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Tätigkeitsbericht Geschäftsjahr 2013/2014 Inhalt Vorwort.................................................................................................................................................3 Genehmigungssituation und Infrastruktur...................................................................................3 Geplanter Veranstaltungsraum "Holzbau"..........................................................................3 Landescampingplatzverordnung und 2. Bauantrag........................................................3 Drohendes Aus von contain't und Öffentlichkeitsarbeit.................................................4 Das Angebot der Stadt............................................................................................................5 Fazit..............................................................................................................................................6 3. Bauantrag...............................................................................................................................6 Kunst und Kultur.................................................................................................................................7 AG Wort......................................................................................................................................7 Performance ..............................................................................................................................9 Konzerte......................................................................................................................................9 DJ-Programm..........................................................................................................................11 Stuttgartnacht 19.10.2014....................................................................................................12 Vagabundenkongress 14.06.0214......................................................................................12 Ausblick - livin' on the edge..........................................................................................................13


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08.08.2014

Vorwort Als wir uns vor etwa einem Jahr zur Mitgliederversammlung von contain't trafen, war der Verein noch in seiner Aufbauphase. Die meisten Aktivitäten betrafen die Geländeaufbereitung und die Akquirierung finanzieller Mittel, um unsere geplanten Raumformate zu verwirklichen. Im Sommer 2013 waren wir voller Zuversicht, dass die anstrengende und kräfteraubende Zeit bald zu Ende gehen würde. Wir hofften, innerhalb weniger Monate mit einem öffentlichen Veranstaltungsbetrieb und einer lebendigen Ateliergemeinschaft auf dem Gelände in den Vollbetrieb gehen zu können. Ein Jahr später müssen wir nun ernüchtert feststellen, dass es anders kam. contain't hat ein weiteres schwieriges Jahr hinter sich – oder wie es her Bürgermeister Föll an einem Termin in Rathaus ausdrückte: „Ich bin beeindruckt, dass Sie noch hier sind.“

Genehmigungssituation und Infrastruktur Geplanter Veranstaltungsraum "Holzbau" Das Geschäftsjahr 2013 / 2014 startete mit einem deutlichen Dämpfer für contain't. Im Frühjahr hatten wir viel Energie in die Gestaltung und Planung eines mobilen Veranstaltungsraumes investiert. Der Entwurf sieht einen Holzbau aus etwa 25 Modulen vor, der innerhalb weniger Tage auf und abgebaut und mit einem normalen LKW in Einzelteilen transportiert werden kann. Der Entwurf wurde bis zur Detailplanung und Kostenkalkulation voran getrieben und er ist seit dem Bauantrag von 2012 genehmigt. Allein: es fehlt an Geld. Es besteht eine Deckungslücke von 150 000 Euro. Nachdem die Stadt anderen Förderungsmöglichkeiten in ähnlicher Größenordnung eine Absage erteilt hatte, ruhten unsere Hoffnungen auf einer Finanzierung über den Doppelhaushalt 2014 / 2015. Leider wollte keine der Gemeinderatsfraktionen einen entsprechenden Antrag in die Budgetverhandlungen einbringen.

Landescampingplatzverordnung und 2. Bauantrag Die schwerwiegendsten Probleme sollten jedoch noch kommen. Sie begegneten uns beim Versuch, einen baurechtlichen Rahmen für eine Ateliergemeinschaft zu finden, um endlich das zweite Standbein des Vereins realisieren zu können. Hierbei rollte eine so massive Welle an rechtlichen und planerischen Schwierigkeiten auf uns zu, dass wir mehrmals kurz davor standen, das Projekt contain't aufzugeben. Zuerst sah eigentlich alles sehr vielversprechend aus. Clemens Obenland und Christoph Längle vom Architekturbüro Olaar GmbH hatten angeboten, unentgeltlich die Planung und das Genehmigungsverfahren für die Ateliergemeinschaft in die Hand zu nehmen. Sie sahen die Campingplatz Landesverordnung (CplVO) als geeignete Nische an, um die Ausweisung von Atelierflächen nach mehr als zwei jährigem Kampf durch den Baurechtsdschungel endlich wahr werden zu lassen. Mit der Campingplatzverordnung erhofften wir, zwei schwierige baurechtliche Hürden


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zu nehmen. 1. Das contain't Gelände befindet sich baurechtlich im Außenbereich. Andere baurechtliche Nutzungen, wie z. B. die Ausweisung eines Schrebergartens, sind ohne eine Umwidmung des Geländes im Flächennutzungsplan nicht möglich. 2. Mit der Campingplatzverordnung könnte die Haftung für die gemietete Atelierfläche auf den Nutzer übertragen werden. Er könnte auf seiner Parzelle Raumformate mit „ortsveränderlichem“ Charakter (so die CplVO) realisieren, ohne dass das Baurecht erneut berührt wäre, man also die Errichtung beim Baurechtsamt anmelden oder gar genehmigen lassen müsste. Wir hatten die Hoffnung, dass diese rechtliche Lösung ein Modell für ähnliche Projekte in ganz Baden-Württemberg sein könnte. Um den Aufwand fürs Baurechtsamt zu minimieren, entschlossen wir uns, den Antrag für die Ateliergemeinschaft mit dem für die allgemeine Veranstaltungsgenehmigung zu kombinieren. Clemens und Christoph sorgten schon im Vorfeld der Einreichung des Antrags für eine enge Absprache mit dem Baurechtsamt, um später ein reibungsfreies und damit möglichst rasches Genehmigungsverfahren zu ermöglichen. Parallel wurde das Schallgutachten vom Frühjahr 2013 auf die neuen Gegebenheiten angepasst. Am 07.02.2014 wurde dann der Bauantrag eingereicht uns so rechneten wir auf Basis des üblichen Bearbeitungszeitraums beim Baurechtsamt damit, zum Start der Sommersaison in den Vollbetrieb gehen zu können. Nach Einreichen des Bauantrags läuft eine in der Regel zweiwöchige Frist, während der das Baurechtsamt Informationen nachfordern und Auflagen zum Antrag stellen kann. Mit einiger Verspätung erhielten wir auf hartnäckiges Nachfragen hin fünf Wochen nach der Einreichung ein Paket mit Auflagen zum Bauantrag, u.a. mit folgender Aussage: „Das Baurechtsamt hält die Campingplatzverordnung nicht für anwendbar“ - trotz der monatelangen Abstimmung zwischen Architekten und Amt während der Vorbereitung des Antrags. Weil damit der Antrag als Ganzes blockiert war, bestand auch keine Aussicht auf eine baldige Veranstaltungsgenehmigung, obwohl hierfür alle Auflagen erfüllt waren.

Drohendes Aus von contain't und Öffentlichkeitsarbeit Gleichzeitig wurden wir in der Frage der anstehenden Verlängerung des Mietvertrags - er endet bisher November 2014 - schon seit Monaten hin gehalten, obwohl noch letzten Sommer signalisiert wurde, die Verlängerung bis 2016 sei nicht viel mehr als eine Formalie. Die plötzliche Meinungsänderung in zwei so essentiellen Fragen, war unserer Ansicht nach der Versuch, das Projekt contain't still sterben zu lassen. Über die Gründe wurden wir von Seiten der Stadt nicht aufgeklärt. Wir können nur spekulieren, dass contain't als Bremsklotz für die Entwicklung des Neckarparks angesehen wurde, obwohl die Mietverträge unsere Nachbarn auf beiden Seiten des Geländes, dem alten Zollamt und der Firma Degenkolbe, noch bis Ende 2016 laufen. Das Projekt contain't stand im Frühjahr 2013 praktisch vor dem Aus. Ohne die lang ersehnte Nutzungsgenehmigung kann es keinen öffentlichen Kulturbetrieb geben. Ohne den Kulturbetrieb lassen sich keine Einnahmen generieren, die das Projekt langfristig tragen können. Ohne Einnahmen lassen sich die komplexen Anforderungen im Zusammenhang mit der Projektverwaltung- und Organisation, mit


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Genehmigungsverfahren, Förderanträgen und der Bauplanung, die wichtige Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie die technischen Tätigkeiten und Wartungsarbeiten auf Dauer nicht zuverlässig und nachhaltig gestalten. Wir beschlossen, uns zur Wehr zu setzen. Am 3. April ging ein Brief an alle Fraktionen des Gemeinderates, in dem wir unsere Situation beschrieben, die Stagnation und Bewegungsunfähigkeit kritisierten und damit drohten den Mietvertrag für das Gelände zu kündigen. Gleichzeitig setzte Andreas Winter, der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Gemeinderat die Bürgermeisterrunde über die verfahrene Situation bei contain't in Kenntnis und machte sich für eine rasche Lösung stark. Finanzbürgermeister Föll informierte uns darauf hin am 11.04.2014 persönlich am Telefon, dass die Stadt mit Hochdruck nach einer Lösung suche. Aus dem Liegenschaftsamt wurde an uns heran getragen, dass wir nicht mit einer Verlängerung des Mietvertrags rechnen können. Detailinformationen, wie es weiter gehen könnte, wurden uns nicht mitgeteilt, Gerüchte über einen Umzug oder einer Verkleinerung des Geländes machten die Runde. contain't hangelte sich ohne die wichtigen Informationen irgendwie weiter. Weil die Situation finanziell und personell immer prekärer wurde, machten wir Ende April öffentlich auf unsere Situation aufmerksam. Das positive Echo (mit zwei großen Artikeln in der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten und mehr als 10 000 interessierten Leser_innen auf Facebook) machten uns Mut, weiter für das Projekt zu kämpfen. Am 13.05. waren wir zu Gesprächen ins Rathaus eingeladen. In konstruktiver Atmosphäre moderierte Bürgermeister Föll eine mehrstündige Runde, an der die kulturpolitischen Sprecher_innen der Grünen und der SPD, entscheidungsbefugte Vertreter_innen des Stadtplanungs-, Bau- und Liegenschaftsamts, sowie der Wirtschaftsförderung teilnahmen. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang Andreas Winter, auf dessen Initiative hin dieses Gespräch überhaupt statt fand. Ebenso danken wir Monika Wüst von der SPD für Abbildung 1: Termin im Rathaus ihr Engagement, Herrn Bürgermeister Föll für seine persönliche Intervention, sowie Axel Wolf, dem Leiter des städtischen Immobilienmanagements, der sich bereits seit Jahren auf Verwaltungsebene für contain't einsetzt und Wege ebnet.

Das Angebot der Stadt In diesem Treffen wurde klar, dass die Stadt die Probleme von contain't ernst nahm. Auf alle Bedürfnisse von contain't konnte jedoch nicht eingegangen werden. Folgende Lösung wurde mit der Stadt ausgehandelt.


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Gelände: • keine Verlängerung des bestehenden Mietvertrags (bis 30. November 2014) • Weiterbetrieb auf ca. 40% der Fläche Bis Ende 2015 auf Basis eines neuen Mietvertrags • Die von contain't aufzugebende Fläche wird eingezäunt und dient ab Frühjahr 2015 als Zwischenhabitat für die am Neckarpark anzutreffenden Eidechsen • Veranstaltungen: • Sieben Sondergenehmigungen als Übergangslösung • Permanente Veranstaltungsnutzung muss erneut beantragt werden (Bauantrag) Ateliers: • erneuter Bauantrag • vereinfachtes Verfahren für wenige Ateliers Förderung: • Stadt übernimmt weitere Antrags- und Folgekosten • keine vorübergehende Finanzierung fürs Projektmanagement möglich

Fazit Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 18.05.2014 sprach sich contain't mehrheitlich dafür aus, das Angebot der Stadt anzunehmen und das Projekt fortzuführen - vorerst, denn für die Zeit nach Dezember 2015 gibt es noch keine Perspektive. Der derzeitige Standort wird dann für die Umsiedlung der Eidechsen benötigt. und ein neues Gelände hat die Stadt bisher nicht im Angebot. Wir werden uns auf jeden Fall auf die Suche machen! Doch auch für die Zeit bis Dezember 2015 ist contain't noch nicht in trockenen Tüchern. Ohne den geplanten Holzbau beschränkt sich der Veranstaltungsbetrieb von contain't bis auf weiteres auf den Vereinswaggon „Blechmarie“ und den Außenbereich. Vielen künstlerischen Formaten, vor allem im Bereich von Theater und Performance, können wir damit noch keine Heimat bieten. Als Alternative bieten sich lediglich temporäre Zeltmieten an, die jedoch kostspielig und mit großem Aufwand verbunden sind und darum nur wenige größere Veranstaltungen im Jahr in Frage kommen. Weil der zweite Bauantrag aufgrund der Auflagen und des auslaufenden Mietvertrags nicht mehr realistisch bearbeitet werden kann, liegt contain't immer noch keine allgemeine Veranstaltungsgenehmigung vor. Öffentlich beworbene Veranstaltungen können wir weiterhin nur über Sondergenehmigungen durchführen, was finanziell und personeller enormen Aufwand sowie lange Vorlauffristen bedeutet. Der Vollbetrieb in Sachen Ateliers und Veranstaltungen kann nur über einen erneuten, den inzwischen dritten(!) Bauantrag erreicht werden. Berücksichtigen wir die dabei üblichen Bearbeitungsfristen, können wir frühestens im Spätherbst 2014 damit rechnen, also mit einer erneuten Verzögerung von mindestens sechs Monaten. Die dadurch entgangenen Einnahmen aus den Ateliermieten und der finanzielle Mehraufwand für Veranstaltung, liegen in der Größenordnung von 10 000 bis 20 000 Euro uns müssen irgendwie aufgefangen werden.


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3. Bauantrag Auf Grundlage des Angebots der Stadt machte sich Olaar GmbH daran, unsere Planungen an die neuen Gegebenheiten anzupassen und an die Ausarbeitung des inzwischen Dritten Bauantrags. Mitte Juli wurde er eingereicht. Obwohl die Grundfläche des Areals um mehr als die Hälfte reduziert werden musste, konnten alle Nutzungen darauf untergebracht werden: Ein Veranstaltungsbereich mit maximal 500 Besuchern, eine Ateliergemeinschaft mit immerhin 17 Parzellen und die gastronomische Nutzung des Imbiss inklusive eines Biergartenbereichs. Lediglich der Gemeinschaftsgarten von contain't wird im Vollbetrieb keinen Platz mehr finden. In Kooperation mit dem Liegenschaftsamt werden die auszuweisenden Parkplätze in Zukunft zum Teil auf einer städtischen Fläche vor dem Zollamt liegen. Außerdem war für die geänderte Nutzung des Geländes eine erneute Anpassung des Lärmgutachtens notwendig. Herr Föll hatte in der Sitzung am 13.05. zugesagt, die Kosten dafür sowie die Vergütung von Olaar - zusammen rund 8000 Euro zu übernehmen.

Abbildung 2: Lageplan vom verkleinerten contain't Gelände gemäß 3. Bauantrag Inzwischen kam die erste Rückmeldung vom Baurechtsamt. Uns wurde bestätigt, dass die Unterlagen vollständig sind und keine weiteren Auflagen an den Antrag gemacht werden.


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Kunst und Kultur In Anbetracht der widrigen Umstände haben wir im vergangenen Jahr ein erstaunlich vielseitiges Kulturprogramm auf die Beine gestellt. Das verdanken wir nicht zuletzt den neuen Mitgliedern, die im letzten Jahr dazu gestoßen sind und neue Ideen, neue Skills und eine neue Dynamik in das Projekt getragen haben. Von politischen Vorträgen bis zum DJ-Programm war dieses Jahr alles dabei.

AG Wort Das Feld der politischen Bildung ist sicher um einiges schwerer zu pflügen als viele der anderen Kultur-Äcker unseres Vereins. Um mit Vorträgen und Seminaren sein Publikum zu finden, anstatt mit Konzerten oder Tanzveranstaltungen, muss man in der Regel einen langen Atem haben. Es ist unserer AG-Wort hoch anzurechnen, dass sie unseren Kalender schon während der Aufbauphase des Vereins mit Veranstaltungen füllten. Inzwischen stellt die AG-Wort in Zusammenarbeit mit dem Verein "Emanzipation und Frieden" und der Initiative "For your interest" eine regelmäßige Vortragsreihe auf die Beine. In Ermangelung geeigneter Räume auf dem Gelände ging sie dabei vorerst ins Winterexil in der Büchergilde am Charlottenplatz. Das Spektrum des vergangenen Jahres Abbildung 3: Andreas Kemper - "Die reicht von der politischen Theorie, wie bei der Auseinandersetzung mit dem Gefahren des Rechtspopulismus Begriff der "critical whiteness" über die Einordnung der politischen Lage innerhalb (Stichwort Residenzpflicht von Flüchtlingen) und außerhalb Deutschlands (Thomas von der Osten Sacken - "Syrien Katastrophe ohne Ende") bis zur Auseinandersetzung damit, wie die das Weltgeschehen in der deutschen Öffentlichkeit rezipiert wird(Jörn Schulz: "Ukraine-Krise und die deutsche Linke"). Hier eine Liste aller Veranstaltungen des letzten Jahres: •

10.12.2013: Dominique Goubelle - "Vom engagierten Kleinkünstler zum Politiker neuen Typs. Ein Nachruf auf den allzu beliebten Kabarettisten Georg Schramm" 27.01.2014: Alex Feuerherdt - "NGOs zwischen Hilfe und Hilfsbusiness - Beispiel Palästina" 06.03.2014:


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Thomas von der Osten Sacken - "Syrien Katastrophe ohne Ende" 09.04.2014: Filmvorführung: "Dokumentation des Kampfes gegen die Residenzpflicht" 30.04.2014: Magnus Klaue - "Wiederkehr des Verdrängten. Zur Kritik der 'kritischen Weißseinsforschung'" 19.05.2014: Andreas Kemper - "Die Gefahren des Rechtspopulismus. Zur Entstehung und Entwicklung der Partei Alternative für Deutschland" 25.06.2014: Tobias Jaecker - "Antiamerikanismus – die ganz große deutsche Koalition. Aspekte eines Ressentiments, das niemand wahrhaben will." 17.07.2014: Jörn Schulz - "Unser Mann in Moskau: Der Ukraine-Konflikt und die deutsche Linke"

Performance Am 29. und 30. August forderten Fides Schopp und Judith Engel uns auf: "Stell dir vor es ist Revolution und niemand geht hin, weil alle sind beim Urban Gardening". Fides und Judith gingen der Fragen nach, ob es eine Verbindung gibt zwischen Natursehnsucht und der Entstehung revolutionärer Ideen. Sie zeigten anhand historischer Beispiele wie die Natur erst mit Ihrer Zähmung durch die moderne Zivilisation zu einem Idyll wurde, was im Gärtnern seinen Ausdruck fand. Damit stünde die Gartenbewegung mit für die Flucht in ein Idyll und revolutionären Gedanken eher entgegen. Umgekehrt entsprang die Idee des gemeinschaftlichen Gärtnerns bei dessen Pionieren meist aus kommunistischen Wertvorstellungen und war zu dieser Zeit durchaus subversiv.

Abbildung 4: "Stell Dir vor..."

Zu Fides und Judith Vortrag lief parallel eine Videoshow, die das Gesagte entweder veranschaulichte oder zum Teil absurd konterkarierte. Außerdem wurden Fides und Judith immer wieder von harschen musikalischen Einwürfen unterbrochen , was zu sehr komischen Effekten führte, z.B. wenn die Zuhörer vom Blümchen Dancefloor Trash Hit "Wie ein Boom-Boom-Boomerang" aus ihrem Sinnieren über englische Gartenarchitektur gerissen wurden.

Abbildung 5: "... es ist Revolution"


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Für die Performance "Stell Dir vor..." konnte contain't nicht nur einen Aufführungsort bieten, sondern auch die nötige finanzielle durch das Kulturamt der Stadt Stuttgart einwerben, ohne die das Projekt so nicht möglich gewesen wäre. Nach der Premiere bei contain't erfolgten weitere Einladungen. Unter anderem traten Fides und Judith am 17.12.013 im Museum für angewandte Kunst in Wien auf.

Konzerte Ohne allgemeine Veranstaltungsgenehmigung war es im vergangenen Jahr ein Ziel, zumindest vereinsintern eine Konzertreihe auf die Beine zu stellen. Aus der Not, Konzerte nicht öffentlich bewerben zu können, wurde das Motto der Konzertreihe geboren: "Unter dem Radar". Viel Engagement kam dabei aus dem Umfeld vom Komma in Esslingen, allen voran von Jörg Freitag, an dessen Netzwerk von Bands contain't nun anknüpfen konnte. Dank ihm konnten wir auch einige Male auf die Unterstützung des Kommas mit Technik und Equipment zählen.

Abbildung 6: Lovers - 13.11.2013

Die musikalische Ausrichtung von "Unter dem Radar" ist im weitesten Sinne Punk - aber nicht nur. Auch andere musikalische Stimmungen wie der melancholische Elektropop der Lovers aus Portland fanden Ihren Platz bei uns in der "Blechmarie". Und Konzerte im Waggon sind etwas besonderes. Es gibt es keine Bühne. Der Kontakt zwischen Band und Publikum ist voll da. Beim Tanzen muss man als Besucher schon mal aufpassen, nicht ans Schlagzeug zu rempeln. Aufgrund der besonderen Atmosphäre hat sich "unter dem Radar" im Vereinsrahmen sein Stammpublikum erspielt. Egal, ob nun lokalen Bands eine Auftrittsmöglichkeit geboten wurde oder internationale Band aus den musikalischen Nischen bei uns zu Gast waren.

Abbildung 8: Wow

Abbildung 7: ... und Rae Spoon - 13.06.2014


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Nicht zu vergessen sei auch unsere Kooperation mit den Polywaggons für ein kleines Open Air mit Künstlerinnen aus dem Queer-Umfeld. Das Wetter war an diesem Freitag dem 13. offenbar in Open-Air Laune und trug mit einem malerischen Sonnenuntergang zu einem stimmungsvollen Abend bei. Unter den rund 100 Gästen waren auch viele neue Gesichter auf dem contain't Gelände zu sehen. Das Duo Wow spielte experimentellen Pop mit Drum-Maschine, Keyboards, wunderbaren Gitarrenläufen und vertonten Gedichten. Danach trat Rae Spoon aus Kanada auf, mal mit Singer-Songwriter Folk, mal als 1 Personen Gitarrenpop-Band mit Loops und Effekten. "And I also wrote one Grunde song" so Rae selbst in der Ansage ihres, naja, einen Grunge-Song. So lustig ihre lakonischen Ansagen oft waren, so resolut setzt sich die eigentlich eher schüchtern wirkende Künstlerin gegen Homophobie zur Wehr, so z. B. im Song an das "Tourist Board of Canada", in dem sie den richtigen Umgang (nicht nur) mit Lesben und Schwulen thematisiert. Ganz aktuell ist nun noch eine weitere Konzertreihe gestartet: Seit Ende Juli wird unser Vereinsabend-Donnerstag mit Livemusik veredelt. Zur Premiere am 24.07. spielten Complaints ein Akkustik-Set bei uns auf der Terasse, am 07.08. waren Petting Zoo aus Schorndorf zu Gast. Nur auf Ihren Verstärkern ohne PA holten sie einen erstaunlich guten Sound raus für ihren federnden Indie Rock ein schönes Konzert mit Probenraum-Atmosphäre. Es ist geplant, die Reihe als regelmäßigen Termin weiter zu führen. Donnerstags bei uns vorbei zu schauen, lohnt sich also! Hier eine Liste (hoffentlich) aller Konzerte des letzten Jahres: • 13.11.2013 Lovers (USA) • 08.12.2013(?) All diese Gewalt (Esslingen / Stuttgart) • 22.12.2013 Dictadura (E) • 15.03.2014 Die Wirklichkeit (Solingen), Hysterese (Tübingen) • 16.04.2014 Glitter Wizard (USA) • 26.04.2014 This Quiet Army (Can) XTR Human (Esslingen) • 06.06.2014 Ursus (S), Krank (Hamburg), Hildegard von Binge Drinkin (Würzburg) • 13.06.2014 Wow (Stuttgart ?), Rae Spoon (Can) • 18.06.2014 Pisse (Berlin), Karies (Stuttgart) • 24.07.2014 Complaints (Stuttgart) • 07.08.2014 Petting Zoo (Schorndorf)

DJ-Programm contain't hat ein großes DJ-Netzwerk und kann auch Musik abseits dessen bieten, was man üblicherweise in den Läden der Stadt zu hören bekommt. Zur Hängeparty Ende August reisten die DJ_anes von "Tour de Farce" aus Berlin an und beschallten die laue Nacht. Am 21.12.2013, fand das contaminåt als eine der letzten Veranstaltungen im Rocker33 statt. Diesen Termin wollten

Abbildung 9: contaminåt - 21.12.2013


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wir dazu nutzen, contain't finanziell zu sanieren und für die Herausforderungen im neuen Jahr zu rüsten. Über tausend Gäste sind unserer Einladung gefolgt und schafften so unserer finanziellen Lage etwas Luft. Nach contaminåt konnten wir in neues Equipment investieren. Für die Möglichkeit, in ihren Räumen zu veranstalten, danken wir sehr herzlich den Machern des Rocker 33. Obwohl die Veranstaltung primär als Einnahmequelle gedacht war, wollten wir uns nur aufs Auflegen beschränken. Unser Anspruch war es, das Rocker33 in einen ganz neuen Club zu verwandeln. Unter dem Motto "Waldstreben" schleppten wir einiges an Holz ins Rocker. Die Crew von "Aromat" baute extra Sitzgelegenheiten aus der ehemaligen Halfpipe vor dem Kunstmuseum (auch ein „Zwischennutzung“ im Sinne des Leitgedanken von contain't). Im großen Saal zeigten Metamatic und die Lichtgestalten ausgefeilte Visuals mit großen Kontrasten zwischen hellen Momenten und gruselwaldhafter Dunkelheit mit Mappings auf aufgestellten Baumstämmen. Es entstand eine einmalige Atmosphäre. Jedes Mal, wenn die Stroboskope den Rocker-Wald plötzlich in grelles Licht setzen, wurde es mit Jubelrufen der Gäste belohnt. Dj-Events bei contain't: • 30.08.2013 - Hängeparty • 23.12.2013 - contaminåt • 02.05.2014 - Brachland • 02.07.2014 - Lassen

Stuttgartnacht 19.10.2014 Das kulturelle Highlight des letzten Jahres war sicher für viele das Wochenende der Stuttgartnacht am 19.10.2014. In monatelanger Vorarbeit, investierten wir viel Energie und Herzblut, um contain't zu diesen Anlass würdig zu präsentieren. Mit der Genehmigung für eine öffentliche Veranstaltung im Rücken, gingen wir in die Vollen. Auf dem Gelände wurde ein Zirkuszelt mit 300 qm errichtet, gleichzeitig wurden noch die Blechmarie und die Wintergartenhütte bespielt. Unser Programm war so vielfältig, dass die Organisatoren vom Stadtmagazin Lift staunten, als sie lasen, was wir alles vorhatten. Schon am Freitag Abend nutzte Kevin Kuhn das Zelt für eine bemerkenswerte Aktion, sozusagen als Warmup. Das "Trashival" war so etwas wie ein Proberaumfestival auf offener Bühne: Mehr als 10 Acts aus dem Komma-Umfeld mit Kurzauftritten von rund 20 Minuten, ohne Umbaupausen, mit improvisierten Jams oder mit fertigen Liedern - aber immer direkt weiter. Das Trashival war eine super Gelegenheit für den Rundumblick, was sich zur Zeit musikalisch im Neckartal (und drumherum) zurzeit so abspielt.

Abbildung 10: Trashival 18.10.2013


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Während der Stuttgartnacht folgten weitere Konzerte: Freddy Fudd Pucker befeuerte mit tanzbarem Punk-Folk (gibt's das?) auf der Akkustik-Gitarre und einer selbst gebauten Ausrangierter-Koffer-Basedrum das Zirkuszelt. Kristin Gerwien verzauberte derweil mit spärliche Gitarrenakkorden, eindringliche Stimme und intensivem Gesang die Gäste in der Blechmarie - mehr braucht sie nicht, um für wohlige Gänsehaut zu sorgen. Levin Goes Lightly lotete danach im goldenen Glitzeranzug mit DrumMashine, Loop-Pedal und viel Reverb die glamourösen Seiten der Melancholie aus und zu guter Letzt huldigte Testpilot, mit und viel Noise und Geschepper, dem elektronischen Beserkertum. Im Zirkuszelt präsentierten Scuba und Miriam ihr Projekt OPAK, eine Verschmelzung von Erzählung, Video-Projektionen, Theater und Tanz zu einem traumhaft-assoziativem Bilderrausch zwischen Schlaf und Tod - düster und faszinierend. Im Außenbereich zeigten Fides Schopp und Judith Engel „die Erbschaft - eine gefühlvolle Streichelzoo-Installation", die zum Ende des Abbildung 11: OPAK bei der Fests von den letzten Besuchern fast vollständig Stutgartnacht verspeist werden sollte. Nach der Pflicht kam die Kür und die Stuttgartnacht ging nahtlos über in unsere SommerabschlussSause mit der wahrscheinlich längsten Gästeliste in der StuttgartnachtGeschichte.

Vagabundenkongress 14.06.0214

Abbildung 13: Start des Stadtspaziergangs

Abbildung 12: Der Schilderwald

Im Juni erinnerte das Theater Rampe mit einer ganzen Veranstaltungsreihe an den Vagabundenkongress, der im Jahre 1929 in Stuttgart statt fand. Die White


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Rabbits waren mit von der Party und organisierten am 14.06. einen Stadtspaziergang vom Theater Rampe zu contain't. Die urbane Expedition war keine Loveparade, aber mit Musik und auch keine Demo, aber mit Botschaft. Sie führte in einem gut zweistündigen Marsch von Heslach nach Cannstatt. In Sachen Methaphern eine Steilvorlage für contain't: Mit langen Märschen quer durch die Stadt(verwaltung) kennen wir uns aus. Und so statteten wir den Zug entsprechend aus: mit den schönsten Bürokratie-Stilblüten aus drei Jahren contain't-Arbeit im Ämterdschungel. Daniel Geiger schuf aus Wörtern wie "Frischwasserübergabestelle", "Auftragsdatenverarbeitung" oder "Schallimmissionsprognose" einen wunderschönen Schilderwald.

Ausblick Die Zukunft von contain't ist fast schon traditionell ungewiss. Die monatelange Hängepartie um den zweiten Bauantrag und die Mietvertragsverlängerung hat uns an unsere Grenzen gebracht. Die "Rettungsaktion" von contain't, also die Öffentlichkeitsarbeit und die Verhandlungen mit der Stadt haben personell viele Ressourcen gebunden, wofür die federführenden Mitglieder zum Teil ihr berufliches Engagement für mehrere Monate hinten anstellen mussten. Für die Akquirierung von Sponsoring oder neuer Räume (wie z.B. Sanitärcontainer) blieben genauso wenig Ressourcen wie für die Entwicklung neuer Raumformate (wie z. B. die Ausgestaltung der Ateliergemeinschaft). Aus dieser Erfahrung haben wir unsere Konsequenzen gezogen. Zu 100% auf Ehrenamt basiert lässt sich contain't in Zukunft nicht mehr stemmen. Dafür sind die Aufgaben zu vielfältig, die (rechtlichen) Anforderungen zu komplex und die Opfer derer, die sich engagieren, zu groß. Die Arbeiten im Bereich Organisation und Projektmanagement müssen in Zukunft bezahlt werden, damit sie professionell und fristgerecht ausgeführt werden können. Nach unserem ursprüngliches Konzept, wären wir dazu in der Lage gewesen, ein bis zwei Stellen zu finanzieren. Der Betrieb des Holzbaus und die Mieteinnahmen aus der Ateliergemeinschaft würden für die notwendigen regelmäßigen Einkünfte sorgen. Bis auf weiteres müssen wir aber auf diese Einnahmequellen verzichten. Dazu kommen die Mehrausgaben, die sich aus den Verzögerungen und den Kompromiss mit der Stadt ergeben haben. Die Lücke in der Finanzierung können wir nur schließen, wenn die Stuttgarter_innen, denen contain't wichtig ist den Verein finanziell unterstützen. Um das zu erreichen ist im Moment eine Mitgliederkampagne in Vorbereitung. In den nächsten Tagen wird eine Internetseite online gehen, auf der man direkt contain't Mitglied werden kann. Ein kleiner Motivationsfilm macht auf unsere Anliegen aufmerksam. Eine Fürsprecher-Aktion mit so bekannten Namen wie dem Künstler Pablo Wendel oder der Kabarettistin Christine Prayon wird die Kampagne unterstützen. Ob sich genügend Förderer finden lassen? Unsere Grenze liegt bei 300 Mitgliedern. Wird dieses Ziel erreicht, wird der Verein mit vollem Elan fortgeführt. Wenn nicht, müssen wir den jetztigen Vereinsbetrieb zum Herbst


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auslaufen lassen. contain't steht also wieder einmal am Scheideweg. In diesem Sinne greift immer noch das Motto vom letzten Jahresbericht: Es bleibt spannend!

containt Tätigkeitbericht 2013/2014  

Tätigkeitsberichts des Vereins containt't e.V. für die Jahre 2013/2014.

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