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In der Ruhe liegt ihre Kraft

Gut möglich, dass so aus Russland eine ganz neue Schule wird, die trotz aller Professionalität rein interpretatorisch praktisch bei Null anfängt und damit überall neue Impulse setzen kann. Lezhneva jedenfalls verfügt über diesen Idealtypus einer schlanken Stimme, die ihr Vibrato bestenfalls aus dem Text entwickelt. Ansonsten meistert sie so natürlich, fast schon hemdsärmelig die technischen Schwierigkeiten von Koloraturen und Verzierungen, als wäre es ein Spaziergang – und wirkt dabei doch so unverbraucht und unangestrengt, als wäre diese unarti-

fizielle Art des Singens schon seit jeher en vogue gewesen. Woher aber nimmt sie mit Anfang 20 solch eine selbstbewusste Natürlichkeit, die dann doch so ganz anders ist als der Kunstgesang einer Cecilia Bartoli? Die Sängerin überlegt lange – und kommt schließlich auf ihre fernöstliche Heimat Sachalin zu sprechen. „Auf so einer Insel wachsen Sie einfach anders auf und nehmen Dinge anders wahr als in einer großen Stadt, wo die Dinge sehr schnell geschehen“, sagt sie nachdenklich. „Dort ist man weit weg von allem, lernt Unabhängigkeit und Klarheit im Denken, weil man durch nichts abgelenkt wird. Die Landschaft dort hat mich schon als Kind inspiriert, und als ich zum Start meiner Karriere anfing, viel zu reisen, begann ich mich meiner Gefühle als Fünfjährige zu erinnern.“ Natürlich sei sie hungrig auf Selbsterfahrung, auf Moskau und die Musik gewesen, als sie damals in die über 6000 Kilometer entfernte Hauptstadt kam, erinnert sich Lezhneva. „Aber

© Gisela Schenker

eine menschliche Stimme so perlen und funkeln, sich so virtuos bewegen kann, war für die Jungstudentin am Konservatorium wie eine Erleuchtung. „Inzwischen hat sich gerade in Moskau aufgrund des großen Bedarfs das Interesse der jungen Musiker an Alter Musik vervielfacht, es gibt sogar schon ein eigenes Departement für historische Aufführungspraxis.“

meine Ursprünge haben sich erhalten, die sachalinische Ruhe ist mir geblieben.“ Wozu nicht zuletzt der Kontakt zu ihren alten Freunden von damals beiträgt. Konzert-TIPP

So. 15.3., 20:00 Uhr Laeiszhalle (Kleiner Saal) Julia Lezhneva (Sopran), Mikhail Antonenko (Klavier). Schumann: Liederkreis op. 39, Rossini: La regata veneziana, Bellini: Ma rendi pur contento, Schubert: Impromptu Ges-Dur D 899/3, Nacht und Träume D 827, Die junge Nonne D 828 & Im Frühling D 882 online-Tipp

Julia Lezhneva kann auch anders: Ein Ausschnitt aus Vivaldis „In furore iustissimae irae“ Das Video sowie weitere Konzerte auf: www.concerti.de/lezhneva CD-Tipp

Alleluia Werke von Vivaldi, Händel, Porpora & Mozart Julia Lezhneva (Sopran), Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini (Leitung) Decca

Villa Papendorf P R I VAT E C O N C E RT S 2015

29. März 2015, 19:00 Uhr Christiane Karg (Sopran), Gerold Huber (Klavier) „Femmes – Frauenfiguren“ Lieder von Schubert, Wolf, Brahms, Strauss, Saint-Saëns, Hahn und Duparc Kleiner Kreis in privater Atmosphäre

www.villa-papendorf.de

concerti 03.15 Hamburg 3

concerti Ausgabe Hamburg März 2015  
concerti Ausgabe Hamburg März 2015  

concerti - Das Konzert- und Opernmagazin mit Regionalteil für Hamburg und Umgebung

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