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Montag, 25. März 2013

Kultur

Kaiser Ferdinands Kunstkammer entdeckt In der Wiener Hofburg ist offenbar das Fundament der Kunst- und Wunderkammer von Kaiser Ferdinand I. entdeckt worden. Errichtet wurde der Museumsbau zwischen 1558 und 1563. Die Wiener Kunstkammer gilt damit als erster Museumsbau nördlich der Alpen. Bisher hatte die Münchner Kunstkammer Herzog Albrechts V. diese Position inne. Die Fundamente des Wiener Baus, dessen Grundriss etwa 20 mal sechs Meter einnahm, befinden sich demnach in der Nähe des Schweizertores, wie dies das Nachrichtenmagazin «profil» berichtete. Das Magazin berief sich auf das Kunsthistorische Museum (KHM) und das österreichische Denkmalamt. KHM-Chefin Sabine Haag nannte das Ergebnis des Forschungsprojekts «wirklich sensationell». Die Sammlung Ferdinands I. befindet sich heute in der Kunstkammer des KHM, die erst kürzlich neu eröffnet wurde. Von der Existenz der früheren Kunstkammer habe man zwar gewusst, erklärte Haag gegenüber «profil», deren Lage aber bisher nicht lokalisieren können. Dies gelang nun der Kunsthistorikerin Renata Holzschuh-Hofer, die für das Denkmalamt tätig ist. (sda)

Fumetto schreibt Erfolgsgeschichte weiter Das 22. Internationale Comix-Festival Luzern ist gestern mit rund 50 000 Besucherinnen und Besuchern zu Ende gegangen. Der Gewinner des Publikumspreises ist der junge Belgier Martin Viot. Die Festivalleitung äusserte sich gestern in einer Mitteilung erfreut über das stabile Besucherniveau. Sie vermeldete einen Zuwachs von Besuchern aus dem französischsprachigen Raum. Als Grund nannte Fumetto besondere

KonzeRtKRitiK

Tiefe Temperaturen treffen auf tiefe Bässe Am Samstag lud der Snow Jam beim Sportzentrum Davos zum zweiten Mal zum Stelldichein nationaler und internationaler Hip-Hop-Acts und sorgte für einen Tag konzentrierter Konzerterlebnisse. Von Claudio Candinas

Die Zeichen standen gut für den diesjährigen Snow Jam in Davos, die offizielle Winteredition des Open Airs Frauenfeld. Das Wetter zeigte sich am Mittag von seiner besten Seite und bescherte sowohl Mitarbeitern als auch den bereits anwesenden Künstlern die Möglichkeit, sich für den bevorstehenden Publikumsaufmarsch mit einem kurzen, aber intensiven Sonnenbad zu rüsten. Auffällig ausgelassene Stimmung herrschte sowohl hinter der Bühne als auch im Organisationsbüro des Festivals, eine für Veranstaltungen dieser Grösse eher ungewohnte Tatsache. Gemächlicher Berner Start Pünktlich um 13 Uhr – bereits eine Stunde nach offiziellem Einlass – betrat die Berner Rapperin und Beatboxerin Steff La Cheffe die Bühne, welche als Ersatz für den US-amerikanischen Rapper 2 Chainz eingesprungen war. Vor einer leider mehr als überschaubaren Zuschauerzahl präsentierte die Bernerin, begleitet von einer Liveband und zwei Sängerinnen, unter anderem Songs aus ihrem kommenden Album «Vögu zum Geburtstag» und vermochte, das Eis langsam, aber sicher zu brechen und dem Publikum einen würdigen Start in die Konzertreihe zu bescheren. Sicherlich kam Steff in der für viele Künstler unangenehmen Position des Opening Acts ihre Bühnenerfahrung und die damit einhergehende Professionalität zugute, mit welcher sie die Stimmung beim Publikum kontinuier-

Beats und Rhymes in Davos – die selbsternannte Alpenmetropole hatte am Wochenende zumindest musikalisch das Format einer Grossstadt. (Foto Mallaun Photography)

lich steigern konnte. So verliess Steff La Cheffe nach 50 Minuten unter Beifall die Bühne. Unglaubliche Freestyles Nach einer Umbauzeit von knapp 20 Minuten betraten die Münchner Rapper von Blumentopf die Szenerie und starteten ihre Show mit dem, was sie international zu den Meistern ihres Fachs macht: einer ausgedehnten Freestyle-Einlage. In Sachen improvisierte Reime kann den vier Herren niemand im deutschsprachigen Raum das Wasser reichen, verfügen sie schliesslich über 20 Jahre Erfahrung darin. Das Konzert von Blumentopf bildete des Weiteren ein Potpourri aus sämtlichen Meilensteinen ihrer Karriere und vermochte das Publikum mit Songs wie «Safari» zum Springen zu bringen. Wortsalven aus Übersee Nun hiess es Bühne frei für die US-amerikanischen Kollegen. Als Drittes betrat der aus Alabama

stammende Rapper Yelawolf die Bühne und feuerte Wortsalven in kaum nachvollziehbarer Geschwindigkeit ab, was beim Publikum unweigerlich zu Begeisterungsstürmen führte. Der Rapper in den roten Mokassins lieferte zusammen mit seinem DJ eine unglaublich energiegeladene LiveShow inklusive Stage Diving und fliegenden Mikrofonständern ab. Ein wirklich eindrücklicher Fakt, wenn man Yelawolf kurz vor und nach dem Konzert eher lethargisch auf dem Festivalgelände umherschlendern sah, stets für ein Foto offen und immer äusserst höflich. Nas – eine lebende Legende Ihm folgte der Auftritt von Shootingstar Mac Miller, welcher mit wirklich ausgefallenem Kleidungsstil und einer ganzen Entourage die Bühne in Davos enterte und auf eindrückliche Weise bewies, dass Rap bei ihm mit enormer körperlicher Verausgabung einhergeht. Ganz zur Freude des Publikums, welches den Auftritt

des aus Pittsburgh stammenden Musikers mit dem euphorischsten Beifall des Tages würdigte. Nach Sonnenuntergang hiess es Bühne frei für Nas, die rappende Legende aus Queensbridge/New York City. Nas schien sichtlich gut gelaunt und lieferte in 75 Minuten sämtliche Hits seiner gesamten Karriere und gewährte dem Snow Jam einen eindrücklichen Einblick in ein Stück Zeitgeschichte der amerikanischen HipHop-Kultur. Leider verzeichnete Nas etwas weniger Zuschauer als sein Vorgänger. Wahrscheinlich haben sich einige Besucher bereits auf den Weg von der Kälte in die Wärme des ausverkauften Kongresszentrums gemacht, wo die Afterparty des Events stattfand, an welcher Nas ohnehin nochmals als Host gastieren würde. Der diesjährige Snow Jam darf als gelungene Veranstaltung verbucht werden – trotz verhaltener Zuschauerzahl und den Absagen von Lil Wayne und 2 Chainz.

Schweizer Filmpreis Das Fumetto geniesst einen guten Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus. (Ky)

Anstrengungen bei der Werbung und Medienarbeit in dieser Region. Den Publikumspreis des Wettbewerbs ging an den 1989 geborenen Martin Viot aus Brüssel. Seine schwarz-weisse Arbeit zum Thema Gerechtigkeit hatte zuvor auch schon die Wettbewerbsjury überzeugt. Viot landete in der Kategorie des Hauptpreises auf Platz zwei. (sda)

KuLtuRnotiz Unter grossem Andrang der Besucher ist in London eine Ausstellung über das Leben der britischen PopIkone David Bowie eröffnet worden. Die Besucher seien hereingeströmt, sagte eine Sprecherin des Victoria-&-Albert-Museums am Samstag. Schon Tage vor dem ersten Öffnungstag hatte das Museum mehrere Zehntausend Tickets verkauft. Die Ausstellung zeigt unter anderem 300 Objekte aus Bowies persönlichem Archiv, das er erstmals öffnete: handschriftlich notierte Liedtexte, die Mode, die er getragen hat, Plattencover und Video-Animationen. Sie führt durch das Leben und die Karriere des heute 66 Jahre alten Superstars («Heroes»).

aBowie-Ausstellung eröffnet:

Favoritensiege bei Spiel- und Dokfilmen

«L’enfant d’en haut» und «More Than Honey» haben gleich mehrere Preise abgeräumt, grosser Verlierer war der Film «Rosie». Von Serge Kuhn

«L’enfant d’en haut» von Ursula Meier war im Rennen um die Oscars unter den neun besten nicht englischsprachigen Filmen – ein Streifen dieser Klasse triumphiert wohl fast zwingend auch im Rennen um den Schweizer Filmpreis Quartz. Drei Trophäen konnten Meier und ihre Crew am Samstagabend in Genf feiern. «L’enfant d’en haut» wurde zum besten Spielfilm gekürt, Meier und Antoine Jaccoud erhielten den Preis für das beste Drehbuch. Die Trophäe für den besten Hauptdarsteller ging an den Teenager Kacey Mottet Klein, der in «L’enfant d’en haut» einen findigen Dieb spielt. Mit Meier zu arbeiten sei schrecklich, sagte er scherzhaft, um sich anschliessend artig zu be-

Kacey Mottet Klein albert an der Seite von Moderatorin Fabienne Hadorn während der Preisverleihung in Genf. (Foto Keystone)

danken. Mottet Klein stach Fabian Krüger aus, obwohl dieser als erster Darsteller in der Geschichte des Schweizer Filmpreises gleich für zwei Rollen Quartz-Chancen hatte – als katholisch-konservativer Walliser Politiker Peter von Roten in «Verliebte Feinde» und als schwuler Schriftsteller in «Rosie». Für die «Rosie»-Macher war es insgesamt kein sonderlich guter Abend, resultierte doch aus sechs

Nominationen nur ein Quartz: für Hauptdarstellerin Sybille Brunner. Nominiert waren in dieser Kategorie auch Mona Petri («Verliebte Feinde») und Sabine Timoteo («Cyanure»). Bester Dokfilm und beste Musik In der Ausmarchung um den Quartz für die beste Nebenrolle setzte sich Antonio Buil («Opération Libertad») gegen gleich zwei

«Rosie»-Darsteller durch: Judith Hofmann und Sebastian Ledesma. Der Titel des besten Schweizer Dokfilms 2013 – auch dies keine Überraschung – ging an «More Than Honey» von Markus Imhoof, für welchen bereits sensationelle 205 000 Kinokarten allein in der Schweiz gelöst wurden und der auch international Erfolge feiert. Das Werk erhielt auch den Preis für die beste Filmmusik (Peter Scherer), während der Dokfilm «Hiver Nomade» die beste Kamera-Arbeit (Camille Cottagnoud) aufweist. Den Spezialpreis vergab die Schweizer Filmakademie ebenfalls an ein Mitglied der «Hiver Nomade»-Crew, Karine Sudan für die Montage. Rolanda Colla gewann für «Einspruch IV» den Quartz in der Kategorie Kurzfilm. Colla hatte bereits im Vorjahr eine Auszeichnung in Empfang nehmen können, damals für den besten Spielfilm («Giochi d’estate»). Bester Animationsfilm wurde «La nuit de l’ours» (Die Nacht des Bären) von Frédéric und Samuel Guillaume.

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