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titel-Interview

»Auf Glück baut man keine Karriere«

E

rwin Schrott galt eine ganze Zeit lang als Geheimtipp und wurde vor allem als Schönheit an der Seite seiner Frau Anna Netrebko wahrgenommen, mit der er einen mittlerweile vierjährigen Sohn hat. Spätestens aber, seitdem er 2008 in Salzburg debütierte, ist aus dem Edel- ein Starbariton geworden, der sich die größten und schönsten Bühnen der Welt aussuchen kann. Der Beau mit weißem Hemd und Talismankettchen liebt das Understatement, denn er kann sich’s leisten. Mister Schrott, woher kommt eigentlich solch ein für deutsche Ohren erstaunlicher Name?

Offenbar von einem längst verloren geglaubten Familienzweig aus Mitteleuropa. Uruguay ist wie Argentinien und Brasilien ein Einwanderungsland, so dass es für die meisten Familien normal ist, spanische, italienische, französische oder eben deutsche Namen zu haben. Ist das deutsche Publikum anders als das in Uruguay?

Naja, in Uruguay gibt es nicht so viele Opernhäuser wie in Europa. Es wäre ungerecht, ei18 concerti Juni 2013

ne Parallele zwischen so ver- harrlichkeit ist der Schlüssel schiedenen Welten zu ziehen. zum Erfolg. Aber in unserer Zeit, in der es so einfach ist, Musik, Literatur Naja, ganz so einfach ist es ja und Filme von jedem beliebi- doch nicht, oder? Beharrlich sind gen Ort aus über das Internet viele, so weit wie Sie bringen es zu konsumieren, ist es auch nur wenige. Es muss ja doch ein leichter, etwas über Oper und Geheimnis dabei sein. klassische Musik zu lernen, Da gibt es kein Geheimnis, auch wenn Sie tausende Kilo- wirklich, in meinem Fall jedenmeter vom Entstehungsort falls. Ich habe immer einfach entfernt sind. Die Menschen mein eigenes Ding gemacht. hören, lesen und sehen nicht Wenn Sie so wollen, befinde nur, was in ihrer Nachbarschaft ich mich noch immer in der produziert wird. Kultur ist Ausbildung. Einige Chancen überall, und neue Medien er- habe ich ergriffen, andere vermöglichen einen leichteren passt. Aber ich habe immer Zugang zu ihr, das ist eine ab- versucht, meine guten Beziehungen zu Kollegen und Thesolut gute Sache. atern auf der ganzen Welt in Gang zu halten und zuverlässig »Beharrlichkeit und professionell zu sein. Man muss immer wachsam bleiben, ist der Schlüssel denn es gibt nie eine Phase, in zum Erfolg« der man sagen kann, das ist es, jetzt hab’ ich’s geschafft. In Verraten Sie uns mal, wie man so dem Moment, in dem Sie glauein berühmter Sänger wird wie ben, die Spitze erreicht zu haSie. ben und nun für immer die Es gibt kein Erfolgsrezept. Nicht Welt zu regieren, kommt jenur als Sänger, auch generell mand anderes und verdrängt muss man in der Regel hart Sie von Ihrem Platz. arbeiten, studieren, die richtigen Chancen ergreifen – und Wie viel Glück gehört dazu? wenn man sie erwischt, braucht Glück ist in dem Maße beteiligt, es Beharrlichkeit. Niemand will am richtigen Ort zur richtigen ein Ein-Hit-Wunder sein. Be- Zeit zu sein. Wenn man Talent

Foto: Fabrice Dall‘Anese

Erwin Schrott über seine deutschen Wurzeln, Boulevardfragen und die Vergänglichkeit von Stars. Von Christian Schmidt

concerti - Das Berliner Musikleben Juni 2013  

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