ist das Unternehmen ein weltweit führender Konzern.

MAN-Museum (siehe Seite 60 ff.) Heinrich-von-Buz-Straße 28 | 86153 Augsburg Telefon 08 21/4 24 37 91 | www.manroland.com 5

Das Gaswerk

Gaslaternen erhellten die Straßen der Städte ab 1850, erst wenige, dann fast alle. Leuchtgas war das sichtbare Symbol des Fortschritts. Augsburg erhielt als zweite Stadt Bayerns (nach Nürnberg) eine Gasbeleuchtung. Alle größeren Städte errichteten Gaswerke: Augsburg baute 1848 eines der ersten in Süddeutschland. Sie alle wurden abgerissen – bis auf eines, das in Augsburg-Oberhausen. Es wurde dort von 1913 bis 1915 auf freiem Feld als schönstes und modernstes weit und breit gebaut. Der Bauplan ist schlossartig angelegt. Heute ist der Komplex das einzige noch vollständig erhaltene „Fabrikschloss“ in der Stadt und ein Denkmal von europäischem Rang. Der staunende 16


ZWÖLF PERLEN Besucher kann dort den Prozess der Leuchtgaserzeugung Bauwerk für Bauwerk „ablaufen“. Seit der Aufgabe der Leuchtgaserzeugung vor 40 Jahren präsentieren sich großartige Innenräume in stiller Schönheit. Am Ende der Wanderung geht es über 392 Treppen fast 90 Meter hoch auf das Dach des „Gasometers“ und zu einem Rundblick über die Stadt und das Umland.

Gaswerk Augsburg (siehe Seite 43 ff.) August-Wessels-Straße 30 | 86156 Augsburg Telefon 08 21/58 50 41 | www.gaswerk-augsburg.de 6

Die Synagoge

1438 wurden die Juden aus der Stadt verwiesen. Ab 1813 bildete sich aufs Neue eine jüdische Gemeinde. 1914 legte man den Grundstein für die Synagoge, eine eklektizistische Mischung aus byzantinischer und klassizistischer Architektur mit Elementen des Jugendstils und der Neuen Sachlichkeit – wohl eine der schönsten in Europa. Wie durch ein Wunder hat sie die Pogromnacht von 1938 überdauert. Nach dem Krieg war sie lange nicht im Bewusstsein der Stadt. 15 Jahre mühevoller Vorarbeit durch die kleine jüdische Gemeinde waren notwendig, bis die Synagoge 1985 erneut geweiht wurde. 2010 ist die Israelitische Kultusgemeinde Augsburgs mit 1700 Mitgliedern so groß wie nie. Der

Ab 1913 entstand in Augsburg eine der schönsten Synagogen Europas. 1985 war der 1938 geschändete Bau restauriert.

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INDUSTRIEKULTUR geschlossene Hof rund um den strahlenden Betraum umfriedet ein jüdisches Kulturzentrum mit einem Museum zur Geschichte und Kultur der Juden. Man geht nachdenklich wieder weg. Es bleibt die bedrückende Frage: „Wie konnte das nur geschehen, Völkermord?“

Jüdisches Kulturmuseum (siehe Seite 158 ff.) Halderstraße 6 – 8 | 86150 Augsburg Telefon 08 21/51 36 58 | www.jkmas.de 7

Die Herz-Jesu-Kirche

Wer ein ganz besonderes Gotteshaus auf sich wirken lassen will, der muss nach Pfersee gehen. Dort steht hoch aufragend „die schönste Jugendstilkirche“ Deutschlands. Die Kirche Herz Jesu wurde 1910 geweiht. Der damalige Bischof von Augsburg habe die Weihe abgelehnt, weil ihm Architektur und Dekor zu radikal modern erschienen. Wie kommt eine solche Kirche hierher? Im Dorf Pfersee westlich der Wertach wurde 1856 die „Spinnerei und Weberei Pfersee“ gegründet. Pfersee wuchs rasch auf Stadtgröße an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren etliche Orte rund um die Stadt so bevölkerungsreich, dass größere Gotteshäuser notwendig wurden. Die selbstbewusste Pferseer Gemeinde setzte ein markantes Kirchenbauwerk gegen die „Türmegemeinschaft“ der einstigen Reichsstadt mit Dom, St. Ulrich

Eine Jugendstilkirche als Erinnerung an das Industriezeitalter: 1910 wurde die Herz-JesuKirche in Augsburg-Pfersee geweiht.

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ZWÖLF PERLEN

Das bis 1886 errichtete Kurhaus im heutigen Augsburger Stadtteil Göggingen gilt als ein Meisterwerk der Ingenieursbaukunst. und Afra, St. Peter, St. Anna, St. Moritz und anderen. Diese „Provokation“ war noch nicht mal fertig gebaut, als die bis 1911 selbstständige Gemeinde zum Augsburger Stadtteil degradiert wurde. Die Industrieanlagen von Pfersee wurden wie anderswo großteils beseitigt. Herz Jesu wirkt nun wie ein einsamer Zeuge einer großen Vergangenheit.

Herz-Jesu-Kirche (siehe Seite 188 ff.) Augsburger Straße 23 a | 86157 Augsburg Pfarrgemeinde: Franz-Kobinger-Straße 2 | 86157 Augsburg Telefon 08 21/25 27 30 | www.herzjesu.com 8

Das Kurhaus

Im ansonsten unauffälligen Stadtteil Göggingen ist ein Juwel versteckt, das Kurhaus. Diese zauberhafte Schöpfung aus einer leichten und verzierten Stahlkonstruktion mit funkelnden Scheiben dazwischen ist ein Meisterwerk der Ingenieursbaukunst. Es lohnt wirklich, sich an einem sonnigen Spätnachmittag in den Garten zu einem Kaffee oder Drink zu setzen. Der verspielte Kurpark ist das Abbild der spielerischen Architektur. Man kennt solche Bilder aus mondänen Badeorten. Der gebrechliche Hochadel und der neue Geldadel hatten sich dort versammelt, um zu plaudern, zu tanzen und zu spielen, mit ein bisschen Heilkur dabei: Baden-Baden oder Wiesbaden oder Bad 19


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INDUSTRIEKULTUR

1879 galt das Wasserwerk am Hochablass weltweit als ein Wunder der Technik. Oeynhausen oder Davos. Aber Göggingen, ein industrieller Vorort von Augsburg? Die damals weltberühmten Hessing’schen Orthopädischen Kliniken haben bis 1886 das Kurhaus samt Kurpark geschaffen. 1972 ausgebrannt, wurde die Anlage zwischen 1988 und 1996 originalgetreu rekonstruiert und restauriert. Das Kurhaus ist wieder ein Tempel der leichten Muse. Man sollte auch am Abend einmal dort gewesen sein.

Kurhaustheater Augsburg-Göggingen (siehe Seite 179 ff.) Klausenberg 6 | 86199 Augsburg Telefon 08 21/9 06 22 22 | www.parktheater.de 9

Der Hochablass und das Wasserwerk

Folgen wir der Empfehlung in einem „Augsburger Führer“ von 1900: Schon damals war „… der Hochablass ein schattiger und kühler Aufenthaltsort mit prächtiger Aussicht.“ Der Lech, der in Vorarlberg entspringt, wird von einem mächtigen Schotterkörper begleitet. In ihm sind große Mengen reinstes Grundwasser gespeichert. Im Süden von Augsburg drängt es an die Oberfläche. Unter dem dortigen Siebentischwald liegt das Trinkwasser der Stadt. Nah davon staut ein Wehr Lechwasser in die fächerartig ausschwärmenden Stadtbäche – der seit dem Mittelalter bestehende, 1911/12 als Stahlbetonkonstruktion errichtete „Hochablass“. Dort hat sich die Stadt 1879 ein weltweit bestauntes Wasserwerk erbaut. Von einem Lechkanal angetriebene 20


ZWÖLF PERLEN Pumpen hoben das Trinkwasser aus dem Schotterkörper und drückten es ins Leitungsnetz. Das System kam ohne die üblichen Wassertürme aus. Für die innovative Technik ließ die Stadt ein klassizistisches Gebäude entwerfen. Die formschönen Maschinen sind im reich verzierten Maschinensaal zu bestaunen. Erst 1973 ging das Wasserwerk außer Betrieb. Heute ist es ein Technikmuseum und Wasserkraftwerk.

Wasserkraftwerk am Hochablass (siehe Seite 194 ff.) Spickelstraße 31 | 86161 Augsburg Telefon 08 21/65 00-86 03 | www.stawa.de 10

Der Bahnpark Augsburg

Über die Industriestadt Augsburg führte schon 1854 die bedeutende „Ludwig-Nord-Süd-Bahn“ zwischen Hof und Lindau. Die einstige Bedeutung des Eisenbahnknotenpunkts Augsburg lässt der Bahnpark noch heute erahnen. Ein Teilbereich des früheren Bahnbetriebswerks ist nun ein Eisenbahnmuseum. In einem denkmalgeschützten Ringlokschuppen mit Drehscheibe und drei Dampflokhallen zeigt der Bahnpark 30 Lokomotiven. Die Schmiedewerkstatt blieb erhalten. In den Werkstätten restauriert man Lokomotiven. Besichtigen kann man den Bahnpark bei Ausstellungen, Aktionen und Dampfloksonderfahrten. Ab und zu führt eine vom DGB organisierte Fahrt mit der „Localbahn“ hierher. Das 65 Kilometer lange Schienennetz der „Localbahn“ leitet

Der Bahnpark erinnert an die wegweisende Rolle Augsburgs im Eisenbahnzeitalter.

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INDUSTRIEKULTUR vom Hauptbahnhof ins Textilviertel, zu 60 angeschlossenen Betrieben und zu artenreichen Sekundärbiotopen in den Industriebrachen.

Bahnpark Augsburg (siehe Seite 162 ff.) Firnhaberstraße 22 | 86159 Augsburg Telefon 08 21/65 07 59-0 | www.bahnpark-augsburg.de 11

Der Schlacht- und Viehhof

Von 1898 bis 1900 entstand der industrielle Schlacht- und Viehhof am Ostrand des Textilviertels beim Lech – auf dem Gelände des früheren Stadthafens. Das Hafenbecken – zuvor Ziel der Lechflößerei – wurde zugeschüttet. Viehhof, Schlachthof, Pferdeschlachthof, Seuchen- und Auslandsviehhof bildeten die Anlage, deren architektonischer Höhepunkt bis heute die frühere Großmarkthalle, die sogenannte Kälberhalle, ist. Klinkerornament, Stahl und Glas gestalten diesen Komplex. Bausünden der 1970er und 1980er Jahre, als dieses Schlachtzentrum zum zweitgrößten Bayerns wurde, hat man im Zuge einer behutsamen Sanierung geheilt. Teile der traditionsreichen Dierig Holding AG – ein Textilunternehmen – arbeiten noch immer in diesem Ensemble.

Schlacht- und Viehhof Augsburg (siehe Seite 110 ff.) Proviantbachstraße 1 | 86153 Augsburg Telefon 08 21/52 10-2 26 | www.dierig.de Der ehemalige Schlacht- und Viehhof blieb erhalten – und findet eine neue Nutzung.

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ZWÖLF PERLEN

Im Historismusbau in Langweid wird Strom erzeugt – und ein ganzer Fluss erklärt. 12

Das Lechmuseum Bayern in Langweid

Der Lech fließt an Augsburg vorbei, verstärkt sich durch die Wertach und verwandelt jetzt Wasserkraft in Strom. Ab 1901 wurden stromabwärts von Augsburg drei große Kraftwerke gebaut. Das erste Wasserkraftwerk weit und breit errichtete man in Gersthofen, 1907 ein zweites in Langweid – sehenswerte Ingenieurbauten mit hoher Baukultur. 1922 ging dann ein drittes Wasserkraftwerk in Meitingen in Betrieb. Das bundesweit einzigartige Fluss-, Technik- und Architekturmuseum im Wasserkraftwerk in Langweid erzählt die Geschichte der Stromgewinnung am Lech sowie die Wirtschafts-, Kultur- und Naturgeschichte des Flusses von der Quelle in den Lechtaler Alpen bis zur Mündung in die Donau. In dem Historismusbau wird noch immer Wasserkraft in Elektrizität umgewandelt. Nach dem Besuch der beiden Museumsgeschosse führt der Weg nach unten. Bei der Modernisierung der Anlagen wurde eine Turbine als technisches Denkmal erhalten. Die seinerzeit neuartige Maschine in ihrem Turbinenhaus ist begehbar. Allein dieses Erlebnis lohnt den Weg. Dabei entsteht eine Ahnung von den Dimensionen des Maschinenbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nun ist auch klar, was sich hinter der Fassade verbirgt.

Lechmuseum Bayern (siehe Seite 205 ff.) Lechwerkstraße 19 | 86462 Langweid am Lech Telefon 08 21/3 28-16 58 | www.lechmuseum.de 23


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INDUSTRIEKULTUR Batzenhofen

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Kapitel II: Augsburger Standortvorteile Dass sich Augsburg zur – neben Nürnberg – führenden Industriestadt Bayerns entwickeln konnte, hatte sowohl geografische als auch geschichtliche Gründe. Unter das Stichwort Geografie fällt die zentrale Lage Augsburgs im süddeutschen Raum. Die Gebirgsflüsse Lech und Wertach waren nicht nur bedeutende Transportwege, sondern versorgten die Stadt seit dem Mittelalter mit der Antriebskraft des Wassers. Zur Geschichte Augsburgs gehört, dass man schon vor den Glanzzeiten der Fugger mit Handel, Textilherstellung und Metallen vertraut war. Der Wasserreichtum Augsburgs und das Wissen seiner Bewohner leisteten der Industrialisierung massiv Vorschub. Die Textil- und Metallindustrie sowie die Energiegewinnung aus Wasserkraft standen im Zentrum fast aller Entwicklungen.

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INDUSTRIEKULTUR

Augsburg entstand im Mündungsdreieck der Gebirgsflüsse Lech und Wertach. Sein Wasserreichtum förderte bereits im frühen Mittelalter den Aufstieg der Stadt.

Die Standortgunst der Stadt Faktor 1: Augsburg und seine einzigartige Lage Augsburg wurde auf einem Sporn am Zusammenfluss der Gebirgsflüsse Lech und Wertach gegründet. Der Blick reicht hier flussabwärts in Richtung Donau. Flussaufwärts führt der Weg weit hinauf und zu den Alpenpässen hinüber nach Italien. Die Römer haben die Gunst dieser Lage erkannt. Es gibt südlich der Donau keine bessere. Der Geländesporn besteht aus Kiesen einer älteren Eiszeit: Geologisch ist das eine Hochterrasse. Rund um diese lagert sich etwas tiefer das Schotterfeld der Niederterrasse aus der jüngsten Eiszeit ab. Diese Topografie teilt die (Alt-)Stadt in eine obere und eine untere. Man erlebt den Höhenunterschied, wenn man die Treppen am Rathaus hinunter geht. Draußen vor den Toren der Stadt – noch etwas tiefer – weiten sich die Talauen von Lech und Wertach. Durch Ausstauen wurden die Stadtbäche aus dem Lech in die untere Stadt „gehoben“. Nicht zuletzt aufgrund dieser Kanäle hat sich seit dem frühen Mittelalter erfolgreich Gewerbe entwickelt. Auf den weiten, zu Beginn des Industriezeitalters unbesiedelten Talauen machte sich im 19. Jahrhundert die Industriestadt Augsburg breit. 28


STANDORT AUGSBURG Faktor 2: der Lech und die Wasserkraft Kraft für die Industrie in Augsburg kam aus dem Lech und aus der Wertach. Reichlich Wasser und starkes Gefälle machten die Wasserkraft „produktiv“. Stadtbäche wurden aus dem Fluss ausgeleitet oder quollen aus dem begleitenden Schotterkörper. Dieses System reicht bis ins Mittelalter zurück. Wohl schon um 1346 gab es im Süden der Stadt ein Stauwehr, den „Lechablass“, um Wasser in die Stadtbäche abzuzweigen. Um 1850 zählte man in Augsburg über 100 Triebwerke mit rund 200 Wasserrädern. Im Lauf der Entwicklung folgten Turbinen. Die Wasserkraft war für einen „revierfernen Standort“ mit großer Entfernung zur Kohle von entscheidender Bedeutung. Kein anderer Standort in Süddeutschland verfügte über derart viel leicht nutzbares Wasser. Der Lech brachte es von hoch oben aus den Lechtaler Alpen vor die Tore der Stadt. Das war auch von Vorteil für den Wettbewerb mit Nürnberg, der anderen großen Industriestadt der Zeit. Verglichen mit dem Lech waren Pegnitz, Regnitz und Rezat „ärmliche Gewässer“.

Eine Karte aus dem 17. Jahrhundert verdeutlicht, wo Wasser aus dem Lech und der Wertach über Werkskanäle die Augsburger Mühlräder und Hammerwerke antrieb.

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INDUSTRIEKULTUR

1911/12 errichtete man den Hochablass als Stahlbetonkonstruktion im Lech. Der Lech war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ein Wildfluss. Mehrmals im Jahr kamen Hochwässer. Dabei verlegte der reißende Gebirgsfluss immer wieder sein Bett. Das Tal war breit und die Ufer waren flach. Der Lech konnte sich bei Hochwasser also in der Aue „austoben“. In der Fachsprache von heute wäre von natürlichen „Retensionsräumen“ die Rede. Für den Hochwasserschutz und zur Elektrizitätsgewinnung wurde der Lech, wie fast alle großen Flüsse in dieser Zeit, kanalisiert. Durch die Stauwehre wurde das Geschiebe zurückgehalten. Ohne diese steinerne Fracht hat sich der Fluss immer weiter eingetieft. Nun konnten auch die Ufer besiedelt werden. Heute wünschen sich viele die Schönheit und Natürlichkeit des Wildflusses zurück. Aber der Weg dorthin ist verbaut. Die „Naturierung“ ist trotzdem eine Vision für die Zukunft. Vom Hochablass aus hat man den Lech im Blick – den Kanal, die Ausleitung der Stadtbäche und tiefer unten den Altlauf zwischen Kiesbänken. Doch dies ist nur ein schwacher Abglanz des Wildflusses vor der „Zivilisierung“.

Faktor 3: der Wasserweg und die Eisenbahn In vorindustrieller Zeit war der Lech ein viel genutzter Wasserweg. Die Flößerei war hoch entwickelt. Der beachtliche Holzbedarf der Stadt wurde in einer stattlichen Floßlände umgeschlagen. Noch 1912 30


STANDORT AUGSBURG

1901 gab es in Augsburg Überlegungen, den Lech bis zur Donau hin schiffbar zu machen. Ein Stadthafen war in Planung. wurde ein Floßhafen am Lech gebaut. Im 19. Jahrhundert kam sogar die Idee auf, den Lech von der Stadt bis zur Mündung in die Donau schiffbar zu machen. Der „Masterplan“ für einen Augsburger Donauhafen ist beeindruckend, doch die hochfliegenden Pläne des Augsburger Architekten Karl Albert Gollwitzer wurden schon bald ad acta gelegt. Zu stark war die Konkurrenz durch die Eisenbahn. Und auch der Floßbetrieb wurde schon 1914 eingestellt. 1838 war die Bahnlinie zwischen Augsburg und München gebaut. Die für die industrielle Entwicklung der Stadt aber entscheidende Strecke verband Augsburg über Nürnberg mit dem sächsischen Industriegebiet und mit dem Bodensee. Diese 600 Kilometer lange Nord-SüdBahn war 1854 bis Lindau fertiggestellt. 1854 war auch Württemberg über Ulm angeschlossen. Der größte Eisenbahnknoten in Bayern war in Augsburg geflochten worden. Angefangen hatte das Eisenbahnwesen Bayerns mit einer sechs Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth, von privaten Bankkreisen finanziert. Die Strecke hatte bereits im ersten Jahr 475 000 Fahrgäste. Eisenbahnfahren war eine Sensation. So mancher Freizeitpark von heute würde sich über einen solchen Start freuen. Die Bahn von München nach Augsburg kam an einem Sackbahnhof vor dem Roten Tor an. Die Schienen importierte man aus England, 31


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INDUSTRIEKULTUR sechs Lokomotiven wurden in Liverpool bestellt. Für die Verknüpfung der Strecke Augsburg – München mit der Nord-Süd-Bahn war ein Sackbahnhof allerdings ungeeignet. Also wurde 1846 der heutige Hauptbahnhof als Durchgangsstation in Betrieb genommen. Der Hauptbahnhof in Augsburg ist übrigens der älteste noch „diensthabende“ in der Bundesrepublik. Der Traum vom Wasserweg auf dem Lech war also schnell ausgeträumt. Dafür wurde der Lech zum Stromproduzenten.

Faktor 4: der Finanzplatz Augsburg Der Stern der Stadt als weltumspannende Kapitale des Kapitals war nach 1600 zwar am Sinken. Aber die lange Tradition und die alten Beziehungen lebten am Beginn der Industriezeit wieder auf. Baron Lorenz von Schaezler (1762 – 1826) brachte es zum reichsten Bürger der Stadt. Er gewann seinen Reichtum als Finanzier der bayerischen Krone – das erfolgreiche Muster der Renaissance wiederholte sich. Sein Sohn Ferdinand machte die Schaezlerbank zum wichtigsten Kreditgeber für die neuen Unternehmen. Die Schaezlers residierten standesgemäß im prachtvollen Rokokopalais in der Maximilianstraße. Die Kapitalbeschaffung über Aktien wurde entwickelt. Augsburg war für kurze Zeit Börsenplatz, verlor dann aber gegen die Konkurrenz in München. Auch gelang es nicht, den Sitz der neuen Nationalbank, der Hypotheken- und Wechselbank, nach Augsburg zu holen. Trotzdem gab es keinen Mangel an Kapital für die Industrialisierung, und die Tradition des Finanzplatzes war dabei hilfreich.

Faktor 5: die Stadt der Industriezeit Der Städtebau der Industrialisierung folgte einem eigenwilligen Plan. Diese „andere Stadt“ stößt bis heute auf nur wenig Verständnis. Also wird sie bedenkenlos abgerissen oder ausgeplündert. Der Bauplan der „abendländischen Stadt“ geht auf das hohe Mittelalter zurück, auf die Zeit der Städtegründungen, den Plan der gotischen Zeit. Dieser Grundriss hat bis heute überlebt. An diese Stadt haben wir uns gewöhnt. Sie wurde jüngst – in Augsburg wie auch anderswo – mit Fleiß saniert. Diese „gute Stube“ finden die Menschen nämlich heute noch schön.

Die Karte aus dem 19. Jahrhundert zeigt, wie die Lechbäche zahlreiche (rot hervorgehobene) Fabriken in der Stadt versorgten. 32


STANDORT AUGSBURG

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INDUSTRIEKULTUR Die Bauweise der Industriezeit organisierte die Produktion. Dabei nahmen die Herren der Produktion Anleihen bei der alten Stadt. Sitz des Unternehmers oder des Betriebsdirektors war die herrschaftliche Villa. Die mächtigen Produktionsgebäude waren nach Funktion gestaffelt. Dazwischen lag ein Park. Ganz am Rand waren die Wohnhäuser der Arbeiter angelagert. Die städtebauliche Anordnung imitierte oft eine Schlossanlage. Jedes größere Unternehmen errichtete für sich solch eine „Stadt“. Dazwischen verblieben Abstandsflächen zum nächsten Betrieb. Ein Flickenteppich von Inseln industrieller Produktion, die in sich weitgehend „autark“ waren, umlagerte auch und gerade in Augsburg die historische Stadt. Diese städtebauliche Konzeption begreift man beim Studium einer Ansicht der Haag’schen Maschinen- und Röhrenfabrik in Augsburg. Heute steht dort die Haag-Villa einsam mit etwas Park. In Augsburg ist so eine zweite Stadt entstanden. Sie blieb den meisten Menschen fremd. Sie bestand aus in sich geordneten und geschlossenen Anlagen mit Park im Inneren und Grün außen herum, verbunden durch Stadtbäche und Werksbahnen. Komplette Ensembles dieser Bauweise gibt es heute nur noch eines in Augsburg – das Gaswerk. Schade. Die meisten wurden nach 1980 in der Zeit des industriellen Niedergangs ganz oder teilweise abgerissen. Am Ende stand dann die „Immobilienverwertung“.

Die Maschinen- und Röhrenfabrik Johannes Haags mit der 1875 erbauten Haag-Villa.

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VORDENKER UND WEGBEREITER Friedrich List (1789 – 1846) Den Weg ins Industriezeitalter bereiteten große Denker vor. Sie klärten auf und stürzten religiöse und wissenschaftliche Dogmen. „Aufklärung“ war die Grundlage für den freien Geist in Philosophie, Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie. Ende des 18. Jahrhunderts entstand der Begriff „Fortschritt“. Mit ihm verband sich die Erwartung, Naturwissenschaft und Technik würden die allumfassende Machbarkeit ermöglichen. Diese Utopie trieb die Industrialisierung ein Jahrhundert lang an. Aufklärung als kritische Vernunft des Individuums verlor ihr Ideal an Ideologien: Liberalismus, Nationalismus und Sozialismus, Kommunismus und Faschismus versprachen eine „bessere Welt“. Alle sind sie – früher oder später – gescheitert. Zu den geistigen Wegbereitern der Industrialisierung zählt auch Adam Smith (1723 – 1790), der die klassische Nationalökonomie begründete. Immanuel Kant (1724 – 1804) forderte den Menschen zum Handeln auf – mit dem Ziel des ewigen Friedens. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin (1808 – 1882) verabschiedete sich radikal von der Schöpfungsgeschichte. Karl Marx (1818 – 1883) begründete den nach ihm benannten Marxismus und verfasste 1847 mit Friedrich Engels das „Kommunistische Manifest“. Technische Wegbereiter waren James Watt (1736 – 1819), der Erfinder der Dampfmaschine, sowie George Stephenson (1791 – 1848), der die Eisenbahn entwickelte und in seiner Fabrik die „Adler“, die erste deutsche Dampflokomotive, baute. Der Ingenieur und Erfinder Werner von Siemens (1816 – 1892) begründete die Elektrotechnik, Justus von Liebig (1803 – 1873) die organische Chemie und 1840 die Theorie der künstlichen Düngung. Der Reutlinger Friedrich List wurde mit 28 Jahren Professor für Verwaltungspraxis an der Universität Tübingen. 1819 gründete er in Frankfurt den Deutschen Handels- und Gewerbeverein: ein Meilenstein auf dem Weg zum Deutschen Zollverein von 1834. Lists freie Denkweise führte zu seiner Verhaftung. Er emigrierte in die USA, kam zurück, wurde politisch nicht rehabilitiert und zog daher nach Paris. Er setzte sich für den Ausbau des Thüringer Eisenbahnnetzes ein, bekam jedoch keine feste Anstellung, nur den Ehrendoktor der Universität Jena. Ab 1841 wohnte List am Vorderen Lech 15 in Augsburg, wo er sein Hauptwerk, „Das nationale System der politischen Ökonomie“, vollendete. Eine Gedenktafel erinnert dort an den Wirtschaftsdenker. König Ludwig I. von Bayern verlieh ihm einen Orden, König Wilhelm I. von Württemberg stellte Lists bürgerliche Ehre wieder her. Während einer Reise in Südtirol beging List Selbstmord. 35


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INDUSTRIEKULTUR

In Augsburg baute man Fabrikschlösser wie Schüles Kattunmanufaktur und gab sich – wie Ludwig August Riedinger – bürgerlich.

Um 1850: Augsburger Fabriken, Münchner Tempel Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Augsburg zum „Deutschen Manchester“. Das nahe München verwandelte sich derweil in ein „Isar-Athen“. Dank Napoleon war das Königreich Bayern entstanden, Augsburg hatte 1806 alle Reichsfreiheiten verloren und wurde mit Teilen des schwäbischen Reichskreises Bayern zugeschlagen. Das politische Machtzentrum war nun München – und die Künste gehen zur Macht. Die Augsburger Bibliotheken wurden nach München verschleppt – Kaufleute bräuchten keine Bücher, ließ der König seine neuen Untertanen wissen. In Augsburg gründeten die Pioniere der Industrialisierung eine neue Stadt, die Industriestadt. Sie lagerte sich an die alte Stadt an und belegte weite Flächen um die Mauern: Dort entstand eine Vorstadt mit mächtigen, teils prächtigen Industriekomplexen. Bis 1850 wirkte der Gründerboom vor den Stadtmauern, die ab 1860 niedergelegt wurden. In München regierte Ludwig I., König von Bayern. Er verwandelte im Baurausch mit den genialen Architekten von Klenze und von Gärtner die Stadt in eine „Weltstadt des Klassizismus“. Die Industrialisierung ließ auf sich warten. Auch München sollte eine Stadt der Industrie werden, aber erst viel später, verbunden mit den Namen Justus von 36


STANDORT AUGSBURG

In München plante man um 1850 antikische, tempelartige Bauten wie die Alte Pinakothek, und der König repräsentierte mittelalterlich. Liebig, Carl von Linde, Joseph Anton von Maffei und anderen. Im Jahr 1890 gründete auch Siemens ein „Technisches Büro“ an der Isar. Die Industrialisierung Augsburgs war um 1850 weit fortgeschritten: 1770 entstand Schüles Manufakturpalast, 1780 Schöppler & Hartmann als ein Vorläufer der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK), 1836 die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS), 1837 die Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA), 1840 die Maschinenfabrik Augsburg (MAN), 1846 die Mechanische Weberei am Fichtelbach, 1847 die Färberei und Druckerei Martini und die Papierfabrik Haindl, 1851 die Röhrenfabrik Johannes Haag, 1839/40 der Alte Bahnhof und 1846 der Neue Bahnhof. In München baute man zu dieser Zeit Nachahmungen griechischer Tempel und Siegestore. König Ludwig I. von Bayern und in seinem Auftrag Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner machten München zu einer Stadt des Klassizismus – zum Isar-Athen. Um 1850 wurden ganze Straßenzüge und Plätze im neuen, wenn auch eher rückwärtsgewandten Stil angelegt: die Brienner Straße und die Ludwigstraße, der Karolinenplatz, der Königsplatz und der Odeonsplatz. Imposante Bauten wurden geschaffen: Die Alte Pinakothek, die Universität und die Staatsbibliothek wurden in den Jahren 1838 beziehungsweise 1840 und 1843 eingeweiht. Bis 1844 entstanden die Feldherrenhalle und die Ludwigskirche, 1852 das Siegestor und 1860 die Propyläen. 37


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Kapitel III: Fünf Wege durch die Industriestadt Willkommen. Einige der Perlen der Industriekultur kennen Sie vielleicht schon. Wenn nicht, dann empfehle ich zur Einstimmung erst einmal einen Besuch im Textilmuseum, im Gaswerk oder im MAN-Museum. Auch eine Wanderung entlang des Lechs beim Hochablass, eine Tasse Kaffee im Kurhaus in Göggingen oder ein Konzert in der Synagoge nahe des Hauptbahnhofs sind schöne Erlebnisse. Aber eigentlich will ich Sie zu fünf ausgedehnten (Rad-)Wanderungen durch die Industriestadt Augsburg einladen. Das geht nicht alles an einem Tag. Daher beschreiben die fünf folgenden Kapitel die große „fremde Stadt“ des 19. Jahrhunderts in Routen, die Sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad erwandern können. Ich – Karl Ganser – begleite Sie dabei.

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INDUSTRIEKULTUR


VOM GASWERK ZUM STADTBAD Zu Rudolf Diesel und Bertolt Brecht Eine Tour nördlich und östlich der alten Augsburger Stadtmauern führt – unter anderem – in das europaweit einzigartige Gaswerk im Stadtteil Oberhausen. Sie leitet auch zu den Spuren Ludwig August Riedingers, einem der ganz großen Industriellen jener Zeit. Während an ihn nur wenig erinnert, sieht man im MAN-Museum den Versuchsmotor, mit dem Rudolf Diesel den nach ihm benannten Motor zur Serienreife brachte. Außer Dieselmotoren werden links und rechts des Wegs Druckmaschinen und Papier produziert. Diese Tour führt auch in das Arbeiterquartier, in dem der junge Schriftsteller Bertolt Brecht erwachsen wurde – und dem der weltberühmte Autor später ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Am Schluss steht ein Jugendstilbad, das gestiftet wurde, um die hygienischen Bedingungen der Augsburger Industriearbeiter zu verbessern.

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INDUSTRIEKULTUR

Eine Luftaufnahme des Gaswerk-Komplexes aus dem Jahr 1932. Den 86 Meter hohen Scheibengasbehälter gab es damals noch nicht – er entstand erst 1953.

Acht Stationen von Oberhausen bis zur Altstadt: Leuchtgas und Motoren Versetzen wir uns gut hundert Jahre zurück. Der Plan der Stadt von 1902 zeigt im Norden vor dem Wertachtor zwischen dem Lech und der Wertach zwei Spinnereien sowie die Maschinenfabrik und Buntweberei Riedinger am Senkelbach, die Maschinenfabrik Augsburg am Stadtbach, die Baumwollspinnerei zwischen Stadtbach und Proviantbach und die Papierfabrik Haindl, dazu die vorstädtische Wohnbebauung. Die aus Lech und Wertach abgeleiteten aufgefächerten Stadtbäche fließen nördlich der Altstadt wieder zusammen. Westlich der Wertach liegt das kleine Dorf Oberhausen. Danach kommt nur noch freies Feld. Das große Gaswerk wird erst 1913/14 weiter nordwestlich erbaut werden. Heute, nach über hundert Jahren, ist dort die wohl größte zusammenhängende Gewerbezone der Stadt ausgeufert. Die seinerzeitige klare Struktur ist völlig überformt. Im Gewirr fällt die Orientierung schwer. Wir machen uns also auf die Suche nach den Bauwerken, der Kultur und der Geschichte von damals – zu acht Stationen. 42


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Schlossähnliche Industriebauten: das Ofenhaus und der Behälterturm des Gaswerks. 1

Das Gaswerk

Das Augsburger Gaswerk ist nicht zu übersehen. Von Weitem und aus allen Richtungen fällt der Blick auf den Gasometer, eine der drei höchsten Landmarken der Stadt neben dem Hotelturm am Bahnhof (107 Meter) und der Basilika St. Ulrich und Afra (93 Meter). Der Gasbehälter ist „nur“ 86 Meter hoch, dafür aber 45 Meter „dick“. Von Weitem ist das Gaswerk also gut zu sehen, aus der Nähe dann allerdings doch schwer zu finden. Sie müssen die August-Wessels-Straße suchen. Ich erwarte Sie am Torhaus mit der Nummer 30. Guten Tag! Bitte kurz draußen stehen bleiben. Wo findet man heute so ein stattliches Entree am Eingang zu einem sogenannten Gewerbepark? Drehen Sie sich um, da ist der „Deuter Park“, die Nachnutzung des ehemaligen Deuter-Areals. Sehen Sie den großen Unterschied? Gehen wir durch den Torbogen, dann leitet eine baumbestandene Einfahrt zum Mittelpunkt der Anlage, zum „Behälterturm“. Dort sind mächtige Tanks aus Stahl für die Speicherung von Löschwasser und chemischen Produkten gestapelt. Nun wandern wir den Weg der Leuchtgaserzeugung Gebäude für Gebäude ab. Sie befinden sich auf der einzigen Anlage in Europa, wo das noch möglich ist. Denn: Alle anderen sind ganz oder bis auf wenige Reste abgerissen. 43


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INDUSTRIEKULTUR

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Von Oberhausen in die Altstadt 1 Gaswerk 2 Schuhfabrik Wessels 3 Maschinen- und Bronzewarenfabrik

Riedinger* 4 Die Riedinger-Buntweberei 5 Maschinenfabrik Augsburg-N端rnberg

(MAN) 6 Baumwollspinnerei am Stadtbach* 7 Papierfabrik Haindl 8 Arbeiterkolonien 9 Altes Stadtbad

*Diese Fabriken sind nicht mehr erhalten. 44


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

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INDUSTRIEKULTUR

Die Teilansicht des Gaswerks, Ende der 1930er Jahre vom Kessel aus fotografiert, verdeutlicht seine schlossähnliche Anlage. Das doppelschiffige hohe Ofenhaus beschirmte zwei mal fünf Meiler, in denen unter Luftabschluss bei 1000 Grad Celsius der Kohle rund 20 Stunden lang das „Gas“ ausgetrieben wurde. Dabei entstanden Koks, also reiner Kohlenstoff, und Rohgas. Der Koks musste sofort abgelöscht werden, damit er nicht verbrannte: Er war wertvolles Brennmaterial. Der Wasservorrat dafür wurde im Behälterturm mit 540 000 Litern Fassungsvermögen gespeichert. Das Rohgas aus dem Ofenhaus wurde nach der Reinigung zum Leuchtgas. Darüber hinaus entstanden Wertstoffe wie Ammoniak, Benzol und Naphthalin, Schwefel und Teer. Diese Nebenprodukte waren begehrt und daher gut verkäuflich. Gehen wir jetzt weiter in das Kühlerhaus: Dort wurde das heiße Rohgas abgekühlt. Der helle, fast anmutige Raum wirkt nun wie eine Orangerie. Das langgestreckte Apparatehaus enthält die Pumpen und Kompressoren, mit denen das Gas angesaugt und ins Netz gedrückt wurde. In diesem beinahe majestätisch wirkenden Raum mit flachem Tonnengewölbe sind Maschinen in einer langen Reihe ausgerichtet. Von da aus gehen wir weiter ins Reinigerhaus. An diesem Gebäude kann man die Betonskelettbauweise gut studieren. Drei Geschosse stehen übereinander. Im Obergeschoss wurde eine Reinigermasse eingefüllt. Im Mittelgeschoss wurde dem Gas mithilfe dieser Masse der Schwefelanteil entzogen. Im unteren Geschoss wurde die schwefelgesättigte Masse wieder abgeführt, vom Schwefel „entlastet“ 46


VOM GASWERK ZUM STADTBAD und im Kreislaufsystem oben wieder eingebracht. In der ehemaligen Elektrozentrale hat der Verein der Gaswerkfreunde auch ein kleines Museum mit Kostbarkeiten aus der alten Zeit eingerichtet. Mit der Ausbreitung des Erdgases ging die Leuchtgaszeit ab 1960 zu Ende. Im Augsburger Gaswerk endete die Produktion von Leuchtgas 1978 endgültig. Danach wurde allerdings noch bis 2001 Erdgas gespeichert und in das Netz eingespeist. Jetzt ist auch das vorbei. Nun können wir das schöne und letzte Denkmal aus der großen Zeit des Leuchtgases bestaunen. Die Stadtwerke Augsburg haben es bis heute bewahrt und behütet – dafür gebührt Dank und Anerkennung. Was daraus werden wird? Die Zukunft ist ungewiss. Wir stehen vor einem „Industrieschloss“. Also werden „neue Schlossherren“ gesucht, die ihr Gewerbe nicht in einem der üblichen Gewerbegebiete oder im „Businesspark“ betreiben wollen. Die Stadtwerke werden weiterhin eine schützende Hand über diese Perle der Industriekultur halten. Die tiefsten Eindrücke vermittelt das Gaswerk, wenn man auch noch die „Wunderwelt der Gasbehälter“ anschaut. Der Aufstieg auf den hohen Scheibengasbehälter ist aus Sicherheitsgründen nur bei Führungen möglich. Sie werden an Wochenenden im Sommerhalbjahr angeboten. Nach telefonischer Vereinbarung kann man eine Führung „aus erster Hand“ durch den Verein der Gaswerkfreunde buchen. Wer es beim ersten Mal nicht schafft, kann ja noch einmal kommen.

Der komplette Erhaltungszustand macht das Augsburger Gaswerk europaweit einzigartig.

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INDUSTRIEKULTUR Die Wunderwelt der Gasbehälter Leuchtgas wurde rund um die Uhr erzeugt. Die Öfen konnten nicht einfach zurückgefahren oder wieder angefeuert werden. Der Verbrauch war jedoch großen Schwankungen unterworfen – Tag und Nacht, warme und kalte Tage. Es musste also zwischengespeichert werden. Dafür haben die Ingenieure „Gaskessel“ konstruiert. Sie mussten sicher, gasdicht und immer mit gleichem Druck gefüllt und entladen werden. Im Gaswerk Augsburg ist eine weltweit einmalige Ansammlung von vier unterschiedlichen Gasbehältern, die zwischen 1910 und 1953 erbaut wurden, zu bestaunen. Dadurch ist ein „Freilichtmuseum“ der Gasspeichertechnik entstanden. Erhalten sind · der kleine Teleskopbehälter, entstanden 1910: Durchmesser 40 m – Gerüsthöhe 32,5 m – Volumen 25 000 m 3 – Gasdruck 10 bis 19 mbar · der große Teleskopbehälter, entstanden 1913: Durchmesser 53 m – Gerüsthöhe 34,4 m – Volumen 50 000 m 3 – Gasdruck 10 bis 18 mbar · der hohe Scheibengasbehälter, entstanden 1953: Durchmesser 45 m – Höhe 86 m – Volumen 100 000 m 3 Und dann der „Schwarze 1er“, der Wassergasbehälter von 1913: Er ist der weltweit erste Gasbehälter in der Scheibentechnik, ge-

Wirkt wie „Kunst im Gaswerk“ – das Oberlicht im Inneren des Scheibengasbehälters.

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DIE GASKESSEL

Die Teleskopbehälter und der 1953 gebaute Gasometer des Gaswerks Augsburg. baut wurde er für die Speicherung von Wassergas. Dieser Stahlbehälter wurde seinerzeit zur Sicherheit ummauert. Die Ummauerung ist erhalten, der Stahlkessel entfernt. Der Innenraum wirkt wie eine Rundkirche. Für diese Erfindung erhielt die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg am 5. September 1913 das Kaiserliche Patent. Wer an so viel Technik nicht interessiert ist, oder wer die Funktionsweise trotz der Erklärungen nicht ganz versteht, kann sich einfach von der stillen Schönheit dieser Innenräume beeindrucken lassen. Die Teleskopbauweise funktioniert jedenfalls so: Eine „Tasse“ aus Stahl ist mit Wasser gefüllt. Wohlgemerkt, der Durchmesser liegt zwischen 40 und 53 Metern. In diese Tasse ist eine „Glocke“ eingetaucht. Strömt Gas durch das Wasser von unten ein, hebt sich die Glocke nach oben, geführt an einem zierlichen Führungsgerüst. Das Fassungsvermögen der Glocke kann vergrößert werden, wenn zwei Ringe an sie angehängt sind. Sie bewegen sich dann mit der Glocke teleskopartig nach oben. Bei der Scheibenbauweise muss man sich eine Blechdose vorstellen, in der sich der Deckel je nach Füllung auf und ab bewegt. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg baute weltweit 500 Scheibengasbehälter – sie hatte das Weltmonopol. In Europa existieren nur noch wenige, alle ohne das zugehörige Gaswerk. In Oberhausen im Ruhrgebiet ist der größte dieser Gasbehälter zu bestaunen. 49


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INDUSTRIEKULTUR

Die Schuhfabrik Wessels ist ein Glücksfall gut erhaltener Industriearchitektur. 2

Die Schuhfabrik Wessels

Wir sind durch den Torbau des Gaswerkes wieder zurück in der August-Wessels-Straße. Wer war dieser Herr Wessels? Mit einem Schuster aus Oldenburg und einem Pfarrer aus Wörishofen hat alles begonnen. Der Schuster war während seiner Lehr- und Wanderjahre in Augsburg angekommen und erhielt eine Anstellung bei der Zolle’schen Schuhfabrik in Oberhausen. Beim Studium eines Buches über die Kneipp’sche Heilkunde blieben seine Gedanken „in der Sandale stecken“. 1895 machte sich August Wessels in der Kaltenhoferstraße in Oberhausen selbstständig. Der Schuhmacher fertigte Sandalen in Handarbeit. Ein Helfer schnitt zu, dessen Frau steppte, Meister Wessels zwickte und nähte durch. Dann belud er sich und ging mit seinen Sandalen hausieren. In wenigen Monaten stieg der Absatz steil an. Die Tagesfertigung lag bald bei 140 Paar Sandalen und 50 Paar Schuhen. Ein Jahr später erwarb Wessels ein Grundstück an der Feldstraße und der Anfang für die heutige große Fabrik war gemacht. Nun wurden moderne Schuhe aller Art maschinell hergestellt. 1902 waren 125 Arbeiter beschäftigt. 1908 war die Schuhfabrik der größte Spezialhersteller von Sandalen, Leinen- und Sportschuhen im Kaiserreich. Bald zählte die Belegschaft über 1000 Menschen. Die beiden Weltkriege brachten Krisen und die Umstellung auf Kriegsprodukte. Danach aber folgte ein glanzvoller Wiederaufstieg. 1965 beschäftigte das Unter50


VOM GASWERK ZUM STADTBAD nehmen am Standort in Oberhausen und in zwei weiteren Betrieben 2500 Menschen. 1970 war alles vorbei. Die Schuhfabrik Romika übernahm die restliche Belegschaft. Das ist eine typische Geschichte vom atemberaubenden Aufstieg eines Unternehmens im 19. Jahrhundert und über das jähe Ende nach 1970. Blieben nicht Bauwerke erhalten, könnten wir die Geschichte nur noch in Schriften lesen – dank sei dem Denkmalschutz. Während ich das erzähle, sind wir durch die Unterführung der Bahnlinie in Richtung Nürnberg gegangen und vor dem Portal der Wessels-Fabrik angekommen. Schranke davor, kein Zutritt. Wir müssen unsere Köpfe weit in den Nacken legen, um an den mächtigen Fassaden hochzuschauen. Wenigstens einen Blick in den Innenhof dürfen wir auf Anfrage werfen. Es herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen. Was ist das heute für ein Betrieb? Nach dem Ende erwarb eine Maschinenfabrik aus Friedberg die 16 000 m 2 große Nutzfläche. 1986 ging dieses Objekt an eine Immobilienfirma. Es wurde außen und innen umfassend saniert. Die hallenweiten Geschosse teilte man in Büro-, Schul- und Laborräume auf. Auch die technische Ausrüstung wurde den neuen Anforderungen angepasst. Die Schuhfabrik Wessels gehört zu den Glücksfällen, die nach ihrem „Aus“ einen klugen Immobilienverwerter gefunden hat. Der Erhalt der gesamten städtebaulichen Anlage einschließlich ihrer Architekturqualität wurde als eine Chance erkannt. Heute ist das Werk voll und dauerhaft an ein großes Unternehmen der Labordiagnostik vermietet. Auch eine medizinisch-technische Schule und einige kleinere Firmen zählen zu den Mietern. Interessant wäre es, wenn der Reisende mehr sehen könnte als nur die Außenfront und ein bisschen vom Innenhof. Doch wer auf den Gasometer im Gaswerk nebenan steigt, der kann die Gesamtanlage von oben betrachten – es lohnt sich. Dieses Werk, das heute so einheitlich aussieht, hat sich von 1896 bis 1919 in Bauabschnitten entwickelt. Ein Architekt namens Horle hat mit einem winkelförmigen Blankziegelbau begonnen. Jean Keller – dem wir auf unserem Weg zu den Perlen der Industriearchitektur noch häufiger begegnen werden – hat ab 1904 in moderner Betonskelettbauweise weitergebaut. 1910/11 wurde das Werk von Philipp Jakob Manz verlängert. Den letzten Bauabschnitt von 1919 plante Eduard Rottmann. Dieses alles können wir uns vermutlich nicht merken und ohne eine Führung im Detail wohl auch nicht begreifen. Doch wir spüren immerhin, dass hier ein Unternehmer seine Geschäfte über lange Zeit mit Sinn für die Baukultur geführt hat. Das macht die Einheitlichkeit und zugleich das Lebendige an der Schuhfabrik Wessels aus. 51


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INDUSTRIEKULTUR

Auf einem Briefbogen von 1910 ist das damalige Werk der Maschinen- und Bronzewarenfabrik Riedinger abgedruckt. 3

Maschinen- und Bronzewarenfabrik Riedinger

Wir machen uns auf den Weg in das „Reich Riedingers“ in Oberhausen. Was das Dorf Oberhausen vor der Industrialisierung ausmachte, ist im alten Ortskern nur noch zu erahnen. Was muss das für ein Überfall der modernen Zeit gewesen sein, wenn rundherum in wenigen Jahren solch riesige Fabrikbauten entstanden sind? Die neuen Unternehmer haben mit ihren Ideen, Produkten und Fabrikationen handwerkliche Existenzen verdrängt. Das verlief nicht ohne Protest und soziale Not. Diesen neuen Maßstab haben wir soeben an Wessels Fabrik gesehen. Auch Ludwig August Riedinger war solch ein ungebändigter Erneuerer. Am Senkelbach hat er sein Imperium geschaffen. Wir stehen auf der Brücke über der Wertach. Tief unten der Fluss, seit der Regulierung schnurgerade und eingetieft. Hier beginnt die Riedingerstraße. Südlich dieser Straße zwischen Wertach und Senkelbach hat anno 1857 Ludwig August Riedinger die „Mechanische Werkstatt am Senkelbach“ begründet. 1850 hatte er dort schon eine Hammerschmiedegerechtsamkeit gekauft. Zuvor war Riedinger technischer Direktor der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei (SWA), von der wir noch Großes sehen und hören werden. Gleichzeitig war er auch ein Pionier der Gasbeleuchtung und Planer von Gaswerken in ganz Deutschland. 52


VOM GASWERK ZUM STADTBAD Es lag nahe, dass er am Senkelbach anfing, Gasapparate im großen Stil zu bauen. Bald war die Maschinenfabrik „universal“: Gasometerglocken, Gasuhren, Brauereieinrichtungen, Bierkühler, Feuerwaffen, Dampfmaschinen … Die Maschinenfabrik hatte 1893 drei Turbinen, zwei Dampfmaschinen, 195 Drehbänke, 28 Hobelmaschinen, 69 Bohrund Fräsmaschinen und etliche andere Maschinen. Ab 1875 wurden durch die Gasabteilung 180 Gasfabriken erbaut und 5000 Eisenbahnwagen mit rund 20 000 Gasflammen ausgerüstet. Riedinger leuchtete acht fürstliche Schlösser, 40 Staatsgebäude, 16 Theater, zwölf Bahnhöfe, zwölf Kirchen und über 100 Vergnügungsetablissements aus. 1884/85 entstand im Zentrum der Anlage eine rund 110 Meter lange, dreischiffige Maschinenbauhalle mit palastartiger Stirnfront, ein Höhepunkt des Industriehallenbaus in Augsburg. Der großzügig verglaste Obergaden machte diese Halle strahlend hell. Mitten in dieser Maschinenfabrik stand auch das Direktorenhaus, erbaut 1865. Von dieser Pracht ist leider nichts erhalten. 1927 erfolgte nach dem Ableben des Gründersohns August Riedinger die Fusion der Maschinenfabrik mit der MAN. Das Unternehmen wurde als „L. A. Riedinger’sche Bronzewarenfabrik für Lampen“ bis 1967 fortgeführt. In das Fabrikareal ist längst der Druckmaschinenhersteller „manroland“ hereingewachsen. manroland ist heute selbstständig und der wohl bedeutendste Hersteller von Druckmaschinen weltweit.

Bronzewaren und Beleuchtungskörper: ein Werbedruck von L. A. Riedinger in Augsburg.

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INDUSTRIEKULTUR Die kunstgewerbliche Sparte der Maschinenbaufabrik kreierte Beleuchtungskörper und Bronzewaren, die europaweit begehrt waren. Zu den viel bewunderten Unikaten in prominenten Bauwerken gehörten der mit Elektrolampen bestückte Leuchter in der Fürstenherberge „Drei Mohren“ in Augsburg, 1894 die riesigen Bronzeleuchter für den Reichstag in Berlin (jede Leuchte mit einem anderen Entwurf) und eine drei Tonnen schwere Deckenleuchte aus Muranoglas mit 250 Lampen im Zuschauerraum des Theaters Augsburg. Karl Riedinger war kreativ und rastlos wie sein Vater August. Ab 1894 wurden auf dem Gelände der Maschinenbaufabrik am Senkelbach „Fluggeräte“ entwickelt. Es begann mit einem „Lenkballon“ für militärische Zwecke. Bald wurde ein Flugzeug konstruiert. Es kam aber nur zu einem Versuchsexemplar. Ein windstabiler Drachenballon folgte. Diese Entwicklungen fanden in der stilvollen Halle statt, die ursprünglich die Kunstgewerbesammlung Karl Riedingers aufnehmen sollte. 1897 wurde auf dem Firmengelände eine Ballonfabrik gegründet. Der Major von Parseval war ein erfahrener Konstrukteur und der Partner Riedingers. Bis 1931 wurden 28 zusammenlegbare Parseval-Luftschiffe gebaut, die meisten für das Militär. Auf einer Reise nach Süddeutschland landete die „Parseval III“ im Oktober 1909 in Augsburg. Dieses 75 Meter lange, zigarrenähnliche Luftschiff mit 5600 m 3 Volumen wollten damals Tausende sehen. Aus der Ballonfabrik Riedinger von 1897 ging die Ballonfabrik Augsburg hervor, die bis 2009 existierte und sich auf See- und Luftausrüstungen spezialisiert hat. 4

Die Riedinger-Buntweberei

Ludwig August Riedinger hatte reichlich Erfahrung im Textilbereich, war er doch schon 1842 zum technischen Direktor der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA) berufen worden, dem damals größten Textilbetrieb in Bayern. Dort schied er 1852 aus und gründete 1857 seine große Maschinenfabrik südlich der heutigen Riedingerstraße. Anno 1865 folgte – ebenfalls am Senkelbach – eine Weberei nördlich der Riedingerstraße. Anfänglich firmierte sie unter dem Namen „Mechanische Baumwollweberei“ und produzierte mit 200 Webstühlen. Sie wurde bald in eine Buntweberei umgewandelt. 1869 zählte man 430 Webstühle mit knapp 600 Arbeitern. Die Weberei war ein integrierter Betrieb mit Spinnerei, Bleicherei, Färberei und Appretur. Für diesen komplexen Betrieb standen anfänglich kein geeignetes Führungspersonal und auch nur wenig geschulte Arbeiter zur Verfügung. Doch Ludwig August Riedinger überwand alle Hindernisse. Ein Drittel seiner Produktion bestand aus Artikeln in Türkisch 54


VOM GASWERK ZUM STADTBAD Rot – damals eine Modefarbe – und farbigem Bettzeug, aus Futterstoffen, Kleidern und Blusen, Barchenten und Trikots. Das Garn dafür wurde teilweise in England hergestellt. Die Buntweberei Riedinger war eine Anlage im Fabrikschlossstil. Nach ihrer weitgehenden Zerstörung im Krieg entstand ein Websaal in Schalenbeton. Anfang der 1950er Jahre kamen ein Hochbau für ein Weberei-Vorwerk und ein Kraftwerk dazu. Die Fabrikansicht wird von einem überlangen Betonskelettbau mit eng gestellten Vertikalstützen bestimmt, der 1958 für eine Kleiderfabrik entstand. Die Kleiderfabrik ist nun ein Schulgebäude. Die Buntweberei Riedinger (zuletzt gehörte sie zum Dierig-Konzern) wurde nach ihrer Stilllegung (1982) zunächst zum „Riedinger-Park“ und – in jüngerer Zeit – zum „Augsburg-Park“. Als wir dort waren, war es gar nicht einfach, den Eingang zu finden. Unter vielen Firmenschildern hing auch ein kleines in Weiß mit der Aufschrift „Riedinger-Park“. Einen Augenblick lang hofften wir, dass aus der stillgelegten Fabrik ein schöner Park geworden ist. Denn nicht viel weiter nördlich, am Zusammenfluss zwischen Lech und Wertach, erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet „Wolfzahnau“. Doch kein Park weit und breit: nur ein heterogen genutztes gewerbliches Land – teilweise auch „Un-Land“ – mit einer Einfahrt, in die man sich kaum hineintraut. Sich in diesem „Park“ aufzuhalten lohnt nur dann, wenn das Interesse an der Geschichte dieses Werks überwiegt.

1865 entstand Ludwig August Riedingers Buntweberei am Senkelbach.

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INDUSTRIEKULTUR Ludwig August Riedinger (1809 – 1879) Ludwig August Rüdinger wurde 1809 in Württemberg geboren. Sein Vater war Landwirt und Schneider. Der junge Riedinger, wie er sich dann später nannte, machte eine Schreinerlehre und wurde in einer Baumwollspinnerei in Heidenheim Modellschreiner. 1837 erhielt er einen Preis für Verbesserungen an einer Vorspinnmaschine. Wohl mit diesem Ruf wurde er nur wenig später von der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei in Augsburg (SWA) als Karderiemeister eingestellt. Vier Jahre später war er technischer Direktor. 1852 verließ er die SWA aus Zorn über die Blockaden der alteingesessenen Augsburger Wirtschaftskreise. Ausgestattet mit einem Vertrag des Chemikers Max von Pettenkofer widmete er sich 1852 dem Bau von Gasanstalten und der Einrichtung von Gasbeleuchtungen in ganz Deutschland. Von seiner 1857 gegründeten Maschinenfabrik am Senkelbach und der Weberei (der späteren Buntweberei) von 1865 am Senkelbach war schon die Rede. Riedinger war Schreiner, Erfinder, Textilingenieur, Maschinenbauer, Pionier des Leuchtgaswesens, Lichtdesigner – so würde man heute sagen. Er gehörte am Ende seines Lebens zu den reichsten Unternehmern Bayerns. Im Jahr vor seinem Tod erwarb er noch das erste Haus am Platz, das Hotel „Drei Mohren“. 1879 verstarb der ebenso bedeutende wie erfolgreiche Augsburger Industrielle. Ludwig August Riedinger war „ein guter Patriarch“, sorgte für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Unternehmen und umsorgte die zugehörigen Belegschaften. In einem Porträt von Peter Fassl, Bezirksheimatpfleger für das bayerische Schwaben, steht geschrieben: „… Trotz dieses Aufstiegs zum Großindustriellen blieb Riedinger als ‚der Mann aus dem Volke’ … in engem und unmittelbarem Kontakt zu seinen Arbeitern, bei denen er höchstes Ansehen besaß. Stolz auf seinen Werdegang aus eigener Kraft waren ihm ‚Treu und Glauben’ … die Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft, wie er in seiner Autobiografie schrieb .“ Fassl weiter: „Über die inneren Gründe seiner rastlosen Arbeit gibt er in dem 1875 von Ferdinand Wagner gemalten Porträt (heute im Hotel ‚Drei Mohren’) in seiner Autobiografie Auskunft. Riedinger steht vor einem Kartentisch mit den Plänen der Gaswerke von Coburg und Mantua (beide Städte verliehen ihm das Ehrenbürger-

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DER GUTE PATRIARCH recht), im Hintergrund sieht man zwei Bücher mit den Titeln ‚Die Schule des Lebens’ und ‚Ueber Wissenschaft und Arbeit als Quelle des Wohlstands für Alle’. Riedinger hatte die Nöte und Mühen des kleinen Mannes am eigenen Leib verspürt, er sah seine Arbeit als eine Pflicht, seinen Aufstieg als Ansporn und Aufgabe, sein Schaffen letztlich als Dienst am Fortschritt und damit am Menschen. Der vitale und bis zuletzt energiesprühende Mann wurde am 20. April 1879 nach einem Schlaganfall mitten aus seiner Arbeit gerissen. 10 .000 Menschen begleiteten den Toten zum protestantischen Friedhof. Kein anderer Augsburger Wirtschaftsführer genoss im 19. Jahrhundert beim einfachen Arbeiter ein vergleichbares Ansehen. Sein wirtschaftliches Werk mutet eher ‚amerikanisch’ an und blieb in dieser Spannweite in Bayern einmalig. Auf dem abgebildeten Gemälde schaut Riedinger bärbeißig und mit einer Andeutung von Schmunzeln in die Ferne. Er hat gerade einen Brief gelesen, gelassen überlegt er die weiteren Schritte. Reiche Erfahrung, Selbstsicherheit und Tatkraft strahlt das markante Gesicht aus, ein Unternehmer, der mit Stolz auf seine Leistung schauen kann.“ (Zitate aus: „Schauplätze der Industriekultur in Bayern“, Hrsg. Werner Kraus, S. 39/40) Beim Weggehen aus dem „Riedinger-Park“ sind wir uns einig: Ludwig August Riedinger hätte zu beiden Seiten des Senkelbachs wirklich große Architektur im Park verdient. Der Augsburger Ludwig August Riedinger zählte zu den bedeutendsten bayerischen Großindustriellen des 19. Jahrhunderts.

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INDUSTRIEKULTUR

Eine Postkarte aus der Zeit vor 1898 zeigt die Maschinenfabrik Augsburg und ihre Lage am Stadtbach. 5

Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN)

Wir stehen an der Ecke Riedinger-/Wolfzahnaustraße vor der MAN. Mit großen Buchstaben steht an diesem Tor „MAN Diesel & Turbo“. Wie machen wir uns dieses riesige Werk begreifbar, wenn es in Betrieb und somit – außer bei Führungen – nicht begehbar ist? Ich schlage vor, wir umlaufen den Komplex über die Sebastianstraße in die Stadtbachstraße und danach hinauf bis zur MAN-Brücke über den Lech. Rund 3000 Mitarbeiter sind hier vorrangig mit dem Bau von Dieselmotoren beschäftigt. In den Hallen der MAN Diesel & Turbo SE entstehen im Jahr 2010 Schiffsmotoren mit einer Leistung von bis zu 29 368 PS. Der Versuchsmotor von Rudolf Diesel hatte damals 20 PS. 2008 feierte die MAN ihr 250-jähriges Bestehen. Das Augsburger Werk entstand erst 1840 als Sander’sche Maschinenfabrik. Es gibt in der MAN also noch eine wesentlich ältere Wurzel. Sie steckte im Boden des nördlichen Ruhrgebietes. Die „St.-Antony-Hütte“ wurde 1758 in Oberhausen-Osterfeld gegründet. Damals sah eine Eisenhütte noch aus wie ein Bauernhof in einer idyllischen Landschaft. Wasserkraft wurde aus angestauten Teichen bezogen, weil der kleine Bach nicht genug Kraft hatte. Das Raseneisenerz kam auch von nebenan. Auch die Maschinenfabrik in Augsburg sah 1857 noch nicht aus wie 58


VOM GASWERK ZUM STADTBAD eine „richtige“ Fabrik, obwohl sie seit 1857 „Maschinenfabrik Augsburg“ hieß. Die von Ludwig Sander gegründete Firma war zuvor gemeinsam von ihm und Carl August Reichenbach als „C. Reichenbach‘sche Maschinenfabrik“ geführt worden. Von da an dauerte es noch fast 40 Jahre bis zur Erfindung des DieselMotors. Aber schon die ersten Produkte aus den 1850er Jahren genossen im Gebiet des Zollvereins einen guten Ruf – Turbinenräder mit hohem Wirkungsgrad, Transmissionen, Dampfmaschinen, Schriftgießereimaschinen und Schnelldruckpressen mit bestem Farbwerk gehörten zum Programm. Damals waren 500 Arbeiter beschäftigt. Mit ihren Druckmaschinen erwarb sich die Maschinenfabrik Augsburg Weltgeltung. Das Unternehmen entwickelte 1873 die deutschlandweit erste Rotationsdruckmaschine für Zeitungsdruck. Von MAN Roland – heute manroland AG – wird später noch die Rede sein. Die MAN hat noch eine dritte Wurzel. Sie geht auf die „Maschinenfabrik und Eisengießerei Klett & Comp.“ von 1841 in Nürnberg zurück. Dieser Zweig der MAN hat sich früh auf Waggons, Tragwerke, Hallen und Brücken ausgerichtet. Ein berühmtes, heute wieder aufgestelltes Bauwerk war die Schrannenhalle in München. Die Eisengießerei in Nürnberg war der wichtigste Wegbereiter des Eisenbahnwesens. Der Brückenbau zeugte eine Seitenwurzel in Mainz, wo ab 1860 das Werk Gustavsburg aus einer Brückenbaustelle hervorging. An dieser Stelle drängt sich eine Rückblende zum Augsburger Gaswerk auf: Denn die „Gustavsburger“ haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu alle Scheibengasbehälter gebaut.

Die Reichenbach’sche Maschinenfabrik und Eisengießerei war ein Vorläufer der MAN. Das Unternehmen sah noch eher nach einer ländlichen Idylle als nach einer Fabrik aus.

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INDUSTRIEKULTUR 2010 beschäftigte die MAN-Gruppe weltweit rund 48 000 Arbeitskräfte. In Augsburg ist mit MAN Diesel & Turbo SE und dem Getriebebauer RENK AG noch ein starker Zweig beheimatet, zusammen 4000 Arbeitsplätze. Wie entstand die MAN-Gruppe? Augsburg und Nürnberg vereinten sich 1898. Die Nürnberger brachten das Werk Gustavsburg mit. Der Name MAN entstand 1908. Im Ruhrgebiet ist aus der kleinen Antony-Hütte die große Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenvertrieb, geworden. Sie übernahm 1921 die Aktienmehrheit bei der MAN. Der Name MAN ist geblieben. Heute wird der Konzern in München verwaltet. Druckmaschinen werden seit 2008 bei der manroland AG gebaut: Der zweitgrößte Hersteller von Drucksystemen und Weltmarktführer im Rollenoffset zählte 2010 in Augsburg 2700 Mitarbeiter. Das ist die 250-jährige Erfolgsgeschichte von Eisenhütte, Gießerei, Maschinenbaufabrik und Fahrzeugbau. Bevor wir nun an der MAN entlanglaufen, bietet sich ein Abstecher in die gegenüberliegende Heinrich-von-Buz-Straße an. Dort machen wir einen Kurzbesuch beim MAN-Museum. Im Blick auf das Gegenüber bekommen wir ein Gefühl von der Größe des Werks manroland AG. Wieder zurück am Buz-Tor gehen wir an der Sebastianstraße entlang. Dort hat sich die Kapuzinerkirche St. Sebastian gegen die Ausweitung des MAN-Werks behauptet. Beinahe ohne Trennfuge gehen die Mauern von Konzern und Kloster ineinander über. An der Ecke Stadtbachstraße steht das imposante Verwaltungshochhaus, vom MAN-Baubüro in den Jahren 1960/61 errichtet. Die Maschinenbaufabrik hatte ihre Anfänge am Stadtbach und erweiterte sich von da aus nach Westen und Norden mit Gießereien und mehrschiffigen Montagehallen, die unter anderem von den Architekten Johann Hosp und Jean Keller entworfen wurden. In diesen recht betagten Hallen wird heute noch effizient produziert – davon können wir jedoch nichts sehen. An der MAN-Brücke drängt sich ein anderes Großunternehmen mit langer Tradition vor Augen: Die Haindl-Papier GmbH. Genau genommen: die ehemaligen Haindl-Werke. Denn 2001 wurde das traditionsreiche Familienunternehmen an den finnischen Konzern UPM Kymmene Group veräußert.

Das MAN-Museum Das MAN-Museum, ein langgestrecktes Bauwerk in der Heinrich-vonBuz-Straße, ist äußerlich wie im Inneren von gediegener Eleganz. Das Gebäude wurde 1938 als „Forschungsanstalt für Gestaltfestigkeit“ nach neuesten Erkenntnissen gebaut. Dies war eine Prüfanstalt 60


TREIBENDE KRAFT

Heinrich von Buz war eine der Persönlichkeiten, denen die Entwicklung Augsburgs zur führenden Industriestadt zu verdanken war. Sein monumentales Denkmal steht vor dem Verwaltungshochhaus der MAN.

Heinrich von Buz (1833 – 1918) Heinrich Buz studierte an der Polytechnischen Schule in Augsburg. Vater Carl Buz holte den Sohn 1857 in die Maschinenfabrik Augsburg, die der Sohn in den Jahren zwischen 1864 und 1913 mit außergewöhnlichem Erfolg führte. Anno 1898 betrieb er die Vereinigung mit der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Nürnberg. Heinrich Buz gab dem jungen Rudolf Diesel die Werkstatt und die Freiräume für die Entwicklung des Dieselmotors. Unter seiner Führung entstanden aber auch die erste deutsche Rotationsdruckmaschine und die erste Linde’sche Kältemaschine. Heinrich Buz war überdies die treibende Kraft bei der Gründung der Augsburger „Localbahn“. Man nannte von Buz einen „Bismarck der deutschen Maschinenbauindustrie“. 1907 wurde er geadelt. Heinrich Ritter von Buz starb 1918 als einer der reichsten Unternehmer Bayerns. Buz war eine zentrale Persönlichkeit bei der Entwicklung Augsburgs zu einer führenden Industriestadt des 19. Jahrhunderts. Ein monumentales Steindenkmal vor dem MAN-Hochhaus an der Stadtbachstraße ehrt den großen Augsburger Unternehmer. Das MAN-Museum liegt an der nach dem Firmenlenker benannten Heinrich-von-Buz-Straße. 61


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INDUSTRIEKULTUR

Ab 1845 wurden bei MAN Druckmaschinen gebaut. 1873 entstand die erste Rotationsdruckmaschine für den Zeitungsdruck. für originalgroße Teile in Hochleistungs-Dieselmotoren. Nach Kriegsende wurde diese technisch wegbereitende Prüfanstalt von den Besatzungsstreitkräften demontiert. In der einen dadurch frei gewordenen Halle wurde das Werksmuseum mit etwa 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche eingerichtet. Der unbestrittene „Star“ in dieser Ausstellung ist der Versuchsmotor von Rudolf Diesel. Bei Führungen kann dieser Motor wieder in Gang gesetzt werden. Davon ausgehend wird hier die Entwicklung des Dieselmotors dargestellt. Die andere Linie der Exponate beginnt mit einer handbetriebenen Schnellpresse, Baujahr 1846, die 1000 Bogen pro Stunde druckte. Die ausgestellte Schnellpresse wurde bis 1974 in der Justizvollzugsanstalt in Amberg zum Druck von Formularen eingesetzt. 1873 entstand bei der Maschinenfabrik Augsburg die erste Rotationsdruckmaschine für Zeitungsdruck, die man 1873 auf der Weltausstellung in Wien zeigte. Mit einer im MAN-Museum ausgestellten Druckmaschine dieser Bauart wurde in Leipzig das Meyer’sche Konversationslexikon gedruckt. Ein besonders schönes Schaustück ist der Ackerschlepper AS325H, Baujahr 1951. Dieser wurde von 1949 bis 1952 insgesamt 1450-mal produziert. Ein Blickfang ist auch das Modell der MS Mozart, eines Luxus-Flusskreuzfahrtschiffs, das auf der Deggendorfer Werft für die Donauschifffahrt gebaut wurde. Die Antriebsleistung betrug zweimal 1622 PS. Das großzügig gestaltete MAN-Museum bietet einen reprä62


VOM GASWERK ZUM STADTBAD Das MAN-Museum steht an der Heinrich-von-Buz-Straße. Das bekannteste Exponat dieses Werksmuseums ist der Versuchsmotor Rudolf Diesels. Noch immer kann dieser Motor zum Laufen gebracht werden.

sentativen Rahmen für Veranstaltungen. Die „Augsburg-Halle“ mit 200 Sitzplätzen kann angemietet werden. Das MAN-Museum wird von manroland betrieben, ist aber ein Gemeinschaftswerk der manroland AG, der MAN SE und MAN Diesel & Turbo SE.

Von der Hochdruck-Rotation zu „manroland“ Die lange und erfolgreiche Linie der Druckmaschinen bei MAN nahm mit der ersten handbetriebenen Schnelldruckpresse ab 1845 ihren Anfang. Die große Innovation war dann die Hochdruck-Rotationsmaschine von 1873. Woher kommt der Name Roland? Im Jahr 1871 gründeten Louis Faber und Adolf Schleicher eine Gesellschaft zur Produktion von lithografischen Schnellpressen in Offenbach. Im Jahr 1911 wurde vom Unternehmen „Faber & Schleicher AG“ die erste Bogenoffsetpresse mit der Bezeichnung „Roland“ gebaut. Die Druckmaschinenbereiche der MAN und der „Rolandoffsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher“ schlossen sich 1979 zur „MAN Roland Druckmaschinen AG“ zusammen. 2008 entstand aus der MAN Roland die manroland AG. Wir sind die Heinrich-von-Buz-Straße entlanggelaufen und haben so eine oberflächliche Vorstellung von diesem Werk gewonnen. An der Ecke zur Ottostraße sind noch einige alte Gebäude aus der Zeit der Riedinger’schen Maschinenbaufabrik erhalten. Bis zur Eingliederung in die MAN 1927 lag auf dem Areal zwischen der Wertach und der Heinrich-von-Buz-Straße die erfolgreiche Maschinenbaufabrik von Riedinger, angetrieben von der Wasserkraft des Senkelbachs. 63


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INDUSTRIEKULTUR


AM LECH ENTLANG

Stromgewinnung und reines Wasser Die Gebirgsflüsse Lech und Wertach erleichterten nicht nur seit jeher den Warentransport nach Augsburg, sondern waren auch eine wichtige Kraftquelle für das Handwerk. Ab dem 19. Jahrhundert profitierten dann auch die Fabriken der Textil- und Metallindustrie an den Augsburger Stadtbächen von der Stromgewinnung aus Wasserkraft. 1901 entstand am Lechkanal in Gersthofen am nördlichen Stadtrand von Augsburg das erste große Kraftwerk am neuen Lechkanal. Von ihm ging die Elektrifizierung der Region aus. Dank des Wasserreichtums des Lechs ist aber auch Augsburgs Trinkwasser bis heute besser als anderswo. Um es zu gewinnen, schuf man 1878 ein Wasserwerk, das europaweit als technische Sensation bestaunt wurde.

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INDUSTRIEKULTUR

Im Jahr 1907 wurde das Wasserkraftwerk in Langweid errichtet. 2008 entstand dort das Lechmuseum Bayern – Strom aus Wasserkraft wird hier noch immer gewonnen.

Im Lech und am Lech: Trinkwasser und Wasserkraft Auf die Gesundheit! Wir haben uns heute im „Alten Wasserwerk“ der Stadt Augsburg verabredet. Dort werden wir mit einem Glas des allerbesten Trinkwassers in Mineralwasserqualität begrüßt. Reiner und natürlicher geht es nicht. Es wird aus den Quellen im umgebenden Schutzgebiet gewonnen. Warum gibt es für das gemeinsame Trinken von Wasser keinen Trinkspruch? „Auf die Gesundheit“ sollte nur dafür reserviert sein. Unsere anschließende (Rad-)Wanderung ist dem Lech gewidmet. Dieser Fluss „bewässert“ Augsburg seit Jahrhunderten. Große Bewässerungsanlagen vermutet man ja eher in Trockengebieten. Die großen Wasserbaukulturen waren in der Geschichte im Orient, in Ostasien oder in Mittelamerika zu finden. Die Anfänge der Gesetzgebung gehen auf die Kodifizierung der Wasserrechte zurück. Die Römer wurden berühmt durch „Überlandleitungen“ für Wasser und die zugehörigen Aquädukte. Der Islam hat im frühen Mittelalter mit dem Vordringen nach Spanien die Wasserbaukultur 192


AM LECH ENTLANG zur Blüte gebracht. Die Baumeister der Renaissance haben die Baukultur des Wassers wieder aufgenommen und weiterentwickelt. Augsburg war in der Geschichte immer nahe an Italien. Man nenne eine andere Stadt nördlich der Alpen, die so früh und so meisterlich die Versorgung mit Trinkwasser und Wasserkraft in die ummauerte Stadt gebracht hat. Bildhaft ausgedrückt könnte man sagen, Augsburg ist eine große Bewässerungsanlage. Andere große Städte sind am Strom gebaut. Ihre Dome spiegeln sich in Donau, Main, Rhein oder Elbe. Augsburg steht auf einem Sporn vor dem Zusammenfluss von Lech und Wertach, sicher vor Hochwasser, aber eben abseits der Flüsse. Daher musste mit einem ausgeklügelten Kanalsystem vom Hochablass im Süden bis zum Kraftwerk Wolfzahnau im Norden das Wasser in die Stadt geholt werden. Am Hochablass schwärmen die Lechbäche aus, in der Wolfzahnau werden sie wieder eingefangen. Dieses Wasserbausystem hat ganz erheblich zur Blüte des Gewerbes in der Freien Reichsstadt und dem darauf gegründeten Handel beigetragen. Stattliche Wassertürme und die Prachtbrunnen in der Maximilianstraße sind bauliche und kunsthistorisch bedeutende Symbole dafür. Die Kraft der Lechbäche war in der Industriezeit eine maßgebliche Attraktion für die Zuwanderung von Industriegründern. Denn Kraft aus Dampfmaschinen erforderte in einer Zeit ohne Eisenbahn den teuren Transport aus fernen Kohlerevieren. Flöße auf dem Lech brachten Holz aus den Alpen. Die ergiebigen Wassermengen blieben schon in der vorindustriellen Zeit Mühlen, Sägewerken und Kattunmanufakturen vorbehalten oder bewässerten die Bleichen im Vorfeld der Stadt. Darüber legte sich im 19. Jahrhundert die energiehungrige Industrie. Das riesige Schotterfeld, das den Lech vor und durch Augsburg begleitet, führt aber auch reichlich Grundwasser als Quelle für bestes Trinkwasser. Die Quellen liegen allerdings tiefer als die Stadt. Das Wasser musste also in Wassertürme gepumpt werden, um mit Gefälle in die Leitungen zu drücken. Dies verband die Wasserbaukunst mit der Kunst von Triebwerken. Wir werden heute aus dem „Wunderwerk“ des Wassers in dieser Stadt nur den industriell bedeutsamen Ausschnitt sehen. Das ganze kunstvolle System kann auf dem „Augsburger Wasserpfad“ mit einer Führung der Regio Augsburg Tourismus GmbH erwandert werden. 193


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INDUSTRIEKULTUR

Der 1. Oktober 1879 war der offizielle Beginn der neuen Wasserversorgung für die Stadt Augsburg. Der „Urbau“ ist erhalten. Heute ist er ein Wasserkraftwerk und ein Museum. 1

Das Wasserwerk am Hochablass

Unser Treffpunkt ist der Festsaal für die drei Zwillingspumpen, die Trinkwasser in das Leitungsnetz der Stadt drückten. Ja – drückten! Denn bis zur Inbetriebnahme des Wasserwerks am Hochablass im Oktober 1879 wurde in Augsburg das Trinkwasser in die Wassertürme hochgepumpt, um es (wie anderswo auch) mit „natürlichem“ Gefälle zu verteilen. Unter anderen topografischen Bedingungen liegen die Quellhorizonte aber so hoch, dass Hochspeicher in Türmen nicht nötig waren. In Augsburg liegen die Quellen jedoch tiefer als die alte Stadt. 1871 nahm die Stadt Augsburg die Planungen für einen radikalen technischen Systemwandel auf. Im „neuen Wasserwerk“ saugten Pumpen das Grundwasser aus Bassins und drückten es über Druckleitungen bis zum Endverbraucher. Der Druck entsprach der Wasserturmhöhe von 50 Metern (5 bar). Dafür musste in kürzester Zeit fast überall in der Stadt ein neues Leitungsnetz verlegt werden. Diesen Druck erzeugten die drei imposanten Pumpen, die wir im Maschinenhaus sehen, gefertigt von der Maschinenfabrik Augsburg, der späteren MAN. Die Stadt Augsburg hatte so eine viel bewunderte „technische Sensation“ geschaffen und dafür auch mit stattlicher 194


AM LECH ENTLANG Architektur den passenden Rahmen gebaut. Der Maschinenraum wurde stilvoll ausgemalt und mit einem ornamentalen Terrazzoboden belegt. Die Mechanik der Pumpen ist nicht nur gut ablesbar, sondern auch eine formschöne Installation. Die Halle ist sieben Meter hoch, 17,5 Meter breit und 37 Meter lang. Es wurde Platz gelassen für eine vierte Zwillingspumpe, der dann aber nicht gebraucht wurde. Die Halle ist der Schönheit wegen viel größer als es für einen schlichten Wetterschutz für Maschinen notwendig gewesen wäre. Wir gehen nach draußen. Die Stirnseite des Bauwerks ist der Haupteingang mit zwei Ecktürmen und einem Mittelportal. Die Architektur ist schlicht-schöne Neorenaissance. Wir wechseln auf die vordere Längsseite. Vier Rundbogenfenster markieren die darunterliegenden Einläufe für das Treibwasser aus dem Neubach. 12 m 3/s werden aus dem Lech ausgestaut für den Antrieb von drei Jonval-Turbinen zu jeweils 70 PS, ebenfalls von der Maschinenfabrik Augsburg gebaut. Im Interesse der Betriebssicherheit kam 1885 auch eine Dampfmaschine mit einem Kesselhaus dazu, um Wasserschwankungen bei Eis oder Niedrigwasser auszugleichen. Wie es sich damals gehörte, wohnte der Direktor in einer standesgemäßen Villa am Werk. Das damals sensationell innovative Wasserwerk ist heute ein Technikmuseum. Aber nicht nur: Denn das Wasser des Neubachs lässt seine

Bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 1879 galt das turmlose Wasserwerk am Hochablass europaweit als technische Sensation.

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INDUSTRIEKULTUR Kraft nicht einfach laufen, sondern erzeugt jetzt als „Kleinkraftwerk“ Strom aus Wasserkraft. 1992 kehrten die generalüberholten FrancisTurbinen für diese Aufgabe in das Technikmuseum zurück. Die Stadt Augsburg hat 1879 ein Bauwerk geschaffen, das längst ein Denkmal ist. Der Architekt war (sehr wahrscheinlich) Karl Albert Gollwitzer. Die Stadt verkündete damals stolz, dass „alle Maschinen und Gewerke“ von Augsburger Firmen stammen. Die Stadtwerke pflegen und betreiben nun dieses Museum der modernen Wasserversorgung. Mit ähnlicher Wertschätzung bewahren die Stadtwerke Bauten und Industriegeschichte beim stillgelegten Gaswerk in Oberhausen und beim Straßenbahndepot am Alten Bahnhof vor dem Roten Tor. 2

Der Hochablass

Der Hochablass im Süden der Stadt ist der Ursprung aller Wasserkraft, so wie das Wasserwerk die Quelle der modernen Trinkwasserversorgung ist. Es sind nur 300 Meter vom Wasserwerk-Museum zum Hochablass. Dieses Lechwehr geht vielleicht schon auf die Zeit um das Jahr 1000 zurück. Es ist 1346 erstmalig beurkundet, weil für den Bau eine auf drei Jahre begrenzte Sondersteuer erhoben wurde. Es ist schon ein großes Schauspiel: Das spiegelglatt gestaute Oberwasser und der rauschende Ablauf unten am Wehr. Hier muss man einmal bei Hochwasser gestanden haben, um die Kraft des Wassers eindringlich auf sich wirken zu lassen. Bei Hochwasser kommen vor dem Wehr etwa 1000 m 3/s an, bei Niedrigwasser nur 50 m 3/s. Vor diesem Wehr ist immer ein „Stauziel“ von 484,5 Metern über dem Meeresspiegel einzuhalten. Die Entnahme für die Lechbäche ist auf 36 m 3/s konzessioniert. Diese Wassermenge wird in den Hauptstadtbach ausgeleitet. Bei schwacher Wasserführung wird dem Lech also mehr als die Hälfte „gestohlen“ – entsprechend rinnsalig sieht der „reißende Alpenfluss“ dann auch aus. Auch heute steht das Wasser im Flussbett eher, als dass es fließt. Große Kiesbänke sind aufgetaucht. Das Wasser ist glasklar und die Schotterbänke laden zum Lagern und Sonnen ein. Niedrigwasser ist im Spätsommer und im Herbst häufig. Mittleres Hochwasser hat der Lech vom Frühjahr bis zum Frühsommer, wenn im Hochgebirge der Schnee schmilzt – vorausgesetzt, die Füllung der 21 Lechstaustufen oberhalb des Hochablasses – der Forggensee bei Füssen ist der Kopfspeicher – ist im Vorjahr nicht defizitär verlaufen. 196


AM LECH ENTLANG

Eine historische Postkarte zeigt den nach der Hochwasserkatastrophe vom Juni 1910 anstelle des gesprengten Wehrs erbauten neuen Hochablass. Die Stahlbetonkonstruktion ersetzte ein Wehr aus Holz und Stein. Wir überqueren das Wehr bis zum Kuhsee im Osten und während wir wieder zurückgehen, lese ich aus dem „Ruckdeschel“ vor. Wilhelm Ruckdeschel hat ein lesenswertes Buch über die Industriekultur in Augsburg verfasst und im ersten Abschnitt die Wasserversorgung sowie die Wasserkraft in Augsburg ausführlich und zugleich anschaulich beschrieben. Sie werden staunen, an wie vielen Wehren wir vorbeikommen, wie kunstvoll die Technik ist und dass wir das Ganze wohl nur in Ansätzen verstehen: „Bewerkstelligt wird dies durch eine ganze Reihe von festen sowie beweglichen, teils automatischen Wehren. Von Ost (Hochzoller Ufer) nach West folgen: · Der Aus- und Überlauf des Kuhsees. · 2 feste Wehre mit 6,3 m Fallhöhe. · 3 Wehre mit selbstregulierenden Gegengewichtsklappen … · Das große Walzenwehr: Länge 20 m, Verschlusshöhe 3 m, Durchlassmenge 154 m 3/s … · Ein Wehr mit Doppelschütz: Länge 12 m, Verschlusshöhe 2,5 m, Durchlassmenge 55 m 3/s. … · Ein Wehr mit ‚Fischbauchklappe’ · Die Fischtreppe. · Die Kiesschleuse mit Doppelschütz; gebaut von der M.A.N. Senkrecht dazu liegt das Einlaufbauwerk des Hauptstadtbaches. Die 197


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INDUSTRIEKULTUR

Zwei Steinfiguren am östlichen Ende des Hochablasses symbolisieren die Bedeutung des Lechwassers für das Gewerbe und die einst äußerst umfangreiche Flößerei. optimale Regulierbarkeit der ‚konzessionierten’ Wassermenge von 36 m 3/s gewährleisten 4 Einfachschütze … sowie 7 Doppelschütze, sämtlich elektromotorisch – und im Notfall von Hand – betätigt über Getriebe und Triebstock-Zahnstangen.“ (Zitat Wilhelm Ruckdeschel aus: „Industriekultur in Augsburg“, S. 43/44) 1910 gab es eine große Hochwasserkatastrophe, die das alte Wehr zerstörte. Es war nicht die erste. Der Chronist berichtet von Überschwemmungen im Jahr 1501, 1721 bricht der Hochablass durch, 1789 wird das Wehr erneut zerstört, und auch 1816, 1824 und 1831 sind bedeutende Überschwemmungen verzeichnet. 1836 war der Lech im Gegensatz dazu so „trocken“, dass das gesamte Lechwasser in die Kanäle eingeleitet werden musste, um den Betrieben die Wasserkraft zu erhalten. Bis zur Katastrophe im Jahr 1910 war der Hochablass spitzwinkelig auf die Stadt zugeführt, um dem aufgestauten Wasser und den Flößen mehr „Schwung“ zu geben. Das Wehr war 210 Meter lang, zwölf Meter breit und aus Holz gebaut. Sollten Sie einmal nach Landsberg kommen, dann steht dort noch heute ein solch schräg gestelltes Streichwehr in traditioneller Bauweise aus dem Jahr 1390. Bei einem Espresso an der Ufermauer bietet sich ein munteres und zugleich anmutiges Wasserschauspiel. Ich 198


AM LECH ENTLANG

Der Hochablass am Lech ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Ausflugsziel der Augsburger Bevölkerung. kann einen Besuch des „Karolinenwehrs“ nur empfehlen. Der alte Hochablass in Augsburg muss noch malerischer gewesen sein. Als Hauptdurchlass diente eine 87 Meter lange und 17 Meter breite Floßschleuse auf der Stadtseite. Nach dem Hochwasser von 1910 hat man das neue Wehr in kürzester Zeit in Stahlbetonbauweise gebaut. Es steht seit 1911/12 quer im Lech. Im Unterwasser des neuen Wehrs sind noch immer Pfahlstümpfe des hölzernen Vorgängers zu sehen. Über die Jahrhunderte hinweg war der Hochablass stets ein beliebtes Ausflugsziel. Sogar Herrscher kamen zu Besuch, auch das bayerische Königspaar im Juni 1914. Deshalb stand dort auch immer eine renommierte Hochablass-Gaststätte. Die alte versank in den Fluten von 1910, mit dem neuen Wehr wurde eine größere und stattlichere gebaut. Sie wurde im Juli 1940 eingeweiht. Bis zu 1000 Gäste fanden hier Platz. 1979 wurde diese denkmalwürdige Gaststätte abgetragen. Es wurde eine Gefährdung des Trinkwassers befürchtet. Lediglich das Dachtürmchen wurde abgenommen, gelagert, restauriert und nun als Pavillon am Wehrzugang aufgestellt. Wir haben eine Pause verdient und setzen uns zum Frühschoppen in die neu gebaute Gaststätte mit dem Ausblick auf die Kanustrecke, die zu den Olympischen Spielen 1972 in München gebaut wurde. Bilden Sie sich selbst ein Urteil zur Frage der Gemütlichkeit. 199


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INDUSTRIEKULTUR

Eine historische Kreuzung im mitunter verwirrenden System der Stadtbäche: Seit 1848 leitet eine gusseiserne Kanalbrücke sogar den Brunnenbach über den Stadtbach. 3

Die Lechbäche

Wann immer wir in Augsburg vor einer Textilfabrik, einer Papierfabrik oder einer Maschinenbaufabrik gestanden haben, immer war ein Lechbach (oder ein Kanal voll Wertachwasser) dabei. Das galt selbst dann, wenn von der Fabrik nichts mehr übrig war. Die „Kraftprotze“ unter diesen Stadtbächen heißen Proviantbach, Schäfflerbach, Stadtbach und Senkelbach. Es ist allmählich an der Zeit, den Ursprung und auch das Ende dieses Bachsystems zu besichtigen und seine Verzweigungen zu erklären. Am Ursprung haben wir gerade gestanden, am Hochablass mit dem Einlaufbauwerk für den Hauptstadtbach. Die Wassermenge ist dort auf die schon erwähnten 36 m 3/s beschränkt. Die erste Verteilung erfolgt am Damaschkeplatz (die Kreuzung Friedberger Straße/Spickelstraße). Dort besorgt die „Pulvermühlschleuse“ die Aufspaltung in Kaufbach in Richtung Westen und Herrenbach in Richtung Norden. Dem Herrenbach werden 24 m 3/s, dem Kaufbach 12 m 3/s zugeteilt. Diese Verzweigung ist bereits in den Karten des späten 17. Jahrhunderts verzeichnet. Ab 1774 wurde in der Nähe eine Pulvermühle betrieben, die von 1785 bis 1816 dreimal in die Luft flog. 200


AM LECH ENTLANG Die Regulierung der Verschlüsse geschieht bis heute durch einfache, gleitgeführte Schütztafeln. Die Betätigungsmaschinerie dazu steht in bescheidenen Schleusenhäuschen – sie sind quer über die Kanaleinläufe gebaut. Die Pulvermühlenschleuse ist äußerlich schlicht, doch im Inneren ist der technische Fortschritt im Schütztafel-Windenbau über zwei Jahrhunderte hinweg sichtbar. Diese Schleuse ist im städtischen Besitz. Mal sehen, ob sie zugänglich ist? Wir bewegen uns jetzt zurück in Richtung Lech über die Eichendorffstraße, queren die Berliner Allee und gehen hinunter zum Lechufer. Dort sehen wir von der Unterwasserseite her das Kraftwerk Eisenbahnerwehr. Das fünf Meter hohe Wehr wurde als Schwelle gegen die weitere Eintiefung des Lechs gebaut. Es erzeugt Strom für etwa 5000 Haushalte. Als Ausgleichsmaßnahme gegen den Eingriff in den Fluss wurde eine Fischtreppe gebaut. Dieses Kraftwerk erhielt 2007 einen Innovationspreis der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Wir laufen am Lechufer entlang abwärts bis vor die OSRAM-Werke, gehen hoch auf die Berliner Allee und biegen dann umgehend in die Reichenberger Straße ein. Dort steht das „Fabrikschloss“, das dritte Werk der Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA). Dieses Fabrikschloss ist uns bereits von einem früheren Rundgang bekannt. In der Reichenberger Straße liegt vor dem Hanreiweg eine weitere Lechbachabzweigung: Der Herrenbach teilt sich hier in den Proviantbach, der weiter nach Norden fließt, und in den Hanreibach, der Wasser ins Zentrum des Textilviertels leitet. Beim Versuch, den Hanreibach abzulaufen, kommen wir nicht weit. Der Weg ist durch den „Martini-Park“ – die frühere Färberei und Bleicherei Martini – versperrt. Dort gibt es eine weitere Abzweigung: Hier „entspringt“ der Fichtelbach. Also gehen wir weiter entlang der Reichenberger Straße bis zur Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS). Hier treffen wir erstmals auf den Schäfflerbach. Er gehört zu den „berühmten“ unter den Lechbächen. Sein Ursprung liegt weiter im Süden, wo er an der Friedberger Straße aus dem Kaufbach gespeist wird. Am Schäfflerbach entstand die AKS: Wegen seiner Wasserkraft kam 1836 der Kaufmann Merz aus Nürnberg nach Augsburg. Würden wir auf der Prinzstraße weiter stadteinwärts laufen, dann könnten wir auch auf den Sparrenlech treffen, eine weitere Abzweigung aus dem Kaufbach. Auch der Sparrenlech war der Antrieb für große Werke, so vor allem für die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech in Fabrikschlossbauweise, von der leider nichts mehr existiert. 201


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INDUSTRIEKULTUR Weiter nördlich ist die bekannte Kattunfabrik Schöppler & Hartmann, die spätere Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK), entstanden. Wir aber setzen unseren Weg am Schäfflerbach fort, folgen der Schäfflerbachstraße nach Norden bis zur Johannes-Haag-Straße. Hier lagen die Weberei am Fichtelbach, die Messingfabrik Beck und das Röhrenwerk von Johannes Haag – alle zwischen Schäfflerbach und Fichtelbach. Die Johannes-Haag-Straße stadtauswärts führt uns zurück an den Proviantbach. In der Proviantbachstraße gehen wir in Richtung Süden und treffen so auf den Augsburger Schlacht- und Viehhof. Mit einigen Umwegen verfolgen wir nun den Proviantbach nach Norden. Jenseits der Lechhauser Straße rücken der Schäfflerbach, der Hanreibach und der Proviantbach wieder eng zusammen. In diesem „Drei-Strom-Land“ ist seinerzeit die berühmte BaumwollFeinspinnerei entstanden. Auch davon ist nichts mehr erhalten. Stattdessen treffen wir auf das schon erwähnte Wohngebiet mit der irreführenden Bezeichnung „Klein-Venedig“. Von da geht der Schäfflerbach noch eine Zeit lang einen eigenen Weg. Der Hanreibach aber wird vom Proviantbach vereinnahmt. Als letzter Zeuge der frühen Textilfabrikation an diesem Standort ist das „Kraftwerk am Schäfflerbach“ in der Berliner Allee F 22 erhalten. Es erzeugt wirtschaftlich rentabel – dank Einspeisevergütung – für 600 Privathaushalte Strom. Ein schattiger Weg führt uns entlang der Berliner Allee und einer Trasse der Localbahn bis zur Einmündung der Brückenstraße weiter nach Norden. Dort bummeln wir durch das „Stadtbachquartier“ am Rand der Papierfabrik Haindl, heute UPM-Kymmene. Innerhalb des Werks schluckt der größere Stadtbach den kleineren Schäfflerbach. Der nunmehr stattliche Stadtbach wird gleich jenseits der Stadtbachstraße zur „Kraftquelle“ der einstigen Reichenbach’schen Maschinenfabrik, also der späteren MAN. Wir lassen den Stadtbach unbesichtigt weiterlaufen. Nördlich hinter der MAN gerät er in die Nähe des Senkelbachs, der aus der Wertach abgeleitet wird. Dort wurde die ehemalige Buntweberei Riedinger gegründet. Noch weiter im Norden der Stadt treffen die drei Lechkanäle Senkelbach, Stadtbach und Proviantbach zusammen und münden in die Wertach. Das auf den ersten Blick verwirrende System der auch

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Das Wasserkraftwerk Wolfzahnau wurde 1903 als Blankziegelbau errichtet. Es sieht genauso aus wie vor 100 Jahren. Heute wird dort Strom für 15 000 Haushalte gewonnen. Lech- oder Wertachkanäle genannten Stadtbäche und ihr Zusammenspiel zwischen dem Lech am Hochablass, der Wertach und der Wolfzahnau verstünde man mit Blick auf eine Schemakarte. Wir aber verfolgen den Proviantbach von der MAN-Brücke aus entlang der Franz-Josef-Strauß-Straße. Dort arbeitete im 19. Jahrhundert die größte Baumwollspinnerei auf dem Gebiet des 1834 offiziell gegründeten Deutschen Zollvereins. Heute erstreckt sich auf dem einstigen Areal der Baumwollspinnerei am Stadtbach die PM 3 (die dritte Papiermaschine der Haindl-Werke, die jetzt zu UPM aus Finnland gehören). Zur Erinnerung an vergangene Zeiten liegt quer im Proviantbach etwa auf halber Höhe der 400 Meter langen Papierstraße das Kraftwerk Proviantbach. Es versorgt 5000 Privathaushalte mit Strom. Die Architektur stammt aus dem Jahre 1920. Allmählich führt uns der Weg in die „Natur“ zurück. Wir machen uns auf den Weg zum „Gegenstück“ des Hochablasses: In der Wolfzahnau werden alle ausgeleiteten Bäche von Lech und Wertach wieder zusammengeführt. Dort treffen wir auf ein Kraftwerk in einem denkmalwerten Bauwerk. Es bezieht seine Wasserkraft aus den Kanälen und nicht aus dem Lech, der etwas östlich davon deutlich tiefer eingeschnitten fließt. Flusskraftwerke waren seinerzeit bautechnisch noch 203


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INDUSTRIEKULTUR

Im Kraftwerk Wolfzahnau ist ein Schwungrad zu sehen, das anno 1900 bei der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde. nicht möglich. Die Kraftwerke dieser Zeit liegen allesamt an ausgestauten Kanälen. Am Hochablass haben wir davon gehört, dass die vorgeschriebene Stauhöhe 484,5 Meter ist. Der Gesamthöhenunterschied zwischen dem Lech-Spiegel am Hochablass und dem Lech-Spiegel in der nördlichen Wolfzahnau beträgt 26 Meter. Das beträchtliche Gefälle nutzen die Lechbäche mit einer potenziellen Wasserkraft von 9000 kW, von der heute aber in Kleinkraftwerken nur 4500 kW genutzt werden. Unter diesen Kraftwerken ist das Kraftwerk Wolfzahnau das größte. Es versorgt heute rund 15 000 Privatpersonen mit Strom. Es wurde 1903 als Blankziegelbau errichtet. Von Süden her hat man den Eindruck, es würde hier ein Wasserschloss aus dem Wasserspiegel auftauchen. Seit 1996 speist das Kraftwerk Strom in das Netz der Stadtwerke ein. Vorher gehörte es dem Dierig-Konzern. Natürlich möchten wir nun auch noch gerne das Innere dieses Kraftwerks bestaunen. Im Maschinensaal sind mehrere Turbinen erhalten. Die große Attraktion ist das mächtige Schwungrad mit gut vier Metern Durchmesser, das im Jahr 1900 bei der Weltausstellung in Paris zu den Repräsentanten von Technik und Baukunst aus Deutschland gehörte. Eine Besichtigung geht aber nicht ohne Voranmeldung. 204


AM LECH ENTLANG

Im Lechmuseum Bayern werden neben der Stromgewinnung Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung des Flusses erklärt. 4

Das Lechmuseum Bayern in Langweid

Der Lech hat von der Quelle bis zur Mündung eine aufregende Naturund Kulturgeschichte. Dieser Geschichte ist eine Dokumentationsstätte in einem „leibhaftigen“ Lechkraftwerk gewidmet, das Lechmuseum Bayern in Langweid. Dieser Ort ist etwa 20 Autominuten vom Augsburger Stadtzentrum entfernt. Das Lechmuseum im Langweider Wasserkraftwerk liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Augsburg. Das Kraftwerk ist mit der Industriestadt Augsburg eng verbunden.

„Das Lechmuseum Bayern in Langweid ist die multimediale Inszenierung des Lechs – jenes Flusses, der seit Jahrtausenden das Leben der Menschen zwischen den Alpen und der Donau prägt. Das Lechtal war Siedlungsraum und auch Grenze, Handelsroute und Schlachtfeld. Der Fluss nahm bei der Elektrifizierung Südbayerns eine Schlüsselrolle ein. 1901 ging das erste Wasserkraftwerk am Lech in Gersthofen in Betrieb. Das Lechmuseum befindet sich im historischen Wasserkraftwerk Langweid, das seit 1907 Strom produziert und bis heute Energie für die Region liefert. Das Kraftwerk – ein Historismusbau mit einer begehbaren historischen Turbinenkammer – ist das ‚Hauptexponat’ des Museums. 205


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INDUSTRIEKULTUR

Eine original erhaltene Wasserkraftturbine (im Bild die Auslaufkammer) zeigt in Langweid als technisches Denkmal imposante Ingenieursleistungen aus der Zeit um 1907. Auf drei Ebenen des Wasserkraftwerks und im Außenbereich werden der Lech und das Lechtal den Besuchern aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln nahegebracht. Themen sind nicht nur Wasserkraft und Energieerzeugung sowie die Entstehung und über hundertjährige Geschichte der Lechwerke als regionaler Energieversorger, sondern vor allem auch Natur, Kultur, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte.“ (Zitat aus einem Prospekt des Betreibers des Lechmuseums Bayern, der Lechwerke AG) Das Lechmuseum erklärt auf natur- und kulturgeschichtlicher Grundlage den Fluss, der zum bestimmenden Standortfaktor der Industrie in Augsburg wurde. Der Strom der Lechwerke war wegbereitend für die Energieversorgung nach 1900, als Wasserkraft und Leuchtgas an Bedeutung verloren. Es lohnt sich also, dem Kraftwerk und dem Museum im Kraftwerk einen eigenen Besuchstag zu widmen. Gleichermaßen eindrucksvoll ist die Schauseite des Kraftwerks vom Oberwasser und vom Unterwasser her. Zwischen beiden Pegeln liegt ein Gefälle von mehr als sieben Metern. Das erste Lechkraftwerk in Gersthofen erzeugte schon ab 1901 Strom. Es entstand in erster Linie zur Versorgung eines Chemiewerks der 206


GRÜNDER DER LEW Bernhard Salomon (1855 – 1942) Prof. Dr. Bernhard Salomon war der Unternehmensgründer der Lechwerke AG in Augsburg. Die Elektrische Actien-Gesellschaft vormals W. Lahmeyer & Co. (EAG) wurde von Bernhard Salomon geführt. Durch seine engen geschäftlichen Beziehungen zu Walter vom Rath, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der späteren Farbwerke Hoechst, war die Ansiedlung eines Chemiewerks in Gersthofen zustande gekommen. Dieses Chemiewerk war der Hauptabnehmer des ersten – ab 1901 Strom produzierenden – Kraftwerks am Lech. 1903 wurde die Lech-Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft (LEW) gegründet. Sie löste die EAG als Eigentümer und Betreiber des Gersthofer Kraftwerks ab, Bernhard Salomon wurde Aufsichtsratsvorsitzender. Er blieb es bis 1933. Unter seiner Leitung wuchs die LEW rasch. Zur Absicherung der Stromproduktion bei Wasserknappheit und als Stromreserve wurde neben dem Lechkraftwerk eine Dampfkraftanlage errichtet. 1905 erhielt die LEW die Konzession für das zweite Kraftwerk in Langweid. Dazu musste der Lechkanal verlängert werden. Außerdem wurde eine Schleuse für die Flößerei gebaut und damit Vorsorge für eine spätere Schifffahrt getroffen. Schon im Jahr 1913 wurde eine 50 000-Volt-Leitung von Gersthofen nach Memmingen geführt. Sie war möglicherweise die erste dieses Ausmaßes in Bayern. Ab 1918 wollte Bernhard Salomon den gesamten Lech weiter abwärts bis zur Donau für die Stromgewinnung nutzen. Dabei geriet er mit den Interessen der Rhein-Main-Donau-Kanal AG in Kollision. Es reichte aber immerhin noch zu einem dritten Lechkraftwerk in Meitingen, das 1922 in Betrieb ging. Weitere Konzessionen waren für die LEW am Lech nicht mehr zu erreichen. Die LEW verlegte ihre Aktivitäten unter Salomon deshalb an die Obere Iller. Ab dem Jahr 1923 begann der Verbundbetrieb mit der Kraftwerk Altwürttemberg AG in Ludwigsburg, ab 1932 der mit der RheinischWestfälischen-Elektrizitätsaktiengesellschaft (RWE) in Essen. Die Nationalsozialisten entfernten Bernhard Salomon aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1933 aus dem Aufsichtsratsvorsitz. Wegen seiner fachlichen Kompetenz blieb er jedoch weiter unverzichtbar: Immerhin bis 1936 war er Mitglied des Aufsichtsrats. Mit 87 Jahren verschied Salomon 1942 in Frankfurt am Main. Seine Ehefrau Meta starb kurz darauf im Konzentrationslager Ravensburg. 207


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INDUSTRIEKULTUR späteren Hoechst AG. Ab 1907 produzierte das zweite Lechkraftwerk weiter stromabwärts in Langweid mit Francis-Turbinen der MAN eine Leistung von 6300 PS. Diese Turbinengeneration wurde später ausgebaut und durch modernere Turbinen ersetzt. Eine Turbine mit Turbinen- und Auslaufkammer wurde erhalten und begehbar gemacht. Sie ist eine wichtige Attraktion im Lechmuseum, weil nur durch sie tatsächlich eine Vorstellung von den Ausmaßen derartiger Anlagen, von der Fallhöhe und von der Gewalt des Wassers und der Schönheit technischer Architekturen entsteht. Allein die Turbine lohnt den Weg. Die andere große Attraktion ist eine filmische Reise am Lech von der Quelle hoch in den Lechtaler Alpen bis zur Mündung in die Donau. Dieser Film ist nicht irgendein Video, wie man sie in Museen häufig darbietet. Es wird eine informative und kurzweilige Geschichte mit einer gekonnten Kameraführung erzählt. Anfänglich hatte die Stadt Augsburg ein gespaltenes Verhältnis zur Elektrifizierung. Einerseits waren die findigen Unternehmen in der Stadt durchaus führend in den Bereichen Turbinen, Generatoren und Stromversorgung, Beleuchtung und Leuchtmittel. In diesem Zusammenhang muss der Name Riedinger genannt werden. Pioniertaten der Festbeleuchtung waren unter anderem die „feenhafte Illumination“ im Hessing’schen Kurhaus-Theater in Göggingen und – schon 1886 oder noch früher – der mit elektrischem Licht bestückte Kronleuchter im Festsaal des Drei-Mohren-Hotels. Andererseits wehrte sich die Stadt aber gegen die Elektrifizierung der Unternehmen und der privaten Haushalte sowie der Straßenbeleuchtung. So waren die umgebenden Gemeinden wie Lechhausen oder Oberhausen schon eher „verstromt“. 1895 kaufte die E-Gesellschaft Schuckert & Co. aus Nürnberg das gesamte Tramnetz und baute dafür ein E-Werk am Senkelbach, durfte aber ausschließlich Strom für die Straßenbahn liefern. Dafür wurde 1901 ein Vertrag mit Augsburg – und zwar ausschließlich über Kraftstrom – geschlossen. Ein Grund für diese Zurückhaltung soll gewesen sein, dass schon um die Jahrhundertwende beschlossen wurde, in Oberhausen ein neues großes Werk für die Leuchtgaserzeugung zu errichten. Das Gaswerk wurde 1913/14 auch gebaut – und die Stadt wollte offenbar keinen Wettbewerb zwischen Leuchtgas und Strom. Bis 1915 wurde deshalb die Straßenbeleuchtung in Augsburg ausschließlich mit Gas aus städtischer Eigenproduktion befeuert. Erst ist diesem Jahr schloss die Stadt mit den Lechwerken einen Stromlieferungsvertrag.

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AM LECH ENTLANG In den Jahren davor hatten die großen Augsburger Textilfabriken und metallverarbeitenden Unternehmen allerdings schon längst ihre eigene Stromversorgung – angetrieben von den Turbinen der Lechbäche oder durch Dampfmaschinen in großen Kesselhäusern – eingerichtet. Ein solcher Gedankenausflug wird durch die Besichtigung des Lechmuseums in Langweid angeregt.

Augsburg und das elektrische Licht „… Die Augsburger kamen relativ spät in den Genuss elektrischen Lichtes. Sie waren beileibe keine ‚Spätzünder’ oder gar technikfeindlich, die Industriefirmen waren in den 1880er Jahren sogar Vorreiter in der Elektrifizierung ihrer Betriebe. Doch wer nicht bereit war, Strom mit einer ‚Hausanlage’ zu erzeugen, musste lange auf Strom aus dem Netz warten. Der stand erst 1902 zur Verfügung. Die Stadtverwaltung stand der allgemeinen ‚Elektrifizierung’ eher bremsend gegenüber, denn sie räumte dem Gas eine Vorrangstellung ein. Das hatte triftige finanzielle Gründe: Schon 1890 stand fest, dass die Kommune 1907 die Gasherstellung und das Gasnetz von Privatunternehmern übernehmen würde und sie wollte mit Gas Geld verdienen. Schon 1892 unterbreiteten Unternehmer dem Magistrat den Vorschlag, auf Stadtgebiet mit Lechwasser in größerem Maße Strom zu erzeugen und ein Netz aufzubauen. Sehr zögerlich erteilten die Ratsherren anno 1896 die Konzession dazu an die Maschinenfabrik Augsburg und an einen Ingenieur Huber. Als ihnen jedoch die Pläne vorgelegt wurden, bezeichneten sie das Projekt als puren Schwindel und lehnten es ab. Gleichzeitig stand jedoch die Elektrifizierung der bislang von Pferden gezogenen Straßenbahn an … Dass man in Augsburg keineswegs rückständig war, dafür gibt es viele Belege. Als man zum Sängerfest im Juli 1900 im Stadtgarten eine 6000 Personen fassende hölzerne Festhalle aufstellte, war das E-Werk in Gersthofen noch im Bau. Die leicht entzündbare Halle wurde dennoch nicht mit Gas beleuchtet, sondern mit zwölf Bogenlampen und 150 Glühlampen ‚elektrifiziert’ . Bis zum Anschluss ans Fernnetz – der dauerte noch zwei Jahre – erzeugte vor Ort eine ‚Lokomobile’ (fahrbare Dampfkraftmaschine) den Strom …“ (Zitat aus einem Beitrag von Franz Häußler, Augsburger Allgemeine, Nr. 118/2008) 209


LITERATUR Burgner, Willfried: Karl Albert Gollwitzer 1839 – 1917, Augsburg 2004 Dierig Holding AG (Hrsg.): Dierig Weber seit 1805 – 200 Jahre, Heidelberg 2005 Dey, Wolfgang: Die Entstehung und Entwicklung der Augsburger Textilindustrie unter besonderer Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Beziehungen, München 1947 Grassmann, Josef von: Die Entwicklung der Augsburger Industrie im neunzehnten Jahrhundert. Eine gewerbegeschichtliche Studie, Augsburg 1894 Grünsteudel, Günther; Hägele Günter; Frankenberger, Rudolf (Hrsg.): Augsburger Stadtlexikon, Augsburg 1998 Kraus, Werner (Hrsg.): Schauplätze der Industriekultur in Bayern, Regensburg 2006 Loibl, Richard; Murr, Karl Borromäus: Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg, Augsburg 2010

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Nerdinger, Winfried (Hrsg): Industriearchitektur in Bayerisch-Schwaben 1830 – 1960. Teil 1. Augsburg (Architekturmuseum Schwaben, Heft 13), Augsburg 1999 Roeck, Bernd: Die Geschichte Augsburgs, München 2005 Ruckdeschel, Wilhelm: Industriekultur in Augsburg, Augsburg 2004 Sanierungszweckverband Kurhaus Göggingen: Vergangenheit für die Zukunft entdeckt. Das Kurhaus in Augsburg-Göggingen, Augsburg 1996 Schütze, Christian: Das weiße Band – 150 Jahre Papier von Haindl, Stuttgart 1999 Schwäbischer Architektenund Ingenieurverein (Hrsg.): Architektur in Augsburg 1900 bis 2000, Augsburg 2000 Stadt Augsburg: Industriebauten und technische Bauwerke. Tag des offenen Denkmals 2003, Augsburg 2003

MAN Diesel: Katalog zur Sonderausstellung 150 Jahre Rudolf Diesel, Augsburg 2008

Stadtwerke Augsburg: Technik-Museum und lebendiges Wasserwerk am Hochablass, Augsburg 1999

Nerdinger, Winfried (Hrsg): Industriekultur mit Zukunft? Augsburg und das Erbe des Industriezeitalters, (Architekturmuseum Schwaben, Heft 21), Augsburg 2003

Eine wichtige Quelle für viele Passagen dieses Buchs waren die Beiträge der Zeitungsserie „Augsburg-Album“ von Franz Häußler in der Augsburger Allgemeinen (2008/2009).


LECH

MUSEUM Bayern

LECHMUSEUM BAYERN IN LANGWEID Das Lechmuseum Bayern im Wasserkraftwerk Langweid ist die multimediale Inszenierung des Flusses, der seit Tausenden von Jahren das Leben unserer Region prägt und der die maßgebliche Rolle bei der Elektrifizierung Südbayerns spielte. Gegen Voranmeldung unter Telefon 0821 328-1658 erhalten Sie eine fachkundige kostenlose Führung durch das Museum. Darüber hinaus ist das Museum an jedem 1. Sonntag im Monat von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. An den geöffneten Sonntagen bieten wir keine Führungen an. www.lechmuseum.de


BILDNACHWEIS Bahnpark Augsburg: S. 163

Martini GmbH & Co. KG: S. 126, S. 128 (1)

Buchert, Hanna: S. 119 Privat: S. 5 concret/Archiv: S. 93, S. 127 (1) Baumgartner, Thomas: Titel (1), Rücktitel (1), S. 10/11, S. 13, S. 15, S. 18, S. 21, S. 22, S. 48, S. 49, S. 50, S. 61, S. 63, S. 65 (1), S. 75, S. 76, S. 89, S. 113 (1), S. 115, S. 116, S. 117 (1), S. 121, S. 123, S. 124, S. 128 (1), S. 129 (2), S. 133, S. 134, S. 140, S. 150/151, S. 153, S. 158, S. 160, S. 162, S. 165, S. 167, S. 168/169, S. 171, S. 173, S. 174, S. 188, S. 189, S. 199, S. 203

Sammlung Häußler: S. 29, S. 31, S. 33, S. 34, S. 36, S. 37 (1), S. 52, S. 53, S. 55, S. 58, S. 66, S. 68, S. 69, S. 70, S. 72, S. 73, S. 78, S. 82, S. 88, S. 91, S. 94, S. 95, S. 96, S. 99, S. 100, S. 104, S. 105, S. 110, S. 111 (1), S. 114, S. 118, S. 120, S. 122, S. 135, S. 144, S. 148/149, S. 156, S. 164, S. 166, S. 170, S. 176, S. 178 (1), S. 181, S. 182, S. 184, S. 186, S. 197 Schnyder, G.: S. 42, S. 46

Kleiner, Wolfgang B.: Titel (1), Rücktitel (2), S. 16, S. 17, S. 19, S. 23, S. 26/27, S. 28, S. 30, S. 38/39, S. 40/41, S. 79, S. 102, S. 108, S. 117 (1), S. 159, S. 178 (1), S. 179, S. 180, S. 190/191, S. 198, S. 200, S. 204, S. 205, S. 206 Kluger, Martin: Titel (1), Rücktitel (1), S. 2/3, S. 14, S. 20, S. 43, S. 57, S. 65 (1), S. 80/81, S. 111 (1), S. 113 (1), S. 127 (1), S. 132, S. 136, S. 139, S. 157, S. 185, S. 187, S. 195 Kunstsammlungen und Museen Augsburg: S. 12, S. 36 (1), S. 127 (1), S. 130, S. 152

Staatliches Textil- und Industriemuseum Bayern (tim): S. 97, S. 98, S. 106, S. 138 (2) Stadtarchiv Augsburg: S. 112, S. 194 Stadtwerke Augsburg/Wolfgang Riß: S. 47, S. 103 Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Augsburg: S. 101 Wikipedia/Bibliothek des US-Kongress: S. 37 (1)

Karten und Pläne Lechwerke AG: S. 192 concret Werbeagentur: S. 24/25 Lehnerl, Manfred: S. 62, S. 125 MAN AG/Historisches Archiv (MAN): S. 59 212

Stadt Augsburg, Stadtvermessungsamt: S. 44/45, S. 86/87, S. 154/155, S. 172 (2)


EINE DER FASZINIERENDSTEN STÄDTE DEUTSCHLANDS:

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Augsburg ist das Top-Ausflugsziel im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben.

Sehenswürdigkeiten gibt es hier in Hülle und Fülle: Der Goldene Saal im Rathaus, die Fuggerei und das Mozarthaus, der Dom, eine glanzvolle Museumslandschaft und „Perlen“ der Industriekultur sind lohnende Stationen. Die Augsburger Puppenkiste und ihr Museum sowie der Zoo begeistern junge Familien. Infos zu Augsburg und den Landkreisen Aichach-Friedberg und Augsburg:

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Regio Augsburg Tourismus GmbH Rathausplatz 1 86150 Augsburg Telefon 08 21/5 02 07-0 REGIO AUGSBURG www.augsburg-tourismus.de TOURISMUS

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IMPRESSUM Industriekultur in Augsburg Pioniere und Fabrikschlösser Karl Ganser Herausgeber: Regio Augsburg Tourismus GmbH ISBN 978-3-939645-26-9 1. Auflage, November 2010 Redaktionelle Bearbeitung: Martin Kluger, Candida Sisto, Hanna Buchert, Kathrin Schmidl, Sandra Riedmiller, Julia Schade Grafik und Produktion: concret WA GmbH, Augsburg Historische Aufnahmen und Karten: Sammlung Franz Häußler Fotografie: Thomas Baumgartner, Wolfgang B. Kleiner u. a. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-939645-26-9 © context verlag, Augsburg 2010 www.context-mv.de 214


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DANK Für ihre Informationen danken wir · Dr. Werner Lutz, Architekturmuseum Schwaben · Robert Allmann, · Dr. Karl Borromäus Murr, Staatliches Textil- und Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) Industriemuseum Augsburg (tim) · Oliver Frühschütz, · Dr. Sebastian Priller, Verein der Gaswerkfreunde Brauerei S. Riegele · Wolfgang Geißler, · Bernhard Schad, Martini GmbH & Co. KG Dierig Holding AG · Franz Häußler · Dr. Benigna Schönhagen, · Kurt Idrizovic Jüdisches Kulturmuseum · Dr. Richard Loibl, Augsburg Haus der Bayerischen · Gerlinde Simon, MAN-Museum Geschichte und Historisches Archiv (MAN)

Für ihre Unterstützung danken wir

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17.11.2010

13:45 Uhr

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Die Kongresshalle wurde 1972 als eine der modernsten Hallen Europas eröffnet. Seit Mai 2010 wird der in die Jahre gekommene Bau, der fast 40 Jahre lang neben Kongressen und Tagungen auch Konzerten, Bällen, Sportveranstaltungen das passende Ambiente bot, rundum erneuert. Ab Mai 2012 soll das Kongresszentrum dann – nach modernsten Maßstäben auf den neuesten Stand der Technik und Energieeffizienz gebracht – wieder für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung stehen. Das Baujuwel aus den 70er Jahren wird künftig den Namen „Kongress am Park Augsburg“ tragen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die spannende Architektur, die Kontraste von hartem Beton und weichem Holz, klaren Linien und verspielten Lichtelementen geben einen einzigartigen Rahmen für Veranstaltungen. Die zentrale Lage, umgeben vom Wittelsbacher Park und das direkt angrenzende Hotel „Dorint An der Kongresshalle Augsburg“ mit 180 Zimmern, sind weitere Gründe, die für dieses Kongresszentrum sprechen.

Kongress am Park Kongresshalle Augsburg Betriebs GmbH Gögginger Straße 10 | 86159 Augsburg Telefon 0821-324 2348 | Telefax 0821-324 2363 www.kongress-augsburg.de | info@kongresshalle-augsburg.de


13:45 Uhr

Industriekultur in Augsburg „Deutsches Manchester“ nannte man Augsburg im 19. und 20. Jahrhundert wegen seiner vielen Textil- und Maschinenfabriken. Hier entstanden einige der frühesten Industrien Deutschlands: Im Augsburger Textilviertel reihte sich ein Fabrikschloss ans nächste. In Augsburg wurden Innovationen wie Flugdrachen und die erste Zentralheizung Deutschlands, die früheste deutsche Zeitungsrotationsdruckmaschine und der von Rudolf Diesel entwickelte Motor geschaffen. Das Augsburger Wasserwerk war eine europaweit bestaunte technische Sensation, das ehemalige Gaswerk ist heute in ganz Europa einzigartig. Vom Lech bei Augsburg ging die Elektrifizierung der Region mit Strom aus Wasserkraft aus. Sehenswert sind noch immer viele Bauten, die nicht nur den Glanz der Fabrikschlösser, sondern auch die Bedürfnisse der Bewohner einer großen Industriestadt widerspiegeln: Direktorenvillen, Arbeiterquartiere und eine Gartenstadt, das prächtige Kurhaustheater, ein Jugendstilvolksbad, eine einzigartige Jugendstilkirche und eine der schönsten Synagogen Europas. Karl Ganser, „der Architekt des neuen Ruhrgebiets“, erklärt die Geschichte der Industriemetropole Augsburg und führt zu „Architektur-Perlen“ und Museen. Der international bekannte und ausgezeichnete Experte verbindet damit ein ebenso persönliches wie leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung und sensible Nutzung der Zeugnisse einer innovativen, häufig jedoch unterschätzten Epoche. 216 Seiten, 169 Abbildungen EUR 14,80 ISBN 978-3-939645-26-9

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KARL GANSER | Industriekultur in Augsburg. Pioniere und Fabrikschlösser

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Industriekultur in Augsburg Pioniere und Fabrikschlösser

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