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14.12.2009

14:58 Uhr

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KORRESPONDENZBLATT DES CANISIANUMS Heft 2, Jahrgang 142 – Wintersemester 2009/2010


Inhaltsverzeichnis

Geleitwort des Rektors .......................................................................................................................... 1 1. Herz-Jesu-Fest 2009 Impulse zum Triduum von P. Leonard Nevis Fernando SJ Priesterlicher Dienst und Herz-Jesu-Verehrung in der Volksreligiosität ................................ 2 Herz-Jesu: Gottesbild – Menschenbild ................................................................................... 6 Festprogramm ............................................................................................................................ 10 Begrüßung und Hinführung von Rektor P. Gerwin Komma SJ.................................................... 11 Diözesanbischof J.-Gaspard Mudiso Mund‘la, SVD, Kenge, Dem. Rep. Kongo „Ist das Wort Gottes eine Bischofssynode wert?“, Zur zwölften Welt-Bischofssynode 2008 . ............................................................................. 13 2.

Beiträge Prof. Dr. Józef Niewiadomski, Dekan, Pro Futoro! Neue Doktoratskultur an der Theologischen Fakultät ......................................................................................................... 21 P. Gerwin Komma SJ, „Jener muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Joh 3,30) Exhorte zum uns geschenkten und aufgegebenen „Priesterjahr“ ........................................ 26 Prof. Dr. Gerda Riedl, Das Priesterjahr – ein geistlicher Impuls. Zum Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des ›dies natalis‹ von Johannes Maria Vianney ................................. 33

3. Aktuelles und Chronik P. Friedrich Prassl SJ, Vizerektor und Studienpräfekt ................................................................ P. Josef Thorer SJ, Spiritual im Canisianum und im Priesterseminar Bozen-Brixen . ................ Baek Jung-Hyun Josef, Ein Brief an P. Volkmar Premstaller SJ . ............................................... Ortner Sebastian, Chronik ..........................................................................................................

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4. Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts) Tang Mathias, 1 Cor 12: 1-31a, St. Paul‘s Teaching about the Church as One Body with Many Members: A Model for the Diocese of Damongo, Ghana .......................... 55 Masangu Alex, Die Gottesfragen bei Emerich Coreth, Philosophisch den Gottesglauben begründen .................................................................................................... 57 5.

Wir gratulieren ............................................................................................................................ 61

6. Diözesenliste Studienjahr 2009/2010 . ......................................................................................... 62 7. Geburtstage und Weihejubiläen 2010 ........................................................................................... 64 8. Memento Mori ............................................................................................................................. 68 9.

Briefe und Grüsse aus aller Welt ................................................................................................ 74

10. Terminkalender ............................................................................................................................. 76 Wir danken unseren Spendern und Förderern ....................................................................................... 78

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Geleitwort des Regens

Liebe AltCanisianer, Freunde und Wohltäter, liebe Canisianer! Mit diesem Blick hinter die Jalousien unse­ rer Kollegskirche möchten wir Sie mit den abge­schloss­enen Restaurie­rungs­arbeiten im Pres­-by­terium vertraut machen, das sich nun dem Betrachter mit den vor fast hundert Jahren von Josef Bachlechner aus Hall in Tirol geschaffenen Altären in seiner ursprünglichen Würde zu erschließen vermag.

Vergelt’s Gott dafür und hoffe, dass Sie sich bei Ihrem nächsten Besuch mit uns über die gelungenen Arbeiten freuen können. Im Rahmen einer adventlichen Vesper, die wir mit den Förderern in unserer „LacknerKirche“ gefeiert haben, hat Bischof Dr. Manfred Scheuer das Presbyterium gesegnet. „Und seinen Namen wird man rufen Immanuel, das heißt übersetzt: „Mit uns ist Gott“ (Mt 1,23) „Hören, – was die göttlichen Personen sagen, nämlich: ‚Laßt uns die Erlösung des Menschengeschlechtes ver­wirklichen …’; Und danach, was der Engel und Unsere Herrin sprechen; Dann darüber nachdenken, um aus ihren Worten Nutzen zu ziehen.“ (GÜ 107)

Zu unserer Freude ist es gelungen, nahmhafte Förderer von diesem Projekt zu überzeugen, wie Sie aus dem Kurzbericht in der Chronik ersehen können. Dennoch wird uns bei der End­abrechnung noch ein Betrag von ca. € 30.000,– zur Abdeckung aller Kosten fehlen. Die genaue Endabrechnung werden wir mit einem ausführlichen Bericht im ­nächsten KB vorlegen. Schon jetzt würden wir uns aber freuen, wenn Sie uns dabei helfen könnten, die bestehende Last unter dem Stichwort „Presbyterium“ mit abzutragen. Ich sage Ihnen bereits heute ein herzliches

Auch wenn sich unser aller Lebenskontext deutlich weniger idyllisch präsentiert, so bedarf gerade er einer Aufmerksamkeit, die hellhörig ist für unsere säkularisierte Welt „religiös unmusikalischer“ Menschen. Einer Wachheit aus dem Glauben, der genügend Hoffnung in sich trägt, die grundlegend weltlich gewordene Welt als seinen Lebensraum zu erkennen und anzunehmen. Zum Fest Seiner Menschwerdung in ihr wünsche ich Ihnen und uns allen die Erfahrung Seiner Nähe und die leitende Kraft Seines Geistes im neuen Jahr. Mit besten Grüßen und Segenswünschen von unserer Kollegsgemeinschaft, im Herrn verbunden

P. Gerwin Komma SJ 1


Herz-Jesu-Fest 2009

1. Herz-Jesu-Fest 2009

P. Leonard N. Fernando SJ Priesterlicher Dienst und Herz-JesuVerehrung in der Volksreligiosität

Leonard Nevis Fernando SJ Gleich zu Beginn möchte ich unterstreichen, dass mit dem Begriff „Volksreligiosität“ nichts Abwertendes bezeichnet werden soll. – Die Religiosität der Priester und der Ordensleute ist nicht hochwertiger als die der Laien. Im Christentum werden in der Regel religiöse Ausdrucksformen, Praktiken, und Verhaltensweisen, die in großen christlichen Gruppen zu finden sind, die 1. wenig formale religiöse Ausbildung haben, 2. eine tiefe Symbiose zwischen ihrem religiösen und kulturellen Verhalten erreicht haben; 3. die Rolle der Religion in Bezug auf ihre temporären und materiellen Bedürfnisse betont haben, als “Volksreligiosität beschrieben. Diese Faktoren werden in der Regel in unterschiedlichen Proportionen und gemäß Orten, Zeiten und sozialen Situationen kombiniert.“1 In der katholischen Religion gibt es viele Formen der Volksreligiosität – wie die HerzJesu Verehrung, den Rosenkranz, die Fronleichnamsprozession, die Kreuzwege, die Wallfahrten und die Ausstellung der heiligen 2

Gräber – um nur einige von vielen zu erwähnen. Wie alle anderen Volksreligiositätsformen hat auch die Herz-Jesu-Verehrung eine Geschichte. Man sagt, dass die Praxis der Herz-Jesu-Verehrung in der Zeit der großen Mystiker Anselm und Bernard zwischen 1050 und 1150 beginnt und dass diese Widmung durch die großen Heiligen, darunter der Hl. Albert der Große, die Hl. Katharina von Siena, der Hl. Franz von Sales, sowie die großen religiösen Orden, wie die Benediktiner, die Dominikaner, und die Kartäuser gefördert wurde. Wir finden im Mittelalter eine Verehrung der Wundmale Jesu, die damals mit der Betrachtung der Leidensgeschichte verbunden war. Das durchbohrte Herz Jesu wurde zum Symbol der Liebe Gottes zu den Menschen, obwohl es damals noch keinen eigenen Kult für das Herz Jesu mit besonderen Andachtsformen gab. Das Kruzifix war das normalerweise benutzte Symbol für die Liebe Gottes. Margareta Maria Alacoque (1647-1690) Die Herz-Jesu-Verehrung als Frömmigkeit, die wir heute erleben, hat ihren Anfang in den privaten Offenbarungen, die Margareta Maria Alacoque empfing. Ihre privaten Offenbarungen förderten die Einführung eines liturgischen Festes. Margareta Maria Alacoque berichtete, dass im Jahre 1675 Jesus ihr sein Herz zeigte und sagte: “Schau dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es sich nicht schonte, sondern sich völlig hingab und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu beweisen. Zum Lohn ernte ich von den meisten nur Undank, fehlende Verehrung, Sakrilegien, Kälte und Mißachtung. ... Aus


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diesem Grund bitte ich, dass der erste Freitag nach der Fronleichnamsoktav als Festtag zu Ehren dieses meines Herzens gefeiert wird.” Den Auftrag, die Herz-Jesu-Verehrung in der ganzen Welt zu verbreiten, gab Margareta Maria Alacoque an ihren geistlichen Begleiter, den Jesuitenpater Claude de la Colombière weiter, weil Jesus ihr dazu den Auftrag gab. Claude de la Colombière (1641-1682) Claude de la Colombière war bekannt als Bekenner des Glaubens in England und als Kaplan der Herzogin von York, der späteren Königin von England. Er war berühmt für seine Werke über religiöse Themen und für seine erhabene Tugend. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der privaten Offenbarungen von Margareta Maria, kam Claude de la Colombière zu dem Schluss, dass diese Enthüllungen echt waren. Überzeugt, dass die Hingabe das Werk Gottes war, betrachtet er sich selbst verpflichtet, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Verehrung zu verbreiten. Er schrieb in seinem Journal of Spiritual Retreats, „Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Gott will, dass ich Ihm diene durch die Erfüllung Seiner Wünsche in Bezug auf die Verehrung, die er einer Person [Hl. Margareta Maria] vorgeschlagen hat, und der er sich in engster Weise offenbart hat, und zu deren Gunsten er von meiner Schwäche Gebrauch gemacht hat.” Diese Hingabe wurde trotz vieler Hindernisse weiter verbreitet. Aber es brauchte viele Jahren bis die Herz-Jesu-Verehrung in der ganzen Kirche zu einem wichtigen Teil ihrer Spiritualität wurde. Die Mitbrüder von Claude de la Colombière und die Mitschwestern von Margareta waren am Anfang zurückhaltend, aber dann versuchten sie mit größtem Eifer die Hingabe zu verbreiten. In

weniger als einem Jahr waren sie für die Verehrung begeistert worden. Kapellen wurden zu Ehren des Heiligen Herzens errichtet, Bilder wurden graviert und bemalt, Altäre wurden zu Ehren des Herzens errichtet. Die Herzensfrömmigkeit wurde mit wunderbarem Erfolg in ganz Frankreich verbreitet und durch die Missionare darüber hinaus in andere Länder. Aber im 18. Jahrhundert erlebte die HerzJesu-Verehrung eine Phase der Ablehnung und heftigen Widerstand nicht nur von den Jansenisten, sondern auch von anderen, die damals die politische und geistliche Macht ausübten. Schon im Jahre 1771 versuchte die Kaiserin Maria Theresia die weitere Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung durch ein offizielles Verbot zur Errichtung neuer Bruderschaften der Herz-Jesu-Verehrung zu verhindern, und 12 Jahre später begann Kaiser Joseph II alle Bruderschaften aufzulösen. Diese Verbote bewirkten das Gegenteil. Denn neben den Bruderschaften hatten sich kleine private Gruppen gebildet, besonders seit der päpstlichen Approbation des Herz-Jesu-Festes im Jahre 1765. Durch ihren privaten Charakter konnten sie der öffentlichen politischen Verfolgung entkommen, und so die Herz-Jesu-Verehrung weiter verbreiten. Andere politische Entwicklungen spielten eine wichtige Rolle für die Herz-Jesu-Verehrung, die bis heute noch im Land Tirol und im Collegium Canisianum gefeiert wird . Die Schreckensnachricht, dass die französischen Truppen im Anmarsch nach Tirol waren, verbreitete viel Angst in der Bevölkerung und in den Tiroler Landständen. Man sagte „Gegen Napoleon keine Chance“ und man meinte „was an Waffen fehlt, wollen wir an Glauben wett machen.“ Also legten die Tiroler Landstände auf Vorschlag des Stamser Abtes Sebastian Stöckl im Juni 1796 in Bozen das Gelöbnis an das Herz Jesu ab. 3


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Dieses Herz-Jesu-Gelöbnis beeinflusst heute noch die Herz-Jesu-Volksreli­giösität in Tirol. Man kann sagen, dass das Gelöbnis ein Hinweis auf das Vertrauen in das Herz Jesu war.

Im Canisianum wurde auch in einer politisch schwierigen Situation ein Gelöbnis an das Herz Jesu abgelegt. Nach der Auflösung der Katholisch-Theologischen Fakultät in Innsbruck im Juli 1938 beschlagnahmten die nationalsozialistischen Machthaber (mit Dekret vom 21. November 1938) auch das Collegium Canisianum. Schon einige Wochen vorher, am 30. Oktober 1938 (am Christkönigsfest), wurde im Canisianum ein Gelübde zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu abgelegt. In diesem Gelübde wurde um Bewahrung des Canisianums und der Theologischen Fakultät gebetet. Im Canisianum und im Land Tirol erlebte man eine Situation der Bedrohung und in 4

einer solchen Situation der absoluten Hilflosigkeit, beteten die Gläubigen und drückten ihr Vertrauen auf Gott aus. In ähnlicher Weise beten bis zum heutigen Tag Menschen in persönlich schwierigen Lebenssituationen zum Heiligen Herzen und danken ihm für erfüllte Bitten. Für einige mag dieses Vertrauen zu einfach und magisch erscheinen. Gerade deswegen habe ich die Beispiele vom Land Tirol und unserem Canisianum genannt, damit wir diese Glaubensäußerung nicht einfach reduzieren auf die Glaubenserfahrung von sogenannten einfachen Menschen. Vielmehr kann Jesu Umgang mit dem einfachen Glauben der Menschen uns eine Hilfe sein, um den priesterlichen Dienst im Kontext der Volksreligiosität zu verstehen. Wie verhielt sich Jesus gegenüber dem Glauben der einfachen Leute? Jesus verdammte die formale, äußerliche, hypokritische Religion der Klassen und sozialen Schichten seiner Zeit. Andererseits hatte er eine Sprache voller Bewunderung und manchmal auch voller Enthusiasmus für den Glauben der Unterdrückten. Er akzeptierte ihre Bitten um Befreiung von Krankheit und Tod und machte sich besonders in bewundernswürdiger Weise als Gott der ­armen Leute erreichbar, wodurch er zu einem wirklichen „anawim“ wird. Dieser Anawim – Geist findet seinen Ausdruck in der Volksreligiosität. Ich denke, es ist notwendig eine volksnahe Theologie und christliche Praxis zu verbreiten. Ein tiefes Studium der Volksreligiosität kann uns dabei helfen. Die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenz ist sich des Reichtums der Volksreligiosität bewusst und hat daher folgenden Vorschlag unterbreitet: „Wir empfehlen ein tiefes Studium der Volksreligiosität und der damit verbundenen Praktiken, um den Gebrauch solcher Formen und Praktiken zu unterstützen, um


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dadurch den Aufbau der lokalen Kirchen zu stärken. Nichtauthentische Praktiken von Volksreligiosität sollen nach sorgfältiger Reflektion und Evaluation korrigiert oder verhindert werden.”2 In der Vollversammlung der “Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung“ im Jahre 2001 (26.-28. September) wurde das Thema Volksreligiosität diskutiert. Das Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie betonte – und ich denke richtigerweise –, dass die Missachtung der Volksreligiosität „eher von ideologischen Vorurteilen als vom christlichen Glauben“3 herzurühren scheint. Es macht die folgenden Vorschläge: „Die Schätze der Volksfrömmigkeit müssen ... als Ausdruck eines über lange Zeit tief gereiften Empfindens der Gläubigen bewahrt werden, auch wenn ihre Reinigung von Mehrdeutigkeiten, beispielsweise synkretistischen Zügen, ein wichtiges und notwendiges Anliegen ist.“4 Der priesterliche Dienst in der Herz-JesuVerehrung, so wie in anderer Volksreligiosität, liegt darin, dass die Volksreligiosität „beständig evangelisiert werden muss, damit der Glaube, den sie ausdrückt, ein immer reiferer und authentischer Glaubensakt werde“5. Dazu kommt noch eine wichtige Herausforderung: Die religiöse und theologische Frage lautet: „Wie kann man eine vergangene Symbol-Erfahrung ins heutige Weltgefühl übertragen?“

Unzweifelhaft haben auch die Menschen unserer Zeit, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht, Anliegen, die sie vor Gott bringen wollen. Aber so wie die Bilder von „Jesus als dem guten Hirten“ nicht mehr in den Schlafzimmern hängen, so sprechen kitschig erscheinende Herz-Jesu-Bilder heute nicht mehr universell an. Wir müssen nach neuen Symbolen suchen, um die Liebe Christi auszudrücken, vielleicht reicht auch bereits eine neue künstlerische Umsetzung des universal verständlichen Herz-Symbols.

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“The Spirit at Work in Asia,” in Sprouts of Theology from the Asian Soil: Collection of TAC and OTC Documents (1987-2007), edited by Vimal Tirimanna, Bangalore: Claretian Publications, 242-243. “Theses on the Local Church: A Theological Reflection in the Asian Context,” in Sprouts of Theology from the Asian Soil: Collection of TAC and OTC Documents (1987-2007), edited by Vimal Tirimanna, Bangalore: Claretian Publications, 66. Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie, Grundsätze und Orientierungen, hrsg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, 2001, 48. Ebd., 13. Johannes Paul II, Apostolisches Schreiben “ Vincesimus quintus annus“, hrsg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, 1988, 18.

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P. Leonard Nevis Fernando SJ Die Herz-Jesu-Verehrung: Gottesbild – Menschenbild

P. Leonard Nevis Fernando SJ „Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Johannes 3, 16-17) Die Entwicklung und Verbreitung der HerzJesu-Verehrung im 17. Jahrhundert muss mit Rückgriff auf die Vergangenheit gesehen werden. Nur so erschließt sich die große Bedeutung dieser Form der Volksfrömmigkeit, die bis heute weltweit vorhanden ist. In meiner Heimat Indien finden sich in reichem Maße in Kirchen, Schulen und Häusern Statuen, Poster und religiöse Gegenstände, die das Herz Jesu betonen. Werfen wir einen Blick zurück in das Mittelalter, das nicht ohne Grund oft mit dem ­Adjektiv „finster“ belegt ist. Menschen lebten voller Angst. Sie wurden dauernd mit dem Tod konfrontiert. Menschen starben im Krieg, durch Hunger, im Kindbettfieber und durch die schwarze Pest. Der schwarze Tod tötete Reiche und Arme und ließ ganze Dörfer und Städte menschenleer zurück. Den 6

wenigen Überlebenden wurde in der Kirche gepredigt, dass Gott die Pest geschickt habe, weil die Menschen gesündigt und Gottes Gebote nicht gehalten haben. Gott wurde dargestellt als der strafende, richtende Gott. Um Gott gnädig zu stimmen und seinem Gericht zu entkommen entstanden überall Büßergemeinschaften, „Geißler“ genannt. Sie zogen durch die verlassenen Städte und riefen die Menschen zur Umkehr und Busse auf. Dabei geißelten sie sich selbst in der Nachfolge Jesu Christi, indem sie sich mit Lederpeitschen schlugen bis sie bluteten oder sogar verbluteten. Einige ließen sich bei Karfreitagsprozessionen wie Jesus ans Kreuz nageln, andere trugen schwere Holzkreuze oder rutschten auf Knien. Sie fasteten viel und trugen einfachste Gewänder. Sie dachten durch einen solchen Lebenswandel Gott gnädig stimmen zu können. Sie wollten verhindern, dass die Pest immer wieder neu ausbrach. Damals wusste man noch wenig darüber wie sich die Pest verbreitete, aber man wusste von der Ansteckung. Deswegen war es wichtig, Tote schnell zu begraben oder zu verbrennen. Aber nur wenige, die besonders fromm waren und keine Angst vor dem Tod hatten, trugen die Toten vor die Stadt. Die anderen flohen um ihr Leben. Andere wiederum hatten jede Hoffnung aufgegeben zu überleben und tanzten mit jedem ohne Rücksicht auf Ansteckung. Sie wollten exzessiv das Leben in vollen Zügen genießen bis Bruder Tod sie holte. Der Tod wurde oft dargestellt als ein Gerippe mit einer Sense in der Hand, der wahllos die Lebenden durch den Schnitt seiner Sense ins Jenseits beförderte. Viele Kirchen waren damals mit Bildern bemalt, die den Tod als Sensenmann darstellten. Heute gibt es nur noch eine Kapelle, in der die Bemalung mit dem Totentanz vollständig erhalten ist. Es ist die Kapelle, im Hause der adeligen ­Eltern des Heiligen Franz Xaver, dem Jesuiten und Apostel Indiens bei Pamplona/Spanien, die


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ich kürzlich besichtigen durfte. Ich weiß nicht, ob der junge Franz in dieser Kapelle im Angesicht der grausamen Totentanzszenen gebetet hat oder ob die Szenen damals schon übermalt worden waren bis sie von Restauratoren wiederentdeckt wurden. Falls sie zurzeit des Heiligen Franz Xaver nicht übermalt waren, dann hat der kleine Junge bereits das Bild eines strafenden, grausamen Gottes vermittelt bekommen. Außerdem wurde er dann täglich durch die Malereien an den Tod erinnert. Damals war es auch üblich Kinder sofort nach der Geburt zu taufen, denn man dachte, ungetaufte Kinder kämen in die Hölle. Priestern war es nicht erlaubt, ungetaufte Kinder und Selbstmörder auf dem kirchlichen Friedhof in geweihter Erde zu bestatten. Sie mussten wie Hunde verscharrt werden, damit schon hier die Strafe Gottes deutlich wurde. Dies war bestimmt nicht im Sinne Jesu Christi, der Gott liebevoll mit „abba“ titulierte, „Vater“. Sein Verhältnis zum Vater war bestimmt von Liebe, nicht von Angst, Hierarchie und Herrschaft. Das Verhältnis von Jesus zu den Menschen soll dasselbe vertrauensvolle, von Zuneigung und ­Liebe gekennzeichnete Verhältnis widerspiegeln, das Jesus zu seinem Vater hatte. Die Menschlichkeit Jesu zeigt sich besonders am Kreuz, wo er in seiner extremsten Not trotzdem seinen Vater anruft. Immer wieder haben in der Kirchengeschichte Reformer versucht, das Gottesbild im Sinne der Menschlichkeit Gottes zu verändern. Sie wollten keinen Herrscher und König als Gott, sondern orientierten sich an dem kleinen, verletzlichen Kind in der Krippe. Denn Gott entäußerte sich selbst und nahm Menschengestalt an in der einfachsten möglichen Gestalt, nämlich als Baby von einfachen Leuten. Einer der ersten, der besonders versuchte die Menschlichkeit Gottes durch die Menschwerdung Jesu deutlich zu machen, war der heilige Franziskus von Assisi. Im

12. Jahrhundert bat er Menschen die Weihnachtsgeschichte darzustellen. Es waren lebendige Menschen, die Maria und Josef mit einem Baby in der Krippe darstellten, echte Hirten mit Schafen, ein Esel und ein Ochse, die zur Weihnachtszeit das Ereignis, dass Jesus wahrhaftig Mensch geworden ist, in die erste Krippendarstellung umgesetzt haben. Jesus war wirklich Mensch geworden wie jedes andere Baby war die Botschaft aus Assisi. Seitdem gibt es weltweit Krippenspiele und Krippendarstellungen in vielfältiger Form. Weihnachtsdarstellungen der Heiligen Familie sind zu einem weiten Feld der Indigenisierung und Volksfrömmigkeit geworden. In Italien gibt es zum Beispiel ganze Krippenlandschaften, die komplette Dörfer abbilden mit der Heiligen Familie in der Mitte. Trotzdem gelang es Franziskus von Assisi nicht, die Menschlichkeit Gottes für die Zukunft deutlich zu machen. Die Menschen verfielen wieder in das Denken von einem strafenden, fernen Gott. Auf dem Hintergrund des mittelalterlichen Denkens erstaunt es nicht, dass im 15. und 16. Jahrhundert der Reliquienkult und der Ablasshandel blühten. Arme und Reiche, Kleriker und Laien suchten Gott gnädig zu stimmen, damit er Unheil und Gefahren abwende, die nur zu oft die Menschen in Bedrängnis brachten. Darüber hinaus wurde den Gläubigen gepredigt, dass sie auch jetzt schon etwas dafür tun könnten, damit ihre Seele nicht zu lange im Fegefeuer schmoren würde. In lebendigen Bildern, fast marktschreierisch wurde ihnen verkündet wie furchtbar Gott sie in dem Fegefeuer schmoren lassen würde mit einem genauen Verzeichnis welche Sünde dem Sünder wie viel Zeit im Fegefeuer einbrachte. Aber die Hilfe wurde auch gleich angeboten in Form von Wallfahrten zu Reliquienschreinen und im Kauf von Ablassbriefen. Der Ablass wurde vom Papst selbst genehmigt, um z.B. den Petersdom zu finanzieren. Man konnte 7


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sich nicht nur von eigenen Sünden loskaufen, sondern auch von zukünftigen Sünden. Ebenso konnte man ein gutes Werk für bereits verstorbene Verwandte tun und ihr Leiden im Fegefeuer durch den Kauf von Ablassbriefen verkürzen. Der Mönch Tetzel wurde berühmt durch seinen Werbespruch: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt.“ Damals lebte der Augustinermönch Dr. Martin Luther, der sagte: „Immer wenn ich den Namen Jesus hörte, habe ich gezittert, weil man mir gesagt hat, dass ich mir Jesus als einen strengen Richter vorstellen muss.“ Er war ein Mönch, der sich selbst kasteite, geißelte, fastete und alle möglichen asketischen Praktiken betrieb, um damit in den Himmel zu kommen. Er sagte später von sich: „Wenn jemand durch Möncherei je in den Himmel gekommen ist, dann müsste ich dorthin gelangt sein“, denn er betrieb das mönchische asketische Leben intensiv. Trotzdem ohne Erfolg. Durch all sein Tun konnte er Gott nicht gnädig stimmen. Er wurde immer verzweifelter in seiner Suche nach einem gnädigen Gott. Durch seine biblischen Studien geschult, wollte er das Gottesbild seiner Zeit nicht mehr akzeptieren. Der unnahbare strafende Gott hatte sich von den normalen Menschen so entfernt, dass sie Mittler brauchten, um sich Jesus zu nähern. Dies förderte ein umfangreiches Heiligenwesen und damit verbunden Reliquienverehrung und Reliquienhandel. Auch Mutter Maria war als Mittlerin sehr gefragt. Die Menschen brachten ihre Anliegen zu den Heiligen und baten um ihre Fürsprache bei Jesus. In dieser falschen Entwicklung waren die Heiligen nicht mehr exemplarische Beispiele für gute Gläubige, die Beispielfunktion hatten, sondern sie entwickelten sich fast zu kleinen Göttern neben Jesus Christus und Gott Vater, die unnahbar waren. Die Tatsache, das Gott seinen Sohn als Menschen zu den Menschen gesandt hatte, 8

damit er einer der ihren sei, geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Reformation entstand die Gegenreformation in der katholischen Kirche. Die große Verbreitung und das Interesse an der Herz-Jesu-Frömmigkeit muss in diesem Zusammenhang gesehen werden. Jeder/jede, unabhängig von Bildung und Geschlecht, kann das Herz Jesu verehren. Dafür braucht man nicht Nonne oder Mönch zu werden, sich selbst zu kasteien und mit Lederpeitschen zu schlagen bis man blutet. Die Mittlerfunktion der Heiligen und der Mutter Maria tritt zurück. Jesus entäußert sich selbst und bietet sein Herz, d.h. das Innerste, das verletzlichste, d.h. sich selbst allen Menschen als Gegenstand der Verehrung an. In meinem indischen Kontext nennt man solche Frömmigkeit Bhakti-Frömmigkeit, eine Frömmigkeit ohne Bedingungen, die alle Schranken durchbricht und allen offen steht. Solche BhaktiFrömmigkeit findet sich als Tradition in allen Religionen. Damit verbunden ist ein Interesse an der Mystik. Die Bhakti-Frömmigkeit vermittelt Menschenwürde und achtet den einzelnen als Gottes Geschöpf, der nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und das Recht hat auf direkten Zugang zu seinem Gott. Dies Frömmigkeit findet sich in unterschiedlichen Religionen, so auch im Hinduismus. Sie schließt alle ein, Männer und Frauen, Unberührbare (Dalits), Reiche und Arme, Menschen aller Hautfarben etc. Typisch für eine solche Frömmigkeit ist das Wiederholen von einem Laut oder Satz, die Wiederholung von einer Liedstrophe sowie Prozessionen und Wallfahrten. Es geht um die „praxis pietatis“, den gelebten Glauben, nicht um Dogmen. Die Eingängigkeit dieser neuen Form von Volksfrömmigkeit war auch bestimmt für ihren Erfolg entscheidend. Durch die Jesuiten und auch durch andere Orden wurde die Herz-Jesu-Verehrung in alle Missionsgebiete verbreitet.


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Selbst im protestantischen Pietismus des 17. Jahrhunderts bei Nikolaus Reichsgraf von Zinzendorf findet die Herz-JesuFrömmigkeit große Akzeptanz, besonders in den Liedern. Man spricht auch von der „Herzensfrömmigkeit“, um sich abzuheben von der etwas erstarrten Lehre von Martin Luther. Die auch in ihrem Leben wirklich Christen sein wollen, die verehren das Herz Jesu, so war die damalige Botschaft. Volksfrömmigkeitsliteratur, Erbauungsliteratur ge­nannt, wurde bereits damals unabhängig von der Konfession bei evangelischen und katholischen Christen gelesen. Leider gibt es auch heute noch innerhalb aller christlichen Richtungen Pfarrer und Prediger, die Gott als strafenden Gott predigen. Naturkatastrophen wie der Tsunami werden interpretiert als Strafe Gottes für den Abfall der Menschen von Gott. Persönliches Leid, unheilbare Krankheiten wie Krebs oder Aids, Verlust des Arbeitsplatzes werden als Strafe Gottes interpretiert. Im Gegensatz dazu ist die Herz-Jesu-Frömmigkeit Zeichen für den liebenden Gott, der uns so annimmt wie wir sind, ganz ohne Leistung von unserer ­Seite. Gott ist ein liebender Gott, der immer mit offenen Armen auf uns wartet und uns auch als Sünder immer wieder aufnimmt. Es gibt kein Limit für die Liebe Gottes. Sie ist grenzenlos.

Aber wie gehen wir mit dieser Liebe um? Wenn wir wissen, dass wir wie Kinder geliebt werden, geben wir diese Liebe weiter? Wie behandeln wir andere, die Fehler gemacht haben, die wir nicht mögen? Sind wir bereit uns von der Liebe des Herzens Jesu beeinflussen zu lassen und auch die Ungeliebten zumindest zu akzeptieren? Verändert uns die von Jesus empfangene Liebe innerlich und macht sie uns zu anderen Menschen? Es ist zu hoffen, dass uns die Herz-Jesu-Frömmigkeit oder andere Formen von Volksfrömmigkeit verändern, damit wir die erfahrene Liebe an die weitergeben, die ihrer bedürfen. Das können Behinderte, Sterbende, Aids Infizierte etc. sein, Menschen, die in ihrem Leben immer wieder neu erfahren sollen, dass die Liebe Jesu heute lebt. Die Herz-Jesu-Verehrung ist heute nur dann relevant, wenn die Ich und Du-Beziehung zwischen Jesus als dem liebenden Gott und dem Gläubigen erweitert wird zu einer Wir-Beziehung. Die von Gott empfangene und erfahrene Liebe muss an die Gemeinschaft, und dort besonders an die bedürftigen Glieder, weitergegeben werden. Bitten wir gemeinsam zu Gott bitten, dass wir die vom Herzen Jesu empfangene Liebe weiterschenken können.

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Programm zum Herz-Jesu-Fest 2009 Triduum Punkte von P. Leonard Nevis Fernando SJ 17. Juni, 20:15 Uhr Priesterlicher Dienst und Herz-Jesu-Verehrung in der Volksreligiosität, anschließend Anbetung 18. Juni, 20:15 Uhr Herz Jesu: Gottesbild – Menschenbild, anschließend Vigilfeier und Gebetsnacht bis 07:00 Uhr 19. Juni, 16:30 Uhr Festakademie in der Propter Homines Aula J.S. Bach (BWV 1004), aus „Chromatische Phantasie und Fuge“ Klavier: Miriam Velten Begrüßung und Hinführung durch P. Rektor Moyo wa Mwokozi, uliojaa huruma, Herz Jesu, des Erlösers, voll Erbarmen Gesang und Trommel, Afrikanische Kulturgruppe Vortrag S. E. Msgr. J.-Gaspard Mudiso Mund’la SVD Bischof von Kenge, Dem. Rep. Kongo „Ist das Wort Gottes eine Bischofssynode wert?“ Zur zwölften Welt-Bischofssynode 2008 Percy C. Fletcher (1879-1932), Festival Toccata Orgel: Ferdinand Pittl 18:00 Uhr Eucharistiefeier mit Bischof J.-Gaspard 19:15 Uhr Festliches Abendessen

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P. Gerwin Komma SJ Herz-Jesu-Fest am 19. Juni 2009, Begrüßung und Hinführung

P. Gerwin Komma SJ Sehr geehrte Festgäste und Freunde des Kollegs, hw. Abt Raimund, lieber P. Provinzial mit allen Mitbrüdern und AltRegenten, liebe Fr. Mag. Rathgeb, liebe Schwestern, AltCanisianer, mit Dekan Józef Niewiadomski und den Lehrenden der Fakultät, liebe Studenten! Mit der Kollegsgemeinschaft des Canisianums – zu der für zwei Monate auch die Seminaristen von Hötting mit Regens Peter Ferner gehören – heiße ich Sie alle ganz herzlich an unserem Hauptfest hier bei uns willkommen. Das Herz-Jesu-Fest hat in Tirol eine besondere Bedeutung und erhält in diesem Jahr darüber hinaus seinen geschichtlichen Akzent. Bereits 1796 haben die Tiroler Landstände angesichts der napoleonischen Bedrohung in Bozen das feierliche Gelübde abgelegt, das Herz-JesuFest mit besonderer Hingabe zu begehen. Johann Anton Paufler, Kurat im kleinen Ort Wildermieming, gab aus tiefem Glauben, dass der Gewalt der Waffen nur mit der Macht des Gebetes begegnet werden kann,

den Anstoß dazu. Im Kontext der sich heuer zum 200. Mal jährenden Freiheitskämpfe von 1809, im Andreas Hofer Gedenkjahr, gewinnt dieser Akt der Treue eine besondere Bedeutung. Er mahnt, die uns in der geöffneten Seite Jesu offenbar gewordene Liebe Gottes selbst zu leben und zum Völker verbindenden Frieden beizutragen. So wollen wir heute auch unser Gastland Tirol, das vielen zweite Heimat geworden ist, mit hinein nehmen in unser dankbares Beten und Feiern und erneut auch für uns selbst um seinen Schutz und Beistand bitten. Mit besonderer Freude begrüße ich an diesem Festtag mit Ihnen allen Msgr. J.-Gaspard Mudiso Mund’la SVD, Bischof von Kenge, Dem. Rep. Kongo. 1940 in seiner heutigen Bischofsstadt Kenge geboren, trat er 1962 in das Noviziat der Steyler Missionare ein. Seine Doktorarbeit über die „Jerusalemer Gespräche“ Jesu erarbeitete er in Münster und München bei dem Neutestamentler Prof. Joachim Gnilka. In seiner Heimat ist er Mitbegründer des Centre Biblique de Bandundu, war Provinzial und Professor an der Theologischen Fakultät von Kinshasa. Mit seinen Bischofskollegen verurteilte Bischof Mudiso immer wieder Gewalt, Terror und Wahlmanipulationen in der vom langjährigen Bürgerkrieg gezeichneten Demokratischen Republik Kongo. Wir freuen uns, dass Sie diesen Tag mit uns feiern und danken für Ihr Zeugnis in einer vielfach bedrängten Zeit. Ihnen allen danke ich, dass Sie unsere Einladung angenommen haben, mit uns „auf den zu schauen, der das Herz der Welt ist, in dem alles sein persönliches Wesen findet und sich als Liebe erkennt“, wie das P. Karl Rahner anlässlich seines unvergessenen Herz-Jesu-Vortrags 1982 hier im Festsaal abschließend betend ausdrückte. Zwei Jahre später starb er am 30. März 1984, also vor 25 Jahren. Gedenken wir auch seiner, so wie auch aller verstorbenen AltCanisianer und Förderer. 11


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Am 16. März 2009 hat Papst Benedikt XVI. im Rahmen der Generalversammlung der Kleruskongregation aus Anlass des 150. Todestages des Hl. Johannes Maria Vianney, des Pfarrers von Ars (1786-1859), ein „Jahr der Priester“ ausgerufen. Er hat diese Ankündigung am Vortag seiner Abreise nach Afrika vorgenommen, wo auch das „Instrumentum Laboris“ für die zweite Session der Afrika Synode vorgestellt wurde. Sie soll sich nach einem „Bedenken der Zeichen der Zeit“ schwerpunktmäßig mit theologischen Reflexionen zu Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden, der Sendung der Kirche als Gottes Familie und ihr Zeugnis in den verschiedenen Gesellschaftsformen Afrikas, beschäftigen. Es scheint mir heute fast providentiell zu sein, dass ich Sie, sehr geehrter Herr Bischof, im Anschluss an die letzte Welt Bischofssynode bei Ihrem Besuch hier im Kolleg eingeladen habe, das Thema dieser Synode beim heutigen Herz-Jesu-Fest unter afrikanischem Blickwinkel aufzugreifen. Sie haben gerne zugesagt und mir schließlich auch einen Titel für Ihren Vortrag genannt, der aufhorchen ließ: „Ist das Wort Gottes eine Bischofssynode wert?“ Die „Botschaft der XII. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode an das Volk Gottes“ gibt uns darauf eine sehr positive Antwort. Mit Spannung erwarten wir freilich noch das abschließende und weiterführende Schlussdokument der Synode. Ihr Ziel war ja vor allem pastoraler und missionarischer Art und soll uns aus der eigenen intensiven Beschäftigung mit Gottes Wort und Botschaft in diesem Anliegen weiterhelfen. In seiner Schlussansprache sagte der Heilige Vater: „Wir alle, … nehmen das erneuerte Bewusstsein mit, dass die Hauptaufgabe

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der Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends vor allem darin besteht, sich vom Wort Gottes zu ernähren, um den Einsatz in der Neuevangelisierung, der Verkündigung in unserer Zeit wirksam werden zu lassen. Jetzt muss diese kirchliche Erfahrung in jede Gemeinschaft hineingetragen werden; wir müssen die Notwendigkeit erkennen, das gehörte Wort in Gesten der Liebe umzusetzen, weil nur so die Verkündigung des Evangeliums glaubwürdig wird, trotz aller menschlichen Schwächen. Das erfordert vor allem eine noch tiefere Kenntnis Christi und ein immer fügsameres Hören auf sein Wort.“ So sind wir gespannt auf Ihre Ausführungen und Akzentsetzungen und freuen uns auf den Perspektivenwechsel, zu dem wir eingeladen sind. Nehmen wir also die „europäische Brille“ ab und versuchen wir, mit afrikanischem Herzen mitzufühlen und zu verstehen. Von den 253 Synodenvätern kamen übrigens 51 aus Afrika, 62 aus den beiden Amerikas, 41 von Asien, 9 von Ozeanien und 90 aus Europa. 173 Mitglieder wurden von den Bischofskonferenzen gewählt. Darunter auch Sie, sehr geehrter Herr Bischof, als Vorsitzender der Glaubens- und der Bibelkommission Ihres Landes. Gut 20 % der Synodenväter kamen also aus Afrika. Wenn Sie in unsere Kollegsgemeinschaft schauen, so kommen 34 % aus afrikanischen Ländern. Womit unsere Mitbrüder der Synode gegenüber eindeutig überlegen sind und wohl auch eine Entwicklung vorwegnehmen. Ihr Gesang und Trommelspiel wird uns nun akustisch und emotional vorbereiten und ich darf Sie mit gespannter Freude bitten, danach das Wort zu ergreifen.


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Msg. J. Gaspard Mudiso Mund‘la SVD, Bischof von Kenge, Dem. Rep. Kongo „Ist das Wort Gottes eine Bischofssynode wert?“

Msg. J. Gaspard Mudiso Mund‘la SVD, Bischof von Kenge, Dem. Rep. Kongo

Lieber Pater Provinzial, lieber P. Rektor, verehrte Damen und Herren, liebe Gäste und Freunde, liebe Canisianer! Sie erinnern sich, dass vom 5. bis zum 26. Oktober 2008 die 12. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan stattfand. Ihr Thema: „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“. Sicher haben Sie auch Ihre Arbeit in den Medien (Radio, Fernsehen, in den Zeitungen oder in den kirchlichen Presseagenturen) verfolgt. Zu Beginn möchte ich Herrn P. Rektor Gerwin Komma SJ und seiner Kommunität recht herzlich für die Einladung danken, über diese Synode hier im Canisianum zu sprechen. Es ist für mich eine große Ehre und eine Freude zugleich. Im ersten Teil dieses Vortags werde ich über die Arbeit der Synode berichten. Im zweiten Teil stelle ich Überlegungen an, die auf meine Beobachtungen zurückgehen und gebe

meine Eindrücke wieder. Zum Schluss greife ich auf meinen Beitrag in der Aula zurück, der einen Vorschlag für die Aus- und Fortbildung der Priester und der Priesteramtskandidaten macht. Der Titel: „Ist das Wort Gottes eine Bischofssynode wert?“ ist eine mir von einem Mitbruder im Priesteramt gleich nach der Synode gestellte provozierende Frage, die ich gerne an Sie weiterleiten möchte. Der liebe Mitbruder sagte: „Wozu eine Bischofssynode über das Wort Gottes? Es gibt viele wichtige Probleme mit denen sich die Kirche heute beschäftigen könnte und sollte. Seit Jahrhunderten lesen wir die Bibel. Wir kennen sie doch. Wird diese Synode eigentlich etwas Neues bringen? Das ist die Frage. Und ich denke, vielleicht fragen sich viele Leute und Mitchristen genauso. Ohne sofort eine Antwort darauf zu geben, es dürfte allein die Tatsache zu denken geben, dass der Papst überhaupt eine Bischofssynode über dieses Thema einberuft. Das zeigt schon, dass ihm dieses Thema ein wichtiges Anliegen für die Kirche und für die Welt ist. Soviel darf man schon an dieser Stelle sagen, meine ich. Aber zurück zu unserem Thema. 1. Teil I. Die zwei wichtigen Momente der Arbeit der Synode. Die 254 Teilnehmer aus aller Welt haben mit großem Interesse und Engagement im Plenum wie in den kleinen Arbeitsgruppen (circuli minores) die Arbeit gemacht. Als Grundlage der Diskussionen diente das sogenannte Instrumentum laboris d. h. das Arbeitspapier, das jeder schon vorher bekommen hatte. Und jeder Synodenvater verfügte über 5 Minuten, um seinen Beitrag im Plenum vorzulesen. Die circuli minores setzten die Arbeit in den linguistischen klei13


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nen Gruppen fort. Sie hatten die Aufgabe, die Propositiones d.h. die Vorschläge herauszuarbeiten, welche dann dem Heiligen Vater übergeben werden sollen als Basis für das post-synodale päpstliche Schreiben oder Dokument. Von den 250 gemachten Vorschlägen wurden schließlich 55 festgehalten. Ein zweites Dokument, das am Ende der Synode an die ganze Kirche gerichtet wird, ist der sogenannte „Nuntius“ d.h. die Schlussbotschaft. Sie wurde von einer ad hoc gebildeten Kommission unter dem Vorsitz von Erzbischof Giancarlo Ravasi formuliert, dem jüngst ernannten Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur. Der Nuntius also und die Propositiones sind der unmittelbare Ertrag jeder Bischofssynode. Damit hat die Synode ihre Arbeit beendet. II. Die Propositiones Die 55 Vorschläge wurden in 3 Themenbereiche gegliedert: a) Das Wort Gottes im Glauben der Kirche b) Das Wort Gottes im Leben der Kirche c) Das Wort Gottes in der Sendung der Kirche Man könnte sie auch in zwei Kategorien zusammenfassen: die lehramtlich-theologischen und die pastoral-praktischen. A. Die lehramtlich-theologischen Propositiones Unter den lehramtlich-theologischen Fragen möchte ich besonders die folgenden erwähnen: 1) Die erste Frage, schon wegen ihrer oftmaligen Erwähnung in den Beiträgen, ist der sogenannte „Dualismus von Exegese und Theologie“. Viele Klagen wurden laut über die Engführung und Einschränkung der 14

Exegese auf die historisch-kritische Methode. Die Folge wäre, dass die Bibel für den normalen Gläubigen unzugänglich werde und nicht genug spirituelle Nahrung anbiete (Vorschlag, n° 24). In seiner Intervention betonte der Heilige Vater gerade die Notwendigkeit von zwei Ebenen der exegetischen Forschung: der historischen und der theologischen (vgl. DV. 12). Die Vorschläge 25 bis 28 behandeln diesen Themenkomplex. 2) Die zweite bedeutende Frage ist das alte Problem von Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel, das wegen eines ungenauen Zitats von DV. 11 im Instrumentum laboris, die Debatten zu dieser Frage auf dem Vatikanum II in Erinnerung rief. Propositio 12 bittet deshalb die Kongregation für die Glaubenslehre diese Frage zu klären. Zu erwähnen sind auch die folgenden anderen lehramtlich-theologischen Fragen: a. die dialogische Dimension der Offenbarung (Prop. 4); b. das A.T. in der Christlichen Bibel (Prop. 10); c. das Wort Gottes und das Naturgesetz (Prop. 13). B. Die pastoral-praktischen Fragen Sehr wichtig unter den pastoral-praktischen Fragen erscheinen mir die folgenden zu sein: 1) die Wirksamkeit der Predigt: Viele Beiträge beschäftigten sich mit dieser Frage und mit Recht. Denn der erste, wenn nicht der einzige Zugang der meisten Gläubigen zum Wort Gottes ist die Predigt am Sonntag. Aber viele Sonntagspredigten lassen viel zu wünschen übrig. Um Predigern zu helfen, sollte ein „Direktorium zur Homilie“ ausgearbeitet werden (Prop. 15). Es wird auch empfohlen, bei jeder Eucharistiefeier „cum populo“ eine Homilie zu halten.


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2) Wortgottesdienst ohne Priester Vorschlag 18 befürwortet solche Wortgottesdienste, besonders für Gemeinschaften, die keine Möglichkeit haben, am Sonntag Eucharistie zu feiern. Das ist für uns in Afrika keine Neuigkeit. Vorschlag 21 empfiehlt die Bildung kleiner kirchlicher Gemeinschaften, wo das Wort Gottes gehört, studiert und in das Gebet hineingenommen wird. In vielen Ländern, wird festgestellt, existieren bereits solche kleine Gemeinschaften. 3) Die Rolle der Frauen Die Frauen spielen eine unaufgebbare Rolle in der Weitergabe des Glaubens, vor allem in der Familie und in der Katechese. Vorschlag 17 äußert deshalb die Hoffnung, dass das Dienstamt des Lektors auch für Frauen zugänglich werde. 4) Das Bibelapostolat Vorschlag 29 bezieht sich auf die Aussage in DV. 24, dass das Wort Gottes nicht nur die Seele der Theologie sei, sondern aller pastoralen Aktivitäten. Er anerkennt das Bibelapostolat und ermutigt dazu. Es ist notwendig, wird gesagt, von einer bloßen Bibelpastoral zu einer Durchdringung „jedes Dienstes“ mit der biblischen Dimension zu kommen (vgl. Celam). 5) Lectio divina Vorschlag 22 ermahnt die Gläubigen, sich die Schrift mittels eifriger und vom Gebet getragener Lesung anzueignen (DV. 25) damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch. Andere wichtige Vorschläge dieser Kategorie sind z.B. das Problem der Inkulturation (Prop. 49); der Interreligiöse Dialog (Prop. 50; 52; 53) und die Bewahrung der Schöpfung (Prop. 54)

III. Die Botschaft Die Schlussbotschaft ist etwas lang, aber biblisch und poetisch formuliert. Der Text ist voll von Zitaten und Reminiszenzen von der Heiligen Schrift. Er setzt einige Kenntnis von der Bibel voraus. Anders wird man ihn etwas schwer finden. Hier werden noch einmal die Hauptthemen der Synode zusammengefasst und präsentiert: die Offenbarung, die zentrale Rolle Jesu Christi in der Schrift, die Kirche und das Wort Gottes (Verhältnis); die Mission ad Gentes, die Mass-Media und die Kommunikation, die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen. Es ist nicht nötig in die Einzelheiten einzugehen. Sie können selbst den schönen Text lesen und meditieren. Damit komme ich zum zweiten Teil meines Vortrags. 2. Teil I. Die Heilige Schrift in der Katholischen Kirche: ein kurzer Überblick. 1) Die Schrift vor dem Vaticanum II im katholischen Raum Die Situation der Katholischen Kirche zur Zeit des Ökumenischen Konzils Vaticanum II könnte mit dem Wort von Paul Claudel etwa so beschrieben werden: „Der Respekt vor der Heiligen Schrift ist grenzenlos: er manifestiert sich vor allem darin, dass man ihr fern bleibt“.1 Das ist sicher übertrieben, aber nicht ganz falsch. Lange Zeit blieb der Katholik der Schrift, der Bibel fern. Das Hauptmotiv für diese Situation war wohl „ein gewisses Misstrauen der kirchlichen Obrigkeit gegenüber Bibel lesenden Laien … Es entstand als Folge der Reformation und anderer Bewegungen, die sich seit dem Mittelalter durchsetzten und die den direkten Kontakt der Laien mit der Schrift anstrebten“. Bis ins 15


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Mittelalter ist nichts über Maßnahmen bekannt, die auf eine Beschränkung des Zugangs zur Schrift abzielten“; aber später.2 So war der Zugang zur Heiligen Schrift sehr erschwert für die Katholiken. Die Sonntagspredigt half nicht viel, da sie oft „moralisierend“ war und das Wort Gottes selten erklärt wurde und zur Nahrung der Seele gemacht (DV. 24 §3). Vielmehr wurde das Wort Gottes als ein Anhang gehalten.

fen, das Wort richtig zu verstehen und zu interpretieren. Die Synode war ein (καιρóς) „Kairos“ für die Kirche. Sie hatte die Aufgabe, dem Volk Gottes die Lehre des Konzils in Dei Verbum neu zu erschließen und die Liebe zum Wort Gottes zu entzünden (vgl. DV., Kap. VI).

2) Die Schrift nach Vaticanum II Die Wende kam mit dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Es ist fast eine Revolution im katholischen Raum eingetreten.3 In der Tat, es ist das große Verdienst dieses Konzils das Wort Gottes wieder in die Mitte des kirchlichen Lebens gestellt und den Zugang zur Schrift für alle gefordert zu haben, und zwar mit der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung: Dei Verbum (1965). Sie hat der Katholischen Kirche neuen Impuls gegeben. Die Berichte der 5 Kontinente in der Synode-Aula haben es deutlich gezeigt. Nach dem Konzil also gewinnt das Wort Gottes mehr an Bedeutung im Leben der Katholiken.

Die folgenden Überlegungen versuchen die gegenseitige Rolle bzw. Beziehung von Kirche und Wort Gottes an einigen Punkten aufzuzeigen (vgl. D.V. 1).

3) Die Bischofssynode (2008) Doch, dass 43 Jahre nach dem Konzil eine Bischofssynode über das Wort Gottes einberufen wurde, ist ein Zeichen dafür, dass diese Konstitution Dei Verbum und ihre Lehre immer noch wenig bekannt ist bei den Gläubigen und das Wort Gottes noch an der Oberfläche bleibt. Es ist noch nicht zur Nahrung der Seele geworden. Erzbischof John Onayekan von Abuja (Nigeria) hat in seinem Referat die Situation in Afrika wie folgt beschrieben: Das Volk Gottes in Afrika hungert und dürstet immer noch nach dem Wort Gottes. Es fehlen noch Übersetzungen in verschiedenen Sprachen des Kontinents. Es fehlen Kommentare, die dem Volk hel16

II. Kirche und Wort Gottes

1) Der Auftrag der Kirche Die Kirche lebt vom Wort Gottes; das Wort bildet die Kirche. Ihre Sendung und ihr Auftrag ist es, das Wort Gottes allen Menschen und Nationen zu verkünden. Alle Menschen und Völker sollen das Wort Gottes, das Wort des Lebens hören, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10). Das ist „La raison d’être“ der Kirche. Paulus sagt zu Timotheus, er soll das Wort Gottes gelegen und ungelegen verkünden (vgl. 2 Tim 4,2-3; 1 Kor 9,16). In diesem Sinne ist es richtig zu sagen: Das Wort Gottes ist die Sendung der Kirche. 2) Das Wort Gottes Was ist das Wort Gottes von dem hier die Rede ist? Was versteht man darunter? In der Tat, der Ausdruck „Wort Gottes“ kann mehrere und verschiedene Bedeutungen haben. Mich hat eben die große Bandbreite von Themen und Anliegen beeindruckt, die in den Beiträgen über „das Wort Gottes“ angesprochen wurden. Der Ausdruck kann unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Das Instrumentum laboris n° 9 spricht von „ein Lied mit mehreren Stimmen“. Bereits die Lineamenta sprachen von einer „Symphonie“ von Bedeutungen.


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Was ist also das Wort Gottes? Ist es ein Wort, das über Gott redet? Ein Wort, das uns Gott bekannt macht, ihn offenbart? Uns sein Gesicht zeigt und sein Herz öffnet? Oder handelt es sich um ein Wort, das Gott spricht, das von ihm herkommt und an uns gerichtet ist? Ein Wort also, das uns den Willen Gottes offenbart? Vielleicht geht es um beides? Ist es die Schöpfung, das lautlose Wort Gottes, wie es heißt: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, die Himmelsfeste verkündet das Werk seiner Hände. Da ist keine Sprache, kein Wort, unhörbar bleibt ihre Stimme“. (Ps 19,2-4; vgl. Gn 1,1ff. Der ökumenische Patriarch Bartholomäus stellt mit Recht fest: „Das Wort Gottes hat eine erstaunliche Fähigkeit, sich den verschiedenen Adressaten oder Kategorien von Personen und kulturellen Kontexten anzupassen. Dies ist die missionarische Dimension der Kirche (Mt 28,19).4 Das Wort Gottes geht der Bibel voraus und über die Bibel hinaus. Im Folgenden geht es um das geschriebene Wort in der Heiligen Schrift.

gut kennen wir die Schrift? Es geht nicht darum, Kapitel und Verse der Schrift auswendig zu kennen und zu rezitieren. Denn, es handelt sich hier nicht um eine bloß intellektuelle Kenntnis, um ein Wissen über die Schrift5 Das Verb „kennen“[...] will hier im semitisch-biblischen Sinn verstanden werden. Und das meint: Sich zu eigen machen; in Lebensgemeinschaft, in Kommunion mit einer Person treten, eine persönliche Beziehung mit jemandem haben (vgl. Gen 4,1ff); Gemeinschaft mit einer Person haben, „das Erkennen in der Begegnung“ (Claus Westermann, B.K. AT, Genesis, 1-11, S. 393, 3 1983). Von Rad kommentiert: „Dieses Zeitwort, das neben dem Erkennen im intellektuellen Sinn zugleich den Begriff des Erfahrens, des Vertrautseins mit umschließt … (S.85). Zu Gen 2,16-17 schreibt er: „Dass das Verbum […] keineswegs das rein intellektuelle Erkennen meint, sondern viel mehr noch ein „erfahren“, ein „vertraut werden mit“.6 Ob wir die Schrift so kennen, dass wir in persönliche Beziehung mit Christus treten, mit ihm Gemeinschaft haben?

3) Kennen wir die Schrift? Vor einigen Jahren schrieb der bekannte (und verstorbene) Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar ein Büchlein mit dem provozierenden Titel: Kennt uns Jesus? Kennen wir ihn? (Herder 1980). Der Autor spricht darin „die aktuelle Frage der Vereinbarkeit von Modernität und Glaube an“. Es lohnt sich gerade heute, dieses Büchlein zu studieren. Wir können uns heute auch fragen: Kennen wir die Heilige Schrift? Kennen wir Jesus Christus? Das Instrumentum laboris weist in diesem Zusammenhang auf das Wort vom Heiligen Hieronymus hin: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen“ (DV. Kap. VI, n° 25). Positiv formuliert, heißt es: Die Schrift kennen heißt Christus kennen. Aber so einfach ist es vielleicht auch nicht. Denn, die Frage ist: Wie gut, wie persönlich kennen wir Jesus Christus? Wie

4) Die Macht des Wortes Was die Schrift, das geschriebene Wort für den Europäer ist, das ist für den Schwarzafrikaner das Wort. Das gesprochene Wort hat Macht. Der Europäer hat das nicht ganz vergessen. Die Ausdrücke: sein Wort geben oder halten, ein Mann des Wortes usw. zeigen es. Unsere Vorfahren in Schwarzafrika kannten keine Schrift. Umso mehr Gewicht hatte das gesprochene Wort. Ein Wort ist nicht umsonst, ohne Grund gesprochen. Es sagt „etwas“. Das Wort Gottes ist noch mächtiger. Es wirkt, was es sagt. Gott spricht und es geschieht etwas (vgl. Gn 1,1ff). In Hebr 4,12 heißt es: „Das Wort Gottes ist voll Leben und voll Kraft … Es zwingt den Menschen, seine Absichten zu enthüllen. Es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, Gelenk und Mark und ein Richter ist es über Gesinnungen und 17


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Gedanken des Herzens“. Jesus hat nichts geschrieben (vgl. Joh 8,8). Noch hat er eine sehr intensive Lehrtätigkeit entwickelt. Er hat das Wort Gottes in Wort und Tat verkündigt. Und sein Wort hat Wunder gewirkt (vgl. Mk 1,32ff; 2,1-12; 3,1-6; 6,30-44, etc.) Und er hat die Apostel gesandt, seine Arbeit fortzusetzen: „Gehet hin in alle Welt und verkündet die Heilsbotschaft allen Geschöpfen.“ (Mk 16,15. Vgl. Mt 28,18-20). Die Apostel haben also zuerst das Wort gesprochen. Später haben sie oder ihre Schüler dann es niedergeschrieben, um ihr Zeugnis für das Evangelium Jesu Christi den späteren, zukünftigen Generationen weiter abzulegen. So heißt es in Mk 16,20: „Jene aber zogen hinaus und predigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bestätigte das Wort durch die begleitenden Zeichen.“ Ihr Wort, wie das Wort Jesu, hatte Macht; es wirkte Wunder (vgl. 2,14ff; 3,1-10; 5,1ff). Um aber die Macht des Wortes zu erfahren, muss man sich Gott im Glauben öffnen.

ist es, der uns Gottes Angesicht zeigt und Gottes Herz offenbart (Joh 14,23). Wer ihn sieht, sieht den Vater (Joh 14,9). Er ist der endgültige Bote und Offenbarer des Vaters. So heißt es im Hebräerbrief: 1. „Vielmals und auf mancherlei Art hatte Gott von alters her zu den Vätern gesprochen durch die Propheten. 2. In der Endzeit dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt, durch den er auch die Welten geschaffen hat“ (1,1-2). Die ganze Schrift, Altes und Neues Testament redet von Christus (DV.13). Sehr schön drückt sich Hugo von Sankt Victor aus: „Die ganze Heilige Schrift ist ein einziges Buch, und dieses Buch ist Christus, denn die ganze göttliche Schrift spricht von Christus, und die ganze göttliche Schrift geht in Christus in Erfüllung.“7 In der Schrift also begegnen wir Jesus Christus. III. Ein Vorschlag

5) Die notwendige Metanoia Das Studium der Schrift, das Meditieren, das Teilen des Wortes, die Lectio Divina haben zum Ziel, die Begegnung mit Christus zu ermöglichen, indem das Wort zur Metanoia, zur Umkehr unseres Lebens und Herzens führt. Denn, wenn wir davon überzeugt sind, dass Gott zu uns in Christus gesprochen hat und das Wort, das wir hören, wahrhaftig Gottes Wort ist, dann müssen wir horchen und gehorchen, und es in oboedientia fidei annehmen (Röm 1,5). So können wir seine Kraft in unserem Leben erfahren. 6) Jesus Christus Das Wort Gottes, das die Kirche verkündigt, ist eine Person: Jesus Christus. Er ist das Wort Gottes par excellence, das menschgewordene Wort des Vaters (Joh 1,14), der eingeborene Sohn Gottes (Mk 9,7; 1,11). Er 18

Mehrere Beiträge haben die Frage der Priesteraus- und Fortbildung direkt oder indirekt angesprochen.8 Mit meiner Intervention in der Aula wollte auch ich die Aufmerksamkeit der Synodenväter darauf lenken. Erlauben Sie mir, ihn hier zu zitieren: Mein Vortrag betrifft das Bibelapostolat und besonders die Vorbereitung oder Ausbildung der zukünftigen Priester auf das Bibelapostolat. Es sollte als Lehrgang auf Universitätsniveau in den Seminaren und Ausbildungshäusern der Orden eingeführt werden. Ich beziehe mich auf Instrumentum laboris, Nr. 49, § 4; Sacramentum caritatis, Nr. 46. Wenn das Gotteswort die ganze Seelsorge der Kirche inspirieren soll (Instrumentum laboris, Nr. 48; DV., Nr. 24), müssen wir die Ausbildung in den Großen Seminaren und in den Ordenshäusern überdenken und um-


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gestalten, weil das Studium des Gottesworts kein normales Unterrichtsfach wie andere sein kann und sein wird und mit diesen nicht zu vergleichen ist. Das bedeutet, dass die Vorbereitung der zukünftigen Priester sehr ernsthaft, wissenschaftlich und spirituell erfolgen muss. Wir müssen leider einen gewissen diesbezüglichen Mangel in der Ausbildung an den Seminaren beklagen. Beim Studium der Bibel befolgt man vor allem die lectio scholastica, das „akademische Lesen“ der Bibel, wobei vor allem intellektuelle Kenntnisse vermittelt werden, die zwar notwendig sind, aber die spirituelle Lesung, d.h. die pastorale Dimension des Gottesworts, völlig vernachlässigen. Das Bibelapostolat als akademisches Fach kann genau diesen Mangel beheben und dem Gläubigen helfen, seinem Herrn zu begegnen, der zu ihm spricht und ihn in seinem konkreten Leben anruft. Dieser Lehrgang könnte zwei Ziele haben: a) bei den Seminaristen das Bewusstsein wecken, dass die Heiligen Schriften das Gotteswort enthalten, Quelle des christlichen Lebens und Instrument für den Seelsorger sind; b) dem Seminaristen helfen, seine Kenntnisse der Heiligen Schriften in seinem tagtäglichen Leben umzusetzen (vgl. BICAM: Syllabus, Accra 2008, S. 21).

IV. Schluss

In der Zwischenzeit hat der Heilige Vater ein Jahr der Priester „proklamiert, und zwar vom 19. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2010. Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass ihm dieses Anliegen am Herzen liegt? In der Tat, die Hauptaufgabe des Priesters ist es, das Wort Gottes zu verkünden. Wie könnte er diese Aufgabe richtig erfüllen, wenn er dieses Buch, die Bibel nicht, wie der Prophet Ezechiel, „gegessen“ hat? (Ez 3,3-4; 2,8; vgl. Jer 15,16; Offb 10,10).

1.

Die Synode über das Wort Gottes hat die Lehre der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung „Dei Verbum“, unterstrichen und vertieft. Explizit oder implizit wird auf sie immer wieder Bezug genommen. Meiner Meinung nach, hat sie eine Relecture von Dei Verbum gemacht und Schwerpunkte in der praktischen Pastoralarbeit gesetzt. Das hat, wie wir gesehen haben, Konsequenzen, besonders auch für die Ausbildung nicht nur der Priesteramtskandidaten, sondern auch aller Verantwortlichen in der Pastoralarbeit. Die Synode war ein „Kairos“, eine Gnade für die Kirche. Sie wird ein tieferes Verständnis vom Wort Gottes und eine größere Liebe zu ihm bei den Gläubigen erwecken. Somit wird die große Bedeutung und die zentrale Rolle des Wortes Gottes für das Leben und die Sendung der Kirche stärker unter­ strichen. Ich bin überzeugt, dass diese Synode wirklich „etwas Neues“ für das Leben und die Sendung der Kirche bringen wird. Ich danke für Ihre Geduld und Aufmerksamkeit.

2.

3.

P. Claudel, in: L’Ecriture Sainte, in: La vie intellectuelle 16 (1948), 10; vgl. DV. Bulletin, 76/77, Deutsche Ausgabe, s. 35, § 5, 2005. Vgl. Card. Carlo Maria Martini, ebd., S. 36. Vgl. Das Konzil von Tolosa (1229); das Konzil von Oxford (1408); Papst Paul V (1559); Papst Pius IV (1564): Index und Verbot der Übersetzungen in den Lokalsprachen. J. Onayekan, in: The Word of God for ever, in: The year of the Bibel in Africa (BICAM), S.79 spricht von “a revolution”.

19


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4. 5. 6.

20

Vgl. Sein Beitrag, in: Osservatore Romano, Edi­ tion Française, n°3 du 18/10/2008, S. 4§2). H. Urs von Balthasar, ebd. S. 75ff. G. von Rad, Das ATD 2, Das erste Buch Mose, Kap. 1-12, 1962, S. 65; Gen 3,5, S. 71.

7. 8.

Noe 2,8 zitiert, in: Katechismus der Katholischen Kirche, Kurztexte, 134. Vgl. bes. Propositio.


Beiträge

2. Beiträge

Univ.-Prof. Dr. Józef Niewiadomski, Dekan der Theologischen Fakultät Pro Futuro! Neue Doktoratskultur an der Theologischen Fakultät

Univ.-Prof. Dr. Józef Niewiadomski, Dekan der Theologischen Fakultät “Das sei doch Segen und Fluch! Diese Bolognalisierung der europäischen Universitäten.” Zu einem solch ambivalenten Urteil könnte man kommen, angesichts der Widersprüche, an denen die akademischen Funktionsträger an den Fakultäten momentan leiden. Den vielen Lobhymnen seitens der Bildungspolitiker, mit denen sie die umfassende, seit Jahren anhaltende Reform zur Etablierung eines europäischen Hochschulraumes – den sog. Bolognaprozess – bewerten (auch der Heilige Stuhl ist Partner desselben), stehen im Herbst 2009 wegen der erfahrbaren Bildungsmisere an den Universitäten anhaltende Streiks und Proteste der Studierenden gegenüber. Die ersten Erfahrungen, die mit der Neustrukturierung der Studien gemacht wurden, legen auch solch widersprüchliche Urteile nahe. Die Modularisierung des Studienangebotes in den Bachelors- und Masterstudien sollte

die Mobilität der Studierenden fördern und die Administrierbarkeit der Studien erleichtern. So wie es momentan aussieht, hat sie beides eher erschwert. Außerdem scheint sie dazu beigetragen zu haben, dass die Universität in ihrer Bemühung um Bildung sich mehr und mehr zu einem verschulten Bildungskonzern verwandelt – eine Wandlung, die zu Recht den Zorn der Studierenden provoziert. Die Ambivalenz der Urteile trifft allerdings nur die zwei ersten Bildungsgrade des Bolognaprozesses: das Bachelorstudium und das darauf aufbauende Masterstudium. Der letzte Grad des Prozesses, das Doktoratsprogramm, scheint in seiner Neukonzeption auf allgemeine Zustimmung zu stoßen. Das mag wohl auch daran liegen, dass noch keine Erfahrungswerte in diesem Zusammenhang existieren. Aufgrund der gesetzlichen Regelung traten ja in Österreich diese erst mit 1. Oktober 2009 in Kraft. Was sind nun die entscheidenden Neuerungen in diesem Kontext und wo liegen die großen Chancen der neuen Doktoratskultur? Nachdem das Canisianum sein Profil im Kontext der postgraduierten Bildung der Priester aus dem weltkirchlichen Kontext schärft, soll hier ein kurzer Überblick über die stattfindenden Reformen – gerade für die kirchlichen Oberen, die ihre Priester nach Innsbruck zum Studium schicken wollen – präsentiert werden. Gesetzliche Grundlagen - hochschulpolitische Positionierung Auf einen kurzen Satz zusammengefasst: Das neue Doktoratstudium dauert sechs Semester (Mindeststudiendauer) und das Programm muss strukturiert sein. Die Zeiten, in denen das Studium sich fak21


Beiträge

tisch auf die Verfassung einer Dissertation, auf Rigorosa (und den Besuch von höchstens einzelner Seminarveranstaltungen) konzentrierte, scheint vorbei zu sein. Verschulung also auch im Kontext des Doktorates? Der Wille der Bildungspolitiker, das Doktoratsstudium neu zu konzipieren, war eher durch die Kultur der wissenschaftlichen Forschung motiviert. Die durch den Aufstieg der Fachhochschulen sich schnell ändernde Bildungslandschaft brachte ja für die Universitäten den Druck, sich darin auf eine unverwechselbare Art und Weise zu positionieren. Die „forschungsgeleitete Lehre“ wurde zu einem terminus technicus des Universitätsstudiums, die Forschung zur eigentlichen Domäne der Universitäten ausgerufen. Da unsere Kultur aus den Nachahmungsprozessen ihre Kraft schöpft, zogen zwar bald auch die Fachhochschulen nach und definierten sich neu als Forschungsstätten. Trotzdem: Der universitätsbezogene forschungspolitische Impuls veränderte die Studienkultur dahingehend, dass nach und nach das Doktoratstudium als der eigentliche Nukleus der universitären Bildungskultur begriffen wird. Der dritte Bildungsgrad des Bolognaprozesses wird damit zum eigentlichen Qualitätsausweis der Universität der Zukunft stilisiert. Kein Wunder, dass die Fakultäten in die Reform des Doktoratsstudiums viel Kraft und Energie investieren. Auch die Bildungskongregation in Rom legt nun auf eine gediegene Doktoratskultur viel Wert. Was bedeutet das nun für unsere theologische Fakultät in Innsbruck? Innsbrucker Doktorate neu Als (vorläufig) einzige österreichische theologische Fakultät etablierten wir mit dem 1. Oktober zwei ähnlich strukturierte, in inhaltlicher Hinsicht und gesellschaftlicher Relevanz aber doch anders gelagerte Doktoratsprogramme: 22

- Doktoratsstudium Katholische Theologie (mit dem Abschluss: „Doktorin der Theologie“ bzw. „Doktor der Theologie“ abgekürzt: Dr. theol.) und - PhD-Programm Katholisch-Theologische Fakultät (mit dem Abschluss: „Doctor of Philosophy“ abgekürzt: PhD). Beide Programme sind auf sechs Semester angelegt, in beiden Programmen wird eine Dissertation unter der Begleitung eines Professors oder einer Professorin verfasst, beide Programme sehen aber (zumindest) eine fachliche Nebenbegleiterin oder einen fachlichen Nebenbegleiter vor. Zwischen den Betroffenen, dem Studierenden und dem Begleitungsteam (Dissertationskomitee), wird im ersten Studienjahr schriftlich eine verbindliche Vereinbarung abgeschlossen, die auf eine nachvollziehbare Weise die Arbeitsfortschritte festhält. Die Entscheidung zur Etablierung eines Betreuerteams ist vor allem durch den Willen zur bestmöglichen Qualität in fachlicher Richtung, aber auch durch den Wunsch nach Interdisziplinarität motiviert. Durch die Festlegung der Arbeitsleistung des Dissertanten auf 120 ECTS-Punkte im Kontext der schriftlichen Dissertation soll grob das Ausmaß derselben normiert sein. Natürlich ist es mit der Angabe der geschätzten Arbeitsstunden des Studierenden schwer, den Umfang und auch das Niveau der Arbeit zu regulieren. Trotzdem weisen die neuen Curricula mit dieser Angabe die Vorstellung einer Dissertation, an der intensivst jahrelang gearbeitet wird und die sich dann als das Lebenswerk präsentiert, zurück. Eine Dissertation ist das, was sie auch sein soll, ein markanter – deswegen eben auch klar abgrenzbarer – Grenzstein auf dem Weg wissenschaftlicher Ausbildung und Forschung. Die Normierung soll also alle Betroffenen vor überzogenen Erwartungen schützen. Beide Programme schließen mit dem Rigorosum ab, bei dem


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vor einem Prüfungssenat (der zumindest aus drei PrüferInnen besteht) die Ergebnisse der Dissertation auf eine umfassende Weise sowohl in die Fach- als auch in die wissenschaftstheoretische Diskussion eingeordnet werden. Beide Programme setzen also bei einer breit angelegten wissenschaftstheoretischen (und auch wissenschaftsdidaktischen) Ausbildung an. Diese geschieht einerseits im Rahmen der klar als „Wissenschaftstheorie“ deklarierten und zum Beginn des Studiums zu absolvierenden Modulen, als auch im Verlauf des ganzen Doktoratsstudiums durch gezielte Förderung der Präsenz von Dissertantinnen und Dissertanten im Kontext der scientific community. Das Spektrum deren Präsenz ist weit abgesteckt. Es reicht von der gezielten Teilnahme an Kongressen und Symposien, bei denen die Teilergebnisse der eigenen Arbeit zur Diskussion gestellt werden, über Organisation des selbstorganisierten Lernens (wie etwa Graduiertenkonferenzen) bis hin zur Publikationstätigkeit und Engagement im Wissenstransfer. In beiden Programmen möchte die Fakultät die Studierenden mehr in die Forschungstätigkeit der Fakultät einbinden als das bisher der Fall war. Die Doktorandinnen und Doktoranden sollen zum engeren Umkreis der Fakultät gehören und sich mit der dort gepflegten Forschungskultur identifizieren (zu den an der Fakultät gepflegten Forschungsschwerpunkten vgl. den Bericht des Autors: „Studium in Innsbruck? Wo denn sonst! Aber warum?“ im ersten Heft des Korrespondenzblattes im Jahre 2008). Warum diese Neuerung? Im Zeitalter der von allen Seiten geforderten Interdisziplinarität wissenschaftlicher Diskurse ist der Beitrag der Theologen und der Christlichen Philosophen für die weltweite scientific community unverzichtbar. Um aber kom-

petent reden zu können, ist die Kenntnis moderner Wissenschaftstheorien notwendig. Die Kenntnis allein genügt allerdings nicht. Und auch nicht bloße Anleitung zur Anwendung. Die Versuchung zu einer unkritischen Übernahme der Methoden anderer – „erfolgreicherer“ – Wissenschaften seitens junger WissenschaftlerInnen ist ja groß. Sie führt aber in den geisteswissenschaftlichen und theologischen Fächer oft zur Preisgabe eigener Identität. Anstatt „Wellenbrecher“ in einer dem Markt und der naturwissenschaftlichen Rationalität ausgelieferten Gesellschaft zu sein, sind auch die Theologen allzu oft bloß „Wellenreiter“ gewesen. Der damit verbundene Effekt des Verlustes der Identität vermehrt inzwischen „kritische Stimmen“, die den Wissenschaftsbetrieb öffentlicher Universitäten verteufeln. Der in vielen Kreisen propagierte Rückzug aus dieser öffentlichen akademischen Forschungskultur in eine binnenkirchliche Bildungs- und Ausbildungswelt kann aber nur zu einer fundamentalistischen Abschottung theologischer Wissenschaften in der modernen Welt führen. Nicht der Rückzug ins Ghetto, sondern der offensive Marsch ins Zentrum moderner wissenschaftlicher Rationalität ist der beste Dienst theologischer und philo­sophischer Wissenschaft „pro futuro“ der Kirche und auch der Gesellschaft. Gerade in einer Wissensgesellschaft muss die Kirche an der ersten Front der Wissensproduktion und Wissensvermittlung wahrgenommen werden. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserer starken wissenschaftstheoretischen und auch wissenschaftsdidaktischen Fundierung der neuen Doktoratskultur den zukünftigen Absolventinnen und Absolventen das beste methodische Werkzeug in die Hand geben, um bei der Bewältigung neuer – in der Gegenwart noch nicht erkennbaren – Risiken und Herausforderungen kreativ mitwirken zu können. Heißt das aber, dass nur noch jene Priester Doktorate in Innsbruck absolvieren sollen, 23


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die für die wissenschaftliche Laufbahn vorgesehen sind? Keineswegs! Die Wissensgesellschaft macht es erforderlich, dass auch jene, die in der allgemeinen Bildungsarbeit, aber auch oder gerade in der kirchlichen Leitung tätig sein werden, keine Berührungsängste zur forschungsgeleiteten Kultur haben und diese auch durch ihr Engagement in Kirche und Gesellschaft im Hinblick auf die christlichen Werte pflegen. Unsere Gesellschaft braucht die in Theologie promovierten Priester mehr denn je! Was unterscheidet aber die beiden Programme, nachdem ihnen so viele Gemeinsamkeiten eigen sind? Das sind zuerst die Zugangsbedingungen. Das theologische Doktorat, das in der Kirche den Status eines kanonischen Grades besitzt, setzt normalerweise den Abschluss des fachtheologischen Diplomstudiums (den Abschluss: „Magister der Theologie“, Abkürzung: Mag. theol.) voraus. Das bedeutet, dass die Abschlüsse im Lehramtstudium, aber auch in der religionspädagogischen Studienrichtung nicht automatisch zum kanonischen theologischen Doktorat führen. Anderseits heißt dies, dass auch das römische Lizentiat als Zugangsbedingung zum Doktorat nicht notwendig ist. Diese „österreichische“ (aber auch deutsche) Spezialität unterscheidet ja den hiesigen Abschluss von den römischen Graden, die nach einem Bakkalaureat ein Lizentiat als Zugangsbedingung für das theologische Doktorat kennen. Der österreichische Magister unterscheidet sich durch die Diplomarbeit von dem römischen Bakkalaureat erheblich, positioniert also diesen Titel in der römischen Architektur zwischen dem Bakkalaureat und Lizentiat. Die „fehlenden Reste“ der dort im Lizentiat stattfindenden Fachausbildung werden (wie dies schon im „alten Doktorat“ der Fall war) im Curriculum des Doktoratsstudiums durch Fachseminare im Dissertationsfach und einem anderen theologischen Fach ergänzt 24

(das römische Doktorat bleibt ja weiterhin auf die Verfassung der Dissertation fokussiert). Die Zulassung von Studierenden mit anderen Abschlüssen geschieht im Wege der Anerkennung. Wenn Sie ein ähnliches Studium wie das „Diplomstudium: Katholische Fachtheologie“ absolviert haben und ihnen „nur einzelne Ergänzungen auf volle Gleichwertigkeit“ fehlen, werden Sie zum Doktoratsstudium mit der entsprechenden Auflage zugelassen. Diese muss dann im Verlauf des Doktoratsstudiums absolviert werden. Wie sehen nun das Qualifikationsprofil und auch die Studienziele des Doktoratsstudiums in Katholischer Theologie aus? Zuerst ist festzuhalten, dass das Doktoratsstudium auf eine gründliche Kenntnis der Lehre der Kirche zielt. Der in der Theologie promovierte „Kirchenmensch“ soll aber nicht ein lebendiges Lexikon werden; das theologische Wissen muss in die jeweilige Persönlichkeit des Betroffenen integriert werden; theologische, menschliche und spirituelle Kompetenz sollen einander ergänzen. Das gewählte Dissertationsfach kann in Innsbruck aus folgenden Fächern gewählt werden: Philosophie, Alttestamentliche Bibelwissenschaft, Neutestamentliche Bibelwissenschaft, Kirchengeschichte und Patrologie, Dogmatik, Ökumenische Theologie, Fundamentaltheologie, Religionswissenschaft, Moraltheologie, Christliche Gesellschaftslehre, Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie, Pastoraltheologie, Kirchenrecht, Katechetik und Religionspädagogik. Die durch das Studium erreichte Qualifikation soll – wie schon erwähnt – die Betroffenen befähigen, entweder die akademische Laufbahn an Universitäten und kirchlich anerkannten Fakultäten einzuschlagen, oder aber wichtige berufliche Positionen in Kirche und Gesellschaft einzunehmen. Die „Schlüsselqualifikationen“ der AbsolventInnen weisen zahlreiche Kompetenzen auf.


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Neben der Integration des theologischen Fachwissens in die Persönlichkeit des Absolventen zielen die wichtigsten Kompetenzen auf die eigenständige theologische Forschung und Lehre, auf die eigenständige Entwicklung theologischer Konzepte und Hypothesen und die Einbindung des spezialisierten Fachwissens in das Gesamt der Theologie. Gerade die in Theologie in Innsbruck promovierten Priester sollen die Fähigkeit besitzen, theologische Diskurse in Kirche und Gesellschaft vor Ort, gerade im interreligiösen und interkulturellen Kontext zu führen. Die enge Kooperation der Fakultät mit dem Canisianum ermöglicht ja eine Ausbildung der Priester im wahrhaft weltkirchlichen Kontext. Die angestrebten Ziele und Kompetenzen verlangen eine kommunikative Ausbildungskultur und einen „Geist“ der theologischen Forschung und Lehre, der sich nicht bloß im „elfenbeinernen Turm“ traditioneller Wissenschaftlichkeit verbarrikadiert. Sie erfordern eine Fakultät, die sich ihres Ortes in der Gesellschaft und vor allem in der Kirche bewusst ist und die auch diesen Ort immer neu kreativ in Erinnerung ruft. Dazu gehört sowohl der bewusste Schritt in die außeruniversitäre Öffentlichkeit als auch die Pflege einer „gesunden Kirchlichkeit“ an der Fakultät selbst. Neben dem kanonischen theologischen Doktorat hat Innsbruck als (vorläufig) einzige österreichische Fakultät ein PhD-Programm an einer Katholisch Theologischen Fakultät etabliert. Dieser (kanonisch nicht anerkannte, wohl aber im gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld v.a. in der angloamerikanischen Welt geschätzte) Abschluss steht offen für die AbsolventInnen der philosophischen und religionspädagogischer Masterstudien, sowie Lehramtstudien im Unterrichtsfach: Katholische Religion. Aber auch die im philosophisch-theologischen

Bereich qualifizierten AbsolventInnen der Fachhochschulen können zum Studium zugelassen werden. In seiner Architektur ist das Programm verhältnismäßig offen konzipiert, der verbindliche Rahmen lässt viele Gestaltungsmöglichkeiten in der Definition des Faches der Dissertation und auch der im Kontext der Dissertation erfolgenden Forschung. Das Studium qualifiziert in erster Linie zur akademischer Laufbahn an Universitäten (kirchlicherseits wird bei der Anstellung an den theologischen Fakultäten bei diesem Abschluss das kirchliche Lizentiat als kanonischer Grad verlangt) und zur wissenschaftlichen Tätigkeit insbesondere in der interdisziplinären Forschung. Aber auch der bildungspolitische, editorische und mediale Bereich stellen Felder dar, auf denen die PhD-AbsolventInnen gesucht werden. Neben den Doktoratsstudien besteht natürlich in Innsbruck weiterhin die Möglichkeit der Erwerbung eines kanonischen Lizentiats in der Theologie. Das Studium wird an der Fakultät aus dem Pool der dort angebotenen Lehrveranstaltungen absolviert; die Lizentiatsarbeit unter der Leitung eines Professors an der Fakultät geschrieben. Die Grade werden aber gemäß der kirchlichen Gesetzgebung vom Collegium Maximum, dem Jesuitenkolleg in Innsbruck, verliehen. Sinnvolle Kombinationen von Abschlussgraden (beispielsweise ein PhD und ein Lizentiat) verleihen Innsbruck noch einen zusätzlichen Reiz als Hochschulort. Die Stadt selber und auch weiterhin die Atmosphäre eines Hauses wie das Canisianum sprechen sowieso für sich. Noch immer prägt das prägnante Motto: „Religion, das Thema der Zukunft!“ den Werbefolder der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Es bleibt zu hoffen, dass sie mit ihren neuen und anspruchsvollen Doktoratsprogrammen einen Dienst für die Kirche und die Gesellschaft leisten wird: Pro Futuro! 25


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P. Gerwin Komma SJ «Jener muss wachsen, ich aber abnehmen.» (Joh 3.30)

Vereinigung mit unserem Herrn die nötige Tiefe gewinnen. 1. Jesus, unser Weg! – Ist Jesus unser Weg?

P. Gerwin Komma SJ Mit dem kommenden Herz-Jesu-Fest wird in Erinnerung an den 150. Todestag des Hl. Pfarrers von Ars (1786 – 1859) das von Papst Benedikt angekündigte „Jahr der Priester“ eröffnet. Es wird unter dem Leitgedanken „Die Treue Christi, die Treue des Priesters“ stehen. Ich möchte Sie schon heute einladen, sich diesem Bedenkjahr Ihres priesterlichen Weges und Dienstes in aller Offenheit zu stellen. Es ist uns als Chance geschenkt, unsere Liebe zu Gott und zu den Menschen zu vertiefen und erneut unser „adsum“ mit dem Leben zu bestätigen. Sie haben hier im Canisianum die Gelegenheit, die Ihnen von Ihrem Bischof anvertraute Sendung als Seminaristen und Studierende im Grundstudium, oder als Priester im Spezialstudium, in einer internationalen Gemeinschaft zur Entfaltung zu bringen und einander auf dem Weg Ihrer Berufung zu stärken und zu bereichern. Erneute Studienjahre sind eine Zeit der Faszination, aber sicher auch der aszetischen Treue in so manch kenotischer Stunde, die nun eben auch ein engagiertes Studium mit sich bringen kann. In jedem Fall wird Ihnen eine konsequente Kultur Ihres Geistlichen Lebens helfen, auch Ihre Studien zielgerecht voranzubringen und durch die Zeiten des Gebets und der persönlichen 26

Auf unserem Weg der Nachfolge im priesterlichen Dienst sind wir gefragt, ob das Wort des Täufers: „Jener muss wachsen, ich aber abnehmen“ der Sehnsucht unseres Herzens nach Hingabe, Einsatz unseres Lebens und Arbeit für das Reich Gottes entspricht. Er sah sich als Freund des Bräutigams und konnte sich freuen. Dieses Wort des Täufers: „Jener muss wachsen, ich aber abnehmen“, könnte zum Programm, zur konkreten Antwort Ihres Alltags werden, den wir hier im Collegium Canisianum zusammen dem Ziel unserer Berufung entsprechend ausgestalten. Wenn er es werden soll, dann braucht es jedoch auch Ihre und unser aller klare Option dafür, damit diese Freude auch für uns Wirklichkeit wird und unser Leben kenntlich macht. Ignatianisch gesehen, ist es ein „agere contra Programm“ hat es doch zu allererst Christus im Blick und nicht uns selbst! Weder uns selbst als einzelne, noch als Kollegsgemeinschaft. Es profiliert unsere Sehnsucht auf ihn hin und lässt uns aus der Freude an Gott freier von uns selbst werden. Wer auf ihn schaut und seiner heilenden und erlösenden Kraft vertraut, darf je freier auf dem Weg seiner Berufung voranschreiten. Nicht „Selbstverwirklichung“ steht im Zentrum, sondern „Menschwerdung“ nach Seinem


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Bild und Gleichnis, um Ihn zu verkündigen und nicht sich selbst. So gilt es sich zu prüfen und prüfen zu lassen, dem „adsum“ einen neuen Entfaltungsschub zuzumuten und eins zu werden, mit ihm und untereinander. Unser „Cor unum et anima una“ gilt es einzuholen und die Zielsetzungen, wie sie auch in unserer „Ratio Localis“ vorgestellt sind, im Alltag zu ratifizieren, zu leben.

Sinn die Schätze Ihres philosophisch-theologischen Arbeitens und nehmen Sie mit Freude und Staunen wahr, wie Christus in Ihnen und unter Ihnen auch heute wächst und wirken möchte. Die Worte des in diesem Jahr so viel zitierten Völkerapostels könnten so auch zu der uns verbindenden Erfahrung werden: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“

1.1 „Jener muss wachsen“ Um mit der Herausforderung, die in den Worten des Johannes liegt, besser umgehen zu können, einige einleitende Gedanken zu dieser Weisung.

1.12 Sie kennen sicher auch die Freude, die daraus erwächst, wenn andere zur Entfaltung Ihrer Gaben und Ihres Wesens kommen. Als Priester werden Sie diesen Prozess immer wieder auf verschiedenste Weise unterstützen und fördern können. Wenn Jesus auf die Anfrage der Jünger «Lohn» verspricht, dann ist er sicherlich auch in dieser Freude mitgeschenkt. Jesus im Herzen anderer wachsen zu sehen, ist die schönste Frucht unseres apostolischen Einsatzes, für den ich immer wieder danke. Ihm und Ihnen! Denken Sie darüber nach, wie Sie selbst in Ihren kommenden Aushilfen und pastoralen Sommereinsätzen dazu beitragen könnten, dass in den Menschen, mit denen Sie beisammen sein werden, die Freude an Gott wächst. Ihnen ist es ins Herz gelegt, Brücken zu jungen Menschen zu schlagen. Widmen Sie sich aber vor allem selbst auch diesem Wachstums- und Wandlungsprozess Christi in Ihnen und helfen Sie, wo es nur geht, auch anderen dabei. Im Kolleg tragen wir hier füreinander eine nicht geringe Verantwortung.

1.11 Der Verweis von sich weg auf Christus hin, rückt den Gekreuzigten ins Zentrum. Wir brauchen diese Mitte, ihn, der uns „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6) ist. Auf ihn dürfen wir schauen und anhand seines Beispiels unser Leben entfalten. Ihn vor Augen, bereiten Sie sich im Studium erneut für die Arbeit im Weinberg des Herrn vor. Sie lernen, seinen Seligpreisungen entsprechend zu leben, die Freude an Gott zu teilen und auch die Hitze und Last des Tages tragen. Mit ihm sind wir in der Lage, die Wüstenabschnitte unseres Lebens zu bewältigen und zu den Quellgründen seiner Gnade zu gelangen. An seiner Seite werden Sie erfahren, „dass seine Last leicht ist“ und Sie meist unter dem Joch der ihm nicht anvertrauten eigenen Lasten stöhnen. Auf ihn hin, den „Deu semper maior“, wird still unsere Seele. Ihn dürfen wir in eucharistischer Gemeinschaft empfangen, vor ihm anbetend knien, miteinander in Gebet und Kontemplation verharren. Er darf zum bewegenden Thema unserer Gespräche werden, in Spiritualitätsgruppen und darüber hinaus, zur treibenden Kraft unseres Einsatzes für andere im konkreten Dienst. Er soll Ihnen Ansporn in Ihrem Studieren sein und Ihrem theologischen Diskurs Richtung und Herz geben. Öffnen Sie einander in diesem

1.2 „Ich aber muss abnehmen“ Auch das gilt es zu lernen, auf dem Weg der Nachfolge. „Abnehmen“, zurücktreten, bescheiden zu werden, anderen den Vortritt lassen, ihnen nicht den Blick verstellen. Wer dies immer nur von anderen erwartet, wird in seinen Beziehungen scheitern und nicht auf Gott hin transparent werden können. Hiezu gilt es, Abtötung zu üben und im Hinblick auf das je größere Ziel, den Kampf 27


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mit den widerstreitenden Sehnsüchten, Behauptungsmechanismen und Ängsten aufzunehmen. Entwickeln Sie ein Gespür dafür, ob Sie sich selbst verkünden, oder den Herrn; was Sie für sich beanspruchen, oder anderen ermöglichen; ob Sie für andere da sind oder die anderen tendenziell für Sie da sein müssen. Ihre jeweilige Spiritualitätsgruppe, die Wahrnehmung Ihrer Dienste und Ämter, können Ihnen in Selbst- und Fremdwahrnehmung eine gute Hilfe sein und Sie sollten einander dieses Unterscheidungspotential nicht verschließen. Vielleicht muss man dazu in einer neuen Weise zum „Exzentriker“ werden. Wie meine ich das: Wer das Gewicht und die Aufmerksamkeit von sich weg auf Gott und die Mitmenschen hinlenkt, der rückt sich selbst aus seiner Ich-Zentriertheit hinaus. Er macht Gott und mit ihm die Menschen zu seiner Lebensmitte. Seine Lebensmitte liegt außerhalb seiner selbst. Er wird zum Exzentriker, der von sich befreit, frei ist für Gott und für die Menschen. In diesem Sinn führt der Anspruch des Evangeliums, unter dem Siegel der evangelischen Räte zu leben, vielleicht ins „out“ der Gesellschaft, aber er befähigt uns, im Sinn der Nachfolge Christi ganz „in“ zu sein. In diese Freiheit der Kinder Gottes gilt es insbesondere für Sie als PAK und Priester in ganz besonderer Weise hinein zu wachsen, ja hinein zu reifen, um ein glaubwürdiges apostolisches Leben zu führen. Ein Leben, das bestimmt ist von Jesu Botschaft und das bereit ist, in seinem Namen und durchdrungen von seiner Haltung ausgesandt zu werden. Durchdrungen von seiner Haltung! Wie viele stehen sich hier mit ihren Ansprüchen, ihren Schlampereien, liebgewonnenen Gewohnheiten oder Eitelkeiten, mit Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit immer wieder selbst im Weg und verdunkeln so das Zeugnis, zu dem sie als Priester berufen sind und das ihnen als Priester aufgetragen ist. 28

2. Jesu Option für die Armen 2.1 Verwirklichung einer Haltung Jesu Durch die Sendung des Vaters ist Jesus zum umherziehenden Wanderprediger geworden. Er zog umher, verkündigte das Evangelium und wandte sich in großer innerer Freiheit den Menschen zu. Schon in seiner Taufe ist dieses Armwerden vorgebildet, wenn Jesus hinein steigt in den Jordan und sich der Sündertaufe des Johannes unterzieht (Mk 1,9ff). Er bricht dann auf und geht in die Wüste. In der Versuchungsgeschichte Jesu (vgl. Mt 4,1ff) geht es um eine tiefe Auseinandersetzung mit seiner Sendung und um die mit ihr verbundenen Versuchungen: um die Versuchung, ein reicher (Steine zu Brot), mächtiger (alle Reiche der Welt) und ein von allen bewunderter Messias (Schweben von der Tempelzinne) zu sein, der ohne Erniedrigung und Kreuz auskommt (getragen werden auf Engelshänden). Jesus entscheidet sich in seiner messianischen Sendung für die Armut, für den Gehorsam und für die Ganzhingabe an Gott bis ans Kreuz (Mt 3,13-17). In den Seligpreisungen (Mt 5,1-11) führt er in die wahre Gerechtigkeit ein und buchstabiert die Magna Charta des Christentums aus, die da beginnt: „Selig, die arm sind vor Gott.“ Dem Schriftgelehrten, der an ihn herantritt und ihm folgen möchte, sagt er: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Mt 8,1920) Seine Armut kommt am Kreuz am tiefsten zum Ausdruck. Es sind die Armen und die Kranken, alle denen es schlecht geht, denen sich Jesus als erste zuwendet. Sie sind seine besonderen Freunde. Auch die Jünger führt Jesus in die Haltung seiner Armut ein: Sein Ruf in die Nachfolge führt sie weg von ihrer vertrauten Lebenswelt, die Fischer von den Netzen und vom Vater (Mk 1,16ff) und den Zöllner von seiner Zollbank (Mk 2,13ff). Er möchte ihnen


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alle irdische Angst und Sorge um die Dinge nehmen und sie hinordnen auf das Reich Gottes: „Sorgt euch nicht und sagt nicht: Was werden wir essen? Oder was werden wir trinken? Oder was werden wir anziehen? Denn nach all dem trachten die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr das alles braucht. Sucht vielmehr zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit und all das wird euch drein gegeben werden.“ (Mt 6,31 ff) . Der ganze Nachfolgeweg der Jünger ist eine Schule seiner Haltungen. Die Haltung der Armut, um die es uns hier geht, ist eine tiefe Haltung Jesu selbst. 3. Ein schwieriger evangelischer Rat Wir sind alle gut beraten, ob nun Diözesane oder Ordensleute, mit dem Ausdruck „Armut“ behutsam umzugehen. Denn eines ist es, wirklich Armut zu erfahren, sie am eigenen Leib zu verspüren, zu hungern, nicht weil man hungern will, sondern weil man muss. Ein anderes aber ist es, inmitten guter Beziehungen, persönlich bescheiden und arm, aber in materieller Hinsicht in Sicherheit zu leben. Nicht umsonst tun wir uns also mit dem Ausdruck „Armut“ schwer. Da ist es schon passender, von „einfachem Lebensstil“, von „Anspruchslosigkeit“ oder der „Bereitschaft zum Teilen“ zu sprechen und sich auch entsprechend zu verhalten. Liebe Mitbrüder, streben Sie nach diesen Haltungen und lassen Sie sich von den Verlockungen nach Wohlstand und Reichtum nicht in die Irre führen. Jeder von uns steht unter dieser Versuchung und es gilt, ihr zu widerstehen. Wie die anderen evangelischen Räte, so tangiert auch dieser eine Grunddimension menschlichen Lebens: die Dimension des Habens, der Lebensgestaltung und vor allem der Sicherheit im Leben. Darin liegt der tiefere Grund für die Schwierigkeit in der evangelischen Armut – so vermute ich – im

Sicherheitsbedürfnis des Menschen. Es ist eine Frage des Vertrauens, Dinge weggeben zu können, auf sie zu verzichten und sich nicht durch sie zu rechtfertigen. Wir werden von Jugend auf erzogen, Leistungen zu erbringen und lernen es schätzen, wenn diese als weiterer Stimulus entlohnt werden. Je größer die Leistung, desto höher der Lohn, desto größer das Ansehen, desto größer der Wert. Schließlich sind wir überzeugt, dass nur der etwas Wert ist, der etwas leistet und sich daher auch etwas leisten kann. Geachtet und beachtet wird, wer Vermögen hat, und wer Vermögen hat, vermag viel – mehr als andere! Der Vergleich war immer schon wichtig. Der Wert des Menschen bemisst sich da nach dem Haben, dem Vermögen, ja auch dem Schein. Dann gilt als Prinzip: „Hast du was, so bist du was!“ Das aber ist eine ganz andere Logik als die Logik Jesu, und hat nichts zu tun mit dem Kommen des Reiches Gottes. In den Augen Jesu zählt etwas anderes. „Erfolg ist keiner der Namen Gottes!“, sagt Martin Buber. Jesus hat sich jenen zugewandt, die nichts haben und uns herausgefordert, wie er an ihnen zu handeln: „Was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Er hat die Jünger aufgefordert, auf Gott zu vertrauen, die Ruhe in Gott zu suchen und aus diesem Vertrauen heraus proexistent, für die anderen, zu leben. Dem stehen so manche Kompensations­ geschäfte im Leben der Kirche, in unserem Alltag, entgegen. Wir reden von Armut und einfachem Lebensstil, halten uns aber in vieler Hinsicht schadlos: durch ausgedehnte Reisen, den Konsum von Genussund Suchtmitteln, von Fernsehen und Filmen, den bedachten oder unbedachten Gebrauch vom Internet, guten Restaurants und anderer Dinge. Falsche Prioritäten: Wir haben nicht viel Geld, machen aber andere Dinge zum Götzen, der nicht nur unsere Gebets- und 29


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Betrachtungszeiten, den Gottesdienst, sondern auch den nötigen Schlaf, ja die Sorge um die Mitmenschen verdrängt. Vergleich mit Anderen: Wie oft kommt es vor, dass Sie sich miteinander vergleichen und missgestimmt sind, weil der Andere anders, besser, cooler oder frömmer ist als Sie selbst. Hinter dem gegenseitigen Vergleich flackert immer wieder die Angst um sich selbst auf. Wie wäre es mit dem Versuch, sich über das Können anderer herzlich zu freuen und sie darin zu ermuntern! Wir alle leben doch auch von den Gaben der Anderen. Haben Sie den Mut, diese einander zugänglich zu machen oder nehmen Sie einfach die Mühe auf sich, Ihre Begabungen zu teilen. Danke, wo immer Sie einander und anderen helfen! Ob nun hier in unserer Kommunität oder darüber hinaus, insbesondere in Ihrem priesterlichen Zeugnis. 4. Ein Weiheversprechen das nicht geleistet wird? Mir fällt auf, dass der evangelische Rat der Armut im Weiheritus nicht ausdrücklich genannt ist. Aus dem, was der zukünftige Diakon oder Priester verspricht, ist jedoch die Haltung dieses evangelischen Rates klar ersichtlich. Beim erneuten Durchlesen von „Pastores dabo vobis“ wird deutlich, wie ausführlich dort vom evangelischen Rat der Armut gesprochen wird (vgl. Nr. 30). Im Weiheritus fragt der Bischof: Seid ihr bereit, den Armen und Kranken beizustehen und den heimatlosen und notleidenden zu helfen? Der Weihekandidat antwortet: Ich bin es. Der Bischof fragt weiter: Seid ihr bereit, nach dem Bild und dem Beispiel Christi, dessen Leib und Blut euch zur Ausspendung anvertraut wird, euer eigenes Leben zu gestalten? Mit Gottes Hilfe bin ich bereit, so antwortet der Kandidat. Im einen Versprechen geht es um die Hingabe an die Armen, Kranken, Notleidenden und Hei30

matlosen. Es sind dies die Gruppen, die die Seligpreisungen (Mt 5) und die Gerichtsrede (Mt 25), im Blick haben. Im zweiten Versprechen geht es um die Angleichung an das Beispiel Christi, dessen Leib und Blut dem Priester und Diakon zur Ausspendung anvertraut ist. Es geht also um einen eucharistisch-geprägten Lebensstil. 5. Eucharistische Lebenskultur Welchen Weg gibt es, die Haltung der „Armut im Geiste“, von der die Bergpredigt spricht, hier in Europa als Priester bewusst zu pflegen? 5.1 Die beharrliche Betrachtung der Heiligen Schrift und des Beispiels Jesu. Dieses Beispiel an sich heran zu lassen und immer wieder um die Haltung Jesu selbst zu bitten. Ich bin überzeugt, dass der Herr uns den Weg zu dieser seiner Haltung der Armut und des Vertrauens auf Gott führt, wenn wir ihn ehrlich darum bitten. 5.2 Die Betrachtung und Feier der Eucharistie, des Vermächtnisses der Hingabe und der Liebe Jesu. Die Feier der Eucharistie ist die Gedächtnisfeier der letzten Armut Jesu in seiner Hingabe am Kreuzestod. Hier hat er sich verschenkt und ist in seiner unendlichen Liebe ganz arm geworden. Eucharistisch leben heißt, Leben „nach dem Vorbild Christi, der, reich wie er war, aus Liebe zu uns arm geworden ist“ (vgl. 2 Kor 8-9). 5.3 Die Annahme seiner selbst. Vielleicht ist überhaupt die wichtigste Form der Armut, die Annahme der eigenen Grenzen, das Sich Eingestehen von Schwächen und Abhängigkeiten, verbunden mit der Bereitschaft, mich mit Ihnen auseinanderzusetzen. In jedem Menschen gibt es Eigenschaften, die dem Ideal, das wir von uns selber haben, widersprechen. Wie gehe ich damit um?


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Denken wir an das Wort des heiligen Paulus vom Schatz, den wir in zerbrechlichen Gefäßen tragen (2 Kor 4,7). Wir bieten Gott diese Armut an, damit er sie fruchtbar machen kann für die Menschen. 5.4 Die Wachheit für die Bedürfnisse und Nöte unserer Mitmenschen. Hier wird die Frage: „Wann haben wir Dich hungrig, krank, nackt und im Gefängnis gesehen“ auch uns gegenüber mit Jesu Wort beantwortet werden: „Was immer ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.“ (Mt 25,45) – Schenken wir einander, ohne Ausnahme, die Aufmerksamkeit, die wir brauchen, von der wir leben und bemühen wir uns gegen jede Art miss­ achtender Unaufmerksamkeit. Lernen wir auch hier, zuerst auf den anderen und seine Nöte zu achten. 5.5 Schließlich eine gesunde Sensibilität für die eigenen „ungeordneten Neigungen“. Es ist nützlich, von Zeit zu Zeit alle Beziehungen, Gegenstände und Erfahrungen aufzulisten, auf die wir nur schwer oder gar nicht verzichten zu können meinen und von denen wir irgendwie abhängig sind. Warum sind wir von ihnen abhängig? Vielleicht erschrecken wir, weil wir uns eingestehen müssen, dass wir in vieler Hinsicht abhängig sind. Aber solches Erschrecken tut gut. Es gibt einem Einsicht in seine Seele, ja es befreit. Der evangelische Rat der Armut ist eine Sache des Herzens: der Hinwendung zum Herrn, zum Mitmenschen und auch der eigenen Unterscheidung. Er mindert die Hochmut, gebiert Achtung und schenkt Freiheit. Es ist auffällig, dass Jesus selbst die Armut und die Armen so sehr betont und liebt. Denken wir nur an die Geschichte vom reichen Jüngling. Es ist ferner bezeichnend, dass am Beginn großer, geistlicher Bewegungen meist die Armut steht: Die berufe-

nen Menschen haben alles weggegeben und auf alles verzichtet (die Apostel, Benedikt, Franziskus, Dominikus, Ignatius, Charles de Foucault und andere). Die Grundfrage ist – so scheint mir – nicht was und wie viel wir haben, sondern die Grundfrage ist die innere Freiheit für Gott und des Vertrauen auf ihn; die jeweilige Option für die Armut, das Arme in uns und in den anderen. Meditieren Sie unter diesem Aspekt einmal die Gerichtsrede in Mt 25. Die Übung der Armut ist die Einübung in die Handlungsweise Jesu, seines Vertrauens auf Gott und die Einübung des Ernstfalles: Des Ernstfalles, wenn mir Gott einmal alles aus der Hand nehmen möchte. Werde ich dazu bereit sein? Werde ich da loslassen können (z.B. die Gesundheit und anderes), werde ich da noch danken und Gott loben können? Werde ich mich da erinnern, dass Jesus mir in dieser Situation am nächsten ist? Das tragische Leiden von P. Premstaller mag uns Mahnung sein, wie schnell wir gerufen sein können, alles zu lassen und uns in Gottes Arme fallen zu lassen. Danke, dass Sie auch immer wieder für ihn beten. Als Priester haben wir ja hoffentlich kaum Großes zu geben und zu verteilen. Aber wir haben das kostbarste Gut für die Menschen bereit: Wir haben die Worte des Herrn und wir haben die Gabe, die er uns und durch die er sich selbst uns geschenkt hat. Vertrauen wir darauf, dass er diese Gaben – auch in einer ungerechten Überflussgesellschaft – vermehrt. Es ist nicht leicht, die Armut des Herrn selbst auszuhalten. Versuchen wir die Armut des Herrn in unser priesterliches Leben zu übersetzen. Gehen Sie ganz bewusst den Weg der Erniedrigung, der Hingabe, der Liebe und Achtung des Geringen und Schwachen, des Vertrauens auf Gott. Das könnte der Weg einer eucharistischen Lebenskultur sein, an der deutlich wird, was es heißt, dass er wachsen muss, wir aber abnehmen müssen.

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Bitten wir Gott, dass er uns diesen Weg führe und dass er uns auf ihm zusammen führe und eine, so dass jeder von uns für den Leib der Kirche und sein Haupt sein Bestes gibt und es nicht für sich aussucht und be-

ansprucht. Wer ernsthaft den Weg aus der Krise sucht, wird diesen auch in der Kirche und als Kirche gehen müssen. Exhorte, 8. Juni 2009

Rev. Basil Mzena, Iringa und Rev. Joseph Kim Woong-Rae, Inchon, Koordinatoren 2009/10

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Univ.-Prof. Dr. Gerda Riedl Das Priesterjahr – ein geistlicher Impuls Zum Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des ›dies natalis‹ von Johannes Maria Vianney

Univ.-Prof. Dr. Gerda Riedl 1. Das Priesterjahr – Anlass zur Besinnung Seit Jahrzehnten gibt es in Zentraleuropa bei weitem zu wenige Neupriester. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn viele Priester sich in ihrem Dienst als überlastet erleben und daher eine Vielzahl von Burn-out-Syndromen zu beobachten sind. Des Weiteren ist festzustellen, dass manche Kreise in der Kirche sogar Priester für gänzlich verzichtbar oder durch andere Kirchenglieder ersetzbar halten. In einer charakteristischen Wechselwirkung ist dies teils Folge, teils Ursache für ein zunehmend diffuses Selbstverständnis der Priester selbst: Ist der Priester zuvorderst Pastoralmanager, Sakramenten-Täter oder Pseudopsychiater, – was macht den Priester im 21. Jahrhundert eigentlich aus, was ist seine genuine Aufgabe?

Die skizzierten Phänomene verschärfen ein geistiges Klima, in dem Berufungen nicht eben gefördert werden und dort, wo noch eine Sensibilität dafür da ist, müssen sie sich nicht selten sogar gegen Widerstände – auch im persönlichen Umfeld – entfalten. Unter solchen Prämissen ist für die unmittelbare Zukunft eine Verschärfung der aktuellen Situation evident. Weithin ist zu hören, dass dies die unausweichliche Folge einer sich zunehmend säkularisierenden Gesellschaft, einer Modernisierung und Individualisierung der Lebensentwürfe sei und die Kirche sich mit ihren Strukturen eben dem Zeitgeist anpassen müsse, um zu überleben und ihrem Sendungsauftrag noch gerecht werden zu können. Konkret werden daher Strukturreformen, Demokratisierung, Geschlechtergerechtigkeit bei der Zulassung zum Weihesakrament oder auch Abschaffung des Weihesakraments zugunsten des Allgemeinen Priestertums und anderes mehr gefordert. In konservativer gestimmten Kreisen sieht die Problemanalyse genau konträr aus: Die im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils einsetzenden Modernisierungsbemühungen, das berühmte ›aggiornamento‹, habe die Kirche in die Sackgasse geführt, die Gottlosigkeit in der Gesellschaft gefördert und sämtliche aktuellen Krisensymptome ausgelöst. Damit wird gleichzeitig suggeriert, die Welt habe vor dem II. Vatikanischen Konzil besser ausgesehen, jedenfalls was die kirchlichen Belange angehe. Doch stimmt das denn? Wenn wir uns die Zeit des Pfarrers von Ars ansehen, die kirchliche Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, so ist sie in vieler Hinsicht nicht weniger dramatisch als die unsrige: Die französische Aufklärung mit ihrem antikirchlichen Impetus befindet sich in vollem Schwange, die Französische Revolution wirkt auch in der napoleonischen Zeit und mit ihrer Gesetzgebung (Code Napoléon) noch weit 33


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darüber hinaus antiklerikal und antikirchlich nach. In weiten Bereichen lag die Seelsorge danieder. Es folgte mit dem I. Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeitskrise: Nach den Wirren von Französischer und Bürgerlicher Revolution (der Jahre 1789 und 1848) eskalierten die kirchlichen Dinge im Anschluss an das Erste Vatikanische Konzil der Kriegsjahre 1870/1871 endgültig. Dort hatte bekanntlich eine Konzilsmehrheit den päpstlichen Lehr- und Jurisdiktionsprimat in Fragen von Glaube und Moral durchgesetzt; die deutschen Bischöfe freilich akzeptierten das so genannte ›Unfehlbarkeits-Dogma‹ nur zögernd. Und viele deutschsprachige Universitäts-Theologen lehnten den Konzilsentscheid rundweg ab; so bildete sich eine innerkirchliche Oppositionsbewegung aus Laien und Klerikern mit dem prominenten Münchener Kirchengeschichtler Ignaz von Döllinger (1799 – 1890) an ihrer Spitze; sie sprach deutlich genug von einer Vertrauenskrise in der katholischen Kirche. Die Lage spitzte sich rasch zu; es kam zum Schisma: Die Altkatholische Kirche war geboren, obwohl sich viele Wortführer von einst genauso wie Ignaz von Döllinger dieser Entwicklung ausdrücklich verweigert hatten (vgl. Georg Schwaiger: Katholische Theologen. Bd. 3. München 1975, S. 9-43; Peter Neuner: Döllinger als Theologe der Ökumene. Paderborn u. a. 1979; Otto Weiß: Das Gedächtnis des 100. Todestags Ignaz von Döllingers. Ein Forschungsbericht. In: Historisches Jahrbuch 112, 1992, S. 482495). Dieser Unfehlbarkeitskrise schloss sich nahtlos die Modernismuskrise an: War die ›Unfehlbarkeitskrise‹ vom Kirchenvolk getragen worden, so zeichnete für die folgende ›Modernismus-Krise‹ das katholische Lehramt verantwortlich. Das Wort ›Vertrauenskrise‹ umschrieb nunmehr das gestörte Verhältnis des Heiligen Stuhls zum so genannten ›Reformkatholizismus‹ insbeson34

dere französischer Prägung, welcher sich gelegent­lich recht unreflektiert einem Ausgleich zwischen überkommener Kirchenlehre und modernen Naturwissenschaften verschrieben hatte. Als Papst Pius X. (1903 – 1914) mit Enzyklika, Rechtserlass und 1910 mit dem so genannten ›Anti-Modernisteneid‹ gegen historisch-kritische Bibelauslegung, Rationalismus, Agnostizismus, Evolutionismus, Subjektivismus und Immanentismus vorging, eskalierten die kirchlichen Dinge ein zweites Mal. Die deutschen Universitäts-Professoren verweigerten den Eid – und bekamen ihn erlassen, jeder Geistliche im kirchlichen Dienst hatte ihn jedoch bis 1967 zu leisten (vgl. Otto Weiß: Der Modernismus in Deutschland. Regensburg 1995; Hubert Wolf [Hg.]: Antimodernismus und Modernismus in der katholischen Kirche. Paderborn u. a. 1998). Aus dieser bis heute unbewältigten Modernismuskrise resultierte konsequenterweise die Intellektualismus-Krise: Es folgte spätestens mit dem Ersten Weltkrieg eine Phase theologischen Intellektualismus- und gesellschaftsfernen Verbandskatholizismus, – von manchen Kirchenhistorikern heutzutage nicht ganz zu Unrecht als ›Ghetto-Katholizismus‹ gebrandmarkt. Dem Katholizismus kam Spannkraft und Gesellschaftsnähe beinahe vollständig abhanden; erst lange nachher bekannt gewordene Theologen wie Michael Schmaus und Henri De Lubac wiesen zwar schon früh auf die dritte ›Vertrauenskrise‹ – diesmal einer bürgerlichen Öffentlichkeit gegenüber der Institution Kirche – hin, fanden der furchtbaren Ereignisse von Zweitem Weltkrieg und Judenvernichtung wegen zunächst aber kein Gehör. Man übte sich lieber im Übersehen und Vergessen; verbittert schreibt Henri De Lubac schon 1938 in der Einleitung seines viel beachteten Buches ›Glauben aus der Liebe‹ (Catholicisme. Les aspects sociaux du dogme; Übs. Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln 1970) den noch jetzt irgendwie vertraut


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klingenden Satz: »Wie kann eine Religion, die offensichtlich der irdischen Zukunft und der menschlichen Solidarität kein Interesse zuwendet, ein Ideal bieten, das noch fähig wäre, die Menschen von heute zusammenzuführen?« (Ebd., S. 13) Erst das Zweite Vatikanische Konzil suchte schließlich jenes Ideal zu bieten ... (vgl. Ernst Heinen: Alte und neue Wege der Katholizismusforschung. In: Historisches Jahrbuch 17, 1997, S. 212219; Otto Weiß: Religiöse Geschichte oder Kirchengeschichte. In: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 17, 1998, S. 289-312) Wie weit sich zwischenzeitlich die katholische Kirche aber von der modernen Gesellschaft entfernt hatte, zeigte sich im politischen Krisenjahr 1968. Ein Aufschrei der Empörung ging weniger durch Europa oder die Welt, als vielmehr durch den deutschsprachigen Katholizismus, als Papst Paul VI. (1963 – 1978) die Enzyklika ›Humanae vitae‹ zu Fragen von Geburtenkontrolle und Empfängnisverhütung veröffentlichte. Nicht etwa der innerkirchliche Aufbruch des – wenige Jahre zuvor abgehaltenen – Zweiten Vatikanischen Konzils fand seine berechtigte Würdigung, sondern eine angeblich verstaubte Institution ›Kirche‹ sowie die zurückgebliebene Mentalität ihrer Anhänger wurden zur großen Überraschung beinahe aller Christen Zielscheibe von Spott und Häme in dieser Moralismuskrise. Wie weiß der kritische Katholik Carl Amery noch heute voller Verblüffung von einem sonntäglichen Kirchgang im Münchener Stadtteil Schwabing zu berichten, – dort stand am Kirchengebäude plötzlich die Parole aufgesprüht: ›Die Kirche rülpst in Agonie, / Da hilft kein Böll, kein Amery‹. (Carl Amery u. a. [Hg.]: Sind die Kirchen am Ende? Regensburg 1995, Einleitung) ›Vertrauenskrise‹ pur ... (vgl. Ferdinand Oertel: Erstes Echo auf ›Humanae vitae‹. Dokumentation wichtiger Stellungnahmen. Essen 1968; Franz Böckle: ›Humanae vitae‹ als Prüfstein des wahren

Glaubens? In: Stimmen der Zeit 208, 1990, S. 3 ff.; Klaus Nientiedt: Sackgasse. 25 Jahre ›Humanae vitae‹ und kein Jubiläum. In: Herder-Korrespondenz 47, 1993, S. 436 ff.) Und zuletzt kam durch die zunehmende Zahl aufgedeckter Fälle praktizierend pädophiler Geistlicher auch noch eine profunde Vertrauenskrise hinzu. Keine dieser Krisen ist bis zum heutigen Tag wirklich bewältigt worden, und so scheint aus den Einzelkrisen um bestimmte Themenbereiche eine allgemeine Kirchenkrise erwachsen zu sein. Doch was sollen wir unter solchen Bedingungen tun? Eine idealisierende Verklärung der Vergangenheit erübrigt sich ganz offensichtlich, ein radikaler Bruch mit der Tradition käme einer Reformation gleich. Folgen wir also der Devise eines Straßburger Theologen und Predigers, der 1508 noch vor der Reformation angesichts der desaströsen kirchlichen Verhältnisse empfahl: »Ich sprich nein, es est auch kein Hoffnung, dass es besser werd um die Christenheit (...). Darum so stoss ein jeglicher jeder sein Haupt (...) in ein Loch, und sehe, dass er Gottes Gebot halte und tue, das recht sei, damit er selig werde« (zitiert nach TRE Bd. 12, S. 161). Johannes Geiler von Kaysersberg (1445 – 1510), so der Name dieses Theologen, taugt als Verfechter einer heilsindividualistischen ›Vogel-Strauß-Politik‹ unter ekklesiologischen Prämissen also auch nicht als Problemlösungsstratege. Natürlich könnte man zunächst – gut akademisch – eine differenzierte Problemanalyse mit entsprechendem soziologischen, anthropologischen und psychologischen Problemaufriss vorlegen, um auf dieser Grundlage griffige Pastoralkonzepte zu entwerfen. Und sicher ist dies nicht verkehrt und wird auch mit viel Energie betrieben. Doch trifft ein solcher Zugriff wirklich das geistig-geistliche Zentrum des Problems? Papst Benedikt XVI. schlägt mit seinem Brief zum Beginn des Priesterjahres einen anderen Weg ein. Dieser Weg ist auf den 35


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ersten Blick freilich so unerwartet und provokativ, dass harsche Reaktionen darauf nicht ausblieben: Er stellt einen einfachen, intellektuell nicht übermäßig begabten Pfarrer eines völlig bedeutungslosen Dorfes mit nicht einmal 300 Einwohnern als Idealbild allen Priestern vor Augen. Einmal mehr der Rückgriff in die idealisierte Vergangenheit, als noch alles gut gewesen sein soll? Mitnichten. Doch was vermutlich noch weit mehr provozierte als der Rückgriff auf eine über 200 Jahre alte Priesterbiographie ist, dass Papst Benedikt XVI. nicht ansteht, mit diesem Vorbild des Pfarrers von Ars indirekt eine äußerst harsche Problemanalyse von Papst Johannes XXIII. anklingen zu lassen: Dieser soll schon Anfang der 1960er Jahre gesagt haben: An der Krise der Kirche seien allein die Kleriker schuld. Ob man dem nun zustimmen mag oder nicht, es stellt sich damit doch zentral die Frage nach dem Priesterbild und der Bedeutung des Priesters für die Kirche. Aus dem Alten Bund kennen wir die Priester aus dem Stamm Levi, deren zentrale Aufgabe es war, zwischen dem Volk Israel und seinem Gott zu vermitteln. Dies geschah weithin durch die Darbringung von Opfergaben im Tempel. Bezeichnenderweise hat angesichts der Zerstörung des (zweiten) Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. das rabbinische Judentum die Verbindung zwischen Tempel, Opferdienst und Priesteramt als so eng angesehen, dass ohne Tempel sowohl das Opfer als auch der Priester überflüssig wurden. Im Neuen Bund kommt es gegenüber dem Alten Bund und seinem Priesterverständnis im Christentum zu einer dramatischen Änderung: Mit der Deutung des Kreuzestodes Jesu als Selbstopfer zur Versöhnung der Welt mit Gott ergibt sich in der jungen Gemeinde eine bislang ungekannte Identität von Priester und Opfergabe: Jesus Christus bringt sich – wie der Hebräerbrief formuliert – als einziger und ewiger Hoherpriester 36

selbst zum Opfer dar (Hebr 9,11-14). Und wenn wir es in trinitätstheologischer Perspektive formulieren, heißt das: In Gestalt des Sohnes opfert sich Gott selbst für diese Welt, um sie zu sich zurückzuführen. Ein solches Opfer ist nicht mehr überbietbar und daher auch einmalig. Mit seinem Opfertod besiegelt Jesus nach dem Verständnis der neutestamentlichen Einsetzungsberichte (1 Kor 11,25; Mt 26,28; Mk 14,24; Lk 22,20) den (Neuen) Bund Gottes mit seinem Volk. Wie in der Exodus-Erzählung Mose am Sinai den Bundesschluss Gottes mit dem Blut geschlachteter Jungstiere besiegelte, indem er das Volk damit besprengte und sprach: »Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat« (Ex 24,8), so greifen auch die Texte der Einsetzungsberichte besagte Formulierung auf. Unter zusätzlichem Rückbezug auf die prophetische (Endzeit-)Verheißung in Jer 31,31-34, dass Gott mit seinem Volk einen neuen Bund schließen wird und ihm das Gesetz ins Herz hineinschreiben wird, spricht der paulinische und lukanische Jesus beim letzten Abendmahl: ›Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut‹. Aus seinem Auftrag, sich dieses im letzten unvorstellbaren Geschenkes Gottes zu erinnern, es aktiv zu feiern bis zu seiner Wiederkunft, leiten sich unsere Eucharistiefeier und letztlich auch der priesterliche Dienst ab. Vor diesem neutestamentlichen Hintergrund und seiner Deutung des Todes Jesu in Verbindung mit der Aufforderung, dieses Ereignisses bis zur Wiederkunft Christi zu gedenken kommt nach christlichem Verständnis, wie es sich in der Tradition entfaltete, dem Priester eine ganz andere Aufgabe zu als im herkömmlichen, religionsgeschichtlich bekannten Opferdienst: Der Priester bringt nicht einfach Gaben der Menschen für Gott zum Opfer dar. Der Priester lässt sich von Gott ganz und gar in Dienst nehmen, damit jenes einmalige Kreuzesopfer Jesu Christi


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in jeder Eucharistiefeier wieder gegenwärtig gesetzt werden kann. So wird der Priester zum sakramentalen Werkzeug Jesu Christi, durch ihn hindurch handelt Jesus Christus selbst. Wer das wirklich verstanden hat, wird die schon beinahe hymnischen Aussagen des Pfarrers von Ars über den Priester und seine Gemeinde recht verstehen. Es ist nicht Ausdruck von Hochmut, von Klerikalismus oder Ecclesia-triumphans-Parolen, wenn er für uns heute recht provokant schrieb: »Nach Gott ist der Priester alles.« Für den Pfarrer von Ars kann Gott in dieser dichten und intensiven Weise der Eucharistie den Menschen nur vermittelt durch den Priester begegnen und umgekehrt die Menschen Gott. Auch wenn wir bei vielen der Aussagen des Johannes Maria Vianney den theologiegeschichtlichen Kontext und auch seine konkrete biographische Situation berücksichtigen müssen – es handelt sich nicht um differenzierte akademische Abhandlungen, sondern um Predigten –, so hat er doch intuitiv ein gutes Gespür für die der Kirche zugrunde liegende Geheimnishaftigkeit und die Grenzen, die unserem Begreifen gesetzt sind: »Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe (…). Ohne den Priester würden der Tod und das Leiden unseres Herrn zu nichts nützen. Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt (…). Was nützte uns ein Haus voller Gold, wenn es niemanden gäbe, der uns die Tür dazu öffnet? Der Priester besitzt den Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: Er ist es, der die Tür öffnet; er ist der Haushälter des lieben Gottes; der Verwalter seiner Güter (…). Lasst eine Pfarrei zwanzig Jahre lang ohne Priester, und man wird dort die Tiere anbeten (…). Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es für euch.« Und damit ist die zentrale ekklesiologische Bedeutung angesprochen: Der Priester steht vor Gott für seine Gemeinde und vor

seiner Gemeinde für Gott. In analoger Weise bildet er sozusagen eine Brückenfunktion, insofern er wie der Gottmensch Jesus Christus zwischen der göttlichen und menschlichen Sphäre vermittelt und beiden zugehört. Damit ergibt sich aber auch, dass der Priester seinen Dienst umso wirkungsvoller ausüben wird, je mehr er christusförmig wird. Was das Ziel dieses Dienstes ist: Allen die frohe Botschaft des Evangeliums zu verkündigen, sie durch die Christusgemeinschaft in der Eucharistie und durch die anderen Sakramente zu ihrer Bestimmung kommen zu lassen und sie auf den Weg zur vollen und endgültigen Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott zu geleiten. Wenn das Augenmerk bislang ausschließlich auf den Priester gerichtet war, der durch den Empfang des Weihesakramentes zum besonderen Dienst beauftragt und befähigt ist, so bedeutet dies nicht, dass damit von Seiten Papst Benedikts XVI. einem Rückfall in vorkonziliare Zeiten mit dem Laien als bloßem Objekt der Seelsorge das Wort geredet würde. Schon der Pfarrer von Ars war in seiner schwierigen pastoralen Situation auf die produktive Zusammenarbeit mit den Laien angewiesen. Die im II. Vatikanischen Konzil ausdrücklich formulierte priesterliche Dimension aller Getauften wirft überdies jenseits vordergründig pragmatischer Erwägungen auch theologisch ein erhellendes Licht auf diesen Aspekt. So schreibt Papst Benedikt XVI.: »Sein Beispiel veranlasst mich, das Feld der Zusammenarbeit zu betonen, das immer mehr auf die gläubigen Laien auszudehnen ist, mit denen die Priester das eine priesterliche Volk bilden (Lumen gentium 10) und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums alle zur Einheit in der Liebe zu führen, ›indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen‹ (Röm 12,10; Presbyterorum ordinis 9). In diesem Zusammenhang ist an die lebhafte Aufforderung zu erinnern, mit der das Zwei37


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te Vatikanische Konzil die Priester ermutigt, ›die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern (...) Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.‹ (Presbyterorum ordinis 9).« So weit die Theorie. Neben gelungenen Umsetzungen ergeben sich aber in der Praxis vielschichtige Probleme: Priester, die ihre genuinen Aufgaben gerne an Laien delegieren, weil sie überlastet, frustriert oder träge geworden sind; Laien, die profilierungssüchtig Priester spielen, Priester und Laien, welche die Differenzierung in allgemeines Priestertum und Weihepriestertum für überholt halten ... In allen Fällen wird die Komplementarität von Klerikern und Laien in der Kirche nicht mehr gesehen: Wie in jedem größeren Organismus hängt auch in der Kirche die Funktionsfähigkeit davon ab, ob jeder der für ihn genuinen Aufgabe nachkommt. Die Kleriker im allgemeinen und die Priester kraft ihrer Befähigung zur Feier der Eucharistie im besonderen leisten einen unersetzlichen Dienst in der Kirche für die Kirche. Laien können hauptamtlich oder ehrenamtlich hier unterstützend eingreifen, wo es nötig und sinnvoll ist. Aber der genuine Sendungsauftrag derjenigen, die am allgemeinen Priestertum partizipieren, gilt dem Weltdienst. Wenn Laien darüber klagen, sie seien in der Kirche Menschen zweiter Klasse, weil sie vom Leitungsdienst ausgeschlossen sind, so liegt hier ein profundes Missverständnis vor, das nicht selten mehr vom Macht- und Geltungsbedürfnis her motiviert ist als von einem echten, christozentrisch verwurzelten Sendungsbedürfnis. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen 38

beinhaltet vielmehr, dass alle – auch außerhalb des sakramentalen Geschehens – aufgerufen sind, durchscheinend zu werden für Christus, dass unsere Gedanken, Worte und Werke für die Welt transparent werden auf Christus hin und transparent werden von Christus her auf die Welt hin. Das freilich bedeutet, wie schon Katharina von Siena betonte, sich zu öffnen für das Christusgeheimnis, leer zu werden, damit wir uns vom dreifaltigen Gott erfüllen lassen können und so auf einer ganz anderen Ebene zu uns selbst finden. 2. Die Intention Papst Benedikts XVI.: Innere Erneuerung der Priester durch das Vorbild des Pfarrers von Ars Ein Blick auf die Biographie des Jean-Baptiste Marie Vianney (1786 – 1859) zeigt eindrücklich, dass es sich um kein Ausnahmeleben handelte. Es war voller persönlicher Probleme, voller Probleme mit seiner Pfarrei und auch seinen Mitbrüdern. Schon bei seinen ersten Bemühungen, ab 1805, Priester zu werden, wurden seine mäßige intellektuelle Begabung und die damit verbundenen Grenzen deutlich; als er 1809 zwangsrekrutiert wurde und schließlich desertiert, war er mehrere Jahre genötigt, unter einem Pseudonym als Dorfschullehrer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine 1811 erfolgte Amnestie für Fahnenflüchtige ermöglichte ihm schließlich die Fortsetzung seines Studiums und erst 1815 erfolgte trotz seiner mangelhaften Lateinkenntnisse die Priesterweihe. Zeit seines Lebens war er immer wieder von Zweifeln an seiner priesterlichen Berufung geplagt, durchlebte körperliche und geistige Erschöpfung und sehnte sich nach einem kontemplativen Lebensstil jenseits der alltäglichen, mühevollen Pfarrtätigkeit. Aufgrund der nachdrücklich antikirchlichen Stimmung seit der Französischen Revolution lag in Frankreich die Seelsorge


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völlig danieder, die Pfarrangehörigen hatten keinerlei Interesse an der Kirche und ihren ›Serviceangeboten‹ und auf Unterstützung von außen konnte Vianney gleichfalls nicht rechnen. In späterer Zeit kamen Probleme mit seinen Mitbrüdern hinzu, die zum Teil auch vor Verleumdungen nicht zurückschreckten. Von daher ergeben sich durchaus Strukturparallelen zur heutigen pastoralen Tätigkeit. Papst Benedikt XVI. thematisiert diesen Bezug ausdrücklich und möchte das Priesterjahr als eine »innere Erneuerung aller Priester« verstanden wissen: »Dieses Jahr, das dazu beitragen möchte, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern, wird 2010 wiederum an diesem Hochfest seinen Abschluß finden.« Damit ist aber über die spirituelle Erneuerung der Priester hinaus zugleich eine Erneuerung aus dem tiefsten Innern der Kirche gemeint. Wenn das Priestertum die Liebe des Herzens Jesu ist, wie der Pfarrer von Ars formulierte, so führt das tiefere Verständnis des Priestertums unmittelbar zum Haupt der Kirche, zu Jesus Christus. Wird das Priestertum als Ausdruck der Liebe des Herzens Jesu verstanden, so gilt diese Liebe nicht in exklusiver Weise den Priestern, sondern darin drückt sich vielmehr die heilsgeschichtliche Bestimmung der Kirche aus: durch die Geschichte hindurch allen Völkern die frohe Botschaft Jesu Christi zu verkündigen, sein erlösendes Leiden und Sterben und die befreiende Auferstehung in den Sakramenten allen fruchtbar zu machen und so das Volk Gottes zur himmlischen Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott zu geleiten. Daher wird die Kirche vom II. Vatikanischen Konzil in Lumen gentium 1 mit Recht in analoger Weise als Sakrament bezeichnet: Sie ist Werkzeug Jesu Christi zur Vollendung. Und vor diesem Verständnishorizont zitiert Papst Benedikt XVI. auch den Pfarrer von Ars:

»Der Pfarrer von Ars war äußerst demütig, doch er wußte, daß er als Priester ein unermessliches Geschenk für seine Leute war: ›Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit.‹« Auch wenn die Ausführungen des Pfarrers von Ars mitunter naiv anmuten und sogar missverständlich aufgenommen werden können, so erkennt man doch bei wohlwollender Lektüre, wie er sich nicht selbstanmaßend erhöht, sondern angesichts des eucharistischen Geheimnisses zutiefst erschaudert: »Oh, wie groß ist der Priester! (…) Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben (…) Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein (…).« Die Kategorie des Gehorsams ist hier sicher befremdlich, doch vor dem Hintergrund der biblischen Bundestheologie, nach welcher Gott sich uns unbedingt zuneigt und der Sakramententheologie, wonach wir in die Heilsgeheimnisse Jesu Christi hineingenommen sind, dürfen wir tatsächlich glauben, dass überall, wo ein Priester die Wandlungsworte spricht, Christus unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist. Nachdem der Papst in seinem Schreiben das Priesterbild des Pfarrers von Ars und seine außergewöhnliche Hochschätzung des Priestertums betont hatte, kommt er auf dessen »pastorale Methode« – wie er es wörtlich nennt – zu sprechen. »Was wir als erstes lernen müssen, ist die völlige Identifizierung mit der eigenen Aufgabe. In Jesus fallen Person und Sendung im Grunde zusammen: Sein gesamtes Heilshandeln war und ist Ausdruck seines ›Sohn-Ich‹, das von Ewigkeit her vor dem Vater steht in einer Haltung liebevoller Unterwerfung unter dessen Willen. In bescheidener und doch 39


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wahrer Analogie muß auch der Priester diese Identifizierung anstreben. Natürlich geht es nicht darum zu vergessen, daß die substanzielle Wirksamkeit des Dienstes von der Heiligkeit des Priesters unabhängig bleibt; doch man darf auch die außerordentliche Fruchtbarkeit nicht außer Acht lassen, die aus dem Zusammentreffen der objektiven Heiligkeit des Dienstes und der subjektiven des Priesters hervorgeht.« Konkret bedeutet dies, wie der Papst weiter ausführt, als Ansprechpartner für seine Pfarrangehörigen erreichbar zu sein, sich in sozialkaritativer Tätigkeit zu engagieren, die geistige und geistliche Bildung der Pfarrangehörigen im Blick zu haben und dies in Kooperation mit den Pfarrangehörigen auch ins Werk zu setzen. Unverzichtbar ist bei dem allem jedoch das eigene Vorbild: »Seine Pfarreimitglieder belehrte der heilige Pfarrer vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren. ›Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten‹, erklärte ihnen der Pfarrer. ›Man weiß, daß Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.‹ Und er ermunterte sie: ›Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt (…). Es stimmt, daß ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!‹ Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zum Kommunionempfang wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das heilige Meßopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, daß ›es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte (…). Er betrachtete die Hostie liebevoll‹. ›Alle guten Werke zusammen wiegen das Meßopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe 40

Werk Gottes ist‹, sagte er. Er war überzeugt, daß von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: ›Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, daß er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!‹ Und er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: ›Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!‹« Über diese intensive eucharistische Frömmigkeit gelingt dem Pfarrer von Ars dann auch die Wiederbelebung der Bußpraxis in seiner Pfarrei mit einer unerwarteten Strahlkraft weit über die Grenzen seiner Pfarrei hinaus. Der Papst sieht auch hier eine erfolgreiche Methode des Pfarrers von Ars am Werk, eine »Methode des ›Dialogs des Heils‹«: »Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester nicht nur ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen, sondern auch die Methode des ›Dialogs des Heils‹, der sich darin vollziehen muß. Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den ›Strom der göttlichen Barmherzigkeit‹ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: ›Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, daß ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, frei-


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willig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!‹ Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie ›abscheulich‹ diese Haltung sei: ›Ich weine, weil ihr nicht weint‹, sagte er. ›Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muß ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!‹ Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam ›verkörperte‹ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: ›Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen (…) Wie schön ist das!‹ Und er lehrte sie zu beten: ›Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.‹ Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4,8). « Besonders mahnt Papst Benedikt XVI. aber die Priester zu einem Leben, das ein authentisches Zeugnis für die Botschaft Jesu Christi ist, zur rückhaltlosen Annahme eines »neuen Lebensstils«: »›Das große Unglück für uns Pfarrer‹, beklagte der Heilige, ›besteht darin, daß die Seele abstumpft‹, und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. (...) In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, daß die Priester sich in

ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: ›Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.‹ Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: ›Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so daß es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?‹ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3,14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen ›neuen Lebensstil‹ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.« Zur besseren Umsetzung dieses ›neuen Lebensstils‹ und als Weg zur persönlichen Heil(ig)ung des Priesters empfiehlt der Papst unter Bezugnahme auf Papst Johannes XXIII. ein Leben nach den drei evangelischen Räten, in die Sie sich ja an den folgenden Einkehrtagen vertiefen wollen. Papst Benedikt XVI. erwartet sich davon eine Förderung der Spiritualität der Priester und ermuntert diese zu einer besonderen Sensibilität für die Gaben des Geistes, die sich auch in vielfältigen Charismen der Laien artikulieren: »Aus dem Miteinander von geweihten Amtsträgern und Charismen kann nämlich ›ein gesunder Impuls für ein neues Engagement der Kirche in der Verkündigung und im Zeugnis des Evangeliums der Hoffnung und der Liebe in allen Teilen der Welt‹ entspringen.« Bemerkenswerterweise betont der Papst im unmittelbaren Anschluss und unter Bezugnahme auf das Apostolische Schreiben ›Pastores dabo vobis‹ von Papst Johannes 41


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Paul II. die radikale Gemeinschaftsform des geweihten Amtes, die nur in der Gemeinschaft der Presbyter mit ihrem Bischof erfüllt werden könne. Als Programm für jeden Priester schlägt Papst Benedikt XVI. konsequenterweise vor, sich wie Paulus von der Liebe Christi in Besitz nehmen zu lassen und nicht mehr für sich zu leben, sondern für Christus, der für uns starb und auferweckt wurde, wie es in 2 Kor 5,15 heißt. Dass es bei diesem anspruchsvollen Programm nicht um Leistungsethik geht, wird abschließend dadurch nochmals betont, dass der Papst das Priesterjahr ganz besonders Maria anvertraut: »Der Allerseligsten Jungfrau vertraue ich dieses Jahr der Priester an und bitte sie, im Innern jedes Priesters eine großherzige Wiederbelebung jener Ideale der völligen Hingabe an Christus und an die Kirche auszulösen, die das Denken und Handeln des heiligen Pfarrers von Ars bestimmten.« Der Schlussappell des Papstes fasst eindringlich das Konzept der inneren Erneuerung zusammen, das ausgehend von den Priestern die ganze Kirche und darüber hinaus als universales Heilsangebot des dreifaltigen Gottes die ganze Welt ergreifen soll: »Liebe Priester, Christus rechnet mit euch. Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars laßt euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens!«

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Die Tätigkeit als Glaubenszeuge bleibt dabei keinesfalls auf die Wortverkündigung beschränkt: Aus der dezidierten Perspektive eines Laien sage ich ganz offen, dass ein Priester, der die Eucharistie aus einer inneren Haltung der Glaubensüberzeugung heraus feiert, für mich einen wertvollen gottesdienstlichen Erlebnisraum öffnet und ich dafür im Zweifelsfall gerne eine längere Anfahrt zur Eucharistiefeier in Kauf nehme, – umso mehr, als die Feier der Eucharistie nicht alleine Vergegenwärtigung der erlösenden Liebe Gottes im Kreuzestod Jesu Christi und damit innigster Ort der Christusbegegnung ist. Jede Eucharistiefeier birgt jenseits dessen nämlich auch einen eschatologischen Horizont. Wie sagt doch der matthäische Jesus: »Trinkt alle daraus, das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters« (Mt 26,27-29). Vor solchem Hintergrund bildet unsere Eucharistiefeier schon hier und jetzt einen Vorschein auf das himmlische Hochzeitsmahl dort und dann, – mithin auf unsere Vollendung in der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott!


Aktuelles und Chronik

3. Aktuelles und Chronik

P. Friedrich Prassl SJ Vizerektor und Studienpräfekt

P. Friedrich Prassl SJ „Ich stehe an der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20) Diese Worte aus der Offenbarung des ­Johannes haben auf meinem bisherigen Lebensweg deutliche Entsprechungen gefunden. Wenn ich von meinem Berufungsweg spreche, so bedeutet das nicht, dass ich diese Tür, an die Jesus immer wieder klopft, schon ein für alle mal geöffnet hätte. Ich bin dabei, immer mehr hören und öffnen zu lernen. Ich komme aus der Pfarrgemeinde Straden in der Oststeiermark. Mit meinen vier Geschwistern wuchs ich auf dem Bauernhof meiner Eltern auf. In Straden besuchte ich die Volksschule und danach das Akademische Gymnasium in Graz. 1982 maturierte ich dort und leistete anschließend einen einjährig-freiwilligen Militärdienst. Im Anschluss daran absolvierte ich in Bad Gleichenberg die Ausbildung zum Touristikkaufmann und arbeitete sieben Jahre in der Schweiz und in Kanada als Direktionsassi-

stent, in der Restaurantleitung und als selbständiger Betriebsberater. Mir war es immer wichtig mit Menschen zu arbeiten und im Dienstleistungsgewerbe mit unterschiedlichsten Menschen Kontakt zu haben. Ich trat 1992, 28-jährig, nicht als Priester in das Priesterseminar Graz, ein sondern mit dem Bewusstsein, dass es ein Weg ist, den ich einschlage. Ich schloss in Graz den ersten Studienabschnitt ab und begann nach einem Studienjahr in Fribourg in der Schweiz 1995 das Noviziat der Jesuiten in Innsbruck. Als ich das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Innsbruck begann, trat ich nicht als Jesuit ein. Auch nach den Ordensgelübden, die ich 1997 ablegte, und dem Tertiat, dem letzten Ausbildungsabschnitt eines Jesuiten, habe ich nicht die fertige Überzeugung: Ich bin Jesuit! Vielmehr habe ich das Gefühl, dass ich es erst langsam immer mehr werde. Bei den Gelübden betete ich: „Du Herr hast mir das Verlangen gegeben dir im Geist Jesu zu dienen. Schenke mir die Kraft ihm immer mehr nachzufolgen.“ Nur aus eigener Kraft werde ich es nicht schaffen. Ich habe den Schritt in den Orden in den vergangenen Jahren nie bereut. Die Freude auf diesem Weg zu gehen ist gewachsen. Ein Wort von Michael Sailer, das mir viel bedeutet, begleitet mich seit vielen Jahren: „Heute noch, jetzt noch, in diesem Augenblick noch muss der Entschluss vor Gottes Augen gefasst werden: Was ich vor Gott soll, das will ich mit Gott.“ Nach der Beendigung meines Theologiestudiums wurde ich am 23. November 2001 in Innsbruck zum Diakon, und am 23. Juni 2002, zum Priester geweiht. In der Vorbereitung auf meine Priesterweihe absolvierte ich mein Pastoraljahr in der Pfarre Saggen in Innsbruck. Nach mehrjähriger Arbeit als 43


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Subregens und Studienpräfekt im Leitungs­ team des Collegium Canisianum, in der Exerzitienbegleitung und geistlichen Begleitung, verbunden mit pastoralen Aufgaben in der Diözese Innsbruck, absolvierte ich von 2006 bis 2008 ein zweijähriges Vertiefungsstudium in Rom. Das Thema der Igna-

tianischen Spiritualität und die Priesterausbildung standen dabei im Mittelpunkt. Ich freue mich sehr, dass ich nach dem Tertiat, das ich 2008 bis 2009 in Dublin und im Kosovo absolvierte, beide Aspekte in meiner neuen Aufgabe im Collegium Canisianum eng verbinden kann.

P. Josef Thorer SJ Spiritual, Studienbegleiter

Aufgaben als Jesuit in Innsbruck abgespielt: Studium, Mitarbeit im MK-Jugendzentrum, Canisianum, Noviziat, zuletzt Rektor im Jesuitenkolleg. So habe ich hier eine Reihe von Menschen kennengelernt und weiß auch die Freizeitmöglichkeiten Innsbrucks zu schätzen, da ich gerne in den Bergen wandere. Ich bin seit Beginn des Studienjahres Spiritual im Canisianum – eine Aufgabe, die ich gerne übernommen habe, weil mich die Spiritualität schon immer interessiert hat und mir ihre Vermittlung ein Anliegen ist. Zudem waren die Jahre als Novizenmeister eine großartige Möglichkeit der Vertiefung, für die ich dankbar bin. Eine Besonderheit der jetzigen Aufgabe liegt darin, dass ich Spiritual unter lauter „Geistlichen“ bin und lernen muss, was das genauer heißt. Zusätzlich zur Aufgabe des Spirituals stehe ich als Studienbegleiter den Doktoranden des Canisianums beratend und helfend zur Verfügung. Und schließlich führt mich der Weg (genauer: die Bahn) jede Woche einmal nach Brixen, damit ich dort die Aufgabe des Spirituals im Diözesanen Priesterseminar wahrnehmen kann. Soweit noch Zeit bleibt, will und soll ich mich auch weiter in die ignatianische Spiritualität vertiefen, um wieder einmal eine Vorlesung anzubieten oder auf anderem Wege etwas davon weiterzugeben. So ist es ein Bündel von Aufgaben, in die ich hineinwachsen muss, um sie gut auszuführen.

P. Josef Thorer SJ Im Canisianum zu sein, ist für mich wie ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, war ich doch schon von 88-92 als Studienpräfekt und von 92-97 hier als Regens. Außerdem habe ich insgesamt 10 Jahre in der Nachbarschaft – im Peter-Faber-Haus, dem ehemaligen Noviziat der Jesuiten – verbracht. Aber wie das so ist bei einem alten Bekannten, den man erst nach längerer Zeit wieder trifft: Er hat sich verändert, und ich mich auch. So braucht es Zeit und Mühe, um miteinander wieder die frühere Vertrautheit zu finden. Geblieben ist der Ort, in dem ich den alten Bekannten wieder treffe: Innsbruck. Abgesehen von der Zeit als Sozius (Assistent des Novizenmeisters) in Nürnberg und dem 'Tertiat', das mit einer längeren Reise nach Indien verbunden war, haben sich meine 44


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Josef Baek Jung-Hyun Ein Brief an P. Volkmar Premstaller SJ

Josef Baek Jung-Hyun, Suwan, Korea Lieber P. Volkmar Premstaller, wie geht es Ihnen? Vielleicht erscheint Ihnen diese Anrede jetzt seltsam, da man dort, wo Sie wohnen, für gewöhnlich nicht nach dem Befinden fragt? Ja klar, Sie fühlen sich im Himmel. Nein, Sie sind vielmehr im Himmel; tatsächlich in der Heimat, die ich mir trotz aller Mühe kaum vollständig vorstellen kann. Vielleicht sind Sie überrascht über meinen Brief. Aber ich möchte Ihnen nur von meinen kleinen Erfahrungen erzählen und dies ist schon lange Zeit mein Anliegen. „Josef, Sie sind ein Kämpfer!“ Ich erinnere mich an die letzte Ezechiel Prüfung bei Ihnen. Sie wurden zuvor nach Rom berufen. Und ich musste meine Hand der Verzeihungsbitte reichen. Die Prüfungszeit war uns, wie Sie schon wissen und ich glaube immer noch, nicht nur die Stunde, in der Sie als Professor mich über Sachverhalte prüften, sondern auch die Stunde, in der wir zusammen geprüft wurden, ob wir uns in unserem Leben wirklich versöhnen und versöhnen lassen. Sie sagten zu mir „Josef, Sie sind ein Kämpfer.“ Ich bedanke mich, dass Sie mir das ehrlich gesagt haben. Ihr Wort fällt mir immer ein, wenn ich an Sie denke. Nicht nur deswegen, weil ich so etwas im

Leben noch nie gehört habe, sondern weil es mich sehr angeregt hat, über mich und das Leben nachzudenken. Es war unser erster Abschied. Von dieser Zeit an dachte ich, dass wir gute Freunde werden könnten. Aber gleichzeitig war es schade, dass wir erst so spät so weit kamen. Jedoch wusste ich nicht, dass diese Freundschaft nicht mehr lange dauern würde. Ich kenne natürlich ihren dramatischen Lebensweg nicht ausführlich bis zum Ende (Verzeihen Sie, dass ich ihn dramatisch bezeichne, ich finde nämlich kein anderes Wort). Aber es wird Ihnen wohl eine kleine Freude sein, wenn ich Ihnen erzähle, wie ich mich über unser Treffen an der Kettenbrücke gefreut habe. Aber vielleicht eher umgekehrt, denn Sie haben sich auf jeden Besuch gefreut. Sie haben sich schon mehr als ich gefreut. Ich wusste eigentlich nicht, was ich Ihnen sagen und wie ich mich verhalten sollte. Aber als ich mich in Ihr Zimmer begab, ist mir klar geworden, ich musste keine Sorge haben. Sie können wohl nicht wissen, wie wohl ich mich bei Ihnen gefühlt habe. Wir brauchten einen Dolmetscher. P. Meßner war bei uns, und ich war begeistert, wie Sie und P. Meßner sich gut unterhalten und verstehen konnten. In dem Moment dachte ich, man braucht mehr als die Sprache, um einen Freund zu verstehen. Vielleicht einen inneren Austausch jenseits der sprachlichen Ebene. Sie stellten mir voll Freude einen neuen Freund vor, den Sie von einer Ballet DVD kennen gelernt hatten. (Verzeihung, dass ich mich an seinen Namen nicht mehr erinnern kann). Sie scherzten immer noch und liebten Musik, Ballett und Leben. Sie haben mir noch einige Witze erzählt, die ich nach wie vor nicht verstehen konnte. Sie würden sagen, dass Sie damals ziemlich unklar gesprochen haben. Aber Sie wissen, es macht 45


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mir überhaupt nichts aus. Denn ich hätte das auch nicht verstehen können, wenn Sie es mir deutlich erzählt hätten, oder? Und ich glaube, für uns war noch wichtiger, einfach gemeinsam zu verweilen; man könnte sagen: Ich bin hier und Sie sind hier. Plötzlich blickte ich auf das Feld von Ihrem Zimmer aus. Man sah in der Ferne den Patscherkofel. Kleine Wolken kamen und gingen in den azurblauen Himmel und das Feld war so friedlich. Ich weiß nicht, ob ich es Ihnen schon gesagt habe, dass es mein Lieblingsfeld in Innsbruck ist. Und ich denke heute noch, ob wir in diesem Moment nicht einen gemeinsamen Ausblick vom Himmel gehabt haben. Um das beweisen zu können, brauche ich nur Sie zu fragen. Aber eines ist klar, noch heute, wenn ich auf dem Feld stehe und in die kleine Marienkapelle gehe, gedenke ich Ihrer und erinnere mich an den Ausblick. Nach dem kurzen Treffen kam noch eine angenehme Überraschung. Sie baten mich und meine koreanischen Kollegen, Sie gemeinsam zur Sonntagsmesse zu begleiten. Wir befanden uns in der Pfarre Saggen. Es war Firmungstag. Ich hatte ein ziemlich gemischtes Gefühl von den verschiedenen Gedanken. Und ich brauchte Zeit, bis ich begriff, dass wir in dieser Messe durch das Sakrament und durch Ihre priesterliche Existenz im Glauben gestärkt wurden. Verzeihen Sie mir, dass ich an dem Tag das nicht haltbare Wort ausgesprochen habe, Sie nochmals zu besuchen. Ich wusste nämlich nicht, dass es für uns der zweite Abschied war.

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Ich habe zu meiner Schande Ihre Dissertation noch nicht gelesen, aber bin schon fast sicher, dass, wenn Sie von Gericht und Strafe sprechen dahinter Versöhnung und Liebe stehen. Und ich bin der Überzeugung, dass Sie dort drüben schon etwas erlebt haben und mit Ihrer liebenden und liebenswürdigen Existenz an dem ewigen Licht einen Anteil haben, indem Sie sagen würden: Der zweite Abschied war kein endgültiger Abschied. P. Premstaller, wie damals reiche ich Ihnen heute meine Hand, aber diesmal bitte ich Sie nicht um Versöhnung. Ich sage Ihnen nur: „P. Premstaller, Sie sind ein Kämpfer!“ Ein Kämpfer, der trotz allem die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Sie sind ein Lebensliebhaber, der tanzen kann ohne sich zu bewegen, Musik spielen kann ohne vor dem Klavier zu sitzen, und mit Humor das Leben bis zum Ende geliebt hat, trotz Schmerz und Verzweiflung. Ich denke, Sie sind dazu zu mir gekommen und haben mich wieder verlassen, um mir ein Bild der Versöhnung zu zeigen und um mich fähig zu machen, mein Leben lieben zu können. Lieber P. Premstaller, ich danke Ihnen. Es war gut, dass ich Sie so kennen lernen ­durfte. R.I.P. Mit frischer Luft aus Innsbruck grüßt Josef BAEK Jung-Hyun


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Sebastian Ortner Chronik WS 2009/10

Sebastian Ortner Am Ende des Sommersemesters 2009 traten nach der jährlichen geheimen Wahl der Vollversammlung Rev. Basil Mzena aus Tansania und Rev. Kim Woong-Rae Joseph aus Südkorea ihr neues Amt als Koordinatoren der Kollegsgemeinschaft an. Als kommunikative Bindeglieder zwischen den Canisianern haben Sie die Aufgabe, in besonderer Weise für die Anliegen aller aufmerksam zu sein, diese in Dialog und Einvernehmen mit der Hausleitung zu vermitteln und so für die Verwirklichung jener Lebensordnung Sorge zu tragen, die jedes Mitglied unserer Gemeinschaft angenommen hat (vgl. RL 43). Am 18. September 2009 wurde Univ.Doz. Dr. P. Volkmar Premstaller SJ in der Jesuiten­kirche zu Grabe getragen. P. Premstaller war von 2006-08 als Studienpräfekt allseits geschätztes Mitglied des Leitungsteams unseres Kollegs. Er unterrichtete als Dozent für Altes Testament an der Theologischen Fakultät und dozierte nach seiner Neudestination am „Pontificio Istituto Biblico“

in Rom. Zu Weihnachten musste er aus Krankheitsgründen zurück nach Innsbruck und erhielt in seinen letzten Monaten in der Paleativstation der Barmherzigen Schwestern aufopfernde Pflege. Die diesjährigen Impulsexerzitien zum „Herrengebet“ fanden vom 17. bis 24. September 2009 in Eben am Achensee unter der Leitung von Prälat Dr. Klaus Egger statt. Mit großem Einfühlungsvermögen breitete er „den roten Teppich“ für dieses Gebet aus und ließ uns in seinen Punkten Anteil nehmen an seinem eigenen betenden Umgang mit dem Herrengebet. Neun Canisianer und unser Rektor danken ihm für diese geistlichen Tage, die sie wohlversorgt im „Notburgaheim“ der Barmherzigen Schwestern bei herrlichem Herbstwetter verbringen durften. Beim Eröffnungsgottesdienst am Gedenktag des Hl. Nikolaus von Flüe wies uns P. Rektor zu Beginn dieses Studienjahres mit dem Verheißungswort aus der Lesung des Propheten Hagai: „Habt Mut, denn ich bin bei euch“ (2,4) darauf hin, ganz bewusst der Gegenwart des Geistes in unserer Mitte zu trauen. Er lud uns ein, dieses „Jahr der Priester“ als „Jahr der Aufmerksamkeit“ zu leben: „mit höchster innerer und äußerer Aufmerksamkeit zu leben und zu vollziehen, wozu wir in unserem priesterlichen Dienst durch die Weihe berufen sind oder uns darauf vorbereiten.“ Es gilt, „in seiner Nachfolge ehrlich und selbstkritisch den Weg der Selbstentäußerung, den Weg des Hinabstiegs in die Wirklichkeit unserer eigenen gebrochenen Existenz und der unserer Mitmenschen zu gehen. Lernen wir, im Mittragen der Lasten des Lebens, im bewussten Verzicht und in Einfachheit, den Menschen die liebende Nähe Gottes erfahrbar zu machen und glauben wir nicht, dass nur sie uns dies schuldig sind. Es gilt aufzuhelfen, dem Leben zu dienen, wie dies Prälat Egger 47


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in seinen Exerzitien sagte, Gerechtigkeit zu wirken und so beizutragen zum Frieden.“ Bereits bei seiner Schlussexhorte hatte P. Rektor das Wort des Täufers: „Jener muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Jo 3,30) im Blick auf das Priesterjahr programmatisch mit dem evangelischen Rat der Armut verbunden. Nach einem gemeinsamen Abendessen bot sich beim anschließenden Eröffnungsabend in der Aula für alle neuen und alten Mitglieder der Kollegsgemeinschaft die Gelegenheit, einander vorzustellen. Dabei überraschten die acht Neoingressi aus Indien, Afrika, Indonesien, China und der Ukraine mit ihren bereits profunden Sprachkenntnissen.

Am folgenden Tag brachen wir nach einer einführenden Statio durch unseren neuen P. Spiritual Josef Thorer SJ in der Hauskapelle zu unserer Wallfahrt nach Absam auf. Bei strahlendem Sonnenschein fanden wir uns vor der Romediuskirche zur zweiten Statio ein, lauschten den Ausführungen von P. Spritual zur Ikone „Mutter Gottes des Zeichens“ und beteten zum Abschluss den „Engel des Herrn“. Die letzten Kilometer vor Absam bewältigten wir nicht nur gehend, sondern schweigend, und fanden durch das Rosenkranzgebet zu gemeinschaftlicher Besinnung. In der Absamer Marienwallfahrtskirche, dem „Zentrum“ unserer Wallfahrt, gab uns P. Spiritual mit den Worten des Propheten Sacharja einen weiteren Impuls für diesen Tag und das kommende 48

gemeinschaftliche Studienjahr: „Siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte“ (Sach 2,14). Im nahegelegenen Restaurant fand unsere Wallfahrt mit einem abschließenden Mittagessen einen gemütlichen Ausklang. Am 28. September versammelte sich vormittags der Kollgegskonsult zu einer Klausur, nachmittags die ganze Kollegsgemeinschaft in der Aula zum „dies officialis“. An diesem Tag der Ämterübernahme reorga-


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nisierten bzw. bildeten sich die verschiedenen Kommissionen neu und wählten ihre Moderatoren, die ihre Aufgabenbereiche auch im Kollegskonsult vertreten werden. Indem sich alle Studierenden entsprechend ihren Fähigkeiten und Gnadengaben für einen ausgeschriebenen Interessensbereich entschlossen, entstanden fünf Kommissionen, deren Arbeit von all ihren Mitgliedern fruchtbar und verlässlich gestaltet wird: je eine für Gemeinschaft und Dienste, Liturgie, Spiritualität, Kultur und eine für Soziales. Dankenswerterweise führte uns am Tag darauf der Dekan der theologischen Fakultät, Prof. Dr. Józef Niewiadomski, persönlich in die neuen, mit WS 2009/10 neu in Kraft tretenden, Studienpläne ein und versuchte all unsere diesbezüglich gestellten Fragen ausführlich zu beantworten. Ideal und Wirklichkeit werden allerdings noch einige Zeit brauchen, um zueinander zu finden. Sein Artikel über die neue „Doktoratskultur“ gibt uns allen einen differenzierten Einblick in die Pläne der Universität im Zuge von „Bologna“.

Renovierung des Presbyteriums der Kollegskirche: Im Kontext der 150-Jahrfeiern von Nikolai-Haus und Canisianum wurde im Sommer 2008 von der Hausleitung der Antrag an den Landeskonservator gestellt, das Presbyterium der Kollegskirche mit seinen berühmten Bachlechner Altären zu restaurieren. Seit dem Umbau der Kirche durch Architekt Lackner 1971 blieb der Gottesdienstraum hinter den Jalousien in seinem „Urzustand“. Nach entsprechenden Konsultationen mit dem Landesdenkmalamt und dem diözesanen Bauamt und einer vorläufigen Finanzierungsperspektive für die damals geschätzten € 88.000,– ausgestattet, wurden die Arbeiten Ende August 2009 aufgenommen. Das Presbyterium wurde bis zum ersten Joch des Kirchenschiffs eingerüstet, die Jalousien der „Lackner Kirche“ entsprechend abgedeckt, so dass mit der Reinigung der Wände, dem Abtragen der Verrußung und des Staubs sowie der Re-

Am 1. Oktober schlug zum ersten Mal der neue Organist der Jesuitenkirche, Dipl. Musiker Matthias Egger, auch in der Hauskapelle des Canisianums die Orgel. Herr Egger wird zukünftig jeweils donnerstags abends unseren Gottesdienst musikalisch bereichern. 49


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griffe vorgenommen und die Reinigungsund Restaurierungsmaßnahmen an den Altären begonnen. Wir hoffen, dass diese bis zum Advent ihren Abschluss finden können. In der Zwischenzeit sind wir mit unseren beiden Sakristeien aus- und umgezogen, da auch diese hergerichtet werden müssen. Der elektrische Verteilerkasten mit allen Leitungen stammt noch aus der Gründerzeit - es besteht „Gefahr in Verzug“ - und muss dementsprechend generalsaniert werden. P. Rektor ist voller Hoffnung, dass ihm bei der Finanzierung dieses Projekts auch durch AltCanisianer und Wohltäter geholfen wird. staurierung des Stucks und der Ornamentik begonnen werden konnte. Dazu musste der ornamentale Stuck freigelegt werden, die Reinigung des profilierten Stucks erfolgen und die Ergänzung der Fehlstellen vorgenommen werden. In Absprache wurden auch die nötigen elektrotechnischen Ein-

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Erzbischof Anselme Sanon aus der Diözese Bobo-Dioulasso, Burkina Faso, feierte am 15. Oktober, dem Gedenktag der Hl. Theresa von Avila, mit uns einen französischlateinisch-deutschen Gottesdienst. Wenn wir uns als „Ecclesia ex omnibus gentibus ad gentes“ verstehen, so der Erzbischof, akzeptieren wir auch das Kreuz Christi im Glauben und werden dadurch fähig, an der Erlösung einer Welt, die von Korruption, Gewalt, Intoleranz und der Wirtschaftskrise geprägt ist, teilzunehmen. Im Geist der Frohbotschaft werden Dialog und Versöhnung möglich. Beim anschließenden Gespräch erfuhren wir, passend zur parallel stattfindenden Afrika-Synode, aktuelle Nachrichten über die Situation der afrikanischen Kirche, u.a. über den Bedarf der jungen afrikanischen theologischen Fakultäten an quali-


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fizierten Ausbildungskräften. Der Erzbischof äußerte den Wunsch, „dass seine Diözese afrikanisch wird“, womit er wohl die Inkulturation des Evangeliums in Burkina Faso, aber auch in ganz Afrika ansprach. Dem ersten Fakultätsgottesdienst dieses Studienjahres im Canisianum stand am 22. Oktober unser Alttestamentler Univ.-Prof. Dr. P. Georg Fischer SJ vor. In seiner Predigt brachte uns P. Fischer den ersten Psalm als Tor des Psalmenbuches näher, durch welches er uns einlud, in das neue Semester einzutreten.

Berufungen für die Gesellschaft Jesu. Anschließend gaben die „Sonidos de la Tierra“ unter der Leitung von Luis Szarán ein ebenso beeindruckendes wie amüsantes Konzert mit dem Titel „Weltweite Klänge“. Die Musiker benutzten dafür in einem ersten klassischen Teil traditionelle Streich- und Blasinstrumente, danach jedoch auch „Instrumente aus Müll“. Besonders phantasievoll erschien dem überraschten Publikum ein Ölfass als Kontrabass oder ein Wasser-

Am Allerseelentag gedachten wir morgens bei der Eucharistiefeier aller unserer verstorbenen Verwandten und Freunde. Am Nachmittag führte uns der gemeinsame Weg wieder hinaus ans Grab unserer verstorbenen Canisianer und Angestellten. Wie immer, wenn der Blick die uns umgebenden Berge streifte, gedachten wir insbesondere Peter Kim Tjeung-Hun und Antonius Kim Ho-Hyon. Am 5. November hatten wir das Vergnügen, eine Messe besonderer Art zu feiern. P. Tschiggerl SJ, der als Missionsprokurator tätig ist, feierte mit den Canisianern und einer Reihe von Gästen die Eucharistie, die von einem lateinamerikanischen Ensemble aus Paraguay musikalisch umrahmt wurde. Dabei beteten wir vor allem um geistliche 51


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rohr als Flöte. Sowohl klassische als auch Guarany-Musik und jesuitische Barockstücke gaben die jungen Musiker dabei zum Besten. Szarán, der Initiator des Projektes, ließ sich von den Jesuiten-Reduktionen im Lateinamerika des 17. und 18. Jhdts. zu seinem Projekt inspirieren. In diesen Reduktionen wurde hunderttausenden Ureinwohnern eine Chance geboten, nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht zu werden, sondern ihre eigene Kultur auszugestalten und ihrer besonderen Begabung entsprechend, eine musikalische Erziehung zu genießen. Sie stellten ein antikoloniales Experiment dar, das mit dem Ziel der Evange­lisierung, dem Schutz vor Aus­beutung und zum Wohle des kulturellen Fort­schritts vor­an­getrieben wurde. Entsprechend lautet das Motto Szaráns: „Junge Menschen, die tagsüber Mozart spielen, schlagen nachts keine Schaufenster ein“. Der erste Einkehrtag des Studienjahres fand vom 7. bis 8. November unter dem Thema „Jahr des Priesters 2009/10 – Brief des Papstes – worum geht es?“ statt. Neben den Canisianern nahm auch das diözesane Priesterseminar unter der Leitung von Regens Mag. Peter Ferner teil. Die Referentin des Einkehrtages, Frau Prof. Dr. Gerda Riedl, die an den theologischen Fakultäten der Universitäten Augsburg und Innsbruck Dogmatik lehrt, konzentrierte sich in einem ersten Impuls auf die aktuelle pastorale Situation mit den vorhandenen Schwierigkeiten und auf die Bedeutung des Priestertums im Christentum; im zweiten Impuls am Sonntag stellte sie den „Heiligen Pfarrer von 52

Ars“, Jean-Baptiste Marie Vianney (17861859), der seit 1929 weltweit als Schutzpatron der Pfarrer verehrt wird, und den Brief des Papstes in den Mittelpunkt, der anhand des Vorbilds des Heiligen zu einer inneren Erneuerung des Priestertums beitragen soll. Im ersten Impuls verglich Prof. Riedl die schwierige Situation heutiger Priester mit der hoffnungslos scheinenden Situation, in welcher der „Heilige Pfarrer von Ars“ selbst wirkte. Priestermangel, die daraus resultierende Überlastung oder die Auffassung, Priester seien ersetzbare „Pseudopsychiater und Sakramententäter“ seien vergleichbar negative Phänomene wie die antiklerikale Wirkung der Französischen Revolution, mit der Vianney konfrontiert war, so Prof. Riedl. Das „Schreiben des Papstes zum Beginn des Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des „dies natalis“ von Johannes Maria Vianney“ sei ein unerwarteter und provokativer Lösungsvorschlag mit entsprechend harscher Reaktion mancher Pastoraltheologen. Der Papst stelle einen einfachen, intellektuell nicht gerade überbegabten Pfarrer des unbedeutenden, religiös desinteressierten Dorfes von damals 240 Einwohnern, Ars-sur-Formans bei Lyon, allen Priestern als Ideal vor Augen. Außerdem sei man versucht in Aussagen des Heiligen wie „Für Gott ist der Priester alles“ oder „Was nützte uns ein Haus voller Gold, wenn niemand den Schlüssel dazu hätte?“ Ecclesia-Triumphans-Parolen zu sehen. Doch


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dürfe man diese Aussagen weniger als akademisch differenzierte Abhandlungen verstehen, sondern müsse versuchen, darin vielmehr ein intuitives Gespür des heiligen Pfarrers um die Bedeutung des Priesters für die Kirche nachzuvollziehen. Auch auf die Frage, was der Priester für die Kirche bedeute, ging Prof. Riedl ein. Im frühen Christentum verkörpere das Selbstopfer Christi eine bislang ungekannte Identität von Priester und Opfergabe, indem sich Gott selber in Gestalt des Sohnes zum Opfer für diese Welt darbringt, um sie zu sich zurückzuführen. Der Priester lasse sich von Gott ganz in Dienst nehmen, damit das Kreuzesopfer Christi in der Eucharistie gegenwärtig gesetzt werden kann. Der Priester solle also nicht ein Priester für sich selbst sein, sondern sich für die Gemeinde vor Gott und vor Gott für die Gemeinde stellen, um zwischen menschlicher und göttlicher Natur zu vermitteln. Je mehr der Priester Christus-förmig wird, umso eher vermöge er die Gläubigen auf ihrem Weg zum dreifaltigen Gott zu begleiten. Der Rekurs des Papstes auf den „Heiligen Pfarrer von Ars“ sei kein Rückfall in vorkonziliare Zeit, da gerade an seinem Beispiel die im Vat. II geforderte Komplementarität zwischen dem geweihten Priester und der Gemeinde der Gläubigen zum Ausdruck komme: „Sein Beispiel veranlasst mich, das Feld der Zusammenarbeit zu betonen, das immer mehr auf die gläubigen Laien auszudehnen ist, mit denen die Priester das eine priesterliche Volk bilden und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums „alle zur Einheit in der Liebe zu führen (…)“, heißt es im Schreiben des Papstes (vgl Lumen Gentium 10). Ein großer Organismus lebe davon, ob und wie alle ihrer genuinen Aufgabe nachkommen. Im zweiten Impuls sprach Prof. Riedl über das Konzept der inneren Erneuerung der Priester am Vorbild des „Heiligen Pfarrers von Ars“. Vianney habe genügend Probleme mit sich selbst gehabt. Er verzwei-

felte beispielsweise an seiner Berufung, litt an geistiger und körperlicher Erschöpfung, bekam keine Unterstützung von außen, und hatte Probleme mit Mitbrüdern. Darin werden für Prof. Riedl z.T. Strukturparallelen zur heutigen Befindlichkeit von Priestern sichtbar. Was tat der „Pfarrer von Ars“ in dieser Situation? Er gründete nicht nur Gebetsgemeinschaften und Bildungseinrichtungen, sondern identifizierte sich ganz und gar mit seiner Aufgabe. Der Papst sehe in der Unaufmerksamkeit des Priesters während der heiligen Messe eine Ursache für die Erschlaffung des Priestertums. Auch der Priester müsse die liebevolle Unterwerfung des Sohnes unter den Willen des Vaters anstreben. Benedikt XVI. ruft deshalb als Weg zur persönlichen Heiligung des Priesters die drei evangelischen Räte neu ins Bewusstsein und ermuntert zu einer besonderen Sensibilität für die Gabe des Geistes, der sich in den Laien kristallisiert, ohne dabei eine Leistungsethik zu vertreten: Der Hl. Vater vertraut das am 16. März 2009 ausgerufene „Jahr des Priesters“ der Gottesmutter Maria an, die im Inneren eines jeden Priesters die Erneuerung derjenigen inneren Werte bewirken soll, die das Denken und Handeln des „Heiligen Pfarrers von Ars“ bestimmten. Mit den Schlussworten des päpstlichen Schreibens beendete auch Prof. Riedl ihren Impuls: „Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars lasst euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens!“. P. Spiritual Josef Thorer SJ stand der darauf folgenden Eucharistie als Hauptzelebrant vor und ermutigte in seiner Predigt dazu, sich um die Verbindung mit Jesus Christus zu mühen und in ihr und aus ihr zu leben, so ganzheitlich wie möglich. Der erste theologische Stammtisch des Semesters fand am 12. November um 20:15 Uhr statt und war reich besucht. P. Rektor 53


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freute sich, bei der eröffnenden Begrüßung mit den Studierenden des Canisianums auch P. Otto Muck SJ sowie P. Reinhold Ettel SJ willkommen zu heißen. Hon. Prof. Dr. Raoul Kneucker, der das Jahr zuvor bei derselben Gelegenheit erstmals als Referent zum theologischen Stammtisch eingeladen war, sprach zur Lage der Ökumene in Europa bzw. in Österreich. Dabei waren vor allem die Jahre von 2000 bis 2010 im Blick des Vorsitzenden des evangelischen Kirchenrates in Österreich, der zuerst auf die diesbezüglichen theologischen Herausforderungen und danach auf die entsprechenden gesellschaftspolitischen Felder einging. Themen wie die „Charta Oecumenica“, Migrationen und Mischfamilien im ökumenischen Kirchenrecht, Tauf-, Kanzelund Eucharistiegemeinschaft oder auch das „neue“ religiöse Europa nach der Osterweiterung standen ebenso auf dem Programm wie der EU-Verfassungskonvent, die „Dialogklausel“ des Vertrages von Amsterdam sowie Schulverfassung, Religionsunterricht oder Gefängnis- und Krankenanstaltsseelsorge in Österreich. Als „Fazit“ der abschließenden, regen Diskussion lassen sich die Stichworte „in Vielfalt geeint“ (Präambel des Reformvertrages) und „in Verschiedenheit versöhnt“ (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) nennen. Am 16. November 2009 gedachten wir anlässlich ihres sich zum 20. mal jährenden 54

Todestages der Märtyrer Ignacio Ellacuría SJ (1930-1989) und Segundo Montes SJ (19331989), die in der Nacht zum 16. November 1989 am Campus der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador gemeinsam mit weiteren vier Jesuitenpatres und zwei Frauen von einer Eliteeinheit der Armee ermordet wurden. Die beiden Jesuiten hatten (von 1958 bis 1962 bzw. von 1961 bis 1964) in Innsbruck Theologie studiert und waren hier von Bischof Paulus Rusch (1903-1986) zu Priestern geweiht worden. P. Ellacuría, Philosoph und Rektor der UCA, war einer der führenden Befreiungstheologen Mittel- und Lateinamerikas. Der Obere der Jesuitenkommunität, P. Montes, Soziologe und Direktor des Menschenrechtsinstituts, hatte kurz zuvor im US-Kongress einen Menschenrechtspreis erhalten. P. Severin Leitner SJ, Rektor des Jesuitenkollegs, zelebrierte den abendlichen Gedenkgottesdienst in der Jesuitenkirche und Prof. Józef Niewiadomski, Dekan der Theologischen Fakultät, hielt die Predigt, in welcher er ein altes Motto christlicher Spiritualität aufgriff: „Gloria Dei - pauper vivens“: Gottes Ehre verwirklicht sich darin, dass er den Armen lebendig macht. Der Gottesknecht unserer Zeit, der seinen Mund nicht auftut und vom Land der Lebenden abgeschnitten ist, trägt zur Erlösung der Welt bei. Am 19. November, dem Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen, fand der zweite Fakultätsgottesdienst des Canisianum mit P. Hans Goller SJ statt, zu dem, wie beim ersten, alle Theologiestudierenden eingeladen waren.


Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

4. Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Mag.theol. Matthias Tang 1 Cor 12:1-31a St. Paul's Teaching about the Church as One Body with Many Members: A Model for the Diocese of Damongo, Ghana

Mag.theol. Matthias Tang 1. Anliegen und Ziel der Arbeit Die Arbeit setzt sich zum Ziel, das paulinische Verständnis von Kirche als Leib Christi in Beziehung zu bringen zur Situation der Diözese Damongo in Ghana. Ich stelle mir die Frage, ob nicht von Paulus besondere Impulse ausgehen können für die pastorale Planung in einer Diözese, die mulitikulturelle und ethnische Vielfalt aufweist. In einem Land, das noch stark geprägt ist vom Stammesdenken und der Eigenständigkeit von verschiedenen Volksgruppen, könnte das Bild vom einen Leib mit verschiedenen Gliedern ein besonderes Leitbild sein für die Einheit der Kirche.

2. Aufbau und Inhalt Eine allgemeine Einleitung skizziert das Anliegen und den Aufbau der Arbeit. Das erste Kapitel trägt den Titel „The Relevance of St. Paul's Life to the Theme”. Um die Theologie des Paulus besser verstehen zu können, befasse ich mich zuerst mit der Biographie des Paulus. Paulus wird gesehen innerhalb des Judentums seiner Zeit. Zuerst wird seine Berufung vor Damaskus beschrieben, seine Missionstätigkeit, sein Weg von Jerusalem nach Rom und der „Kern“ (core) seiner Theologie. Zur Veranschaulichung der Chronologie seiner Briefe wird auch eine Tabelle verwendet. Ausführlicher werden dann „Paul's Ideas of Community“ dargestellt, näherhin das Bild vom Leib und „the commmunity as loving family“. Das zweite Kapitel und zugleich Hauptkapitel der Arbeit ist der gründlichen Exegese von 1 Kor 12,1-31a gewidmet. Zuerst werden Fragen der Textabgrenzung und Textgliederung erörtert. Dann werden der griechische Text und eine eigene Arbeitsübersetzung in strukturierter Form präsentiert. Anschließend wird kurz der Kontext der gewählten Stelle beleuchtet. Vor der eigentlichen fachexegetischen Auslegung von 1 Kor 12,1-31 werden zwei Einzelthemen genauer behandelt. Das erste Thema ist die Verwendung des Begriffes carisma (charisma) im Neuen Testament und speziell bei Paulus. Ich stützte mich dabei besonders auf eine Arbeit von L. Ndubisi. Das zweite Thema ist das Kirchenverständnis bei Paulus. Ähnlich wie im ersten Kapitel wird das Bild vom Leib und von der Familie behandelt. Darüber hinaus wird auch das Verständnis der Kirche als Gemeinschaft (koinonia) entfaltet.

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Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Die exegetische Untersuchung von 1 Kor 12,1-31a gliedert sich in die Abschnitte „The spiritual Gifts 12,1-3“, „The varied Gifts from one source 12,4-11“, „The image of the body of Christ and members 12,12-27“ und “Service in the Community 12,28-30“. Eingebettet in diese Abschnitte ist auch ein exkursartiger Vergleich der Aussagen über die Gnadengaben in 1 Kor 12 mit Aussagen in Eph 4,7-11 und Rom 12,3-8. Das dritte Kapitel handelt von „the diversified Church of the Diocese of Damongo“, einer Diözese in meinem Heimatland. Zunächst wird die Situation dieser Diözese beschrieben und zwar besonders in sozio-kultureller Hinsicht. Ein besonderes Problem in dieser Diözese ist die kirchliche Integration von 22 verschiedenen Stämmen und Volksgruppen. Doch „the different ethnic groups can also be seen as symbolism of the church as one body with many members.“ Das Kapitel enthält vor allem detaillierte Ausführungen über die gegenwärtige pastorale Situation in der Diözese, über die Träger der Pastoral und über spezielle pastorale Probleme. Besonders hervorgehoben wird das pastorale Modell der „Small Christian Community“ und die Bedeutung von Inkulturation.

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Das vierte Kapitel ist der Versuch einer Aktualisierung. Erkenntnisse aus der Exegese von 1 Kor 12 werden in Beziehung gebracht zur Situation der Heimatdiözese Damongo. Insbesondere wird das Verständnis vom „Leib“ (1 Kor 12,13), der Begriff „Charisma“ und die Vorstellung von der Kirche als einer Hausgemeinschaft in Beziehung gesetzt zur Situation in Damongo und aktualisiert speziell im Hinblick auf die „Small Christian Communities“. Die Diözese „which has a multi-cultural background with diverse gifts/charisma“ weist manche Ähnlichkeiten auf mit der Situation der Gemeinde von Korinth. „The Community in Corinth was equally diverse and had various problems and conflicts.“ Ich komme zu dem Ergebnis, dass „St. Paul's teaching about the church as one body with many members is a model not only for the diocese Damongo in Ghana but for many other dioceses in the Africa and elsewhere that find themselves in similar situations.“ Ein gegliedertes Literaturverzeichnis (S. 125-130), das in der Arbeit erstellt wurde, bildet den Abschluss der Diplomarbeit.


Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Mag.theol. Mag.phil.fac.theol. Alex Masangu Diözesanpriester der Diözese Tanga, Tansania (im Canisianum: Aug. 2001 – Okt. 2005; Sept. 2007 – Dez. 2009)

Mag.theol. Mag.phil.theol. Alex Masangu Das Dissertationsthema: Die Gottesfrage bei Emerich Coreth Philosophisch den Gottesglauben begründen Kontext: In der Alltagswelt1 aller menschlichen Kulturen, in der Menschen leben, sind Menschen von einer bestimmten Art von Sätzen umgeben, die man Fragen nennt: Wie heißt du? Wo wohnst du? Kennst du den Weg? Warst du gestern Abend zu Hause? Was bedeutet das? Was ist der Mensch? Warum gibt es mich? Das Interessante bei diesen erwähnten Beispielsätzen ist nämlich: Wenn wir wissen wollen, worum es sich in diesen Sätzen handelt, müssen wir wiederum einen derartigen Satz beziehungsweise derartige Sätze formulieren, also: Was ist (eine) Frage? Was bedeutet (eine) Frage? Was ist mit dem Wort ‚Frage’ gemeint?

Wie weit müssen wir aber fragen? Kann man ad infinitum wissen und somit ad infinitum fragen? Hat jede Frage nur eine Antwort? Kann eine Frage mehrere Antworten haben? Können mehrere Fragen nur eine Antwort haben? Wie verhalten sich vielfältige menschliche Fragen zueinander? Gibt es eine Gesamtschau menschlichen Fragens? Gibt es eine letzte Information, die sich als gemeinsame Antwort auf alle möglichen menschlichen Fragen bewährt? Angesichts der Vielfalt menschlichen Fragens erheben, unter anderen, Weltreligionen wie – um nur einige Beispiele zu nennen – Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Ansprüche,2 eine letzte universale Antwort zu haben. Allein die Tatsache, dass es vielseitige Beantwortungsansprüche gibt, wird die Frage nach der letzten allgemeinen Antwort auf die Vielfalt menschlichen Fragens nicht beantwortet, sondern nur geschärft. Überdies zeigt uns die Geschichte, dass jeder dieser Ansprüche irgendwann und irgendwo massiv kritisiert, wenn nicht gänzlich abgelehnt wird. Es stellt sich daher eine ernste Frage: Wie bewährt sich jeder dieser Ansprüche, trotz der Anspruchspluralität, Kritik und Ablehnung? Mag auch das Gesagte sehr banal klingen, eine Analyse des Aktes menschlichen Fragens ist eine wichtige Denkwende in der Philosophiegeschichte der christlichen Tradition, deren Bedeutsamkeit für die gegenwärtige Denkbemühung nicht übersehen werden darf. Problemstellung und Grundanliegen: Das Christentum nimmt an, dass das christliche Gottverständnis und dessen entsprechender Gottesglaube als die letzte geltende universale Antwort auf die Vielfalt menschlichen Fragens zu verstehen sind. Das Christentum wird heute jedoch mit einer Vielfalt gegensätzlicher Tendenzen wie 57


Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Gottlosigkeit, Gottvergessenheit, Gottferne und Gottmüdigkeit konfrontiert. Es wird dadurch ständig vor eine ernste Frage gestellt: Wie bewähren sich das christliche Gottesverständnis und der christliche Gottesglaube angesichts solcher gegensätzlicher Tendenzen als letzte universal rational geltende Antwort auf die Vielfalt menschlichen Fragens? Auf diese Frage einzugehen ist das Grundanliegen der Dissertation.

Gottesfrage Coreths zunächst für die Glaubenspraxis in der Region Tanga – Tansania gerichtet werden. Hierin handelt sich um die Frage nach dem Verhältnis vom alltäglichen ‚Gott-Denken’ in Tanga - Tansania zur vorliegenden Darstellung. Weiters wird eine Aufmerksamkeit auf die Bedeutsamkeit der vorliegenden Gottesfrage Coreths für die Philosophie der christlichen Tradition gelenkt.

Philosophischer Antwortversuch und Methode: Als ein Antwortversuch verfolge ich eine psychoanalytische Philosophie,3 die sich wichtige Elemente der oben gestellten Frage vor Augen führt: • eine Philosophie, die beim menschlichen Fragen ansetzt; • eine Philosophie, die sich in einer Gottesfrage vollendet; • eine Philosophie, deren Gottesfrage sich als eine Begründung des christlichen Gottverständnisses und Gottglaubens und somit als eine Rechtfertigung des christlichen Anspruchs einer letzten geltenden universalen Antwort auf die Vielfalt menschlichen Fragens bewährt. Das heißt, jene Philosophie verfolge ich, die mit der christlichen Gotteslehre übereinstimmt.

Inhaltsdarstellung: Die Arbeit besteht aus acht Kapiteln, die sich in sechs Hauptteile anordnen lassen. Der erste Hauptteil, Einleitung, ist den einleitenden Punkten gewidmet. In der Einleitung werden zunächst Kontext, aktuelle Anfragen, Anliegen und Methode der Dissertation vorgestellt. Darauf werden die akademische Biografie, das Leben sowie Wirken Coreths kurz präsentiert. Anschließend wird die Gottesfrage im Ausgang vom katholisch-christlichen Gottverständnis vorgestellt. Abschließend wird der Fokus auf die in die Dissertationsproblematik einführenden Reflexionen gelenkt: ‚Das gegenwärtige abendländisch-philosophische Fragen nach Gott, das Verständnis Coreths der Gottesfrage und Christlicher Philosophie und ‚die philosophische Begründung des christlichen Gottesglaubens’. Auf die Einleitung im ersten Hauptteil folgend wird im zweiten Hauptteil, der ferner einen einleitenden Charakter hat, das Faktum der Untrennbarkeit von einer ernsthaft angestrengten Metaphysik und der Gottesfrage in der Geschichte des Abendlandes von den Anfängen griechischer Philosophie zur nachkantischen Metaphysik aufgezeigt (erstes Kapitel). Im dritten Hauptteil wird erstmals auf das eigentliche Thema der Dissertation eingegangen: Die coreth’sche Metaphysik und Gottesfrage. Das Denken Coreths erweist sich als Reflexion auf die grundlegenden Bedingungen menschlichen

Da sich die transzendentale Metaphysik E. Coreths durchaus für eine derartige oben gewünscht psychoanalytische Philosophie qualifiziert, wird in der Dissertation die Gottesfrage verfolgt, insofern sie Emerich Coreth transzendental-metaphysisch entfaltet. In der Dissertation wird dargestellt, wie der christliche Anspruch einer letzten universal geltenden Antwort auf die Vielfalt menschlichen Fragens mit Hilfe der Methode E. Coreths rational verantwortet werden kann. Überdies wird ein spezieller Fokus auf die Bedeutsamkeit der vorliegenden 58


Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Lebensvollzugs in allen seinen Facetten bis zu den letzten, metaphysischen Hintergründen, die immer auch jedes Alltagsverständnis und Alltagsleben prägen. Die Originalität der Philosophie E. Coreths liegt in seinem eine Seinserschließung suchend transzendental-metaphysischen Ansatz der Analyse des Vollzugs des menschlichen Fragens; eine Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit des Fragens.4 Aufgewiesen wird dadurch der Ausgriff des Menschen auf einen unbegrenzten und absoluten Seinshorizont; Ausgriff auf Unbedingtes, Unbegrenztes und Absolutes, das der Gültigkeit jeder Antwort zu Grunde liegt. Diese Seinserschließung aber gipfelt in Coreths Metaphysik in der Gottesfrage, die dreifach entfaltet wird. Das Fragen zielt insgesamt auf das Sein (drittes Kapitel), auf das Wesen (viertes Kapitel) und auf die Beziehung des Befragten und Erfragten zum Fragenden (fünftes Kapitel). In allen diesen drei Fragerichtungen handelt sich um die Frage nach Gott. Es ist jedoch besonders die Beziehungsfrage, in der sich auch die Frage nach der Personalität Gottes ergibt, die auf den religionsphilosophischen Zusammenhang verweist. In der Dissertation wird die Bezogenheit von Philosophie und Religion bei ihrer definitiven Verschiedenheit im Sinne Coreths hervorgehoben. Im religiösen Glauben drückt sich der für das Handeln wirksame Bezug zu Gott aus, im philosophischen Erkennen wird jedoch die rationale Vermittlung der Unmittelbarkeit des Lebens und Handelns gesucht. Darin treten die Spannungen zu Tage, aber einer verantwortbaren Lebensform, also gerade auch einer Religion, kann die kritische Verantwortung für die leitenden Überzeugungen nicht erspart bleiben. Nur so kann der Mensch in verantwortlicher Weise einen Sinngrund für sein Leben annehmen. Ja, die Gottesfrage stellt sich weiters dort, wo Menschen nach dem Sinn des Ganzen, sprich des ganzen Lebens beziehungsweise der Welt fragen

(sechstes Kapitel im vierten Hauptteil: Angewandte Metaphysik und Gottesfrage). Im fünften Hauptteil werfe ich nun den Fokus auf jene sozio-kulturelle Situation, die als Anwendungsfeld der coreth’schen Gotteslehre dienen soll: Das „alltägliche GottDenken“ in der Region Tanga, Tansania (Siebtes Kapitel). Hierbei ist mir wichtig, die Bedeutsamkeit der Philosophie Coreths für die Praxis gemeinsamen religiösen Lebens konkret in der sozio-kulturellen Situation meiner Heimat zu sichten. Coreths Behandlung der Gottesfrage ist ja geprägt davon, die Verantwortbarkeit eines Gottesglaubens angesichts einer kulturellen Situation der Gottferne, Gottlosigkeit, Gottmüdigkeit und Gottvergessenheit zu erweisen und die Angewiesenheit des Menschen auf die Auseinandersetzung mit Gott zu zeigen. In der sozio-kulturellen Situation meiner Heimat ist die Annahme des Göttlichen keine Frage. Das Göttliche ist da, und die Menschen fühlen sich von diesem Göttlichen umgeben und getragen. Aber es fehlt weitgehend an einem Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit der Rede von Gott und der auf diesem Umgang aufbauenden verantwortlichen Lebensgestaltung. Hier ist auch der unmittelbare Bezugspunkt zum coreth’schen Ansatz gegeben. Geht es doch Coreth in seiner gesamten Metaphysik darum, etwas reflexiv einzuholen, was in alltäglichen Vollzügen „unthematisch“ und „vorreflexiv“, „je immer schon mitgegeben“ ist: der Bezug der Geistlichkeit des Menschen auf einen unbegrenzten Horizont, auf Transzendenz, letztlich auf Gott. Das Denken Coreths halte ich für besonders geeignet zur Fundierung des religiösen Denkens und verantwortlicher Religiosität in meiner Heimat. Dieses Denken kommt den Ansprüchen und der Eigenart des heimatlichen Denkens durch seinen Ansatz bei Erfahrung und Vollzug sehr entgegen. Ferner erkenne ich die Bedeutsamkeit der coreth’schen Gotteslehre für das Denken der christlichen 59


Diplomarbeiten und Dissertationen (Abstracts)

Tradition an (achtes Kapitel). Die Gottesfrage Coreths erweist sich als ein gelungenes Ringen der Vernunft um eine christliche Gotteserkenntnis und als eine einzigartige Mitwirkung an der gegenwärtigen Wiederbelebung der klassischen und christlichen Denkvoraussetzung - Metaphysik - für das Ringen um die Gottesfrage. Außerdem steht sie im Dienst der gegenwärtigen Begründung des christlichen Gottesglaubens und bestätigt die Frage nach Gott als die Grundfrage des Menschen. Im abschließenden sechsten Hauptteil (Schluss) begründe ich nochmals, warum mir gerade Coreths Ansatz für eine derartige Reflexion geeignet ist: In seiner ‚Kulturunabhängigkeit’ ist Coreths Denken geeignet, Hilfestellungen für das vernünftige Durchdringung des Selbstverständlichen gerade des gläubigen Menschen in seiner je spezifischen gesellschaftlichen und kulturellen Umwelt zu geben.

1. 2.

3.

4.

Es bezieht sich hier auf die immer bereits durch Sprechen und Handeln erschlossene Lebenswelt. Diese Ansprüche werden nämlich nicht nur von Religionen, sondern auch von Ideologien und philosophischen Strömungen erhoben. Gemeint ist damit nicht psychotherapeutisch im Sinne von Sigmund Freud, sondern, eine transzendental-metaphysisches Denken, also, um nur einige Explikationen zu nennen, ein bewusstmachendes Denken dessen, was in einem menschlichen Unbewusstsein bereits vorhanden ist; ein erweiterndes Denken von dem, was bereits in Menschen da ist; ein explizierendes Denken von dem, was schon in Menschen implizit da ist. Den anderen transzendentalen Metaphysikern gegenüber besteht das coreth’sche Spezifikum in seinem Ansatz bei der Analyse menschlichen Fragens. „Um die Originalität des Denkens Coreths innerhalb der Philosophie der Transzendentalen Metaphysik zu können, muss man sehen, dass er einen neuen Ansatz für seine transzendentale Analyse gefunden und systematisch fortentwickelt hat: Es ist die Frage nach der Frage, genauer nach den Bedingungen der Möglichkeit des Vollzugs der Frage als solcher“ [Kanzian, Christian, Transzendentale Metaphysik. Ein Überblick zur ersten Orientierung, in: http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/590.html (03.04.2009), 28]

China, Elfenbeinküste, Dem. Rep. Kongo, Kenya 60


Wir Gratulieren

5. Wir Gratulieren

Akademische Grade

Enyam Couston Francis, 12.12.2009, Takoradi, Ghana

Zum Magister der Theologie: Tang Matthias (04-09) Diözese Damongo 1 Cor 12:1-31a St. Paul’s Teaching about the Church as One Body with Many Members: A Model for the Diocese of Damongo, Ghana Zum Doktor der Theologie: Shekhar James (05-08) Diözese Patna „The Figure of Moses in Ex 32-34” An Exegetical Study (Nachtrag, vgl. KB 141.2, Abstract S 58)

Hochzeit (griechisch-katholischer Ritus) Wir gratulieren sehr herzlich zur Hochzeit unseres griechisch-katholischen Seminaristen aus der Erzdiözese Lviv / Ukraine, Herrn Bohdan Karplyak und wünschen ihm und seiner Frau Iryna Gottes reichen Segen. Die festliche Trauung fand im Beisein von P. Rektor und einiger Canisianer und AltCani­ sianer am 1. August 2009 durch den General­ vikar und Heimatpfarrer in Lviv statt.

Mag. Bernadic´ Mario (04-09) Erzdiözese Sarajevo "Wandlung im Gericht. Transformation des Gerichtsgedankens in der katholischen nach­konziliaren deutschsprachigen Eschatologie" Weihen, Ernennungen, Gelübde Priesterweihe Choi Jonhoon Thomas, 05.07.2007, Gwangju, Korea Alvarez Blanco Juan Carlos, …12.2008, Zamora, Mexico P. Miloš Zárecký OT, 01.08.2009, Deutscher Orden Plotsidem Mykhailo, 11.09.2009, Lviv, Ukraine

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Diözesenliste Studienjahr 2009/2010

6. Diözesenliste Studienjahr 2009/2010

3 außereuropäische Kontinente: 29 Studierende

Europa: 4 Studierende

Afrika Asien Nordamerika

Österreich Ukraine

12 12 + 3 Religiosi 1 + 1 Religiosi

1 3

Gesamt: 33 (davon 27 Priester)

AFRIKA: 12 Côte d‘Ivoire (2)

2 Bondoukou

Abissa Yao Cyrille (P) Tan Atta Kobenan Nestor (P)

Ghana (1)

1 Sekondi Takoradi

Mensah John Kennedy (P)

Kenia (1)

1 Homa Bay

Mboya Joseph B. Thomas (P)

Kongo (D. Rep.) (2)

1 Tshumbe 1 Kenge

Longayo Pongombo Cyprien Lwano Manzanza Frédéric

Nigeria (2)

1 Kaduna 1 Minna

Maigari Emmanuel (P) Usman Jamahh Victor (P)

Tanzania (4)

1 Iringa 1 Mbeya 1 Musoma 1 Tanga

Mzena Basil (P) Tegete Francis Francis (P) Malima Fr. Peter George (P) Masangu Alex (P)

ASIEN: 12 (+ 3 Religiosi) China (1)

1 Beijing

Wang Zhanbo (Joseph) (P)

Indien (7)

1 Cochin 1 Dindigul 1 Kottapuram 1 Muzaffarpur 1 Sivagangai 1 Trichur

Lanthaparambil Xavier Grimbald (P) Antonysamy Morris (P) Kallarakkal Antony (P) Munian Anthony Samy (P) Mariapushpam Paul Raj (P) Nadakkaviliyil Chackochan (P)

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Diözesenliste Studienjahr 2009/2010

1 Verapoly

Vazhakkootathil George Job (P)

Indonesien (1)

1 Semarang

Mahamboro Bismoko Dionius (P)

Korea (3)

1 Inchon 2 Suwon

Kim Woong Rae Joseph (P) Baek Jung-Hyun Josef Bai Sung-Jin Athanasius

NORDAMERIKA: 1 (+ 1 Religioso) Mexiko (1)

1 Zamora

García González Roberto (P)

Österreich (1)

1 Salzburg

Pletzer Josef (P)

Ukraine (3)

1 Iwano Frankiwsk 2 Lviv

Gerbut Yaroslav Karplyak Bohdan Plotsidem Mykhaylo

1

CSC

Ehrmann Terrence (P)

USA

1

IMS

Kizhakkayil Saji Joseph (P)

Indien

1

CST

Parathattel Thomas (P)

Indien

1

MSFS

Ottappally Mathai (P)

Indien

EUROPA: 4

Religiosi: 4

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Geburtstage und Weihejubiläen 2010

7. Geburtstage und Weihejubiläen 2010

Geburtstage 2010 1905 = 105 Jahre 17.05.1905 Dording John M. 1910 = 100 Jahre 07.03.1910 Gerhartl Rudolf 09.05.1910 Fedewa Eugene F. 06.08.1910 Hojsik P. Ambros OFMConv. 08.12.1910 Petranovic Charles 1915 = 95 Jahre 02.05.1915 Aichner Wilhelm 09.08.1915 Rumler Anton 07.09.1915 Duncan Edward J. 1920 = 90 Jahre 27.01.1920 Czaikiwskyj Jaroslau 06.02.1920 Hrycenko Michael Eugen 18.02.1920 Ramsauer Karl P. Wolfgang CMM 29.02.1920 Wettstein P. Franz X. CMM 01.03.1920 Simma Leo 04.03.1920 Holzhauser P. Stefan OCist. 16.04.1920 Allgén Claude 27.04.1920 Schwienbacher P. Hilarius CMM 04.07.1920 Schratz Gottfried 29.07.1920 Züger Alois 23.09.1920 Kunzenmann Dr. Werner 18.11.1920 Schörghuber P. Raphael OSB 1925 = 85 Jahre 06.01.1925 Penzo Giorgio 20.01.1925 Vollmann Franz 27.01.1925 Supp Rudolf Paul 64

23.03.1925 19.05.1925 22.05.1925 30.05.1925 01.06.1925 08.06.1925 14.07.1925 18.07.1925 25.07.1925 25.08.1925 25.08.1925 26.09.1925 01.10.1925 03.10.1925 27.11.1925

Rypar Dr. Franz Josef Gruber Johann Wenda Dr. Gerhard Schuler Dr. Franz Brunat Bruno Nádasi Béla Hylla Kristian Inwinkl Dr. Franz Röthlin Bruno Schmucki Alfred Josef Wlassits Dr. Franz Tüttö Georg Mayr P. Dr. Berthold CMM Ugron Franz Kriege Raymond Henry

1930 = 80 Jahre 15.02.1930 Schröder P. Jakobus OSB 06.03.1930 Kiefer Peter Karl 16.03.1930 Averbeck Dr. Wilhelm 26.03.1930 Scheier Walter 01.04.1930 Schoening Sylvester 10.04.1930 Lengwiler Franz P. Ambros OSB 11.04.1930 Bamberger Manfred 21.04.1930 Bartz Karl-Heinz 22.04.1930 Wittmann Josef 23.04.1930 Maldonado Dr. Luis 27.04.1930 Fischer Heinz 13.05.1930 Preysing Johann von 16.05.1930 Gierlichs P. Karl-Josef 20.05.1930 Fürer Dr. Ivo, Bischof em. 20.05.1930 Rechbach Franz X. von 30.05.1930 Alge Hermann 01.06.1930 Donnenberg Joseph 03.06.1930 Miribung P. Robert SJ 23.06.1930 Niermann Dr. Ernst 24.06.1930 Buhri Herbert 09.08.1930 Jossen Dr. Erwin 18.08.1930 Kobler Albert 12.09.1930 Muller William


Geburtstage und Weihejubiläen 2010

15.09.1930 26.09.1930 13.10.1930 31.10.1930 10.11.1930 06.12.1930 13.12.1930

Zirkel DDr. Adam Benczek Dieter Berberich Werner Peter Madec Goulven Meyer Hilmar Graef Franz Brunner Josef P. Guido OCist.

1935 = 75Jahre 05.01.1935 25.01.1935 28.01.1935 02.02.1935 03.02.1935 18.02.1935 24.02.1935 08.03.1935 16.03.1935 21.03.1935 25.03.1935 01.04.1935 11.04.1935 25.04.1935 29.04.1935 29.04.1935 02.05.1935 04.05.1935 07.05.1935 24.05.1935 28.05.1935 31.05.1935 01.06.1935 04.06.1935 07.06.1935 10.06.1935 17.06.1935 03.07.1935 06.07.1935 25.07.1935

Jacob Dr. Heinrich Zwinggi Dr. Anton Eugen Frei Armin Ribbert P. Pankratius OCarm. Barrantes Conde Francisco Fernandez Barberá Carlos Alaney Alexander Reindl P. Pius OCist. Schmitt Heribert Cervera Espinosa Antonio Schmitz-Moormann Dr. Winfried Ostermann Dr. Günter Gurtner Dr. Bernhard Wall Richard J. Ebster Johann Munser Dr. Karl Schüttengruber Johannes Mann George Kim Yeng-Sen Leo Eder P. Paulus OCist. Kim Pyeng-Hac Dr. Raphael Feneberg Dr. Wolfgang Foegen Herold Ackerman Donald Rinken Dr. Alfred Balen Tjalling P. Dr. Siegfried van OCarm. Muyombya Paul Kern Reinhold Dick Marvin Voss P. Dr. Gerhard

20.08.1935 30.08.1935 11.09.1935 15.09.1935 18.09.1935 27.09.1935 15.10.1935 26.10.1935 10.11.1935 19.11.1935 21.11.1935 24.11.1935 26.11.1935 02.12.1935 11.12.1935 22.12.1935 22.12.1935

M. OSB Sohns Kurt Lünenborg Elmar W. Gaido José Oreste Recker Klaus Basso Ampelio Fr. Massimiliano OFM Dossinger Clyde Breitschaft Siegfried Kucan Andrej Pinto Theodore Rosario Stampfli Franz Menrath Wilhelm Chas Silva Rosendo Schäfer Alois Robers Ralph Moutoux Eugene Eichberger Ernest Lendle Günther

1940 = 70 Jahre 01.01.1940 Pichlbauer Dr. Johannes 19.01.1940 Heuser Heinz P. Dr. Gabriel OSB 20.01.1940 Montoya José 24.01.1940 Sassen Karel Jan 28.01.1940 Navarro Dr. B. Nestor 13.02.1940 Conington Horatio G. 16.02.1940 Studhalter Dr. Kurt 16.02.1940 Ohm Dr. Hans-Georg 20.02.1940 Hehenberger P. José OCist 21.02.1940 Zeilinger Dr. Gunther Fridolin 23.02.1940 Eberhardt Richard M. 25.02.1940 Virt Dr. Günter 25.02.1940 Bemtgen Georg 29.02.1940 Sedlmeier Josef 08.03.1940 Wörner P. Hans MCCJ 12.03.1940 Keller Jacques 12.03.1940 Korn Werner 17.03.1940 Müller Karl 24.03.1940 Lagos John 29.03.1940 Bigelow William R. 29.03.1940 Beguiristáin Santos 16.04.1940 Rovira Miguel 65


Geburtstage und Weihejubiläen 2010

20.04.1940 21.04.1940 25.04.1940 01.05.1940 02.05.1940 03.05.1940 04.05.1940 07.05.1940 10.05.1940 13.05.1940 17.05.1940 22.05.1940 27.05.1940 06.06.1940 17.06.1940 02.07.1940 04.07.1940 11.07.1940 19.07.1940 26.07.1940 27.07.1940 28.07.1940 29.07.1940 30.07.1940 01.08.1940 05.08.1940 05.08.1940 08.08.1940 09.08.1940 16.08.1940 31.08.1940 05.09.1940 15.09.1940 16.09.1940 19.09.1940 15.10.1940 16.10.1940 24.10.1940 25.10.1940 02.11.1940

66

Gottfried Herbert Kronberger Franz Ernst Wolfgang Offermanns Dieter Kandzia Michael Burkhard P. John OFMConv. Martinez-Veiga José Luis Gascard Dr. Johannes Radl Dr. Walter Mueller Ronald Bravo Benjamin Brand Dieter Stocker Josef Hilgers Winfried Duric´ Franjo Blanche Maurice Vu Tu Hoa Antoine Hesse Johannes Giraldo Hector Belleza Valente Seither Thomas Friemel-Brun Dr. Erich Shim Sang-tai Dr. Johannes Mwewa Kapita Dr. Stephen Wieland Othmar P. Dr. Arnold OT Pfender Klaus Huber Robert A. Krechoweckyj Edwin Jacob Sanchez R. Dr. Juan B. Pawson Robert J. Rinderle Dr. Walter Donegan John Mueller James J. Verhelst Franz Keethers James Pichler Walter Ssemuju Dr. Charles Stangl Herbert Sullivan Stephen E. Bösl Hans-Josef

18.11.1940 21.11.1940 01.12.1940 10.12.1940 11.12.1940 15.12.1940 23.12.1940 26.12.1940

Ekani Nkodo Jean-Paul Feichtinger Johann Reuter Fernand Koller Dr. Erwin Weterings Alex Epea Simon Osterwalder Josef Coutinha Dr. Stephen

Weihejubiläen 2010 1970 = 40 Jahre Abt 25.10.1970 Kroisleitner P. Rupert CRSA 1930 = 80 Jahre Priester 26.07.1930 Strucka Julius 1935 = 75 Jahre Priester 22.12.1935 Edelenyi Dr. Achilles 1940 = 70 Jahre Priester 23.03.1940 Lohberg Francis J. 23.03.1940 Hehenberger Franz 29.06.1940 Noirjean Roger 28.07.1940 Murphy Maurice J. 1945 = 65 Jahre Priester 29.06.1945 Gehrig Alfred 01.07.1945 Baumann Dr. Alois 1950 = 60 Jahre Priester 26.03.1950 Frank Dr. Nikolaus 26.03.1950 Siebenhüter Othmar 18.06.1950 Schwienbacher P. Hilarius CMM 29.06.1950 Huber Adolf 29.06.1950 Schaller Anton


Geburtstage und Weihejubiläen 2010

29.06.1950 29.06.1950 02.07.1950 25.07.1950

Grob Joseph Schörghuber P. Raphael OSB Vollmann Franz Ugron Franz

1960 = 50 Jahre Priester 02.02.1960 Merveldt Herbert Graf von 20.03.1960 Volz Ludwig 03.04.1960 Endress James R. 03.04.1960 Riepe Charles 03.04.1960 Reindl P. Pius OCist. 03.04.1960 Gaido José Oreste 26.06.1960 Nietlispach Joseph 29.06.1960 Schmitt Heribert 29.06.1960 Eggenschwiler Kuno 29.06.1960 Kern Reinhold 29.06.1960 Bachmann Franz Josef 09.07.1960 Ebster Johann 10.07.1960 Balen Tjalling P. Dr. Siegfried van OCarm. 11.07.1960 Justs Antons, Bischof v. Jelgava 24.07.1960 Schöning Hermann Josef 26.07.1960 Mitterlehner P. Alberich OCist. 31.07.1960 Zerfass Dr. Rolf 04.08.1960 Beirle P. Theo SJ (Regens 1985-92) 04.08.1960 Geiger Tristan 1970 = 40 Jahre Priester 04.01.1970 Muñoz Resano Fernando 28.02.1970 Sherman Dr. Anthony F. 28.02.1970 Michalski Dr. Melvin 28.02.1970 Vogler Jean F. 28.02.1970 Jackson Kenneth G. 28.02.1970 Enöckl P. Alberich OCist. 28.02.1970 Schott Dr.Timothy 18.03.1970 Félix Lasmarías Teodoro 21.03.1970 Crvenka Vladimir P. Dr. Mario OFM

18.06.1970 20.06.1970 20.06.1970 25.06.1970 28.06.1970 28.06.1970 29.06.1970 29.06.1970 29.06.1970 29.06.1970 29.06.1970 29.06.1970 02.07.1970 04.07.1970 04.07.1970 04.07.1970 04.07.1970 05.07.1970 12.09.1970 .10.1970 .10.1970 17.10.1970 21.11.1970 18.12.1970

Vuletic Dr. Ilija Zaby Alois Sinz Rudolf Keller Jacques Betschart Armin M. Förch Dr. Gerhard Orozco Montoya Guillermo, Bischof v. Guaviare Maderegger Josef Bohak Ivan P. Janko OFM Platter P. Dr. Bruno OT Tran van Trong Petrus Huber Karl Fritzen Karl-Bruno Backes Albert Berger Dr. Josef Schmölders Dr. Wolfgang Reiffer Dr. René Daffner Franz-Reinhard Shields Richard Koothottil Dr. Abraham Neetilal Vattakunnel P. Dr. Joseph IMS Gróza Joseph Puchberger Dr. Hubert Mampallikunnel Joseph

1985 = 25 Jahre Priester 28.01.1985 Bae Ki-Hyen Constantin 29.06.1985 Linz Josef 06.07.1985 Pai Young-Ho Dr. Peter 09.08.1985 Gaglo Dr. Isaac Jogues Agbémenya, Bischof v. Aneho 20.09.1985 Kim Hi Hang Francis 28.09.1985 Udeafor Ndubisi DDr. Innocent 10.10.1985 Trawöger Dr. Adolf 23.11.1985 Bang Sang-Man Peter 28.12.1985 Nnamani Dr. Gregory A.

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Memento Mori

8. Memento Mori

Calvo Francisco Javier im Canisianum 1955-1956 gestorben am 5. Mai 2009 In seinem 80. Lebensjahr ist Hochw. Dr. Francisco Javier Calvo (im Canisianum 1955-56) am 5. Mai 2009 in Zaragoza gestorben. Er zählt zu den vorbildlichen, hoch ausgebildeten und frommen Priestern, die in den vergangenen fünfzig Jahren eine für das religiöse Leben der Diözese entscheidende Rolle gespielt haben. Dr. Calvo wurde am 17. Juli 1960 zum Priester geweiht. Er ist als „Spätberufener“ (wie man damals sagte) in das Priesterseminar Collegium Maiore Santiago in Salamanca eingetreten, nachdem er an der Universität von Zaragoza das Studium der Chemie mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Seine theologischen Studien hat er an der Universität in Salamanca begonnen und dann seine Ausbildung an den mitteleuropäischen Universitäten von Innsbruck, Tübingen und München fortgesetzt. Zurück in der Diözese, hat er als Kaplan an einem Studentenheim der dortigen Universität gewirkt, danach als Studienleiter am Priesterseminar, als DiözesanVikar für Pastoral, und als Professor für Pastoraltheologie und Homiletik. In diesen Fachgebieten hat er verschiedene Bücher und viele Beiträge veröffentlicht, so wie auch in Gruppendynamik, wofür er ein Sachverständiger war. Seine hervorragende intellektuelle Ausbildung, zusammen mit seinem Taktgefühl im Umgang mit den Leuten, hat aus ihm einen wahren Gelehrten in der schwierigen Kunst des Dialogs von Glaube und Kultur gemacht. Dies befähigte 68

ihn, an allen Kongressen, Tagungen und Konferenzen teilzunehmen, die nicht nur in Zaragoza, sondern auch in anderen Orten Spaniens oder des Auslands veranstaltet wurden. Seine besondere Sorge galt der Ausbildung der zukünftigen Priester. Das hat ihn dazu geführt, eine Burse einzurichten, mit deren Hilfe eine Handvoll Priesteramtskandidaten und junger Priester der Diözese Zaragoza in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihr Studium der Theologie an der Universität Innsbruck absolvieren konnten und das intellektuell, kulturell und spirituell anregende Zusammenleben im Canisianum erfahren durften. Dafür werden wir ihm immer dankbar sein. Die Altkonviktoren aus Zaragoza.

Dürr Paul im Canisianum gestorben am 27. August 2009 Paul Dürr wurde am 12. April 1926 geboren. Seine Kindheit hat er in St. Gallen-Lachen verbracht, bevor ihn Gymnasium und Studium ein erstes Mal für lange Zeit ins Ausland führten. In Paris, Innsbruck und Wien studierte Paul Dürr Theologie und Philosophie. Kardinal Innitzer hat den jungen Theologen am 25. Juni 1955 im Stephansdom von Wien zum Priester geweiht. Zwei Jahre lang war Paul Dürr als Priester im Bistum Basel tätig, danach erlaubte ihm sein damaliger Bischof Franziskus von Streng Fidei Domum Priester zu werden. Zuerst schloss der Jungpriester in Wien eine Dissertation zum Thema „Die Wiedertäuferbewegung als Nebenströmung der Reformation und ihr besonderer Verlauf in der Stadt St. Gallen“


Memento Mori

ab und erlangte darauf den für seine künftige Tätigkeit wichtigen Schulausweis für die Missionen in London. In Absprache mit den Missions-Benediktinern von Uznach reiste der Jungpriester am 13. Juni 1960 nach Tansania, wo er als Lehrer, Pfarrer und Seelsorger tätig war, später folgte eine weitere Station in Kenya. Dort war Paul Dürr Prokurator der Benediktiner für das von ihnen zusätzlich übernommene Gebiet. 1997 kehrte er in die Schweiz zurück und übernahm das Amt des Wallfahrtspriesters und Seelsorger von St. Iddaburg, wo er noch gerne länger tätig gewesen wäre. Aufgrund einer schweren Krankheit musste er seinen Dienst aufgeben und in das Pflegeheim Rosenau übersiedeln, wo er auch am 27. August verstarb.

Felten P. Dieter Gustavo CO im Canisianum 1952 - 1954 gestorben am 31. August 2009 Am 24. Januar 1929 in Kevelaer geboren, wurde er nach seinen Studien in Bonn, München und Innsbruck am 24. Juli 1954 in Aachen zum Priester geweiht. Im Anschluss an die Priesterweihe erfolgten Dienste als Kaplan von Juli 1954 bis November 1956 an St. Gangolf, Heinsberg. Pfarrer Felten wurde im November 1956 Mitglied im Oratorium des Heiligen Philipp Neri, Aachen. Von November 1956 bis Dezember 1960 war er Religionslehrer und von Dezember 1960 bis April 1965 Studienrat am Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen. Pfarrer Felten wurde von April 1965 bis zu seinem Ruhestand im Februar 1994 freigestellt zur Seelsorge in Chile. Im April 1965 brach er mit zwei Mitbrüdern nach Chile auf und gründete in Villa Alemana nahe Valparaiso ein neues Oratorium. Dort hat er 40 Jahre als Pfarrer und Seelsorger gewirkt.

Daneben war er als Professor u. a. für Hebräisch am Seminar und an der Universität tätig. Seinen Lebensabend verbrachte er in Chile, wo er auch verstarb. Harcár Anton im Canisianum 1933 – 1938 gestorben am 25. Juli 2009 Mons. Anton Harcár wurde am 7. Jänner 1914 in Mocidl’any geboren. Am 25. Juli 1937 empfing er die Priesterweihe in Innsbruck und promovierte am 25.12.1938 zum Doktor der Theologie in Innsbruck. Am 6. März 1992 wurde er zum päpstlichen Prälat ernannt.

Hofmann Isidor im Canisianum 1947 – 1949 gestorben am 26. September 2009 Nach seiner Priesterweihe in Solothurn am 29. Juni 1951 wirkte Isidor Hofmann bis 1957 als Vikar in Dornach SO und von 1957 bis 1964 in Basel, St. Anton. Danach übernahm Isidor Hofmann von 1964 bis 1977 die Verantwortung als Pfarrer in Oberkirch SO und in Olten St. Martin von 1977 bis 1989. Seit 1989 wirkte er zuerst als Pfarradministrator in der Pfarrei Blauen BL und danach als mitarbeitender Priester im Seelsorgeverband Zwingen-Dittingen-BlauenNenzlingen.

Nieder Martin im Canisianum 1934-1937 gestorben am 23. Februar 2009 Im Alter von 94 Jahren ist am 23. Februar Pfr. i. R. Martin Nieder in Deidesheim gestorben. Er war der älteste Seelsorger im 69


Memento Mori

Bistum Speyer. Auf dem Deidesheimer Stadtfriedhof fand er am 28. Februar seine letzte Ruhe. Der Beisetzung vorausgegangen waren Totenoffizium und Requiem in der Deidesheimer Pfarrkirche St. Ulrich, die 25 Jahre „Heimat“ des verstorbenen Priesters war. […] In der Predigt erinnerte Pfarrer Stefan Seckinger an das langjährige Wirken des Verstorbenen insbesondere in Deidesheim: Mit „Herzblut“ habe Pfr. Nieder seine priesterlichen Dienste wahrgenommen. Andachten, Jugendpastoral und selbst die Ministrantenstunden seien trotz der Unterstützung von Kaplänen und Schönstattmarienschwester Josita „Chefsache“ gewesen. Im Pfarrhaus, das stets für alle Gemeindemitglieder offen stand, habe eine „familiäre Atmosphäre“ geherrscht. „Nicht von ungefähr kamen wohl so viele Priester, Diakone, Religionslehrer und pastorale Kräfte aus Deidesheim“, betonte Pfr. Seckinger. Er selbst feierte seinen ersten Gottesdienst gemeinsam mit dem Verstorbenen an dessen 65-jährigem Priesterjubiläum im Jahr 2004. Pfr. Nieder fungierte als Präses der Kolpingfamilie und als Vorstand der ökumenischen Sozialstation Deidesheim, war Vorstandsmitglied des Kirchenchores und in verschiedenen Vereinen seiner Pfarrei aktiv. In seine Amtszeit in Deidesheim fiel unter anderem der Erwerb und Ausbau des St. Bernhardushofs als Pfarrheim, die Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Ulrich sowie der Neubau des Kindergartens St. Hedwig in Ruppertsberg. Kraft und Motivation für seine Berufung und seinen fast 70 Jahre dauernden pastoralen Dienst habe Pfr. Nieder in der Schönstattfamilie gefunden, so Pfr. Seckinger weiter: „Er personifizierte geradezu Schönstatt mit allen Idealen, die hinter der Bewegung von Pater Kentenich stehen: Der Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, die Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Vertrauen auf seinen Heiligen Geist und dazu die liebende 70

und innige Verbundenheit mit der Gottesmutter.“ Schon in den Kriegsjahren habe Pfr. Nieder an Exerzitien von Pater Josef Kentenich in Schönstatt teilgenommen, nachdem er in den dreißiger Jahren die Bewegung und das Charisma ihres Gründers kennen und schätzen gelernt hatte. 40 Jahre war der Seelsorger schließlich Standesleiter, geistlicher Leiter der Schönstattmütter in der Diözese. Bis ins hohe Alter nahm er an den regelmäßigen Treffen der Schönstattpriester in der Diözese teil. „Die Marienpfalz, die ganze Schönstattfamilie, wird ihn vermissen“, so Pfr. Seckinger. Martin Nieder war am 13. November 1914 in Dortmund als eines von vier Kindern eines Bergmanns geboren worden und empfing, nachdem die Familie aufgrund des Berufs des Vaters ins Saarland gezogen war, am 2. Juli 1939 im Dom zu Speyer die Priesterweihe. Anschließend wirkte er als Kaplan in Frankenthal und Grünstadt, wo er 1942 zum Pfarrverwalter ernannt wurde. Seine erste Pfarrstelle übernahm Nieder 1953 in Klingenmünster, wo er zeitweise auch die Anstaltsseelsorge in der Pfalzklinik ausübte. 1965 wurde Pfr. Nieder die Pfarrei St. Ulrich in Deidesheim übertragen, die er bis zu seinem Ruhestand 1990 leitete. Von 1971 bis 1980 war er dort auch Dekan. Vorübergehend betreute er in dieser Zeit die Pfarrgemeinden Forst (1973 bis 1979) und Ruppertsberg (1976 bis 1978) mit. Trotz seines „offiziellen“ Ausscheidens ließ sich Martin Nieder anschließend als Seelsorger in Mörlheim (bei Landau) weiter in die Pflicht nehmen, ehe er 2003 endgültig Abschied aus dem aktiven Dienst nahm. Seitdem lebte er im Altenheim St. Elisabeth in Deidesheim. Aus: „Der Pilger“, Nr. 11 v. 15.03.09


Memento Mori

Tschurtschenthaler Heinrich im Canisianum 1945-1950 gestorben am 29. April 2009 Heinrich Tschurtschenthaler, Pfarrer von Mauthen und St. Jakob im Lesachtal verstarb am 29. April 2009 im 87. Lebensjahr und im 59. Jahr seines priesterlichen Wirkens. Kanonikus Heinrich Tschurtschenthaler wurde am 10. Februar 1923 in Graz geboren. 1941 – Matura in der Ersten Oberschule für Burschen in Klagenfurt, danach Philosophie- und Theologiestudium an der Universität in Innsbruck 1944 Beitritt zur ÖCV-Verbindung Alpinia Innsbruck 26.03.1950 – Priesterweihe im Canisianum Innsbruck 1951 – 1954 - Stadtpfarrkaplan in Bad St. Leonhard im Lavanttal 1954 – 1957 – Stadtpfarrkaplan in Wolfsberg, zugleich Jugendseelsorger des Dekanates Wolfsberg und Administrator von St. Margarethen bei Wolfsberg (1956-1957) 1957 – 1964 Diözesanjugendseelsorger in Klagenfurt und Präfekt im Egger’schen Lehrerseminar sowie Betreuer der Katholischen Jungschar 1964 - 1973 Pfarrer und Mitprovisor der Pfarren Himmelberg, Gnesau und Außerteuchen und zwei Jahre davon Administrator in Zedlitzdorf 1973 – 1900 Pfarrer in Spittal/Drau, Kamering und Amiach 1979 -1982 zusätzlich Provisor in der Pfarre Seeboden 1973 – 1990 zusätzlich Dechant des Dekantes Spittal/Drau Seit 1990 Pfarre Mathen und St. Jakob/Lesachtal Viele Jahre leistete er Seelsorgedienste beim Österr. Bundesheer im Rang eines Oberst in Reserve

1979 – Ernennung zum Bischöflichen Geistlichen Rat 1990 – Ernennung zum Ehrendomherr des Gurker Domkapitels

O’Brien Christopher im Canisianum 1950-1954 gestorben am 5. Oktober 2008 LOOGOOTEE — Father James Christopher “Chris” O’Brien, 80, a retired priest of the Diocese of Evansville, died Sunday. Father O’Brien was a native of Loogootee who served parishes in southwestern Indiana in the 1950s and 1060s before leaving the area to pursue an academic career in the Washington, D.C., area. He returned to Evansville earlier this year. Father O’Brien was born Aug. 28, 1928, in Loogootee. After studies at St. Meinrad Seminary and at the University of Innsbruck in Austria, he was ordained a priest at his home parish of St. John Church in Loogootee on Aug. 15, 1954. In his early ministry, Father O’Brien served as assistant pastor of the Evansville parishes of St. Boniface, St. Joseph, St. Anthony and St. Mary, and also of St. Francis Xavier in Vincennes. He served briefly as pastor pro tem of St. Martin Church in Whitfield. He was pastor of St. Patrick Church in Corning from 1962 to 1965. Father O’Brien earned a master’s degree in sociology at Indiana State University at Terre Haute in 1969 and began pursuit of his doctorate at The Catholic University of America that same year. His Ph.D in medical sociology was awarded in 1979. He began teaching at Northern Virginia Community College in Annandale, Va., in 1972, rising to full professorship in 1982. He was officially retired from priestly ministry in 1998. He retired from teaching in 2002. 71


Memento Mori

On the 50th anniversary of his ordination, celebrated in 2004, Father O’Brien noted that he had taught more than 17,000 students in college. Father O’Brien was a member of the Alpha Kappa Delta National Sociological Honor Society, a Fourth Degree Knight of Columbus in the Father Ralph Doyle Assembly at Loogootee and a Knight of the Holy Sepulchre. Survivors include one sister, Katherine Shafranske of San Diego, Calif.; cousins; nieces and nephews; and great-nieces and great-nephews. He was preceded in death by his parents, Christopher and Mary (Dooley) O’Brien of Loogootee; one brother, Judge John Michael O’Brian of Loogootee; and sisters, Mary Elizabeth Sharum of Louisville and Helen Lawless of Indianapolis. A Mass of Christian burial will be at 11 a.m. Wednesday at St. John Church in Loogootee, with Bishop Gerald A. Gettelfinger as the chief celebrant, concelebrating priests and deacons of the diocese. Burial will be at the Priests Circle at St. John Cemetery, Loogootee. Published October 06, 2008

Premstaller P. Volkmar SJ Subregens und Studienpräfekt im Collegium Canisianum (2006 – 2008) gestorben am 13. September 2009 P. Volkmar Premstaller SJ wurde in St. Georgen an der Gusen in Oberösterreich, am 12. Juni 1965, geboren. Er legte 1983 die Matura im Bundes-Realgymnasium in Perg ab. Im Herbst 1983 trat er in das Linzer Priesterseminar ein und schloss 1988 das Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Linz mit dem Magister der 72

Theologie ab. Seine Diplomarbeit handelt über Jer 20,7 – 19. Nach einem einjährigen Studium von Altorientalistik in Tübingen studierte er an der Universität Regensburg Altes Testament und promovierte 1994 zum Doktor der Theologie. 1991 bis 1994 war er auch Assistent am Lehrstuhl für Biblische Theologie an der Universität in Regensburg. Am 29. Juni 1995 wurde P. Premstaller in Linz zum Priester geweiht. Er wirkte dann mehrere Jahre in verschiedenen Gemeinden (Linz, Lenzing, Kronburg in Tirol) in der Pfarrseelsorge. In dieser Zeit (1999-2004) bereitete P. Premstaller auch die Habilitation aus dem Fachbereich alttestamentlicher Bibelwissenschaft (Ezechiel) vor. Die Habilitationsschrift trägt den Titel: „Die Fremdvölkersprüche des Ezechiel – Buches.“ Im September 2004 trat er in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. P. Volkmar Premstaller SJ war vielseitig begabt. Er komponierte und spielte Klavier und Orgel, er setzte sich auch wissenschaftlich mit Ballett und Tanz auseinander. Er interessierte sich für Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik und organisierte mannigfache Hilfen für Afrika. 2008 wurde er von seinen Oberen nach Rom gesandt, um am Päpstlichen Bibelinstitut zu lehren. P. Premstaller liebte das Leben und genoss es und ließ dabei durchaus seinen hintergründigen Humor spielen. Er freute sich über Ausflüge, über Musik, über jeden Besuch. So schied er von uns am Abend des 13. September 2009, sehr bewusst und in glaubender Hoffnung.

Renner P. Severin OT im Canisianum 1957-1958 gestorben am 1. Februar 2008 P. Severin Renner OT wurde am 17.09.1919 in Breslau geboren. Er empfing am 01.09.1960 die feierliche Profess und am


Memento Mori

29.09.1960 wurde er zum Priester geweiht. Von 1960 bis 1962 war er als Seelsorger in Bad Mergentheim und Bad Alexandersbad tätig. Anschließend verbrachte er zwei Jahre als Kaplan in Wien bevor er für insgesamt 28 Jahre als Krankenhausseelsorger in Darmstadt diente. Nach seinem aktiven Dienst war er in den Konventen Frankfurt und Wetter beheimatet. Er wurde von seinen Mitbrüdern wegen seiner klugen und umgänglichen Art sehr geschätzt.

Sommaruga Anton im Canisianum 1934-1936 gestorben am 15. Juli 2009 Sein irdisches Leben – das er dankbar in die Hand Gottes zurückgab – stellte er ganz in seinen priesterlichen Dienst an den Mitmenschen. Am 29. Juni 1938 wurde er in Solothurn zum Priester geweiht. Diesen Sendungsauftrag bemühte er sich von 1938-1949 als Vikar und Feldprediger in Rheinfelden, 1949-1959 als Pfarrer in Zeihen AG, 1959-1979 als Pfarrer in Egolzwil/Wauwil, 1979-1986 als Pfarr-Rektor in Wikon/Reiden und 1986-2009 als Vierherr in Sursee, seiner Heimat, zu erfüllen. „Gott hat mich berufen, den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden, wozu mich bis ins hohe Alter die Liebe drängte.“

ruga nahe gestanden sind, danken ihm für sein großes seelsorgerliches Arbeiten.

Stanzel P. Max Josef OT im Canisianum 1949 – 1950 gestorben am 20.Oktober 2009

Unternährer Josef im Canisianum 1946-1947 gestorben am 24. Juni 2009 Am 22. Mai 1923 in Marbach geboren, empfing der Verstorbene am 29. Juni 1949 in Solothurn die Priesterweihe. Er wirkte als Vikar in Oberdorf SO von 1949 – 1952, in Triengen von 1952 – 1956 und in Luzern St. Josef von 1956 – 1961. Danach war er Pfarr-Rektor in Meisterschwanden von 1961 – 1978 und danach für kurze Zeit als Pfarrverweser in Arlesheim. Anschließend übernahm er die Verantwortung als Pfarrer von Ballwil von 1978 – 1984. Zwischen 1984 – 1985 nahm er sich eine Auszeit und wirkte hernach als Pfarrverweser in Aesch BL von 1985 – 1986 und in Aeschi SO von 1986 – 1994. Als em. Pfarrer verbrachte er seinen Lebensabend von 1994 – 2005 in Birrwil und seit 2005 in Escholzmatt, wo er am 24. Juni verstarb. Er wurde am 29. Juni 2009 in Marbach beerdigt.

Vierherr Anton Sommaruga setzte sich, so lange es seine Gesundheit erlaubte, für die Seelsorge ein, besuchte kranke Mitmenschen und feierte regelmäßig bis voriges Jahr Gottesdienste in der Pfarrkirche von Sursee und in der Antoniuskapelle Schenkon. Alle, die Vierherr Anton Somma73


Briefe und Grüsse aus aller Welt

9. Briefe und Grüsse aus aller Welt 15.06.2009 Lieber Gerwin! Hab’ Dank für die freundliche Einladung zum Herz-Jesu-Fest im Canisianum! Gott gebe Euch allen einen gesegneten Tag und eine hoffnungsvolle Zukunft! Und Dir, dem Langgedienten (./.) noch viel Kraft und Weisheit! Dass doch mehrere Zentren kirchlichen Lebens entstünden und blühten. Ignatius und Canisius mögen Fürsprecher sein für eine inzwischen weite Welt! Herzlich Dein Petrus (Petrus Bsteh) 11. Juli 2009 Lieber Pater Regens: Ich sende hiermit die Nachricht des Todes von Francisco Xavier Calvo, der im Canisianum in den fünfziger Jahren studiert hat. Obwohl ich ein schlechter Korrespondent bin, bekomme ich das Korrespondenzblatt  immer mit Freude und ein wenig Heimweh. Mit freundlichen Grüssen  Ihr Carlos Fernández-Barberá, Madrid Zisterzienserstift Rein, 15. Juli 2009 Lieber P. Regens, anlässlich der Jahresexerzitien des Konventes des Stiftes Rein ergab sich ein Konveniat von fünf Altkonviktoren aus drei verschiedenen Stiften. Exerzitienmeister ist Abt Martin Felhofer OPraem. Stift Schlägl. Als Exercitandi: P. Philipp Helm OCist, Administrator von Rein Hr. Markus Riegler CRSA, Stift Vorau P. Benedikt Fink OCist, Stift Rein P. David Zettl OCist, Stift Rein COR UNUM ET ANIMA UNA

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2. August 2009 Lieber P. Regens, Larry Milby hat den Jakobsweg gemacht und hat danach in Madrid Carlos Fernandez Barbera (1960-64) getroffen. So haben wir ein kleines Konveniat gefeiert. Wir senden für Sie und das ganze Canisianum die besten Grüße in corde uno et anima una Larry Milby Carlos Barberá 8. August 2009 Lieber P. Regens! Von einem Treffen zweier Altkonviktoren in guter und dankbarer Erinnerung an die Canisianum-Zeit und dem Austausch „gewichtiger“ Gedanken und Entscheidungen grüßt Dich herzlich mit Segenswünschen fürs Haus und die Konviktoren Dein Gilbert Schandera Eingedenk unseres „cor unum et anima una“ Dr. Michael Weninger 31.08.09 Lieber Punkt! Liebe Grüße vom Zentralfest aus St. Maurice im schönen Wallis. Wir machen schon fest Werbung für das 150. Stiftungsfest der „Helvetia Oenipontana“ im Mai und auch für Innsbruck als Studienort. Gruß Werdenfels (Andreas Liebl) Odilo (Johann Laireiter) Cäcilius (Rudolf Stefan Czaby)


Briefe und Grüsse aus aller Welt

Schleiden, 1. Sept. 2009 Lieber Rektor, Altcanisianer aus den Bistümern Aachen und Köln haben sich in der Eifel getroffen und grüßen Sie und die Kommunität des Canisianums in der Verbundenheit des „cor unum et anima una“. Toni Jansen …………….. Pepa P. Josef Bill SJ Tony P……….. Herbert Hammans Johannes Zensus 6.10.2009, Bozen, Bad Dreikirchen Lieber P. Rektor, lieber Gerwin, wir haben uns nach über 40 Jahren als AltCanisianer wiedergesehen und es war, als wäre es gestern: Matthias Abram, Lorenz Pan, Lawrence Milby, Arnold Wieland, Wolf-G. Zielinski (1959-66) Herzliche Grüße Sabaoani: Präl. Albert Holenstein feiert seinen 90. Geburtstag Am Dienstag, den 18. August 2009, hat Prälat Albert Holenstein seinen 90. Geburtstag in der Pfarre Sabaoani mit einem Festgottesdienst gefeiert. Seit Jänner 2005, nachdem er seine Arbeit in der Pfarre und im Missionszentrum Bregenz zurückgelegt hat,

wohnt der Prälat in Sabaoani (Rumänien) Prälat Albert Holenstein wurde am 18. August 1919 in Brooklyn, USA, geboren von wo er nach zweieinhalb Jahren mit seiner Familie in die Schweiz umzog. Seine theologische Ausbildung erhielt er in Innsbruck, wo er auch 1946 zum Priester geweiht wurde. Nach der Priesterweihe war er in mehreren Pfarreien in Vorarlberg als Kaplan tätig. 1951 wurde er zum Diözesandirektor der Missionswerke ernannt. 1961 wurde er Pfarrer der neu gegründeten Pfarre St. Kolumban Bregenz. Dort baute er die Pfarrkirche und das Missionszentrum und gründete auch das Hilfswerk für die Leprakranken. Sein Einsatz für die in Not geratenen Menschen machte ihn auf der ganzen Welt bekannt. 1992 hat Präl. Holenstein von der Situation der Diözese Iasi nach dem kommunistischen System erfahren und wollte „eine Brücke“ zwischen beiden Kirchen Iasi und Feldkirch bauen. 1993 hat er zum ersten Mal die Diözese Iasi besucht. Durch zahlreiche Priesterpartnerschaften konnte der Prälat zum Ausbau des neuen Priesterseminars wesentlich beitragen. Mehrere karitative Projekte wurden durch Präl. Albert Holenstein in der Diözese Iasi durchgeführt: der Bau von zwei Schwesternhäusern und die Abschlussarbeiten an der Bischofskathedrale von Iasi. Es war der Wunsch von Präl. Holenstein seinen Lebensabend in der Diözese Iasi zu verbringen.

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Terminkalender

September 2009 Mi 16. Do 17.-Do 24. Fr 18. Fr 25. Sa 26. Mo 28. Di 29.

18:30 Vesper Jahresexerzitien in Eben (Dr. Klaus Egger) Begräbnis P. Volkmar Premstaller SJ 18:10 Eröffnungsgottesdienst (P. Rektor), anschließend Abendessen 20:00 Eröffnungsabend in der Aula 08:00 Fuß-Wallfahrt nach Absam 12:00 Eucharistiefeier, 13:00 Mittagessen, Rückfahrt 09:00 Klausur: Kollegskonsult 15:00 „dies officialis“: Bildung der Kommissionen mit Bereitschaft zur Übernahme der Ämter, sowie Wahl der Moderatoren (vgl. RL 45 ff.) 17:30 Dekan Prof. Dr. Józef Niewiadomski: Einführung in die neuen Studienpläne, etc.

Oktober 2009 Do 01. Fr 02. Sa 03. So 04. Mo 05. Fr 09. Sa 10. So 11.

Do 15. Fr 16. Sa 17. So 18. Do 22. Fr. 23. Sa 24. So 25. Mo 26. Fr 30. Sa 31.

18:10 Eucharistiefeier (P. Hasitschka SJ) Betriebsausflug der Angestellten (Coll. Canisianum u. Coll. Maximum) Kulturgruppenabend (14 tägig) 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Thorer SJ) Eucharistiefeier in Pfarrgemeinden 07:15 Laudes Vorlesungsbeginn Wintersemester 11:00 Jesuitenkirche, Eröffnungsgottesdienst der Theol. Fakultät 12:30 Mittagessen Spiritualitätsgruppenabend (14 tägig) 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Prassl SJ) 19:00 (Jesuitenkirche) Antrittsgottesdienst der Universitäten und des MCI zugleich Jubiläum „340 Jahre Universität Innsbruck“ mit den Bischöfen Dr. Manfred Scheuer (Innsbruck), Dr. Elmar Fischer (Feldkirch), Dr. Karl Golser (Bozen) 18:10 Eucharistiefeier mit Erzbischof Anselme Titianma Sanon – BoboDioulasso, Burkina Faso Gedächtnis der Weihe unserer Kollegskirche (15.10.1911) Kulturgruppenabend 18:30 Vesper - Impuls (P. Komma SJ) Eucharistiefeier in Pfarrgemeinden 18:10 Fakultätsgottesdienst – P. Georg Fischer SJ Spiritualitätsgruppenabend 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Hasitschka SJ) Eucharistiefeier in Pfarrgemeinden Österreichischer Nationalfeiertag Kulturgruppenabend 18:40 1. Vesper vom Hochfest Allerheiligen

November 2009 So 1. Mo 2.

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Hochfest Allerheiligen – Eucharistiefeier in Pfarrgemeinden 08:00 Laudes Allerseelen 08:00 Eucharistie für die Verstorbenen der Canisianer 14:00 Grabsegnung der in Innsbruck verstorbenen Canisianer/Westfriedhof (P. Komma SJ)


Terminkalender

Do 5. Fr 6. Sa/So 7./8. Fr 13. Sa 14 So 15. Do 19. Fr 20. Sa 21. So 22. Sa 28. So 29.

18:00 Eucharistiefeier (P. Tschiggerl SJ) anschließend Konzert „Weltweite Klänge“ – Musik aus Lateinamerika. Herzliche Einladung. Die jungen Musiker bleiben als Gäste bei uns über Nacht Spiritualitätsgruppenabend 15:00 1. Einkehrtag (Prof. Dr. Gerda Riedl) Jahr des Priesters 2009/10 – Brief des Papstes – worum geht es? Eucharistiefeier (P. Thorer SJ) Kulturgruppenabend 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Prassl SJ) Eucharistiefeier in Pfarrgemeinden 18:10 Fakultätsgottesdienst (P. Goller SJ) Spiritualitätsgruppenabend 18:30 1. Vesper vom Christkönigssonntag – Impuls (P. Thorer SJ) Christkönigssonntag – Eucharistie in Pfarrgemeinden 18:30 Vesper mit Adventkranzsegnung (P. Komma SJ) 1. Adventsonntag – Eucharistie in Pfarrgemeinden

Dezember 2009 Fr 4. Sa/So 5./6. Di 8. Fr 11. Sa 12. So 13. Di 15.

Kulturgruppenabend 15:00 2. Einkehrtag (selbst gestaltet) 2. Adventsonntag Mariä Empfängnis 8:00 Laudes vom Hochfest – Eucharistie in Pfarrgemeinden Spiritualitätsgruppenabend 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Hasitschka SJ) 3. Adventsonntag – Eucharistie in Pfarrgemeinden 18.10 Eucharistiefeier 19.00 Abendessen mit Adventsfeier

[19. Dez. 2009 – 10. Jän. 2010 Ordnung in der Weihnachtszeit] Jänner 2010 So 10. Do 14. Fr 15. Sa/So 16./17. Fr 22. Sa 23. So 24.

Eucharistie in Pfarrgemeinden 18:40 Vesper 18:10 Fakultätsgottesdienst – Dekan Prof. Dr. Józef Niewiadomski Kulturgruppenabend 15:00 3. Einkehrtag – (P. Dr. Franz Helm SVD) Evangelischer Rat der Armut Spiritualitätsgruppenabend 18:30 1. Vesper – Impuls (P. Thorer SJ) 18:00 Abendessen 19.00 Semesterschlussgottesdienst der Universitäten, Jesuitenkirche

[ 07.02.2010 – 05.03.2010 Ordnung in den Semesterferien]

Februar 2010 Mo 8.02.(abends) – Di 16.02.(früh)

Exerzitien für die Neoingressi mit P. Spiritual in Vill

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Spendenliste

Wir danken unseren Spendern und Förderern: Alge H. Ancic N. Arroyabe E. DDr. Auer K.H., DDr. Bader G., Dr. Bechtiger G. Bertlwieser F., Dr. Bischof H. Blum W. Bock H. Bösl H.J. Bracken S. Brandenburg H., Dr., Bischof em. Brander H. Bucher M. Buchmann J. Bürgler J. Burri G. Buschor H. Canisiuswerk Chartreuse de la Valsainte Chorherrenstift Schlägl Colerus-Geldern O., Dr. Demel B., Dr. Deutsche Provinz der Jesuiten Eberle – Kiefer A. Eberle F. Eberle R. Eder G., Dr. Eder M., Sr. Egger F. Egger G. Egger K., Dr. Enderli M. Ewige Anbetung, Ibk. Fink St., Sr. Fischer G. Föhr B. Fuchsberger A. Fux F. Gasser U., Dr. Geiger G., Dr. Gersbach M. Gewert M. Gfrerer H. Gierlichs K-J. Glassner G., Dr. Glaus J. Gmainer- Pranzl F., DDr.

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Göbel E. Groiss W. Grosserhode P. u. A. Groten S. u. B. Gusmer Ch. Haas G. Hafner L. Hänggi J. Hartmann M. Heinrich J. Hemmelmayr G. Hochmuth A. Holenstein A. Holzer E., Sr. Holzhauser St. Höslinger A. Hubl B. Hug R. Jansen A. Jenner Chr., Dr. Jossen E. Kaiser A. Kandzia M. Kapellari E. Dr., Bischof Kath. Kirch-Gem. Weisstannen Kath. Pfarramt Peter u. Paul St.Gallen Kath. Pfarramt St. Georgen St. Gallen Kellner J. Kern R. Kerner R. Kettel J. Kiefer P. – K. Kiesel L. Kim J-T.G. Kobler A. König A. Konzili J. Kopf A. Körbling E. Kracher H. Kriech J. Kroisleitner R. Kunzenmann W., Dr. Kurz W. u. M. Lampl P. Langthaler R. Lauda K.H. Ledergerber I. Leprêtre N. Letonja F. Linser W.

Mabillard O. Mähr G. Mair M. Majewski St. Maleczek H. Maristen d. Deutschen Provinz Marré P.P. Mayr B., Dr. Mayr H.L. Mayrl A. Menrath W. Miesbauer L. Mikes H.J. Missionskloster Wernberg Missionsprokur Wien Mutterhaus Barm. Schw. Ibk. Müller D., Dr. Nagele H. Neumann Chr. u. R. Neumüller L. Neuner H. Niederklapfer O.u.M. Nimmervoll P. Oberhuber J. Österr. Bischofskonferenz Öttl P. Palgrave A. Pesendorfer F., Dr. Pfefferkorn F. Pfeiffer P. Pimiskern J. Pohler E. Pollhammer J., Dr. Pröls J. Raberger W., DDr. Ramsauer W. Raske M., Dr. Rauscher G., Dr. Reber U., Dr. Rechberger F. Redinger Chr., Dr. Reploh K.G. Riccobona M. Richwien L. Riegler P. Röhr L. Rohringer J. Roth E.

Sauer H., Dr. Schaller Ch. Schaupp K. Scherer O. Scherer P., Dr. Scherrer G. Schild H. Schimmöller K. Schmid A. Schmid C. Schmitt H. Schneider H. Schramm H. Schröder J. Schuler F. Schw. v. Guten Hirten Schw. v. Hl. Kreuz, Silz Petersberg Schwarz L., Dr. Schwarzenberger R., Dr. Schwarzmann A. Siebenhüter O. Sieberer B. Siemes R. Sinz R. Smekal Chr., Dr. Sorgenfrei H. Sotriffer A. Soz. Zentrum St. Josef, Mils Stadler A. Stanger O., Dr. Staudinger F., Dr. Staudinger F., Dr. Steidl H., Dr. Stern A. Stessel A. Strasser M. Tiefengrabner F.u.H. Tomitza G. Tóth J., Dr. Trojer M. Tropper F. Tschurtschenthaler M. Ulrich M., Dr. v. Merveldt H. v. Twickel M.G., Dr., Weihbischof em. Vavrovsky H.W., Dr. Walker R.S. Wallensteiner F. Wehrle P. Weirich G.

Wenk – Schlegel Ch. Weß P. Willers U., Dr. Wilmsen A. Winter A. Wittmann J. Wlassits F., Dr. Wöckinger P., Dr. Wolsegger J. Woschitz K., Dr. Zahlauer A., Dr. Zauner W., Dr. Zellner L. Zerfass R. Zielinski W. - G. Zimmermann W. Zirkel A. Zotz B., Dr.

Pater-MichaelHofmann-Stiftung: Bartz K.H. u. E. Egger G. Frassen A. Holzhauser St. Katzmayr W. u. E.-M. Knitel A.

Patenschaften und Studienplätze: Arnold W. American Innsbruck Alumni Association Angstwurm H. u. B. Baldegger O. Benediktinerinnen, Sr. M. Eder, Scharnitz Bereuter m. Pfarre St. Gallus, Bregenz Bischöfl. Ordinariat Bozen Bischöfl. Ordinariat Linz Degen M. Deutsche Missionsprokur SJ Eckstein M. Erharter J. Gleinser O. Hirschberger M. Karlinger A. Kath. Pfarramt Bürs Kath. Pfarramt Frastanz


Spendenliste

Kath. Pfarramt Mondsee Kath. Pfarramt Nenzing Kath. Pfarramt Saggen, Ibk. Kath. Pfarramt St. Barbara, Schwaz Kath. Pfarramt St. Johann i. T. Kath. Pfarramt St. Florin, Vaduz Kath. Pfarramt Wenns Kempter K.

Kiesel L. Kirche in Not Lenz. H., Dr. Matt E. Meier W. u. G. Mentgen H. Missio Austria Missionskreis Andelsbuch Müller R. Orat. Philip Neri Österr. Missionsprokur SJ

Pfarre St. Michael, Etting Pfarre St. Konrad, Linz Pfarre Tannheim Schneider H. OrPhN Schreiber M. Schüpferling G. Schweizer Missionsprokur SJ Seelsorgeverband d. Kath. Pfarreien Oberriet, Rüthi, Kobelwald

Spieler H. Staudinger F., Dr. Theurl R. Trausnitz J., Dr. Verwaltung des kathol. Konfessionsteils des Kantons St. Gallen Wageneder E. Wagner D. Willer F. Wilmsen A. OrPhN Wimmer W., Dr. Zeller H. SJ, Dr.

Intentionen haben übersandt: Anrain M. EB Pfarramt Brixen i. T. Haeller W. Karmel St.Josef, Ibk Kath. Pfarramt St. Johannes, Heimbuchenthal Kath. Pfarramt Schänis Kirchenkasse Kirchbichl i.T. Missionsprokur Nürnberg

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Bankverbindungen

Bankverbindungen: 1.

Deutschland (ohne Spendenquittung) Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG Kto 580 362 0590 (Canisianum Innsbruck) BLZ 700 202 70

2.

Deutschland (mit Spendenquittung) Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG Kto 580 138 1733 (Deutsche Provinz der Jesuiten K. d. ö. R./Canisianum) BLZ 700 202 70

3.

Österreich UniCredit Bank Austria AG, Innsbruck Kto 850 156 958/00 (Canisianum Innsbruck) BLZ 12000 IBAN: AT68 1200 0850 1569 5800 BIC: BKAUATWW

4.

Österreich Raiffeisen-Landesbank Tirol, Innsbruck Kto 616.326 (Canisianum Innsbruck) BLZ 36000 IBAN: AT42 3600 0000 0061 6326 BIC: RZTIAT22

5.

Österreich (steuerlich absetzbar) PSK Bank Kto 7086326 (Jesuitenaktion MENSCHEN FÜR ANDERE) BLZ 60000 IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326 BIC: OPSKATWW Verwendungszweck: Studienstipendium Canisianum Ihre Spende ist gemäß § 4aZ3 und 4 EstG steuerlich absetzbar Bei Steuererklärung zum Vereinsnamen: MENSCHEN FÜR ANDERE auch die Registrierungsnummer SO 1345 angeben.

6.

Schweiz UBS AG 9001 St. Gallen PC 80-2-2 Kto 254-LO 274622.0 zugunsten Canisianum, Pfr. Paul Hutter

7.

Pater-Michael-Hofmann-Stiftung UniCredit Bank Austria AG, Innsbruck Kto 518 840 200/00 BLZ 12000 IBAN: AT79 1200 0518 8402 0000 BIC: BKAUATWW

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Korrespondenzblatt des Collegium Canisianum Internationales Theologisches Kolleg Innsbruck Homepage: www.canisianum.at Eigentümer, Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Gerwin Komma SJ, Rektor A-6020 Innsbruck Tschurtschenthalerstraße 7 E-mail: rector@canisianum.at ISSN 1816-7136 Redaktion: Gerwin Komma SJ, Athanasius Sung-Jin Bai, Roberto García González, Dionius Bismoko Mahamboro, Basil Mzena, Sebastian Ortner Fotos: Athanasius Sung-Jin Bai, Gerwin Komma SJ, Dionius Bismoko Mahamboro, Fred Steiner, Josef Thorer Erscheinungsdatum: Dezember 2009


umschlag_heft 142_2_DRUCK:00-Cover_Farbe

14.12.2009

14:58 Uhr

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Korrespondenzblatt 144/2