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Wunder der Wirtschaft Ein satirischer Kommentar von Colin Schmid


Wunder der Wirtschaft Ein satirischer Kommentar von Colin Schmid Die Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde. Und mit Globalisierung und Digitalisierung in vielen Bereichen treffen Veränderungen immer schneller ein, was das Ganze auch nicht einfacher macht. Ich komme jedes mal wenn ich mir darüber Gedanken mache, wie unfassbar kompliziert das Ganze eigentlich ist, auf die Idee, dass das alles bewusst so konzipiert wurde, um den gemeinen Arbeiter abzuschrecken und auf diese Weise potentielle gefährliche Hinterfragende zu vermeiden. Wenn man aber erst mal die Konjunktur verstanden hat, gehen einem beim Lesen vieler News im Wirtschaftsdossier der NZZ die Glühwürmchen an. Sie ist etwas sehr fundamentales, man kann sagen dass diese Kurve, die Konjunktur, die Laune der Wirtschaft beschreibt, ob nun lokal oder global. Weiss man erstmal wie man diese Kurve lesen muss und welche Einflüsse sie zum steigen oder sinken treiben, versteht man eigentlich schonmal wie das Ganze so grob funktioniert. Etwas was einem dabei nicht genug eingetrichtert werden kann sind die beiden Worte «Angebot und Nachfrage». Das Zusammenspiel dieser beiden für mich höchst ungreifbaren Worte brachte mich immer wieder zum Brüten. Doch irgendwann in letzter Zeit habe ich dann begriffen, dass es die Preise nunmal beeinflussen muss, wie fest ich wie viele Barrel Öl kaufen will, und dabei nicht ganz unwichtig ist, wie viele Barrels davon die brasilianischen Bohrinseln, die ich in den Ferien im Atlantik schwimmen sehen konnte pro Minute an die Wasseroberfläche pumpen können. Und natürlich wie viele Menschen, die das Öl kaufen wollen, der Panikmache in den Medien Beachtung schenken. Trifft diese dämliche Gehirnwäsche nämlich auf Anklang, steigt die Nachfrage in Folge auf eine weitere US-Invasion im Mittleren Osten noch bevor ich das Wort Öl ausgesprochen habe ins unermässliche. Momentan zieht es diese Kurve nach unten. Das Kreditdebakel in den USA riss tiefe Wunden in die gesamte Weltwirtschaft. Etwas verzögert begannen in Irland die Banken einzubrechen und der Euro zu schwächeln. Es folgten die unsägliche Situation Griechenlands und noch immer geht es einem EU-Land nach dem anderen im-

mer schlechter. Die manchmal abstrusen Bewertungen von Ratingagenturen (Moodys, Standard and Poor lassen grüssen) haben dazu sicherlich ihren Beitrag geleistet. Auch für die Schweiz hat diese Rezession immer erheblichere Ausmasse. Der Franken ist zu teuer, was primär natürlich den Exportmarkt, die Tourismusbranche und allmählich aber auch den Detailhandel trifft. Die Leute kommen nicht mehr in die Schweiz um Ferien zu machen –  zu Teuer, selbes gilt für die Schweizer, sie kaufen ihre Tube Senf nicht mehr im Coop, sondern im Aldi über der Grenze. Jobs werden rarer, Betriebe die vom Export leben müssen Entlassungen machen und die Arbeitslosenrate steigt. Und genau hier, am unteren Ende der Kette betrifft das eben auch den kleinen Arbeiter, den Polygrafen der in einer kleinen Druckerei arbeitet. Er bangt um seinen Job. Wenn ich so darüber nachdenke, wie ich mich in einer solchen Situation verhalte, um möglichst unbehelligt bis zum nächsten Boom durchzukommen, kommen mir natürlich erst einige offensichtliche Dinge in den Sinn. Ganz sicher keinen Kredit aufnehmen. Sparen an allen Ecken und Enden, keine gösseren Investitionen tätigen und die Ersparnisse vielleicht eher ins Kopfkissen einnähen als auf dem UBS-Konto liegen zu lassen. Ausserdem währen einige Jobsichernde Massnahmen angebracht, Lohnforderungen sollte ich besser vertagen und selbstverständlich eine möglichst gute Arbeit machen. So müsste man sich eigentlich gut durchschlagen können, als kleiner Mann. Als in den 30er Jahren, der Dekade vor dem Zweiten Weltkrieg, gab es in den Vereinigten Staaten, beispielsweise in Atlantic City, New Jersey ein paar mächtige, gerissene Männer die ihre Köpfe zusammenschlossen. Sie suchten nach einem Weg, um trotz absteigender Konjunktur ihren Reichtum zu halten und sich weiter bereichern. Ob die Zusammenhänge, die ich hier beschreibe sich auch wirklich so zugetragen haben, oder sie nur meine Hirngespinste sind, kann ich nicht sagen. Eine interessante Theorie ist es jedenfalls. Und ein nicht ganz risikofreier Weg, die Depression durchzustehen. Allerdings braucht es Macht und Mittel, um diesen Plan in Realität umzusetzen.


Beides dieser Voraussetzungen erfüllten besagte Männer mehr als erforderlich. So erdachten sich diese lustigen Herren einen Plan, sie nannten ihre Kreation «Prohibition». Erst erliessen sie mithilfe der aufstrebenden Frauenrechtsbewegung, die leicht für solche Vorhaben zu gewinnen war Gesetze, die den Konsum sowie die Herstellung von Alkohol untersagten. Selbstverständlich alles unter dem Vorwand wie schädlich der Alkohol doch für die Menschen sei. Ist ja auch so, Alkohol macht Familien kaputt, die Menschen saufen statt zu arbeiten und so. Ihr Plan ging auf und wenige Wochen später landeten bei Nacht und Nebel die ersten Schmugglerboote vollbeladen mit Fässern an der Ostküste. Ausserdem entstanden in unzähligen zwielichtigen Lagerhallen in den Industrievierteln verschiedener Ostküstenstädte illegale, so zu sagen grausubventionierte Whiskybrennereien und unsere schlauen Freunde verdienten sich abermals eine goldene Nase, beispielsweise indem sie in ihren Restaurants und Hotels unter der Hand alkoholische Getränke anboten, zu völlig überteuerten Preisen – versteht sich – was sich rasch herumsprach und die Kassen gehörig zum klingen brachte. Für mich ist diese Geschichte eines von vielen Beispielen dafür, wie leicht der Kapitalismus die eine menschliche Schwäche in uns wecken kann, die meiner Meinung nach irgendwann der Todesstoss für unser System sein wird. Der Egoismus.


Wunder der Wirtschaft