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Region Steuern: Bistum Chur will Mitsprache Im Bistum Chur stehen die Zeichen erneut auf Sturm. Das Bistum spricht den kantonalen Landeskirchen öffentlich das Recht ab, über die von ihnen eingezogene Kirchensteuer frei zu verfügen. Chur. – Auslöser des neuesten Zwists ist eine kirchennahe Anlaufstelle, die auch Abtreibungsberatung anbietet. Generalvikar Martin Grichting protestierte letzte Woche im Namen von BischofVitus Huonder erfolglos gegen die finanzielle Unterstützung der Churer Beratungsstelle Adebar durch die Katholische Landeskirche Graubünden. Das Kirchenparlament liess ihn abblitzen. Als Reaktion auf einen Bericht in der «Sonntags-Zeitung» bezieht das Bistum nun in ungewohnter Deutlichkeit Stellung. Eine Aufgabe der Landeskirchen sei das Einziehen und Verwalten der Steuern. Die Entscheidung über die Verwendung der Mittel müsse zusammen mit der Kirchenleitung, insbesondere dem Bischof, getroffen werden, sagte Bistumssprecher Giuseppe Gracia auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Dazu seien die Landeskirchen gemäss den eigenen Statuten verpflichtet.

DIe süDostschweIz | dIEnStAg, 1. noVEMBEr 2011

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Davos soll am World Economic Forum «besetzt» werden Vor Beginn des nächsten World Economic Forum sollen auch in Davos Proteste der «OccupyBewegung» stattfinden. Das plant die Grüne Partei Davos. Von Béla Zier Davos. – Die Protestaktionen der in New York (USA) ins Leben gerufenen «Occupy»-Bewegung sind auch in die Schweiz übergeschwappt. Unlängst hatten Aktivisten den Zürcher Paradeplatz besetzt, um friedlich gegen raffgierige Banken zu protestieren. Das Ziel der sogenannten «Empörten» ist es, gemeinsam für neue Lö-

sungsansätze im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben einzustehen und sich gegen das marode Finanzsystem und dessen Auswirkungen zu wehren. Unter dem Motto «Occupy Davos» soll im nächsten Januar kurz vor Beginn des World Economic Forum (WEF) mit ähnlichen Aktionen auch im Landwassertal protestiert werden. Dass entsprechende Planungen im Gange sind, bestätigte Rolf Marugg gegenüber der «Südostschweiz». Marugg vertritt die Grüne Partei im Davoser Grossen Landrat. Die Davoser Grünen organisieren auch die alljährliche Anti-WEF-Demonstration vor Ort. Die Aktion «Occupy Davos» stehe

erst in den Vorbereitungen, erklärte Marugg. Zunächst müsse er abklären, wer sich alles an der Trägerschaft beteiligen will. Auf die Frage, ob – wie in Zürich – in Davos ein Platz besetzt werden soll, meinte Marugg: «Wir müssen auch noch mit der Gemeinde Davos schauen, was im Endeffekt möglich ist. Es müsste ein prominenter Platz sein, der Eingang beim Kongresszentrum wäre nicht schlecht.» Dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. «wohlwollend prüfen» Der Davoser Landammann Hans Peter Michel reagierte gelassen auf die Absichten von Marugg: «Wenn jemand

eine politische Meinung zum Ausdruck bringen will, dann wollen wir ihn nicht schikanieren.» Wenn nach einem Ort für die Aktion «Occupy Davos» gesucht und das Begehren rechtzeitig der Gemeinde angemeldet wird, werde man das «wohlwollend prüfen», so Michel. Allerdings würde eine entsprechende Bewilligung analog zur WEFDemo mit Auflagen verbunden. Eine deutlicheAbsage erteilt Michel derAbsicht, eine «Occupy Davos»-Aktion in den am WEF geltenden Sicherheitszonen durchzuführen. Das gilt insbesondere für das Eingangsareal des Kongresszentrums. «Jeder verantwortungsbewusste Politiker und Bürger weiss, dass das nicht geht», so Michel.

Landeskirche protestiert vehement Die Bündner Landeskirche unterstütze gegen den Willen des Bischofs eine Institution, die mit der «Abtreibungsbegleitung» gegen die Grundsätze der Katholischen Kirche handle. «Die Landeskirche macht mit den Kirchensteuern, was sie will – selbst dort, wo Kernanliegen des Glaubens tangiert sind», sagte dazu Generalvikar Martin Grichting. Claudia Kleis, CVPGrossrätin und Präsidentin der Exekutive der Bündner Landeskirche, protestiert: «Das sind unsere Gelder, die wir über die Kultussteuer von juristischen Personen beziehen.» Das Bistum wolle mit der aktuellen Diskussion diese Steuern abschaffen und hoffe auf Mehreinnahmen für sich. Zum Engagement bei Adebar erklärt sie, die Landeskirche sei eine weltliche Organisation und damit Roms Grundsätzen nicht zwingend verpflichtet. Zentral sei aber, dass die Beratungsstelle sehr viel präventive Arbeit leiste, damit es zu ungewollten Schwangerschaften gar nicht erst komme. unlösbarer Konflikt Der Konflikt zwischen dem Bistum als Teil der Römisch- katholischen Kirche und der öffentlich-rechtlichen Landeskirche ist laut Bistumssprecher Gracia nicht lösbar. Er befürchtet, dass der Zoff um die kleine Beratungsstelle Adebar weitere, möglicherweise grosse Wellen schlagen wird. Es könne sogar sein, dass Rom intervenieren werde. (sda) I m p r es s u m

Für die nächsten 21 Wochen ganz in Grün

In Reih und Glied warteten gestern die zukünftigen Schweizer Soldaten in der Kaserne Chur, bis ihr Name aufgerufen wurde. Die jungen Wehrmänner werden sich für die nächsten 21 Wochen von ihren Zivilkleidern trennen müssen und unter dem Kommando von Oberst i Gst Peter Baumgartner die Rekrutenschule an verschiedenenen Orten in der Schweiz absolvieren. Bild Yanik Bürkli montag war gestern…

Der Bündner Oberländer – eine Gebrauchsanleitung

Unabhängige schweizerische Tageszeitung mit Regionalausgaben in den Kantonen Graubünden, Glarus, St. Gallen und Schwyz.

Herausgeberin: Südostschweiz Presse und Print AG Verleger: Hanspeter Lebrument CEO: Andrea Masüger Redaktionsleitung: David Sieber (Chefredaktor), Pieder Caminada, René Mehrmann (Stv. Chefredaktoren), Gisela Femppel (Überregionales), Rolf Hösli (Redaktion Glarus), Thomas Senn (Redaktion Gaster/See), René Weber (Sport) Abo- und Zustellservice: Kasernenstrasse 1, 7007 Chur, Telefon 0844 226 226, E-Mail abo-chur@suedostschweiz.ch Anzeigen: Südostschweiz Publicitas AG Erscheint siebenmal wöchentlich Gesamtauflage: 122 470 Exemplare (WEMF/SW-beglaubigt) Reichweite: 236 000 Leser (WEMF/SW-beglaubigt) Adresse: Die Südostschweiz, Comercialstrasse 22, 7007 Chur, Telefon 081 255 50 50, Fax 081 255 51 02 E-Mail: Regionalredaktion: redaktion-gr@suedostschweiz.ch; Redaktion Inland, Ausland: zentralredaktion@suedostschweiz.ch; Redaktion Bild: redaktion-bild@suedostschweiz.ch; Redaktion Kultur: kultur@suedostschweiz.ch; Redaktion Online: redaktion-online@ suedostschweiz.ch; Redaktion Sport: redaktion-sport@suedostschweiz.ch; Redaktion Wirtschaft: wirtschaft@suedostschweiz.ch Ein ausführliches Impressum erscheint in der Dienstagsausgabe

Von Claudio Candinas* Ja, heute ist Allerheiligen. Für viele, unter anderem auch für mich, ein Tag wie jeder andere. Ich möchte gar nicht näher auf diesen erzkatholischen Feiertag eingehen, sondern Ihnen, liebe Leser, lieber einen äusserst nützlichen, kurzen Behelf geben, welcher Sie heute sicher durch den Tag geleiten soll. Denn es ist so weit, die Bündner Oberländer marschieren heute wieder in Scharen in unsere Hauptstadt ein, um sich an den Öff-

nungszeiten der ketzerischen Detaillisten Churs zu laben. Um Ihnen, gewogene Leser, den Umgang mit dieser doch speziellen Art von Mitmenschen so unkompliziert wie möglich zu machen, versuche ich an dieser Stelle, Ihnen die Spezies des «Homo Surselvus» etwas näherzubringen. Das Verhalten: Der Bündner Oberländer tritt gerne im Kreise der Familie auf. Vor allem, wenn es um Grosseinkäufe in urbanen Gefilden geht. Schliesslich lassen sich mit zehn Händen mehr Taschen tragen als mit zwei. Bündner Oberländer gelten als geizig, tätigen jedoch gerne Investitionen in die Zukunft. Dies kann sich auch schon im Kauf von beispielsweise zwei Staubsaugern anstelle von einem manifestieren – vor allem, wenn dafür Treuepunkte winken. Es ist nicht zwingend nötig, spezielle Rabatte zu gewähren. Eine attraktiv gestaltete Beschriftung mit auffälligem Hinweis auf diese Treuepunkte reicht völlig aus. Als Sohn von Bündner

Oberländern weiss ich, wovon ich spreche – spätestens seit der Hunderter-Packung Milchschnitten im Kühlschrank meiner Eltern. Der Akzent: Oft als logopädischer Wahnsinn verschrien, ist der Akzent des Sursilvans nichts anderes als eine kleine Laune der Natur. Ich bitte Sie daher, sich weder über ein tief im Rachen verschwindendes «Rrrr» noch über die willkürliche Anwendung sämtlicher Artikel und Pronomen zu mokieren. Tragen Sie gegebenenfalls eine Packung Oropax bei sich. Vor allem Gespräche in Gruppen können zeitweilen sehr laut werden. Das Wesen: Der Bündner Oberländer gilt als stur, öffentlichkeitsscheu und pessimistisch. Bestes Beispiel ist wohl mein Vater. Seien Sie daher geduldig und geben Sie Ihrem Gegenüber die Zeit, sich zu akklimatisieren. Lassen Sie allfälliges Fluchen einfach an sich vorbeiziehen und versuchen Sie, die Essenz der Aussage zu extrahieren. Sie ersparen sich damit grös-

sere Hürden in puncto Kommunikation und geben dem Oberländer ein Gefühl von Sicherheit. Sollten Sie aus irgendeinem Grund von einem Bündner Oberländer zum Essen eingeladen werden, fasten Sie vorher eine Woche. Das kleine Volk tischt gerne für das Dreifache der anwesenden Gäste auf. Bestes Beispiel ist wohl meine Mutter. Erwarten Sie bitte nicht, dass Ihnen in den Teller geschöpft wird, denn: Oberländer sind selbstständig und lassen sich nicht gerne bedienen. Zu guter Letzt, dasWichtigste: Seien Sie offen und lassen Sie den kulturellen Austausch zu, denn Oberländer sind die wohl liebenswürdigsten Menschen der Welt. Bestes Beispiel dafür sind definitiv meine Eltern. *Claudio Candinas, Musiker, Werbekind und Blogger, bringt für die «Südostschweiz» Unerhörtes aus dem Alltag zu Papier. Unter www.claudiocandinas.ch können sich Interessierte weiteren Einträgen des Mittzwanzigers widmen.

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