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wr/politik/politik am sonntag Variante: A - Status: Autor - # 6 # - 22.05.2011 gedruckt am 23.05.2011 13:02:59

P o l i t i k

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VONC L AUSP ÁNDI

WasvonJosefPröllamEndegebliebenist, worüberSpindeleggernachdenkensollte und wie PR-Profis der Regierung helfen.

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etzt ist es auch schon wieder zwei Tage her, dass die ÖVP einen neuen Chef bekommen hat. Damit ist Michael Spindelegger seiner Ablöse um zwei Tage näher gerückt. Das liegt weniger an Spindelegger, als am Selbstzerstörungstrieb der einmal großen bürgerlichen Partei. arum auch Spindeleggers flehender Hilferuf an die eigenen Reihen, die Heckenschützen mögen ihre Intrigen sein lassen. Dieser Appell samt Applaus gehört zum Ritual wie das Winteraustreiben. Jeder weiß, der nächste Kälteeinbruch kommt wie das Amen im Gebet, wie das Spindelegger sagen würde.

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Überdruss beklagte Stillstand in der Republik hat ebensoviel mit dem Koalitionspartner SPÖ zu tun. Die Kanzlerpartei spielt neuerdings ungelenk, aber doch den Klassenkämpfer. Mit angestaubten Parolen aus den 1930er Jahren ist man zwei Jahre vor den Nationalratswahlen auf Stimmenfang – und tritt dennoch auf der Stelle.

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ines sollte Spindelegger zu denken geben: Von seinem Vorgänger sind fünf Wochen nach dessen Abgang nur noch die Geschichten von seiner Erkrankung in Erinnerung. Die politische Bilanz fällt hingegen recht dürftig aus. Nach acht Jahren als Minister, Vizekanzler und Parteichef hat Josef Pröll keine nennenswerten Spuren hinterlassen. on einem alleinigen Verschulden der ÖVP kann freilich überhaupt nicht die Rede sein. Der von vielen auch an dieser Stelle bis zum

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ie erste Bewährungsprobe der neu zusammengewürfelten Koalition ist in acht Tagen. Dann gibt es wieder eine dieser berühmten Regierungsklausuren. Dort sollten die Vorhaben für den Rest des Jahres festgelegt werden. Weder SPÖ noch ÖVP haben dazu ein bestimmendes Thema gefunden. Fragen dazu werden im Kanzleramt mit beharrlichem Schweigen quittiert. Als Ideen kursieren nur Vorschläge wie: eine „Bilanz der Regierungstätigkeit bisher“ und „irgendetwas in Sachen Bildung“. etzt springt dem Vernehmen nach eine PR-Agentur ein. Wenn es für den Regierungsgipfel am Semmering schon keine Inhalte gibt, soll wenigstens die Verpackung passen. Mit Motto und Logo übernehmen nun Werbeprofis die Politik.

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Illustration: Michael Chvatal

Suche nach DNA-Spuren in der Federkrone

Foto: „Krone“-Archiv

Mi t t woc h,ab9. 00Uhr aufwww. kr one. t v/ pandi

Es gibt wieder einmal Neuigkeiten von der „Operation Pute“ – die in dieser Kolumne bekannt gewordene Geheimbezeichnung für die

Kein Kleid, sondern die berühmte Federkrone einmal andersrum: Die peniblen Untersuchungen zur Reisetauglichkeit nach Mexiko nähern sich jetzt ihrem Ende.

(zeitlich befristete) Rückschaffung der berühmten Federkrone aus dem Völkerkundemuseum in Wien nach Mexiko. Derzeit wird die Federkrone („Penacho“) noch an der Rückseite untersucht. Es geht dabei um die Flugtauglichkeit des filigranen Schmucks. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Vogelflaum nicht zu Staub zerfällt, wenn er an Bord gehievt wird. Aber ein solches Malheur gilt mittlerweile als ausgeschlossen. Die Museumsleute haben brav auf das Aztekenartefakt aufgepasst. Jetzt messen Ingenieure auch genau die Schwingungen, denen die empfindliche Federkrone im Flugzeug ausgesetzt wäre. Zudem haben die Mexi-

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kaner eine spezielle ultramoderne Reisekiste präsentiert, in der die Federkrone abtransportiert werden soll. Zusätzlich untersucht man die Krone auch nach DNA-Spuren, um herauszufinden, wer die Träger des umstrittenen Objekts gewesen sein mögen. Wie auch immer: Die Abreisevorbereitungen laufen auf Hochtouren. Museums-Generalin Sabine Haag reist Ende Juni als Federkronen-Vorhut schon einmal nach Mexiko. Und der neue Außenamtsstaatssekretär Wolfgang Waldner als Ex-Museums-Chef versteht etwas von Kulturgütertausch. Spätestens Anfang kommenden Jahres könnte die Federkrone endgültig abzwitschern.


Politik am Sonntag